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TREND REPORT

Oktober 2015 Redaktion und Zeitung für moderne Wirtschaft www.trendreport.de


TREND REPORT ist eine unabhängige Publikation von ayway media und liegt der Gesamtauflage des Handelsblattes bei

Factoring &
Risikomanagement
Liquidität ohne Risiko

HR-Evolution
Mitarbeiter im Fokus

Vernetzte Nachhaltig anlegen


Investments in Mensch

Gesellschaft
und Natur

Future-Store
Der Trend hin zur Digitalisierung in Wirtschaft Erlebnis einkaufen –
Handel mit Zukunft
und Gesellschaft ist ungebrochen. Eine stille
Evolution, die Märkte und Macher treibt
Industrie 4.0
Intelligente Systeme für
den Standort Deutschland
Aus Einkäufen
werden Erlebnisse
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TREND REPORT Oktober 2015 | Editorial / Inhalt 3

Digitalisierungsgrad? Impressum
Verlag: ayway media UG i. G., In der Mark 6,
53560 Vettelschoß, Telefon: +4926457299907;
Liebe Leserinnen und Leser, Fax: +49 2645 519 2989; Niederlassung
und Redaktion Bonn: Auguststraße 1,
am kommenden Dienstag ist es wieder soweit, am 03. No- Anteilig hat der Digitalisierungsgrad ja anscheinend auch et- 53229 Bonn; Telefon: +49 228 5344 0475; E-
vember 2015 erfahren wir Deutschen wieder mehr über un- was mit dem Netzausbau zu tun. Das Fehlen von Breitband Mail: redaktion@trendreport.de; Internet:
www.trendreport.de; Geschäftsführung
seren aktuellen „Digitalisierungsgrad“. Die aussagekräftigste scheint in vielen Gegenden den Einkauf im Netz noch fade
und Chefredaktion: Daniela Haselbauer
deutsche Studie der Initiative D21 misst die Entwicklung zu gestalten... kein Ergebnis – kein Erlebnis! (V. i. S. d. P.); Themen- und Projektlei-
des Digitalisierungsgrades der deutschen Bevölkerung – ih- tung: Andreas Schnittker, Martina Bartlett-
ren Zugang, ihre Kompetenz, ihre Offenheit sowie ihre Nut- Eigentlich wollte uns doch die Bundesregierung beim Netz- Mattis; Layout: Andreas Schnittker; Redak-
zungsvielfalt bezogen auf digitale Medien und das Internet. ausbau helfen. Warum kriegen wir teilweise keinen Saft, um tion und Autoren: Bernhard Haselbauer,
Martina Bartlett-Mattis (Redaktion Erlangen),
uns digital zu entwickeln? Digitale Infrastrukturen sind digi-
Dr. Ralf Magagnoli, Chris Löwer, Udo Rettberg,
Hoffentlich fallen die diesjährigen Ergebnisse positiver auf, tale Chancen für unsere Wirtschaft und Gesellschaft. Trotz- Brigitte Kasper, Björn Helmke; Druck: DHVS
als die der letzte beide Jahre. Fast ein Viertel der Deutschen dem ist der stationäre Handel gerade im Umbruch. Wie die di- – Druckhaus und Verlagsservice GmbH, Trier;
blieb im Jahr 2014 offline. Steigerungen haben kaum statt- gitale Revolution hier vor sich geht, erfahren Sie auf Seite 24. Printauflage: 110 000 Exemplare / Gesamt-
gefunden. Unsere Redaktion hingegen hat bei der Recherche auflage HANDELSBLATT, Digitalauflage:
23 000 Exemplare / HANDELSBLATT E-Paper.
zur aktuellen Titelgeschichte genau das Gegenteil festge- In diesem Jahr legt der D21-Digital-Index einen der Schwer-
Ein unabhängiges Produkt der
stellt. In der digitalen internationalen Wirtschaft herrscht punkte auf das „Digitale Arbeiten“. Passend dazu schreibt unser
ayway media UG i. G.
Aufbruchstimmung, beschreibt Brigitte Kasper in der Titel- Autor Dr. Ralf Magagnoli ab Seite 29 in seiner Reportage über
reportage ab Seite 11. Welche neuen Chancen das Internet TREND REPORT veröffentlicht alle Inhalte
Mitarbeiterbindung und die Transformation der Arbeitswelt.
unter der Creative Commons Lizenz CC-BY-SA-
der Dinge für uns so bereit hält, erfahren Sie ab Seite 21 in
4.0 DE (gemeinfrei). Wir stellen damit alle Inhal-
unserer Reportage „Industrie 4.0“ von Chris Löwer. Ihre Daniela Haselbauer te (soweit nicht anders gekennzeichnet) zur ge-
werblichen oder privaten Nutzung zur Verfü-
gung. Sie können die Inhalte kopieren, verän-
dern, teilen, solange Sie den Urheber nennen und

Themen und Inhalte auf diese Inhalte aufbauende Werke wieder


unter derselben Lizenz zur Verfügung stellen.
Sie müssen die Quelle www.trendreport.de
nennen sowie die Namen unserer Autoren.
Sie dürfen:
Liquidität ohne Risiko 4 Industrie 4.0 / IoT 21 weitergeben – Weitergabe unter gleichen Be-
Factoring boomt seit Jahren in einem Um- Automatisierung ist das Schlagwort der dingungen 4.0 Deutschland (CC BY-SA 4.0 DE),
fang wie kaum eine andere Finanzdienstleis- nächsten industriellen Revolution. Die teilen – das Material in jedwedem Format oder
tung in Deutschland. Risikomanagement: TREND-REPORT-Redaktion stellt den neuen Medium vervielfältigen und weiterverbreiten,
Schutz vor der Insolvenzanfechtung. Wachstumsmotor für den Standort vor. bearbeiten – das Material remixen, verändern
und darauf aufbauen und zwar für beliebige
Zwecke, sogar kommerziell.
Der Lizenzgeber kann diese Freiheiten nicht wi-
Nachhaltig investieren 7 Future-Store 24
derrufen, solange Sie sich an die Lizenzbedin-
Zunehmende Vielfalt bei nachhaltigen Geld- Der Handel steckt mitten in einer Revolution.
gungen halten.
anlagen. Geldanlagen in Mensch und Natur Anführer ist der Kunde.
sind zeitgemäß und machen Sinn. Unter den folgenden Bedingungen:
Namensnennung – Sie müssen angemessene
Urheber- und Rechteangaben machen, einen
BGM 28 Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Än-
Die vernetzte Betriebliches Gesundheitsmanagement: derungen vorgenommen wurden. Diese Anga-
Gesellschaft 11 Führungskräfte sind Multiplikatoren. Die ben dürfen in jeder angemessenen Art und Wei-
Die digitale Transformation verändert Wirt- TREND-REPORT-Redaktion im Interview mit se gemacht werden, allerdings nicht so, dass
Bildmotiv Copyright: flickr.com / tom_bullock, flickr.com/Iain Watson, flickr.com/ Martin Abegglen

schaft, Politik und Gesellschaft. Prof. Dr. Bernd Siegemund. der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unter-
stütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders.
Weitergabe unter gleichen Bedingungen – Wenn
Sie das Material remixen, verändern oder an-
KI für die Logistik 20 HR-Evolution 29
derweitig direkt darauf aufbauen, dürfen Sie
Die TREND-REPORT-Redaktion im Gespräch Die Gesundheit der Belegschaft fördern. Die
Ihre Beiträge nur unter derselben Lizenz wie
mit Lars Schmermbeck, Zebra Technologies, Personalarbeit digitalisieren. Mitarbeiter fin-
das Original verbreiten.
und Hans-Jörg Tittlbach, ICS Group, über in- den und binden.
Keine weiteren Einschränkungen – Sie dürfen
telligente Wertschöpfungsketten.
keine zusätzlichen Klauseln oder technischen
Verfahren einsetzen, die anderen rechtlich ir-
gendetwas untersagen, was die Lizenz erlaubt.
Hinweise:
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TREND REPORT begleitet auch digital die TREND REPORT können Sie ohne App auf dem
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4 Factoring & Risikomanagement | Oktober 2015 TREND REPORT

Schutz vor der Insolvenzanfechtung


Seit der extensiven Auslegung des §129 Die TREND-REPORT- den von Atradius können sich gegen Durch die Unterstützung eines profes-
ff. der deutschen Insolvenzordnung ge- Redaktion sprach mit Dr. Insolvenzanfechtungen bis zu zehn sionellen Partners wie Atradius kann
winnt das Thema Insolvenzanfechtung Jahre, abhängig von der Dauer des der Kunde – nicht nur wenn es um eine
immer mehr an Bedeutung. Deutsche
Thomas Langen über das Vertrages, absichern. Neukunden bie- Insolvenzanfechtung geht – Ressour-
Firmen müssen nun mit dem Risiko le- Thema Risikomanage- ten wir eine rückwärtsgerichtete Haf- cen sparen und sich auf seine Kernkom-
ben, nach Jahren vom Kunden erhalte- ment im Kontext der tungsstrecke von bis zu drei Jahren an. petenz konzentrieren. Das verschafft ihm
ne Zahlungen an den Insolvenzverwal- Insolvenzanfechtung. Die steigende Nachfrage nach diesem eine verbesserte Wettbewerbsposition
ter zurückzahlen zu müssen, wenn dieser Produkt zeigt die Notwendigkeit der im Vergleich zu seinen Mitbewerbern
insolvent ist. An Gläubiger geleistete Absicherung. am Markt. Darüber hinaus bieten wir
Zahlungen sind bis zu zehn Jahre rück- neben der klassischen Kreditversiche-
wirkend anfechtbar, wenn die vorsätz- Wie gehen Sie vor, wenn Ihr Kun- rung sowohl Bürgschaften als auch in
liche Benachteiligung anderer Gläubi- de mit einer Insolvenzanfechtung Zusammenarbeit mit verschiedenen
ger erkannt wird. Die Praxis zeigt, dass konfrontiert wird? Factoring-Instituten Factoring an. Und
Insolvenzverwalter auf diese Weise die Wir raten im ersten Schritt zur Prüfung wenn doch mal etwas schiefgeht, dann
Insolvenzmasse erhöhen wollen. der Rechtmäßigkeit der Rückforderung. arbeitet unsere Inkassoabteilung schnell
Danach begleiten wir unseren Kunden und mit dem nötigen Fingerspitzenge-
Herr Dr. Langen, worauf haben im weiteren Prozess und stimmen uns fühl, um eine Forderung einzutreiben
Unternehmen, für die eine solche eng mit ihm ab. Im Rahmen der Insol- – auch im Ausland.
Rückerstattung schnell zu einer venzanfechtungspolice beteiligen wir
existenzbedrohenden Krise wer- uns auch an den Rechtsanwaltskosten. Welchen begleitenden Service
den kann, besonders zu achten? bieten Sie Ihren Kunden noch an?
Gerade in Deutschland hat sich das Worin liegt für Ihren Kunden der Unsere Kunden können ihre Kredit-
Volumen der Insolvenzanfechtungen Vorteil, wenn er das Forderungs- limitanfragen rund um die Uhr online
in den letzten Monaten erhöht. Denn management generell auslagert? einreichen. Unsere Risikoexperten ana-
wer als Lieferant gut mit seinem Kun- lysieren jede Limitanfrage individuell.
den zusammenarbeitet, wird ihm in ei- Dafür haben sie Zugriff zu Bonitäts-
ner schwierigen Phase Zugeständnisse informationen von bis zu 200 Millionen
machen und bei einem temporären Li- Kreislauf Firmen weltweit. Sie arbeiten dabei welt-
quiditätsengpass eine längere Zahlungs- Das Prinzip einer Kreditversicherung weit auf einer einheitlichen IT-Plattform.
frist in Form einer Stundung oder Ra- Alles zusammen ermöglicht uns eine
tenzahlung zugestehen. Vor diesem Hin- sorgfältige Bonitätsprüfung und darauf
Lieferung von Waren
tergrund gingen Insolvenzverwalter bzw. Erbringungen von basierend schnelle Entscheidungen hin-
Risikobewertung zur Kunde des
dazu über, schon gezahlte Gelder zurück- Lieferanten Dienstleistungen mit sichtlich ihrer Kreditlimitanfragen. Bei
Absicherung des
zufordern. Ihr Argument ist, es wurde Zahlungsziel komplexeren Kundenstrukturen mit vie-
Lieferantenkredits
(Lieferantenkredit)
noch geliefert, obwohl die finanziellen Bezahlung der len Abnehmern kann unser Kunde seine
Probleme des Geschäftspartners offen- Ware / Dienstleistung Geschäftspartner darüber hinaus auch
sichtlich waren, da Rechnungen bei- selbst noch mit unserem innovativen At-
Bonitätsinformationen
spielsweise erst nach mehreren Mahnun- radius Insights Tool überwachen und in-
Bildmotiv Copyright: flickr.com / Heribert Pohl; Atradius

gen beglichen wurden. Dieses Vorgehen Kreditversicherer Lieferant dividuell auswerten, so dass das Risiko-
ist durch höchstrichterliche Rechtspre- management auch in Großunternehmen
Quelle: Atradius Kreditversicherung

chung verstärkt worden. Kreditver- noch einfacher wird. Informationen rund


sicherungsvertrag um Auslandsmärkte und Branchen stel-
Wie kann man als Unternehmer len wir regelmäßig zur Verfügung und
dieses Risiko in den Griff kriegen? ermöglichen in praxisnahen Webinaren den
Der Lieferant tut gut daran, seine For- Forderungs- und Risikomanagement Austausch mit unseren Fachexperten.
derungen abzusichern, z. B. in Form Bereitstellung von Versicherungsschutz (Kreditlimit)
einer Kreditversicherung. Bestandskun- Erstattung bei Zahlungsausfall www.atradius.de
TREND REPORT Oktober 2015 | Factoring & Risikomanagement 5

Liquidität ohne Risiko

D
er addierte Jahres- Neben sofort zur renmanagement mitsamt der Bonitäts- werden. „Factoring muss in das unter-
umsatz, den die prüfung der eigenen Kunden und dem nehmensweite Risikomanagement fest
deutschen Facto- Verfügung stehen- allzu oft zeit- und kräftezehrenden integriert werden und darf nicht als Sa-
ringinstitute vor- der Liquidität bietet Mahn- und Inkassowesen. tellitenlösung umgesetzt werden“, sagt
weisen, entwickelt Frank Romeike, Gründer des Kom-
Factoring Wachs-
sich seit langem fast kontinuierlich Eine wichtige Komponente im petenzzentrums RiskNET und Autor
nach oben und erreicht in diesem Jahr tumskapital und unternehmerischen Risikomanagement des Standardwerks „Erfolgsfaktor Ri-
eine neue Rekordmarke. Diese Ent- Risikoabsicherung. stellt beim echten Factoring der Delkre- siko-Management 3.0“. „In einem ers-
wicklung verdeutlicht, dass Factoring dereschutz dar. Er beseitigt die Furcht ten Schritt müssen die potenziellen
mittlerweile von vielen Firmenchefs als vor uneinbringbaren Forderungen, und Forderungsausfallrisiken methodisch
eine Alternative zum klassischen Bank- den eigenen Kunden kann ein längeres fundiert analysiert werden. Leider ver-
kredit sowie als sinnvoller Teil der un- Zahlungsziel gewährt werden. Der Un- gessen viele Unternehmen dabei,
ternehmerischen Finanzstrategie ak- ternehmer wird darüber hinaus in die dass Risikomanagement keine einma-
zeptiert ist. Die Hausbank würdigt Lage versetzt, die vielen Vorteile des lige Aktion ist, sondern als dauerhafter
durchaus die damit verbundene Ver- Outsourcing zu nutzen, seine Personal- Prozess im Unternehmen implemen-
kürzung der Bilanz und die verbesserte kosten zu senken. Auf diese Weise ver- tiert und gelebt werden muss.“
Liquiditätssituation. In den Hinter- bessert er die eigene Finanzsituation.
grund treten zugleich frühere Berüh- Hilfreich ist schließlich eine Kreditver- „Das Factoringbarometer ist
rungsängste mit dem Finanzierungsin- sicherung, wie sie von Atradius ange- derzeit etwas eingetrübt, denn laut die-
strument Factoring, das seit 2009 der boten wird. Kurzum: Er nimmt am sem Index sehen nur 30 Prozent unse-
Kontrolle durch die BaFin untersteht. Markt die Pole-Position ein. Seit eini- rer Mitglieder ein gutes Geschäftskli-
Die Befürchtung etwa, die eigenen ger Zeit wendet sich die deutsche Fac- ma für das kommende Geschäftsjahr
Kunden könnten im Factoring – zu toringbranche gezielter den KMU zu, voraus; 70 Prozent bewerten es nur als
Unrecht – ein Indiz für ein Liquiditäts- die oftmals wenig Eigenkapital aufwei- befriedigend bzw. ausreichend“, erläu-
problem sehen. Deutlich wahrgenom- sen, für dieses Finanzierungsinstrument tert Dr. Alexander Moseschus, Ge-
men werden hingegen die vielen Vor- aber aufgrund ihrer geringen Umsätze schäftsführer des Deutschen Factoring-
teile, welche mit der Zusammenarbeit nur wenige Anbieter fanden. Dabei darf Verbands in Berlin und Mitautor des
mit einem Factoringanbieter verbun- nicht übersehen werden, dass sich nicht im vergangenen Jahr erschienenen „Fac-
den sind. Freilich fallen Gebühren an, alle Branchen und vor allem nicht Fir- toring-Handbuchs“. Externe Faktoren
dafür bietet das Factoringinstitut aber men in einer akuten Notlage für die beeinflussen das Umfeld für die Tätig-
auch viel mehr als die Hausbank und Kooperation mit einem Factoringinsti- keit der 25 Mitgliedsunternehmen:
offeriert ein Bündel begleitender Dienst- von Jürgen Hermann tut eignen. Der Cashflow muss vorab „Die global zunehmende Vielzahl von
leistungen. Hierzu zählt das Debito- j.hermann@trendreport.de durch sinnvolles Handeln sichergestellt Unruheherden, auch geopolitischer
Bildmotiv Copyright: flickr.com / GotCredit, eigene Bearbeitung
6 Factoring & Risikomanagement | Oktober 2015 TREND REPORT

Natur, wie auch Finanz- und Wäh- Hauptbevollmächtigter der Kölner Nie-
Literatur rungsprobleme machen sich als wach- derlassung, einer Tochter der niederlän-
sende Unsicherheitsfaktoren in der un- dischen Atradius Credit Insurance N.V.
ternehmerischen Praxis bemerkbar. Innovative Konzepte – wie Trust’n Pay
Factoring-Handbuch Hinzu kommen kostenintensive Regu- von arvato oder Insights, mit dem die
larien für die Finanzbranche in einem Kunden von Atradius ihr eigenes Ab-
Factoring boomt seit Jahren in einem
Nullzinsumfeld.“ nehmerportfolio online auf das Risiko
Umfang wie kaum eine andere Finanz-
von Forderungsausfällen prüfen kön-
dienstleistung in Deutschland – Facto-
arvato Financial Solutions in nen –, zeigen die Richtung auf, welche
ring-Handbuch, von Thomas Hartmann-
Baden-Baden koordiniert als integrier- Factoring zunehmend einschlägt.
Wendels, Alexander M. Moseschus und
ter Lösungsanbieter für das aktive und
Magdalena Wes-
wertorientierte Management sämtliche FinTech-Lösungen liegen im Trend und
sel, 2014. 160
Kundenbeziehungen und Zahlungs- sind Teil unserer vernetzten Gesellschaft.
Seiten, broschiert,
flüsse. Angeboten werden „alle Dienst- Das Dresdner Start-up Rechnung48 bie-
17,90 Euro
leistungen rund um den Zahlungs- tet selbst Freiberuflern und Selbstständi-
fluss“, von der Risikoprüfung des Ge- Frank Romeike betont: „Unter- gen ein Factoringkonzept mitsamt dem
ISBN 978-3-8314-
schäftspartners bis zur Absicherung und nehmen müssen sich von einer rei- vollen Schutz vor dem Forderungsausfall;
1236-5.
Beitreibung von Forderungen. Hierzu nen Risikobuchhaltung verabschie- die Abwicklung verläuft online. „Das
zählen individuell zugeschnittene Stra- den und über potenzielle Stress- FinTech-Factoring scheint sich zuneh-
tegien im Risikomanagement ebenso szenarien nachdenken.“ mend als Finanzierungsweg für den Mit-
wie Factoringkonzepte. Sie werden von telstand zu erschließen“, betont Mose-
Factoring im Netz: der BFS finance GmbH entwickelt, ei- Factoringlösungen sichert das Unter- schus, „und unser Verband wird sich
nem der größten in Deutschland akti- nehmen den Cashflow sowie die Liqui- hier noch mehr als bisher für mittel-
Deutscher Factoring Verband e. V. ven, bankenunabhängigen Factoring- dität und übernimmt das Forderungs- ständische Unternehmen öffnen.“
www.factoring.de institute, das bereits 1961 gegründet ausfallrisiko in vollem Umfang. „Wir
wurde. Als Anbieter für internationales begleiten unsere Kunden und expandie-
BFM Bundesverband Factoring für
Forderungsmanagement und weltweit ren dorthin, wo sie neue Geschäftsbe- #Factoring
den Mittelstand e. V.
führende Kreditversicherung hat sich ziehungen knüpfen – auch in Schwel-
www.bundesverband-factoring.de
Atradius am Markt etabliert. Mit seinen lenländer“, so Dr. Thomas Langen,

Stabilität und Sicherheit mit Factoring


Die klassischen Finanzprodukte sind lastet und verbessert sowohl seine Bi- Nasenlänge voraus zu sein. Aus die-
weiterhin gefragt, aber Wachstum lanzposition als auch seine Eigenkapi- sem Grund ist eine permanente Wei-
generiert die Branche mit modernen talbasis spürbar. Diese Faktoren sowie terentwicklung, wie z. B. im Bereich
Varianten wie Factoring und Leasing. die saubere Finanzierung des Working Device-/IP-Tracking, unumgänglich.“
Capital stoßen bei der Hausbank auf
„Die Finanzkrise führte in den Chefeta- Wohlgefallen. Längst haben die Ver- Viele Onlinehändler haben unzurei-
gen vieler Unternehmen zu der Einsicht, braucher B2C und den Onlinehandel chende Filter, um gefälschte Profile zu
dass man die Bilanz verkürzen und das akzeptiert. Man gewöhnte sich daran, erkennen, und liefern ihre Ware aus, ohne
Finanzmanagement optimieren muss“, noch spätabends bei amazon zu be- eine werthaltige Forderung zu errei-
erläutert Ronald Müller, Mitglied der stellen oder online eine Reise zu bu- chen. Die Identitätsdefinition ist folg-
Geschäftsführung von arvato Financial chen. „Für die B2C-Händler“, so Müller lich ebenso wichtig wie die Bonitäts-
Solutions. „Gerade beim Forderungs- weiter, „hat arvato Financial Solutions prüfung. „Trust’n Pay übernimmt die
management ist im Mittelstand viel mit Trust’n Pay eine echte White- Zahlungsgarantie, und zwar zu 100 Pro-
Nachholbedarf erkennbar. Trotz des in- Label-Lösung. Dem E-Shop-Inhaber zent, sofern die Identitäts- und Boni-
zwischen vermutlich bei gut 200 Milli- bieten wir ein vollständiges Factoring- tätsprüfung des Bestellers positiv aus-
arden Euro liegenden Factoringumsat- konzept und damit einen relevanten fällt“, betont Müller. „Per Pre-Scoring
zes in Deutschland besteht, eben auf- Wettbewerbsvorteil. Wir übernehmen wird für jeden Endkunden eine Auswahl
grund dieses Nachholbedarfs, für diese das Inkassomanagement, kontrollie- an Zahlungsmöglichkeiten bereitge-
Finanzierungsform enormes Potenzial.“ ren die Debitoren und schützen unse- stellt, aus denen er frei wählen kann.
Bildmotiv Copyright: arvato bertelsmann, RiskNET

re Kunden vor Betrügereien im Online- Hieraus ergeben sich höhere Bestell-


Factoring wird zunehmend als ein sinn- handel.“ frequenzen und eine bessere Conver-
voller strategischer Baustein der Un- sion-Rate.“ Die Gebühren für den Händ-
ternehmensfinanzierung erkannt. Beim Diese Abläufe bleiben für den Endkun- ler sind individuell gestaltet und ab-
hierzulande üblichen echten Factoring den aber vollkommen unsichtbar. Und Ronald Müller, Bereichsleitung hängig von einer Reihe von Faktoren.
erhält der Unternehmer sofort bis zu sie sind sicher: „Wir optimieren täglich Financial Services, arvato Financial
90 Prozent der Forderungssumme; er unsere Sicherheitsmechanismen – um Solutions, im Interview mit der finance.arvato.com
wird beim Debitorenmanagement ent- bei Betrugshandlungen immer eine TREND-REPORT-Redaktion ronald.mueller@bertelsmann.de
TREND REPORT Oktober 2015 | Nachhaltige Geldanlage 7

Trendraum

Indexdatenbank
In der Indexdatenbank des Sustaina-
ble Business Institute (SBI) e. V. finden
Sie ausführliche Porträts von ca. 40
Nachhaltigkeitsindizes bzw. –indexfa-
milien von einer Reihe unterschiedli-
cher Indexprovider.

www.nachhaltiges-investment.org

Der Natur-Aktien-Index (NAI) umfasst 30


internationale Unternehmen, die nach
besonders konsequenten Kriterien als

Vielfältig, sicher
Öko-Vorreiter ausgewählt werden.

Rating von

und nachhaltig
oekom research
Die Deutsche Kreditbank AG (DKB) ist
derzeit alleiniger „Industry Leader“
beim Nachhaltigkeitsrating von oekom

N
research. Das Unternehmen mit Sitz in
ur wer die Vergan- Nachhaltig investie- Anforderung steht dabei über allem: Berlin wurde von der Nachhaltigkeits-
genheit versteht, nämlich Respekt – gegenüber den Ratingagentur mit einem „B-“ bewer-
bewältigt die Zu- ren und am Werte- Menschen und der Natur. tet, der höchsten Note aller deutschen
kunft. Für die wandel partizipie- Geschäfts- und öffentlichen Banken.
Wirtschaft gilt die- Im Fokus: Respekt Dieses Ergebnis im Corporate Rating
ren durch die neue bedeutet gleichzeitig den „Prime Sta-
ser Anspruch nicht nur für geistig-the-
oretische Ansätze, sondern auch im Vielfalt bei ökologi- Das politische und ökonomische Be- tus“ für die DKB und zum Zeitpunkt der
Kontext konkreter Zukunftsgestaltung. schen Geldanlagen ben auf dem Planeten verunsichert auch Labelvergabe die Einstufung als erstes
In der Welt von morgen sind geistige die Kapitalanleger und Börsianer. Gi- und derzeit einziges dieser Institute in
Fähigkeiten von Menschen auch mit gantische Staatsschulden, massive Völ- die Kategorie „good“.
Bildmotiv Copyright: flickr.com / carol mitchell, Natur Aktien Index; flickr.com / pixelchecker

Blick auf die „lebenswerte Welt“ ein kerwanderungen und mehrere kriege-
starker Treiber – neue Technologien rische (derzeit meist noch regional Weitere Informationen unter: www.
zum Erreichen der Ziele sind der ande- begrenzte) Auseinandersetzungen – trendreport.de/dkb
re. Die Kapitalbeschaffung über Mas- basierend auf fehlendem Respekt der
senfinanzierung – also „Crowd-Fun- Menschen untereinander – erschweren
ding“ – spielt in diesem Kontext eine anlagestrategische Überlegungen. Im-
große Rolle. Es gilt, auf neuen Infor- mer mehr Menschen suchen in diesem
mationswegen das Bewusstsein für den Zusammenhang nach generellen Lö-
schonenden Umgang mit den Ökosys- sungen. Sie wissen z.B., dass der Planet
temen des Planeten Erde zu schärfen Erde Schonung erfordert, weil er kom-
und entsprechend Kapital einzusam- menden Generationen erhalten blei-
meln. In spannenden Finanzmarkt-In- ben muss. Die Menschen beschäftigen
itiativen wie „Leih Deiner Umwelt sich nach Beobachtung von Georg Die DKB verfügt unter anderem über ei-
Geld“ finden alle diese Elemente einer von Udo Rettberg Schürmann, Geschäftsführer der Trio- nes der größten Kreditportfolios bei er-
vernetzten Gesellschaft Eingang. Eine u.rettberg@trendreport.de dos Bank, daher verstärkt mit nachhal- neuerbaren Energien in Deutschland.
8 Nachhaltige Geldanlage | Oktober 2015 TREND REPORT

tigen und ökologischen Fragen. Es Bewegung hat riesiges Wachstumspo-

Nachhaltig anlegen lernen geht in den Gedanken von Konsumen-


ten um Vernunft bei der Art und Her-
tenzial. Georg Schürmann weist in die-
sem Kontext auf Plattformen wie Eco-
kunft von Lebensmitteln und Textilien Crowd, BetterVest und LeihDeiner-
Gastbeitrag von Bernhard Engl, FNG zusammen mit Partnern den Kurs oder bei der Auswahl von Stromliefe- UmweltGeld hin. „Das sind interessante
Vorstandsmitglied des FNG Weiterbildung Nachhaltige Geld- ranten. Ergänzungen des bestehenden Ange-
anlagen entwickelt. Er vermittelt bots für nachhaltige Anleger“, so
Das Angebot ist groß und die Nach- Grundkenntnisse und räumt mit My- Der Zeitgeist hat sich also verändert. Schürmann. Gleichwohl sind nachhal-
frage ebenso. Dennoch sind nach- then auf, etwa dem verbreiteten Die Banken haben in Sachen Kapital- tige Kapitalanlagen – Investmentvehi-
haltige Anlagen, also Finanzproduk- Vorurteil, Nachhaltigkeit bei der anlage schon längst keine Monopol- kel also, die neben den „harten“ finan-
te, die neben Finanzkennzahlen auch Geldanlage gehe auf Kosten der Ren- stellung mehr. Denn über die Cloud ziellen Kennzahlen auch soziale und
ökologische und soziale Aspekte be- dite. Die nächsten Kurse starten 2016. und dort aktive soziale Netzwerke wie ökologische Aspekte berücksichtigen –
rücksichtigen, noch nicht wirklich
Facebook, Linkedin und Twitter wer- noch nicht wirklich bei der Masse
im Mainstream angekommen. Zudem bietet das FNG Orientierungs- den Kapitalanlegern von findigen Köp- der Kapitalanleger angekommen. Dies
hilfen an. Mit den FNG-Nachhaltigkeits- fen jene Ideen und Investitionsmög- wohl auch deshalb, weil immer wie-
Zwar sind die vom Forum Nachhaltige profilen sind seit 2012 verständliche lichkeiten präsentiert, die ökonomi- der vom „Greenwashing“ die Rede
Geldanlagen (FNG) regelmäßig erho- und übersichtliche Informationen zu schen und ökologischen Ansprüchen ist, bei dem sich Unternehmen mit
benen Wachstumszahlen beeindru- mittlerweile über 150 nachhaltigen entsprechen. Hier finden ökologische dubiosen Methoden als „nachhaltig“
ckend. Beim Vergleich mit dem Ge- Publikumsfonds kostenlos im Inter- Ideengeber und Unternehmer ähnlich präsentieren.
samtmarkt fällt das Urteil angesichts net abrufbar. Und das FNG geht mit denkende Menschen, die sich im Rah-
men von Massen-Investments an neu- Kann Anlegern in der Nullzins-Ära mit
en sinnvollen Entwicklungen finanziell nachhaltigen Investments ein Ersatz
beteiligen. Anleger erkennen, dass sie für fehlende Cash-Rendite geboten wer-
Bernhard Engl, Vor- mit der Entscheidung für eine nach- den? Da Geld im Leben von Menschen
standsmitglied des Fo- haltig, ökologisch und umweltfreund- wichtig, aber eben nicht alles ist, bietet
rums Nachhaltige Geld- lich ausgerichtete Bank Einfluss auf ge- ein gutes Umweltgewissen einen gewis-
anlagen (FNG), schreibt sellschaftliche Trends nehmen können. sen Ausgleich für geringe Renditen.
in TREND REPORT, wie der Nachhaltigkeitsbanken wachsen seit Zahlreiche Akteure der Wirtschaft ha-
Verband Wissenslücken Jahren um 15 bis 20 Prozent p.a. „Wir ben eingesehen, dass „bleibende Wer-
bei nachhaltigen Geldan-
lagen schließen will.

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von Werten im einstelligen Prozent- einem Siegel für nachhaltige Publi-
portagen mit Ihren Geschäftspartnern, Freunden und Kunden.
bereich jedoch ernüchternd aus. kumsfonds noch einen Schritt weiter:
Es definiert Mindestanforderungen. Schulen und Lehrkräfte nutzen unsere freien Inhalte für ihren Wirt-
Woran liegt es, dass trotz immer wie- Hierzu gehören Transparenzvorgaben, schaftsunterricht und experimentieren mit Interviews und Gastbeiträgen. Sie dürfen
der durch Studien belegtem Interesse der Ausschluss von Investitionen in das Material remixen, verändern und darauf aufbauen.
bei Anlegern und einem breiten Atomkraft, Waffen und Rüstung so- Alle Inhalte aus TREND REPORT sind aus diesem Grund unter einer gemeinfreien
nachhaltigen Produktangebot der wie die Berücksichtigung der vier Be- Textlizenz (CC BY-SA 4.0 DE) von unserer Redaktion „wikipedia-kompatibel“ verfasst
Funken noch nicht übergesprungen reiche des UN-Global Compact – Ar- worden. Speziell auch für den kommerziellen Einsatz!
ist? Fachleute nennen hierfür meist beits- und Menschenrechte, Umwelt- Folgende Bedingungen müssen Sie dabei beachten:
einen Mangel an Expertise bei Bera- schutz und Korruptionsbekämpfung. Namensnennung (trendreport.de), Details zur Lizenz unter
tern und einen mittlerweile für Laien www.trendreport.de/ausgaben
undurchschaubaren Produktedschun- Darüber hinaus können die Fonds
gel. Wer diese Informationslücke Punkte in den Bereichen Produkt-
schließen möchte, muss somit da an- standards, institutionelle Glaubwür-
setzen, wo es um Orientierung, Re- digkeit sowie nachhaltige Auswahl-
erwarten, dass sich das Wachstum auf te“ auch in Anlegerköpfen mehr bewir-
duktion von Komplexität und kom- und Dialogstrategien sammeln. Anle-
hohem Niveau fortsetzen wird“, sagt ken können als der aus Dividenden
petente Anlageberatung geht. gern ermöglicht das FNG-Siegel näher
Schürmann. Die Digitalisierung verlei- oder Zinsen einzunehmende „rasche
an ihren individuellen Präferenzen zu
he dieser Entwicklung durch raschen Euro“. Vorbei ist es mit Investments in
Bildmotiv Copyright: Forum Nachhaltige Geldanlagen

Nun gibt es bereits seit vielen Jahren investieren – und dies mit verringer-
Zugriff auf Informationen zusätzlichen die Rüstungsindustrie und Chemiefir-
Finanzberater mit ausgewiesenem tem Such- und Informationsaufwand.
Aufwind. Dabei geht es auch um die men – also in Branchen, die zerstöre-
Spezialwissen. Aber auch immer mehr Das FNG-Siegel, die FNG-Nachhaltig-
Plattformen des „Crowd-Investments“. risch wirken können. Logisch erscheint
Kollegen aus dem Mainstream wer- keitsprofile und kompetente Bera-
Bei diesen „Öko-Investments 2.0“ wer- aus Anlegersicht in diesem Kontext je-
den auf die Möglichkeit des nachhal- tung zusammen bieten damit die
den von Projektträgern (Kommunen, doch ein „Mix aus vielfältigen vernünf-
tigen Investments aufmerksam. Ins- optimale Basis, um durchzustarten
Privatunternehmen) mit dem Mittel ei- tigen grünen Investments“. Entscheidend
gesamt ist die Anzahl von Finanzbe- und einfach nachhaltig anzulegen.
ner hohen Transparenz gesellschaftsför- für die Gewichtung der Investments
ratern mit Know-how zu nachhaltigen
dernde alternative Finanzierungsquel- sind Kriterien wie Risikobereitschaft,
Anlagen noch gering. Daher hat das www.forum-ng.org
len erschlossen. Diese dynamische Renditeziele und Anlagestil.
TREND REPORT Oktober 2015 | Nachhaltige Geldanlage 9

Ökologisch und nachhaltig agierende


Unternehmen werden effektiver und
Positive Entwicklung
Nachhaltige Investmentfonds und Mandate in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Geldanlagen, Jahresbericht 2014


kosteneffizienter arbeiten. Dort, wo im
Umgang mit den Arbeitnehmern ein

Quelle: Forum Nachhaltige


*Seit 2011 werden „Sonstige Finanzprodukte“ in Deutschland
und Österreich nicht mehr gesondert erhoben. Ab 2011 bildet
sozialer Umgang gepflegt wird, steigt 80 120,9
diese Kategorie ausschließlich die strukturierten Produkte
die Leistungsbereitschaft. Und dort, 70 0,1
wo im Produktionsablauf weniger Ver-
60 83,7
schleiß anfällt, sinken die Kosten – mit
der Folge eines steigenden Gewinns. 50 71,4 0,5 70,6
0,8 Investmentfonds
Grüne Investments zielen u. a. auf den 60,6
40 51,9
schonenden Umgang mit den verfüg- 0,9 43,1 Mandate
37,9 1,63 36,4
baren Energieträgern. Fossile Energie- 30 33,2
1,63 29,2 sonstige Finanz-
träger wie Öl, Kohle und Gas gelten 2,5 22,7 24,0 produkte
20 19,7 50,2
wegen des hohen Ausstoßes an CO2 als 13,6 13,6 0,7 16,1 40,1
2,0 30,5 34,2
der Schweiz ab

10 1,5 10,3 26,3


wesentliche Verursacher des Klima- 6,1 9,4 17,1 20,2
11,7 in Milliarden Euro
wandels. Erneuerbare Energieträger 0 6,0 8,3
(Wind-, Solar-, Meereswellen-, Bio- 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
energie u. a.) stehen daher im Fokus.
Nachhaltige Investments haben auch im Jahr 2014 ihre positive Entwicklung fortgesetzt. Das Volumen der drei
Investitionen der Wirtschaft in CO2-
Kategorien beträgt 120,9 Milliarden Euro – ein Anstieg von 44 Prozent im Vergleich zu 2013.
neutrale Fertigungstechnologien und
direkt in „Erneuerbare Energieträger“
stehen bei Anlegern im Fokus. Harry Assenmacher seit vielen Jahren nomischen Aufschwungs vergangener massive Investitionen in Sonnen- und
promotet, ist eine der ganz großen Auf- Dekaden war der Umweltschutz im Windenergie und die Schaffung eines
Bei „grünen Investments“ geht es um gaben. Im Klimaschutz fließen immer Reich der Mitte lange Zeit ein Stief- nationalen Treibhausgas-Handelssys-
Kapitalanlagen in die Ökosysteme, die mehr Gelder - in den Industrieländern kind. Dies auch wegen der starken tems nach dem Vorbild des Emissions-
lebensnotwendigen Urstoffe des Plane- im Jahr 2014 rund 62 Mrd. Dollar Nutzung des „Luftverschmutzers“ handels in Europa angekündigt. China
ten wie Wasser, Luft und Erde. Die Er- (nach 52 Mrd. Dollar im Jahr 2013). Kohle. Jetzt will das Reich der Mitte will zudem ärmeren Ländern bei de-
haltung von Farm- und Forstland auf Nachholbedarf existiert vor allem in nicht länger die Rolle des Sündenbocks rem Abschied von fossilen Energieträ-
dem Planeten, die Forest-Finance-Chef der VR China; denn im Zuge des öko- übernehmen. Präsident Xi Jinping hat gern mit 3,1 Mrd. $ helfen.

Grüne Geldanlagen: Festverzinslich und flexibel


Etwas für die Umwelt tun und gleich- Wer sind Ihre Kunden? Und welche Bevölkerung sprechen. Wir haben al- Prozent für die Anleger erwirtschaften
zeitig Rendite erzielen? Flexible Lauf- Sicherheitserwartungen haben sie? lerdings mit 5 000 Euro die Mindesthö- können, sondern auch zusätzliche Mar-
zeiten und von hohen Zinsen profitie- Mittlerweile haben wir 15 000 Kunden he für ein Investment bewusst hoch gen für Verwaltungs- und Laufkosten
ren? Handelt es sich um die sprich- gewinnen können. Die Kundenschicht gelegt. Die Anlage ist nicht für Klein- sowie für mögliche Investitionsausfäl-
wörtliche Eier legende Wollmilchsau? ist sehr heterogen und spiegelt in die- anleger gedacht, da ein Risiko besteht. le. Wir reden also über Größenordnun-
Nein, es handelt sich um ein seriöses ser Heterogenität mehr oder weniger Es handelt sich nicht um eine Bankgeld- gen von elf oder 14 Prozent pro Jahr.
Geschäftsmodell, stellt Georg Hetz, die Bevölkerung wider. Man könnte von anlage, das ist unseren Anlegern klar. Hält das Projekt der Wirtschaftlich-
Gründer und Geschäftsführer von UDI einem repräsentativen Querschnitt der Das Thema Sicherheit spielt aber na- keitsprüfung stand, übernehmen wir
UmweltDirektInvest, im Interview mit türlich für unsere Kunden eine wichtige es gerne, stellen die Finanzierung si-
der TREND-REPORT-Redaktion klar. Rolle. Dass sie nicht enttäuscht wer- cher und überlassen den Projektierern
den, zeigt die Tatsache, dass viele un- die Generalunternehmerschaft.
Sie bieten mit Ihrem UDI Energie Fest- serer Kunden nach Erhalt ihrer Gelder
zins IX eine flexible Ausstiegsmög- Anschlussinvestitionen bei uns tätigen. Wo steht UDI in den nächsten zwei
lichkeit und zugleich einen jährli- bis drei Jahren?
chen Zinssatz, der von vier auf 7,5 Wie generieren Sie momentan die Wir werden Biogasanlagen fertig bau-
Prozent steigt? hohen Zinsen für Ihre Kunden? en. Mein Ziel ist es, das bereits auf der
Das ist richtig. Bisher ließen wir dem Wir sind bereits seit über 17 Jahren am Agenda befindliche Thema Finanz-
Anleger die Wahl zwischen einer „Sprint- Markt. Immer wieder erhalten wir, da dienstleistungen um das Thema Ener-
Bildmotiv Copyright: Forum Nachhaltige Geldanlagen

Variante“ mit kurzer Laufzeit und einer wir uns durch Fonds positionieren, An- gieerzeugung zu erweitern. Viele der
Bildmotiv Copyright: UDI - Umwelt Direkt Invest

bewährten UDI-Festzins-Anlage mit fragen von Projektierern aus den Be- von uns finanzierten und von den Pro-
Laufzeiten zwischen fünf und elf Jah- reichen Wind, Solar oder Biogas, ob wir jektierern gebauten Anlagen werden
ren. Der UDI Energie Festzins IX verbin- die entsprechenden projektierten An- früher oder später in den Bestand der
det beides, eine lange Laufzeit mit Aus- lagen nicht übernehmen wollen. Im UDI übergehen. Dann sind wir nicht
stiegsmöglichkeit nach zwei oder vier Georg Hetz im TREND-REPORT- Prinzip tun wir das gerne, die Voraus- nur Finanzdienstler, sondern auch
Jahren. Der Kunde kann sich also ent- Gespräch: „Viele unserer Kunden setzung ist aber eine Wirtschaftlich- Energieerzeuger.
scheiden, ob er das Geld braucht oder tätigen Anschlussfinanzierungen keitsprüfung: Dabei müssen die Anla-
woanders bessere Zinsen bekommt. nach Erhalt ihrer Gelder.“ gen nicht nur die Zinsmarge von 6,5 www.udi.de
10 Nachhaltige Geldanlage | Oktober 2015 TREND REPORT

Der Staatsrat in Peking hat auch mit


Blick auf das Thema „Vernetzte Gesell-
Steigendes Volumen rekte Engagements in bereits existie-
rende Aktien, Anleihen, Fonds oder
schaft“ bis zum Jahr 2020 den Bau von Aufteilung nachhaltiger Geldanlagen andere Vehikel jener Unternehmen,
Aufladestationen für fünf Millionen die von Fachleuten mit Umweltsiegeln

Quelle: Forum Nachhaltige Geldanlagen, Jahresbericht 2014


strukturierten Finanzprodukte der Schweiz addiert.
Elektro-Automobile angekündigt. Viele 50,3 ausgezeichnet worden sind.
70,6
Anleger, die sich auf das Thema E-Mo- Kundeneinlagen und 4000
*Zu den Investmentfonds wurden auch die

bility konzentrieren, haben in der Ak- Eigeneinlagen Festverzinsliche Anlagen


tie des E-Mobility-Pioniers Tesla Mo- Mandate und wichtige
3000 Indizes 2 483
tors hohe Kursgewinne eingefahren.
Chinesische Umweltaktien und Titel in- Investmentfonds* Für den weniger risikobereiten
2000
1 448
ternational führender Umweltfirmen Gesamtvolumen
Anleger bietet die UDI – UmweltDi-
1 056
mit hohem China-Anteil bieten mittel- 197,5 Milliarden Euro rektInvest – eine interessante kurzfristi-
1000
und langfristig riesiges Kurspotential. ge zinsbringende Investment-Variante.
76,6 Gefragt ist dabei in0 jüngster Zeit nach
Neben direkten Investments Angaben von Gründer41,9 Hetz in-60,4
Georg 53,5
in Beteiligungen solcher und anderer zwischen u. a. auch Ausschlüsse inklusive Overlay
das neue Produkt
Öko-Player in der Form von Crowd- 197,5 Milliarden Euro schwer war das Marktvolumen Ende 2104 bei nach- UDI Energie Festzins Ausschlüsse Fonds
IX, das eine län- & Mandate
Investments bieten sich für Anleger di- haltigen Geldanlagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. gere Laufzeit und eine gleichzeitig be-
stehende Ausstiegsmöglichkeit nach
zwei oder vier Jahren bietet. Interessant
sind grüne Investments in innovative
Index-Produkte (Fonds, Zertifikate oder
Einfacher Weg zur doppelten Rendite ETF). Die das ökologische Bewusstsein
von Unternehmen messenden Nach-
Georg Schürmann, Geschäftsführer der genen internationalen Research-Team Fokus auf der Philanthropie oder den haltigkeitsindizes existieren bereits seit
Triodos Bank N.V. Deutschland, stellt sehr genau kontrollieren können, dass finanziellen Erträgen zu haben, son- 1990. Inzwischen gibt es unzählige mit
im Gespräch mit der TREND-REPORT- unsere strengen Anlagerichtlinien und dern beides miteinander zu kombinie- Sozial-, Umwelt- und Governance-
Redaktion dar, wie Anleger mit ihrem -grundsätze auch umgesetzt sind. Zur ren. Die Triodos-Bank und andere Nach- Filtern ausgestattete CSR-Indizes. Alle
Geld nicht nur eine finanzielle Rendite Auswahl der Unternehmen, die in un- haltigkeitsbanken haben in den letzten großen Index-Provider (Dow Jones,
erzielen. ser Anlageuniversum aufgenommen Jahrzehnten bewiesen, dass dies er- S&P, MSCI, Stoxx, Bloomberg, Reu-
werden, nutzen die Kollegen ein mehr- folgreich möglich ist und nachhaltige ters etc.) bieten entsprechende globale,
Herr Schürmann, was muss man sich stufiges System, um zu überprüfen, dass Geldanlage eine doppelte Rendite regionale und auch Branchen-Messlat-
unter einer Nachhaltigkeitsbank vor- unsere Anforderungen z. B. in den Be- bringt – gesellschaftlichen Mehrwert ten.
stellen? reichen Transparenz, Umwelt, Soziales und finanzielle Rendite. Ein Beleg da-
Im Prinzip gehen wir der ursprüng- und Governance eingehalten werden. für, dass dem tatsächlich so ist, zeigt Bei der Auswahl des besten Index soll-
lichsten Aufgabe einer Bank nach. Wir sich an der Entwicklung unserer Bank ten Anleger eigene Wertvorstellungen
nutzen die uns von unseren Kunden Müssen Anleger von nachhaltigen Pro- und unserer Investmentfonds. Unsere und Nachhaltigkeitskriterien festlegen
anvertrauten Gelder und investieren dukten denn auf Rendite verzichten? SRI-Fonds werden nicht nur für ihre und sich danach für Investmentpro-
diese in Unternehmen, Projekte und Nein, denn wir glauben fest daran, nachhaltigen Kriterien ausgezeichnet, dukte und Indizes entscheiden. Unter-
Institutionen. Allerdings finanzieren wir dass finanzielle Rendite nicht das Ziel, sondern erzielen auch im Bereich der stützung und Hilfe bieten dabei die
ausschließlich in den Bereichen Um- sondern die logische Konsequenz aus finanziellen Performance nachhaltig Initiativen des Forums Nachhaltige
welt, Soziales und Kultur und unter- nachhaltigem Handeln ist. Wichtig ist gute Ergebnisse. Geldanlagen (FNG). Dieser Fachver-
stützen damit den gesellschaftlichen es dabei, nicht den ausschließlichen band hat jetzt ein neues Qualitätssiegel
Wandel. Dabei machen wir jede Finan- Nachhaltigkeitsinitiativen und -stra- für nachhaltig agierende Publikums-
zierung transparent und veröffentli- tegien: Ein neuer Trend im Banken- fonds kreiert, im Rahmen dessen be-
chen die Wirkung, die Anleger mit ih- sektor – und eine Antwort auf den Ver- stimmte Mindestkriterien erfüllt wer-
ren Einlagen erreichen. Beispielsweise trauensverlust durch die Finanzkrise? den müssen. Grundlage sind die Inhal-
wurden 2014 durch von der Triodos- Als Europas führende Nachhaltigkeits- te des „Global Compact“ der Vereinten
Gruppe finanzierte Projekte etwa 20 000 bank haben wir, anders als viele ande- Nationen (UN). Berücksichtigung fin-
Plätze in Senioren- und Pflegeheimen re Unternehmen, keine spezielle Nach- den müssen in diesem Kontext Regeln
geschaffen und im Bereich erneuer- haltigkeits- oder CSR-Strategie, nach für die Einhaltung von Menschen- und
bare Energie genug Strom für den Jah- der wir unser Geschäftsmodell ange- Arbeitsrechten sowie Vorschriften des
resbedarf von mehr als einer Million passt haben. Die Bank ist bereits vor Umweltschutzes. Auch die Bekämp-
europäischen Haushalten erzeugt. 35 Jahren aus diesem Prinzip heraus fung von Korruption und der Aus-
Bildmotiv Copyright: Triodos Deutschland GmbH

entstanden und das komplette Ge- schluss von Waffen und Kernkraft im
Sie bieten auch Investmentfonds an. schäftsmodell ist an diesen Grundsät- Anlagespektrum sind einzuhalten.
Wie stellen Sie in dem Bereich den zen ausgerichtet. So sind wir z. B. ein
Nachhaltigkeitsgedanken sicher? Pionier im Bereich erneuerbare Ener-
Im Anlagebereich bieten wir nur eige- „Finanzielle Rendite ist nicht gien und haben 1984 das erste Wind-
ne Produkte an, wie beispielsweise das Ziel, sondern die logische rad in den Niederlanden finanziert. #GreenFinance
unsere nachhaltigen SRI-Investment- Konsequenz aus nachhaltigem
fonds, bei denen wir mit unserem ei- Handeln“, so Georg Schürmann. www.triodos.de
TREND REPORT Oktober 2015 | Vernetzte Gesellschaft 11

Vernetzte
Gesellschaft
W
Die digitale er hätte vor über das Internet. Dabei greifen 42
dreißig Jah- Prozent der User auf das mobile Inter-
Transformation ren gedacht, net mittlerweile ebenso häufig zu wie
dass heute auf das stationäre Internet oder sogar
verändert Wirtschaft, rund 28 bereits häufiger (2014: 31 Prozent),
Millionen Deutsche ab 16 Jahren das wie das Marktforschungsinstitut Nord-
Politik und Gesellschaft. mobile Internet täglich oder mehrmals light Research in seiner aktuellen
wöchentlich nutzen, vorzugsweise per Trendstudie „Mobile Internetnutzung
Smartphone. Dass die meistgenutzten 2015“ feststellte.
Anwendungen private E-Mails (61
Prozent der Nutzer), kurze Suchma- Und noch ein paar Zahlen, die den
schinenabfragen (60 Prozent), News- Trend unterstreichen sollen: Laut Flur-
Empfang (51 Prozent) sowie soziale ry Analytics nutzen mehr als 250 Milli-
Netzwerke (48 Prozent), allen voran onen Menschen täglich mehr als 60
Facebook, sind. Oder Mobile Banking Mal eine App auf ihrem Smartphone
(22 Prozent) und Mobile Shopping (elf oder Tablet-PC, wobei an der Spitze
von Brigitte Kasper, Prozent) sowie Radiohören (15 Pro- mit Abstand Messaging- und Social-
b.kasper@trendreport.de zent) und Fernsehen (neun Prozent) Media-Apps stehen. In Deutschland
12 Vernetzte Gesellschaft | Oktober 2015 TREND REPORT

wird der App-Markt zum ersten Mal Smartphone, Tablet-PC oder Laptop wir leben, lernen, arbeiten und kom- Konkurrenz von jungen, innovativen
die Milliarden-Marke knacken. Der anschauen. Und das sind nur die priva- munizieren. Kaum ein Bereich ist da- und flexiblen Unternehmen, die nah
Branchenverband Bitkom erwartet für ten Nutzer. Die Entwicklung macht von ausgenommen, von der Bildung, am Kunden agieren und sich nicht mit
2015 einen Umsatz von 1,3 Milliarden natürlich vor der Geschäftswelt nicht inklusive freier und frei zugänglicher überholten Hierarchien, veralteten Ar-
Euro. Auch wird immer mehr auf On- Halt. So wird sich laut einer Umfrage Bildungsinhalte, über das Gesund- beitsweisen und starren Geschäftsmo-
line-Speicherdienste vertraut. Fast ein von Equinix die Zahl der Unternehmen, heitswesen, das sich so besser auf den dellen abplagen müssen.
Drittel (32 Prozent) der Internetnutzer die bis 2017 Interkonnektivität einset- demografischen Wandel und die Aus-
in Deutschland verwenden bereits Ser- zen werden, von aktuell 38 Prozent auf dünnung ländlicher Gebiete einstellen Die Dynamik dieser Entwick-
vices wie zum Beispiel Dropbox, Tele- 84 Prozent mehr als verdoppeln. Die kann, bis hin zu neuen finanzwirt- lung macht das Vorhersagen von dem,
kom Cloud oder Apples iCloud, um Geschäftsmodelle der Unternehmen schaftlichen Techniken und Konzepten was wann wie eintreten wird, schwieri-
ihre Fotos, Musikdateien, Filme und werden dann zunehmend voneinander (Stichwort: FinTechs). Dabei darf auch ger. Oft werden die Prognosen vom re-
andere Daten sicher auszulagern. Nicht abhängen und die Vernetzung jeglicher schon mal die Frage gestattet sein, ob alen Geschehen überholt. Eine schwere
zu vergessen TV-Everywhere-Lösungen, Endgeräte, ob von Verbraucher oder wir künftig überhaupt noch Bargeld Aufgabe für Unternehmen, die von Be-
mit denen das Bewegtbild auf allen Mitarbeiter, an jedem Ort und zu jeder benötigen? Bargeldlose Zahlungsme- rufs wegen im Sinne Ihrer Kunden die
Endgeräten verfügbar wird. Hier mach- Zeit wird zum Standard. Natürlich ist thoden finden immer mehr Akzeptanz Entwicklungen beobachten, analysie-
te die ANGA für ihre Studie zum Me- es mittlerweile eine Binsenweisheit, unter den Kunden und in den entspre- ren und einordnen müssen. Ungleich
dienkonsum der Zukunft bereits 56 dass Digitalisierung und Vernetzung chenden Unternehmen ebenso. Alther- schwieriger noch für die Finanzbran-
Prozent Nutzer aus, die sich Fernseh- der Gesellschaft unser aller Leben gebrachte Geschäftsmodelle werden auf che. Hier vertrauen die Kunden der
sendungen und Videos auch auf ihrem nachhaltig umkrempeln werden. Wie den Prüfstand gestellt und erhalten Qualität der Analysen und den darauf

Literatur
Digitale Evolution: Viel Luft nach oben
Dem Internet und seinen vielfältigen Phase der Ermüdung und Erschöp- Potenzial als wir bisher geglaubt ha-
Die Zukunft der ver- Plattformen gehört die Zukunft. Da- fung. Der Fokus des mit einzigartigem ben“, begründen die Fachleute ihr ak-

netzten Gesellschaft von jedenfalls ist Huub van der Riet,


leitender Portfolio-Manager des
Investment-Ansatz aufwartenden „NN
(L) Global Equity Opportunities“ ist
tuelles Faible für die Cloud-Ökonomie.
Die direkten und indirekten Effekte der
Investmentfonds „NN (L) Global auf sieben globale Investment-The- Internet-Plattformen sind dem generel-
Equity Opportunities“, überzeugt. men ausgerichtet: 1 – Wirtschafts- len Investment-Thema „Digitale Revo-
wachstum, 2 – technologische und in- lution“ zuzuordnen. Das Potenzial der
Denn die Menschheit nutzt die durch dustrielle Innovation, 3 - verändertes Nutzung zum Beispiel im elektroni-
das Internet gebotenen Möglichkei- Konsumentenverhalten, 4 – veränder- schen Handel, bei sozialen Netzwerken,
ten bei der Beschaffung von Waren te Umwelt, 5 – digitale Revolution, 6 – Suchmaschinen, Online-Spielen, Video
und der Abwicklung von Dienstleis- soziale und politische Veränderungen sowie bei der Digitalisierung der Finanz-
tungen immer stärker. Dabei muss und 7 – demografische Veränderungen. welt (Banken und Börsen) ist riesig.
auch beachtet werden, dass zahlrei- Es sollte nicht übersehen werden,
che Online-Transaktionen in der Folge dass globale Themen und so genann- „Dieser Trend hat noch eine lange
direkt Offline-Transaktionen nach sich te Megatrends Branchen- und Länder- Wegstrecke zurückzulegen“, sagt van
ziehen. Interessante Opportunitäten effekte bei der Kapitalanlage immer der Riet, der der virtuellen „Cloud-
sucht und findet van der Riet mit sei- stärker überlagern und ersetzen. Wirtschaft“ noch sehr viel zutraut. Die
„Neue Spielregeln, neue Spielma-
nem Team von NN Investment Part- Experten setzen in diesem Kontext
cher“ ist wohl der richtige Tenor für die
ners immer wieder, wie die Wertent- Ein wichtiger Schwerpunkt des Fonds- auch darauf, dass die Innovationskraft
zuküftigen digitalen Szenarien, die die
wicklung des global investierenden Portfolios ist gegenwärtig auf das bei im Netz der Netze bei weitem noch
Autorinnen Karin Frick und Bettian Hö-
themenbasierten Aktienfonds zeigt. weitem noch nicht ausgenutzte Poten- nicht erschöpft ist und sich daher in
chel in ihrer Studie beschreiben. Das
Seit Auflegung im Jahr 2006 hat die- zial des Internets ausgerichtet. „Die der Zukunft noch zahlreiche neue Ge-
von der Swisscom in Auftrag gegebene
ser Fonds eine Gesamtrendite von Wirtschaft im Web hat wesentlich mehr schäftsfelder erschließen dürften. Der
Werk beschreibt in Form von lebendi-
83,64 Prozent - und damit mehr Siegeszug der Cloud-Ökonomie
gen Fallbeispielen unsere digitale Zu-
als die entsprechende Bench- ist nicht zuletzt am kräftig stei-
kunft. Herausgeber ist das Gottlieb
mark – erzielt. genden Anzeigenaufkommen
Duttweiler Institute in Zürich.
abzulesen. Noch im Jahr 2014
Die Experten von NN Investment lag der Umsatz des globalen
„Lassen Sie sich mitnehmen auf eine
Partners sind bei der Jagd nach Anzeigengeschäfts bei rund
faszinierende, inspirierende, aber auch
Rendite und Performance stets 550 Mrd. $, wovon 27 Prozent
herausfordernde Reise in die Zukunft.
Bildmotiv Copyright: flickr.com / Esther Vargas

auf der Suche nach interessanten auf digitale Anzeigen entfielen.


Vor allem aber: Starten wir die Diskus-
globalen Themen. Der Lebenszy- Bis zum Jahr 2018 wird ein An-
sion über die Zukunft heute“, so Urs
klus neuer Themen und Mega- stieg auf knapp 700 Mrd. $ und
Schaeppi, CEO Swisscom AG, im Vor-
trends durchläuft in der Regel eine Steigerung des digitalen
wort der Studie.
vier Etappen, nämlich die Entste- Anteils auf mehr als 45 Prozent
hungsphase, die Akzeptanz und prognostiziert.
Die kostenfreie Studie kann unter
Auseinandersetzung mit dem Digital vernetzt: die Generation Smartphone
info@gdi.ch bestellt werden.
Thema, die Reifephase sowie die sorgt für ein kräftiges Wachstum der Branche. www.nnip.com
TREND REPORT Oktober 2015 | Vernetzte Gesellschaft 13

aufbauenden Beratungen. Ihr finanzi-


eller Erfolg ist gleichermaßen der Er-
folg des beratenden Unternehmens. Wissensaustausch auf allen Kanälen
Zu Letzteren gehört NN Investment Gastbeitrag von Jürgen Wiesmaier,
Partners. Die Experten des Asset-Ma- Vorstand der compeople AG
nagers beobachten die Geschehnisse
rund um das Internet und die Online- Im digitalen Zeitalter verändert der
plattformen für die Fonds-Entwick- neue Umgang mit Wissen bislang
lung aufmerksam und sehen in der vertraute Denk- und Arbeitsweisen.
Wirtschaft im Web ein enormes Poten- Wissen wird vor allem im Austausch Jürgen Wiesmaier sieht in
zial, das aber zum großen Teil noch mit anderen weiterentwickelt und der Förderung neuer Event-
brach liegt. Huub van der Riet, leiten- wächst dabei immer schneller. Grund formate eine große Chance
der Portfolio-Manager des Investment- hierfür ist, dass eine zunehmende für die compeople AG, ihr
fonds „NN (L) Global Equity Oppor- Zahl an Experten ihr Wissen bereit- Fachwissen im Austausch
tunities“, erwartet daher noch viel von willig mit Gleichgesinnten, d. h. an mit externen Fachexperten
der virtuellen „Cloud-Wirtschaft“. Er ihren Themen Interessierten teilt. weiterzuentwickeln.
zweifelt nicht an der großen Innovati-
onskraft der Internetwirtschaft, an de- Insbesondere in der IT-Branche tau-
ren Mut, Kreativität und Euphorie. schen sich Mitarbeiter immer häufiger alle Teilnehmer neue Erkenntnisse ge- fest verankert. Unsere Mitarbeiter er-
auch außerhalb ihres unmittelbaren winnen. Die einen erhalten schnelles halten u. a. zeitliche Freiräume für die
FinTechs, Mobile Payment Arbeitsumfeldes aus. Hierfür nutzen Feedback, wie sie ihr Produkt optimie- Teilnahme an Workshops zu neuen
und Crowdinvesting sie neben Social-Media-Plattformen ren können, die anderen bekommen Technologien, das Halten von Vorträ-
neue Veranstaltungsformate, die sie Anregungen für ihre Projekte. Der gen auf Fachkonferenzen oder ein En-
Überhaupt: die Finanz- und Banken- oft selbst entwickeln und in deren Eventrahmen mit gesponsertem Es- gagement in der Open-Source-Com-
branche, sie steht vor schweren Zeiten. Mittelpunkt der persönliche Aus- sen und Getränken sorgt für einen le- munity. Mit den neuen Eventformaten
Mit „Banken und Versicherungen im tausch sowie die Zusammenarbeit an bendigen sowie offenen Austausch bieten sich jetzt zusätzliche Möglich-
Taumel der digitalen Transformation“ Themen und Projekten in lockerer At- miteinander. keiten zum Wissensaustausch. Die
überschrieb Unic, ein Anbieter von in- mosphäre stehen. Hierzu zählen u. a. compeople AG stellte zum Beispiel für
tegrierten E-Business-Lösungen, die Bar-Camps und Demo-Camps oder Solche neuen Veranstaltungsformate, eines der ersten Usability-Testessen in
Vorstellung seiner aktuellen Bench- Open-Space-Konferenzen. die das persönliche Miteinander för- Frankfurt die Räumlichkeiten und Ver-
marking-Studie zum Agieren der Insti- dern, verbreiten sich schnell und er- pflegung bereit. Gleichzeitig motivier-
tute in der digitalen Welt. Dieser Tau- Ein noch wenig bekanntes Veranstal- weitern die bisherigen, virtuellen Aus- ten wir unsere Mitarbeiter dazu, an die-
mel geht zu großen Teilen auf soge- tungsformat ist das „Usability-Test- tauschmöglichkeiten über Social Me- sem Event teilzunehmen. Durch diese
nannte FinTechs zurück, die die essen“. Hier treffen sich IT-Experten dia. Es entsteht eine neue Kultur des Offenheit für neue Wege, Wissen wei-
tradierten Geschäftsmodelle derzeit ge- unterschiedlicher Disziplinen aus un- gemeinsamen Generierens und Tei- terzuentwickeln und zu verbreiten, ge-
hörig aufmischen. Mithilfe dieser mo- terschiedlichen Branchen und Arbeits- lens von Wissen. Dies haben wir bei stalten wir bei der compeople AG un-
dernen Finanztechnologien stellen zu- kontexten wie Start-ups, große und der compeople AG, IT-Dienstleister seren internen Wissensfluss lebendig
meist Start-ups und junge Unterneh- kleine Unternehmen, Agenturen so- und Experte für innovative Vertriebs- und bauen unser Know-how kontinuier-
men, die nicht direkt dem Bankensektor wie Freiberufler. Sie testen zum Bei- lösungen für Unternehmen der Fi- lich aus. Damit sind wir gut aufgestellt,
zuzuordnen sind, finanzielle Dienst- spiel Desktop-Anwendungen, Web- nanzdienstleistungsbranche, früh er- um – eng vernetzt mit externen Fach-
leistungen bereit. Der Fantasie bei dem sites oder Mobile Apps auf ihre Ge- kannt. Wir nutzen die neuen Formate experten – unsere Kunden auch in Zei-
Austüfteln der Geschäftsmodelle schei- brauchstauglichkeit hin. Diese stellen gezielt für die Intensivierung des be- ten schnellen Wandels als kompeten-
nen dabei keine Grenzen gesetzt zu sein.


einzelne Teilnehmer vor ihrer Veröf- reichs- sowie unternehmensübergrei- ter IT-Lösungspartner zu unterstützen.
Die Services der FinTechs reichen z.B. fentlichung bereit. Es werden mehre- fenden Fachaustauschs. Dieser ist seit
von Mobile Payment über Crowdlen- re Testrunden durchgeführt, in denen jeher in unserer Unternehmenskultur www.compeople.de
ding, Crowdinvesting und Cash-Pay-
ment bis hin zu Business-Intelligence
und zur Bereitstellung von Portfolio-
management-Tools. Geschäftsmodelle angreifen. Drei Dinge in den Mittelpunkt – jenseits von Lip-
würde er Finanzdienstleistern dringend penbekenntnissen. Helfen Sie Anlegern
Für Johann Horch, CEO der Deutschen mitgeben: „Erstens: Begreifen Sie Fin- beim Selber-Entscheiden.“ „Das Wich-
Software Engineering & Research GmbH Tech-Start-ups als Partner auf Augen- Banken und tigste ist, eine technische Plattform zu
(DSER) und damit einer der Chefs ei- höhe und suchen Sie Kooperationen. schaffen, die digitale Innovationen ver-
nes ebensolchen FinTechs, „haben die Zweitens: Öffnen Sie Ihre Denkweisen. Versicherungen einfacht“, rät Jan Webering von der Se-
venval GmbH. Er propagiert das soge-
etablierten Banken die neuen technolo-
gieorientierten Marktakteure nicht ernst
Mit Wagenburgmentalität lässt sich kein
Geschäftsmodell schützen. Die Zukunft
im Taumel nannte Dynamic Serving, denn „ohne
Bildmotiv Copyright: Compeople AG

genommen und das disruptive Poten-


zial, das der digitale Wandel für ihre
der Finanzdienstleistung liegt in digita-
len Ökosystemen und in der optimalen
der digitalen einen Frontend-Server mit der entspre-
chenden Software ist man schnell ein
Geschäftsmodelle birgt, unterschätzt.“ Nutzung von Daten und IT. Transpa- Transformation Gefangener unangenehmer Umstän-
Sie seien zwar jetzt aufgewacht, sähen renz, Flexibilität und Vernetzung sind de“, wie zum Beispiel von den IT-Si-
sich aber nun einer Vielzahl innovati- die Stichworte. Und drittens: Stellen los, die in fast jedem größeren Unter-
ver, neuer Firmen gegenüber, die ihre Sie den Kunden wirklich und ehrlich nehmen entstehen, von unterschiedli-
14 Vernetzte Gesellschaft | Oktober 2015 TREND REPORT

chen Content-Management-Systemen von E-Mails. Sie sind heute Normali-

Finanzcommunity für alle für die verschiedenen Länderwebseiten


oder auch von veralteten Datenbanken
tät. Heutige Business-Apps gehen oft
weiter und bieten in diversen geschäft-
im Backend, deren Daten nicht so ein- lichen Situationen und Aufgaben Un-
Die alte Welt der Finanzdienstleis- gen Banken und freien Finanzbera- fach in modernisierte Datenbanken zu terstützung. Mit der RasmusApp von
tungen steckt mitten im digitalen tern zum Einsatz“, erläutert Horch. übernehmen sind. Zusätzlich „braucht Bozek Systemtechnik können bei-
Wandel und erlebt das, was manch es offene Banking-Schnittstellen, inter- spielsweise Informationen zur Tetra-
andere Branche bereits hinter sich Anlegen mit „Robo-Advice“ aktive Communities und die Verknüp- Funkversorgung im Freifeld oder für
hat: Sie wird neu erfunden. Johann Fakt ist: Mit der Finanzkrise begann fung mit den besten Tools, die die An- die Objektversorgung in Gebäuden zur
Horch, CEO der Deutschen Soft- das Vertrauen der Kunden in Banken lageberatung hergibt“, ergänzt Johann Verfügung gestellt werden.
ware Engineering & Research GmbH und Berater zu sinken und die Aus- Horch. Die technischen Voraussetzun-
(DSER), berichtet, wie Kunden und wirkungen der Digitalisierung mach- gen seien da. Oder nehmen wir die AlphaCity-App.
Marktteilnehmer von dieser Entwick- ten neue Erwartungen deutlich. Horch: Mit ihr gibt Alphabet den Nutzern seiner
lung profitieren, was die neue Fi- „Kunden wollen auch in der Geldan- Mobile Apps für die Corporate-Carsharing-Lösung Alpha-
nanzcommunity niiio hier beitra- lage, was in ihrem Smartphone-Alltag „mobile Community“ City ein Tool an die Hand, mit dem sie
gen kann – und warum Robo-Ad- die Benchmark ist: einfache Bedien- bequem von unterwegs Fahrzeuge bu-
visors ohne den Faktor Mensch barkeit, flexible Services, ausgefeilte Die Gesellschaft vernetzt sich zuneh- chen, aktuelle Buchungen einsehen
nicht auskommen. Suchfunktionen, passgenaue Infor- mend mobil: Es wird mobil kommuni- und verwalten sowie sich direkt mit der
mationen und Vernetzungsmöglich- ziert und gearbeitet, im Internet ge- AlphaCity-Hotline verbinden lassen
„Menschen wollen nicht reich wer- keiten. Und vor allem wollen sie selbst surft, Daten werden mobil übertragen können. Aktuell arbeitet der Leasing-
den. Sie wollen schlicht und einfach entscheiden.“ Wieso also nicht eine und Bankgeschäfte erledigt, es wird und Full-Service-Anbieter an Mobili-
nicht arm werden“, sagt Johann Horch. Finanzcommunity-Plattform schaffen, mobil gespielt, eingekauft und bezahlt, tätsangeboten, die weit über die Nut-
Eine Erkenntnis, die den Geschäfts- die all das bietet und auch noch Ban- Flugzeuge und Reisen werden gebucht, zung von Dienstwagen hinausgehen
führer des Technologie- und Soft- ken und Beratern neue Wege in die Tickets bestellt. Die Liste könnte noch sollen, z.B. einer App, die unterschied-
warehauses aus dem sächsischen digitale Welt aufzeigt? Die DSER-Toch- lange so weiter geführt werden. Die liche Verkehrsmittel mit einbezieht.
Görlitz unternehmerisch antreibt. Seit terfirma niiio wurde geboren.
mobilen Geräte, allen voran Smart-
der Gründung 2006 dreht sich bei phones und Tablet-PCs, sind auch aus Dass die Entwicklung einer App aber
der DSER alles darum, das Anlegen „Der Clou von niiio liegt in einer neu-
dem Unternehmensalltag nicht mehr nicht zum Selbstzweck geraten, sondern
von Wertpapieren besser, einfacher artigen Kombination“, glaubt Horch
wegzudenken. Umso herausfordernder immer den Nutzen für den Kunden im
und vor allem sicherer zu machen. Als an sein FinTech-Start-up. „Wir stellen
Spin-off der Hochschule Zittau / Gör- unsere bewährten Experten-Tools zur
litz bedient sich die DSER des hoch- Überwachung und Optimierung von
komplexen Rechenkerns munio. „Un- Wertpapierdepots direkt den End-
TREND REPORT für Sie
sere mitdenkenden Portfoliomanage- kunden zur Verfügung.“ Robo-Advice
und Meta-Suchfunktionen helfen, auf Kopieren und verwenden Sie doch einfach die für Sie interessanten
ment-Tools und offenen Schnittstellen
Basis eines Anlegerprofils das richti- Inhalte aus TREND REPORT für Ihre Webseite oder teilen Sie unsere Re-
kommen im B2B-Bereich bei unzähli-
ge Portfolio zu finden. Profis können portagen mit Ihren Geschäftspartnern, Freunden und Kunden.
Musterdepots anlegen, Kunden die- Schulen und Lehrkräfte nutzen unsere freien Inhalte für ihren Wirt-
sen folgen oder sich bei Bedarf mit schaftsunterricht und experimentieren mit Interviews und Gastbeiträgen. Sie dürfen
„echten“ Menschen – Finanzberatern das Material remixen, verändern und darauf aufbauen.
und anderen Anlegern – persönlich Alle Inhalte aus TREND REPORT sind aus diesem Grund unter einer gemeinfreien
austauschen. Textlizenz (CC BY-SA 4.0 DE) von unserer Redaktion „wikipedia-kompatibel“ verfasst
worden. Speziell auch für den kommerziellen Einsatz!
Banking der Zukunft Folgende Bedingungen müssen Sie dabei beachten:
„Banking musste neu erfunden wer- Namensnennung (trendreport.de), Details zur Lizenz unter
den, damit Geldanlegen für Verbrau- www.trendreport.de/ausgaben
cher endlich zur natürlichsten Sache
der Welt werden kann. Mit niiio wol-
len wir hier unseren Beitrag leisten“, so
Horch. Im Verschwimmen alter Markt-
ist es, die Vielfalt der genutzten Geräte Auge behalten soll, ist für Wolfgang
grenzen und in der Vernetzung in di-
in die Unternehmensnetze zu integrie- Seybold, CEO der Cubeware Group,
gitalen Ökosystemen sieht er wichti-
ren, Zugriffe zu verwalten und für Si- selbstverständlich: „Wir entwickeln vor-
ge Entwicklungen. „Robo-Advice, die
cherheit zu sorgen, erst recht, wenn die nehmlich von der Bedarfsträgerseite
algorithmenbasierte Anlageempfeh-
privaten Geräte auch beruflich genutzt gedacht, weil es immer unser Ziel ist,
lung, wird künftig eine Riesenrolle
werden dürfen. „Bring your own De- dass Anwender das Ergebnis unserer
spielen, aber den menschlichen Aus-
vice“ (BYOD) ist kein Trend mehr, Entwicklungen sinnvoll und nutzbrin-
tausch nicht überflüssig machen. Im
sondern gelebte Realität. gend einsetzen können.“ Bezogen auf das
Bildmotiv Copyright: DSER GmbH

Gegenteil: Die Roboter erleichtern


neueste Cubeware-Produkt C8 Snack,
Johann Horch, CEO der DSER Anlageanfängern und Profis das Le-
Mobile Apps unterstützen dabei auch eine messengerbasierte Instant-BI-Re-
und ihrer FinTech-Tochter niiio: ben und schaffen Raum für Neues.“
im geschäftlichen Leben. Angefangen porting-Lösung (BI – Business Intelli-
„Banking musste einfach neu hat es mit Anwendungen zum Emp- gence) bedeute dies, dass man sich sehr
erfunden werden.“ www.dser.de, www.niiio.de
fangen, Verarbeiten und Beantworten genau angesehen hat, womit auch
TREND REPORT Oktober 2015 | Vernetzte Gesellschaft 15

„nicht-BI-affine“ Anwender umgehen Usability optimiert werden. „Gerade Literatur


können und wie sie ihren Informati- im digitalen Zeitalter spielt Usability
onsbedarf gedeckt haben wollen. „So eine wichtige Rolle bei der Realisierung
sind wir auf das Thema Messenger ge- zukunftsfähiger IT-Anwendungen. Da- Die Digitalisierung markiert das Ende
stoßen. Jeder Smartphone-Besitzer ver- her freuen wir uns über die Initiierung der Schriftkultur. Der Gießener Sprach-
wendet sie immer und überall, die des Usability-Testessens“, betont Jür- wissenschaftler und Computerlinguist
Benutzung ist vertraut und benötigt gen Wiesmaier, Vorstand der compeo- Prof. Dr. Henning Lobin untersucht in
keinerlei weitere Einschulung. Die In- ple AG. So nutzen die compeople-Mit- seinem im Campus-Verlag erschiene-
formationen können somit einfach, arbeiter das Usability-Testessen bereits nen Buch „Engelbarts Traum – Wie der
schnell und sicher konsumiert werden“, als zusätzliche Möglichkeit des Infor- Computer uns Le-
erklärt er. Selbstverständlich wurden mations- und Wissensaustauschs neben sen und Schreiben
auch Sicherheitsaspekte berücksich- ihrer engen Vernetzung und Kollabora- abnimmt“ den Wan-
tigt. Zudem mussten die Kosten pro tion über Firmen-Wiki, mobile Apps, del des Lesens und
User niedrig gehalten werden, um eine Prof. Dr.-Ing. Martin Gaedke, TU regelmäßige Mitarbeiterveranstaltungen Schreibens auf dem
Verbreitung an die vielen Mitarbeiter Chemnitz, macht an der Netzneut- und interne Projekte. Weg zu einer Digi-
zu ermöglichen. ralität unsere Innovationsfähigkeit
talkultur.
und unseren Standortvorteil fest. Heutzutage kann jeder, ob pri-
Wissensfluss, Kommuni- vat oder beruflich, diverse Kanäle zur www.scilogs.de/engelbart-galaxis/
kation und Bildung neues Veranstaltungsformat, das unter Kommunikation nutzen. Es gibt das blog.lobin.de
einer Creative-Commons-Lizenz durch- Telefon, per Festnetz oder mobil, Fax,
Usability stellt heutzutage einen zent- geführt wird, zur Aufgabe gemacht. E-Mail, Messaging-Services, Videokon- Außerdem lesenswert: Prof. Henning
ralen Erfolgsfaktor für mobile sowie Hier kommen Entwickler und Nutzer ferenzen, die sozialen Netze und derlei Lobins Blog „Die Engelbart-Galaxis“, in
auch für Desktop-Anwendungen dar. zusammen, um in lockerer Atmosphä- mehr. Die Digitalisierung macht es mög- dem die Themen des Buchs weiterge-
Um eine hohe Benutzungsfreundlich- re und bei gesponsertem Essen die Ge- lich, dass alle diese Kanäle in einer An- führt und mit tagesaktuellen Entwick-
keit zu erzielen, sollten die potenziellen brauchstauglichkeit von Prototypen, wendung zusammengeführt werden lungen verbunden werden.
Nutzer und ihre konkreten Nutzungs- Websites und Anwendungen zu testen. können, unter einer Oberfläche zur
erfahrungen frühzeitig in den Entwick- Die wesentlichen Schwachstellen sind Verfügung stehen und sich sowohl mo- ISBN 978-3-593-50183-3
lungsprozess eingebunden werden. Dies schnell ermittelt und das Testobjekt bil als auch über den Desktop nutzen
hat sich das „Usability-Testessen“, ein kann in kurzer Zeit im Hinblick auf lassen – „Unified Communications“

Mobile News: Bekannte Player, neue Formate


Gastbeitrag von Jan Webering, tant Articles geschlossene Systeme spürbar. Aber: Man bleibt dabei auf fen zu Millisekunden. Es bedeutet für
Gründer und Geschäftsführer der geschaffen, die mobil funktionieren Googles Seiten. Die Frage ist, wie viele Publisher erheblichen Aufwand, auf ei-
Sevenval Technologies GmbH und vom offenen Web unabhängig mobile Leser gewinnt ein Medienhaus gene Faust auch nur annähernd ähn-
sind. Beide bleiben damit dem Walled- dank kürzerer Ladezeiten? Und wie lich leistungsfähige Kanäle für die mo-
Die mobile Internetnutzung ist der Garden-Prinzip treu: Apple verdient viele verliert es, weil die Nutzer die bile Leserschaft anzubieten.
wichtigste Wachstumstreiber für di- mit dem für Smartphones geschaffe- Google-Plattform nicht mehr verlas-
gitale Geschäfte. Dass die drei gro- nen App-Store gutes Geld. Facebook sen, also dort weiterstöbern und nicht Der Aufwand für die Formatumwand-
ßen Player Facebook, Apple und hat als effektiver, mobiler Werbeplatz- auf den Seiten des Urhebers? Wir emp- lung zu AMP und die strategische Ab-
Google alle im gleichen Jahr Lösun- vermarkter mit der Facebook-App sei- fehlen, das Format zu testen und Er- wägung zum Nutzerverhalten, müs-
gen vorstellen, um das mobile Inter- nen Aktienkurs beflügelt. Nutzer, die fahrungen für die Nutzer und das eige- sen also mit dem Aufwand für eigene,
net für Publisher zu beschleunigen, ihre Zeit auf diesen Plattformen ver- ne Geschäftsmodell zu sammeln. Die mobile Kanäle abgewogen werden.
ist gewiss kein Zufall. bringen, sind für Google verloren. Das Performance-Vorteile sind eindeutig:
Unternehmen kann weder Sucherer- Mehrere Sekunden Ladezeit schrump- www.sevenval.com
Der Wettstreit um den mobilen Inter- gebnisse zu Inhalten dieser Plattfor-
net-Nutzer geht in die nächste Runde: men anbieten, noch Daten sammeln.
Unter der Führung von Jan
Apple News, Facebook Instant Articles
Webering entwickelt Sevenval
Bildmotiv Copyright: TU Chemnitz; Sevenval Technologies GmbH

und Googles Accelerated Mobile Pa- Google profitiert als Suchmaschine


Software für die schnelle und
ges sind ein neuer Anlauf, um die Ware und Werbeplatzvermarkter vom offe-
hoch qualitative Realisierung und
„Nachrichten“ für mobile Geräte nen Web. Dementsprechend ist die
Pflege von Webseiten und mobi-
schneller liefern zu können. So weit, Antwort ausgefallen: Google bietet
len Projekten. Sevenval hat be-
so gut. mit „Accelerated Mobile Pages“ (AMP)
reits mehr als 2 000 Mobile- und
ein Format für das offene Internet. Für
Web-Projekte umgesetzt. Die
Im Hintergrund ist es eine strategische den mobilen Nutzer erscheinen AMP-
Software von Sevenval unter-
Auseinandersetzung: Walled Gardens Artikel als Preview-Kästen in einer Ga-
stützt die Performance-Optimie-
vs. Open Web. Google steht unter Zug- lerie unter dem Eingabefeld für die Su-
rung von Websites und verein-
zwang. Die beiden größten Konkur- che. Mit einem Klick erscheint der ge-
facht die Projektentwicklung.
renten haben mit Apple News und Ins- samte Artikel, eine Ladezeit ist kaum
16 Vernetzte Gesellschaft | Oktober 2015 TREND REPORT

(UC) eben. Die aktuellen Entwicklun- „

Bildmotiv Copyright: CubewareGroup


Richtige Zeit, richtiger Ort gen im UC-Bereich stehen immer in
einem direkten Zusammenhang mit

Wie gelingt es, operativen Entschei- sich der Personenkreis, der die Infor-
den Anforderungen der Arbeitswelt, Gerade in
weiß Anne-Marie Ginn von Logitech:
dern die relevanten Informationen
zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu
mationen abrufen kann, von dem Per-
sonenkreis unterscheidet, der die In-
„Das zurzeit entscheidende Schlagwort Zeiten exponen-
ist Flexibilität. Flexible Arbeitszeiten
liefern? Hilfe bietet eine mobile App, formationen für seine täglichen Ent- der Mitarbeiter und weltweit verteilte tiellen Wachs-
mit der sich vordefinierte Abfragen scheidungen benötigt. Seybold: „Wir Teammitglieder erhöhen den Stellen-
per Messenger versenden lassen. wollten die entscheidungsrelevanten wert von virtuellen Kollaborationen tums brauchen
Informationen aus dem Elfenbein- und UC-Anwendungen mehr und
„Mobile Technologien sind heute Teile turm holen und dorthin bringen, wo mehr.“ Gearbeitet werde heute von wir echte
unseres Alltags geworden, die wir mit sie ihren Nutzen und ihre volle Wir-
großer Selbstverständlichkeit perma- kung entfalten können – zu den ope-
überall und zu jeder Zeit – auch in
kleinen und mittelständischen Unter-
Netzneutralität.


nent nutzen“, erklärt Wolfgang Seybold, rativ entscheidenden Mitarbeitern.“ nehmen.
CEO Cubeware Group. „Dem tragen
wir bei Cubeware in vielerlei Hinsicht „Technik ist Mittel zum Zweck“ Flexibilität gepaart mit einfacher Be-
Rechnung – etwa mit unserem neues- Dabei gelte es, die unterschiedlichen dienung und günstigen Kosten ist auch
ten Produkt Cubeware C8 Snack, ei- Anforderungen der Anwender zu be- bei den Videokonferenzsystemen ge-
nem messangerbasierten Instant-BI- rücksichtigen. So werde ein Data-Sci- fragt, weiß Ginn. Ausgedient haben
Reporting-Tool.“ Hintergrund ist eine entist mit einer mobilen Anwendung Gerät“, erklärt Frau Ginn. Entspre-
vielmehr große, raumbasierte Video-
Entwicklungspartnerschaft des BI- kein Auskommen finden, während ein chend wichtig ist es für sie, „dass sich
konferenz-Systeme. Videokonferenzen
Spezialisten mit dem amerikanischen operativ tätiger Mitarbeiter mit einem auch die Peripherie per Plug & Play mit
werden spontaner, öfter und standort-
IT-Unternehmen Chiemo. „Die Frage kompletten Frontend möglicherweise allen Geräten verbinden lässt. Kompak-
ungebundener durchgeführt – damit
nach einer messengerbasierten Re- überfordert sei. Daher verfolge Cube- te, portable Lösungen sollen es ermög-
einher gehen unter anderem Verände-
portinglösung wurde ganz konkret ware den Weg, „dem jeweiligen An- lichen, spontan und standortunabhän-
rungen der Bürolandschaft – viele klei-
in den USA an uns herangetragen“, wender das für ihn passende Werk- gig an virtuellen Meetings teilzuneh-
ne Meeting-Ecken und Mini-Konfe-
berichtet Seybold. Daraufhin habe zeug an die Hand zu geben.“ „Die men.“ Diese drei Gründe – Flexibilität,
renzräume bieten dort vermehrt Rück-
man mit Chiemo gesprochen und Technik ist immer Mittel zum Zweck, einfache Bedienung, günstige Kosten –
zugsmöglichkeiten. Meetingräume gibt
„festgestellt, dass wir die loT-Infrastruk- um sicherzustellen, dass der Entschei- sind sicher auch mit ein Grund dafür,
es also nach wie vor, nur immer weni-
tur von Chiemo um ein Messenger- der, ob operativ oder strategisch, im- warum Skype-Business nach wie vor in
ger große Räume mit teueren festinstal-
Frontend erweitern können, um den mer die richtigen Informationen zur Unternehmen einen solchen Stellen-
lierten Systemen. „Unified Communi-
Sicherheitsanforderungen der Unter- Verfügung hat, zu jeder Zeit, an jedem wert genießt, obwohl die Verbindun-
cations as a Service“ (UCaaS), also die
nehmen zu entsprechen.“ Auch ein Ort.“ Dabei muss sich der Entscheider, gen alles andere als sicher sind.
Verlagerung der Kommunikations- und
anderer Grund sprach für die Ent- der in der Regel am besten weiß, wel-
Kollaborationstools in die Cloud ist
wicklung einer entsprechenden App: che Informationen er in seinem jewei- Auch die Bildung und Weiterbildung
ein weiterer Schritt in diese Richtung.
Immer öfter werden Entscheidungen ligen Umfeld benötigt, mit dem BI-Ver- profitiert von den vernetzten Möglich-
„Vereint unter einer Benutzeroberflä-
fakten- und nicht bauchbasiert ge- antwortlichen abstimmen, damit „die keiten, seien es z. B. private Sprachkurse,
che sind sie überall verfügbar und mit-
troffen. Hier gibt es ein strukturelles Data-Governance gewahrt bleibt.“ zuhause durchgeführt via Skype mit dem
einander kombinierbar – auf jedem
Problem in vielen Unternehmen, da Wichtig ist insbesondere die Schnel-
ligkeit der Information. Das Schlüs-
selwort lautet „Instant“: Die Berichte
werden in Echtzeit generiert; der Mit-
arbeiter kann diese über sein Smart-
Mehrsprachig zum Erfolg
phone beziehen und auf dieser Basis
In einer globalisierten Wirtschafts- gruppe im Virtual Classroom oder indivi-
seine Entscheidungen treffen. Und wie
welt sind Fremdsprachenkenntnisse duell mit der Cloud-Lösung intensiv ihre
steht es um die Sicherheit der Ge-
unabdingbar – um mit Kunden ins Kommunikationsfähigkeit. Der Fokus
schäftsinformationen? Kein Problem,
Gespräch zu kommen, um im inter- liegt auf beruflichen Alltagssituationen,
versichert Wolfgang Seybold: Jeder
nationalen Team zu arbeiten und um wie etwa dem Verfassen von E-Mails
Kunde betreibe einen eigenen soge-
Missverständnisse zu vermeiden. oder Präsentationen, sowie intensivem,
nannten SubMessenger in seiner ab-
mündlichem Konversationstraining.
gesicherten Unternehmensumgebung,
Kommunikationsfähigkeiten ent-
die, durch eine Firewall gesichert,
scheiden heute über wirtschaftlichen Das System richtet sich nach den
komplett durch den Kunden verwal-
Erfolg. Mit der Blended-Learning-Lö- Bedürfnissen des Unternehmens und
tet wird. Weder Cubeware noch Chie-
sung von Speexx können Mitarbeiter lässt sich in jedes bestehende Learning-
mo hätten Zugriff auf diese Daten.
schnell und individuell eine Sprache Management-System (LMS) integrieren.
Zudem nutze man Verschlüsselungs-
erlernen – zugeschnitten auf ihr Busi- Mehr noch: Durch Big-Data-Analysen
technologie: „Immer sind die Nach-
ness und ihre Lerngeschwindigkeit. lässt sich vorhersagen, wann der Ler-
Wolfgang Seybold: „Der opera- richten zumindest end-to-end-ver-
nende möglicherweise ins Stocken ge-
tive Anwender hat die richtigen schlüsselt.“
Abgestimmt auf die Anforderungen rät, sodass der Trainer frühzeitig Hilfe
Informationen zu jeder Zeit und im Berufsleben, trainieren die Teil- anbieten oder nach den Gründen eines
an jedem Ort.“ www.cubeware.com
nehmer am Telefon, in einer Lern- drohenden Abbruchs fragen kann.
TREND REPORT Oktober 2015 | Vernetzte Gesellschaft 17

Sprachlehrer oder organisiert vom Ar- jetzt die Frage, „auf welcher Norm die
Bildmotiv Copyright: Alphabet Deutschland, digital publishing AG / Speexx

beitgeber in einer Lerngruppe über vir- Kommunikation der Geräte funktionie-


tuelle Klassenräume. Dabei können die ren wird.“ Entweder werde die Norm
E-Learning-Angebote mithilfe von Blen- demokratisch entwickelt und allen In-
ded-Learning-Lösungen an das jeweilige teressenten zur Verfügung gestellt oder
Business oder Fachgebiet und die indi- faktisch durch ein multinationales Un- Ursula Wingfield,
viduelle Lerngeschwindigkeit adaptiert ternehmen gesetzt. Klar, dass er Erste- Vorsitzende der
werden. Bei dem E-Learning-Anbieter res vorzieht. Beim EEBus könnten alle Geschäftsführung
Speexx helfen zusätzlich noch Big-Da- Unternehmen in das Vernetzungskon- Alphabet Deutschland,
ta-Analysen dabei, die Fortschritte der zept integriert werden. Ebenso werden im Interview mit
Lernenden subjektiv einschätzen zu bestehende Kommunikationssysteme TREND REPORT
können und – wenn nötig – Hilfe an- eingebunden, so Schneider. Marken-
zubieten oder – im umgekehrten Fall – und Technologieunabhängigkeit sei das

Vernetzte Mobilität
auch die Vermittlung des Lernstoffes zu hehre Ziel. Doch neben der EEBus-In-
beschleunigen. Armin Hopp, Gründer itiative gibt es noch andere Initiativen,
und Vorstand von Speexx: „Optimie- Allianzen, Kooperationen, die zum Teil
rungen auf der Grundlage von Big-Data- unterschiedliche Entwicklungen, Rich- Die moderne Flotte muss vielen An- bei bezieht er die Verkehrslage und
Analysen werden immer anonymisiert und tungen und Protokolle verfolgen und forderungen gerecht werden. Mitar- Verzögerungen mit ein und gibt ent-
streng im Rahmen deutscher und euro- andere Prioritäten setzen. Dies alles zu beiter möchten flexibel und schnell sprechende Updates – für Smart-
päischer Datenschutzgesetze geschehen.“ vereinen, wird seine Zeit brauchen. mobil sein, für Unternehmen zählen watch-Besitzer auch direkt ans Hand-
vor allem Effizienz und Nachhaltig- gelenk. Über GPS-Suche finden Fah-
Smart Home – IoT Für Martin Winkler, Chief Operating keit. Intelligente Mobilitätsservices ver- rer schnell umliegende Tankstellen,
Officer (COO) der LG Electronics knüpfen beide Ansprüche miteinan- Ladesäulen, Werkstätten und Service-
Die Krönung der Vernetzung und Di- Deutschland GmbH (LG) in Ratingen, der. Ursula Wingfield, Vorsitzende der partner. Auch ein Unfall-Reporting
gitalisierung unserer Gesellschaft wird steht im IoT die Nutzererfahrung im Geschäftsführung des Business-Mo- im Schadenfall ist möglich: Fotos der
das Internet der Dinge sein. Abermilli- Mittelpunkt: „Erst wenn ein IoT-Sze- bility-Anbieters Alphabet in Deutsch- Schäden am Wagen können über
arden von Geräten und Sensoren wer- narium zuverlässig funktioniert, wenn land, erklärt im TREND-REPORT-Ge- den AlphaGuide hochgeladen und
den ständig Messwerte aufnehmen und auch Geräte unterschiedlicher Herstel- spräch, warum Vernetzung auch im die Kontaktdaten des Unfallpartners
über stets verfügbare Netze zu wieder ler nahtlos zusammenarbeiten, wird der Fuhrpark ein wichtiges Thema ist. aufgenommen werden.
anderen Geräten, Rechnern, Speichern, Siegeszug des IoT in allen Bereichen
Druckern usw. übertragen – vom Smart wirklich durchstarten.“ Dafür müsse der Wie sieht moderne Unternehmens- Was haben Fuhrparkmanager von
Home bis zur Industrie 4.0. Bereits in „Server“ jedes vernetzten Hauses auf mobilität aus? der App?
den nächsten Jahren wird sich der Da- einheitlichen, herstellerübergreifenden Moderne Unternehmensmobilität ist Zeitersparnis. Wenn Fahrer selbstän-
tenverkehr in Mobilfunknetzen um Standards und Schnittstellen basieren. geprägt von Effizienz und Flexibilität. dig auf Services wie Servicepartner-
den Faktor Zehn erhöhen. Bis zum Jahr Dann könnte der Verbraucher in sei- Ein wirtschaftliches und nachhaltiges und Tankstellensuche oder Schaden-
2020 sollen dann bis zu 50 Milliarden nem Smart Home von jedem Endgerät Fuhrparkmanagement schließt auch reporting zugreifen können, bedeu-
Geräte weltweit einen Internetanschluss aus – egal ob TV-Gerät, Smartphone, zusätzliche Services wie etwa Versi- tet dies natürlich weniger Aufwand für
besitzen. Dietmar Schneider, Geschäfts- Tablet-PC, intelligentes Hausgerät usw. cherung, Schadenmanagement und den Fuhrparkmanager. Zudem haben
führer der EEBus-Initiative, stellt sich – die gleiche Nutzererfahrung haben. Tankkarte mit ein. Was die Flexibilität Fahrer eines Alphabet Leasingfahr-
angeht, so haben wir als Business- zeugs Zugriff auf ihre Vertragsdaten
Mobility-Anbieter die gesamte „User- und sehen auf einen Blick, wann bei-
Journey“ im Blick. Um schnell und spielsweise die Fahrzeugrückgabe
So hat Speexx eine Erfolgsquote von einfach von A nach B zu kommen – fällig ist. Auch mit dem Leasingvertrag
knapp 95 Prozent erreicht, während auch ohne eigenen Dienstwagen – verbundene Servicedienstleistungen
bei klassischen Anbietern ca. 50 Pro- lohnt sich etwa der Einsatz von Car- werden transparent dargestellt. Zeit-
zent der Teilnehmer ohne Abschluss Sharing. Unsere AlphaCity-Fahrzeuge aufwendige Abstimmungsschleifen
bleiben. Die Interpretation von Daten- lassen sich bequem online buchen. zwischen Fahrer und Fuhrparkmana-
schutz und die damit verbundene An- Zudem bieten wir Fahrern während ger entfallen somit.
wendung von Big Data ist internatio- ihrer Reise wichtige Services auch di-
nal sehr verschieden. In einigen Län- gital an. Mit unserer App AlphaGuide Wie geht es in puncto Vernetzung
dern ist es notwendig, umfassend über haben sie ihren persönlichen Mobili- im Fuhrpark weiter?
Erfolge zu berichten und detaillierte tätsberater immer zur Hand. Die Mobilitätsbedürfnisse treiben die
Einzelanalysen zu liefern – nach euro- Vernetzung voran. Deshalb entwi-
päischem Datenschutz undenkbar. Für Welche digitalen Mobilitätsservices ckeln wir den AlphaGuide kontinu-
Länder wie Deutschland gibt es da- sind gefragt? ierlich weiter. Noch in diesem Jahr
her eine anonymisierte Schnittstelle. Im Vordergrund stehen Funktionen, wird die elektronische Führerschein-
„So können wir die Vorteile von Big die die Alltagsplanung vereinfachen. kontrolle per App möglich sein, wei-
Data nutzbar machen, ohne die Rech- Einen großen Mehrwert bietet die tere Updates erfolgen 2016. Damit
Armin Hopp ist Gründer und Vor- te einzelner Lerner zu verletzen“, sagt App durch die Verknüpfung mit dem gehen wir den nächsten Schritt in die
stand von Speexx, einem Anbieter Armin Hopp, Vorstand von Speexx. Kalender des Nutzers. Der AlphaGui- Zukunft vernetzter Mobilität.
von Blended Learning für Unter- de erinnert ihn an wichtige Termine
nehmen. www.speexx.com/trendreport und den rechtzeitigen Aufbruch. Da- alphabet.de/alphaguide
18 Vernetzte Gesellschaft | Oktober 2015 TREND REPORT

trendreport.de Was aber machen wir mit der Unmen-

Bildmotiv Copyright: BMW Group, Logitech GmbH


ge an anfallenden Daten, die schon
jetzt und immer weiter gesammelt wer-
den? Die Algorithmen zur Analyse
Meinung werden immer weiter verbessert, Spei-
cherkapazitäten ausgebaut. Und dann?
Zukunftsforscher Gerd Leonhard denkt,
Mehr zum Thema Netzneutralität, In- dass „das IoT so lange nicht passieren
dustrie 4.0 und Web-Entwicklung: die wird, wie wir uns nicht einig sind, was
Redaktion im Interview mit Prof. Dr.-Ing. genau wir mit diesen Daten machen,
Martin Gaedke, TU Chemnitz: wem sie gehören und wer die Kontrolle
www.trendreport.de/martin_gaedke über sie hat.“

Grundlage Netz
Die BMW-i-Remote-App für die Smartwatch Samsung Gear S ist eine
Alle diese Anwendungen und Ge- Anwendung, die BMW-i-Fahrer nahtlos mit ihrem Fahrzeug verbindet – direkt
schäftsmodelle haben eins gemeinsam: über die Uhr am Handgelenk. Die App wurde entwickelt, um auf die wich-
Sie brauchen breitbandige Netze, da- tigsten Informationen ohne Umwege und in Echtzeit zugreifen zu können.
mit die Daten schnell, verzögerungs-
und verlustfrei übertragen werden
Die Redaktion sprach mit Gerd Leon- können. Weltweit laufen die größten Deutschlands eine Mindestgeschwindig- plädierten für den Auf- und Ausbau
hard, Futurist und Zukunftsberater, Anstrengungen zum Ausbau der Netze. keit von 50 Mbit / s auf den Datenau- von Glasfasernetzen, „um den Wirt-
über die vernetzte Gesellschaft und das In Deutschland geben die Breitband- tobahnen die Normalität sein. Aber nur schaftsstandort Deutschland zu stär-
Thema Industrie 4.0. Das aufschlussrei- strategie und die Digitale Agenda der eine Zwischennormalität, sind sich die ken und eine digitale Spaltung zu ver-
che Gespräch mit Herrn Leonhard ha- Bundesregierung den Rahmen vor. Bis Experten einig. Erst kürzlich forderten hindern“, so VATM-Präsident Martin
ben wir für Sie online aufbereitet und 2018 beabsichtigt der Bund, gut 2,7 führende Telekommunikationsverbän- Witt. In diesem Zusammenhang rückt
gemeinfrei veröffentlicht: Milliarden Euro in den Ausbau der de eine Neujustierung der deutschen auch der weitere Ausbau der Mobil-
www.trendreport.de/gerd_leonhard Netzverbindungen zu investieren. Spä- Breitbandpolitik, die Deutschland fit funknetze ins Bild. Derzeit wird gerade
testens dann soll in allen Regionen macht für die Gigabit-Gesellschaft. Sie die fünfte Mobilfunkgeneration (5G)

Produktiv und effizient – jederzeit und überall


Gastbeitrag von Anne-Marie Ginn, nen und Videokonferenzen ein ent- sein und sich möglichst unkompliziert Audioqualität: Vor allem bei Meetings
Head of Marketing, Collaboration scheidendes Puzzleteil. Sie ermöglichen per Plug-and-Play in Betrieb nehmen in Gruppen ist es wichtig, dass jeder
Group, EMEA at Logitech es, den Mitarbeiter aus dem Home-Of- lassen. Die Kamera wiederum sollte ein Teilnehmer gleich gut verständlich ist
fice mit den Kollegen im Büro und dem Full-HD-Bild und auch bei geringerer und ebenso gut hören kann. Eine Echo-
Die Arbeitswelt befindet sich im Um- Freelancer aus Übersee virtuell an ei- Übertragungsrate stabile, ruckelfreie und Rauschunterdrückung darf deshalb
bruch. Der viel zitierte Nine-to-five-Job nen Tisch zu bringen. Mit der entspre- Bilder ermöglichen. Gleiches gilt für die in keiner Lösung fehlen. Mit den Ver-
gehört mehr und mehr der Vergan- chenden Kommunikationslösung und änderungen in der Arbeitswelt geht
genheit an. Flexible Arbeitsmodelle den richtigen Peripheriegeräten stehen außerdem der Trend zu immer kleine-
bestimmen den Unternehmensalltag diese Kollaborationen der Produktivität ren Meetingecken und Mini-Konferenz-
und führen dazu, dass heute von über- und Effizienz einer Face-to-Face-Kom- räumen einher. Große, raumbasierte
all und zu jeder Zeit gearbeitet wird. munikation in nichts nach. Sie ermög- und teure Konferenzsysteme sind pas-
lichen es den Teilnehmern unter ande- sé. Um sicherzustellen, dass auch in
Befeuert wird dieser Trend mit dem rem, die Mimik und Gestik des Gegen- dieser Umgebung alle Teilnehmer ge-
Eintritt der nachrückenden Generation übers wahrzunehmen und zu lesen. sehen werden, sollte die Kamera über
in die Arbeitswelt. Im Jahr 2020 werden Missverständnisse können so schnel- einen ausreichend weiten Blickwinkel
die sogenannten Millennials bereits mehr ler erkannt und verhindert werden. und eine Schwenkfunktion verfügen.
als die Hälfte der Arbeitskräfte ausma- Die Zusammenarbeit insgesamt wird
chen. Sie setzen Mobilität, Flexibilität deutlich effizienter und zielführender. Videokonferenzlösungen der Zukunft,
und die entsprechenden Strukturen wie zum Beispiel unsere Logitech-
schlichtweg voraus. Eine Entwicklung, Entscheidend für den tatsächlichen Er- ConferenceCam Connect, sind kom-
die auch die Meetingkultur und Zu- folg der virtuellen Zusammenarbeit ist pakt, portabel und vor allem auch für
sammenarbeit in den Unternehmen aber, dass die verwendeten Videokon- kleine und mittelständische Unterneh-
verändert und weiter beeinflussen wird. ferenzlösungen einige wichtige Vor- Gastautorin Anne-Marie Ginn: men finanzierbar. Damit sind Unter-
aussetzungen erfüllen. Die Periphe- „Mit der richtigen Kommunikations- nehmen für die Zukunft gerüstet – je-
Um vor diesem Hintergrund konkur- riegeräte sollten mit allen gängigen lösung ste hen Videokonferen- derzeit und überall.
renzfähig zu bleiben, sind digitale, Unified-Communications- und Video- zen der Face-to-Face-Kommuni-
standortübergreifende Kollaboratio- konferenz-Anwendungen kompatibel kation in nichts nach.“ www.logitech.com
TREND REPORT Oktober 2015 | Vernetzte Gesellschaft 19

entwickelt. Spätestens 2020 soll sie kom- zuwirken. Moderne Telemedizindiens-


Bildmotiv Copyright: LG Electronics Deutschland

merziell nutzbar sein. Dabei wird nach


wie vor das Ideal von der Netzneutrali-
te wie der jüngst ausgezeichnete Tele-
notarzt-Dienst der Aachener Rettungs- IoT: Akzeptanz schaffen
tät hochgehalten. Es ist sogar im Koali- kräfte könnten dann überall eingesetzt
tionsvertrag von CDU, CSU und SPD werden. Noch ist das Internet der Dinge (In- Zukunft die Funktion eines zentralen
festgezurrt. Doch wie sieht die Wirk- ternet of Things – IoT) eine Vision, Servers bzw. einer zentralen Steue-
lichkeit aus? Für Prof. Martin Gaedke Auch ist es nur ein Mythos, dass die di- aber eine, an der bereits heftigst ge- rungseinheit. Eine Hauptrolle komme
von der TU Chemnitz sind die Diskus- gitale Transformation nur in den Hän- forscht und gearbeitet wird. in diesem Szenario der innovativen
sionen und Entwicklungen besorgnis- den der Generation Y liegt. Eine VM- OLED-Technologie zu, ist er sich si-
erregend. Zwar sollten „auf der Daten- ware-Studie räumt mit ihm auf. Danach Doch für Martin Winkler, Chief Opera- cher. „Die OLED-Technologie ist faszi-
autobahn des Internets eigentlich alle erkennen 68 Prozent der Mitarbeiter ting Officer (COO) der LG Electronics nierend“, schwärmt Martin Winkler.
Datenpakete gleich sein. Doch in der aller Altersgruppen die Relevanz digi- Deutschland GmbH (LG) in Ratingen, „Sie bietet eine überrragende Bild-
Realität sieht das anders aus, da werden taler Kompetenzen für die Wettbewerbs- ist schon jetzt klar: „Das Internet der qualität und die neuesten OLED-TVs
die Datenpakete durch die Netzbetrei- fähigkeit ihrer Unternehmen. Mehr als Dinge wird nur dann auf Verbrau- von LG sind mit schlanken 4,8 mm
ber analysiert, unterschiedlich abgerech- die Hälfte von ihnen (59 Prozent) ist cherseite weithin akzeptiert werden, mittlerweile dünner als jedes her-
net oder gar mit unterschiedlicher Qua- bereit, sich digitale Tools in der Freizeit wenn sich IoT-Szenarien unkompli- kömmliche Smartphone.“ Und da Dis-
lität übertragen.“ Er vermutet, dass es anzueignen. Und jeder Zweite (53 ziert nutzen lassen, d. h., wenn für plays in immer mehr Produktgrup-
in Zukunft sicherlich eine gesetzliche Prozent) fordert vom Arbeitgeber mehr Verbraucher von jedem Endgerät aus pen eine immer wichtigere Rolle
Garantie geben wird. Die Frage sei nur, Investitionen in technisch-digitale Wei- – egal ob es sich um einen TV, ein spielen, komme die OLED-Technolo-
„wie wird Netzneutralität im Gesetz de- terbildung. Smartphone, eine Smartwatch, einen gie künftig auch in vielen anderen
finiert?“ Kommt sie als Grundversor- Tablet-PC, ein intelligentes Hausgerät Geräten zum Einsatz, z. B. auch aus
gung daher und diejenigen, die mehr Womit wir bei den Führungskräften usw. handelt – die gleiche Nutzerer- dem Bereich weißer Ware oder bei
zahlen, werden trotzdem vorrangig be- sind. Zwar belegt eine Studie zu digita- fahrung gegeben ist.“ Für ihn soll das Wearables. Zu den Vorteilen, die die
IoT „das Leben der Menschen durch OLED-Technologie bietet, zählt er die
handelt? Prof. Gaedke macht an der len Transformationen von Materna
die Möglichkeiten innovativer Tech- vielfältigen Designmöglichkeiten im
Netzneutralität unsere Innovationsfä- und PAC eine hohe Veränderungsbe-
nologien einfacher machen.“ Genau Hinblick auf die Form – rund, gebo-
higkeit, unseren Standortvorteil fest. reitschaft in deutschen Unternehmen –
das steckt auch in dem Markenver- gen, eckig oder sogar flexibel –, die
„Gerade in Zeiten exponentiellen Wachs- jeder zweite Manager aus Vertrieb,
sprechen von LG – Innovations for a Möglichkeit, besonders dünne Dis-
tums brauchen wir echte Netzneutrali- Marketing und HR bereitet eine Digi-
better life. Sein Unternehmen sieht er plays zu fertigen – aber natürlich
tät“, lautet daher seine Forderung. talisierungsoffensive vor. Doch die ak-
dafür gerätetechnisch gut aufgestellt. auch ihre Energieeffizienz. Einen Aus-
Zudem ist es Mitglied der Allseen Alli- blick auf weitere OLED-Entwicklun-
ance, die mit AllJoyn eine offene gen gab es auf der IFA. Danach wird
Plattform für das IoT entwickelt hat. es künftig auch „papierdünne und
TREND REPORT für Sie transparente OLED-Displays geben.
Kopieren und verwenden Sie doch einfach die für Sie interessanten In der IoT-Vision von LG übernimmt Auch eine Bespielung sowohl auf der
Inhalte aus TREND REPORT für Ihre Webseite oder teilen Sie unsere Re- z. B. das Fernsehgerät, etwa durch App- Vorderseite als auch auf der Rückseite
portagen mit Ihren Geschäftspartnern, Freunden und Kunden. Erweiterungen und auf Basis intuiti- ist machbar“, so Martin Winkler.
Schulen und Lehrkräfte nutzen unsere freien Inhalte für ihren Wirt- ver, unkomplizierter Benutzerplatt-
schaftsunterricht und experimentieren mit Interviews und Gastbeiträgen. Sie dürfen formen, in den Wohnzimmern der „Zusätzlich“, macht Martin Winkler
das Material remixen, verändern und darauf aufbauen. deutlich, „hat sich LG mit seiner ei-
Alle Inhalte aus TREND REPORT sind aus diesem Grund unter einer gemeinfreien genentwickelten webOS-Plattform be-
Textlizenz (CC BY-SA 4.0 DE) von unserer Redaktion „wikipedia-kompatibel“ verfasst reits gut für das IoT positioniert.“
worden. Speziell auch für den kommerziellen Einsatz! webOS ist mit offenen Schnittstellen
ausgestattet und mit der Open-Sour-
Folgende Bedingungen müssen Sie dabei beachten:
ce-Software AllJoyn kompatibel. „Aber
Namensnennung (trendreport.de), Details zur Lizenz unter
nicht nur der Gedanke an die Nut-
www.trendreport.de/ausgaben
zung neuer Internetdienste über den
Fernseher im Wohnzimmer war ent-
scheidend für die Entwicklung“, so
Winkler. Ziel war und ist, „alle LG-Ge-
Der Mensch muss im tuelle Studie „Digital Leader – Leader-
räte so auszustatten, dass ein naht-
Mittelpunkt stehen ship im digitalen Zeitalter“ von Crips
loses LG-Ecosystem für künftige All-
Research attestiert nur jeder zwölften
tagsaufgaben entsteht, das über All-
Bei aller Digitalisierungs- und Vernet- Führungskraft, den Anforderungen der
Joyn auch mit Geräten anderer
zungseuphorie darf aber der Mensch Digitalisierung gerecht werden zu kön-
Hersteller kommunizieren kann –
nicht zurückgelassen werden. Er und nen. Es bleibt also noch viel zu tun – in
ohne die Barrieren, die bisher zwi-
die Verbesserung seiner Lebensumstän- allen Ebenen.
schen Betriebssystemen und Produk-
de sollten doch der Sinn und Zweck
ten verschiedener Hersteller bestan-
der Anstrengungen sein. Vielleicht
Martin Winkler hat das Ziel, den.“ Eine „beispiellose Freiheit zur
kann es zum Beispiel mit dem flächen-
für alle elektronischen Geräte im Interaktivität“ wäre das Ergebnis.
deckenden Breitbandausbau gelingen, #Digitale
die ländlichen Gegenden attraktiver zu Alltag eine gemeinsame Benut-
Transformation
zererfahrung zu generieren. www.lg.com/de/oled-tv
machen, der Abwanderung entgegen-
20 Industrie 4.0 | Oktober 2015 TREND REPORT

Künstliche Intelligenz für die Logistik


Alle Experten sind sich einig, dass Die TREND-REPORT-Re- einander abgestimmt und integriert wer- mote- und Managementplattform,

Bildmotiv Copyright: ICS Group, Zebra Technologies


Industrie 4.0 die Logistik verän- daktion im Gespräch mit den. Wir als ICS arbeiten mit Hoch- Mobile-Device-Management zu betrei-
dern wird. Herr Tittlbach, wie sieht technologie-Partnern wie beispielsweise ben. Man sieht auf der Management-
ein Logistikprozess im Indust-
Lars Schmermbeck, Regi- Zebra Technologies zusammen, die zur plattform, ob Geräte einwandfrei
rie-4.0 -Zeitalter aus? onal Channel Manager Unterstützung solcher Prozesse große funktionieren oder nicht, und kann
Hans-Jörg Tittlbach: Logistik im Zeital- DACH Region bei Zebra Schritte nach vorne getan haben. entsprechend eingreifen. Man kann das
ter von Industrie 4.0 basiert im Wesent- Technologies, und Hans- sogar noch weitertreiben, indem man
lichen auf dynamischen, selbststeuern- Herr Schmermbeck, wie sieht eine neue Funktionalitäten zentral von einer
Jörg Tittlbach, CEO, ICS
den Prozessen und intelligenten Sendun- Integration von intelligenten Ge- Stelle auf hunderte oder tausende Gerä-
gen und Landungsträgern. Lassen Sie Group, über zukünftige räten in eine Logistikkette ganz te bringt. Ein weiterer Entwicklungs-
mich das am Beispiel eines Paketes ver- Wertschöpfungsketten praktisch aus? schritt sind Managed Services, die es er-
deutlichen, das an einen Kunden zuge- Lars Schmermbeck: Das Internet of Things möglichen, beispielsweise bei Druckern
stellt werden soll. Das Paket wird mit (IoT) im Lager und in der Logistik baut noch vor Ausfall von Cuttern oder an-
Intelligenz ausgestattet; es weiß, wo es ist, für uns als Hersteller auf drei Hauptfak- deren mechanischen Teilen einzugrei-
und erkennt eigenständig Verzögerun- toren auf. Das fängt an mit hochleistungs- fen und präventiv eine Wartungs-
gen im Transportablauf. Es kommuni- fähigen kabellosen Netzwerken, die in maßnahme durchzuführen, bevor das
ziert seinen Status an Backoffice- und ständiger aktiver Verbindung mit den Gerät überhaupt ausfällt.
Warenwirtschaftssysteme, wie unser Stra- Datensystemen im Backoffice sind. Der Schmermbeck: Das ist ein wesentlicher
divari. Diese haben im Falle einer Verzö- zweite Faktor sind Smart Sensors wie Ansatz unserer engen Zusammenarbeit
gerung die Chance, redundante Prozesse zum Beispiel RFID-Chips oder entspre- mit der Firma ICS. Mobiles Device-
anzustoßen und das Paket auf alternative chend angepasste Barcodes, NFC und Management oder eine Operational-
Routen oder Versandmöglichkeiten um- Bluetooth-Beacons. Sie dienen dazu, als Visibility-Plattform funktionieren nur,
zuleiten – ohne dass ein Mensch eingreift. Lokalisierungstechnologie die Erfassung wenn man die Erfahrung eines Lö-
In wichtigen Fällen wird beispielsweise von Artikeldaten, das Überwachen des sungsanbieters wie der ICS mit unserer
ein Ersatzpaket auf den Weg gebracht. Warenstatus, das Auffinden von Artikeln Kompetenz als Hersteller bündelt.
und die effizientere Wegeoptimierung
Welche konkreten Vorteile haben in Lagern zu unterstützen. Der dritte Herr Tittlbach, welche Wettbe-
die selbststeuernden Prozesse? entscheidende Faktor ist das integrierte werbsvorteile haben Ihre Kunden
Tittlbach: Durch verbesserte Transpa- Backoffice-System, das für eine ver- von den smarten Technologien?
renz und Steuerung werden In-time und einfachte Datenanalyse zur Erzielung Tittlbach: Unsere Kunden profitieren
On-demand noch viel besser funktio- vollständiger Transparenz wichtig ist. von einer wesentlich höheren Transpa-
nieren als heute. Auf die Paketsendung renz über ihre Supply-Chain und einer
bezogen: Der Empfänger wird nicht nur Geht es dabei nur um die Position höheren Zuverlässigkeit in den Liefer-
wissen, an welchem Tag seine Sendung und das Routing der Ware? prozessen – sowohl vom Lieferanten
zugestellt wird, sondern auch in welchem Schmermbeck: Keineswegs. Smarte Sen- als auch zum Kunden hin. Die Liefer-
Zeitfenster. Zweite und dritte Zustell- soren können beispielsweise überwa- risiken lassen sich signifikant senken
versuche werden gar nicht mehr vor- chen, ob die Temperaturanforderungen und der Gesamtprozess besser steuern.
kommen, da der Empfänger Einfluss während des Transports eingehalten wer- Es nützt nichts, wenn man zum Beispiel
darauf nehmen kann, wann und wo er den. Es geht auch nicht allein um die mit Vorlieferanten On-demand-Belie-
seine Sendung entgegennimmt. Das sind Ware. Auch die IT-Infrastruktur über- ferungen für Produktionsbänder ver-
Prozesse, die es theoretisch schon heute wacht sich selbst. Die in der Logistik- einbart, aber auf Grund einer fehlen-
geben könnte. kette eingesetzten Geräte wie bspw. Scan- den smarten IT keine Dynamik in dem
ner und mobile Terminals haben ebenfalls Logistikprozess ist und nicht gegenge-
Warum sind diese Prozesse noch smarte Sensoren und können mit den steuert werden kann, wenn Störungen
keine Realität? Backoffice-Systemen kommunizieren. auftreten. In diesen Fällen funktionie-
Tittlbach: Das liegt primär daran, dass Sie melden ihren technischen Zustand ren normale Prozesse nicht. Lieferstörun-
es eben in vielen Bereichen keine rich- – zum Beispiel, ob der Akku geladen ist. gen verursachen teils sehr hohe Kolla-
tige Standardisierung, Integration und Das ist das IoT der heutigen Zeit: Ich zie- teralschäden. Unsere Kunden senken
Zusammenarbeit der IT-Systeme gibt. he die Geräte schon aus der Kette heraus, durch den Einsatz von Smart-Techno-
Logistik hat mit sehr vielen Partnern bevor sie nicht mehr funktionieren. So logien in Verbindung mit durchgängig
zu tun und mit sehr heterogenen IT- verhindere ich, dass ein Ausfall negati- intelligenten Prozessen im Stradivari
Landschaften. Nötig ist im Prinzip ein ven Einfluss auf die Produktivität hat. Verlustschäden auf ein Minimum. Er-
Schirm über die gesamte Prozesskette. Standardisierung, Integration und höhter ROI und steigende Kundenzu-
Hervorzuheben sind die technischen Zusammenarbeit der IT-Systeme sind Welche Chancen bietet die On- friedenheit sind das Ergebnis.
Möglichkeiten, die heute Endgeräte und für Hans-Jörg Tittlbach (ob.) und Lars line-Anbindung der Geräte?
Software-Schnittstellen bereits bieten. Schmermbeck das Ziel, um intelligen- Tittlbach: Diese Online-Anbindung der www.ics-group.eu
Diese müssen einfach nur genutzt, auf- te Logistikprozesse zu realisieren. Geräte ermöglicht es, mittels einer Re- www.zebra.com
TREND REPORT Oktober 2015 | Industrie 4.0 21
Bildmotiv Copyright: flickr.com / Steve Jurvetson

Industrie 4.0:
Vision wird Realität von Chris Löwer
c.loewer@trendreport.de

Künstliche Intelligenz ist das Schlagwort der aktuellen industriellen Evolution. Die
TREND-REPORT-Redaktion stellt den neuen Wachstumstreiber für den Standort vor.

M
enschen, Ma- seiner Meinung nach z.B. im Back-office- von PTC. Treiber der Entwicklung ist trendreport.de
schinen und in- bereich etwa von Reiseveranstaltern, letztlich die „Information-Generati-
dustrielle Pro- Energieversorgern oder Versicherungen. on“, wie das Soft- und Hardware-
zesse vernetzen Über die Smart Factory hinaus werden unternehmen EMC gut informierte, Auf unserer Website finden Sie weitere
sich intelligent, Produktions- und Logistikprozesse in vernetzte und kritische Konsumenten Interviews und Hintergrundgespräche,
Bauteile kommunizieren mit Produkti- Zukunft unternehmensübergreifend ver- nennt. Nach einer EMC-Studie gehen die wir im Zuge der Recherche geführt
onsanlagen, die selbst über sich wa- netzt, um den Materialfluss zu verbes- 96 Prozent der befragten Unterneh- haben:
chen und beizeiten eine Reparatur ver- sern, mögliche Fehler frühzeitig zu er- men davon aus, dass neue Technologi-
anlassen oder sich gleich selbst warten. kennen und hochflexibel auf veränder- en die Geschäftsprinzipien für immer Neue Managementansätze für die In-
Das sind die Verheißungen der Indust- te Marktbedingungen reagieren zu verändert haben. Und 93 Prozent sagen, dustrie 4.0. Fachbeitrag von Frank Wel-
rie 4.0. Durch das Internet getrieben, kön nen. Und das während des gesam- dass diese Veränderungen auch gänz- ge, Supply-Chain-Management-Spezialist:
wachsen reale und virtuelle Welt zum ten Lebenszyklus eines Produktes: von lich neue Kundenerwartungen mit sich www.trendreport.de/business-
Internet der Dinge (IoT) zusammen, der Idee bis zum Recycling. bringen: Moderne Konsumenten wür- transformation
was vor allem im produzierenden Ge- den vor allem einen schnellen, indivi-
werbe zu einem dramatischen Wandel „Die neue Datenwelt ermöglicht es so- dualisierten Rund-um-die-Uhr-Zugriff Vollständiges Interview mit Lars
führen wird: Die Wirtschaft steht an gar, einen digitalen Zwilling eines phy- auf Services schätzen, der zunehmend Schmermbeck, Regional Channel Mana-
der Schwelle zur vierten industriellen über Mobile Devices erfolgen wird. Die ger DACH Region bei Zebra Technologies,
Revolution. Sie wird eine massenhafte Signale der neuen Zeit werden er- und Hans-Jörg Tittlbach, CEO, ICS Group,
und hochflexible Produktion individu- Digitale Zwillinge: kannt: Nach einer Erhebung von Pri- über zukünftige Wertschöpfungsketten.
Zebra ist Marktführer bei Logistik-Pro-
eller Waren ermöglichen, wobei Kun-
den und Geschäftspartner mit ihren
von der Idee bis cewaterhouseCoopers (PwC) will die
deutsche Industrie in den nächsten fünf zessen im „Industrie-4.0-Zeitalter“. Der
Partner ICS Group hilft Unternehmen
Wünschen direkt in Geschäfts- und
Wertschöpfungsprozesse eingebunden
zum Recycling Jahren 40 Milliarden Euro jährlich in
Anwendungen von Industrie 4.0 inves- bei der Analyse, Integration und dem
werden. „Ich bin davon überzeugt, dass tieren. Davon versprechen sich die Un- Betrieb der Lösungen: www.trendre-
selbstlernende Automatisierungslösun- sischen Produkts zu erschaffen und je- ternehmen Effizienzsteigerungen von port.de/zukunft_supply_chain
gen die industrielle Revolution 4.0 ein- derzeit über Zustand und Performance knapp 20 Prozent und Kosteneinspa-
läuten“, sagt Jörg Vollmer, CEO von Swiss genauestens informiert zu sein. Somit rungen, aber auch qualitative Vorteile Gastbeitrag von Jim Heppelmann,
Post Solutions, einer Konzerntochter der werden Unternehmen zukünftig nicht wie mehr Flexibilität. CEO von PTC, „Zwei Welten verschmel-
Schweizerischen Post. „Intelligente Au- mehr nur mit ihren Kunden über ein zen zu einer DNA“. Den kompletten
tomation wird bestehende Geschäfts- Produkt sprechen, sondern mit dem Eine wesentliche Rolle werden Gastbeitrag finden Sie unter: www.
modelle in fast allen Branchen revoluti- Produkt über den Kunden“, erklärt Investitionen in Cyber-Physische-Sys- trendreport.de/jim_heppelmann
onieren.“ Erhebliche Potenziale bestehen Jim Heppelmann, Präsident und CEO teme (CPS) spielen. Das sind Systeme
22 Industrie 4.0 | Oktober 2015 TREND REPORT

mit eingebetteter Software und Elekt-


ronik, die über Sensoren und Aktoren
(Antriebselemente) mit der Außenwelt
verbunden und untereinander vernetzt
„ steht branchenübergreifend in der Soft-
wareentwicklung und der schnellen
sowie sicheren Datenverarbeitung. An-
gesichts der Menge und Komplexität
konkret mit Industrie 4.0 auseinander-
zusetzen: „Vorteile neuer Technologien,
wie etwa der 3D-Druck, Big Data und
das Internet der Dinge, werden zu oft
sind. Mithilfe von Sensoren holen CPS
Hochflexible eine Herausforderung. „Durch die als Risiko und nicht als Chance gese-
Daten aus der physikalischen, also
„echten“ Welt und machen sie für netz-
Wertschöp- Vernetzung der Wertschöpfungsketten
und Produkte entstehen riesige Daten-
hen, die Wettbewerbsfähigkeit zu er-
höhen“, sagt McKinsey-Direktor Det-
basierte Dienste verfügbar, womit unse- fungsprozesse mengen, die viele Unternehmen bisher lef Kayser. Nur sechs von zehn Unter-
re Welt mit der virtuellen verschmilzt. noch nicht strukturiert verwenden“, nehmen in Deutschland fühlten sich
ermöglichen heißt es bei PwC. Neun von zehn In- auf Industrie 4.0 gut vorbereitet. Anders
Nicht nur für finanzstarke Konzerne, dustrieunternehmen seien jedoch der als bei vorherigen Technologiesprün-
sondern auch für kleine und mittlere individuelle Ansicht, dass die Fähigkeit zur Daten- gen werde der Übergang zur Industrie
Unternehmen bieten CPS große Chan- analyse in fünf Jahren für ihr Ge- 4.0 schrittweise erfolgen. Unterneh-
cen, vor allem für den Maschinen- und Warenangebote schäftsmodell entscheidend sein wird. men erwarten, dass in den kommen-
Anlagenbau, für Elektrotechnik und Fraglich, wie gut vorbereitet sie dann den zehn Jahren rund 40 bis 50 Pro-


Automobilwirtschaft. Daher ist Indus- sein werden. Die Berater von McKin- zent des Maschinenparks ausgetauscht
trie 4.0 ein zentrales Thema der Digita- sey haben herausgefunden, dass viele werden müssen – im Vergleich zu 90
len Agenda der Bundesregierung. Mit Unternehmen erst jetzt anfangen, sich Prozent bei der industriellen Automa-
den Förderprogrammen „Autonomik
für Industrie 4.0“ und „Smart-Service-
Welt“ stellt das Wirtschaftsministerium
knapp 100 Millionen Euro bereit, um
Forschung und Entwicklung auf die-
sem Gebiet voranzutreiben. Nicht zu-
Dokumente intelligent automatisieren
letzt, weil hierzulande rund 15 Millio- „Intelligent Automation“ wird in den
Jörg Vollmer, CEO
nen Arbeitsplätze direkt und indirekt kommenden Jahren Geschäftsmodel-
Swiss Post Solutions,
von der produzierenden Wirtschaft ab- le von Unternehmen nachhaltig än-
setzt auf Intelligent
hängen. Auch in Frankreich wird das dern. Im Interview mit TREND REPORT
Automation.
Thema im Schulterschluss mit Deutsch- stellt Jörg Vollmer, CEO von Swiss Post
land und der Industrie, allen voran Solutions, diese Technologie als Hebel
Dassault Systèmes, unter dem Schlag- vor, um das Dokumentenmanagement
wort „Industrie du Futur“ gepusht. künftig wesentlich schneller und effi-
zienter zu steuern.
Etliche Forschungsinstitute treiben den
digitalen Strukturwandel voran. Kürz- Herr Vollmer, worum geht es bei In-
lich wurde erst das Kompetenzzentrum telligent Automation?
Power4Production, eine Kooperation des Für zahlreiche Dax-Unternehmen in übernehmen wir als zweitgrößter bei der Validierung. Regelbasierte Ent-
Deutschen Forschungszentrums für Deutschland digitalisieren und verar- BPO-Dienstleister Europas eine Vor- scheidungen fließen hier mit ein und
Künstliche Intelligenz (DFKI) und des beiten wir jedes Jahr mehrere Mil- reiterrolle bei der Intelligent Automa- ermöglichen es dem System, daraus
Zentrums für Mechatronik und Auto- lionen Eingangsrechnungen im Kredi- tion und ergänzen damit unser Port- eigene Schlüsse zu ziehen. Es verän-
matisierungstechnik (ZeMA), gegründet, torenmanagement. Die Dokumente folio auf geradezu ideale Weise. SPS dert sich dynamisch und lernt dau-
um der mittelständischen Wirtschaft den werden von uns digitalisiert und im testet derzeit in verschiedenen Pilot- ernd neu hinzu.
Zugang zur Digitalisierung zu erleich- wahrsten Sinne des Wortes in Form projekten den Einsatz von Intelligent
tern. Auf der Agenda stehen unter an- gebracht. Dazu setzen wir bereits Automation, um den gesamten Pro- Lohnt sich heute schon der Einsatz
derem die direkte Kommunikation zwi- heute bei der Datenerfassung, der In- zess der Dokumentenverarbeitung von Intelligent Automation?
schen Werkstück und Maschine, die dexierung oder Archivierung auf teil- noch schneller und kostengünstiger Ja, der Einsatz lohnt sich. Die laufenden
Mensch-Roboter-Kommunikation so- automatisierte Prozesse, um die Effizi- zu machen. Millionen von Daten- Kosten sind deutlich niedriger als bei
wie Fragestellungen rund um Themen enz zu steigern. Trotzdem gibt es punkten, die hochdimensional mit- herkömmlichen Lösungen, sodass sich
wie robuste Netze, Cloud-Computing noch viele repetitive Tätigkeiten in der einander verknüpft sind, liefern uns Investitionen in Automatisierung sehr
und Energieeffizienz in der Produktion. Dokumentenverarbeitung, die eben- hier eine Informationstiefe, die bisher schnell amortisieren. Daher sind wir
falls automatisiert werden können. Je undenkbar war. Das macht die Prozes- davon überzeugt, dass sich Intelligent
„Es geht nicht darum, eine Tech- schneller die Belege erfasst werden, se nicht nur schneller und effizienter, Automation durchsetzt und die Effizi-
nologie einzusetzen, sondern die richti- desto eher erhält beispielsweise der sondern steigert signifikant auch die enz von Business-Process-Outsourcing-
gen, für das Unternehmen nutzbringen- CFO verlässliche Zahlen, die ihm ei- Qualität der bereitgestellten Informa- Lösungen deutlich steigert. Unser Ziel
den und profitablen Lösungen einzu- nen Forecast ermöglichen. Intelligent tionen. ist es, die teilautomatisierten Prozesse
Bildmotiv Copyright: Swiss Post Solutions

bringen“, bemerkt Lars Schmermbeck Automation wird diese Prozesse gera- in Zukunft vollständig zu automatisie-
von Zebra. Nach einer Studie des Un- dezu revolutionieren. Wo liegen die Schwerpunkte beim ren. Erhebliche Potenziale bieten da-
ternehmens ist das Internet der Dinge Einsatz von Intelligent Automation? für die Eingangsrechnungsverarbei-
auch bei Transport- und Logistikunter- Was bedeutet Intelligent Automati- Die Stärke von Intelligent Automation tung für internationale Unternehmen
nehmen angekommen, etwa in Form on für einen BPO-Anbieter? zeigt sich besonders bei sich wieder- sowie die Back-Office-Automation.
von Real-Time-Locationing-Systemen. Aufgrund unserer jahrelangen Erfah- holenden, manuellen Prozessen – zum
Der größte Teil der Wertschöpfung be- rung im Dokumentenmanagement Beispiel bei der Datenerfassung oder www.swisspostsolutions.com
TREND REPORT Oktober 2015 | Industrie 4.0 23

tisierung, der so genannten dritten in- fallen, dafür jedoch bis 2025 rund eine Initiative
dustriellen Revolution. Million neue Arbeitsplätze im Zuge
der digitalen Transformation geschaf-
Doch der Austausch des Ma- fen. „Durch Industrie 4.0 werden ins-
schinenparks wird nicht allein ent- gesamt mehr Jobs entstehen als verlo-
„Industrie du Futur“
scheidend sein: „Zu der Einführung von rengehen, aber diese neuen Tätigkeiten
Industrie-4.0-Prozessen gehört meist erfordern von Arbeitnehmern deutlich
Industrie 4.0 ist keineswegs ein rein
nicht nur Technik, dazu gehört es auch, mehr IT-Kompetenz als bisher und die
deutsches Thema. Die Allianz „Industrie
die Menschen mitzunehmen“, mahnt Bereitschaft zu lebenslangem Lernen”,
du Futur“ („Industrie der Zukunft“) ist eine
Hans-Jörg Tittlbach, Vorstandsmitglied sagt Markus Lorenz, BCG-Partner
Gruppe von Technologieunternehmen,
von ICS. Gerade im Mittelstand wird und Experte für Industrie 4.0. „Neue
Branchenverbänden und akademischen
befürchtet, dass es bei Industrie 4.0 Technologien wie Augmented Reality
Partnern in Frankreich. Diese haben sich
nicht gut um die Datensicherheit be- oder robotergestützte Arbeitsplätze
zusammengeschlossen, um moderne
stellt ist und Geschäftsgeheimnisse ver- können sogar dazu beitragen, dass ge-
Fertigung und Automatisierungstechno-
loren gehen könnten. Hier ist die Soft- ringqualifizierte Arbeitnehmer wieder
logien in Frankreich voranzutreiben:
wareindustrie gefragt. Indes unterstützt in den Arbeitsmarkt integriert werden
das Bundesforschungsministerium die können.” Nicht zuletzt werden sich Ar-
Unter der Co-Präsidentschaft von Bernard Charlès, President und CEO von Das-
Entwicklung eines durch Industrie und beits- und Lernwelten grundlegend
sault Systèmes, widmet sich die Allianz:
Forschung getragenen Sicherheits-Re- wandeln müssen. Es gilt, neue Fähigkei-
ferenzsystems. IT-Sicherheit für Indus- ten aufzubauen. Nur so werden der
• der vernetzten Forschung und Entwicklung,
trie 4.0 ist zudem ein Schwerpunkt im Standort Deutschland und sein starker
neuen IT-Sicherheitsforschungspro- Mittelstand als Gewinner aus der vier- • der Überbrückung technologischer Hürden,
gramm der Bundesregierung. Und eine ten industriellen Revolution hervorge- • digitalisierten Fertigungsverfahren für kleinere und mittelständische Unterneh-
weitere Angst geht um: die vor Arbeits- hen. men in Frankreich und Europa
platzverlust durch Automatisierung. • und der Förderung und Nutzung von Synergien.
Eine Studie der Boston Consulting
Group (BCG) macht eine andere Rech- #Industrie40 Weitere Informationen unter: www.trendreport.de/industrie_du_futur
nung auf: Zwar würden in Deutsch-
land voraussichtlich 610 000 Jobs weg-

Zwei Welten verschmelzen zu neuer DNA


Gastbeitrag von Jim Heppelmann, stationiert. Die digitale und die physi- wurde auf dem CAD-System Creo von Das Ziel ist jedoch, dass die Informati-
Präsident und CEO von PTC sche Welt verschmelzen miteinander PTC entwickelt und mit einem Ras- onen nicht nur in eine Richtung von
zu einer neuen DNA. Ob medizinische pberry-Pi-Computer ausgestattet. Das der physischen in die digitale Welt flie-
Die Ära der intelligenten Geräte hat Produkte, Haushaltswaren oder Ver- vernetzte Fahrrad zeichnet zahlreiche ßen, sondern beidseitig getauscht wer-
längst begonnen. Der nächste Schritt kehrsmittel, die beiden Welten sind nicht Charakteristiken wie Radgeschwindig- den können. Während das Fahrrad dem
ist die Vernetzung dieser Geräte mit mehr zu trennen und sie werden eins. keit, Trittfrequenz und Federungsei- Computer Daten liefert, kann mittels
Alltagsgegenständen. Sie bietet unter genschaften auf und leitet sie weiter. Augmented Reality auch der Compu-
anderem Entwicklern, Herstellern und Vernetzte Produkte besitzen nun alle Das Rad bekam einen digitalen Zwil- ter dem Fahrrad sozusagen direkt wei-
Dienstleistern ein Feedback in Echt- eine Stimme und die Möglichkeit, ling – es existiert also halb physisch, terhelfen. Scannt der Fahrradtechniker
zeit über die Performance ihrer Pro- Feedback zu geben. Sie kommunizie- halb digital. Über tausende von Kilo- die Seriennummer des Rades mit sei-
dukte sowie Leistungen, wodurch die- ren und können Informationen über metern entfernt können nun die Pro- nem mobilen Endgerät ab, erhält er
se ständig optimiert werden können. Performance, Design und Effizienz mit duzenten anhand eines Dashboards auf seinem Display alle wichtigen Da-
den Herstellern teilen. Ein aktuelles den digitalen Zwilling nachverfolgen ten als digitales Dashboard. Diese kön-
In der Cloud lassen sich ganze Pro- Beispiel kommt aus dem Radsport: und sehen was mit dem „realen“ nen über ein Bild des Fahrrads gelegt
duktfamilien mit ähnlichen Elementen Das Mountainbike Santa Cruz V10 Mountainbike gerade passiert. werden und alle wichtigen Service-
zu einem neuen Ecosystem zusam- punkte direkt auf dem Bildschirm an-
menfassen. Sehr erfolgreich macht das zeigen. So kann der Fahrradtechniker
Apple: iPad, iPhone oder iMac teilen Dem Internet der Dinge beispielsweise auf seinem Display auf
sich in einer gemeinsamen Wolke die stellt PTC seine Plattform die Bremsen klicken und bekommt an-
Dienste iCloud, iTunes und den App- ThingWorx zur Seite. Auf gezeigt, wie der Abnutzungsgrad ist
Bildmotiv Copyright: Swiss Post Solutions

Store. Dies ist nur möglich, weil sie alle diese Weise generiert der und wann ein Austausch der Bremsbe-
auf gemeinsame digitale Komponen- Software-Anbieter „Kommu- läge sinnvoll ist. Animierte Simulatio-
Bildmotiv Copyright: PTC Group

ten zurückgreifen. Software-Anbieter nikationskanäle“ zwischen nen, die direkt über das Bild des Pro-
wie PTC ermöglichen Herstellern, der- „realen Dingen“ einerseits duktes gelegt werden, zeigen Repara-
artige Ecosysteme zu schaffen, teils und etwa dem Produktde- tur- und Wartungsschritte an.
physisch, teils digital; client- oder ser- signer andererseits.
verbasiert; vor Ort oder in der Cloud www.ptc.com
24 Future-Store | Oktober 2015 TREND REPORT

Handel
mit Zukunft
Deutschland ist heute vernetzter denn je.
Händler, die nicht hochflexibel alle
On- und Offlinekanäle bedienen,
bekommen ein ernstes Problem.

von Chris Löwer


c.loewer@trendreport.de

D
er Handel steckt Post DHL. Sprich: Der Online-Han-
mitten in einer Re- del wird nicht nur in den Industriena-
volution. Anführer tionen an Bedeutung gewinnen, son-
ist der Kunde. Er dern auch in den Entwicklungs- und
kauft an sieben Ta- Schwellenländern, und zwar weitaus
gen in der Woche rund um die Uhr, stärker als bisher angenommen.
mit diversen Bezahlvorlieben auf etli-
chen Kanälen ein – stationär, online Erwartbar ist auch hier, dass sehr stark
und immer öfter mobil. Der „Chan- mobil eingekauft werden wird. „Die
nel-Hopper“ möchte möglichst be- Zeit, in der browserbasierte Online-
quem, preisgünstig und mit bestem shops das Maß aller Dinge im digitalen
Service einkaufen. Händler, die nicht Handel waren, ist vorbei“, bemerkt
hochflexibel alle On- und Offlinekanä- Dirk Hörig, CEO und Mitgründer
le bedienen, bekommen ein ernstes von commercetools, einem Anbieter
Problem. Auf was es jetzt ankommt, von cloudbasierten E-Commerce-Lö-
ist, unterschiedliche Absatzkanäle in- sungen. „Mobile Anwendungen und
telligent zu vernetzen – bruchlos, si- immer neue Eingabegeräte verändern
cher, komfortabel. Die Zukunft gehört grundlegend die Art und Weise, wie
dem Multi-Channel-Vertrieb, also und wo wir einkaufen“, sagt Hörig.
dem Verkauf auf mehreren Online- Kunden werden sich in Zukunft jenen
und Offline-Kanälen. Anbietern zuwenden, die Information,
Inspiration und Unterhaltung so kom-
Branchenkenner sprechen längst von binieren, dass ihr Angebot ein unver-
einer „digitalen Revolution im Einzel- zichtbarer Bestandteil ihres Lebens
handel“, bei der zunehmend auch wird, ist Hörig überzeugt: „Längst geht
Wearables eine treibende Rolle spielen es nicht mehr darum, als Händler und
werden, hin zu personalisierten Ange- Hersteller einzelne Puzzle-Teile in ho-
boten und individuellen Preisen, die her Qualität zu liefern - wichtiger und
dem Einkaufsverhalten des Kunden nachhaltiger ist das Gesamtbild.“
entsprechen und die er auf das Smart-
phone gesendet bekommt. Und zu dem gehört auch eine aus-
sagekräftige Bebilderung der Produkte,
Bereits heute macht der On- sofern diese digital präsentiert werden.
line-Handel mehr als zehn Prozent des Mitunter entscheidet sie über Kauf
gesamten Handelsvolumens in Europa oder Abbruch und somit direkt über
aus - dieser Anteil könnte bis 2025 auf den Geschäftserfolg: „In unterschiedli-
bis zu 40 Prozent, in den heutigen chen Absatzmärkten gibt es umfangrei-
Schwellenländern auf bis zu 30 Prozent, che Studien zur Rolle der Bebilderung
steigen, heißt es in der Studie „Global beim Produktverkauf. Übereinstim-
Quelle: Google Deutschland GmbH; Erklärungen und Nachweise / Fußnoten zur Grafik unter www.thinkwithgoogle.com
E-Tailing 2025“ von der Deutschen mend ist der Tenor, dass in allen Märk-
TREND REPORT Oktober 2015 | Future-Store 25

ten die Bebilderung beziehungsweise ihm gerade beliebt: mal online, mal
die Bildauswahl im Extremfall bis zu
20 Prozent des Absatzes mitbestimmt
stationär, per App oder Telefon – und
genau dort werden erfolgreiche Händ- Erfolg durch Transparenz
oder direkt verursacht“, erklärt Ralph ler präsent sein. Seine Einkäufe bezieht
Gastbeitrag von Stefan Steudel, ler einen ganz individuellen Bedarf,
Kissner, Geschäftsführer der Six Offene der Kunde ebenfalls dort, wo es ihm
Berater bei Bayard Consulting den er direkt mit seinem Lieferanten
Systeme GmbH. Damit rücken schlan- gerade beliebt - je nach Bedarf per Lie-
ke und schnelle Prozesse der Bildbe- ferung oder er holt sie im Geschäft ab, klärt – etwa detaillierte Produktbe-
Neben der fortschreitenden Digita- schreibungen und Bilder für den Ra-
schaffung und -auswahl auf die Agenda womit er unabhängig von Liefertermi-
lisierung kennzeichnet der Drang senmäher im Onlineshop. Diese In-
der Unternehmen. nen wird.
nach mehr Transparenz bei den formationen fließen oft nur mit hohem
Produkten die Situation im Handel: manuellen Aufwand. Der Informati-
Wettbewerbsvorteil „Der Point of Sale wird von der New
Die gesetzlichen Anforderungen stei- onsfluss stockt. Der Kunde fühlt sich
durch Omni-Channeling Economy immer noch unterschätzt“,
gen, Zulieferer müssen stärker kon- unzureichend informiert und unter-
sagte Dominik Dommick, Geschäfts-
trolliert und Sortimente schneller lässt im Zweifelsfall den Kauf.
Die Zukunft des Handels liegt in der führer von Payback im Gespräch mit
auf den Kunden ausgerichtet wer-
durchgängigen Einkaufserfahrung vom der TREND-REPORT-Redaktion auf
den. Immer öfter fragen Kunden, Kollaborative Prozesse mit
Webshop über mobiles Shoppen bis der diesjährigen dmexco 2015 in Köln
woher das Produkt kommt, wie es verknüpfbaren Daten
hin zur Erlebniswelt Store. Damit wird „Dabei birgt der stationäre Einkauf ein
hergestellt wurde oder welche All- Daher ist es kein Wunder, dass Han-
das Ladengeschäft nicht aussterben, enormes Potenzial für digitale Marke-
ergene enthalten sind. Branchenin- del und Industrie immer stärker auf
denn hier findet qualifizierte Beratung ter und auch für den Handel selbst.“
tern spricht man mittlerweile von „kollaborativ“ vernetzte Informations-
statt, hier können Waren ausprobiert, Schließlich sorgten digitale Services am
einer Explosion der Attribute. prozesse mit verknüpfbaren Daten
abgeholt oder zurückbracht werden. Es PoS dafür, den stationären Einkauf
setzen, was flexible Technologien zur
gilt gegenüber reinen Webshops einen schneller und einfacher zu gestalten.
Große Handelshäuser bewirtschaf- Beschreibung, Abbildung und Nut-
Wettbewerbsvorteil durch Omni- Einen weiteren Schwerpunkt auf der
ten bis zu 1 500 000 Artikel. Da liegt zung der Produktdaten erfordert. Hier
Channeling zu bieten, Mehrwert zu dmexco setzt das Unternehmen mit ei-
es auf der Hand, dass kein Händler prägt etwa Google seit einigen Jah-
schaffen, der Kunden bindet. Mobile ner der wichtigsten Neuerungen des
die vielfältigen Attribute für alle Arti- ren das „Semantic Web“ mit Techno-
Endgeräte und cloudbasierte Dienste Jahres 2016: Die Mobile-Payment-Lö-
kel alleine erfassen und aktualisieren logien, die vergleichbar der mensch-
wie Social Media sind die wichtigsten sung von Payback ermöglicht den 27
kann. Die gesamte Wertschöpfungs- lichen Sprache die Systeme vernetzen
Werkzeuge des künftigen Kunden und Millionen Kunden des führenden Bo-
kette muss diese Leistung erbringen. können. Wörter sind in der Technik
charakterisieren seine Customer-Jour- nusprogrammes zukünftig das Punkte-
Jedes Glied dieser Kette hat relevan- sogenannte Attribute, die durch die
ney. Wohin die Reise geht, bestimmt sammeln und Bezahlen per App in ei-
te Informationen: Ein Bauer weiß, un- Kombination eine Information ver-
vorrangig der Kunde und nicht der nem Schritt. „Payment alleine macht
ter welchen Bedingungen seine Kuh gleichbar mit einem menschlichen
Anbieter. Daran wird sich der Handel nicht glücklich“, so Dominik Dom-
Milch gibt; die Molkerei weiß, welche Satz ergeben. Solche Sätze werden
gewöhnen und darauf reagieren müs- mick. „Wenn ich will, dass sich eine
Milch sie auf welche Art und Weise zu strukturiert verknüpft und zu einem
sen. Weniger der Blick auf vermeintli- Neuerung durchsetzt, muss ich dem
Käse verarbeitet; der Lebensmittel- Ganzen zusammengesetzt. Dadurch
che Zielgruppen wird für den Ge- Kunden einen klaren Vorteil bieten.
produzent weiß, welchen Käse er für kann Google die Informationen im
schäftserfolg wesentlich sein, sondern Zugleich muss er genau dann profitie-
seine Tiefkühlpizza verarbeitet; der Internet besser verstehen. Auch die
treffsichere Touchpoints, Berührungs- ren, wenn es für ihn relevant ist, die In-
Händler weiß, welche Tiefkühlpizza Branchenorganisation GS1 zeigt mit
punkte, die dem Kunden offeriert wer- novation steckt also mitten im ge-
er bestellt und dem Kunden anbietet. GTIN+, wie GS1-Standards in diesem
den, um mit dem Händler in Kontakt wohnten Ablauf.“ Wie einige innovati-
Kontext genutzt werden können. Nun
zu treten. Der Kunde kauft dort, wo es ve Lösungen, etwa von Fraunhofer
Eine erste Abhilfe schafft seit 2003 muss der Händler seinen vernetzten
ein Netzwerk von Produkt-Daten- Partnern nur noch die richtigen Fra-
Trendstudie banken, das Global Data Synchroni- gen stellen, und die Systeme begin-
sation Network. In der Praxis zeigt nen digital miteinander zu reden.
sich dieser Ansatz häufig als sehr auf-
wendig und oft zu langsam für den Beispiel Tiefkühlpizza: Die Informati-
Online- und Offline: Zwei Welten? dynamischen Informationsbedarf des onen einer Charge Käse der Molkerei
Onlinehandels. Zudem hat der Händ- könnten mit der Charge Tiefkühlpiz-
Ulrich Eggert, Geschäftsführer von Eggert Consulting, hat für TREND za des Herstellers und dem Verkaufs-
REPORT einen Blick auf „die Zukunft des stationären Handels“ in Zei- artikel des Händlers automatisiert ver-
ten wachsenden E-Commerces geworfen. Das Ergebnis ist eine mehr- knüpft werden. Per Smartphone er-
seitige Trendstudie, die sich auf trendreport.de herunterladen lässt. hält der Kunde die für ihn relevanten
Informationen. Er kann sich nun ent-
Bildmotiv Copyright: Eggert Consulting; Bayard Consulting

In seiner Beobachtung liegt die Chance für den stationären Handel


darin, mit Beratung, Qualität und Kooperationen vor Ort die Kunden sprechend seiner Kriterien für den Kauf
zu binden. Der stationäre Handel muss seine Potenziale diesbezüglich besser nut- der Pizza entscheiden oder dagegen.
zen. Gleichwohl kann er von Online-Trends profitieren: So bieten sich mit Beacons,
presse.bayard-consulting.com/tr1
Apps und Social Media auch für den Fachhändler vor Ort schnell integrierbare Mög-
lichkeiten, neue Kunden zu gewinnen und langfristig zu binden.
Weitere Informationen unter: Für Stefan Steudel, Gast-

www.trendreport.de/trendstudie-handel-mit-zukunft autor, steht immer der ge-


schäftliche Erfolg seiner Kun-
den im Vordergrund.
26 Future-Store | Oktober 2015 TREND REPORT

oder dem Berliner Start-up Phizzard, Kundenbasis für sämtliche Mobile-


zeigen, schätzen Kunden digital ver- Payment-Angebote bis 2020 auf rund
netzte Stilberatung mittels Tablets und elf Millionen Verbraucher allein in
Touchscreens oder auch die einfache Deutschland wachsen wird.
Online-Bestellung von Produkten, die
im Laden gerade vergriffen sind. Bei Mit diesem tiefgreifenden Wandel wer-
Payback ist man überzeugt, dass der den sich auch die Ströme des globalen
zunehmend intelligente Verkaufsraum, Produktdatenaustausches verändern.
in dem Beratung, Unterhaltung und „Idealerweise wird der Produktdaten-
Interaktion stattfinden, das Einkaufs- austausch Hand in Hand mit der Indus-
erlebnis nachhaltig beeinflussen wird. trie 4.0 gehen“, sagt Stefan R. Steudel, As-
sociate Partner bei Bayard Consulting.
Auch die Art, wie wir bezahlen, „Möglichst digital und automatisiert wer-
wird sich grundlegend ändern: Die den die IT-Systeme der verschiedenen
Kreditkarte wird in ihrer Plastikversion Unternehmen sehr kleinteilig Daten im
wohl nicht aussterben, doch zu ihr Anbau, in der Erzeugung, Produktion
werden sich „virtuelle Kreditkarten“ und Distribution der Produkte erfas-
gesellen, ist Andreas Stendera, Senior sen und miteinander kommunizieren.“
Quelle: Google Deutschland GmbH Vice President International Business Er hat die Vision, dass der Datenaus-
B+S Card Service, überzeugt. Er denkt tausch wie die menschliche Sprache künf-
Verbrauchertrends, Brancheneinblicke und kreative Inspiration ver- dabei unter anderem an Smart Devices tig hochflexibel funktionieren wird.
spricht der aktuelle Google-Service unter www.thinkwithgoogle.com. Das wie Brille, Uhr oder Smartphone. Hin-
Branchenbarometer überzeugt mit ansprechenden Grafiken und interessan- zu wird kontaktloses Bezahlen über
ten Studien. Marketingabteilungen können davon profitieren, sie finden hier „Near-Field-Communication“ (NFC) #ZukunftHandel
sofort einsetzbare Statistiken und nützlichen Tools. Zusätzlich hält Sie der kommen: Die Experten von Pricewa-
gewohnte „Alert“ und der Newsletter auf Stand. www.consumerbarometer.com terhouseCoopers erwarten, dass die

Spannende Einkaufswelten schaffen


Moderne Kunden sind auf allen Ka- wareunternehmen eine E-Commerce- Betrieb kümmern müssen. Die Platt- Eine flexible und gut dokumentierte
nälen unterwegs, vergleichen Preise, Plattform entwickelt. Allein nackte Pro- form lässt sich über eine zentrale An- Programmierschnittstelle (API) bildet
möchten on- und offline ein echtes duktdaten zu offerieren, sorgt für kein wendung steuern, in der alle wichti- den Kern der Plattform. Sie erlaubt auch
Einkaufserlebnis. Handel und Herstel- Einkaufserlebnis. „Vielmehr geht es da- gen Daten gespeichert sind. die Anbindung zukünftiger Endgeräte
ler müssen darauf mit gut gemach- rum, interessante und inspirierende wie Smartwatches, Wearables und Bea-
ten, unterhaltsamen und werthaltigen Geschichten zu erzählen, in die die je- cons und bietet damit Investitions-
Angeboten reagieren. Damit kommt weiligen Produkte eingebettet werden sicherheit. „Durch sie ist es möglich,
Content-Commerce, bei dem redakti- können“, erklärt Hörig. sämtliche Unternehmensprozesse effi-
onelle Inhalte mit E-Commerce-Ele- zient abzubilden, Lösungen von Dritt-
menten verbunden werden, eine ent- Etwa indem ansprechendes Foto- und anbietern zu integrieren und auch sehr
scheidende Rolle zu. Videomaterial mit hilfreichen Informa- individuelle Anforderungen umzuset-
tionen verbunden wird, um Kunden ein zen“, erklärt Hörig. Und das hochflexi-
Inhalte und Technologie für packende unverwechselbares Angebot machen bel, so dass schnell auf veränderte
Einkaufswelten gibt es in den meisten zu können. Hörig: „In einer Welt, in der Marktlagen sowie die komplexe Custo-
Unternehmen. Die Herausforderung ist, Einzelhandelsriesen wie Amazon mehr mer-Journey reagiert werden kann.
E-Commerce-Lösungen und Web-Con- und mehr Marktanteile gewinnen und „Unsere Lösung ist für wachstums-
tent-Management-Systeme intelligent selbst beliebte Marken zu Massenware orientierte Händler und Hersteller in-
zu verknüpfen, um Kunden hochwertige werden, gehört eine Content-Commer- teressant, die ihre Vertriebskanäle mit-
Inhalte in Form von Texten, Bildern, Vi- ce-Strategie zu den aussichtsreichsten einander verknüpfen und ihren Kunden
deos und Musik zu präsentieren und Maßnahmen, um Aufmerksamkeit zu auf allen Endgeräten – von klassischen
gleichzeitig für ein schnelles Auffinden wecken, sich zu differenzieren und PCs über Smartphones und Tablets hin
der gewünschten Produkte sowie einen neue Kunden zu gewinnen.“ zu Smartwatches und dem Internet
reibungslosen Verkaufsprozess zu sor- der Dinge – ein attraktives Einkaufs-
gen. „Entscheidend für Unternehmen Ein gutes Werkzeug hierfür ist die erlebnis präsentieren möchten“, sagt
Bildmotiv Copyright: Commercetools

ist, sämtliche Verkaufskanäle im Rah- commercetools Plattform. Sie ist Hörig. Letztlich führt für keinen Player
men einer Omnichannel-Strategie so cloudbasiert und wird in zertifizierten, Dirk Hörig, Gründer und CEO der Weg an einer auch technisch per-
zu verzahnen, dass für Kunden ein naht- europäischen Hochsicherheits-Rechen- von commercetools, rät: „Interes- fekt umgesetzten Omnichannel-Stra-
loses Einkaufserlebnis möglich wird“, zentren nach aktuellen Datenschutz- sante und inspirierende Geschich- tegie vorbei.
sagt Dirk Hörig, Gründer und CEO von richtlinien betrieben, so dass sich ten schreiben, in die die jeweiligen
commercetools. Dafür hat das Soft- Händler und Hersteller nicht um den Produkte eingebettet sind.“ www.commercetools.com
TREND REPORT Oktober 2015 | Future-Store 27

„Einfacher bezahlen, mehr erleben“


Wie werden aus Einkäufen wieder Erlebnisse? Andreas Stendera, Senior Vice President International Business
bei B+S Card Service, über das Potenzial moderner Retail-Technologien für den stationären Handel.

Mit dem Konsumenten 2.0 steht der ken zu besinnen? Wie kann das Personal Zahlungen, wo immer es der Kunde mienprogrammen: Kundendaten
stationäre Handel vor einer weiteren mit verlässlichen Informationen, hand- im Laden wünscht – kartenbasiert oder für digitale Coupons werden simpel
Bewährungsprobe. Selbstsicher bewegt festen Argumenten und Services bei auch per Smartphone. In Kombination erfasst – statt den Kunden mit der
sich der moderne Kunde zwischen On- Beratung und Verkauf an den Kunden mit weiteren Lösungen kann sogar eine x-ten Bonuskarte zu belästigen.
line- und Offlinewelt, kauft immer öf- 2.0 unterstützt werden? Was sich für Interaktionsplattform geschaffen wer-
ter im Internet ein und gibt sich im La- manche zunächst wie ein Widerspruch den, mit der das Personal einen Rund- Händler, die ihr Verkaufspersonal mit
den nicht mehr mit Einkaufserlebnis- anhört, erweist sich in der Realität im- um-Service bieten kann: derartigen Lösungen ausrüsten, vergrö-
sen von der Stange zufrieden. Auf mer mehr als Erfolgsfaktor: Es ist mo- • Anbindung an Warenwirtschafts- und ßern dessen Bewegungs- und Hand-
seinem Weg zum gewünschten Pro- derne Retail-Technologie, die einen Filialsysteme: Statt des berüchtigten lungsspielraum. Das eröffnet neue Mög-
dukt wechselt er nach Belieben die Ka- entscheidenden Beitrag dafür leistet, „Da muss ich erst ins Lager und nach- lichkeiten, den Warenkorb zu erhöhen,
näle und fordert dieses Maximum an dass der Stellenwert des Personals als schauen“ wird die Produktverfüg- Spontankäufe anzuregen und die Ein-
Flexibilität auch von seinem Händler „echter Berater“ erhöht und die Ein- barkeit via Tablet-PC überprüft. Falls kaufsfrequenz zu steigern. Zudem wird
(Stichwort: Multichannel). kaufstour wieder zum Erlebnis wird. nötig, können augenblicklich Alterna- der Übergang zwischen Beratungs-
Voraussetzung: Die Technologie muss tivvorschläge unterbreitet werden. gespräch und Kaufabschluss fließend
Verschärfend kommt hinzu: Wo Ver- dezent und unaufdringlich im Hinter- • Tracking der Kaufhistorie: Basierend gestaltet: Das Einkaufserlebnis findet
braucher ehemals bereitwillig den Aus- grund wirken. auf bisherigen Einkäufen entsteht ein durch den vereinfachten und beschleu-
führungen des Ladenpersonals Glauben detailliertes Kundenprofil. Der „elek- nigten Check-Out bzw. Bezahlvorgang
schenkten, sind sie heute kritischer – Erfolgsfaktor Retail-Technologie tronische Spickzettel“ verrät die Prä- einen positiven Abschluss, der nicht
Smartphone & Co. sei „Dank“. So Ein Beispiel hierfür sind mobile Karten- ferenzen – so kann das Personal im durch nerviges Warten in der Kassen-
glauben laut Global-Shopper-Studie lesegeräte, die den Tablet- oder Hand- Gespräch Kaufinspiration bieten, eine schlange getrübt wird.
von Zebra Technologies 34 Prozent der held-PC des Verkäufers in eine „mobile relevante Vorauswahl treffen und
Konsumenten, einen besseren Zugang Kasse“ verwandeln. Das ermöglicht passgenaue Angebote unterbreiten. Einzellösungen intelligent verbinden
zu Real-Time-Informationen zu haben flexible und schnelle elektronische • Durchführung von Treue- und Prä- Der strukturelle Wandel im Handel
als der Einzelhandelsmitarbeiter. Der führt zu weiteren tiefgreifenden Verän-
Preisvergleich am Regal oder die Suche derungen. Der Kunde 2.0 will umgarnt
nach Aktions- und Bundling-Angebo- Mit moderner Bezahltech- werden – durch intensive Betreuung
ten bei der Konkurrenz ist z. B. beim nologie werden Einzelhan- und bedarfsgerechte Beratung. Genau
Kauf von höherwertiger Mode, Mö- dels mitarbeiter wieder zu darin aber liegt die Chance: So geben fast
beln oder Konsumelektronik zur Rou- „echten“ Beratern, sagt Gast- zwei Drittel der Verbraucher an, z. B.
tine geworden. Zudem greift rund die autor Andreas Stendera. für Mode spontan mehr Geld als geplant
Hälfte der Shopper mittels Bewer- auszugeben, wenn sie die Beratung als
tungsseiten auf die Erfahrungen anderer freundlich und kompetent empfinden
Nutzer zurück – was bei einer Vielzahl (Quelle: Roland Berger).
von negativen Statements erfolgskritisch
oder gar existenzbedrohend für den Moderne Bezahltechnologie leistet
Anbieter werden kann. hierfür einen entscheidenden Beitrag –
sofern sie „richtig dosiert“ und nicht
Spielraum für persönliche Beratung zum Selbstzweck eingesetzt wird. Um
Der Kunde ist also ungeduldiger, an- sie erfolgreich einzuführen, braucht
spruchsvoller und fordernder gegenüber der Handel starke und erfahrene Lö-
dem klassischen Ladengeschäft gewor- sungspartner, die die Bedürfnisse aller
den. Und er fühlt sich vernachlässigt: Laut Beteiligten verstehen und konsequent
Roland Berger Strategy Consultants se- be rück sich tigen: vom Verbraucher
hen 70 Prozent ihre Bedürfnisse beim über das Verkaufspersonal bis hin zum
Einkauf im Laden nicht erfüllt. Ihnen Marketing und zur IT. Nur so ent-
fehlt die emotionale Komponente – stehen Lösungen, die gleichzeitig auf
und damit ist nicht die Shop-Gestal- Akzeptanz beim Verbraucher stoßen
tung gemeint. Die einstigen Paradedis- und sich nahtlos in die bestehende In-
Bildmotiv Copyright: B & S Card Service

ziplinen des stationären Handels – die frastruktur integrieren lassen – sodass


persönliche Beratung und der indivi- das oft bemühte Wort vom Mehrwert
duelle Service – werden ihrem An- mit Leben gefüllt wird.
spruch gefühlt immer weniger gerecht.
Wie gelingt es dem stationären Han- www.bs-card-service.com/
del, sich auf seine handwerklichen Stär- multichannel
28 Mitarbeiter im Fokus | Oktober 2015 TREND REPORT

BGM: Führungskräfte sind Multiplikatoren


Professor Siegemund, Ihr Unter- Die Arbeitsbelastung in standen Mitarbeiterbefragungen, Gefähr- der Unternehmenskultur werden – oder
nehmen betreut Betriebe vor al- den Unternehmen steigt dungsbeurteilungen, das Betriebliche es wird nicht die gewünschten Wirkun-
lem in den Bereichen Arbeitsschutz Vorschlagswesen oder die Rückmeldung gen erzielen.
und Gesundheitsvorsorge. Sie
signifikant, analog die von Führungskräften und Mitarbeitern
brauchen keine Sorge zu haben, Zahl der Erkrankungen. zur Verfügung. Daraufhin konnten kon- Und welchen Nutzen haben die
dass Ihnen die Arbeit ausgeht? Grund genug für Unter- krete Maßnahmen ergriffen werden. Vo- Unternehmen darüber hinaus?
Nein, die Belastungen am Arbeitsplatz nehmen, die krankma- raussetzung war die Einbindung von Wichtig dabei ist auch die Kommuni-
nehmen kontinuierlich zu. Ursachen Führungskräften und Geschäftsführung kation. Und zwar sowohl nach „innen“
chenden Faktoren in der
sind vielfach Leistungsdruck aufgrund in ein ganzheitliches BGM-System. Mit als auch nach „außen“. „Du als Mitar-
von hohen Termin- und Qualitätsan- Arbeitswelt anzugehen. Verbesserungen in der Administration beiter bist mir wertvoll“, könnte die
forderungen, Multitasking oder konflikt- Dazu sprach die TREND- und Produktion, Bewegungs- und Ge- Botschaft lauten. Zunächst einmal im
haften Arbeitsbeziehungen. Die Etab- REPORT-Redaktion mit sundheitsangeboten oder Ergonomie- Sinne interner Kommunikation an die
lierung eines Betrieblichen Gesund- hilfen am Arbeitsplatz konnte im Un- Mitarbeiter, dann aber auch an die Sta-
Prof. Dr. Bernd Siege-
heitsmanagements (BGM) kann hier ternehmen bereits viel erreicht werden. keholder, also die gesellschaftlich rele-
ein erster Schritt sein. mund, Vorsitzender der vanten Gruppen, und – was immer wich-
Geschäftsführung der Was ist bei der Umsetzung des tiger wird – an die Gruppe der „Poten-
Wie gehen Sie vor? B∙A∙D GmbH. BGM zu beachten? tials“. In Zeiten des Fachkräftemangels
Zu Beginn sichten wir die verfügbaren Auch wenn das grundsätzliche Vorgehen können sich viele Hochschulabsolventen
Informationen wie zum Beispiel Er- bei der Einführung und Etablierung ei- ihre Arbeitgeber heute aussuchen. Vie-

gebnisse von Mitarbeiterbefragungen, lichen Argumenten, z. B. einem positiven nes BGM gleich ist, so hängen die Ziele le zieht es zu den „großen Namen“ der
Gesundheitsberichte der Krankenkassen Return on Investment (ROI) überzeu- und daraus resultierenden Maßnahmen Dax-Konzerne. Ein kleineres oder mit-
sowie Erkenntnisse aus der betriebs- gen. Studien weisen einen durchschnitt- vom jeweiligen Unternehmen ab. Jedes telständisches Unternehmen kann mit
ärztlichen Betreuung und den Gefähr- lichen ROI von 1:2,5 auf. Das heißt, Unternehmen hat seine spezifischen einem BGM bei den Absolventen durch-
dungsbeurteilungen. Das vorhandene für jeden für BGM-Maßnahmen ausge- Strukturen, seine eigene Kultur. Dar- aus punkten.
Material kann ggf. durch weitere Be- gebenen Euro flossen im Durchschnitt auf müssen Ziele und Maßnahmen ab-
fragungen oder durch eine auf Basis der 2,5 Euro zurück. Bei manchen Betrieben gestimmt sein. Dann ist es ganz wichtig, Und Sie gehen mit gutem Beispiel
Fehlzeiten ermittelten Fehlzeitenanaly- lag der ROI sogar bei 1:10, bei anderen dass es nicht um Einzelmaßnahmen geht, voran?
se ergänzt werden. Auf dieser Grundlage hingegen vielleicht „nur“ bei 1:1,5. sondern um ein Gesamtsystem. BGM Wir sind nicht der Schuster, der selbst
ist es dann möglich, Ziele zu definieren. hat gesundheitsfördernde Prozesse und die schlechtesten Schuhe trägt. Wir ha-
Haben Sie ein konkretes Beispiel? eine gesunde Organisation zum Ziel. ben als eines der ersten Unternehmen
Welche Zielgruppe haben Sie? Einer unserer Kunden ist die Dow Cor- Schließlich muss den Führungskräften unser BGM zertifizieren lassen und wer-
Vor allem Führungskräfte, denn diese ning GmbH, ein Unternehmen, das zur und Beschäftigten klar sein, dass betrieb- den regelmäßig als Top-Job-Unterneh-
sind Multiplikatoren in den Betrieben US-amerikanischen Dow Corning Cor- liches Gesundheitsmanagement nicht men gelistet. Wir versuchen auch, die
und nehmen eine Vorbildfunktion ein. poration gehört. In einem Strategiework- ausgelagert werden kann, es muss vom entsprechende Kultur zu leben. Ganz
Wenn Führungskräfte von der Notwen- shop haben wir zunächst gemeinsam die Unternehmen und seinen Mitarbeitern wichtig dabei ist für uns, dass die Mit-
digkeit eines BGM überzeugt sind und Ziele eines BGM formuliert. Im Vor- selbst gelebt werden. Natürlich beraten arbeiter nicht nur einen Sinn in ihrer
dies aktiv mitleben, dann klappt es. Sind dergrund stand sowohl, die Qualifika- und begleiten wir von der B∙A∙D GmbH jeweiligen Tätigkeit sehen, sondern auch
sie es nicht und setzen es nur ein, weil an- tion und Motivation der Mitarbeiter zu die betreffenden Unternehmen, sowohl einen Sinn im Unternehmen bzw. in dem
dere Betriebe es auch machen, dann funk- stärken, als auch, die Arbeitssicherheit beim Aufbau als auch beim Betrieb ei- wofür wir als Unternehmen stehen.
tioniert es in der Regel nicht. Führungs- und den Gesundheitsschutz zu erhöhen. nes BGM-Systems. Es muss verbindlich
kräfte kann man aber auch mit wirtschaft- Als Informationsquellen für Analysen vereinbart, langfristig aufgesetzt und Teil www.bad-gmbh.de
TREND REPORT Oktober 2015 | Mitarbeiter im Fokus 29

W
ie sieht die Joachim Karbe, Geschäftsführer der
Arbeitsorga- Unternehmensberatung 3Lines, sieht im
nisation der Vertrauen und der Übertragung von
Zukunft Verantwortung den Schlüssel für das
aus? „Arbei- demokratische Unternehmen: „Voraus-
ten 4.0“ heißt das Zauberwort, das Re- setzung ist das Schaffen eines Bewusst-
gierung, Verbände und Unternehmen seins für Verantwortung und das Ver-
entdeckt haben. So startete das Bun- trauen, dass diese wahrgenommen wird.
desministerium für Arbeit und Soziales Wer nur Aufgaben verteilt, schafft we-
im April dieses Jahres einen Dialog, an der das Eine noch zeigt das Letztere.“
dem sich 300 Experten zu Themen
rund um die Arbeitswelt der Zukunft Schlüsselfaktor
beteiligten. Das Social-Media-Netz- Demografie
werk Xing rief den „New Work Award“
ins Leben, mit dem anregende Ansätze Demografie wird zum Schlüsselfaktor,
ausgezeichnet werden, Arbeit besser als wie auch die Unternehmensberatung
in der Vergangenheit zu organisieren. Towers Watson betont, die sich auf
Dabei wird stärker auf Praxis- als auf Fragen der Altersversorgung und Ne-
Theorietauglichkeit Wert gelegt. Fra- benleistungen spezialisiert hat. Gerade
gen rund um das Thema „Arbeiten hat Towers Watson eine Studie vorge-
4.0“ widmete sich die Messe Zukunft legt, bei der HR- und Demografiever-
Vier ausschlaggebende Trends bestimmen die zukünftige Personalarbeit:

Personal im September 2015 in Köln antwortliche aus 170 Unternehmen


mit einem Themenspektrum, das vom befragt wurden: 52 Prozent beklagten
Mitarbeiter im Fokus

Recruiting und Personaldienstleistun- einen Mangel an Führungs- und Fach-


gen über betriebliche Weiterbildung kräften, 45 Prozent reagierten bereits
bis hin zu Leadership und Arbeitsrecht mit „demografiebezogenen Maßnah-
reichte. Beispiel – das demokratische men“, 81 Prozent der Befragten hielten
Unternehmen. die Bewältigung des demografischen
Wandels für erfolgskritisch, 11 Prozent
Für immer mehr Beschäftigte ist mehr als bei der letzten Befragung
Digitalisierung, Mitbestimmung, Mitarbeiterbindung und

es wichtig, nicht nur Ausführender zu 2013. Höchste Priorität hatten nach


sein, sondern über den Kurs des Unter- Angaben der Befragten die Betriebs-
nehmens mitbestimmen zu können. renten, das Betriebliche Gesundheits-
So hat die Haufe umantis AG, eine management (BGM) und das „Emplo-
Tochter der Haufe-Gruppe, die Mitar- yer Branding“, die Markenpositionie-
beiter zu Mitentscheidern gemacht, die rung als attraktiver Arbeitgeber. Um
HR-Evolution:

Strategien, Prozesse und auch Füh- im Wettbewerb zu bestehen, empfiehlt


rungskräfte bestimmen. Ohne feste die Unternehmensberatung, „Mitarbei-
Hierarchien formieren sich projektwei- ter durch den gesamten Arbeitszyklus
betriebliches Gesundheitsmanagement.

se Teams, die die klassischen Abtei- zu motivieren und zu halten.“ Dabei


lungsstrukturen ablösen. Und alle drei gebe es nicht „DIE eindeutige Demo-
Monate entscheiden die Mitarbeiter, in grafie-Maßnahme, die für jedes Unter-
welchen Projekten sie den besten Bei- nehmen passgenau ist.“ Was die Neben-
trag zum Unternehmenserfolg leisten leistungen betrifft, so könnte es sich
können. Auf Demokratie im Unter- bspw. um ein Carsharing-Angebot han-
nehmen setzt bspw. auch der Software- deln, wie es die BMW-Tochter Alpha-
Entwickler IT-Agile, in dem Mitarbei- bet anbietet: Registrierung über ein
ter alles mitbestimmen können, von der Online-Portal, Buchung eines Fahrzeugs,
strategischen Entscheidung bis hin zum schlüsselloser Zugang per RFID-Chip
Gehalt. Die Prozesse seien „langsam und los geht’s.
r.magagnoli@trendreport.de

und anstrengend, wenn man alle mit


einbeziehen muss, aber auch schnell, „Gesundheit der
von Dr. Ralf Magagnoli

wenn die Entscheidungen lokal sind Mitarbeiter rechnet sich“


und man sich nur im Team absprechen
muss“, kommentiert der Unterneh- Neben Mitbestimmung und Demo-
Bildmotiv Copyright: flickr.com / Kent Wang

mensgründer Christian Dähn. Andere kratie kann auch ein innerbetriebliches


Unternehmen wie die Innovationsagen- Gesundheitsmanagement die Attrakti-
tur Dark Horse setzen auf begrenztere vität der Betriebe erhöhen. Zwar ist in
Mittel: Nicht jeder könne über alles letzter Zeit Kritik laut geworden, das
mitbestimmen, wohl aber gebe es ein Betriebliche Gesundheitsmanagement
Vetorecht als eine Art Notbremse, so (BGM) in Deutschland erreiche zu we-
Unternehmenssprecherin Monika Frech. nig Beschäftigte – insbesondere bei den
30 Mitarbeiter im Fokus | Oktober 2015 TREND REPORT

drei M „Männer, Migranten und Min-

Sicher kommunizieren derqualifizierte“, doch herrscht ins-


gesamt eine positive Sicht auf das BGM
Keine Jobverluste
vor. „Betriebswirtschaftliche Investitio-
durch Industrie 4.0
Verschlüsselungstechnologien er- ‚One-Click-Read‘-App für Android und nen in die Gesundheit der Mitarbeiter
leben einen Boom, doch wie überall iOS entwickelt, um auf die Bedürf- Die Sorge, dass der techni-
rechnen sich. Sie wirken sich positiv
gilt es auch hier, Spreu und Weizen nisse unserer Kunden einzugehen.“ sche Fortschritt und der
auf Zufriedenheit und Leistungsfähig-
zu trennen. Oder Nachzügler und Strukturwandel Arbeitsplät-
keit der Mitarbeiter und somit auf die
Vorreiter. Doch was macht eine Vor- Entscheidend ist nach Ansicht von ze vernichten, ist nicht neu. Wer ge-
Produktivität aus. Ein gezieltes Ge-
reiterrolle in diesem Bereich aus? Wermeyer auch: „IncaMail ist in maxi- dacht hat, dass die zunehmende „Di-
sundheitsmanagement in Betrieben hilft
mal fünf Tagen beim Versender ein- gitalisierung“ Jobs vernichtet, liegt
zudem, die Leistungsfähigkeit älterer
Zum Beispiel eine intuitive Benutzer- geführt.“ Manche Verschlüsselungs- wohl falsch. Nach einer aktuellen Stu-
Mitarbeiter zu erhalten. Dies ist ange-
führung, sagt Dr. Frank Wermeyer, Di- systeme erfordern sehr hohen Auf- die des Instituts der deutschen Wirt-
sichts des Fachkräftemangels und der
rector Market Development Deutsch- wand bei der Umsetzung – von neuen schaft Köln (IW) stellte sich nun her-
demografischen Entwicklung sehr wich-
land (IncaMail). Das Verschlüsselungs- E-Mail-Adressen bis hin zu Registrie- aus, dass durch die Digitalisierung der
tig“, sagt Athanasios Drougias, Leiter
system der Schweizerischen Post ist rungen. IncaMail belässt den Nutzern Bedarf an Fachkräften sogar noch
der Unternehmenskommunikation der
„Marktführer beim Versand z. B. von ihre gewohnten E-Mail-Adressen. weiter steigen wird.
Barmer GEK. Die gesetzliche Kran-
digitalen Lohndaten“. Es wird von kenkasse stellt Unternehmen ein „pass-
zahlreichen deutschen Unternehmen Statt einer Registrierung mit Passwort- Ansprechpartner: Dr. Andrea Ham-
genaues, modular aufgebautes Pro-
eingesetzt, u. a. von der Deutschen Vergabe kann mit IncaMail 4.0 nun auch mermann und Dr. Oliver Stettes
gramm für das firmenspezifische Ge-
Bahn, die ihre Gehaltsabrechnungen mit einem Sicherheitscode zum Öff- Infos unter: Tel. 0221 4981-314
sundheitsmanagement“ zur Verfügung.
per IncaMail verschickt, aber auch von nen gearbeitet werden, den der Emp-
Große Bedeutung kommt dabei psychi-
vielen schweizerischen Kantonalban- fänger in einer separaten Mail erhält.
schen Erkrankungen zu, unter denen
ken und Kliniken. Der Vorteil: Maximale Einfachheit für räumliche und zeitliche Grenzen in
nach Angaben der Barmer GEK rund
den Empfänger, der vertrauliche Nach- Unternehmen auf. Und auch die klas-
30 Prozent der Erwerbspersonen in
Jetzt ist IncaMail 4.0 auf den Markt richten sofort öffnen kann. Schließlich sische Definition von Beschäftigung
Deutschland leiden.
gekommen mit zahlreichen neuen geht es bei IncaMail 4.0 auch darum, erfährt durch Click- und Crowdwor-
Funktionalitäten – etwa im Bereich den Empfang elektronischer Einschrei- king einen Wandel. Neben Festange-
Ähnlich sieht es Professor Bernd Siege-
der Benutzerführung. Diese passt sich ben zu erleichtern. Hier wählt der Ab- stellten arbeiten viele Freie als Click-
mund, Vorsitzender der Geschäftsfüh-
dem jeweiligen Endgerät an, egal ob sender künftig aus einem Verzeichnis worker in den Unternehmen und tra-
rung des Gesundheitsspezialisten B∙A∙D
Rechner, Tablet oder Mobiltelefon, aus, welche Unternehmen elektroni- gen, teilweise als bezahlte, teilweise als
GmbH, der eine „rasant zunehmende
und ist vollständig intuitiv. Das gilt sche Einschreiben via IncaMail ak- unbezahlte Arbeitskräfte zum Unter-
Arbeitsbelastung“ und in Folge eine
auch für die Integration in die SAP- zeptieren. Auch selber kann sich der nehmenserfolg bei. Als erste Instituti-
wachsende Zahl vor allem psychischer
Welt, die über eine entsprechende Absender hier eintragen und sein„Opt- on setzte die NASA wissenschaftliche
Erkrankungen beobachtet. Laut Siege-
Software-Architektur leicht möglich in“ dafür geben. Aufgrund der kon- Laien als so genannte Clickworker ein,
mund zahlt sich das BGM allerdings in
ist. Nach Ansicht von Wermeyer er- tinuierlichen Neuerungen sieht Wer- die im Internet Fotoaufnahmen der
Euro und Cent aus. So konnte die Dow
warten immer mehr Kunden die Ein- meyer IncaMail auf der Überholspur: Marsoberfläche auswerteten. Inzwischen
Corning GmbH, ein Tochterunterneh-
bindung ihres Logos und eine Ver- „Allein in den letzten zwölf Monaten ein Erfolgsmodell für andere Instituti-
men der amerikanischen Dow Corning
bindung zu ihren anderen digitalen konnte eine Verdoppelung der regist- onen und Unternehmen. Ähnliches
Corporation mittels der von B∙A∙D vor-
Kanälen, das müsse ein solcher Dienst rierten Nutzer verzeichnet werden.“ gilt für das Crowdworking, bei dem oft
geschlagenen Maßnahmen die Qualifi-
leisten. Und selbstverständlich soll Das liegt nicht zuletzt am zunehmen- „Freelancer“ in Einzelprojekten zusam-
kation und Motivation der Mitarbeiter
auch der Empfang einfach sein. So darf den digitalen Versand von Lohnab- menkommen. „Viele Crowdworker ar-
stärken und zugleich Arbeitssicherheit
der Kunde zum Beispiel erwarten, ver- rechnungen in Unternehmen. beiten wegen des Geldes, aber einige
und Gesundheitsschutz verbessern. Er-
schlüsselte Nachrichten mit nur einem folgsentscheidend war dabei die Ein- tun es auch einfach, weil es ihnen Spaß
Klick zu lesen. „Wir haben dafür die www.swisspost.de/incamail-hr
bindung der Geschäftsführer und der macht“, berichtet Markus Steinhauser,
Führungskräfte in das BGM. Mit Maß- Marketing- und PR-Manager der Test-
nahmen wie Bewegungs- und Gesund- birds GmbH, die Crowdworker zum
heitsangeboten oder Ergonomiehilfen Testen von Webseiten und Apps ein-
konnte das Unternehmen einiges für setzt. Auf tiefgreifende Veränderungen
den Gesundheitsschutz tun und außer- der Arbeitswelt setzt auch Bosch. Das
dem Kosten senken. Unternehmen führt den „Next-Genera-
tion-Workplace“ ein: Welt weit wer-
Bildmotiv Copyright: Nicole Winkler / Swiss Post Solutions

Next-Generation- den 240 000 Arbeitsplätze mit mo-


Workplace dernsten Anwendungen eingesetzt, die
das Arbeiten in virtuellen Teams über
Thema Digitaler Wandel: Wie wirkt Landes- und Kontinentgrenzen hinweg
sich der digitale Wandel auf die Ar- erleichtern sollen. Dabei orientiert man
beitswelt der Gegenwart und Zukunft sich an der gewohnten Social-Media-
Dr. Frank Wermeyer, Director Market Development Deutschland aus? Und wie kann er von Unterneh- Nutzung der Mitarbeiter im privaten
(re.), im Gespräch mit TREND-REPORT-Redakteur Bernhard Haselbauer: men genutzt werden, um als Arbeitge- Umfeld. Videotelefonie, Online-Chats,
„IncaMail 4.0 mit ihren neuen Funktionalitäten erleichtert noch stärker ber attraktiver zu werden? Klar ist, aber auch Plattformen für die Zusam-
die Arbeit der Unternehmen, allen voran der Personalabteilungen.“ durch die Digitalisierung lösen sich menarbeit an Dokumenten sollen es
TREND REPORT Oktober 2015 | Mitarbeiter im Fokus 31

Beschäftigten ermöglichen, von jedem IncaMail zurückgreifen kann, den si- ning-Spezialist Speexx, der „maßge-
Standort in der Welt zusammenzuar- cheren digitalen Versanddienst der schneiderte Kursformate“ für ver-
beiten – „innerhalb und außerhalb des Schweizerischen Post mit patentiertem schiedene Fremdsprachen – darunter
Büros“, wie der Vorstandsvorsitzende Verschlüsselungsverfahren. Die Software, auch Deutsch als Fremdsprache – an-
Elmar Pritsch betont: „Bereits Ende die über eine intuitive Benutzerfüh- bietet. Die Vorteile des Systems sieht
dieses Jahres werden 100 000 Arbeits- rung verfügt, wird von zahlreichen mitt- Speexx u. a. in weltweit einheitlichen
plätze über die neue Büro-Software leren und großen Unternehmen, dar- Standards, in der Ausrichtung auf die
verfügen. Bis Ende 2016 werden alle unter der Deutschen Bahn, eingesetzt. Anforderungen in der Geschäftswelt
Bildschirmarbeitsplätze bei Bosch mit Die neueste Version passt sich dem je- und in einfach zu handhabenden Be-
den neuen IT-Lösungen von Next-Ge- weiligen Endgerät, Rechner, Tablet richterstattungs- und Administrato-
neration-Workplace arbeiten.“ oder Handy, an und bietet eine Platt- rentools. In einer vernetzten Gesell-
form zwischen Absender und Empfän- schaft und vernetzten Unternehmen
Verschlüsselung und ger, bei der der Empfänger sofort und wird sich vieles ändern, von der Defini-
E-Learning ohne aufwändige Registrierung Nach- tion von Arbeit über die Arbeitsweisen
richten über seine gewohnte E-Mail- bis hin zur Entgrenzung von Zeit und
Auch die Verschlüsselungstechnologie Adresse empfangen kann. Zudem lässt Raum. Für die Gesellschaft, für die
befördert den digitalen Wandel in den sich das System innerhalb von fünf Ta- Unternehmen, für den Einzelnen be-
Unternehmen. Denn Daten müssen gen einführen. Gut, wer als Arbeitge- deutet dies Chance und Risiko – vor
geschützt werden – vor allem in Zeiten ber das Lernen und die Weiterbildung allem aber Chance.
grassierender Wirtschaftsspionage. Bei- seiner Mitarbeiter fördert. Auch hier
Elmar Pritsch, CIO Bosch, stattet spiel Personalabteilungen: Hier gilt es, hilft die Digitalisierung weiter, so im
weltweit 240 000 Arbeitsplätze mit vertrauliche Daten zu sichern – etwa Bereich des Fremdsprachenlernens.
#HRtrends
modernsten Collaboration-Methoden Gehaltsabrechnungen oder Arbeitsver- Stichwort Internationalisierung: „The
und -Technologien aus. träge. Gut, wer auf eine Software wie Perfect Blend“ nennt es der E-Lear-

bAV: Zukunftsängsten begegnen!


Gastbeitrag von Heiko Gradehandt, sehr präsent ist: Eine von Towers Watson vom Arbeitgeber finanzierte Absiche- wenn der Arbeitgeber eigene Beiträge
Towers Watson mit dem Titel „Leben ohne Risiko? Leben rung. Darüber hinaus trifft er mit sei- zur Finanzierung der Risikoabsiche-
ist Risiko!“ durchgeführte Studie zur nem Angebot die Erwartung der Ar- rung seiner Mitarbeiter leistet.
Arbeitgeber wissen: In Zeiten des Risikoabsicherung von Arbeitnehmern beitnehmer: Sie gehen davon aus,
„demografischen Wandels“ wird es aus dem Februar 2015 zeigt, dass 85 dass eine vom Arbeitgeber organisier- Mit diesem zielgerichteten Nebenleis-
immer schwerer, die besten Köpfe Prozent der befragten Arbeitnehmer te Absicherung zu vergünstigten Kon- tungsangebot können Arbeitgeber im
und Talente für sich zu gewinnen. im Alter von 21 bis 35 Jahren die Absi- ditionen möglich ist und zu besseren Wettbewerb um die besten Köpfe
Dies gilt ganz besonders, wenn man cherung des Berufsunfähigkeitsrisikos Leistungen führt. Und sie haben Recht! punkten: Der erkennbare Bedarf der
als „Hidden Champion“ fernab der als wichtig bis sehr wichtig ansehen. Arbeitnehmer trifft auf ein Angebot,
Metropolen beheimatet ist. Innerhalb dieser verbesserten Rah- das mit attraktiven Konditionen die Ri-
30 Prozent der Befragten haben sogar menbedingungen sind die Arbeitneh- sikoabsicherung günstig ermöglicht.
Da heißt es, sich aus dem Angebot po- Angst davor, berufsunfähig zu werden. mer auch bereit, selbst die Initiative zu Zukunftsängsten der Mitarbeiter wird
tenzieller Arbeitgeber deutlich hervor- Hier zeigt sich eine nüchterne Ausein- übernehmen und die Absicherung im begegnet und die Konzentration auf
zuheben. Dabei bauen viele auf ein andersetzung mit der Realität: Die nicht Wege der Entgeltumwandlung zu fi- das Hier und Jetzt erhöht.
„attraktives Nebenleistungspaket“, das von der Hand zu weisende Möglich- nanzieren. Seine besondere Attraktivi-
meist prall gefüllt ist, die Bedürfnisse keit, z. B. aufgrund psychischer Erkran- tät gewinnt das Modell aber erst dann, www.towerswatson.com/mittelstand
der (künftigen) Mitarbeiter aber nur kungen berufsunfähig zu werden, und
teilweise trifft. Das Nebenleistungspa- die geringe Absicherung innerhalb des
ket zielgerichtet, d. h. an den Bedürf- staatlichen Systems lassen einen indi- Gastautor Heiko Grade-
nissen der Mitarbeiter und den strate- viduellen Versorgungsbedarf erken- handt sieht die Absiche-
gischen Zielsetzungen des Unterneh- nen. Dieser wird aktuell aber meist auf rung der Mitarbeiter als
zentrales Instrument im
Bildmotiv Copyright: Towers Watson, Robert Bosch GmbH

mens ausgerichtet, auszugestalten, privater Ebene abgedeckt.


anstatt den „Markt der Möglichkeiten“ „War for Talents“.
zu präsentieren, kann seinen „Mehr- Ein Arbeitgeber, der diesen Sorgen mit
wert“ erheblich steigern und tatsäch- einem attraktiven Angebot begegnet,
lich die gewünschte „Leuchtturmwir- kann sich wertvolle Vorteile im Wett-
kung“ erzielen. bewerb um die Besten verschaffen.
Aktuell leisten die Arbeitgeber näm-
Und hier mag es überraschen, dass ge- lich hier einen geringen Beitrag: Nur
rade bei jungen Menschen das Thema 13 Prozent der befragten Arbeitneh-
der Absicherung bei Berufsunfähigkeit mer zwischen 21 und 35 erhalten eine
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