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ARBEITSGEMEINSCHAFT FüR FORSCHUNG

DES LANDES NORD RHEIN-WESTFALEN

GEISTESWISSENSCHAFTEN

Sitzung
am 22. Oktober 1952
in Düsseldorf
ARBEITSGEMEINSCHAFT FüR FORSCHUNG
DES LANDES NORDRHEIN-WESTFALEN
GEISTESWISSENSCHAFTEN

HEFT9

ABHANDLUNG

Georg Schreiber
Irland im deutschen und abendländischen
Sakralraum

Zugleich ein Ausblick auf St. Brandan und die zweite Kolumbusreise

WESTDEUTSCHER VERLAG KÖLN UND OPLADEN


ISBN 978-3-663-00691-6 ISBN 978-3-663-02604-4 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-663-02604-4
Copyright 1956 by Westdeutscher Verlag, Köln und Opladen
Gesamtherstellung : Westdeutscher Verlag
VORWORT

Seit einem Jahrzehnt habe ich mich dem irischen Volkstum zugewandt.
Es interessierten Fragenbereiche, die das kultische Nachleben und die von
Gemeinschaften besorgte Verehrung der Iren auf dem europäischen Fest-
land betreffen, vor allem im deutschen Sakralraum 1. Das geschah auch in
Fühlungnahme mit Ludwig Bieler (Dublin), mit Bernhard Bischoff (Mün-
chen-Planegg), Rudolf Kriss (München-Berchtesgaden), Julius Pokomy
(Zürich) und Leo Weisgerber (Bonn), ebenso mit meinen deutsch-irischen
Verwandten, mit dem Wirtschaftshistoriker Ministerialrat Dr. Othmar
Feßler (Dalkey, Co. Dublin). Die vorliegende Studie gibt sich als Fort-
setzung. Sie wurde auf Grund eines Vortrages in der Arbeitsgemeinschaft
(16. Juli 1952) besorgt. Näherhin nimmt sie Stellung zu mannigfachen
Spuren, die die Iren vornehmlich im deutschen Sprachraum hinterließen.
Dabei ergeben sich manche Ausblicke auf eine West-Ost-Wanderung, die
sich von der Gallia christiana, das will besagen, von einer irischen Neu-
heimat in Lagny, Peronne, Fosses, Chartres und von andernorts her voll-
zogen.
Verschiedene Siedlungstypen treten dabei heraus. Man findet irische Nie-
derlassungen in Bischofsstädten. Man begegnet Eremitagen für Inklusen.
Man trifft auf Klostergründungen im Strom des Verkehrs und abseits im
schweigsamen Waldesdickicht des Festlandes. Wo diese unterschiedlichen
Geschehnisse zu erschließen sind, kam es uns auf eine Würdigung an, bei
der sich die Hagiographie, die Religionswissenschaft, die Ikonographie
äußern. Im besonderen wurde versucht, die Nachwirkung dieser Iren im

1 Georg Schreiber, Irosmottisme und angelsämsisme Wanderkulte in Westfalen mit Aus-


blicken auf den gesamtdeutsmen Raum, in: Liudger und sein Erbe, Teil 2 (= Westfalia Sacra,
hrsg. von H. Börsting und A. Schröer, Bd. 2). Münster i. W. 1950, S. 1-132; ders., St. Pirmin
in Religionsgesmimte, Ikonographie, Volkskunde. Armiv für mittelrheinisme Kirmen-
gesmimte 5, 1953, S. 42-76; ders., Der irisme Seeroman des Brandan. Ein Ausblick auf die
Kolumbus-Reise, in: Festsmrift für Franz Dornseiff zum 65. Geburtstag, hrsg. von Horst
Kusch. Leipzig 1953, S. 274-290.
Vorwort

Volksglauben und in der Volksreligiosität zu erörtern. Dabei meldet die


Erforschung der Legende und der Mirakel ihre besonderen Ansprüche an.
Dort, wo Iren sich im deutschen Raum als Schützer von Haus und Hof, von
Getier und Saat herausstellten, wo sie sich heimlich an Quellen und wie-
derum im Forst als Rodungsheilige ansiedelten, wo sie selbst die Bußbücher
und die frauliche Kultur mit Brigida beeindruckten, meldet sich zum an-
dern die historische Volkskunde zu Wort. Erst recht empfingen Gottes-
häuser und Kapellen, Prozessionen und Segnungen gerngesehene irische
Schutzmächte. Angelsächsische und fränkische Einwirkungen dürfen, um
das einmal deutlich zu sagen, nicht zu ungunsten der Iren überschätzt
werden.
Es lag uns nur daran, einige Zugänge zur Erschließung dieser Fragen-
bereiche zu schaffen. Es ist nicht daran gedacht, jede Angabe eines Kalen-
dars oder jedes volkskundliche Rufzeichen festzuhalten. Dafür können
noch manche Einzeluntersuchungen vorgenommen werden, die sich dem
jeweiligen Mysterium oder Heiligen in einem empfänglichen Land zu-
wenden.
Zu danken habe ich für die freundliche Bereitstellung der Heidelberger
Brandan-Handschrift Herrn Direktor Dr. C. Wehmer und den Herren
Bibliotheksräten Bauhuis und Jammers, desgleichen Herrn Professor Lic.
Erwin Steinborn, Direktor der Universitätsbibliothek in Münster, ebenso
Tiroler Freunden mit Prof. Dr. Nikolaus Grass und Pfarrer Dr. Matthias
Mayer, denen Irisches im alpinen Raum näherstand. Die niederösterreichische
Abtei Seitenstetten stellte mir den kostbaren, nur noch in einem einzigen
Exemplar vorhandenen Philoponus-Druck (1621) zur Verfügung, der die
zweite Kolumbusreise beleuchtete. Mein besonderer Dank gilt zum weiteren
der Züricher Zentralbibliothek, die über wertvolle irische Literatur ver-
fügt. Die Schweiz weiß um ihre keltischen Frühstufen. An der Diskussion
des Vortrages in der Arbeitsgemeinschaft beteiligten sich Minister Dr.
Flecken, Prof. Dr. Trier, Münster, und Prof. Dr. Koch, Köln.
INHALT

Vorwort . . . . 5
1. Zur Einführung 9
2. Patricius . . . 18
3. Steirische Patricius-Litanei 23
4. Brigida 26
5. Brigida-Mirakel 35
6. Columban d. J. 37
7. Gallus . 44
8. Deicol . 48
9. Furseus 50
10. Foillan 54
11. Kilian . 56
12. Fiacrius 58
13. Fridolin 59
14. Findan. 61
15. Koloman 62
16. St. Brandans Meerfahrt 63
17. Die zweite Kolumbusreise 75
18. Maritimes . . . . . . 81
19. Iroschotten im Bergbau . 82
20. Rückwirkungen des Festlandes auf Irland 85
21. Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . 86
22. Zur Quellenkunde der irischen Sakralgeschichte 90
23. Zur Ikonographie . . . . . . . . . . . . 102
Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum
Zugleich ein Ausblick auf St. Brandan und die zweite Kolumbusreise
1. Zur Einführung
In der Kirchengeschichte sind die Besonderheiten der Iroschotten (mona-
stische Kirchenordnung, altbritische Kirchengebräuche, Johannestonsur,
Osterfeier) oft festgehalten, zuweilen im Zeichen der Kontroverse. So
untersuchte man die Distanzen, die sich zu gallischen Bischöfen und zur
römischen Praxis ergaben. Doch im Grunde genommen handelt es sich um
Auseinandersetzungen über ein Brauchtum, das sich an der Peripherie an-
siedelte, nicht aber um die eigentliche Glaubenssubstanz, wenn Columban
d. J. in der Osterberechnung auf Widerspruch von seiten einiger Mitglieder
des Episkopats der Gallia christiana stieß.
Inzwischen aber hat die Forschung irische Eigenart und keltisches Volks-
tum j,enseits aller Kontroverse tiefer ergründet, in einer stärkeren Durch-
arbeitung der Quellen und in einer umfassenderen Fragestellung. Bodenver-
wurzelte Heimatliebe und steter Wanderdrang, bischöfliche Jurisdiktion
des Abtes und Aufrichtung der Klostersprengel, regeltreue Hüter der Askese
und musisch-kulturelle Begegnung mit Byzanz, Missionsmethode und mero-
wingische Politik wuchsen dabei stärker heraus. Weit über den religiösen
Bereich hinaus wurden Patricius und Brigida schon im Mittdalter zu natio-
nalen Heroen, die auch das Ausland beeindruckten. Iroschottische Skulp-
turen der Hochkreuze, der Metall- und Goldschmiedekunst, nicht minder
die ansteigende Kraft der Buchmalerei und die grundsätzlich überaus be-
deutsame Handarbeit, die die Rodung, ebenso die Handmühle und den
Gartenbau kannte, wurden schärfer herausgestellt 2.
Diese und andere Erkenntnisse und Stoffgebiete haben das Irentum all-
seitiger und in Zuerkennung des geistig-seelischen wie des technischen
2 Joseph Neubner, Die heiligen Handwerker in der Darstellung der Acta Sanctorum.
Münster i. W. 1929, S. 133 H. mit zahlreichen Quellenstellen. - Für freundliche Hinweise
habe ich zu danken Herrn Dr. Rudolf Morsey (Münster) und Fräulein Dr. Lioba Lechner
(Münster).
10 Georg Smreiber

Fortschrittes (Schiffsbau bei Brandan, Herstellung von Farben) 3 heraus-


gearbeitet. Man weiß heute um eine weitgehende Rettung des abendlän-
dischen Bildungsgutes durch diese Iroschotten 4. Man kennt die dem popu-
lus christianus zugewandte Sorge des irischen Zönobiums, das die Sicht auf
die Umwelt pflegte, auch draußen auf dem Festlande. Der irische Wander-
prediger, der zugleich Bußprediger in seinem Volkstum ist, steht bereits
in einer denkwürdigen und wegweisenden Linie. Er wirkt wie ein Vorgriff
auf die französische Wanderpredigt des Hochmittelalters, die Joh. v. Walter
behandelte 5, allerdings ohne Bezugnahme auf verwandte irische Frühstufen
der Vitae Sanctorum, die besonders in Legende und Mirakel nachwirkten.
Hans Frhr. v. Campenhausen erörterte seinerseits, indem er ein neues
Motiv hinzufügte, eine christologisch bedeutsame Sicht, nämlich das pere-
grinari pro Christo 6. Dieses Brauchtum der peregrinatio, zugleich das Sen-
dungsbewußtsein des Missionarischen, haben andere Forscher, im besonderen
Dom Louis Gougaud 7 und Romuald Bauerreiß 8, weiter verfolgt. Die Iren
stehen in der Tat bedeutsam und wegweisend in der kulturell denkwürdigen
Linie des abendländischen Pilgertums. Sie gehen bereits vor den Angel-
sachsen nach Rom 9. Sie vermeiden im allgemeinen den Typ der Gyro-
3 über ein iroschottisches Rezept aus dem französischen Raum um 1100, auf das mim
Prof. Bernhard Bischoff (München-Planegg) freundlimerweise aufmerksam mamte, werde
ich mim an anderer Stelle äußern.
4 S. etwa die Arbeit von Kath. Weber, Kulturgeschichtliche Probleme der Merovinger-
zeit im Spiegel frühmittelalterlicher Heiligenleben. Studien u. Mitteilungen z. Gesmimte d.
Benediktiner-Ordens u. seiner Zweige, N. F. 17, 1930, S.347--403; Bernhard Bischof!,
Theodulf und der Ire Cadac-Andreas. Histor. Jahrb. 74, 1954, S. 92-98, bes. S. 98.
5 Die ersten Wanderprediger Frankreims. I: Robert von Arbrissel (Studien z. Geschichte
d. Theologie u. d. Kirche, hrsg. von N. Bonwetsch und R. Seeberg, IX,3). Leipzig 1903;
N. F. Leipzig 1906.
Ü Asketische Heimatlosigkeit. Tübingen 1930.

7 S. vor allem Les chretientes celtiques (Bibliotheque de l'enseignement de J'histoire

eccl6siastique). Paris 1911; ders., Gaelic Pioneers of Christianity. The Work and Influence of
Irish Monks and Saints in Continental Europe (6 tL l2 th Century). Trans!. from the French
by Victor Collins. Dublin 1923; ders., Christianity in Celtic Lands. AHistory of the
Churmes of the Celts, their Origin, their Development, Influence, ,and Mutual Relations.
Trans!. London 1932; ders., Les Saints irlandais hors d'Iriande. Etudies dans le culte et
dans la devotion traditionnelle (Bibliotheque de la Revue d'histoire ecclesiastique, fase. 16).
Louvain-Oxford 1936.
8 Irisme Frühmissionäre in Südbayern, in: Wissenschaftliche Festgabe zum zwölfhundert-
jährigen Jubiläum des heiligen Korbinian, hrsg. von joseph Schlecht. München 1924,
S.43-60; ders., Kirchengeschichte Bayerns. 5 Bde. St.Ottilien 1949-1955, Bd. 1: Von den
Anfängen bis zu den Ungarneinfällen, bes. S. 40--47: Die irische Mission.
9 Bernhard Kötting, Peregrinatio religiosa (Forschungen z. Volkskunde, hrsg. von
Georg Schreiber, H. 33-35). Münster i. W. 1950, S.242; George B. Parks, The English Tra-
vclcr to Italy. Vo!. I: The Middle Ages (to 1525). Roma 1954, p. 50 H.
Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 11

vagantes, der ziellos umherschweifenden Mönche 10. Von der Wanderfahrt


her finden sie verhältnismäßig leicht wieder den Weg zur Einsiedelei des
Reklusen.
Aber oft genug erlebte diese besinnliche Eremitage eine überführung in
einen Religiosenkonvent, in eine bewußte Formgebung des altirischen Ge-
meinschaftsideals, dem Columban d.]. die bodenständige Prägung einer
Regel zu geben wußte, die dem Festland neue Impulse verlieh. Man er-
strebte also draußen, jenseits des beweglichen Erin, feste Niederlassungen
und brauchbare Stationen für den Nachschub wie für die Ausweitung. So
erhob sich das iroschottische Zönobium in der Einsamkeit des Waldesdik-
kichts der Vogesen. Aber ebenso begegnete man diesen monastischen Resi-
denzen in Lagny und Peronne an Verkehrswegen, die von irischen und
anderen Wanderungen berichten, die südwärts nach Bobbio und Vercelli
gingen und selbst nach Unteritalien verströmten. Hospitäler in der Art des
gastlichen Echternach erhöhten den verkehrsmäßigen Wert dieser Nieder las-
sungen. So wuchsen diese Hospize aus irischen Anfängen in eine gesamt-
abendländische Funktion 11. Man mag auch des Schotten Israel gedenken, der
als conversus im Kloster St. Maximin starb (um 965). Die Gestalt dieses
Lehrers Brunos von Köln kann als charakteristisch für den irischen Einfluß
auf Kirche und Politik im 10. Jahrhundert gelten 11a. Zu der gleichen Zeit er-
kannte Otto 1. dem Kloster Waulsort (D. Lüttich) zu, ut semper in dictione
Scotorum maneat 11b. Aus diesem Schottenkloster wurde der Ire Caddroe
(t 978) als Abt nach St. Clemens in Metz berufen, als einer der kräftigsten
Promotoren der lothringischen Reform, die auch von Gorze ausging 11c.
Diese Iroschotten sind, wie bereits angedeutet, ein ungemein bewegliches
Element. Selbst dort, wo sie die Einöde oder die Insel aufsuchen, entwickelt
sich bald in der Versorgung der Nächstwohnenden und in der Betreuung
10 s. Martin Bechthum, Beweggründe und Bedeutung des Vagantentums in der lateini-
schen Kirche des Mittelalters (Beiträge z. mittelalterlichen, neue ren und allgemeinen Ge-
schichte, hrsg. von Friedrich Schneider, Bd. 14). Jena 1941, S. 36.
11 S. dazu Joseph P. Fuhrmann, Irish Medleval Monasteries on the Continent. Phi!.
Diss. Cath. University of America. Washington 1927; Georg Schreiber, Mittelalterliche
Alpenpässe und ihre Hospitalkultur. Miscellanea G. Galbiati (Fontes Ambrosiani XXVII),
3. M~lano 1951, p.335-352; Hieronymus Frank, Die Klosterbischöfe des Frankenreiches
(Beiträge z. Geschichte d. Mönchtums u. d. Benediktiner-Ordens, H.17). Münster i. W.
1932, passim.
Ua SeImer, Israel (vg!. unten Anm. 367), S. 82 f.
Ub MG. Diplomata I, p. 160; vgl. Fuhrmann, Monasteries, p. 62.76 f.
11c Fuhrmann, Monasteries, p. 78 f.; Schreiber, Wanderkulte, S. 37 f.; Kassius Hallinger,
Gorze-Kluny. Studien zu den mon ast ischen Lebensformen und Gegensätzen im Hochmittel-
alter. 2 Bde. (Studia Anselmiana, 22/23, 24/25). Romae 1950, 1, S. 305; 2, S.880.
12 Georg Schreiber

des Jüngerkreises eine erstaunliche Aktivität. Die Insel Iona (Hy) wird
zum Ausfalltor großer Missionierung unter den Pikten, Südschotten und
Nordengländern, "die Schule heiliger Abte sowie schr·eibfreudiger Mönche,
die gesuchte Begräbnisstätte schottischer und irländischer Könige" 12. Dort,
wo sie im Zeichen gesteigerter Askese sich Hunderte von Meilen vom grünen
Erin entfernen, vergessen sie die Altheimat keineswegs. Sonst wäre es nicht
zu erklären, daß von dort fortgesetzte Wanderwellen in der Neuheimat
eintreffen. Sie lösen für lange Zeiten die dringliche Frage des Nachschubs,
auf der Grundlage ihres mit reichen Symbolen und Heroen ausgestatteten
Volkstums. Ja, sie bekennen sich zeitig als reifende Nation.
So weit zum frühen Mittelalter.
In einer zweiten großen, diesmal hochmittelalterlichen Wanderwelle
schufen sich die Iroschotten neue Siedlungen, zunächst in Mitteldeutschland,
dann in benachbarten Randgebieten. Sie zogen nach dem bereits von Boni-
fatius aufgelockerten Thüringen, wenn sie sich 1136 (?) in Erfurt einrich-
teten 13, in der späteren Humanisten-Zentrale, die allerdings den Iroschotten
und deren eigenem Brauchtum kritisch gegenübertrat. Der Gegensatz zu
eingewurzeltem deutschem Wesen und zu einer andersgearteten Volksfröm-
migkeit machte sich dabei satirisch geltend 14. Im Jahre 1075 treffen wir
diese Iren in St. Jakob in Regensburg, in einer Hochburg deutscher Politik
und Kultur. "Königsresidenz, königliche Grablege und Sitz der Herzogs-
gewalt ist Regensburg gewesen 15.« Von dort vollzogen sich weitere Grün-
dungen in St. Jakob in Würzburg (1134), um 1140 in St. Egid in Nürnberg,
also im Mittelpunkt wichtiger Fernhandelsstraßen. So bauten sie ihre Basti-
onen in Franken aus, wohin sie schon früh St. Kilian gewiesen hatte. Die
Erinnerung an diesen Blutzeugen und seine Begleiter war zweifelsohne in
Hibernien irgend wie gepflegt worden.
Aber auch der schwäbische Raum zog diese gründungslustigen Wanderer
an. 1142 wurde St. Jakob in Konstanz eröffnet. Die Donau und ihre
Nebenflüsse machten in der Folge ihre Anziehungskraft geltend, wenn 1158

12 Romuald Bauerreiß, Hy, bei Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche!
(LThK), 10 Bde. Freiburg i. Br. 1930-1938,5, Sp. 215 f.
13 Fuhrmann, Monasteries, p. 94.
14 S. unten bei Brandan.
15 Aloys Schulte, Regensburg und seine Eigenart in der deutschen Geschichte, in: Volks-
tum und Kulturpolitik. Festschrift für Georg Schreiber, Köln t'932, S. 201-207, bes. 206;
die ungedruckte Dissertation von D. A. Binchy, dem späteren irischen Gesandten in Berlin,
Die irischen Benediktinerklöster in Regensburg. München 1923 (Masch. Schr.), ist ziemlich
unbekannt geblieben.
Irland im deutsmen und abendländischen Sakralraum 13

St. Maria in Wien, 1168 St. Nikolaus in Memmingen, 1194 Hl. Kreuz in
Eichstätt und andere Stationen gegründet wurden 16. Solche Niederlassungen
lagen im übrigen an großen überlandplätzen und Pilgerwegen 17. Die Pflege
der Einsamkeit, die in der frühmittelalterlichen Welle, der Natur des Lan-
des und orientalischen Vorstufen entsprechend, heraustrat, wurde nun be-
achtlich verlassen. Diese hochmittelalterlichen Iren bevorzugten ebenfalls
den liturgischen Glanz und die unverkennbare Festigkeit der Bischofsstadt
(Kanonistik, Immunität, Kalendar), die bereits in jenem Zeitalter die wach-
sende Stellung der sich allmählich kräftigenden episkopalen Zentralgewalt
spiegelt, allem Archidiakonalen und Eigenkirchenrechtlichen zum Trotz.
Es war 1068, daß der Ire Paternus sein Leben als Inkluse endigte, der sich
an der Domwand von Paderborn hatte einschließen lassen 18. Er verbrannte
in Treue zu seiner Regel, da er während des Dombrandes sich weigerte,
seine Zelle zu verlassen.
Fast alle Niederlassungen unterstanden laut einer Bulle Lucius' IU. von
1185 dem Abt von Regensburg, entsprechend der starken politischen Be-
deutung dieser Donau-Metropole 19. 1216 konnte sogar auf deutschem Boden
für diese Kongregationsbildung von Fremden und Zugewanderten, ein
eigenartiges Phänomen, das erste Generalkapitel gehalten werden 20. Diese
neue Festlandsheimat empfing also betonte genossenschaftliche Bindungen
und rechtliche Festigungen. Der Zuzug aus der Heimat, die Rekrutierung
aus den gewiß weit entfernten Gebieten der Grünen Insel, dauerte noch
lange an. Nach allem vollzog sich bis zum 15. Jh. 21 eine erstaunliche Interes-
sierung der Insula sanctorum an den deutschen Räumen.
Noch ein Wort zum irischen Volkstum. Irland ist weiträumig genug, um
in ersten Anfängen ein mehrfaches Stammeskönigtum zu entwickeln. Ande-
rerseits ist die Insel so eng und abgeschlossen, daß sie gewisse Einheitszüge
und verklammernde Wölbungen zu entfalten vermag. Sie ist kräftig genug,

16 Wilhelm Wattenbach, Die Kongregation der Smottenklöster in Deutsmland. Zeitsmr.


f. christliche Archäologie und Kunst 1, 1856, S. 21-30. 49-58; Fuhrmann, Monasteries, p. 94.
17 Dazu Georg Schreiber, Byzantinisches und abendländismes Hospital. Zur Spitalord-
nung des Pantokrator und zur byzantinismen Medizin. Byzantinisme Zeitschrift 42, 1943,
S.116-149; bedeutend erweitert bei Georg Schreiber, Gemeinsmaften des Mittelalters.
Remt und Verfassung, Kult und Frömmigkeit (Gesammelte Abhandlungen, Bd. 1). Mün-
ster i. W. 1948, S. 3-80.
lij Schreiber, Wanderkulte, S. 41 f.

19 Max Heimbucher, Die Orden und Kongregationen der katholismen Kirme 3 • 2 Bde.
Paderborn 1933-1934, 1, S. 198.
!O Ebd.

I1 Fuhrmann, Monasteries, p. 107 H.


14 Georg Schreiber

um sich volklich zu erhalten und um sich für größere Aktionen zu erhöhen.


Zum anderen wird das Schicksal Irlands durch die weite See bestimmt.
Westlich winkt der Ozean und gestattet in seiner unwirtlichen Art - hier
ähnlich der palästinensischen Meeresküste - nicht den Einbruch von Frem-
den und Andersgearteten. Eroberer, wie sie in der Südsee von Tahiti her in
Fernfahrten die Osterinsel aufsuchten, kannte der Atlantik nicht. Das West-
meer hielt sich verschlossen. Andererseits lockten im Norden und Nord-
osten eine weitverzweigte Inselwelt und Küstensäume mit Stammes ver-
wandten 22. Wiederum erscheint die irische See wie eine Brücke nach Britan-
nien. Erst recht aber weisen maritime Wege südwärts.
Unablässig vollziehen sich ja die Fahrten zur keltischen Armorica, zur
buchtenreichen Bretagne, die im besonderen die Erinnerungen an den irischen
Heilbringer Machutus (Maclovius, Maclo, Malo, t um 640, Fest am
15. November bzw. 11. Juli) pflegte 23 • Darüber hinaus ziehen sich geistig-
seelische Fäden zum Kernland der Gallia christiana 2\ Man fühlt, daß man
dort eine an Jahrhunderten genährte Kraftquelle findet, an der man sich
bereichert. Man erlebt aber ebenso, daß man nicht bloß eine Sendung für die
Missionierung der britischen Inseln besitzt, sondern daß außerdem gewisse
Aufgaben der Christianisierung zwischen Somme, Loire und Vogesen und
weit darüber hinaus zu vollziehen sind. Werden doch die Alpenpässe trotz
ihrer steilen Höhe nicht als unüberwindlich betrachtet. Man findet bald die
Wege nach Oberitalien 25. Dort entfaltet sich in Bobbio irische Klosterkultur.
Man strebt schließlich nach Rom als der Zentrale der Christenheit, ja man
durchdringt weitere italienische Räume, die die außerordentliche Anzie-
hungskraft des Mittelmeeres besitzen; in der Ferne zeichnen sich die Umrisse
von Palästina und vom Heiligen Grab ab 26. Allerdings, das Heimweh nach
Irland blieb. Singt doch ein "Scottus" in Bobbio 27: "Nocte dieque gemo,
quia sum peregrinus et egens ... ". Der Ire im schottischen Kloster sieht
besinnlich den Kranich zurückfliegen zum "süßen Land" Irland 28. Die
Gougaud, Christianity in Celtic Lands, p. 131 f.
22
Ibid. p. 114 H.; Schreiber, Wanderklilte, S. 42 H.
23
21 S. vor allem Ludwig Traube, Perrona Scottorum. Ein Beitrag zur überlieferungs-
geschichte und zur Palaeographie des Mittelalters (Sitzungsber. d. phiJos.-phiJol. u. d. hist.
CI. d. kgl. bayer. Akad. d. Wiss. 1900, H. IV). München 1900, S. 469-538.
25 Parks, English TraveIer, p. 10. 12 H. 19. 43. 48. 50 f.
26 S. unten bei Koloman.

27 Parks, English Traveler, p. 81, mit Hinweis auf MG. Poet. Lat. Irr, p. 688-689.

28 Marcel Vi/ler und Karl Rahner, Aszese und Mystik in der Väterzeit. Freiburg i. Br.
(1939), S. 206 Anm. 37, mit Hinweis auf Adamnani vita S. Columbae I, p. 30; Migne,
P. L. 88 co!. 741 sq. und auf v. Campenhausen, Heimatlosigkeit, S. 20.
Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 15

Heimat wird weiter als ,dulce solum natalis patriae ... et virides terrae
(das grüne Irland) bezeichnet 29• Gewiß documents humains.
So weit Irland in nordwestlicher und zugleich abendländischer Sicht. Es
war Ausfallstor nach Island, es war weiter an der Christianisierung von
Norwegen interessiert. Es war zu allem eine Schöpfung eigenen Gepräges
inmitten der anhebenden romanisch-germanischen Staatenwelt. Gleichzeitig
traten Nationalheroen hervor, nicht heidnischen Ursprungs, sondern starke
Persönlichkeiten mit christlichem Sendungsbewußtsein: Patricius und Bri-
gida, Columban d. J. und Gallus, denen sich andere Entde<ker seelischer
Räume anschlossen.
In diesem Zusammenhang soll ein persönliches Erlebnis berichtet werden.
Der verstorbene Prälat Prof. Dr. Ludwig Kaas (t 1952), der wesentlich die
Ausgrabungen in St. Peter in den letzten Jahren vollzog 30, sagte mir eines
Tages: "Ich muß Sie nach Irland fragen, Sie haben darüber gearbeitet." Es
hatte nämlich der irische Botschafter beim Heiligen Stuhl gebeten, dort in
den Grotten von St. Peter eine irische Kapelle zu gewähren. Skulpturen
von irischen Heiligen sollten dort aufgestellt werden. Kaas fügte hinzu:
"Ich gedachte Columban d. J. und Gallus vorzuschlagen." Ich riet ihm ab.
So bedeutend diese beiden Persönlichkeiten für die Entfaltung und Aus-
wertung irischen Volkstums sind, so setzen sie ,doch zwei Heroen voraus,
die eine außerordentliche und fruchtbare Vorarbeit geleistet haben, nämlich
Patricius und Brigida.
Wenn heute von uns zu ,den Iroschotten Stellung genommen wird, ge-
schieht es, wie angedeutet, unter dem Bli<kwinkel ihres Nachlebens und
ihrer Nachwirkung in der abendländischen und speziell in der deutschen
Sakralkultur, die noch manche Forschungsaufgaben in sich schließt. Diese
Iren haben sich ja im Kult, im Bußbuch, im Brauchtum, in Kunst und Musik
(Hymnen), vor allem aber im Volksglauben und im Volksreligiösen durch-
zusetzen gewußt, auf Jahrhunderte hinaus. Manche Feststellungen liegen
dieserhalb bereits vor. Andere Beobachtungen sind heute noch beizubringen.
Wer die Einwirkungen der Iroschotten im mitteleuropäischen Raum, im
besonderen in deutschen Gebieten, herausZ!uarbeiten gedenkt, wird Zlunächst
auf das Neu-Irland in der Gallia christiana zurü<kgreifen müssen. Nach
29 Viller und Rahner, ebd., mit Hinweis auf AA. SS. Febr. 11, p.366, vita B. Mariani
abbatis Ratisbonnensis, c. 1, n. 6 (Marianus Scotus in Regensburg, starb um 1081).
30 S. Arthur Wynen, Ludwig Kaas. Aus seinem Leben und Wirken. Trier 1953, S. 35 ff.
Die diesem großen Gelehrten und Organisator der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Campo
Santo gebotene Grabstätte ist seiner nicht würdig. Seine Ruhestätte gehört nach seiner
Heimat in Trier.
16 Georg Smreiber

dort ergeben sich von der Insula sanctorum her leichte Zugäng,e. Diese
Iren schufen, wie angedeutet, mit Klostergründungen Relaisstationen auf
ihren Wanderwegen. Diese Konvente gaben sich mit den beigegebenen
Spitälern als Residenzen der Nächstenhaftigkeit, als praktische Fürsorge
für Hilfsbedürftige, zugleich als Wegweiser zu Kultstätten und Heiltümern.
Die Praxis solcher Niederlassungen war unterschiedlich. Dort, wo von
den Iren auf dem Festland die Eremie (loca deserta) der ebenfaHs ein-
ladenden alten Römerstadt vorgezogen wurde, ersetzte ihnen die unwirt-
liche Wildnis in den Wäldern von Frankreich und Deutschland eigentlich
die Verlassenheit jener Wüste, die die großen Eremiten des Vorderen Orients
hervorbrachte. Als solche waren vor allem jener Paulus von Theben und
jener Antonius der Große zu bezeichnen, deren Vorbildlichkeit und Ruhm
schon früh auf das Abendland wirkten und selbst noch Renaissance und
Barock beeindruckten.
Die Wüste wird den irischen Mönchen und Einsiedlern ebenso durch die
keltische Inselwelt gewährt. Eine andere Bejahung des Einsamen. Immer
wieder drängt die Askese zu einem Eiland, das vom unwirtlichen Meer
umspült wird. Sie gehen in die insulare Zone entweder nur zu bestimmten
Zeiten, die wie die Fastenzeiten der Einkehr und Buße dienen 31. Sie siedeln
sich aber auch, was die Mönchsviten reichlich mitzuteilen wissen, dau-
ernd auf einer Insel an. Allerdings wächst der gleiche Einsiedler, dessen
Askese von der Mitwelt bewundert und von anderen geteilt wird, aus
seiner vereinzelten Eremitage oft genug, sowohl auf der Insel wie im Dik-
kicht des Festlandes, hinein in ein Gemeinscha/tskloster. Eremiten streben
ja in vielen ihrer Vertreter immer wieder nach festen Bindungen des Ge-
nossenschaftlichen, da sich suchende und willige Schüler bei einem vorbild-
lichen Meister des Tugendstrebens einfinden. Ein typischer Zug. Auch Inseln
in festländischen Strömen werden von den Iren gern besetzt. Man nehme
für die rheinischen Gebiete die Insel Säckingen, auf der sich Fridolin im
6. Jh. niederließ, die Insel Honau bei Straßburg mit dem Michaelskloster
(gegr. um 720), schließlich die Rheinau, die Findan (t 878) aufnahm.
Ebenso s,ei an irische Abte in Groß-St. Martin und in St. Pantaleon in Köln
erinnert 32. Willkommene Abbilder der Heimat und fast zärtlich gepflegte
Erinnerungen teilten sich mit. Das war die Geborgenheit der Wasser, die
wellenumrauschte Stille.
Viller und Rahner, Aszese, S. 207.
31
Fuhrmann, Monasteries, p. 33 f., 80 H.; über Iren in Köln um 800 s. Heinz Löwe,
32

Eine Kölner Notiz zum Kaisertum KarIs des Großen. Rhein. Vierteljahrsblätter 14, 1949,
S. 7-34, bes. S. 15 f.
Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 17

Die Gesmimte der Einsamkeit wird mehr denn je als ein hoher Wert-
messer aller Kulturen empfunden. Das ist jener Eremos, der sim zugleim
als Sehnsuchtsschrei in der übergeräusmvollen Gegenwart gibt. Dieses Ein-
same als Lebenselement des Volkstums und .der Nation ist von Karl Voßler
in Hinsicht auf spanism-portugiesische Ausgangspunkte und Formgebungen
eindrucksvoll untersumt worden 33. Aber was dort nom nimt herausgestellt
wurde, ist eine Besinnung auf die irosmottisme Frühstufe, die ihrerseits
orientalische überlieferungen forts.etzt. In Irland ist es, wo neben sonstiger
Einöde, neben den unwirtlimen loca deserta vor aHem, wie angedeutet, die
Insel sim scharf abhebt, die zum eigenartigen, dem ir:ismen Volkstum an-
gepaßten Schauplatz gewollter und fruchtbarer Einsamkeit wird. Das er-
innert ja an jene Insel, die mit Patmos die frumtbare Stille des Evangelisten
Johannes (Apk 1,1) dartut und die später an die Gründung des reformeri-
smen und idiorrhythmischen Johannisklosters des griechischen Mönches
Christodulos (t 1101) gemahnt. In diesen Fragenbereim gehört aum jene
Insel, die mit Robinson Crusoe (1719/20) alle Stufen der Kulturentwick-
lung, in etwa auch faustisches Gesmehen durmläuft. Gewiß atistokratisme
und kulturproduktive Herkunftslinien. Noch ist uns eine allgemeinere
kulturphilosophische und sozialgeschichtliche Würdigung des Insularen nimt
vergönnt, in der das Iroschottentum einen ehrfürmtigen und hervorragen-
den Platz einnimmt. Schließlich erhebt sich Irland selbst zur Wertstufe der
Insula sanctorum. Dieses meerumrauschte Erin empfängt frühzeitig den
Nimbus des Ehrfürchtigen und Heiligen. .
über den irischen Wanderungswegen liegt über.dies eine betont atlantische
Note. Diese kennzeichnet sich dadurch, daß auf dieser wellengepeitschten
Insel die weitaus greifende Meerfahrt von St. Brandan ausgelöst wurde.
Wir erfahren in dieser nicht ausdrücklich den westwärts eingesmlagenen
Kurs, aber dieser ist doch leicht zu erraten. Die irisme See und der Weg zu
den schottischen Inseln war ja nautisch etwas fast Alltägliches. Das Außer-
ordentliche dieser Fahrt, die Insel der Seligen in neunjähriger Fahrt zu
finden, betraf schon die Weite des Ozeans, der allein nom Entdeckungen
gestattete. Wiederum hat die Grüne Insel in der Nähe .des Atlantik die
große Kultstätte des Patricius-Fegfeuer-Heiligtums aufgerimtet, die auf
drei Seiten vom Ozean umspült wird. Nam dort, zum sog. Purgatorium

13 Poesie der Einsamkeit in Spanien. München 1940. Viele Ergänzungen bei Georg
SchreibeT, Theologische Revue 40, 1941, S. 115-119; ferner deTS., Christlicher Orient und
mittelalterliches Abendland. Verbindungslinien und Forschungsaufgaben. Oriens Christianus
38, 1954, S. 96-112; 39, 1955, S. 66-78, bes. S. 107 ff.
18 Georg Smreiber

Patricii, zu der Höhle der kleinen Insel im Lough Derg in South Donegal,
strebten irische Pilger, selbst von verschiedenen Teilen des Festlandes. Auch
heute noch, was u. a. RztdolJ Kriss mündlich zu berichten wußte. Ein Ver-
hältnis zum Atlantischen Meer stellt sich auch damit heraus, daß die glei-
chen Iren die Jakobsstraße nach Galizien befruchteten, daß sie die Santiago-
Fahrt begünstigten. Händigten sie doch wichtigen festländischen Niederlas-
sungen des Hocbmittelalters das Jakobspatrozinium ein. So gewährten sie
die Blickrichtung zum Kap Finisterre, wo sich die Spanienpilger die Pilger-
muschel an ihren Reisehut hefteten. Die Iroschotten stehen somit in einer
südeuropäischen Linie mit den weitblickenden Cluniazensern, die ebenfalls
die Compostelafahrt förderten.

2. Patricius
Patricius (P,hraic, Patrick, t 461, Fest am 17. März) 3"
der Apostel
Irlands, stellt sich uns als die überragende Figur der irischen Geschichte dar.
Sein Name kündet von vornherein einen Gegensatz zu angelsächsischen
Gestalten. Bei letzteren steht im Vordergrund der nationalen Entwicklung
weniger der Missionserzbischof Augustin von Canterbury (t 604 ?) als viel-
34 über seine Vita s. lames F. Kenney, The Sources for the Early History of Ireland.

An Introduction and Guide. Vol. I: Ecclesiastical. New York 1929, p. 319-350, vgl. aum
ibid. p. 165-169 sowie p. 804 im Register, mit vielen Verweisen; j. Ryan, Patricius.
LThK 7, Sp.l033 H.; Pa trick Francis Cardinal Moran, Patric:k. The CatholicEncyclopedia,
ed. by Charles G. Herbermann, Edward A. Pace, a. o. 17 vols. New York 1913-1922, XI,
p. 554-559; Friedrich Wotke, Patricius, bei Pauly-Wissowa, Realencyklopädie der klassi-
smen Altertumswissensmaften XVIII, 2, 1949, Sp. 2233-2241; lohn O'Hanlon, Lives
of the Irish Saints, with Special Festivals, and the Commemorations of Holy Persons,
Compiled from Calendars, Martyrologies, and Various Sources, Relating to the Ancient
Churm History of Ireland, 9 vols. Dublin,London, NewYork 1875-1903; In, p. 399-!l31;
Gougaud, Saints irlandais, p. 142-158; Schreiber, Wanderkulte, S. 12-14; Friedrich Wotke,
Das Bekenntnis des heiligen Patric:k und sein Brief an die Gefolgsleute des Coroticus.
Eingel. und übers. (Zeugen des Wortes, 25). Freiburg i. Br. 1940; Ludwig Bieler, The Life
and Legend of St. Patric:k. Problems of Modern Scholarship. Dublin 1949; ders., The Works
of St. Patric:k, St. Secundinus, Hymn on St. Patrick. Transl. and Annotated (Ancient
Christian Writers. The Works of the Fathers, ed. by lohannes Quasten and loseph
C. Plumpe, No. 17). Westminster, Maryland, and London 1953; über den Stand einzelner
Fragen der Patricius-Forsmung (Problem der zwei Patricks, Chronologie usw.) unterrimtet
zuletzt ders., Vindiciae Patricianae. Remarks on the Present State of Patrician Studies.
Irish Ecclesiastical Record, 5th Ser.. 79, 1953, p. 161-185; "Walter Delius, Geschichte der
irischen Kirme von ihren Anfängen bis zum 12. Jahrhundert. München, Basel 1954, im
Register S. 173 f.; die Patrickforschung ist durch S. Czarnowski, Le Culte des heros et ses
conditions sociales. Saint Patrick, heros national de l'Irlande. Paris 1919, in allgemeine
und bedeutende rcligionswissenschaftliche und sozial psychologische Zusammenhänge ein-
bezogen.
Irland im deutschen und abendländischen Sakral raum 19

mehr die Figur des hl. Königs, mit St. Oswald, dem Herrscher von North-
umbrien (t 642), mit Eduard dem Martyrer (t 978). Dazu treten die
Regenten, die im Kampf gegen die Dänen standen, nämlich St. Edmund,
der König der Ostangeln (t 870), und Eduard der Bekenner (t 1066). So
trat das Bild des Königtums der britischen Volksfrömmigkeit und Volks-
phantasie eindrucksvoll vor Augen, das im Gegensatz zum Irenturn. Ja,
diese angelsächsischen Herrscher, deren Bild dramatische Züge und schwere
Schicksale mit sich führte, wanderten sogar in den Kult und die Verehrung
des Festlandes. Wenn Shakespeare seinerseits britische Könige, allerdings
in dner profangeschichtlichen und dichterisch empfundenen Ausgestaltung,
behandelte 35, sei es dahingestellt, inwieweit das ältere englische Königs-
erlebnis im Unterbewußtsein mitsprach.
Patricius wurde bald zum Nationalheros der Iren, obwohl er um 385/386
in Britannien geboren war (t 461 in Nordirland). Die kultmächtige Neu-
heimat wollte ihm einen weitgehenden Herrschaftsbereich zuerkennen, der
über die Grüne Insel hinausgriff. Bei einem irischen Plünderungszug wurde
der Sechzehnjährige als Sklave nach Hibernien verkauft. Die irischen See-
könige, die an den britischen Küsten raubten, verloren sich in der Dunkel-
heit der Geschichte. Aber der Gefangene rückt in eine große nationale und
übervolkliche Perspektive. Er empfängt vom Volksvertrauen früh jene
agrarische Note, die bei ihm auf Jahrhunderte hinaus sich kultdynamisch
bemerkbar machte, die ihn selbst noch als Anwalt von Haus und Hof in die
Gebiete der grünen Steiermark führte. Diente er doch in Irland als Hirt.
Wenn die Legende des 14. Jhs. aus deIn rränkischen Einsiedler Wendelin
einen schottischen Schäfer machte, kann es sein, daß das Patriciusleben und
verwandte irische Schilderungen solche Züge für seine Biographie bei-
steuerten 36.
Soviel Unsicherheit und spätere Zusätze die Biographien über Patricius,
die als ältere Viten dem Ende des 6. Jhs. zugehören 37, auch mit sich führen, es
spricht die Wahrscheinlichkeit dafür, daß er in geistigen Hochburgen Galliem
35 Dazu s. neuerdings walter F. Schirmer, Glück und Ende der Könige in Shakespeares
Historien (Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen. Geistes-
wissenschaften, H. 22). Köln und Opladen 1954.
3G A. Selzer, St. Wendelin. Theo!. Diss. Münster. Saarbrücken 1936. - Dazu Georg
Schreiber, Volk und Volkstum 3. München 1938, S. 347-353; s. neuerdings Theodor Horn-
berger, Der Schäfer. Stuttgart 1955, S. 165 H.
37 J. Ryan, Patricius, LThK 7, Sp. 1033-1035; Bieler, Life of Patrick, p. 41 H.; über die
einheimische irische Patricius-Vita, die Vita Tripartita (zwischen 895-901) s. K. Mulchrone,
Die Abfassungszeit und übedieferung der Vita Tripartita. Zeitschr. f. celtische Philologie
16,1927, S.I-94.
20 Georg Schreiber

heranreifte 38. So mochte ihn Auxerre, die im 3. Jh. gegründete BisdIofs-


stadt der Bourgogne, anziehen, deren Bischofsliste um 300 den hl. Peregri-
nus, also einen fast magisch wirkenden Namen aufweist 39. Sein Lehrer
wurde dort kein Geringerer als der hochbedeutende Germanus (t 448), der
siebte Bischof von Auxerre, nächst Martin von Tours der am meisten ver-
ehrte Heilige Galliens, "le thaumaturge des Gaules", wie ihn später Franz
von Sales bezeichnete 40. Früh mochte Patricius dort in das Verständnis des
durch Verfassung, Liturgie und durch heilige Vorbilder gestützten altkirch··
lichen Diözesanorganismus hineinwachsen. Bedeutsame Anregungen für
seine spätere missionarische Tätigkeit mochten sich auch nach der Seite des
altchristlichen Rechts mitteilen. Im Jahre 432 kehrte er als Bischof nadI der
Neuheimat Irland zurück. Dort wurde die Christianisierung in großem
Maßstab vollzogen, wobei sich die Gründung der Metropole Armagh um
441 zukunftsmächtig abhob 41. Man mag dieses Primatialsitzes gedenken.
Man mag sich an die Generalsynode von 1158 erinnern. Sie erklärte groß-
zügig und weitblickend alle in Irland als Sklaven befindlichen Engländer
als frei 42. Ein organisatorischer Mittelpunkt ersten Ranges war geschaffen.
Dieser mochte mithelfen, partikularistische Tendenzen auf der Insel zu-
rückzudrängen.
So steht der konstruktive Missionar im Frühlicht irischen Christentums,
im Sonnenaufgang einer überlegenen Kultur. Seine Mitarbeiter, die galli-
schen Bischöfe Auxilius und Iserninus, bezeugen auch ihrerseits eine unent-
behrliche Verbindungslinie zur Mittelmeerkultur und zur antik-christlichen
civitas. Aus einer gewissen insularen Isolierung wächst Irland in größere
Zusammenhänge. Die episkopale und weltgeistliche Form steht für sein
Bekehrungswerk bevorzugt vor dem Mönchtum 43. Doch arbeitete sich das
monastische Element bei seinen Nachfolgern stärker heraus.

:)8 Bieter, Life of Patridt, p. 104 f. -Bieler (Vindiciae, p. 171) lehnt es ab, daß Patricius

Lerins aufsuchte. - S. dagegen Parks, English Traveler, p. 10.


3D über den Namen Peregrinus s. neuerdings Matthäus Bernards, Speculum Virginum.
Geistigkeit und Seelenleben der Frau im Hochmittelalter (Forschungen zur Volkskunde,
hrsg. von Georg Schreiber, H. 36/38). Köln - Graz 1955, S. 13-15.
40 G. Allemang, Auxerre. LThK 1, Sp. 861 f.
U Bieter, Life of Patridt, p. 105 H.

4! earl Joseph v. He/eIe, Conciliengeschichte. Nach den Quellen bearb. 9 Bde. 2. Auf!.
Freiburg i. Br. 1873-1890, 5, S. 570; He/eIe - H. Leclercq, Histoire des conciles V. Paris
1913, p. 915.
43 John Ryan, Irish Monasticism. Origins and Early Development. Dublin and Cork
1931, p. 92. 102.
Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 21

Patricius lebt wie viele andere irische Missionare in seinen Schülern


fort, die ebenfalls seewärts ausreisten und Zönobien errichteten oder doch
darin lebten. Kontinuierliche Linien wurden derart gewonnen, in der As-
kese, im Kult, im Verfassungsleben, vorab in der Mission. Klosteräbte wer-
den überhaupt in der Nachfolge von Patricius zu Führern des Volkes.
Dieser Sanctus bekundet in allem jene überlegene Geistesmacht, vor der
der Götzendienst und die Gewalt der Druiden dahinsinken. Vor ihm als
dem überragenden Führer neigen sich Könige und Häuptlinge, die sein
Missionswerk unterstützen 44. Vor ihm weicht also heidnische Finsternis,
um den frohen Aufgang hoher Kultur zu erleben. Patricius hebt in der Tat
sein Volk auf eine höhere Ebene. Vorher lebte dieses weithin vom Seeraub,
von der Plünderung, von der Schreckensherrschaft, die es über die Rand-
gestade ausübte. Nunmehr entwickelt das gleiche Volkstum seinerseits Mis-
sionare mit einem weiträumigen Sendungsbewußtsein. Es gab sich Boten
des Friedens. Sie wirkten als Erzieher des eigenen Volkes und fremder
Völkerschaften. Diese Mission weckt ihrerseits in einem hohen Aktivismus
Gottsucher, Kulturträger, Organisatoren, die selbst gallische Bischofsstädte
befruchten.
Kultischer Glanz wächst in der Folge der Persönlichkeit des Iren-
apostels zu, in posthumer Festfeier und Messe, im Hymnus und im Wech-
selgebet 45. Das in Irland wie auf dem Festland. Das Irenturn steigt mit
ihm außerordentlich im Ansehen. Der irische Asket wird gleich dem orien-
talischen Mönch zum Träger geheimnisvoller Kräfte. Man nehme nur das
aufschlußreiche Leben der hI. Gertrud, der Abtissin von Nivelles, der Toch-
ter Pippins d. Alteren (t 659). Sie erbat aus Irland Mönche zur Erklärung
der HI. Schrift. Gewiß eine Verbeugung vor der auch sonst bezeugten irischen
Wissenschaftsleistung. Als Gertrud sich ihrem Ende nahe fühlte, schickte sie
zu Peregrinus, einem irischen Mönch im Kloster Fosses (Prov. Namur), das
der Ire Foillan mit ihrer Hilfe gegründet hatte 46. Sie wollte von diesem
Peregrinus, dessen Name, wie angedeutet, Romantizismen mit sich führte,
und dem man, wie später den Mönchen des Athos und von Kiew, besondere
Kräfte zuerkannte, die Stunde ihres Todes erfahren. Der Seher Peregrinus
antwortete, sie werde morgen während der Messe sterben; das ist bereits ein
U Alphons Bellesheim, Geschichte der katholischen Kirche in Irland von der Einführung
des Christentums bis auf die Gegenwart. 3 Bde. Mainz 1890-1891, 1, S. 59. - Dabei paßte
Patricius die kirchliche Verfassung den Verhältnissen in Irland an. Bieler, Life of Patri&.,
p.99.
45 S. unten.
46 S. unten.
22 Georg Schreiber

Hinweis auf die mittelalterliche ars moriendi und die hohe Wertung der
missalen Funktion 47. Weiter bemerkte der Mönch, sie solle den Tod nicht
fürchten, denn es komme der selige Patricius mit einer glorreichen Schar
von Engeln, um sie in Empfang zu nehmen. Gertrud starb am folgenden
Morgen, am Fest des Irenapostels 48. Gewiß ein bemerkenswerter Beitrag
zur Geschichte der Kunst des Sterbens.
Nach allem steht Patricius ruhmreich in den Konturen des christlichen
Festlandes. Die Litanei Ludwigs des Deutschen mit ihren über 500 Anrufun-
gen kennt ebenso den Namen des Irenapostels 49. So tritt er in die Heroen-
galerie seines Volkes. Ja, mehr als alle anderen großen Iren wird er zum
nationalen Symbol, ähnlich jenem Stephan 1., in dessen Name und Krone
die Kräfte Ungarns sich zu einem neuen Aufbruch sammelten 50.
Ungemein bedeutsam begleitete den irischen Heilbringer ein eschatolo-
gischer Zug: dieser betrifft die zerklüftete Höhle auf einer Insd im Lough
Derg (bei Pettigo, Grafschaft Donegal). Diese Höhle, die mit dem 12. Jh.
eine literarische Tradition empfing, wurde unt<er der Bezeichnung "St.
Patricks Fegfeuer" zum Ziel nicht nur irischer, sondern auch abendlän-
discher Wallfahrten 51. Wenn auch keine Massenfahrten erfolgten, wurde
doch mit den Visiones Georgii des ungarischen Ritters Georg vom Jahre
1353 die Visionenliteratur bemerkenswert bereichert 52. Diese eschatolo-

47Dazu Adolph Franz, Die Messe im deutschen Mittelalter. Freiburg i. Br. 1902, S. 767.
48E. de Moreau, Histoire de l'Eglise en Belgique. T. I-IV. 2 me ed. (Museum Lessianum.
Section Historique, No. 2). Bruxelles 1945, I, p. 146; ders., Gertrud. LThK 4, Sp. 445.
49 Georg O. Swarzenski, Die Litanei Ludwigs des Deutschen in der Stadtbibliothek zu

Frankfurt a. M., in: Studien aus Kunst und Geschichte. Festgabe für Friedrich Schneider.
Freiburg i. Br. 1906, S. 176.
50 S. Georg Schreiber, Stephan I. in der deutschen Sakralkultur (Ostmitteleuropäische
Bibliothek, hrsg. von E. Lukinich, Nr. 15). Budapest 1938; ders., Stephan I. der Heilige,
König von Ungarn (997-1038). Eine hagiographische Studie. Jubiläumsschrift zur 900-Jahr-
feier. Paderborn 1938.
51 Kenney, Sources I, p. 354 H., mit der wichtigsten Literatur. S. ferner Reinhold Röh-
richt und Heinrich Meisner, Deutsche Pilgerreisen nach dem Heiligen Lande. Berlin 1880,
S.257-260; Max Voigt, Beiträge zur Geschichte der Visionen literatur im Mittelalter
(Palaestra, 146). Leipzig 1924; Oliver St. Gogarty, I follow St. Patrick. 2nd ed. London
1950, p. 268 f.; Bieler, Life of Patrick, p. 26.
52 L. L. Hammerich, Visiones Georgii. Visiones quas in Purgatorio sancti Patricii
vidit Georgius miles de Ungaria A. D. MCCCLIII (Det Kgl. Danske Videnskabernes
Se1skab. Historisk-filologiske Meddelelser XVIII, 2). Kobenhavn 1931; ders., Eine Pilger-
fahrt des XIV. Jahrhunderts nach dem Fegfeuer des H. Patricius. Zeitschr. f. deutsche
Philologie 53, 1928, S. 25-40. - Der Bericht des Zisterziensers H einrieh von Saltrey (wohl
um 1190) ging in zahlreiche lateinische, altfranzösische, provenzalische und schwedische
Prosafassungen und in altfranzösische, englische, spanische, deutsche und niederländische
metrische Bearbeitungen über. Selmar Eckleben, Die älteste Schilderung vom Fegfcuer des
Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 23

gische Sicht griff bis in Dantes Göttliche Komödie 53. - So wurde Patrick in
allem der Inaugurator der Irish Saints, die Irland zur Insula sanctorum
machten 54. Gleichzeitig wurde er im Volksbewußtsein zum Sinnzeichen der
nationalen Würde 55. So nährte er auch in den schwersten Zeiten die Hoffnung
und Zuversicht des irischen Volkstums.
Es mag der Patricius-Fo.rschung überlassen bleiben, weitere Verbindungslinien der
Patricius-Wanderung herauszustellen, die sich über das Festland erstreckten. Das betrifft
unter anderem die Kalendarien des 8. Jahrhunderts aus der Bretagne, der Normandie,
aus Nordfrankreich, aus dem Elsaß 56, das Gedicht des Cellanus, des Abtes von Peronne 51
und jene Erwähnung bei Rhabanus Maurus, daß den Heiligen Kilian, Brigida, Columban
und Patricius Altäre geweiht sind 58. Weitere Züge der Patricius-Wanderung zum Festland
und im besonderen in den deutschen Raum sind von uns an anderer Stelle im Sinne einer
Vorstudie mitgeteilt 59.

3. Steirische Patricius-Litanei

Der Kult des hl. Patricius zog sich zu allem bis in die alpinen Räume,
ohne allerdings ein Bergwerkspatrozinium auszulösen. Es ist die östliche
Steiermark, in der er nach der Seite des Volksreligiösen noch heute ver-
wurzelt ist. Dort hat das Bauernvolk in der ihm eigenen konservativen Art
diese Devotion zu pflegen gewußt.

hl. Patricius. Halle a. S. 1885, S. 6 f. - Der Held erscheint als Nicolaus in der Goldenen
Legende. Th. Graesse, Jacobus a Voragine, Legenda aurea, vulgo Historia Lombardica
dicta. Ed. tertia. Vratislaviae 1890, p.214; Richard Benz, Jacobus de Voragine, Legenda
aurea. Deutsch. 2 Bde. Jena 1917-1921, 1, Sp.320f. Von weiteren literarischen Verweisen
sehen wir ab.
53 Den Einfluß der Purgatoriumslegende auf Dante stellt nachdrücklich heraus Rudolf
Palgen, Das mittelalterliche Gesicht der Göttlichen Komödie. Heidelberg 1935, S.87-98;
den Analogien zwischen bei den spürt nach Vincenzo Berardis, haly and Ireland in the
Middle Ages. Dublin 1950, p. 145 f. - Weitere wichtige irische Beiträge zu den Visionen
in der Weltliteratur bieten die Visionen von Furseus und Tundal, auch St. Brandans Meer-
fahrt führt "in eine andere Welt". Bieter, Life of Patrick, p. 124; s. unten.
54 li.ltestes Zeugnis für diese Bezeichnung bietet Marianus Scotus (t 1082 oder 1083):
Hibernia, insula sanctorum, sanctis et mirabilibus perplurimis sublimiter plena habetur.
MG. SS. V, p. 544 Nr. 696.
55 Bieter, Life of Patrick, p. 22 f. 124.
56 Wichtige Hinweise bei Gougaud, Saints irlandais, p. 147 ss.
51 Traube, Perrona Scottorum, S. 486; vgl. Wilhelm Levison, Zu den Versen des Abtes
Cellanus von Nronne. Zeitschr. f. celtische Philologie 20, 1936, S.385; Bieler, Life of
Patrick, p.121.
58 MG. Poet. Lat. II, p. 208; ein ähnliches Epigramm verfaßte Alcuin. MG. Poet.
Lat. I, p. 342. Dazu lohn Hennig, Irish Saints in Early German Literature. Speculum 22,
1947, p. 358-374, bes. p. 360.
5' Schreiber, Wanderkulte, S. 12-14.
24 Georg Schreiber

Immerhin befindet sich der Kult im Rüd<.gang. Warum eigentlich? Per-


sönlicher Nachschub aus der irischen Heimat ist eben nicht erfolgt. Jahr-
hunderte liegen dazwischen. Gleichwohl ist die größte Einbuße und Ver-
wundung nicht eigentlich von der theoretischen Aufklärung besorgt, die bei
aller Kritik und Satire den Volksglauben der Väter im allgemeinen nicht
zu verdrängen vermochte. Es ist vielmehr die praktisch angewandte Staats-
raison, die bei joseph II. (1765-1790) das Bruderschaftswesen herrisch und
administrativ erdrosselte ~o. Sind ja die irischen Kulte an sich durch das
Mittelalter hindurch bis zum Ausgang des 18. Jhs. in solchen Konfrater-
nitäten lebendig geblieben, Diese Gemeinschaften gingen im übrigen zum
guten Teil auf das germanische Genossenschaftswesen zurüd<., das auch von
dieser Seite her das Volksfromme stützte. Devotion erstarkte am Genossen-
schaftsrecht, was über Otto Gierke hinaus in mehr als einer Hinsicht noch
zu untersuchen bleibt 81.
Daß in mehreren steirischen Gemeinden die Wallfahrt zu Ehren des hl. Patricius sich
noch im 19. Jahrhundert hielt, ist von uns bereits an anderer Stelle kurz erwähnt, besonders
in Hinsicht auf die Pfarrei Wenigze1l 62 • Ergänzend sei dazu bemerkt, daß das kulturell auf-
geschlossene oststeiermärkische Augustinerchorherrenstift Vorau (gegr. 1163), das unter
dem Propst Bernhard I. (1184-1202) die älteste Sammelhandschrift deutscher Dichtungen
vorlegte, auch den Kult des Irenapostels wesentlich gehalten und gefördert hat. Dies/'
Kanoniker sind im übrigen ja auch die Hüter des Purgatorium Patricii im Lough Derg.
Also zeichnete sich eine spirituelle Verwandtschaft ab. Wenn man das Verhältnis irischer
Heiliger zu den Religiosen untersucht, muß man feststellen, daß sie speziell im Bereich
der regulierten Augustinerchorherren, soweit der ostalpine Raum in Frage kommt, Patricius
geradezu als einen der Ihrigen betrachteten. Nähere Untersuchungen sind noch anzustellen.
Inzwischen sind von anderer Seite in einer näheren Ergrundung des Volksreligiöse!l
in der Steiermark manche Einzelheiten durch den Volkskundler Leopold Teu/elsbauer ans
Licht gezogen worden 83. Insbesondere sei aufmerksam gemacht auf eine Litanei aus dem
Florilegium Pöllense aus dem Jahre 1766, die dieser Autor mitzuteilen weiß. Wir lassen
sie hier folgen 84. - Einleitung wie sonst, dann wird fortgefahren:
"Heiliger Vater Patriri, Bitte für uns!
Heiliger Patriti, der du annoch im mütterlichen Leib verschlossen Wunder gewirket hast,

80 Georg Schreiber, Deutsche Bauernfrömmigkeit in volkskundlicher Sicht (Forschungen


zur Volkskunde, hrsg. von Georg Schreiber, H.29). Düsseldorf 1937, S.27-43; ders.,
Wallfahrt und Volkstum (Forschungen zur Volkskunde, H. 16/17). Düsseldorf 1934,
S. 63 H. - Ober das Bruderschaftswesen s. die aufschlußreiche Arbeit von Rudol/ H enggeler,
Die kirchlichen Bruderschaften und Zünfte der Innerschweiz. Einsiedeln (1955).
81 Das Deutsche Genossenschaftsrecht. 4 Bde. Berlin 1868-1881. Neudruck Graz 1954.
82 Schreiber, Wanderkulte, S. 13.
83 Die Verehrung des heiligen Patritius in der Oststeiermark und im angrenzenden
Nieder-österreich. Wiener Zeitschr. f. Volkskunde 34, 1934, S. 83-94.
84 Ebd. S. 91 f.
Irland im deutschen und abendländischen Sakral raum 25

Heiliger Patriti, der du deine dich unter ihrem Herzen tragende mit Gift getränkte
Mutter vor dem Tod errettet hast,
Heiliger Patriti, der du das Gift mit deinen Händlein begriffen und mit dir auf die
Welt gebracht hast,
Heiliger Patriti, der du als junges Knäblein Eiszapfen in Feuer verwandelt hast,
Heiliger Patriti, der du von vielen annoch im Mutterleib ruhenden inländischen
Kindern mit heller Stimm bist um Hülf angeruffen worden,
Heiliger Patriti, der du gleichwie Moyses deinen Pilgerstab von der göttlichen Hand
empfangen,
Heiliger Patriti, der du gleichwie Moyses das inländische Volk von dem Joch des
höllischen Pharaonis erlediget,
Heiliger Patriti, der du öfters die höllischen Geister in großer Menge aus Irrland
abgetrieben,
Heiliger Patriti, der du als ein sorgfältiger Seelenhirt deine Schäflein mit dem gött-
lichen Wort unermühtet geweidet hast,
Heiliger Patriti, der du zu Bekehrung der Ungläubigen die Eröffnung des Fegfeuers
von Gott erhalten,
Heiliger Patriti, der du drey ganzer Tag unaufhörlich geprediget, ohne Verspürung
einiger Nacht,
Heiliger Patriti, der du durch diese dreytägige Predig deine Zuhörer von allen
Hunger, Durst und Schlaf befreyet hast,
Heiliger Patriti, der du vierzehntausend Personen mit weniger Nahrung abgespeiset,
Heiliger Patriti, der du bey der Nacht mit deinen fünf Finger gleich fünf Sonnen
ein ganzes Land beleuchtet,
Heiliger Patriti, der du sechsundsechzig Tode zum Leben erwecket,
Heiliger Patriti, der du hundertfünfundsechzig Kirchen erbauet,
Heiliger Patriti, der du von denen Heyden gefangen, harte Streich und Steinwurf
geduldig ertragen,
Heiliger Patriti, der du deinen täglichen Verehrern die göttliche Gnad zu ihrem
Sterbstündlein versprochen,
Heiliger Patriti, der du vor deinem Lebensende vierzig Tage gefastet,
Heiliger Patriti, bey dessen unbegrabenen Leichnam zwölf Tage keine Nacht ver-
spüret wurde,
Heiliger Patriti, dessen Leichnam durch eben diese zwölf Tag von vielen Priestern und
Engeln wechsel weis besungen,
Heiliger Patriti, der du unzählige Mirakel gewirket."

Nach mehreren Anrufungen ähnlichen Inhalts heißt es:


»Heiliger Patriti, du Hülf der Sterbenden,
Heiliger Patriti, du Erlöser der Seelen aus dem Fegfeuer,
Heiliger Patriti, du Ehrenglanz der regulierten Chorherrn des heiligen Vaters
Augustini. "

Den Schluß bilden die Anrufungen:


»Heiliger Patriti, unser sonderbarer Patron,
Heiliger Patriti, ein sonderbarer Patron der Sterbenden."
26 Georg Schreiber

Die umfängliche Litanei beansprudlC eine nähere Würdigung. Sie ist ein kostbares Stü<k,
was die Wertung des irischen Volkstums betrifft, die sich auf deutschem Boden vollzog.
Sie ist im Grunde genommen die Biographie eines religiösen Heros. Der reiche Legenden-
kranz, der sich um die Gestalt des h1. Patricius wie ein strahlender Nimbus legt, teilt sich
auch an dieser Stelle mit. Das wirkt in der Tat wie ein Griff in die Legenda aurea. Das
gibt sich zum weiteren wie ein BIi<k in ein verzü<ktes und angestauntes Mirakelbuch.
Eine Fülle von Einzelzügen, die der Patricius-Volksglaube mit sich führte, werden fest-
gehalten, da sie geeignet sind, auch das agrarisch bewegte Volkstum des ostalpinen Raumes
zu interessieren.
Die bäuerliche Note tritt in einer zweiten Litanei, die aus Schäffern (Oststeiermark,
1770) stammt, nachhaltiger heraus. Es heißt dort in den letzten Anrufungen G.:
"Heiliger Patritius, Du besonderer Patron wider die bösen Ungewitter,
Heiliger Patritius, Du besonderer Patron wider alle Feldschäden,
Heiliger Patritius, Du besonderer Patron wider die Feuersbrünste,
Heiliger Patriti us, Du Abwender der Viehseuchen."
Das erste Wechsel gebet zeichnet hingegen allgemeinere, nicht berufsständisch gesehene
Mirakel ein. Es soll dabei besonders bemerkt sein, daß das Purgatorium, das eigentlich
unentbehrliche, erzähJerische Attribut des Patricius, erwähnt ist. Wiederum ist es volks-
tümlich, daß der Armen Seelen gedacht wird, die Patricius, diesmal wieder unter Erwäh-
nung des Fegfeuer-Motivs, aus dem Purgatorium erretten hilft. Der Hinweis auf die
Zugehörigkeit des Irenapostels zu den Hausheiligen der regulierten Augustinerchorherren
bildet das Finale der ersten Litanei. - In der heute noch gebräuchlichen Litanei von
Wenigzell (1863) sind die auf die Landwirtschaft bezüglichen Bitten auf zwei beschränkt 66.
Dafür wird der Heilige in einer allgemeineren Wendung als Vorbild der Frömmigkeit
herausgestellt. - Noch sind manche Untersuchungen zur Geschichte der Litanei, besonders
der Allerheiligen-Litanei, notwendig. Wir haben darauf an anderer Stelle mehrfach hin-
gewiesen. Mögen diese Anregungen auch in Hinsicht auf Irland aufgenommen werden.

4. Brigida
Die Verehrung der hl. Brigida (Brigitta, Brigita, Brigit, Bridget, Bride,
geb. 453, t 521, Fest am 1. Februar) 67 umfaßt noch einen größeren Sakral-
bereich als der Kult des hl. Patricius, soweit das Festland in Frage kommt.
Allerdings bildet sie mit diesem ein volksvertrautes Geschwisterpaar 68.
Teu/elsbauer, Patritius, S. 93.
63
Ebd. - Dazu Georg Schreiber, Deutsche Bauernfrömmigkeit (Forschungen zur Volks-
66
kunde, hrsg. von Georg Schreiber, H. 29). Düsseldorf 1936, S. 27. 43. 44.
67 Ausführliche Bibliographie der Viten und Hymnen bei Kenney, Sources I, p. 356-363;
Joh. E. Stadler, Vollständiges Heiligen-Lexikon. Fortges. von J. N. Ginal. 5 Bde. Augs-
burg 1856-1882, 1, S. 513; W. H. Grattan-Flood, Brigid. Cath. Encyc!. II, p. 784 f.;
L. Pfleger, Brigitta. LThK 2, S. 561; O'Hanlon, Lives II, p. 1-224; Bellesheim, Irland 1,
S.69-72; Ryan, Monasticism, p. 134 ff.; Gougaud, Saints irlandais, p. 16-45; Schreiber,
Wanderkulte, S. 14-18; Delius, Irische Kirche, S. 50.
68 Solche "Geschwisterheilige", wie ich sie nennen möchte, sind im irischen Bereich auch
Dymphna und Gerebernus. Dazu Schreiber, Wanderkulte, S. 33-35.
Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 27

Die mit Wunderzeichen erfüllte Legende weiß ja zu berichten, daß sie


dessen Grab in Downpatrick zusammen mit Columba d. K. teilt 69. Hin-
weise gemeinsamer Grabesruhe (die Diakone Stephanus und Laurentius,
Tote machen einander Platz 70) verlangen stets höchste Beachtung, was die
Kooperation oder die geistliche Verwandtschaft zu Lebzeiten betrifft.
Nachdem schon in ihrer frühen Jugend durch mancherlei Anzeichen auf
ihre künftige Heiligkeit hingewiesen worden war - Motive, die noch gern
das Barockzeitalter erörtert -, tritt sie mit 14 Jahren, in einem kirchenrecht-
lich (Eherecht) und volksliturgisch bedeutsamen Alter (gelübdereif, opfer-
mündig, wallfahrtsmündig) in das Kloster Meath ein und gründet dann als
ihre eigentliche Heimstatt das Frauenkloster Kildare 71. Sie stirbt dortselbst.
Dieses Kildare zog bald nach ihrem Tode die Pilger an. Dort begegnete
man ja dem Doppelkloster, der berühmten Schule, der Kunstpflege, den
Metallwerken und der Buchmalerei. Am Gotteshaus dort traf man auf den
klostereigenen Bischof, auf den hl. Conlaeth (t 519). Er war zugleich ein
Künstler im Handwerk, so daß er den Ehrentitel "Faber S. Brigidae" neben
seinem bischöflichen Titel führte 72. So wurde ihr ein wallfahrtsmäßiges
Nachleben. - Mit Brigida empfing die christliche altirische Frau, die aller-
dings in dem von Matthäus Bernards behandelten Speculum Virginum nicht
erwähnt wird 73, ein helleres Licht. In ihrer Persönlichkeit und in ihrem Kult
zeichnet sich zweifelsohne noch Vorkeltisches ab, was der Devotion zugute
kommen mochte. Man leitet ihren Namen von der keltischen Göttin Bri-
gantia her 74 • Dazu mag sich Matriarchalisches einfinden, was auf die Gel-
tung der Frau im Götterglauben der Naturreligion weist 75. Mythen und

69 Thomas J. Johnston, John L. Robinson and Robert Wyse Jackson, A History of the
Church of Ireland. Dublin 1953, p. 57. - St. Lioba bestimmte, daß ihre Gebeine bei denen
des h!. Bonifatius in Fulda ruhen sollten.
70 Wir ergänzen hier Heinrieb Günter, Psychologie der Legende. Studien zu einer wissen-

schaftlichen Heiligengeschichte. Freiburg i. Br. 1949, S. 121.


71 Ryan, Monasticism, p. 179-184; Konrad Hofmann, Kildare. LThK 5, Sp. 950 f.; John
Healy, Kildare. Cath. Encye!. VIII, p. 636 f.
72 Neubner, Handwerker, S. 138.
73 Es ist ein quellenkundlich bedeutsames Moment (Herkunft der Handschriften), wenn

die Iroschotten dort nicht genannt werden.


74 Kenney, Sourees I, p. 357; vgl. aueh Gustav Lehmacher, Die hl. Brigitta und die
keltische Göttin Brigit. Rheinisches Jb. f. Volkskunde 4, 1953, S. 125-141.
75 S. Bellesheim, Irland 1, S. 71; vgl. zu solchen keltischen Einflüssen auch Friedrich
Zoepjl, Drei Jungfrauen, bei O. Schmitt, Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Stutt-
gart 1937 H., 3, 1955, Sp. 457-467, bes. Sp. 462 f.
28 Georg Schreiber

Mirakel, die sich um ihre Gestalt weben, machen es erklärlich, daß sie "the
Mary of the Gael« genannt wird 76.
Von der Verehrung, die sie schon in früher Zeit in ihrer Heimat genoß, zeugen zwei
lateinische Hymnen, die wahrscheinlich aus dem 7. Jahrhundert stammen 77, und ein dritter
aus der gleichen Zeit, der wohl der älteste ist, der in irischer Sprache auf uns gekommen
ist 78. Es waren ja die Zeiten vom 6. bis 8. Jahrhundert eine Blütezeit der Hymnodie, die
von Iroschotten besorgt wurde 79. Das Cuimmfn von Condere (t 659) zugeschriebene, aber
wahrscheinlich erst im 11. oder 12. Säkulum - in Zeitaltern, in denen sich vieles hagio-
graphisch festigte - entstandene Gedicht über die irischen Heiligen singt von ihr:
"Blessed Brigit loved lasting devotion which was not prescribed, shepher,ding and early
rising, hospitality to wonder-working men 80." Als Patronin der Insula sanctorum wird
sie heute in Irland, Schottland und Wales gefeiert, ebenso in den Diözesen Birmingham
und Portsmouth 81, wie denn auch ihr Fest bereits in der 2. Ausgabe (9. Jahrhundert) des
Martyrologiums von Beda (t 735) erscheint 82 • Die stammverwandte Bretagne schloß sich
dem Gedenken an 83. - Bedeutsam war zum andern ihr stellenweise bis ins 19. Jahrhundert
gepflegter Kult in den voiksreligiös bewegten Gebieten zwischen Seine und Maas, wo die
Iroschotten namhafte Niederlassungen (Lagny-sur-Marne, Saint-Fiacre, Peronne, Aubigny,
Fosses usw.) gegründet hatten 84. Die Gallia christiana wurde an mehr ,als einer Kultstätte
zur Pflanzung und zum Widerschein irischer Sakralkultur.
Bereits in karolingischer Zeit tritt diese in dem kultbewegten und fernrnächtigen Tours
in das liturgische Wechsel gebet 85 Auch die irisch interessierte Litanei Ludwigs d. Deutschen
kennt ihre Anrufung 88. Sie wird überdies in einer Ostwanderung heimisch am Rhein und
in Mitteldeutschland, ja sie zieht südwärts ins alpine Vorland und ins Hochgebirge. Ihrer
gedenkt ebenso der italische Raum 87, und mit ihren Reliquien wandert ihre Ver-

76 Whitley Stokes, Lives of Saints from the Book of Lismore (Anecdota Oxoniensia,
Mediaeval and Modern Series, V). Oxford 1890, p. 51. 198.
77 Kenney, Sources I, p. 267 f.
78 Ibid. p. 268.
79 A. Manser, Hymnen. LThK 5, Sp. 221 f.
80 Whitley Stokes, Cuimmin's Poem on the Saints of Ireland. Zeitschr. f. celtische
Philologie 1, 1897, p. 63; vgl. Kenney, Sources I, p. 482.
81 Donald Attwater, A Dictionary of Saints. Being also an Index to the Revised Edition
of Alban Buttler's ,Lives of the Saints'. 2 nd ed. London 1948, p.53.
82 Ferdinand Piper, Die Kalendarien und Martyrologien der Angelsachsen. Berlin 1862,
S. 75; vgl. Gougaud, Saints irlandais, p. 21 s.
83 Gougaud, Saints irlandais, p. 23 ss. - S. Eugene Monseur, Le Folklore wallon
(Bibliotheque beIge des connaissances modernes). Bruxelles (ca. 1892), p. 128 S.
84 Wegen der zahlreichen Zeugnisse verweisen wir auf Gougaud, Saints irlandais,
p. 26 ss. Weitere Dokumente: Anal. Boll. 55, 1937, p. 51. 53; 58, 1940, p. 60; 59, 1941,
p.274; 62, 1944, p. 62. 67. 134. 148. 154. 157. 167.
85 Edm. Martene, De antiquis Ecc1esiae ritibus libri tres. 2 vol. Antverpiae 1763-1764, I,
p.309.
86 Swarzenski, Litanei, S. 176.
87 Anselmo Tommasini, I Santi irlandesi in Italia. Milano 1932, p. 164 ss.; Marco Ma-
gistretti ed Ugo Monneret de Villard, Liber notitiae sanctorum Mediolani. Milano 1917,
p. 57 B nr. 55-56.
Irland im deutschen und abendländischfn Sakral raum 29

ehrung bis nach Portugal 88. Vor der Glaubensspaltung wurde sie wie andere Iren auch in
Skandinavien gesdlätzt 89. So erfuhr der Kult eine ungemeine Weite. Man mag einmal
darangehen, andere sakrale Herrschaftsbereid1e der Frau (St. Kümmernis, St. Katharina,
St. Ursula, St. Barbara u. a.) vergleichend heranzuziehen. Bislang ist der Blick mancher
Historiker mit einer gewissen Einseitigkeit auf polmsche Territorialmacht und profane
Siedlungsgebiete gerichtet.
Im deutschsprachigen Raum fällt die Häufigkeit der Zeugnisse ihrer Verehrung in der
Schweiz auf, so namentlich in St. Gallen (seit dem 9. Jahrhundert) 90, Graubünden 91,
Einsiedeln 92 und ebenso in der Gegend von Basel 93 • Dort zeichnen sich auch sonst Inter-
essensphären der Iroschotten ab, wobei sich der Rhein, aber auch das benachbarte Burgund
als Zubringer erwiesen. - Zur ausgesprochenen Patronin wird sie im benachbarten Elsaß.
Im Schottenkloster St. Michael auf der Insel Honau schlägt sie ihr Kultzentrum auf,
wohin schon im 8. Jahrhundert Reliquien gekommen waren; diese werden 1298 nach
Rheinau, 1398 nach Alt-St.-Peter in Straßburg gebracht 94. Von dort zogen sich weitere
kultische Wellen in den gesamtelsässischen Raum 95. Das Stift Honau bezeugt im beson-
deren ihre Volkstümlichkeit. Hören wir doch dort von einem St.-Brigiden-Zehnten, von
St.-Brigiden-Brot, St.-Brigiden-Wein 96. So wuchs sie in das Brauchtum und in das Reidmis.

88 Gougaud, Saints irlandais, p. 42 s.


89 Ibid. p. 43.
99 Emmanuel Munding, Die Kalendarien von St. Gallen. Aus 21 Handschriften. neuntes
bis elftes Jahrhundert. [1. Teil:] Texte; 2. Teil: Untersuchungen (Texte u. Arbeiten, hrsg.
durch die Erzabtei Beuron, I. Abt., H. 36 u. 37). Beuron 1948-1951, 1, S. 40.2, S. 33; ders.,
Das Verzeichnis der St. Galler Heiligenleben und ihrer Handschriften in Codex Sangall.
No. 566 (Texte u. Arbeiten, hrsg. durch die Erzabtei Beuron, I. Abt., H. 3/4). Beuron 1918,
S. 4; E. A. Stückelberg, Geschichte der Reliquien in der Schweiz. 2 Bde. (Schriften d. Schwei-
zerischen Ges. f. Volkskunde, 1 u. 5). Zürich 1902, Basel 1908, 2, S. 4; ebd. 1, S. 10 (Pfäfers).
91 Johann Dorn, Beiträge zur Patrozinienforschung. Archiv f. Kulturgesch. 13, 1917,
S. 9-49, 220-255, bes. S. 226; Oskar Farner, Die Kirchenpatrozinien des Kantons
Graubünden, auf ihre Bedeutung für die Erforschung der Smweiz unters. 54. Jahresber. d.
Historisch-antiquarismen Ges. von Graubünden 1924, S. 1-192; aum sep. ersch. Münmen
1925, S. 117 f.
92 Munding, Kalendarien 1, S. 33.
93 Jahrzeitbum Liestal. Arm. Liestal, f. 43, zit. nam Basler Zeitsmr. f. Gesm. u. Alter-
tumskunde 2, 1903, S. 152; Gougaud, Saints irlandais, p. 37. 189, Appendice II C (Ponti-
fikale von Basel, 9. Jh., Freiburg i. Br., UniversitätsbibI., H. 50 v-52, smeint aus Nord-
frankreich zu stammen).
94 Lucien Pfleger, Le Culte d'une sainte irlandaise en Alsace : Sainte Brigide. Bull. eccI.
dt' Strasbourg 42, 1923, p. 51-54; Gougaud, Saints irlandais, p. 31; Fuhrmann, Monasteries,
p. 39; Jos. M. B. Clauss, Die Heiligen des Elsaß in ihrem Leben, ihrer Verehrung und ihrer
Darstellung in der Kunst (Forsmungen z. Volkskunde, hrsg. von Georg Schreiber, H. 18/19).
Düsseldorf 1935, S.143.
96 Pfleger, Brigide, p.53; Gougaud, Saints irlandais, p. 31 s.; Medard Barth, Reliquien
aus elsässismen Kirmen und Klöstern. Armiv f. elsässisme Kirmengesmimte 10, 1935,
S. 107-138, hier S. 123; ders., Reliquien aus elsässischen Kirmen für das Mimster in Bern
1343. Ebd. 9, 1934, S. 130-133; ders., Elsässisme Kalendare des 11. und 12. Jahrhunderts.
Ebd. 3, 1928, S. 1-21, hier S. 8; Clauss, Elsaß, S. 144.
96 Pfleger, Brigide, p. 53; Clauss, Elsaß, S. 144.
30 Georg Smreiber

Ihr wurde zudem eine elsässische Wallfahrt, die seit 1470 in Iffezheim namweisbar ist 9 '.
Im benambarten Lothringen ist ihr Andenken heute nom lebendig. Während schon in
einer aus Metz stammenden Absmrift des Martyrologium Hieronymianum (8. Jahr-
hundert) ihr Fest aufgeführt wird 98, wallfahren jetzt Pilger nam Freimengen, um eine
Reliquie der Heiligen zu verehren und Brot und Salz segnen zu lassen. Irosmottentum
dringt hier und an anderen Stellen in die aufnahmefreudige Interessensphäre der Bene-
diktionen 99. Des weiteren ziehen die Wallfahrer nam Nellingen, wo sie von Brigida den
Schutz der Tiere erbitten, sowie nam Holbam 100.
Doch weit über den elsässischen Raum hinaus tritt "sand Breide" ihren Sieges lauf in die
deutschen Lande an. Vom iroschottisch aufgesmlossenen Oberrhein 101 dringt sie ostwärts
bis Hohenzollern 102, Württemberg 103 und Altbayern 104 vor. In Franken, wo der Main-
strom den Iroschotten günstig ist, läßt sie sich in Bamberg (seit dem 11. Jh.) 105 nieder
und findet Aufnahme in die Staffelsteiner Gruppe der stark mainfränkisch ausgerichteten

91Clauss, Elsaß, S. 143.


9SGougaud, Saints irlandais, p. 34; vgl. Clauss, Elsaß, S. 143 (Plappeville).
99 Siehe das Kapitel "Segnungen" bei Schreiber, Wanderkulte, S. 95 H.
100 Alfred Pfleger, Roßweihe und Tierpatronate im Elsaß. Ein Beitrag zur religiösen
Volkskunde. Archiv f. elsässische Kirchengesm. 10, 1935, S. 369-403, bes. S. 395 Anm.6.
191 Gougaud, Saints irlandais, p.36; Clauss, Elsaß, S.144; Munding, Kalendarien 1,
S.33; Bermann Oechsler, Die Kirchenpatrone in der Erzdiözese Freiburg. Freiburger
Diözesanarchiv N. F. 8, 1907, S. 162-217, bes. S. 199 f.; joseph Sauer, Ein Nachwort zur
Liste der Kirchenpatrone der Erzdiözese Freiburg. Freiburger Diözesanarchiv N. F. 8,
1907, S.229; Hermann Schmitt, Die Patrocinien der Kirmen und Kapellen im ehemaligen
Bistum Worms. Wormatia sacra. Beiträge zur Geschichte des ehemaligen Bistums Worms.
Worms 1925, S. 101-120, bes. S. 106; Albert Becker, Pfälzer Volkskunde. Bonn und
Leipzig 1925, S.105.
102 F. Eisele, Die Patrozinien in Hohenzollern.Freiburger Diözesanarmiv N. F. 33, 1932,
S. 114-167; 34, 1933, S. 1-52, bes. S.6.
103 Gustav Hoffmann, Kirchenheilige in Württemberg (Darstellungen aus der Württem-
bergischen Geschichte, Bd. 23). Stuttgart 1932, S. 74.127. 129. 131. 138. 159. 178. 188. 207.
208.209.211.213.215.222.254.
104 Munding, Kalendarien 1, S. 33; Anton Lechner, Mittelalterlime Kirchenfeste und
Kalendarien in Bayern. Freiburg i. Br. 1891, S.9. 30. 190. 210. 248. 255; Anal. Boll. 54,
1936, p. 27. 36; Bauerreiß, Frühmissionäre, S.45; Anal. Boll. 17, 1898, p. 393 s.; Karl
Puchner, Patrozinienforschung und Eigenkirchenwesen mit besonderer Berücksichtigung des
Bistums Eichstätt. Phil. Diss. München. Kallmünz 1932, S. 67; Georg Swarzenski, Die
Regensburger Buchmalerei des X. und XI. Jahrhunderts. Studien zur Gesmimte der deut-
schen Malerei des frühen Mittelalters. Leipzig 1901, S.64. 191. 196. 197; Wilhelm Engel,
Die mittelalterlichen Seelbücher des Kollegiatstiftes St. Gumbert zu Ansbach (Quellen und
Forschungen zur Geschichte des Hochstifts Würzburg, Bd. 3). Würzburg 1950, S. 98. - Kult-
stätte in Weyern (Salzburg). Gustav Gugitz, Fest- und Brauchtumskalender für österreidl,
Süddeutschland und die Schweiz (österreichische Heimat, Bd. 19). Wien 1955, S. 14.
105 Friedrich Biller, Die Kirchenpatrozinien des Erzbistums Bamberg. Phil. Diss. Er-
langen. Bamberg 1931, S. 204 f.; Adolf Lagemann, Der Festkalender des Bistums Bambert;
im Mittelalter. Seine Entwicklung und Anwendung. Phil. Diss. Würzburg 1952 (Maschinen-
schrift), S. 48; Clauss, Elsaß, S. 143.
Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 31

Vierzehn Nothelfer l08 • Um 1320 widmet ihr ein unbekannter Dichter (wahrscheinlich aus
den niederschwäbisch-fränkischen Gebieten oder aus der Oberpfalz) 447 Verse in seinem
"Märterbuch" 107, für das er aus der Legenda aurea schöpft. Auch das Hessenland wird
vielfach mit Patrozinien bedacht 108. Schon Rhabanus Maurus (t 856) widmete der
hl. Brigida wie auch Columban und Patricius Epigramme in seinen Tituli Ecclesiae
Fuldensis 109. Hier und andernorts bekundet das Benediktinertum seine Wahlverwandt-
schaft zu den Iroschotten. Die verbindenden Linien waren stärker als etwaige Spannungen.
Wiederum trifft man Brigida mit Kirchenbesitz seit dem 9. Jahrhundert am Rhein
(Mainz) 110 und an der Mosel (Trierer Raum) 111, besonders häufig aber im Erzbistum
Köln 112, wohl zum Teil unter irgendwie begleitenden angelsächsischen und fränkischen
Einflüssen. Auch im Bistum Münster ist unter gleichen karolingischen Einwirkungen ihr Fest in
das Kalendarium des Domes wahrscheinlich bereits vor dem 9. Jahrhundert aufgenommen
worden 113. Neben den monastischen Genossen - Benedikt, Columban, Gallus, Maurinus,

106 Franz X. Buchner, Volk und Kult (Forschungen zur Volkskunde, hrsg. von Georg
Schreiber, H. 27). Düsseldorf 1936, S. 19.
107 Das Märterbuch. Die Klosterneuburger Handschrift 713, hrsg. von Erich Gierach
(Deutsche Texte des Mittelalters, hrsg. von der Preuß. Akad. d. Wiss., Bd. 32). Berlin 1928,
S. 28-37, vgJ!. S. XXXIII.
108 F.J.Bodmann, RheingauischeAlterthümer. 2 T. Mainz 1819, 2, S. 593;Romuald Bauer-
reiß, Fons Sacer (Abhandl. d. Bayer. Benediktiner-Akademie, Bd. 6). München-Pasing 1949,
S. 22 f.; Karl Heinrich Schäfer, Frühmittelalterliche Kirchenpatrozinien in Hessen. Fuldaer
Geschichtsblätter 14, 1920, S. 97-112, bes. S. 107; Wilhelm Classen, Die kirchliche Organi-
sation Althessens im Mittelalter samt einem Umriß der neuzeitlichen Entwicklung (Schriften
d. Instituts f. geschichtliche Landeskunde von Hessen u. Nassau, hrsg. von E. Stengel,
8. Stück). Marburg 1929, S.188; Munding, Kalendarien 1, S.33; Clauss, Elsaß, S.143;
L. Pfleger, Die elsässische Pfarrei, ihre Entstehung und Entwicklung, Straßburg 1936, S. 87.
109 MG. Poet. Lat. II, p. 208. 221. 230. Ein ähnliches Epigramm verfaßte Alcuin.
Ibid. I, p. 342. - Vgl. Hennig, Irish Saints, p. 360.
110 Munding, Kalendarien 1, S. 33; Dorn, Patrozinienforschung, S. 226; 2 Kalendarien
aus Lorsch. Gougaud, Saints irlandais, p.33.
111 8 Kirchenpatrozinien. Handbuch d. Bistums Trier 1938, S. 870; Litaneien, Martyro-
logien und Kalendarien. Peter Miesges, Der Trierer Festkalender (Trierisches Archiv.
Ergh. 15). Trier 1915, S.25-27; Anal. Bo.ll. 55, 1937, p.64; ibid. 59, 1941, p.297; Gou-
gaud, Saints irlandais, p. 39.
112 Anal. Boll. 54, 1936, p. 13; Georg Zilliken, Der Kölner Festkalender. Bonner Jahr-
bücher 119, 1910, S. 13-157, bes. S. 42; Clauss, Elsaß, S. 144; Heinrich Samson, Die Heili-
gen als Kirdlenpatrone und ihre Auswahl für die Erzdiöcese Köln und für die Bistümer
Münster, Paderborn, Trier, Hildesheim und Osnabrück. Paderborn 1892, S. 153 (mehr
Materialsammlung); Leonhard Korth, Die Patrocinien der Kirchen und Kapellen im Erz-
bistum Köln. Düsseldorf 1904, S. 40 f.; Matthias Zender, Schutzheilige der Haustiere im
Rheinland. Rheinische Vierteljahrsblätter 5, 1935, S. 70-85, hier S. 73; Ad. Wrede, Eifeler
Volkskunde. Bonn und Leipzig 1924, S. 84; W. Stüwer, Die Patrozinien im Kölner Groß-
archidiakonat Xanten. Bonn 1938, S.144. 208; Franz Jostes, Altsächsische Kalender aus
Werden und Hildesheim-Essen. Beiträge z. Geschichte d. Stiftes Werden 1895, H. 4,
S. 139-152, bes. S. 142. - Dazu weitere Forschungen von Matthias Zender.
113 R. Stapper, Die Feier des Kirchenjahres an der Kathedrale von Münster im hohen
Mittelalter. Westfälische Zeitschr. 75, 1917, 1, S. 1-81, bes. S.l1; W. Grewe, Die Urkunden-
datierung nach dem Münsterischen Festkalender. Ebd. 96, 1940, S. 1-38, bes. S. 8.
32 Georg Sdueiber

Scholastika - wurde sie 1088 Mitpatronin in der Kirche des überwasserstifts 114. Hier
begegneten sich, wie auch sonst in Patrozinien, Kalendarien, Litaneien 115 und auf Altären,
Benediktinisches und Iroschottisches. Beides fand sich erneut ein, ungezwungen und ohne die
Polemik der Bonifatius-Korrespondenz. In der benachbarten Weser-Diözese ernannte
sie Bischof Meinwerk von Paderborn (1009-1036) zur Mitpatronin seines Domes, indem
er sie neben die Jungfrau Maria, neben den Iroschotten Kilian und den gallischen Bischof
Liborius stellte 116. Dies geschah wohl unter dem Einfluß der Mönche dieser Bischofs-
stadt, unter denen sich vielleicht Iroschotten befinden mochten. Jedenfalls weisen die
Paternus-überlieferung 117 und das dortige hochmittelalterliche Interesse an den Viten
der Iren und der Angelsachsen 118 in diese Richtung.
Wenn wir uns fragen, wieso die Verehrung dieser irischen Heiligen auf
dem Festlande ein so starkes Echo gefunden hat, so wird man antworten
dürfen, daß iroschottische Niederlassungen dem Kult einen starken Rück-
halt gewährten; daß diese Neuheimaten der karolingischen Bistumsgrün-
dungen kaum Heilige aus eigenem Erdreich kannten; daß zum anderen

114 Westfälisches UB 1, Münster 1847, S.106-107, Nr. 134. In der gleichen Diözese
unterstand ihr die Pfarrkirche in Legden. H. Kampschulte, Die westfälischen Kirchen-
Patrocinien, besonders auch in ihrer Beziehung zur Geschichte der Einführung und Be-
festigung des Christentums in Westfalen. Paderborn 1867, S. 83. 200; Heinrich Börsting
und Alois Schröer, Handbuch des Bistums Münster. 2 Bde. 2. Aufl. Münster 1946, 1, S.166.
115 Auch die Letania Augustana (11. Jh.), das liturgische Wechselgebet des Augsburger
Bistums, nennt die Iren Columban und Gallus an der Seite der Angelsachsen Beda und
Waltpurga. F. A. Hoeynck, Geschichte der kirchlichen Liturgie des Bistums Augsburg.
Augsburg 1889, S. 432 H.
1lö B. Stolte, Der Dom zu Paderborn. Westfälische Zeitschr. 62, 1904, S. 104-162, bes.
S. 129 H. Ebenso ist sie in den unter Meinwerk entstandenen Festkalender aufgenommen.
Clemens Honselmann, Ein Festkalender des Paderborner Domes aus der Zeit Meinwerks,
in: Sankt Liborius. Sein Dom und sein Bistum. Paderborn 1936, S. 95-120, bes. S. 108.110.
Der Dom besitzt eine Brigidenkapelle (12. Jh.). - Bei Ausgrabungen im sog. Atrium des
Domes (zwischen Dom und Kreuzgang) im J. 1920 wurde der alte Brigidenaltar freigelegt.
In der darunterliegenden karolingischen Apsis des alten Domes fand sich an fast gleicher
Stelle der Rest eines Altares, der vermutlich ebenfalls der hl. Brigida geweiht war. Alois
Fuchs, Die Reste des Atriums des karolingischen Domes in Paderborn. Achter Jahresbericht
des Museumsvereins des Bistums Paderborn, 1923, S. 21-64, bes. S. 40f. - Bezeichnend ist,
daß die Hs. einer in Irland gebräuchlichen Hymne auf die h!. Brigida (lU12. Jh.) a,us
Paderborn stammt (Cod. Pa!. Nr. 482, Vat. Bib!.); vgl. Westfälische Zeitschr. 45, 1887,
S. 151. - Frd!. Hinweis von Prof. Dr. C. Honselmann, Paderborn.
117 über den irischen Inklusen Paternus (t 1058) s. Schreiber, Wanderkulte, S. 41 f.
118 In der Bibliothek des Klosters Abdinghof befanden sich zur Zeit des Bischofs Imad
(1051-1076) zwei Bände, die die Biographien berühmter Männer enthielten, der eine das
Leben des hl. Columban, der andere die Viten der hl. Bischöfe Remaklus und Lambert von
Maastricht und Tongern, ferner das des hl. Bonifatius, seines Schülers Willibrord, des
hl. Kilian, der hl. Lioba, des h!. Gallus sowie Othmars, des ersten Abtes von St. Gallen.
Einen dritten Band schenkte später Vizelin dem Kloster (zwischen 1115-1124). F. Schröder,
Geschichte der Paderborner Bischöfe. Westfälische Zeitschr. 74, 1916,2, S. 196 Anm. 3. Die
Anwesenheit dieser Viten ist auch für die Geschichte der Kultwanderungen bedeutsam.
Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 33

außerhalb des Kreises der Martyrinnen nicht viele Frauen und Jungfrauen
vorhanden waren, die eine kultische Verehrung beanspruchen konnten.
Dazu mochten sich matriarchalische Momente, also das Mutterrecht grauer
Vorzeit, geltend machen, das in Fruchtbarkeitsriten und in den Totenkult
hinüberspielte. Aber anderes sprach noch mit. Gerade im 11. Jh., in jener
Zeit also, da Brigida zur Mitpatronin sowohl des Münsterer als auch des
Paderborner Doms erhoben wurde, verstärkten die Iroschotten durch die
Gründung von St. Jakob in Regensburg (1075) und der mit diesem ver-
wandten Klöster ihren kultischen und volksreligiösen Einfluß auf deut-
schem Boden 119.
Die agrarisch<! Note, die Brigida mit Patricius teilt, tat ein übriges, um sie dem deut-
schen Volksbewußtsein näherzubringen. Doch mögen für ihre Beliebtheit in der Eifel als
Schutzheilige der Kühe alte keltische Einflüsse mitsprechen 120, die auch bei einigen an-
deren Patronaten mitwirken mochten 121. Aber die später noch zu berührenden Mirakel,
die sich schon zu Lebzeiten einfinden, wanderten in die Volksvorstellung. Soll sie doch mit
Weihwasser Kranke geheilt und Blinde sehend gemacht haben. Zudem führte sie zerris-
sene Ehen wieder zusammen 122, gewiß ein Vorgriff auf die Tätigkeit der Frau als Frie-
densstifterin, was dieser (Elisabeth von Portugal, Katharina von Siena) für kommende
Jahrhunderte des Mittelalters eine charakteristische Note verleiht.
Gern denkt man sie sich mit einem flackernden Licht in der Hand 123, das am Oberrhein
zum Brauchtum einer Brigitta-Kerze abgewandelt erscheint 124. Vielleicht wird dieser
Brauch durch das Fest Mariä Lichtmeß beeinflußt, das dem 1. Februar, dem Brigitta-Tag,
am 2. Februar unmittelbar folgt 125. Auf ihrem Haupte oder auch über ihrem Hause
lodert nach der Legende eine Flamme als besonders sprechendes Symbol der Heiligkeit 126.
Bei ihrem Kloster Kildare wurde der überlieferung nach durch ihre Nonnen ein ewiges
Feuer gehütet 127. So kommt bei ihr der Lichtgedanke stark zum Ausdrudi, der überhaupt

119 Fuhrmann, Monasteries, p. 94.


120 Karl Meisen, Probleme der religiösen Volkskunde im Rheinlande. Rheinisch-west-
fälische Zeitschr. f. Volkskunde 1, 1954, S.202.
121 Lehmacher, Brigitta, S. 125-141.
122 Adolph Franz, Die kirchlichen Benediktionen im Mittelalter. 2 Bde. Freiburg i. Br.
1900,1, S. 84; O'Hanlon, Lives II, p. 78 f.; Stokes, Lives, p. 192.
123 Karl Künstle, Ikonographie der Heiligen. Freiburg i. Br. 1926, S. 144; nach Joseph
Braun, Tracht und Attribute der Heiligen in der deutschen Kunst. Stuttgart 1943, Sp. 154,
für den deutschen Raum nicht nachweisbar.
124 L. Gougaud, Le Culte de S. Brigide de Kildare dans l'Europe continentale. Archiv
f. elsäss. Kirchengeschichte 11, 1936, S. 35 H.
125 Paul Sartori, Sitte und Brauch, 3 Teile (Handbücher zur Volkskunde, Bd. V-VIII).
Leipzig 1910-1914, 3, S. 85. Gllgitz, Festkalender, S. 14, verweist auf Lucia, Percht.
126 Stadler, Heiligen-Lexikon 1, S.513.
121 Delius, Irische Kirche, S. 40; - Johnston - Robinson - Jackson, Ireland, p. 56. - Man
erinnere sich auch an das Osterfeuer des h1. Patricius bei Slane und an die Sitte des Johan-
nisfeuers, die heute noch in Westirland - wie auch in Deutschland - besteht. Ibid.
34 Georg Smreiber

in Irland, namentlim im Totenkult, bis in die heutige Zeit im Volk lebendig ist 128. Aum
über dem Leimnam ihres irismen Landsmannes, des hl. Foillan, flammte eine Limtsäule
auf 128. - Gern wird sie als Xbtissin mit Kreuz und Kirmenmodell abgebildet 130, vielfam
aum inmitten von Krüppeln und Armen, die sie heilt und bekleidet 131. Gerade der Frau
eignet die karitative Note, was die Legende und die Ikonographie stets von neuem be-
zeugen 132.
Als fürbitten der Patronin des Viehs werden ihr im Bild aum wilde Gänse und Enten
(hier Symbole der Einsamkeit) 133 und eine Kuh (erst seit dem 15. Jahrhundert) 134 bei-
gegeben. Im Weideland Tirol spricht man ein Gebet zu ihr um Smutz der Tiere 135. In
Plappeville bei Metz bringen die Bauern am 1. Februar trockenes Kraut und Hafer von
einem bestimmten Grundstück zur Kirme und lassen es an der Statue Brigidas anrühren.
Zu Hause gibt man Hausgenossen und Tieren davon zu essen, als Smutz gegen Krank-
heiten und böse Geister 136. Als Helferin gegen Tierkrankheiten wird sie im Landkreis
Köln 137 und in der Diözese Trier angerufen 188. Die Bauern in der Gegend von Lüttich
tragen aus den Brigidenkapellen geweihte Erde und mit ihr den Smutz für sim und das
Vieh mit nam Hause 139. Im 15. Jahrhundert kannte man dort ein Gebet, das allzu heftige
Bewegungen der Kühe beim Melken abstellte 140. Dem entsprimt es, wenn sie in Irland
von den Bäuerinnen um Hilfe bei der Buttergewinnung angerufen wird Ul. So mehrt sich
die Gruppe der tierliebenden Heiligen und beteiligt sim an den Sorgen des Hofes. Ihr
Viehpatronat, besonders den über die Kühe, weiß die hilfreime Legende darauf zurück-
zuführen, daß sie als kleines Kind die Milm einer Kuh der Muttermilm vorzog und auf
dem väterlimen Hof die Smweine hütete und zahl reime Wunder an Tieren wirkte 142. Sie
wurde zudem nach der weiteren überlieferung in einem Stall begraben und trägt als
Attribut oft eine Smeuer bei sim 143. Die wiederum gesprämige Legende weiß nämlim zu

128 Hans Hartmann, Der Totenkult in Irland. Ein Beitrag zur Religion der Indo-
germanen. Heidelberg 1952, S.77-95.
128 S. unten.
130 KünstLe, Ikonographie, S. 144.
131 CLauss, Elsaß, S. 144.
132 Georg Schreiber, Mutter und Kind in der Kultur der Kirme. Freiburg i. Br. 1918,
S. 103 ff.
133 Joseph Bernhart, Heilige und Tiere. Münmen (1937), S. 8I.
134 Braun, Tramt, Sp. 152 f.
135 J. N. Ritter v. ALpenburg, Mythen und Sagen Tirols. Zürim 1857, S.362; erwähnt
nam Hanns BächtoLd-StäubLi, Handwörterbum des deutsmen Aberglaubens. 10 Bde.
Berlin und Leipzig 1927-1942, 1, Sp.1577.
138 R. de WestphaLen, Dictionnaire des traditions populaires messines. Metz 1934, p. 64.
137 Adam Wrede, Rheinische Volkskunde. Leipzig 1922, S.214.
1313 Peter Oster, Geschimte der Dekanate Prüm-Waxweiler (Gesmimte der Pfarreien der
Diözese Trier, hrsg. von Matthias Schuler, Bd. 3). Trier 1927, S. 101. 109; Zender, Smutz-
heilige, S. 70 H.
139 PauL Sebillot, Folk-Lore de France. T. I-IV. Paris 1904-1907, I, p. 209.
140 Ibid. IU, p. 362.
141 Hartmann, Totenkult, S.29.
142 Stokes, Lives, p. 185. 187. 194 f.
143 Dietrich Heinrich Kerler, Die Patronate der Heiligen. Ulm 1905, S.222.
Irland im deutschen und abendländischen Sakral raum 35

berichten, aaß sich eine Scheuer auf ihr Gebet hin mit Korn füllte 144. Im Elsaß ist sie
zudem Weinpatronin 145. Früher rief man sie bei Gewitter an, wovon Formeln aus dem
15. und 16. Jahrhundert zeugen 148. Den Frühling soll sie nach Sartori auf den westlichen
britischen Inseln ansagen 147.
Ihre Verehrung liegt somit in einer naturnahen Linie, die durch Züge aus ihrem Leben
noch verstärkt wird. Ihre erste Bleibe war eine Hütte unter Eichbäumen (Cell-dara =
Zelle aer Eichen). Durch Motive dieser Art wird selbst im sakralen Bereich die agrarische
Haltung und das Naturgefühl des frühen und hohen Mittelalters gestützt.
Noch ein anderes. Brigida, die Gründerin und Xbtissin des ersten Frauenklosters auf
irischem Boden, das wegweisend für alle späteren irischen Gründungen war I4S, konnte
auch der Frau im germanischen Raum ein Vorbild sein, sei es, daß sie Mitglied einer
Klostergemeinschaft wurde, sei es, daß sie im Laienstande blieb. Es konnte in der Tat die
Stellung der Prau, die wie eine Hörige den Acker bestellte, nur festigen, wenn eine große
irische Heilige nunmehr und schon früher unter Kirchentitel und Kirchenpatrone auf-
genommen wurde, ohne daß sie ein römisches oder spanisches Martyrium erlitt.
Brigida lieh ihren Glanz und ihre Größe, um der keltischen, aber ebenso
der germanischen Frau, deren Emanzipationskampf sich innerhalb und
außerhalb eines Konventes noch hart anließ, Hilfe und Förderung zu ge-
währen. In späterer Zeit (seit dem 15. ]h.) wird sie dann oft durch die
gleichnamige schwedische Heilige abgelöst, da sich auch die Volksfrömmig-
keit gern dem Neuen und Modischen zuwendet.

5. Brigida-Mirakel
Noch hat die allmählich einsetzende Mirakelforschung den Anteil der
Iroschotten nicht näher herausgestellt 149. Einige Aufmerksamkeit verlangt
aber die Mir:akelbildung in Sachen von St. Brigida.
Die Schlangen, die das Patricius-Leben und die Wirksamkeit von St. Pirmin ebenfalls
berühren (Rodungsheilige) 150, erscheinen auch im Leben Brigidas. Am Tisch des Bischofs
Ibar wird Fleisch zu Schlangen. Aber St. Brigida erreicht die Rückbildung 151. Wie andere
heilige Frauen mußte sie den Beweis ihrer Unschuld erbringen. Sie berührte den Altar,

144 O'Hanlon, Lives 11, p. 69 f.


146 Luzian Pfleger, Die elsässischen Weinpatrone. Volk und Volkstum, hrsg. von Georg
Schreiber, 2. München 1937, S. 223-238, bes. S. 236.
H6 Franz, Benediktionen 2, S.100.
147 Sitte und Brauch 3, S. 85.
148 Ryan, Monasticism, p. 134 H.
149 Zur Mirakelforschung s. Georg Schreiber, Deutsche Mirakelbücher. Zu ihrem Wesen
und zu ihrem Inhalt, in: Deutsche Mirakelbücher. Zur Quellenkunde und Sinngebung.
Hrsg. von Georg Schreiber (Forschungen zur Volkskunde, H. 31/32). Düsseldorf 1938,
S.9-76.
150 Schreiber, Pirmin, S. 62-65; Patricius soll die Schlangen aus Irland vertrieben
haben. Bieler, Life of Patrick, p. 23. 124.
151 Günter, Legende, S. 125.
36 Georg Schreiber

und das Holz begann zu grünen 152. Dieses Mirakel macht uns darauf aufmerksam, daß
das Ordal noch bis zum Ausgang des 12. Jhs. weithin das wirtschaftliche und kirchliche
Leben beschäftigte. Die Schutzbedürftigkeit der Frau hebt sich dabei ab.
Brigida stellt sich mit anderen Heilbringerinnen überdies in das Heilkraftbewußtsein,
was besonders der wirkungsmächtigen Virgo eignet. Schenkte sie doch einer Bettlerin eine
Kuh. Das nützt mir nicht, sagte die weltläufige Frau, Räuber stehlen sie mir doch. Brigida
hilft nun aber in anderer Form, indem sie der Armen einen Gürtel schenkt. Auch hier
erscheint der Gürtel ah Zeichen der Kraft und der Herrschaft (Lösezauber und Binde-
zauber). Die Heilige bemerkt, wenn die Frau den Gürtel in das Wasser tauche und Kranke
besprenge, würden sie gesunden 153. - Als Mitglied des Konvents erhält Brigida ein be-
sonderes Zeichen und einen auffallenden Gunstbeweis, der auf die Bedeutsamkeit ihrer
zukünftigen Wirksamkeit anspiek Erscheint doch eine Lichtsäule bei ihrer Einkleidung
in Meath 154. Das marianische Prinzip, das so oft im Leben der heiligen Frauen heraustritt,
kommt bei ihr schon früh zur Geltung, wenn der zwölf jährigen Brigida die Mutter Gottes
half, eine Näharbeit zu vollenden, da die Kleine fürchtete, diese nicht nach dem Wunsche
der Pflegemutter fertigzubringen 155. Diese Überlieferung rückt in den Stimmungsgehalt
froher Idylle.
Die See erhebt ebenfalls ihren Anspruch, irgendwie im Leben einer irischen Heilbrin-
gerin berücksichtigt zu werden. Findet sich doch ein Zug ein, daß sie heilige Gewänder
in einem Schrein übers Meer an den Bischof Senan sendet und ein anderes Mal eine Menge
Silber für die Jungfrau Hinna 156 einem Fluß anvertraut. Man mag bei Würdigung solcher
Schenkungen in vorbonifatianischer Zeit daran denken, daß gerade der irische Bergbau
schon in alter Zeit eine bedeutende Produktion von Silber kannte 157. Wiederum tritt bei
Brigida das Mirakel der Vermehrung heraus. Versorgt Brigida doch 18 Kirchen von
Gründonnerstag bis zum Osterende mit einem Maß Bier 158. Es ist ja Fastenzeit, aber dal>
Fasten wird durch ein Liquidum nicht gebrochen. Es ist eine Pitanz, die sie den Kirchen
reicht. Ob hier noch apotropäische Vorstellungen mitliefen, sei dahingestellt. Nach allem
kannten die Mirakel Frauliches und Konventsmäßiges 159, dazu irische Freigebigkeit gegen-
über dem Festland und nicht zum wenigsten das Bewußtsein der Heilkraft 100. Auch das
Thema Mutter und Kind wird berührt, zu dem ja auch sonst Irland mit dem Bußbuch des
Cummian (vielleicht Cummian der Lange, Bischof von Clonfert, t 661/662) einiges zu
sagen hatte (Kindsmord) 161. Desgleichen hören wir von einer irischen Kirchenversamm-

Ebd. S. 127; 0' Hanlon, Lives H, p.58.


152
Günter, Legende, S. 274; 0' H anion, Lives II, p. 79 .. Dazu Jungbauer, Gürtel, bei
1.3
Bächtold-Stäubli 3, Sp. 1212-1230; Oswald Erich und Richard Beitl, Wörterbuch der deut-
schen Volkskunde. Leipzig 1936, S.263; ferner Hans Naumann, Wandlung und Erfül-
lung 2. Stuttgart 1934, S. 128 ff.
154 Günter, Legende, S. 109; 0' Hanlon, Lives II, p.57.
155 Günter, Legende, S. 240.
156 Ebd. S. 63; 0' Hanion, Lives H, p. 130. 157.
157 P. W. Joyce, A Social History of Ancient Ireland. 2 vols. London 1903, I, p. 554 f.;
11, p.286.
158 O'Hanlon, Lives II, p. 68 f.; Stokes, Lives, p. 188 f.
159 S. besonders 0' Hanlon, Lives II, p. 72 f. 74 et passim.
160 Ibid. p. 68. 70. 87 et passim.
161 Schreiber, Mutter und Kind, S.20.
Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 37

lung, die sich mit einer Anklage beschäftigt. Erfahren wir doch, daß auf einem großen
Konzil ein Weib einen Bischof der Vaterschaft beschuldigte. Brigida bezeichnete den Mund
der Frau mit einem Kreuz, und sie schwoll an vom Scheitel bis zur Sohle 162, gestand
aber nicht. Da fragte Brigida das Kind, und es antwortete: Der Bischof ist es nicht, aber
der letzte dort im Konzil, der Häßliche und Gleichgültige 163. So wuchsen irische Konzilien
in den Volksglauben, und das Kind erscheint in einer ambrosiushaften Szenerie. Doch
überwiegt in den Brigida-Mirakeln das agrarische Moment 164.

6. Columban d. J.
Das Lehen Columhans d. J. (geh. zwischen 530 und 545, t 615, Fest am
21.123. Nov.)165 durchmißt heimatliche und westeuropäische Stationen.

Wie wenige andere verkörpert dieser Sanctus irische Beweglichkeit.


Zu Leinster in Südostirland geboren, tritt er auf den Rat einer Reklusin, aber gegen
den Willen seiner Mutter in die von dem gelehrten Sinneill geleitete Abtei Cluain-Inis,
auf einer Insel im Lough Erne (Grafschaft Fermanagh) ein. Das Moment des Insula.ren
wie das der Reklusin, die die Einsamkeit verkörpert, will beachtet sein. Doch lockt ihn
das strengere Leben 166 jene in den mittelalterlichen Quellen wieder und wieder erörterte

162 Zur Macht des Kreuzzeichens s. Franz, Benediktionen 2, S. 50 f.


163 Günter, Legende, S. 97 f.; Stokes, Lives, p.191.
164 S. etwa O'Hanlon, Lives II, p.41. 43. 104 et passim.

165 Vitae Columbani abbatis diseipulorumque eius libri H, ed. B. Krusch, MG. SS. rer.
Mer. IV, p. 1-152, vg!. 774 H.; Wilhelm Wattenbach, Deutschlands Geschichtsquellen im
Mittelalter. Vorzeit und Karolinger. 1. Heft: Die Vorzeit von den Anfängen bis zur Herr-
schaft der Karolinger. Bearb. VOn Wilhelm Levison. Weimar 1952, p.131-133; Kenney,
Sourees I, p. 186-205; Stadler, Heiligen-Lexikon 1, S. 649 f.; Graf v. Montalembert, Die
Mönche des Abendlandes vom hl. Benedikt bis zum h!. Bernhard. 7 Bde. Deutsche Ausg.
von Karl Brandes. Regensburg 1860-1878, 2, Buch 7 (S.435-608); Belle5heim, Irland 1,
S. 139-160; Albert Hauck, Kirchengeschichte Deutschlands. 5 Bde. 1.-5. Auf!. Leipzig
1911-1935, 1 3-4, S. 244-274; Gougaud, Saints irlandais, p. 51-62; Columba Edmonds,
Columbanus. Cath. Eneye!. IV, p. 137-140; Johann J. Laux, Der h!. Kolumban, sein Leben
und seine Schriften. Freiburg 1919, weniger eindringlich; Fritz Blanke, Columban und Gallus.
Urgeschichte des schweizerischen Christentums. Zürich (1940); J. Roussel, Saint Co 10mb an et
l'epopee eolombanienne. T.I-II. Baume-Ies-Dames et Besans:on 1941; Marguerite-Marie
Dubois, Saint Colomban. Paris 1950; dort die neueste Bibliographie; dazu Ergänzungen
bei Fritz Blanke, Von Metz nach Tuggen. Evangelisches Missions-Magazin N. F. 95, Basel
1951, S. 164 f. Anm.10; Schreiber, Wanderkulte, S. 18-19. - Der Sammelband Melanges
eolombaniens. Aetes du Congres International de Luxeuil, 20-23 Juillet 1950. Paris s. a.,
enthält eine Fülle von Material zum Leben, Wirken und kultischen Nachleben des Heili-
gen. - S. auch Johnston-Robinson-Jackson, Ireland, p.84-89. - Zur Datierung des Ge-
burtsjahres des Heiligen s. zuletzt Delius, Irische Kirche, S. 105.
161; Zur religio aretior vg!. Georg Schreiber, Kurie und Kloster im 12.Jahrhundert.
2. Bde. Stuttgart 1910, 2, S. 447 im Register.
38 Georg Schreiber

religio arctior, also die härteste Askese, zum neu gegründeten Kloster Bangor. Aber auch
von hier, wo er die Klosterschule leitet, ruft ihn Gott in ferne Lande 167.
Nach kurzem Aufenthalt in England, in dem von den Iren stets erneut
aufgesuchten Missionsland, zieht er mit zwölf Gefährten - wieder und
wieder begegnet diese Ziffer der vita apostolica - ins Frankenreich. Dort
gründet er die Klöster Annegray, Luxeuil (um 590) und Fontaine (Bur-
gund). Doch da er wiederum diese Neuheimat, durch weltliche Gewalt ge-
zwungen, verlassen muß, findet er den Weg zum Süden: nach seiner Fahrt
den Rhein hinauf 168 zum Zürich- und Bodensee 169 (Bregenz), nach der
Durchquerung der Alpen und nach Eintritt in die Lombardei 170 wird er
Abt des oberitalischen Bobbio, wo er 615 stirbt 171. Ein strategisches
Aufmarschgelände erster Ordnung ist in der Lombardei für ,den Monasti-
zismus gewonnen 172. Columban ist ein wegweisender abendländischer
Regelvater des Mönchtums (pater plurimorum monachorum, Martyrologium
Romanum). Er sammelt Gefährten zu bleibendem Aufenthalt und gibt
ihnen eine norma agendi.
Für weite Wegstrecken kann man ihn zugleich als Wander- und Buß-
prediger bezeichnen. Auch ihm ist der Besuch des Martinsgrabes, der Wiege
und der unsterblichen Erinnerungsstätte des abendländischen Mönchtums,
heilige Pflicht. Als er als ein Verbannter die Loire hinabfährt, gelingt es ihm

167 Bei ihm wird nachweislich zum ersten Mal der Missionsgedanke wach. v. Campen-
hausen, Heimatlosigkeit, S. 22; vgJ. Blanke, Columban und GaIlus, S. 37; ders., Von Metz
nach Tuggen, S. 170 (Mission der Alemannen). Nach diesem Autor bestand der Plan,
von Bregenz aus als Missionar zu den alpenländischen Slaven (Slovenen) zu gehen.
Fritz Blanke, Columban und die Slaven. Theologische Blätter 18, 1939, Sp. 304-308;
Dubois, St-Colomban, p. 119, denkt dabei an die Veneter in Norikum und Pannonien.
168 Ein Aufenthalt in Straßburg auf dem Weg von Mainz nach Bregenz wird neuerdings
angenommen; vgJ. Luzian Pfleger, Kirchengeschichte der Stadt Straßburg im Mittelalter
(Forschungen zur Kirchengeschichte des Elsaß, Bd.6). Kolmar 1943, S.16; Rene Metz,
L'action de Saint Colomban en Als ace. MeJanges colombaniens, p. 223; Medard Barth,
Der Kult des hJ. Kolumban im Elsaß. Ibid. p. 259-275, bes. p. 260.
189 Er machte den Weg von Metz nach Windisch - für die Iren eine Ausnahme - zu
Schiff, während er von Windisch zum Bodensee zu Fuß gelangte; s. Blanke, Von Metz
nach Tuggen, S. 164; ders., In Wangen und Arbon. Evangelisches Missions-Magazin N. F.
96, 1952, S. 172-186.
170 Ober den Weg Columbans von Bregenz nach Bobbio vgJ. Louis Gougaud, Revue
d'Histoire eccJesiastique 29, 1933, p.260 s. und Iso Müller, Disentiser Klostergeschichte.
Bd.l: 700-1512. Eillsiedeln, Köln 1942, S.41; Dubois, St-Colomban, p. 121, nimmt die
Route Bregenz-Chur-Septimerpaß-Bregagliata-Mailand an.
171 Mit ihm stieß das Iroschottentum am weitesten südlich vor. Parks, English Traveler,
p. 19. - Doch hat er wohl die Ewige Stadt - im Gegensatz zu manchen legendären Be-
richten - niemals erreicht. Dubois, St-Colomban, p. 124.
m Zur Exemtion von Bobbio (628) s. Schreiber, Kurie und Kloster 1, S. 1.
Irland im deutschen und abendländischen Sakrairaum 39

mit Gottes Hilfe, im Mausoleum des Heiligen in Tours zu beten 173. Derart
tritt der irisdle Monastizismus in größere abendländische Zusammen-
hänge und in organisch empfundene überlieferungen. - Columban war
im Vollbesitz der humanistisdlen Bildung, die' in den irisdlen Klö-
stern gepflegt wurde, was seine eigenen Sdlriften bezeugen 174. Ihm
eignet zudem ein sidlerer Blick für Plätze und Landschaften, die für
die Anlage eines Klosters besonders günstig sind, was in der reizvollen
Geschichte des locus idoneus und des Klostergründungsgeschäftes beachtet
sein will. Auch in Hinsicht auf Möglichkeiten der Missionierung wählt er
bewußt, auch auf Rat des Königs Theudebert II. von Austrasien (596 bis
612), seine Stützpunkte im Bodenseeraum. Absichtlich wird die Grenze
zwischen rätisch-romanischem Christentum und dem neu zu bekehrenden
alemannisch,en Bereich im Thurgau aufgesucht, um auf die Hilfe des christ-
lichen Rätien zurückgreifen zu können 175. Es war die Nahtstelle. Es war
der Ausblick auf ein neu zu eroberndes Rohstoffgebiet und Neuland.
Seine Gestalt wächst in der Abwicklung der merowingischen Kirchen-
politik in Klostergründung und Reform bald in eine überragende Stel-
lung. Doch waren harte Widerstände zu überwinden 178.
Die Aufgabe, die sich Columban selbst gesetzt hatte, die festländische
Umwelt zu erneuern, war um so schwieriger, als sich nach den Stürmen der
Völkerwanderung Gallien in politischer und religiöser Hinsicht (Arianis-
mus) als ein uneinheitliches und zerwühltes Arbeitsfeld darstellte 177. Doch
versteht es der gewandte wie aufrechte Ire, sich der weltlichen Macht gegen-
über zu behaupten 178, ja selbst dem von Theuderich von Burgund verhäng-
ten Exil zu entgehen. Er weiß sich auch in der Frage des Ostertermins, in
der er beim fränkischen Episkopat auf harten Widerspruch stieß, durch-

173 Dubois, St-Colomban, p. 90 s.


174 Ludwig Bieler, The Humanism of St Columbanus. Mclanges colombaniens, p. 95-102.
173 Heinrich Büttner, Christentum und Kirche zwischen Neckar und Main im 7. und
frühen 8. Jahrhundert, in: Sankt Bonifatius. Gedenkgabe zum zwölfhundertsten Todes-
tag. 2. durchges. Aufl. Fulda 1954, S. 362-387, bes. S.368.
m Delius, Irische Kirche, S. 106 f.; Leo Ueding, Geschichte der Klostergründungen der
frühen Merowingerzeit. Berlin 1935, S. 2 f.
177 S. dazu Roussel, St-Colomban I, p.33 ss.; lohn Ryan, The Church at the End of
the Sixth Century. Melanges colombaniens, p. 47-45. - Seine Aufgabe als "politischer,
kirchlicher und kultureller Reformer" im Merowingerreich hebt auch Kath. Weber, Kultur-
geschichtliche Probleme der Merovingerzeit, S. 361, hervor.
178 Delius, Irische Kirche, S. 52. - Man betrachte nur seine freimütige Aufforderung an
Theudebert, dem Thron zu entsagen und Geistlicher zu werden. Blanke, Columban und
Gallus, S. 87 f.
40 Georg Schreiber

zusetzen 179. Doch mag man seine Bemühungen nicht als Unabhängigkeits-
bestrebungen bezeichnen, die sich von Rom lösen wollen 180. Er weiß sich
vielmehr im Rahmen der Gesamtkirche mit dem Pa~t verbunden, den er
als Schiedsrichter anruft 181.
Seine Bedeutung als monastischer Organisator liegt zunächst dar,in, daß
er durch seine Regel 182 das klösterliche Leben Irlands, näherhin das seines
Heimatklosters Bangor, der Stiftung des hl. Comgall (559) 183, erneuert. Er
überträgt diese zönobitäre Lebensform auf das Festland. Dabei bleibt er
sich seines irischen Herkommens und seines heimischen Brauchtums durch-
aus bewußt 18'. So schafft er in seinen Klöstern Mittelpunkte der geistlichen
und kulturellen Wirksamkeit und Vorbilder einer äußerst gestrafften aske-
tischen Lebensführung. Seine außerordentliche Strenge entspringt seinem
hohen Verantwortungsgefühl. Man mag allerdings erwägen, daß das älteste
Irland bei seiner Distanzierung zur römischen Einwanderung eine unmittel-
bare Fühlung zur Antike und zu veredelnden Bildung,swerten des Alter-
tums zunächst nicht aufnahm, wenn es auch im Ablauf der Zeit zu frucht-
baren Berührungen kam. Auch jene Wertung ist zunächst noch nicht vor-
handen, die um 1100 der Instruktor Peregrinus seinem Frauenkonvent mit-
gibt, dem er Semiramis und Dido als Vorbilder empfiehlt 185. Wenn Co-

178 Bellesheim, Irland 1, S. 142 H.; Delius, Irische Kirche, S. 106 f.; vgl. Gustave Bardy,
Saint Colomban et la Papaute d'apres les epitres. Melanges colombaniens, p. 103-118.
180 Wie z. B. Johnston-Robinson-Jackson, Ireland, p.87.
181 v. Montalembert, Mönche 2, S. 503 f.; Bellesheim, Irland 1, S. 144 f. Zu der Frage
des Ostertermins s. besonders Charles M.O'Hare, The Paschai Controversy in the Celtic
Churches; a Repudiation of Papal Supremacy? Irish Ecclesiastical Record, 5th Sero 40,
1932, p. 337-349,492-503; 41, 1933, p. 266-276,615-629; 42,1933, p. 365-377. Don wird
dargelegt, daß der Osterfeststreit der Kelten sich nicht zur Ablehnung der päpstlichen
Autorität auswuchs. - Man vergleiche auch die Haltung, die Columban im Drei-Kapitel-
Streit einnimmt, näherhin seinen Brief an Papst Bonifaz IV., in dem er die Anhänglichkeit
der Iren an den Stuhl Petri betont. MG. Epist. 111, p. 170 H. (5). Raussei, St-Colomban I,
p. 19255., bes. p. 196; Friedrich Heiler, Altkirchliche Autonomie und päpstlicher Zentra-
lismus (Die katholische Kirche des Ostens und Westens. Bd. II: Die römisch-katholische
Kirche, 1. T.). München 1941, S. 127 f.
182 Regula monachorum sancti Columbani abbatis, hrsg. von O. rSeebass. Zeitschr. f.
Kirchengeschichte 15, 1895, S. 366-386; Regula coenobialis S. Columbani abbatis, hrsg. von
O. Seebass. Ebd. 17, 1897, S. 215-234. -'- Zum Stand der Forschung über die Regel s.
D. Laporte, Les Sources de la biographie de Saint Colomban. Melanges colombaniens,
p.76-77, und Jean Gaudemet, Les Aspects canoniques de la regle de Saint Colomban.
Ibid. p. 166. - Die Bedeutung der Iroschotten ist nicht erkannt bei Augustin Blazovich,
Soziologie des Mönchtums und der Benediktinerregel. Wien 1954.
183 Jas. Schmitz, Bangor. LThK 1, Sp.947; Delius, Irische Kirche, S. 105.
18' Fuhrmann, Monasteries, p. 5 f.
185 Bernards, Speculum Virginum, S. 55 f.
Irland im deutschen und abendländischen Sakral raum 41

lumb ans Regel hart erscheint, so ist dies aus dem Geist dieses Zeitalters zu
erklären, das inmitten des Niederbruchs nach einer wertbeständigen Grund-
lage und nach asketischen Hochleistungen verlangte 186. Zudem fehlt dem
Irentum, von Foillan, Kilian und Koloman abgesehen, so gut wie ganz das
Martyrium. Einen Ersatz bietet die Strenge der Askese 187. Man hat weiter
mit Recht bemerkt, das von seiner Regel geforderte Leben war eine organi-
sierte Buße 188. Gleichwohl hat diese Regel wesentlichen Anteil daran, daß
das irische Mönchtum im 7. und 8. Säkulum im Abendland als vorbildlich
empfunden wurde, was die Herausstellung der lateinisch-kirchlichen Kul-
tur betraf. Zugleich reifte das gälisch-nationale Element 189.
Seine Wirksamkeit sollte sich auch noch nach seinem Tode machtvoll erweisen. Nahmen
doch seine Schüler zahlreiche Klostergründungen vor, von denen eine tiefgreifende Er-
neuerung der Religiosität ausstrahlte190• Ihre Insassen waren in der Abfolge der Zeiten
nicht mehr Iren, sondern Einheimische, doch können diese Niederlassungen mit Recht
"monasteria Scottorum" genannt werden. Dahin gehören etwa Rebais, Jumieges und
Fontenelle 191. Auch in St. Gallel1 blieb sein Geist lebendig 192. Die Strenge seiner Regel
wird jedoch, wie angedeutet, gemäßigt durch die am Mittelmeer gereifte regula S. Bene-
dicti, oder es kam zu fruchtbarer Verbindung beider Regeln, wie in Limoges und
Luxeuil 193• Gleichwohl zählt Columban, wenn die sich von ihm begründete l.inie auch
abschwächt, für das Empfinden des Hochmittelalters unter die großen Wegbereiter, unter
die Elite und Aristokratie des Mönchtums. So stellt ihn eine karolingische Litanei aus
Tours an die Seite der großen Mönchsväter Antonius, Makarius, Pachomius, Paulus und

186 Dubois, St-Columban, p. 60. 175 s.


187 So nennt eine altirische Homilie das weiße oder blutlose Martyrium der Selbst-
verleugnung, das grüne Martyrium der Brechung des Willens und das rote Martyrium der
Blutzeugenschaft. Delius, Irische Kirche, S.64.
188 Viller und Rahner, Aszese, S. 205. - Zur Frage des Poenitentiale s. zuletzt Gerard
Mitchell, The Penitential of St. Columbanus and its Importance in the History ofPenance.
Melanges colombaniens, p.143-151, bes. p. 148, und Aldo Greco Bergamaschi, 11 Peni-
tenziale di S. Colombano. Ibid. p. 155-163.
189 Viller und Rahner, Aszese, S. 205.
190 Bellesheim, Irland 1, S. 148 f.; Hauck, Kirchengeschichte 1 3 -4, S. 292; Dubois,
St-Colomban, p. 151 ss; Heinrich Büttner, Die Franken und die Ausbreitung des Christen-
tums in den Tagen vor Bonifatius. Hess. Jahrb. f. Landesgeschichte 1, 1951, S.8-24, bes.
S. 12; Eugen Ewig, Trier im Merowingerreich. Civitas, Stadt, Bistum. Trierer Zeitschr. 21,
1952, S. 5-367, bes. S. 113; Louis Dupraz, Le Royaume des Francs et l'ascension politique
des maires du palais au deklin du VII- siecle. Fribourg (Suisse) 1948, p. 296 ss.
191 Fuhrmann, Monasteries, p. 9 H.
19! S. unten.
18S Büttner, Franken und Christentum, S. 12. - über die Bedeutung seiner Regel und
deren Verhältnis zur Benediktinerregel s. Hauck, Kirchengeschichte 1 3-4, S. 249 H. u. 287;
vgl. de Moreau, Histoire de l'Eglise en Belgique 2 I, p. 170; Ernst Tomek, Studien zur
Reform der deutschen Klöster im XI. Jahrhundert. I. Teil: Die Frühreform. Wien 1910,
S. 177. 187. - Bereits Walbert, der zweite Nachfolger Columbans in Luxeuil, nahm eine
Abänderung der Regel vor. Dubois, St-Colomban, p. 145 s.
42 Georg Schreiber

Hieronymus 194. Als Erneuerer des abendländischen Genossenschaftswesens wurde sein Name
bei den Benediktinern und Zisterziensern in der Folgezeit gefeiert. Cluny widmete ihm in
seiner mächtigen Basilika einen eigenen Altar 19S• - Besonders in Italien blieb sein Kult auch
im Volke erhalten 196; in den Diözesen Bobbio und Mailand 197 wird er in starker Bewah-
rung der Tradition wie ein einheimischer Heiliger verehrt. In der Schweiz hat St. Gallen
entschieden die Devotion gefördert 198, besonders in der Ostschweiz. Unmittelbar von Luxeuil
aus war schon im 8. Jh. in Spiez am Thuner See eine Columbanskirche als eine der ältesten
Gründungen des Berner Gebietes errichtet worden 199. Als dritter Mittelpunkt der helveti-
schen Verehrung stellt sich das um die Wende des 7./8. Jhs. von Pfäfers aus gegründete Klo-
ster Disentis dar 200. - Im österreichischen Alpenraum finden sich nur einige Spuren seiner
Verehrung 201. Die Verbindungslinien zur Gallia christiana hatten sich bei der Weite der
Distanz gelockert. Dazu trat die Vorherrschaft von Gallus.
Wenn auch sein Name selbst in Bayern wenig genannt wird 202, so sollte doch Colum-
bans Tätigkeit durch ~:emen Nachfolger in Luxeuil, Eustasius (t 629), im bayerischen
Donauraum fruchtbar werden (Weltenburg) 203. Eustasius und Waldebert unternahmen

194Martene, De antiquis Eccl. rit. I, p. 309.


195G. Schreiber, Kluny und die Eigenkirche. Arch. f. U.-Forschung 17, 1942, S. 365 Anm.9.
1.6 Insgesamt 34 Pfarreien. Tommasini, Santi irlandesi, p.240. S. bes. Annibale Maestri,
Il culto di San Colombano in Italia. Melanges colombaniens, p. 305-308.
197 Von dem starken Einfluß, den Bobbio ausübte, zeugen die vielen Patronate von
Kirchen und Hospitälern und die Ortsnamen in Oberitalien. Tommasini, Santi irlandesi,
p. 219 H., 222 H., 227 H., 232 H., 235 H., 237. - S. auch Magistretti, Monneret de Villard,
Liber notitiae, p. 95 C. nr. 98, und G. B. Curti-Pasini, Il culto di San Colombano in San
Colombano-al-Lambro. Melanges colombaniens, p. 309-316. - Bereits vor Columban
hatte sich der Ire Frigdian (Frediano, t 588), der Bischof von Lucca, in Italien nieder-
gelassen. Heiler, Altkirchliche Autonomie, S. 120; Kenney, Sources I, p. 184 f.; Tomma-
sini, Santi irlandesi, p. 295 ss.; LThK 4, Sp. 204.
198 S. besonders Jean Duft, St Colomban dans les manuscrits liturgiques de la biblio-
theque de Saint GaU. Melanges colombaniens, p.317-326. Zur Verehrung in der Schweiz
s. Galt lecker, Die Verehrung des hl. Kolumban in der Schweiz. Ibid. p.299-303 er-
schienen auch in Zeitschr. f. sdlweizerische Kirchengeschichte 46, 1952, S. 217 H.). -
Ekkehart 1. von St. Gallen Ct 973) schrieb eine Columbansequenz. Wolfram von den Stei-
nen, Notkerder Dichter und seine geistige Welt. 2 Bde. Bern 1948, 1, S. 149.423.451 H.
606; 2, S. 130.
199 Michael Benzerath, Die Kirchenpatrone der alten Diözese Lausanne im Mittelalter.
Freiburger Geschichtsblätter 20, 1913, S. 1-219, bes. S. 124.
200 Farner, Graubünden, S. 75 H.
201 Hans Fink, Die Kirchenpatrozinien Tirols. Passau 1928, S.222.

202 Tegernsee. Lechner, Bayern, S. 22.29; Anal. Boll. 54, 1936, p. 32; Freisinger Kalen-
darium und Litanei, 10. Jh. Anal. Boll. 54, 1936, p.26; in Füssen und Kempten werden
heute noch Teile des Krummstabes (cambutta) des Heiligen verehrt, den er seinem Schüler
Gallus als Zeichen der Versöhnung hatte übersenden lassen. Bauerreifl, Frühmissionäre,
S.59; Passauer Kalendarium, Mitte des 15. Jhs. Lechner, Bayern, S. 198; Regensburg,
Kalendarien und Litaneien, 10. Jh. Swarzenski, Buchmalerei, S. 195. 205; Ansbach, Kalen-
darien, 15. Jh. Engel, Ansbach, S. 104.
203 Bauerreiß, Kirchengeschichte Bayerns 1, S. 41; A. Zimmermann, Eustasius. LThK 3,
Sp.863.
Irland im deutschen und abendländismen Sakralraum 43

Vorstöße in das Alemannenland östlich des Schwarzwaldes im 7. Jh. 204• Die Ver-
ehrung Columbans wurde 1091 im Kloster Hirsau (Oberschwaben) eingeführt 20ü. So
rüdtte er unter die Vorzeichen der Reform. - Was Medard Barth 206 über die Verbreitung
seines Kultes im Elsaß mitzuteilen hat, läßt erkennen, daß der Heilige bereits im 8. Jh.
in der Liturgie der Religiosen erscheint, die in irgendeiner Beziehung zu den Iroschotten
stehen (Martyrologium in Weißenburg, 8. Jh., und Murbach, 9. Jh.) 207. Doch verursamte
die verhältnismäßig rasche Verdrängung der Columban-Regel durch die des hl. Benedikt
hier wie im ganzen Frankenreich eine Schwächung seiner kultischen Stellung 206. Ebenso
macht die Zahl der Reliquien sowie die der Bilder, Altäre und Kapellen, die Columban
geweiht sind, deutlich, daß er im elsässischen Raum in das religiöse Leben des Volkes
weniger einging 209. Durch Dokumente des 9.-10. Jhs. wird seine Verehrung am Rhein
nachgewiesen 210. Im 11. Jh. ist er in einer Weiterwanderung Mitpatron an der über-
wasserkirche in Münster 211, dodl drang er nicht weiter nach Osten vor 212. Stark ver-
breitet ist sein Kult in Frankreich, wo die ihn erwähnenden Kalendarien (seit dem 8. Jh.) 213

204 Büttner, Christentum, S. 370. 19naz Zibermayr, Noricum, Baiern und österreich.
München, Berlin 1944, S. 86 H. 90 f.
2U5 Hof/mann, Württemberg, S.56. 241. 249. 253, s. auch ebd. 175. 238; vgl. Medard
Barth, Der Kult des hl. Kolumban im Elsaß. McHanges colombaniens, p. 259-275, bes.
p.264 Anm.3 (Reliquien in Zimmern, Landkr. Donaueschingen).
206 Kolumban, passim.
107 Barth, Kolumban, p. 264 s.; zu der Frage des Einflusses der Columban-Regel auf
die elsässischen Klöster s. Metz, St-Colomban en Alsace, p. 224 ss. - über die Verehrung
in aufnahmefreudigen dortigen Zisterzienserklöstern s. Barth, Kolumban, p. 267.269.
20!1 Ibid. p. 264.
~09 Doch ist die Annahme von Clauss, Elsaß, S. 150, nach der man den Namen des
Heiligen mit dem der hl. Columba von Sens verwechselte und daher den Kult des Heiligen
dem Kult der hl. Columba unterschob, nicht mehr aufrecht zu erhalten; s. Barth, Kolumban,
p. 271 und Anm. 41; dazu auch Pfleger, Straßburg, S. 16, und ders., Elsässische Pfarrei,
S. 80 f. In der Diözese Straßburg existiert heute nur eine Kirche, erstmals erwähnt 1302,
die dem Heiligen geweiht ist: Bisel im Sundgau. Barth, Kolumban, p. 274.
110 Mainzer Litanei, 2. Hälfte des 9. Jhs. Anal. Boll. 54, 1936, p. 19; Kalendarium,
1128, und Breviarien aus Trier. Miesges, Festkalender, S. 104; Litanei aus Münstereifel,
spätes 10. Jh. Anal. Boll. 59, 1941, p. 296; Litaneien aus Köln, 9. u. 10. Jh. Anal. Boll. 54,
1936, p. 13 und ibid. 55, 1937, p. 69; Kalendarium aus Werden, 10. Jh. Zilliken, Fest-
kalender, S. 108; Kalendarium aus Essen, 10. Jh. Ebd. S. 116; Nekrolog dortselbst, 13. Jh.
Ebd. S. 46; Stift Düsseldorf, Kalendarium, 15. Jh. Ebd. S. 48.
211 Westfälisches UB 1, S. 106-107, Nr. 134.
212 Meinwerks Festkalender erwähnt ihn für Paderborn nicht. Honselmann, Festkalender,
S. 106 H.
213 Bereits in einer Litanei des 8. Jhs. aus Soissons. Anal. Boll. 62, 1944, p. 134; Litania
italica dortselbst (vor 800). Ibid. p. 145; Litanei Karls d. Kahlen aus Saint-Denis (zwischen
842-869). Ibid. p. 147; zwei Litaneien aus Corbie (Beg. d. 9. Jhs.). Ibid. p. 156 und 157;
aus Saint-Amand (9. Jh.). Anal. Boll. 55, 1937, p. 51; Saint-Germain-des-Pres (Ende
11. Jhs.). Ibid. 62, 1944, p. 152; s. auch Kalendar von Saint-Laurent in Lüttich (11. ]h.).
Ibid. 58, 1940, p. 77. - Weitere Nachweise bei Gougaud, Saints irlandais, p. 54-56;
P. Manceron, Notes sur les origines de la paroisse de St-Colombin. MHanges colombaniens,
p. 283-285; Luden Ozenda, La Paroisse St-Colomban-de-Lantosque. Ibid. p. 287-289.
44 Georg Schreiber

weit den Raum von Luxeuil überschreiten und wo ihm zahlreiche Heiligtümer geweiht
sind 214. In der Bretagne, die Columban nach neuerer Auffassung 215 berührt haben soll,
wurde sein Kult durch den des hl. Papstes Clemens abgelöst, eine Folge des Gleichklangs
bei der Namen im Bretonischen 216.
Soviel an einigen örtlichen Hinweisen.
Columban wird gleich vielen anderen irischen Heiligen das Quellenwunder zugeschrie-
ben 217. Ähnlich wie St. Korbinian, St. Gallus und andere Sancti wird er auch mit einem
Bären, dem Wahrzeichen des alpinen Raums, abgebildet, auf Grund der Legende, die be-
richtet, ein Bär habe auf seinen Wunsch die Höhle verlassen, in der der Heilige beten
wollte 219. Bekannt ist ebenso das Attribut des Raben, der nach der überlieferung den
Handschuh des Heiligen gestohlen hatte, aber auf seinen Befehl damit zurü<kkehren
mußte 219.

7. Gallus
Einer der zwölf Begleiter Columbans ist der hl. Gallus (Gallunus, Gal-
lianus, Gallo, Gal1ari, Kallech, geb. um 550, t gegen 630?, Fest am 16. Okto-
ber 220 ). Er folgt seinem Meister in die Verbannung und nach Bregenz. Durch
Fieber wird er jedoch gehindert, mit ihm nach dem neuen Missionsgebiet
Italien zu zi,ehen, was ihm den Tadel seines strengen Abtes einträgt. Wenn
dieser Gallus auch nicht als Gründer der Abtei St. Gallen betrachtet werden
kann 221, so steht doch fest, daß er im Steinachtal als Einsiedler in der

214 S. Clauss, Elsaß, S. 150; Bauerreip, Frühmissionäre, S. 52.


213 J. Le Goff, Le Culte de Saint Colomban en Bretagne. M~langes colombaniens,
p. 277-281; vgl. auch Blanke, Columban und Gallus, S.35; dagegen Gougaud, Saints
irlandais, p. 55.
218 Le Goff, Bretagne, p. 279 s.
217 Bauerreip, Frühmissionäre, S. 59; Dubois, St-Colomban, p. 47 s.
218 Immer wieder berichtet die Vita des hl. Columban von seiner Vertrautheit mit den
wilden Tieren. S. dazu v. Montalembert, Mönche 2, S. 379 ff.
219 Roussel, St-Colomban I, p. 134; vgl. Bernhart, Heilige und Tiere, S. 111, und Wil-
helm Ganzenmüller, Das Naturgefühl im Mittelalter (Beiträge zur Kulturgeschichte des
Mittelalters, hrsg. von Walter Goetz, Bd. 18). Leipzig und Berlin 1914, S. 60 f.
220 Gesamtausgabe der drei Viten (der ältesten, gegen Ende d. 8. Jhs. verfaßten, der von
Wetti, t 824, und der von Walahfrid Strabo, t 849) unter dem Titel "Vita Galli Confessoris
Triplex" von B. Krusch, MG. SS. rer. Mer. IV, p. 229-337; vgl. p. 778 u. ibid. VII, p. 834;
auch Notker Balbulus (t 912) verfaßte eine metrische Vita S. Galli. MG. Poet. Lat. IV,
p. 1093-1108; Wattenbach-Levison, Geschichtsquellen 1, S. 140 f.; Stadler, Heiligen-Lexi-
kon 2, S. 348 H.; A. Zimmermann, Gallus. LThK 4, Sp. 278 f.; ders. Kalendarium Benedic-
tin um. Die Heiligen und Seligen des Benediktinerordens und seiner Zweige. 4 Bde. Metten
1933-1938,3, S.186; 4, S. 205; Bellesheim, Irland 1, S. 160-166; Gougaud, Saints irlandais,
p.114-119; Schreiber, Wanderkulte, S.28-30; Blanke, Columban und Gallus, passim;
Roussel, St-Colomban H, p. 16-21; Kenney, Sources I, p. 797 im Register mit vielen Ver-
weisen; v. d. Steinen, Notker, bes. 1, S. 51-57 (metrische Vita).
221 Zimmermann, LThK 4, Sp. 278; anders Blanke, Columban und Gallus, S. 111. 143.
Irland im deutschen und abendländischen Sakral raum 45

sogenannten Galluszelle lebte. Im Jahre 720 legte der Alemanne Otmar


(Audomar) als Vorsteher der Galluszelle die Grundlagen für das aufstei-
gende und sich ausweitende Monasterium St. Gallen 222. Derart wirkte sich
noch die irische Tradition lebensmächtig aus. Das Ansehen der Iroschotten
am Oberrhein und im westalpinen Gebiet war außerordentlich. Ältere Ver-
bindungslinien, die nach Hibernien wiesen, wirkten noch darin nach, wenn
immer wieder irische Pilger auf ihrer Wallfahrt nach Rom angezogen wur-
den 223. Otmar hatte überdies ein Spital errichtet. Schon im 9. Jahrhundert
besaß die Klosterbibliothek 31 in irischer Manier geschriebene Bände, Büch-
lein und Quaternionen (Bogen), die wegen ihrer Eigenart in Schrift und
Buchmalerei im Katalog in einer eigenen Abteilung als "libri scottice
scripti" 224 aufgezählt werden. Irische Bildung befruchtete sie wie auch
sonst den Oberrhein.
Man erblickt in Gallus den Apostel Alemanniens 225. In seiner Vita wird besonders ge-
rühmt, daß er in der Volkssprache zu predigen verstand 226. Das Sprachenproblem hat
j.a die Geschichte der Christianisierung stark bewegt, selbst noch die hochmittelalterliche
Wanderpredigt Norberts von Xanten. Weiter wird bei Gallus die Freude an der - man
möchte sagen byzantinischen - Fischnahrung betont, wobei man beachten mag, daß mo-
nastische Reformer des Hochmittelalters die Distanzierung vom Fleischgenuß mehr oder
minder als ein Kennzeichen der Reform ,1nsprachen.
Als echt irisch ist auch seine Liebe zum Kreuzeskult zu bezeichnen, desgleichen jene
Momente, die die Beobachtung der strengsten Askese als Ersatz für das Martyrium mit
sich führen. Schon nach dem Urteil der Zeitgenossen tritt das Mönchtum Hiberniens
den ägyptischen Wüstenvätern verwandtschaftlich an die Seite 227. Die Tierliebe, die
so oft bei den naturnahen Iren begegnet, will ebenso erwähnt sein. Gallus weist nach der
Legende einen Bären, den freundwilligen Mitbewohner im Gebirge an, Holz für
das Feuer zu holen, und gibt ihm ein Brot zum Dank. Wie viele seiner Landsleute steht er
zu den Großen seiner Zeit in guten Beziehungen. Irische Asketen und Missionare werden
auf dem Festland wieder und wieder zu klugen und behenden Diplomaten. Aber Gallus
lehnt im Einklang mit den meisten seiner Landsleute jede kirchliche Würde ab. Auch in
seiner Vita ruht und rastet die überlieferung nicht eher, als bis sie ihn zum Mitglied einer
königlichen Familie Irlands gemacht hat. In der Tat bringen die Iroschotten lehrreiche

222 Rudolf Henggeler, Professbuch von St. Gallen. Zug 1929. Delius, Irische Kirche,
S. 119; v. d. Steinen, Notker 1, S. 17 f. 475.
223 Bellesheim, Irland 1, S. 294; Delius, Irische Kirche, S. 119.
224 Bellesheim, Irland, 1, S. 634 f. - Nach den neuesten Forschungen von Johannes Duft
und Peter M eyer, Die irischen Miniaturen der Stiftsbibliothek St. Gallen. Olten, Bern und
Lausanne 1953, besitzt die Stiftsbibliothek nur 15 irische Handschriften.
225 So Bellesheim, Irland 1, S. 160; anders Zimmermann, LThK 4, Sp.278.
226 MG. SS. rer. Mer. IV, p. 260; Delius, Irische Kirche, S. 111; Blanke, Columban und
Gallus, S. 74 H.
227 Blanke, Columban und Gallus, S. 114; Ryan, Monasticism, p. 408. 412.
46 Georg Schreiber

Beiträge zum Thema Königtum, Adel und die Kirche des Mittelalters. Die bei Aloys Schulte
und seiner Schule gebotene Quellengrundlage ist ganz bedeutend zu erweitern 228.
Ein anderes will noch beachtet sein. Es gibt kein Gotteshaus in Irland, das dem hl.
Gallus geweiht ist, wie auch der Name Gallus unter irischen Laien nicht vorkommt 229. Der
Kult dieses Heilbringers und anderer in der Schweiz verehrter und zugleich mit Irland
in Verbindung stehender Heiliger war rein festländischen Ursprungs 23ß. SO sind fast alle
irischen Sancti außer Patricius, Brigida und Columban d. J. in der Heimat weniger ge-
kannt. Denn die Verehrung der Heiligen ist naturgemäß mit dem Ort ihres Wirkens und
Todes, zumal ihres Martyriums und ihres Grabes verbunden und haftet weniger an der
Geburtsstätte 231.
Auf dem Festland hingegen entwickelte Gallus ein so starkes kultisches Gepränge, wie es
nur wenigen Heiligen der merowingisch-fränkischen Zeit vergönnt war 232. In Deutschland
ist seine Vereherung seit dem 8. Jahrhundert bekannt. Bis nach Böhmen drang sein Kult
unter Karl IV. Auch ungarische, französische und dänische Diözesen feiern sein Fest. Dem
Einfluß von Bobbio ist es wohl zu verdanken, daß der Heilige in der Diözese Mailand
verehrt wurde 233.
Von seinem Grabe an der Steinach vollzieht sich die kultische Wanderung im helveti-
schen Raum, vor allem nach Westen und Südwesten 234. Im Kloster St. Gallen verfaßte
Ratpert (t gegen 890), ein Mitschüler des Notker Balbulus (t 912), einen deutschen Lob-
gesang auf den hl. Gallus, der nur in der lateinischen übersetzung Ekkeharts IV. (etwa
980 - etwa 1060) erhalten ist 235. Dem nämlichen Notker wird eine Sequenz zuge-

228 Der Adel und die deutsche Kirche im Mittelalter (Kirchenrechtliche Abhandlungen,
H. 63/64). Stuttgart 1910. 2. Aufl. 1922.
229 lohn Hennig, Die Stellung der Schweiz in der hagiographischen und liturgischen
Tradition Irlands. Zeitschr. f. schweizerische Kirchengeschichte 46, 1952, S.204-216, hier
S. 214 f. - Lediglich in England tritt er im sog. Kalendarium Anglicanum sive libellus
annalis Ven. Bedae (10. Jh.) auf; vgl. Ferdinand Piper, Karls d. Gr. Kalendarium und
Ostertafel. Berlin 1858, S. 82.
230 Hennig, Schweiz und Irland, S. 212.
231 Hennig, Schweiz und Irland, S.215, weist darauf hin, daß Liturgie und Geschichte
in Irland bis auf den heutigen Tag nicht die enge Verbindung eingegangen sind, die uns
von der römischen Liturgie her vertraut ist.
232 Ernst Al/red Stückelberg, Die Schweizerischen Heiligen des Mittelalters. Zürich 1903,
S. 51. - über den Kult in der Bretagne unterrichtet Gougaud, Saints irlandais, p. 117.
233 Magistretti, Monncret de Villard, Liber notitiae, p. 152 D, nr.177 (zwischen 1304
und 1311).
234 Stückelberg, Schweiz. Heilige, S. 50, mit Karte (allerdings stark ergänzungsbedürftig).
- Archidiakonat Aargau: 10 Patrozinien, das früheste aus dem Anfang des 14. Jhs. Clemens
Hecker, Die Kirchenpatrozinien des Archidiakonats Aargau im Mittelalter (Zs. für Schwei-
zerische Kirchengesch., Beih. 2). Freiburg/Schw. 1946, S. 143; Graubünden. Farner, Grau-
bünden, S. 95 f.; ferner Gotteshaus in Chalais, D. Sitten. Eugen Gruber, Die Stiftungs-
heiligen der Diözese Sitten im Mittelalter. Phi!. Diss. Freiburg/Schw. Freiburg/Schw. 1932,
S. 189; Reliquien in Muri. Martin Kiem, Das Kloster Muri im Kanton Argau (Quellen zur
Schweizer Geschichte, Bd. 3, Abt. 2). Basel 1883, S. 47 f.
235 K. Müllenho// und W. Scherer, Denkmäler deutscher Poesie und Prosa aus dem
VIII.-XII. Jahrhundert, 3. Ausg. von E. Steinmeyer. Berlin 1892, Nr. 12, S. 27-31; s. Ehris-
mann, Deutsche Literatur 1 2 , S. 217-220; v. d. Steinen, Notker 1, S.42, 384 f. 587.
Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 47

schrieben zoo, die die Zuneigung seiner Söhne, der Mönche des Klosters, bekundet, und
Alemannien als die suavis Suevia preist, die Gott selbst dem Iren als Heimat geschenkt hat.
Das Elsaß weiß seit dem 11. Jahrhundert um Kalendarien, die sein Gedächtnis erwäh-
nen 237, sowie um zahlreiche, jetzt zerstörte Galluskapellen und Patronate 238. Auch Wall-
fahrten entwickelten sich hier :39, die noch in die Blütezeit des Barock wiesen und zugleich
das bäuerliche Brauchtum verkündeten.
Zahlreich sind die Patrozinien in der Erzdiözese Freiburg 240. In Hohenzollern zeigt
sich der Einfluß St. Gallens in den Galluspatronaten der von diesem Monasterium ab-
hängigen Kirchen 241. Ebenfalls im bayerischen Raum ist seine Verehrung weit verbreitet,
wie eine beträclnliche Zahl von Missalien 242 seit der Hälfte des 10. Jhs., Kalendarien,
Litaneien und Patrozinien beweist 243. Wiederum in fränkischen Gebieten (Würzburg,
Bamberg, Oberfranken) 244 war sein Kult beachtlich. Dort wurde seine Vita in 263 Versen
im »Märterbuch« (Anfang des 14. Jhs.) besduieben 245.
Im rheinischen Raum bewahrte das Reformkloster Hirsau sein Gedächtnis, indem dort
1091 ein Altar den heiligen Vätern des Mönchsstandes, darunter auch Columban und
Gallus, geweiht wurde U6. Reformer haben immer wieder Wert darauf gelegt, eine Ahnen-
reihe zu besitzen, was oft sogar den Rückgriff auf den Vorderen Orient nahelegte. Von
Worms (15. Jh.) 247 über Mainz (Litanei, 9. Jh.) 248 und Trier (Litanei und Kalendarium,

236 Matthew Kelly, Calendar of Irish Saints. The Martyrology of Tallaght, with Notiees

of the Patron Saints of Ireland and Seleet Poems and Hymns. Dublin (ab. 1857), p.184;
'1-. d. Steinen, Notker 1, S. 379-386; 2, S. 72 f.
237 Gougaud, Saints irlandais, p. 115; Barth, Elsässische Kalendare, S. 18.
238 Pfleger, Roßweihe, S. 389; ders., Elsässische Pfarrei, S. 88.

239 Zum Gallusberg bei Didenhofen (Kr. Mülhausen). Joseph Levy, Die Wallfahrten der
Heiligen im Elsaß. Schlettstadt 1926, S. 15; an der Stelle des untergegangenen Dorfes Gall-
weiler (östlich von Epfig). Ebd. S. 23; St. Gallen bei ThaI (Kr. Zabern). Ebd. S. 201 f.
240 32 Patrozinien. Oechsler, Freiburg, S. 200 f.; Sauer, Freiburg, S. 225 ff.
241 EiseIe, Hohenzollern, S.4. Bereits 772 bestand in Willmandingen ein Galluspatro-
zinium. Ebd. S. 6. - über weitere Galluskirchen in Württemberg s. Hoffmann, Württem-
berg, S. 26 u. S. 269 im Register.
242 Freising. Lechner, Bayern, S. 21. 29; Anal. Boll. 54, 1936, p.27.
243 Lechner, Bayern, S. 172. 255; Swarzenski, Buchmalerei, S. 191. 204.
244 Schon im 9. Jh. Baubeginn der Galluskirche in Pappenheim (B. A. Weißenburg, Mit-
telfranken); in der Nähe der Gallusbrunnen. Franz X. Buchner, Missionstaufe und Tauf-
brunnen in deutschen Gebieten, bei Georg Schreiber, Volk und Volkstum 1, 1936, S. 201
bis 212, bes. S. 188 f.; Ansbacher Kalendarien des 15. Jhs. Engel, Ansbach, S. 104; Kapelle
und Vikarie in Würzburg (1115). lvo Fischer, Die Vikarien und Benefizien im Domstift
zu Würzburg. Würzburger Diözesangeschichtsblätter 3, 1935, S. 75 H.; Reliquien im Dom
zu Bamberg. Stephan BeisseI, Die Verehrung der Heiligen und ihrer Reliquien in Deutsch-
land während der zweiten Hälfte des Mittelalters (Stimmen aus Maria Laach, Ergh. 54).
Freiburg i. Br.1892, S. 25; dortige Festkalender. Lagemann, Bamberg, S. 102; vgl. schließlich
Schreiber, Deutsche Bauernfrömmigkeit, S. 90 im Register.
245 Märterbuch, hrsg. von Gierach, S. 417-422.

246 BeisseI, Verehrung d. Heiligen während der zweiten Hälfte des Mittelalters, S. 26.

247 Schmitt, Worms, S. 107; earl J. H. Villinger, Die Patrozinien der Altäre in den Kir-
chen und Kapellen im Gebiet des ehemaligen Bistums Worms. Jahrb. f. d. Bistum Mainz 4,
1949 (= Festschr. f. August Reatz), S. 385.
248 Anal. Boll. 54, 1936, p. 19.
48 Georg Schreiber

9.110. Jh. bzw. 10. Jh.) 249 bis nach Köln (Litanei und Festkalender, 9. bzw. seit 10. Jh.) 250

leitete der Rheinstrom. Auf die engen Beziehungen von Liudger, dem Erstbischof von
Münster (t 809), zu den Benediktinern mag es zurückzuführen sein, daß Gallus im Mün-
sterer Festkalender erscheint 251, wie er ja auch 1088 von Erpho zum Mitpatron - neben
Benediktus, Columban, Scholastika und Brigida - in der Oberwasser kirche Münsters er-
hoben wird 252. Des weiteren werden 33 Münsterer Urkunden, delen älteste aus dem
Jahre 1282 stammt 253, nach dem Feste des hl. Gallus datiert. In der gleichen Richtung
liegt es, wenn der Paderborner Festkalender aus der Zeit des Bischofs Meinwerk (1009 bis
1038) seinen Gedenktag festhält 254. Andernorts ist der Galluskult für andere Bistümer
Mitteldeutschlands und des Ostens behandelt. Ebenso findet sich die bäuerliche Note seines
Kultes ein, die nun einmal die Iren, wie überhaupt die Heiligen des merowingisch-fränki-
schen Zeitalters, begleitet 255.
An Gallus wird im übrigen so recht ersichtlich, daß gerade der süddeutsche
Sprachraum fortgesetzt kultische Wellen zum deutschen Norden entsandte,
besonders, da dieser erst später in die Christianisierung eingetreten war.
Neuland an sakraler Siedlung.

8. Deicol
Zum engeren Kreis um Columban und Gallus gehört Deicol (Deicolus,
Dichul, Dichuill, St-Die!, DeiIle, Deile, Diey, Dee!, Delle, Desle, t 625,
Fest am 18. Januar bzw. 13. Februar) 256. Dieser Ire wird als Bruder der
bei den erwähnten Heilbringer und als ihr unzertrennlicher Gefährte an-

%49 Ibid. 55, 1937, p.64; Miesges, Festkalender, S.94; Litanei, 10. Jh., aus Münster-

eifel. Anal. Boll. 59. 1941, p. 296.


250 Anal. Boll. 54, 1936, p. 13; vgl. lostes, Altsächs. Kalender, S. 150; Zillzken, Fest-
kalender, S. 106. 108; Samsan, Kirchenpatrone, S. 193.
m Stapper, Kirchenjahr, S. 11.
252 Westfälisdles UB 1, S. 106-107 Nr. 134.
253 Ebd. 3, S. 621 Nr. 1183; Grewe, Urkundendatierung, S. 13.
254 H anselmann, Festkalender , S. 107. - Ein Relief des Retabels aus dem frühen 16. Jh.
in dem westfälischen Frauenkloster Vinnenberg (1250/56 für Zisterzienserinnen gegründet)
zeigt den Heiligen als infulierten Abt. Braun, Tracht, Sp. 273 f.
255 Für weitere Einzelheiten sei im besonderen auf die Forschungen von Gaugaud, Saints
irlandais, p. 114-119, und Schreiber, Wanderkulte, S.28-30, verwiesen.
255 Vita Deicoli. MG. SS. XV, 2, p. 674-682 (Auszug), aus dem letzten Viertel des
10. Jhs.; erwähnt bei Baboien, Passio Sancti Germani Martyris, ed. B. Krusch, MG. SS. rer.
Mer. V, p. 25-40; die Viten charakterisiert bei Wattenbach-Levison, Geschichtsquellen 1,
S. 136 f.; Stadler, Heiligen-Lexikon 1, S. 736; O'Hanlon, Lives I, p. 301-319; Francis
G. Holweck, A Bibliographical Dictionary of the Saints. With a General Introduction on
Hagiology. St. Louis, Mo., and London 1924, p. 257; The Book of Saints. Compiled by the
Benedlctine Monks of St. Augustine's Abbey, Ramsgate. London 1947, p. 168; L. Pfleger,
Deicolus. LThK 3, Sp. 181 f.; Clauss, Elsaß, S. 151 f.; Raussei, St-Colomban II, p. 11-15;
Dubois, St-Colomban, p. 152 s.; Delius, Irische Kirche, S. 108; Bibliographie bei Kenney,
Sources I, p. 208; Schreiber, Wanderkulte, S. 27 f.
Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 49

gesehen 257. Ein starkes Verwandtschafts- und Sippengefühl eignet überhaupt


der Hibernia sacra. Die Sippe schuf damals eine bedeutsame soziale Sicher-
heit. Sie erleichterte damit missionarische und pastorale Aufgaben und
überhaupt die Wanderfahrten nach draußen 258.
Im Zeichen der peregrinatio wendet sich Deicol zunächst nach Ostangeln.
Dann aber geht er mit Columban an den Südwestabhang der Vogesen. Da
er dem Abt von Luxeuil wegen seiner Gebrechlichkeit nicht ins Exil folgen
kann, begibt er sich in die Einsamkeit. Er wird Anachoret wie viele andere
Iren. Von einem Weltgeistlichen, in dessen Kapelle er Nacht für Nacht sein
Gebet verrichtet, wird er anscheinend wegen eines Sexualvergehens ver-
leumdet. Vom Gtundherrn wird er darauf entmannt. Gewiß ein bemer-
kenswerter Beitrag zur Geschichte eines abhängigen Einsiedlerturns und
der nicht minder gebundenen Niederkirche. Aber es erfolgt eine Entschädi-
gung für den zu Unrecht Mißhandelten durch die Zuwendung eines Land-
gutes. Man beachte bei Deicol diese durchaus individuellen Züge des Iro-
schottenturns. Er wird einer jener Klostergründer, der auf eigenem Boden
ein Zönobium besorgt, eine Tatsache, die sich auch sonst in merowingisch-
fränkischer Zeit abzeichnet und die auf dem Festland oft genug ein Eigen-
klosterrecht begründen sollte. Er errichtete nämlich auf seinem Grund und
Boden das Kloster Lüders (Lutra, Lura, Lure) 259.
Um seinen Kult wissen einzelne Gebiete der Gallia christiana und des schweizerischen
Raumes 260. Eine ihm zuerkannte agrarische Note macht ihn im allgemeinen zum Ba.uern-
patron 261. Der Abt lehnt übrigens ein Bischofsamt ab. Die Ikonographie und Hagiographie
wissen davon, wenn sie berichten, daß er das Bischofsgewand an einem Sonnenstrahl auf-
hängte 262. Derart wird die Christianisierungsgeschichte Irlands ungemein anschaulich be-
leuchtet. Die mittelalterliche christliche Archäologie wird in der Tat um einen bedeutsamen
Zug bereichert.

2.7 O'Hanlon, Lives I, p. 303.


258 Furseus bestellte seine Brüder Foillan und Ultan zu Nachfolgern. S. unten.
2.9 Dazu Zimmermann, KaI. Bened. 1, S. 98; Georg Grupp, Kulturgeschichte des Mittel-
alters. Paderborn 1923-1932, 14, S. 294; Bellesheim, Irland 1, S. 15l.
260 Clauss, Elsaß, S. 152. - Doch ist sein Name in dem Schweizer Heiligenkalender von
Leodeg.J,r H unkeler, Schützer der Heimat, Basel 1948, nicht aufgeführt.
261 Franz v. S. Doye, Heilige und Selige der römisch-katholischen Kirche. 2 Bde. Leipzig
1929, 1, S. 255; damit ähnelt Deicol dem in Westfalen stark verehrten Antonius dem Ein-
siedler. G. Korte, Antoniusbrauchtum in Westfalen. Volk und Volkstum 2, S. 346-350. Vgl.
Stadler, Heiligen-Lexikon 1, S. 736; Bernhart, Heilige und Tiere, S. 104 f.
262 R. P/leiderer, Die Attribute der Heiligen. Ulm 1920, S. 148.
50 Georg Schreiber

9. Furseus
Der aus vornehmem Geschlecht stammende Ire Furseus (t wahrscheinlich
650, Fest am 16. Januar) teilt sich mehreren Völkern mit 263. Man hat ihn
bezeichnenderweise als mehrvolklich, als »trium populorum praedicator"
angesprochen. Sein Dienst gehört zunächst der Heimat, in der er zehn
Jahre als Mönch weilt, ein Kloster gründet und betend und mahnend durch
das Land zieht, in jener Beweglichkeit des Wanderpredigers, die dem alt-
irischen Zönobium eigen ist. Der Missionseifer führt ihn, wie viele seiner
Landsleute, (nach 630/31 oder 636/37) nach Ostangeln.
Es liegt ihm daran, dort für die Zwe<ke der Christianisierung einen festen Stützpunkt
zu schaffen, was ihm durch die Gründung des Klosters Burgheastle (Cnoberesburgh,
Cnobberesburg, Cnoberesburg, Cnobheresburg in Suffolk) gelingt. Diese fundatio war im
übrigen in eine Burg verlegt, die anmutig in der Nähe von Wäldern und zugleich im An-
gesicht des Meeres lag. Wenn solches mitgeteilt wird, bekundet sich darin das starke Natur-
gefühl und der Schönheitssinn der Iren, der auch für die Schlösser und Landschaften her-
vortritt, denen der Seefahrer Brandan begegnet. - Man mag solchen Beobachtungen, wie
sie Wilhelm Ganzenmüller für das mittelalterliche Naturgefühl vorlegt 264, hinzufügen,
daß bei den Iren auch ganz besonders die Frage des loeus idoneus der Klostergründung
entscheidend war. Führt doch dessen Schilderung auch sonst ästhetische Reize mit sich. -
Die Leitung von Burgheastle überläßt Furseus jedoch bald seinem Bruder, dem h!. Foil1an,
während er sich mit seinem jüngeren Bruder Ultan in die Einsamkeit zurü<kzieht 265, ein
Wechsel zwischen Konvent und Eremos, der im irischen Mönchsleben sich immer wieder
einfindet und der an dieser Stelle gleichzeitig den Blick auf die Sippe auslöst. Loea deserta
umrahmen die strömende Aktivität des Monasterium.
Als in England Krieg mit dem andringenden Heidentum ausbricht, geht
Furseus um 640 nach dem Festland, um in der Gallia christiana ein Asyl
und eine neue Aufgabe zu finden. Mit feinem Verständnis und weltläufigem
Sinn für die Mitwirkung politischer Gewalten - ein Zug, der sich auch bei
St. Columban d. J. einstellt - gründet er 644 im Verein mit Chlodwig H.
(638-657), dem Gatten der hl. Angelsächsin Bathildis, und mit dessen
Majordomus Erchinobald (Erchinoald, Erchenwald) die Abtei Lagny bei
Paris. Dort schafft er geradezu eine Neuheimat für seine Landsleute. Die

268 Vita S. Fursei, ed. B. Krusch, MG. SS. rer. Mer. IV, p. 423-449; Beda, Hist. Ece!.
IJI, e. 19, cd. eh. Plummer. Oxonii 1946, t. I, p. 163-168; Kenney, Sourees I, p. 500-503;
vg!. Stad/er, Heiligen-Lexikon 2, S. 332 f.; 0' Hanlon, Lives I, p. 222-286; Schreiber,
Wanderkulte, S. 119 f.; Gougaud, Saints irlandais, p. 108 ss.; Fuhrmann, Monasteries,
p. 20 ff.; A. Schmitt, Furseus. LThK 4, Sp.239; C. Mulcahy, Fursey. Cath. Eneye!. VI,
p. 324 f.; Bellesheim, Irland 1, S. 174 f.; Delius, Irische Kirche, S. 109 f..
264 Naturgefühl im Mittelalter, S. 57, mit Hinweis auf MG. SS. rer. Mer. IV, p. 437.
265 Beda, Hist. Eee!. UI, e. 19, ed. Plummer, I, p. 167 f.
Irland im deutsmen und abendländismen Sakral raum 51

Tätigkeit der Iren in Nordwestfrankreich erhält in der Tat im Seinebecken


und darüber hinaus einen bemerkenswerten Stützpunkt.
Furseus wird aber zur Veranlassung, noch eine zweite kulturelle Bastion
zu begründen. Wird doch seine unversehrte Leiche nach Peronne (Peronna)
gebracht 266. Dort erbaut Erchinobald ihm eine Basilika, und später errichtet
kein Geringerer als der vielseitige und künstlerisch veranlagte Bischof Eli-
gius von Noyon (t um 660) ein Mausoleum als letzte Ruhestätte und ein
Kloster. Letzteres zählte mindestens bis 774, vielleicht bis 880 267, aus-
schließlich 268 iroschottische Konventualen. Es entsteht somit jenes Perrona
Scottorum, wo auch St. Patricius verehrt wurde 269. Diese denkwürdige
Kultstätte wurde Zielpunkt der Wallfahrten und Pilgerzüge irischer Mönche
und Einsiedler. Sie nahmen dort vielfach ihren Zwischenaufenthalt, bevor
sie weiter ins Land vorstießen 270. Seine Ruhestätte wurde aber auch zum
Sammelpunkt einer aUgemeineren peregrinatio sacra aus dem ganzen West-
frankenreich 271. Das Grab des hl. Martin in Tours und des hl. Hilarius in
Poitiers empfing ein keltisches Gegenstück. Das dortige Kloster wurde zu
einer weiteren Pflanzstätte irischer Kultur auf dem Kontinent 272.
Die Frömmigkeit des Furseus wird in der irischen Würdigung jener Zeitalter besonders
hervorgehoben. Wird er doch im Martyroiogium von Tallaght und im Felire Oengusso
(beide Beginn des 9. Jhs.) "Fursa der Fromme" genannt 273, und Cuimmin von Conuerc
(wahrsmeinlim 12. Jh.) singt von ihm 274: "Fursa ioved true devotion, nothing more
wondrous is related - a weil with the coldness of snow, so that (therein) he would recite
his psalms accurately." Derart wird auf die Strengheit der Askese hingewiesen.
Aum Furseus bekennt sim zu jener Eigenart der irischen Heiligen, in Visionen zu schauen
und seinen Blick auf eschatologische Zusammenhänge zu rimten 275. Von seinen Gesichten.

266 Sein Grab war, wie der Abt Cellanus von Peronne an Aldhelm von Malmesbury
(675-709) schreibt, locus, ubi domnus Furseus in sancto et integro paus at corpore. Traube,
Perrona Scottorum, S. 479.
267 Ebd. S. 484; vgl. Fuhrmann, Monasteries, p. 27.
268 So die Meinung von Gougaud, Gaelic Pioneers, p.18; anders Traube, Perrona
Scottorum, S. 491; vgl. Fuhrmann, Monasteries, p. 28.
269 Fuhrmann, Monasteries, p. 29; Gougaud, Christianity in Celtic Lands, p. 147.
270 S. ibid.
271 S. ibid. p. 30.
272 Ibid. p. 28; Frant;oise Henry, Irish Art in the Early Christian Period. 2 nd ed.
London 1947, p. 127.
273 The Martyrology of Tallaght, ed. by R.I. Best and H. J. Lawlor (Henry Bradshaw
Society, vol. 48). London 1931, p. 31; Felire Oengusso Celi De: The Martyrology of Oengus
the Culdee, ed. by Whitley Stokes (Henry Bradshaw Society, vol. 29). London 1905, p. 36:
zit. nach Gougaud, Saints irland ais, p. 108; dort: «Fursa le pieux ».
274 Stokes, Cuimmin's Poem, p. 60, eng!. übers. p. 65.
275 Zimmermann, Kalendarium Benedictinum I, S. 93, wo Furseus' Jenseitsvisionen als Vor-
bild der anhebenden Visionenliteratur bezeimnet werden; vgl. Bellesheim, Irland 1, S. 174.
52 Gcorg Schreiber

die schon zu seinen Lebzeiten sowohl in Irland als auf dem Kontinent bekannt waren
und die den ganzen Reichtum frühchristlicher Gelehrsamkeit bergen, legen Beda 276 und
ein altenglisches Martyrologium (2. Hälfte des 9. Jhs.) 277 Zeugnis ab. Engel und Teu/el
streiten sich um seine Seele, die vom Leibe gelöst ist. Der Teufel summiert die Vergehen.
Ein Engel aber erhebt energischen Widerspruch. Es entwickelt sich eine dramatische Abfolge
von Reden und Gegenreden. Die Bezugnahme auf die Bibel geschieht bei diesem Streit-
gespräch mit jenem Nachdruck, der für das Mittelalter eigentlich selbstverständlich ist 278.
Auen die Spruchweisheit findet sich ein. Der Teufel ist keineswegs der Dumme, wie
er in der spätmittelalterlichen Teufelsliteratur festgehalten ist, sondern dieser Diabolus ist
listig, schlau, berechnend, ja bibelfest. Aber auch sein Partner, der Engel, ist als klug ge-
kennzeichnet, in allem als geistig hochwertig und ebenso als schlagfertig. Er ist seinem Ge-
sprächspartner durchaus gewachsen, ja überlegen 279. Die Vision des Furseus von Himmel
und Hölle ist anscheinend das erste Beispiel der irischen Visionenliteratur, die später einen
so großen Einfluß auf das Denken in Irland und auf dem Kontinent ausüben sollte 280.
Sie setzt sich in den Visionen des Adamnan (10. oder 11. Jh.) 281, der Navigatio Brendani
(10. Jh.) 282, den Visionen des Tundal (Tnuthgal, Tnugdal, 12. Jh.) 283 und im Purgatorium
Patricii (12. Jh.) 284 fort und stellt sich mit ihnen in die aufwühlende Linie, die von Virgil
zu Dante führt 285.
Die Verehrung dieses Heiligen entfaltet sich bereits im 8. Jahrhundert auf dem Kon-
tinent, und zwar, von Peronne ausgehend, vor allem in Nordfrankreich (Pikardie, Flan-
dern) 286. Doch auch die Allerheiligenlitanei aus Reichenau (Zeit Ludwigs d. Frommen, 814
bis 840), die in der Herkunft nach Tours weist, kennt den Iroschotten bereits 287. Dorthin,
also nach dem großen deutschen Kulturmittelpunkt, der zeitweilig selbst St. Gallen und

276 Hist. Eccl. JII, c. 19, ed. Plummer, I. p. 164-167; Ryan, Monasticism, p.333.
m George Herz/eId, An Old English Martyrology (Early English Text Soeiety, 116).
London 1900, p. 20-21.
278 Siehe H. H. Glunz, Die Literarästhetik des europäischen Mittelalters (Das Abend-
land, Bd. 2). Boehum-Langendreer 1937, S. lOH. 166 H.
279 Benz, Legenda aurea 2, Sp. 208 H.; Graesse, Legenda aurea, p. 639-642.
280 Kenney, Sources I, p. 502.
281 Ibid. p. 444 f.
262 Bieler, Life of Patrick, p. 124; s. unten.
283 Kenney, Soure es I, p. 741 f.
284 S. oben.
285 Vgl. Berardis, Italy and Ireland, p. 142, wo die Möglichkeit verneint wird, daß
Dante die Visionen des Furseus gekannt habe.
286 S. Gougaud, Saints irlandais, p. 109 s.; dazu kommt noch eine karolingische Litanei
(8. Jh.) aus Soissons. Anal. Boll. 62, 1944, p. 134. - Die Verbindung von Peronnc mit Corbic
und St-Riquier prägt sich u. a. in der Tatsache aus, daß in einem Kalendar von Corbie der
Festtag des hl. Furseus eingetragen ist. O. Dobiache-Rojdestvenskata, Questions eorbclennes,
in: Studien z. lat. Dichtung d. Mittelalters. Ehrengabe f. Karl Strecker, hrsg. von W. Stach
u. H. "Walther (Schrifrenreihe d. Hist. Vierteljahrsschr., H. 1). Dresden 1931, S. 18-28,
bes. S.21.
287 Konrad Beyerle, Die Kultur der Abtei Reichenau. 2 Bde. München 1925, 1, S.341
Anm.233.
Irland im deutsmen und abendländismen Sakralraum 53

Fulda übertraf, hatte Peronne Verbindungen288 • Dazu treten der "Libellus precum" von
Tegernsee (11. Jh.) 189, die Litaneien von Mainz (9. Jh.) 290 und Köln (9. und 10. Jh.) 291,
die Litanei Ludwigs d. Deutsmen (9. Jh., aus Lorsch) 292, zwei Kalendarien vom Münster
in Straßburg (11. bzw. 12. Jh.) 293 sowie ein mit einem Kalendarium versehenes Bre-
viarium aus der ehemaligen Erzdiözese Trier (1. Hälfte des 14. Jhs.) 294. Sein Gedämtnis
erwähnt ferner ein Missale aus dem Stift Essen, das dem letzten Drittel des 10. Jhs. an-
gehört 295. Bismof Meinwerks Paderborner Festkalender (11. Jh.) verzeichnet ebenfalls
seinen Namen 296. Dom hat seine Verehrung im weiteren Aachener Raum - im Gegensatz
zu der seines Bruders Foillan 2P1 - keine Heimstätte gefunden. Aum im Gebiet des Nieder-
rheins und des benambarten belgismen Grenzlandes konnte kein Furseus-Kult nachgewie-
sen werden 298.
Nur im Gebiet der Gallia dlfistiana drang Furseus tiefer in das Volksbewußtsein ein. -
Smrieb man dom nom in späterer Zeit seinem Smutz die Befreiung Peronne~ von der
Belagerung Karls V. (1537) zu 299. So greift seine Devotion über Jahrhunderte. Nom jetzt
sind ihm in der Pikardie mehre.re Brunnen geweiht 3PO. Er zeigt sim hier, wie so manme
seiner Landsleute (GaIius, Columban, Kilian) als Brunnenheiliger. Eine althergebramte
Wallfahrt in Bellefontaine, einem Dorf der Ardennen, führt alljährlim am 16. Januar
eine Schar von Pilgern zur Quelle, wo man heilkräftiges Wasser smöpft. Furseus wird
dort aum bei Viehseumen angerufen, und man wendet sim an ihn, um die Gesundheit
von Mutter und Kind und eine gute Ernte zu erbitten 301. Aum bei Augenleiden, Bruch,
Fieber, Flemten, Krätze, Kolik, Lähmung, Stein, Wassersumt greift er nam dem Volks-
glauben helfend ein 302. So weit einige volkskundlime Züge, die die Einwurzelung des Iren
belegen.
In der Kunst wird Furseus mit Omsen oder Stieren dargestellt 303 , weil sein Leimnam,
der Legende nam, auf Geheiß Gottes von zwei ungezähmten Stieren nam Peronne geführt
worden war 304. Manmmal wird er aum abgebildet, wie er durm Einstecken seines Stabes

288 Ebd. 2, S.776; L. Gougaud, Sur les routes de Rome et sur le Rhin avec les «pere-
grini» insulaires. Revue d'histoire ecc1esiastique 29, 1933, p. 264.
289 Anal. Boll. 54,1936, p. 34.
290 Ibid. p. 20.
291 Ibid. p. 13; ibid. 55, 1937, p. 69.
292 Swarzenski, Litanei, S. 176.
293 Barth, Elsäss. Kalendare, S. 9.
294 Miesges, Festkalender, S.24.
293 Zilliken, Festkalender, S. 38.
296 Honselmann, Festkalender, S. 108.
297 S. unten.
298 Nam frdl. Mitteilung von Herrn Dir. Dr. Bernhard Pol!, Stadt archiv Aachen, vom
26.5.1955.
299 Stadler, Heiligen-Lexikon 2, S. 333.
300 Gougaud, Saints irlandais, p. 111.
301 Ibid.
302 Kerler, Patronate, S. 15. 53. 103. 116. 204. 218. 226. 343. 400 (ohne Angabe der
Landsmaft).
303 Gougaud, Saints irland ais, p. 111 S.
304 Virtutes Fursei, ed. B. Krusch, MG. SS. rer. Mer. IV, p. 446.
54 Georg Schreiber

in die Erde eine Heilquelle entspringen läßt 305. Das gleiche Mirakel wird in einer Hymne
zu Ehren des Heiligen berichtet 306. Dieses für Furseus spezielle Attribut des Stockes erin-
nert an andere Stockträger (Columban, Kilian, Koloman, Jodok) und ist zugleich charak-
teristisch für den \Vandertrieb des Heiligen und seiner Landsleute. Unter ihnen ragt wie-
derum St. Patricius hervor, dem Christus nach der Volksüberlieferung selbst seinen Stab,
den "bachall Isa" übergeben haben 5011, welcher in Armagh als kostbare Reliquie auf-
bewahrt wird 307. Karl v. Amiras Forschungen über den Stab verdienen noch eine Aus-
weitung 308. - In der illustrierten Straßburger Legenda aurea (1362) ist Furseus in einer
Miniatur als Bischof abgebildet 309, in einer Rangerhöhung, die für die Gotik charakteri-
stisch ist. - Soviel .an einigen Hinweisen. Diese Beobachtungen mögen das farbige Mosaik
des Irenturns ergänzen.
10. Foillan
Einer der beiden Brüder des hl. Furseus, der hl. Foillan (Foilan, Feuillen,
Faelan, Faolan, Foelan, Foalan, tgegen 655, Fest am 31. Oktober) 310, wird
auch im deutschen Raum heimisch. Mit seinem Bruder Ultan (t 686, Fest
am 1. Mai) 311 geht er auf weiten Strem.en den gleichen Lebensweg. Beide
folgen - ein Beispiel für das lebensvolle irische Sippengefühl - ihrem Bru-
der Furseus nach Ostangeln. Dort wird Foillan sein Nachfolger als Abt
von Cnober,esburgh. Beide ziehen nach dem Tode des Furseus nach dessen
Grabstätte Peronne und begeben sich dann missionierend nach Nivelles in
Brabant. Hier wer,den sie von Ita,der Witwe Pippins I. und Gründerin des
dortigen Klosters, ebenso von ihrer Tochter Gertrud in einer Vertrauens-
stellung zu Beichtigern gewünscht. Auf den von Ita ihnen überlassenen Lie-
genschaften gründen sie die Abtei Fosses (D. Lüttich) 312, die ein Hospitium
305 Gougaud, Saints irlandais, p.112; vgl.MG. SS. rer. Mer. IV, p. 443 und p.444.Dort
auch andere Wunder, die der Heilige mit seinem Stock, auf den er sich bei seinen Wander-
fahrten stützte, wirkte.
306 Guido Maria Dreves, Liturgische Hymnen des Mittelalters aus Handschriften und
Wiegendrucken. Vierte Folge (AnalectaHymnica Medii Aevi, XIX: Hymni inediti). Leiden
1895, p. 139 (ohne Angabe der Entstehungszeit: "ex Arnoldo Wion. Libr. 3 Ligni vitae").
307 Bellesheim, Irland 1, S. 66; Delius, Irische Kirche, S. 88.
308 Der Stab in der germanischen Rechtssymbolik (Abhdl. der Kgl. Bayer. Akad. d.
Wiss., Phil.-hist. Kl., Bd. 25, 1). München 1909. Ergänzungen bei Schreiber,Gemeinschaften,
S.479 im Register.
309 Barth, Straßburger Legenda aurea, S. 158.
310 Additarnenturn Nivialense de Fuilano, ed. B. Krusch, MG. SS. rer. Mer. IV, p. 449
bis 451; Stadler, Heiligen-Lexikon 2, S. 237 f.; Bellesheim, Irland 1, S. 1,71; Gougaud,
Saints irlandais, p. 98 f.; Zimmermann, KaI. Bened. IH, S. 238 H.; L. van der Essen, Foillan.
Cath. Encycl. VI, p. 123 f.; de Moreau, Histoire de l'Eglise en Belgique 12 , p. 146 ss;
Schreiber, Wanderkulte, S. 119.
311 Ibid.
31% Delius, Irische Kirche, S. 110. - Es muß jedoch betont werden, daß die bei den Brüder
erst nach dem Tode des Furseus nach Peronne kamen. Vgl. Traube, Perrona Scottorum,
S.481. .
Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 55

der peregrini sein sollte. Noch Einhard Ct 840) nennt sie ein "monasterium
Scotorum" 313. Nacheinander werden Foillan und Ultan, hier wie auch in
Peronne, ~bte 314. Auf dem Wege von Nivelles nach Fosses wird Foillan
von Wegelagerern ermordet und in der Folge als Martyrer verehrt 315. Das
Martyrium ist bei den Iroschotten eine Seltenheit. Die Devotion erhält der-
art einen neuen Antrieb.
Bezeichnenderweise spricht auch ein Hymnus (spätes Mittelalter?) 316 von seinem Tod
a,ls von dem "martyrii privilegium" und schmückt den Zug der Legende aus, nach dem die
Stelle, wo seine Leiche lag, durch eine Feuersäule angezeigt wurde und sich Fosses durch
das Entspringen einer Quelle als sein Begräbni~ort erwies. Hier wiederum treten die bei
den Iroschotten so beliebten Motive des Lichtes und des Wassers stark heraus. An anderer
Stelle werden wir die Wendung "martyrii privilegium" behandeln. Gibt es doch in St. Gal-
len Handschriften des Spätmitteialters in kanonistischer Ausrichtung, die den Sprach-
gebrauch der privilegia Sanctorum mit sich führen. Das in Anlehnung an die Legenda aurea.
Die Abtei Fosses, seit 1108 das Kollegiatstift des Gebietes von Namur, wurde so einer
der Mittelpunkte seiner Verehrung 317. Dort findet seit 1549 alle sieben Jahre in der Sym-
bolgewalt der Zahl eine "marche de saint Feuillen" statt 318. Weitere Kultstätten taten sich
in Peronne, Roeulx (Hennegau), in Mons, in Lüttich und in Abbeville 319 auf, wo Reliquien
des Heiligen ruhen. Der belgische Raum wurde weithin zum Aufmarschgebiet der Iro-
schotten. In Aachen, das wie Fasses ehemals zur Diözese Lüttich gehörte, besitzt der
Heilige die bereits im 12. Jahrhundert errichtete, im 15. Jahrhundert neu erbaute 320

313 MG. SS. XV, p.262.


314 Traube, Perrona Scottorum, S.482. - Es ist anzunehmen, daß Foillan gleichzeitig
Abt in Peronne und in Fosses war. Fuhrmann, Monasteries, p. 26.
315 Das gleiche Schicksal ereilte den Iren Koloman, den ehemaligen Landespatron öster-
reichs, der gleichfalls als Martyrer verehrt wird. S. unten. - Foillan wurde in Nivelles und
Premontre zusammen mit dem Martyrer Quintinus verehrt (die Prämonstratenser hatten
das Heiligtum, das auf der Stätte seiner Ermordung errichtet worden war, erworben).
Thomas Michels, Entstehungszeit und Heimat des Codex D 47 der Kapitelsbibliothek zu
Padua. Jahrb. f. Liturgiewiss. 7, 1927, S. 24-36, bes. S. 26 H.
316 Dreves, Analeeta Hymnica XIX, p. 136, ohne Angabe der Entstehungszeit.

311 Gougaud, Saints irlandais, p. 99. Vgl. Michels, Codex D 47, S. 27 H. (Verbreitung
seiner Viten in der Gallia christiana).
318 Gougaud, Saints irlandais, p. 99 s.

319 Ibid. p. 100. Ebenso wird er in einer Litanei (13. Jh.) aus Metz angerufen, zusammen
mit Ultan. Michels, Codex D 47, S, 30; vgl. auch Anal. Boll. 62, 1944, p. 166 (Litanei des
Psalters der hl. Wivina, zweite Hälfte des 12. Jhs.).
320 Wilhelm Fabricius, Erläuterungen zum geschichtlimen Atlas der Rheinprovinz.
Bd. 5, erste Hälfte: Die Kölnische Kirchenprovinz. Bonn 1909, S. 368; Paltl Clemen, Die
Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Bd. 10: Die Kunstdenkmäler der Stadt Aachen, II:
Kar! Faymonville, Die Kirchen der Stadt Aachen. Düsseldorf 1922, S. 52 H.; Korth, Pa-
rrocinien, S. 64 f.
56 Georg Schreiber

Hauptpfarrkirche St. Foillan als Patron. Aachen ist der äußerste östliche Vorposten des
Foillan-Kultes, soweit Patronatskirchen in Frage kommen 321.
Zum weiteren leitet in der Bewegtheit des Kultes das Rhein tal. So werden FoilIan,
Furseus und Ultan schon im 9. Jahrhundert in Litaneien von Basel und Köln 322, Foillan
und f,urseus ebenfalls in Köln und in Mainz 323 angerufen. Der Rheinstrom wirkte hier wie
auch sonst als irisches Kabel. Auch ein Kalendar des 14. Jahrhunderts aus Prüm 324 und
ein Missale aus St. Matthias in Trier 325 kennen sein Gedächtnis am 31. Oktober. Zum
anderen drang seine Verehrung nach dem östlichen und südöstlichen Deutschland vor, wie
aus dem großen österreichischen Legendar 326 und aus der Verbreitung des Additamentum
Nivialense 327 zu ersehen ist. Seine Viten waren auch in Südfrankreich und England ver-
breitet 328. Er wird ebenfalls mit einem Lichtschein abgebildet, da nach der Legende eine
Feuersäule über dem Ermordeten aufstrahlte 329. Davon singt der schon genannte Hymnus
zu seiner Ehre 830. So ist auch bei ihm das Lichtsymbol, ähnlich wie bei Brigida, stark aus-
geprägt, wie dieses überhaupt in der irischen Legende und Liturgie eine hervorragende
Stellung einnimmt 331. In Fosses wird der Heilige heute noch um gutes Erntewetter sowie
bei Kopf- und Ohrenweh und Nervenkrankheiten angerufen 332. Die agrarische und medi-
zinische Note der Iroschotten verleugnet sich nicht.

11. Kilian
Auch bei dem Iroschotten Kilian (Killena, Kyllena, Killinus, Killenus,
Kylianus, Quilianus, Chillianus, Chilianus, Cilianus, Caelianus, St. Kelle-

321 A. Bellesheim, über einige Beziehungen Irlands zur Reichsstadt Aachen und Diözese
Lüttich. Zeitschr. d. Aachener Geschichtsvereins 14, 1892, S. 38-53, bes. S. 44 f. - Doch wird
Foillan in den Handschriften des Aachener Münsterstiftes nicht am 31. Oktober, sondern
am 16. Januar - dem Gedenktag des Furseus - aufgeführt, und zwar dreimal. o. Gatz-
weiler, Liturgiegesch. Quellen 10, 1926, S. 19 Anm. 3, S. 55. 57. - Es eignen Foillan keine
weiteren Gotteshäuser im westdeutschen Raum. Frdl. Mitteilung von Herrn Dir. Dr.
iiernhard Poll, Stadtarchiv Aachen, vom 15. Juni 1955.
322 Anal. Boll. 54, 1936, p. 13. - In einem Kalender (10. Jh.) aus Essen und einem sol-

chen des 10./11. Jhs. aus Werden tritt er ebenfalls am 16. Jan. auf. Zilliken, Festkalender,
S. 38. 30. 32.
""3 G014galld, Saints irlandais, p. 101.
324 Miesges, Festkalender, S. 98. - Unter demselben Datum nennen ihn ein Regensbur-
ger Kalendarium des 11.112. Jhs. und eine diesem beigegebene Litanei. Lechner, Bayern,
S. 219. 225.
325 Miesges, Festkalender, S. 16. 12.
326 MG. SS. rer. Mer. VII, p. 671; vgL Anal. Boll. 17, 1898, p. 72.
327 In Bayern und österreich; vgl. Michels, Codex D 47, S. 32.
328 S. ebd.
329 Samson, Kirchenpatrone, S. 187.
330 Dreves, Analeeta Hymnica XIX, p. 136.
331 S. oben.
332 Gougaud, Saints irlandais, p.l01.
Irland im deutsmen und abendländismen Sakralraum 57

mann, Kilemann, St-Kilien, St-Kuln, t gegen 689, Fest am 8. Juli) 33ll wird
in der Legende die adelige Abstammung erwähnt. Wieder und wieder ent-
läßt die irisme Aristokratie opferwillige und sendungsbewußte Vertreter
und Erzieher in einer ersten Welle nam Gallien, in einem weiteren Auf-
brum gen Germanien. Seine missionarismen Ziele ergreifen Ostfranken
und Thüringen 334. Er ist übrigens einer der wenigen irismen Heilbringer,
denen das Martyrium zuteil wurde. Ward er dom um das Jahr 689 mit
zweien seiner Begleiter, dem Priester Kolonat (Colomanus, Colomnanus,
Calanus, Dolomannus, Lonatus) und dem Diakon Totnan (Donanus, Thot-
nanus, Totmanus, Tornanus, Tolmannus, Romanus usw.) ermordet. In
Würzburg sdllägt der gefeierte Blutzeuge mit der ihm beigegebenen hei-
ligen Sippe seine kultisme Residenz auf. Die Leiber ruhen in der Kilians-
gruft der Neumünsterkirche mit einem kleinen Teil der Reliquien, während
der Dom die drei Häupter mit dem größeren Teil der Heiltümer verwahrt.
Dort am M ain ist ja vieles günstig gelagert, um das Andenken an diese
IrosdlOtten in manchen Bezeugungen festzuhalten.
Kultdynamismes kann sim entwickeln. Handelt es sim dom um eine reifende und litur-
gism besorgte Bismofsstadt. Liegt dom zum weiteren diese Kultstätte an einem der großen
und verkehrsreimen deutsmen Ströme. Es wirkt ja der Main wie ein Kabel, da.~ ostwärts
Bamberg mit seinen irosmottismen Anregungen berührt 336 und westwärts die Rimtung
zu der von den Iren gepflegten Rheinstraße nimmt 338. Zum anderen sei erwähnt, daß sidl
von der Donau her über Regensburg, Würzburg, Mainz jene Ungarnwallfahrt vollzieht,
die sim alle sieben Jahre aus dem Herzen von Pannonien über den Main und den Rhein
nam Aamen und Köln begibt 837. Dieser Ungarnweg bezeimnet andererseits den Aufmarsm
der Kreuzfahrer nam Konstantinopel und Jerusalem, seitdem König Stephan I. von Ungarn
diesen binnenländismen Weg eröffnet hat 338.

383 Kenney, Sources I, p. 512 f.; Passio Kiliani martyris Wirziburgensis et sociorum eius
(= Passio prima), ed. Levison, MG. SS. rer. Mer. V, p. 711-728; Stadler, Heiligen-Lexi-
kon 3, S. 611; Zimmermann, Kilian. LThK 5, Sp. 951; ders., KaI. Bened. II, S. 422;
Holweck, Dictionary, p. 586; loachim Dienemann, Der Kult des heiligen Kilian im 8.
und 9. Jahrhundert (Quellen und Forsmungen zur Gesmimte des Bistums und Homstifts
Würzburg, hrsg. von Theodor Kramer, Bd. X). Würzburg 1955.
334 Heinrich Büttner, Das mittlere Mainland und die fränkisme Politik des 7. und 8.
Jahrhunderts, in: Herbipolis jubilans (Würzburger Diözesangesmimtsblätter 14115,
1952/53). Würzburg 1952, S. 83-90, bes. S. 88.
3SS Hiller, Bamberg, S. 206; Paul los. Fraundor/er, Ehemalige Dotations- und Eigen-
kirmen des Homstifts Würzburg (Bibliothek f. Volks- und Heimatkunde, 120, Sonderheft
zu den "Deutsmen Gauen"). Kaufbeuren 1925, S. 23. 32.
33q Büttner, Mainland, S. 86.
337 Schreiber, Gemeinsmaften, S. 418; Elisabeth Thoemmes, Die Wallfahrten der Un-
garn an den Rhein (Veröffentl. d. Bismöfl. Diözesanarmivs Aamen, Bd. 4). Aamen 1937,
S. 65 ff.
338 S. Schreiber, Stephan I. der Heilige, S. 41 f.
58 Georg Schreiber

Die Reichweite des Kilianskultes erstreckte sich ebenso nach Norden wie nach Süden.
Paderborn, Münster, Köln, aber auch Schwaben, Oberösterreich, Steiermark und die Schweiz
wurden ergriffen, um nur einiges anzudeuten, wohin die Stoßrichtung und Strahlung die-
ses kraftvollen Kultes ging. Weiteres mag man an anderer Stelle nachlesen 338a. Geradezu
vorbildlich ist sein Nachleben und seine kulturelle Plastik neuerdings in Würzburg behan-
delt, nämlich in der Festschrift zur Säkularfeier (1952) der Erhebung der Kiliansreliquien,
die unter dem Titel Herbipolis jubilans erschienen ist 338b. Dort wird seine Passio bemerkens-
wert, allerdings nicht abschließend gewürdigt. Seine Nachwirkung in Ortsgeschichte und
Landschaft tritt ebenso heraus wie die Kontinuität der irischen überlieferung. Dazu wer-
den eine Fülle von weiteren Nachwirkungen erörtert, wie die Kiliansfahne, die Heiltums-
weisung, die wirtschaftlich wichtige Kiliansmesse, wiederum die Beeinflussung der Hand-
werkskultur, ebenso das Bruderschaftswesen. Noch der Barodt erlebte 1727 die St. Kilians-
Konfraternität. Symbole treten hinzu. So erschlossen sich in der Kiliansdevotion intime
Zugänge zu den Inhalten des fränkischen Volkstums. Der !roschotte wurde zum Mam-
franken.

12. Fiacrius
Fiacrius (ursprünglim Fefrus, Fiachra, t 670, Fest am 30. August) 338e
wandert wie viele seiner Landsleute in die gallisme Fremde. Er bezieht eine
Einsiedelei in der Landschaft Brie, und zwar in der Nähe von Meaux, des-
sen Bismof Faro (626-672) den Irosmotten gewogen war, was aum ein Blick
auf das Kiliansleben bezeugt.
Der Anamoret wird wie viele seiner Landsleute zum Klostergründer. Er
baut ebenso ein Hospitium für die irismen Pilger, als eines der ersten auf
dem Festlande 339. So steht er im Wallfahrtsgesmehen und in der Verkehrs-
gescltimte der irischen Wanderung. VorpostensteIlungen des Irentums. Um
seine Gäste zu ernähren, pflanzt er auf dem von ihm gerodeten Land Ge-
müse an 340. So wird er zum Patron des Gartenbaus 341. Die Kulturpflanzen
und der abendländische Garten, der der Reichenau und anderen Kloster-
gärten viel ve~dankt, gewinnen einen Iren als Schutzherren. Nach Hiber-

338a S. Gougaud, Saints irlandais, p. 125-129; Schreiber, Wanderkulte, S. 30-32;


Gugitz, Festkalender, S. 80.
338b Würzburger Diözesangeschichtsbläuer 14/15, 1952/53. Würzburg 1952.
338e L. Pfleger, Fiacrius. LThK 3, Sp. 1028; C. Mulcahy, Fiacre. Cath. Encycl. VI,
p. 67; Zimmermann, KaI. Bened. 2, S. 640 f.; Roussel, St-Colomban 11, p. 49 s.; vgl.
Kenney, Sources I, p. 493; Ulysse Chevalier, Repertoire des sources historiques du moyen
1ge. Bio-Bibliographie, I. Paris 1905, col. 1500; Gougaud, Saints irlandais, p. 86-92;
Schreiber, Wanderkulte, S.20-23.
338 Fuhrmann, Monasteries, p. 42. 56. 65.
340 Hortus ad plantanda olera et alia diversarum herbarum genera, bemerkt die Le-
gende. Neubner, Handwerker, S. 121, mit Hinwei~ auf AA. SS. VI. Aug. p. 598 sq.
341 Kerler, Patronate, S. 129 f.; Spaten als Attribut: Braun, Tracht, S. 258.
Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 59

nien drang jedoch sein Kult nicht, wie dies des öfteren bei den Iren festzu-
stellen ist, deren Aktivität der Neuheimat zugute gekommen war. - Seine
Kultwanderung zog sich im Mittelalter besonders durch den süddeutschen
Raum. Er galt als Krankenheiler, vornehmlich bei venerischen Krankhei-
ten 342. Seine Darstellung gemahnt mit ihrem Geschwür an St. Rochus 343.

13. Fridolin
Im großen Stelldichein der Iroschotten, am Oberrhein, ist auch Fridolin
(t im 6. Jh., Fest am 6. März) 344 zu Hause. Eine allerdings umstrittene
Vita (2. Hälfte des 10. Jhs.) 345 läßt ihn als Kelten 346 erscheinen und aus
dem Adel abstammen. Heilbringer empfangen für das Volksgläubige einen
Nimbus, wenn sie vom Irenturn herkommen. Bemerkenswert irisch ist
jedenfalls die Sehnsucht, auf einer Insel zu leben. Nachdem er zunächst
Missionar in seiner Heimat (in seiner Vita Scotia inferior genannt) war,
wendet er sich nach Poitiers, um die Gebeine des hl. Hilarius, des »Athana-
sius des Abendlandes", zu erheben. So rückt er in große Zusammenhänge,

3U L. Pfleger, Das Auftreten der Syphilis in Straßburg und der Kult des hl. Fiacrius.
Zeitschr. f. d. Geschichte d. Oberrheins, N. F. 33, 1898, S. 169; Kerler, Patronate, S. 442
im Register; Monsettr, Folklore wallon, p. 450.
343 Braun, Tracht, S. 257.
344 Kenney, Sources I, p. 497 f.; Stadler, Heiligen-Lexikon 2, S. 317-319; O'Hanlon,
Lives UI, p. 155-172; A. Büchi, Fridolin. LThK 4, Sp. 182; J. P. Kirsch, Fridolin. Cath.
Encycl. VI, p. 303 f.; Zimmermann, KaI. Bened. 1, S. 291 ff.; Gougaud, Saints irlandais,
p. 104-107; Johannes W&.lterscheid, Deutsche Heilige. München 1934, S. 54-56; Schreiber,
Wanderkulte, S. 19 f.
345 Vita Fridolini, ed. B. Krusch, MG.SS. rer. Mer. III, p. 350-369. Sie wurde im
13. Jh. ins Deutsche übersetzt. F. J. Mone, Quellensammlung der badischen Landes-
geschichte, Bd. 1. Karlsruhe 1848, S. 99-111; die Hs. dieser übersetzung stammt aus dem
J. 1432 (Cod. Sang. 598, fol. 253-272). Ebd. S. 3. - Zur Vita Fridolini s. W&.ttenbach-
Levison, Geschichtsquellen 1, S. 124, Anm. 293; - An der Gcschichtlichkeit Fridolins ist
wohl nicht zu zweifeln. Medard Barth, Zur Mission des hl. Fridolin im Elsaß: Dillersmün-
ster, ein St. Hilariusklösterlein. Archives de l'Eglise d' Alsace 1, 1946, p. 21.
346 So auch H attck, Kirchengeschichte 13-4, S. 317 Anm. 5; nach der Auffassung von

Barth, Fridolin, S. 22, war er jedoch kaum Ire, sondern entweder Alemanne oder Franke.
Die irische Herkunft ließe sich dann aus dem Bestreben erklären, Fridolin gleichsam zu glori-
fizieren, indem man die "Insel der Heiligen" als seine Heimat bezeichnet; ähnlich Trud-
pert (7. Jh.). Stadler, Heiligen-Lexikon 5, S. 569; J. Sauer, Trudpert. LThK 10, Sp. 311 H.
- Zur Fridolin-Frage s. auch H. Tüchle, Kirchengeschichte Schwabens 1. Stuttgart 1950,
S. 53. - Das erste in deutscher Sprache gedruckte Buch über Fridolin will wegen seines
Verfassers sehr beachtet sein: Petrus Canisius, Warhaffte Historie von dem berümbten
Abbt S. Fridolino. Fryburg im Uechtland 1589. Für Canisius und seine Zeitgenossen war
es selbstverständlich, daß Schottland (Hiberna genannt) ... Fridolini Vatterland" war
(S. 3 f.); s. Hennig, Schweiz und Irland, S. 206.
60 Georg Schreiber

die der Abwehr des Arianismus und verwandter Strömungen dienen. Von
einem Traumgesicht - wiederum ein visionäres Element im Irenturn - auf-
gefordert, zieht er nach einer Rheininsel in Alemannien, nach Säckingen,
wo er dem hl. Hilarius ein Kloster weiht 347.
Auch auf dem Wege dorthin hatte er bereits ein Hilariu..kloster in Helera (jetzt Eller,
zwischen Zell und Kochern an der Mosel) und mehrere dem hl. Hilarius geweihte Kirchen
in den Vogesen, in Straßburg und in Chur errichtet 348. Bekenntnisse der Rechtgläubigkeit. -
Vom Kloster Säckingen aus, dessen Nebenpatron er wird 349, verbreitet sich sein Kult am
Oberrhein, namentlich in der Erzdiözese Freiburg, im Elsaß 350 und in der Schweiz, wo er
Titularpatron des Kantons Glarus ist, der sein Bild im Wappen und auf Münzen führt 351
Seine Verehrung dringt aber auch rheinabwärts nach Norden und hinüber nach Osten vor,
wie Kalendarien und Litaneien des 11. bis 16. Jahrhunderts beweisen 352. In den irischen
Martyrologien und im Martyrologium Romanum hingegen scheint der Heilige nicht auf 31).1.
Sein Nachleben im Kult und im Volksbrauch (Umritt, Bruderschaften, Wallfahrt) ist
noch stark 354. - Abgebildet wird er seit dem 15. Jahrhundert als Benediktiner mit Abts-
stab und Pilgerinsignien; als individuelles Attribut eignet ihm bisweilen ein Skelett 351>, da
er nach der Legende einen gewissen Ursus aus Glarus für einige Zeit zum Leben wieder-
erweckt hatte, auf daß er in einem Rechtsstreit in Sachen des Klosters Säckingen Zeugnis
ablege 356. Eine rechtsgeschichtlich eindrucksvolle Notiz, die an ähnliche Funktionen der
Toten erinnert, so wenn sie etwa Händel entscheiden oder als Adressaten von Briefen
auftreten 357.

Hauck, Kirchengeschichte 1 3- 4, S. 318; J. Sauer, Säck' .Iren. LThK 9, Sp. 67 f.


347
Pfleger, Elsässische Pfarrei, S. 31; Ewig, Trier, S. 90 f.
348
349 Sauer, Freiburg, S. 228.
35~ Oeehsler, Freiburg, S. 181; Gougaud, Saints irland ais, p.105.
351 Notker Curti, Volksbrauch und Volksfrömmigkeit im katholischen Kirchenjahr
(Volkstum der Schweiz, 7). Basel 1947, S. 41; Hans Christoph Heinerth, Die Heiligen und
das Recht (Das Rechtswahrzeichen, 1). Freiburg i. Br. 1939, S. 12 u. Anm. 12; verehrt auch
in Rankweil (Vorarlberg). Gugitz, Festkalender, S. 26.
352 Gougaud, Saints irland ais, p. 106.
353 Ibid. p. 107.
354 Gougaud, Saints irlandais, p. 104-106; Schreiber, Wanderkulte, S. 19 f.
355 Braun, Tracht, Sp. 271; Heinerth, Heilige und Recht, Abb. 1.
356 Heincrth, Heilige und Recht, S. 9.
357 Günter, Legende, S. 371 im Register unter "Tote"; Georg Schreiber, Der heilige Berg
Montserrat. Spanische Forschungen der GÖrres-Gesellschaft. 1. Reihe, Bd. 10. Münster i;
W. 1955, S. 113-160, bes. S.128.
Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 61

14. Findan
Findan (Findanus, Fintanus, Fintan, t 878, Fest am 15. November) 358 ge-
hört zu jenem Typ der Iroschotten, die nach einem bewegten Wanderleben
sich als Inklusen zurückziehen. Der Schrei nach der Einsamkeit vollzieht
sich in diesem Volkstum mit elementarer Kraft. Zunächst geht Findan zum
Inselkloster Iona. Doch sein Leben soll durch die Normanneneinfälle be-
stimmt werden, die der irischen Sakralkultur völlig neue Erlebnisse zu-
führen. Er wird von diesen Wikingern geraubt und nach den Orkney-
Inseln verschleppt, die mehr Weidefläche als Ackerbau kannten. Es gelingt
ihm aber, zu entkommen und zu den Pikten zu fliehen. Einem Gelübde
folgend, macht er dann wie andere Landsleute eine Wallfahrt nach Tours,
dem Kultzentrum des hl. Martin, und von dort geht er weiter nach Rom.
Er gibt sich als einer der Iren, die, gestützt auf irische Zwischenstationen,
die Reise zu den Apostelgräbern am Tiber antreten.
Auf seiner Rückreise verweilt er bei der Vorliebe des Iren für das Eiland
auf der Insel Rheinau, unterhalb Schaffhausen, wo unter Karl d. Gr. oder
Ludwig d. Frommen 359 von Honau aus ein Königskloster gegründet wor-
den war 360. Die Abgeschlossenheit des Wassers und die Musik der Wellen
gehören nun einmal zum Lebensinhalt des irischen Volkstums 361. Ein Jahr
weilt er dort im Konvent. Dann aber lebt er von 858-878, also 20 Jahre,
calore ignis numquam refectus als Rekluse 362. Sein Grab (Heiligsprechung
um das Jahr 1000) zieht die Waller an, wohl auch manche seiner Landsleute.

358 Vita Fintani, ed. Holder-Egger, MG. SS. XV, 1, p. 502-506; Kenney, Sources I,
p. 602 f.; Stadler, Heiligen-Lexikon 2. S. 210 f.; Zimmermann, Findan. LThK 4, Sp. 9;
ders., Ka!. Bened. III, S. 310; W. H. Grattan-Flood, Fintan. Cath. Eneye!. VI, p. 78;
Bellesheim, Irland 1, S. 294 f.; Gougaud, Sainrs irlandais, p. 95 s.; Hunkeler, Schütz er
der Heimat, S. 46; Schreiber, Wanderkulte, S. 37. - Der Geist des Barockhistorikers hat
sich Findan in einem Ms. mitgeteilt, das sich in der Bibliothek von Einsiedeln befindet.
Es geht unter dem Titel» Vita S. Fintani Monachi et Tutelaris Rheinaugiensis. Conseripsit
P. Mauritius Hochenbaum van der Meer. Pro tempore Prior. Anno 1777." Nach Mittei-
lungen aus der Schweiz (Rudolf Henggeler). Darin ist auch der Kelch Findans abgebildet:
Crater S. Fintani ex ligno peregrino. Veröffentlicht wurde dieses durch Hohenbaum für die
Edition in den AA. SS. vorbereitete Ms. durch G. W. Zapf, Reisen in einige Klöster Schwa-
bens, durch den Schwarzwald und in die Schweiz, 1786, unter Auslassung der Disgressiones
Hohenbaums. - Vgl. zu Hohenbaum v. d. Meer: Mone, Quellensammlung 1, S. 80-84; G. Meyer
v. Knonau, Hohenbaum. Allgemeine Deutsche Biographie 12. Leipzig 1880, S. 657-659.
359 H. Ginter, Rheinau. LThK 8, Sp. 861 f.
360 Fuhrmann, Monasteries, p. 36.
36\ Man erinnere sich daran, daß die irischen Heiligen oft an der Meeresküste ihre
Psalmen singen, so Columba d. K. Stokes, Lives, p. 180.
362 S. dazu auch Otmar Doerr, Das Institut der Indusen in Süddeutschland. Münster
1934, S. 26 f. 62 f. 65. 96.
62 Gcorg Sm reiber

15. Koloman
Khnlich wie Kilian wird der Iroschotte Koloman (Kolmann, t 1012, Fest
am 13. Oktober) 363 zum Martyrer. Er ist einer jener Iren, die ihre Fern-
wallfahrt bis nach Palästina ausdehnen. Es ist ihm nicht vergönnt, auf der
Rückreise irgendeine angesehene Kultstätte zu erreichen, um dort nach der
Art seiner Landsleute als Rekluse zu leben. Im Jahre 1012 wird dieser
Koloman in Stockerau bei Wien als böhmischer Spion gefangengesetzt und
mit zwei Straßenräubern an einem verdorrten Holunderbaum aufgehängt.
Pilgerschicksal, das auch die Santiagofahrt mit dem Galgenwunder kennt.
Kultisch wächst Koloman jedoch bald, da sich Mirakel vollziehen, in die
Devotion des oberen und mittleren Donauraumes, der sich nach einem reprä-
sentativen Schutzherren umsieht. Ein Iroschotte war von vornherein des
ehrfürchtigen Interesses des Volksfrommen gewiß.
Dazu stellten sich angesehene Kultpfleger zur Verfügung. Es war ja
von hoher Bedeutung, daß sich bereits 1014 als Ruhestätte und Kultort
das niederösterreichische Kanonikatstift Melk einfand. Augustinerchor-
herren haben sich auch sonst, wie der Patriciuskult zeigt, den irischen Heili-
gen zugewandt. Als 1089 in Melk die Stiftskanoniker durch Benediktiner
aus Lambachersetzt wurden, übernahmen diese ebenfalls den irischen
Schutzpatron 364. So zeigt dieser Kult kontinuierliche Linien, auch beim
Wechsel des Religiosenturns.
Die monastische Satzung gibt sim keineswegs entsmeidend, um eine Anderung in der
Devotion heraufzuführen, ein Moment, das für die Geschimte des Volksfrommen beamtet
sein will. - Noch ein anderes sei vermerkt: Wiederum wird, ähnlim wie bei Kilian, mit
dem Kolomanskult die große Verkehrsstraße berührt, die von Irland nam Mitteleuropa
über die Donau nam dem Heiligen Grab in Jerusalem führt. So ist Koloman einer jener
Irosmotten, die zum Symbol und Wegweiser auf abendJändischen Pilgerstraßen werden.
Was die Einzelheiten seines Kultes betrifft, mag angedeutet werden, daß der Smwer··
punkt sim im österreimischen Donauraum befand. Er wird geradezu zum Hausheiligen
der Babenberger, bis dann der Zeitpunkt kommt, daß dieses Gesmlecht mit eiferndem
Selbstbewußtsein, das sich auf die Habsburger überträgt - was sich :\lum im Maximilians-
grab in Innsbruc:K aussprimt -, einen der Seinigen als Sanctus zur Verfügung stellt. Das
geschah in der Person des Markgrafen Leopold IlI., der 1495 kanonisiert und 1683 zum
Landespatron von österreich erklärt wurde 365. So trat der Irosmotte, der manme Kolo-
manskirmen im alpinen Raum mit sich führte, in die zweite Linie. Heimatlimes im Donau-
raum und Dynastismes im Territorium überwogen 366.
Kenney, Sources I, p. 613-614; I. Hösl, Koloman. LThK 6, Sp. 95.
363
Schrödl, Melk. Kirmenlexikon 8 2 , Sp. 1235 H.; W. Schier, Melk. LThK 7, Sp. 70 f.
364
385 V. O. Ludwig, Leopold III. LThK 6, Sp. 514 f.
368 Weiteres bei Gougaud, Saints irland ais, p. 47-50; Schreiber, Wanderkulte, S. 39-41;
Gugitz, Festkalender, S. 119 ff.
Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 63

16. St. Brandans Meer/ahrt


Die irischen Immrama (Umherrudereien), also die irischen Schiffermär-
chen, erstreben auf der Fahrt die "Insel der Freude", die "Glücklichen
Gefilde". Diesen Sagen, die sich somit den "Inseln der Seligen" zuwenden,
tritt die verwandte Odyssee des Iren Brandan (Bn~naind, Brenden, Bran-
don, Brendanus maior, Brendanus senior) bedeutsam und ein wenig schär-
fer umrissen zur Seite. Diese problemreiche Meerfahrt, die es im Sprach-
gebrauch des Vetus Testamentum auf die terra repromissionum sanctorum,
auf die Insel und das Land der Verheißung, abstellt, kann sich an St. Bran-
dan, einen keltischen Nationalhelden, anlehnen. Alte Sehnsüchte der Mensch-
heit brechen auf, deren inbrünstiger Träger das irische Volkstum wird. Das
europäische Festland hatte damals nicht die Kraft, ein Simile zu schaffen. -
Man weiß, Brandan ist als Abt von ClUain Ferta (Clonfert, Grafschaft
Galway) nachzuweisen. Er war um 484 in der Grafschaft Kerryals älterer
"Sohn des blondgelockten Findlug" 367 (Finlogho, Finloga) geboren. "Der
Herr von Clonfert, dem die Herrlichkeiten der Welt dienstbar sind" 368, "the

387 So angesprochen in der mittelirischen Fassung (11. Jh.) bei Kuno Meyer, Ein mittel-
irisches Gedicht auf Brendan, den Meerfahrer. Sitzungsber. d. Kgl. Preuß. Akad. d. Wiss.
1912, 1, S. 436. - S. ferner M. Förster, Brandan. LThK 2, Sp. 515. Zu den Immrama s.
Richard Hennig, Terrae incognitae. Eine Zusammenstellung und kritische Bewertung
der wichtigsten vorkolumbischen Entdeckungsreisen an Hand der darüber vorHegenden
Originalberichte, Bd. 22• Leiden 1950, S. 99 H. und im Register S. 504, mit vielen Verwei-
sen auf die ältere Br.andanliteratur. - S. auch Paul Tuffrau, Le merveilleux voyage de
Saint Brandan a la recherche du Paradis. Legende latine du IXe siede renouveIee. Paris
1925. - Ausführliche Bibliographie bei Kenney, Sources I, p. 406-420. - Bei Gougaud,
Saints irlandais, p. 6-15, ist Brandan in den Gesamtstrom der irischen Entwicklung ein-
bezogen. Die deutsche Literatur ist umfassend berücksichtigt, auch folkloristische Elemente
sind einbezogen. S. aber noch Schreiber, Wanderkulte, S. 23-27. - Das amerikanische In-
teresse an der Brandanlegende zeigt sich in den Veröffentlichungen von Carl Selmer (New
York), The St. Brendan Legend in Old German Literature. Journal of thc American
Irish Historical Society 32, 1941, p. 161-169; ders., Thc Beginnings of the St. Brendan
Legend on the Contincnt. The Catholic Historical Review 29, 1943, p. 169-176; dem.,
Thc Irish St. Brendan Legend in Lower Germany and on the Baltic Co ast. Traditio 4,
1946, p. 408-413; ders., Israel, ein unbekannter Schotte des 10. Jahrhunderts. Studien und
Mitteilungen z. Geschichte d. Benediktiner-Ordens und seiner Zweige 62, 1950, H. 3/4,
S. 69-86; deTS., The Origin of Br.andenburg (Prussia), the St. Brendan Legend and thc
Scoti of the Tenth Century. Traditio 7, 1949-1951, p. 416-433. - Wertvolle Bereicherung
erfuhr die einschlägige Literatur durch lohn Hennig (Dublin), Irish Saints in Early Ger-
man Literature, p. 366 f.; ders., Irish-German Literary Relations. German Life and Let-
ters, a Quarterly Review, N. S. 3, 1950, p. 102-110, bes. p. 104. 106; ders., A Note on
Ireland's Place in thc Literary Tradition of St. Brendan. Traditio 8, 1952, p. 397-402.
338 Meyer, Mittelirisches Gedicht, S. 436.
64 Georg Schreiber

most romantic figure, perhaps, of all those Irish monks" 369, starb nach
einem vielbewegten Leben am 16. Mai 577 (583).
Er gehört zu jenen erfolgreichen Kolonisatoren und entdeckerischen See-
fahrern, die der altirischen Geschichte ein besonderes Gepräge geben 370. Er
wird zum berufenen Träger eines reich aufgeschlossenen Volkes, das instink-
tiv den Weg zur See, im besonderen zum Atlantik nimmt 371 • Aber auch das
europäische Festland rief.
Die Begegnung Brandans mit Machutus (Maclovius, Maclou, Malo, in der Navigatio
Brendani zuweilen Begleiter des Brandan), dem kultischen Anwalt von St. Malo und der
Bretagne 372, wiederum sein Zusammentreffen mit Columba d. A., dem Gründer des auch
für die irische Kultur auf dem Festland bedeutenden Inselklosters lona (Hy, gegr. 563) 373,
gibt ihm von vornherein ein Anrecht auf kontinentale Geltung. Um ihn weiß zum 16. Mai
das Martyrologium Romanum. Die egressio familiae Brendani vermerkt zudem das Marty-
rologium von Tallaght (9. Jh.) 374. Die Brandanlegende scheint erst im 9. Jahrhundert
entstanden zu sein 375. Als erstes Zeugnis, wenn es sich nicht um spätere Interpolationen
handelt, kann die Vita des genannten h!. Machutus (9. Jh., in der Bretagne entstanden)
gelten, in der dieser Heilige als Schüler Brandans auftritt 370. Spuren der Brandanlegende
finden sich ferner in der Vita Brendani, in der zwei Reisen des Heiiigen nach einem in
einer Vision geschauten unbekannten Land beschrieben werden. Dorthin will er eine Pilger-
fahrt unternehmen S77. Die lateinische Navigatio Brendani hingegen sucht die terra
repromissionum sanctorum auf, nicht als Stätte für ein Einsiedlerleben, sondern als Ziel
einer gottgewollten und zugleich abenteuerlichen Fernfahrt 378. Bemerkenswert will es uns
scheinen, daß in einer irischen Litanei, die wohl dem 10./11. Jahrhundert entstammt, An-
spielungen auf Brandans Reise nach dem "tfr tairngiri" (Land der Verheißung) gemacht
werden 379. Fabuloses und Ungewöhnliches, Märchenmotive und christliche Visionen,

369lohn A. Duke, The Columban Church. Oxford, London 1932, p.53.


3N Richard Benz, Sanct Brandans Meerfahrt. Das Volksbuch erneuert. Jena 1927, S. 77.
Diese übersetzung fußt auf Cod. Pa!. Germ. 60 (Heide1berg), mit einem inhaltreichen
Nachwort.
371 Arthur Kingsley Porter, The Crosses and Culture of Ireland. New Haven 1931, p.5.
372 Dazu A. Zimmermann, Maklovius. LThK 6, Sp. 818 f.; C. losel Merk, Anschauun-
gen über die Lehre der Kirche im altfranzösischen Heldenepos. Phi!. Diss. Halle a. d. S.
1912, S. 83, auch separat in: Zeitschr. f. romanische Philologie, Beih. 4. Halle a. d. S. 1914.
Zum volkhaften und kultischen Nachleben s. Schreiber, Wanderkulte, S. 42 f.
373 S. Kenney, Sources I, p. 409. 422 ff.
374 Ibid. p. 410, n. 140.
37S Ibid. p. 410.
37. Ibid. p. 417.
377 Ibid. p. 411. Die Vita Brendani ist in mehreren Versionen erhalten, die z. T. mit der
Navigatio Brendani vermischt sind. Ibid. p. 412 H. - S. Charles Plummer, Lives of Irish
Saints. 2 vols. Oxford 1922, 11, p. 44-92.
378 Kenney, Sources I, p. 411.
37B Die Hs. stammt aus dem 12. Jh. Charles Plummer, Irish Litanies. Text and Trans-
lation. London 1925, p. 62-63. XX; vg!. Kenney, Sources I, p. 411, n. 141. p. 728.
Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 65

Indisches, Biblisches und Antikes legen sich um einen geschichtlichen Kern. Dabei ist der
Drang in die Weite, ein Grundzug altirischen Wesens, wie angedeutet, unverkennbar 380.
Ein lebhaftes literarisches Interesse für die Brandanlegende zeichnet sich im deutschen
Sprachgebiet erst im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ab. Geradezu grundlegend schuf
earl Schröder sein Buch über Brandan 381. Er brachte den besten lateinischen Text und drei
deutsche Texte (das mitteldeutsche Gedicht» Von sente Brandan", 13./14. Jahrhundert, das
niederdeutsche Gedicht, 15. Jahrhundert, und das Volksbuch von St. Brandan, 15. Jahr-
hundert) 382 der Navigatio Brendani.
Die lateinische Fassung wurde in St. Maximin in Trier in der zweiten Hälfte des
10. Jahrhunderts kopiert 383. Das geschah in der Blütezeit der Abtei. Der Moselstrom

380 In Zusammenhänge der Analogie und der Massenerscheinung führt Günter, Legend!.!
(Register). Doch gestattet die Brandanlegende in Hinsicht auf weitere Vergleichspunkte noch
eine umfassendere Auswertung. Man nehme nur die antiken Vorstufen und ihre überfüh-
rung in das Mittelalter, den Regelvater, der monastische Satzungen von einem Engel
empfängt, die Paradiesvorstellung unter Berücksichtigung der romanischen Kunst (vgl.
etwa das traubengeschmückte Paradies des Paderborner Domes), das mittelalterliche Pro-
blem der Ewigkeit der Höllenstrafen, die vorsorgliche Beschaffung des Reiseproviants
(Benz, Brandan, S. 6 f.) und zum Vergleich den hungrigen Mönch der Columbanregel
(Viller und Rahner, Aszese, S. 207) u. a.
381 Sanet Brandan. Ein lateinischer und drei deutsche Texte. Erlangen 1871, mit nach-
haltiger Verwertung von A. Jubinal, La legende latine de S. Brendaines. Paris 1836. -
Schröders Einleitung erweist sich auch hellte noch wegweisend und anregend. Damit wurde
das sonst gesprächige, aber im Artikel Brandan eigentlich wortkarge Heiligen-Lexikon
von Stadler, 1, S. 511, überholt. Dort auch zum 2. Mai ein Bischof S. Brendanus auf der
Insel Man (9. Jh.) erwähnt, ebenwein Brendanus (Brando), Stifter des Klosters Birr (Co.
King), gest. 561 oder 572.
382 Diese Fassungen sowie ein holländisches Gedicht »De Reis van Sinte Brandaan"
(13. Jh.) gehen unabhängig voneinander auf eine (verlorene) mittelfränkische Quelle
(Mitte des 12. Jhs.) zurück. Hennig, Literary Tradition of St. Brendan, p. 401. - Zu den
Zügen der Legende in der mittelhochdeutschen Literatur (Wartburgkrieg, darin besonders
Rätselspiel, Aurons Pfennig, Zabulons Buch, sowie Lohengrin-Epos) 5. Se/mer, St. Brandan
Legend in Old German Literature, p. 163; Spuren in Niederdeutschland und im Baltikum
deckt auf ders., St. Brendan Legend in Lower Germany, passim. - Wie beliebt die Brandan-
legende in Norddeutschland gewesen sein muß, zeigt der» Till Eulenspiegel": der Schalk
zieht mit dem »haubt sant Brandonus" predigend durch Pommern. H. Knust, Till Eulen-
spiegel. Abdr. d. Ausg. vom Jahre 1515 (Neudrucke deutscher Literaturwerke des 16. und
17. Jahrhunderts, No. 55/56). Halle a. S. 1884, S. 47 f. - Eine ähnliche Episode findet sich
in Strickers »Pfaffe Amis" (um 1215). P. Pipa, Höfische Epik, T. 1-3. Stuttgart o. J. (um
1890), 3, S. 109; s. SelmeT, Origin of Brandenburg, p. 429. - In der deutschen Übersetzung
von Friedrich Dedekinds »Grobianus" durch Kaspar Scheidt spielt einer der Erzähler auf
St. Brandan und den Walfisch an. Abdr. d. 1. Ausg. (1551). Hrsg. von Gustav Milchsack
(Neudrucke deutscher Literaturwerke des 16. und 17. Jahrhunderts, No. 34/35). Halle a. S.
1882, S. 70, v. 2261-2263. Frdl. Hinweis von Herrn Prof. Dr. W. Stammler (Freiburg/
Schweiz). - Verwandtschaft des Inhalts des Parzivalromans mit der Brandanlegende glaubt
~lter Johannes Schröder, Der Ritter zwischen Welt und Gott, Weimar 1952, S. 260 f.,
zu erkennen. - Der Vergleich mit König Rother ist oft gemacht worden. Hennig, Literary
Tradition of St. Brendan, p. 402.
383 Seimer, Beginnings of the St. Brendan Legend, p. 173.
66 Georg Smreiber

momte den äußeren Anreiz geben, sim für die Wasserfahrt zu interessieren. Dazu trat die
Nähe von Emternam, wo für wandernde Irosmotten bereits vor 698 ein Klosterspital
errimtet worden war S84. - Diese Abschrift eines (verlorenen) Manuskriptes aus
St. Emmeram in Regensburg ist die älteste bekannte Handschrift der Erzählung 35\ Nach
C. Se!mer ist es beremtigt, Trier, das zu allem Beziehungen zur Bretagne aufwies, als
Ausgangspunkt der Legende auf dem Kontinent zu betramten 386. England begann seiner-
seits mit einem Gedicht von Brandans Seefahrt, das bald nam 1121 auf Veranlassung
von Aaliz (Adelheid), der zweiten Gemahlin Heinrichs 1., von einem Geistlimen Benedeiz
(Benedikt) niedergesmrieben wurde 387.
Das Anglonormannentum erwies aum hier seine smöpferische Kraft, aber bekundete
ebenso seine ältere Abhängigkeit von der irismen Vorstellungswelt. Irland war eben einer
der stärksten Eckpfeiler der westlichen Kultur, zugleich eine Mutter, die zu geben ver-
momte. über Britannien und die Bretagne, welme nam der Vita von Brandan besumt
wurden 388, ergriff die Legende, wie angedeutet, die Nationalliteraturen: Seit dem 12. Sä-
kulum sind eine altfranzösische, eine provenzalisme, eine flämische, eine mittelnieder-
ländisme, eine altitalienisme, eine gälisme, eine mittelenglisme, eine norwegisme und die
genannten deutsmen Fassungen entstanden 380.

C. Wampach, Emternam. LThK 3, Sp. 522 f.


38·\
385SeImer, Beginnings of the St. Brendan Legend, p. 173 f.; ders., Israel, S. 80. - Das
Ms. Add. 36736 befindet sich nun im Britismen Museum. Kenney, Sources I, p.414.
386 St. Brendan Legend in Old German Literature, p. 162; ders., Beginnings of the St.
Brendan Legend, p. 176.
387 über die Ausgaben 5. Kenney, Sources I, p_ 415 f. - Für die Einwirkung Ir.Jands
auf Britannien s. das immer nom beamtenswerte Werk von]. Lanigan, An Ecclesiastical
History of Ireland. 4 vols. 2nd ed. Dublin 1829, besonders vol. I und vol. II, p. 28 H., wo
"the two Brendans" erwähnt sind. Anderes ist überholt, was aum ein Blick dartut auf
Ryan, Monasticism: Brendan of Birr, p. 118. 122. 175. 324; Brendan of Clonfert im Index
of Persons p. V mit zahlreimen Verweisen, darunter die Herausstellung der Jugend-
gesmimte p. 208. 249; des Fastens p. 393. S. noch Thomas Olden, The Churm of Ireland.
London 1892, bes. p. 71 H.
388 Seimer, Beginnings of the St. Brendan Legend, p. 169 f.
389 Zu den Quellen und Ausgaben vgl. etwa Gustav Schirmer. Zur Brendanus-Legende,
Habilitationssmrift Leipzig 1888; Carl Steinweg, Die handschriftlimen Gestaltungen der
lateinismen Navigatio S. Brendani. Halle a. d. S. 1891; Martha Bälz, Die me. Brendan-
legende des Gloucesterlegendars, kritism hrsg. mit Einleitung. Berliner phi!. Diss. 1909,
mit Hinweisen auf die Vita des Mamutus, auf den Walfisch, der als Altarboden bei der
Messe ·diente; Carl Wahlund, Eine altprovenzalisme Prosaübersetzung von Brendans Meer-
fahrt. Festgabe für Wendelin Foerster. Halle 1900, S. 175-198; ders., Die altfranzösisme
Prosaübersetzung von Brendans Meerfahrt nach der Pariser Handschrift Nat. BibI. fr.
1553 (Skrifter utgivna af K. Humanistiska Vetenskaps-Samfundet i Upsala 4, 3). Upsala
1900, mit reichem Apparat und gutem Register; Carl Voretzsch, Einführung in das Stu-
dium der altfranzösismen Literatur 2. Halle a. d. S. 1913, S. 120. 122; Francesco Novati,
La Navigatio Sancti Bcendani in antico Veneziano edita ed illustrata. Bergamo 1893; De
Reis van Sinte Brandaan, ed. M. Draak, Amsterdam 1948. - Zu den deutschen Bearbeitun-
gen s. Wilhelm Meyer, Die überlieferung der deutschen Brandanlegende 1. Der Prosatext.
Phil. Diss. Göttingen 1918; Ehrismann, Geschidlte d. deutschen Literatur, T. 2, Absmll. 1,
S. 165-167. - S. Kenne)" Sources I, p. 406 f.
Irland im deutschen und abendländischen Sakral raum 67

Heute ist der irische Heilbringer mit seiner Navigatio über erste text-
kritische und philologische Untersuchungen hinaus in große schicksalhafte
Zusammenhänge europäischen Geschehens einbezogen. Man zählt ihn unter
jene Seefahrer, die bereits vor den Normannen (Erich der Rote, Bjarni
Herjolfson, Leif Erikson, insula uvarum, Vinland) tastend versuchten,
westwärts in den Ozean hinauszufahren 390. War doch auf späteren Welt-
karten eine Insel ,,5t. Brandan cc verzeichnet, auf der der Heilige im 6. Jh.
missioniert haben soll 391. Zäh bewahrte das medium aevum frühmittel-
alterliche Überlieferungen. So tritt Brandan, soviel Unbestimmtes und Un-
geklärtes im topographischen Raum dieser Reiseroman auch mit sich führt,
unter die Vorläufer der Kolumbusfahrt. Letztere war nicht nur .durch die
persönliche Kühnheit, durch die außerordentliche Tatkraft und ebenso durch
die nautischen Kenntnisse des Genuesen bedingt, dem das florentinische
Erbe in der Meereskunde und Meerbeherrschung zugefallen war. Diese ent-
deckerische Haltung mußte sich ebenso, wenn sie Verständnis und Unter-
stützung in der aufhorchenden, futuristisch bewegten, aber auch zweifeln-
den Umwelt finden wollte, auf spätmittelalterliche Volksüberlieferungen
und wiederum auf die Kosmographie jener Zeitalter stützen, die von Bran-
dan und verwandten Seefahrten wußten 392. Auch die wachstumsfrohe Sage
und die ungebrochene Volkstradition stehen zeugungsmächtig im Lebens-
schicksal der Nationen.
Weiterhin gehört Brandan, wenn er auf seiner Seereise auf neun Fegfeuer
stößt, zu den bemerkenswerten Vorläufern von Dante 393 • Er teilt den
eschatologischen Zug seines Volkes, der wiederum, wie wir schon sahen, im

390 Hennig, Terrae incognitae II, p. 107.


391 Egmont Zechlin, Maritime Weltgeschichte. Altertum und Mittelalter. Hamburg
1947, S. 265. 399; vgl. SeImer, Origin of Brandenburg, p. 427, mit Hinweis auf die Here-
forder Karte des Richard of Haldingharrr (1275).
392 Mit Recht haben E. und F. Krenn-Gj6gv, Föroyar. Die Inseln des Friedens. Münster

(1944) bemerkt: "Die Suche nach diesen Inseln gab später auch Anlaß zu Entdeckungs-
fahrten nach Amerika" (5. 134 f. Anm. 1). - Vgl. Salvador de Madariaga, Christoph
Columbus. Das Leben des sehr hochmögenden Sefior Don Cristobal Colon. übers. von
Raymond Berenger. Stuttgart 1951, S. 102 H.
393 Dazu Rudolf Palgen, Brandansage und Purgatorio. Heidelberg 1934, S. 28 H. mit

Ausblick auf die altvenezianische Fassung der Brandansage. S. ferner ders., Das mittel-
alterliche Gesicht der Göttlichen Komödie. Heidelberg 1935, S. 40-48, sowie das Kapitel
"Die Seefahrten des hl. Brendan" bei August Ruegg, Die Jenseitsvorstellungen vor Dante
und die übrigen literarischen Voraussetzungen der "Divina Commedia". Ein quellenkriti-
scher Kommentar. Bd. 1. Köln 1945, mit manchen literarischen Verweisen, so auf eh. Plum-
mer, Whitley Stokes, O'Donoghue, E. G. R. waters. - Vgl. Berardis, Italy and Ireland,
p.142.
68 Georg Schreiber

Purgatorium Patricii mächtig aufbricht und der abendländischen peregrinatio


Ziele setzte. So wird der Seefahrer Brandan, der neun Jahre durch die
Wogen gleitet, zur frühen Verkörperung jenes unaufhaltsamen Wander-
dranges, der die Iren im 6. Jahrhundert und weiterhin beseelt. Im Hoch-
mittelalter erfolgten weitere Gründungen des 11. und 12. Säkulums im
Stromgebiet des Main und der Donau. Eine gewisse Bevorzugung der
Bischofsstädte wie auch der großen Verkehrsstraßen ist unverkennbar. Der
stützende Zuzug aus der Heimat hielt lange an. Das Jakobspatrozinium
in Erfurt, Regensburg, Konstanz dürfte überdies, wie bereits angedeutet,
anzeigen, daß von den iroschottischen Niederlassungen auch die Compo-
stelafahrt nach dem galicischen Santiago unterstützt wurde. Diese Hin-
neigung ist wiederum nicht gleichgültig für die Beziehungen der !roschotten
zum Atlantik.
Heute kommt es uns darauf an, wenn wir die Brandan-Odyssee noch
einmal überprüfen, einige spezifisch irische Züge herauszustellen. Die Ver-
breitung der abenteuerlichen und wiederum erbaulichen Legende im deut-
schen Mittelalter war, wie bemerkt, außerordentlich. An der Einbürgerung
und Werbung dürften die iroschottischen Ni,ederlassungen auch der zweiten
Wanderwelleeinen wesentlichen Anteil genommen haben. Daß sie bewußte
Träger der Brandansage waren, wird jedenfalls aus einer Polemik bekannt,
die Nikolaus von Bibra, Theologe, Dichter, Satiriker in Erfurt (t 1307),
vornimmt S94 • Er schildert in seiner ausfallenden und oft frivolen Art trun-
kene Schottenmönche, die Brandan ungebührlich herausstellen. Sie kenn-

1550. Sunt et ibi Seoti, qui eum fuerint bene poti,


;1"1
Sanetum Brandanum proclamant esse deeanum
In grege s~netorum, ve1 quod deus ipse deorum
Brandani frater sit et eius Brig1da mater.
Sed vulgus miserum non eredens hoc fore verum.
1555. Estimat insanos Seotos simul atque profanos
Talia dieentes. Aeeedant seire volentes.
Ex evangelieo textu probo quod tibi dieo:
Qui non delinquit, sed qui perfeeerit, inquit,
Velle mei patris, illum voeo no mine fratris.
1560. Immo meus frater est et soror et mea mater.
Sie saneti quique, qui regnant hie et ubique,
Et possunt fratres simul et Christi fore matres,
Si non ignores, et possunt esse sorores.
Sie Brigidam matrem, Brandanum dieite patrem.
1565. Nam perfeeerunt, queeunque deo plaeuerunt.
Nach Nieolai de Bibera Carmen satirieum, hrsg. von Th. Fischer, Erfurter Denkmäler
(Geschichtsquellen der Provinz Sachsen. 1). Halle 1870, S. 90; ebenfalls bei Schröder, Sanet
Brandan, S. IV; ferner bei Paul von Winter/eid, Deutsche Dichter des lateinischen Mittel-
Irland im deutschen und abendländ,ischen Sakral raum 69

zeichnen diesen Sanctus sogar als Bruder des Herrgotts. Mehr als das, sie
erklären überdies, Brigida, die große irische Heilbringerin, sei des Herren
Mutter. Man weist also der Abtissin von Kildare eine marianische und
matriarchalische Rolle zu 395. Natürlich sind die Bemerkungen von Nikolaus,
dem Verfasser des zuweilen ätzenden Zeitgedichts "Occultus", überspitzt
und übertrieben, ja sie berühren die Bereiche des Blasphemischen.
Derart erlebt man den Zusammenstoß zweier Fronten: Der kritische
Frühhumanist, vielleicht Lehrer an einer Schule in Erfurt, wehrt sich gegen
Volksüberlieferungen, die von den Iren her auch auf dem Festland auf-
bereitet sind. Hatten doch diese Iren nicht bloß an den Küsten der Nord-
und Ostsee Fuß gefaßt, die leichtere Einfallstore auf dem Seeweg bedeu-
teten, sondern auch in Mitteldeutschland hatten diese keltischen Traditionen
irgendwiesich angesiedelt. Dabei mochten sich Mißverständnisse und über-
treibungen eingeschlichen haben. Dazu empfand man die Iren als Fremd-
linge. Die weniger bearbeitete Geschichte des Fremdenrechts mag sich auch
um solche bezeichnenden Züge kümmern, zu denen auch die überfremdung
der ersten Generation zisterziensischer und prämonstratensischer Konvente
gehört. Wenn Brigida in diese Zusammenhänge eingeführt ist, mag man
daran denken, daß ihre Verehrung, wie wir sahen, im deutschen Raum weit
entwickelt war. So gab sie sich für solche Diskussionen keineswegs als Un-
bekannte.
Der Erfurter Raum scheint so recht ein Kultzentrum der Brandandevotion gewesen
zu sein. Dafür spricht die leidenschaftliche Haltung des Anklägers. Sie ist übrigens auch
ein bemerkenswerter Beitrag zu den Spannungen, die für das 13. Jahrhundert vielerorts
das Verhältnis zwischen Weltklerus und Ordensklerus bestimmen. Erfurt zählte drei
mittelalterliche Kirchen der Bettelorden. Zum anderen mag man bedenken, daß gerade
die wichtigste Stadt des Thüringer Vorlandes ein bedeutender Verkehrsmittelpunkt ist,
auch für Straßenzüge, die zur Ostsee und Nordsee führen, zwei Seegebieten, die Brandan
als Schutzherrn des Meeres kannten und Kultstätten aufrichteten 396. Zum weiteren wol-
len patrozinienkundliche Momente gewürdigt sein. In der Pfarrkirche des thüringischen
Gräfenthal (Großarchidiakonat Erfurt, Landkreis Saalfeld) war Brandan Altarpatron.
Wohl zwischen 1516 und 1519 - es ist dieses die Zeit zahlreicher Wiegendrucke der
Brandanreise - muß die Gründung dieser ecclesia S. Brandani erfolgt sem. Sie war im

alters. München 1913, S. 429 f. Siehe dazu auch Gougaud, Saints irland ais, p. 9 s. - VgJ.
K. BihlmeycT, Nikolaus v. Bibra. LThK 7, Sp. 574; Joseph Scholle, Das Erfurter Schot-
tenkloster. Düsseldorf 1932, S. 28. - Auf einen anderen Autor aIs Nikolaus zielt Aloys
Schmidt, Untersuchungen über das Carmen satiricum occulti Erphordensis. Sachsen-An-
halt 2, 1926, S. 76-178.
395 Schräder, Brandan, S. IlI; vgl. oben.
396 Selmer, St. Brendan Legend in Lower Germany, p. 409-413.
70 Georg Schreiber

übrigen von der Wüstung des am Nordfluß des Goldbergs gelegenen Poppersdorf nach
Gräfenthal verlegt worden 3.,.
Daß in anderen deutschen Kultzentren irische Traditionen sich fortsetzten, mag vor
allem das Beispiel Würzburg zeigen. An das volksmächtige Weiterleben der kehischen
Heilbringer Kilian, Kolonat und Totnan erinnerte dort neuerdings (1952) die eindrucks-
volle Ausstellung Franconia Sacra in Würzburg, die bemerkenswerte historische Zeug-
nisse vermittelte. Darunter befanden sich älteste Schriftdenkmäler des Altirischen (Kom-
mentare zu lateinischen Paulusbriefen, kommentiertes MatthäusevangcIium, 8. Jh.) 397a.
Für Mainfrankcn mag man sodann beachten, daß Brandan dem benachbarten Bam-
berger Festkalender seit dem 11. Jahrhundert angehört. So leitete der Mainstrom irische
;-"10tive 398.
Wenn Verkehrswege über Westfalen, wo er Patron der ersten Vikarie zu Wellinckhoven
war 399, zum Rhein in frage stehen, muß man davon Kenntnis nehmen, daß ein Kalendar
des St. Severinstifts in Köln aus dem letzten Drittel des 12. Jahrhunderts sein Fest
kennt. Für einige Jahrzehnte verschwindet jedoch sein Name aus den Kalendarien der Erz-
diözese, um erst im 14. Jahrhundert wiederzukehren 400. Es ist ja die gotische, im besonde-
ren die spätgotische Zeit, in der mehr als eine Devotion wieder erstarkt.

Das sind jene spätmittelalterlichen Zeitalter, in denen sich die über-


setzungen und Bearbeitungen des legendarischen Materials mehren. Das
sind ebenso jene Jahrhunderte, in denen Kosmographien und Weltkarten
die Sanct-Brandans-Insel bzw. -Inseln (fortunatae insulae Brantani) auf-
weisen, die die Seefahrer des 15. Jhs. entdecken wollen 401. Näherhin er-
innere man sich der übertragung (1488) des Brandantextes durch den viel-
interessierten Johann Hartlieb von München, ebenso der Anwesenheit
Brandans im Lübecker Passional 402.
Wiederum nehme man die Volksbücher mit ihrer Prosaerzählung. Sie
haben unter höfischen Einflüssen und unter Einwirkung der Spielmanns-
dichtung, ebenso unter Mitwirkung der Mendikanten - man nehme nur
ähnliche Erscheinungen in der Ausgestaltung deutscher Geschichtsquellen -

an Näheres bei Martin Hannappel, Das Gebiet des Archidiakonates Beatae Mariae vir-
ginis Erfurt am Ausgang des Mittelalters. Ein Beitrag zur kirchlichen Topographie Thürin-
gens (Arbeiten zur Landes- und Volksforschung, hrsg. von dem Institut f. geschieht!. Lan-
deskunde an der Universität Jena, Bd. 10). Jena 1941.
397a Aubrey Gwynn, Thc Continuity of the Irish Tradition at Wurzburg. Herbipolis

j~bilans, S. 57-81, bes. S. 58 f.; Bernhard Bischof! und fosef Hofmann, Libri Sancti
Kyliani (Quellen u. Forschungen z. Gesch. d. Bistums u. Hochstifts Würzburg, Bd. VI).
Würzburg 1952, S. 11, 98 f.
398 Lagemann, Bamberg, S. 71.
399 Kampschulte, Kirchen-Patrocinien, S. 85.
400 Zilliken, Festkalender, S. 70.
40t Zechlin, Maritime Weltgeschichte, S. 399.
402 Seimer, St. Brendan Legend in Old German Literature, p. 164; Benz, Brandan, S.78.
Irland im deutschen und abendländischen Sakral raum 71

das Abenteuerliche und Außerordentliche noch stärker zu betonen gewußt.


Von 1476 bis 1521 wird Brandan dreizehnmal gedruckt 403 •
Die Städte der Hanse und die Reichsstädte nehmen anscheinend an der Verbreitung
einen besonderen Anteil; waren sie doch Mittelpunkte des Verkehrs, damit Leuchttürme
des Ausblid.s auf das Ausland 404. Brügge, Quartierstadt der Hanse, hat seinen Kult bis
zur Gegenwart bewahrt 405. Die hansisch bewegte Ostsee war umsäumt mit Stätten der
Devotion, in Lübed., Rostod., Stralsund, im Zisterzienser kloster Padis bei Baltisch-Port,
in Helsinki mit der schwedischen Maria-Kirke 406. Auch in das Innere des Landes reichte
sein Kult (Schwerin, Wittenburg, Güstrow, Malchin in Mecklenburg, Wittstock in Branden-
burg) 401. Verstreute Einzelbeobachtungen, ,die bei Gougaud und Selmer gesammelt sind,
wären in eine Geschichte der hansischen Sakralkultur einzubeziehen, die über erste Ansätze
hinaus noch zu schreiben ist. Nach earl Selmer ist es wahrscheinlich, daß der Name der
948 gegründeten Mark Brandenburg im Hinblid. auf den irischen Heiligen gewählt
wurde 408, In die Taufnamengebung trat er an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit
in Mecklenburg ein 409, Aber auch die allgemeinere Namenforschung ist interessiert, da
der Name Brandan in den verschiedensten Nationen auftritt 410.
Seine Verehrung zog sich in die Kreise der Handwerker. So war er Patron der Lüne-
burger Bader 411. Ihre Gilde war die Brendani-Gilde 412. Diesem Patron zu Ehren ließen die
Bader 1479 samt ihren Frauen, Knechten und Mägden zwei herrlich vergoldete Lichter-
bäume für Prozessionszwed.e anfertigen 413. Diese Lichterbäume machen uns darauf auf-
merksam, daß man Brandan mit der Kultur der Kerze in Beziehung setzt. Diese Bader
übten im übrigen ärztliche Funktionen aus. So rüd.t Brandan an die Seite der Medizin-
heiligen, etwa von Kosmas und Damian, die ebenfalls in den Städten der Hanse (Bremen,
Hamburg, Lübed., Emden, Danzig, Brügge, Köln u. a.) eine aufmerksame Devotion
fanden. Mittels W'clsser bringt er die Heilung vom Schlangenbiß 414. Bemerkenswert ist
sicherlich, daß bei dem Seefahrer das Wasser als Medium erscheint. Allerdings, der große
Arzt und Laientheologe Arnold (Arnald) von Villanova (gest. Ende 1311) glaubt nicht

403 Benz, Brandan, S. 78 f.; Gesamtkatalog der Wiegendrud.e, Bd. 4. Leipzig 1930,
S. 608-611, nr. 5004-5011 hochdeutsche Drud.e und 5012 die niederdeutsche Fassung.
404 Selmer, St. Brendan Legend in Lower Germany, passim. - Zu der geistigen Aus-
strahlung der Hanse s. Karl Pagel, Die Hanse. 2. Auf!. Braunschweig 1952, wo allerdings
ein Hinweis auf die Brandanlegende fehlt.
405 Gougaud, Saints irland ais, p. 13.
406 Ibid.
407 Selmer, St. Brendan Legend in Lower Germany, p. 410.
408 The Origin of Brandenburg, passim.
409 Gougaud, Saints irland ais, p. 13.
410 Darüber W'ahlund, Brendans Meerfahrt, S. 227 f., mit manchen Hinweisen: für Eng-
land Admiral Brenton, ferner der Duke of Brandon, für Italien und Deutschland Brentano;
für Portugal Brandäo.
411 E. Bodemann, Die älteren Zunfturkunden der Stadt Lüneburg. Hannover 1883,
S.24.
412 W. Reinecke, Geschichte der Stadt Lüneburg. 2 Bde. Lüneburg 1933, 1, S. 423.
413 Ebd. 2, S. 94.
414 Franz, Benediktionen 2, S. 174.
72 Georg Schreiber

daran 415. - Er war weiter Patron der Lübetker Schmiede 416. Hier vollzieht sich eine Ein-
wirkung der Brandanlegende. Bringt sie doch eine eindringliche Schilderung der Schmiede-
insel 417. Die Legende trat hier, wie so oft, zum Leben und im besonderen zum Gewerbe.
Der Name Brandan rütkt auch in das iudicium in psalterio, in das Gottesurteil der
Psalterprobe. Sie ist für das 12. Jahrhundert überliefert. Die Handschrift des Clm 100
stammt nach Adolph Franz wahrscheinlich aus prüm. Nach dem dort angegebenen Ritus
bittet der Priester, daß das Psalterium sich dem Sonnenlauf entsprechend von Osten nach
Westen bewege. Dabei werden die HeiHgen Chrysanthus und Daria, aber auch Brandan
angerufen 418. Die ersten beiden Heiligen sind zwei berühmte römische Martyrer, wahr-
scheinlich aus dem Zeitalter Diokletians. Prüm besaß von beiden Heil bringern Reliquien,
die 844 nach Prüm kamen, andere kamen 848 nach Münstereifel 419 • Wie konnte sich
Brandan dazu gesellen? Gewiß nicht von römischen Ausgangspunkten. Vielmehr ist anzu-
nehmen, daß seine Verehrung im Gebiete der Reichsabtei Prüm, also eines berühmten
Kultzentrums, und darüber hinaus im 12. Säkulum lebendig war. Aber ein zweites Mo-
ment will noch beachtet sein. Die beiden Eifelheiligen werden gegen ungerechte Richter
angerufen 410. Dieses Motiv der ungerechten Richter behandelt aber auch die Brandan-
legende, wenn deren Bestrafung erörtert wird 421.
Der Kult des irischen Seefahrers griff auch nach Oberdeutschland, besonders in Land-
schaften, die ein Strom durchzieht. Man nehme nur für das Donaugebiet die dioecesis
Ratisbonnensis. Ein Regensburger Kalendar des 11. und 12. Jahrhunderts verzeichnet ein
Gebet, als dessen Verfasser Brandanus angesprochen wird. Diesem Gebet wird eine be-
sonders wundertätige Kraft zugeschrieben. Man wird geradezu an verwandte und enthu-
siastische Würdigungen besonders "kräftiger" Gebete im Barotkzeitalter erinnert, wenn es
an der bereits gekennzeichneten Stelle für das Hochmittelalter heißt: Brandanus monachus
/edt istam orationem de uerbo dei. per michaelem archangelum dei. quando trans/retauit
septem maria. et data est itli ista oratio post VI/tem annos paschae quaerens i"lsulam
repromissionis. et celebrauit pascha supra mare septem annis continuis 422. Es will ver-
merkt sein, daß Michael als Mittler eingeschoben wird, der auch in der Navigatio Brandani
genannt wird 423. Man beachte ebenfalls die Siebenzahl der Zahlensymbolik 424, auch die
Herausstellung des Oster/estes 42fi • Wer die Praxis der Oblationen ,an französischen Eigen-
kirchen durcharbeitet, kann nur feststellen, daß gerade Ostern schlechthin das festurn

M. Grabmann, Arnald v. Villanova. LThK 1, Sp. 683 f.


415
C. Wehrmann, Die älteren Lübetker Zunftrollen. Lübetk 1884, S.234.
416
417 Benz, Brandan, S. 40 f.
418 Franz, Benediktionen 2, S. 362 f. 391.
419 Samson, Kirchenpatrone, S. 164; }. P. Kirsch, Chrysanthus und Daria. LThK 2,
Sp. 948 f.; Braun, Tracht, Sp. 173 H.
420 Kerler, Patronate, S.295.
421 Benz, Brandan, S.20, wenn der Teufel bemerkt: "Denn diese sind in der Welt un-
rechte Richter gewesen und haben nichts Gutes getan." - Wir ergänzen hier Heinerth,
Heilige und Recht, S. 32 f.
421 Lechner, Bayern, S. 207, mit Hinweis auf Clm 13067.
423 Benz, Brandan, S.29.
424 S. unten.
425 S. unten.
Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 73

praecipuum, das volkstümlichste Fest des Kirchenjahres ist. Dazu begann ein neuer Zeit-
abschnitt. Es folgt in der gleichen Quellenstelle noch ein Hinweis auf die besondere Kraft
des Gebetes. Wenn bestimmte rituelle Voraussetzungen eingehalten werden, wiegt nach
dem Volksglauben dieses Gebet soviel wie 100 Psalter, wie 100 Messen, wie 100 Gebete
für Verstorbene 426. Man beachte weiter den Vermerk, daß der Spiritus Sanctus dieses
Gebet Brandan eingehändigt habe. Diese Wendung gemahnt an eine andere hochmittel-
alterliche Auslassung, die regula S. Benedicti sei ebenfalls vom Heiligen Geist diktiert 427 •
Wenn übrigens Regensburg derart herausgestellt ist, mag man sich daran erinnern, daß..
wie bereits erwähnt, das Schottenkloster 1075 dort durch Marianus Scotus (Muiredach)
errichtet wurde 428. Wiederum in deutsche Stromgebiete führen Konstanz und Basel. Die
Brandankapelle in Basel war eine der äiltesten Kirchen der Stadt. Der Heilige hieß hier
Brandolph. Von Basel her erfahren wir, daß er abgebildet wird mit einem Fisch oder
mit einer Kerze 429. Ersteres Attribut erinnert an Jie Seefahrt. Die Kerze ist zudem im
Brigidakult heimisch. Im Straßburger Kalendar erscheint er im späteren Mittelalter 430.
Wenn übrigens Konstanz und Basel als Kultstätten anzusprechen sind, mag man daran
denken, daß sie Nachbarbistümer von Straßburg waren. Die Verehrung in der Diözese
Straßburg aber mochte durch das Schottenkloster Honau zum bl. Michael auf der Rhein-
insel Hohe Aue, unterhalb Straßburgs, angeregt sein. Dieses Zönobium war, wie oben
mitgeteilt, 721 gegründet worden. Die sechs ersten Kbte trugen meist keltische Namen 431.
St. Michael ist, um das zu wiederholen, in der Brandanlegende ausdrücklich als Seelen-
geleiter erwähnt 432. Man mag dabei der Einwirkung des Vorderen Orients gedenken.
Die Attribute, die bei Jos. Braun nicht verzeichnet sind 433, gehen nach der Seite der
Fische, um diesen Punkt nochmals zu berühren, auf die Legende zurück. Wird doch be-
richtet, daß die Meerestiere wütend herbeikamen, als er auf dem Schiff die Messe las.
Er bändigte sie, und sie hielten aus, "bis Sanct Brandan sein Amt vollbracht hätt" 434.
Die Messe erweist auch an dieser Stelle nach der Volksmeinung ihre Kraft über böse
Mächte. Sie errettet zudem in der mittelalterlichen Volksvorstellung aus Nöten und

426 Veraciter dico. ut quicunque cantauerit orationem istam pro se ipso aut pro alllico
suo. peccata remittuntur illi & saluus erit de poenis futuris. siue uiuus fuerit siue defunctus.
Valet ista oratio si fuerit decem uicibus cantata flexis genibus. aut prostato corpore.
centum psalteria. centum missas. & centum commendationes. Auctoritas spiritus sancti
docebat brandanum istam orationem. Certum est hoc. Lechner, Bayern, S. 207.
427 Georg Schreiber, Prämonstratenserkultur des 12. Jahrhunderts, in: Analecta Prae-
monstratensia 16, 1940, p. 41-107, bes. p. 95.
428 Fuhrmann, Monasteries, p. 86 H.; F. Heidingsfelder, Marianus Scotus. LThK 6,
Sp. 919 f.
429 Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, Bd. 1 (Die Kunstdenkmäler der
Schweiz, Bd.3). Basel 1932, S.287.
430 S. auch Schröder, Brandan, S. IV mit Anm. 3.
431 J. Sauer, Honau. L ThK 5, Sp. 132 f.
432 Benz, Brandan, S. 29. - Andere orientalische Volksheilige bei Franz Dölger, Byzanz
und das Abendland vor den Kreuzzügen, in: Relazioni dei X Congresso Internazionale
di Scienze Storiche (Roma 4-11 settembre 1955), vol. I1I. Firenze 1955, p. 67-112,
bes. p. 93.
433 Tracht.
431 Benz, Brandan, S.50.
74 Georg Schreiber

Lebensgefahren 435. Daß Brandan Handwerkspatron war, ist durch seine Tätigkeit beim
Schiffsbau nahegelegt: "Und machet den Kiel nach Noes Arch" 436. Nach allem wurde
er auch Patron der Schiffer und Seefahrer. Hierauf mochte vor allem die Ostsee, wo
seine Patrozinien stärker verbreitet sind, einen Anspruch machen. Er trat damit in einen
gewissen Wettbewerb mit St. Nikolaus, dem bedeutsamsten Schifferpatron des Baltischen
Meeres, während die Nordsee anscheinend mehr Jakobus d. K. zugehörte 437. Doch erscheint
auf der westfriesischen Insel Terschelling der Turm ("Brandaris") einer verschwundenen
Brandanskirche (13. Jh.) 488.
Auch die Frauenwelt zeigte ein besonderes Interesse für Fernfahrten.
Man mag daran denken, wie die Königin Elisabeth von Ponugal (t 1336)
zweimal nach Compostela pilgerte 439. Andererseits begab sich Birgitta von
Schweden (t 1334) auf die Fernwallfahrt nach dem gleichen galicischen
Heiligtum, auch nach Rom und zum Hl. Land 440. So wurde vom Standort
der peregrinatio, aber auch vom Heldenepos und von der Spielmannsdich-
tung manche Geneigtheit ausgelöst, sich mit der Brandans/ahrt zu befassen.
Da hören wir von der Bibliothek einer adeligen Dame Elisabeth von Vol-
kenstor/ aus dem ausgehenden 15. Jh. Diese Bücherei verzeichnet Frauen-
leben (Katharina, Elisabeth, Margaretha) und Viten der zwölf Boten, also
der Apostel, ebenfalls Kußerungen der Volksfrömmigkeit (sieben Freuden
Mariens, marianisches Offizium), alles Motive, die für die spätgotische Zeit
marakteristisch sind. In dieser Bücherei befindet sich mit einer gewiß stär-
keren Wendung ins Profane auch Brandan 441. Die Existenz einer Brandans-

'~5Franz, Messe, S. 8 H.; Schneider, Messe, bei Bächtold-Stäubli 6, Sp. 187-189.


Benz, Brandan, S.6. Man nehme hierzu die Quellenstellen: "Vita prima S. Bren-
-136
dani 15: ,S. Brendanus eum suis praeparatis ferramentis praeparaverunt naviculam levis-
simam eostatam atque eolumpnatam ex pino arbore ... , et eooperuerunt eam choriis bovinis
rubrieatis, et Iinierunt omnes iuneturas pellium exterius' (Charles Plummer, Vitae Sane-
torum Hiberniae. 2 tomi. Oxonii 1910, I, p.l07.) - Vita seeunda 5: ,Hie abbas quam
plurima attraxit ad ratern suam struendam, quam ex asseribus intrinseeus eompegit, et
extrinseeus eoriis bovinis eireumtexit, et supra piee linivit, ut viam reetam per undarum
ebuIlitum dirigeret' (ibid. II, p. 272)." Mitgeteilt bei Neubner, Handwerker, S. 140. - Auch
seine Tätigkeit an der Handmühle wirkte auf seinen Handwerkspatronat ein. Ebd. S. 134.
437 Schreiber, Deutschland und Spanien, S. 115.

438 Frdl. Mitteilung aus dem Museum in Emden durch Herrn Direktor Dr. Schöningh;
,-gI. K. Schiller und A. Lübben, Mittelniederdeutsches Wörterbuch 1. Münster 1931, S. 414.
439 Schreiber, Deutschland und Spanien, S.247.
UD J. Metzler, Birgitta. LThK 1, Sp. 366.
441 A. Schultz, Deutsches Leben im 14. und 15. Jahrhundert. Leipzig 1892, 2, S. 519,
Anm. 1: "Sand Kathrein marter, St Elspeten leben, der czweliffpoten leben, die siben
frewd unser fraun, unser fraun tagzeit, St Margarethen marter, von St Brandon" . Dazu
auch Hermann Siebert, Beiträge zur vorreformatorischen Heiligen- und Reliquienver-
ehrung (Erläuterungen und Ergänzungen zu Janssens Geschichte des deutschen Volkes,
hrsg. von Ludwig Pastor, 6, I). Freiburg i. Br. 1907, S. 48.
Irland im deutsdten und, abendländisdten Sakral raum 75

Insel erhielt sich, wie angedeutet, vor allem in den Anliegerstaaten des
Atlantik, in Portugal und Spanien. Nach diesem Eiland versetzte man
Fürsten, deren Gedächtnis sagenhaft umwittert war, jenen Westgoten-
könig Roderich, der 711 in Xeres de la Frontera gegen die Mauren fiel; auch
jenen König Sebastian von Portugal, der ebenfalls im Kampf gegen den
Islam 1578 bei Alkassar sein Leben ließ. Mit ihm ging die Volkshoffnung
auf eine Wiederkehr, so daß falsche Sebastiane auftreten konnten 442. So
steht dieses Eiland des Brandan als Volkszuversicht in Parallele zum stau-
fi-schen Untersberg und Kyffhäuser. Noch 1721 ging eine Expedition vom
spanischen Santa Cruz in Teneri/fa ab, um dieses immer wieder angegan-
gene Eiland, die lsla de San Borondon, zu finden 443. Es ließ die Zeitgenos-
sen nicht los. Man nehme zu allem noch die Feststellung, daß auch das see-
mächtige Venedig Erinnerungen an St. Brandan pflegte m . Fand sich doch
eine altvenetianische übersetzung ein.

17. Die zweite Kolumbusreise


Man brachte die Brandansfahrt überdies, was die Forschung weniger
herausstellte, in Verbindung mit den Kolumbusreisen. Darauf lenkt den
Blick der Abt Kaspar Plautz (1610-1627) vom niederösterreichischen Stift
Seitenstetten 445. Unter dem Decknamen Honorius Philoponus hat er sich
1621 über die zweite Kolumbusreise in einer sehr bemerkenswerten Schrift
verbreitet, die vom Standpunkt des Mathematikers und Naturwissenschaft-
lers (auch Pflanzenkunde und Sinn für Folklore) geschrieben ist. Der Titel
ist in der ausladenden Art des Barock gehalten:
NOVA TYPIS TRANSACTA NAVIGATIO. NoviOrbislndid!
Occidentalis ADMODUM REVERENDISSIMORUM PP. ac FF. Reve-
rendissimi ac Illustrissimi Domini, Dn. BVELLII CATALONI Abbatis
montis Serrati, et in universam Americam, sive Novum Orbem Sacrd! Sedis
Apostolicd! Romand! a Latere Legati, Vicarii, ac Patriarchd! : Sociorumque,
Monachorum ex Ordine S. P. N. Benedicti ad supra dicti Novi Mundi

442 Schröder, Brandan, S.5.


443 Porter, The Cross es and Culture of Ireland, p. 6.
444 S. oben.
445 über Seitenstetten s. P. Ortmayr, Seitenstetten. LThK 9, Sp. 433 f.; Petrus Ortmayr
und Aegid Decker, Das Benediktinerstift Seitenstetten. Ein Gang durdt seine Gesdtidtte.
Wels 1955, S. 193 H. Dem Herrn Abt von Seitenstetten, der mir vor 20 Jahren die
Schrift zur Einsidtt überließ, habe ich sehr zu danken, dem hodtw. Prälat Dr. Theodor
Springer.
76 Georg Schreiber

barbaras gentes Christi S. Evangelium prtEdicandi gratia delegatorum


Sacerdotum. Dimissi per S. D. D. Papam Alexandrum VI. Anno Christi.
1492. NVNC PRIMVM E variis Scriptoribus in vnum collecta, et figuris
ornata. AVTHORE Venerando Fr. Don HONORIO PHILOPONO
Ordinis S. Benedicti Monacho. 1621.
Dieses Titelbild zeigt verschiedene Embleme und Sinnbilder, die die Ent-
deckungen und Missionen jener Zeit mit sich führten. Im unteren Teil wird
der Blick des Beschauers in den strömenden Ozean gelenkt, der in einer
Nordsüdlinie geboten wird. Die neuentdeckten Länder India und America
stellen seine Randgebiete dar. Getier und Vegetation, die diesen Ländern
eigen sind, werden beigegeben. Verschiedene Schiffe kreuzen auf diesem
Meer. In Medaillons finden sich der Pelikan und der Phönix ein 446. Sym-
bolisch wirken der Anker und ebenfalls ein Ruderboot, desgleichen die Erd-
kugel, an der mit religiösen Motiven die Überwindung des Todes und des
Satans dargestellt wird. Weit bedeutsamer noch lassen sich aber die bei den
Figuren an, die links und rechts von der Titelgebung sich abzeichnen. Da
erscheint auf der rechten Seite Buellius Catalonus. Es ist das jener bekannte
Abt von Montserrat (Bernhard von Bueill), der Kolumbus auf seiner zwei-
ten Reise 1493 begleitete 447. Zu Füßen des Abtes Buellius kniet ein Indianer,
der getauft wird. Links vom Buchtitel erscheint S. Brandanus mit dem Abts-
stab. Auch an seiner Seite befindet sich genau wie bei Buellius eine Palme
als Attribut des Übersee-Gebietes. Lehrhaft streckt er seine Hand aus. Er
wirkt mit seinem Zeigefinger wie ein Katechet. Die Brandans-Vorstellung
griff also, wie schon bemerkt, in das 17. Jh., ja in Spanien, wie an-
gedeutet, noch ins 18. Säkulum. Derartig zäh behaupteten sich Volksüber-
lieferungen, um Entdeckungsreisen zu begünstigen. In der Tat war Brandan
nicht bloß eine literarische Erinnerung, sondern ein Heilbringer, der weite
Gebiete des Volkhaften am Ausgang des Mittelalters umklammert hatte.
Was Buellius betrifft, wird allerdings in der namhaften Kolumbus-Dar-
stellung des amerikanischen Historikers Samuel Eliot Morison sein Wirken
in missionarischer Hinsicht als unfruchtbar angesprochen 448. Die spanische

446 Zum Phönix-Motiv im Zusammenhang mit Entdeckungsfahrten s. Schräder, Bran-


dan, S.45.
447 Näheres bei Schreiber, Deutschland und Spanien, S. 329 f.; vgl. noch ders., Der
Montserrat im deutschen Erinnerungsbild (Spanische Forschungen, 1. Reihe, Bd. 7). Münster
1938, S.228-292.
448 Admiral of the Ocean Sea. A Life of Christopher Columbus. 3. vols. Boston 1946,
I, The Second Voyage to America, p. 389 H. Siehe ferner im Register II, p.51, 57, 94,
103, 115, 166-167, 175.
Irland im deutschen und aberulländ!schen Sakralraum 77

Königsfamilie hatte ihm das Bekehrungswerk besonders anvertraut. An


seiner Seite erscheint ein Hieronymit namens Ramon Pane, der dem indiani-
schen Volkstum eine folkloristische Aufmerksamkeit zuwandte. Dazu tra-
ten drei Franziskaner, die aus der Pikardie und aus Burgund stammten, an-
scheinend aus dem spanischen Herrschaftsbereich. Diese Geistlichen führten
alle Gebrauchsgegenstände mit sich, um die erste Kirche in der neuen Welt
entsprechend auszustatten. Diese Utensilien waren das Geschenk der Köni-
gin. Buil feierte eine erste Messe auf westindischem Boden am Epiphanie-
tag, am 6. Januar 1494. Die erste Taufe eines Indianers fand erst am
21. September 1496 statt, und zwar durch Ram6n Pane. Im übrigen stand
Buil nach Morison den Indianern hart und schroff gegenüber, während
Kolumbus eine mildere Auffassung vertrat 449. Buil wurde auch am Königs-
hof zum Ankläger gegen Kolumbus.
Es bleibt von der Forschung noch festzustellen, inwieweit die Haustradi-
tion und die benediktinischen Überlieferungen ein günstigeres Bild für Buil
erbringen. Die Erwähnung bei Philoponus, die Morison unbekannt blieb,
zeigt jedenfalls eine freundlichere Note. Der Autor freut sich, über ein her-
vorragendes Mitglied des Benediktinertums berichten zu dürfen. Ja, das
Widmungsblatt seines Werkes Nova Typis Transacta Navigatio Novi
Orbis Indiae Occidentalis zeigt Buellius im Vordergrund der beigegebenen
und zahlreichen Ordensgeistlichen, die wohl sämtlich als Träger der regula
S. Benedicti anzusprechen sind. Es war im Zeitalter des Philoponus das
Interesse an Überseeheiligen inzwischen recht erstarkt (Franz Xaver) 450. So
mochten die Benediktiner den Abt von Montserrat ungern missen.
Der Abt trägt ein großes Kreuz, das man zur Besitzergreifung ver-
wandte 451 • Er steht bezeichnenderweise am Land, während sich das Schiff,
das ihn trug, am Ufer befindet. Dieses Kreuz bringt gleichzeitig spirituelle
Beziehungen zum Ausdruck. Dieses Widmungsblatt zeigt im übrigen den
Admiral Kolumbus in hervorragend betonter Stellung auf seinem Flagg-
schiff inmitten einer kriegerischen und geschäftigen Besatzung.
Dem Druck des Philoponus sind eine Reihe von recht bemerkenswerten Stichen bei-
gegeben, die wiederum das Brandan-Motiv veranschaulichen und umsäumen. Dahin gehört
vor allem ein Blatt, das zunächst kosmographisch bemerkenswert ist. Es zeigt einmal

449 "Buil, initiator of a 'hard boiled' policy towards the Indians, was a bad egg indeed.
He and the other friars under his orders had done absolutely nothing to convert and
instruct the docile Tainos, who lived near Isabela.~ Morison, Admiral of the Ocean Sea I,
p. 481 H.
450 Dazu Schreiber, Deutschland und Spanien, S.172.
451 Ebd. S. 511 im Register.
78 Georg Schreiber

Spanien mit dem "Cabo Finis Terrae». Damit wird die Erinnerung an die Fahrt nach
Santiago de Compostela wach, zu dem mehrere Jahrhunderte die abendländischen Pilger
strömten. Auch diese Fahrten zum westlichen Kap der Peninsula gehören zu den mittel-
baren Vorbereitungen der Kolumbusfahrt 452. Wurden doch Sehnsüchte geweckt, westlich
zu fahren. "Von Sant Jacob ritt wir auss gen Finstern Stern, als es dann die bauren
nennen, es heißt aber Finis terrae. Do sicht man nichts anders essethinüber dann himel
und wasser, und sagen, das das mer do so ungestüm sey, das niemand mug hinüber faren,
man wiss auch nit, wass dogesset sey. Als man uns saget, so hetten etlich wollen erfaren
was doch gensseit wär, und waren mit galeyen und näffen gefaren; es wär aber niemand
herwider kumen" 453. Derart reizte, aber auch schreckte die unruhige und schier endlose
See. Der Pilger war an die Tore des Ozeans gestoßen.
Ebenfalls wird auf diesem Stich noch das Land Hispania eingezeichnet, näherhin mit
dem Namen Gades, also mit dem Hafen von Cadiz, der für diese Entdeckungsfahrten
sich so bedeutsam anließ. Wiederum erscheint am Gestade des Atlantischen Ozeans das
Land Mauretania mit dem Atlas-Gebirge (Mons Atlas). Ferner findet sich nördlich vom
Atlas die Bezeichnung Berbaria. An der Westküste des Erdteils Afrika, der mit seinem nord-
westlichen Teil gebracht wird, erscheint zum anderen das Vorgebirge Cabo de No. Das
Meer zeigt an Eilanden die Kanarischen Inseln, von denen eine Insel die Bezeichnung
M(agna) Canaria trägt. Andere Inseln, die östlich davon liegen, werden als Insulae For-
tunatae angesprochen. Im Norden jedoch erscheint die sagenumwobene Insel "S. Bran-
dano ». Sie liegt inmitten des Ozeans, ein gut Stück nordwestlich vom Kap Finisterre, nörd-
lich von den Kanarischen Inseln. Sie hat etwa die Größe von Gran Canaria. Diese Sicht
erinnert an die Bemerkung von R. Hennig, daß die Brandaninsel nicht in den englisch-
irischen Gewässern nach der Auffassung von Martin Behaims Erdglobus (1492) zu suchen
ist. Dort sei sie hart nördlich vom Kquator eingezeichnet 454. In unserem Kolumbusstich
liegt sie allerdings etwas mehr nach Norden, wenn auch weitab von den englisch-irischen
Küsten.
Der Atlantische Ozean ist auf unserem Bild mit vielen Schiffen bevölkert, die das
lateinische Segel und die Ruder jenes Zeitalters tragen. Ein Ruderboot zeigt Christus und
zwei Benediktiner, die im Boot sitzen. Den größeren Teil des Bildes nimmt im übrigen ein
riesiger Fisch ein. Man könnte an einen Walfisch glauben. Aber das stark herausgestellte Ge-
biß weist mehr auf ein allerdings gezähmtes Seeungeheuer hin, ebenfalls die beiden Wasser-
fontänen, die er in der Art eines Delphins am Kopf ausspeit. Auf seinem Rücken befindet
sich ein Schiff mit Segeln und Rudern. Der hohe Aufbau des Hecks weist wohl auf ein
Admiralsschiff hin. Gleichzeitig erhebt sich rechts auf diesem Riesenfisch ein Altar, auf dem
das Opfer dargebracht wird, was an die Ostermesse in der Vita des Machutus erinnert 455,
Eine Schiffsbesatzung verweilt ebenfalls kniend auf dem Rücken des Untiers. Unwillkür-
lich gedenkt man der Schilderungen von Brandan, der solche Seeungeheuer einzeichnet,

Schreiber, Deutschland und Spanien, S. 94.


452
Des böhmischen Herrn Leo's von Rozmital Ritter-, Hof- und Pilger-Reise durch die
453
Abendlande 1465-1467. Beschrieben von zweien seiner Begleiter (Bibliothek des Literari-
schen Vereins in Stuttgart, Bd. 7). Stuttgart 1844, S. 177.
454 Hennig, Terrae incognitae 2, S. 107.
455 Gougaud, Saints irlandais, p. 7; Schreiber, Wanderkulte S. 42.
Irland im deutschen und aben.dländischen Sakralraum 79

einmal jenen Fisch, auf dessen Rücken ein Wald gewachsen war 456, zum anderen einen
zweiten Riesenfisch, der das Schiff des Brandan wie ein Hilfsmotor auf seinen Rücken
nimmt und vier Wochen durch die Wogen leitet 457. Wiederum erinnert man sich an da\
Meeresungeheuer, das der Spötter und Sophist Lukian (t nach 180) schildert, wenn in
seinem "Lügenfreund" von dem Rücken des Meerungeheuers die Rede ist, auf dem er
sich mit seinen Freunden zwanzig Monate lang aufhält, bevor er wieder in See geht 458 •
Andere und namhafte Berührungen mit antiken überlieferungen sind in Einzelheiten
noch nachzuprüfen.
So zogen sich Erinnerungen an Brandan durch die Jahrhunderte. Aber über die bisher
gebrachten Forschungen hinaus lassen sich für den Volkskundler und Religionshistoriker
noch manche Beobachtungen anstellen, die geeignet sind, die Inhalte der Brandans-über-
lieferungen zu vertiefen. So will wie ein anderer Tannhäuser der sündige König von
«Babilonien und Cappadocien» italienwärts ziehen, um zu büßen. Aber die See hält
ihn fest, da er sein Vorhaben ausführen will. Er muß nunmehr seinen Lebensabend auf
einem Meeresfelsen verbringen 459.
Wiederum nehme man das Motiv der Insel. Immer wieder stößt Brandan auf Eilande.
"Lieber a<ls Mettrunk und Jubel beim Festgelage ist dir die (Fahrt) in deinem Schiff von
Insel zu Insel" 460. Auch bei anderen Iroschotten tritt die Freude an der Insel stets erneut
heraus, auch im asketisch-liturgischen Leben, wenn sie als Mönche oft die ganze Fastenzeit
auf verlassenen Inseln weilen 461. Ihre Niederlassungen vollziehen sich gern auf solchen
Eilanden, sei es mit Hy (Iona, westlich von der schottischen Insel Mull, gegründet 563
von Columba) und Lindisfarne (Insula sacra, Holy Island, 635 Gründung des keltischen
Ionaer Konventualen Aidan, des Freundes des angelsäd1sischen Königs Oswald von
Northumbrien), sei es mit Niederlassungen auf den Inseln des Rheins oder an sonstigen
Stromufern. Wir deuteten diese insularen Zusammenhänge bereits oben an.
Ebenfalls verlangt die Zahlensymbolik noch einige Aufmerksamkeit, vorab die auch bei
Columban d. J. erwähnte Zwölfzahl der Konventualen 462. Sie berührt sich in der Folge
mit der benediktinischen, zisterziensischen und prämonstratensischen Praxis. Das Moment
der vita apostolic.1 tritt also bei den Iroschotten schon früh heraus. Wenn eine andere
Brandan-Version vierzehn Mönche als Begleitpersonen namhaft macht 463, ist wiederum die
symbolische Zahl maßgebend. Es sind zweimal sieben gemeint, ähnlich den Vierzehn Not-
helfern. Zum anderen sei darauf verwiesen, daß Brandans Bericht mehrfach die Freude
am Gold und an Edelsteinen erkennen läßt 404. Neben antiken Vorstufen, neben dem

456 Benz, Brandan, S. 8 f.


457 Ebd. S. 65 ff.
458 Günter, Legende, S. 73 f.
439 Benz~ Brandan, S. 17.
460 Meyer, Mittelirisches Gedicht, S.439.
461 Viller und Rahner, Aszese, S.207 mit beigegebenen Quellenstellen, darunter Adam-
nani vita S. Columbae.
462 Dazu Meyer, Mittelirisches Gedicht, S. 441. Andere Brandan-überlieferungen spre-
chen bald von 17, bald von 30, bald von 60 Begleitern. Ebd. S.443.
463 Winkler, Paradies, bei Bächtold-Stäubli 6, Sp. 1450.
464 Benz, Brandan, S. 20, 24.
80 Gcorg Schreiber

Ausblick auf die Apokalypse ist auch des irischen Bergbaues 465 zu gedenken, ebenso der
medizinhistorischen Einreihung der Edelmetalle. Gold soll und will auch Kolumbus fin-
den. So dann will auch das Verhältnis Brandans und anderer altirischer Legenden zum
Getier näher umschrieben sein 466. Aber auch bei weiteren Auslassungen des Brandanberich-
tes läßt sich die Fragestellung, nicht zum wenigsten in Hinsicht auf rechtsgeschichtliche
und folkloristische Elemente vertiefen 467, wobei auch der Reliquien gedacht sein mag 46~,
nicht minder der Engellehre, die in der Vita des Iren Furs~us (Trium populorum praedica-
tor, t um 649) 469 bemerkenswert hervortritt.
Wilhelm Levison hat das Auftreten der Iroschotten in der politischen
Geschichte des Abendlandes als eine Episode, wenn auch als eine bedeutende
Episode bezeichnet. Nicht mehr?470 Wer von einem anderen Standort, von
der Geistesgeschichte her kommt, wird den Anteil dieser Iroschotten zu-
nächst am Gesamtgefüge des Keltenturns als recht beachtlich herausstellen.
Man wird auch nicht sagen dürfen, daß mit dem Ausgang der karolingischen
Zeit die Einflüsse auf europäische Strukturen verblichen sind. Vielmehr
zeichnet sich eine machtvolle Linie ab, die in die Weltliteratur drängt. Man
nehme nur die Ursprünge der Arthur- (Artus-) Sage. Sie hat durch das
Medium der Historia regum Britanniae des Geoffrey of Monmouth (1137)
starke Verbreitung auf dem Festland gefunden. Sie fand überdies ihren
Interpreten und Gestalter durch den nach vielen Seiten anregenden Epiker
Chnhien de Troyes (t vor 1191), den man als den größten höfischen Roman-
dichter ansprechen darf. Von dort zeichnen sich Verbindungslinien ab, die
in die Dichtungen Hartmanns von Aue und Wolframs von Eschenbach
führen. Wiederum will der großen literarischen Erscheinungen des Grals
und der Geschichte Tristans gedacht sein. Neuerdings ist es der Keltologe
und Sprachforscher Julius Pokorny gewesen, der die außerordentliche und
befruchtende Kulturkraft des Keltenturns betont und überzeugend heraus-
gestellt hat. Die fünf Vorträge, die dieser weit ausgreifende Forscher im
Sommer 1952 in Zürich hielt, haben weiteste Beachtung gefunden. Wir
weisen nur hin auf den Bericht "Das Keltenturn einst und jetzt", den die

465 Bei Joyce, Social History 11, p.286 werden vermerkt: "mines of copper, iron, lead
and possibl y of tin".
466 Sister Mary Donatus, Beasts and Birds in the Lives of the Early Irish Saints. Phi!.
Diss. Univ. of Pennsylvania. Philadelphia 1934.
467 Man nehme die peregrinatio der Iren nach Tours und Rom. Meyer, Mittelirisches
Gedicht, S. 443. Parks, English Traveler, p. 12 H. 19. 40 H. 48. 50.
468 Heiltümer sind oft in der Brandanlegende erwähnt. S. auch zur Vielheit und Schät-
zung der Reliquien Joyce, Social History I, p. 382.
469 S. oben.
470 Aus rheinischer und fränkischer Frühzeit. Ausgewählte Aufsätze. Düsseldorf 1948,
S.263.
Irland im deutschen und abendländ.ischen Sakralraum 81

Neue Zürcher Zeitung vorlegte 471. In diese Zusammenhänge keltischer Fern-


wirkung mag man auch die Brandanlegende einbeziehen.

18. Maritimes
Das maritime Element tritt bei den Iroschotten betont heraus. Um 800
entdeckten iroschottische Mönche Island 472. Der Name der nach der legen-
darischen Vita (12. Jh.) in Irland im 10. Jh. geborenen Königstochter
Sunniva, die nach Norwegen floh und auf der Insel Selje gestorhen sein
so11 473 , deutet bereits an, daß auch von Hibernien aus Fahrten zur norwegi-
schen Küste erfolgten. In Analogie zu anderen Legenden des führerlosen
Schiffes wird berichtet, daß sie ohne Steuer und Segel fuhr, ergeben in den
Willen Gottes 474. Ein weiteres. Die Mönche der von Furseus gegründeten ost-
anglischenAbtei Cnoberesburgh wurden infolge heidnischer Reaktion gezwun-
gen, ins Frankenreich, Asyl und Kolonisationsgebiet zugleich, zu fliehen.
Sie beluden dabei ein Schiff mit Reliquien, mit den Inhalten der Sakristei
und mit ihrer Bibliothek 475 Einen Schiffs roman großen Stils steuert sodann
St. Brandan bei 476. Das Mantelmotiv des Raimundus von Pefiaforte, der
auf diesem Kleidungsstück von der Insel Mallorca nach Barcelona fuhr
("Sein außgebreiten Mantel hat er für ein Schiff gebraucht und ist innerhalb
6. Stunden auff die 160. Teutsche Meil Weegs an Meer fortgefahren, worbey
der Mantel gar nit benetzt wurd ") 477, findet sich bereits irischers,eits bei
Findan 478. Ein Meeresmirakel begleitet sodann das Leben des Machutus 479,
eines der frühesten irischen Wanderer, des Schutzherrn der bretonischen
Diözese Aleth-St-Ma18. Als Kind schlief er einst am Meeresufer. Die Bran-
dung brüllt zu beiden Seiten. Aber die Wogen berühren es nicht. Eine ent-
fernte Verwandtschaft zum Kindesmirakel bei Augustin, das ebenfalls den
Meeresstrand betrifft, zeichnet sich ab. Die Kindesszene wird bei Machutus
mit zur Veranlassung, daß er zum Heilbringer für Kinder wird. Derart
wird Irland von der schützenden und zugleich erregenden See umklammert.

471 Nr. vom 7. Juli 1952.


472 J. Metzler, Island. LThK 5, Sp. 640 H.
473 J. Metzler, Sunniva. LThK 9, Sp. 906; Schreiber, Wanderkulte, S. 38 f.
474 Günter, Legende, S. 244.
475 de Moreau, Hist. de l'Eglise en Belgique 1 2, p. 147, mit beigegebenen Verweisen.
476 S. oben.
477 Schreiber, Deutschland und Spanien, S.466, mit Hinweis auf Christoph Se/hameT,
Tuba Rustica. Augsburg 1701.
478 S. oben.
479 Schreiber, Wanderkulte, S. 42 f.
82 Georg Schreiber

19. Iroschotten im Bergbau


Erst in den letzten Jahren wurde erstmalig die Bedeutung der Bergwerks-
patrozinien herausgestellt.
Es handelt sich darum, daß im Mittelalter, näherhin im späteren Mittelalter, und weit
darüber hinaus Gruben, Stollen und Schächte zumeist benannt werden nach Mysterien
(Dreifaltigkeit, Kreuz, Passion, Marienfeste) und nach Heiligen. So verfuhren die Ge-
werken. Doch mag man bei deren enger Verbindung zu den Bergknappen der Mitwirkung
der letzteren gedenken. Das um so mehr, da die Knappen die Errichtung von Kapellen
und Altären von sich aus in die Hand nahmen. Zu den Gotteshäusern und Kapellen mit
ihren Patrozinien in der Oberwelt trat nunmehr eine unterirdische Gruppe von Glaubens
geheimnissen und Volksheiligen, die als Inhaber von Bergwerken angesprochen wurden.
Dabei machten sich neben wenigen anderen Momenten (Namen der Landesfürsten, Vor-
name des Gewerken) der in der Landschaft gepflegte Kult, Anregungen aus dem diöze-
sanen Kalender, Einwirkungen von klösterlichen und kanonikalen Niede1"lassungen, die
mit Bergrechten beliehen waren, geltend. In dieser Hinsicht konnten in erstmaliger Aus-
schöpfung der Quellen verschiedene Studien von I\Ins vorgelegt werden 480.
Was die Iren angeht, verdient es schon einige Beachtung, daß ihre Heil-
bringer zu Inhabern von Bergwerken wurden. Wir beobachten das etwa
in dem Bergwerksverzeichnis (1588) des Christian Gadmer, der das Berg-
amt und Blutrichteramt von Davos und in den acht Gerichten innehatte.
ebenso auch das Kaiserliche Bergrichteramt in der Herrschaft Rhäzüns und
St. Jörgenberg (Graubünden). Da erscheint unter Nr. 17 eine Grube "St.
Kilian bei dem Silberbergbach, zunächst innerhalb St. Nikolaus, ob dem
Wege" 481. Das entspricht ganz einer Südwestwanderung des Kiliankulte:i,

480 Georg Schreiber, Apostel und Evangelisten als Bergwerksinhaber. Rheinisches Jahrb.
f. Volkskunde 3, 1952, S. 145-168; ders., Daniel im Bergbau. Der Anschnitt, Zeitschr. f.
Kunst und Kultur im Bergbau 5, 1953, Nr. 3, S. 12 f.; ders., Das Bergwerk in Recht, Liturgie,
Sakralkultur. Zeitschr. d. Savigny-Stiftung f. Rechtsgeschichte 70, Kan. Abt. 39, 1953,
S. 362-418; ders., Spanien im deutschen Bergwerk. Spanische Forschungen der Görres-
gesellschaft, 1. Reihe, Bd.9. Münster 1954, S. 198-223; ders., Der Berufsgedanke im Berg-
werk. Zur Formungsgeschichte der Bergknappen im Lichte spanischer Motive, in: Christ-
liche Existenz und Erziehung. Festgabe für Johann Peter Steffes, hrsg. von Georg Schreiber
und Kurt Haase. Münster 1954, S. 134·-149; ders., Deutscher Bergbau in Geschichte und
Ethos, in: Festschrift für den Herrn Ministerpräsidenten Kar! Arnold, hrsg. von der
Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen. Köln und Opladen
1955, S.177-201; ders., Mysterium, Prophetie, Volksheilige im Bergbau. Zum Daniel-
Motiv im tirolischen und deutschen Bergbau, in: Beiträge zur Heimatkunde des nordöst-
lichen Tirol. Festschrift zum 70. Geburtstag Matthias Mayer's (SchIern-Schriften, Bd. 138).
Innsbruck 1955, S. 179-202; ders., Schutzfrau St. Barbara. Forschungsaufgaben und Kult-
dynamik. Der Anschnitt 7, 1955, Nr. 4, S. 9-13; ders., Tiroler Bergwerkskultur, in: Fest-
schrift für Hans Gamper. Inmbruck 1955 (im Drucki.
4~1 Placidus Plattner, Geschid1te des Berghau's der östlichen Schweiz. Chur 1878, S. 45.
Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 83

die wir auch sonst, wenn wir uns auf den Ausgangspunkt Würzburg be-
sinnen, feststellen 482.
Dazu tritt St. Gallus als Grubeninhaber im alpinen Raum heraus. Ver-
nehmen wir doch, daß im Berggericht Sterzing-Gossensaß (Tirol) eine Grube
"St. Gallen" in den Jahren 1528, 1531 und 1621 erwähnt wird 483, ebenso
eine Grube "St. Gallen" (1531) in Obervellach (Kärnten)484. Diesen sub-
terranen Benennungen entsprechen wieder oberirdische Patronate: die Gal-
lus-Kapelle in Grims (Pfarre Zams) 485 und die Gallus-Kirchen in Weer und
Neumarkt 486. Daneben erscheint Gallus in diesen Gebieten mehrfach als
Altarpatron 487. Eine solche Vorherrschaft, die der Einsiedler von Hof-
steinach selbst im Tiroler Raum ausübt, wird verständlich durch die Ver-
bindungslinie, die von der Schweiz über den Arlberg und durch das Inntal
nach Tirol führte.
St. Columban wird hingegen, soviel wir sehen, seltener erwähnt. So er-
scheint lediglich eine Grube St. Columban im Gebiete des Kalisberges in
Südtirol 48s.
Den Kelten Jodokus (t 669), einen Bretonen mit weitausgedehntem
Wanderzug, treffen wir ebenfalls im Bericht des Christian Gadmer (1588)
an 489. Unter Nr. 35 wird nämlich eine Grube "St. Jos, zum Hubei" ge-
nannt 490. Auch im Südosten des alpinen Raums, in Kärnten, tritt er als
Inhaber der Gruben St. Jobst (Bergbaurevier Kreuzen-Stockenboi, 1526) 491
und St. Jobst in der Sucha (bei Förolach-Pressegen, Bergbaurevier Radnig,
1526)492 auf. Walserische Bergknappen ließen ihn zudem auf Fresken in
der Kaplanei (früher Agatha-Kapelle) auf dem Kristberg in Vorarlberg

482 Erwähnung bereits in einem Baseler Pontifikale (9. ]h.) und in einem Kalendarium
von St. Gallen (10./11. ]h.). Gougaud, Saints irlandais, p. 126. Vgl. oben.
483 Max Reichsritter von Wolfstrigl-Wolfskron, Die Tiroler Erzbergbaue 1301-1665.
Innsbruck 1903, S. 289.296.297.
484 Hermann Wießner, Geschichte des Kärntner Bergbaues. 3 Teile (Archiv f. vater-
ländische Geschichte u. Topographie 32, 36/37, 41/42). Klagenfurt 1950-1953, 1, S.55.
485 Hans Hochenegg, Die Kirchen Tirols. Innsbruck 1935, S.202.
4B6 Fink, Tirol, S.221.
487 Ebd.

488 Hans Hochenegg, Deutsche Bergbautätigkeit im Fürstbistum Trient am Ausgang des


Mittelalters. Deutsches Archiv f. Landes- u. Volksforschung 1, 1937, S. 437-456, bes. S. 453.
489 fost Trier, Der heilige ]odocus. Sein Leben und seine Verehrung, zugleich ein Beitrag
zur Geschichte der deutschen Namengebung (Germanistische Abhandlungen, H. 56). Breslau
1924; Schreiber, Wanderkulte, S.43-45.
490 Plattner, Bergbau, S.45.
491 Wießner, Kärnten 2, S.166.
m Ebd. S.168.
84 Georg Schreiber

(Silberberg) zu Beginn des 16. Jhs. neben den Bergpatroninnen Barbara


und Katharina, neben der Madonna, Nikolaus, Georg, Wolfgang, Mauri-
tius, Theodul und Magdalena darstellen 493. Diese Verehrung in den Kreisen
der alpinen Bergleute entspricht ganz der Art des Heiligen, Bergeshöhen
und Gebirgstäler zu besetzen 494.
In Kärnten wurden dem ehemaligen Landesheiligen österreichs, dem
Iren Koloman, mehrere Gruben gewidmet: St. Koloman (1531) in Ober-
vellach 495, St. Kollomann im Bergrevier Bleiberg-Kreuth (1538, 1542 bis
1548)496, der Kolomannibau am Hüttenberg, auf der Löllinger Seite
(1596) 497. Das wirkt wie ein Bekenntnis zu den habsburgischen Landes-
herren.
Wiederum tritt der Ire Fridolin mit der Grube Fridlin am Geyr bei Rat-
tenberg, Tirol (1566) in die Reihe der Bergwerksinhaber ein 498.
Der irische Bischof von Salzburg, St. Virgil (t 784) nahm 1583, also noch
spät, die Grube St. Virgil bei Weißpriach (Berggerichtsbezirk Steinfeld) in
Besitz 499. Das entspricht ganz seiner Verehrung in Friesach (Kärnten) und
in Rattenberg (Tirol) 500.
Man mag Einzelheiten nachgehen, inwieweit benachbarte Patrozinien, Heihümer, Kon-
vente oder die beachtliche Stellung irischer HeilIger ganz allgemein im alpinen Raum
die äußere Veranlassung gewesen sind, diese Sancti als Schutzherren des Bergbaues zu
wählen. Es ist auch zu überprüfen, welche Attribute die Legende oder die Ikonographie
diesen Heiligen mitgab, die eine gewisse Verwandtschaft zum Bergbau aufweisen. So wird
Jodokus abgebildet, einen Stab in die Erde stoßend, aus der eine Quelle hervorspringt 601.
Dabei mag man der Bedeutung des Wassers für den bergbaulichen Betrieb gedenken. Die-
serhalb sind als Inhaber von Gruben auch die Wasserheiligen St. Nikolaus und St. Chri-
stoph anzutreffen. Anderseits unterhält Gallus Beziehungen zum Holz, das für den Be-
trieb des Bergbaues unentbehrlich ist. Bringt doch ein Bär dem Heiligen Holz für das
Feuer 502, gewiß für seinen persönlichen Bedarf. Wiederum führt Kilian ein metallismes

493 Pfarr archiv Silbertal. Bote für Tirol und Vorarlberg 1887, Nr.137; vgl. Schreiber,
Bergwerk, S. 399.
494 Dazu Schreiber, Deutschland und Spanien, S.101. 110. 122. 398.
495 Wießner, Kärnten 1, S. 54.
496 Ebd. 2, S. 42. 44.
497 Ebd. 3, S. 316.
498 Wolfstrigl-Wolfskron, Tirol, S.160.
499 Wießner, Kärnten 1, S. 152.
500 Gougaud, Saints irlandais, p. 171 s. - über Virgil s. neuerdings Heinz Löwe, Ein
literarischer Widersacher des Bonifatius, Virgil von Salzburg, und die Kosmographie des
Aethicus Ister (Akad. d. Wiss. u. d. Lit., Abh. d. geistes- u. sozialwiss. Kl., Jg. 1951,
Nr. 11). Mainz, Wiesbaden (1'52), S. 899-988.
501 Samson, Kirchenpatrone, S. 228.
502 Künstle, Ikonographie, S. 258; Braun, Tracht, S. 273 f.; vgl. oben.
Irland im deutsenen und abendländisenen Sakral raum 85

Attribut mit sien, da er mit dem Senwert enthauptet wird 603. Die Einwirkung solener
Metallheiligen auf die Benennung von Gruben ist in anderen Zusammenhängen unver-
kennbar. Solene Beziehungen mögen zunäenst äußerlien erseneinen. Für den mittelalter-
lienen Mensenen bedeuteten sie mehr.

20. Rückwirkungen des Festlandes auf Irland


Die Untersuchungen der Einflußnahme Irlands auf den Kontinent be-
dürfen eigentlich eines Gegenstückes. Dieses betrifft die Rückstrahlung und
Rückwirkung, die die auf dem Festland tätigen Iren ihrer Heimat zuwen-
den. Es sind in der Tat solche Einwirkungen vorhanden, innerhalb und
außerhalb des liturgischen Raumes. Schon die Tatsache des Nachschubes,
den Irland beachtlich lange zum Kontinent entsandte, weist auf gepflegte
Verbindungslinien. Wir bieten für diese Zusammenhänge nur einige erste
Hinweise. Da ist zunächst ein irischer Mönch aus dem Jakobskloster in
Würzburg, Nehemias Scotus, der um das Jahr 1218 das Priorat St. Mary
in der Grafschaft Cork (Irland), auch Ross-Carberry genannt, gründete 504 •
Diese Filiale unterstand direkt dem fränkischen Mutterkloster, bis dieses
selbst im Ablauf der Zeiten in einen deutschen Konvent überführt wurde 605.
Khnliche Verbindungen mögen deutscherseits zu anderen Klöstern in Irland
bestanden haben; denn aus zwei Breven von Innozenz IV. aus dem Jahre
1248 geht hervor, daß der Abt des St. Jakobsklosters in Regensburg meh-
rere Priorate in Irland besaß 506. Im ersten Breve wurde dem genannten
Abt das Recht zugestanden, die Aufnahme von Novizen für den Benedik-
tinerorden, die in den irischen Klöstern erfolgte, zu überwachen. Das zweite
Breve erlaubte ihm, die dem Jakobskloster unterstehenden Konvente in
Irland zu visitieren und zu reformieren 507. Erwähnt wurde bereits, daß
St. Jakob in Regensburg sowie die von ihm abhängigen Schottenklöster auf
deutschem Boden die Schottenkongregation bildeten, was Innozenz III. in
Ausführungen des 12. Kanons des Lateranense IV. (1215) verfügt hatte 608•
Es bleibt noch näher zu erforschen, inwieweit diesem Verband auch die

503 Gemälde zu Fechenheim, Koburg, von 1480. Künstle, Ikonographie, S.379; Braun,
Tracht, Sp.423.
504 Fuhrmann, Monasteries, p. 104.
605 So unternahm Abt Philipp 1353 eine Visitationsreise naen dem Filialkloster in
Irland. Gwynn, Irish Tradition at Wurz burg, p. 76.
506 Ibid. p. 103, mit Hinweis auf St. Baluzius, Miscellaneorum lib. VII. Parisiis 1715,
p. 445.935.
507 Fuhrmann, Monasteries, p. 104.
60B Heimbucher, Orden 13, S. 198.
86 Georg Smreiber

genannten irischen Priorate gehörten 509. In den Konventen der erwähnten


hochmittelalterlichen Schottenkongregation herrschte die Benediktinerregel.
Sie hatte schon im 7. und vor allem im 8. Jahrhundert die strengere Regel
Columbans d. J. verdrängt 510.
Man darf zum weiteren annehmen, daß die kontinentale Verehrung der irismen Hei-
ligen auf die Insula 5anetorum zurückstrahlte. Das bewirkten unter anderem die Reliquien,
die nach Irland überführt wurden. Solchen Verbindungslinien tragen auch die Festkalender
Remnung. So wird etwa St. Columban d. J. in dem Martyrologium des Oengus, dem
Felire Oengus50 (Ende des 8. oder Beginn des 9. Jhs.), nom nimt gen.annt; erst das Mar-
tyrologium des Gorman aus dem 12. Jh. verzeid!net das Fest des Heiligen 511. Kilian hin-
gegen wird bereits im Martyrologium von Tallaght (um 800) ausführlim erwähnt, und
zwar in einer bemerkenswerten Abwandlung der Kilianlegende 611a. Columbans Er-
wähnung steht wohl in Zusammenhang mit der bemerkenswerten Reformbewegung, die
im 12. Jh. die irisme Kirme ergriff. In deren Zuge gründete Malamias, der Erzbismof von
Armagh (1136) und persönlime Freund Bernhards von Clairv.aux, seines späteren Bio-
graphen 512, im Jahre 1142 die erste Zisterzienserabtei (MeIIifont) in Irland. Ihr folgten
mehrere Filialklöster 513. Des weiteren wir.d des Todes irismer ~bte auf dem Kontinent
(8. und 9. Jh.) in den Annalen von Ulster (um 1500) und in den "Annals of the Four
Masters" (1632-1636) gedamt 513a.
Nam England aber waren schon Heiltümer der irismen Saneti aus dem Norden Frank-
reichs und der Bretagne geflüchtet worden, als im 9. und 10. Jh. die Normannen diese
Gebiete heimsumten 614.
Bereits aus diesen wenigen Hinweisen ergibt sich, daß bedeutende Ver-
bindungslinien aufgedeckt werden können.

21. Ergebnisse
Das Iroschottentum ist von uns nur in einzelnen hervorragenden Ver-
tretern behandelt worden. Einige Persönlichkeiten haben wir an anderer
Stelle gekennzeichnet. Es lag uns heute nur daran, gewisse Zugänge zu
bestimmten Fragenbereichen zu eröffnen. Diese betrafen vorab die kult-
geschichtliche und religionswissenschaftliche Stellung des Irentums, im be-
sonderen das Nachleben auf dem Festland, zumal im deutschen Raum. Bei
dieser Sicht zeichnete sich viel Volksgläubiges und Brauchtumsmäßiges ab.
Fuhrmann, Monasteries, p. 104.
509
Heimbucher, Orden 1 3, S. 143; Seimer, Israel, S. 69.
510
511 Gougaud, Saints irlandais, p. 60.
511a Dienemann, Kult des heiligen Kilian, S. 197 H.
51! Kenney, Soure es I, p.764-767; Schreiber, Wanderkulte, S. 92 f. 97.
513 Kenney, Sources I, p.769; Robin Flower, The Irish Tradition. Oxford 1947, p. 113f.
5Ua Henry, Irish Art, p. 127.
m Gougaud, Saints irlandais, p.60. - Zum Ganzen s. ferner Robin Flower, Ireland
and Medieval Europe. Proeeedings of the British Aeademy 13. London 1929.
Irland im deutschen und abendländischen Sakral raum 87

Die deutsche Volksphantasie empfing eine namhafte Beeindruckung mit


den Figuren des Einsiedlers, des Pilgers, des Klostergründers, des mirakel-
mämtigen Abtes. Dahin gehört smließlich nom der kühne, wikinger hafte
Seefahrer, der mit Brandan in die Weite des Ozeans steuert. Hagiographie,
historisme Volkskunde, Ikonographie, die deutsme Nationalliteratur wur-
den stofflim bereimert. Diese Iren traten in ,der Tat bedeutend in die Le-
gende und die erlebnisfrohe Volkserzählung. Irisme Motive sind so in die
anregende Darstellung einbezogen, die Heinrich Günter der Psychologie
der Legende widmete. Es ergibt sich mit solchen Feststellungen eine bemer-
kenswerte Analogie zu anderen Zügen des abendländischen Heiligenlebens.
Aber irische Besonderheit und Eigenart ist dort nicht herausgearbeitet.
Das abendländische Religiosentum erlebte durm die Iroschotten die stärk-
sten Antriebe.Was die Lebensdauer dieses genossenschaftlich ausgerichteten
Irentums angeht, gingen viele dieser Konvente in der karolingischen und
nachkarolingischen Zeit zum Benediktinertum über. Dahin wies ja die An-
teilnahme der Dynasten und sonstiger Grundherren. Auch der Mangel an
Nachschub machte sich auf die Dauer geltend. Zudem stieg die regula S.
Benedieti, in allem milder und damit auch weltläufiger als die Columban-
regel, in der fränkischen Wertung. Man trifft, wie erwähnt, ja im Hom-
mittelalter Wendungen, daß die von Monte Cassino stammende Norm
die tante Spiritu Saneto verfaßt sei. Wo diese Iren eine Umbildung in bene-
diktinische Konvente erlebten, bramten sie gleichwohl in Manuskripten
und Miniaturen eine reiche und für den kulturellen Standard wertvolle Mit-
gift ein. Irische Überlieferungen wirkten zudem im Festleben des Kalendars,
im Buchschmuck und in der Musik fort.
Anderes behauptete ,sich stark. Deutsche Landschaften gewannen mit
Kilian in Würzburg, mit Fridolin im Bergland Glarus, mit Gallus in Ale-
mannien hoheitsvolle sakrale Herrscher. In österreich wuchs Koloman sogar
für Jahrhunderte in den Landespatronat. Diese Schutzherrschaften waren
zunächst heimliche Gewalten, denen aber im Ablauf der Zeiten, vorab im
Stiftungswesen und in der genossenschaftlichen Ausformung, viel Macht
und repräsentative Geltung zuwuchsen.
Die Normannen haben im westfränkischen Raum viel an Kulturstätten
zerstört, ehe sie 911 mit Robert I. ein Herzogtum an der Seine aufrichteten.
Starke Einwirkungen zerstörender Art. Sie haben eine ernste Schädigung
des irischen Sakralbesitzes bedeutet, der einst im frühen Mittelalter eine
ernste Veredlung des Christentums in West- und Mitteleuropa herauf-
geführt hatte. Die zweite irische Wanderwelle im 11. und 12. Jh. ergriff
88 Georg Schreiber

in einer Neuorientierung, immerhin unter Berücksichtigung von Vorstufen,


das Donaugebiet. Mit dem Iroschottenkloster und dem rätsel schweren
Jakobsportal in Regensburg wurde sogar die Hauptstadt des Reiches erfaßt.
In Nürnberg und Erfurt, in Memmingen und Konstanz wurden Vorwellen
des Humanismus und der Frührenaissance begünstigt.
Ein anderes noch. Die Fernwallfahrt verklammerte große Teile der
mittelalterlichen Welt. In diesen Fernfahrten nehmen gerade die Iroschot-
ten eine führende Stellung ein. Sie zogen nach dem Martinsgrab in Tours
und nach dem Hilariusgrab in Poitiers. Sie pflegten an der Somme die
Furseus-Grabstätte in Peronne, die wieder und wieder Nachschub aus der
Heimat aufnahm und gleich anderen irischen Kultstätten die peregrinatio
an sich zog. Eine Art Neuirland tat sich dort auf. Wenn diese Iren schon
früh Bobbio besiedelten, öffneten sich ihnen zudem auf der strata pere-
grinorum die Wege nach Rom und nach Palästina. Ebenso führte sie die
Donaustraße, die sie mehrfach besetzten, zum Sepulcrum Domini.
Mehr als das. Eine Diagonale tut sich zum Südwesten auf. Die Jakobus-
devotion, ,die in mehreren hochmittelalterlichen deutschen Schottenklöstern
bereits im Patrozinium hervortritt, begünstigte im Grunde genommen die
Compostela/ahrt dieser Kreise. Kein ganz fremdes Motiv. Wurde die irische
Westküste von Wind und Wellen des Ozeans bespült, so stieß die J akobus-
fahrt wiederum in Kap Finisterre auf den atlantischen Seeraum. Diese Art
westlicher Meerfahrt war den Iren auch sonst vertraut, da sie an sonnigen
Küsten des Südens Wein einholten, den Kult und Lebensbedarf notwendig
machten. Auch Edelmetalle wurden von draußen eingeführt.
So bedeuten diese Iren im frühen und hohen Mittelalter ein ungemein
bewegliches und völkerverknüpfendes Element, was ihre Wanderfahrten
und Niederlassungen betraf. Sie bauten ihrerseits an der Architektur des
mittelalterlichen Universalismus. Ihre Niederlassungen wiesen zudem auf
ein sich festigendes Fremdenrecht. Tore zum Völkerrecht öffneten sich. In
Sachen der Völkerverbindung wirkte wie eine werbende Vorstufe und zu-
gleich wie ein unverlierbares Erbe jene Heroengalerie, die durch Patricius
und Brigidaeingeleitet und durch andere Heilige fortgesetzt wurde. Sie
fand zu allem noch in Colttmban d. J. den Schöpfer einer bedeutenden
monastischen Lebensordnung. Viele irische Klostergründer erlebten das
asketische Ideal zunächst in ihren Konventen, zuweilen auch in Nachbar-
klöstern. Aber über alle diese fundatores coenobii erhob sich Columban d. J.
als monastischer Gesetzgeber. Dazu gab sich St. Brandans Schilderung wie
eine Odyssee, die die exodusfreudige Heimat, aber ebenfalls die rätsel-
Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 89

schwere Fremde herausstellte. Diese Schilderung zählte überdies zur Lieb-


lingslektüre der spätmittelalterlichen Frau. Ein Schelmenroman im sakralen
Kostüm. Eine Neuauflage antiker Fabelwelt. Märchenhafte Abenteuer in
irischer Sicht. Sie wirkten wie ein Vorgriff auf kommende Berichte iberischer
Seefahrer über neue Entdeckungen im atlantischen und indischen Ozean.
Terrae incognitae öffneten sich, wenn auch erst in verschleierten Umrissen.
Es mochten sich Einwirkungen auf Kolumbus vollziehen, was jedenfalls
der Seitenstettener Barockabt annahm.
Zugleich lenkte sich in seelischen und eschatologischen Bereichen der Blick
vom Purgatorium des Patricius und des Brandan zu Dantes Fegfeuer. Alt-
irisches bewegte sich damit erneut zur Apenninhalbinsel, um in floren-
tinischer Beleuchtung geradezu der Weltliteratur zu dienen. Dazu trat Bran-
dans Meerfahrt in das besondere Interesse der venetianischen Seemacht, was
eine entsprechende mittelalterliche Ausgabe der Brandanlegende ausweist.
So wurden die Nordmeere wie der mediterrane Raum, desgleichen die
atlantische See, von irischen Motiven erfaßt.
Es sind, wie angedeutet, noch verschiedene Namen von Iren zu erwähnen,
die nach auswärts gingen 515. Dahin gehört unter anderen St. Aidan (t 651,
Fest am 31. August) 516, der Freund des hl. Königs Oswald von Northum-
brien. Die irisch-englische Kulturbrücke wurde wiederum von jenen Missio-
naren beschritten, die von Hibernien kommend das Bekehrungswerk im
angelsächsischen Raum aufnahmen. Von Aidan, dem ersten Bischof von
Lindisfarne, weiß die Vita zu berichten, daß er durch das Kreuzzeichen das
Feuer brennender Dörfer löschte. Es eignet ihm ferner ein martinshafter
Zug, da er einem Bettler das ihm vom König geschenkte Pferd überläßt.
Die Irin St. Sunniva (10. Jh., Fest am 8. Juli) fand andererseits die Wege
nach Norwegen. Man billigte ihr in der Volksüberlieferung die Abstam-
mung einer Königstochter zu 517. Ostwärts bewegten sich auf dem Festland
Dymphna und Gerebernus (6. oder 7. Jh.?, Fest am 15. Mai), nachdem die
Scheidemündung die bei den Wanderer aufnahm. Dort, in Gheel (Prov. Ant-
werpen), entwickelt sich in einem kultischen Schwerpunkt ein besonderes
Nachleben. Aber ihre Devotion wandert darüber hinaus bis zum Niederrhein,
dringt sogar in das Bistum Münster vor. Noch heute ist diese Verehrung
dort lebendig 618.

515 Eine größere übersicht bei Schreiber, Wanderkulte, S. 12-45.


516 Gougaud, Saints irlandais, p. 1-3; Schreiber, Wanderkulte S.14.
517 Schreiber, Wanderkulte, S. 38-39.
518 Gougaud, Saints irlandais, p. 78-80; Schreiber, Wanderkulte, S. 33-35.
90 Georg Schreiber

Man darf es als bemerkenswert bezeichnen, daß die Strahlungskraft der


Iroschotten, soweit sie östliche Wanderwege beschritten, dem Rhein sich
näherte. Aber nur hier und da wurde der Strom überschritten. Diese
rechtsrheinische Entwicklung ist besonders durch Namen wie Brigida, Bran-
dan und Kilian gekennzeichnet.
Derart wurde Irland in Volksheroen unsterblich, deren kultische Herr-
schaft sogar auf das Festland übergriff. Die frühmittelalterliche Insula
sanctorum gewann für kommende Jahrhunderte die innere Haltung und
erstaunliche Kraft, auch Passionszeitalter zu ertragen. Der Glaube an einen
Wiederaufstieg beherrschte ein geprüftes Volkstum und stählte den Da-
seinswillen einer reifenden Nation.

22. Zur Quellenkunde der irischen Sakralgeschichte

Wenn sich die Forschung im deutschen Sprachraum in den letzten Jahr-


zehnten mit den Kelten eingehender beschäftigte, 'so geschah das besonders
vom prähistorischen, philologischen und religionswissenschaftlichen Stand-
ort aus. In dieser Blickrichtung und darüber hinaus hat sich der Züricher
Gelehrte Julius Pokorny (früher Berlin) und sein Kreis ,ein bleibendes Ver-
dienst erworben 519. Arbeiten dieser Art sind von vornherein von der Gunst
der Schweizer Umwelt getragen, da der helvetische Raum Zugänge zum
Keltenturn schuf620• Vorträge von Pokomy fanden in Zürich, wie erwähnt,
überfüllte Auditorien 521. Das forscherische Interesse kommt namentlich in der
von Pokorny herausgegebenen Zeitschrift für celtische Philologie 522 zu Wort.
In dem Jahresband 1954 ist unter anderem J osef Weisweilers Beitrag zur
irischen Heldensa;ge 523 besonders zu beachten, da er auch Erkenntnisse für

.19 Am wichtigsten: A History of Ireland 2. London 1933; Zur Urgeschichte der Kelten
und Illyrier. Halle a. S. 1938; Altkeltische Dichtungen. Bem 1944. - Man beachte auch
seinen Aufsatz Zur Urgeschichte der Kelten und Illyrier. Zeitschr. f. celtische Philologie
20, 1936, S. 315-352. 489-522; 21, 1940, S. 55-166, bes. S. 125-131, mit zahlreichen
literarischen Verweisen zur Urgeschichte Irlands.
520 Man nehme auch das Stichwort "Kelten" im Schweizer Lexikon 4, Zürich 1947,
Sp. 859 H.
521 Vgl. etwa Neue Zürcher Zeitung mit dem schon erwähnten Aufsatz "Das KeItentum
einst und jetzt" in Nr. vom 7. Juli 1952.
522 S. unten.
523 Vorindogermanische Schichten der irischen Heldensage. Zeitschr. f. ceItische Philo-
logie 24,1954, S. 10--55. 165-197. S. auch ders., Die Stellung der Frau bei den Kelten und
das Problem des "Keltischen Mutterrechts". Ebd. 21, 1940, S.205-279, bes. S.247-250,
mit Hinweis auf Brigida.
IrLtnd im deutschen und abendländischen Sakral raum 91

die Hagiographie der Insula sanctorum bietet. Darüber hinaus legen sich
für mich Vergleiche zum altfranzösischen Heldenepos nahe 524. Einen be-
merkenswerten überblick über den Stand der Keltenforschung liefert im
übrigen Pokornys Artikel in Karl Hönns Wissenschaftlichen Forschungs-
berichten 525.
Die mehrfach ausgeprägte Besonderheit Irlands, seine Lage am Rande
der westeuropäischen Welt, seine Unberührtheit vom Römertum und seine
Distanz zur Völkerwanderung, wiederum die verhältnismäßig gute Erhal-
tung vorgeschichtlicher Denkmäler, wie zum anderen die Eigenart der
frühmittelalterlichen Entwicklung, ebenso volkskundlich bemerkenswerte
Züge 526 : dieses und anderes händigte der Forschung bedeutsame Aufgaben-
bereiche ein.
Die keltische Philologie konnte zudem auf ältere Vorstufen zurück-
blicken. Der Name des Bamberger Gelehrten Johann Caspar Zettss (1806
bis 1856), eines großen Entded\:ers und einer Zierde der philosophisch-
theologischen Hochschulen Bayerns, bedeutete einen überraschenden Wende-
punkt in der noch tastenden Keltologie überhaupt. Begann doch mit seiner
Grammatica Celtica (1853) die neue Epoche der festländischen keltischen
Sprachforschung und Geschidltswissenschaft. Sie wurde zunächst gekenn-
zeichnet und weitergeführt durch Zeitsrnriften, wie die in Paris ersrnei-
nende Revue Celtique (1870), ferner durrn die srnon genannte Zeitsrnrift
für celtische Philologie, die durch Kuno Meyer und L. Ch. Stern gegründet
wurde (Halle a.d. Saale 1897 H.). Dazu traten das Archiv für celtische
Lexicographie, herausgegeben vonWhitley Stokes und KunoMeyer (ebd.1898
bis 1907), und andere Periodioa 527, denen viele Einzeluntersuchungen und
philologisrne Werke folgten 528. Die Untersuchungen auf ,deutscher Seite
blieben nicht ohne Einfluß auf Literarkritik und Historie in den am Kel-
tentum näher interessierten Nachbarländern. Hier sind vor allem die Namen

524 Merk, Altfranzösisches Heldenepos.


525 Keltologie, in: Wissenschaftliche Forschungsberichte. Geisteswissenschaftliche Reihe,
hrsg. von Karl Hönn, Bd. 2. Bern 1953, S. 95-184. 194-199.
52tl S. etwa Hans Hartmann, über Krankheit, Tod und Jenseitsvorstellungen in Irland.
T. 1: Krankheit und Fairyentrückung (Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für kelti-
sche Studien, hrsg. von Ludwig Mühlhausen, H.9). Halle (Saale) 1942; ders., Totenkult;
diese Arbeiten möchten ein Beitrag nicht nur zur Indogermanistik, sondern auch zur ver-
gleichenden Soziologie und Ethnologie sein.
527 Gaelic Journal (Dublin 1882-1909); Celtic Review (Edinburgh 1904 H.); Eriu
(Dublin 1904 H.); vgl. Kenney, Sources I, p. 72.
528 Kenney, Sources I, p. 72 f.
92 Georg Schreiber

von Whitley Stokes (1830-1909) 529, Sir John Rhys (1840-1915) 530, Robert
Atkinson (1839-1908) 531, Marie-Henri d' Arbois de Jubainville (1827 bis
1910) 532, dazu in Deutschland Ernst Windisch (1844-1918) 533, dessen
Schüler Heinrich Zimmer (1851-1910) 534 und Kuno Meyer (1858-1919) 536
sowie Rudolf Thurneysen (1857-1940) 536 zu nennen.
In Irland selbst, um hier nur einige Hinweise zu bieten, erlebte die
Keltologie als Weg der Heimatforschung einen starken Aufschwung, der
durch die Society for the Preservation of the Irish Language (gegründet
1876) und die Gaelic Union (gegründet 1878) vorbereitet wurde. Für die
weitere Entwicklung sei nur erwähnt die Gaelic League (gegründet 1893
von Douglas Hyde sowie von Father Eugene O'Growney, T.O'Neill
Russell, David Comyn, E6in MacNeill u. a.) 537. Diese Gaelic Revival gab
sich zunächst als eine Reaktion gegen die Anglisierungsbestrebungen des
19. Jhs. Weitere Aufgaben wurden in neuerer Zeit besonders durch die
Folklore of Ireland Society (gegründet 1927), auch durch das Irish Folklore
Institute (gegründet 1930) und vor allem durch die Irish Folklore Com-
mission (gegründet 1934 bzw. 1935) 538 wahrgenommen. Inzwischen hatte
man sich auch englischerseits für die irische Sprache interessiert, jenseits von
politischen Tagesströmungen; darüber hinaus trug man der Tatsache schick-
salhafter Begegnungen in den verschiedensten Jahrhunderten Rechnung. So
gründete man 1898 in London die Irish Texts Society, die sich der Heraus-

mUrkeltischer Sprachschatz (August Fick, Vergleichendes Wörterbuch der indogermani-


schen Sprachen, 4. Aufl. Göttingen 1894, Teil 1); siehe besonders seine Textausgaben; dazu
R. I. Best, Bibliography of the Publications of Whitley Stokes. Zeitschr. f. celtische Philo-
logie 8, 1912, S. 351-406.
530 Studies in Early Irish History. Proceedings of the British Academy 1, 1903-1904,
p.21-80.
531 The Passions and the Homilies from Leabhar Breac (Royal Irish Academy. Todd
Lect. Sero II). Dublin 1887.
532 S. vor allem Essai d'un catalogue de la litterature epique de l'Irlande. Paris 1883.
533 S. vorab Irische Texte mit Wörterbuch, Bd. 1. Leipzig 1880.
534 Bekannt ist sein Angriff gegen das obengenannte Wörterbuch von Windisch: Irische
Texte mit Wörterbuch von E. Windisch (Keltische Studien, H. 1), Bcrlin 1881.
535 Erster Direktor der School of Irish Learning in Dublin und Herausgeber der Zeit-
schrift Eriu (1904 ff.); Herausgeber und übersetzer zahlreicher irischer Texte.
536 S. vor allem Die irische Helden- und Königsage bis zum siebzehnten Jahrhundert,
T. I und 11. Halle a. S. 1921; Handbuch des Altirischen (Indogermanische Bibliothek,
Abt. 1, R. 1,6). Heidclberg 1909; 2. Aufl.: A Grammar of üld Irish. Dublin 1946.
637 Vgl. Kenney, Sour ces I, p. 79 ff.
538 Seamus 0 Duilearga, Volkskundliche Arbeit in Irland von 1850 bis zur Gegenwart
mit besonderer Berücksichtigung der "Irischen Volkskunde-Kommission." Zeitschr. f. celti-
sche Philologie 23, 1943, S. 1-38, bes. S. 8 f.
Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 93

gabe irischer Texte widmete, wie dies schon früher die Irish Archaeological
Society, die Celtic Society und die Ossianic Society (gegründet in der
Mitte des vorigen ]hs.) und andere irische Gesellschaften besorgt hatten 539.
Man war sich in der irischen und englischen Forschung wohl des gewichtigen
Umstandes bewußt, daß man die Aufmerksamkeit der USA fesselte, soweit
dort das wissenschaftliche Irenturn in Frage kam (von Iren gestiftete Lehr-
stühle an Universitäten, Schriften von ]ames ]oseph Walsh 53Ua und Benedict
Fitzpatrick 53Ub).
Noch ein historischer Ausblick. Wir begnügen uns, um einige Hinweise
beizusteuern, für die Bearbeitung der irischen Kirchengeschichte auf die
bereits öfter angezogene Quellensammlung von James F. Kenney hinzu-
weisen, namentlich auf die dort gebotene Übersicht zur Geschichte der Iren-
forschung 540. Für die spätere Würdigung sei auf den Artikel von Walter
De1ius in der Zeitschrift für Kirchengeschichte aufmerksam gemacht 541, der
vieles festhält, aber auch die Weiterführung nahelegt 542. Die einschlägige
Literatur ist schon umfassender entwickelt.
In der älteren kirchengeschichtlichen Linie steht das oft übersehene Werk
von Carl Johann Greith, dem geistvollen Bischof von St. Gallen (t 1882),
den die Frühgeschichte seines heimatlichen Raumes nach Irland wies 543. In
allem war dieser Autor ein vielseitiger Gelehrter, der "schweizerische Bos-
suet" 544, wie man ihn nannte. Greiths Darstellung ist stark apologetisch ge-
halten. Es ist sein Bestreben, die irische Kirche von rom freien Tendenzen
freizusprechen. Bemühungen anglikanischer Forscher (etwa von James

539 Kenney, Sources I, p. 81.


S39a The World's Debt to the Irish. Boston 1926.
539b Ireland and the Foundation of Europe. New York/London 1927.
640 Sources I, p. 1-109.
541 Irland in der deutschen Kirchengeschichtsschreibung. Zeitschr. f. Kirchengeschichte
60, 3. F. 11, 1941, S. 485-497.
542 So fehlt etwa eine so grun,dlegende Untersuchung wie die von Fuhrmann, Monaste-
ries. - Im Artikel von Delius bleiben manche Versehen zu berichtigen: S.490 heißt es
wiederholt »Archaelogic(al)" statt Archaeological"; ebd. heißt es Heunessy statt Hennessy;
S. 491; Alkinson statt Atkinson; ebd. John Ryhs statt Sir John Rhys; S. 492: John Ryan,
Irish Monasticism. Origins and Early Development, erschien nicht in London, sondern
in Dublin and Cork (The Talbot Press), usw.
543 Geschichte der alt irischen Kirche und ihrer Verbindung mit Rom, Gallien und Ale-
mannien (von 430-630) als Einleitung in die Geschichte des Stifts St. Gallen. Nach hand-
schriftlichen und gedruckten Quellenschriften. Freiburg i. Br. 1867.
544 Greith war der eigentliche Organisator des jungen Bistums, an sich eine kämpferi-
sche Persönlichkeit, Vertreter der Minorität auf dem Vatikanum. A. Scheinwiler, LThK 4,
Sp. (92.
94 Georg Schreiber

Henthorn Todd 545), der irischen Kirche eine Unabhängigkeit von Rom zu-
zuschreiben, werden betont abgelehnt. Diese dem Tiber zugewandte Hal-
tung zeigt sich besonders bei der Charakteristik des Irenapostels Patri-
cius 546 (angeblicher Romaufenthalt), des Inselklosters Iona 547 und ebenso
Columbans d. J. 548. Abschließend formuliert der Autor seinen nachdrücklich
vertretenen Standpunkt dahin: "Diese Grundzüge des religiösen Glaubens
und Gottesdienstes, wie er in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts in Hy
eingehalten und geübt wurde, sind geeignet, über die volle übereinstimmung
der keltischen Kirchen in Britannien, Irland und Scotland mit der römi-
schen Kinne helles Licht zu verbreiten und die willkürliche Annahme einer
wesentlichen Verschiedenheit beider, welche anglikanische Schriftsteller be-
sonders im vorigen (d. i. im 18.) Jahrhundert aufgestellt und deutsche Pro-
testanten namgeschrieben haben, gründlich abzuweisen 549." Greiths Unter-
suchung, die s·im streng an die überkommenen Quellen hält, ist heute in
manchen Punkten, so in der Frage der Herkunft des Patricius 550, überholt.
Doch wirkt sein Buch, das "als Einleitung in die Gesmichte des Stiftes
St. Gallen" gedamt war, ,aum für den heutigen Forscher nom anregend.
Seine Kritik an England ist durchaus gemäßigter Natur, ein Moment, das
im deutschen Irlandbild beachtet sein will. Immerhin verzichtete Greith
nicht darauf, der Kirche des "ewig grünen Erin" den Ehrentitel der "Mar-
tyrer-Nation des Westens" zuzuerkennen 551. Imponderabilien begleiteten
die Irlandforsmung.
Eingehender und umfassender gibt sich in der kirchen geschichtlichen Linie
die Darstellung des Aachener Historikers und Stiftspropstes Alphons Bel-
lesheim (t 1912)552. Bei diesem Smüler von Carl Joseph von Hefele, dem
großen Vertreter der Tübinger Schule (1837-1869 Professor), und des

545 St. Pa trick, Aposrle of Ireland. A Memoh- of his Life and Mission. Wirh an Intro-
ductory Dissertation on So me Eady Usages of the Church in Ireland, and its Historical
Position from the Establishment of the English Colony to the Present Day. Dublin 1864.
548 Greith, Altirische Kirche, S. 109 H.
547 Ebd. S. 227.
548 Ebd. S. 325 f.; vgl. S. 328.

549 Ebd. S. 227; vgl. S.459.


550 Zur Patricius-Forschung s. neuerdings Bieler, Vindiciae Patricianae. Vgl. oben.
551 Altirische Kirche, S. VIII.
5;;2 Geschichte der katholischen Kirche in Irland von der Einführung des Christentums
bis zur Gegenwart. Bd.1: Von 432-1509; Bd. 2: Von 1509-1690; Bd. 3: Von 1690-1890.
Mainz 1890-1891. Der 1. Band erfuhr sofort im Literarischen Handweiser 29, 1890, Nr. 508,
S. 430 H. eine freundliche Aufnahme, aber doch auch eine beachtlich kritische Durchdrin-
gung.
Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 95

Archäologen Giovanni Battista de Rossi Ct 1894, Rom) war ein weitgehen-


des Verstehen irischer Eigenart ausgelöst. Zudem waren seine Studien in
Rom, London und Paris fruchtbar 553. Auch dieser Autor setzt sich - bei
aller Anerkennung der Eigenart der irischen Kirche - für deren Verbunden-
heit mit Rom ein, was besonders bei Gelegenheit der Charakteristik des
Patricius zum Ausdruck kommt 554. Sein Werk erwies sich in der Geschichte
der irisch-deutschen Beziehungen als bahnbrechend. Friedrich Lauchert hat
allerdings recht, wenn er bemerkt, daß Bellesheim oft die notwendige
Kritik der benutzten Literatur vermissen läßt 555. Gleichwohl wird man
feststellen müssen, daß Bellesheim bis jetzt die einzige deutsche Darstellung
der irischen Kirchengeschichte erbringt, die bis zum Ausgang des 19. Jhs.,
d. h. bis 1890 reicht. Wenn auch seitdem neue Erkenntnisse gewonnen
wurden - namentlich in den Fragen um den Irenapostel Patricius 556 - , so
ist das Werk nach wie vor unentbehrlich. A.hnlich wie bei Greith mochte
sich eine örtliche Anregung geltend gemacht haben. In Aachen war, wie er-
wähnt, dem irischen Missionar Foillan (ermordet gegen 655) eine Kirche ge-
widmet, die auch eine Reliquie enthielt 557.
Nach wie vor rückt Irland in die Kontroverse. Auf der anderen Seite
- d. h. vom "romfreien" Standpunkt aus - wurde Joh. Heinr. Aug. Ebrards
Ct 1888) Geschichte der iroschottischen Missionskirche 558 geschrieben, eine
Arbeit, die für weite Kreise das Bild der irischen Kirchengeschichte beherr-
schen sollte. Ihre besondere Note erhält sie dadurch, daß der Verfasser das
Bestehen einer "völlig und einheitlich organisierten Kirche, welche in rom-
freier Selbständigkeit bis in das zwölfte und dreizehnte Jahrhundert fort-
existiert und bis in die Reformationszeit fortgewirkt hat 559," als "beweis-
kräftige Instanz für die auch historische Vollberechtigung ihrer Trennung
von Rom und ihres selbständigen Bestehens 560" sieht. Die von dem Erlanger

553 Zur Würdigung seines Lebenswerkes siehe vor allem Friedrich Lauchert, Alfons
Bellesheim t. Historisch-politische Blätter für das katholische Deutschland 149, 1912,
S.255-261. - Aus den genannten Quellenstudien erwuchs bereits vorher Bellesheims Ge-
schichte der katholischen Kirche in Schottland von der Einführung des Christentums bis
auf die Gegenwart. 2 Bde. Mainz 1883.
554 Bellesheim, Irland 1, S.33-42.
555 Bellesheim. LThK 2, Sp. 130.
5;;6 S. oben.
551 S. oben.

558 Die iroschottische Missionskirche des 6., 7. und 8. Jahrhunderts und ihre Verbreitung
und Bedeutung auf dem Festland. Gütersloh 1873.
559 Ebd. S. V f.
560 Ebd. S. VI.
96 Georg Smreiber

Theologen geäußerten Auffassungen sind weithin überholt 560a. Für die Ge-
schichte und Entfaltung des irischen Mönchtums haben wir heute durch eine
vergleichende Betrachtungsweise monastischer Frühstufen reichere und an-
derweitige Erkenntnisse gewinnen können. Es sei nur auf die einschlägigen
Werke von John Ryan 56t, Stephanus Hilpisch 562, Marcel Viller und Karl
Rahner 563 und auf andere Autoren verwiesen. Abhängig von Ebrard ist im
übrigen Hans von Schubert 564, auch Otto Wissig 565. Am stärksten wirkte
Ebrard jedoch auf die Veröffentlichungen, die Heinrich Zimmer besorgte 566.
Diese haben ,inzwischen viel Widerspruch erfahren. Auch die Polemik dieses
Autors, der sich unter anderem der Christianisierung Irlands zuwandte,
entzündete sich an der Gestalt und Mission des Patricius 567.
Immerhin ist es das unbestrittene Verdienst Zimmers, auf die Bedeutung
hingewiesen zu haben, die die Iren für das Festland beanspruchen dürfen.
Manche Einflüsse gingen von Zimmer aus auf W. Schultze 568, Julius von
Pflugk-Harttung 569, Anton Mayer 570. Einzelbeobachtungen, die von diesen
und anderen Autoren erfolgten, lassen jedoch eine Gesamtdarstellung bis
jetzt noch vermissen. Handelt es sich doch darum, jenseits aller Kontrover-
sen und in einer Erweiterung der kirchenhistorischen Fragestellung den
Einfluß der Kelten auf die Entwicklung der abendländischen Kultur über-
haupt herauszustellen. Schritte in dieser Richtung unternahm neuerdings

S80a S. vor allem lohn Campbell MacNaught, The Celtic Churm and the See of Peter.
Oxford 1927, bes. p. 106.
561 Irish Monasticism.
562 Geschimte des benediktinismen Mönmtums. Freiburg i. Br. 1929.
563 Aszese und Mystik.
564 Gesmimte der mristlichen Kirme im Frühmittelalter. Ein Handbuch. 1. Halbbd.
Tübingen 1917, S. 202-221.
665 Irosmotten und Bonifatius in Deutsmland. Eine kirmengesmimtlich-urkundliche
Untersumung. Gütersloh 1932. - Es dürfte interessieren, daß eine gleiche Haltung sim aum
nom in dem - allerdings sehr volkstümlim und für eine breitere Lesersmaft gesmriebenen-
Bum von Johnston, Robinson, Jackson, Ireland, ausprägt. - Gegen Ebrard teilweise
H"iler, Altkirchliche Autonomie, S. 126 H.
566 S. vor allem: Ober die Bedeutung des irismen Elements für die mittelalterlime
Cultur. Preußisme Jahrbücher 59, 1887, S. 27-59; Keltisme Kirche in Britannien und
Irland, bei]. J. Herzog und Albert Hauck, Realencyklopädie f. protestantisme Theologie
und Kirme 10 3, Leipzig 1901, S. 204-243.
567 Zimmer, Keltische Kirche, S.207-221.
568 Die Bedeutung der irosmottismen Mönche für die Erhaltung und Fortpflanzung der
mittelalterlimenWissensmaft. CentralbI. f. Bibliothekswesen 6, 1889, S.185-198. 233-241.
281-290.
589 The Old Irish on the Continent. Transactions of the Royal Historical Society,
~.S.5, 1891,p.75-102.
570 Die Iren auf dem Kontinent im Mittelalter. Homland 13, Bd.2, 1916, S.605-614.
Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 97

Leo Weisgerber, wenn er den Spuren der irischen Mission, soweit es die
Entwicklung der deutschen Sprache betrifft 571, nachging. Weisgerber ist
zudem der Verfasser einer grundlegenden Schrift über das den Inselkelten
nächstverwandte Bretonentum 572.
Besonderes Interesse haben schon lange bei Paläographen, Sprachforschern
und Historikern die libri scottice scrip ti - die in irischer Manier geschrie-
benen Handschriften - gefunden. Sie zeigen den ganz entscheidenden Ein-
fluß der Iroschotten auf die Anfänge des deutschen Schriftwesens. Richtung-
weisend sind hier die Forschungen des Germanisten Georg Baesecke über
den deutschen Abrogans 573 und den Vocabularius Sti. Galli 574, sowie die
Arbeiten von Bernhard Bischoff574a. Allerdings wurde in jüngster Zeit dar-
auf aufmerksam gemacht, daß das irische Element auf dem Festlande in bezug
auf die Buchkunst nicht überschätzt werden darf. So hat Johannes Duft fest-
gestellt, daß nicht 40 und mehr irische Handschriften - wie üblich angenom-
men -, sondern nur 15 sich in St. Gallen befinden 575.
Auf dem Gebiete der Buchmalerei hat der Kunsthistoriker Kurt Pfister
den Sinn für die irische Eigenart ersdllossen 576. Seine knappen, aber inhalt-
reichen Einleitungsworte zu den Tafelbildern werden durch die ausführ-
lichen, die geistigen Hintergründe, die künstlerische Methode der Frühzeit
und deren Atmosphäre herausstellenden Ausführungen von Genevieve
L. Micheli 577 und Franr;oise H enry 577a übertroffen. Letztere Arbeit gibt sich,
über die Kunst hinausweisend, als eine Geschichte des irischen Geisteslebens
und seiner wechselseitigen Beziehungen zum Festland.

571 Die Spuren der irischen Mission in der Entwicklung der deutschen Sprache.
Rheinische Vierteljahrsblätter 17, 1952, S.8-41. Mit wertvollen Literaturangaben zum
Thema des irischen Einflusses im allgemeinen.
572 Das Bretonentum nach Raum, Zahl und Lebenskraft (Schriftenreihe der Deutschen
Gesellschaft für keltische Studien, hrsg. von Ludwig M üh/hausen, H. 5). Halle a. S. 1940.
573 Der deutsche Abrogans und die Herkunft des deutschen Schrifttums. Halle a. S. 1930.
574 Der Vocabularius Sti. Galli in der ags. Mission. Halle a. S. 1933. Siehe neuerdings
auch Vor- und Frühgeschichte des deutsmen Schrifttums. 2 Bde. Halle (Saale) 1940 H.
574a Die süd05tdeutschen Schreibschulen und Bibliotheken in der Karolingerzeit 1. Leip-
zig 1940; Paläographie, in: Deutsche Philologie im Aufriß, hrsg. von Wal/gang Stammler.
Berlinlßielefeid t 952, 1, Sp. 379-452, bes. Sp. 403 f.
57S Die irischen Miniaturen der Stiftsbibliothek St. Gallen. Hrsg. von Jahannes Duft und
Peter Meyer. Olten, Bern, Lausanne 1953. In englischer übers. 1954.
576 Irische Buchmalerei. Nordeuropa und Christentum in der Kunst des frühen Mittel-
alters. Potsdam 1927. Auf insulare Handschriften beschränkt sich - indem auch die nach-
folgenden Epochen behandelt werden - O. E. Sazmders, La miniatura inglesa. 2 vol. Barce-
lona 1933.
577 L'enluminure du haut moyen age et les influences irlandaises. Bruxelles 1939.
577. Irish Art 2.
98 Georg Schreiber

Im Rahmen der Bemühungen, die Erkenntnis des irischen Elementes auf


dem Kontinent zu erweitern, wurde von loseph Garber 578 versucht, die
irische Buchkunst in Beziehung zu setzen zu jenen fremdartigen karolingi-
schen Fresken in der Prokulus-Kirche in Naturns (Tirol), die 1923 freige-
legt wurden. Neuere Forschungen - zuletzt eine Studie von Sieg/ried Bey-
schlag 579 - weisen jedoch einen direkten irischen Einfluß zugunsten einer
Herausstellung angelsächsischer Züge zurück, in die andere Elemente
(Irisches, Langobardisches, neuere antike Haltung, Bodenständiges) 580
strömten. Um die Erkenntnis der literarischen Beziehungen zwischen Irland
und Deutschland bemühen 'sich die Arbeiten von lohn Hennig (Dublin) 581.
Zeichnen sich schon in der Bewertung der Wirkung der iroschottischen
Mission gewisse Kontroversen ab, so erst recht in der allgemeineren Beur-
teilung der Träger dieser Kultur. Man möchte geradezu von Wandlungen
des Irlandbildes - in bezug auf den Kontinent - sprechen. Einen überblick
über dieses Auf und Ab von überbewertung und Unterschätzung des
irischen Einflusses gab neuerdings Leo Weisgerber 582. Ergänzend zu dieser
Darstellung sei bemerkt, daß auch die jüngeren Veröffentlichungen von
Heinrich Büttner 583 den Anteil der Iren an der Mission der Franken und
Alemannen schärfer herausarbeiteten - so etwa im Hinblick auf die Wir-
kung des Columbanklosters Luxeuil 584•
Büttner stellt hier - im Gegensatz zur traditionellen Bonifatius-For-
schung - mit allem Vorbehalt den Anteil der Iren an der Missionsbewegung
des 7. Jahrhunderts beachtlich kritisch heraus. Ebenso billigt Theodor
Schieffer in seinem Bonifatius-Buch S8S den National-Iren nur eine kurze
Periode (bald nach 600) zu, in denen sie "das führende Element" waren und
warnt im übrigen vor "übertriebenen Vorstellungen" in bezug auf die
irische Mission 588. Mehr als einmal möchte man für diese Zusammenhänge
einen stärkeren und vergleichenden Ausblid~ auf die Gallia christiana und
ebenso auf den italischen Raum wünschen. Romuald Bauerreiß hat in seiner
Kirchengeschichte Bayerns den Einfluß der Iren als verhältnismäßig be-
Die romanischen Wandgemälde Tirols. Wien 1928, S. 18 u. ö.
578
Die Wandgemälde von St. Prokulus in Naturns. VeröffentlidlUngen des Museum
• 79
Ferdinandeum in Innsbruck, Bd. 31. Innsbruck 1951, S.21-36.
680 Ebd. S.31.
G81 S. besonders Irish-German Literary Relations.
582 Spuren der irischen Mission, S. 12-16.
583 Mainland; Christentum und Kirche.
584 Christentum und Kirche, S. 370.
585 Winfrid-Bonifatius und die christliche Grundlegung Europas. Freiburg i. Br. 1954.
588 Ebd. S. 86.
Irland im deutschen und abendländischen Sakral raum 99

deutend angesprochen 587. Dieser Autor ist geneigt, eine große Anzahl von
Glaubensboten der vorbonifatianischen Zeit als Iren zu betrachten. Man
nehme nur seine Ausführungen über Rupert und Korbinian 588.
Immer wieder haben sich die Fragen nach der irischen Mission auf dem
Festlande um einzelne Gestalten gruppiert. Ähnlich wie auf den nordwest-
lichen Inseln - und von dort angeregt auch auf dem Festland - das Patri-
eius-Problem stets von neuem aufgegriffen wird und noch zu keiner Lösung
gekommen ist 589, so entzündet sich auch auf dem Kontinent das Interesse
an den Frühmissionaren. Juhiläen bieten dazu einen willkommenen Anlaß.
So regte das zwölfhundert jährige Jubiläum des hl. Korbinian zu der
schon genannten 590 Festschrift an, in der, wie angedeutet, auch die Frage
nach der irischen Herkunft dieses und anderer Glaubensboten aufgegriffen
wurde 591. In Frankreich fand der Internationale Kongreß in Luxeuil (20.
bis 23. Juli 1950) in dem Sammelwerk Melanges Colombaniens 592 seinen
Niederschlag; dort wurden die schon früher erörterten Probleme, die sich
um die Gestalt dieses Missionars (z. B. die Echtheit des Poenitentiale) 593
auftun, erörtert. Wiederum bot die Säkularfeier der Erhebung der Kilians-
reliquien Anlaß, dem traditionsmächtigen Frankenapostel einen Festband
zu widmen 594. Dieser ging Hand in Hand mit der Ausstellung "Franeonia
Saera" und hat für die Erkenntnis der Iren manches Neue gebracht, was ihre
Wirkung im ostfränkischen Raum angeht. St. Pirmin kam 1953 zur Sprache,
wobei allerdings die Frage nach einer Herkunft aus Irland oder aus Septi-
manien noch ungelöst bleiben mußte 595• Das Bonifatius-Jubiläum des Jah-
res 1954 endlich rückte den Apostel der Deutschen, seine Organisations-
tätigkeit und sein Verhältnis zu den Iroschotten in das Licht der neuesten

587 Kirchengeschichte Bayerns 1, S.40-47; vgl. Irische Frühmissionäre. S. dazu Ernst


Klebet, Zur Geschichte des Christentums in Bayern vor Bonifatius, in: Sankt Bonifatius-
Gedenkgabe, S. 388-411, bes. S. 388.
588 Irische Frühmissionäre, S. 55 f., 57 H.; Kirchengeschichte Bayerns 1, S. 41 f. - S. da-
zu auch Frank, Klosterbischöfe.
3ijO Bieler, Vindiciae Patricianae.
590 S. oben.
591 Bauerreiß, Irische Frühmissionäre.
592 Actes du Congres International de Luxeuil, 20-23 Juillet 1950. Paris (1951). S. oben.
593 Mitchelt, Penitential of St. Columbanus. Bergamaschi, Penitenziale di S. Colombano.
S.oben.
594 Herbipolis jubilans; vgl. auch Dienemann, Kult des heiligen Kilian. S. oben.
595 Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 5, Speyer 1953. Dieser Band ist aus-
schließlich St. Pirmin gewidmet. Zur Frage der Herkunft des Heiligen vgl. besonders
:ichreiber, St. Pirmin, bes. S. 45. - Ein Beitrag zum Willibrord-Jubiläum ist C. Wampach,
St. Willibrord. Luxemburg 1953.
100 Georg Schreiber

Forschungen 596. Dabei wachsen die Initiative und der Anteil der Bischofs-
kirchen bedeutend heraus.
In diesem Zusammenhang mag es angezeigt erscheinen, auch auf die
älteren Darstellungen hinzuweisen, die sich im Rahmen einer allgemeineren
Heiligenforschung mit den irischen Heilbringern beschäftigen. Hier bieten
die Untersuchungen von Heinrich Samson 597, Dietrich Heinrich Kerler 698 ,
Alfons Maria Zimmermann 599 einige Vorarbeiten. Für die Patrozinien-
forschung sind die Untersuchungen von Johann Dorn 600, Oskar Farner 601 ,
Hans Fink 602 und von anderen Autoren nach wie vor unerläßlich.
Eine tabellarische übersicht über die Kalendarien des 9. bis 11. Jhs., spe-
ziell in St. Gallen, besorgte Emmanuel Munding 603•
Sehr erwünscht wäre eine Herausstellung der Attribute der irischen
Heiligen (Pilgerstab, Reliquientasche [St. Gallus], Johannes-Tonsur, Schiff
[St. Brandan]). Man wird dieserhalb die ikonographischen Werke von Karl
Künstle 604 und von foseph Braun 605 einsehen. Dabei wird man sich an die
Unterscheidung erinnern müssen, die Braun den generellen und speziellen
Attributen mitgegeben hat.
Noch heute sind für das kultische und volksgläubige Nachleben der Iren
die encyklopädischen Artikel über die einzelnen Heiligen im Kirchenlexi-
kon 606 und in Michael Buchbergers Lexikon für Theologie und Kirche her-
anzuziehen, desgleichen die Artikel "Irland" in diesen beiden Nachschlage-
werken 607. Kein Geringerer als der Freiburger Kirchenhistoriker fosel
Sauer brachte an der letztgenannten Stelle Darlegungen über irische Kunst,
die knapp, aber inhaltreich wesenhafte Linien herausarbeiten 608. Eine kurze
übersicht über Irland und die iroschottische Kirche bietet Franz Flaskamp;
596 Sankt Bonifatius-Gedenkgabe; Schieffer, Winfrid-Bonifatius. S. oben.
697 Die Schutzheiligen. Ein Beitrag zur Heiligen-Legende und zur Cultur- und Kunst-
geschichte. Paderborn 1889; Die Heiligen als Kirchenpatrone. Paderborn 1892.
598 Patronate.
599 Kalendarium Benedictinum.
600 P .ltrozinienforschung.
601 Graubünden.
602 Tirol.
603 Kalendarien.
604 Ikonographie.
805 Tracht.
806 Wetzer und Welte's Kirchenlexikon oder Encyklopädie der katholischen Theologie
und ihrer Hülfswissenschaften. 2. Aufl. 12 Bde. und 1 Registerband. Freiburg i. Br.
1882-1903.
807 Zimmermann, Irland. Kirchenlexikon 6, Sp.875-916; wesentlich erweitert durch
M. Förster, Irland. LThK 5, Sp. 596-601.
608 Irische Kunst. LThK 5, Sp. 593-596.
Irland im deutsmen und abendländismen Sakralraum 101

daran schließt sich der Artikel von Johannes B. Aufhauser über den Abschnitt
von der Romanisierung bis zur Gegenwart, beide in der Encyklopädie
"Religion in Geschichte und Gegenwart" 609. Dabei will erwähnt sein, daß
Flaskamp Pirmin zu den Iren zählt. - Hingegen wird ein Stichwort "Irland"
bei Bächtold-Stäubli vermißt. Gleichwohl hat sich die deutsche Volkskunde
in letzter Zeit für die irische Folklore interessiert 610.
Nach wie vor ist die deutsche Forschung auf die grundlegenden Arbeiten
von Louis Gougaud angewiesen. Dieser Autor hat die Beziehungen Irlands
zum Kontinent, was die irische Mission, den Kult und das Nachleben der
Iroschotten anbetrifft, herausgestellt 611. Seine Forschungen sind neuerdings
durch Georg Schreiber weitergeführt, mit besonderer Berücksichtigung West-
deutschlands, doch mit vielen Hinweisen auf den gesamtdeutschen Raum 612.
Die Forderung nach einer Gesamtdarstellung der irischen Kirchenge-
schichte, die sowohl die Entwicklung auf der Insel als auch die Mission auf
dem Festland zeigt, die W/alter Delius in dem obengenannten Artikel erhob,
hat dieser Autor selbst nur teilweise in seiner Geschichte der irischen Kirche
verwirklichen können 613.
Was das irische Mönchtum anbetrifft, so wird man nach wie vor die zu-
sammenfassenden allgemeinen Darstellungen von Ernst Tomek 614, Stepha-
nus Hilpisch 615, Max Heimbucher 616 und Kassius Hallinger 617 heranziehen;

609 Hrsg. von H. Gunkel und L. Zscharnack. 2. Auf!. Bd. 3. Tübingen 1929, Sp. 389-394.
Hier ist die Abwertung von Patricius durch Herz, Irland, in der 1. Auf!. 3, 1912, Sp. 672,
verlassen.
610 Ö Duilearga, Volkskundliche Arbeit. VgJ. oben.
611 S. besonders Chrthientes celtiques; Christianity in Celtic Lands; Saints irlandais.
612 Wanderkulte.
613 So vermißt man besonders - bei dem großen Interesse, das man den irischen Synoden
entgegengebracht hat - die Zitierung von Hefeles Conciliengeschichte; dieses Werk erleim-
tert wesentlim den Zugang zu den irismen Synoden. Sachlim ist zu bemerken: S. 110: FoilIan
und Ultan kamen erst nach dem Tode des Furseus nach peronne. F. starb auf dem Wege zu
scinen Brüdern in Irland. Vgl. Fuhrmann, Monasteries, p. 25; Gougaud, Saints irland ais,
p. 98; Traube, Perrona Scottorum, p. 481. S. 42, 91, 93, 98: Es handelt sim nimt um
Giraldus von Cambrai (der ein pikardismer Minnesänger war!), sondern um Giraldus
Cambrensis, geb. gegen 1147 im Schloß Manorbeir (Pembrokeshire), t 1223, einen englismen
Gesmimtsschreiber, der auch irische Verhältnisse berücksichtigte.
614 Studien.
615 Benediktinismes Mönchtum.
616 Orden.
617 Gorze-Kluny. Darüber hinaus hat Hallinger neben anderen Autoren in der mehr-
fach von uns erwähnten Bonifatius-Gedenkgabe darauf hingewiesen (Römische Vorausset-
zungen der bonifatianischen Wirksamkeit im Frankenreim, S. 320-361, bes. S. 360 f.),
daß die vorbonifatianische Zeit nach der kirchlichen und religiösen Seite nicht ungünstig
gelagert war, ein Moment, das auch der Wertung der Iren zugute kommt.
102 Georg Schreiber

es ist aber auch unerläßlich, zu Fuhrmanns 618 und Ryans 619 speziellen Arbei-
ten zu greifen. Es liegt ja so, daß die älteren Bearbeiter der irischen For-
schung eine vergleichende Geschichte des Mönchtums, die erst in den letzten
Jahrzehnten schärfer herausgearbeitet wurde, noch nicht pflegten. Noch her-
auszustellen im Sinne der heutigen diplomatischen und rechtsgeschichtlichen
Forschung sind die päpstlichen Privilegien für irische Klöster.
Ebenso ist zu bemerken, daß in Fragen des Ritus und der Liturgie die
ältere Generation die grundlegenden Forschungen von Adolph Franz,
L. Duchesne, Josef A. Jungmann und verwandte Arbeiten noch nicht heran-
ziehen konnte. Mehr als eine Feststellung, die von der älteren Forschung
getroffen wurde, empfängt von diesen neueren Untersuchungen ihre Berich-
tigung. So wies Josef Andreas Jungmann auf die Häufung von Kollekten
(Orationen) hin, die sich bei den Iren als Eigenart abzeichnete 620. Gewiß
ein liturgiefreudiger Zug. Schieffers Publikation über Bonifatius hat zudem
erkennen lassen, wieviel in einer eindringlichen Wertung dieser Kelten getan
werden kann, was auch, wie angedeutet, der Keltenforscher Pokorny zu be-
tonen wußte. Man hat diese Iren ja oft zugunsten der Angelsachsen unter-
schätzt. Erwünscht wäre für Deutschland, wenn auch manche Ansätze vor-
handen sind, eine Zusammenstellung der Patrozinien und der Kultstätten,
die Anselmo Tommasini 621 für Italien vorgelegt hat. Umfassender noch ist
die Studie von Vincenzo Berardis 622 gehalten.
Soviel an einigen Hinweisen zur Quellenkunde Irlands. Eine erschöp-
fende Übersicht dieser Art liegt uns fern.

23. Zur Ikonographie


Der Heidelberger Handschrift Cod. Pa!. Germ. 60 (15. Jh.) sind einige Bilder entnom-
men. Diese zeigen in handwerksmäßiger, aber echt vo,lkhafter Ausführung des späten
Mittelalters Brandans Seefahrt. Die Veröffentlichung sämtlicher Stücke ist erwünscht.
Gleichzeitig wurden aus der genannten Schrift des Barockabtes Philoponus von Seitenstet-
ten einige Stiche mitgeteilt, die die Kolumbusreise betreffen, in einer Mischung von Antike,
Mittelalter und Barock. - Außerdem sind der vorliegenden Abhandlung aus der Samm-
lung Georg Schreiber noch einige Kupferstiche des späten Barock beigegeben 623. Sie zei-
gen irische Heilige, wie sie in die deutsche VO'lksfrömmigkeit eingegangen sind. In schlich-

0[8 Monasteries.
6[g Irish Monasticism.
620 Missarum sollemnia. 2 Bde. Wien 1948, 1, S. 477 Anm. 53.
621 Santi irlandesi.
622 I taly and Ireland.
623 S. dazu Schreiber, Pirmin, S. 51 f.
Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 103

ter, medaillonhafter Ausführung, mit charakteristischen Sinnsprüchen, mit Anmutungen


für das Tugendstreben, mit Zitaten meist aus der Patristik suchen diese Bilder der Eigen-
art des Sanctus gerecht zu werden, zugleich dem Frömmigkeitsleben. Generelle Attribute
vermischen sich dabei mit individuellen Sinnzeichen. Die Rückseite dieser Bilder bringt
die Kurzbiographie des Heiligen. Im Stil des Barock werden darin gern legendarische
Züge, die Volkstümliches mit sich führen, festgehalten. Das gibt sich als letzter Ausklang
der Legenda aurea und ihrer Quellen. Die Gruppe dieser Andadmbilder gehört unter die
sog. Monatszettel, die in der Volksfrömmigkeit des 18. und 19. Jhs. eine bemerkenswerte
Rolle spielen, und die auch heute noch als Motive monatlicher Devotion in religiösen
Genossenschaften bekannt sind. Auf die Bedeutung dieser Bilder für den ausgehenden
Barock hat bereits Adolf Spamer hingewiesen 624, mehr nach der Seite der Stecher, ohne
aber auf die Inhalte näher einzugehen, die von anderer Seite inzwischen gewürdigt sind 625.

624 Das kleine Andachtsbild vom XIV. bis zum XX. Jahrhundert. München 1930.
625 Schreiber, Spanien und Deutschland, S. 519 im Register, mit zahlreichen Verweisen
auf die Monatszettel.
Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 105

/))

Abb. 1: Fegfeuer (St. Brandans Meerfahrt, Cod. Pa!. Germ. 60, 161 r)
106 Georg Schreiber

Abb. 2: Teufel raubt einen Schiffsgenossen (St. Brandans Meerfahrt, Cod. Pa!. Germ. 60, 165 v)
Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 107

Abb. 3: Sirene im Meer (St. Brandans Meerfahrt, Cod. Pa\. Germ . 60, 168 r)
108 Georg Schreiber

Abb. 4: Judas traditor (St. Brandans Meerfahrt, Cod. Pa!. Germ. 60, 171 v)
Irland im deutschen und abendländischen Sakral raum 109

Abb. 5: Begegnung mit Hundsköpfigen (St. Brandans Meerfahrt, Cod. Pa!. Germ. 60, 177'")
110 Georg Schreiber

Abb. 6: Fahrt auf einem Fisch (St. Brandans Meerfahrt, Cod. Pa!. Germ. 60, 179 v)
Irland im deutschen und abendländischen Sakral raum 111

Abb. 7: Brandan und Buil (Philoponus-Druck, Titelblatt)


112 Georg Schreiber

Abb. 8: Kolumbus und Buil (Philoponus)


Irland im deutschen und abendländischen Sakral raum 113

Abb. 9: Meßfeier und St. Brandans-Insel (Philoponus)

Abb. 10: Kolumbus' Flotte. Ferdinand und Isabella am Ufer (Philoponus)


l14 Georg Schreiber

Abb. 11: Spanier und Indianer im Kampf. Sturz des Götzenbildes (Philoponus)

Abb. 12: Spanische Siedlung (Philoponus)


Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 115

Abb. 13: Indianer auf einem Fabeltier. Spanier am Strand (Philoponus)

Abb. 14: Landnahme durch Kolumbus (Philoponus)


116 Georg Schreiber

Abb. 15: Einzug in eine indianische Siedlung (Philoponus)

Abb. 16: Predigt des Buil (Philoponus)


Irland im deutschen und abendländischen Sakralraum 117

XXI. NO V EMB E.R.


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einer @lottfttligtn @leifllicl)tn l,pafobn gero4t:
net/tler !fielt 0efabren, 1U !lieben. na ef fid)
1U0[t in Dienjl0Dtttd begrben,t\)ibetfe~tt fief)
bi< IDlutter I unb legtt fici) unter ba~ ~l)ürge,
fd)l\ltll: er aber fplingt über bit 1))1utrer bill'
aud/ubtt pd) in .f;>eil. 6d)rifftl unb fommt ins
(!;Iojler ~enca. !Rad) (tlid) .:14~ren utneitl
er uon bannen in \lrandteid) mit 12. <SefeUen!
roeld)e ~lfnig Gigebtrt freunblid) empfangen.
~l1bQ ift er in ber m!ilbnud offt uon 0Dtt ge;
fpeifi rootben. ~autte bernae!) 1u eu~o\)io ein
~Iotter, aUl\lo cr einetl bat &u ~tlllabfun~ be5
0eifllid)en 0ef)orfamba I tranefen lOrubern
!um ~röfd)en aufgebotten / baruon bie <Sel)w
famengldd) gefunb rootben. ~onig :Dietricf)
bat er rotgtn feines une()rlid)en !lBanbels fte.,
cD ibr eJunb~r! gebet in tud) felbft en.! !!let' gellraff't: reine unel)lid)e Stinbtr nicf)t f~egnen/
lle~et i~r m!dtroeifm I bas aUe me.f~eljfungtn aud) feine (5peiftn nit elfen llloUen :3etbrad)e
btr m!tlt Imftibtifd): aUe <5d)mtld)el' m!ort !ugleief) mit feinem Q>ebett bit @}efd)ucl: 6ein
Q;itft: aUe m!oUtijl t~b1id)e ~runcf: unb aUe ~lJfrau ~runed)ilbi5 /leUete ibm nad)/alfo bojj
i\)te m!ttg &um ewigen 'lob geben. s. Laur. cr entweid)en muffen: bod) meilfagte er bem
Juft. Lign. vit. c. I. ~onig I er roerbemitaUen feinen ~rben inner'
balb brel) :Jabren umbfommen. ~ls er roH,
~lud)t bet m!elt. (enSI bie €lc[ouoniet DU befebren/ roi'Cb er bon
ljur bie !")rben" IPerfob tltn • ~intm ~ngelllnttrrid)t / unb ermal}nt ! jn~
m!elfd)lanb 1U liebenl oUroo er feelig uerfd)j,
45· ben im ~obr I!~rifli 615. Ex Surio.

Abb. 17 : St. Columban d. J. (Sammlung Georg Schreiber)


118 Georg Schreiber

XIII. 0 C TOB E R.
cNW ~ld)e \)crmainen/es foUe tlnfd)u(bige~
~.feut~en nie fdn Fa!)!>! ober e,pott.1UI'
llerfabrenJlllontn betrad)fen/tl)aß 00tt ,ubet
"en .p.~olmann ber~tngt. Z>ifer ~u~.stontg,
licl)cm (!lffcl)led)t in ~nla nb geburtt9/ btrl
[jeu fein mattfrranb : soge nact) :\trufalem :
furn burd) ~al)rlJ in Dtfierrcid> gen 6to.
cferan>J.)rnb ba5 :1abr lfbrifii 101 2. aUba er
(luli ~nffifTtun9 ()t~ bofen fiei~bS I bn bije
~ernut in btm jtoniglld>en :1unghng ntd)t
(enbtn funbteJ rur einen 2lu~fpe~er angef~:
benltingt~o!3en/ geffredt/ gebnnntltlllb mIt
t"femn 3angen geritft~ tl)orbtn. (Fr fl,unb
aUes aus mit rounberltdJer@3ebult: troffet
fleb feiner Unfd>ulb!tln~ \jurfebung ®o.tW.l:
wirb enblidJ an einen burren Q3auml tl)le ein
Ubtltbattr ge~dncft.@3ott lie~ ~iF.gefcl)eben/
C!:ofmanno burd) einen fO fdlmabltd)en ~o~t
sen .pimmfl3 u bel/fen: tl)olt er/l bernad) (em
Unfcl)u{b I tlnnb .pe"ligfeit an tag geben•
.mU 8 ~t~lirb bCr (!;Iuigfeit tler(cr)tnaben ~ann er anbertbalb :1a~r nit aUein tmt>er<
ttllr ba5 3ertltd)e: bann Wer Il>olte ~ie nid)t weftn am :Q3aum gebangtn / fonbern fel)nb
ben .ft'eld ber !trtibfal trinden; ber tim \)or ibm auch bit .paar J tmb magd I arS lebte er
btr -Pollen ford)tet? \)nb Il>tr nit bte 1Ueltlid)e nocl7/geroad>fen: \lnb auli einer Eunben fri:
<Sum9feit \)eracf)tet/ ber nad) ber Ijreub be9 fd>ei5l8Lut geRolfen: ja ber burre ?Saum bat
J,;>immehS trad}ttt? s. Auguft. au!igefd)(ogwl \lnb gegrunet. :Da erfennten
erji bit {ltutb i~r rolltfttbat I onb begr!'ben
-R'ein ~reu~ aUB(dJlagen+ i~n ebrlicl7. :1fi bernacl> rotgCll ber flattm
~unbtrroercten bit bel} feinem@!rabgefcl>a.
1jllr bie; fo Ijromme ~"bfrtrnÜm+ ben! \)on rolarggl'afen ,peinrid> in ba6 (fro.
fiermltlcf/tl)ie einmlartl)frr /crf)ebt ttlorbtn.
Weitt! !.Uae ~at~ i~m gefd)abt,baßef @lDtt
33+ fein UnfdJulb Quffgeopff"ert? Ex Ditmaro, Ilc
W. Lazio.

Abb. 18: St. Koloman (Sammlung Georg Schreiber)


Irland im deutschen und abendländischen Sakral raum 119

V I1 I. J U L r r.
iEM . .o!t!t 1lHlifl feiner :Ditnn ~rut bnb
c\5)Je;d)mad) rooliuradlen: roie am~ . .1ti.
lianl) / b~r im :1abr (Ebri~i 689' Ilnfc~ulbiB
11mb! ~fben fommen /1ufeben. €r luar I.lom
@efd)ltd)t tbel/feine6 ~erutlffi un .rolllnd)
tlnbllJrie~er: faUlauö :1rl(anb mlqroev~eo
feUen nCld) (lBllr&burg/oDba er uoml,pabt1[a,
ftOntlUIU laifd)olf sematbt/@Jojibertum/ ber
~Tandtn .Ronig ~um 01auben mit ffinem
~anb gebrad)t: bmbtt Ibn auet) babin / ba6
~r eJeilam/fo ~ubor feinen !:Bellbtr 6U {!;bf ge,
~abtl tntlaffen roolte. ~lIe aber@;etla fO(d)clS
oernomen/bingte fie &roeen illl~rber/llle ~{)+
sm<innertlmb6ubringen: tl>eld)efi b.tm -!).$II
(iano ein Q:ngel geotfenbattfl unb Ibm ~ube
llon ffintr 'llrbeif uerfvrod)(n. ltilianufl rollT
btr !:5ottfcl)atft frob I gieng ben ~"blfd)la1
gern fntgegm I unI) fagte :ijrtun~ I 1»or&u
ftlJn b ibr fommtn? rodd)e Ibn glnd) angTlf·
f~nl mit feinem @}tfenen ermorbertll.lnb bort
begraben: !)er ~.p.ro?artl)rer \Blut ~Clt mur.
gunlla / (In frommtID2atron Ifltilfig auftgc,
trucfnet. @eilo baud barubrr einen ~o~o 1)tr einigt I)nb bellt !troff eine~ l!etrti6~
na II I roeldler !)od> uqn b.e~ll.lnl.lfrnunffhgen ten un!) befummmen-!,'>erafne ill/obne(Silnb
§!lid> niemab!en I.lffbnrall1lget roorben. 60 fel)n I unb bop ber 9Jlenfd) ficIJer gebenden
~nbrn bieSJ.Jl6rbcr &u bell Sf6nig~ ~ibftfun~t barff t ba~ ibm bie m3ibtrroartigfeit / (0 er
ibr ~bat felbji au~gtfd)fl)en. ~on~ bcr ein Qu~flebe / nidlf !U einer <5tratf be~ <SanDen
!)om ~fufel be relfen/ fUfffte erbal'mhcl): bo.lS (lutferltgt ftv. S. Ambrof.
Gd)roerbt / mit jt'i1iani ~Iut gefärbt I uer.
folgt mid). :Der onber entleib~t fieb I (ci)ut~ ~e~Qbrung ber Unfd)u(b.
tete fein ~ngeroQlJbt aull. @}e!la rourb \:)om
~tufel befelfen I befennte I rolt fte uom .p,
ID?aftl)l'tr geptvniget rourbe I biS fit bllniller War bie I (0 llnbertrucft ~erben+
seflorbfll. Ex Sutio.
17+

Abb.19: St. Kilian (Sammlung Georg Schreiber)


120 Georg Schreiber

548.
~brm~ ~ Stinbl'r ttnt) ~unge Mei6en 6el)
bem .\tonigl, eedcn,~nnql\(t.
Gt. :;JoboCU5 SPonig, ~eicf)tiger.
J 3. !>ccember.

~Qffef un~ ba~ t~igt 2e6en lieben, Ulttl 6tßeN tlip !"cl)nb bit ~ogel, roehte ~~I'i~o entgegen
~igen, ll1ie fall tI:liruna barum annt~men foUen; ffirgen in bem S)immel, uon roeld)en er fagt, 1'00
weil biefieb~Qber bifts febtns fief] (llfCl beij3 bQ' fein,gei& i~, ba \1erfammlen fim bie 21blel', roellte
Tum in!tDb6 ~ @}efa!>r rciff~n, ob fie fd)Qn bem Ne ~DUif<1Je edllang el'rourget: unb ü~erroullben.
~ob niebt entrinnCII fonnen. S. Augufi. ferm. D.Anaft. Si na ita 1.1. Hexam.
64. de Verb Dom.
fieb Der ~briflhd}enm3ei5~eit. löe9 Seiten bat! löo6 meiben.
~"t bie I (0 gei/llid,J ~oUen ",erben ijlil' aUe ~ür~li~e ~inber+

Abb.20: Jodokus (Sammlung Georg Schreiber)


VERÖFFENTLICHUNGEN DER
ARBEITSGEMEINSCHAFT FÜR FORSCHUNG
DES LANDES NORDRHEIN-WESTFALEN

NATUR WISSENSCHAFTEN

HEFT 1 HEFT 6
Prof. Dr.-lng. Friedrich Seewald. Aachen Prof. Dr. Walter Weize!. Bonn
Neue Entwiddungen auf dem Gebiet der An- Die gegenwärtige Situation der Grundlagenfor-
triebsmaschinen schung in der Phy.ik
Prof. Dr.-lng. Friedrich A. F. Schmidt. Aachen Prof. Dr. Siegfried Strllgger. Münster
Technischer Stand und Zukunftsaussichten der Ver- Das Duplikantenproblem in der Biologie
brennungsmasdtinen, insbesondere der Gasturbinen Direktor Dr. Fritz Gummert, Essen
Dr.-lng. Rudolf Friedrich. Mülheim (Ruhr) überlegungen zu den Faktoren Raum und Zeit im
Möglidtkeiten und Voraussetzungen der industriel- biologischen Geschehen und Möglichkeiten einer
len Verwertung der Gasturbine Nutzanwendung
1951, 52 Seiten, 15 Abb., kartoniert, DM 2,75 1952, 64 Seiten, 20 Abb., kartoniert, DM 3.-

HEFT 7
HEFT 2
Prof· Dr.-Ing. Allgust Gölte, Aachen
Prof. Dr.-lng. Wolfgang Riezler. Bann Steinkohle als Rohstoff und EnergiequeUe
Probleme der Kernphysik
Prof. Dr. Dr. E. h. Karl Ziegler. Mülheim (Rllhr)
Prof. Dr. Fritz Mich ..l. Münster Ober Arbeiten des Max-Planck-Institutes für Koh-
Isotope als Forschungsmittel in der Chemie unu lenforschung
Biochemie
1951, 40 Seiten, 10 Abb., kartoniert, DM 2,40 1953. 66 Seiten, 4 Abb., karton'iert, DM 3.60

HEFT 8
HEFT 3 Prof. Dr.-Ing. Wilhelm Fucks. Aachen
Prof, Dr, Emil Lehnartz. Münster Die Naturwissenschaft. die Technik und der Mensch
Der Chemismus der Muskelmaschine Prof. Dr. Walther Hoffmann. Münster
Prof. Dr. Gunther Lehmann. Dortmund Wirtschaftliche und soziologische Probleme d ..
Physiologische Forschung als Voraussetzung der technischen Fortschritts
Bestgestaltung der menschlichen Arbeit 1952, 84 Seiten, 12 Abb., kartoniert, DM 4.80
Prof. Dr. Heinrich Kraut. Dortmund
Ernährung und Leistungsfähigkeit HEFT 9
1951. 60 Seiten. 35 Abb .• kartoniert, DM 3,50 Prof. Dr.-Ing. Franz Bollenrath. Aachen
Zur Entwicklung warmfester Werkstoffe
Prof. Dr. Heinrich Kaiser. Dortmllnd
HEFT 4 Stand spektralanalytischer Prüfverfahren und Fol-
Prof. Dr. Franz Wev,r. Düsseldorf gerung für deutsche Verhältnisse
Aufgaben der Eisenforschung 1952, 100 Seiten, 62 Abb., kartoniert. DM 6.-
Prof. Dr.-lng. Hermann Schenck. Aachen
Entwicklungslinien des deutschen Eisenhüttenwesens HEFT 10
Prof. Dr.-lng, Max Haas. Aachen Prof. Dr. Hans BraIIn. Bann
Wirtschaftliche Bedeutung der Leichtmetalle und Möglichkeiten und Grenzen der Resistenzzüchtung
ihre Entwicklung.möglichkeiten
Prof. Dr.-lng. Carl Heinrich Dencker. Bonn
1952, 60 Seiten, 20 Abb .• kartoniert. DM 3,50 Der Weg der Landwirtschaft von der Energie-
autarkie zur Fremdenergie
HEFT 5 1952. 74 Seiten. 23 Abb" kartoniert. DM 4.30
Prof. Dr. Walter Kikllth. Düsseldorf
Virusforschung HEFT 11
Prof. Dr. Rolf Danneel. Bonn Prof. Dr.-Ing. HerUiart Opitz. Aachen
Fortschritte der Krebsforschung Entwicklungslinien der Fertigungstechnik in der
Prof. Dr. Dr. Wemer Schulemann, Bonn Metallbearbeitung
Wirtschaftliche und organisatorische Gesichts- Prof. Dr.-lng. Karl Krekeltr. Aachen
punkte für die Verbesserung unserer Hochschul- Stand und Aussichten der schweißtechnischen Fer-
forschung tigungsverfahren
1952, 50 Seiten. 2 Abb., kartoniert, DM 2,75 1952. 72 Seiten, 49 Abb., kartoniert, DM J.-
HEFT 12 HEFT 21
Dr. Hermann Rathort. Wuppertal-Elberfeld Prof. Dr. Robert Schwor., AadJen
Entwiddung auf dem Gebiet der Chemielaser- Wesen und Bedeutung der Silicium-Chemie
Herstellung Prof. Dr. Dr. h. c. Kurt Alder, Köln
Prof. Dr. Wilhelm Weltzien. Krefeld Fortschritte in der Synthese von Kohlenstoff-
Rohstoff und Veredlung in der Textilwirtschaft verbindungen
1952. 84 Seiten. 29 Abb., kartoniert, DM 4,80 1954, 76 Seiten, 49 Abb., kartoniert, DM 4,--

HEFT 13 HEFT 21a


Dr.-Ing. E. h. Karl Herz, Frankfurt a. M. Prof. Dr. Dr. h. c. Olto Hahn, Göttingen
Die tedmisw.en Entwicklungstendenzen im elek- Die Bedeutung der Grundlagenforschung für die
trismen Na.chrichtenwesen Wirtschaft
Staatssekretär Prof. Leo Brandt, Düsseldorf Prof. Dr. Siegfried Strugg.r. Münster
Navigation und Luftsicherung Die Erforschung des Wasser- und Nährsalztrans-
portes im Pflanzenkörper mit Hilfe der fluoreszenz-
1952, 102 Seitm. 97 Abb., kartoniert, DM 7,25 mikroskopischen Kinematographie
HEFT 14 1953, 74 Seiten, 26 Abb .• kartoniert, DM 5.-
Prof. Dr, Burckbardt Helferieh, Bann HEFT 22
Stand der Enzymchemie und ihre Bedeutung Prof. Dr. JohanT/" vun Allesch, Göttingen
Prof. Dr. Hugo Wilhelm Knipping, Köln Die Bedeutung der Psychologie im öffentlichen
Ausschnitt aus der klinischen CarcinomforsdlUng Leben
am Beispiel des Lungenkrebses Prof. Dr. Otto Graf, Dortmund
1952, 72 Seiten, 12 Abb., kartoniert, DM 4,30 Triebfedern menschlicher Leistung
1953, 80 Seilen, 19 Abb., kartoniert, DM 4,-
HEFT 15
HEFT 23
Prof. Dr. Abral,am Esa" t, Aachen
Ortung mit elektrischen und Ultraschall wellen in Prof. Dr. Dr. h. c. Bruno Kuske, Köln
Technik und Natur Zur Problematik der wirtschaftswissenschaftlichen
Prof, Dr.-Ing. Eugen Flegler. Aache .. Raumforschung
Die ferromagnctisdten Werkstoffe der Elektro- Prof. Dr. DrAng. E. h, Stephan Prager, Düsseldorj
technik und ihre neueste Entwicklung Städtebau und Landesplanung
1953, 84 Seiten, 25 Abb., kartoniert, DM 4,80 1954, 84 Seitell, brto"iert, DM 3,5J
HEFT 24
HEFT 16 Prof. Dr. Ralf Danneel, Borm
Prof. Dr. Rudol! Seyffert. Köln Ober die Wirkungsweise der Erbfaktoren
Die Problematik der Distribution Prol. Dr. Kurt Herzog. Krefeld
Prof. Dr. Theodor Beste. Köln Bewegungsbedarf der mensd,lichen Gliedmaßen-
Der Leistungslohn gelenke bei der Berufsarbeit
1953, 76 Seiten, 18 Abb., kal·toniert, DM 4,-
1952, 70 Seiten, 1 Abb., kartolliert, DM 3,50
HEFT 25
HEFT 17 Prof. Dr. Olto Haxel, Heidelberg
Prof. Dr.-Ing. Friedrich Seewald, Aachen Energiegewinnung aus Kernprozessen
Luftfahrtforschung in Deutschland und ihre Be- Dr.-Ing. Dr. Max Wolf, Düsseldor!
deutung für die allgemeine Technik Gegenwartsprobleme der energIewirtschaftlichen
Prof. Dr.-Ing. Edouard Haudremont, Essen Forschung
Art und Organisation der Forschung in einem 1953, 98 Sdten, 27 Abb., kartoniert, DM 5,25
Industrieforschungsinstitut der Eisenindustrie
HEFT 26
1953, 90 Seiten, 4 Abb., kartoniert, DM 4,20
Prof. Dr. Friedrich Becker. Bonn
HEFT 18 Ultrakurzwellenstrahlung aus dem Weltraum
Prof. Dr. Dr. Wemer Schulemann. Bann Dr. Hans Straftl, Bann
Theorie und Praxis pharmakologischer Forschung Bemerkenswerte Doppelsterne und das Problem
der Sternentwicklung
Prof. Dr. Wilhelm Groth, Bann 1954, 70 Seiten, 8 Abb., kartoniert, DM 3,60
Ted::misme Verfahren zur Isotopentrennung
1953, 72 Seiten, 17 Abb., kartoniert, DM 4,- HEFT 27
Prof. Dr. Heinrich Behn"e, Münster
HEFT 19 Der Strukturwandel der Mathematik in der ersten
Dipl.-Ing. Kurt Traenckner, Essen Hälfte des 20. J abrhunderts
Entwiddungstendenzen der Gaserzeugung Prof· Dr. Emanuel Sperner, Hamburg
Eine mathematische Analyse der Luftdruckvertei-
1953, 26 Seiten, 12 AM., kartoniert, DM 1,60 lungen in großen Gebieten
1956,96 Seiten, 12Abb, 5Tab., kartoniert, DM 5,-
HEFT 20
M. Zvegintzow, London HEFT 28
Wissenschaftliche Forschung und die Auswertung Prof. Dr. Oskar Niemczyk, Aachen
ihrer Ergebnisse Die Problematik gebirgsmechanischer Vorgänge im
Ziel und Tätigkeit der National Research Steinkohlenbergbau
Development Corporation
Prof. Dr. Wilhelm Ahr.m. Kr.feld
Dr. Alexander Kin$' London Die Bedeutung geologischer Forschung für die
Wissenschaft und Internationale Beziehungen Wirtschaft. besonders in Nordrhein-Westfalen
19'4. 88 Seiten, kartoniert, DM 4,20 1955, 96 Seiten, 12 Abb., kartoniert, DM 5,25
HEFT 29 HEFT 38
Prof. Dr. Bernhard Rtnsch, Münst., Dr. E. Colin Cherr], London
Das Problem der Residuen bei Lernleiotungen Kybernetik
Prof. Dr. Hermann Fink, Köln Prof. Dr. Erich Pietsch, Clausthal-Ztllerftld
Ober Leberschäden bei der Bestimmung des bio- Dokumentation und mechanisches Gedächtnis
logischen Wertes versdtiedener Ei weiße von Mikro- zur Frage der Okonomie der geistigen Arbeit
organismen 1954, 108 Seiten, 31 Abb., kartoniert, DM 5,25
1954, 96 Seiten, 23 Abb., kartoniert, DJ! 5,25
HEFT 39
HEFT 30 Dr. Heinz HaaSt!, Hamburg
Prof. Dr.-Ing. FriedTich Seewald, Aachen Infrarot und seine technischen Anwendungen
Forschungen auf dem Gebiete der Aerodynamik Prof. Dr. Abraham Esau t, Aachen
Prof. Dr.-Ing. Karl Leist, Aachtn Ultrasmall und seine technismen Anwendungen
Einige Forschungsarbeiten aus Jer Gasturbinen- 1955, 80 Seiten, 25 Abb., kartoniert, DM 4,80
technik
1955, 98 Seiten, 45 Abb., kartoniert, DM 7,- HEFT 40
HEFT 31 Bergassessor Fritz Lange, Bochum-Hordel
Die wirtsmaftliche und soziale Bedeutung der
Prof. Dr.-Ing. DT. h. c. Fritz Mietzsch, Wuppertal Silikose im Bergbau
Chemie und wirtschaftliche Bedeutung der Sulfon-
amide Prof. Dr. Walter Kikuth. Düsseidorf
Die Entstehung der Silikose und ihre Verhütungs-
Prof. Dr. Dr. h. c. Gerhard Domagk, Wuppertal maßnahmen
Die experimentellen Grundlagen der bakteriellen
Infektionen 1954, 120 Seiten, 40 Abb., kartoniert, DM 7,25
1954, 82 Seiten, 2 Abb., kartoniert, DM 4,- HEFT 40a
HEFT 32 Prof. Dr. EberbaTd Grass, Bann
Prof. Dr. Hans Braun, Bann Berufskrebs und Krebsforschung
Die Verschleppung von Pflanzenkrankheiten und Prof. DT. Hugo Wilhelm Knipping, Köln
-schädigungen über die Welt Die Situation der Krebsforschung vom Standpunkt
Jer Klinik
Prof. Dr. Wilhelm Rudorf, Voldagsen
Der Beitrag von Genetik und Züchtung zur De- 1955, 88 Seiten, 31 Abb., kartoniert, DM 5,-
kämpfung von Viruskrankheiten der Nutzpflanzen
HEFT 41
1953, 88 Seiten, 36 Abb., kartoniert, DM 5,-
Direktor Dr.-Ing. Gustav-Victor Lachmann, London
HEFT 33 An einer neuen Entwicklungsschwelle im Flugzeugbau
Prof. Dr.-Ing. Volker AschoJf, Aachen Direktor Dr.-Ing. A. Gerber, Zürich-Oerlikon
Probleme der elektroakustischen Einkanalübertra- Stand der Entwicklung der Raketen- und Lenk-
gung tedmik
Prof. Dr.-lng. Herbert Döring, Aachen 1955, 88 Seiten, 44 Abb., kartoniert, DM 6,-
Erzeugung und Verstärkung von h1ikrowellen
HEFT 42
1954, 74 Seiten, 23 Abb., kartoniert, DM 4,30
Prof. Dr. Tbeodor Kraus, Köln
HEFT 34 Lokalisationsphänomene und Raumordnung vom
Geheimrat Pro!. Dr. Dr. Rudolf Schenck, Aachen Standpunkt der geographischen Wissenschaft
Bedingungen und Gang der Kohlenhydratsynthese Direktor Dr. Fritz Gummert, Essen
im Licht Vom Ernährungsversuchsfeld der Kohlenstoffbio-
Prof. Dr. Emil Lehnartz, Münster logischen Forsdtungsstation Essen
Die Endstufen des Stoffabbaues im Organismus in Vorbereitung
1954, 80 Seiten, 11 Abb., kartoniert, DM 4,20 HEFT 42a
HEFT 35 Prof. Dr. Dr. h. c. Gerhard Domagk, Wuppertal
Prof. Dr.-Ing. Hermann Schenck. Aachen Fortschritte auf dem Gebiet der experimentellen
Gegenwartsprobleme der Eisenindustrie in Deutsch- Krebsforschung
land 1954, 46 Seiten, kartoniert, DM 2,-
Prof. Dr.-Ing. Eugen Piwowarsky t. Aachen HEFT 43
Gelöste und ungelöste Probleme im Gießereiwesen
Prof. Giovanni Lampariello, Rom
1954, 110 Seiten, 67 Abb., kartoniert, DM 6,50 Ober Leben und Werk von Heinrich Hertz
HEFT 36 Prof. Dr. Walter Weizei. Bann
Prof. Dr. Wolfgang Riezler. Bann über das Problem der Kausalität in der Physik
T ei lchenbeschleuniger 1955, 76 Seiten kartoniert, DM 3,30
Prof. Dr. Gerhard Schubert, Hamburg
Anwendung neuer Strahlenquellen in der Krebs- HEFT 43a
therapie Prof. Dr. lose Ma Albareda, Madrid
1954, 104 Seiten, 43 Abb., kartoniert, DM 7,- Die Entwicklung der Forschung in Spanien
in Vorbereitung
HEFT 37
Prof. Dr. Franz Lotze, Münster HEFT 44
Probleme der Gebirgsbildung Prof. Dr. Burckbardt Helferich. Bann
BeTgwerksdirektor Bergassessor a.D. G.Rauschenbach, über Glykoside
Essen Prof. Dr. Fritz Michtel, Münster
Die Erhaltung der Förderungskapazität des Ruhr- Kohlenhydrat-Eiweiß· Verbindungen und ihre bio-
bergbaues auf lange Sicht chemische Bedeutung
in Vorbereitung in Vorbtrtitun:
HEFT 45 HEFT 52a
Prof, Dr. lohn von Neum.nn, Princeton, USA Dr. D. C. Martin. London
Entwicklung und Ausnutzung neuerer mathemati- Geschichte und Organisation der Royal Sodety
scher Ma,chinen Dr. Roux, Südafrika
Prof. Dr. E. Stiefd, Zürich Probleme der wissenschaftlidIen Forschung in der
Rechenautomaten im Dienste der Technik mit Bei- Südafrikanismen Union
spielen aus dem Züridler Institut für angewandt!;! in Vorbereitung
Mathematik
1955, 74 Seiten, 6 Abb., kartoniert, DM 3,50
HEFT 53
Prof. Dr.-Ing. Georg Sclmadel, Hamburg
HEFT 46 Forsc:hungsaufgaben zur Untersumung der Festig-
keitsprobleme im Schiffsbau
Prof. Dr. Wilhclm Weltzien, Krefeld
Ausblick auf die Entwicklung synthetischer Fasern Prof. Dipl.-Ing. Wilhe1m Sturtzel, Duisburg
Forschungsaufgaben zur Untersuchung der Wider-
Prof. Dr. Walther Hoffmann, Münster
Wamstumsfonnen der Industriewirtschaft
stand,probleme im Schiffsbau
in Vorbereitung
in Vorbereitung
HEFT 47 HEFT 53a
Prof. Giovanni Lampariello, Rom
Staatssekretär Prof. Leo Brandt, Düsseldorf
Die praktische Förderung der Forschung in Nord- Von Galilei Zu Einstein
rhein- Westfalen 1956, 92 Seiten, kartoniert, DM 4,20
Prof. Dr. Ludwig Rai"r, Bad Godesberg HEFT 54
Die Förderung der angewandten Forschung durch Prof. Dr. Julius BarteIs, Göttingen
die Deutsche Forschungsgemeinschaft Sonne und Erde - das Thema des intern.l.tionalcn
in Vorbereitung geophysikalischen Jahres
Direktor Dr. Walter Dieminger, LindaulHarz
HEFT 48 Ionosphäre und drahtloser Weitverkehr
Dr. Hermann Tromp, Rom in Vorbereitung
Bestandsaufnahme der Wälder der Welt als inter-
nationale und wissenschaftliche Aufgabe HEFT 54a
Prof. Dr. Franz Heske, Schloß Reinbek Sir John Cockcroft, London
Die Wohlfahrtswirkungen des Waldes als inter- Die friedliche Anwendung der Kernenergie
nationales Problem in Vorbereitun;.:
in Vorbereitung
HEFT 49 HEPT 55
Präsident Dr. G. Böhnecke, Hamburg Prof. Dr.-Ing. Fritz Schultz-Grunow, Aachen
Zeitfragen der Ozeanographie Das Kriemen und Fließen hochzäher und plastischer
Stoffe
Reg.-Direktor Dr. H. Gabler, Hamburg
Nautische Technik und Schiffssicherheit Prof. Dr.-Ing. Hans Ebner, Aachen
Wege und Ziele der Festigkeitsforschung besonders
1955, 120 Seiten, 49 Abb., kartoniert, DM 7,50 im Hinblick. auf den Leichtbau
in Vorbereitung
HEFT 50
Prof. Dr.-Ing. Friedrich A. F. Schmidt, Aachen HEFT 56
Probleme der Selbstzündung und Verbrennung bei Prof. Dr. Ernst Derra, Düsseldorf
der Entwicklung der Hochleistung,kraftmaschinen Der Entwiddungsstand der Herzchirurgie
Prof. Dr.-Ing. A. W. Quick, Aachen Prof. Dr. Gunther Lehmann, Dortmund
Ein Verfahren zur Untersuchung des Austauschvor~ Muskelarbeit und Muskelermüdung in Theorie und
ganges in verwirbelten Strömungen hinter Körpern Praxis
mit abgelöster Strömung in Vorbereitun~
in Vorbereitung
HEFT 5\ HEFT 57
Prof. Dr. Siegfried Strugger, Münster Prof. Dr. Theodor von Ktirmän. Pasadena
Struktur, Entwicklungsgeschichte und Physiologie Freiheit und Organisation in der Luftfahrtfor-
der Chloroplasten schung
Direktor Dr. J. Pätzo/d, Erlangen in Vorbereitung
Therapeutische Anwendung mechanischer und elek-
trischer Energie HEFT 58
in Vorbereitung Prof. Dr. Fritz Schröter, Vlm
Neue Forschungs- und Entwicklungsrichtungen im
HEFT 52 Fernsehen
Mr. Patmore, London
Lufttüchtigkeit und technische Prüfung der Flug- Prof. Dr. Albert Narath, Berlin
Der gegenwärtige Stand der Filmtechnik
zeuge in England
in Vorbereitung
Prof. A. D. Young, Cranfield
Die Ausbildung des Ingenieurnachwuchses auf dem HEFT 59
Luftfahrtgebiet in England
in Vorbereitung Prof. Dr. Richard Courant, New York
Die Bedeutung der modernen mathematischen
JAHRESFEIER \955 Remenmaschinen für mathematische Probleme der
Prof. Dr. Josel Pieper, Münster Hydrodynamik und Reaktortechnik
Ober den Philosophie-Begriff Pl.tons Prof. Dr. Ernst Peschi, Bonn
Prof. Dr. Walter Weizel, Bonn Die Rolle der komplexen Zahlen in der Mathe-
Die Mathematik und die physikalische Realität matik und die Bedeutung der komplexen Analysis
19H. 62 Seiten, kartoniert, DM 2,90 in Vorbereitung
GEISTESWISSENSCHAFTEN

HEFT 1 HEFT 11
Prof. Dr. Wemer Richter, Bonn Prof. Dr. Hans Erich Stier, MNnsttr
Die Bedeutung der Geisteswissenschaften für die Roms Aufstieg zur Weltherrsmaft
Bildung unserer Zeit in Vorbertitung
Prof. Dr. Joachim Ritter, Münster
Die aristotelische Lehre vom Ursprung und Sinn HEFT 12
der Theorie Prof. D. Kar/ Heinrich Rengstorf, MNnst"
1953, 64 Seiten, kartoniert, DM 2,90 Mann und Frau im Urchristentum
Prof, Dr. Hermann Conrad, Bann
HEFT 2 Grundprobleme einer Reform des Familienremu
Prof. Dr. Josef Kroll, Köln 1954, 106 Seiten, kartoniert, DM 4,50
Elysium
Prof. Dr. Günther Jachmann, Köln HEFT 13
Die vierte Ekloge Vergils Prof. Dr. Max Braubach, Bonn
1953, 72 Seiten, kartoniert, DM 2,90 Der Weg zum 20. Juli 1944
1953, 48 Seiten, kartoniert, DM 2.20
HEFT 3
Prof. Dr. Hans Erich Stier, Münster HEFT 14
Die klassische Demokratie Prof. Dr. Pau/ Hübinger, Münster
1954, 100 Seitrn, kartoniert, DM 4,50 Das deutsch· französische Verhältnis und seine
mittelalterlimen Grundlagen
HEFT 4 in Vorbereitung
Prof. Dr. Wemer Caskel, Köln
Lihyan und Lihyanism. Sprame und Kultur eines HEFT 15
früharabismen Königreiches Prof. Dr. Franz Steinbach, Bann
1954, 168 Seite", 6 Abu., kartoniert, DM 8,25
Der gesmichtlime Weg des wirtsmaftenden Men-
schen in die soziale Freiheit und politische Ver-
antwortung
HEFT 5 1954, 76 Seiten, kartoniert, DM 2,90
Prof. Dr. Thomas Ohm, Münster
Stammesreligionen im südlidten Tanganyika~ HEFT 16
Territorium Prof. Dr. Josef Koch, Köln
1953, 80 Seiten, 25 Af.!,., 1:,lrtorzicrt, DM 8,- Die Ars coniecturalis des Nikolaus von euel
1956, 56 Seiten, 2 Abb., kartoniert, DM 2,90
HEFT 6 HEFT 17
Prälat Prof. Dr. Dr. h. c. Georg Schreiber, MNnster Prof. Dr. James Conant,
Deutsme Wissensmaftspolitik von Bismarck bis zum US-Hochkommi".r für Deutschland
AtornwissensmaftIer Otto Hahn Staatsbürger und Wissenschaftler
1954, 102 Seiten, 7 Bilder, kartoniert. DM 5.- Prof. D. Karl Heinrich Rengstorf, Münst"
Antike und Christentum
HEFT 7 1953,48 Seiten, 2 Abu .. kartoniert, DM 2,90
Prof. Dr, Walter Holtzmann, Bonn
Das mittelalterliche Imperium und die werdenden HEFT 18
Nationen Prof. Dr. Richard Alewyn, Köln
1953, 28 Seiten, k~lrtollitTt, DM 1,30 Klopstocks Publikum
in Vorbereitung
HEFT 8
Prof. Dr. IVerner Caskel, Köln HEFT 19
Die Bedeutung der Beduinen in der Gesmidltc der Prof. Dr, Fritz Schalk, Köln
Araber Das Lächerliche in der französischen Literatur des
1954, -/.4 Seiten, kartoniert, DM 2,- Ancien R~gime
1954, 42 Seitet!, kartoniert, DM 2,-
HEFT 9
Prälat Prof. Dr. Dr. h. c. Georg Sch,.iber, Münster HEFT 20
Irland im deutsmen und abendländismen Sakral- Prof. Dr. Ludwig Raiser, Bad God.,berg
raum Rednsfragen der Mitbestimmung
1954, 48 Seiten, kartoniert, DM 2,-
HEFT 10 HEFT 21
Prof· Dr. Peter Rassau:, Köln Prof. D. Martin Noth, Bonn
Forsmungen zur Reimsidee im 16. und 17. Jahr- Das Geschichtsverständnis der alttestamentlichen
hundert Apokalyptik
1955, 32 Seiten, kartoniert, DM 1,50 195J, 36 Seiten, kartolliert, DM 1,60
HEFT 22 HEFT 35
Prof. Dr. Walt" F. Schirmer, Bonn Prof. Dr. Hermann Conr,.d, Bonn
Glück und Ende des Könige in Shakespeares Die mittelalterliche Besiedlung des deutschen Ostens
Historien und das Deutsche Recht
1954, 32 Seiten, kartoniert, VM 1,50 1955, 40 Seiten, kartoniert, DM 2,-

HEFT 23 HEFT 36
Prof. Dr. Günth" Jachma,m, Köln Prof. Vr. HallS Sckommodau, Köln
Der homerische Schiffskatalog und die Ilias Die religiösen Dichtungen .Margaretes von Navarra
in Vorbeuitung 1955, 172 Seiten, kartoniert, DM 7,20

HEFT 37
HEFT 24 Prof. Dr. Herbert von Einem, Bonn
Prof. Dr. Theodor Klauser, Bann Der Mainzer Kopf mit der Binde
Die römischen Petrustraditionen im Lichte der
neuen Ausgrabungen unter der Pererskirme 1955, 88 Seiten, 40 Abb., kartoniert, DM 6,-
in Vorbereitl.ng
HEFT 38
HEFT 25 Prof. VT. Joseph Höffner, Münster
Statik und Dynamik in der scholastischen \,\'irt-
Prof. Dr. Hans Peters, Köln schaftsethik
Die Gewaltentrennung in moderner Sicht 1955, 48 Seiten, kartoniert, VM 2,20
1955, 48 Seiten, kartoniert, VM 2,20
HEFT 39
HEFT 26 Prof. Vr. Fritz Schalk, Köln
Prof. Dr. Fritz Schalk, Köln Diderots Essai über Claudius und Nero
Calderon und die Mythologie in Vorbereitung
in Vorbereitung
HEFT 40
HEFT 27 Prof. Dr. Gerhard Kegel, Köln
Prof. Dr. Josef Kroll, Köln Probleme des internationalen Enteignungs- und
Vom Leben geflügelter Worte Währungsrechts
in Vorbereitung in Vorbereitung
HEFT 41
HEFT 28 Prof. Vr. Johann Leo Weisgerber, Bann
Prof. Dr. Thomas Ohm, Münster Die Grenzen der Schrift - Der Kern der Recht-
Die Religionen in Asien schreibreform
1954, 50 Seiten, 4 Abb., kartoniert, VM 5,- 1955, 72 Seiten, kartoniert, DM 3,25
HEFT 42
HEFT 29 Prof. Vr. Richard Alewyn, Köl"
Prof, Dr. Johann Leo Weisgerber, Bonn Von der Empfindsamkeit zur Romantik
Die Ordnung der Sprache im persönlichen und
öffentlichen Leben in Vorbereitlmg
1955, 64 Seiten, kartoniert, DM 2,90
HEFT 43
Prof. Vr. Theodor Schieder, Köln
HEFT 30 Die Probleme des Rapallo- Vertrages 1922
Prof. Dr. Wemer Caskel, Köln in Vorbereitun ~
Entdeckungen in Arabien
1954, 44 Seiten, kartoniert, VM 2,- HEFT 44
Prof. Vr. Andreas Rumpf, Köln
HEFT 31 Stilphasen der spätantiken Kunst
Prof. Dr. Max Braubach, Bonn in Vorbereitu!lf,
Entstehung und Entwicklung der landesgeschicht-
limen Bestrebungen und historischen Vereine im HEFT 45
Rheinland Vr. Vlrich Luck, Münster
1955, 32 Seiten, kartoniert, VM 1,60 Kerygma und Tradition in der Hermeneutik Adolt
Schlatters
HEFT 32 1955, 136 Seiten, kartoniert, VM 6,15
Prof. Vr. Fritz Schalk, Köln
Somnium und verwandte Wörter in den romani- HEFT 46
schen Sprachen Prof. Vr. Walther Holtzmann, Rom
1955, 48 SeiteIl, 3 Abb., kartoniert, VM 2,5C Das DeutsdlC Historische Institut in Rom
Prof. Vr. Graf Wolff Mettemich, Rom
HEFT 33 Die Bibliotheca Hertziana und der Palazzo Zuccari
1955, 68 Seiten, 7 Abb., kartoniert, VM 3,50
Prof. DT. Friedrich Vessauer, Frankfurt a. M.
Erbe und Zukunft des Abendlandes
in Vorbereitung JAHRESFEIER 1955
Prof. Vr. Josef Pieper, Münster
HEFT 34 über den Philosophie-Begriff Platons
Prof. Vr. Thomas Ohm, Münster Prof. Vr. Walter Weizel, Bann
Ruhe und Frömmigkeit Die Mathematik und die physikalische Realität
1955, 128 Seiten, 30 Abb., kartoniert, VM 8,- 1955, 62 Seiten, kartoniert, VM 2.90
HEFT 47 HEfT 53
Prof. Dr. HalTY WeSLt'TmaTllJ~ Münster Prof. D,. Heinrich Vogt, BÜlI1l
Person und Persönlichkeit im Zivilrecht Schadenersatzprobleme im V~rh:iltuis von Haftungs-
grund und Schaden
in Vorbereitung in Vorbereiumg
HEFT 48 HEFT 54
Prof. Dr. Johann Leo Weisgerbcr, Bonn Prof, Dr. Max. Braubach, tJ-,nn
Die Namen der L~bia Der Einrnarsch der deutschen Truppen in die ent-
in Vorbereitung militarisierte ZlJIlC am Rhein im März 1936. Ein
Beitrag: zur Vor~cschichte Jes zweiten Weltkrieges
HEFT 49
in Vorbereitung
Prof. Dr, Friedrich Kart Schum.lnn, Münster
Mythos und Technik in Vorbereitung HEFT 55
Proj, J)/, Herbert -von I.illt:1il, Bann
HEFT 50 Die tvlcn,~chwerdung Christi des Isenheimer Altars
Prof. Dr. Woljgang Schölle, Hamvurf!,
Raffacls Sixtinischc Madonna in VorbereitunK
in Vorbereitung HEfT 56
Prof. Dr. E. j. Cohn, London
HEFT 51 Der englische Gerichtstag
Prälat Prof. Dr. Dr. h. c. Georg Schreiber. Münster irt Vorbereitung
Der Bergbau in Geschidue J Ethos und Sakralkultur
in Vorbereitunt HEFT 57
Dr. Albert Wo open. Aadhll
HEFT 52 Die Zivilehe und der Grundsatz der Unauflöslich-
Prof. Dr. Ha", j. Wollf. Münster keit der Ehe in der Entwicklung des italienischen
Die Rechtsgestalt der Universität Zivilredlts
in Vorvereitung 1956, 88 Seiten. kartoniert. DM 4,-