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Barramou, Sheikmous, Wissuwa 6AKCIU

Methan – Eigenschaften, Entstehung,


Wirkungen und Vermeidung
Eigenschaften[1]
gasförmig
geruchlos
farblos
hochentzündlich & brennbar (Heizwert 35,89 MJ·m−3)
kaum wasserlöslich, gut löslich in Ethanol & Diethylether
einfachstes Alkan mit tetraedrisch gebautem Molekül[2]
absorbiert Infrarotstrahlung im Bereich von 3000 cm-1, wo es ein Frequenzfenster im Spektrum von
CO2 gibt[3]

Entstehung
Methan wird durch biologische & geologische Prozesse ständig neu gebildet[1] und verstärkt durch
anthropogene Einflüsse freigesetzt. Menschliche Aktivitäten tragen zu mehr als der Hälfte des
derzeitigen Höchststandes an Methanemissionen bei.[4] Den größten Anteil an den natürlichen
Emissionen machen Feuchtgebiete mit 83% aus.[5]

natürliche Quellen:
> hauptsächlich durch Methanogenese, d.h. Methanfreisetzung durch Stoffwechselvorgänge von
Lebewesen[1]
> anaerobe Gärung / Faulung in Sümpfen und Regenwäldern sowie am Grund stark verschmutzter
Gewässer[1;3] → Biogas besteht überwiegend aus CH4 (~ 60 %) und CO2 (~ 35 %) sowie H2, N2 &
H2S[1]; je g organische Substanz werden ca. 0,5 L Faulgas gebildet[6]; Bildung durch methanogene
Bakterien = einzigartige Bakteriengruppe mit eigener Entwicklungslinie, die zu Archaebakterien
gehört; können verschiedene Substrate nutzen, am wichtigsten sind Essigsäure/H2/CO2 sowie
Wurzelexsudate; da pH-Optimum um 7 gibt es nur geringe Methanbildung in sauren
Sumpfgebieten[6]
> Methan bildende Mikroorganismen im Darm von Tieren insbesondere Wiederkäuer[1;3;6]
> Termiten tragen zu 1-3% der globalen Emissionen bei, Mengenschätzungen überspannen aber 2
Größenordnungen; jedoch wird 20-80% des von symbiontischen Darmbakterien produzierten
Methans bereits im Hügel und der darunter liegenden Erde von Methan oxidierenden Bakterien zur
Energiegewinnung genutzt; im Schnitt gelangen 50% des Methans in die Atmosphäre[7]
> Reduktion von CO2 in den Ozeanen[6]
> thermisches Cracken von Kerogen in großen Tiefen (geogen)[6] und Freisetzung durch v.a.
Gasaustritte und Schlammvulkane (thermogenic methane)[5]
> Wildbrände[6]
> arktische Emissionen infolge des Auftauens des Permafrostbodens und anderer Veränderungen in
Moor-Ökosystemen[5]
> Methanhydrat (𝐶𝐻4 ∙ 5,75 𝐻2𝑂)→ austretendes Methan wird am Meeresgrund durch hohen )→ austretendes Methan wird am Meeresgrund durch hohen
Druck und tiefe Temperaturen zu Methanhydrat komprimiert und verfestigt, große Freisetzung
befürchtet infolge von Schmelzen und Verdampfen durch mit Klimaerwärmung verbundenen
Erwärmung von Meerwasser sowie bei der Bergung von Methanhydrat[1]

AIGs – Ausarbeitung Methan 1


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anthropogene Quellen:
> Verluste bei Förderung und Verarbeitung von Erdöl und -gas Lecks von Erdgasleitungen[3;6];
Methan ist Hauptbestandteil des Erdgases (85–98 %) und Begleiter von Erdöl. Auch das in
Steinkohlelagern eingeschlossene Grubengas enthält hauptsächlich Methan.[1]
> Verbrennung von Öl, Kohle, Biomasse zur Energiegewinnung [6]
> Abbrennen der Vegetation[6] – gelegte oder durch Unachtsamkeit entstandene Waldbrände
> Reisanbau[3] v.a. steigender Anbau von Nassreis[6]
> steigende Viehhaltung von Rindern & Schafen[6]; Ausstoß durch Hausrind täglich etwa 150–250 L
Methan[1]
> Freisetzung von Abfallablagerungen / Deponien in Form von Deponiegas, welches aus bis zu
70% Methan, ca. 30% CO2 und N2 sowie in Spuren (<1%) Schwefelwasserstoff, Merkaptane,
Aldehyde, niedrige Fettsäuren, metallorganische Verbindungen (Hydride, teil- oder vollmethylierte
Metallspezies) besteht[6]

Oft sind natürliche und anthropogene Quellen schwer zu unterscheiden bzw. deren Anteile an den
Emissionen schwer zu quantifizieren, da die Prozesse der Methanbildung biogen sind und durch
menschliche Aktivitäten verstärkt werden. Beispielsweise entsteht Methan auf die gleiche Weise in
natürlichen Feuchtgebieten und in künstlich angelegten Reisfeldern. weitere Beispiele sind die
Wiederkäuer und Methanhydrat (Bildung natürlich, Freisetzung anthropogen beschleunigt). Was
globale Emissionen angeht, gehen daher die Literaturangaben recht weit auseinander. Als Beispiel
ist die globale Jahresproduktion in [6] mit 320-350 Mt sowie 594 +- 192 Mt (Megatonne)
angeführt.

Entfernung – Senken
> Reaktionen mit troposphärischen OH-Radikalen (500 Mt/a)[6]
Das Hydroxylradikal spaltet in verschmutzter Luft ein H-Atom aus dem Methan, das zum reaktiven
Methylradikal wird. Dieses lagert Sauerstoff an und wird zum Methylperoxoradikal, die
normalerweise miteinander reagieren wobei wieder Sauerstoff frei wird.
HO· + CH4 → ·CH3 + H2O [3]
Ein einmal in die Atmosphäre gelangtes Methan-Molekül hat dort eine durchschnittliche
Verweilzeit von zwölf Jahren.[1]
> photochemischer Abbau in Stratosphäre (40 Mt/a)[6]
> mikrobieller Abbau im Boden (6 Mt/a)[6]

Die Senken durch chemische Reaktionen in der Atmosphäre machen ca. 93% des abgebauten
Methans aus.[5]

Konzentrationen
Die Methan-Konzentration in der Erd-Atmosphäre hat sich in den letzten 250 Jahren von 0,8 ppm
auf 1,75 ppm mehr als verdoppelt.[1] Die Zunahme beträgt pro Jahr um 0,9% [6]. Die neuesten
Zahlen stammen von Ende 2019 mit einer globalen mittleren Konzentration von rund 1875 ppb,
was das mehr als Zweieinhalbfache im Vergleich zum vorindustriellen Level ist.[5] Im November
2020 lag der Wert bereits bei 1892 ppb.[8] Bis auf eine kurze Periode von 2000 bis 2006 ohne
Konzentrationszunahme aus unbekannten Gründen steigt die Konzentration seit Ende der 80er Jahre
kontinuierlich an und könnte bis 2050 wieder um etwa 50% zunehmen.[9]

AIGs – Ausarbeitung Methan 2


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Abbildung 1: Konzentration von CH4 in der Atmosphäre aus [9]

Wirkungen
> Methan ist ein bedeutendes Treibhausgas, das nach CO2 die meiste Infrarotstrahlung absorbiert
mit 1,7 W/m³.[3] Obwohl es weniger häufig ist als CO2, hat es ein stärkeres globales
Erwärmungspotential (GWP), da es die Infrarotstrahlung effektiver absorbiert. Das GWP ist 86x
stärker pro Masseeinheit als CO2 auf einer 20 Jahre Zeitskala und 28x stärker auf einer 100 Jahre
Zeitskala.[10]
> Methan ist ungiftig führt aber zu Beschwerden hervorgerufen durch Sauerstoffmangel. Das
können sein erhöhte Atem- (Hyperventilation) und Herzfrequenzen, kurzzeitig niedriger Blutdruck,
Taubheit in den Extremitäten, Schläfrigkeit, mentaler Verwirrung und Gedächtnisverlust.[1]
> Wenn Ergas unter Sauerstoffmangel verbrennt, entsteht giftiges, farb- und geruchloses
Kohlenmonoxid: 2CH4 + 3O2 → 2CO + 4H2O [2]
> Es kann leicht zu Erfrierungen kommen, wenn das bei zur enormen Dichteerhöhung bei tiefen
Temperaturen flüssig gelagerte Methan austritt.[1]
> Methan bildet explosive Gemische bei einem Luftvolumenanteil von 5-15%. Daher kommt es
durch unbemerktes Ausströmen von Erdgas immer wieder zu folgenschweren Gasexplosionen.
Auch die gefürchteten Grubengasexplosionen in Kohlebergwerken (Schlagwetter) sind auf Methan-
Luft-Gemische zurückzuführen.[1]
> Als Hauptbestandteil von Deponiegas verdrängt Methan Sauerstoff und stört das ökologische
Gleichgewicht, wenn es in den Boden eindringt.[6]

Vermeidung & Verminderung


> Verminderung von Umweltbelastungen und Ressourcenschonung durch geeignete Brennstoffwahl
→ Verbrennung von Methan ist energetisch günstigster Fall, Erdgas enthält im Durchschnitt 82%
Methan & ca. 7% höhere Kohlenwasserstoffe vorausgesetzt es gibt genug Verbrennungsluft
CH4 + 2O2 → CO2 + 2H2O + 192 kcal [6]

AIGs – Ausarbeitung Methan 3


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> Müllzusammensetzung wirkt sich auf Zusammensetzung vom Deponiegas aus → Sägespäne
erniedrigen Methanproduktion, Pflanzenmaterial erhöht Methanproduktion[6]
> Anpassung der Fütterung von Rindern in der Großtierhaltung
→ Nach einer neuesten Studie reduziert die Zugabe der roten Makroalge Asparagopsis taxiformis
anhaltend die Ausscheidung von enteralem Methan durch Angus-Hereford Stiere. Der Zusatz von
0,25% und 0,5% Alge basierend auf der Aufnahme organischer Substanz reduzierte den
Methanertrag um 45% bzw. 68% über einen Zeitraum von 147 Tagen. Die Ergänzung einer
niedriger Futtergesamtmischration mit Algen reduzierte den Methanertrag um ca. 70% für die
geringe Zugabe und 80% für die hohe Zugabe. Das zeigt, dass A. taxiformis ein brauchbarer
Futterzusatz ist, um den CO2-Fußabdruck von Wiederkäuern signifikant zu verringern und
möglicherweise die Produktionseffizienz zu erhöhen.[11]

Literatur
[1] https://www.chemie.de/lexikon/Methan.html#Vorkommen_und_Entstehung

[2] Dieter Neubauer (1999): Demokrit läßt grüßen – eine andere Einführung in die Anorganische
Chemie. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg

[3] B. J. Alloway und D. C. Ayres (1996): Schadstoffe in der Umwelt – Chemische Grundlagen zur
Beurteilung von Luft-, Wasser- und Bodenverschmuttzungen. Spektrum Akademische Verlag
GmbH Heidelberg, Berlin, Oxford

[4] https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2020-07/treibhausgas-methan-klimawandel-us-studien-
corona-krise?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.de

[5] R. B. Jackson, M. Saunois, P. Bousquet, J. G. Canadell, B. Poulter, A. R. Stavert, P.


Bergamaschi, Y. Niwa, A. Segers and A. Tsuruta (2020): Increasing anthropogenic methane
emissions arise equally from agricultural and fossil fuel sources. Environmental Research Letters 15
071002 https://doi.org/10.1088/1748-9326/ab9ed2

[6] A. V. Hirner, H. Rehage und M. Sulkowski (2000): Umweltgeochemie – Herkunft, Mobilität und
Analyse von Schadstoffen in der Pedosphäre. Steinkopff Verlag Darmstadt

[7] P. A. Nauer, L. B. Hutley, S. K. Arndt (2018): Termite mounds mitigate half of termite methane
emissions. Proc Natl Acad Sci U S A. 2018 Dec 26; 115(52): 13306–13311. doi:
10.1073/pnas.1809790115

[8] https://www.esrl.noaa.gov/gmd/ccgg/trends_ch4/

[9] https://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Methan_(einfach)

[10] IPCC 2014 Mitigation of Climate Change. Contribution of Working Group III to the Fifth
Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. Editors: O. Edenhofer et al.
(Cambridge: Cambridge University Press)

[11] B. M. Roque, M. Venegas, R. D. Kinley, R. de Nys, T. L. Duarte, X. Yang and E. Kebreab


(2021): Red seaweed (Asparagopsis taxiformis) supplementation reduces enteric methane by over
80 percent in beef steers. PLoS ONE 16(3): e0247820.
https://doi.org/10.1371/journal.pone.0247820

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