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Wechsel des ÖPR – Eine ausführliche Anleitung

(by www.BuellPower.de)

Benötigte Teile:
- neues ÖPR z.B. von Luckys oder OEM aus Kupfer Beryllium
- Dichtungssatz Rockerbox
- Dichtung Camecover

Benötigtes Werkzeug:
- Umschaltknarre mit kurzer Verlängerung
- Drehmomentschlüssel
- Stecknüsse Außensechskant 3/16 und 1/2 sowie 5/16
- Stecknüsse Innensechskant (Inbus) 3/16
- Gekürzter 3/16 Stiftschlüssel (Inbus) - (nur nötig, falls Motor noch eingebaut ist)
- Stecknuss Innensechskant (Inbus) 1/8 (je nach Zündungsdeckel auch nur Schraubendreher)
- Stecknuss lang 15/16 oder 24mm
- Schraubendreher
- Gummihammer
- Werkzeug zum blockieren des Antriebs
- Schraubensicherung mittelfest

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Arbeitsschritte:

1. Demontage der Rockerboxen


Die Rockerboxen müssen entfernt werden, damit der Ventiltrieb entlastet wird. Wird dies
versäumt, ist es später schier unmöglich das Camecover wieder zu montieren! Eigentlich
reicht es eine Rockerbox abzubauen, wenn dieser Zylinder auf Überschneidung steht, der
andere also unbelastet ist. Da ich aber bei der Gelegenheit gleich die Dichtungen wechseln
will, demontiere ich beide.

Als erstes die vier Inbusschrauben des Deckels lösen und den Deckel samt Mittelteil der
Rockerbox abnehmen. (Ist der Motor noch eingebaut, wird für die Schrauben des vorderen
Rockerboxdeckels der gekürzten Stiftschlüssel benötigt, da man mit der Knarre nicht
heran kommt.)

Anschließend erhält man freien Blick auf die Kipphebel und die Federn der Ventile. Nun
den Motor soweit drehen, bis beide Ventile komplett geschlossen sind (beide Federn so
weit wie möglich entspannt).

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Als nächstes die beiden Inbusschrauben und die drei kleinen Sechskantschrauben (3/16)
lösen. Danach die vier großen (1/2) Schrauben entfernen.

Das Unterteil der Rockerbox kann nun samt Kipphebel abgehoben werden.
Tipp: Damit ich später weiß, wo welche Schraube wieder rein kommt, lass ich sie gleich alle
von vorn herein in ihren Löchern stecken.

Die zweite Rockerbox nun analog der ersten demontieren (alle Arbeitsschritte wiederholen).

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2. Demontage des Camecovers
Bevor das Camecover demontiert werden kann, muss zuvor die Zündung ausgebaut
werden. Dazu den Zündungsdeckel abschrauben. Bei mir ist der mit zwei Inbusschrauben
(1/8) befestigt. Bei anderen evtl. nur mit zwei Kreutz- oder Schlitzschrauben. Und bei
wieder anderen ist er leider angenietet (hier müssen die Nieten dran glauben und später
durch Schrauben ersetzt werden).

Wichtig: Bevor nun die Zündungsgrundplatte entfernt wird, ist es zwingend notwendig
die Position auf der Zündungsgrundplatte und dem Gehäuse genau zu markieren! Dies
kann mit einer Reißnadel geschehen. Tipp: Ich habe mir mehrere Markierungen an
verschiedenen Stellen gemacht.

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Nachdem die Position eindeutig markiert wurde, können nun die beiden Halteschrauben
gelöst werden und die Zündungsgrundplatte kann herausgenommen werden. Das Kabel
kann dabei montiert bleiben.

Jetzt muss noch der Rotor entfernt werden. Dazu die Halteschraube 5/16 lösen und den
Rotor entnehmen. (Keine Angst, die spätere Position des Rotors ist eindeutig durch eine
Nut auf der Rückseite bestimmt. Es muss hier also nix markiert werden.)

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Jetzt können die Schrauben des Camecovers entfernt werden. Die Schrauben haben zum
Teil unterschiedliche Längen, so dass man sich die Position jeder einzelnen gut merken
muss. Ich fange immer an derselben Stelle an, entnehme die Schrauben entgegen des
Urzeigersinns und lege mir die Schrauben so wie ich sie entnommen habe (von recht nach
links) in einer Reihe hin. (Man kann auch eine Schablone aus Pappe machen und die
Schrauben dort hinein stecken.)

Das Camecover kann nun entfernt werden. Sollte sich das Camecover nicht einfach
abziehen lassen, so ist vermutlich die alte Dichtung angebacken. In diesem Fall einfach
mit dem Gummihammer ein paar leichte Schläge links, rechts, oben und unten auf das
Camecover geben. Dadurch sollte es sich lösen und abziehen lassen.

Hinweis von Dirk G: Beim Abnehmen des Camecovers sollte man vorsichtig sein, da es
passieren kann, dass eine oder mehrere Nockenwellen mit herausgezogen werden. Ist
nicht so schön, wenn die Dinger auf dem Garagenboden aufschlagen, also den Deckel nur
einen Spalt weit abziehen und evtl. die Nockenwellen mit einem Schraubendreher o.ä.
zurückdrücken.

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3. Ersetzen des ÖPR
Damit man die Mutter auf der Kurbelwelle lösen kann, muss der Motor blockiert werden
(so wird das Mitdrehen der Kurbelwelle verhindert). Ich habe mir dazu ein spezielles
kleines Werkzeug gebastelt, mit welchem ich das Pulley blockieren kann. Ist der Motor
z.B. noch eingebaut, kann man auch einen Gang einlegen und die Bremse fixieren.

Tipp aus dem Borgforum: Den Motor in der Richtung, die zum Festziehen oder Lösen
benötigt wird, in Richtung Kompressions- bzw. Arbeitstakt eines Zylinders drehen (Ventile
geschlossen), aber nur soweit, dass der Kolben noch ein Stück vom OT entfernt steht.
Kerze rausdrehen und mit Ölkanne/großer Einwegspritze ca. 150 ml Motoröl in den
Zylinder geben. Kerze wieder einbauen. Der Motor ist jetzt wg. Nichtkompressibilität des
Öls blockiert (aber NUR in der vorher gewählten Drehrichtung). Nach Ende der Arbeiten
das Öl durch die Zündkerzenbohrung mit Schlauch und Einwegspritze vollständig (!!)
wieder absaugen, vor dem Starten des Motors per Hand mit eingelegtem Gang die
Freigängigkeit des Motors überprüfen. Die Methode ist zwar etwas mühselig, funktioniert
aber ohne große Hilfsmittel und ist zuverlässig.

Ist der Antrieb blockiert, kann man die Mutter auf der Kurbelwelle lösen. Dazu benötigt
man ein 15/16 Zoll Nuss in langer Ausführung. Sollte dies nicht zur Hand sein, kann man
auch eine 24er metrische Nuss nehmen. (ist nur etwa 0,2mm größer)

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Ist die Mutter gelöst, kann man nun das sich darunter befindende Zahnrad einfach von der
Welle abziehen. Sollte sich das Zahnrad nicht abziehen lassen, so könnte es durch einen
früheren Motoreingriff und zu viel Schraubensicherung an der Welle festgeklebt sein. In
diesem Fall einfach einen Abzieher verwenden.

Damit man anschließend das ÖPR von der Welle ziehen kann, muss zuvor die
Einlassnocke des vorderen Zylinders entnommen werden, weil das ÖPR nicht an dem
Zahnrad der Nocke vorbei kommt.

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Nun ist der Weg zum ÖPR frei. Es kann von der Welle gezogen und gegen das neue
ersetzt werden. (Ein Ausbau der Ölpumpe ist nicht notwendig.)

Im direkten Vergleich kann man bei meinem alten ÖPR etwas Abnutzung sehen. Das
original ÖPR hatte bei mir eine Laufleistung von 17.000 km. Ich hätte es sicher noch ein
paar Kilometer eingebaut lassen können, da ich den Motor aber eh draußen hatte und ich
ebenfalls die Rockerboxdichtungen auf Metall umstellen wollte, bot sich der Tausch
geradezu an.

Auch bei mir war das ÖPR unterschiedlich stark verschlissen. Besonders drei Flanken
wiesen nur noch eine Stärke von 1mm auf. Original sind es etwa 1,8mm.

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Ist das ÖPR gewechselt, kann man nun beginnen wieder alles zusammen zu setzen. Dazu
als erstes wieder das Piniongear (kleine Zahnrad) auf die Kurbelwelle aufschieben.

Anschließend die Mutter mit mittelfester Schraubensicherung auf die Welle wieder
aufschrauben.

Anmerkung: Laut Werkstatthandbuch soll man allerdings hochfeste Sicherung


verwenden. Ich sehe davon ab, da ich die Mutter in ca. 17.000 km für den nächsten
Wechsel wieder abschrauben muss. Mit hochfester Sicherung und Hobbywerkstatt-
ausrüstung kann dies dann ein lustiges Unterfangen werden.

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Die Mutter nun mit dem Drehmomentschlüssel festziehen. Das Drehmoment soll dabei
zwischen 47-61 Nm liegen.

Nun wird die entnommene Nockenwelle wieder eingesetzt.

Achtung! Hier ist jetzt Sorgfalt gefragt, da alle Nocken gegeneinander korrekt
ausgerichtet sein müssen!

Um die richtige Montageposition zu finden, sind alle Nocken mit kleinen Punkten
markiert. Diese müssen gegeneinander entsprechend ausgerichtet werden (Motor langsam
drehen, bis entsprechende Position erreicht ist). Somit ist dann auch die sichere Montage
der entnommenen Nocke ein Kinderspiel.

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Hinweis: Die Farbmarkierungen passen nicht immer! So ist bei mir die Farbmarkierung
auf der Nocke des vorderen Einlassventils links unten anstatt rechts oben. Und auf der
Nocke des Auslassventils vom hinteren Zylinder fehlt sie gänzlich. Deshalb richte ich
mich nur nach den eingestanzten Markierungen.

4. Montage von Camecover und Zündung


Sind alle Nocken ausgerichtet, kann nun das Camecover mit neuer Dichtung wieder
aufgesteckt werden. Lässt sich das Camecover nicht ganz bündig bis ans Motorgehäuse
schieben, kann man hier mit einem Gummihammer und viel Gefühl etwas nachhelfen.
(Keine grobe Gewalt anwenden!)

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Jetzt alle Schrauben in das jeweilige Loch stecken und soweit reinschrauben, bis sie an
dem Deckel anliegen (noch nicht fest ziehen!).

Die Schrauben nun mit 9-13 Nm nach folgendem Muster festziehen:

Sind alle Schrauben vorschriftsmäßig angezogen, kann nun die Zündung wieder montiert
werden. Dazu als erstes den Rotor einsetzen und mit 8,5-9 Nm festschrauben. Zusätzlich
wird die Schraube mit mittelfester Schraubensicherung gesichert.

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Anschließend kann die Zündungsgrundplatte wieder eingesetzt und mit 1,4-2,8 Nm
werden. Dazu brauchen wir unsere beim Ausbau gesetzten Markierungen, um die Platte
wieder genau auszurichten. Auch bei diesem Schritt bitte sehr genau arbeiten, denn
eine verstellte Zündung kann im schlimmsten Fall zu einem kapitalem
Motorschaden führen.

Ist die Zündungsgrundplatte montiert, muss nur noch der Deckel aufgesetzt und ebenfalls
mit 1,4-2,8 Nm festgeschraubt werden, bevor es an die Montage der Rockerboxen geht.

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5. Montage der Rockerboxen
Bevor das untere Teil der Rockerbox wieder aufgesetzt wird, muss (wie auch beim
Ausbau) der Motor soweit gedreht werden, bis beide Ventile geschlossen sind (beide
Federn sind so weit wie möglich entspannt). Anschließend die neue Dichtung auflegen.
Ich verwende Dichtungen aus Metall, die das leidige Thema von undichten Rockerboxen
beenden sollen.

Nun den unteren Teil der Rockerbox aufsetzen und alle Schrauben handfest anziehen.
Dabei als erstes die vier großen Sechskantschrauben mit 20-24 Nm und jeweils über
Kreutz festziehen. Anschließend die drei kleiner Sechskantschrauben mit 14-18 Nm und
zuletzt die beiden Inbusschrauben mit 10-14 Nm anziehen.

Achtung: Bevor derselbe Arbeitsgang am zweiten Zylinder durchgeführt werden kann,


muss gewartet werden, bis sich die Stößelstangen frei drehen lassen. Erst dann sind die
Hydros entlüftet und man kann den Motor weiter drehen, um die Ventile des zweiten
Zylinders zu schließen.

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Abschließend müssen nun nur noch die beiden Deckel der Rockerboxen wieder aufgesetzt
werden. Auch hier zuvor alle Dichtungen gegen Neue austauschen. (Dabei die Dichtungen
unter den Schrauben nicht vergessen!) Die vier Inbusschrauben werden jeweils mit 14-18
Nm angezogen. Hier wieder über Kreutz vorgehen.

Geschafft!
Das ÖPR wurde erfolgreich gewechselt.

Alle Drehmomente im Überblick:

Wo Maße Anzugsmomente
Kurbelwellenmutter 1x 15/16 Außensechskant (Schraubensicherung!) 47 – 61 Nm
Camecover 11x 3/16 Innensechskant (Inbus) 9 – 13 Nm
Rotorschraube (Zündung) 1x 5/16 Außensechskant (Schraubensicherung!) 8,5 – 19 Nm
Zündungsgrundplatte 2x Bolzen mit Schlitz 1,4 – 2,3 Nm
Zündungsdeckel 2x 1/8 Innensechskant (Inbus) 1,4 – 2,3 Nm
Rockerbox unten je 4x 1/2 Außensechskant 20 – 24 Nm
Rockerbox unten je 3x 3/16 Außensechskant 14 – 18 Nm
Rockerbox unten je 2x 3/16 Innensechskant (Inbus) 10 – 14 Nm
Rockerboxdeckel je 4x 3/16 Innensechskant (Inbus) 14 – 18 Nm

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