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Wissensmanagement (WM) kurz erklärt und angewendet. Rezension zu


Pirchers „Wissensmanagement, Wissenstransfer, Wissensnetzwerke“

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Rezensent: Boris Jäger, jaegerWM - Web- & Wissensmanagement,
http://jaegerWM.de

Ouelle: XING-Gruppe ‚Knowledge Management’ (xingKM) > Literaturforum,


21.07.2010, http://tinyurl.com/36ba5c3
(Originallink:https://www.xing.com/net/pridedb2fx/knowledgemanagement/literaturforum-
512505/wissensmanagement-wm-kurz-erklart-und-angewendet-rezension-zu-pirchers-wissensmanagement-
wissenstransfer-wissensnetzwerke-31386421)
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Dr. Richard Pircher, Studiengangsleiter für Bank- und Finanzwirtschaft an der


Fachhochschule des bfi Wien, bietet in seinem aktuellen Buch „Wissensmanage-
ment, Wissenstransfer, Wissensnetzwerke. Konzepte, Methoden, Erfahrungen.“
einen umfangreichen Fundus an WM-Instrumenten sowie viele Anwendungsbei-
träge von Forschern, Unternehmensvertretern und Beratern.

Das Buch beginnt mit drei Geleitworten von Vertretern aus Beratung, Forschung
und Unternehmen (S. 6-10). Der weitere Inhalt des Buches - das Überblickskapi-
tel von Herrn Pircher zum Thema WM und dessen Einführung (Kap. 1), weitere
Konzept- und Methodenbeschreibungen (Kap. 2, 13, 16, 17, 20), sowie die „da-
zugehörigen“ Fallstudien - folgt der Fokusmetapher „Baum“ (S. 15).

Siehe Abbildung: http://tinyurl.com/2wvuj5r (Originallink: http://jaegerwm.de/wp-


content/uploads/projekte/xingKM/Literaturforum/Pircher_Baum-Metapher.png)

Von einem Buch mit dem Titel „Wissensmanagement, Wissenstransfer, Wissens-


netzwerke“ hätte ich, zumindest im Überblickskapitel, erwartet, dass dort nicht
nur speziell auf das Thema WM im Allgemeinen, sondern auch auf die beiden an-
deren Begriffe bzw. Konzepte konkret(er) eingegangen wird. Abgesehen davon,
wenn es sich schon bei den zentralen Konzepten, die ausführlich erklärt und für
die Fallbeispiele geboten werden, um organisatorisches Wissensmanagement
(Kap. 1), Soziale Netzwerke bzw. Wissensnetzwerke (Kap. 13) und Wissensent-
wicklung bzw. Innovation (Kap. 16, 17) handelt, dann hätte man sich beim Titel
des Buches eher daran und in dieser "aufsteigenden" Reihenfolge orientiern sol-
len. "Wissenstransfer" im Titel nimmt meines Erachtens einen etwas Stiefmütter-
lichen Platz ein.

Die Fokusmetapher „Baum“ kann sicherlich dienlich sein um zu illustrieren wie


Wissen gehegt und gepflegt werden muss, damit es sprießt , wächst und letzt-
endlich reife Früchte trägt. Zur Verdeutlichung des weiteren Buchinhalts halte ich
die Metapher aber nicht für angebracht. Zum Einen kann man sich streiten, wel-
che WM-Konzepte, welchen Platz im WM-Baum einnehmen (Stw. Priorisie-
rung/Reihenfolge - z.B. Wissensidentifikation kommt vor Wissenserwerb) oder ob
evt. weitere WM-Konzepte fehlen (z.B. Wissen anwenden). Zum Anderen ist es
schwierig die Fallstudien bestimmten WM-Konzepten zuzuordnen, da darin meh-
rere Konzepte gleichzeitig einfließen. Dies zeigt ja auch die Kapitelzuordnung in
der Abbildung. Damit verliert das Inhaltsverzeichnis auf Grundlage der Fokus-
methapher „Baum“ beim weiteren Lesen an Bedeutung. Dies hätte man vermei-
den können, wenn man von Anfang an konsequent so vorgegangen wäre wie ge-
gen Ende des Buches – Konzept wird (kurz) erklärt, darauf folgen entsprechende
Fallstudien (s. Soziale Netzwerke (Kap. 13), Innovationsmanagement (Kap. 16,
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17)). In diesem Zusammenhang vermisse ich auch eine Fallstudie zu den Kon-
zepten/Methoden ‚Persönliches WM’ (Kap. 2) und ‚Ethik-Management’ (Kap. 20).

Bis auf wenige kleine Ausnahmen im Überblickskapitel und einer extremen –


Kap. 11 – ist das Buch gut lesbar und verständlich geschrieben. Zäh zu lesen ist
z.B. die Seitenlange Auflistung von Methoden und Instrumenten des organisato-
rischen WMs (S. 51-58), die aber gleichzeitig ein guter Ideengeber darstellen
kann. Stilistisch zu bemängeln ist wieder einmal die häufige Verwendung von
englischen (Fach-)Begriffen. Dies liegt aber wohl in der Natur der Autoren und o-
rientiert sich evt. auch an der Zielghruppe des Buches. Deswegen hätte ich ei-
gentlich auch gar nicht darauf hingewiesen, wenn nicht auf S. 265 anstatt der
deutschen Abkürzung „d.h.“ das englische Gegenstück „i.e.“ verwendet worden
wäre. Sicher, es handelt sich dabei wahrscheinlich nur um ein Versäumnis bei der
Übersetztung, weist aber, wenn vielleicht auch unbeabsichtigt, extrem auf den
erwähnten Mangel hin.

Inhaltlich sind das Überblickskapitel und die anderen Kapitel mit den Konzept-
bzw. Methodenbeschreibungen ganz gut bis sehr gut gelungen.

Mit der Angabe von


- Kommunikationsmedien (die sich zur Kodifizierung, Personalisierung und
Sozialisierung eignen) // S. 41ff //,
- Methoden und Instrumenten des organisatorischen WM (kategorisiert nach
übergreifenden -, Wissensentwicklungs-, Wissenskommunikations-, Wissensi-
dentifikations-, Wissenserwerbs- und Wissensrepräsentationsmethoden und
Instrumenten) // S. 51ff // sowie
- Methoden für persönliches WM (die nach gewissen Zielen und Fragestellungen
des persönlichen WM unterteilt sind) // S. 82ff //,
bekommt man in den ersten beiden Kapiteln ein reichhaltiges Werkzeugset für
das WM geboten.

Für die Beschreibung von WM im Überblickskapitel werden die dazu notwendigen


Konzepte von verschiedenen Autoren geborgt und einfach aneinandergereiht oh-
ne, dass man wirklich einen Zusammenhang erkennen kann. Wie üblich beginnt
die Beschreibung des WMs auch wieder bei den kleinsten Einheiten – Daten, In-
formationen und Wissen(sarten), anstatt zunächst auf das Große Ganze einzuge-
hen um von dort aus die Bestandteile des WM im sytemischen Kontext zu defi-
nieren. Die Aussage „Wissen ist an Menschen gebunden“ (S. 18), die Methapher
von Wissen als „Eis“ (= Daten- und Informationswissen) (S. 22), die bedeu-
tungsvolle Unterscheidung zwischen Daten, Informationen und Wissen (S. 20f)
sowie Kodifizierung als Bestandteil der Wissenstransferstrategie (S. 36ff) beissen
sich bei der Beschreibung des WM und stiften, wie so oft, mehr Verwirrung als
Klarheit. Ungewöhnlich aber auch ein wenig undurchsichtig ist, dass Wissen als
„Erwartungshaltung“ definiert wird (S. 18). Ein weiteres relatives Novum ist die
Einbeziehung der „Ränge des Nichtwissens“ und die Beschreibung ihrer Bedeu-
tung für das WM (S. 30ff).

Obwohl einige der zusammengetragenen Fallstudien schon älteren Datums zu


sein scheinen (z.B. Kap. 10, 12), sind sie alle inhaltlich ansprechend, informativ
und lehrreich. Alle, bis auf die bereits erwähnte Fallstudie in Kapitel 11, bei der
es um sematische Technologien im Unternehmen 2.0 geht. Diese Fallstudie, bei
der es sich eher um eine Art Szenariobeschreibung handelt, ist selbst für den ei-
nigermassen informierten Leser nur schwer verständlich. Ansonsten handelt es
sich um eine gute Mischung aus Beiträgen von Forschern, Unternehmensvertre-
tern und Beratern. Besonders gelungen ist die Fallstudie in Kap. 6 – die „Imple-
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mentierung von Yellow Pages als Ausgangspunkt für eine Unternehmensweite


Wissensträgerkarte in der Raiffeisen Informatik“. Diese Fallstudie zeigt ein-
drucksvoll, wie eine Informationstechnologie unter Einbeziehung der späteren
Anwender und unter Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse personalisiert mit ge-
schäftlichen und privaten Komponenten erfolgreich und nachhaltig in einem
Großunternehmen integriert eingeführt werden kann.

Generell muss mein bei Fallstudien natürlich auch noch erwähnen, dass diese in
einem bestimmten, einzigartigen Zusammenhang, d.h. Kontext, entstanden sind.
Sie sind also nicht so ohne weiteres einfach genauso in einer anderen Situation
anwendbar. Des Weiteren gilt bei Fallstudien immer die Binsenweisheit „Papier
ist geduldig!“. Heisst, Erfolgsgeschichten gehen flüssiger von der Hand als Erfah-
rungen aus gescheiterten Projekten. Deshalb sollte man immer vorsichtig sein
und „prüfen wer sich bindet“.

Fazit:
- Verständlichkeit: Bis auf wenige Ausnahmen auch für Laien geeignet!
- Innovation: Eher nicht, alles schon bekannt
- Praktischer Nutzen: In jedem Fall, durch das umfangreiche Werkzeugset für
das WM und die vielen Fallstudien, als Ideengeber sehr zu empfehlen

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Referenz:

Pircher, Richard (Hg.)


Wissensmanagement, Wissenstransfer, Wissensnetzwerke: Konzepte,
Methoden, Erfahrungen, Wiley-VCH, April 2010
Google.Bücher: http://books.google.com/books?id=8ZcQQgAACAAJ
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Links:

- Dr. Richard Pirchers XING-Profil https://www.xing.com/profile/Richard_Pircher