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Wenn Rechtsextreme von

Naturschutz reden –
Argumente und Mythen

Ein Leitfaden

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Inhalt

Aufpassen! 4

Bevölkerungswachstum 5

Der „deutsche“ Wald 7

Gentechnik 9

Heimatschutz 11

Leben im Einklang mit der Natur 13

Neobiota 15

Postwachstum 17

Regionale Wirtschaftskreisläufe 19

Tierschutz 21

Glossar 24

Weiterführende Literatur 25

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Thema:
Aufpassen! Bevölkerungswachstum

Die Debatte über den Natur- und Umweltschutz kann heute, Die extreme Rechte weiß, dass Themen aus dem Natur-, Tier- „Zum Beispiel wäre schon viel gewonnen, Demzufolge führe ein unkontrolliertes Bevölkerungswachstum
mit dem Erstarken nationalistischer Bewegungen in Europa, und Umweltschutz sich in der breiten Bevölkerung großer zu Hungersnöten und Armut. Um dieser sogenannten „Bevöl-
wenn wir unsere Entwicklungshilfe daran
neue Facetten bekommen. Unbestritten haben sich die Umwelt- Beliebtheit erfreuen und sich besser verkaufen lassen als kerungsfalle“ zu entkommen, schlug Malthus sexuelle Ent-
verbände seit Anfang der 1970er-Jahre als stabile, demokrati- plumpe rassistische Parolen. Rechtsextreme Gruppierungen koppeln, dass in diesen Staaten, wo es extreme haltsamkeit und die Abschaffung der Armenfürsorge vor. Eine
sche und einflussreiche Kräfte in der Zivilgesellschaft etabliert. und Akteur*innen bedienen sich dementsprechend ökologi- Jugendüberschüsse gibt, auch etwas gegen drohende „Überbevölkerung“ sollte also durch die Verringerung
Aber es gab in der Geschichte des Naturschutzes auch andere scher Themen, um ihre Forderungen in die Mitte der Gesell- die Überbevölkerung getan wird. Und da sind der Geburtenraten, hier vor allem bei den Armen, abgewendet
Seiten – insbesondere in der Zeit des Nationalsozialismus – die schaft zu tragen. Dabei werden manche Formulierungen harm- werden. Diese Denkrichtung ist gemeinhin als Malthusianismus
wir tatsächlich zur großen Politik gezwungen,
stärker beleuchtet werden müssen. Die im nationalistischen los verpackt und sollen die menschenverachtenden Absichten bekannt und erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit in
und rechtsextremen Denken verankerte „Blut und Boden“-Ideo- verdecken. Andere Formulierungen hingegen beinhalten ganz in dem wir einfach anerkennen: Diese jeglichen politischen Spektren.
logie zu identifizieren und abzuwehren, das ist eine der Aufga- offen Verschwörungstheorien und nationalistische Mythen. Jugendüberschüsse, die lassen sich eben nicht
ben der Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement ewig in den eigenen Ländern halten. Und wir Problematisch an diesen Gedanken ist ein sozialdarwinisti-
im Naturschutz (FARN). Doch wie genau erkennt man rechtsextreme Motive? Was lässt sches und teils eugenisches Fundament: Es werden zunächst
sollten realistisch herangehen, wir können diese
sich diesen entgegnen? Diese Handreichung gibt eine Hilfestel- die Armen und Schwachen der Gesellschaft „geopfert“, um den
Wurde noch lange Zeit ein Zusammenhang zwischen Natur- lung für das Entlarven von rechtsextremen Denkmustern im Jugendüberschüsse nicht einfach abschaffen, allgemeinen Wohlstand zu sichern. Das impliziert eine Un-
schutz und politischen Systemen ignoriert, wiesen Gert Gröning Natur- und Umweltschutz und liefert Argumente gegen diese aber wir können durch eine kluge gleichwertigkeit von Menschen – in diesem Fall eine mindere
und Joachim Wolschke-Bulmahn 1983 auf einen Zusammen- rechtsextremen Weltbilder. Außenpolitik darauf hinwirken, dass sie Wertigkeit der unteren Klassen.
hang zwischen Naturschutz und Nationalsozialismus hin,
eingedämmt werden zumindest.“
insbesondere auf die Favorisierung diktatorischer und antise- Es werden jeweils Zitate aus verschiedenen Themenfeldern Mit der Zeit zeigte sich, dass die von Malthus prophezeiten
mitischer Ideologien zur Durchsetzung von Naturschutzzielen auf die dahintersteckenden Mythen und Argumentationen Horrorszenarien nicht eintraten, aber seine Ideen waren und
Wer hat das gesagt?
nicht erst, aber vor allem in der NS-Zeit. Die damals für den untersucht und kurze Vorschläge zur Erwiderung gemacht. sind weiterhin populär. Als „Neomalthusianismus“ wird eine
Felix Menzel auf dem „Konservatismus Kongress“ der Jungen
Naturschutz Verantwortlichen waren überwiegend anti-demo- Im Anhang gibt es ein Glossar mit Begriffserklärungen und Entwicklung der Grundideen bezeichnet, die auf strikte Ge-
Alternative Bayern am 14. Juli 2018. Felix Menzel ist Heraus-
kratisch, völkisch-nationalistisch und autoritär. Schon diese his- Literaturempfehlungen für eine intensivere Beschäftigung mit burtenkontrollen setzt. Während Malthus diese noch ablehnte,
geber und Chefredakteur der neu-rechten Zeitschrift Blaue
torische Hypothek macht es notwendig, heute unmissverständ- dem Thema „Rechtsextreme Ideologien im Natur- und Umwelt- da sie mit dem christlichen Glauben unvereinbar seien, wurde
Narzisse und Autor des neu-rechten Antaios-Verlags sowie der
lich für einen demokratischen Naturschutz in einer sozialen und schutz“. ab Mitte des 19. Jahrhunderts offensiv für Verhütungsmittel
Zeitschrift Sezession.
demokratischen Welt einzutreten und allen nationalistischen geworben.
Tendenzen entschieden entgegenzutreten.
Was steckt dahinter?
Michael Müller Der Neomalthusianismus nimmt an, dass sich das steigende
Die Aussage bezieht sich auf eine vermeintliche „Überbevöl-
Bundesvorsitzender der NaturFreunde Deutschlands Bevölkerungswachstum vor allem in Ländern des Globalen
kerung“ der Erde. Allerdings wird das Problem nur außerhalb
Europas gesehen. Südens wirtschaftshemmend auswirkt. Zum Wohle der (Welt-)
Die Vorstellung von einer „Überbevölkerung“ der Erde geht Wirtschaft und zur Verhinderung von Kriegen müsse also für
zurück auf den britischen Ökonomen Thomas Robert Malthus strikte Geburtenkontrollen gesorgt werden. Anhänger*innen
(1766–1834). In seinem „Essay on the Principle of Population“ dieser Theorie imponiert die bis 2010 in China praktizierte
(deutsch: „Das Bevölkerungsgesetz“) von 1798 stellte er die „Ein-Kind-Politik“. Diese habe das enorme Wirtschaftswachstum
Theorie auf, dass sich die Bevölkerung exponentiell vermehre, Chinas erst ermöglicht und potenzielle Konflikte verhindert.
wohingegen die Nahrungsmittelproduktion nur linear wachse. Heute finden sich neomalthusianische Ansätze nicht nur bei den
extrem Rechten, sondern auch in ökologischen Bewegungen

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Thema:
Der „deutsche“ Wald

wieder. In Debatten um ökologische Fußabdrücke, Ressourcen- jährlich ins Flugzeug. Nicht jede*r fährt mit dem Auto, kauft Wer hat das gesagt?
ausbeutung oder „Grenzen des Wachstums“ gibt es nicht selten ständig neue Kleidung und Möbel und lebt in Einfamilienhäu- Gerhard Keil in der Ausgabe 3/2017 der Zeitschrift Umwelt &
Verweise auf eine nötige Beschränkung der Weltbevölkerung sern. Nicht jede*r isst täglich Fleisch und Milchprodukte. Auch Aktiv. Keil ist regelmäßiger Autor der als Mitgliederzeitschrift
oder gar das Problem einer „Überbevölkerung“. im Globalen Norden sind nicht „die Menschen“ als Kollektiv des Midgard e.V. herausgegebenen rechtsextremen Umwelt &
verantwortlich. Aktiv. Das NPD-nahe Magazin verbindet in seinen Ausgaben
Diese Geburtenkontrollen werden im oben genannten Beispiel Natur-, Heimat- und Tierschutzthemen mit völkischen Ideolo-
mit der „klugen Außenpolitik“ für den Globalen Süden gefor- Rechtsextreme verlagern Fragen nach Ressourcenverbrauch gien.
dert, damit diese „Jugendüberschüsse“ nicht in hoher Zahl nach vor allem auf den afrikanischen Kontinent. Die Logik dahinter
Deutschland kommen und die Bevölkerungsstruktur verändern. ist rassistisch und muss als solche benannt werden. Demokra- Was steckt dahinter?
tische Umweltschützer*innen erkennen an, dass jede Form von In dem Zitat wird eine naturspirituelle Unterscheidung zwi-
Das zeigt auch das eindeutig rassistische Potenzial und die Bevölkerungspolitik Symptome gruppenbezogener Menschen- schen „Arten“ von Menschen vorgenommen. „Art“ wird dabei
Furcht vor dem sogenannten „Volkstod“. Das „deutsche Volk“ feindlichkeit aufweist (zum Beispiel Rassismus, Sexismus, als anderes Wort für „Rasse“ benutzt und es wird davon aus-
oder – in diesem Fall weiter gefasst – das „europäische Volk“ Ableismus) und stellen deshalb deutliche Distanz zu diesen gegangen, dass diese verschiedenen „Arten“ eine gemeinsame
wird als ethnisch homogene Gruppe gesehen, die sich als „Art“ Denkmodellen her. Seele besitzen würden, die von der Umgebung definiert wird.
erhalten müsse. Damit wird eine konkrete Bedrohung an die Dahinter steckt die Annahme der „natürlichen“ und wechsel-
Wand gemalt, deren Lösung bevormundend, frauenfeindlich Eine menschenrechtsbejahende Umweltpolitik stellt stattdes- seitigen Verbindung von Mensch und Landschaft, die als starre
und rassistisch ist. sen Gerechtigkeitsfragen. Sie fragt, wie viel verbraucht werden Biotope untrennbar vereint sind.
darf, damit alle Menschen heute und in Zukunft ein gutes Leben
Was lässt sich dem entgegnen? führen können. Sie stellt zudem die Frage nach der historischen Da das Gebiet des heutigen Deutschlands vor allem früher
Es gibt kein Problem mit der Bevölkerungsdichte der Erde, ökologischen Schuld des Globalen Nordens und nach der daraus „Unsere abendländische Art Mensch germanisch- über eine hohe Walddichte verfügte, haben Menschen „ger-
sondern ein Problem mit der gerechten Verteilung und der resultierenden Wiedergutmachung. keltischer Abstammung darf mit einer Waldseele manisch-keltischer Abstammung“ also eine „Waldseele“ im
Wirtschaftsweise. ausgestattet beschrieben werden, die sich Gegensatz zu der „morgenländischen Wüstenseele“, die sich auf
„Wir leben in einer beschränkten Welt, und die Bevölkerung des Nahen Ostens bezieht.
kulturell nicht unerheblich von der
Die weltweite Nachfrage nach natürlichen Ressourcen über- es gibt verschiedene Ansätze, wie man damit
steigt laut „Global Footprint Network“ das Angebot an rege- morgenländischen Wüstenseele unterscheidet. Der Mythos vom deutschen Wald und den „Deutschen“ als
umgehen kann, aber ich habe da eine gute
nerativen Ressourcen. Derzeit bräuchte die Erde mehr als Der Wald ist nicht allein kultureller Fluchtpunkt „Waldvolk“ geht auf die Kunst und Literatur des frühen
anderthalb Jahre, um den weltweiten Verbrauch an natürlichen
Botschaft, im Moment wächst die Bevölkerung 19. Jahrhunderts zurück. Eine große Rolle spielte dabei die
deutscher Romantik, sondern eine
Ressourcen eines Jahres zu decken. Es ist also durchaus ange- global nur noch, weil die Leute – und das finde Wiederentdeckung der Schriften des römischen Historikers
regelrechte Freiluftheilanstalt.“
bracht in diesem Zusammenhang von „Raubbau“ zu sprechen. ich durchaus etwas Positives – älter werden, weil Tacitus, der ungefähr um 100 n. Chr. in seinem Werk „Germania“
Nicht angebracht ist es hingegen, „die Menschen“ als Kollektiv die Gesundheitsbedingungen besser geworden eine Beschreibung der Menschen und der Natur auf dem Gebiet
für diesen Raubbau verantwortlich zu machen. Denn tatsächlich des heutigen Deutschlands angefertigt hat. Die Charakteri-
sind die Unterschiede zwischen Staaten und Regionen erheb-
sind, und wir bewegen uns global auf ein sierung der germanischen Stämme als wild, unzivilisiert und
lich. Es sind insbesondere die Länder im Globalen Norden mit Bevölkerungsgleichgewicht von widerstandsfähig eignete sich hervorragend als Ursprungs-
hohem Lebensstandard, die pro Kopf mehr Ressourcen verbrau- 10 bis 11 Milliarden zu.“ erzählung des „deutschen Volkes“. Die Beherrschung der aus
chen als die Länder im Globalen Süden. Aber auch im Globalen Balthasar Glättli, Grüne Partei der Schweiz, römischer Sicht ungemütlichen Landschaft, die zu großen Teilen
Norden muss man differenzieren. Nicht alle steigen mehrmals am 19. August 2014, in einem Interview mit infosperber.ch aus dichten Wäldern bestand, wurde als positive Zuschreibung

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Thema:
Gentechnik

von Stärke und Überlegenheit gegenüber den im sonnigen Was lässt sich dem entgegnen? „Die NPD spricht sich deshalb für ein Verbot geht auf die nationalsozialistische Ideologie von der Schaffung
Süden siedelnden Völkern interpretiert. Hinzu kam die Überlie- Die Behauptung, dass die Abstammungslinie auf die Seele eines neuen Menschen zurück. Mit Euthanasie-Programmen,
sämtlicher gentechnischer Nahrungs- und
ferung der Varusschlacht, bei der Arminius römische Truppen einwirkt, gehört ins Reich der rechts-esoterischen oder germa- also dem Mord oder der Sterilisierung von Menschen, die als
im Teutoburger Wald vernichtend geschlagen hat und damit nischen Mythen. Aber auch ohne die Vorstellung einer „Seele“ Futtermittel aus. Die damit einhergehenden „unwertes“ Leben bezeichnet wurden, wollten die Nazis das
die Ausbreitung des Römischen Reichs auf die Gebiete östlich besteht keine natürliche Verbindung von Menschen zu der sie gesundheitlichen und ökologischen Risiken sind deutsche Volk zu einer „Herrenrasse“ weiterentwickeln. Solche
des Rheins verhindert haben soll. Zu Arminius‘ Ehren wurde umgebenden Landschaft oder der Landschaft ihrer Vorfahren. nicht kalkulierbar. Unsere Bauern dürfen nicht zu NS-Ideologie-Versatzstücke mit deutlichem Bezug auf sozial­
1875 in Detmold ein Denkmal errichtet. Dieses wird auch heute Das wird von der Anpassungsfähigkeit der Menschen – und darwinistisches Denken stecken also hinter der Ablehnung von
wehrlosen Opfern von Banken, EU-Bürokraten
häufig von Pilgernden mit rechter Gesinnung aufgesucht, die zwar aller Menschen –, sich in unterschiedlichen Landschaften Gentechnik.
den völkischen Mythos der Befreiung von der Fremdherrschaft zurechtzufinden und zu leben, deutlich widerlegt. Es ist richtig, und internationalen Saatgut- und Dünger­
aufleben lassen. dass viele Menschen in Deutschland die Wälder schätzen und in lieferanten werden, die Abnehmerpreise und Doch das ist nicht alles. In dem angeführten Zitat findet sich
ihnen spazieren gehen, aber das hat nichts mit einer spirituellen verwendetes Saatgut diktieren.“ auch eine klare Täter-/Opfer-Perspektive. Die „wehrlosen
Im Jahre 1904 wurde von Ernst Rudorff (1840–1916) der Bund Energie zu tun, die nur für Nachkommen der German*innen als Bauern“ werden zu Opfern der „Banken, EU-Bürokraten und in-
Heimatschutz gegründet. Er warnte vor schädlichen nichtdeut- „Freiluftheilanstalt“ wirkt. Wer hat das gesagt? ternationalen Saatgut- und Düngerlieferanten“. Es wird auf der
schen Einflüssen auf den für das Nationalgefühl so wichtigen Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) auf einen Seite die EU als supranationale Organisation angegriffen,
Wald. In diesem Denken wurden die Grundlagen für den Antise- Außerdem findet sich hier eine klar rassistische Denkweise in ihrer Webseite (abgerufen am 13.11.2018). Die NPD ist eine die dem „deutschen Volk“ und damit dem „deutschen Bauern“
mitismus des Nationalsozialismus gelegt. Der Wald wurde zur der Unterscheidung von Menschen in verschiedene Arten oder rechtsextreme Kleinpartei. Seit ihrer Gründung im Jahr 1964 sagt, was sie zu tun haben. Dieser Verlust von Souveränität wird
Projektionsfläche für modernitätskritische, nationalistische, „Rassen“, welche wissenschaftlich nicht haltbar ist. vertritt sie völkisch-nationalistische Ideologien und gilt als von Rechtsextremen heftig kritisiert und damit auch meist die
rassistische und biologistische Ideologien. Die vermeintlich Sammelbecken rechtsextremer Akteur*innen . Europäische Union an sich abgelehnt.
natürliche Überlegenheit des germanischen „Waldvolks“ ge- „Mittlerweile soll der Gedanke der Verwurzelung Auf der anderen Seite werden internationale Konzerne und
genüber dem jüdischen „Nomaden- und Wüstenvolk“ ließ sich nicht mehr eine Widerstandsfähigkeit gegen Was steckt dahinter? Banken angegriffen, welche die Preise diktieren würden. Diese
problemlos in die „Blut und Boden“-Ideologie einbetten. Aus Die NPD verschreibt sich einem ganzheitlichen Verständnis na- Kritik ist gerade im Saatgut-Sektor nicht ganz falsch, dennoch
dieser Sicht besteht nämlich eine Verbindung zwischen „Volk
behauptete Feindvölker stärken, sondern gegen steckt dahinter purer Antisemitismus. Börsennotierte Unter-
türlicher Wirkungszusammenhänge, um die „Heimat“ mitsamt
und Raum“, das heißt Menschen sind durch ihre Abstammung reelle Sturmgefahren infolge des Klimawandels ihren Lebewesen zu schützen. Dieses ganzheitliche Verständnis
an einen bestimmten Ort gebunden und – wie der Wald – in ihm schützen. Erneute waldanschauliche geht von einer organisch gewachsenen homogenen Volksge-
verwurzelt. Aufladungen könnte ein demokratisch-rational meinschaft aus, die nur im Zusammenhang mit den Tieren und
Pflanzen der Umgebung entstehen konnte. Das heißt also, dass
In der Zeit des Nationalsozialismus zeigte sich Hermann Göring
reflektierter Naturbezug verhindern, der
die Veränderung eines Teils sich auch auf das Ganze auswirkt.
als Reichsforstmeister persönlich für den Schutz des Waldes vergangene Entwicklungen […]
und der Natur verantwortlich. Göring beschwor in seinen kritisch hinterfragt.“ Eine solche Veränderung wäre dementsprechend der gen-
Reden eine ewige Schicksalsgemeinschaft von Volk und Wald. technische Eingriff in die Produktion von Nahrungs- oder
Ohne den Wald könne das deutsche Volk nicht überleben. Auf Johannes Zechner, 2017, in:
Futtermitteln. Die Einschätzung über die nicht kalkulierbaren
„Natur der Nation. Der ‚deutsche Wald‘
eben diese Schicksalsgemeinschaft bezieht sich Gerhard Keil in gesundheitlichen und ökologischen Risiken teilen viele Wissen-
als Denkmuster und Weltanschauung“
der Umwelt & Aktiv und hebt lobend die Maßnahmen zum Erhalt schaftler*innen und demokratische Natur- und Umweltschutz-
für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
des deutschen Waldes des NS-Regimes hervor. verbände. Doch bei der NPD kommt noch etwas Anderes hinzu:
die Angst vor der Schädigung des „Volkskörpers“. Diese Angst
findet sich im rechtsextremen Spektrum immer wieder. Sie
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Thema:
Heimatschutz

nehmen und vor allem Banken werden gemäß antisemitischer Weiter muss die Ablehnung des Einflusses internationaler „Umweltschutz ist extrem eng und ganz klar bung als etwas Starres wahrgenommen, das durch Veränderung
Verschwörungsideologien zumeist von jüdischen Menschen Banken und Konzerne – bei aller berechtigten Kritik – in diesem zerstört wird. Ein zentraler Gedanke für Rechtsextreme ist
mit Heimatliebe verknüpft. Umweltschutz hat
geleitet. Insbesondere der Verweis auf die „Internationalität“ rechten Kontext auch beim Namen genannt werden: Es handelt dabei die „natürliche“ (geodeterministische) Verbindung von
deutet auf antisemitisches Denken hin. Denn in diesem Denken sich um Antisemitismus, der sich auf Verschwörungstheorien nichts, aber auch gar nichts, mit Multi-Kulti, „Volk und Raum“, „Blut und Boden“, Land und Leuten. In dieser
wird internationale Kooperation meistens von einer „jüdischen bezieht. Die Einteilung der Welt in Täter und Opfer ist schlicht- Einwanderung und Globalisierung zu tun.“ Vorstellung bedeutet die Veränderung der „deutschen Umwelt“
Weltelite“ vorangetrieben, die dafür sorgt, das „deutsche Volk“, weg nicht so einfach, wie es dargestellt wird. automatisch eine Veränderung des „deutschen Volkes“. Um
aber auch andere europäische Völker, nicht zu großer Macht Wer hat das gesagt? diese Zerstörung oder Veränderung zu verhindern, sucht man
kommen zu lassen. Und auch dieses Motiv leitet sich direkt aus Der demokratische Natur- und Umweltschutz nimmt eine Martin Sellner, eine der Führungspersonen der „Identitären in völkischen Argumenten und Traditionen die Lösung. Hei-
der NS-Ideologie ab. Damals wurde vor einer „jüdisch-bolsche- solidarische Position ein. Er richtet seinen Blick auf die Bäu- Bewegung Österreichs“ in seinem Video-Blog vom 14. Juni mat bedeutet für Rechtsextreme eine Abschottung von allem
wistischen Weltverschwörung“ gewarnt und zwischen „schaf- er*innen im Globalen Süden und thematisiert die neokolonialen 2014. Als Autor für neu-rechte Magazine wie der Sezession und Fremden.
fendem und raffendem Kapital“ unterschieden. Das „schaffende Abhängigkeitsverhältnisse, die auch von deutschen Firmen Veröffentlichungen im Antaios-Verlag tritt er vor allem medial
Kapital“ war im Nationalsozialismus unter anderem der bäu- (zum Beispiel Bayer) forciert werden. Er benennt den Zusam- stark in Erscheinung. Der Ursprung des Heimatschutzes im ausgehenden 19. Jahr-
erliche Kleinbetrieb, der seine eigene „Scholle“ beackert. Das menhang von der Verwendung transgenen Saatguts mit dem hundert um Ernst Rudorff (1840–1916) wehrte sich primär ge-
„raffende Kapital“ hingegen fand sich auf den Finanzmärkten Einsatz von Agrargiften. Zudem thematisiert er sozioökonomi- Was steckt dahinter? gen einen „jüdischen Materialismus“ und sozialistische Einflüsse
wieder und vermehrte sich durch unehrliche Methoden wie das sche Aspekte und Teilhaberechte, wie zum Beispiel Verände- Bei rechtsextremen Parteien fasst man das Ganze etwas kürzer aus der Arbeiterbewegung. Heute umfasst der Heimatschutz
Eintreiben von Zinsen und Spekulationen. rungen von Betriebsgrößen und Eigentumsverhältnissen, die und skandiert: „Umweltschutz ist Heimatschutz“ (zum Beispiel ein breiteres Spektrum an rassistischen Auffassungen – gegen
sich durch den Anbau von transgenem Saatgut in Ländern des NPD, Der III. Weg, Die Rechte). Heimat ist für viele Menschen sämtliche Menschen, die nicht einem völkisch-deutschen Ver-
Die NPD sieht die deutschen Landwirt*innen als Opfer und Globalen Südens ergeben. ein emotionaler Begriff; er beschreibt einen Ort oder ein Ge- ständnis entsprechen.
rechtfertigt mit dieser Opferrolle einen Widerstand gegen die fühl. Sofern diese Orte oder Gefühle als positiv empfunden wer-
vermeintlichen Täter. „Sehr verehrte Damen und Herren Aktionärinnen den, spricht eigentlich nichts gegen einen Schutz dieser Heimat Vor diesem Hintergrund erklärt sich letztlich auch eine der
und damit verbunden auch den Schutz der Umwelt. Doch wie wichtigsten Forderungen rechtsextremer Parteien und Grup-
Was lässt sich dem entgegnen?
und Aktionäre. Wenn Sie meinen, Brasilien sei genau sehen dieser Heimatschutz und diese Heimatliebe aus? pierungen: die Schließung der Grenzen und eine Ausweisung
Zunächst lässt sich gegen eine kritische Hinterfragung von das Land des Gewinnes egal um welchen Preis aller hier lebenden Menschen, die nicht ihrer völkischen Vor-
Gentechnik und deren möglichen gesundheitlichen und öko- und auf wessen Kosten, und wenn Sie meinen, Umweltschutz ist für die extrem Rechten in erster Linie das stellung von Deutschen entsprechen.
logischen Risiken nichts einwenden. Daher muss das Motiv dass Sie in unser Land all Ihren Müll, der hier zu Bewahren einer Kulturlandschaft, die dem romantischen Bild
dahinter deutlich gemacht werden. Es geht der NPD nicht um eines bäuerlich geprägten Deutschlands entspricht. In ihrer Denn in dieser Vorstellung gehören diese Menschen nicht in die
die Gesundheit aller Menschen, sondern um die Gesundheit
nichts mehr taugt, abladen können, dann seien Wahrnehmung verfälschen „gebietsfremde“ Tiere, Pilze oder hiesige Natur und Umwelt, sondern verändern sie und scha-
und das Fortbestehen eines rassistisch überhöhten „deutschen Sie gewiss, dass wir Widerstand leisten werden.“ Pflanzen, sogenannte Neobiota, diese reaktionäre ästhetische den ihr damit – was zusätzlich zur Zerstörung der „deutschen“
Volkes“. Vorstellung von der „deutschen Natur“. Ebenso missfällt den Heimat führt.
Rede von Alan Tygel von der brasilianischen Campanha
Permanente Contra os Agrotóxicos e Pela Vida Rechten eine industriell geprägte Landwirtschaft, vor allem auf-
auf der Jahreshauptversammlung der grund der internationalen Konzerne, hinter denen nicht selten Mag Heimatliebe also zunächst nicht sehr verdächtig klingen,
Bayer AG am 25. Mai 2018 in Bonn eine „jüdische Elite“ vermutet wird. versteckt sich dahinter doch oft eine völkische Ideologie, die
von Rechtsextremen genutzt wird und zu Ausgrenzung und
Und diese Vorstellungen entsprechen auch schon stark dem Diskriminierung führt.
Begriff des Heimatschutzes. Die Heimat wird mit ihrer Umge-

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Thema:
Leben im Einklang mit der Natur

Was lässt sich dem entgegnen? „Der Mensch ist Teil der Natur und darf folglich
Zunächst sollte die falsche Vorstellung von der natürlichen Ver- Die rechtsextreme Vorstellung von „Heimat“ traf möglicher- Mit der Übernahme solcher Theorien durch Darwinisten wie
nicht mehr beanspruchen als ihm zusteht. Er ist
bindung von Menschen mit ihrer Umgebung, im Sinne eines Ha- weise nie zu. Sie ist rassistisch motiviert, weil es um die strik- Ernst Haeckel (1834–1919) kamen auch bald Vorstellungen von
bitats, entschieden zurückgewiesen werden. Menschen haben te Ablehnung von Migration geht. Außerdem besteht kein nicht die Spitze der Schöpfung. Er ist nicht der der Züchtung von Menschen dazu. Die Hypothese von der un-
einen Wohnort, keinen Lebensraum, im Sinne eines Habitats. Widerspruch zwischen Globalisierung und Umweltschutz, denn Gebieter über die Natur und über die göttlichen terschiedlichen Wertigkeit menschlichen Lebens erfreute sich
Sie sind deshalb auch nicht an ihren Wohnort gebunden. Sie national lassen sich die meisten Umweltprobleme nicht lösen. Möglichkeiten. Der Mensch muss sich großer Beliebtheit und führte schließlich zu einer Politik der
können ihn verlassen. Ortwechsel und landschaftliche Verände- Die Natur kennt schließlich keine Landesgrenzen. „Eugenik“ und „Rassenhygiene“ im NS-Regime. Die Nationalso-
einfügen in ein natürliches Geflecht.“
rungen sind auch keine Neuerungen, die mit der Globalisierung zialisten rechtfertigten damit ihren Massenmord an Menschen,
aufgetreten sind. Vielmehr ist die gesamte Menschheitsge- Ein demokratischer Umwelt- und Naturschutz geht nicht von die aus ihrer Sicht weniger wert als andere waren. Entweder,
Wer hat das gesagt?
schichte eine Geschichte der Migration. Menschen haben schon einem exklusi-ven Heimatbegriff aus, sondern nimmt die weil sie nicht zum „deutschen Volk“ gehörten, wie jüdische
Philip Stein im April 2016 bei einem Lesertreffen der Zeitschrift
immer aus verschiedensten Gründen ihre Wohnorte gewech- Wohnorte aller Menschen auf der Welt in den Fokus: Denn Menschen, oder als „Belastung für den Volkskörper“ galten, wie
Umwelt & Aktiv in Thüringen. Stein ist Pressesprecher der Deut-
selt und dabei Einflüsse (auch Tiere und Pflanzen) aus anderen richtig ist, dass viele Menschen heute Umweltveränderungen Menschen mit Behinderungen und viele weitere Gruppen. Auch
schen Burschenschaft und Vorsitzender des rechten Kampag-
Teilen der Welt mitgebracht. Ebenso war auch die Landschaft innerhalb eines Menschenlebens deutlich wahrnehmen die Vernichtungskriege zur Gewinnung von „Lebensraum im
nen-Netzwerks „Ein Prozent für unser Land“.
immer von Veränderungen geprägt. (können). Richtig ist auch, dass diese Umweltveränderungen Osten“ wurden sozialdarwinistisch damit gerechtfertigt, dass
Auswirkungen auf die Lebenssituation und die Lebensumstände die natürliche Überlegenheit des „deutschen Volkes“ zu einer
Was steckt dahinter?
von Menschen haben. Nicht selten sind die Umweltverän- legitimen Ausbreitung des Gebietes führen müsse.
Das Zitat beschreibt eine organisch gewachsene natürliche
derungen so gravierend, dass Wohnorte verschwinden und
Ordnung der Natur, in welche nicht zu stark eingegriffen wer-
deshalb verlassen werden müssen. Gerade die Menschen im Wirtschaftliche Annahmen sich selbst regulierender freier
den sollte. Der Mensch wird innerhalb dieses Zitates als rein
Globalen Süden – und hier insbesondere die Küstenbewoh- Märkte, in denen sich die Stärksten durchsetzen, basieren
biologisches Wesen begriffen. Bei der Aussage handelt es sich
ner*innen – sind von diesen Veränderungen massiv betroffen. letztlich auf dem gleichen Prinzip von der Einordnung in „natür-
deshalb um eine Variante des Sozialdarwinismus. Der Sozial­
liche“ Zusammenhänge. Wohlfahrtstaatliche Einrichtungen und
darwinismus ist einer der grundlegendsten Bestandteile eines
Umverteilungsmaßnahmen dienen als Ausgleich und werden
„Die EU sollte den Bewohnern von Inselstaaten, rechtsextremen Weltbilds. Es geht um die Übertragung von
seit jeher von wirtschaftsliberaler wie auch von rechtsextremer
die durch den Klimawandel bedroht sind, Erkenntnissen aus der Evolutionslehre auf menschliche Gesell-
Seite attackiert – bei den Rechtsextremen herrscht die Über-
schaften und einen daraus resultierenden ewigen „Kampf ums
die europäische Staatsbürgerschaft anbieten und Dasein“. Übertragungen aus der Biologie auf die menschliche
zeugung von der Ungleichwertigkeit von Menschen zweifellos
ihnen eine würdevolle Migration ermöglichen.“ stärker vor.
Gesellschaft werden „Biologismus“ genannt.
Ricarda Lang, Die Rollenbestimmung des Menschen als naturgegeben hat
Grüne Jugend, am 3.8.2018 im ZDF Der englische Philosoph und Soziologe Herbert Spencer
auch eine andere Funktion: Emanzipatorische Politik jeglicher
(1820–1903) wird als Gründer dieser Denktradition angesehen.
Form wird von vornherein als „widernatürlich“ gekennzeich-
Für ihn war das Prinzip „survival of the fittest“ (Überleben der
net und damit delegitimiert. Traditionelle Vorstellungen von
am besten Angepassten) auch das Grundprinzip der menschli-
Gesellschaften und Menschen würden viel eher im Einklang mit
chen und gesellschaftlichen Entwicklung. Nach dieser Annahme
der Natur sein.
gilt das „Recht des Stärkeren“ sowohl im Bereich der Wirtschaft
als auch zwischen Individuen und Staaten.

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Thema:
Neobiota

Was lässt sich dem entgegnen? „Wenn hierzulande natürliche Gegenspieler zer*innen hingegen nur solche Arten, die ohne menschlichen
Es ist richtig, dass der Mensch Teil der Natur ist. Aber der Ein demokratischer und menschenrechtsbejahender Umwelt- Einfluss in einem bestimmten Gebiet vorkommen. Als Zeithori-
fehlen wie Freßfeinde oder Krankheiten und
Mensch ist auch ein kulturelles und soziales Wesen. Er ist in schutz begreift menschliche Bedürfnisse und umweltschützen- zont dient hier die letzte Eiszeit.
der Lage, sich über vermeintlich natürliche Grenzen hinweg- de Maßnahmen nicht als Gegensatzpaare. Er erkennt an, dass die „Einwanderer“ aufgrund ihrer erfolgreichen
zusetzen. Er hat neben der biologischen auch eine kulturelle die Ausbeutung der Natur und die Ausbeutung des Menschen Vermehrungs- und Verbreitungsstrategien Im wissenschaftlichen Naturschutz gibt es keine einheitliche
Evolution durchlaufen. Die Reduktion des Menschen auf seine stets Hand in Hand gehen. Sein Engagement gilt deshalb der dominante Bestände ausbilden können, ist Definition, ab wann ein Organismus „invasiv“ ist. Je nach Stand-
biologischen Anteile kommt deshalb auch einer Leugnung der Natur und dem Menschen gleichermaßen. punkt wird bereits die Einführung durch den Menschen und die
es durchaus realistisch, nicht nur von einer
menschlichen Existenz gleich. lokale Etablierung von Arten als „invasiv“ bezeichnet. Andere
Verdrängung, sondern sogar vom Aussterben Definitionen setzen Ausbreitung und Verdrängung von Arten
„Die NaturFreunde üben bis heute Solidarität
Außerdem ist die Kategorisierung von Menschen in verschie- einzelner Tier- und Pflanzenarten zu sprechen, voraus.
mit den ausgebeuteten Menschen und der
dene Rassen und damit auch in verschiedene Wertigkeiten da Gegenmaßnahmen nicht nur äußerst
wissenschaftlich längst widerlegt. Derartige Einteilungen ausgebeuteten Natur. Wir gehen von einem Die wahrgenommene Zunahme an Neobiota mit „invasivem
schwierig, sondern größtenteils unmöglich sind.“
oder Versuche der Legitimierung durch sozialdarwinistische Verständnis aus, das die Natur als natürliche Charakter“ in Deutschland wird häufig in Verbindung gebracht
Argumente lassen sich nicht mit der Unantastbarkeit der Men- mit dem anthropogenen (durch den Menschen) verursachten
Mitwelt und das Zusammenleben der Menschen Wer hat das gesagt?
schenwürde vereinen und müssen daher deutlich benannt und Laura Horn in der Ausgabe 1/2009 der Zeitschrift Umwelt & Klimawandel und der Globalisierung. Handel, Transport, Ver-
zurückgewiesen werden. als soziale Mitwelt versteht. Soziale und kehr und die veränderten Temperaturen werden verantwortlich
Aktiv. Horn ist regelmäßige Autorin der als Mitgliederzeitschrift
ökologische Gerechtigkeit gehören in des Midgard e.V. herausgegebenen rechtsextremen Umwelt & gemacht für das Auftreten von Neobiota.
unserem Verständnis zusammen. Aktiv. Das NPD-nahe Magazin verbindet in seinen Ausgaben
Die Maßnahmen gegen Neobiota lauten: verhindern, kontrol-
Deshalb sind wir davon überzeugt, dass die Natur-, Heimat- und Tierschutzthemen mit völkischen Ideolo-
gien. lieren und beseitigen. Den rechtlichen Rahmen dazu bieten die
soziale Mitwelt nicht gegen die natürliche Biodiversitätskonvention von 1992, das Bundesnaturschutzge-
Mitwelt ausgespielt werden darf. Was steckt dahinter? setz von 2004 und die EU-Verordnung Nr. 1143/2014 aus dem
Umgekehrt darf es auch keinen Gegensatz Dieser Satz könnte genau so in jeder beliebigen Publikation von Jahr 2014. Einigkeit besteht hier darin, dass überhaupt gegen
„gebietsfremde Arten“, die den „einheimischen Arten“ „gefähr-
zwischen Ökologie und Sozialem geben. Natur- und Umweltschutzverbänden, staatlichen Institutionen
oder wissenschaftlichen Studien stehen. Und genau das ist ein lich“ werden, vorzugehen ist.
Vielmehr geht es darum, dass wir Verantwortung
Problem.
übernehmen – nicht nur für die Verhältnisse Eine Beurteilung über die Sinnhaftigkeit solcher Maßnahmen
heute, sondern auch für gute soziale Dieses Zitat ist im Kontext der Naturschutzdebatte um soge- soll hier gar nicht stattfinden. Aber klar dürfte sein, dass sich
nannte Neobiota zu verstehen. Neobiota sind Arten, die sich in für Rechtsextreme mit der verwendeten Sprache ein Einfallstor
und ökologische Lebensbedingungen
einem Gebiet etabliert haben, in dem sie zuvor nicht heimisch ergibt. Man ersetze in dem obigen Zitat einfach die „Tier- und
künftiger Generationen.“ waren. Mit „zuvor“ ist hier das Jahr 1492 (also das Jahr der Pflanzenarten“ durch „das deutsche Volk“. Plötzlich befinden
NaturFreunde-Resolution Landung von Christoph Kolumbus auf den Antillen) gemeint. wir uns in Untergangsszenarien von dem „invasiven Einwande-
„Schutz der natürlichen und sozialen Mitwelt“, Alle Arten, die sich vor 1492 in einem Gebiet etabliert haben, rer“ und den „Fremdlingen“, die für das Aussterben der „Deut-
Beschluss des 30. NaturFreunde-Bundeskongresses 2017 werden als Archäobiota verstanden. Das Bundesamt für Natur- schen“ sorgen würden. Als Maßnahmen werden „Ausrottung
schutz bezeichnet sowohl Neobiota als auch Archäobiota als und Bekämpfung der Plagen“ vorgeschlagen. Das lässt sich eins
„gebietsfremd“. Einheimisch sind für viele deutsche Naturschüt- zu eins auf migrationsfeindliche Forderungen übertragen. Mit

14 15
Thema:
Postwachstum

dankbarer Hilfestellung des Fachvokabulars im Naturschutz Wissen und dem anthropogen verursachten Klimawandel. „Die Versöhnung von Ökonomie und Ökologie ganz trennscharf voneinander abzugrenzen sind, lehnen einen
können Rechtsextreme also ihre menschenverachtende Vor- Ein demokratischer Naturschutz erkennt zudem an, dass die auf Zinsgeld basierenden Finanzkapitalismus ebenso ab wie die
wird das zentrale Thema des 21. Jahrhunderts.
stellung von „Blut und Boden“, der natürlichen Verbindung von Landschaften, die wir in Europa vorfinden, größtenteils keine Zerstörung der Umwelt und ganz besonders der „heimischen“
Menschen und Arten an bestimmte Regionen begründen. Wildnis darstellen, sondern durch menschliche Aktivitäten her- Diese verlangt nach dem Sturz des „Götzen Natur. Ladig sieht in der „Versöhnung von Ökonomie und Öko-
vorgebracht wurden. Es handelt sich also eher um Kulturland- Wachstum“ die Schaffung einer Vielheit logie“ nicht nur die größte Herausforderung des 21. Jahrhun-
Was lässt sich dem entgegnen? schaften, die natürlich dennoch schützens- und erhaltenswert subglobaler, mit gewachsenen Kulturräumen zur derts, sondern tritt auch dafür ein, dass diese von der „iden-
Da es sich bei der Debatte um Neobiota um eine Fachdebatte sein können. titären Systemopposition“ vorangetrieben und vereinnahmt
Deckung gebrachten Wirtschaftsräume.“
handelt, in der die gleichen Begriffe benutzt werden wie von werden muss. Der Begriff der „identitären Systemopposition“
Rechtsextremen, sollte vor allem in Richtung demokratischer „Welches Tempo an Veränderung Menschen kann auch als völkischer Nationalismus übersetzt werden. Völ-
Wer hat das gesagt?
Akteur*innen auf die Anschlussfähigkeit ihrer Sprachbilder kische Nationalisten und Neu-Rechte verstehen die Ökologie
hingewiesen werden. Grundsätzlich sollten menschengemach-
und Natur vertragen, welchen Wert Eigenart, Landolf Ladig in der Ausgabe 1/2012 der Zeitschrift Volk in
und den Naturschutz seit jeher als „ihre“ Themen, welche von
Besonderheit und Vielfalt haben – im natürlichen Bewegung & Der Reichsbote. Der Beitrag erschien unter dem
te Konzepte, wie das der „heimischen“ und „gebietsfremden“ der Umweltbewegung der 70er-Jahre und schließlich der Partei
Titel „Die Krise des Liberalismus“. Die rechtsextreme Zeitschrift
Arten, regelmäßig und basierend auf derzeitigen Entwicklungen wie im kulturellen Raum –, das sind Fragen, wird vom Nordland Verlag von Thorsten Heise, dem stellvertre-
„Die Grünen“ entwendet und fälschlich von links besetzt wurde.
(wie zum Beispiel dem Klimawandel) und vor dem Hintergrund über die explizit diskutiert werden sollte. In der tenden Vorsitzenden der NPD, herausgegeben. Landolf Ladig ist So wittert Ladig mit der Postwachstumsthematik die Chance,
aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse einer kritischen
Überprüfung unterzogen werden. Stets muss sichergestellt
Debatte über Neophyten tauchen mögliche ein Pseudonym, hinter dem sich nach Analysen des Soziologen diese „identitär“ zu besetzen, da sich die Grünen inzwischen
Positionen dazu allenfalls implizit auf. Für die Andreas Kemper der Vorsitzende der AfD in Thüringen, Björn mit dem kapitalistischen System abgefunden hätten und nicht
werden, dass der Diskurs über „gebietsfremde“ Arten nicht auf
Höcke, verbirgt. Selbst ein Gutachten des AfD-Bundesvorstan-
einer ökologisch kaum zu rechtfertigenden Hierarchisierung Verwirklichung und konkrete Ausgestaltung des im Zuge des Parteiausschlussverfahrens gegen Höcke kam
in der Lage seien, den „Götzen Wachstum“ zu stürzen. Ähnlich
„heimischer“ gegenüber „gebietsfremder“ Arten basiert. Es wie Ladig sieht auch der Vordenker der französischen „Neuen
naturschützerischer Ziele wäre es freilich zu diesem Schluss (https://www.belltower.news/afd-gutachten-
muss zudem sichergestellt werden, dass Natur im Zusammen- Rechten“ Alain de Benoist ein ungemeines Anschlusspotenzial
hang mit der Debatte um Neobiota nicht als Projektionsfläche
wesentlich zentraler, diese ‚nicht thematisierten bjoern-hoecke-schrieb-als-landolf-ladig-fuer-die-npd-43524/). für Postwachstumsbewegungen nach rechts. Die Rückbesin-
dient. Voraussetzungen‘ zu diskutieren als die Frage, nung auf kleinteilige Wirtschaftsräume mit einer größeren
Was steckt dahinter?
wie viele fremde Arten die Seit dem Bericht an den Club of Rome über „Die Grenzen des
Wertschätzung für regionale Lebensmittel und andere Produk-
Gegenüber Rechtsextremen lässt sich entgegnen, dass sich die te kann zu einer größeren Identifikation mit der Region führen.
heimische Natur verträgt.“ Wachstums“ im Jahr 1972 und in verschärfter Form seit der
Neobiota-Debatte trotz gleicher Sprache nicht auf Menschen Und aus dieser Identifikation können wiederum homogene
Weltfinanzkrise 2008 finden sich in verschiedenen politischen Bevölkerungsgruppen gemeinschaftlich erstarken. Die De-
übertragen lässt und es keine verschiedenen „Arten“ von Men- Uta Eser, Umweltethikerin, 2004, in „Projektionsfläche Natur.
Zum Zusammenhang von Naturbildern und Lagern Modelle und Konzepte für eine Postwachstumsöko- ckungsgleichheit von „gewachsenen Kulturräumen“ und „Wirt-
schen gibt, die aufgrund des Zuzugs einer anderen „Art“ auszu-
gesellschaftlichen Verhältnissen“ nomie. Die sichtbar werdende Umweltzerstörung, der hohe schaftsräumen“ soll also zu einer Stärkung des Grundsubjekts
sterben drohen. Es handelt sich schlicht um rassistische Denkmus-
Ressourcenverbrauch und die sozialen Folgen sorgen für ein völkischer Ideologie führen: der Volksgemeinschaft.
ter, die mit Argumenten aus dem Naturschutz legitimiert werden.
Umdenken. Der kapitalistische „Wachstumsfetisch“ müsse auf
Ein demokratischer Naturschutz erweitert seinen Blick: In der
die eine oder andere Weise überwunden oder gebremst wer- Zusätzlich spielen Gedanken um eine Loslösung von Kredit- und
Regel sind Neobiota nicht die Ursache von Problemen, sondern
den, um den Planeten auch in der Zukunft bewohnbar für die Zinsgeldsystemen eine Rolle, um sich unabhängig von globalen
vielmehr Symptom aktueller und/oder langfristiger Entwick-
Menschheit zu hinterlassen. Finanzmärkten zu machen. Hier beziehen sich rechtsextreme
lungen – wie zum Beispiel der zunehmenden Intensivierung der
Wachstumsgegner*innen teilweise auf die Freiwirtschaftslehre
Landwirtschaft und den damit zusammenhängenden Stickstoff-
Solche Ideen finden auch in der „Neuen Rechten“ und im völki- von Silvio Gesell. Mit seinem Konzept von Bodenreformen und
einträgen in Böden, dem Vorhandensein von Monokulturen, der
schen Lager Anhänger*innen. Beide Gruppierungen, die nicht Freigeld schlug er Anfang des 20. Jahrhunderts ein alternatives
weltweit zunehmenden Mobilität von Waren, Menschen und

16 17
Thema:
Regionale Wirtschaftskreisläufe

Geldsystem vor, was nach Ansicht des Ökonomen Elmar Altva- „Es ist mit Blick auf den Globalen Süden „Raumgebundene Volkswirtschaft Dem Parteinamen entsprechend fordert der „Dritte Weg“ einen
ter als „sozialdarwinistisches Konzept“ angelegt ist. Die Ideen Weg zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Dabei soll nicht
eine Selbstverständlichkeit, für Wachstum Ziel der Partei DER DRITTE WEG ist die
von Gesell tauchen seit 2008 auch in Überlegungen rechtsext- alles vereinheitlicht werden, sondern jede*r Einzelne gefordert
remer Theorien wieder verstärkt auf. einzutreten. Es braucht ein immenses Wachstum Verstaatlichung sämtlicher Schlüsselindustrien, und gefördert werden, um „die größtmögliche Schaffenskraft
an Kläranlagen, Straßen, Schienen, Stromnetzen, Betrieben der allgemeinen Daseinsfürsorge, für das gesamte Volk zu erreichen“.
Was lässt sich dem entgegnen? öffentlichen Verkehrsinfrastrukturen, sicheren Banken, Versicherungen sowie aller
In Überlegungen zu Postwachstumsökonomien sind die Über- Hinter dem Konzept der „raumgebundenen Volkswirtschaft“
Jobs, privatem Konsum, bewohnbaren Großbetriebe. Zur Wiederherstellung
schneidungen zwischen Demokrat*innen und Rechtsextremen steckt eine Abkehr oder ein komplettes Zurückdrehen der
besonders hoch. Daher sollten die Motive genauer betrachtet und Wohnungen und so weiter.“ der Selbstversorgung Deutschlands mit Globalisierung. Deutschland soll in der Lage sein, sich ohne
thematisiert werden. Aus rechtsextremer Perspektive geht es um Grundnahrungsmitteln ist die Eigenwirtschaft Abhängigkeiten von anderen Staaten selbst zu versorgen. Die-
Winfried Rust, 2018, in der Zeitschrift Iz3W
die Stärkung der Identität und der Volksgemeinschaft durch eine von Einzel- und Familienbetrieben sowie ser Anspruch bezieht sich auf Energieversorgung, Ressourcen
Abkehr vom Wachstumsgedanken und der Ressourcenverschwen- und Nahrungsmittel. Aus extrem rechter Perspektive ist die
Landwirtschaft im besonderen Maße zu fördern.“
dung. Die Rückkehr in regionale Strukturen soll letztlich auch Abhängigkeit von ausländischen Staaten, Firmen oder Banken
Migrationsbewegungen verringern und ist rassistisch motiviert. Wer hat das gesagt? ein unhaltbarer Zustand. Die Einflüsse von außen auf das Leben
Die Partei Der Dritte Weg schreibt dies in ihrem 10-Punk- des „deutschen Volks“ soll daher auf ein Minimum reduziert
Aus demokratischer Sicht sollten dagegen Chancen für eine te-Programm. Der Dritte Weg ist eine rechtsextreme neo- werden. In der Vorstellung eines überhöhten Volksgedankens
gerechtere globale Verteilung von Ressourcen und Wohlstand und nazistische Kleinpartei, die nach eigener Aussage seit ihrer braucht Deutschland ohnehin keine Hilfe von anderen.
das Ziel der Klimagerechtigkeit durch Postwachstumsansätze be- Gründung im Jahr 2013 für einen „deutschen Sozialismus“ mit
tont werden. Alle Menschen sollen auf diesem Planeten ein „Gutes ökologischem Schwerpunkt eintritt. Ein wichtiger Bestandteil der „raumgebundenen Volkswirt-
Leben“ (Buen Vivir) führen können, nicht nur die Deutschen. schaft“ ist die Förderung von Einzel- und Familienbetrieben
Was steckt dahinter? sowie einer bäuerlichen Landwirtschaft. Die Ablehnung inter-
Ein demokratischer und menschenrechtsbejahender Umwelt- Die wirtschaftspolitische Forderung nach der Verstaatlichung nationaler Konzerne und Großbetriebe lässt sich mit kapita-
schutz erkennt an, dass nicht das Wachstum an sich und pauschal „sämtlicher Schlüsselindustrien, Betrieben der allgemeinen Da- lismuskritischem und dabei antisemitischem Denken erklären.
das zu beseitigende Übel ist. Natürlich braucht es gerade in vielen seinsfürsorge, Banken, Versicherungen sowie aller Großbetrie- Die Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe und bäuerli-
Ländern des Globalen Südens eher ein mehr an Wachstum. Aus ei- be“ könnte zunächst von jeder sozialistischen Partei oder Grup- cher Landwirtschaft erklärt sich aus der ideologischen Nähe
ner „satten“ Perspektive heraus hier den Verzicht zu propagieren pierung stammen oder als Hommage an den real existierenden zum „Blut und Boden“-Mythos. Die Agrarpolitik im NS-Regime
und die Vorzüge der selbstausbeuterischen Subsistenzwirtschaft Sozialismus in der DDR gelten. Doch entgegen sozialistischen unter Führung von Reichsernährungsminister Walther Darré
anzupreisen, hat nichts mit Humanität und dem „Guten Leben“ für Idealen einer internationalen Ausrichtung von Politik bezieht (1895–1953) sah eine Umstrukturierung zu einer ökologischen
alle zu tun. Demokratische Umweltschützer*innen richten sich sich die Partei Der Dritte Weg nur auf Deutschland und die deut- und kleinbäuerlichen Landwirtschaft vor, in der die Menschen
deshalb ausschließlich gegen ausbeuterisches Wachstum und set- sche Volkswirtschaft. Dementsprechend treten sie und andere durch ihre Abstammung den Bezug zum Boden deutlich spüren
zen sich zudem kritisch mit der Moralisierung der Ökonomie, wie rechtsextreme Gruppierungen gerne für einen „Deutschen Sozia- und die Früchte der „eigenen Scholle“ und des „deutschen Bo-
sie in weiten Teilen der Postwachstumsdebatte betrieben wird, lismus“ oder „nationalen Sozialismus“ ein. Die semantische Nähe dens“ auch gut für das „deutsche Volk“ seien. Da sich Rechtsex-
auseinander. Sie erkennen an, dass diese auch das Potential für die zum Nationalsozialismus ist dabei bewusst gewählt. treme generell sehr um die umweltschädlichen Einflüsse auf die
Etablierung rückwärtsgewandter Ideologien bereithält.

18 19
Thema:
Tierschutz

„Volksgesundheit“ sorgen, bietet sich die Art der Landwirtschaft Ein demokratischer Natur- und Umweltschutz hält an dem „Die in Deutschland von muslimischen Metzgern Schächten erteilt werden. Außerdem wurde mit einer elektri-
als ökologisch und „natürlich“ gut an. Slogan „think global, act local“ fest. Die Akteur*innen machen schen Kurzzeitbetäubung der Tiere eine Kompromisslösung
und Halal-Schlachthöfen vorgenommene
deutlich, dass lokales Handeln nicht auf das Wohl einiger gefunden. Doch diesen Kompromiss lehnen Rechtsextreme ab,
Insgesamt kann das Konzept der Partei Der dritte Weg wohl weniger abzielt, sondern stets die Weltgemeinschaft und die islamkonforme Art des Schlachtens weil es ihnen vordergründig darum geht, die Religionsfreiheit
in Anlehnung an den berühmten Spruch der Umweltbewegung gesamte Welt als lebenswerten Ort im Blick hat. Das Eintreten von Wirbeltieren, das Schächten, bei dem den von jüdischen und muslimischen Menschen zu beschränken.
der 70er-Jahre „think global, act local“ (global denken, lokal für Regionalität begründet sich hier über die Reduzierung von Schlachttieren bei lebendigem Leibe und vollem Dahinter steckt dann antisemitischer und antimuslimischer
handeln) mit „think local, act local“ (lokal denken, lokal handeln) klimaschädlichen CO2-Emissionen und Ressourcenverbrauch. Rassismus.
Bewusstsein die Kehle durchgeschnitten wird,
beschrieben werden.
muss der Vergangenheit angehören. Bereits im späten 19. Jahrhundert gab es zahlreiche Tierschutz-
Was lässt sich dem entgegnen?
„Die eskalierende Klimakrise ruft nach lokalen Die damit unter Berufung auf die vereine, die sich gegen das Schächten und gegen Tierversuche
Die Originalversion der Umweltbewegung hat nichts an Aktu- Lösungen und regionalen Wirtschaftskreisläufen, Religionsfreiheit einhergehende grausame aussprachen und dabei meist antisemitisch argumentierten. So
alität verloren: „think global, act local“. Jegliche positiven Ele- denn wir können es uns schon alleine Tierquälerei (…) muss beendet werden.“ herrschte ein Stereotyp von jüdischen Ärzten vor, die aus wis-
mente einer Orientierung auf regionale Wirtschaftskreisläufe klimabedingt schlicht und einfach nicht mehr senschaftlichem Interesse Tierversuche durchführen und diese
laufen ohne die globale Perspektive ins Leere. Abgesehen davon Tiere dabei bereitwillig quälen würden. In deutschnationalen
würden mit dem Konzept der „raumgebundenen Volkswirt-
leisten billigste Wegwerfkonsumgüter in Wer hat das gesagt?
und völkischen Kreisen verfestigte sich diese Vorstellung zum
Containerschiffen um die Welt zu jagen.“ Die Bürgerbewegung Pax Europa in einer Pressemitteilung
schaft“ auch alle Vorteile eines globalisierten Austauschs von
zum Welttierschutztag am 4. Oktober 2016. Pax Europa ist
Waren und Ideen sowie der Bewegungsfreiheit von Menschen Smitha Francis, Lila Cabarello, Cédric Durand, 5.9.2017 in ein islamfeindlicher Verein, der sich unter anderem gegen den
verloren gehen. https://de.rosalux.eu/publikationen/globale-progressive- Neubau von Moscheen einsetzt. Der Verein steht dem rechts-
industriepolitk-eine-alternative-fuer-mehr-gerechtigkeit/ populistischen Blog „Politically Incorrect“ nahe.
Die Forderungen nach Verstaatlichungen, regionaler Orien-
tierung und bäuerlicher Landwirtschaft mögen für manche
Was steckt dahinter?
unterstützenswert klingen. Das sind sie aber nicht, wenn sie die
Der Tierschutz hat im Rechtsextremismus Tradition. Das liegt
Grundlage eines völkischen Staates sein sollen. Daher sollten
nicht daran, dass Rechtsextreme ein besonders großes Herz für
stets die Motive von Maßnahmen hinterfragt und in einem
Tiere hätten, sondern an der problemlosen Instrumentalisie-
solchen Fall abgelehnt werden.
rung des Themas. Es ist verhältnismäßig leicht, an die Empathie
der Bevölkerung zu appellieren, wenn es um Tierquälerei,
industrielle Massentierhaltung oder generell das Schlachten
geht. Gerade beim Schlachten wird ein Verbot des Schächtens
gefordert. Schächten nennt man das rituelle Schlachten ohne
vorherige Betäubung der Tiere, was in Teilen des Judentums
und des Islams praktiziert wird.
Diese Art der Schlachtung wird von Tierschutzverbänden als
besonders brutal eingestuft und ist in Deutschland verboten.
Da es sich bei der Religionsfreiheit allerdings um ein wichti-
ges Grundrecht handelt, können Sondergenehmigungen zum

20 21
ohnehin stark ausgeprägten Antisemitismus. Dankbar nahmen Der demokratische Weg wäre es, einen Kompromiss zu suchen,
wenig später die Nationalsozialisten die Tierschutzdebatte auf, wie er zum Beispiel mit der elektrischen Kurzzeitbetäubung ge-
verboten 1933 das Schächten und führten das erste Reichstier- funden wurde. Rechtsextreme sind aber an einem Kompromiss
schutzgesetz ein. So konnten erste staatliche Repressionen nicht interessiert, da es ihnen nur um Repressionen gegenüber
gegen jüdische Menschen auch noch als moralisch notwendig jüdischen und muslimischen Menschen geht. Das sollte in der
gerechtfertigt werden. Auseinandersetzung immer wieder betont und abgelehnt
werden.
Seit 1945 finden sich die gleichen Motive und Forderungen in
Programmen rechtsextremer und rechtspopulistischer Parteien „Es gibt eine Reihe von Gesetzen in der Tora,
wieder. Der einzige Unterschied ist, dass mit dem vermehrten
Zuzug von Menschen muslimischen Glaubens auch der antimus-
im Talmud oder den nachtalmudischen Kodizes,
limische Rassismus eine größere Rolle spielt. die den Tierschutz zum Gegenstand haben.
Die strengen Vorschriften des Schächtens stehen
Bei diesem Zitat geht es dezidiert um „Halal-Schlachthöfe“ ebenfalls im Zeichen des Tierschutzes.“
und „muslimische Metzger“, weil sich Pax Europa den Islam als
Feindbild ausgesucht hat. Erweitert man den Blick allerdings ins Rabbiner Dr. Israel Meir Levinger, 1997
weitere Feld des rechtsextremen Spektrums, finden sich dort
auch antisemitische Motive, die sich an Argumentationen aus
der NS-Zeit orientieren.

Was lässt sich dem entgegnen?


Mit dem Tierschutz wird von rechtsextremer Seite geschickt
ein in der Bevölkerung beliebtes Anliegen bespielt. Daher ist die
Argumentation dagegen nicht immer ganz einfach, zumal viele
Forderungen deckungsgleich mit denen demokratischer Ver-
bände sind. Es sollte klar benannt werden, dass die Religions-
freiheit nach Art. 4 GG nicht zuletzt vor dem Hintergrund der
deutschen Geschichte ein elementares und schützenswertes
Grundrecht ist. Der Tierschutz ist zwar ein verfassungsmäßiges
Staatsziel nach Art. 20a GG, aber im Zweifelsfall den Grund-
rechten unterzuordnen.

22 23
Glossar Weiterführende Literatur

Ableismus: bezeichnet die Diskriminierung von Menschen Identitäre Bewegung (IB): neu-rechte und aktionsorientierte Bierl, Peter: Grüne Braune. Umwelt-, Tier- und Heimatschutz von rechts. Münster, 2014
aufgrund ihnen zugeschriebener körperlicher oder geistiger Jugendbewegung. Inszeniert sich vor allem online als modern
Beeinträchtigungen. und widerständig gegen Migrationsbewegungen. Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Naturschutz und Rechtsradikalismus. Gegenwärtige Ent-
wicklungen, Probleme, Abgrenzungen und Steuerungsmöglichkeiten. Bonn, 2015; online verfüg-
Biologismus: die Übertragung von Erkenntnissen aus dem Tier- Identität: In Bezug auf menschliche Gruppierungen wird häufig bar unter www.bfn.de/fileadmin/BfN/service/Dokumente/skripten/skript394.pdf
und Pflanzenreich auf menschliche Gesellschaften. Oftmals eine gemeinsame Identität beschworen. Diese kann durch
verbunden mit rassistischen Erklärungsmustern. Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Online-Dossier zu rechter Ökologie; online verfüg-
Sprache, Kultur oder Werte bestimmt werden. Außerdem
bar unter www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/211915/oekologie
neu-rechter Kampfbegriff zur Verteidigung des Eigenen gegen
„Blut und Boden“-Ideologie: zentrale Grundlage der NS-Politik jegliches Fremde. Eser, Uta: Der Naturschutz und das Fremde: Ökologische und normative Grundlagen der Umwelt­
zur Umstrukturierung des Reiches in einen völkischen Bauern- ethik. Frankfurt, 1999
staat. Vorstellung der natürlichen Verbindung von Volk und Lebensraum: in der Biologie auch Habitat oder Biotop; bezeich-
Raum durch Blut und Boden. net die Umgebung von einzelnen Arten. Durch die ideologische Franke, Nils: Naturschutz – Landschaft – Heimat. Romantik als eine Grundlage des Naturschutzes
Verwendung des NS-Regimes in Verbindung mit den Vernich- in Deutschland. Wiesbaden 2016
Eugenik, eugenisch: Anwendung theoretischer Erkenntnisse der tungskriegen im Zweiten Weltkrieg als Begriff vorbelastet.
Humangenetik auf die Bevölkerungs- und Gesundheitspolitik Franke, Nils/Pfenning, Uwe (Hrsg.): Kontinuitäten im Naturschutz. Zur Kontinuität von Machteli-
beziehungsweise den Genpool einer Population mit dem Ziel, Neokolonial: in Anlehnung an den Kolonialismus (der politi- ten des Naturschutzes 1945 bis 1970. Baden-Baden 2014
den Anteil positiv bewerteter Erbanlagen zu vergrößern. Unter schen Beherrschung von Ländern des Globalen Südens durch
Geden, Oliver: Rechte Ökologie. Umweltschutz zwischen Emanzipation und Faschismus. Berlin,
anderem die Nationalsozialisten nutzten diese Erkenntnisse zur den Globalen Norden) eine auf wirtschaftliche Macht bezogene
1999
Ermordung von Menschen. Form des Kolonialismus durch Staaten und Konzerne.
Gröning, Gert/Wolschke-Bulmahn, Joachim: Die Liebe zur Landschaft. Teil 1: Natur in Bewegung.
Globaler Norden, Globaler Süden: Der Globale Süden be- neu-rechts: „Neue Rechte“ ist die umstrittene Abgrenzung von Zur Bedeutung natur- und freiraumorientierter Bewegungen in der ersten Hälfte des 20. Jahr-
schreibt eine im Vergleich politisch und ökonomisch benach- „alt-rechten“ Gruppierungen und Ideologien. Hauptunterschied hunderts für die Entwicklung der Freiraumplanung. 2. Aufl., Münster, 1995
teiligte Position, wohingegen der Globale Norden eine mit ist die Verurteilung der NS-Verbrechen aus neu-rechter Pers-
Privilegien verbundene Position auf der Welt beschreibt. Die pektive. Gröning, Gert/Wolschke-Bulmahn, Joachim: Die Liebe zur Landschaft. Teil 2: Der Drang nach
Unterscheidung geht unter anderem auf verschiedene Erfah- Osten. Zur Entwicklung der Landespflege im Nationalsozialismus und während des Zweiten
rungen mit dem Kolonialismus und der damit verbundenen Rechtsextremismus: bezeichnet politische Ideologien, die auf Weltkrieges in den „eingegliederten Ostgebieten“. München, 1987
Ausbeutung des Südens durch den Norden zurück. einem Verständnis von der Ungleichwertigkeit von Menschen
Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.): Braune Ökologen: Hintergründe und Strukturen am Beispiel von
ausgehen. Zusätzliche Bestandteile sind Chauvinismus, Sozial­
Mecklenburg-Vorpommern. 2012; online verfügbar unter www.boell.de/sites/default/files/Brau-
Gutes Leben (Buen Vivir): Das Konzept des „Guten Lebens“ darwinismus und Autoritarismus.
ne-Oekologen.pdf
beziehungsweise „Buen Vivir“ beruft sich auf indigene Tra-
ditionen und Wertvorstellungen im Andenraum. Es versteht Subsistenzwirtschaft: Wirtschaftsform, die sich auf die Selbst- Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Naturschutz gegen Rechtsextre-
sich als neues Entwicklungskonzept, das sich von westlichen versorgung der eigenen Familie oder kleinen Gruppe mit Nah- mismus – eine Argumentationshilfe. Mainz 2012; online verfügbar unter https://umdenken.rlp.
Wohlstandsparadigmen verabschiedet, und das menschliche rungsmitteln konzentriert und sich nicht an marktwirtschaftli- de/fileadmin/um_denken/PDFs_Logos_PowerPoints/Dateien_Naturschutz_gegen_rechts/bro-
Zusammenleben nach ökologischen und sozialen Normen ins chen Produktionsmechanismen orientiert. schuere_ngr_downloadversion.pdf
Zentrum seiner Philosophie stellt.
völkisch: Ableitung von „Volk“. Im Zuge der „völkischen Bewe- Zechner, Johannes: Natur der Nation. Der „Deutsche Wald“ als Denkmuster und Weltanschau-
gungen“ verbunden mit rassistischen Vorstellungen von der ung. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Wald, 2017, S. 4-10; online verfügbar unter www.bpb.de/
homogenen Zusammensetzung einer Gesellschaft verwendet. system/files/dokument_pdf/APuZ_2017-49-50_online.pdf

24 25
Bundesweite Bildungsangebote der Weitere Publikationen der
Fachstelle Radikalisierungsprävention Fachstelle Radikalisierungsprävention
und Engagement im Naturschutz und Engagement im Naturschutz
(FARN) (FARN)

Wir bieten bundesweit In-House-Workshops zu vier Themen­ Workshop 3 Rechtsextreme Ideologien im Natur- und Umweltschutz. Eine Handreichung
schwerpunkten an. Die Inhalte werden zielgruppenspezifisch Natur- und umweltpolitische Themen in Publikationen Berlin, 2018
aufbereitet. Alle Schwerpunktthemen können auch als Vortrag der extrem Rechten Wo finden sich in aktuellen Natur- und Umweltschutz-Debatten Anknüpfungspunkte für rechte
mit anschließender Diskussion gebucht werden. Dauer: ganztägig Ideologien? Welche historischen Kontinuitäten gibt es? Wie können demokratische Natur- und
Natur- und Umweltschutzthemen finden sich immer wieder Umweltschützer*innen dem entgegenwirken? Diese Fragen beantwortet die FARN-Handrei-
Workshop 1 chung an ausgewählten Beispielen. Zum Beispiel sprechen rechtsextreme Naturschützer*innen
auch in Publikationen von extrem Rechten. Das Engagement
Rechtsextremismus und Naturschutz im Zusammenhang mit gebietsfremden Arten (Neobiota) oft von „Fremdlingen“, „Plage“ oder
für Umwelt, Natur und Tier ruft in der Mehrheitsgesellschaft
Dauer: halbtägig Sympathien hervor. So werden demokratiefeindliche und „Eroberern“. Die Botschaft dabei ist: Das Fremde bedroht die heimische Natur. Von hier ist es für
Der Workshop führt allgemein in das Themenfeld ein. Die menschenverachtende Positionen und Ideen in die Mitte der rechtsextreme Naturschützer*innen nicht mehr weit zu neu-rechten Verschwörungstheorien
Teilnehmer*innen werden sensibilisiert für die historischen Gesellschaft transportiert. Wie erkennt man Publikationen wie etwa der „Umvolkung“. Die FARN-Handreichung, die sich vor allem an Aktive im Natur- und
und die aktuellen Verknüpfungen des deutschen Natur- und von rechten Gruppierungen? Welche Sprachbilder werden Umweltschutz, in der Rechtsextremismusprävention und der Kinder- und Jugendarbeit richtet,
Umweltschutzes mit extrem rechten Ideologien. Der Workshop verwendet? Der Workshop befähigt die Teilnehmer*innen, macht diese Zusammenhänge sichtbar und bietet einen ersten Einstieg in das Thema.
versetzt die Teilnehmer*innen in die Lage, demokratiefeindli- rechtes Gedankengut in Publikationen zu identifizieren und den Online abrufbar unter www.nf-farn.de/rechtsextreme-ideologien-natur-umweltschutz
che und menschenverachtende Ideologien und Denkmuster im eigenen Sprachgebrauch im Hinblick auf Anschlussfähigkeiten
Natur- und Umweltschutz zu identifizieren. Darauf aufbauend nach rechts kritisch zu hinterfragen. Aspekte Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit im Natur- und Umweltschutz
erarbeiten und diskutieren wir mögliche Handlungsoptionen im Berlin, 2019
Sinne einer Prävention und Intervention. Workshop 4 Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist nicht nur ein Phänomen des Rechtsextremismus.
„Naturschutz ist Heimatschutz“ Rassistische, sexistische, behindertenfeindliche und andere menschenverachtende Haltungen,
Workshop 2 Dauer: ganztägig Strukturen und Handlungen finden sich überall in unserer Gesellschaft. Folglich ist der Natur-
Ökologie in der Neuen Rechten und Umweltschutz hiervon nicht ausgenommen. Auch hier finden sich Denkmodelle und Vorge-
Nicht erst seit es ein Ministerium des Innern, für Bau und
Dauer: halbtägig hensweisen, die den Grundsätzen der Demokratie (zum Beispiel Minderheitenschutz, Achtung
Heimat gibt, ist der Heimatbegriff wieder in aller Munde. Wäh-
der Menschenrechte) zuwiderlaufen. Meist geschieht dies unwissentlich und unabsichtlich. Die
Nicht nur bekennende Anhänger*innen des Nationalsozialis- rend die einen ihn gerne gegen die (extrem) Rechte verteidigt
vorliegende Broschüre richtet sich an Aktive im Natur- und Umweltschutz. Sie bietet den Le-
mus, sondern auch die sogenannte „Neue Rechte“ beschäftigt oder zurückerobert sehen würden, sagen andere, dass dieses
ser*innen die Möglichkeit, sich anhand von Debattenbeiträgen mit Aspekten Gruppenbezogener
sich mit ökologischen Themen. Oft werden bei ihnen rück- Konzept auch in Zukunft nicht für Weltoffenheit und demo-
Menschenfeindlichkeit im Natur- und Umweltschutz auseinanderzusetzen. Gleichzeitig gibt sie
wärtsgewandte Konzepte mit progressiven Elementen wie kratische Prinzipien stehen wird. In der extrem Rechten finden
Denkanstöße und eröffnet Perspektiven, wie demokratiefördernder und menschenrechtsbeja-
zum Beispiel Postwachstumsökonomie, Fair Trade und Nach- wir den Heimatbegriff vor allem dann, wenn es um Natur- und
hender Natur- und Umweltschutz gestaltet werden könnte.
haltigkeitskonzepten verbunden. Das Seminar beleuchtet die Umweltschutz geht: „Naturschutz ist Heimatschutz“. Harmlos,
Online abrufbar unter www.nf-farn.de/aspekte-gruppenbezogener-menschenfeindlich­keit-im-
Argumentationsweisen neu-rechter Akteur*innen und Gruppie- oder? Der Workshop geht auf die Entstehungsgeschichte des
natur-umweltschutz
rungen und wirft einen Blick auf deren mediales Erscheinungs- Natur- und Umweltschutzes ein und analysiert anhand von
bild. Die Teilnehmer*innen lernen unterschiedliche neu-rechte historischen Quellen insbesondere das Konzept des Heimat-
Gedruckte Exemplare können bestellt werden über info@nf-farn.de (solange der Vorrat reicht).
Akteur*innen kennen und setzen sich mit deren Engagement für schutzes als Teil der rechten Umweltideologie.
Natur und Umwelt auseinander. Die Teilnehmenden werden für
Argumentationsmuster sensibilisiert, die auf den ersten Blick
nicht so leicht als rechtsextrem erkannt werden.

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Impressum

1. Auflage 2019

Herausgeber
Fachstelle Radikalisierungsprävention
und Engagement im Naturschutz (FARN)
c/o NaturFreunde Deutschlands
Warschauer Straße 58a/59a
10243 Berlin

info@nf-farn.de
www.nf-farn.de

Gestaltung und Satz


BBGK Berliner Botschaft
Gesellschaft für Kommunikation mbH
www.berliner-botschaft.de

Bildnachweise
S. 7: flightlog/Flickr (CC-BY-SA-2.0); S. 9: Bündnis90/Die Grünen Baden-Württemberg/Flickr
(CC BY-SA 2.0); S. 12: Kreuzschnabel/Wikimedia Commons (CC-BY-SA-3.0); S. 14: robert1029/
Pixabay (CC0 Creative Commons); S. 18: Dennis Melsa/Naturfreundejugend Deutschlands; S. 20:
Larissa Donges/Naturfreundejugend Deutschlands; S. 21: Jai79/Pixabay (CC0 Creative Commons).

Die Veröffentlichungen stellen keine Meinungsäußerung des BMFSFJ oder des BAFzA dar.
Für inhaltliche Aussagen trägt der Autor/die Autorin bzw. tragen die Autoren/die Autorinnen die Verantwortung.

Ein gemeinsames Projekt der