Sie sind auf Seite 1von 3

AUMT, 5AKCIU Janet Wissuwa

Aufgabe:

Fische, die zum Verzehr bestimmt sind, sollen auf ihren Quecksilbergehalt
untersucht werden.

Quellen für Quecksilber

Quecksilber ist auch ohne menschlichen Einfluss in allen Bereichen der Biosphäre vertreten.1 Es wird
unter anderem natürlich von Vulkanen abgegeben.2
Anthropogen Einträge stammen/stammten aus:
• Bergbau, Erzverhüttung und Metallverarbeitung, da es natürlich als Sulfid vorkommt und mit
anderen Metallen in sulfidischen Erzen vergesellschaftet ist
• Quecksilberindustrie
• Kohleverbrennung
• Goldgewinnung
• Papierindustrie
• Ausbringung von Organoquecksilberfungiziden
• quecksilberhaltige Saatgutbeizmittel3
sowie aus dem Chloralkaliprozess und der Kunststoffproduktion, wo es als Katalysator eingesetzt
wird.2

Gefährdung durch Quecksilber

Quecksilber ist auch in den Weltmeeren natürlich anzutreffen mit einer Hintergrundkonzentration ab
0,1 ng/L, während in abgegrenzten Biotopen wie Binnengewässern und austauscharmen
Küstengewässer die Lage verschärft ist. Das Schwermetall wird von aquatischen Lebewesen durch
Biomethylierung in seiner toxischen Wirkung entschärft. Die so verminderte Toxizität verkehrt sich
allerdings in den höheren trophischen Stufen in ihr Gegenteil. In den meisten Konsumenten von
Fischen, der Mensch eingeschlossen, entwickelt methyliertes Quecksilber eine weitaus höhere Toxizität
als das rein anorganische Quecksilber.1 Da organische Hg-Verbindungen stark lipophil sind, reichern
sie sich in Lebewesen und Nahrungsketten deutlich an. In Fischen werden Anreicherungsfaktoren
zwischen 5*103 und 105 beobachtet. Monomethylquecksilber in Fischen kann weder durch Tiefkühlung
noch durch Kochen zerstört werden.3
Daher ist die regelmäßige Untersuchung von Nahrungsfischen auf ihre Quecksilberbelastung
notwendig. Quecksilber wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unter die zehn größten
Bedrohungen für die menschliche Gesundheit eingereiht. Beim Menschen wurde nachgewiesen, dass
Quecksilber den Fötus schädigt und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen kann.4
Quecksilber ist als Gesamtquecksilber in der Kontaminantenverordnung, Verordnung (EU) Nr.
1881/2006 zur Festsetzung der Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln geregelt.
Für den Großteil der Fische beträgt der Höchstgehalt 500 µg/kg Frischgewicht. Für bestimmte
fettreiche Fische, vor allem Raubfische, die am Ende der Nahrungskette stehen und Schadstoffe
vermehrt anreichern können, gilt der Höchstgehalt von 1.000 µg/kg Frischgewicht. Lebensmittel dürfen
nur in Verkehr gebracht werden, wenn ihr Gehalt an Kontaminanten die aufgeführten Höchstgehalte

1
AUMT, 5AKCIU Janet Wissuwa

nicht übersteigt. Ein 70 kg schwerer Mensch darf in der Woche 91 µg Methylquecksilber aufnehmen,
ohne dass es zu gesundheitlichen Auswirkungen kommt während es bei einem 30 kg schweren Kind
nur 39 µg pro Woche sind.5 Für Quecksilber gilt eine Umweltqualitätsnorm von 20 µg/kg
(Änderungsrichtlinie 2013/39/EU zur Richtlinie über Umweltqualitätsnormen 2008/105/EG).6

Untersuchung von Quecksilber

Für die Untersuchung von Quecksilber in Fischen wird Muskelfleisch (Filet) als der eigentliche essbare
Anteil des Fisches verwendet. Nicht zur Untersuchung gelangen Kiemen, Haut, Skelett und Innereien,
weil sie für die menschliche Ernährung in der Regel ausscheiden. Gelegentlich werden bei größeren
Fischen Lebern untersucht, um über diesbezügliche Belastungen Aussagen treffen zu können.6

Das generelle Vorgehen ist nach der Probenahme:


1. 0,2 bis 0,5 g Muskelfleisch abwiegen
2. eventuell entfetten
3. aufschließen am ehesten mit Säure (Mikrowellenaufschluss)
4. eventuell Anreicherung
5. Konzentrationsbestimmung.

Am häufigsten wird zur Konzentrationsbestimmung von Schwermetallen in Extrakten und


Säureauszügen die Flammen-AAS bzw. Grafitrohr-AAS eingesetzt. Flüchtige Elemente wie
Quecksilber werden mit der Hydridtechnik zur Abtrennung von Störstoffen in flüchtige Hydride
überführt.2

Prinzipiell zur Quecksilber-Spezies-Analytik geeignete Basisoperationen sind nach 1:

2
AUMT, 5AKCIU Janet Wissuwa

Das Institut für Fische und Fischereierzeugnisse Cuxhaven hat 2007 eine Prüfmethode zur Bestimmung
von Quecksilber-Spezies in marinen Biota mit folgenden Schritten erarbeitet (aus 1):
1. Entfettung der Probe mit Essigsäureethylester (optional, nur bei Proben mit hohem Fettgehalt).
2. Serienmäßiger Aufschluss mit wässriger Lösung von Tetramethylammoniumhydroxid in
silanisierten Reaktionsgefäßen.
3. Neutralisation und Pufferung mit Essigsäure.
4. Simultane Ethylierung mit wässriger Lösung von Natriumtetraethylborat und Austreibung
(Strippen) der ethylierten Derivate mit Stickstoffstrom unter Ultraschall.
5. Kondensierung/Fokussierung der ethylierten Derivate in Decanvorlage.
6. Trocknung mit Natriumcarbonat.
7. Splitlose Flüssiginjektion in GC (automatischer Probenaufgeber).
8. Gaschromatografische Trennung auf Dickfilm-Kapillare.
9. Post-Column Pyrolyse zu elementarem Quecksilber.
10. Detektion mittels Kaltdampf-Atomfluoreszenz (CV-AFS).

Für in Österreich erhältlichen Fisch und Meeresfrüchte hat die AGES die Gehalte an Gesamtqueck-
silber im Rahmen einer Studie über das Auftreten von Quecksilber in Lebensmitteln von 2007 bis 2015
analysiert. Die Proben wurden mittels Mikrowellendruckaufschluss mit Salpetersäure gemäß EN 13805
aufgeschlossen. Die Analysen erfolgten mittels Kaltdampf-Atomabsorptions-spektrometrie (CV-AAS)
gemäß EN 13806 mit Natriumborhydrid als Reduktionsmittel und Inductively Coupled Plasma-Mass
Spectrometry (ICP-MS) gemäß EN 15763 auf den Quecksilberisotopen 201 und 202 mit Lutetium als
internem Standard.7

Literatur:

1 R. Kruse, E. Bartelt (2008). Exposition mit Methylquecksilber durch Fischverzehr & Etablierung
analytischer Methoden zur Bestimmung von Methylquecksilber in Fischereierzeugnissen. Gemeinsamer
Endbericht, Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Institut für
Fische und Fischereierzeugnisse, Cuxhaven
2 B. J. Alloway, D. C. Ayres (1996). Schadstoffe in der Umwelt. Spektrum Akademischer Verlag GmbH,
Heidelberg, Berlin, Oxford
3 A. V. Hirner, H. Rehage, M. Sulkowski (2000). Umweltgeochemie. Steinkopff Verlag, Darmstadt
4 https://www.global2000.at/news/quecksilber-in-fischen-gefunden

5 https://www.ages.at/themen/rueckstaende-kontaminanten/quecksilber/quecksilber-in-fisch/aufnahmemengen/

6 Erfassung der Schadstoffkontamination von Fischen im Freistaat Sachsen. Jahresbericht 2020.


Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

7 AUFNAHME VON QUECKSILBER ÜBER LEBENSMITTEL (2016). AGES Wissen Aktuell,


Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit Fachbereich Integrative
Risikobewertung, Daten und Statistik, Wien