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Die deutsche Gegenwartssprache, ihre Existenzformen und die nationalen Varianten

der deutschen Sprache.

Die deutsche Gegenwartssprache hat einige historisch bedingte Existenzformen:

1) die gemeindeutsche nationale Literatursprache;

2) deutsche Territorialdialekte (Lokalmundarten);

3) städtische Halbmundarten und Umgangssprache.

1) Die wichtigste Existenzform der deutschen Gegenwartssprache ist die deutsche


nationale Literatursprache (Hochdeutsch, Hochsprache). Sie ist in den deutschsprachigen
Staaten die Sprache der Literatur und Kultur, der Wissenschaft, der Presse, des
Rundfunks und des Fernsehens, die Amtssprache

und Schulsprache, die Sprache des öffentlichen Verkehrs und auch die gepflegte Sprache
des privaten Umgangs (die literatursprachliche Alltagssprache).

In den deutschsprachigen Ländern weist die deutsche Literatursprache gewisse


Eigenheiten im Wortschatz, in der Aussprache, in Wort - und Formenbildung auf.

Man unterscheidet nationale Varianten der deutschen Literatursprache Deutschlands,


Österreichs und der Schweiz. So sagt man in
Österreich Jänner für Januar, Kleiderkasten für Kleiderschrank. In der Schweiz heißt
es Rundspruch für Rundfunk, anläuten für anrufen u.a.m.

2) Deutsche Territorialdialekte sind die älteste Existenzform der deutschen Sprache.


Sie haben sich im mittelalterlichen Deutschland herausgebildet. Heute sind sie in
schnellem Rückgang begriffen. Man teilt die deutschen Territorialdialekte in
Niederdeutsch (Plattdeutsch) und Hochdeutsch ein, Hochdeutsch gliedert sich in
Mitteldeutsch und Oberdeutsch unter. Dialekt oder reine Mundart wird heutzutage nur
von den älteren Leuten in Dörfern und gebirgigen Gegenden gesprochen.

Der Terminus „Hochdeutsch“ hat zwei Bedeutungen:

1) hochdeutsche Dialekte (Mitteldeutsch und Oberdeutsch);

2) Hochsprache zum Unterschied von den Mundarten und von der Umgangssprache.

3) Städtische Halbmundarten und Umgangssprache stehen zwischen der


Literatursprache und Lokalmundarten (Territorialdialekten). Sie sind eine weit
verbreitete Sprachform. Die städtischen Halbmundarten bilden sich in der
frühbürgerlichen Zeit mit dem Aufkommen und mit dem Wachstum der Städte durch
Sprachmischung und Sprachausgleich heraus. Sie haben die primären Merkmale der
Mundarten eingebüßt (beseitigt) und nur die sekundären, die weniger auffälligen
Besonderheiten der heimischen Mundarten beibehalten, z.B. im Berlinischen heißt
es Jans für Gans, oder Kopp für Kopf. Heutzutage sind großlandschaftliche
Umgangssprachen bzw. Ausgleichssprachen (z.B. Obersächsisch, Berlinisch, Pfälzisch,
Bairisch, Schwäbisch, Württembergisch u.a.) die Hauptarten der Umgangssprache nicht
nur in den städtischen und Industriegebieten, sondern auch auf dem Lande. Sie existieren
parallel zur literatursprachlichen Alltagsrede und unterscheiden sich von ihr durch
größere oder geringere landschaftliche Färbung.

5. Periodisierung der deutschen Sprachgeschichte.

Die zeitliche Abgrenzung der einzelnen Sprachstufen ist umstritten und uneinheitlich. Es
gibt viele plausible Ansätze dazu, die entweder an innersprachlichen Kriterien:

- Wandel des Sprachkörpers, d.h. Wandlungen im phonologischen System, in

Formenbestand, Wortbildung und Wortschatz, die sich im Laufe von Jahrhunderten


allmählich anhäufen und beträchtliche Veränderungen in der Sprache hervorrufen.

- Wandel der Existenzformen der Sprache: ob die Sprache nur in gesprochener Form

existiert oder auch ein Schrifttum besitzt, ob sie nur in Form von Mundarten lebt oder
auch übermundartliche Existenzformen hat. oder an außersprachlichen Kriterien
(literarische bzw. kulturelle Epochen, Ereignisse) festmachen, wann ein Übergang von
einer Sprachstufe zur nächsten vollzogen wurde. So vielfältig wie die
Periodisierungsansätze sind auch die Bezeichnungen der Sprachstufen und deren
Anzahl. Die traditionelle Gliederung teilt die Geschichte des Deutschen in folgende
Abschnitte ein:

Althochdeutsch (dieser Abschnitt umfasst die Periode von den Anfängen bis 1100)

Mittelhochdeutsch (von 1100 bis 1500)

Neuhochdeutsch (von 1500 bis zur Gegenwart)

Die Jahreszahlen meinen natürlich nur ungefähre Grenzen. Maistens wird zwischen dem
Mittelhochdeutsch und dem Neuhochdeutsch das Frühnehochdeutsche als
Ubergangsperiode eingeschaltet. Die zeitlichen Grenzen werden gewöhnlich
folgenderweise fixiert:

Althochdeutsch (Ahd.) 770-1050

Mittelhochdeutsch (Mhd). 1050-1350)

Frühneuhochdeutsch (Fnhd.) 1350- 1650

Neuhochdeutsch (Nhd.) 1650-…

In diesen Einteilungen geht es um die Periodisierung nur des Hochdeutschen. Das


Deutsche zerfällt aber in das Hoch- und Niederdeutsche. Das nimmt Adolf Bach in seiner
«Geschichte der deutschen Sprache» in Betracht. Er führt zur Charakteristik der
einzelnen Perioden auch das Niederdeutsche an.

Auβerdem hebt er die Zeit etwa vom 5. Jh. bis zur Mitte des 8. Jhs als die Periode der
deutschen Sprache in vorliterarischer Zeit hervor. Heinz Mettke unterscheidet 4 groβe
Abschnitte:

Ahd. 600-1050 (Schrifttum seit 750)

Mhd. 1050-1350 mit

a) Frühmittelhochdeutschen 1050-1170

b) dem klassischen Mhd-n (Sprache der Dichter um 1200)

c) dem Spätmhd-n vom Ende des 13. Jhs bis zur zweiten Hälfte des 14. Jhs

Fnhd. 1350-1650

Nhd. seit 1650 bis zur Gegenwart

Grobe Gliederung, die im Wesentlichen mit der Periodisierung von J.Grimm


übereinstimmt:

Das Wort "DEUTSCH"

Die Deutschen selbst haben ihren eigenen Namen für ihre Sprache: deutsch. Das Wort
kommt vom althochdeutschen diu-tisc, später tiu-tisch, und das bedeutete: "vom Volk,
zum Volk gehörend". Etwa um das Jahr 800 gab es laut Schriftdokumenten den Streit, ob
die Messe in der Kirche "latine "oder "theodisce" gelesen werden sollte. Wie wir sehen,
hatte man inzwischen tiu- zu theo- retouchiert. Wohl um glauben zu machen, theodisce
habe mit theos, also Gott persönlich zu tun! Zur selben Zeit beanspruchte Karl der
Große, König der Franken, für sich das Recht, das germanische "theodisce" auch in der
Lombardei zu sprechen, obwohl das Volk dort einen romanischen Dialekt sprach.