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film

Tageszeitung jungeWelt Mittwoch, 26. Oktober 2011, Nr. 249

»Tatort« imTrockendock, Gehirn- zellenverlust bei RTL undTalkshow

als Firma – Gespräch mit dem Dreh-

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buchautor Xaõ Seffcheque

Das Passivmedium Fernsehen mit seinen 100-Sekunden-Info-Clips be- schallt die ältere Generation. Von André Weikard Seite 4

Landarzt, Förster, Hotelier undVero- nica Ferres oder Christine Neubau- er. BRD-Fernsehen im Spätkapitalis-

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mus.Von Matthias Reichelt

Addieren, subtrahieren, multiplizie- ren, dividieren, atomisieren, filtern:

Was ist das Kino, und wohin treibt

es? Von Peer Schmitt

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6 jungeWelt

Die Tageszeitung

Warum ist Fernsehen so schlecht?
Warum ist Fernsehen so schlecht?

www.x-veRLeih.De

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Mittwoch, 2. November 2011, Nr. 254

junge Welt

»Geschichte braucht Charaktere, von denen man sagt: Das ist interes- sant.« (Pavel Wenzel in »VierTage im Mai«)

Andreas Schreitmüller, Jahrgang 1956, leitet die Redaktion Spiel- und Fernsehfilm bei Arte und ist Honorarprofessor für Medien- wissenschaft an der Universiät Konstanz. 2011 wurde er vom französischen Kulturminister Frédéric Mitterrand zum »Chevallier des Arts et des Lettres« ernannt.

h err Schreitmüller, Sie kom- men gerade von einem Set, einem Drehort. Was für eine Art Film wird denn

das? ich hatte mir einen tag Urlaub genommen, um in Leipzig die Dreharbeiten für »Die Quellen des Lebens« von oskar Roehler zu besuchen. mit arte hat das ausnahms- weise direkt nichts zu tun. aber ich will auf dem laufenden bleiben, und Roehler ist ein immer interessanter Regisseur. im aktuell gedrehten Film geht es um einen Jungen, der in den 60er Jahren aufwächst: eine art entwicklungsroman. Western, Krimi, Politdrama, Fantasy, Komödie, Tragödie – welches Genre haben Sie am liebsten? persönlich mag ich die Komödie am mei- sten. Nichts geht über gut gelaunte, clevere, intelligent konstruierte, gut gebaute Filme. Ein Beispiel bitte? Da fällt mir ein Klassiker ein: Billy wilders »Das appartement« mit shirley macLaine und Jack Lemmon. ich darf meinen Ge- schmack aber nicht verabsolutieren, son- dern muß natürlich zusehen, daß ich be- stimmte erwartungen, die an mich gestellt sind, nicht enttäusche. Der öffentlich-rechtliche Kultursen- der Arte hat einen Bildungsauftrag. Wie definiert der sich? Das ist keinesfalls zu eng zu sehen. es geht nicht um Belehrung, sondern darum, zum Beispiel neue welten zu erschließen und die Zuschauer dafür zu sensibilisieren. Hat das noch was mit Lessing zu tun, der die moralische Botschaft eines Dramas als bittere Pille beschrieb, die vom Unterhaltungszucker versüßt werden sollte? Das läuft doch heute komplett anders. wich- tig ist die machart eines Films, die kulturel- le art, wie etwas gemacht wird. Dabei sind bestimmte inhalte nur bedingt wichtig, ent- scheidend ist die herangehensweise. auch sportberichterstattung kann kulturträchtig sein, mit einer gewissen ironie und Distan- zierung – und der vermeidung von vorher- sehbaren sprachbildern. im Kleinen kann man nämlich die ganze welt entdecken:

Das Drehen und wenden, das Betrachten von allen seiten ist mir wichtig. Stehen Sie unter Quotendruck? indirekt gibt es erwartungen, weil ja Ge- bühren bezahlt werden, um ein publikum zu finden. Die Quotenhuberei findet aber eigentlich woanders statt, und dabei ma- chen leider auch viele Journalisten, etwa von großen Blättern, mit. Da geht es um

»Drehen und Wenden ist wichtig«

wie sendet es sich bei arte? Ein Gespräch mit Andreas Schreitmüller, dem dortigen Redaktionsleiter Spiel- und Fernsehfilm

dem dortigen Redaktionsleiter Spiel- und Fernsehfilm steigerungen von 12,3 prozent auf 12,7 pro- zent, das ist

steigerungen von 12,3 prozent auf 12,7 pro- zent, das ist eine richtige Quotenfixiertheit, ein Quotenfetischismus. auf den sollte man sich nicht einlassen. Sehen Sie Arte in direkter Konkur- renz zu 3sat? Da gibt es Überschneidungen, aber insge- samt handelt es sich um eine freundliche Konkurrenz. auf der chefetage gibt es so- gar eine personelle Doppelung. aber eine gewisse Konkurrenz ist auch gut. Besser, es gibt mehrere pflanzen, als daß man eine einsame oase in der wüste ist. Ein schönes Bild: der vereinsamte Bil- dungsbürger. Bei arte geht es aber gerade um das Ge- meinsame – und um die Unterschiede. Der größte teil unseres programms ist ja nicht deutsch, sondern französisch oder anderen Ursprungs. etwa ein Drittel der spielfil- me sind aus anderen Ländern: aus china, Großbritannien, den Usa, indien … Die Bollywood-Welle mit ihren kraß kitschigen Love-Musicals aus Indien hatte auch Arte erreicht? Das war ein trend! Da gab es Bollywood- Filme, aber auch die hintergründe aufklä- rende Dokumentationen. solche Bündelun- gen sind einfach auch unsere stärke. Wie ist da eigentlich das Feedback? Leider sehr rar. Unzufriedenheiten mit Untertiteln zum Beispiel werden mitge- teilt, aber ansonsten erfährt man von den Zuschauern kaum, wie was ankommt. es gibt zwar Umfragen, aber die sind nicht zu verabsolutieren, und es wäre falsch, aus- schließlich diese als entscheidungsgrundla- ge zu nehmen. Marcel Reich-Ranicki hat mal gesagt:

»Fernsehen macht die Dummen düm- mer und die Klugen klüger.« Dahinter steht ein sehr negatives menschen- bild. ich würde eher sagen, daß die meisten

menschen eine sensible seite haben, daß sie eine sehr hohe verständigungsbereit- schaft haben. warum sollte da jemand beim Fernsehen dümmer werden? Das sehe ich nicht so. Was sind die Hauptkriterien, wenn Sie das Filmprogramm gestalten? Gibt es Sendungen oder Abende, auf die man auch intern stolz ist? idealerweise ist es so, daß wir die Filme nehmen, die als wichtig gelten können, die zum Beispiel die Ästhetik verändert haben, wie die arbeiten von Lars von trier. oder wie »Good bye, Lenin!« von wolfgang Becker, also etwas, das die Leute elektri- siert hat. »Good bye, Lenin!« hatte Arte auf Ihr Betreiben hin mitfinanziert. Was sind Ihre Kriterien, etwas auszusuchen – Ihr Bauchgefühl? Nein, wir fragen uns: was würden wir als Zuschauer gut finden, also als Zuschauer, nicht als macher. Dann stimmt es, dann haut es hin. Es gibt bei Arte manchmal Filmbio- graphien, brandneu und mit aktu- ellsten technischen Mitteln gemacht, man gewinnt den Eindruck, als säße man in der Filmlaborentwicklung. Aber es gibt auch Filmklassiker, von Lubitsch bis Godard. Welche Kriteri- en gelten für den jeweiligen Schwer- punkt? es geht um Filme, die für aufsehen sorgen. aktuell im Fernsehen sein heißt ja immer:

mit zwei, drei Jahren verspätung kommen, da die Filme nach dem Kinostart so lange fürs Fernsehen gesperrt sind. Dafür kann man dann auch wiederholungen bringen. Klassiker verlieren ihre Qualität nicht mit den Jahren. sondern gewinnen sogar dazu, wenn man sie öfter ansieht. An der Spitze des Senders steht eine

Präsidentin. Hat das Auswirkungen auf das Geschlechterverhältnis bei Arte? also, auf der Redaktionsebene von arte arbeitet bereits eine mehrheit von Frauen. Und Klischees oder Déjà-vus von Frau- enbildern wollen wir sowieso nicht in den Filmen haben. Daß die männer das sagen haben, stimmt meiner erfahrung nach auch nicht mehr. Jedenfalls nicht bei arte. Aber wie ist es ums Männerbild be- stellt? Den klassischen Filmhelden mit der Knarre als allgemeinen Heilsbrin- ger, gibt es den noch? so einen übermächtigen helden als pro- blemlöser für alles fände man heute lächer- lich. Die männer heute sind verunsicherter, gebrochener. Und filmisch steht meist die story im vordergrund, dann kommt erst das personal. plattheiten gilt es dabei zu vermeiden. Filmsehen kann auch heißen: Lernen aus der Vergangenheit für die Gegen- wart und Zukunft. Spiegelt sich die Aufarbeitung des sogenannten Dritten Reichs in Ihren Überlegungen? Die Geschichte ist so wichtig, die deut- sche Geschichte, da kann man nicht sagen:

Das interessiert uns nicht mehr. es muß aber für einen Film immer auch eine Ge- schichte mit charakteren sein, von denen man sagt: Das ist interessant. »vier tage im mai« zum Beispiel ist eine deutsch- russische Koproduktion und wurde von arte mitfinanziert. Der Film läuft gerade im Kino, später dann bei uns. Darin geht es um die letzten tage des Zweiten welt- kriegs, und das historische thema und spannende Geschichten verbinden sich darin und helfen, neue perspektiven zu ge- winnen. vielleicht die wichtigste aufgabe von Fernsehen überhaupt. Interview: Gisela Sonnenburg

Carlo Giuliani wurde nur 23 Jahre alt. Der 20jährige Carabinieri Mario Placanica tötete ihn mit
Carlo Giuliani wurde nur 23 Jahre alt. Der 20jährige Carabinieri Mario Placanica tötete ihn mit einem auf den Kopf
abgefeuerten Schuß. In diesem Schuß kulminierte die von der italienischen Regierung angeheizte Polizeigewalt in
einem politischen Mord.
MEDIABOOK 17
Die blutigen Tage von Genua –
Wut im Bauch und Widerstand im Sinn
Zehn Jahre nach dem gewaltsamen Tod von Carlo Giuliani während des G-8-Gipfels in Genua erinnert der LAIKA-
Verlag mit einem Buch und drei Filmen an eine der brutalsten Konfrontationen zwischen den Regierenden der
damaligen G-8-Staaten und den Demonstranten für eine andere Weltordnung.
DIE FILME IM BUCH:
– »Carlo Giuliani Ragazzo« (Italien 2002, 62 Min., Regie: Francesca Comencini, O. m. d. U.)
– »Gipfelstürmer – Die Blutigen Tage von Genua« (BRD, 44 Minuten, Regie: Michael und Bobbi,
Marie Rosa Busse)
– »Eine andere Welt ist möglich« (Italien 2001, 63 Min., Regie: F. Maelli, Mario Monicelli,
O. m. d. U.)
Einzelpreis Buch & DVD: 24,90 €
INFOS UND BESTELLMÖGLICHKEIT:
www.jungewelt.de/die-bibliothek-des-widerstands/
Herausgegeben vom LAIKA-Verlag
in Kooperation mit junge Welt
Die Tageszeitung
Erhältlich auch in der jW -Ladengalerie, Torstr. 6, 10119 Berlin
(Nähe Rosa-Luxemburg-Platz),
Öffnungszeiten: Mo.–Do., 11–18 Uhr; Fr., 10–14 Uhr
jungeWelt
www.laika-verlag.de
www.jungewelt.de
BIBLIOTHEK DES WIDERSTANDS
100 Bücher mit den wichtigsten Filmen des Widerstands seit 1967

ZDF

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Xaõ Seffcheque, Jahrgang 1956, ist Drehbuch- autor und Musiker. Er spielt Gitarre bei der Düsseldorfer Band Family 5 und verfaßte unter anderem Drehbücher für »Tatort«, »Polizeiruf 110«, »Der Fahnder«, »Manta – der Film«, »Ein Fall für zwei«.

s chauen Sie überhaupt noch Fernsehen? ich schaue, und ich muß auch schauen, um zu wissen, was

läuft. auch will ich die guten ausländischen Formate mitkriegen – alles zwischen »so- pranos«, »Breaking Bad«, »the wire« und »mad men«. es macht keinen spaß, et- was anzubieten, das schon viermal gemacht worden ist, oder aber etwas, das im Fernse- hen ein No Go ist. Was ist ein No Go? Das hängt vom sender ab: wenn man für den swR beispielsweise einen »tatort« schreibt, hat man schwierigkeiten, sexuelle Gewalttaten zu thematisieren. »Tatort« ist das Flaggschiff des ARD- Fernsehens. aber dieses Flaggschiff gehört eigentlich aufs trockendock, um mal richtig über- holt zu werden. Beim »tatort« wird sehr viel verschenkt, oft sind die Drehbücher langweilig geschrieben, oberflächlich re- digiert und noch dazu hölzern inszeniert. aber entweder realisiert man das bei den sendern nicht, oder aber es ist ihnen nicht so wichtig, solange die Quote stimmt, auch wenn man fünfmal hintereinander von allen Zeitungen einen verriß kriegt. Die ermittler stehen zudem inzwischen viel zu sehr im vordergrund, weniger die ermittlungen. andererseits gibt es auch immer wieder herausragende »tatorte«, zum Beispiel in diesem Jahr einen vom Bayerischen Rund- funk: »wird nie mehr so sein« war einsam gut. Die Bayern machen meines erachtens eh die besten. Doch die Gefahr besteht dar- in, daß das publikum beim »tatort« – noch! – alles guckt, aber irgendwann wird es sa- gen, das ist uns nicht mehr gut genug. wie in der politik: Der souverän entscheidet mit verzögerung. Was hat Ihnen in den letzten zehn, zwölf Jahren am meisten Spaß ge- macht zu schreiben? Kino. Fernsehen überhaupt nicht? Das schreiben fürs Fernsehen könnte einem mehr spaß machen, wenn die Bedingungen andere wären. Bei den Öffentlich-Rechtli- chen hapert es u.a. bei der Qualitätskontrol- le, was auch mit den undurchschaubaren Qualitätskriterien zu tun hat: Die Redaktio- nen der sender sind gleichsam so etwas wie die letzten Fluchtburgen des spätfeudalis- mus. Natürlich: Kunst und demokratische strukturen sind nicht so einfach unter einen hut zu bekommen. aber etwas mehr trans- parenz scheint mir sehr dringend erforder- lich. Das bemerkt man aktuell beim skan- dal der Degeto, der größten produktions- tochter der aRD. wenn beispielsweise der ursprünglich vorgesehene vorsitzende der Untersuchungskommission, der die frag- würdigen vorgänge federführend aufklären helfen sollte, der frühere chef des mDR ist, der selbst große probleme in seinem haus mit veruntreuten Geldern beim KiKa hatte, dann muß man sich fragen: wer hat denn den ausgesucht? Und vor allem: cui bono? Das ist so, als würdest du versuchen, dein kaputtes Betriebssystem im computer mit einem internen Reparaturprogramm zu verbessern, statt einfach eine externe cD einzuschieben, die alle Fehler erstmal von außen analysiert. andernfalls bleibt da im- mer ein blinder Fleck. Hat ein Drehbuchautor feste Schreib- zeiten wie Thomas Mann? Morgens von 6 bis 10, und dann geht’s ab in die Sauna? Das kann er halten, wie er will. eine der wenigen Freiheiten, die wir noch haben. aber es ist ein harter Job. man schreibt ja zig versionen, beim »tatort« selten weniger als vier, fünf, manchmal auch sechs Fas- sungen.

weniger als vier, fünf, manchmal auch sechs Fas- sungen. »Im Club der Quoten-Dichter« Die verzagtheit im

»Im Club der Quoten-Dichter«

Die verzagtheit im deutschen Fernsehen wäre im Fußball undenkbar. Ein Gespräch mit dem

Drehbuchschreiber Xaõ Seffcheque

Und darüber wird man immer wieder aufs neue wahnsinnig? wer da wahnsinnig wird, der hat den fal- schen Job. man muß einfach drüber stehen. Und ruhig durch die hose weiter atmen… Sie sind auch in der Lage, verschiede- ne Publika zu bedienen? als Drehbuchautor bist du multipler Dienst- leister, irgendwo zwischen poet und ent- wickler von Betriebsanleitungen. Künstler wie Robert Gernhardt sind da natürlich gro- ße vorbilder: Der konnte die intellektuellen bedienen und auch den ganz einfachen Leu- ten ein Gefühl von poesie vermitteln, das die in einer solchen menschenliebe, Unmit- telbarkeit und gleichzeitigen Deftigkeit nur aus dem wirtshaus gewohnt waren. Das ist die ganz große Kunst. Danach streben wir alle. oder wie mozart gesagt hat: er kom- poniert für die Kenner, aber eben auch für seine schwiegermutter, denn die »schauet eher die oper«, als daß sie die hört. Doch über allem schwebt die Frage:

Wie war die Quote? okay, wir sind irgendwo auch der »club der Quoten-Dichter«. aber eigentlich ist die Quote nur wichtig für die werbewirt- schaft, als seismometer für die höhe der generierbaren werbegelder. inzwischen wird die Quote allerdings auch bereits bei arte gemessen, um die Reichweite eines minderheitenprogramms auszuloten. Die Öffentlich-Rechtlichen schielen nach der Quote, weil sie auch in einem wettbewerb untereinander stehen. Das ist pervers, denn

das ist gar nicht ihr auftrag. Die Öffentlich- Rechtlichen kassieren jedes Jahr sieben milliarden euro an Gebühren, wovon sie ca. eine milliarde ins programm investieren und davon nicht mal die hälfte ins fiktio- nale programm. ein Gutteil des gesamten Geldes geht für Gehälter, Rücklagen, Rück- stellungen, pensionen usw. drauf. wer da arbeitet, ist praktisch unkündbar, was auch für die sender ein echtes problem darstellt. Das schafft eine gewisse versorgungsmen- talität. Die ist nachvollziehbar, aber inhalt- lich und schöpferisch kontraproduktiv. Bringen denn die gesteigerten Kon- kurrenzbedingungen bei den privaten Sendern bessere Produkte hervor? Guter witz! Nehmen sie einfach mal RtL. interessante Fernsehspiele haben die de facto gestrichen. ihre ganzen shows und ihr sogenanntes Unterschichtenfernsehen sind unerträglich. Da verliert man ja pro stunde hinschauen 10 000 Gehirnzellen. sat.1 hin- gegen versucht sich – wieder – ganz gut in comedy, entwickelt tv-movies und auch wieder die eine oder andere originelle se- rie. Naturgemäß sind die privaten sender aber eben stark dem shareholder-value- prinzip verpflichtet: Die großen Firmen und die institutionellen anleger, die diese sender quasi besitzen, sind im Grunde nur am Gewinn interessiert. wenn der sich mit guten inhalten erzielen läßt – o. k. aber natürlich klappt das einfacher mit trash. Dann vergißt man schnell, daß das publi- kum sich immer aus dem angebotenen sei-

ne highlights rauspickt und natürlich nicht vermißt, was man ihm nicht anbietet. Damit unterschätzt und unterfordert man jedoch den Zuschauer. Und das strukturelle problem bei einigen privatsendern ist, daß man zwar das redak- tionelle Beamtentum seltener antrifft, dafür häufiger auf bedenkliche inkompetenz. Was ist der Unterschied zwischen den Erzählformen bei den deutschen Seri- en und bei den vielgelobten US-amerikanischen der Sender HBO oder AMC? Die Us-serien sind mutiger. sie sind bes- ser recherchiert und besser geschrieben. ich rede jetzt nicht vom Durchschnitt, sondern über das, was dort im qualitativ hochwertigen Bereich stattfindet. Das Us-tv ist eben anders organisiert: Die sen- der wissen, sie können mit »sopranos« oder »mad men« in den Usa nicht die Quoten erzielen, die sie eigentlich bräuchten, um zu überleben, sondern nur dadurch, daß sie diese serien in 120 Länder verkaufen, zu- züglich DvD-auswertung und merchandi- sing. Und um das zu schaffen, beschäftigen und bezahlen sie die besten autoren, die besten producer, die besten Regisseure, die besten ausstatter und Kostümbildner und die besten schauspieler. Da wird gecastet, bis der arzt kommt. wenn ich beispielweise »Breaking Bad« oder »mad men« sehe, denke ich manchmal, die spielen unsere schauspieler doch durch sämtliche stu- diowände! hier gibt man sich oft zu schnell zufrieden. Das ist auch der Grund, warum sich dort kaum ein deutscher schauspieler durchsetzen kann. Bei unseren sendern, egal ob bei den pri- vaten oder bei den Öffentlich-Rechtlichen, sind eben selten die besten dran. Leider hat das zumeist überhaupt keine Konsequen- zen. man wird eben nicht automatisch zum Kirchenfunk versetzt, wenn man mist baut. wenn ich zum Beispiel mit einer Konzepti- on wie »mad men« zum sender gehe, das hat mir neulich ein wDR-Redakteur dezi- diert erklärt, dann hätte ich keine chance. es wird auch gar nicht erwogen, so etwas zu machen. Denn »a) wir können es uns finanziell gar nicht leisten, b) es versteht niemand, c) das kann ich meinem chef nicht erklären und d) ich habe nicht den lan- gen atem, das durchzusetzen«. Das prinzip Resignation als selbsterfüllende prophezei- ung. Die ARD findet es innovativ, wenn sie jeden Abend eine politische Talkshow veranstaltet. wenn es denn politische talkshows wä- ren. statt dessen spricht Frau maischberger z. B. über »Liasons Dangereuses«. Das ist doch eher hans meiser. was logisch ist, denn bei fünf talkshows in der woche ge- hen einem doch recht schnell die wirklich brisanten themen aus, wenn nicht gerade in Japan eine atomanlage GaUt. Fakt ist, es gibt eine inflation an talkshows, was nicht zuletzt daran liegt, daß ihre herstel- lung deutlich billiger ist als die fiktiona- ler programme. trotzdem verdienen diese talker ein schweinegeld, weil sie alle ihre eigenen Firmen gegründet haben, weil sie Firmeninhaber, produzent und moderator in personalunion sind. aber aRD und ZDF gestatten ihnen diese Deals, und da können sie nicht nein sagen. als Filmautor dagegen bist du nur das winzige anfangsglied in der langen wertschöpfungskette – von den späteren Gewinnen bekommst du so gut wie nie was ab. Grundsätzlich ist im Fernsehen eine ver- zagtheit anzutreffen, die zum Beispiel beim Fußball undenkbar wäre. wenn der anstoß erfolgt, will ich gewinnen, auch wenn der Gegner Bayern münchen heißt. Und wenn wir 0:16 verlieren, dann haben wir halt verloren. aber wenn ich schon mit der ein- stellung in das spiel reingehe, alles unter 0:16 ist eigentlich ganz gut, dann macht das keinen spaß. Beim Fernsehen gibt es etliche Leute, die gehen mit einer solchen haltung in die programm- und Redaktions- konferenzen. Und so sieht unser Fernsehen eben auch aus. Interview: Christof Meueler

Kommt ein Drehbuchau- tor zum WDR … »Mad Men« mit January Jones und Jon Hamm

wDR/steveN mahNeR

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ARD und ZDF bewegen sich bereits jenseits der 60-Jahre-Grenze: Die »Lindenstraßen«-Folge »Jugendbewegung« mit Amorn Surangkanjana- jai (stehend), Daniela Bette und Ludwig Haas

m an stelle sich vor: Der Fernseher läuft und keiner schaut hin. Das von der Branche beharrlich »Zu-

schauer« genannte publikum tippt sms, liest, ißt, bügelt oder chattet, während die »tagesschau« über den Bildschirm flim- mert. was früher als abendliches pflicht- programm für jeden galt, der auf dem lau- fenden bleiben wollte, präsentiert heute Nachrichten, die längst allen geläufig sind, zumeist aus dem internet. Nur ausnahms- weise geht der Blick noch einmal Rich- tung Fernseher, wenn die Zeitlupe von po- dolskis hackentrick oder die Bilder vom vulkanausbruch in island zu sehen sind. »wer auf island zischt ein Bier, wird zur elfe im Geysir.« Diesen Nonsenssatz ent- hielt die 1348. Folge der aRD-serie »Lin- denstraße«, und keiner hat’s gemerkt. Die »Lindenstraße«-Redaktion gewann damit

einen wettbewerb der taz. Die Zeitung hatte die medien aufgefordert, die ab- surde Formulierung unterzubringen. Die aRD-Redakteure bauten den satz nicht etwa in einen Dialog ein, sondern lie- ßen ihn in einer im hintergrund laufen- den Nachrichtensendung vorkommen. wer hört da schon hin? Das Fernsehen ist zum Nebenbeimedium geworden. vorausgesagt wurde das in der studie »in- novation der medien« von iBm und Uni- versität Bonn aus dem Jahr 2008. schon damals gab mehr als die hälfte der Be- fragten an, sich beim Fernsehen regelmä- ßig mit anderen Dingen zu beschäftigen. Die Fernsehmacher reagieren. Und sie reagieren nicht anders, als die Radio- intendanten es vor ihnen getan haben. wo redaktionelle Beiträge nur stören, herrscht das Durchhördiktat. Die Neben- beidudelei darf vor allem eines nicht:

aufmerksamkeit verlangen. talkshows und Reality-Formate, Boulevardmagazi- ne und vorabendserien, Kochshows und Quizsendungen lassen sich ganz wunder-

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Kochshows und Quizsendungen lassen sich ganz wunder- ANZEIGE Keiner hat’s gemerkt was läuft nur bei senioren,
Kochshows und Quizsendungen lassen sich ganz wunder- ANZEIGE Keiner hat’s gemerkt was läuft nur bei senioren,
Kochshows und Quizsendungen lassen sich ganz wunder- ANZEIGE Keiner hat’s gemerkt was läuft nur bei senioren,

Keiner hat’s gemerkt

was läuft nur bei senioren, und auch da nur nebenher? Von André Weikard

bei senioren, und auch da nur nebenher? Von André Weikard bar nebenher verfolgen. ihr anteil am

bar nebenher verfolgen. ihr anteil am pro- gramm erhöht sich ständig. Das Fernsehen muß nicht nur auf Zuschauer zugeschnit- ten sein, die abends müde von der arbeit auf dem sofa lümmeln, es muß zusätzlich noch damit klarkommen, daß diese Zu- schauer sich mit allerlei anderen Dingen beschäftigen. Kurz: Das Fernsehen muß noch mehr auf Komplexität verzichten. Bei den werbeeinblendungen wird die Lautstärke nach oben geregelt, um das abgelenkte publikum für einen augen- blick zur ordnung zu rufen. Denn ge- nau hier wird das Nutzungsverhalten für die sender zum problem. wird die wer-

bung nicht mehr wahrgenommen, zahlt auch niemand mehr für die sendezeit. alles Getrommle hilft aber nichts. Denn das internet hat noch eine bittere Ne- benwirkung für das Fernsehen. es zieht nicht nur aufmerksamkeit ab und wird zur alternativen, schnelleren informati- onsquelle, es emanzipiert auch noch seine Nutzer. Dank internet-tv und digitaler aufzeichnung entscheidet der Konsu- ment selbst, was er wann sehen will – und was nicht. Lästige werbung läßt sich aus- blenden oder im Zeitraffer aushalten. Die Bonner studie kam zu dem ergebnis, daß 84 prozent der Nutzer sich solche Funk-

tionen zur Überbrückung der werbung wünschen. Zunehmend werden sie nun genutzt, sofern das programm nicht von anderen portalen im immer schnelleren Breitbandinternet stammt. serien sind hier staffel für staffel zu sehen, im ori- ginal, lange vor ihrer synchronisation, die dann in wöchentlichen episoden folgt. Freilich, das Fernsehen wird nicht sterben. Der videorekorder hat es nicht überflüssig gemacht, und trotz heimkino- anlagen gehen die Leute noch ins Kino. aber das Fernsehen wird sich anpassen müssen. immer noch gilt das Riepelsche Gesetz, daß medien nicht durch andere verdrängt werden – wohl aber verändert. Die erste Konsequenz wird vor allem das privatfernsehen ziehen müssen: es kann sein programm nicht länger auf die wer- bezielgruppe der 14- bis 49jähringen aus- richten. Der durchschnittliche Zuschauer von sat.1 ist schon heute 51. Und die Zahlen des Branchendienstes DwDL zei- gen: Der altersdurchschnitt steigt. auch bei vox und RtL liegen die Zuschauer mit einem Durchschnittsalter von 45 bzw. 46 Jahren zu einem Gutteil außerhalb der proklamierten Zielgruppe. allein prosieben bringt es mit einem Durch- schnittswert von 35 Jahren noch auf eine vergleichsweise junge Zuschauerschaft. aRD und ZDF bewegen sich bereits jen- seits der 60-Jahre-Grenze. wenn die Jungen ausnahmsweise mal ein ereignis gemeinschaftlich erleben wollen, gehen sie vor die tür (public viewing) oder diskutieren in internet- foren (bei wahlen etwa). Das passivme- dium Fernsehen mit seinen 100-sekun- den-info-clip-häppchen beschallt die ältere Generation. Um das Leitmedium, das nie viel prestige hatte, ist es nicht schade.

w er noch eingermaßen regel- mäßig fernsieht, meckert über das programm. Über den

Quotendruck der Öffentlich-Rechtlichen oder zuviele viel zu schlechte talkshows. Die werbung nervt. Die wirklich guten Filme kommen erst nach mitternacht. von volksmusik, Gameshows und Rea- lity tv fange ich lieber gar nicht erst an. wenn man an kalten winterabenden gehirntot nach hause kommt und nur den wunsch hat, auf dem sofa eingeku- schelt vor der Kiste abzuhängen, kommt garantiert auf allen zwanzig bis hundert sendern das Falsche. aber was ist das Richtige? wie könnte das ideale pro- gramm für mich aussehen? seit zwei wochen denke ich darüber nach. Beim Überlegen, was mich am aktuel- len angebot stört, fielen mir noch die so- genannten analysen von Fußballspielen ein, diverse laute primitiv-comedyforma- te sowie die allgegenwärtigen Kochshows und das Überangebot an Krimiserien, wobei letztere – vor allem solche skan- dinavischer oder britischer provenienz – noch zum Besten im deutschen Fernse- hen gehören. Dann änderte ich die Fra- gestellung: was habe ich vermißt, als ich keinen Fernsehanschluß hatte? Das ließ sich beantworten: Je nach stimmung und Nachtzeit möchte ich Nachrichten, Re- portagen, Filme – vor allem aber serien, gut geschrieben, gespielt und inszeniert. Das habe ich in fernsehlosen Zeiten am meisten vermißt. Für Nachrichten und Reportagen braucht man kein Fernsehen. Dafür gibt es Zeitungen, Radio und das internet. Filme sehe ich am liebsten im Kino, weil das Bild größer ist und die mischung aus Gemeinschaftserlebnis und einsamkeit

Nonnen, Landärzte usw.

wer braucht denn überhaupt noch einen Fernsehanschluß? Kommt aufs programm an. Von Franziska Lüdtke

sich im wohnzimmer nicht reproduzieren läßt. aber serien sind Fernsehen. Lange, komplexe plots, die den hunger nach Ge- schichten in Bildern stillen. Genau das will ich an besagten winterabenden vom sofa aus sehen. serien erfüllen eine ähnliche Funktion wie der Fortsetzungsroman im vorfern- sehzeitalter. Das sagt erst mal nichts über ihre Qualität aus: viele werke der welt- literatur sind zunächst in Zeitungen als Fortsetzungsromane erschienen. Bei serien reicht die Bandbreite vom Groschenheftäquivalent über den Bestsel- ler vielleicht nicht ganz bis zum intellektu- ellen Nischenprodukt. aber es gibt immer mal skurrile experimente, die meistens nach einer staffel abgesetzt werden und manchmal erst als DvD einen begrenzten Kultstatus erhalten. wenigstens gibt es das in Großbritannien oder den Usa. Deutschland ist, was eigenproduktio- nen angeht, senderübergreifend auf biede- re Formate (Nonnen, pastoren, Landärzte usw.) und mehr oder weniger passable Krimis spezialisiert. alles andere wird eingekauft oder koproduziert, wobei der ausländische partner dann grundsätzlich mindestens für Drehbuch und Regie ver- antwortlich ist. skurrile eigenproduktio- nen hat es in Deutschland, soweit ich weiß, seit »Raumpatrouille orion« kaum gegeben. vom idealen Fernsehprogramm ist das

alles weit entfernt, aber wer braucht das heute überhaupt noch? höchstens die Über-60-Jährigen, denen die hauptsende- zeit im Öffentlich-Rechtlichen vorbehal- ten ist, oder menschen in Dörfern ohne schnelle internetverbindung. alle ande- ren stellen sich ihr programm auf legalen und illegalen internetportalen selbst zu- sammen. Das ideale Fernsehprogramm sieht für jeden anders aus. schon deshalb ist Fernsehen im klassischen sinn ein auslaufmodell. Für Filme, die man nicht einfach selbst machen und auf Youtube hochladen kann, braucht es aber weiterhin die infrastruk- tur der sender. vermutlich werden deren produktionen irgendwann ausschließlich in internet-mediatheken abrufbar sein. Den anteil von Nischenprodukten für re- lativ kleine Zielgruppen würde das sicher erhöhen. Und wenn ich mir nun was von deut- schen Fernsehproduzenten wünschen müßte, wäre es mehr mut zu intelligen- ten Drehbüchern, zum filmischen expe- riment, zu originellen serien. Und mehr vertrauen in ein publikum, das wählen kann. vielleicht merkt dieses publikum aber in zehn Jahren auch selbst, wie sehr castingshows einander gleichen, und daß Reality tv nicht nur weniger mit Realität zu tun hat als die BBc-serie »hustle«, sondern auch weniger spaß macht und deutlich schlechter gespielt ist.

NDR/ReiNeR BaJo

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D as medium ist die wirklich- keit und produziert sie. Die gesellschaftlichen verhält- nisse werden paßgenau auf

das Format 4:3 oder 16:9 transformiert und konfektioniert. ist das Fernsehen im spätkapitalismus Bildungsinstru- ment, Unterhaltung, ablenkung von den machtverhältnissen oder therapie gegen die verwerfungen der wirklichkeit? es hilft ein Blick in die »Dialektik der auf- klärung« von adorno und horkheimer (1947): »wie freilich die Beherrschten die moral, die ihnen von den herrschen- den kam, stets ernster nahmen als diese selbst, verfallen heute die betrogenen massen mehr noch als die erfolgrei- chen dem mythos des erfolgs. sie haben ihre wünsche. Unbeirrbar bestehen sie auf der ideologie, mit der man sie ver- sklavt.« Doch das Reden über das medium ist in vielen intellektuellen Kreisen immer noch verpönt. pierre Bourdieu hatte 1979 in sei- ner soziologischen Untersuchung »Die feinen Unterschiede« festgestellt, daß das Fernsehen als vulgäres medium aus der bürgerlichen Konversation verbannt ist. auch heute noch ist das Ritual unter intellektuellen immer dasselbe: Kommt das Gespräch auf das Fernsehprogramm, sind alle bemüht, sich als theaterbesu- cher und connaisseure seriöser Literatur darzustellen, die vor lauter arbeit und Lektüre gar keine Zeit finden, so ein po- pulistisches medium wie das Fernsehen zu konsumieren. Die behauptete Distanz zum Fernsehen wird genutzt als modell der dünkelhaften Distinktion vom milieu des massengeschmacks. ein paar minu- ten später – das tv-Bashing ist bereits Geschichte – geben dieselben menschen plötzlich zu erkennen, daß sie diese oder jene talkshow oder irgendeine als »Kult« geltende serie aufs genauste verfolgen. Nach Umfragen von 2009 ist tv für 40 prozent der Bevölkerung immer noch das wichtigste meinungsbildende medium. auch wenn das internet aufholt, ändert das nichts an der wirksamkeit, denn mit- telfristig werden beide medien nicht nur in einem endprodukt (tv-apparat zum internet-surfen) miteinander verschmel- zen. als »slime, oozing out of your tv- set«, beschrieb Frank Zappa schon in den 1970er Jahren die kontrollierende und kanalisierende tv-macht, die sich pastos über unsere alltägliche existenz und vor allem über unser Gehirn legt. auf zir- ka 100 programmen kann man sich 24 stunden torpedieren lassen, daß einem das Denken vergeht. allein die täglichen seifenopern aufzuzählen, die sich für be- stimmte Klientel verteilt über den ganzen tag ergießen, würde jeden artikel spren- gen. hypnotisiert wie mogli im Dschun- gelbuch von der schlange, sitzen die Leu- te chips mümmelnd vor der Glotze. Diese wohnzimmer-Realität kann un- ter gesundheits-, bildungs- und sozialpoli- tischen aspekten untersucht werden. am interessantesten ist aber die transportierte ideologie. Natürlich gibt es informative politmagazine und Features, kritische sa- tire-sendungen, sehenswerte Kultursen- dungen und traditionelle Nischenplätze wie »Das Kleine Fernsehspiel«, die alle- samt emanzipativen charakter haben kön- nen. atemberaubende Dokumentarfilme z.B. von astrid schult (»Zirkus is nich«; 2007) oder von aelrun Goette (»Die Kin- der sind tot; 2003) gibt es ebenso wie psy- chologisch überzeugende spielfilme von christian petzold oder Robert thalheim, doch werden diese wirklichkeitsnahen Geschichten durch die Fülle von schleim und süßer soße übertüncht. Die intendan- ten nennen das »vielfältig«. sowohl die apologeten des mediums als auch dessen Kritiker finden zuhauf material und argumente. Und hier liegt die crux: alles gibt es im Überangebot. es gilt das Dogma der Nachfrage, die Fetischisierung der Quote, ob der sender im privatbesitz oder öffentlich-rechtlich

ob der sender im privatbesitz oder öffentlich-rechtlich Süße Soße Der Alltag als Farce –Ve- ronica Ferres

Süße Soße

Der Alltag als Farce –Ve- ronica Ferres überneh- men Sie! (»Vom Ende der Eiszeit«, NDR, mit V. F. als Polizistin)

Das bundesdeutsche Fernsehprogramm im spätkapitalismus.

Von Matthias Reichelt

ist, spielt dabei kaum eine Rolle. Das Blö- delprogramm mit thomas Gottschalk, mario Barth, musikantenstadl und den herz-schmerz-stories vom Fließband in Richtung Rosamunde pilcher und inga Lindström läuft zu den lukrativen Zei- ten den tag über sowie zur primetime zwischen 20 und 22 Uhr. Die dispara- ten und diskursiven sendungen dagegen im spätprogramm, meist sogar erst nach mitternacht. themen wie arbeitslosigkeit, Krieg, Krankheit werden zwar nicht gemieden, finden aber in den fiktionalen Forma- ten nur als Zitat, meist jedoch als Farce eingang und werden mit tröstendem, si- rupsüßem happy-end abgeschlossen. Die alleinerziehende, arbeitslose und hoch- verschuldete Frau, womöglich gespielt von veronica Ferres, endet, dank ihres ehrgeizes und unermüdlichen einsatzes, als erfolgreiche Unternehmerin mit lie- bendem mann und glücklicher Familie.

Jeder kann es schaffen und ist seines ei- genen Glückes schmied, lautet die sug- gestion. Je entfernter das milieu – sehr beliebt der adel und die gesellschaftlich elitären Kreise – von der gesellschaftli- chen mehrheit der Depravierten, um so stärker ist deren ausrichtung von sehn- süchten. millionen hängen schmachtend am Bildschirm, wenn die verstoßene tochter sich im Familienkonzern ihren platz erobert, oder der uneheliche und verschwiegene sohn sein Recht im rei- chen adel-imperium erkämpft. Beliebte projektionsflächen sind auch die Berufs- felder Landarzt, Förster und hotelier. Das Zugpferd der aRD-produktionsfirma Degeto ist die immer tief dekolletierte christine Neubauer. im Kanon der trän- drüsigen schmonzetten gibt es kaum eine Rolle, die sie nicht schon gespielt hätte. ob als Freundin afrikas, trümmerfrau, alleinerziehende und darbende mutter – irgendeine instanz bei Degeto hat die schauspielerin zur Geheimwaffe erklärt, die bis zu fünfmal in der woche in der aRD zu sehen sein muß. Kein Drehbuch ist so aberwitzig, daß es nicht noch von der Degeto, die über einen Jahresteat von 400 millionen euro verfügt, verarbeitet werden könnte. Die industrielle Konfektionierung von Gefühlen und Rollenmustern transportie- ren Gesellschaftsmodelle mit klarer hier- archie und ordnung. Gesellschaft wird si- muliert über die virtuelle teilhabe am Ge- schehen, im passiven wegglotz-modus. Für menschen, die aus dem arbeitspro- zeß aufgrund von arbeitslosigkeit oder alter herausgefallen sind, ist Fernsehen oftmals die einzige verbindung zur Ge- sellschaft, von arztbesuchen und einkäu- fen abgesehen. Die Kontrollgesellschaft fängt im wohnzimmer an. mit pseudo- investigativen Formaten wie »Gnadenlos gerecht – sozialfahnder ermitteln« (sat.1 Unfähig soll sein, wer rausfliegt. Bei Formaten wie »Deutschland sucht den superstar« (RtL) darf man sich in der ersten Reihe fremdschämen und auf Ko- sten anderer lustig machen, die glauben, die chance zu haben, ganz nach oben zu kommen. Das prinzip des »wettbewerbs« und der selektion ist von »Big Brother« (RtL 2) über »Germany’s Next top mo-

del« (prosieben) bis zu »x Factor« (vox) in vielen Bereichen wirksam. Nicht aus- zudenken, was passieren würde, fiele das Fernsehprogramm flächendeckend für längere Zeit aus.

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algerische Herkunft. Doch mit dem
Ramadan gerät sein Leben aus
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Je entfernter das Milieu von der ge-

sellschaftli-

chen Mehr- heit der

Depravier-

ten, um so stärker ist deren Aus- richtung von Sehnsüchten.

2011 soNY pictURes ReLeasiNG GmBh

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Mittwoch, 2. November 2011, Nr. 254

junge Welt

Schnell am Ziel was ist das Kino, und wohin treibt es? Von Peer Schmitt
Schnell
am Ziel
was ist das Kino, und wohin
treibt es? Von Peer Schmitt

»Das Kino ersetzt unse- ren Blick auf eine Welt, die sich nach unseren Wünschen richtet.« André Bazin

»DasVolk will mehr Bild als Bibel.« Rudolf Arnheim

Terror der Nostalgie:

Menschen werden zu Puppen (»The Adven- tures ofTintin«, oben) und Puppen zu Filmen (»Captain America«, an- dere Seite)

i

D as Kino ist eine seltsame erfin- dung, die gleich von anbeginn an ohne Zukunft gewesen ist.« 1 schon in der ersten phase von

Filmkritik noch vor dem ersten weltkrieg machte man sich große sorgen, die im wesentlichen »kulturkritisch« und pädago- gisch motiviert waren. man befürchtete, das neue medium, das zunächst nicht mehr als eine Jahrmarktsattraktion war, könnte den ohnehin wenig zuverlässigen pöbel noch zusätzlich verrohen. eine der wenigen ausnahmen war der junge Georg Lukács. er sah 1913 im Kino eine welt ganz neuer möglichkeiten der wahrnehmung von Zeit, Raum, Kausalität im vergleich etwa zu denen des theaters:

»Das Grundgesetz der verknüpfung für Bühne und schauspiel ist die unerbitt- liche Notwendigkeit, für das ›Kino‹ die von nichts beschränkte möglichkeit. Die einzelnen momente, deren ineinanderflie- ßen die zeitliche Folge der ›Kino‹-szenen zustande bringt, sind nur dadurch mitein-

ander verbunden, daß sie unmittelbar und übergangslos aufeinanderfolgen. es gibt keine Kausalität, die sie miteinander ver- binden würde; oder genauer: ihre Kausa- lität ist von keiner inhaltlichkeit gehemmt oder gebunden. ›alles ist möglich‹: das ist die weltanschauung des ›Kino‹, und weil seine technik in jedem einzelnen moment die absolute (wenn auch nur empirische) wirklichkeit dieses moments ausdrückt, wird das Gelten der ›möglichkeit‹ als eine der ›wirklichkeit‹ entgegengesetzten Ka- tegorie aufgehoben; die beiden Kategorien werden einander gleichgesetzt, sie werden zu einer identität. ›alles ist wahr und wirk- lich, alles ist gleich wahr und wirklich‹:

das lehren die Bilderfolgen des ›Kino‹« 2 . Die identität von wirklichem und mög- lichem ist natürlich bereits vor dem Kino ein wesentliches element z. B. phantasti- scher Literatur gewesen. Lukács fährt ent- sprechend fort: »so entsteht im ›Kino‹ eine neue, homogene und harmonische, einheitliche und abwechslungsreiche welt, der in den welten der Dichtkunst und des Lebens ungefähr das märchen und der

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und des Lebens ungefähr das märchen und der ANZEIGE traum entsprechen. (…) im ›Kino‹ kann sich

traum entsprechen. (…) im ›Kino‹ kann sich alles realisieren, was die Romantik vom theater – vergeblich – erhoffte: äu- ßerste, ungehemmteste Beweglichkeit der Gestalten, das völlige Lebendigwerden des hintergrunds, der Natur und der interieurs, der pflanzen und der tiere; eine Leben- digkeit aber, die keineswegs an inhalt und Grenzen des gewöhnlichen Lebens gebun- den ist.« Der Unterschied des Kinos zu ande- ren Künsten besteht einfach darin, daß es anders als Literatur oder Bühnenbild die illusion tatsächlich sichtbar macht. Die technik des Kinos ist es, wie Lukács ex- plizit schreibt, die diese wirklichkeit aller möglichen verknüpfungen ausdrückt. Die Grenzen der möglichkeiten dieser welt würden also die Grenzen dieser technik selbst sein; und an rein technische Gren- zen konnte/wollte man in progressiver perspektive um 1913 herum noch nicht so recht glauben. obwohl für Lukács die technik lediglich ein literarischer imagi- nation prinzipiell unterlegenes instrument ist, dessen sich »ein arnim oder ein poe unserer tage« zur verwirklichung der träume erst noch bedienen müßte. Der ideale Film, den Lukács dann im- plizit beschreibt, folgt entsprechend einer Logik des traums, die sich weder um ein- heit des Zeitablaufs noch um Naturgesetze mehr kümmern muß. Die »ungehemm- teste Beweglichkeit« und die »Lebendig- keit«, von der bei ihm die Rede ist, ist letzt- lich die eines animierten spätromantischen Bühnenbildes (schmachtende pflanzenin- terieurs), anders gesagt: ein trickfilm. andere Kritiker wie carl einstein sprachen dann auch vom frühen Kino als »schlechtem theater«, »heruntergekom- mener Romantik« oder »Nepp«. anfang der 1930er, als der tonfilm aufgekommen und aus dem vereinzelten traum gren- zenlos bewegter interieurs bereits eine »traumfabrik« geworden war, beschei- nigte der Kritiker Rudolf arnheim dem Kino abermals »eine traurige Zukunft« 3 . Das Kino, so arnheims argument, schei- tere am Konflikt zwischen »Kunst« und industrie, da die Kommerzialisierung der Filmproduktion mit einer Dominanz des Naturalismus in den produkten einhergeht. Naturalismus ist an dieser stelle gleich- bedeutend mit tonfilm, der für arnheim den abfall vom wahren Glauben an die

Filmkunst darstellte und »Qualität« durch »Bluff« ersetzte. »Der stumme Film«, schrieb er, »war nicht ablösungsreif. er hat nicht seine Fruchtbarkeit, sondern nur seine Rentabilität verloren, und gerade, wenn man einsieht, daß der tonfilm mehr als eine aufstockung, daß er eine künstle- rische Beschäftigung sui generis ist, sollte man die beliebte Behauptung ablehnen, daß er einen ›Fortschritt‹ darstelle, der also automatisch das bisher geübte verfahren zum Komposthaufen verdamme. tonfilm ist kein Fortschritt, sondern eine neue sa- che – und das ist doch wohl zweierlei.« Kein Fortschritt, aber eine unaufhalt- same entwicklung: »Das schutzpatronat der Bildkunst ist vom heiligen Lukas zum elektrokonzern gewechselt, und die Resul- tate sehen danach aus. Die wünsche des ebenso mächtigen wie unerzogenen welt- publikums gehen auf immer größere an- näherung des Films an die wirklichkeit, denn man sucht im Kino die panoptikums- und Bauchrednersensation: Die puppe sieht aus und spricht wie ein mensch! Und ebenso stellen sich die techniker die auf- gabe: eroberung des tons, der Farbe, des Raums. sie werden verdammt schnell am Ziel sein.« tatsächlich ist die sprechende, die mit dem menschen quasiidentische pup- pe eines der (ganz im Freudschen sin- ne) unheimlichen ideale romantischer phantastischer Literatur gewesen 4 , für arnheim, verfechter einer stumm »melan- cholischen« Filmkunst, war die technische verwirklichung dieses ideals in Form des »bauchredenden« Filmschauspielers in kommerziellen tonfilmprodukten dann ein anblick des horrors, das ende der Filmzi- vilisation. er hatte entsprechend pessimi- stische soziologische prognosen abzuge- ben, die wieder sehr gegenwärtig klingen, man muß nur die Begriffe »tonfilm« durch »Digitalisierung« und »Rundfunk« durch »Fernsehen« und/oder »internet« ersetzen und arnheims alter aufsatz erscheint wie- der wie frisch gedrucktes Feuilleton:

»während es heute (das heißt 1930 – p. s.) noch möglich ist, einen hochwertigen, kon- zessionslosen Film für ein begrenztes eli- tepublikum herzustellen, etwa für die Ur- aufführungskinos der Großstädte, wird mit Übernahme des Films durch den Rundfunk auch das aufhören. Der Rundfunk wird das monopol für Filmsendungen übernehmen,

miKe BLaKe / ReUteRs

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film

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und damit wird sich jene Niveausenkung einstellen müssen, wie wir sie schon heute am Rundfunk beobachten, wo ja die hoch- wertigen musikalischen, literarischen, wis- senschaftlichen sendungen auch nur dem vergnügen weniger dienen und also ei- gentlich eine unerlaubte Zumutung gegen- über jener millionenüberzahl von hörern darstellen, die nichts davon verstehen und sich das trotzdem für ihr Geld darbieten und bieten lassen müssen.« 5

ii

Der ton der Filmkritik ist mittlerweile wie- der so milde apokalyptisch geworden, wie er es im moment des aufkommens neuer technologien seltsamerweise schon im- mer war. von tod, verfall und ende, ende, ende ist die Rede, während sich tatsäch- lich entscheidende transformationen in produktion, Distribution und Konsum von dem, was man einmal Kino genannt haben wird, vollziehen, im Grunde schon vollzo- gen haben. eines von vielen Beispielen in der letzten Dekade ist ein aufsatz des Kri- tikers Godfrey cheshire der (mittlerweile eingestellten) New Yorker wochenzeitung New York Press mit dem programmati- schen titel »the Death of Film/the Decay of cinema«, symbolträchtig noch am vor- abend des endes des letzten Jahrtausends publiziert 6 . Für cheshire ist Film dabei, am »historischen horizont« zu verschwin- den, er wird in Zukunft als ein phänomen des vergangenen 20. Jahrhunderts wahrge- nommen werden, vorwiegend museal, wie die menschen jener Generationen, die von Film als der dominanten kulturellen Kraft geprägt sind. Der Grund liegt natürlich in der Digitalisierung filmischer technik (und Distribution). cheshire spricht aber nicht unterschiedslos von »Film«, er dif- ferenziert zwischen »Film« und »movie« und »cinema«. »Film« meint die »traditionelle techno- logie von Kamera, projektion, Zelluloid, Beleuchtung«, und genau das wird nach cheshire in absehbarer Zeit verschwun- den sein. »movie« ist sein Begriff für Film als Form des »entertainment«, der Unterhaltung. Das wird es immer geben, zukünftig aber nur in zwangsläufig mu- tierter Form in Konkurrenz zu anderen Unterhaltungsprodukten; so daß »movie« seine massenkulturelle Dominanz und seine vermarktbare »einzigartigkeit« ein- büßen werde. »cinema« meint Film im engeren sinn als Kunst; diese hatte ihren höhepunkt als »kulturelle Kraft« schon vor Jahrzehnten erreicht, mithin also schon lange überschritten; die »Filmkunst« wird aber weiter randständig, als museales oder akademisches objekt, »gedeihen wie zum Beispiel die Renaissancemalerei«. soweit die prognosen der Jahrtausend- wende. sie gehen bis heute im allgemeinen

in die Richtung, daß entertainment durch visuelle medien sich in mischformen aus »movie«, sportübertragung, Rollenspiel und diversen showformaten präsentieren wird. eine mutierte Form des Fernsehens, mit dem Grundprinzip der Gleichzeitigkeit aller Kanäle, während wiederum das »klas- sische« Fernsehen, die allgemeinverbindli- che abendunterhaltung, als solche selbst, absterben wird. tatsächlich zeigen die avancierteren gegenwärtigen Blockbuster-Filme das medium Kino oft schon in einer nostal- gischen historizität, so, als wäre man bei

hatte. er erkennt sich selbst als Konserve, teil des archivs, und flüchtet auf den time square, wo er die simultaneität aller an- werbungen durch bewegte Bilder auf Bill- boards, Bildschirmen usw. als eine attacke auf seine sinneswahrnehmung erlebt. er verkörpert also einen Zuschauer, der von der Behaglichkeit des linear rezipierten alten entertainments in die totale simul- taneität der »neuen medien« katapultiert wird. auch in der Filmtheorie ist mehr und mehr von »postcinema« und einem »post- cinematographischen affekt« die Rede. 8 eine der wesentlichen tendenzen der

genauso unmerklich einpassen sollten wie die menschlichen schauspieler. wie überrascht wäre jener Rudolf arn- heim gewesen, der sich darüber ärgerte, daß die puppen plötzlich sprechen wie menschen, hätte er steven spielbergs »the adventures of tintin« (Usa 2011) gesehen? in dieser Filmadaption der tim- und-struppi-Bände »Das Geheimnis der ›einhorn‹« und »Die Krabbe mit den gol- denen scheren«, werden die sprechenden menschen digital zu »puppen«/comicfi- guren verfremdet, »gemorpht«, um rück- standslos in eine wie gezeichnet wirkende

um rück- standslos in eine wie gezeichnet wirkende einer (wiederum nie endenden) abschieds- vorstellung dabei.

einer (wiederum nie endenden) abschieds- vorstellung dabei. ein jüngeres Beispiel ist der Film »captain america« von Joe Johnston (Usa 2011) 7 . er zeigt seinen helden wiederholt beim Kinobesuch oder selbst als Kunstprodukt kulturindustrieller Filmproduktion. am anfang sieht man ihn in einer Filmvorführung, wie sie in den Usa und andernorts zu Beginn der 1940er üblich war: wochenschau, trick- film, hauptfilm(e). eins brav nach dem anderen. »captain america« verschärft die ausstellung des Überkommenen noch in seiner schlußsequenz, wenn der held gewissermaßen in seiner eigenen Zukunft (unserer Gegenwart) angekommen ist. wobei ihm aber zunächst die Gegenwart der 1940er mit hilfe einer Radioliveüber- tragung eines Baseballspiels in echtzeit simuliert werden soll. Doch der held er- kennt sofort, daß diese Übertragung eine aufzeichnung sein muß, weil er zufällig eben dieses spiel real im stadion miterlebt

»postcinematographischen« »Filme«/ medien ist das ersetzen von montage durch simultaneität und Kontinuität. Der medientheoretiker Lev manovich nennt dies in seinem Buch »the Language of New media« 9 den »widerstand gegen die montage«. manovich hebt dabei hervor, daß sich die neuen techniken des Kom- binierens/Zusammenfügens (»composi- ting«) des Bildes von der »postmodernen Ästhetik« der 1980er grundsätzlich unter- scheiden. Diese war darauf aus, das Zitier- te, das Zusammengebastelte als solches wiedererkennbar hervorzuheben, während die digital generierten Fremdelemente so eingefügt werden, daß sie zusammen mit ihrem hintergrund die illusion einer äs- thetischen Kontinuität ergeben: »elemente werden jetzt vermischt, und Grenzen eher getilgt (erased) als hervorgehoben.« als Beispiel fügt er die digitalen Dinosaurier in »Jurassic park« (steven spielberg, Usa 1993) an, die sich in die Filmlandschaft

1940er-Nostalgie-Filmlandschaft zu pas- sen. Der aufmerksamste Leser, den die »tintin«-comics bisher wohl fanden, ist der philosoph michel serres. er las die tim-und-struppi-Geschichte »Die Juwe- len der sängerin« als eine Fabel über die Geschichte der medien, der »verstopften Kanäle«: »auf ein oder zwei seiten ein Resümee, pardon, eine synopse unserer ausdruckstechniken, unserer virtuosen Fähigkeit, Dinge zu variieren, um sie zu verbergen, sie zu analysieren, um sie zu entwenden. wählen sie aus dem ange- bot: addieren, subtrahieren, verdoppeln, multiplizieren, dividieren, in elemente zerlegen, atomisieren, reihen, umkehren, übertragen, symmetrisieren, deformieren, übersetzen, hinzufügen, transportieren, ab- strahieren, mischen, filtern, codieren, mo- dulieren, chiffrieren, übereinandergelegte Raster nebeneinander stellen, formalisie- ren, transformieren …« 10

Anmerkungen

1 Der Satz, das Kino sei eine Erfindung ohne Zukunft, wird wechselweise Antoine und Louis Lumière zugeschrieben. Die Lumière-Brüder waren es, die im Dezember 1895 in Paris die ersten Filmprojektionen (zumindest in Europa, es gab ungefähr zeitgleich auch öf- fentliche Vorführungen in den USA), durchführten. Der Satz »Kino ist eine Erfindung ohne Zukunft.« steht später plakativ in italienischer Sprache – »Il cinema è un’invenzione senza avvenire.« – in einer berühmten Szene aus Jean-Luc Godards Film »Le Mépris« (Die Verachtung) (FR/IT 1963) unter der Leinwand eines Vor-

führraums, in dem sich neben Michel Piccoli und Jack Palance auch Fritz Lang (als er selbst) befindet.

2 Georg Lukács: »Gedanken zu einer Ästhetik des Kinos« (1913). In Anton Kaes (Hg.):

»Kino-Debatte.Texte zum Verhältnis von Literatur und Film 1909–1929«, München 1978, S.112–117

3 Rudolf Arnheim: »Die traurige Zukunft des Films« (1930). In:

Ders.: »Kritiken und Aufsätze zum Film«, hrsg. von Helmut H. Diederichs, München, Wien 1977, S.17–19

4 »Gerade die Dummheit des Films macht ihn zum vor- teilhaften Ersatz so mancher Bücher und der romantischen zumal. Sie kann Körper spei- chern, die bekanntlich genauso dumm sind.« Friedrich Kittler:

»Romantik – Psychoanalyse – Film: eine Doppelgängerge- schichte«. In: Ders.: »Draculas Vermächtnis – Technische Schriften«, Leipzig 1993,

S.81–104

5 Arnheim, a.a.O., S.19.

6 Godfrey Cheshire, »The Death of Film/The Decay of Cinema«, NewYork Press,

30/1999

http://www.nypress.com/arti-

cle-180-the-death-of-film_the-

decay-of-cinema.html

7 Vgl. Peer Schmitt, »Eine Kurio- sität«, jungeWelt, 23.8.2011

8 Steven Shaviro, »Post-cinema- tic Affect«, Washington 2010:

»Warum ›post-cinematic‹? Film wurde als kulturelle Dominante schon vor langer Zeit durch das Fernsehen ersetzt, das wiederum in den letzten Jahren Computer- und Netzwerk-basierten und digi- tal generierten ›Neuen Medi- en‹ Platz machte (…) Digitale Technologien haben neben neoliberalen ökonomischen Beziehungen zu radikal neuen Wegen der Herstellung und Artikulation gelebter Erfah- rung geführt.«

9 Lev Manovich, »The Language of New Media«, MIT Press, 2001, S. 141 ff.

10 Michel Serres, Hermes II., In- terferenz, Berlin 1992, S. 322

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of New Media«, MIT Press , 2001, S. 141 ff. 10 Michel Serres, Hermes II., In-

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junge Welt

Listomania

Neuere amerikanische Fernsehserien: was muß man sehen, was sollte man sich mal anschauen, wo kann man nicht hingucken? Von Thomas Dierkes

Listen sind Frieden. Zum Beispiel die besten Serien der Welt: 1. »Sein- feld«, 2. »The Wire«, 3. »Monaco Franze«

film erscheint als Spezial derTageszeitung junge Welt imVerlag 8.Mai GmbH,Torstraße 6, 10119 Berlin. Redakti- on: Christof Meueler (V.i.S.d.P.), Anzeigen:

Silke Schubert, Gestal- tung: Michael Sommer

i ch mache Listen: Listen mit städ- ten und Ländern, in denen ich war, und Listen mit orten, die ich noch besuchen will; Listen mit Dingen,

die man auf solchen Reisen nicht verges- sen darf. sehr viele to-Do-Listen und sehr lange Listen mit Büchern, Filmen und serien, die es zu besorgen, lesen und anzusehen gilt. ich sage: Listen, Listen, Listen! Listen geben ein Gefühl von si- cherheit, Listen sind Frieden. statt eines artikels hätte ich an dieser stelle auch lieber eine simple Liste gemacht.

Die besten serien der welt:

1. »seinfeld«

2. »the wire«

3. »monaco Franze«

4. Und so weiter.

aber ich habe mich doch bald zensiert. einmal aus Furcht vor einem Formalis- musvorwurf der Redaktion, dann, weil es tatsächlich zwei oder drei Us-ameri- kanische und weltweit sicher noch fünf, sechs weitere serien gibt, die ich noch nicht gesehen habe. hier der Kompromiß:

Drei kommentierte Listen zu laufenden serien aus den Usa, über die auch hier viel geredet wird.

sehr und ziemlich gute serien

u »Mad Men« (von Matthew Weiner,

seit 2007 auf AMC )

eine detailversessen inszenierte milieu- studie der New Yorker werbeindustrie der 60er Jahre. Fans reden darüber, wie alkoholismus, Geschlechterrollen und homophobie en passant aufs Korn ge- nommen werden. in wirklichkeit gucken es natürlich alle wegen des schmucken Don Draper (Jon hamm) – eine Gatsby- Figur mit zwei Gesichtern, im Gegensatz zum original allerdings mit Geschmack. so oder so, »mad men« ist die beste laufende Dramaserie und kann sich ohne weiteres mit »sopranos«, »Deadwood« etc. messen. staffel 5 soll im märz in den Usa starten. endlich!

u »Curb Your Enthusiasm« (von Larry

David, seit 2000 auf HBO)

Die Fortsetzung von »seinfeld« mit an- deren mitteln. hier spielt Larry David sich selbst als »social assassin«. in der kürzlich abgelaufenen achten staffel trifft er sich z.B. mit einer antisemitischen pa- lästinenserin zum sex. seine argumenta- tion: Zurückweisung errege ihn, und bei ihr finde er diese in der weitest gesteiger- ten Form – sie negiere sein existenzrecht. Larrys jüdisches Umfeld ist brüskiert. in ihrer grellen Überspannung leider die ein- zig überzeugende Folge der staffel. L.D. hätte sich einen Gefallen getan, vorher aufzuhören. Die »seinfeld«-Reunion in der vorangegangenen staffel wäre der ideale serienschluß gewesen.

u »Breaking Bad« (von Vince Gilligan,

seit 2007 auf AMC)

Bei walter white (Bryan cranston), ei- nem chemielehrer aus New mexico, wird Krebs diagnostiziert. Um seine Familie abzusichern, kocht er crystal meth und läßt es von einem ehemaligen schüler verticken. er überwindet die Krankheit, aber strudelt munter weiter ins verbre- chen. ein schöner schwarzer spaß mit etwas konstruierten anfangsgründen. Die im oktober zu ende gegangene staffel hat zwar lange (zehn von dreizehn Folgen)

gebraucht, um Fahrt aufzunehmen, hinten raus wurde aber noch zünftig gemetzelt. staffel 5 geht anfang 2012 in produktion. wird walter nun endlich chef der Unter- welt? Bitte, bitte!

Ganz gute und okaye serien

u »Bored To Death« (von Jonathan

Ames, seit 2009 auf HBO)

Für seine serie »Bored to Death« hat sich der Kolumnist, comic- und Romanautor Jonathan ames in drei Figuren gespalten:

einen Kolumnisten, einen comiczeichner und einen Romancier. Die drei Freunde dröhnen sich mit hilfe eines vaporizers die Birne zu, spielen Detektive, laufen drollig in der Gegend herum und verhalten sich auch ansonsten gerne etwas wes-anderso- ny. Die hauptfigur ist auch mit anderson- schauspieler Jason schwartzman besetzt. ted Danson, der in »curb« als aus dem ei gepellte echse erscheint, kommt hier wahnsinnig sympathisch rüber. Die dritte staffel ist gerade zur hälfte gelaufen.

u »The Killing« (von Veena Sud, seit 2011

auf AMC)

wer hat Laura palmer ermordet? Nein, hier heißt das tote mädchen aus dem was- ser Rosie Larsen. Doch wie bei »twin peaks«, David Lynchs pionierarbeit zu Beginn der 1990er Jahre, werden wir auch jetzt am ende der ersten staffel nicht aufgeklärt. im Unterschied zur dänischen vorlage »Forbrydelsen« übrigens. Zum Glück ist schon eine neue staffel bestellt, und dann soll die reizende ermittlerin (mireille enos), die man die ganze Zeit fragen will, ob die Lämmer noch schreien, das Ding knacken. »the Killing« packt je- denfalls von anfang an zu und läßt nicht mehr los. Der vorteil von kohärenten se- rien ist, daß man weiß, woran man ist. Beim »tatort« muß man ja jede woche mit dem schlimmsten rechnen.

u »Grey’s Anatomy« (von Shonda

Rhimes, seit 2005 auf ABC)

oprah hat im Frühling aufgehört, »Grey’s anatomy« macht weiter. (immerhin auch schon in der achten staffel.) Gute men- schen, kritische Lebenslagen, starke emo- tionen. Das geht nirgends besser als in einer Krankenhausserie und wird nirgends besser gemacht als in dieser. Zuckrige popsongs takten den solide komponier- ten handlungsbogen. todsicher kommt irgendwann die stelle, wo die armhärchen zur ehre menschlicher Größe und großer menschlichkeit strammstehen – jede epi- sode eine kleine Reinigung. Klar, man muß über den teenie-talk weghören, klar, eine zwielichtige Figur würde der serie guttun. anyway, fuck house, page shepherd!

u »Two And A Half Men« (von Chuck

Lorre und Lee Aronsohn, seit 2003 auf NBC)

in »two and a half men« konnte char- lie sheen ganz er selbst sein: seichter Künstler, starker trinker und vor allem Frauenheld und Freier. mit der serie wur- de er zum bestverdienendsten Fernsehstar der welt. im echten Leben blieb er der alte, nahm Drogen, pöbelte gegen seinen produzenten – und wurde deswegen ge- feuert. Kunst imitiert Leben, und Leben zerstört Kunst. Gerade läuft staffel 9, in der sheen durch ashton Kutcher ersetzt wurde. Damit ist die lustvolle Degenera- tion des Zuschauers beendet. Nicht weil

die serie niveauvoller geworden wäre, sondern weil es keinen Grund mehr gibt, sie zu sehen.

u »The Walking Dead« (von Frank

Darabont, seit 2010 auf AMC)

Die welt nach einer Zombie-apokalypse. also ziemlich exakt unsere Gegenwart. eine Gruppe von widerständigen Über- lebenden prügelt sich mit Baseballschlä- gern ihren weg durch die Untoten. ein neuer versuch der Usa, sich in kapita- listischen Krisenzeiten selbst zu verste- hen? mitte oktober ist die zweite staffel gestartet, die dritte ist auch schon verspro- chen. vielleicht tragen die hohen ein- schaltquoten ja zu einer Radikalisierung von »occupy wall street« bei.

mißglückte und blöde serien

u »Boardwalk Empire« (von Terrence

Winter, seit 2010 auf HBO)

ein Gangsterepos zur Zeit der prohibi- tion. Gut gemacht, aber letztlich ist dem ewigen Nebendarsteller steve Buscemi das hemd der hauptfigur einfach zu groß.

u »True Blood« (von Allan Ball, seit

2008 auf HBO)

sehr schöne idee: vampire als diskrimi- nierte minderheit. Der lässige vorspann macht spaß, aber was danach kommt, erinnert an »coyote Ugly«.

u »Dexter« (von James Manos, Jr., seit

2006 auf CBS)

auch eine nette idee: ein Forensiker kämpft gegen abgefahrene psychokiller und gegen den potentiellen psychokiller in sich selbst. Leider überhastet und un- ausgereift erzählt.

u »The Playboy Club« (von Chad

Hodge, seit 2011 auf NBC)

Überhaupt keine gute idee: 60er Jahre, ein smarter staatsanwalt mit dunkler ver- gangenheit schleppt Bunnies im playboy club ab. »mad men« light mit voice over von hugh hefner.

u »How I Met Your Mother« (von Car-

ter Bays und Craig Thomas, seit 2005 auf CBS)

schrecklich provinzielle adoleszenzler im schrecklich aufregenden New York. Für Jungens, die es immer noch für den ultimativen prüfstein halten, ob jemand »star wars« gut findet.

u »Skins« (von Bryan Elsley und Jamie

Brittain, seit 2007 auf E4)

»the wire« hat es mit der vierten staffel vorgemacht: man kann über Jugendliche erzählen, ohne eine dämliche Jugendserie zu machen. »skins« kann es nicht.

u »The Big Bang Theory« (von Chuck

Lorre und Bill Prady, seit 2007 auf CBS)

Kennst du den schon? Nerds machen ner- dige sachen in ihrer Nerd-wG. Nebenan wohnt eine dumme Blondine.

u »Hung« (von Dimitry Lipkin und Co-

lette Burson, seit 2009 auf HBO)

ein mann mit schwanz, starke idee!

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Folter.
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Gegründet 1947
Nr. 240 · 1,70 Euro
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Sonnabend/Sonntag, 15./16. Oktober 2011 ·
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A11002 · Entgelt bezahlt
Aufbruch
Abräumer
Ausverkäufer
»Wir hoffen,
daß wir täglich mehr
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Aktivisten von »Occupy Wall Street«
Politiker
versuchen
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säubern Park, um gegen drohende
den.« Interview mit Colin
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Proteste
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»Occupy Frankfurt«
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