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3 DAS MAGAZIN FÜR LUFTFAHRT, ZEITGESCHICHTE UND OLDTIMER

Ein Magazin von

Österreich € 6,50
Schweiz sFr. 11,50 € 5,90
Luxemburg € 6,90
Italien € 7,50
März 2013
Schweden SKR 89,00

www.flugzeugclassic.de
Supermarine Spitfire | Consolidated B-24 | Junkers Ju 87

Messerschmitts berühmtester Jäger

Die Bf 109 im »Exil«


Im Dienste der Tschechoslowakei, Spaniens und Israels

Bf 109 »Emil«
Hans-Joachim Marseilles »Weiße 14«

Vickers Wellington
Geißel der deutschen U-Boote
■ Junkers Ju 252 ■ RAF Museum Hendon ■ Film: Quax II
Enkel der »Tante Ju« Imposante Luftfahrtausstellung Würdiger Nachfolger?
ten , T e c hnik,
Schlach
Feldh e r r e n

e u e H e f t i s t da.
Das n k!
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Editorial
Aufgelacht

K
ennen Sie den kürzesten Witz aus der Welt der bereits die »Chicken Wings« aus der Feder von Mi-
Fliegerei? »Gehen zwei Piloten an einer Bar chael und Stefan Strasser. In ihren Cartoons spielen,
vorbei …« – keine Frage: Flieger ziehen sich wie kann’s anders sein, Vögel die Hauptrolle. Abge-
gerne gegenseitig durch den Kakao. Ich kann ein Lied hobenes und Humorvolles aus der Welt der Allge-
davon singen: Als ich auf der Abflugroute aus Düs- meinen Luftfahrt. Und ab sofort auch aus der aviati-
seldorf eine Anweisung des Lotsen, nach rechts zu schen Frühzeit: In »Momente der Luftfahrtgeschichte«
kurven, zwar korrekt zurücklas, dann aber prompt interpretieren Michael und Stefan Strasser Begeben-
nach links steuerte, taugte das prima für Lacher im heiten aus der Frühzeit der Fliegerei etwas um. Wie
Cockpit: Der »Nachhilfeunterricht« in Sachen Him- das aussieht? Blättern Sie ruhig gleich auf Seite 81 und
melsrichtungen von meinem Captain wollte bis zu erfahren sie, wie die F4U Corsair tatsächlich zu ihren
unserem Ziel nicht enden. Knickflügeln kam!
Da wollen wir im Redaktionsteam nicht hinten
anstehen. Deshalb haben wir ab dieser Ausgabe neue Viel Lesevergnügen wünscht Ihnen
Passagiere an Bord. Der eine oder andere Leser kennt Markus Wunderlich

Markus Wunderlich,
Chefredakteur

Zeichnung Michael und Stefan Strasser

Wir stellen vor


Dietmar Hermann ist Di- Peter W. Cohausz, Jahrgang Stefan Bartmann war als
plom-Ingenieur und gilt als 1959, ist Vermessungsinge- Lokaljournalist schon eine
Focke-Wulf-Fachmann für nieur in Baden-Württemberg Weile für seine Heimatzei-
die Fw 187, Fw 190/Ta 152 und war schon als Schüler tung in Nordbayern unter-
und Ta 154. Darüber publi- von alter Flugzeugtechnik wegs, als er Mitte der 1990er-
zierte er bereits sechs Fach- fasziniert. Seine Leidenschaft Jahre sein Repertoire um
bücher. Sein Vater war Zeit- für Flugzeuginstrumente be- den Luftfahrtjournalismus
soldat bei der Bundesluftwaffe, dadurch gann mit einem halbvollen Instrumentenbrett ergänzen dufte. Eine glückliche Fügung für
wurde sein generelles Interesse für Flugzeuge einer Messerschmitt Bf 110, das der damals den langjährigen Piloten von Ultraleichtflug-
und deren Technik geweckt. Zudem ist er be- 19-Jährige zufällig auf einem Flohmarkt ent- zeugen, dessen Leidenschaft den frühen Luft-
kannt durch viele Fachartikel zur deutschen deckte. Seine Spezialgebiete sind heute deut- fahrtjahren bis 1914 gilt. Und dem Kino.
Luftfahrtgeschichte, darunter auch die Serie sche Cockpits und Museumsflugzeuge, über Schreiben über Filme und Flugzeuge sei mit
in FLUGZEUG CLASSIC über die komplette die er seit 1978 schreibt. Auch ohne Piloten- das Beste, das dieser Beruf zu bieten habe,
Entwicklung der Messerschmitt Bf 109. schein genießt er Oldtimer-Rundflüge. meint er.

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 3


IN H ALT FLUGZEUG CLASSIC 03-13

14
Eine »spanische 109« nach dem Krieg. Vor allem auf
der iberischen Halbinsel erlebte die Bf 109 eine zweite
Blütezeit und wurde sogar weiterentwickelt

TECHNIK TITELTHEMA
Die Bf 109 nach dem Krieg
Unter fremder Flagge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
Nach 1945 erlebte die Bf 109 eine wahre Renais-
sance in verschiedenen Ländern. Wir zeigen, wie es
mit der »109« nach dem Krieg weiterging.

TECHNIK TITELTHEMA
Zweite Karriere der Vickers Wellington
Hinaus aufs Meer …. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
62
... hinauf in die Troposphäre: Lesen Sie, wie sich die »Weiße 14«, bekannt als rare »Emil«. Alles zur frühen Einsatz-
Wellington als U-Boot-Jäger und Höhenbomber be- geschichte der »109«
währte.
TECHNIK – COCKPITS
TECHNIK – TYPENGESCHICHTE Das Höhenforschungsflugzeug Junkers Ju 49
Das Transportflugzeug Junkers Ju 252 Die deutsche »Ikarus« . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
Wachablösung für die »Tante Ju« . . . . . . . 32 Hoch, höher, Ju 49! Das Höhenflugzeug aus dem
Die Ju 252 besaß das Potenzial, ein fortschrittliches Hause Junkers sollte es möglich machen, die Strato-
und leistungsfähiges Transportflugzeug zu werden. sphäre zu erforschen. Ein ebenso anspruchsvolles
Doch im Krieg verschoben sich die Prioritäten ... wie riskantes Projekt!

Die Umfrage auf www.flugzeug-classic.de – Sie haben abgestimmt:


Das Royal Air Force
23,3 %
Museum in London mit
... habe ich schon besucht – topp!
seiner legendären
Sammlung von 70,1 %
Luftfahrzeugen ... ... würde ich gerne besuchen, allein schon wegen der vielen einmaligen Luftwaffenmaschinen,
die dort zu sehen sind.
6,6 %
... interessiert mich nicht.

Besuchen Sie unsere Website und machen Sie bei der aktuellen Umfrage mit!

4
24 Die »Wimpy«, so der RAF-Spitzname der Vickers Wellington,
bewährte sich vor allem als effizienter U-Boot-Jäger 48 Zwar ist das RAF-Museum Hendon eine britische Einrichtung, doch
ist die deutsche Luftwaffe stark vertreten, wie diese Ju 87 zeigt

SERIE FILM TITELTHEMA


Die Ostfront und die Wende im Atlantik 1943 »Quax in Afrika«
Die »Kanonenvögel« . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 Diesseits von Afrika . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70
Kein Stillstand: Nach Stalingrad kommt die Ost- Die Fortsetzung
front nicht zur Ruhe – ebensowenig die U-Boote von »Quax der
im Atlantik. Bruchpilot«
erhielt eine deut-
OLDTIMER lich politischere
Handschrift. Kann
RAF-Museum Hendon sie dennoch mit
Zwischen Historie und Glorie. . . . . . . . . . . . . . 48 dem legendären
Ein absolutes Muss für jeden Luftfahrt-Enthusiasten ersten Teil mithal-
ist die beeindruckende Ausstellung in Hendon. Wir ten?
stellen Ihnen die Sammlung in einem Rundgang vor.

TECHNIK
Einsatzgeschichte der Bf 109 »Weiße 14«
LESERALBUM
Die fliegende Legende . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62 Aus den Fotoalben unserer Leser
Eine »109« wie jede andere? Weit gefehlt! Diese
»Emil« ist nicht nur eine von nur noch zwei flug-
Stukaflieger und Bomber – Teil 1 . . . . . . . 74
fähigen Originalen, sie ist auch die Maschine gleich So sieht ein wahrer Schatz aus: Seltene
zweier Fliegerasse gewesen! Fotos aus gleich mehreren Nachlässen deutscher
Luftwaffenpiloten!

RUBRIKEN 3 DAS MAGAZIN FÜR LUFTFAHRT, ZEITGESCHICHTE UND OLDTIMER

Flugzeuge in dieser Ausgabe Ein Magazin von

Editorial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
Österreich € 6,50
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März 2013
Schweden SKR 89,00

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Aero L-29............................ 8 Junkers Ju 49 ................... 38


Antonow An-2 .................... 12 Junkers Ju 52 ................... 11 Bild des Monats . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
Avro Lancaster .................. 50 Junkers Ju 87 ........ 42, 51, 75 Panorama . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
Supermarine Spitfire | Consolidated B-24 | Junkers Ju 87

Messerschmitts berühmtester Jäger

Die Bf 109 im »Exil«


Bristol Beaufighter ............. 52 Junkers Ju 88 ................... 51 Background . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31 Im Dienste der Tschechoslowakei, Spaniens und Israels

Bf 109 »Emil«

Gothar Go 150 .................... 9 Junkers Ju 252 ................. 32 Hans-Joachim Marseilles »Weiße 14«

Grumman S-2 Tracker......... 10 Messerschmitt Bf 109...14, 62 Modellbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54 Vickers Wellington


Geißel der deutschen U-Boote

Termine/Museumstipp/Bücher . . . . . 60
■ Junkers Ju 252 ■ RAF Museum Hendon ■ Film: Quax II

Hawker Typhoon ................ 53 Messerschmitt Me 262...... 49


Enkel der »Tante Ju« Imposante Luftfahrtausstellung Würdiger Nachfolger?

TITELBILD
Heinkel He 111 ................. 50 North American P-51............ 6 Leserbriefe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80 Bf 109: D. Herman
Bf 109 »Emil«: Craig Rae/
Heinkel He 162 ................. 53 VFW 614 .......................... 13 APR Photo Media
Henschel Hs 123 .............. 75 Vickers Viscount................ 10 Vorschau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82 Wellington: RAF
Buchón-Profil: H. Ringlstetter
Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82 Wellington-Profil: J. Franzi

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 5


BILD DES MONATS

6
Die »alte Krähe« ist fit!
Sie hat sich gut gehalten: Obwohl diese fassend von Vintage Aircraft Ltd. restauriert.
P-51D Mustang mit der Seriennummer Dabei erhielt sie auch die Farben von Bud
44-73877 und der Kennung N167F bereits Andersons »Old Crow«. Anderson war ein Flie-
1944 vom Band gelaufen ist, befindet sie gerass des Zweiten Weltkrieges.
sich in einem vorzüglichen Zustand. Dies Vorübergehend führte sie auch die Farben
mag vor allem daran liegen, dass »Old Crow«, der »Detroit Miss« E2 D und wirkte in Filmen
so ihr unpassender Spitzname, nicht mehr wie »Der Soldat James Ryan«, »Memphis
aktiv am Krieg teilgenommen und zudem Belle« und »Red Tails« mit. Im Jahr 2001
nie einen schweren Unfall erlitten hat. Heute wurde sie wieder zur »Old Crow« umlackiert,
gilt sie als eine der schnellsten noch existie- doch diesmal mit einem matten, olivfarbe-
renden Original-Mustangs. nen Anstrich, den sie noch immer trägt.
Nach ihrer Zeit bei der USAF diente sie Im Herbst 2012 verließ die Mustang erst-
von 1951 bis 1958 bei der RCAF in Kanada. mals nach 32 Jahren Skandinavien. Ihr neu-
Danach begann ihre zivile Karriere. 1968 er Standort ist Großbritannien. In der kom-
wurde sie als N167F zugelassen und 1985 menden Saison wird sie vollständig in Silber
an die norwegische Scandinavian Historic lackiert.
Flight verkauft. Zuvor wurde sie jedoch um- Text und Foto Björn Hellenius

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 7


PANORAMA
Die Bf 109 G-14/AS,
W.Nr. 784993, jetzt im
Slowakischen Techni-
schen Museum. Dort
wird sie für die statische
Ausstellung restauriert
Foto via Miroslav Hajek

■ MESSERSCHMITT BF 109 G

Bf 109 wird restauriert


D as Slowakische Technische Museum in
Kosíce hat eine Bf 109 erhalten, die aus
Teilen zweier verschiedener Maschinen von
1. Januar 1945 der amerikanischen Luftab-
wehr während des Großangriffs der Luftwaf-
fe auf alliierte Flugplätze in Holland, Belgien
Dem Museum stehen noch umfangreiche
Arbeiten bevor, bis der Jäger in die statische
Ausstellung gehen kann. Ziel des Museums
Jürgen Dilger in Deutschland restauriert wor- und Frankreich (Unternehmen Bodenplatte) ist es, das Flugzeug mit den Markierungen
den ist. zum Opfer fiel. Maxis wurde erschossen, als auszustellen, die es zum Zeitpunkt seines
Der Rumpf stammt von der Bf 109 G- er versuchte, sich aus dem Cockpit seiner Verlustes trug.
14/AS, Werknummer 784993, »Weiße 13«, der Maschine zu befreien. Leitwerk und Tragflä- Wir danken Ingenieur Miroslav Hajek für
13./JG 53. Die Maschine wurde von Unter- chen sollen von einer anderen Bf-109-G-Vari- seine Unterstützung.
offizier Herbert Maxis geflogen, als sie am ante stammen. Richard Chapman ■

tschechoslowakische Aero L-29 »Delfin« ge-


genüber der sowjetischen Jak-30 und der
polnischen TS-11 Iskra durchsetzen konnte.
Auch die DDR importierte 51 Maschinen
für die Jagdfliegerschulung der NVA-Luft-
streitkräfte. So auch die L-29 mit der Kennung
311, die als eine der letzten Maschinen dieses
Foto A. Metzmacher

Typs im Juni 1966 dem Jagdfliegerausbil-


dungsgeschwader 11 (JAG-11) in Bautzen zu-
geführt wurde.
1980 wurde die Maschine ausgemustert
und auf der Traditionsvorstartlinie in Bautzen
■ AERO L-29 DELFIN aufgestellt. Seit der Wende gehört die »311«

Alter Tscheche in Großenhain


zum Bestand des Luftwaffenmuseums. In
Berlin-Gatow stand sie zuletzt jahrelang im
Außenbereich des Museums und war Wind

N icht mehr in ihrem Element, dafür de-


montiert und gesichert auf einem Tiefla-
der, erreichte am 6. November 2012 eine Aero
trainer ist eine Dauerleihgabe an den Sächsi-
schen Verein für historisches Fluggerät e.V.
Im Jahre 1961 fand ein Vergleichsfliegen
und Wetter ausgesetzt. Nach einer gründli-
chen Restaurierung soll die Maschine künftig
als Aushängeschild für die Aktivitäten des
L-29 aus dem Bestand des Luftwaffenmuse- für den neuen Standardstrahltrainer der War- Vereins auf dem Flugplatz Großenhain prä-
ums den Flugplatz Großenhain. Der Strahl- schauer Paktstaaten statt, wobei sich die sentiert werden. Andreas Metzmacher ■

8
■ VFW 614

Letzte VFW 614 stellt Flugbetrieb ein


I n der Flugwerft Oberschleißheim kann seit
Dezember 2012 die VFW 614 D-ADAM be-
sichtigt werden. Bei der VFW 614 handelt es
Made by Focke-Wulf: VFW entstand 1961 durch eine
Fusion von Focke-Wulf und Weserflug
sich um das erste deutsche strahlgetriebe-
ne Linienflugzeug. Insgesamt wurden 19
Exemplare in den 1970er-Jahren in Bremen
gebaut. Die ungewöhnliche Triebwerksan-
ordnung auf Pylonen oberhalb der Tragfläche
sollte es der Maschine ermöglichen, auch Ent-
wicklungsländer mit schlechten Pisten anzu-
fliegen. Das Flugzeug bot Platz für 40 Passa-
giere. Die Flugbereitschaft der Bundeswehr
setzte zwischen 1977 und 1998 drei VFW 614

Foto DLR
ein, was diesem Typ eine größere Bekanntheit
verschaffte.
Die D-ADAM wurde 1981 vom Deutschen zukünftig nicht mehr am Himmel zu sehen Nordholz, Speyer und Berlin erhalten geblie-
Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) von ist, so können zumindest noch einige Exem- ben. Und auch das letzte gebaute Flugzeug, die
VFW erworben und flog bis jetzt als fliegender plare in deutschen Museen besichtigt werden. D-ASDB (G19), existiert noch. Die Lufthansa
Teststand ATTAS (Advanced Technologies Tes- Neben der jetzt in München beheimateten nutzt sie auf dem britischen Cotswold Airport
ting Aircraft System). Wenn auch die VFW 614 D-ADAM sind weitere Exemplare in Bremen, als Techniktrainer. Stefan Schmoll ■

■ BELL UH-1B HUEY


■ SOCATA TB 30 »EPSILON«

Prototyp wird Luftkavallerie und Landwirtschaft


restauriert
Pat Rodgers und Carl
Foto Armor Aéro Passion

Allen in der Bell UH-1B


Huey. Die Waffen sind
Attrappen

Rumpf und Motor der Socata TB 30


Mk 2 »Epsilon«, bereit für den
Straßentransport nach Morlaix

D er dritte Prototyp des französi-


schen Militär-Schulflugzeugs
Socata TB 30 »Epsilon« soll flug- Foto Frank B. Mormillo
tüchtig restauriert werden. Getra-
gen wird das Projekt von der Firma
Daher-Socata, ein direkter Ableger
des Flugzeugherstellers Morane-
Saulnier, der Patrimoine-Morane-
Saulnier-Socata Association und der
Armor Aéro Passion Association.
A m 10. November 2012 trat die Bell UH-1B
Huey (62-2084/N832M) des Wings and
Rotors Air Museum in einem Sonderpro-
hawks«, zugewiesen. 1984 wurde der Hub-
schrauber als Sprühflugzeug im Lee County
Mosquito Control District in Florida einge-
Bei diesem dritten Prototyp han- gramm mit dem Titel »Eine Vietnam-Odys- setzt. Das Wings and Rotors Air Museum er-
delt es sich eigentlich um den Pro- see« auf. Veranstalter war das Western Mu- warb sie 2003 und restaurierte sie in flug-
totyp für die von einem SMA-Die- seum of Flight. tüchtigen Zustand. Zuerst flog der Hub-
selmotor angetriebene TB 30 Mk 2. Die Huey war während des Vietnamkriegs schrauber mit den Markierungen einer UH-
Für die Restaurierung ist allerdings sowohl bei der US Army als auch bei der 1B der 118th Helicopter Company »Thunder-
beabsichtigt, anstelle des SMA-Mo- US Navy im Einsatz. Sie wurde 1964 mit der birds«. Als das Museum jedoch herausfand,
tors einen Lycoming AEIO-540 ein- 101st Airborne Division nach Vietnam verlegt dass die Huey auch bei der US Navy einge-
zubauen. Eric Janssonne ■ und später der Helicopter Attack (Light) setzt war, erhielt sie wieder ihre Original-
Squadron Three der US Navy, den »Sea- Navy-Markierungen. Frank B. Mormillo ■

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 9


PANORAMA

Mindestens eine der Conair Fire-


cat wird im Museum überleben
■ GRUMMAN S-2 TRACKER Foto Peter Unmuth/VAP

Bewährter Waldbrand-Bekämpfer
D as Canadian Museum of Flight in Lang-
ley hat am 7. Oktober 2012 eine Grum-
man S-2 Tracker mit der Kennung C-FOPU
wurden die »Tracker« bei der Marine ausge-
mustert. Die auf dem Flughafen Langley, Bri-
tish Columbia, beheimatete Fluggesellschaft
Die Firma Conair Ltd., in der die ehemali-
ge Skyway Air Services aufgegangen ist, ist
nun im Begriff, ihre Firecat auszumustern.
erhalten. Skyway Air Services erwarb 35 der ausge- Dazu gehört auch die nunmehr als Firecat 564
Begonnen hat die C-FOPU ihre Karriere musterten Maschinen und baute sie zu Feu- bezeichnete C-FOPU, die ihren Conair-Hei-
als CS2F »Tracker« bei der kanadischen Mari- erlöschflugzeugen um. Die »Tracker« erhiel- matflughafen Abbotsford nach 35 Dienstjah-
ne. Während des Kalten Kriegs war sie als ten hierfür einen 3282 Liter fassenden Tank ren als Löschflugzeug verlassen hat, um Teil
U-Boot-Jäger auf dem Flugzeugträger HMCS und wurden nun als »Firecat Air Tanker« be- der Ausstellung in Langley zu werden.
Bonaventure eingesetzt. In den 1970er-Jahren zeichnet. Werner Fischbach ■

■ STINSON L-1 VIGILANT


VICKERS VISCOUNT V.814
Eine echte Rarität

Lufthansa-Viscount gerettet
S eit September 2012 steht die
Vickers Viscount V.814, Bau-
Nummer 447, D-ANAF, im Tech-
absolviert. Sie war acht Jahre
lang im Einsatz, bevor sie im Ja-
nuar 1969 aus dem aktiven Li-
nik Museum Speyer. Lufthansa niendienst genommen wurde,
hat die Viscount dem Museum um ihrer Nachfolgerin, der Boe-
für einen Zeitraum von 20 Jahren ing 737, Platz zu machen. Die
als Leihgabe überlassen. D-ANAF diente daraufhin für
Die D-ANAF war die letzte die nächsten 40 Jahre als Ausbil-
von elf Viscount der Lufthansa- dungsflugzeug beim Lufthansa
flotte und wurde im Januar 1962 Technical Training. Mehr als
ausgeliefert. Die Maschine hatte 2000 Lehrlinge erlernten an ihr Hat gut lachen: Paul Stecewycz und seine makellos restaurierte
nur einen Monat zuvor ihren den Beruf des Luftfahrzeugme- Stinson L-1 Vigilant Foto Russ Snadden
Jungfernflug auf dem Flughafen chanikers.
Bournemouth Hurn in England Eric Janssonne ■
V or Kurzem hat das Fantasy of Flight Museum in Florida
seine Stinson L-1 Vigilant mit der Seriennummer 03102 fer-
tiggestellt. Die gründliche Restaurierung führte Paul Stecewycz
über einen Zeitraum von mehreren Jahren durch. Dafür stan-
den ihm auch die Überreste einer zweiten L-1 zur Verfügung,
deren Einzelteile er nutzen konnte. Trotzdem gestaltete sich die
Aufgabe außerordentlich schwierig, da nur wenige Original-
zeichnungen vorhanden sind.
Foto Eric Janssonne

Neben der US Army dienten etwa 100 Exemplare dieses


Typs auch in der Royal Air Force als Verbindungsflugzeuge
Ab Frühjahr zu besichtigen: Viscount V.814 D-ANAF während des Zweiten Weltkriegs. Heute existieren nur noch
wenige Stinson L-1 Vigilant. Russ Snadden ■

10
■ FLUGPLATZ GOTHA ■ SUPERMARINE SPITFIRE MK XVI
Traditionsflugplatz vor dem Aus! Unter Palmen
N ach exakt 100 Jahren droht dem tradi-
tionsreichen Flugplatz in Gotha-Ost
das Ende des Flugbetriebs. Eine am Rand D ie Spitfire Mk XVI, TE476 / NX476TE
soll nach vielen Jahren als Exponat im
des Flugplatzes ansässige Firma möchte das Kermit Weeks Fantasy of Flight Museum
Gelände der Stadt Gotha abkaufen. Das in Polk City, Florida, wieder in flugtüchti-
Flugfeld wurde 1913 als Werksflugplatz der gen Zustand gebracht werden.
Gothaer Waggonfabrik gegründet. Alle in Die 1945 produzierte Maschine war Teil
Gotha gebauten Flugzeugtypen wie die Go- des Battle of Britain Memorial Flight
tha Go 145 wurden hier eingeflogen. Am 5. (BBMF), ehe man sie 1960 ausmusterte.
Juli 1939 wurde auf dem Flugplatz am östli- 1968 bekam sie eine Rolle in dem Film »Die
chen Stadtrand von Gotha Fluggeschichte Fly-In für den Erhalt des Gothaer Flugplatzes Luftschlacht um England« und wurde an-
geschrieben. Das mit zwei Zündapp-Moto- am 25. November 2012 Fotos (2) A. Metzmacher schließend »Gate-Guardian« der RAF-Ba-
ren und einer Leistung von je 50 PS ausge- sis Northolt. 1989 entschied man, sie in ei-
stattete Sportflugzeug vom Typ Gotha Go kord (siehe Flugzeug Classic 07/2009). Von nem Tauschgeschäft an Kermit Weeks in
1953 bis 1954 wurden in Gotha wieder Flug-
150 schraubte sich von hier aus in die Welt- Florida abzugeben. Sie trägt die Farben der
rekordhöhe von 8048 Metern. Der von der zeuge gebaut. Segelflugzeuge vom Typ SG Spitfire XVI GE-D, die von dem erfolgrei-
FAI anerkannte Rekord besteht noch heute 38 und Grunau Baby IIb bestimmten das chen belgischen Piloten R.A. Lallemand
Bild auf dem Platz. Dann endete die Flug-
und gilt als historischer, ungeschlagener Re- geflogen wurde. Roger Soupart ■
zeugproduktion in Gotha. Drei Jahre später
übernahm die DDR-Massenorganisation Die TE476
mit den Mar-
Gesellschaft für Sport und Technik (GST)
kierungen
den Flugplatz und bildete Segelflieger aus.

Foto Roger Soupart


der 349 (Bel-
Nach 1990 siedelten sich zwei Vereine, der gian) Squa-
Aeroclub Gotha und der Flugsportverein dron
Gotha Go 150 vor dem Start zum Höhenwelt- Gotha, auf dem Gelände an.
rekord am 5. Juli 1939 Andreas Metzmacher ■

Rasanter Dreizack
lahm macht – und beim zwei- 1958, von sich reden. Dann lässt die Regie-
ten Prototyp gleich während rung das Programm im Mai des Jahres ein-
des Erstfluges zum Absturz stellen – offiziell aus Budgetgründen. Böse
führt. Der verbliebenen »Tri- Zungen behaupten allerdings, dass die »Tri-
dent I« ergeht es schließlich fast dent« zwar steigen könne wie ein Weltmeis-
genau so: Als am 26. Oktober ter, aber das war es dann auch. In der Tat ist
1954 ihr Raketentriebwerk ihre mögliche Waffenlast sehr bescheiden: ein
beim Start ausfällt, kommt die einziger Lenkflugkörper, sonst nichts. Im
voll betankte Maschine gerade Prinzip ist sie kaum flexibler als stationäre
noch ungeschoren zu Boden. Flugabwehrraketen, die im Endeffekt billiger
Erst nachdem die deutlich kommen. So bleibt der rasante »Dreizack«
SO.9000 »Trident I« Foto DEHLA stärkeren Armstrong Siddeley letztlich stumpf und muss sich der vielseiti-
Viper eingebaut sind, setzt man geren Dassault Mirage geschlagen geben.
Vor 60 Jahren, am 2. März 1953, steigt mit das Testprogramm fort. Dabei können Wolfgang Mühlbauer ■
dem ersten Prototyp der französischen Höchstgeschwindigkeiten bis Mach 1,63 er-
SO.9000 »Trident I« (zu Deutsch Dreizack) reicht werden – wenn auch nur für Sekunden.
ein Vollblut-Abfangjäger mit radikalem De- Doch das reicht, um den Bau der verbesser-
sign in den Himmel. Allerdings vorerst im ten, etwas kleineren SO.9050 »Trident II« mit
wahrsten Wortsinn auf Sparflamme – denn größerer Flügeltiefe, stärkeren Flächentrieb-
der SEPR-Raketenantrieb im Heck wird erst werken und geplanter Raketenbewaffnung
im folgenden Jahr eingebaut. Bis dahin muss zu genehmigen. Sieben Exemplare entstehen
der Schulterdecker allein mit seinen beiden in der Folgezeit. Einige davon machen sogar
Marboré-Leichtbauturbinen an den Flächen- durch Rekordleistungen, wie etwa eine Spit-
enden auskommen, was ihn ziemlich flügel- zengeschwindigkeit von Mach 1,95 im Januar SO.9050 »Trident II« Foto DEHLA

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 11


PANORAMA

FOKKER DR.I
Tragischer Verlust
Am 22. Juli 2012 stürzte das Replikat der
Fokker Dr.I, F-AZAQ, während einer Flugschau
auf dem französischen Flugplatz Couché
Vérac ab. Dabei ging die Maschine in Flam-
men auf und wurde völlig zerstört. Der Pilot
hat den Absturz nicht überlebt.
Weltberühmt wurde die Fokker als Einsatz-
flugzeug von Manfred von Richthofen, der sie
komplett rot anmalen ließ. Roger Soupart

Die »7447«, auch »der Wiener« genannt


Foto Gunnar Åkerberg

■ ANTONOW AN-2

Für immer verloren: die Fokker Dr.I


F-AZAQ
»Tante Anna«: Abschied in Polen
N
Foto Roger Soupart
ach mehr als 60 Jahren hat die polnische Die An-2TD »7447« ist eine von vier An-2,
Luftwaffe ihre Antonow An-2 »0852«, den die bereits früher im Jahr 2012 bei der 8. Baza
größten Doppeldecker der Welt, am 14. Dezem- Lotnicza in Krakau-Balice außer Dienst gestellt
BOEING STEARMAN PT-17 ber außer Dienst gestellt. Die Verabschiedungs- wurden. Die »7447« schrieb am 1. April 1982
Stearman wird zeremonie fand bei der 42. Bazie Lotnictwa Geschichte, als sie von Deserteuren dazu be-
Szkolnego in Radom/Sadkow statt. nutzt wurde, um von Krakau nach Wien zu
»französisch« Die An-2TD mit der Baunummer 1G108-52 fliehen. Aus diesem Grunde erhielt sie den
Vor Kurzem begannen Mitglieder der fran- und der Kennung »0852« lief am 14. August Spitznamen »Wiedenczyk«, »der Wiener«. Spä-
zösischen Vereinigung Escadrille Foug'air 1969 bei WSK-PZL in Mielec vom Band und ter wird die Antonow im Muzeum Lotnictwa
damit, die Boeing Stearman PT-17 mit der wurde wenige Tage später an die polnischen Polskiego (polnisches Luftwaffenmuseum) in
Seriennummer 75-3211 zu restaurieren. Streitkräfte ausgeliefert. Sie ist das am längsten Krakau restauriert. Die restlichen An-2 der pol-
Die Maschine wurde 1942 gebaut und bei den polnischen Streitkräften eingesetzte nischen Luftwaffe sollen zivilen Aeroclubs und
nach Kriegsende als überzählig eingestuft, Flugzeug. Insgesamt 150 An-2 waren bei der anderen Organisationen angeboten werden.
sodass sie in Privatbesitz überging. Es- polnischen Marine und Luftwaffe im Einsatz. Gunnar Åkerberg ■
cadrille Foug'air erwarb das Flugzeug
schließlich in den USA und hofft nun, die
Restaurierung im kommenden Sommer
Spätere
abschließen zu können. Die Maschine
Versionen
dürfte dann wieder ihre ursprüngliche der Cara-
USAAF-Nummer »211« tragen und im velle boten
französischen Zulassungsregister als Platz für
F-AZYK geführt werden. bis zu 140
Eric Janssonne Passagiere
Foto Pierre
Schmitt

■ SUD AVIATION CARAVELLE III ravelle III die Werkhallen, von denen Air France
47 Maschinen übernommen hatte.
Frisch gestrichen! In Deutschland wurde die Caravelle ab Feb-
ruar 1960 von Air France im Berlin-Verkehr vom

D ie in Avignon ausgestellte Sud Aviation Ca-


ravelle III, Nummer 242, hat einen neuen
Anstrich erhalten, der vom schweizerischen Luft-
Flughafen Tegel aus nach Düsseldorf, München
und Frankfurt eingesetzt – mit bis zu 22 Verbin-
dungen täglich. Ab 1972 ersetzte man sie durch
fahrtunternehmer Michael Davis gesponsert die B-727. Insgesamt haben 282 Exemplare die
wurde. Die Restaurierungsarbeiten haben über Werkhallen verlassen.
einen Monat in Anspruch genommen. Die Air France SE-210 Caravelle III ist seit Ok-
Die Boeing Stearman PT-17, 75- Die Caravelle wurde 1968 gebaut und trug tober 1988 auf dem Flugplatz in Avignon aus-
3211, bei der Ankunft auf dem Flug- zunächst den Namen »Compté de Nice«, spä- gestellt. Auf Nachfrage kann sie beim Aeroclub
hafen Châteauroux-Villers im vergan- ter »Guyanne«. Ausgelegt war die Maschine für Avignon besichtigt werden.
genen Jahr Foto Bruno Chauvet 85 bis 89 Passagiere. Insgesamt verließen 85 Ca- Pierre Schmitt ■

12
■ JUNKER JU 52/VICKERS VARSITY T.1 WJ 945

Duxford sagt Lebewohl!


Die Vickers Varsity war eines der bedeutendsten
Nachkriegs-Schulflugzeuge der RAF

D as Imperial War Museum Duxford hat sei-


ne Junkers Ju 52 und die Vickers Varsity
T.1 WJ 945 abgestoßen.
Die Ju 52 ist 1974 nach Duxford gekommen,
nachdem sie von der portugiesischen Luft-
waffe ausgemustert worden war. Puristen ha-
ben allerdings schon immer beanstandet, dass
es sich bei ihr nicht um eine »echte« Ju 52 han-
delt, sondern lediglich um eine französische
Nachkriegs-Amiot AAC-1 »Toucan« mit Luft-
waffenmarkierungen. Ihr neuer Besitzer ist das
Krakauer Luftfahrtmuseum in Polen.
Als Zweites wurde die Vickers Varsity T.1
WJ 945 verkauft. Sie war im Inneren des Mu-
seums ausgestellt und befindet sich deshalb
in gutem Zustand. Sie ist bereits zerlegt und an
ihren neuen Standort, das Classic Air Force
Museum in Newquay, Cornwall, gebracht
worden. Sie eingeschlossen, existieren heute
Portugiesin mit französischen Genen: Die Ju 52 kommt nach Polen Fotos (2) Roger Soupart nur noch acht Exemplare. Roger Soupart ■

■ DOUGLAS A-26 B INVADER

Veteran des Koreakriegs


I n Avignon-Caumont,
Frankreich, wird zur-
zeit eine zweimotorige
Douglas A-26 B Invader
restauriert. Eigentümer
der Maschine ist eine
dreiköpfige Halterge-
meinschaft um Christo-
phe Brunelière.
Die »Invader« ist für Aufwändig: Neben den Flächen ...
Frankreich insofern von
Interesse, da 110 Exemplare dieses Typs ab 1951 unter anderem in
Indochina und Algerien Dienst taten. Acht von ihnen sind dabei
verloren gegangen. Daher soll sie später auch in den Farben der
Armée-de-l’Air angestrichen werden. Der Restaurations-Auf-
wand ist insgesamt als sehr groß einzustufen.
Die A-26 B mit der Registrierungsnummer 27451 ist 1944 in
Long Beach, USA, entstanden
und wurde 1945 an die USAF
geliefert. Sie diente 1950 im
Koreakrieg und wurde
schließlich 1953 als über-
schüssig verkauft. Seitdem
ist sie nicht mehr geflogen.
Insgesamt gibt es heute in
... wird auch der Rumpf gründlich französischen Museen noch
restauriert Fotos (2) Pierre Schmitt vier A-26. Pierre Schmitt ■

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013


75 JAHRE Bf 109

Die Avia S-199 zeigt deutliche Änderungen


gegenüber der Bf 109, wozu der auf die
rechte Seite verlegte Lufteinlauf gehörte.
Auch die Propellerblätter waren breiter

DIE BF 109 NACH DEM KRIEG

Unter fr
Es ist üblich, dass Piloten noch vor ihren Maschinen
A
ls im Mai 1945 die Waffen in Europa
schwiegen, begannen zahlreiche Staa-
in Rente gehen. Dies galt auch für die Bf 109, die ten, sich auf künftige Auseinanderset-
zungen vorzubereiten. Was lag da näher, als
in Spanien und Israel noch eine bemerkenswerte auf bewährte und vielfach erprobte Waffen-
Nachkriegskarriere absolvierte. Und dies nicht systeme zurückzugreifen. Auch das bekann-
teste deutsche Jagdflugzeug, die Messer-
nur als Nachbau, sondern als eigenständige Weiter- schmitt Bf 109, bildete hier keine Ausnahme.
Ein simpler Nachbau kam häufig jedoch nicht
entwicklung Von Dietmar Hermann infrage, da das Ende des »Dritten Reiches«

14
emder Flagge
auch zum Produktionsstopp wichtiger Bau- Bf-109-Baureihen bis hin zur E-Version mit Nähe von Sevilla fertiggestellt werden sollten.
teile führte. dem seinerzeit neuen Daimler-Benz-DB-601- Doch der Kriegsverlauf bremste diese Absich-
Motor ein. Doch auch während des anschlie- ten. Lediglich einige Pläne und 25 Rümpfe oh-
Die spanische »109« ßenden Zweiten Weltkrieges erhielt Spanien ne Leitwerke erreichten Spanien. Außerdem
Spanien war mit der Entwicklung der Bf 109 weitere Maschinen dieses Typs. fehlte es an DB-605-Triebwerken und den not-
von Anfang an stets eng verknüpft. Bereits die 1943 wurde zwischen Messerschmitt und wendigen deutschen Bordwaffen für die Ma-
frühen Versuchsmuster flogen auf der iberi- dem spanischen Hersteller Hispano Aviación schinen. Spätestens 1944 zeichnete sich ab,
schen Halbinsel Ende 1936 testweise erste Ein- eine Lizenzvereinbarung zum Bau der Bf 109 dass die deutschen Lieferungen nicht mehr
sätze. Und im weiteren Verlauf des Spanischen getroffen. Auf Basis der Bf 109 G-2 war vorge- kommen würden. Den spanischen Konstruk-
Bürgerkrieges setzte man hier so gut wie alle sehen, insgesamt 200 Jäger zu bauen, die in der teuren blieb daher nichts anderes übrig, als zu

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 15


75 JAHRE Bf 109

»Spanische 109« mit 20-mm-Kanone. Unter


der Kanone befindet sich das sperrige
Gestell für die 80-mm-Raketen

Fertig ausgerüstete HA-1112-K1L mit


20-mm-Flügelkanonen vor den Hangars
im spanischen Werk von Sevilla
Foto via Gonzales

16
Umbaumaßnahme: Eine Bf 109 E-1
mit spanischem Hispano Suiza 12Z 89.
improvisieren und die vorhandenen Zellen mit waffe die Bezeichnung C.4J (C = Casa = Jäger) Das Rot ist Spekulation
eigenen Motoren auszustatten. Sie entschieden erhielt. Bis 1949 wurden 80 Zellen fertiggestellt, Zeichnung Herbert Ringlstetter
sich für den Hispano-Suiza 12Z-89, der rund allerdings fehlten die Motoren. 1949 kam es
1300 PS leistete. Doch es kostete Zeit, die Flug- zum Vertragsabschluss mit Hispano-Suiza in
zeuge umzukonstruieren, und zu Beginn wur- Frankreich, welches sich verpflichtete, die
de nur eine Bf 109 E-1 mit diesem Boliden Triebwerke für die fertiggestellten Maschinen Maschinen lautete HA-1109-K1L, und noch im
ausgestattet. Zum Ausgleich des Luftschrau- zu liefern. Die HS-12Z-89-Antriebe sollten in selben Jahr hoben zwei von ihnen ab.
ben-Drehmoments war das Profil der Seiten- Einzelteilen geliefert werden, sodass die End- Der erste Einsatz der neuen Jäger fand bei
flosse bei der »109« unsymmetrisch. Da der montage in den spanischen Hispano-Werken der 11. Grupo de Experimentación statt, einem
Versuchsverband, der später zur 11. Escuadrón
Ein Einsatz dieser Maschinen hatte im Düsen- umbenannt wurde. 1952 trafen 16 weitere
Triebwerke ein, die man in elf deutschen und
zeitalter nur noch als Jagdbomber Sinn. zwei spanischen Zellen und zudem in einen
Doppelsitzer einbaute. Die ursprüngliche Be-
HS-Motor aber eine andere Drehrichtung als in Barcelona durchgeführt werden konnte. waffnung bestand aus zwei 12,7-mm-Breda-
der DB 605 hatte, musste die Seitenflosse eben- Doch der HS 12Z-89 erwies sich als weniger SAFAT-Flügelkanonen. Insgesamt übernahm
falls geändert werden. Der Erstflug dieser vom geeignet. Stattdessen fiel die Wahl auf den die spanische Luftwaffe 19 Maschinen ( C.4J-1
Hersteller als HA-1109-J1L bezeichneten Ma- HS 12Z-17, der durch eine veränderte Motor- bis C.4J-19 ), wovon allein 14 bei einer Jäger-
schine fand noch kurz vor Kriegsende am aufhängung besser eingebaut werden konnte. schule in Morón geflogen wurden. Spätestens
2. März 1945 bei Sevilla statt. Anschließend be- 1951 trafen die ersten sechs HS 12Z-17 ein, die zu diesem Zeitpunkt dürfte den spanischen
gann man damit, sie ausgiebig militärisch zu die Ingenieure in drei spanische und drei deut- Militärs klar gewesen sein, dass ein Einsatz
erproben, wobei sie von der spanischen Luft- sche Zellen einbauten. Der Werksname dieser dieser Maschinen im Düsenzeitalter nur noch

»Deutsche 109« aus Spanien


Diese Bf 109 G-2 wird im Luftwaffenmuseum
Berlin-Gatow ausgestellt. Ursprünglich han-
delte es sich dabei um eine 1950 gebaute
spanische Hispano HA-1109-K1L. Sie flog
bei der spanischen Luftwaffe und bekam
später im Film »Luftschlacht um England«
eine Rolle. Nach den Dreharbeiten ging das
Flugzeug als Geschenk der Spanier an die
deutsche Luftwaffe. 1988 wurde sie auf den
Stand einer Bf 109 G-2 gebracht. Sie erhielt
den Anstrich und die Markierungen der G-2
von Hauptmann Gustav Rödel, der insgesamt
56 bestätigte Abschüsse erzielt hatte. ■

Die Leistungen der HA 1112 M1L Buchon im Serienzustand


Motor Rolls Royce Merlin 500/45
Motorleistung 1 x 1632 PS in 680 m Höhe
Luftschraube vierflügelige Rotol Luftschraube
Kraftstoff 400 Liter innen
Spannweite 9,92 m
Flügelfläche 16,05 m²
Bewaffnung 2 x 20-mm-Hispano-Suiza-HS-404/808-Kanonen,
zwei Raketenwerfer mit acht 80-mm-Oerlikon-Raketen
Fluggewicht 3180 kg
Höchstgeschwindigkeit 674 km/h in 4 km Höhe
Erstmaliger Einbau des Hispano-Suiza 12Z-89 Reichweite 767 km
in die Zelle der Bf 109. Der Erstflug fand am Dienstgipfelhöhe 10 195 m
2. März 1945 statt

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 17


75 JAHRE Bf 109

als Jagdbomber beziehungsweise Tiefangriffs- 80-mm-Oerlikon-Raketengeschossen unter HA-1112-K1L, während ihr Spitzname »Tri-
Flugzeug Sinn hatte. der Tragfläche und zwei 20-mm-Kanonen- pala« lautete, was nichts anderes heißt als
Für den neuen Einsatzzweck fiel die Wahl HS-404/808 in den Flügeln. Die so umgerüs- »Dreiblatt« und auf die verwendete dreiblätt-
der Bewaffnung auf Raketenwerfer mit acht teten Maschinen erhielten die Bezeichnung rige Luftschraube anspielt. Die HA-1110-
K1L war eine zweisitzige Trainerversion, von
der aber nur zwei Exemplare gebaut wurden.
Eine innovative Technologie Die mit dem HS 12Z-17 ausgerüsteten Jäger
kamen in dem 1957 gedrehten Film »Der
Stern von Afrika«, in dem es über das Leben
des deutschen Jagdfliegers Hans-Joachim
Marseille geht, zu ersten Filmehren.
Fotos, soweit nicht anders angegeben, Sammlung Hermann

Rolls-Royce-Motoren bevorzugt
Bedingt durch die unzureichende Leistung des
HS 12Z, war Hispano Aviación auf der Suche
nach einem leistungsstärkeren und betriebssi-
Die HA-1109-K1L wurde erstmals 1952 mit bedarf. Der Vorflügel blieb nach wie vor cheren Antrieb. Das Interesse an britischen
Grenzschichtzäunen ausgestattet. Messer- das wirksamste Mittel. Grenzschichtzäune Rolls-Royce-Boliden war groß, doch das Em-
schmitts Versuche mit Grenzschichtzäunen kamen serienmäßig nach dem Krieg zum bargo gegen Spanien verhinderte bis 1952 ent-
bei der Bf 109 begannen schon 1939. ersten Mal 1947 bei der MiG 15 zum
sprechende Handelsabkommen. Erst als sich
Anfang 1940 bestätigten zwar Messungen Anbau. Selbst in den 1960er-Jahren, wie
die Wirksamkeit dieser Technologie an hier bei dem russischen Jagdbomber Su- die politische Situation entspannte, erlaubte
einer Bf 109 E, aber bei Messerschmitt choi Su-20, wurden Grenzschichtzäune die britische Regierung den Export von Rolls-
sah man keinen unmittelbaren Handlungs- verwendet. ■ Royce-Merlin-500/45-Motoren mit 1600 PS. Ihr
Einbau führte zur letzten spanischen 109-Va-

18
Avia S-199.93, 1. letka,
LVA (Flieger-Militärakademie),
etwa 1951
Zeichung Herbert Ringlstetter

riante, der HA-1112-M1L. Der Merlin besaß griffen die Ingenieure von Hispano Aviación den bei den spanischen Nachbauten ab 1952
einen zweistufigen Höhenlader und wurde eine Idee von Willy Messerschmitt auf. eingebaut.
mit einer 4-Blatt-Rotol-Luftschraube ausge- 1939 unternahm Messerschmitt Versuche
stattet. Um dem Antrieb genügend Kühlluft mit sogenannten Grenzschichtzäunen. Bei der Kurzer Einsatz in Afrika
zu verschaffen, musste die Frontpartie stark Bf 109 entstanden nämlich durch das Ein- 1957 wurde die 71. Escuadrón de Caza-Bom-
verändert werden. Hinzu kam, dass er, be- und Ausfahren der Vorflügel an dieser Stel- barda ( 71. Jagdbombergruppe ) als erste Ein-
dingt durch die Arbeitsweise der Zylinder, ei- le Turbulenzen, die bei der HA-1112-K1L heit damit ausgerüstet. Als es in der spani-
ne völlig andere Bauform besaß. Der Merlin (-M1L) aufgrund der Bewaffnung noch ver- schen Kolonie in Westafrika zu Aufständen
veränderte somit das »Gesicht« des umge- stärkt wurden. Die Grenzschichtzäune wur- kam, setzte man auch Teile der 71. Escuadrón
bauten Flugzeugs erheblich, und die bauchi-
ge Frontpartie erinnert mehr an eine Spitfire
als an eine Bf 109. Die Maschine erhielt den
inoffiziellen Beinamen »Buchon«. Buchon ist
eine Taubenart, die in der Umgebung von
Sevilla beheimatet ist. Noch 1953 wurde der
Merlin in eine Attrappe eingebaut, und der
Erstflug einer umgerüsteten Maschine fand
am 30. Dezember 1954 statt.
Die beiden 20-mm-Kanonen und die Luft-
Boden-Raketen waren auch für dieses Muster
vorgesehen. Um die Langsam-Flugeigen-
schaften und die durch die sperrigen Luft-Bo- Diese Bf 109 D-1 mit der Kennung 6.53 gehörte zur 1. Staffel der Jagdgruppe 88 der Legion
den-Raketen und deren Aufhängungen ver- Condor. Das Bild entstand auf dem Flugfeld von El Burgo de Osma in Kastilien. Die Maschine
ursachten Luftverwirbelungen zu verbessern, wurde später der spanischen Luftwaffe übergeben

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 19


Völlig in Blau gestrichen: eine HA-1112-M1L Buchon 1957 auf
dem Luftwaffenstützpunkt El Copero. Dort war die Heimatbasis
der 7. Jagdbombergruppe, genannt Ala 7 de Caza-Bombardeo

dort ein. Sie flogen Aufklärungs-Einsätze und


Angriffe mit Bordwaffen und Raketen gegen
die Rebellen während dieses sogenannten Ifni-
Krieges. Bei den Einsätzen ging keine Maschi-
ne verloren, allerdings mussten sechs »Bu-
chon« infolge Motorschäden und Start- und
Landeunfällen abgeschrieben werden. Nach
dem Ende der blutigen Unruhen wurden die
»Buchon« nur noch als Waffentrainer und für
zweitrangige Aufgaben verwendet. Hier er-
wiesen sich die ebenfalls eingesetzten NA T-6
Texan mit ihrem robusten Sternmotor aber als
deutlich besser. Die spanische Luftwaffe über-
nahm insgesamt 172 mit RR Merlin ausge-
rüstete Maschinen. 1964 flogen die letzten
55 Buchon bei der 471. Escuadrón. Im Novem-
ber 1965 löste die spanische Führung diese Ein-
heit auf, und die ersten spanischen 109 fielen
der Schrottpresse zum Opfer. Glücklicherwei-
Die HA-1109-J1L während der Werkserprobung mit laufendem HS-12Z-89-Motor se konnten 23 gerettet werden, von denen ei-
nige in dem Film »Luftschlacht um England«
aus dem Jahr 1968 in neuer Bemalung als Jäger
der deutschen Luftwaffe zum Einsatz kamen.
Auch in späteren Filmen wie »Memphis
Belle« oder auch »Tuskegee Airmen« flogen
»Buchon« als deutsche Bf 109.

Tschechische Avia-Jäger
Außer in Spanien wurde die Bf 109 als Basis für
eine eigene Jägerserie auch in der Tschechoslo-
wakei genutzt. Die tschechischen Avia Werke in
Prag bauten bis Kriegsende die Bf 109 in Lizenz.
Nicht nur die Fertigungsanlagen blieben nach
dem Krieg erhalten, sondern auch Komponen-
ten der Bf-109-G- und -K-Zellen mitsamt der not-
wendigen DB-605-Motoren. Es war verständ-
lich, dass man versuchte, eine neue heimische
Luftfahrtindustrie aufzubauen und eigenstän-
dige Entwicklungen voranzutreiben, um eine
gewisse militärische Unabhängigkeit zu ge-
währleisten. Mit den vorhandenen Möglichkei-
Diese werksneue HA-1109-K1L, ausgerüstet mit einem Hispano-Suiza-12Z-17-Motor, verfügte über ten begann die Entwicklung des zunächst als
Gondelwaffen unter der Tragfläche Foto via Gonzales C-10 bezeichneten Jägers auf Basis der Bf 109.

20
Avia C.10 (S.99) der Letectvo SNB
(Polizeifliegertruppe) in der
Ein Großbrand zerstörte allerdings einen Groß- eingebaut in den deutschen Kampfflugzeu- Tschechoslowakei 1948. In welchem
teil der noch vorhandenen DB-605-Motoren. gen Ju 87, Ju 88 oder He 111, war allerdings Grauton die Maschine lackiert war, ist
Trotzdem reichte es zum Bau einer kleineren Se- nicht so leistungsstark wie der DB 605. Au- umstritten Zeichnung Herbert Ringlstetter
rie. Das Musterflugzeug flog am 22. Februar ßerdem sorgte die von Avia verwendete brei-
1946, gefolgt von 20 weiteren S-99-Ein- ( Bf 109 tere Luftschraube für ein überaus starkes
G-10 ) und 29 CS-99-Zweisitzern ( Bf 109 G-12), Drehmoment. Bedingt durch den Einbau des Auf den Einbau einer Motorkanone muss-
die noch bis September 1947 gebaut wurden. Jumo 211 musste der Ladereinlass konstruk- ten die Ingenieure verzichten, da der Jumo 211
hierfür nicht geeignet war. Stattdessen mon-
Die ›tschechoslowakische 109‹ galt von tierte man zwei 20-mm-Kanonen MG 151/20
unter den Flügeln, so wie es zuvor schon bei
Beginn an lediglich als Übergangslösung. der Bf 109 G mit dem Rüstsatz VI gehandhabt
wurde. Der neue Jäger, zunächst als C-210 be-
Der Mangel an DB-605-Triebwerken tiv auf die rechte Flugzeugseite verlegt wer- zeichnet, absolvierte den Erstflug am 25. April
stoppte allerdings den Weiterbau. Alternativ den. Ebenso war es erforderlich, die beiden 1947, bis er im Februar 1948 unter der Be-
bot es sich an, die noch in größeren Mengen Rumpf-MG neu zu synchronisieren, sodass zeichnung S-199 schließlich in Dienst gestellt
vorhandenen Junkers-Jumo-211-F-Triebwerke sie beim Schießen nicht die größeren Propel- wurde. Die »tschechoslowakische 109« galt
zu verwenden. Der Jumo 211, ursprünglich lerblätter beschädigten. von Beginn an lediglich als Übergangslösung,

Voll ausgerüstete spanische HA-1112-M1L Buchon mit Rolls-Royce-Mer- Zweisitzige, mit Merlin-Motor ausgerüstete Trainerversion HA-1112-M4L,
lin-500/45-Motor und Vierblattluftschraube von der nur wenige gebaut wurden

Bolide aus dem Hause Junkers

Der Junkers Jumo 211 war ein flüssiggekühlter 12-Zylinder-Rei-


henmotor mit einem Hubraum von gut 35 Litern. Er wurde von
Mitte 1937 in mehreren Varianten bis August 1944 gebaut. Mit
mehr als 68 000 Motoren war es das meistgebaute deutsche
Triebwerk in dieser Zeit. Der Jumo 211 F besaß eine maximale Tschechischer Einbau des Jumo 211 in die Zelle der Bf 109. Die Ausrüs-
Leistung von 1340 PS am Boden bei 2600 U/min. ■ tung mit Gondelwaffen wurde beibehalten, da der Einbau einer zentralen
Motorkanone nicht möglich war

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 21


75 JAHRE Bf 109

Der tschechische Doppelsitzer CS-199 bot deutlich bessere


Sichtverhältnisse als der Bf-109-G-12-Zweisitzer

Eine von insgesamt 25 Avia Diese S-199 flog der tschechische Pilot Lt. František Novák.
S-199, die für die junge is- Am 24. Mai 1948 landete er damit in Neubiberg. Sie wurde
raelische Luftwaffe flogen im Juli 1949 an die CSSR zurückgegeben

sodass sie bis Mitte der 1950er-Jahre aus dem Die Flugeigenschaften waren im Übrigen Und »Mezek« bildete in diesem Falle die
aktiven Dienst entfernt und durch Düsenjäger nicht der Grund dafür, dass sie den wenig sprichwörtliche Eselsbrücke zum Kürzel
ersetzt wurde. Die Start- und Landeeigen- schmeichelhaften Beinamen »Mezek« (Maul- »Me« wie Messerschmitt.
schaften der S-199 ließen insgesamt zu wün- esel) trug, wie vielfach vermutet wird. Viel-
Kriegseinsatz in Israel
Bekannt wurde die Avia S-199 als erstes einge- Bekannt wurde die Avia S-199 durch ihren
Einsatz als erstes eingesetztes Jagdflugzeug
setztes Jagdflugzeug des noch jungen Staates Israel. des noch jungen Staates Israel. Anfang 1948
spitzte sich der Nahost-Konflikt zwischen dem
schen übrig. Dennoch hatten sämtliche Staffeln mehr resultierte der Spitzname noch aus der neu geschaffenen Staat und der arabischen
der tschechoslowakischen Luftwaffe die S-199 Zeit des Zweiten Weltkrieges, als tschechische Welt weiter zu. Aufgrund von Embargo-Be-
in ihrem Bestand, und auch die Geheimpolizei Piloten im Dienste der RAF nach einem ein- stimmungen gelang es Israel weder von den
SNB (Sbor národní bezpe nosti) setzte sie ein. prägsamen Namen für die Bf 109 suchten. USA noch von Großbritannien Kampfflugzeu-
ge zu erwerben. Da die Tschechoslowakei die-
se Bestimmungen aber ignorierte, konnte
Die Leistungen der Avia S-199 im Serienzustand Israel im April 1948 zunächst sechs S-199 er-
Motor Junkers Jumo 211 F werben. Auch das Pilotentraining der ausge-
Motorleistung 1 x 1340 PS suchten israelischen Piloten fand dort statt.
Luftschraube 3-flügelige Luftschraube Zu den Flugzeugführern, die in der Tschecho-
Kraftstoff 400 Liter (innen) slowakei ihre Ausbildung erhielten, gehörte
Spannweite 9,92 m auch Ezer Weizman, der später israelischer
Flügelfläche 16,05 m² Präsident wurde.
Bewaffnung 2x20-mm-Kanonen als Gondelwaffen, Als 1948 die arabischen Staaten Israel den
zwei 13-mm-MGs im Rumpf
Krieg erklärten, verfügte die junge israelische
Fluggewicht 3736 kg
Höchstgeschwindigkeit 440 km/h in Bodennähe
Luftwaffe nur über fünf Avia S-199. Erstmals
589 km/h in 6 km Höhe eingesetzt wurden vier von ihnen als Jagd-
Steigrate am Boden 13,7 m/s bomber am 29. Mai 1948 gegen einen ägypti-
Reichweite 850 km schen Konvoi. Die ersten Abschüsse mit die-
Dienstgipfelhöhe 9500 m sem Flugzeug gingen auf das Konto von Modi
Alon, der am 3. Juni 1948 zwei ägyptische

22
Messerschmitt Bf 109 G-2,
W.Nr. 14754, der finnischen Luftwaffe
C-47-Transportmaschinen abschoss. Auch stadt am 9. März 1943 statt. Die Finnen setz- im Mai 1944. Zeichnung Herbert Ringlstetter

wenn die militärische Wirkung eher gering ten diese Jäger anschließend äußerst erfolg-
war, so kam der Vormarsch der Ägypter doch reich gegen die russische Luftwaffe ein.
zum Stillstand. Das Fliegen der Avia S-199 Nach dem Krieg waren nur noch 16 Ma- Quellen:
war nicht einfach. Laut Ezer Weizmann war schinen vorhanden, die die finnische Luft- Salvador Mafé Huertas: »Iberian Gustav« –
es schwierig, die »199« bei Start und Landung waffe noch bis 1954 einsetzte. Allerdings The Long-Ser ving Spanish Messerschmitts.
zu kontrollieren, ebenso im Steig- und Sturz- machte sich der fehlende Nachschub an Er- In: Air Enthusiast No.62/1996.
flug. Da die 20-mm-Kanonen unter der Fläche satzteilen und der zunehmende Verschleiß Für die freundliche Mithilfe und Unterstützung
sehr häufig versagten, schoss man haupt- der Maschinen immer stärker bemerkbar, und bedanke ich mich bei Helmut Schmidt, Peter W.
sächlich mit den 13-mm-MGs. Auch hier ver- die Flugzeiten blieben dadurch gering. ■ Cohausz und der EADS.
sagte öfters die Synchronisation, und die Pilo-
ten riskierten dabei, dass die Geschosse die
Propellerblätter beschädigten. Insgesamt kauf- »Buchóns« im Museum
te Israel 25 Maschinen zu je 190 000 Dollar.
Foto Dabrio
Obwohl die Flugleistungen der Avia S-199
kaum befriedigend waren, wurden dennoch
rund 530 Maschinen als Einsitzer und Dop-
pelsitzer gebaut, die zum Teil noch bis 1957
flogen. Trotzdem blieben davon nur drei Ma-
schinen erhalten. Im Luftfahrtmuseum von
Prag steht ein Einsitzer S-199 und ein Schul-
zweisitzer CS-199. Ein weiterer Doppelsitzer
befindet sich im israelischen Luftwaffenmu-
seum von Hatzerim.

Die Bf 109 G in Finnland


Die Bf 109 G wurde während des Krieges
nicht nur von der Luftwaffe geflogen. Neben
Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Kroatien und
dem neutralen Spanien erhielt auch Finnland
eine größere Anzahl neuer Bf 109 G. Als deut- Neben der HA-1112-M1L Buchón ist im Motor ausgestellt. Die hier gezeigte Bewaff-
scher Verbündeter erhielt Finnland während spanischen Luftfahrtmuseum Museo del nung entsprach der des Tiefangriffsjägers
des Krieges insgesamt 162 Maschinen von Aire in Madrid seit 1971 zudem diese voll mit 20-mm-Flügelkanonen und 80-mm-Oerli-
den Baureihen G-2, G-6 bis G-8. Die erste ausgerüstete HA-1112-K1L mit Hispano- kon-Luft-Boden-Raketen. ■
Übernahme von 16 G-2 fand in Wiener Neu-

Diese finnische Bf 109 G-6/Y, MT-507, blieb


erhalten und steht heute im finnischen Luft-
waffenmuseum in Tikkakoski. Sie wurde am
26. April 1944 von den Finnen übernommen

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 23


TECHNIK Vickers Wellington

ZWEITE KARRIERE ALS U-BOOT-JÄGER UND SCHULFLUGZEUG

Hinaus aufs Meer …


… schickt das RAF Coastal Command die Vickers Wellington, um deutschen U-Booten
nachhaltig Paroli zu bieten. Mit Radar und Suchscheinwerfern ausgerüstet, wird sie zum
brandgefährlichen Gegner der deutschen Kriegsmarine. Daneben wird die »Wimpy«
auch als Trainer wichtig Von Wolfgang Mühlbauer

A
uf dem westeuropäischen Kriegsschau- Gefahr durch die Verminung britischer Küs- die damit zwischen Anfang Januar und Mitte
platz trennen sich die Frontverbände tengewässer Herr zu werden versucht. Zu die- Mai 1940 zunehmend erfolgreich operiert.
des RAF Bomber Command bis Ende sem Zweck lässt die Admiralität vier Welling- Zwischenzeitlich entstehen weitere elf Ma-
1943 von ihrem langjährig verdienten Ar- ton Mk.IA mit einem Magnetring ausrüsten, schinen mit stärkeren Generatoren, DWI Mk.II
beitspferd (siehe FLUGZEUG CLASSIC um Minen mit entsprechenden Abstandszün- genannt. Höhepunkt der Einsätze ist am
12/2011). Beim Coastal Command dagegen dern gezielt auszuschalten. Für Erprobung 10. Mai das Freiräumen einer Fluchtpassage
erlebt die flexible »Wimpy« längst eine Re- und Einsatz der als DWI (Directional Wireless für die niederländische Königsfamilie im Küs-
naissance, die bis Kriegsende andauern wird. Installation) Mk.IA bezeichneten Flugzeuge ist tenbereich bei Ijmuiden. Kurz darauf verlegt
Ihre ersten maritimen Einsätze reichen bis eine neu gebildete Sondereinheit zuständig: der Großteil des Verbandes in den mittleren
Dezember 1939 zurück, als man der akuten die No 1 GRU (General Reconnaissance Unit), Osten, um hier besonders die libysche Küste

24
Gefürchteter U-Boot-Jäger:
Wellington GR.Mk.XIV mit
ASV Mk.III Radar im charak-
teristischen Kinnturm sowie
Leigh-Light-Suchscheinwerfer

und den Suezkanal über die nächsten zwei ton vorbei, denn es steht vorerst kein ver- an ihren »Stacheln« auf dem Rumpfrücken
Jahre hinweg zu schützen. gleichbares Kampfflugzeug zur Disposition. und in den Flanken. Von ihren Crews »Stick-
Noch bedrohlicher als Seeminen sind die Im November 1940 zieht man darum die ers- leback« (Stichling) oder »Goofington« ge-
deutschen U-Boote, die Großbritannien von ten B.Mk.IC-Bomber zum Schutz von Geleit- nannt, patrouillieren sie zunehmend über der
lebenswichtigen Nachschubgütern abzu- zügen heran. Biskaya und dem Nordatlantik. Von sich re-
schneiden drohen. Im Mittelmeer gilt es da- Wirklich gefährlich wird die »Wimpy« den machen sie zunächst jedoch im Mittel-
gegen, die für Nordafrika bestimmten Kon- über See freilich erst, als sie ein ASV(Air-to- meer: als mit Torpedos bestückte »Fishing-
vois der Achsenmächte aufzuhalten. In Surface)-Radar erhält. Im Januar 1941 sind die tons«, die dem Feind spürbar schaden.
Anbetracht der gesamten Situation kann das ersten dieser insgesamt 217 neuen Maschinen Über dem Atlantik dagegen ist der
Coastal Command gar nicht an der Welling- vom Typ GR.Mk.VIII fertig; leicht erkennbar GR.Mk.VIII zunächst kaum Erfolg beschie-

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 25


TECHNIK Vickers Wellington Die GR.Mk.VIII ist die erste Ausführung der
Wellington, die für die Seezielbekämpfung
ausgelegt ist. Das hier gezeigte Flugzeug
gehört zur No 172 Sqn

den. Sie kann nachts zwar aufgetauchte


U-Boote aufspüren, aber nicht effizient be-
kämpfen, da das ASV Mk.II nur auf etwa ein-
einhalb Kilometer genau anzeigt. Was zum
präzisen Angriff fehlt, ist Licht – weshalb
schon seit Februar an einer für Nachteinsät-
ze tauglichen Version der Gr.Mk.VIII gearbei-
tet wird. Unter anderem laufen Versuche mit
einer umgerüsteten DWI-Maschine, die das
Scheinwerfersystem Leigh Light erhalten hat.

Im Lichtkegel festgenagelt
Da die Resultate durchweg positiv ausfallen,
baut man zuerst einmal in 58 B.Mk.IC-
Bomber den einziehbaren Suchscheinwerfer
im hinteren Unterrumpfbereich ein – dort,
Die Wellington DWI Mk.I der No 1 GRU sind mit einem Magnetring, der gut 14,5 Meter durch- wo ursprünglich einmal ein ausfahrbarer
misst, ausgerüstet, um gezielt Seeminen zur Detonation zu bringen Waffenstand vorgesehen war. Zahlreiche
GR.Mk.VIII werden in der Folgezeit ebenso
nachgerüstet. Im März 1942 ist der erste Leigh
Light Flight auf den britischen Inseln aufge-
stellt. Schon beim ersten scharfen Einsatz vom
2. auf den 3. Juni kann ein feindliches U-Boot
schwer beschädigt werden.
Im Regelfall laufen die nächtlichen Angriffe
folgendermaßen ab: Sobald das Radar an-
schlägt, verringert der Pilot etwa eine Meile vor
dem Ziel die Flughöhe auf 150 Meter und steu-
ert geradlinig das Ziel an. Ist dieses noch etwa
einen Kilometer entfernt, flammt der Schein-
werfer auf. Sobald der Feind vom Lichtkegel
Fotos, soweit nicht anders angegeben, RAF

erfasst ist, geht die Maschine noch tiefer, um


dann präzise ihre Waffenlast abzuwerfen.

Rascher Erfolg in der Biskaya


Im Laufe des Sommers bringt die GR.Mk.VIII
die deutschen U-Boote in der Biskaya in im-
mer größere Bedrängnis. Kein Wunder also,
Bis Kriegsende bleiben die GR.Mk.VIII der No 221 Sqn im Mittelmeer stationiert. Ab Oktober dass man dieses Waffensystem noch leis-
1944 ist der Verband in Kalamaki auf Kreta stationiert tungsfähiger machen will. Ende des Jahres

26
Vickers Wellington B.Mk.V, s/n R3298.
sind deshalb die ersten von 180 gebauten Das Gegenstück für nächtliche Operatio- Erster Prototyp der Wellington Höhen-
GR.Mk.XI fertig – abgeleitet wie alle folgen- nen ist die GR.Mk.XIV mit Suchscheinwerfer bomber, stationiert in Weybridge,
den »maritimen« Versionen der Wellington und ASV Mk.III. Von ihr verlassen 841 Stück September 1940
aus der B.Mk.X und mit 1650 PS starken Her- die Fertigung; die ersten stehen ab August Zeichnung J. Franzi
cules-VI- oder 1735 PS leistenden Hercules- 1943 im Einsatz. Beide Typen kämpfen bis
XVII-Motoren ausgerüstet.

Gefürchtet bis Kriegsende


Allerdings fällt bei diesen Maschinen die
Funkmessausrüstung öfter einfach weg, denn
die Gegenseite kontert zeitnah mit dem Warn-
empfänger »Metox«, der eine Erfassung
durch ASV Mk.II rechtzeitig meldet. Das
führt als Ad-hoc-Maßnahme zum Bau von
58 nur für die nächtliche U-Boot-Jagd ausge-
legten Wellington GR.Mk.XII mit Leigh Light
und dem Radar ASV Mk.III, dessen Anten-
nenanlage in einem markanten Kinnturm
sitzt. Es sendet im Zentimeterbereich und
arbeitet derart präzise, dass ein geübter Be-
obachter den Schnorchel eines getauchten
U-Bootes aufspüren kann. Ausschließlich
für den Tageinsatz ist die nachfolgende
GR.Mk.XIII konzipiert, die das alte Radarsys-
tem behält. Dafür hat sie Hercules-XVII-Trieb-
werke und kann Torpedos mitführen. Die ers-
ten Maschinen sind im März 1943 an der
Front; bis Anfang 1946 wird man nicht weni-
ger als 883 davon ausgeliefert haben. Ende 1942 gelangen die ersten Maschinen vom Typ GR.Mk.XI mit stärkeren Motoren an die Front

Behelfstransporter
Die »Wimpy« wird während des Krieges im- verbänden statt. Es gibt sozusagen für je- tragt, 100 B.Mk.IA und B.Mk.IC in Transport-
mer wieder als Transportflugzeug herangezo- den Geschmack das Richtige: sei es zur rei- maschinen umzuwandeln. Sie werden an-
gen, da die RAF durchweg knapp an Fracht- nen Personenbeförderung, zum Material- schließend zunächst C.Mk.IA und C.Mk.IC
raum ist. All diese Flugzeuge sind jedoch transport oder für spezielle Sonderaufgaben genannt, später dann als Wellington C.Mk.XV
nur Umbauten. Die ersten behelfsmäßigen wie das Absetzen von Luftlandetruppen. und C.Mk.XVI bezeichnet. Zeitweise nutzt
Modifikationen finden direkt bei den Einsatz- 1943 wird Vickers schließlich damit beauf- sogar die BOAC einzelne Exemplare. ■

C.Mk.IA »Duke of Rutland« der BOAC Fotos (2) Vickers C.Mk.XVI der No 24 Sqn mit aufgemalten Waffenständen

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 27


TECHNIK Vickers Wellington

Testgerät Wellington Kriegsende mit durchschlagendem Erfolg in


erster Linie über dem Atlantik und der Bis-
Einzelne Exemplare der »Wimpy« finden über die Jahre immer wieder Verwendung als Versuchs- kaya sowie dem Mittelmeer und zeitweise
träger für Ausrüstung oder Antrieb. Darunter fällt beispielsweise die Erprobung einer 40-mm-Ka- auch dem Indischen Ozean.
none im Drehturm, des Helmore-Widebeam-Scheinwerfers als Konkurrenz zum Leigh Light oder
der Propellerturbine Rolls Royce Dart. »Wimpy« mit Druckkabine
Kriegsgeschichtlich nahezu unbedeutend
B.Mk.II mit 40-mm-Vickers-Kanone Foto Vickers bleiben dagegen die Versuche, aus der Wel-
lington ein Höhenkampfflugzeug zu machen.
Bereits im Herbst 1938 ergeht der Auftrag, ei-
ne Version mit Druckkabine zu schaffen. Die
Maschine soll in Höhen bis zu 12,2 Kilome-
ter operieren, um jeder gegnerischen Abwehr
zu entgehen. Doch dem stehen vorerst zwei
Dinge im Weg. Zum einen genießt militäri-
sche Höhenkammerforschung, anders als in
Deutschland (wo man später selbst grausame
Versuche an Häftlingen nicht scheut), bis da-
hin kaum Vorrang. Zum anderen lässt sich ei-
ne separate Druckkabine nicht so einfach in
die geodätische Rumpfstruktur des Bombers
integrieren, da deren Geflecht zur funktionie-
renden Kräfteverteilung ein geschlossenes
System bilden muss. Letztlich befestigt man
die kesselförmige Druckkabine, die nur eine
GR.Mk.VIII mit Helmore-Scheinwerfer im Bug Foto Vickers Sichtkuppel für den Piloten sowie wenige
kleine Fensteröffnungen besitzt, auf einem
Tragegerüst, das ähnlich geodätisch wie der
restliche Rumpf aufgebaut und am vorderen
Hauptspant befestigt ist.
Etwa zeitgleich gelingen der zivilen Hö-
henkammerforschung, die wegen der US-
Konkurrenz schon länger kontinuierlich läuft,
wichtige technische Sprünge. So entsteht bei
der General Aircraft Ltd. (GAL), dem in die-
ser Hinsicht wichtigsten Vorreiter der briti-
schen Luftfahrtindustrie, bis Mai 1939 mit der
GAL.41 ein passendes Experimentalflugzeug.
Weiterhin lässt sich Westland ein automati-
sches Kabinendruck-Steuerventil patentieren.
Beides spielt Vickers nicht unerheblich in die
Hände. So kommen Bau und Ausrüstung der
Druckkabine sowie deren Integration in die
Zelle trotz vieler Detailprobleme und auf-
T.Mk.X mit RR-Dart-Turbinen Foto RR
wendigem Feintuning gut voran. Offen bleibt
die Frage, wie man den Heckstand besetzen
soll. Letzten Endes wird dort ein fernbedien-
ter Turm vom Typ Fraser-Nash 20A mit fi-
xierten Waffen eingebaut.

Kraftloser Hercules
Der zum Antrieb der Wellington B.Mk.V ge-
nannten Maschine vorgesehene Sternmotor
Bristol Hercules HE8MS kommt dagegen
kaum vom Fleck. Doch da das Höhenbom-
berprojekt ab Mai 1940 erhöhten Vorrang hat,
muss eine Zwischenlösung her, wenn der
Erstflug wie geplant bis 1. August stattfinden
soll. Also wird im Juni der Herkules III ein-
gebaut – trotz zu geringer Leistung. Wann die
erste B.Mk.V tatsächlich an den Start rollt, ist
nicht mehr nachvollziehbar. Bei den am frü-
hesten verbrieften Flügen zwischen 21. und

28
Vickers Wellington GR.Mk.VIII,
s/n HX509, der No 69 Squadron RAF,
August 1942. Die Maschine war in Luqa
auf Malta stationiert
Zeichnung J. Franzi

31.Oktober erreicht sie bis zu 9 Kilometer Hö-


he, zeigt sich ansonsten aber nicht von ihrer
besten Seite. Zum Beispiel vereisen durch
Spritzwasser die Einstiegsluke sowie Fenster
und Sichtkuppel. Wenn auch nicht ungefähr-
lich, sind dies dennoch vergleichsweise nur
Kleinigkeiten, die man bald im Griff hat. Viel
entscheidender ist, dass die Druckkabine ins-
gesamt betrachtet fehlerfrei und gut funktio-
niert. Sie erweist sich im Endeffekt sogar fort- Die Höhenbomber vom Typ Wellington Mk.VIA bleiben nur kurz in geringer Stückzahl im Einsatz,
schrittlicher als alles, was das US-Militär bis liefern insgesamt jedoch wertvolle technische Erkenntnisse
dahin zuwege gebracht hat. In der Folge
kommt es zum fruchtbaren Technologieaus-
tausch, der den Briten die Pläne für das Bom-
benzielgerät Sperry zuspielt. Davon unab-
hängig bringt auch der zweite Prototyp mit
dem Hercules VII zu schlechte Leistung.
Trotzdem soll eine Serie von 30 Wellington
B.Mk.V aufgelegt werden. Zumindest auf
dem Papier, denn der Hercules wird nie ein
zuverlässiges Höhentriebwerk.

Militärisch kaum von Nutzen


Rolls Royce hält mit dem künftigen Merlin 60,
der einen zweistufigen Höhenlader hat, die
bessere Alternative parat. So wird das erste
Serienexemplar der B.Mk.V rasch auf diese Entstehen durch Umbau ehemaliger Bomber: die vielseitigen Trainer vom Typ T.Mk.X, die zum Teil
Reihenmotoren umgerüstet und zum Mus- bis 1956 im Dienst bleiben
terflugzeug des neuen Höhenbombers
B.Mk.VI. Obwohl es sich bei beiden Trieb-
werken, deren korrekte Bezeichnung Merlin Technische Daten – Vickers Armstrongs Wellington B Mk.VIA
RE1SM lautet, noch um Versuchsmuster han- Länge 18,82 m
delt, überzeugt die modifizierte Maschine Höhe 5,93 m
vom ersten Flug an. Spannweite 26,26 m
Der findet am 28. Oktober 1941 statt. Die Tragflügelfläche 78,04 m²
anschließende Erprobung führt zum Bauauf- Triebwerk zwei flüssigkeitsgekühlte Rolls Royce Merlin 60
trag über 100 Flugzeuge; gleichzeitig endet 12-Zylinder-Reihenmotor mit je 1600 PS Leistung
die Serienproduktion des Vorläufers nach nur Startmasse 13 824 kg
Höchstgeschwindigkeit 483 km/h
zwei Exemplaren. Bis Ende Mai 1942 verlas-
Reichweite bis zu 3660 km
sen stattdessen zunächst 28 Wellington
Dienstgipfelhöhe 11 735 m
B.Mk.VIA mit 1600 PS starken Merlin 60 die Bewaffnung vier 7,7-mm-Browning-MG im Heckstand
Werkshallen. Einige davon sind ab März des bis zu 2043 kg Bombenlast
Jahres bei der No 109 Squadron im Einsatz. Besatzung 4 Mann
Doch wie sich zeigt, können ihre Aufgaben

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 29


TECHNIK Vickers Wellington

Die B.Mk.IVG ist als Trainer für das Funknavigations-


system Oboe gedacht, wird aber zeitweise auch als
Pfadfinder bei nächtlichen Bombenangriffen genutzt

ebenso von den mittlerweile vorhandenen bleibt, nutzt sie die RAF in Großbritannien ab Royce Dart oder zu Whittle-Strahltriebwer-
höhenoptimierten Ausführungen der De Ha- Anfang 1944 fast nur mehr für untergeord- ken. Nicht unerwähnt bleiben sollen zuletzt
villand Mosquito übernommen werden. Als nete Aufgaben. Zum Beispiel zur Um- oder noch jene Maschinen, die ab Ende 1944 bei
direkte Folge wird der Bauumfang der »Wim- Einsatzschulung. Daneben entsteht, teilwei- der RAF Fighter Interception Unit als fliegen-
py«-Höhenbomber deutlich reduziert. se sogar noch im ersten Nachkriegsjahr, eine de Radarleitstellen herangezogen werden, um
Reihe Besatzungs-, Radar- oder Navigations- Mosquito-Abfangjäger zu dirigieren.
Vielseitige Trainer trainer (siehe Kasten unten). Hier sei allen vo- Nachdem 1946 die Fertigung der Welling-
Von der finalen Version B.Mk.VIG mit Oboe- ran die T.Mk.X genannt, deren letzte Exem- ton ausgelaufen ist, sind insgesamt 11 460
Navigationssystem und ohne Heckstand ent-
stehen nur mehr 32 Stück. Jene Flugzeuge
sind zwar in erster Linie Trainer, werden aber
Von der ›Wimpy‹ sind insgesamt 11 460
ab der Jahreswende 1942/43 auch als Pfad- Exemplare aller Ausführungen entstanden.
finder herangezogen. In dieser anspruchsvol-
len Rolle glänzen ihre Crews durch äußerst plare noch bis 1956 Dienst tun. Daneben muss Exemplare aller Ausführungen entstanden –
präzise Arbeit – was freilich nichts daran än- so mancher ausrangierte Bomber als modifi- was die »Wimpy« zum meistgebauten Kampf-
dert, dass alle noch verbliebenen Höhenbom- ziertes Transportflugzeug herhalten (siehe flugzeug der Westalliierten macht. Überlebt
ber Ende 1943 auf dem Schrottplatz landen Kasten, S. 27). Davon abgesehen dient die haben trotzdem nur erstaunlich wenige da-
und das Thema endgültig vom Tisch ist. Wellington vereinzelt als Versuchsträger für von, die heute schon dank ihrer eigenwilligen
Während die »Wimpy« beim Coastal Com- Bewaffnung, Ausrüstung und nicht zuletzt Konstruktionsweise museale Highlights vom
mand also bis zuletzt erfolgreich an der Front Motoren – bis hin zur Propellerturbine Rolls Feinsten darstellen. ■

Spezialtrainer
Neben der weit verbreiteten T.Mk.X werden um jeweils eine Nachtjagdbesatzung im ist schließlich eine mit modernisierter Aus-
zusätzlich drei Sonderversionen der Welling- Gebrauch der Geräte zu schulen. Ihr Nach- rüstung versehene Modifikation der T.Mk.X,
ton für ausgewählte Trainingsaufgaben ge- folger T.Mk.XVIII mit Bristol-Hercules-XVI- die 1946 entsteht und allen während der
schaffen. Die T.Mk.XVII ist eine provisorisch Motoren bietet vier Schülern samt Ausbilder Kriegszeit gesammelten Erfahrungen Rech-
umgerüstete GR.Mk.XI, der man die Radar- Platz und verlässt in einer Stückzahl von 80 nung tragen soll. Sie bleibt bis 1953 bei der
nase einer De Havilland Mosquito verpasst, Exemplaren die Werkshallen. Die T.Mk.XIX RAF im Einsatz. ■

Wellington T.Mk.XVII Fotos (2) Vickers Wellington T.Mk.XIX

30
Seeluftstreitkräfte B ACKGROUND

DIE MARINE LERNT WIEDER SCHWIMMEN

Marineflieger –
Rolle rückwärts
A »Marineflie-
ch, was waren das noch für stolze Zeiten, als der Luftwaffe weiter betrieben oder ausgesondert. Das
die Bundesmarine über vier Flugplätze und Personal ging ebenfalls zur Luftwaffe, verschwand in
rund 200 Flugzeuge verfügte: im Kalten Krieg der Marine oder im Ruhestand. ger ›light‹
schien dies durchaus erforderlich. »Nur eine mit mo-
dernen See- und Seeluftstreitkräften ausgestattete ZULETZT BLIEBEN NUR NOCH DAS MFG3 »Graf
ohne Jets –
Marine vermag heute mit vertretbarem personellen Zeppelin« im niedersächsischen Nordholz bei Cuxhaven diese Rolle rück-
und materiellen Aufwand den Frieden zu erhalten
und unsere Freiheit sichern zu helfen«, urteilte der
mit seinen Seefernaufklärern P-3C Orion und das tradi-
tionsreiche MFG 5 in Kiel-Holtenau mit 21 Sea-King-
wärts machen
damalige Vizeadmiral und Inspekteur der Marine Hubschraubern. Die Kieler erwischte es im vergangenen andere Marinen
1988 in einem Grußwort zu einem Buch über Mari- Jahr: An einem düsteren Novembertag verließen alle
neflieger. Hubschrauber die Förde Richtung Nordholz, zum
auch gerade
neuen Heimatplatz. Dies nur wenige Monate vor dem durch.«
DIE KLEINSTE TEILSTREITKRAFT besaß seit ihrer 100. Geburtstag des alten Kieler Flugplatzes, der schon
Neugründung 1956 eigene Flieger, darunter schräge ab 1913 als Kaiserlicher Marinefliegerhorst gedient hatte.
Vögel wie die zweimotorige
Hunting Percival P-66
»Pembroke« mit ihren
Druckluft-Bremsen, den we-
gen seines hochfrequenten
Düsenlärms »Mäusetöter«
genannten Strahltrainer
Fouga »Magister« oder
die bucklige, zweisitzige
Fairey »Gannet« mit ihrer
2740-PS-»Double Mamba«-
Zwillingspropellerturbine
(»Gannet« heißt auf Deutsch
»Basstölpel«, was das Flug-
zeug nicht hübscher macht).
Später wurden diese Exo-
ten durch Do-28-Verbin-
dungsflugzeuge, Starfighter,
Bréguet-Atlantic-Aufklärer,
Sea-King-Hubschrauber und
Tornados abgelöst – Letzte-
re tummelten sich bis zur Abflug. Im November
Wende so munter über der Ostsee, als hätte es dort nie MARINEFLIEGER »LIGHT« OHNE JETS – diese Rol- 2012 verlassen die Sea
Russen, Polen und die NVA gegeben. le rückwärts machen andere Marinen auch gerade King des MFG 5 den
durch. Für den verbliebenen deutschen Marineflieger- traditionsreichen Platz
in Kiel. Hier bei der
DOCH DANN WURDEN DIE KRÄFTE REDUZIERT: horst mit den zwei Geschwadern wird kein Admiral
Landung in Nordholz
1993 wurde das Marinefliegergeschwader (MFG) 1 in mehr gebraucht. Ein Kapitän zur See befehligt das Foto picture alliance/dpa
Schleswig-Jagel eingestampft, die Tornado-Jets gingen neue Marinefliegerkommando in Nordholz. Zurück zu
samt Flugplatz an das Aufklärungsgeschwader AG 51 den Wurzeln: 1956 fing alles so klein an, wie es jetzt
der Luftwaffe. 2005 verschwand das MFG 2 in Eggebek aufhört: beim Kommando der Marineflieger, später
(Tornado) von der Bildfläche, der Flugplatz wurde Marinefliegerkommando in Kiel.
bald darauf geschlossen. Auch deren Jets wurden von Rolf Stünkel ■

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 31


TECHNIK Typengeschichte

DAS TRANSPORTFLUGZEUG JUNKERS JU 252

Wachablösung für
die »Tante Ju«
B
ei Junkers begannen die Arbeiten an ei- angetrieben werden. Der Rumpf wies einen wiegend unter der Leitung von Diplom-In-
nem Nachfolgemuster für die bewähr- kreisrunden Querschnitt auf und die Tragflä- genieur Eichholz im JFM-Konstruktionsbüro
te Ju 52/3m bereits 1938. Diese gehörte chen hatten ein gleichbleibendes Profil. Die in Prag.
zwar zu den sichersten und zuverlässigsten Maschine, die als Modell im Windkanal unter-
Flugzeugen, doch war sie technisch überholt. sucht wurde, sollte in Glattblechbauweise ent- Nochmals größer
Ihre Flugleistungen lagen weit hinter den in- stehen und bis zu 21 Fluggästen Platz bieten. Neuerliche Wünsche der Lufthansa, wonach
Fotos, soweit nicht anders angegeben, Herbert Ringlstetter

zwischen möglichen zurück. Seit Mitte 1938 Doch der recht plump wirkende Entwurf in der Ju-52-Nachfolgerin 30 Personen Platz
flog beispielsweise das hochmoderne vier- stieß weder im Reichsluftfahrtministerium finden sollten, führten zu einer nochmaligen
motorige Passagierflugzeug Ju 90 bei der (RLM) noch bei der Lufthansa auf Zustim- Überarbeitung und Vergrößerung der inzwi-
Lufthansa. Es verfügte über 40 Sitzplätze und mung. Zumal die zu erwartenden Flugleis- schen Ju 252 genannten Maschine. Die Flü-
erreichte eine Reisegeschwindigkeit von etwa tungen nicht signifikant über denen der gelfläche wuchs um gut 14 Quadratmeter, die
320 km/h. Die der Ju 52/3m lag mit maximal Ju 52/3m lagen. Spannweite um sechs Meter. Die errechnete
17 Gästen an Bord bei rund 250 km/h. Neuen Forderungen des RLM sowie der Startmasse lag nun bei 22,84 Tonnen.
Mit dem Entwurfs-Flugzeug 77 (EF 77) Lufthansa folgend, stellten die JFM im Früh- Als Antrieb standen Mitte 1939 vier Motor-
legten die Junkers Flugzeug- und Motoren- jahr 1939 eine komplett überarbeitete EF 77 typen zur Wahl: der BMW-132-Sternmotor mit
werke (JFM) 1938 ein erstes Ju-52-Nachfol- vor. Bei einem Abfluggewicht von 14,6 Ton- einer Startleistung von 830 PS oder BMW 800
geprojekt für ein Mittelstrecken-Verkehrs- nen sollten 21 Passagiere samt 620 Kilogramm mit 1200 PS, das 1000 PS starke Schweröl-Ag-
flugzeug vor. Wie die Ju 52/3m, sollte das Gepäck und Frachtgut befördert werden kön- gregat Jumo 207 und der V-12-Reihenmotor
Flugzeug von drei BMW-132-Sternmotoren nen. Ausgearbeitet wurde der Entwurf über- Jumo 211, der 1350 PS an den Start brachte.

32
Zwar glänzte die Ju 252 mit hervorragenden Leistungen,
trotzdem entstanden gerade einmal 15 Exemplare des
fortschrittlichen Verkehrs- und Transportflugzeuges

Bau der Versuchsflugzeuge Ju 252 V2 und V3 in einer Halle der Junkers


Flugzeug- und Motorenwerke (JFM). Die Ju 252 setzte konstruktions- und
fertigungstechnisch Maßstäbe Fotos Lufthansa

Die Ju 252 sollte in die Fußstapfen der


äußerst zuverlässigen Ju 52/3m treten.
Doch trotz ansehnlicher Flugleistungen
und moderner Ausstattung samt Druck-
kabine schlug die Dreimot einen ganz
anderen Weg ein Von Herbert Ringlstetter
Der druckdicht verglaste Einheitsführerstand der Ju 252 glänzte durch Be-
dienungsfreundlichkeit und Übersicht

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrie- späteren praktischen Einsatzes und der War- die sich bereits bei der Ju 90 in der Erprobung
ges im September 1939 erklärte das RLM die tung überaus durchdacht ausgeführt wurde. befand. Am Boden hob die sogenannte Tra-
Ausführung der Ju 252 für den zivilen Flug- Als Besonderheit erhielt die Ju 252 eine poklappe das Flugzeug in den waagerechten
verkehr als unwichtig. Zum Unmut der Luft- Druckkabine samt Klimaanlage. Sowohl der Stand und bildete eine Rampe für Fahrzeuge
hansa-Verantwortlichen hatte die militärische Fluggastraum wie auch der Flugzeugführer- und Frachtgut, die mittels motorbetriebener
Nutzung des Flugzeuges absoluten Vorrang. raum für die dreiköpfige Besatzung waren für Seilwinde in den Laderaum gezogen wurden.
eine Flughöhe von acht Kilometern ausgelegt Die Klappe konnte auch während des Fluges
Moderne Konstruktion und mit einer Doppelverglasung ausgestattet. bei niedriger Geschwindigkeit geöffnet wer-
Das RLM erteilte nach dem Sieg der deut- Um den Besatzungen künftig die Arbeit in den. So war es möglich, kleinere Fahrzeuge
schen Wehrmacht über Frankreich Mitte 1940 unterschiedlichen Junkers-Flugzeugtypen zu oder Kanonen an Fallschirmen abzusetzen.
zunächst den Fertigungsauftrag für drei Ver- erleichtern, entwickelte man den Einheits- Auch 35 Fallschirmjäger sollten auf diese Wei-
suchsflugzeuge. Ende 1940 begann man in Führerstand. Ziel war es, künftig die Bedien- se die Ju 252 verlassen können. War kein Ab-
Dessau mit dem Bau der Ju 252 V1 bis V3. Ein- elemente und technische Ausrüstung in wei- sprung vorgesehen, fanden bis zu 50 ausge-
zelne Bauteile wurden in Bernburg gefertigt. testgehend einheitlicher Anordnung zu rüstete Soldaten in der Ju 252 Platz.
Der freitragende Tiefdecker war komplett platzieren und überdies ähnliche Sichtver- Die Antriebswahl fiel letztlich auf das
aus Leichtmetall in Schalenbauweise aufge- hältnisse zu schaffen. stärkste Triebwerk, den Jumo 211 F mit Drei-
baut. Besondere Aufmerksamkeit widmete Zum einfachen Be- und Entladen bekam blatt-Verstell-Luftschraube aus Metall. Als sie
man der Konstruktion, die in Bezug auf Sta- das Flugzeug eine in den hinteren Teil des den Mittelmotor installiert haben, dürften die
bilität und Fertigung sowie hinsichtlich des Rumpfbodens eingefügte Transporterklappe, Junkers-Entwickler wohl weniger von ästheti-

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 33


TECHNIK Typengeschichte

Die Ju 252 hatte das Zeug dazu, eine würdige Nachfolgerin der Ju 52/3m, der zuverlässigen »Tante Ju«, zu werden, und dies sowohl im Zivildienst bei
der Lufthansa wie auch im Militärdienst bei der Luftwaffe

Die fertiggestellte Ju 252 V1 mit Die Ju 252 V1 während der Erprobung


ziviler Kennung D-ADCC mit ausgefahrenem Fahrwerk und ste-
hendem linken Motor

schen Gesichtspunkten als vielmehr von prag- beziehungsweise im Rumpf. Zwar soll die in Form einer elektrisch betätigten Drehlafette
matischen geleitet worden sein. So war es mög- Ju 252 V1 im Oktober 1941 fertiggestellt wor- EDL 131 ein. Bestückt war er mit einem Ma-
lich, das Triebwerk rasch auszutauschen oder den sein. Ob die Maschine dann auch zum schinengewehr MG 131, Kaliber 13 Millimeter.
auch andere Motortypen auf recht sichere Art Erstflug abgehoben hat und, wenn ja, mit Weitere Varianten der Defensivbewaff-
zu erproben. Auch die Flächenaggregate konn- welcher Motorisierung, ist unklar. nung, wie ein Heckstand und ein unterer Ab-
ten schnell als Einheit gewechselt werden. Wahrscheinlicher ist jedoch der vielfach ge- wehrstand, waren zwar als Rüstsätze vorge-
Der Kraftstoff für die Motoren war in den nannte 5. Juni 1942 als tatsächlicher Tag, an sehen, wurden aber nicht mehr verwirklicht.
Flügeln in jeweils drei Behältern unterge- dem Werkseinflieger (Werkstestpilot) Hans-
bracht. Die zweiholmige Tragfläche war drei- Joachim Matthies die Ju 252 V1 erstmals flog. Ohne Druckkabine
teilig aufgebaut und verfügte über Landeklap- Als die Ju 252 V2 am 1. August 1942 zum Die Funktion der Druckkabine bereitete beim
pen in den Innen- und Außenflügeln. Daran Jungfernflug startete, befand sich das erste Einbau der Waffe große Schwierigkeiten, so-
dass letztlich auf deren Annehmlichkeiten
Erste Flüge verstärkten die Hoffnung, und auf Einsatzflüge in großen Höhen ver-
zichtet werden musste. Fernbediente Ab-
mit der Ju 252 auf dem richtigen Kurs zu sein. wehrstände hätten hier Abhilfe schaffen kön-
nen, doch blieb es bei der Projektierung.
anschließend verliefen bis zu den Flächenen- Versuchsflugzeug bereits bei der Erprobungs- Für den Serienbau der Ju 252 A-1 sollte die
den hin reichende gewichtsausgeglichene Dif- stelle Rechlin, wo der Transporter insgesamt V4 als Musterflugzeug dienen, das sich un-
ferenzial-Querruder. als »gut« beurteilt wurde. Raum für Verbes- ter anderem durch ein verändertes Seiten-
Seiten- und Höhenleitwerksflossen kamen serungen blieb jedoch genug. Testweise wur- und Höhenleitwerk zumindest von der V1
ohne Verstrebungen aus. Sämtliche Ruderflä- den zum Beispiel in steilem Winkel nach oben unterschied.
chen wurden mechanisch betätigt und waren abstehende kurze Flächenenden angesetzt, Je nach Ausstattung war die Ju 252 zur
zudem mit Flettner-Hilfsrudern ausgestattet, um die Luftströmung an den Außenflügeln zu Verwendung als Sanitäts-, Reise-, Truppen-
die den Steuerkraftaufwand reduzierten. verbessern. Im November war auch die Ju 252 transport-, Hörsaal-, Fallschirmspringer- oder
Sowohl das mit Doppelrädern ausge- V3 flugklar. Ihr folgte die V4, die als erste schlichtes Transport-Flugzeug vorgesehen.
rüstete Hauptfahrwerk wie auch das Sporn- »252« mit einer Abwehrbewaffnung ausge- Für den Einsatz auf Wasser plante man den
rad waren einziehbar und verschwanden stattet wurde. Weit vorne auf dem Rumpfrü- Anbau von Schwimmern. Die Ju 52/3m hatte
komplett verkleidet in den Motorgondeln cken setzte man einen Waffenstand (B-Stand) sich bei all diesen Aufgaben bestens bewährt,
(Fortsetzung auf S. 37)

34
Junkers Ju 252 V5 (A-1)

Junkers Ju 252 V5 (A-1)


Luft-Transport-Staffel 290
Ostfront 1943

Lackierung: RLM 70/71/65

© Herbert Ringlstetter/www.aviaticus.com

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 35


TECHNIK Typengeschichte

Technische Daten: Junkers Ju 252


Ju 252 V-Muster V-Schweröl-Variante
(Projekt)
Einsatzzweck Transportflugzeug Transportflugzeug
Erstflug 5. Juni 1942 nicht geflogen
Antrieb 3 x Jumo 211 F 3 x Jumo 207 B
flüssigkeitsgekühlter flüssigkeitsgekühlter
hängender V-12- V-12-Zylinder-Reihenmo- Aus ästhetischer Sicht ein Missgriff, von der praktischen Warte aus gese-
Zylinder-Reihenmotor tor/Gegenkolbenmotor hen aber ein sehr schlaues und Aufwand sparendes Konzept: Der Einheits-
Startleistung 3 x 1350 PS, 3 x 1000 PS, motor konnte als komplettes Element ausgetauscht werden. Zudem eigne-
gesamt 4050 PS gesamt 3000 PS te sich die mittlere Motorposition bestens zur Erprobung von Triebwerken
Dauerleistung 3 x 1060 PS, gesamt –
3180 PS in 5300 m
Besatzung 3 Mann 3 Mann
Passagiere 21–32 21–32
Spannweite 34,09 m 34,09 m
Länge 24,49 m 24,49 m
Höhe 6,60 m 6,60 m
Rumpfbreite 2,56 m 2,56 m
Flügelfläche 122 m2 122 m2
Flügelstreckung 9,6 9,6
Spurweite 8,10 m 8,10 m
Rüstgewicht 12 305 kg 11 700 kg
Kraftstoff 3415 kg 1900 kg
Schmierstoff 290 kg 300 kg
Besatzung 300 kg 300 kg
Nutzlast 5300 kg 4800 kg
Zuladung 9305 kg 7300 kg Neben dem aufgesetzten Mittelmotor fallen die gerundet dreieckigen
Startgewicht 21 610 kg 19 000 kg Seitenfenster ins Auge, die auf die Erfordernisse der Druckkabine zuge-
ca. 24 000 kg max. – schnitten waren
Flächenbelastung 178 kg/m2 156 kg/m2
Höchstgeschwindigkeit 430 km/h in 5900 m 370 km/h in 5500 m
Marschgeschwindigkeit 330–390 km/h 365 km/h
in 4500 m in 5500 m
Landegeschwindigkeit 117 km/h 113 km/h
Startrollstrecke 535 m 480 m
Landerollstrecke 450 m –
Steigleistung 245 m/min 95 m/min
Reichweite 1500 km mit 1500 km
mit max. Nutzlast, max. Nutzlast,
4000 km mit 4000 km mit
max. Kraftstoff max. Kraftstoff
Flugdauer ca. 8–12 h –
Dienstgipfelhöhe 6850 m 6800 m
Abwehrbewaffnung 1 x MG 131 – 13 mm 1 x MG 131 – 13 mm
in EDL 131 in EDL 131
V5 zus.: 2 x MG 15 – 7,92 mm in Seitenfenstern
Die Ju 252 V5 bei der Luft-Transport-Staffel 290 an der Ostfront.
Die gebauten Ju 252 wichen fast alle mehr oder weniger stark
Die fortschrittliche »252« war ein äußerst seltener »Vogel« bei den
voneinander ab.
Transportverbänden

36
und es sprach nichts dagegen, dass die »252«
dies nicht auch könnte.
Doch die Ausweitung des Krieges brach-
te Deutschland 1942 zunehmend in Bedräng-
nis. Zudem wurden kriegswichtige Rohstoffe
knapp. Muster wie die Ju 252 wurden zwar
gebraucht, besaßen aber keine Priorität.
Den Jumo 211 benötigte man wesentlich
dringender für die Produktion der Bomberty-
pen Ju 88 und Heinkel He 111. Es wurden da-
her Überlegungen angestellt, die Ju 252 mit
je 1000 PS starken Schwerölmotoren Jumo 207
auszurüsten. Diese hätten Treibstoff gespart
und der Ju 252 immer noch zu ansehnlichen
Leistungen verholfen. Doch die Sache wurde
nicht in die Tat umgesetzt.

Die »252« im Einsatz


Von der Ju 252 wurden lediglich 15 Stück ge-
baut, allesamt V-Muster. Die meisten der auch
als Ju 252 A-1 bezeichneten Transporter kamen
bei der Luftwaffe zum Einsatz. Aufgrund ihrer Die Trapoklappe vereinfachte das Be- und Entladen des Flugzeugs erheblich. Ein im Rumpf instal-
Möglichkeiten wurden die Junkers-Maschinen lierter DKW-Motor trieb eine Seilwinde an, mit der Gerätschaften und sonstige Fracht langsam hi-
oftmals für spezielle Aufgaben genutzt, so neingezogen werden konnten
beispielsweise für den Transport von Daimler-
Benz-DB-606-Triebwerken für die motortech-
nisch kränkelnde He 177 des Kampfgeschwa-
ders 40 in Bordeaux-Merignac. Die Ju 252 V5
flog ab Januar 1943 für kurze Zeit neben Ju 90,
Ju 290 und Focke-Wulf Fw 200 bei der Luft-
Transport-Staffel 290. Die wenigen Ju 252 sol-
len praktisch an allen Fronten zum Einsatz ge-
kommen sein, etwa bei Nachschubflügen für
das Afrikakorps. Zur effektiveren Abwehr von
Feindmaschinen verstärkte man die Bewaff-
nung der Ju 252 während der Fronteinsätze
durch den Einbau eines 7,92-mm-MG-15 im je-
weils letzten Seitenfenster.
Übermittelt sind aber auch Flüge beim
KG 200 im Jahr 1943/44. Der Verband war für
seine speziellen Einsätze bekannt, etwa das
Absätzen von Agenten in Nordafrika. Die
Versuchsmuster V9 und V15 flogen als Er-
probungsträger für neue Motoren. Die Ju 252 V5, DF+BQ, 1943 während ihres Einsatzes bei der Luft-Transport-Staffel 290. Im
Alle Ju 252 waren als Versuchsflugzeuge hintersten Seitenfenster ist eines der beiden MG 15 zu erkennen
registriert und nicht in den Bestandslisten der
Verbände aufgeführt. Der Verbleib der einzel-
nen Maschinen lässt sich dadurch nur schwer
nachvollziehen.
So spielte die direkte Nachfolgerin der
Ju 52/3m, der berühmten »Tante Ju«, bei der
deutschen Luftwaffe praktisch keine Rolle.
Bei der Lufthansa ist die merkwürdig ausse-
hende, aber sehr leistungsfähige Ju 252 noch
nicht einmal geflogen.
Um der Knappheit an kriegswichtigem
Leichtmetall zu begegnen, war der Blick des
RLM bereits 1942 auf eine Art Sparvariante
der Ju 252 gerichtet. Dazu wurde die Ju 252
V1 umgebaut und diente als Vorversuchs-
flugzeug Ju 252 V1/1 künftig der Erprobung
des überwiegend aus Holz gefertigten Mus- Eines der späteren V-Muster im Luftwaffen-Kleid aus Schwarzgrün RLM 70, Dunkelgrün 71 und
ters Ju 352. ■ Hellblau RLM 65. Gut zu sehen ist das im Vergleich zur V1 geänderte Seitenleitwerk

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 37


TECHNIK Cockpit

DAS HÖHENFORSCHUNGSFLUGZEUG JUNKERS JU 49

Die deutsche »Ikarus«


»Nach oben« war in den 1920er-Jahren buchstäblich noch viel Luft, und die Wissen-
schaft war bestrebt, die Geheimnisse der höheren Lagen der Erdatmosphäre zu lüften.
Doch noch gab es kein Flugzeug für extreme Höhen ... Von Peter W. Cohausz

E
nde der 1920er-Jahre trieben die großen
Luftfahrtnationen die Erforschung der
Stratosphärenflüge voran. So erhielten
1928 auch in Deutschland die Junkers Flug-
zeug- und Motorenwerke den Auftrag, ein
Höhenversuchsflugzeug zu entwickeln. Ini-
tiatoren waren die Deutsche Versuchsanstalt
für Luftfahrt (DVL), das Reichs-Verkehrsmi-
nisterium und die »Notgemeinschaft Deut-
sche Wissenschaft«. Sie strebten eine Flughö-
he von 14 Kilometern an. Beginnend im Jahr
1927, sollte sich das Versuchsprogramm über
rund zehn Jahre erstrecken.
Mit 28,25 Meter Spannweite und 17,20 Me-
ter Länge war die Maschine relativ groß. Aus-
gelegt war sie als ein freitragender Tiefdecker
mit den typischen Junkers-Doppelflügeln
und starrem Fahrwerk.
Technisches Neuland betrat man insbe-
sondere bei der Entwicklung der zweisitzigen
Höhenkabine. Die doppelwandig und gut
isoliert ausgeführte Druckkabine fügte man
als selbstständiges Bauelement in die Zelle
ein. Die Sicht nach außen war nur über ins-
gesamt sieben Bullaugen möglich, die teil-
weise zu öffnen waren. Für die Sicht nach
unten stand dem Piloten ein Sehrohr zur Ver-
fügung. Um den Flugzeugführer zu entlasten,
achtete man vor allem auf ausgeglichene
Flug-eigenschaften.
Als Triebwerk verwendeten die Ingenieu-
re einen 800 PS Junkers L 88a mit zweistufi-
gem Gebläse (Lader). Um Zündprobleme in
Fotos, soweit nichts anders angegeben, Sammlung Peter W. Cohausz

Das Cockpit der Ju 49 zeigt reine Zweckmäßigkeit Ein Askania-Wendezeiger als Rundgerät

38
Die Ju 49 nach der Umregistrierung als
D-UBAZ. Man beachte die geänderte Aus-
puffanlage und das modifizierte Fahrwerk
Foto Archiv Lange

großen Höhen zu vermeiden, waren die ne Höhe von bis zu 12,5 Kilometern erreicht tereinander sitzenden Besatzungsmitglieder
Zündapparate, die Leitungen und die Zünd- werden. Die Forschungsergebnisse aus den konstruiert und besaß einen runden Quer-
kerzen luftdicht gekapselt. Da damals noch Flügen haben später die Entwicklung des Hö- schnitt mit einem Aufsatz für die Köpfe. Be-
keine Verstell-Luftschrauben verfügbar wa- henflugzeugs Junkers EF 61 stark beeinflusst. treten musste man die Kabine von hinten,
ren, hatte die Ju 49 einen recht großen Vier- 1936 wurden die Flüge durch einen Unfall be- sodass der vorne sitzende Pilot zunächst ge-
blattpropeller mit einem Durchmesser von endet und die Ju 49 kam in die Deutsche Luft- zwungen war, über beide Sitze zu klettern.
5,60 Metern, der wiederum ein entsprechend fahrtsammlung nach Berlin. Den Zweiten Die Bedienelemente für Trimmung, Motor,
hochbeiniges Fahrwerk erforderte. Weltkrieg hat sie jedoch nicht überstanden. Kühlung, Treibstoffanlage und Belüftung ord-
Am 2. Oktober 1931 hob die Ju 49 zum ers- Dem Höhenflugzeug ist zwar eine arbeits- neten die Ingenieure links und rechts an den
ten Mal ab. Und im Laufe des Jahres 1932 lös- und erprobungsintensive Entwicklung vo- Kabinenwänden an. Der Pilot hatte vor sich
te Junkers noch zahlreiche Probleme, ehe man rausgegangen, doch am Ende stellte die eine schräg angeordnete, gut ausgestattete
die Maschine 1933 an die DVL übergab, die Ju 49 eine Spitzenleistung des Junkers-Flug- Instrumententafel, der Beobachter seine eige-
sie als D-2688 und ab 1934 als D-UBAZ flog. zeugbaus dar. ne Gerätetafel vor sich im Kopfraum.
Obwohl der Motor ständig Ärger bereite- Die beheizbare Höhenkammer der Junkers Die Instrumente waren eine Mischung aus
te, konnte während der Testflüge bis 1935 ei- Ju 49 war maßgeschneidert auf die zwei hin- noch ungenormten Geräten der ausgehenden
1920er-Jahre und neuen Geräten in den später
üblichen Normen. Während der Testflüge wur-
de die Ausrüstung ständig verbessert. Viele
Geräte waren spezielle Sonderanfertigungen.
Für eine bessere Lesbarkeit der Instrumente
war eine Beleuchtungsanlage eingebaut.
Auf der linken Kabinenseite befanden sich
noch Belüftungsmessgeräte, Reserve-Sauer-
stoffflasche, Verständigungsgerät, Thermo-
meter für die Kammertemperatur, verschie-

Die Kienzle
8-Tage-
Einbau von Motor und Kabine in den Rumpf der Ju 49 Borduhr

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 39


TECHNIK Cockpit

Die Junkers Ju 49 beim Start.


Noch hat die Maschine keine
Kennzeichen Foto Archiv Lange

Ausrüstung der Junkers Ju 49


Gerät Anzeigebereich Hersteller Gerät Anzeigebereich Hersteller
1 Steuersäule 42 Thermometer Öl im Verdichtersumpf 25–115° C Steinle & Hartung
2 Durchführung für Quersteuerung links daneben Zündschalter Bosch
3 Durchführung für Höhensteuerung 43 Schalter und Merkleuchte für Sehrohrheizung Bosch
4 Pumpe für Öl- und Kraftstoffvorratsmessung 44 Instrumententafel für 2. Mann
5 Seitenrudertrimmung 45 Einbauplatz für Zusatzgerät
6 Handventil für Pumpe für Öl- und Kraftstoffvorratsmessung 46 Kraftstoffverbrauchsmesser 0–620 Liter Nivex
7 Wasserkühler-Klappenbetätigung 47 Druckmesser Vergaser-Eintritt (2. Mann)** ?
8 Höhengashebel 48ab Öldruckmesser für Verdichter 1./2. Stufe 0–25 kg/cm² Gradenwitz
9 Handgriff 49 Betätigung Normalgas
10 Instrumentenbeleuchtung und Schalter Bosch 50ab Betätigung Verdichter 1./2. Stufe
11 Instrumententafel des Flugzeugführers 51 Druckhalteventil (selbsttätig)
12 Anlassmagnet Bosch 52 Armlehnen
13 Feuerlöschbetätigung 53 Fettpresse Stauffer
14 Sitzgerüst 54 Überdruckventil Innenwand
15 Seitensteuerpedal 55 Vernebler
16 Kompass Askania 56 Handpumpenbetätigung für Kraftstoffdruck
17 Fahrtmesser 20–200 km/h Askania 57 Wasser-Ablass
18 Längsneigungsmesser (Langgerät) Askania 58 Ölkühler-Durchflussregelung
19 Wendezeiger (Rechteckgerät)* Askania 59 Rad für Höhenflossentrimmung
20 Höhenmesser 0–14 000 m Askania 60 Sichelspant, unten
21 Öldruckmesser für Getriebe 0–5 kg/cm² Gradenwitz 61 Wärmeschutzschicht
22 Drehzahlmesser für 1. Getriebestufe 200–2100 U/min Deuta 62 Außenwand
23 Kraftstoffdruckmesser 0–0,5 kg/cm² Gradenwitz 63 Innenwand
24 Drehzahlmesser für Motorwelle 400–1800 U/min Deuta 64 Klappfenster
25 Messgerät für Öldruck im Verdichtersumpf 0–5 kg/cm² Gradenwitz 65 feste Fenster
26ab Druckölzulauf für Verdichter 1./2. Stufe 0–5 kg/cm² Gradenwitz 66 Schreibgerät Kammerdruck
27 Thermometer Öl im Motorsumpf (auf 11.) 25–115° C Steinle & Hartung 67 Trocknungsgerät für die Fenster
(auf 44.) 20–110° C Steinle & Hartung 68 Differenzdruckmesser Kammer-Außenluft +/–200 (?) mmWS
28 Öldruckmesser für Motor 0–10 kg/cm² Gradenwitz 69 Anlass-Pressluftflaschen-Manometer
29 Kühlwasserdruckmesser 0–2 kg/cm² Gradenwitz 70 Sehrohr (aus-/eingefahren) Carl Zeiss Jena
30ab Wasserthermometer vor Kühler links/rechts 20–110° C Steinle & Hartung 71 Brand- und Ölhahn
31 Borduhr 8 Tage Kienzle 72 Hebel für Feuerlöschbetätigung
32 Kurzschlussschalter 73 Feuermeldegerät
33 Verdichterdruckmesser 0,3–1,2 ata Askania 74 Trocknungsgerät für das Sehrohr
34ab Öldruckmesser für Kupplung 1./2. Stufe 0–25 kg/cm² Gradenwitz 75 Aussparung für den Flügelholm
35 Ölvorratsmesser 0–30 (?) Liter DBU 76 Ölfilter
36ab Kraftstoffvorratsmesser linker/rechter Tank 0–310 Liter DBU 77 Tür (offen/geschlossen)
37 Höhenkammerdruckmesser 0,3–1,2 ata Askania 78 Durchführungen für Rohrleitungen und Kabel
38 Schalendruckmesser 0,3–1,2 ata Askania 79 Durchführung für Seitensteuer
39 Außenluftthermometer –70 bis +25° C Steinle & Hartung 80 Sitze für Pilot und 2. Mann
40 Schalter und Merkleuchte für Staurohrheizung Bosch * später durch Wendezeiger als Rundgerät ersetzt
41a Verdichterluftthermometer vor dem Kühler 30–220 (?)° C Steinle & Hartung ** später durch Thermometer 25–115° C ersetzt
41b Verdichterluftthermometer hinter dem Kühler 20–110° C Steinle & Hartung

40
Längsschnitt durch die Kabine der Ju 49 Zeichnungen (3) Junkers-Nachrichten/Cohausz Instrumentierung beim Piloten

Instrumentierung beim Beobachter

dene Ventile und Leitungsdurchführungen.


Die Ausrüstungsliste wurde nach der Be-
schreibung in den Junkers-Nachrichten und
nach zwei historischen Innenaufnahmen zu-
sammengestellt. Nicht alle Geräte waren ein-
deutig erkennbar. Die Fotografien sind zu un-
terschiedlichen Zeitpunkten entstanden, denn
sie zeigen kleinere Abweichungen in der Aus-
rüstung. n

Quellen:
Hans J. Ebert: »Messerschmitt Bölkow Blohm –
111 MBB Flugzeuge«, Stuttgart 1974
Hugo Junkers Homepages:
www.junkers.de.vu und www.junkers.de
Junkers-Nachrichten 3–4/44
Bruno Lange: »Das Buch der deutschen Luft-
fahrttechnik«, Mainz 1970 (DTMB)
Ein besonderer Dank geht an Peter Achs für die
Eine spätere Aufnahme des Cockpits von 1931 zeigt Änderungen in der Ausrüstung freundliche Unterstützung.

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 41


Bei Kriegsende der höchst
dekorierte Soldat der Wehr-
macht: Hans-Ulrich Rudel

Panzerjäger: Junkers Ju 87 G
mit zwei 37-mm-Kanonen
unter den Tragflächen

DIE OSTFRONT UND DIE WENDE IM ATLANTIK 1943

»Kanonenvögel« am
Schwarzen Meer
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Nach der Katastrophe von Stalingrad krallte sich die Wehrmacht


45
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19
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in die ihr verbliebene russische Erde. Unterstützt wurde sie bei



39
19

ihrem Abwehrkampf von improvisierten Flugzeugen, wozu auch


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der berühmte »Kanonenvogel« gehörte Von Peter Cronauer

10.5.1940 Westfeldzug
1.9.1939 Polenfeldzug 22.6.1941 Deutscher
Beginn des Zweiten Weltkriegs 9.4.1940 »Unternehmen 10.7. bis 31.10.1940 Angriff auf die UdSSR 7.12.1941 Japanischer
Weserübung« Luftschlacht um England Überfall auf Pearl Harbor

1939 1940 1941 1942

42
Messerschmitt Bf 109 G-2 der

M
6./JG 52, die 1943 im Südabschnitt der
itte Februar 1943, rund zwei Wochen bände von Wehrmacht und Waffen-SS wieder Ostfront lag. Die Maschine war mit zwei
nach dem Ende der Kampfhand- in Charkow ein. zusätzlichen MG 151/20 unter den Flä-
lungen in Stalingrad, war auch Char- Die einstige Rüstungs- und Industrieme- chen bewaffnet Zeichnung H. Ringlstetter/Aviaticus
kow, die viertgrößte Stadt der Sowjetunion, tropole, die im Verlauf des Krieges insgesamt
wieder in sowjetischer Hand – noch ein wei- viermal den Besitzer wechselte, war aller-
terer herber Rückschlag für die deutsche dings nur einer von mehreren Schwer- und sollte. Oberleutnant Hans-Ulrich Rudel, zu-
Führung. Brennpunkten der sowjetischen Winteroffen- letzt Kapitän der 1. Staffel des Stukageschwa-
Dabei hatte die Rote Armee im Verlauf ih- sive. Ein anderer lag noch weiter im Süden, der 2, absolvierte am 10. Februar 1943 seinen
rer Winteroffensive zunehmend mit densel- nordöstlich des Schwarzen Meeres, wo sich 1000. Feindflug und wurde anschließend zum
ben Probleme zu kämpfen wie schon zuvor die deutsche 17. Armee aus dem Kaukasus »Sonderkommando Stepp« nach Brjansk ver-
setzt. Hauptmann Hans-Karl Stepp, ein Stu-
Die Hochgeschwindigkeits-Munition durch kaflieger der ersten Stunde und zuletzt als
Gruppenkommandeur der I./StG 2 Rudels
schlug die Panzerung sowjetischer Tanks. Vorgesetzter, erprobte dort Möglichkeiten der
Panzerbekämpfung durch Flugzeuge. Unter
die Wehrmacht bei ihren Vormärschen: Nach- Richtung Westen zurückzog. Um ihr den Weg anderem mittels Junkers Ju 87, die unter ihren
schubschwierigkeiten, Erschöpfung der Trup- abzuschneiden, stießen Teile der Roten Armee Tragflächen zwei 3,7-cm-Flakkanonen trugen.
pen, Munitionsmangel und ungeschützte nach Rostow am Don vor, zum Asowschen
Flanken infolge des schnellen Vorstoßes der Meer in Richtung Kuban. Die Panzerung hält nicht stand
Angriffsspitzen. So kam es, dass das Pendel Dabei machte auf deutscher Seite einer Zusätzlich mit wolframgehärteten Kernen
wieder zurückschlug, und nach einem wei- von sich reden, der zum höchst dekorierten ausgestattet, durchschlug deren Hochge-
teren Monat heftiger Kämpfe rückten Ver- Soldaten der gesamten Wehrmacht werden schwindigkeits-Munition tatsächlich die

Ein markantes Gebäude in Charkow, beinahe ein Wahrzeichen Einsatzbesprechung auf dem Flugplatz von Kertsch für die Bootsangriffe
Foto Willi Dettling mit der Panzerjagdmaschine Foto H.-U. Rudel

1943 1944 1945

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 43


ft DerRIE
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45
39 ie

Gefürchteter Tiefflieger: stark


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19
19 kr

gepanzertes Erdkampfflugzeug

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Iljuschin Il-2 Sturmovik


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Panzerung sowjetischer Tanks. Andererseits merkt, in denen zwei Divisionen Rotarmisten verluste der Russen müssen schwerwiegend
wurde die ohnehin schon langsame Ju 87 Temrjuk ansteuerten, um dort im Rücken der sein; in wenigen Tagen schieße ich allein mit
durch diese Art der Bewaffnung noch lah- deutschen Kuban-Front zu landen. Auch Ru- meiner Maschine über 70 dieser Fahrzeuge
mer und schwerfälliger, und ihr tückisches del griff mit seinem »Kanonenvogel« diese zusammen.«
Flugverhalten bereitete einigen Piloten Pro- improvisierte Landungsflottille an: Die sich Zug um Zug in Richtung der Ku-
bleme. Die Landegeschwindigkeit war sehr »Jeden Tag sind wir von früh bis spät un- ban-Halbinsel zurückziehende 17. Armee
hoch, und man durfte nicht mehr mit ihr terwegs und jagen über Wasser und Schilf, konnte nur auf dem Seeweg und aus der Luft
stürzen, da ansonsten die Flächen zu sehr auf der Suche nach Booten. Es sind primiti- versorgt werden. Täglich wurden neue Trup-
belastet wurden.

Stukas gegen Landungsboote ›Die Bootsverluste der Russen müssen


Trotzdem war Hans-Ulrich Rudel von den schwerwiegend sein.‹
sich hier bietenden Möglichkeiten begeistert.
Als angefragt wurde, ob er mit seinen Kame- ve Kähne, selten sieht man ein Motorboot. In pen und Unmengen an Munition, Waffen,
raden dringend zur Krim verlegen könne, den kleineren Booten sitzen fünf bis sieben Treibstoff und sonstigem Nachschub über die
weil dort jeder Mann gebraucht werde, nah- Mann, in den großen werden bis zu zwanzig Straße von Kertsch hinweggeflogen, wäh-
men sie die bereits einsatzfähigen Maschinen Mann hineingepfropft. Außer Handfeuer- rend man auf dem Rückweg Verwundete zu
des Sonderkommandos mit. Deutsche Auf- waffen haben sie noch Granatwerfer und Ma- den Lazaretten auf die Krim brachte. Bereits
klärer hatten zuvor in den Häfen von Jeisk schinengewehre dabei. Hier brauchen wir Ende Februar 1943 würdigte der Oberbe-
und Achtarsk am Asowschen Meer Unmas- unsere Panzerspezialmunition nicht, norma- fehlshaber der Heeresgruppe A, Generalfeld-
sen von ungedeckten Landungsbooten be- le Flakmunition mit geeigneten Zündern marschall von Kleist, den Einsatz des VIII.
Fotos, soweit nichts anders angegeben, Sammlung Herbert Ringlstetter
reicht aus, und damit schossen wir auf alles, Fliegerkorps, das bis zu diesem Zeitpunkt be-
was sich auf dem Wasser zeigte. Die Boots- reits 50 000 Verwundete ausgeflogen hatte.
Im Frühjahr 1943 von der sowjetischen
Luftwaffe eingesetzte Spitfire Mk Vb des
57. Garde-Jäger-Regiments. Unklar ist, was
die möglicherweise gelben Streifen einst
darstellten Zeichnung H. Ringlstetter/Aviaticus

44
Allerdings wirkten auch hier die Ereignis-
se von Stalingrad nach. Stets standen zu we-
nige Transportflugzeuge zur Verfügung, und
als deren Einsatz mit dem Beginn der früh-
jährlichen Schlammperiode durch morastig
werdende Start- und Landebahnen noch zu-
sätzlich erschwert, wenn nicht gar verhindert
wurde, griff man zu einer Notlösung. Als
Transportführer (See) wurde Major Hansing Henschel Hs 123 A1, der I./Schlacht-
mit der Bildung eines Seeflugzeug-Transport- geschwader 1, das ebenfalls an den
verbandes beauftragt. Dafür zog man in Se- Kämpfen um Charkow beteiligt war
wastopol 18 Dornier Do 24, die bislang bei Zeichnung H. Ringlstetter/Aviaticus
verschiedenen Seenotrettungsstaffeln im
Schwarzen Meer im Einsatz standen, zur Auf-
stellung zweier Seetransportstaffeln heran. Ei-
ne weitere Seetransportgruppe entstand, in- Nicht nur an der Ostfront, auch im Atlantik
dem man 25 Junkers Ju 52 mit Schwimmern begann die Wende: Grumman Tarpon Mk I
der 846 Squadron, FAA, die ab Juli 1943
ausstattete. Innerhalb von knapp drei Wochen
auf dem Geleitträger HMS
verfrachteten diese 43 Maschinen annähernd Ravager stationiert waren
2000 Tonnen an Versorgungsgütern zum Wit- Foto RAF
jasewski-See auf der Kuban-Halbinsel; eine
der Ju 52 ging dabei verloren.
Zum Entladen der Maschinen legten Hee-
res-Pioniere in Gostagajewkaja, nördlich von
Anapa am Seeufer gelegen, lange Stege mit
Laderampen an. Die gewasserten Flugzeuge
wurden an Bojen vertäut, Infanterie-Sturm-
boote zogen die Flöße mit der ausgeladenen
Fracht an Land. Auf ihrem Rückflug nahmen
die Seetransporter mit, was mitgenommen
werden musste, vorwiegend Verwundete.

Déjà-vu über dem Schwarzen Meer


Ab April konnten sie hierbei feindlichen Ma-
schinen in die Quere kommen, die älteren
deutschen Jagdfliegern, die beispielsweise
auch schon an der Kanalküste im Einsatz ge-
wesen waren, überaus bekannt vorkamen. Für
die nächsten drei Monate sollten sie es nämlich
mit britischen Spitfire zu tun bekommen, die
zum 57. Garde-Jäger-Regiment gehörten. Die
bewährten britischen Maschinen hatten die
Sowjetunion im Rahmen des »Land-Lease
Acts« erreicht. Der russische Pilot A. L. Iwa-
now, Jagdflieger bei jener Elite-Einheit, dachte
später mit gemischten Gefühlen an jene Ein-
sätze zurück: »Unsere englischen Vögel waren
Exoten in der sowjetischen Luftwaffe, sie wur-
den oft mit Messerschmitt Bf 109 verwechselt.
Häufig wurden meine Staffelkameraden und
auch ich von anderen eigenen Jagdverbänden
für Deutsche gehalten, angegriffen und be-
schossen.« Nach zahlreichen derartigen Vor-
fällen, auch mit Todesfolge, wurden die Spit-
fire aus dem Kampfgebiet zurückgezogen und
anderweitig eingesetzt.

Im schwarzen Leichentuch
Auch die sowjetischen Luftstreitkräfte setzten
Neuerungen ein. So warfen beispielsweise
Schlachtflieger vom Typ Il-2 erstmals Rauch-
bomben ab, um eigene Panzer zu tarnen. Jagd- Die US Navy setzte Grumman F4F Wildcat (vorne links) und TBF Avenger von Geleitträgern aus
flieger Walter Wolfrum, der vorübergehend die gegen deutsche U-Boote ein Foto US Navy

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 45


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19
19 kr

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Diese Consolidated PB4Y-1 »Liberator«


patrouillierte im Sommer 1943 entlang
der britischen Küste. Seefernaufklärer
dieses Typs wurden auf Irland, Island und
Neufundland stationiert Foto US Navy

stark dezimierte 2./JG 52 an der Mius-Front


Betagt, aber sehr erfolgreich: Torpedobomber verstärkte, erlebte deren Wirkung bei einer
und U-Boot-Jäger Fairey Swordfish Foto RAF Panzerschlacht: »Im gesamten Kampfgebiet
standen zahllose Fahrzeuge in Flammen, tief-
schwarzer Qualm vereinte sich zu einer stin-
kenden Wolke, die das Schlachtfeld unter sich
begrub. Von außen sah es aus wie eine schwar-
ze Wand, doch die sowjetischen Schlachtflieger
flogen dort hinein und wir ihnen hinterher.
Schlagartig wurde es Nacht, die Sicht sank
unter 200 Meter, dann unter 100, für bange
Augenblicke sah ich gar nichts mehr. Finstere
Schwaden waberten herum, es roch nach Öl,
Ruß und verbranntem Gummi. Wir stocher-
ten buchstäblich im Nebel, doch von den Il-2
fehlte jede Spur, und als ich zum ersten Mal,
vom Tageslicht geblendet, auf der anderen
Seite der schmierigen Wolke wieder ins Freie
raste, fehlte mein Katschmarek. Irgendwo in
diesem Dreck musste ich ihn verloren haben,
machte auf der Stelle kehrt und suchte nach
ihm. Dabei gaben die Qualmwolken hin und
wieder die Sicht auf ein Inferno frei: Ausge-
laufener Treibstoff hatte sich entzündet, die
Steppe stand in Flammen, ich sah brennende
Wracks, rennende Menschen, Landser waren
von Rotarmisten nicht zu unterscheiden. Im
Tiefflug jagte ich über deren Köpfe hinweg
und wurde schon im nächsten Augenblick
wieder vom Rauch verschluckt. Mehrfach
flog ich kreuz und quer ergebnislos über das
Schlachtfeld, wurde beschossen, ohne zu er-
Geleit-Flugzeugträger USS Bogue, CVE-9, 1945 kennen, woher und von wem, und als meine
Foto US Navy Maschine zu viele Treffer abbekommen hatte,
brach ich die Suche ab.«

46
Patrouillenbomber PB4Y-1 (B-24) der Jagd auf die »grauen Wölfe«
VB-103, US Navy. Die Einheit operierte
1943 von St. Eval in Cornwall aus über der Am 12. Juni 1943 versenkten vier Avenger und vier Wildcat das deutsche U-Boot U-118 westlich der
Biscaya. Die B-3 ging 1943 im Kampf mit Kanarischen Inseln. 43 Seeleute kamen ums Leben, 16 wurden von einem amerikanischen Zerstörer
U-508 verloren Zeichnung H. Ringlstetter/Aviaticus aufgefischt.

Erste Geschossgarben treffen U 118, das


Ab März gelang es der Wehrmacht, die La- sich auf seiner vierten Feindfahrt befand
ge im Südabschnitt der Ostfront zu stabilisie-
ren. Bis in den Sommer hinein verlief dann
die Front von Noworossisk aus quer über die
Kuban-Halbinsel hinweg und von Taganrog
entlang des Mius nach Norden. Noch weiter
nördlich, im Mittelabschnitt der Ostfront, war
die Rote Armee auf breiter Front weit nach
Westen vorgedrungen. Ihre Flanken, die Re-
gionen um die Städte Orel und Charkow, wa-
ren jedoch noch beziehungsweise wieder in
deutscher Hand. Dazwischen lag Kursk …

Wende im Atlantik Die »Spur« auf dem Wasser zeigt, wie


Unterdessen ereignete sich mehrere Tausend U 118 versucht, seinen Jägern durch
Kilometer westlich des Schwarzen Meeres Ausweichmanöver zu entkommen
ebenfalls Wesentliches: Noch im November
1942 hatten die deutschen U-Boote im »gro-
ßen Teich« so viele alliierte Schiffe versenkt
wie noch nie seit Kriegsbeginn, und im März
1943 schnellten die alliierten Schiffsverluste
nochmals in die Höhe. Doch im Anschluss
brach die Erfolgsbilanz der deutschen »Wolfs-
rudel« ein. Alleine im Mai verlor die deutsche
Kriegsmarine mehr als 40 Unterseeboote.
Bald danach setzte dann deren Oberbefehls-
haber, Großadmiral Karl Dönitz, die Rudel-
angriffe auf Geleitzüge im Atlantik vorüber- Erneuter Treffer nahe am Turm.
gehend aus und beorderte die Mehrzahl der Insgesamt warfen die US-Flieger
U-Boote zu ihren Basen zurück. Was war ge- 14 Wasserbomben Fotos (3) US Navy
schehen?
Das »Black Gap« war geschlossen worden,
jenes riesige, zwischen Irland, Island, Grön-
und Neufundland gelegene Seegebiet, das bis-
lang außerhalb der Reichweite alliierter See-
aufklärer gelegen hat. Hier konnten sich die
deutschen U-Boote bisher frei bewegen. Die
als PB4Y-1 bezeichnete Langstrecken-Seeauf-
klärerversion der Consolidated B-24 »Libera-
tor« besaß jedoch genügend Reichweite, um
diese Aufgabe zu erfüllen. Mit Radar und
sonstiger Aufspürtechnik ausgerüstet, erwies
sie sich bald als hervorragender U-Boot-Jäger.
Die PB4Y-1 trug somit maßgeblich dazu
bei, dass die Alliierten das »Schwarze Loch«
schließen konnten. ■

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 47


OLDTIMER Royal Air Force Museum Hendon

EIN MEKKA FÜR LUFTFAHRT-ENTHUSIASTEN

Zwischen Historie
und Glorie

Nur an wenigen Orten dieser Welt können Besucher derart geschichtsträchtige


Luft atmen wie im RAF-Museum. Die Palette der Luftfahrt-Leckerbissen reicht
von den bescheidenen Anfängen vor mehr als 100 Jahren bis zu hochmodernen
Jets wie dem »Eurofighter« Von Stefan Schmoll

48
Wo zuerst hinschauen?
Die Sammlung ist raum-
und epochenfüllend

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 49


OLDTIMER Royal Air Force Museum Hendon

15 bis 20 wahre Meilensteine der Luftfahrtgeschichte finden in der 2003 eröffneten »Milestones of Flight«-Halle Platz

Die Spitfire Mk.Vb BL614 wird von Phantom (links) und Tornado der RAF eingerahmt Heinkel He 111 H-20, Baujahr 1944

V
or rund 40 Jahren – genauer gesagt am Vor 100 Jahren kaufte der britische Luft- Bleriot XXIII, Caudron G.III, Sopwith Dolphin
15. November 1972 – eröffnete Königin fahrtpionier Claude Graham-White im Nor- und Vickers FB.5 aneinander und bilden ein
Elisabeth II. im Londoner Stadtteil Hen- den der Hauptstadt ein etwa 80 Hektar um- Ensemble an Raritäten, das einmalig ist.
don das Royal Air Force Museum. Die dama- fassendes Gelände, auf dem einer der ersten Welche riesigen Entwicklungsschritte die
lige Ausstellung von 36 alten Flugzeugen hat Flugplätze von Großbritannien errichtet wor- Luftfahrttechnik seit Beginn gemacht hat,
sich bis heute zu einem der renommiertesten den ist. Vor zehn Jahren wurde ein noch können die Besucher gleich nebenan in der
Luftfahrtmuseen weltweit entwickelt. vorhandenes Gebäude der ehemaligen Gra- 2003 eröffneten Halle »Milestones of Flight«
Mehr als 100 Luftfahrzeuge von der Bleriot ham-White Flugzeugfabrik an seinem ur- nachvollziehen. Von einer historischen Luft-
XI bis zur ultramodernen Lockheed-Martin sprünglichen Standort zerlegt, restauriert und schiffgondel über den Prototypen der Gloster
F-35 Lightning II können die Luftfahrt-Fans auf dem Museumsgelände wieder aufgebaut. Meteor – dem ersten bei der Royal Air Force
im Royal Air Force Museum besichtigen. eingesetzten Jet – bis zum kürzlich ausge-
Von der »fliegenden Kiste« zum Jet
Fotos Stefan Schmoll

Aber es ist nicht nur die schiere Zahl an aus- musterten Harrier Senkrechtstarter reicht die
gestellten Flugzeugen und Hubschraubern, Was liegt näher, als in der historischen Produk- Spanne der ausgestellten Luftfahrzeuge. Dan-
die den Museumsbesuch so lohnenswert ma- tionsstätte Flugzeuge aus dem Ersten Weltkrieg kenswerterweise beschränkt sich das Muse-
chen. Der Platz selber ist lebendige Luftfahrt- zu präsentieren? Und so reihen sich in diesem um hier nicht auf britische Meilensteine. So
geschichte. lichtdurchfluteten Hangar seltene Typen wie wird die aufgehängte Sopwith Camel von ei-

50
Seltene Maschinen der deutschen Luftwaffe
Einst der Schrecken am Himmel Europas, heute zum größten Teil »vom Aussterben bedroht«:
In Hendon haben Luftfahrt-Enthusiasten Gelegenheit, extrem seltene Originale zu besichtigen,
angefangen bei älteren Mustern wie der Ju 87 bis hin zu den wegweisenden Düsenflugzeugen.

Nur rund 20 Focke-Wulf 190 wurden zu


Zweisitzern umgebaut. Genutzt wurden sie
in erster Linie als Verbindungsflugzeuge

Blick in die »Milestones of Flight«-Halle mit der


Nulli Secundus Luftschiffgondel von 1907

Die Avro Lancaster ist ein üblicher Treffpunkt


für die sehr begehrten Führungen

ner Fokker D.VII gejagt, und vis-à-vis zur Me-


teor steht die Messerschmitt Me 262, das deut-
sche Gegenstück zum britischen Jet. Auch die
North-American P-51 Mustang und die euro-
päische Gemeinschaftsproduktion Eurofighter
finden derzeit Platz in der modernen Halle.

Auch die Luftwaffe ist präsent


Durch einen Tunnelgang gelangen die Be-
sucher in den älteren Teil des Royal Air For-
ce Museum. In der 1983 eröffneten »Bomber
Command«-Halle sind Typen wie Avro Lan-
Die Junkers 87 D-3 s/n 494083
caster, Boeing B-17 und das Anfang der
ist eine von weltweit nur noch
1970er-Jahre in Norwegen geborgene Wrack
zwei erhaltenen »Stukas«
einer Handley-Page Halifax ausgestellt. Ne-
ben den alliierten Bombern aus dem Zwei-
ten Weltkrieg können sich die Besucher Von fast 15 000 gebauten Junkers Ju-88 haben lediglich zwei Maschinen den Krieg überstan-
auch ein Bild der Avro Vulcan machen. Der den. Bei diesem Nachtjäger handelt es sich um eine R-1 mit der Seriennummer 360043
riesige Deltaflügler aus den 1950er-Jahren
ist das größte Flugzeug, welches in Hendon
zu sehen ist. Die zweimotorige Vickers Wel-
lington, die normalerweise ebenfalls Teil der
Ausstellung ist, wird derzeit in Coshford
restauriert.
Auch dem Liebhaber deutscher Flugzeuge
schlägt das Herz in dieser Halle höher. Nicht
nur eine Messerschmitt Me 109 G und ein
Heinkel He 162 Volksjäger sind zwischen all
den riesigen Bombern zu finden, sondern
auch die einzige erhaltene doppelsitzige Fo-
cke-Wulf Fw 190.
Von der »Bomber Command«-Halle ge-
langt man schließlich in den ältesten Teil des
Museums, der der Geschichte der Royal Air
Force und der britischen Luftfahrtindustrie

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 51


OLDTIMER Royal Air Force Museum Hendon

Durchmarschieren: Die monströse Short Sunderland kann von innen besichtigt werden

Auf allen Schauplätzen erfolgreich als Nachtjäger und Torpedobomber Die RAF setzte auch 1900 B-24 während des Krieges ein. Diese hier flog
eingesetzt: 5562 Bristol Beaufighter sind vom Band gelaufen ab 1945 bei der RAF und von 1949 an bei der indischen Luftwaffe

gewidmet ist. In den 1915 errichteten Belfast- Dass die große Zeit der britischen Luft- aus der Geschichte, und dann kann man auch
Truss Hangars können wahre Exoten wie das fahrt nicht mit dem Zweiten Weltkrieg zu En- mal darüber hinwegsehen, eine fünf Meter
einzige erhaltene Supermarine Stranraer de war, zeigen Muster wie English Electric große Bronzestatue von Sir Keith Park vorzu-
Flugboot aus den 1930er-Jahren besichtigt Canberra, Gloster Meteor und de Havilland finden. Während der Luftschlacht um Eng-
werden. Das Doppeldeckerflugboot passt Vampire. Die Düsenjäger aus den 1950er- und land war er Kommandant der 11 (Fighter)
mit seinen 6,60 Meter Höhe gerade so in 1960er-Jahren wurden weltweit von den un- Group in Südengland. Winston Churchill ist
die Trägerkonstruktion der historischen terschiedlichsten Luftwaffen eingesetzt. als Wachsfigur dargestellt, dem per Video-
Holzhallen hinein. Natürlich darf auch die projektion berühmte Worte in Endlosschleife
Ikone der britischen Luftfahrthistorie nicht Heldenverehrung in den Mund gelegt werden.
fehlen. Neben einer frühen Supermarine Eine Halle in Hendon ist komplett der »Luft- Äußerst schade ist es allerdings, dass die-
Spitfire Mk.V ist mit der Mk.24 PK724 auch schlacht um England« gewidmet. Wie formu- se Halle extrem schlecht beleuchtet ist. Die
eine der letzten von mehr als 22 000 gebau- liert man es als ausländischer Besucher mög- ausgestellten Flugzeuge sind praktisch nicht
ten Spitfire zu sehen. lichst neutral? Die Briten lieben ihre Helden zu sehen, geschweige denn zu fotografieren.

52
Immerhin sieben Exemplare der Heinkel He 162 haben den Krieg über- Die Messerschmitt 109 G-2 flog in den 1990er-Jahren als G-USTV bei
standen. Diese »Salamander« wurde im Mai 1945 nach England gebracht einigen Air-Shows in England

Insgesamt wurden 3330 Hawker Typhoon


gebaut, von denen heute nur noch die in
Hendon ausgestellte MN235 erhalten ist

Es sind ja nicht irgendwelche Flugzeuge, son- Unser Fazit: Der Besuch in dem fulmi-
dern extrem seltene deutsche Typen wie Jun- Auf einen Blick nanten Museum sollte zum Pflichtpro-
kers Ju 87, Junkers Ju 88, Heinkel He 111, Mes- Adresse: Royal Air Force Museum gramm eines jeden luftfahrtinteressierten
serschmitt Bf 109 E sowie Messerschmitt Grahame Park Way Großbritannien-Touristen gehören. Die be-
Bf 110, die man in der Dunkelheit erahnen London NW95LL eindruckende Sammlung wird laufend
kann. Und auch auf britischer Seite gibt es www.rafmuseum.org erweitert und verändert. So findet beispiels-
nicht mehr allzu viele erhaltene Spitfire und weise ein regelmäßiger Austausch an Luft-
Öffnungszeiten:
Hurricane, die tatsächlich während der Luft- Täglich 10:00 bis 18:00 Uhr fahrzeugen mit dem Partnermuseum in
schlacht um England eingesetzt worden sind. Eintritt: kostenfrei Coshford statt. Zu den neuesten Akquisitio-
Parkgebühren: PKW 2,50–3,50 GBP nen gehören die in Neuseeland gebauten Al-
Auch Raketen gehören zur Sammlung batros D.Va, Royal Aircraft Factory RE.8 und
Im vorderen Teil der Halle wird es dann ge- Sopwith Snipe.
radezu gläsern. Der sonnendurchflutete Teil Der Eintritt in das Museum ist seit einigen
wird vom viermotorigen Short Sunderland Jahren kostenfrei; lediglich für das Parken
Flugboot dominiert (welches man zudem von wird ein kleiner Obolus verlangt. Vom Zen-
innen besichtigen kann). Hier finden dann trum der britischen Hauptstadt ist es in etwa
Spitfire- und Hurricane-Replikat als
auch die deutschen Vergeltungswaffen Fieseler 30 Minuten per U-Bahn und einem kurzen
»Gate Guard« des Museums
103 »V-1« und die Aggregat 4 »V-2« ihren Platz. Fußmarsch gut zu erreichen. ■

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 53


MODELLB AU

GOTHA G.IV IN 1:32 VON WINGNUT WINGS – TEIL 2

Eine neue Vitrine muss her!


D er Gotha-Bomber besitzt auch als Mo-
dell Sprengkraft. Denn seine kolossale
Spannweite wird die Möglichkeiten meiner
die vielen detaillierten Einzelteile schlecht ab-
kleben lassen. Das gilt insbesondere für die
im Farbton anders gehaltenen Motorgondeln.
Das exakte Spannschema ist im Bauplan
sehr gut wiedergegeben. Für die Spanndräh-
te sind an jedem für sie vorgesehenen Punkt
Vitrine sehr wahrscheinlich zu »sprengen« Richtig aufwendig wird es aber erst, wenn winzige Bohrungen an den Innenflächen vor-
wissen … während des Baus die Steuerdrähte des Sei- handen, um die Spannschlösser aufzuneh-
Vorweg ist zum Zusammenbau zu sagen, tenleitwerks und der Höhenruder längs des men. Allerdings handelt es sich bei den Boh-
dass die Passgenauigkeit aller Teile hervor- Rumpfes angebracht werden müssen. So soll- rungen nur um Markierungen, nicht um
ragend ist. Das mühevolle Spachteln, das ich te man die Abziehbilder für die Rumpfseiten Löcher. Eine Möglichkeit, die Drähte anzu-
so oft bei anderen Plastikbausätzen erlebe, zuvor aufkleben, da die Seile darüber laufen. bringen, besteht nun darin, die Flächen an
fällt praktisch weg. Selbst die kleinsten Bau- Leider habe ich den Fehler gemacht, eben dies den Markierungen zu durchbohren, um an-
gruppen lassen sich perfekt zusammenfügen. nicht zu beachten. Und es war eine extrem schließend die Spanndrähte (0,14 mm) durch
Wichtig ist, dass man sich absolut an die im knifflige Angelegenheit, die feuchten Decals die Flächen hindurchzuführen und auf der
Bauplan vorgegebenen Schritte hält. Denn nun unter den Drähten durchschieben zu anderen Seite mit Tesafilm und Cyankleber
sonst kann es beim Lackieren böse Überra- müssen. Der eigentliche Knackpunkt aber ist zu fixieren. Nach dem Spannen, Verkleben
schungen an den Oberflächen geben, da sich letztlich das Verspannen der Tragflächen. und Abschneiden der überstehenden Drähte

Fotos, soweit nicht anders angegeben, Helmut Scherer; Modell Helmut Scherer

Der Waffenstand im Bug mit seinem Parabel- Die Motorgondel dominiert über dem Fahr- Als Triebwerke dienten zwei Mercedes D IVa
lum-MG. Das Besatzungsmitglied war gleichzei- werk. Die Bomben unter dem Rumpf waren mit je 260 PS, die den Bomber auf eine Ge-
tig Bombenschütze über eine Mechanik vom Schützen auszulösen schwindigkeit von bis zu 180 km/h brachten

54
Aus Liebaeil
zum Det
Die Verspannung der Tragflächen war eine große Herausforde-
rung, selbst für einen Profi-Modellbauer wie Helmut Scherer

muss man die Oberseiten an diesen Stellen kam, es mit einer Angelschnur (0,14 mm)
fein verspachteln und schleifen. zu versuchen. Als Liebhaber von Jet-Mo-
Alternativ könnte man auch selbst dellen war das für mich sozusagen Neu-
Spannschlösser mit Ösen herstellen. Sol- land. Learning by doing.
che sind im Kit nämlich nicht vorhanden, Um die Angelschur zu verspannen,
ebenso auch keine Spannmaterialien. Die griff ich auf die erste Variante, das Durch-
selbst gemachten Spannösen können bohren, zurück. Die Spannschlösser stell-
dann in die feinen, im Bausatz bereits vor- te ich hierbei durch Antippen mit Fünf-
handenen Bohrungen eingeklebt werden. Minuten-Epoxykleber dar. Ein Tröpfchen

at
Aufgrund der enormen Spannweite auf dem Draht an der richtigen Stelle be-

Jeden Mon !
der Tragflächen ist es ratsam, während wirkt, dass ein sehr kleines Kügelchen
des Verspannens das Modell immer auf entsteht, welches schnell hart wird und
seinen Rädern stehen zu lassen. Hebt man sich anschließend mit Steel-Silver gut be-
eu a m K i o sk
nämlich das Modell mit angebauten Trag-
flächen an, senken sich diese durch ihr Ei-
malen lässt.
Fazit: Ein wirklich fabelhafter Modell-
n
gengewicht minimal ab, was dazu führen bausatz, der allen Ansprüchen gerecht
kann, dass der eine oder andere bereits wird. Nur die Platzfrage in der eigenen
gesicherte Spanndraht durchhängt oder Sammlung muss noch geklärt werden. An
reißt. Mir unterlief der Fehler, die Ver- der Anschaffung einer neuen Vitrine wird
spannung zuerst mit feinstem Silberdraht man deshalb nicht vorbeikommen. ■
auszuführen, bis ich dann auf die Idee Helmut Scherer/Othmar Hellinger

In der Vogelperspektive
erkennt man die Größen-
verhältnisse von Trag-
flächen zu Rumpf

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FLUGZEUG CLASSIC 3/2013


44450+,%##6/"5,%7/'+
MODELLB AU

Die Meteor auf einem


Flugplatz in den Nieder-
landen im April 1945

GLOSTER METEOR F.3 IN 1:72 VON CYBER-HOBBY/GLOW2B

70 Jahre »Meteor«
A m 5. März 1943 erhob sich zum ersten Mal
der Prototyp des ersten in Serie gebauten
britischen Strahljägers in die Luft.
Flaps, Höhen- und Seitenruder und
ein filigranes Fahrwerk schmücken
das Modell zusätzlich aus. Der Bau Im Seitenprofil zeigt sich
Cyber-Hobby aus dem Hause Dragon der Meteor geht recht zügig voran, da der Jet noch als sehr konventionelles Flugzeug,
brachte Ende 2012 einen Kit dieses Düsenjägers die Teile sehr gut passen. Nacharbeit ist fast das mit Strahlantrieb ausgerüstet worden ist
in 1:72 heraus. Die Bauteile zeigen sich sehr gut nicht erforderlich! Damit der Jet auch auf dem
gefertigt und weisen feine Gravuren auf. Fahr- Bugrad stehen bleibt, muss allerdings das Ge- für die Innenbemalung die Farbangaben. Hier
werksschächte, ein tolles Cockpit, separate wicht in der Nase erhöht werden. Leider fehlen muss man sich mit anderen britischen Flug-
zeugmodellen weiterhelfen. Für die Tarnbema-
lung benutzte ich für die Unterseite X-Tra-Co-
Die Meteor fertig für die Das Cockpit
lor RAF Light Aircraft Grey und für die
Decals in den einzeln ge- mit Piloten-
fertigten Komponenten sitz, Seiten- Oberseiten RAF Dark Green und Extra Dark
konsolen Grey von Gunze. Abgeklebt wurde mit dem
und Instru- neuen Revell Masking Tape, Küchenrollen und
mentenbrett Papierschablonen. Die Decals konnte ich bis auf
die Kennnummer am Heck problemlos an-
bringen. Die richtige Nummer schnitt ich mir
zurecht. Sie lautet bei der YQ o P »EE274« und
ist nicht auf dem Bogen enthalten. ■
Othmar Hellinger

Am Modell sind die


Luftbremsen ausgefah- Modellbausatz: Gloster Meteor F.3
ren dargestellt, da sie Kit-Nr.: Cyber-Hobby 5044
als Ätzteil besser zur Maßstab: 1:72
Geltung kommen Hersteller: Cyber-Hobby/Glow2b
Preis: 29,95 €
Kommentar: Neuer Spritzgussbausatz,
Modell und Fotos Othmar Hellinger

62 Teile, Decals für sechs britische


Maschinen
Plus: Gratfreie Teile, Ätzteile, gutes
Cockpit und Fahrwerk, hohe Passge-
nauigkeit, separate Ruderflächen
Minus: Keine bzw. unstimmige Farban-
gaben, ungenaue Decal-Kennungen

56
FIAT CR.42 FALCO IN 1:32 VON SILVERWINGS
Modellbau-News
Interessanter Resin-Kit MENG/LUCKYMODEL
REVELL:
F-102A (Case X)flasd
Bla blalddflalsd in 1:72

aus Polen!
(Kit: DS-003). Aus China
kommt ein weiteres inte-
REVELL:
ressantes Flugzeug
Bla blalddflalsd in Form
flasd
der Delta Dagger. Der Kit
ist recht gut aufgemacht.

A us Polen kam kurz vor Weihnachten 2012 der gelun-


gene Resin-Bausatz der neuen Fiat CR.42 im Groß-
maßstab von Silverwings. Neben schön gefertigten
Die Oberflächen zeigen gute und feine Gravuren.
Das Cockpit, das Fahrwerk und die Waffenschächte
für die Raketen sind angemessen nachgebildet. Mit
Resinteilen findet sich in der Schachtel auch eine Ätzteil- den Decals lassen sich drei USAF-Maschinen nach-
bauen. Preis: 21,49 €
platine. Die Bauanleitung ist farbig gestaltet und führt
in gut aufgeteilten Stufen zum Ziel. Der Kit (32-011) wird REVELL
direkt über Silverwings (www.silverwings.pl) für circa Republic P-47N Thunderbolt
140 Euro vertrieben. Aufgrund der Komplexität des Bau- in 1:48 (Kit: 04867). Wie-
satzes und des Materials sollten sich vor allem die erfah- der einmal erscheint zur
renen Modellbauer unter uns angesprochen fühlen. ■ großen Freude der Modell-
Othmar Hellinger bauer die P-47N aus den
Revell-Monogram-Formen. Die Bauteile sind recht
gut gespritzt und weisen gute und feine Oberflä-
chengravuren auf. Die Inneneinrichtung wird
ansprechend dargestellt. Zwei Maschinen der
USAAF im Pazifikraum sind mit den Decals zu
bauen. Preis: 17,99 €

EDUARD
Messerschmitt Bf 110C/D
in 1:72 (Kit: 7081). Der
Hersteller schiebt die zweite
Variante der »110« nach.
Die Bauteile sind exakt
gespritzt und weisen fein
gravierte Oberflächen auf. Die Inneneinrichtung ist
gerade für diesen Maßstabsbereich besonders gut
gelungen. Mit den Klarsichtteilen lässt sich die
Kanzel geöffnet darstellen. Fünf Decal-Möglichkei-
ten liegen dem Kit bei. Preis: 25,95 €

Decals für die vier Maschi- TRUMPETER/FALLER


nen, Streben mit Metall- Supermarine Seafang F.Mk.
Fotos Othmar Hellinger

draht verstärkt, Ätzteile mit 32 in 1:48 (Kit: 02851). Die


Film für Instrumente etc., Firma aus China kommt mit
Rumpf und die einzelnen einer Nachfolgevariante der
Zylinder mit Propellernabe Seafire auf den Markt, die
auf der bereits erschienenen
Spiteful basiert. Die Bauteile des Kits sind sauber
gefertigt und stechen durch feine Gravuren hervor.
Da es sich hier nur um einen Prototypen handelt,
können aus den Decals neben diesem auch zwei
fiktive Maschinen gebaut werden. Preis: 21,79 €
Nicht
verpassen! ITALERI/TAMIYA
Sunderland Mk.I in 1:72
In ModellFan (Kit: 1302). Der Hersteller
3/2013 werden aus Italien erfreut uns
die Gewinner des Modellbauer nach mehr
offenen Modellbauwett- als vier Jahrzehnten mit
einem neuen Modell des berühmten Flugboo-
bewerbs und ihre Werke tes. Der Kit besitzt recht gute Gravuren an den
präsentiert! Oberflächen, detaillierte Motoren, ein voll einge-
Außerdem: Der große richtetes Cockpit und das »beaching gear«. Ein
Bericht über die Neuhei- Photoätzrahmen zur Verfeinerung einiger Kompo-
nenten liegt ebenfalls bei. Mit den Decals lassen
ten auf der Spielwaren- sich fünf Maschinen darstellen. Auch ein Infor-
messe in Nürnberg. mationsbüchlein ist in der Schachtel enthalten.
Ab 25. Februar am Kiosk. Preis: 45,99 €

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 57


Markt Anzeigen
Deutsche Luftfahrttechnik 1930 - 1945
Ankauf von Originalunterlagen und Verkauf von Reproduktionen von Flugzeug-,
Motoren-, Waffen- und Geräte-Handbüchern, Betriebsanleitungen, Ersatzteillisten,
Bed.-Vorschriften, Luftschrauben-Anlagen, Montageanleitungen, Fl-Nummern-Listen

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Richard Perlia
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Argus Mal oben - Mal unten HorstTeichmann/Günter O.Schulz
Das brisante Leben des
Flugmotoren und mehr...
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Lebendige Chronik eines deutschen und Dr.Wölfert
Lebenschronik des 2012 im Alter
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ihrer Produktpalette vom Anfang der Die wichtigsten deutschen Luftschiff-
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deutschen Luftfahrtgeschichte vom
Ersten Weltkrieg bis zum Jahr 2001 Luftschiff Deutschland, welches 1883
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FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 59
TERMINE / MUSEUMSTIPP

TERMINE 2013 26.–28. Juli


Fly-In, Sonderlandeplatz Bamberg,
14./15. September
Flugplatzfest, Sonderlandeplatz Krefeld-
13.–18. August
MAKS – Internationaler Luft-und Raumfahrt
abgesagt Egelsberg, www.flugplatzfest-krefeld.de Salon, Moskau/Zhukovsky, Russland,
FÜR DEUTSCHLAND, www.aviasalon.com
AUGUST OKTOBER 17./18. August
ÖSTERREICH UND SCHWEIZ 9./10. Oktober Oldtimer Fly-In, Schaffen-Diest, Belgien,
10./11. August
Fliegerschießen, Axalp, Schweiz, www.flyin.dac.be
APRIL Flugtage, Verkehrslandeplatz Bautzen,
www.flugtage-bautzen.de www.armee.ch/axalp 17./18. August
20. April Airshow, Roskilde, Dänemark,
34. Internationale Flugzeug-Veteranen- 8.–11. August www.airshow.dk
Teile-Börse, Technik Museum Speyer, Seefliegertreffen, Rostock/Marienehe, EUROPA 24./25. August
Peter Seelinger, Tel. 06341/80906 od. www.hansesail.com Airshow, Radom-Sadkow, Polen,
0175/5854343, pseelinger@t-online.de 17./18. August MAI www.airshow.sp.mil.pl
24.–27. April Oldtimer/Doppeldecker Fly-In, Segelflug- 18./19. Mai 31. August/1. September
AERO – Messe für allgemeine Luftfahrt, gelände Montabaur, www.biplanes.de Oldtimer Airshow, La Ferte Alais/Cerny, SIAF 2013 Airshow, Sliac Airbase, Slowakei,
Messe & Flughafen Friedrichshafen, 16.–18. August Frankreich, www.ajbs.fr www.siaf.sk
www.messe-friedrichshafen.de Airday Nordholz/100 Jahre Deutsche Mari- 20. Mai
MAI neflieger, Marineflieger-Stützpunkt Nordholz, Airshow, Oostwold, Niederlande, WELTWEIT
www.airday-nordholz.de www.oostwold-airshow.nl
9.–12. Mai
Flugtage, Sonderlandeplatz Laucha 23.–25. August APRIL
Quaxmeet 2013, Fly-In am Flughafen JUNI 9.–14. April
Dorndorf, www.lsv-laucha.npage.de
Paderborn-Lippstadt, www.quax-flieger.de 1./2. Juni Sun’n Fun Fly-In, Lakeland, Florida, USA,
30. Mai.–2. Juni Airshow, Pardubice, Tschechien, www.sun-n-fun.org
Flugtage, Sonderlandeplatz Kehl-Sundheim, 23.–25. August
Tannkosh Fly-In, Verkehrslandeplatz www.aviatickapout.cz
www.kehler-flugtage.de MAI
Tannheim, www.tannkosh.de 8./9. Juni
JUNI Aero Show, Göteborg, Schweden, 4. Mai
24./25. August Warbirds Airshow, New Tempe/Bloemfon-
14.–16. Juni Flugplatzfest, Sonderlandeplatz Albstadt- www.aeroseum.se
tain, Südafrika, www.saairforce.co.za
Klassikwelt am Bodensee, Degerfeld, www.lsv-degerfeld.de 14./15. Juni
Messe & Flughafen Friedrichshafen, 24. August
Airshow, Volkel Airbase, Niederlande, JUNI
www.messe-friedrichshafen.de www.defensie.nl/luchtmachtdagen 8./9. Juni
Hunterfest, Flugplatz St. Stephan, Schweiz,
15./16. Juni www.hunterverein.ch 17.–23. Juni Airshow, Ocean City, Maryland, USA,
Fly In, Ambri, Schweiz, www.p3aviation.ch 50. Internationale Paris Airshow, www.ocairshow.com
31. August/1. September Flughafen Le Bourget/Paris, Frankreich,
28./29. Juni
Airpower 2013, Internationale Airshow, Flie-
Flugtage, Dittingen, Schweiz, www.paris-air-show.com JULI
www.flugtage.ch/c 29. Juli–4. August
gerhorst Hinterstoisser, Zeltweg, Österreich,
www.airpower.gv.at 31. August/1. September JULI EAA AirVenture Oshkosh, Wittman Regional
Flugplatzfest, Sonderlandeplatz Krefeld- 13./14. Juli Airport, Wisconsin, USA, www.airventure.org
29. Juni
Tag der offenen Tür/Fly-Out F-4 Phantom, Egelsberg, www.flugplatzfest-krefeld.de Flying Legends Airshow, Duxford Airfield,
Großbritannien, www.iwm.org.uk
OKTOBER
Jagdgeschwader 71, Fliegerhorst Wittmund
SEPTEMBER 12./13. Oktober
20./21. Juli Commemorative Air Force Airshow, Midland,
JULI 6.–8. September Royal International Air Tattoo, RAF Fairford,
Hahnweide Oldtimertreffen, Segelflug- Texas, USA
6./7. Juli Großbritannien, www.airtattoo.com/airshow Alle Angaben sind ohne Gewähr.
Airshow, Verkehrslandeplatz Coburg Bran- gelände Kirchheim-Teck/Hahnweide, Kurzfristige Änderungen treten häufig ein,
densteinsebene, www.aeroclub-coburg.de www.oldtimer-hahnweide.de AUGUST eventuell beim Veranstalter nachfragen!
Sie planen eine Veranstaltung? Teilen Sie uns
12./13. Juli 7./8. September 10./11. August diese bitte möglichst frühzeitig mit:
Scalaria Air Challenge, Wolfgangsee, Flugplatzfest, Sonderlandeplatz Wings and Wheels, Ursel Airfield, Belgien, Fax: 09 51/4 28 23, E-Mail: janluftfahrt@aol.com,
Österreich, www.airchallenge.info Bad Waldsee-Reute, www.fliegerwaldsee.de www.wingsandwheels.be Alexander Nüßlein, J.A.N. Luftfahrtdokumentation

BÜCHER
OLIVER THIELE LENNART ANDERSSON ET AL.
Blohm & Voss 143 Erstes Passagierflugzeug
Diese gelungene Monographie stellt die Kurz gesagt: ein Buch, auf das man Jahr-
Entwicklung der als Überwassertorpe- zehnte lang sehnlich gewartet hat. Das re-
do konzipierten BV 143 dar. Sie sollte nommierte Autorenquartett stellt die Ge-
im flachen Gleitflug knapp über der schichte der Junkers F 13 umfassend,
Wasseroberfläche autark ihr Ziel an- sachlich und vor allem richtig dar. Bald
steuern. Eine große technische Heraus- vier Jahrzehnte akribischer Recherche-
forderung, sodass auf deren Lösungen arbeit stecken dahinter – und das merkt
detailliert eingegangen wird. Zusätz- man, zum Beispiel bei den erstmals wohl
Blohm & Voss 143 lich findet sich viel Information zu Test- korrekt und vollständig wiedergegebe-
Urahn der Sea Skimmer Junkers F 13
abwürfen oder geplanten Serienver- nen Angaben zu Produktion wie Verbleib The World’s First All-Metal Airliner
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60
Renn-Klassiker unter sich: Mustang, Ho-
ward DGA-3 und Wedell-Williams Special

Crawford Auto Aviation Museum


D as 1937 gegründete Museum ist Teil der
Western Reserve Historical Society, die in
einem Verbund von mehreren Museen und
Schwerpunkt der 15 ausgestellten Flug-
zeuge sind die Rennmaschinen aus den Air
Races. Darunter sind bekannte Maschinen wie
Der
Museums-
eingang
Gedenkstätten die Geschichte vom Nordosten die Wedell-Williams Special, Howard DGA-3
des Bundesstaates Ohio dokumentiert. oder Granville Gee Bee. Hinzu kommen eine
Zwischen 1930 und 1949 war Cleveland modifizierte Mustang und eine Corsair, die
Veranstaltungsort der National Air Races. Für Ende der 1940er-Jahre ebenfalls bei den Ren-
viele amerikanische Flieger war dies die »Gol- nen geflogen sind. Das Museum besitzt zu-
dene Zeit der Luftrennen«. Dafür stiftete der dem ein außergewöhnliches Archiv über die
Museumsgründer Frederick Crawford als Wettkämpfe.
Preis die »Thompson Trophy«, benannt nach Da Cleveland eng mit dem amerikanischen Checkliste
der Fabrik, in der er gearbeitet hatte. Automobilbau verbunden ist, zeigt das Muse- Crawford Auto Aviation Museum
um schwerpunktmäßig über 140 10825 East Boulevard, Cleveland, Ohio 44106, USA
Telefon: 00 12 16/7 21 57 22
historische Automobile und Mo-
Wedell-Williams Gilmore Red Lion Website: www.wrhs.org
torräder. Auch hierzu gibt es im Öffnungszeiten:
Archiv viele Schätze wie Fotogra- Dienstag bis Samstag 10.00–17.00 Uhr
fien, Literatur, Herstellerprospek- Sonntag 12.00–17.00 Uhr
te oder Betriebsanleitungen und Eintrittspreise:
Fotos Alexander Gilles

Ersatzteillisten. Erwachsene: 8,50 $ Kinder 3–17 J.: 5,00 $


Das Crawford Auto Aviation Kinder bis 2 J.: frei Senioren: 7,50 $
Sonderpreise für Gruppen
Museum wurde erst 2012 frisch

MUSEUMSTIPP
renoviert.
Peter W. Cohausz ■

J. R. SMITH UND E. J. CREEK WERNER BITTNER


Fw 190 zum Zweiten Lufthansa im Krieg
Der zweite Band der Reihe zeigt die Ent- Das Thema deutscher Luftverkehr im
wicklung der Baureihen A-6 bis A-10, F Zweiten Weltkrieg ist bisher nie wirklich
und G sowie deren Einsätze bis Sommer umfassend betrachtet worden, sondern
1944. Opulentes Bildmaterial und hervor- blieb meist auf Einzelaspekte beschränkt.
ragende Artwork sind die beiden größten Umso erfreulicher, dass sich der ehema-
Trümpfe des Buches, das inhaltlich deut- lige Leiter des Archivs der Lufthansa die-
lich weniger stringent wirkt als sein Vor- ser Thematik angenommen hat und nun
läufer. Es scheint, dass es hier mit eher endlich das Ergebnis seiner Nachfor- Lufthansa im Krieg – die Jahre
Focke-Wulf Fw 190 1939–1945. Teil 1: Strecken-
Volume Two 1943–1944 heißer Nadel ans Werk ging und der Um- schungen publiziert. Im ersten von zwei netz, Flugdienste, Vertrieb und
fang einst höher angesetzt war. Manches Bänden beleuchtet er ausführlich »Stre- int. Geschäftsbeziehungen
336 S., 624 Fotos, 26 Farb-
profile. Ian Allan Publishing. mutet darum arg gestrafft oder im Ge- ckennetz, Flugdienste, Vertrieb und inter- 200 S., über 150 Fotos und Ab-
ISBN 978-1-906537-302. genzug verzettelt an, besonders im Ver- nationale Geschäftsbeziehungen« der LH bildungen. Lanasta, Emmen (NL).
Preis: 60,00 € gleich zu andernorts längst besser darge- zwischen 1939 und 1945. Dabei fördert er ISBN 978-90-8616-130-0.
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FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 61


TECHNIK Bf 109 »Weiße 14«

EINSATZGESCHICHTE DER BF 109 »WEISSE 14«

Eine fliegende

Weltweit gibt es nur noch zwei originale, flugfähige Bf 109 »Emil«. Eine davon
ist die »Weiße 14«, das erste Einsatzflugzeug des legendären Fliegerasses Hans-
Joachim Marseille! Ihre Einsätze führten sie von der verlustreichen Luftschlacht
um England in die eisigen Weiten Nordrusslands Von Mark Sheppard

62
Legende

1999, 57 Jahre nach ihrem


Verlust, flog die »3579« am
Himmel über Amerika
Foto Jerry Wilkins

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 63


TECHNIK Bf 109 »Weiße 14«

Die »Weiße 14« bei Wartungsarbeiten in Chino


nach ihrem zweiten Testflug Foto Frank Mormillo

O
b die Männer wohl ahnten, was sie Großbritannien. Die Arbeiten hierfür wurden »3579«, die heute die Zulassung CF-EML
da am Haken hatten, als sie 1991 im 1998 abgeschlossen. Das Ergebnis konnte sich führt. Das Farbschema der »Weißen 14« ist
Norden Russlands eine Bf 109 bar- sehen lassen! Die Maschine erhielt die Zulas- mittlerweile auf der ganzen Welt berühmt,
gen? Nicht nur, dass es sich um eine ver- sung N81562 und flog erstmals im September nicht zuletzt dank ihrer Verbindung zu
gleichsweise seltene »Emil« handelte. Der Jä- 1999 in Kalifornien. Der Jäger trägt die Mar- Hans-Joachim Marseille.
ger mit der Werknummer 3579 war das kierungen der »Weißen 14« der 1.(Jagd)/LG Nachdem die »3579« am 2. September
Einsatzflugzeug gleich zweier Fliegerasse! 2, die er Ende August 1940 auf dem Höhe- 1940 im Luftkampf beschädigt und von Mar-
1992 wurde sie von David Price vom ka- punkt der Luftschlacht um England aufwies. seille bauchgelandet worden war, kam sie zur
lifornischen Santa Monica Museum erwor- 2003 erwarb David Russel von der Russel Instandsetzung und war danach noch zwei
ben. Restauriert hat sie Craig Charlston in Group Inc. in Niagara Falls, Kanada, die weitere Jahre im Einsatz. Ab 1942 flog sie ein
anderer Pilot, der später ebenfalls zum Flie-
gerass in Nordafrika wurde: Leutnant Kurt
Hammel.

Geburt der »Weißen 14«


Die Messerschmitt Bf 109, Werknummer 3579,
wurde von der Arado GmbH in Warnemün-
de als E-1 in Lizenz gebaut. Arado hatte den
Alle Bilder der Bf 109E »Weiße 14« Craig Rae/APR Photo Media

Auftrag, bis Oktober 1940 etwa 500 Bf 109 E-1


herzustellen, darunter 50 E-1/B (Jabo-Version).
Die »3579« gehörte zu einem Los von 305 Ma-
schinen in dem Werknummernblock 3360–3664
und wurde zwischen September 1939 und
April 1940 produziert. Die Arado GmbH und
die Fieseler GmbH waren die beiden Haupt-
Lizenzhersteller der E-1, während andere wie
WNF und Erla die E-3 und E-4 fertigten.
Die spätere »Weiße 14« erhielt einen V12-
Daimler Benz DB 601 A mit hängenden Zy-
lindern und einer Leistung von 1115 PS. Ihre
Eine der ersten Aufnahmen der Bf 109 E-7
3579 in Craig Charlstons Werkstatt Bewaffnung bestand aus vier MG 17. Sie führ-
te das RLM-Stammkennzeichen CK+CT und

64
Die Bf 109 E-7, W.Nr. 3579 CK+CT, wie
sie aussah, bevor sie zur 4./JG 5 kam
Zeichnung Kjetil Aakra

wurde um den 14. November 1939 von der auf den Flugplatz Calais-Marck vor und flog ness soll er in ein Gefecht mit Spitfire der
Luftwaffe übernommen. dort unter dem Kommando der II./JG 52. 74 Squadron verwickelt gewesen sein und sei-
Wann die »3579« zum LG 2 kam, entzieht Am 10. August kam Fähnrich Hans-Joa- ne Maschine Schäden davon getragen haben.
sich heute unserer Kenntnis. Man nimmt je- chim Marseille zur 1.(J)/LG 2. Auf einem sei- Marseille flog daraufhin zur französischen
doch an, dass sie im Mai 1940 dort eintraf, als ner ersten Kampfeinsätze, am 24. August, er- Küste zurück, musste seine Bf 109 jedoch in
der Einmarsch in Frankreich vorbereitet wur- zielte er seinen ersten Luftsieg, und zwar über Calais-Marck bauchlanden. Der Schaden an
der Maschine wurde auf 50 Prozent einge-
Am 24. August 1940 erzielte Hans-Joachim stuft. Da der Pilot keine Verletzungen davon-
getragen hatte, erscheint sein Name auch
Marseille seinen ersten Luftsieg. nicht in den Verlustmeldungen. Sicher ist nur,
dass er an jenem Tag die »3579« geflogen hat.
de. Bekannt ist, dass sich der Verband im eine Spitfire. Eine Woche später, am 2. Sep- Der Jäger ging danach vermutlich ins Erla-
April 1940 auf Westerland befand und die tember, flog Marseille mit der »3579« über werk VII nach Antwerpen, wo er als E-7 wie-
»3579« als »Weiße 14« gekennzeichnet war. Südengland und erzielte dort seinen zweiten der instand gesetzt wurde. Der Umbau zur
Die 1.(Jagd)/LG 2 operierte damals an der Luftsieg – wieder über eine Spitfire –, der je- E-7 machte es möglich, dass die Maschine
Kanalfront und war einer der wenigen Ver- doch nicht bestätigt wurde. Wir wissen, dass entweder einen 300-Liter-Abwurftank oder
bände, die nach der Kapitulation Frankreichs Marseille an diesem Tag zwei Einsätze flog. ein ETC500-Bombenschloss mit sich führen
dort blieben. Im Juli 1940 rückte die 1.(J)/LG 2 Während des zweiten Einsatzes über Sheer- konnte. Optisch unterschied sich die E-7 von

Die »CK+CT« in Malmi, Finnland, wo sie in der Zeit


von April/Mai 1942 kurzzeitig eingelagert war

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 65


TECHNIK Bf 109 »Weiße 14«

Fliegerass Hans-Joachim Marseille


während seiner Zeit beim JG 27
Foto H. Ringlstetter

der E-1 lediglich dadurch, dass Letztere über Alakurtti in Finnland einen Schaden von 13./JG 77, da dies der einzige Verband war,
eine schlankere Propellerhaube verfügte. 20 Prozent erlitt. Sie war zu dieser Zeit bei der der im fraglichen Zeitraum von Alakurtti
Oftmals erhielten die umgebauten Maschi- I./JG77 eingesetzt. Welches taktische Kenn- aus operierte.
nen auch einen leistungsstärkeren DB-601-
Aa-Motor.
Im Sommer 1941 verlegte man die »3579«
Die russischen Piloten behaupteten hinter-
an die Eismeerfront, sodass sie am Angriff auf her, alle Flugzeuge abgeschossen zu haben.
Russland teilnehmen konnte. Über ihre wei-
tere Einsatzgeschichte ist nichts mehr be- zeichen sie in dieser Zeit führte und welcher Man gab sie am 14. Januar 1942 nach Oslo-
kannt, bis sie am 7. Dezember 1941 bei einer Staffel sie angehörte, entzieht sich ebenfalls Kjeller ab, um sie instand zu setzen. Sie ver-
Bauchlandung in der Nähe des Fliegerhorstes unserer Kenntnis. Wahrscheinlich war es die blieb dort bis zum 20. April 1942. Vier Tage

Die Vorderkante der linken Tragfläche der »3579« ist leicht beschädigt. Der Schaden ist jedoch Leutnant Kurt Hammel war der letzte Pilot, der
kein Vergleich zu den gewaltigen Blessuren, die die Maschine in ihrer aktiven Zeit erlitten hat! die »Weiße 7« geflogen hat Foto Francoise Saez

66
Die Bf 109 E-7, W.Nr. 3579, als »Weiße 7« bei
der 4./JG 5. Zum Zeitpunkt ihres Verlustes am 2.
August 1942 wurde sie von Leutnant Kurt Ham-
mel geflogen Zeichnung Kjetil Aakra

später traf sie in Malmi, Finnland, ein, wo sie


eingelagert und darauf vorbereitet wurde,
wieder an die Eismeerfront verlegt zu wer-
den. Über mehrere Zwischenstationen lande-
te sie schließlich Ende Mai in Alakurtti, einem
Fliegerhorst des JG 5.
Etwas mehr als eine Woche früher, am
17. Mai, ging eine andere Bf 109 E-7 mit der
Werknummer 3457, die »Weiße 7« der 4./JG 5,
bei einem Zusammenstoß in der Luft mit ei-
ner MiG-3 über Petrjärvi verloren. Dem Pilo-
ten der »Weißen 7«, Unteroffizier Helmut
Schattschneider, gelang es noch, sicher mit
dem Fallschirm abzuspringen. Er wurde als
vermisst gemeldet, bis er 15 Tage später zu
seiner Einheit zurückkehrte.
Die »3579« könnte als direkter Ersatz für
diese Maschine nach Norden geschickt wor-
den sein, da sie bei ihrer Ankunft in Alakurt-
ti der 4./JG 5 zugewiesen und als »Weiße 7«
gekennzeichnet wurde.
Glücklicherweise ist uns über ihren Verlust
bei der 4./JG 5 mehr bekannt als über ihren
Aufenthalt bei allen anderen Verbänden. Am
2. August 1942 eskortierten drei Messerschmitt
Bf 109 der 4./JG 5 eine Henschel Hs 126, die
den Auftrag hatte, eine Artilleriebeobachtung
durchzuführen. Wir wissen, dass Leutnant
Kurt Hammel in der Bf 109 E-7 »Weiße 7« und
Unteroffizier Willi Tretter in der Bf 109 E-7 mit
der Werknummer 5559 »Weiße 10« geflogen
sind und sie sich über den Gankachaara-Ber-
gen befanden. Von der dritten Maschiene ist
nur die Werknummer »3739« bekannt.
Auf ihrem Weg stießen sie auf vier sowje-
tische Hurricane und zwei P-40 Tomahawk
der 760 IAP VVS 26A. Die russischen Piloten
behaupteten hinterher, alle vier Flugzeuge der
Luftwaffe abgeschossen zu haben. Die »Wei-
ße 7« und »Weiße 10« wurden auf deutscher
Seite zunächst auch als Totalverlust regis-
triert; die Bf 109 E mit der Werknummer 3739
schaffte hingegen noch den Rückflug nach
Alakurtti und wurde als zu 40 Prozent be-
schädigt eingestuft. Über die Hs 126 existieren
keinerlei Aufzeichnungen. Das hervorragend restaurierte
Feldwebel Boris A. Mjasnikov hatte mit Cockpit der E-7 Foto Frank Mormillo
seiner Hurricane die Maschine von Unteroffi-

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 67


TECHNIK Bf 109 »Weiße 14«

Die »Weiße 14« sieht heute wieder genauso


aus wie vor 72 Jahren, als sie vom LG 2 am
Ärmelkanal eingesetzt wurde

zier Tretter gerammt. Mjasnikov kam dabei mel musste am sumpfigen Ende des Sees, Flugzeug war. Es
ums Leben, und auch der deutsche Pilot wur- westlich von Kandalakscha, notlanden. Er gab lediglich eine
de zunächst als »gefallen« geführt. Drei Wo- blieb unverletzt, und es gelang ihm, zu seiner Zeitspanne im Juni, in
chen später änderte man den Eintrag jedoch Einheit zurückzukehren. der Hammel die »Weiße 6« flog, vermutlich,
in »vermisst« um, nachdem bekannt gewor- Interessanterweise stufte man den Scha- weil in dieser Zeit die »3579« gewartet wurde.
den war, dass es ihm gelungen war, erfolg- den an der »3579« zunächst auf 100 Prozent Leider datiert der letzte Eintrag in Hammels
reich abzuspringen. Die Russen haben ihn ge- ein, korrigierte diesen Wert dann aber auf 30. Bordbuch von Anfang Juli 1942, sodass wir
nicht wissen, was nach diesem Zeitpunkt ge-
Bevor er den Platz erreichte, fiel jedoch der schah. Wir hoffen jedoch, dass im Laufe der
Zeit weitere Informationen ans Tageslicht
Motor aus, und Hammel musste notlanden. kommen werden.
Später flog Leutnant Hammel beim JG 27
fangen genommen, und er soll 1949 nach Dies könnte bedeuten, dass die Luftwaffe sie in Nordafrika und wurde mit 20 Abschüssen
Deutschland zurückgekehrt sein. als bergungswürdig ansah, obwohl sie sich zum Fliegerass. Ebenso wie die »Weiße 7«
Leutnant Hammel in der »3579« meldete noch immer in Frontnähe befand. Wir wissen, überlebte auch er den Krieg.
indes den Abschuss einer Hurricane – sein dass die »Weiße 7« nie geborgen wurde. Die Der Verfasser bedankt sich bei Steve Vizard, Ru-
11. Luftsieg – doch seine Maschine wurde bei Schadenseinstufung in den Unterlagen revi- ne Rautio, Gerhard Stemmer, Matti Salonen, Ka-
dem Gefecht beschädigt, und er versuchte, in dierte man allerdings nicht mehr. ri Stenman, Andreas Brekken und Rabe Anton da-
Pontsalenjoki zu landen. Bevor er den Platz Bekannt ist auch, dass die »Weiße 7« wäh- für, dass sie ihn dabei unterstützt haben, diesen
erreichte, fiel jedoch der Motor aus und Ham- rend des Sommers 1942 Hammels reguläres Artikel zu verfassen. ■

Die »3579« trägt die exakten Farben der


»Weißen 14« der 1.(Jagd)/LG 2, um an ihre
Verbindung zu Fliegerass Hans-Joachim
Marseille zu erinnern

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FILM »Quax in Afrika«

Foto Deutsche Kinemathek

DER UNBEKANNTE VERWANDTE DES »BRUCHPILOTEN« – TEIL 1

Diesseits von Afrika


»Quax in Afrika« steht ganz im Schatten seines famosen Vorgängers »Quax, der Bruch-
pilot«. Denn im zweiten Teil tritt der Luftikus als Zuchtmeister auf, was nicht so recht
funktionieren mag Von Stefan Bartmann

E
s ist der deutsche Fliegerfilm! »Quax, Erst drei Jahre später entsteht ein zweiter Teil, bügel ein Zuchtmeister geworden, der zum
der Bruchpilot« (siehe FLUGZEUG der den ersten unmittelbar fortsetzt. Allerdings Durchgreifen entschlossen ist, nachdem sich
CLASSIC 7/2008) hat über Generatio- unter gänzlich anderen Voraussetzungen in seine Flugschüler gewisse Freiheiten erlaubt
nen hinweg seine kultige Popularität be- Dramaturgie und Produktion. haben. Kurz: Der Clown beginnt sich ernst
wahrt, trotz der inzwischen dicken Staub- zu nehmen – was der Atmosphäre des Films
Fotos, soweit nicht anders angegeben, via Stefan Bartmann

schicht darauf. Und Heinz Rühmann, der Kasernenjargon nicht sonderlich gut bekommt. Als schönes
fliegende Schauspieler, hat sich untrennbar Bekanntlich endet »Quax, der Bruchpilot« da- Symbol für diese Wandlung schnitzt sich Quax
mit dieser Rolle verbunden. mit, dass der renitente Querschläger und Flug- eine bedrohliche Reitgerte. Auch zwischen-
Der »Bruchpilot« hat das Bild der deutschen schüler Otto Groschenbügel (Rühmann) seine durch gebärdet er sich gern als fliegender Her-
Sportfliegerei nachhaltig geprägt, obwohl es Qualitäten und Grenzen erkennt und sich ins renmensch mit entsprechend kessen Sprüchen
schon damals ein geschöntes Zerrbild war. Die System aus Leistung und Disziplin fügt. Er auf den Lippen.
propagandistischen Tendenzen dieser turbu- häutet sich zum seriösen Fluglehrer, der jegli- Die Handlung ist ganz um den Hauptdar-
lenten Flieger-Klamotte sind nicht zu bestrei- che Angeberei und Großmannssucht verurteilt steller gestrickt. Aber auch Ausbildungsleiter
ten, wurden aber erstaunlich geschickt ver- … Ende und Abblende. Vielleicht hätte man es Hansen (Lothar Firmans) und die Knallcharge
packt! Auch deshalb wird sein Entstehungsjahr, dabei belassen sollen. »Alois« (Beppo Brem) als Mechaniker sind wie-
1941, bis heute eher beiläufig zur Kenntnis ge- In »Quax in Fahrt« (so der vorläufige Ar- der mit dabei. Im Kasernenhofjargon trichtert
nommen, und man muss schon etwas genau- beitstitel) ist aus dem einstigen Querulanten Quax zwei quirligen Flugschülerinnen (Hertha
er hinhören, um darauf schließen zu können. und ausgeprägten Individualisten Groschen- Feiler und Bruni Löbel) Disziplin ein. Und weil

70
Die Zeit der Scherze ist vorbei! Fluglehrer Quax will durchgreifen … Foto Deutsche Kinemathek

dies allein noch nicht abendfüllend ist, wird – gen Publikum Gelegenheit zum Durchatmen,
recht unmotiviert – ein Luftrennen gen Sü- ganz im Sinne des »Reichsministers für Volks-
den in die Handlung eingebaut, als befände aufklärung und Propaganda« Dr. Goebbels,
man sich wieder im schönsten Frieden: Ein dem verhinderten Schriftsteller, der in Filmfra-
Kniff, der schon im ersten Teil prächtig funk- gen erstaunlich geschmackssicher war. Niemals
tioniert hat. zuvor oder danach sind die Deutschen so zahl-
reich ins Kino gegangen wie im Zweiten Welt-
Leichte Unterhaltung ’43 krieg. Leichte Kost ist gefragt, und Heinz Rüh-
Überhaupt scheint »Quax in Fahrt« mit aller mann ist der gehätschelte Spezialist dafür.
Macht und Mühe an den Erfolg des Vorgän-
gers anknüpfen zu wollen. Daher haben beide Regie: Heinz Rühmann
Quax-Filme einen bemerkenswerten Um- Ab Juli 1943 wird an »Quax II« gekurbelt, wie-
stand gemeinsam: die konsequente Ausblen- der bei der Terra-Filmkunst. Als Regisseur ist
dung der politischen Verhältnisse und des derselbe Name eingetragen, der schon bei der
ringsum tobenden Weltkriegs! Beide Filme unsterblichen »Feuerzangenbowle« (Urauf-
wirken wie eine Reminiszenz an die späten führung: 28. Januar 1944) diese Position inne-
1920er- und frühen 1930er-Jahre. gehabt haben soll: Helmut Weiss. Tatsächlich
In idyllischer Postkartenlandschaft spielend, fungierte Weiss bereits dort lediglich als »ver-
zivil anmutend und keine Hakenkreuzfahnen längerter Arm« des ausführenden Produzen-
weit und breit – so bietet »Quax« dem damali- ten Heinz Rühmann, der sich zu dieser Zeit

EDMK – ein Stück Allgäu


Mit seiner bald 80-jährigen Geschichte ist dem Flugplatz, während die Deutschen von das Duracher Fluggelände wieder für den
EDMK (so das Kürzel in der Luftfahrerkarte) der Fliegerei lediglich träumen dürfen. 1950 Segelflug zur Verfügung; in der Schweiz hat
einer der ältesten aktiven deutschen Flug- fangen sie dort an, wo sie bereits 1932 wa- die LSG-Kempten bereits mühsam eine J3c
plätze überhaupt, zudem der höchstgele- ren: bei einem Schulgleiter. Ab 1952 steht erstanden. Nach der Freigabe des Motor-
gene. Anders als der längst überbaute Flug- flugs 1955 wächst Durach zu einem der
platz Prien am Chiemsee, der Filmflugplatz quirligsten Sportflugplätze in der Region.
des »Bruchpiloten«, herrscht im bayerischen Anfang der 1970er-Jahre bläst den Allgäuer
Kempten-Durach bis heute Hochbetrieb. Fliegern der Gegenwind in Form einer Bür-
Schon Anfang der 1930er-Jahre wird dort gerinitiative ins Gesicht, die sich mit
an simplen Schulgleitern gewerkelt. 1934 10 000 Starts jährlich nicht mehr abfinden
schnurrt dann das erste Motorflugzeug will. In den folgenden zwei Jahrzehnten sor-
über die Grasnarbe von Durach. Jene gen gar Brandanschläge für Schlagzeilen,
D-EHLA, eine Klemm L 25 d VII R, hat noch und im November 1986 brennt ein ganzer
als D-EJOH ein langes Leben vor sich; heu- Hangar samt Flugzeugen vollständig ab. Ein
te gehört dieses Traditionsflugzeug der Wiederaufbau mit Fingerspitzengefühl ist
Flugsportgruppe Böblingen. Im selben Jahr gefragt. Inzwischen gehört das alte EDMK
entsteht der erste Hangar, und im Jahr da- längst wieder zum akzeptierten Erschei-
rauf macht sich auf dem Areal schon die Juli 2010: Das alte Kempten-Durach feiert nungsbild von Kempten-Durach. Und für
Luftwaffe breit und schult ihren Nachwuchs. seinen 75sten mit einem Flugtag und dem den Kontakt zur fliegerischen Vergangen-
Nach dem Weltkrieg sind die Amerikaner auf »Quax-Fliegertreffen« heit sorgt das Quax-Fliegertreffen. ■

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 71


FILM »Quax in Afrika«

Viele Flugszenen sind real gedreht, und oft ist Hauptdarsteller


Rühmann selbst geflogen. Diese Aufnahmen machen »Quax in
Africa« heute sehenswert

bereits keinem anderen Regisseur mehr un- Als Rühmanns Filmtruppe im sonnig- nach dem Start gekracht war. Als Rühmann
tergeordnet hat als sich selbst. Man darf an- schönen Allgäu einfällt, ist der Rest der Welt hier zugange ist, geschieht nichts dergleichen,
nehmen, dass Rühmann auch bei »Quax in für die Deutschen an der Heimatfront nur obwohl durchaus spektakulär geflogen wird.
Fahrt« die Zügel fest in der Hand hielt. mehr ein ferner Traum. Alle jenseitigen Eine L 25 zirkelt im Tiefflug über die Land-
Schauplätze dieses Films werden später exo- schaft oder startet aus dem Hangar heraus.
»Filmstadt Kempten« tisch und unerreichbar wirken wie in einem Ein andermal wird Quax vom Propellerstrahl
Der 1934 in Betrieb genommene Flugplatz verfilmten Reiseprospekt. Im realen Kemp- wie Herbstlaub übers Höhenleitwerk geweht.
Kempten-Durach ist ein idealer Drehort für ten-Durach sieht hingegen alles »echt« aus, Vom Ausbildungsbataillon 23 Kaufbeuren hat
das (fiktive) DVS-Fluggelände »Bergried«. Je- was diese Szenen so bleibend wertvoll macht. man Rüdeger Fuchs abkommandiert, der als
der Kinogänger in Deutschland kennt den Gern verweist man dort noch heute auf die Stunt-Pilot agiert. Die Schauspielerinnen Fei-
klein gewachsenen Anti-Helden Rühmann, Dreharbeiten zu »Quax II«; für ein paar Mark ler und Löbel können nicht fliegen. Daher
und das beschauliche Kempten verwandelt konnten sich die Einheimischen als Statisten muss sich Fuchs ins vordere Cockpit ducken
sich in eine »Filmstadt«, in der sich monate- verdingen. In manchen Szenen sieht man im und die L 25 fast blindlings abheben.
lang alles nur mehr um ein Thema dreht: den Hintergrund die 24 Meter hohe Spitze des Du- Der »Europaflug 1932«, an dem sich auch
neuen »Quax«. racher Kirchturms, gegen den 1938 eine Bü 131 die »Gruppe Bergried« mit ihren drei Klemms

Heinz Rühmann – Der Flieger


»Treten Sie ein in den MÜNCHNER LEICHT- keit zur privaten Fliegerei. Im Juni nung; dort hatte er ein »Flieger-
FLUGZEUG-CLUB. Dort können Sie das Flie- 1930 erledigt Rühmann seinen ers- zimmer« eingerichtet. Die Ent-
gen erlernen.« So steht es in einem Schau- ten Alleinflug in Schleißheim. Noch stehung des »Bruchpiloten« hat
fenster zu lesen, das Heinz Rühmann im selben Jahr investiert er 7000 Udet tatkräftig unterstützt, doch
(1902–1994) im Winter 1929/30 bei einem Mark (die Gage aus dem Erfolgsfilm die Uraufführung am 16. Dezem-
Spaziergang in München entdeckt. Sofort »Die Drei von der Tankstelle«) in eine ber 1941 hat er schon nicht
tritt er dem Club bei und wird tags darauf Klemm L 25 mit 40 PS Salmson- mehr erlebt.
beim Fliegerarzt vorstellig. Dann fährt er Sternmotor. Elly Beinhorn, die bald Während des Krieges bemüht
auf das Oberwiesenfeld vor den Toren Mün- als »Afrika-Fliegerin« berühmt werden Rühmann seine Beziehungen, um
chens, einem der ersten Flugplätze in Bay- wird, überführt die Maschine nach gelegentlich ins Flugzeug klettern
ern, wo sich heute das Olympia-Gelände er- Berlin-Staaken. Bald steigt er auf die zu dürfen. Als 1955 die Motor-
streckt. Die Ausbildung beginnt sogleich. leistungsstärkere DH 60 Moth um; Rüh- fliegerei in Deutschland wieder erlaubt ist,
Man schult auf der schwach motorisierten mann ist einer der bestbezahlten deutschen erwirbt er schleunigst den PPL; zwischen-
Klemm L 20. Rühmanns Fluglehrer ist Ex- Filmschauspieler. zeitlich war er in der Schweiz geflogen.
Jagdflieger Eduard Ritter von Schleich, Sie- Ein Kapitel für sich ist seine Bekannt- Nachdem es ihm in München-Riem zu ge-
ger in 35 Luftkämpfen. Er bescheinigt sei- schaft mit Ernst Udet. Für Udet war Rüh- schäftig geworden ist, zieht er das ruhigere
nem Flugschüler »fliegerisch gute Anlagen«. mann nur eine Freundschaft von vielen. Rüh- Königsdorf bei Bad Tölz vor. Die Fliegerei hat
Schon als Junge hatte der in Essen gebore- mann hat dagegen zweifellos sehr um Udets Rühmann viel bedeutet, und für eine ganze
ne Heinrich Wilhelm Rühmann Flugmodelle Freundschaft und Aufmerksamkeit gebuhlt. Weile ist er der älteste aktive Pilot in
gebastelt. Aber erst nachdem sich der Büh- Udets legendäre »Propellerbar«, vollgestopft Deutschland. Erst nach einem halben Jahr-
nenschauspieler auch im Tonfilm etabliert mit Reliquien aus seinem Fliegerleben, fin- hundert Fliegerleben, mit über 80 Jahren,
hat, eröffnet sich ihm finanziell die Möglich- det seine Entsprechung in Rühmanns Woh- gibt er seine Lizenz freiwillig zurück. ■

72
Foto Deutsche Kinemathek

Heinz Rühmann privat. Die »Moth« ist schon Für die Flugaufnahmen zeichnete der erfahrene
sein zweites Flugzeug Kameramann Heinz von Jaworsky verantwortlich

beteiligt, führt die Teams ins spanische Gre- dramatisch gewandelt, kriegsbedingt. Frei-
nada – nur laut Drehbuch, versteht sich. In ei- lich wird kein einziger Meter Film in Afrika
ner rührend ungelenk getricksten Aufnahme belichtet. Märkische Heide und Märkischer
gaukelt der Film diesen Fernflug vor. Es sind Sand tun’s auch, und die traurigen Palmen
Miniaturmodelle vor realen Landschafts- sind Leihgaben des Botanischen Gartens.
aufnahmen. Auch die allzu lang geratenen Nur werden diese Außenaufnahmen bis-
Szenen im »Ufa-Spanien« atmen reinste Stu- weilen schon durch alliierte Bomberpulks
dioluft: Babelsberger Kulissenzauber … Je gestört. Die kümmern sich vermutlich nicht
verzweifelter sich der Film um Atmosphäre im Geringsten um die tief unten stattfinden-
bemüht, umso künstlicher wirkt das alles. Bei de Propaganda-Filmerei, aber immerhin ste-
all dem Aufwand erweist sich »Quax in hen ein paar harmlose Klemms herum, und
Fahrt« als teure Großproduktion. Unterm das Team ist stets auf dem Sprung; man hat
Strich sollen es 2,5 Millionen Reichsmark ge- Tarnnetze vorbereitet … Doch ein anderes
wesen sein. Handicap ist fast noch peinsamer: der Man-
Die Umstände, unter denen der neue gel an Flugbenzin! ■
»Quax« gedreht wird, haben sich seit 1941 (Wird fortgesetzt)

Quax spielt den Genervten. Die


Ausbildung zweier Flugschülerinnen
soll den dünnen Handlungsrahmen
aufwerten

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 73


LESERALBUM

AUS DEN FOTOALBEN UNSERER LESER

Stukaflieger und

So müssen sich erfolgreiche Goldgräber fühlen: In einem dicken Fotoalbum


finden sich zahlreiche Bilder von gleich drei deutschen Fliegern. Sie geben einen
eindrucksvollen Einblick in die Grundausbildung der Wehrmacht und in den Alltag
bekannter Kampfgeschwader der Luftwaffe! Von Peter W. Cohausz

S
chon der erste Blick auf das braune Fo- Fotos einiges vom Alltag in der Grundausbil- fen- und Schießausbildung. Acht bis zwölf
toalbum mit dem eingeprägten Ver- dung, vom Frankreichfeldzug und von der ei- Wochen lernten die angehenden Soldaten Ge-
kehrflugzeug auf dem Umschlag lässt sigen Ostfront im Winter. fechtsdienst, Marsch, Verteidigung und Wa-
erahnen, hier etwas ganz besonderes in Hän- Die Grundausbildung bei der Wehrmacht che. Hinzu kamen die Formalausbildung,
den zu halten. Zwar sind keine Beschriftun- war in den einzelnen Waffengattungen Heer, Schulungen und Sport. Truppenübungsplatz-
gen zu finden und die Bilder zum Teil etwas Marine und Luftwaffe anfangs weitgehend aufenthalte gab es ein- bis zweimal im Jahr
durcheinander eingeklebt. Doch erzählen die gleich. Es begann mit einer allgemeinen Waf- für zwei bis vier Wochen.

Zur Grundausbildung gehörte auch die Instandhaltung und Pflege der überlassenen Uniformen und
der Ausrüstung. Bei diesem »Zeugappell« wird die Sauberkeit der Uniform geprüft. Wehe, irgendwo
fand sich ein kleiner Fleck! Da gab es einige Ausbilder, die hierbei ihre Macht demonstrierten

74
Bomber – Teil 1

Flugzeuge auf den Flugplätzen faszinie-


ren noch heute, insbesondere, wenn
man seine Ausbildung zum Piloten
noch nicht abgeschlossen hat und
sehnsüchtig auf den ersten Flug war-
tet. Hier sind vier Henschel Hs 123 mit
Vorkriegskennzeichen abgestellt

In der anschließenden Vollausbildung


lernten die Rekruten dann ihre Funktionen
kennen. Infanterist, Kanonier, Kraftfahrer,
Funker und vieles mehr. Die angehenden Pi-
loten und Beobachter wechselten auf die
Flugzeugführerschulen A/B. Nach elf bis Grundausbildung. Auch die Luftwaffe musste
zwölf Monaten Ausbildungszeit, in der ein mit dem Karabiner 98K umgehen können

Eine Junkers Ju 87 B-1 der 1. Staffel des StG 2 wird gewartet. Das Terrier »Molch« des Gruppenkommandeurs Major Hitschold von der
Kennzeichen des Stabes und der I. Gruppe war ein Scotch-Terrier I./StG 2. Die Farben waren Grün und später Blau für den Stab, Weiß
vor verschiedenfarbigen runden Flächen. Modell dafür war der für die erste, Rot für die zweite und Gelb für die dritte Staffel

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 75


LESERALBUM

Eine Staffel Stukas rollt zum Start. Bei


den dicht aufgeschlossenen Maschinen
und den großen Staubwolken mussten
die Piloten höllisch aufpassen, um
Zusammenstöße zu vermeiden

beeindruckendes Fachwissen über Flugzeu-


ge, Motoren, Werkstoffe, Physik, Wetter, Geo-
graphie, Navigation und Flugzeugführung auf
einmotorigen Schulmaschinen gelernt werden
musste, hatten die Piloten ihren Flugzeugfüh-
rerschein.
Auf den C-Schulen kam die Ausbildung
auf schweren, mehrmotorigen Maschinen hin-
zu mit weiterer Navigations-, Wetterkunde-
und Blindflugschulung. Danach trennten sich
die Wege der Flieger, indem man sie je nach
Bedarf zu den Jagdflieger-, Zerstörer-, Kampf-
flieger, Aufklärer-, Stuka- oder Kampfbeob-
achterschulen schickte. So kam bei der Luft-
waffe eine mehrjährige Ausbildungszeit
zusammen, die auch noch in der ersten Kriegs-
hälfte weitgehend durchgehalten wurde.
Mittagspause beim Bodenpersonal. Auf dem Dach des LKW-Führerhauses liegt das MG 15 eines Ein Teil der Fotos entstand beim Stukage-
Ju-87-Bordschützen. Der Opel Blitz ist nach der Aufschrift eigentlich in der Mark Brandenburg schwader 2 mit dem Traditionsnamen »Im-
zu Hause. Bis zu 1210 Kilogramm oder 18 Personen kann er transportieren melmann«. Hervorgegangen aus der »Flieger-
gruppe Schwerin«, wurde es am 1. Mai 1939
mit drei Gruppen in Cottbus, Stolp-
Reitz und Langensalza aufgestellt. Der Krieg
begann für das StG 2 bereits mit dem Po-
lenfeldzug.
Danach ging es in den Westen gegen Frank-
reich mit Einsätzen beim Maas-Übergang, bei
Calais, Dünkirchen und Amiens. Die nächs-
ten Ziele waren dann die Kanalschifffahrt und
Südengland. Anfang 1941 verlegte man auf
den Balkan nach Bulgarien, um von dort aus
Einsätze gegen Griechenland zu fliegen. Den
Abschluss bildeten die Unterstützung der Lan-
dung auf Kreta und ein Intermezzo in Afrika.
Nach einer Auffrischung in der Heimat
ging es an die Ostfront in den Mittelab-
Militärischer Dienst im Frieden oder in ruhigen Gebieten konnte auch entspannend sein. Hier wird schnitt und den Raum Leningrad, um dort
die Pflege eines Kraftfahrzeugs im Sommer eher zur Mußestunde. Auf dem Koffer links wird auf insbesondere die Bahnlinie nach Moskau an-
ein »Führerzitat« angespielt zugreifen. Die Ostfront und dort hauptsäch-

76
Hier sieht man
die punktgenaue
Wirkung eines
Stukaangriffs.
Mit einer Bombe
wurde das Gleis
getroffen und
der Zug von den
Schienen
gekippt

lich der Südabschnitt blieben das


Haupteinsatzgebiet des StG 2, bis es Marschpau-
im Oktober 1943 zum Schlachtge- se. Auch die
Fahrzeuge der
schwader 2 umbenannt wurde.
1. Staffel tra-
Unter den Kommandeuren und
gen das Abzei-
Gruppenführern des StG 2 waren so chen mit dem
bekannte Stukaflieger wie Oskar Di- Scotch-Terrier
nort, Paul-Werner Hozzel, Dr. Ernst
Kupfer oder Hans-Ulrich Rudel. ■
Das Fotoalbum hat uns wieder Skye-Jens
Moog zur Verfügung gestellt.

Zurück auf den Boden der Tatsachen: Hier hat sich eine Ju 87 B-1 Pilotensitz einen Überrollbügel eingebaut. Die Kennzeichen weisen die
überschlagen, was auf den Feldflugplätzen keine Seltenheit war. Um den Maschine als T6+KK der 2./StG 2 aus. Das »K« direkt am Balkenkreuz
Piloten mehr Sicherheit zu bieten, hat man in der Kabine hinter dem war deshalb rot

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 77


LESERALBUM

Eine Dornier Do 17 P von den Kameraden


von der Fernaufklärung ist hier abgestellt.
Zu erkennen ist an der Maschine leider
nur der individuelle Buchstabe »D«

Ausflug ins besetzte Paris, das von Zerstörungen


verschont geblieben ist. Das Objektiv war zu klein für
den Eiffelturm – oder der Fotograf zu nahe!

Je näher die Front rückt, desto


mehr Zerstörungen sind zu sehen

Am Ende der Grundausbildung kam die Vereidigung. Bei der Wehrmacht


wurde ab dem 20. Juli 1935 folgender Eid geschworen: »Ich schwöre bei
Gott diesen heiligen Eid, dass ich dem Führer des Deutschen Reiches
und Volkes, Adolf Hitler, dem Obersten Befehlshaber der Wehrmacht,
unbedingten Gehorsam leisten und als tapferer Soldat bereit sein will,
jederzeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen.«

78
Es soll wohl gefeiert werden: Bierkisten für Flieger und Bodenpersonal. Auch am Heck der
Lastwagen findet sich das Staffelabzeichen

Erinnerungsfoto vor einer Junkers Ju 87 B-1 der 3./StG 2. Als Alternativ- ein Unteroffizier und noch ein Obergefreiter. Die Tragflächenwaffen
kennzeichen hatte die Staffel neben dem Scotch-Terrier auch das Wap- der Ju 87 sind mit einer Schutzkappe verschlossen, und am Motor ist
pen der Patenstadt Breslau. Von links: ein Gefreiter, ein Obergefreiter, bereits die Anlasserkurbel eingesteckt

SIE haben seltene Bilder oder sind auf bisher unveröffentlichte Fotoalben gestoßen? Dann schicken Sie uns
die Aufnahmen zur Veröffentlichung an: FLUGZEUG CLASSIC, Infanteriestraße 11a, 80797 München

FLUGZEUG CLASSIC 3/2013 79


LESERBRIEFE

Leserbriefe
Sie wollen uns schreiben?
FLUGZEUG CLASSIC
GeraMond Verlag GmbH
Infanteriestraße 11a
80797 München

Messerschmitt Bf 110 und warum der Kriegsberichter und habe in der ersten drei Mo-
überhaupt an Bord war. Selbst als Modell naten (1945) in Berlin-Rangsdorf
»Fliegen in der Wetterküche« ein »Gigant«!
Sie werden die LN+MR wahr- die Vorbereitungen für die Ko-
in Heft 12/2012
scheinlich jedoch nicht aus Zufall met-Fliegerei mitgemacht. Sie be-
Ihr Artikel hatte mich neugierig in den Artikel aufgenommen ha- stand darin, sich mit dem Habicht
gemacht, aber ich hätte ihn wahr- ben. Auch wenn ich Ihre Gründe (14 Meter Spannweite) und dem
scheinlich gar nicht wahrgenom- dafür nicht kenne, danke ich Ihnen Stummelhabicht (acht und sechs
men, wenn er nicht auf der Titel- trotzdem sehr herzlich für diesen – Meter Spannweite) an die hohen
seite angekündigt worden wäre. unbeabsichtigten – Hinweis auf Gleitfluggeschwindigkeiten und
Nicht die dort abgebildete Bf 110, unseren Familienangehörigen. Ziellandungen zu gewöhnen. Der
LN+TR, wohl aber die auf S. 17 Zwei Fotos füge ich Ihnen bei. Stummelhabicht konnte nicht un-
abgebildete Schwestermaschine Wolf-Teja von Rabenau, per E-Mail ter 200 km/h geflogen werden.
Bf 110, LN+MR, beschäftigt mich Uns wurde klargemacht, dass
schon einige Jahre. Als zuständi- Boeing B-24 Liberator der Start mit der Me 163 B in zwei
ger Genealoge der Familie von »Keiner wird zurückgelassen« Minuten auf 10 Kilometer Höhe
Rabenau befasse ich mich auch führt und nicht in zehn Minuten,
abschnittsweise mit den Schicksa-
in Heft 12/2012 wie bei Ihnen erwähnt, noch da-
len unserer im Kriege gefallenen Ihr Artikel hat mich sehr berührt. zu bei einer maximalen Brenn-
oder vermissten Angehörigen. Dabei fiel mir ein, dass ich vor dauer des Raketentriebwerks von
Die LN+MR wurde zumindest zirka 30 Jahren in einem kleinen rung lese, habe ich einen Bericht acht Minuten. Die K 7 wurde im
1942 von Leutnant Hans-Bodo Friedhof beim Gutshof Hoch- über die Me 323 entdeckt. Dieses März 1945 aufgelöst und der
von Rabenau geflogen, der damit mutting, nahe dem Flugplatz Flugzeug hat mich schon vor 40 6. Fallschirmjägerdivision zuge-
am 13. August 1942 in der Tundra Schleißheim, ein Grab mit gefal- Jahren fasziniert, sodass ich 1970 teilt, die in den Niederlanden sta-
wahrscheinlich ums Leben kam. lenen Amerikanern entdeckte. ein Modell mit einer Spannweite tioniert war. Dort erlebte ich im
Sein Bordfunker, Uffz. Karl-Fritz Leider bin ich seither nie mehr in von 3,70 Meter konstruiert habe. Mai 1945 die Kapitulation.
Schröder, und ein an Bord befind- diese Gegend gekommen. Viel- 2011 legte ich schließlich nach Ernst Balke, Frankfurt/Main
licher Kriegsberichterstatter sol- leicht ist Ihnen Näheres über die- und baute ein flugfähiges Modell
len den Absturz/Notlandung je- se Grabstätte bekannt? Nach so mit einer Spannweite von fünf Filme
doch irgendwie überlebt haben, langer Zeit existieren sie vielleicht Metern und einem Fluggewicht Nicht immer sind die bespro-
wie die früh erschienene erste gar nicht mehr. von zwölf Kilogramm!
Chronik des JG 5 (Werner Gir-
chenen Filme leicht zu kaufen
Siegfried Datzmann, München Klaus Nietzer, Wemding
big, Motorbuch-Verlag, 1976) aus- Als langjähriger und auch sehr
weist. Mehr wissen wir darüber Me 323 »Gigant« Messerschmitt Me 163 zufriedener Abonnent der Zeit-
aber leider nicht. Keine näheren »Wrack im Mittelmeer ent- »Ritt auf dem ›Kometen‹« in schrift FLUGZEUG CLASSIC le-
Umstände, wie es se ich gerne auch die Beiträge
dazu kam (Luft-
deckt« in Heft 11/2012 Heft 2/2013 von Stefan Bartmann über alte,
kampf mit sowje- In der letzten Ausgabe Ihrer Zeit- Zu Ihrem Artikel hätte ich eine auf die Fliegerei bezogene Filme.
tischen Ratas?) schrift, welche ich mit Begeiste- Anmerkung zu machen: Auf S. 19 Was mir fehlt und ich mir wün-
heißt es: »Wenn Sie in knapp zehn sche, wäre ein Hinweis auf die
Minuten auf 10 000 Meter Höhe Bezugsquelle dieser Filme, denn
katapultiert werden, bleibt Ihnen im normalen Handel hat und
nur ein Anflug gegen ein feindli- kennt man diese Filme nicht.
ches Ziel, das müssen Sie dann Peter Huperz, Großhansdorf
abschießen und sich wegen der Im Idealfall stellen wir Filme vor, die
kurzen Brenndauer des Raketen- es auch zu kaufen gibt. Sollte ein
triebwerks von maximal acht Mi- Film nicht mehr im Handel erhältlich
nuten schon wieder auf den sein, so ist dies zwar bedauerlich, für
Leutnant Hans-Bodo von Rabenau und sein Rückweg begeben – als Gleiter.« uns aber kein Ausschlusskriterium.
Einsatzflugzeug, der Zerstörer Bf 110 Ich war Mitglied der Ausbil- Wir werden Sie, liebe Leser, künftig
dungsgruppe K7 (K = Komet) besser informieren, ob ein Film

80
erhältlich ist oder nicht und wo Sie Farbbild gestoßen, das eine Bf 109 habe bereits in der Vergangenheit Jagdgeschwader JG 54 nähere
ihn am besten erwerben können und eine I-16 zeigt. Es ist mir des- versucht, herauszufinden, um Informationen zu dieser Bf 109
d. Red. halb gleich so bekannt vorge- welche Maschine und welche (Werknummer, Gruppe, Flug-
kommen, weil ich selbst auch die- Einheit es sich bei dieser Bf 109 zeugführer, Verbleib), und wel-
Messerschmitt Bf 109 ses Bild als Foto habe (vermutlich handelt, und insbesondere auch che Information lässt sich aus der
»Bf 109 ›Friedrich« in Heft eine Reproduktion in Schwarz- den Zusammenhang mit Erich Kennung »–+|>« gewinnen? Auf
Weiß), mit einer Originalsignatur Hartmann herzustellen. Gibt es welchem Flugplatz könnte dieses
3/2011 von Erich Hartmann darauf. Ich neben der Zugehörigkeit zum Foto 1941 entstanden sein? Kann
Ich bin seit der ersten Stunde ein Leser etwas dazu beitragen?
Abonnent Ihrer Zeitschrift und Polikarpow I-16 »Rata« (links) Michael Koch, Mistelbach
lese sie jedes Mal mit Begeiste- und Messerschmitt Bf 109
rung und Freude. Ein großes Lob
und Kompliment an dieser Stelle Anmerkung der Redaktion Leserbriefe
spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Re-
über die immer wieder gelunge- daktion wider. Die Redaktion behält sich vor, Le-
nen Berichte und Recherchen. serbriefe aus Gründen der Darstellung eines
Beim Lesen der Märzausgabe möglichst umfassenden Meinungsspektrums
2011 bin ich auf ein interessantes unserer Leser Sinn wahrend zu kürzen.

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Nr. 141 I 3/13 I März I 14. Jahrgang
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Cockpit »seiner« Wildcat. Seinen Dieses Heft enthält historische Abbildungen aus der Zeit der national-
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eines Sees gehoben wurde. Mark sche und wissenschaftliche Forschung. Diese Publikation befindet sich
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