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Der Weg der Wolle

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Herausgeber Nationales Forum Schule auf dem Bauernhof (SchuB), www.schub.ch


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Redaktion Irmgard Hemmerlein, AGRIDEA, 8315 Lindau, www.agridea.ch
Autorin Barbara Romano, Unione Contadini Ticinese
Übersetzung Eva Frei, Agriturismo La Stalla, 6675 Cevio
Gestaltung Annemarie Weishaupt, Michael Knipfer-Jørgensen (Umschlag), AGRIDEA
Druck Denis Rau, AGRIDEA
Bildnachweis AGRIDEA, Giovanni Barberis, Inlandwollzentrale, Schweizerischer Ziegenzuchtverband
© Nationales Forum Schule auf dem Bauernhof (SchuB), 2008

Die vorliegende Broschüre gibt es auch in Französisch und Italienisch.


Die Broschürenreihe «Wir entdecken den Weg ...» wird laufend erweitert.
Diese Broschüren sind Bestandteil des SchuB-Unterrichtsordners und können auch einzeln bestellt werden.
Der WEg deR Wolle

Inhalt

Weg der Wolle, so entsteht ein Pompon.................................... 3

Der Pompon.............................................................................. 4

Die Wollfaser............................................................................. 5

Die Wolle................................................................................... 6

Das Schaf................................................................................... 7

Die Schafschur........................................................................... 9

Die Verarbeitung der Wolle...................................................... 11

Produkte und Vertrieb.............................................................. 14

Literatur / Material.................................................................... 15

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Der WEg deR Wolle

Weg der Wolle,


so entsteht ein ... Pompon

Detailhandel und Grossmärkte

Textilindustrie und Kunsthandwerk

Wollzentrale

Der Bauernhof / Die Schäferei


(Schafschur)

Das Schaf

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Der WEg deR Wolle

Der Pompon


Material
Karton
Schere
Dicke Wollnadel
Verschieden farbige Wollfäden
Baumwollfaden zum abbinden

Vorbereitung
Aus dem Karton zwei gleich grosse Kreise
schneiden (10-15cm Durchmesser). In der
Mitte ein Loch schneiden, je grösser das
Loch, umso mehr Wolle wird benötigt.

Beide Kartonkreise aufeinander legen und


mit Wollfäden umwickeln, indem man
diese immer durch das Loch führt.

Verwende verschiedene Wollarten und


Farben.

Sobald das Loch mit Wolle ausgefüllt ist,


die Wollfäden am äusseren Rand aufschnei-
den, die beiden Kartonscheiben sorgfältig Aktivitäten
etwas auseinander ziehen und mit einem
starken Baumwollfaden die Mitte abbin- • Verschiedene Wollfäden anschauen:
den. Man kann nun den Karton entfernen Aus wie vielen dünnen Wollfäden sind
und mit einer Schere dem Pompon eine sie zusammen gezwirnt? In welche
schön runde Form geben. Richtung (rechts oder links) laufen die
Fäden?
Pompons kann man in verschiedenen • Verschiedene Fäden vorbereiten (Wolle,
Grössen anfertigen und für vieles verwen- Baumwolle, dick, dünn, usw.).
den: Mützen, Schals, Halstücher, Hand­ Die Kinder müssen diese Fäden in ver-
schuhe, etc. schiedene Kategorien einordnen (fein,
grob, haarig).
Lasst der Phantasie freien Lauf und ver- • Mit vielen Pompons eine Raupe, eine
sucht es mit verschiedenen Wollarten und Schlange oder einen Schlüsselanhänger
Farben. basteln.

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Der WEg deR Wolle

Die Wollfaser

Im Schafsfell kann man hauptsächlich drei Arten von Wollfasern entdecken:

Die raue Faser Die feine Faser


Die Aussenseite der Wollfaser besteht aus
Schuppen. Sie können angeordnet sein wie
Dachziegel oder die ganze Faser umschlies-
sen. Wenn die Schuppen so nebeneinan-
der liegen, dass sie sich kaum berühren,
a. Schuppen ergibt das eine flache Struktur. Unter den
b. Spindelzelle
Schuppen liegen die Spindelzellen, welche
c. Mark
d. Fibrillen aneinander liegen und deren Struktur die
Wollfaser beeinflussen. Im Innern der rauen Feine Wollfasern haben prinzipiell die glei-
Wollfaser befindet sich ein Kanal, der mit che Struktur wie die Rauen. Der einzige
Mark gefüllt ist. Die Annahme, dass das Unterschied ist, dass sie kein Mark enthal-
Mark als Nahrung der Wollfaser dient, ist ten. Wie bei der rauen Faser können die
falsch. Es beeinflusst die Wollqualität eher Schuppen sich überlappen oder sich fast
negativ. nicht berühren. Es kommt auch vor, dass
sich eine Schuppe um die ganze Wollfaser
legt.

Die abgestorbene Faser


Es handelt sich hier um eine nicht krause,
sondern flache Faser mit einem inneren
Markrohr. Diese Faser befindet sich vor
allem an den Beinen der Schafe.

1 = feinste Wolle (sehr gute Qualität)


bis Wollfeinheit
5 = raue Wolle (Abfall)
Je feiner die Wollfaser, umso kostbarer
ist sie. Viele Faktoren beeinflussen die
Wollqualität (Feinheit): Klima, Ernährung,
Aufzucht, Rasse, Geschlecht, Alter. Ein
Schaf produziert mehrere Wollqualitäten;
die Feinere befindet sich auf den Schultern,
den Seiten und dem Rücken.

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Der WEg deR Wolle

Die Wolle

Wolle wird aus dem Haar verschiedener Tiere hergestellt

Wenn man von Wolle spricht, denkt man Angorakaninchen


an Schafwolle. Es gibt aber weitere Tiere,
die uns Wolle liefern. Dies sind z.B. Je älter das Angorakaninchen ist, desto
besser ist seine Wolle. Sein Fell hat eine
Länge zwischen 10 und 40 cm. Jährlich
Lama, Alpaka, Vicuna kann ein solches Kaninchen bis zu 1.3 kg
Wolle produzieren. Das Kaninchen wird
Sie gehören zur Gattung der Neu­welt­ nicht geschoren; die Wolle wird ausge-
kameliden, welche keine Höcker haben kämmt.
und in Südamerika in den Anden leben.
Besonders feine Wolle gibt das wild lebende
Vicuna. Alpakas und Lamas werden auch Für was wird Wolle
als Lasttiere gehalten.
benötigt?
Kaschmirziege Die Wolle schützt das Tier vor Kälte, Feuch­
tigkeit und Verletzungen. Alle Warm­blüter
Die Kaschmirziege wird in den kalten haben einen Schutz: Federn für die Vögel,
Himalaya- Regionen gehalten, im Kaschmir Fett für die Tiere in der Arktis, Fell, usw.
(Nord Indien) und in Tibet. Die feinste Viele Federn oder Fellhaare zusammen
Wolle wird von der Halsgegend gescho- können den Körper vor Wind und Wetter
ren. Kaschmirwolle ist eine der wertvollsten schützen und verhindern den Verlust von
Wollen und besonders weich und warm. Wärme.

Kaltblüter (wie z. B. Schlangen) benöti-


Kamel gen keinen Kälteschutz, denn ihre Körper­
temperatur steigt oder sinkt mit der Aus­
Ausschliesslich asiatische Kamele mit sen­temperatur.
zwei Höckern, welche in den kalten sibiri­
schen Gegenden leben, werden für die
Wolllieferung genutzt. Im Frühling verlieren Aktivitäten
sie büschelweise das Winterfell, welches
gesammelt und je nach Feinheit sortiert • Eine Wollfaser unter dem Mikroskop
wird. be­­trachten: Diese beschreiben und
skiz­zieren.
• Eine Schafschur betrachten und die ver-
Mohair-/Angoraziege schiedenen Teile beschreiben: Rücken,
Bauch, Beine. Unterschiede beschrei-
Die Mohair-/Angoraziege stammt aus West- ben.
Asien; ihre Wolle kann bis 20cm lang wer- • Eine Schafschur nach Wollqualität sor-
den. Der Name «Angora» stammt von der tieren: Raue und feine Wolle, sowie
Alpaka türkischen Provinz Angora (Ankara). abgestorbene Haare. Wenn Woll­de­
fekte ge­­fun­den werden, diese begut-
achten und beschreiben.
• Den Schutz der Tiere bestimmen: Möve,
Walross, Kuh, Biber, Elefant, Wal, Pferd,
Adler

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Der WEg deR Wolle

Das Schaf
Gattung Ovis

Weltweit gibt es eine Milliarde Schafe verschiedener Rassen.


Das Schaf ist ein Pflanzenfresser und Wiederkäuer; wie die Kuh hat es 4 Mägen.
Das Schaf ist ein Herdentier.

Im Jahr 2006 zählte man in der Schweiz Es gibt auch Schafe, welche für die Milch­
196‘000 Schafe (Tiere älter als 1 Jahr). Über produktion gezüchtet werden (siehe «der
60% der Schweizer Schafe gehören der Weg der Milch»). In den letzten Jahren hat
Rasse WAS (weisses Alpenschaf) an. sich diese Art von Produktion stark ent-
wickelt.
In der Schweiz werden weitere Rassen
ge­züchtet; die Schwarznase (guter Fleisch­ Es gibt auch Schafe, die im Frühjahr einen
lieferant), Walliser Schwarznase, Schwei­zer natürlichen Fellwechsel haben, wie andere
Walliser Schwarznase Charrolais, Ile de France. Tiere auch: Nolana-Schafe. Sie müssen
Merinoschafe, die eine ganz feine Wolle nicht geschoren werden. Sie werden für
haben, werden hingegen in Neuseeland, die Fleischproduktion gezüchtet. In der
Australien und Südamerika gezüchtet. Schweiz kommen diese erst vereinzelt vor.
www.nolana-schafe.de

Nicht nur Wolle Abschliessend können wir sagen, dass uns


Schafe mit Fleisch, Milch, Wolle, Fellen und
Nur ein kleiner Teil des bäuerlichen Ein­ Leder beliefern.
WAS – Weisses Alpenschaf kommens wird heute noch mit der Schaf­
zucht erzielt, welche jedoch für die Flä­
chenbewirtschaftung sehr wichtig ist. Steile Die Wander­­
Hänge und Hochalpen werden bewei-
det, denn sie sind zu steil für Kühe und
schafhaltung
moderne Maschinen.
In der Schweiz, wie auch in anderen Ländern,
In der Schweiz wird das Schaf hauptsäch- gibt es heute noch eine alte Tradition der
lich für die Fleischproduktion gehalten. Der Schafhaltung, die Wanderherde. Im Herbst
Wollpreis ist in den letzten Jahren stark kauft der Hirt kleine und noch nicht fette
gesunken. 1990 wurden noch Fr. 7.–/kg Lämmer, und wandert dann mit dieser
bezahlt, heute gibt es für ein Kilo nur noch Herde in der Schweiz von Weide zu Weide;
knapp Fr. 1.–. vorwiegend in der Nordschweiz, wo das
Gras nahrhafter ist als südlich der Alpen.

Hirtenhunde helfen dem Hirt, seine Herde


zusammen zu halten und mit ihr von Dorf
zu Dorf zu ziehen. Oft gehört auch ein Esel,
der als Lastenträger mitläuft, dazu.

Sobald die Lämmer das Schlachtgewicht


erreicht haben, werden sie wieder ver-
kauft.

Diese Art von Haltung ist heute gefähr-


det, einerseits weil die Flächen immer mehr
verbaut werden und anderseits, weil der
Fleischpreis ständig sinkt.

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Der WEg deR Wolle

Schafe haben naturliche Feinde Die häufigsten Schaf-


krankheiten
Die Grossraubtiere: Der Wolf und der Luchs

Diese Hunde lebten ständig unter den Moderhinke oder Klauenfäule


Schafen und schützten sie vor Ein­dring­
lingen. Die Schafhaltung in der Schweiz ist Die Moderhinke ist eine durch Bakterien
nicht mehr an die Anwesenheit von grossen hervorgerufene Schafkrankheit. Manchmal
Raubtieren angepasst. Die traditionellen werden in einer Herde nur vereinzelte Tiere
Methoden der Behirtung und Behütung, betroffen, manchmal aber ganze Bestände.
bewährt durch die Jahrhunderte, entspre- Eingetrockneter Schmutz, Steine oder
chen nicht mehr unserer Zeit. kleine Verletzungen zwischen den Klauen
erleichtern den Krankheitserregern das
Die Herausforderung der kommenden Jahre Eindringen. Als erstes beginnt das Schaf an
wird sein, alte Schutzmethoden anzupas- einem Fuss zu lahmen. Bei der Kontrolle der
sen oder neue zu entwickeln, so dass sie Klauen zeigt sich meist eine Entzündung.
in unsere sozio-ökonomische Realität pas- Dringt diese weiter in die Tiefe, wird das
Der Wolf ist ein hundeartiges Raubtier sen. Klauenhorn seitwärts unterhöhlt. Um die-
(Canis lupus). ser Krankheit vorzubeugen, werden die
Seine Färbung ist meist eine Mischung aus Schafe durch Fussbäder getrieben, denen
beige und anthrazit, oder auch schwarz, ein Wirkstoff zugesetzt wird.
weiss oder falbfarben.
Die Er­näh­rung be­steht hauptsächlich aus
Die Räude
Fleisch; er frisst aber auch Früchte und
Insekten. Die Räude wird durch winzige Milben ver-
Der Wolf lebt in kleinen Gruppen (Fa­mi­ ursacht, die sich sehr schnell vermehren.
lienverband/Rudel) mit klar definierter Die Schafe werden von heftigem Juckreiz
Hierarchie. Das Alpha-Paar steht zuoberst geplagt und es entstehen gelbliche Krusten,
in der Hierarchie. Es ist ausschliesslich das die sich mit der Wolle vom Körper lösen. Zur
Alpha-Weibchen, das die Jungen zur Welt Vorbeugung und Bekämpfung der Räude
bringt, die anderen Weibchen beteiligen Der Luchs gehört zur Familie der katzenarti­ werden die Schafe mit einem Spezialmittel
sich an der Aufzucht der Jungen. gen­Raubtiere oder Felidae. gebadet. Neuerdings kann man die Räude
Ein Rudel besteht, je nach Beutetierangebot, Typisch für den Luchs sind seine Hoch­ auch mit einer Spritze bekämpfen.
aus 2 bis 8 Tieren. beinigkeit, der kurze Schwanz und die
Haarbüschel (Pinsel) auf den Ohren­spitzen.
Im 16. Jahrhundert war der Wolf noch in Er lebt als Einzelgänger in Revieren, wo Aktivitäten
der ganzen Schweiz anzutreffen. Schon keine anderen erwachsenen Tiere des glei- • Film «Hirtenreise ins 3. Jahrtausend»
im nächsten Jahrhundert war er durch die chen Geschlechts toleriert werden. an­schauen und diskutieren.
intensive Verfolgung in einigen Gebieten
Nach «Sennen-Ballade» und «Bauern­
ausgerottet. Im 19. Jahrhundert ver­ Bis 1900 verschwand der Luchs aus wei-
krieg» ist «Hirtenreise ins dritte Jahr­
schwand er dann vollständig. Die letzten ten Teilen Europas. Nach vielen Jahren
tausend» der dritte Film einer Trilogie, in
Wölfe wurden 1890 in der Ajoie im Jura Abwesenheit laufen seit den 70er Jahren
der Erich Langjahr sich mit den elemen-
beobachtet. wieder Ansiedlungsprojekte. Die Luchs­
taren Fragen des Menschen und seiner
Im 20. Jahrhundert tauchten vereinzelte population hat sich, von den anfänglich
Existenz auseinandersetzt. Im Zentrum
Wölfe in der Schweiz auf. Seit Mitte der 25-30 Tieren, auf etwa 100 erwachsene
stehen die Fragen nach Identität, Über­
1990er Jahre wurden sie im Wallis wieder Tiere vermehrt (Jungtiere nicht mitge-
leben und Zukunft.
vermehrt gesichtet. Diese Tiere wandern zählt).
von Süden her ein. • Weitere Auskünfte zu Grossraub­­­­tieren
sammeln.
Der Wolf ist ein geschütztes Tier. www.wild.unizh.ch; www.kora.ch
Um die Schafherden vor dem Wolf zu • Besuch im Wildpark Langenberg mit
schützen, hielten die Hirten früher grosse Führung; beobachten des Lebens der
Hunde zur Verteidigung ihrer Tiere. Wölfe im Rudel. www.stadt-zuerich.ch/
internet/gsz/home/naturraeume/wild-
park_langenberg.html

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Der WEg deR Wolle

Die Schafschur

Im Gegensatz zu früher werden die Schafe heute zweimal jährlich geschoren:


Im Frühling, damit sie nicht unter der Sommerhitze leiden müssen und vor dem
Winter, um zu verhindern, dass die Schafe im Stall zu stark schwitzen. Wenn
die Schafe schwitzen, mischt sich der Schweiss mit dem Lanolin und verklebt
das Fell. Darunter würde die Wollqualität leiden.

Beim Scheren muss das Schaf trocken


sein. Früher wurden dazu grosse Scheren
benutzt. Heute wird das Schaf mit einem
elektrischen Apparat in ein paar Minuten
geschoren.

Zuerst wird die Abfallwolle an Bauch und


Beinen, danach der Kopf und die Schulter
der einen und danach der anderen Seite
geschoren. Die Wolle wird in einem Stück
(Wollvlies) geschoren, und es bleiben keine
Wollreste auf der Haut. Je nach Rasse gibt
ein Schaf zwischen 2 - 5 kg Wolle.

Die Inlandwollzentrale
Nur ein kleiner Teil, der in der Schweiz
geschorenen Wolle wird direkt vom
Schafhalter oder von kleinen handwerk-
lichen Betrieben verarbeitet.

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Der WEg deR Wolle

Geschichtliches Aktivitäten
Wolle ist eine der ältesten, vom Menschen • Was geben uns diese Tiere: Ziege,
verwendeten Fasern. Die Babylonier Schwein, Kuh, Huhn, Rentier, Gans?
(Babylonien heisst «Land der Wolle») haben • Fragen vorbereiten und sie einem Hirt
vor etwa 5000 Jahren die Wollverarbeitung stellen: Über seine Arbeit, sein Leben,
entdeckt. Damals hat man Wollbüschel die Tiere
zwischen den Fingern so lange verdreht
• Was haben folgende Tiere für Feinde:
bis ein Faden entstand, welcher zu gro-
Pferd, Maus, Huhn, Biene, Kuh,
bem, aber warmem Gewebe verarbei-
Kaninchen, Eidechse, Schlange, Spatz?
tet wurde. Im Westen hat sich die Kunst
der Wollverarbeitung sehr schnell ver- • Miss die Zeit, die ein Scherer für das
breitet. Kostbare Stoffe wurden im frü- Scheren eines Schafes benötigt. Rechne
hen Mittelalter in Klöstern gewoben. Die nun aus, wie lange er für die ganze
Webstühle wurden versteckt, um sie gegen Herde brauchen wird.
Die Inlandwollzentrale in Niederönz sam- barbarische Invasoren zu schützen. • Rieche an der frisch geschorenen Wolle
melt die Wolle, welche nach Feinheitsgrad und beschreibe den Geruch.
sortiert und in 300kg Ballen gepresst wird. Heutzutage ist Australien der ­grösste • Ein Wollvlies wägen und ausrechnen,
In der Wollzentrale wird die Wolle nicht Wollproduzent und liefert 70% des Welt­ wie viel Wolle die ganze Herde liefern
verarbeitet. Die Wolle wird von Händlern bedarfs. Im Jahre 2005 hat Australien wird.
übernommen, welche sie zum Waschen 500‘000t Rohwolle produziert. Der grös-
• Erfinde einen Dialog zwischen den bei-
und Karden in grosse Betriebe nach Belgien ste Wollimporteur Europas ist Italien.
den Schafen (unten).
und Deutschland schicken.

(Aus: Schede de “Fattorie didattiche”,


Regione Lombardia - Agricoltura.)

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Der WEg deR Wolle

Die Verarbeitung der Wolle


waschen, färben, kardieren, spinnen, weben, filzen

Wir unterscheiden zwischen industrieller und handwerklicher


Wollverarbeitung. Nachstehend beschreiben wir den handwerklichen Teil.

Waschen Handkarden Färben


• Die frisch geschorene Wolle sieht wie Die Wolle wird erst nach dem Waschen
eine weiche Wolke aus. gefärbt, da Schweisswolle die Farbe schlecht
• Zu Beginn muss man das Stroh und Heu, annimmt. Farben werden aus Pflanzen,
den Mist und die Erde entfernen. Das Tieren, Mineralien gewonnen oder sie sind
sortierte Vlies in einem grossen Bottich synthetisch hergestellt. Selber Färben kann
einige Stunden mit Wasser einweichen. man mit Zwiebelschalen, Nussschalen,
Wolle heraus nehmen und das Wasser Kastanienblättern, Birkenblättern, Efeu,
mit lauwarmem Seifenwasser (neutrale verschiedenen Wurzeln und vielem mehr.
Seife) ersetzen, Wolle wieder hinein
geben. In der Industrie wird zu verschiedenen
• Nach ca. 30 Minuten Wolle vorsichtig Zeitpunkten gefärbt. Die Wolle wird sel-
durchdrücken (nicht reiben, da sie sonst ten gleich nach dem Waschen gefärbt.
verfilzt), in grosse Zwiebelsäcke füllen Für grössere Mengen gibt es Kardier­ Oft erst nach dem Spinnen oder auch erst
und ausschleudern. maschinen mit Walzen. In der Industrie das fertige Produkt (Kleidungsstück, Stoff,
• Wolle kalt werden lassen und in klarem haben diese Walzen einen sehr grossen Teppich). In der Industrie wird mit synthe-
Wasser spülen bis keine Seife mehr in der Durchmesser. tischen Farbstoffen gearbeitet.
Wolle ist. Beim letzten Spülgang kann
ein Schuss Essig beigegeben werden.
Wolle luftig und im Schatten trocknen
lassen.
Einfaches Rezept für schöne Brauntöne:
Material:
Kardieren – Pro 100g Wolle werden ca. 1kg frische, grüne Nussschalen benötigt
Das Kardieren der Wolle erleichtert die (Gummihandschuhe verwenden, da man sonst schwarze Finger be-
Weiterverarbeitung. Dadurch wird sie kommt).
auf­gelockert und die kreuz- und querlie- Vorgang:
genden Fasern werden in eine Richtung – Nussschalen etwas zerkleinern und 24 Stunden in kaltes Wasser
gekämmt. Dieser Arbeitsschritt ist für das einlegen.
anschliessende Spinnen notwendig. Eine
– Wolle ca. 1 Stunde in leichtes Seifenwasser einlegen und anschliessend
kleine Menge Wolle kardiert man mit
spülen.
Handkarden – das sind zwei Holzbretter
mit vielen Metallnadeln. Man hält die
– Schalen und Wolle in eine Plastikwanne legen.
eine Karde in der Hand, legt ein kleines – Die Wanne vorsichtig mit dem Einlegewasser und kaltem Wasser füllen.
Wollbüschel darauf und zieht dann mit der – 72 bis 96 Stunden sollte das Färbgut in der Flotte bleiben.
anderen Karde die Wolle immer in die glei- – Die Wolle herausnehmen und ohne Auswaschen gut an der Luft trock-
che Richtung. Nach 4 – 5 Zügen die Wolle nen lassen; das fixiert die Farbe.
wenden und in die andere Richtung zie- – Die getrocknete Wolle ausschütteln, von den Schalenresten befreien
hen. und auswaschen.

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Der WEg deR Wolle

Spinnen
Nach dem Karden wird die Wolle verspon- Eine Handspindel besteht aus zwei Teilen:
nen. Dem Spindelstab und dem Wirtel. Der
Damit ein Faden entsteht müssen die Woll­ Wirtel ist ein Gewicht (Stäbe, Holzscheibe,
fasern miteinander verdreht werden. Stein), mit dem der Stab beschwert wird.
So lässt er sich schneller drehen. Durch
Das Spinnrad arbeitet mit dem gleichen eine schnelle Drehung am oberen Ende der
Prinzip wie die Handspindel, nur liegt die Spindel wird der Drall auf die Wolle über-
Spindel waagrecht und wird durch das tragen, die man aus der Wollflocke zieht,
Rad angetrieben. Mit einer Hand wird die welche man in der anderen Hand hält.
ge­kardete Wolle festgehalten. Mit der
an­deren zieht man die Fasern heraus und Spindel
kontrolliert den Drall. Man kann die Wolle
ganz verschieden spinnen – dünn, dick, mit
Noppen, usw.

Spinnrad
Spindelstab

Wirtel

Aktivitäten
• Wolle kardieren und verschiedene Farb­
kombinationen mischen.
• Versuchen, nur mit den Fingern einen
Wollfaden zu spinnen.
• Eine einfache Handspindel basteln
Benötigtes Material:
Holz ca. 40 cm lang, Durchmesser 1cm,
Fimo oder Plastilin (Knetmasse). Mit
dem Plastilin einen Wirtel formen (Ring,
Klumpen) und am unteren Ende der
Spindel anbringen.
• Versuchen, mit der eigenen Handspindel
zu spinnen.

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Der WEg deR Wolle

Weben Filzen
Der gesponnene Wollfaden lässt sich verwe- Beim Filzen wird die Eigenschaft der Woll­
ben. Zwischen längs laufenden Kettfäden fäden genutzt, sich ineinander zu verhaken.
werden quer laufende Schussfäden Feuchtigkeit, Wärme, Druck und Bewegung
abwechselnd einmal über und einmal unter werden benötigt, um Filz herzustellen. Filz
dem Kettfaden eingewoben. So entsteht hält warm und ist Wasser abstossend. Man
das Gewebe. kann aber auch Filzschmuck, Taschen und
vieles mehr daraus machen.
In der Textilindustrie werden die Fäden auf
grossen Maschinen gewoben, anschliessend
kann das Gewebe weiteren Verarbeitungen
unterzogen werden.
Aktivitäten
Wird der Stoff z. B. gewalkt, erhält man Die Herstellung eines Filzballes:
einen kompakten, warmen Stoff, den man
Wollstreifen aus verschieden farbiger,
für die Herstellung von Mänteln oder son-
gekardeter Wolle zusammen rollen und
stigen warmen Kleidungsstücken verwen-
einen Ball formen.
den kann.
Die Streifen müssen kompakt gewickelt
werden. Den Wollball in heisses Wasser
tauchen. Anschliessend zwischen den
eingeseiften Handflächen rollen. Anfangs
müssen die Bewegungen sanft sein, ohne
Flachwebstuhl Druck auszuüben. Wenn die Wolle zu
① filzen beginnt, kann man mehr Druck
② ① Webrahmen
geben. Den Ball regelmässig in heisses
③ Wasser tauchen und die Seife auf den
② Litzen
Handflächen erneuern. Die Arbeit ist be­­
③ Kammlade endet, wenn die Fasern kompakt um den
⑤ Ball liegen, und sich keine Wollhaare mehr
⑥ ④ Schärbaum
④ ablösen. Das kann 15 - 20 Min. dauern.

⑤ Gewebe

⑥ Kettbaum

Aktivitäten
• Einen einfachen Webrahmen mit zwei
geraden Baumästen und Schnur her-
stellen.
• Gewebe mit selbst gesponnener Wolle
herstellen.

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Der WEg deR Wolle

Produkte und Vertrieb

Die Produkte Verkauf


Mit Wollstoff oder Wollfaden werden Oft treffen wir dieses Zeichen an.
unzählige verschiedene Kleidungsstücke Was bedeutet es?
produziert: Pullover, Mäntel, Halstücher,
Schals, Wollkappen, Socken aber auch
Wolldecken, Kissen und vieles mehr.

Wolle wirkt isolierend gegen Kälte, aber


auch gegen Wärme.

Reine Schurwolle ist schwer entflammbar Reine Schurwolle


und wird dank dieser Eigenschaft auch für = 100% Wolle wurde verarbeitet
öffentliche Einrichtungen und zur Isolation = die Wolle wurde vom lebenden Schaf
von Gebäuden verwendet. geschoren
(keine Recycling-/Reisswolle)
In der Textilindustrie wird Wolle oft mit syn-
thetischen Fasern gemischt.

Verschiedene Fasern
Es werden drei Typen von Fasern unter-
schieden: natürliche, künstliche und syn­
thetische.

Naturfasern Künstliche
Fasern
Synthetische
Fasern
Aktivitäten
• Erstellt eine Liste der Etiketten auf
Tiere Pflanzlich Mineralisch
euren Kleidungsstücken. Was bedeu-
Nylon,
Baumwolle, Rayon, Viskose, ten die Zeichen?
Polyamid,
Wolle, Seide Leinen, Hanf, Asbestfasern Acetat • 100g trockene Wolle abwiegen. Diese
Polyester, Acryl
Flachs dann mit Wasser voll saugen lassen und
alles nochmals auf die Waage legen;
den Unterschied errechnen und den
Vorgang mit anderen Fasern (Baum­
wolle, Seide) wiederholen. Vergleiche.
• In dem Märchen «die 12 Schwäne» hat
die Schwester der Schwäne Hemden
gewoben. Aus welcher Faser?

14 SchuB 2008


Der WEg deR Wolle

Literatur / Material

– KORA, Hrsg., Dokumentation Wolf,


Thun, 2005
– KORA, Hrsg., Dokumentation Luchs,
Thun 2004
– Inlandwollzentrale, Hrsg., Schurwolle
und ihre Verwendung, 1977
– www.caprovis-data.ch (auch Bezug von
ungewaschener Wolle möglich)
– www.nolana-schafe.de

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