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Wilhelm von Humboldt

Über das Studium des Alterthums, und des Griechischen insbesondre
1 Das Studium der Ueberreste des Alterthums – Litteratur und Kunstwerke – gewährt einen zwiefachen Nuzen, einen materialen und einen formalen !inen materialen, indem es andren "issenschaften Stoff darbietet, den sie bearbeiten #nsofern ist dasselbe, und sind also die humanistischen "issenschaften $%lfswissenschaften &on 'enen, und wie wichtig dieser Nuzen auch an sich sein mag, so ist er ihnen eigentlich fremd 2 Der formale Nuzen kann wiederum zwiefach sein, einmal insofern man die Ueberreste des Alterthums an sich und als "erke der (attung, zu der sie geh)ren, betrachtet, und also allein auf sie selbst sieht* und zweitens indem man sie als "erke aus der +eriode, aus welcher sie stammen, betrachtet, und auf ihre Urheber sieht, Der erste Nuzen ist der ästhetische* er ist %beraus wichtig, aber nicht der !inzige Darin dass man ihn oft f%r den einzigen gehalten hat, liegt eine -uelle mehrerer falscher .eurtheilungen der Alten 3 Aus der .etrachtung der Ueberreste des Alterthums in /%ksicht auf ihre Urheber entsteht die Kenntniss der Alten selbst, oder der Menschheit im Alterthum Dieser (esichts0unkt ist es, welcher allein in den folgenden Säzen aufgefasst werden soll, theils seiner innren "ichtigkeit wegen, theils weil er seltner genommen zu werden 0flegt 4 123 Das Studium einer Nation gewährt schlechterdings alle die'enigen 4ortheile, welche die (eschichte %berhau0t darbietet, indem dieselbe durch .eis0iele &on $andlungen und .egebenheiten die 5enschenkenntniss erweitert, die .eurtheilungskraft schärft, den 6harakter erh)ht und &erbessert* aber es thut noch mehr #ndem es nicht sowohl dem 7aden auf einander folgender .egebenheiten nachs0%rt, als &ielmehr den 8ustand und die gänzliche Lage der Nation zu erforschen &ersucht, liefert es gleichsam eine Biographie derselben 5 Das Auszeichnende einer solchen .iogra0hie ist &orz%glich das, dass, indem der ganze 0olitische, religi)se und häusliche 8ustand der Nation geschildert wird, ihr Charakter nach allen seinen Seiten, und in seinem ganzen Zusammenhange entwikkelt, nicht loss die gegenseitigen Beziehungen der einzelnen Charakterz!ge unter einander, sondern auch ihre "elationen zu den äussren #mständen, als #rsachen oder $olgen, einzeln untersucht werden* und die 4ortheile dieses charakteristischen Kennzeichens eines solchen Studiums &erfolge ich hier allein, mit Uebergehung 'ener %brigen, )fter ber%hrten 6

5an 0flegt 5enschenkenntniss nur zum Umgange mit 5enschen nothwendig zu halten, und man 0flegt es 5enschenkenntniss zu nennen, wenn man eine 5enge einzelner 5enschen beobachtet und dadurch eine 7ertigkeit erworben hat, aus ihren äussren $andlungen ihre inneren Absichten zu errathen, und umgekehrt durch k%nstlich ihnen gegebene .eweggr%nde sie zu $andlungen zu bestimmen, und in einem gewissen 0olitischen Sinne mag beides wahr sein Allein im 0hiloso0hischen kann 5enschenkenntniss – Kenntniss des 5enschen %berhau0t, wie der einzelnen wirklichen #ndi&iduen – nichts anders heissen, als die Kenntniss der %erschiedenen intellektuellen, empfindenden, und moralischen &'( menschlichen Kräfte, der Modifikationen, die sie durch einander gewinnen, der m)glichen Arten ihres richtigen und unrichtigen *erhältnisses, der Beziehung der äusseren #mstände auf sie, dessen, was diese in einer gegebnen Stimmung unausbleiblich wirken m%ssen, und was sie nie zu wirken &erm)gen, kurz der +eseze der Nothwendigkeit der %on innen, und der M)glichkeit der %on aussen gewirkten #mwandlungen Diese Kenntniss ist, oder &ielmehr das Streben nach dieser – da hier nur Streben m)glich ist – f%hrt zur wahren 5enschenkenntniss, und diess ist 'edem 5enschen, als 5enschen, und lebte er auch ganz &on 5enschen abgesondert, nur in &erschiedenen (raden der #ntension und !9tension unentbehrlich 7 8uerst – um &om Leichtesten anzufangen – dem handelnden Menschen, dem ich in der 7olge den nur mit #deen .eschäftigten, so wie endlich beiden den bloss (eniessenden entgegensezen werde Alles 0raktische Leben, &om Umgange in der gleichg%ltigsten (esellschaft bis zu dem /egierendes gr)ssesten Staats, bezieht sich mehr oder minder unmittelbar auf den 5enschen* und wer seiner moralischen "%rde wahrhaft eingedenk ist, wird in keinem dieser 4erhältnisse des h)chsten 8weks aller 5oralität, der 4eredlung und steigenden Ausbildung des 5enschen &ergessen Dazu ist 'ene Kenntniss ihm unentbehrlich, theils um 'enen 8wek zu bef)rdern, theils, wenn sein (eschäft so heterogen ist – wie es denn auch sehr achtungsw%rdige dieser Art geben kann – dass es ihm &on gewissen Seiten !inschränkungen in den "eg stellen muss, doch immer das h)chst m)gliche 5inimum dieser !inschränkungen zu bewahren So lehrt sie ihn, was er moralisch unternehmen d%rfe und 0olitisch mit !rfolg unternehmen k)nne, und leitet dadurch seinen 4erstand – Aber auch zweitens seinen "illen, indem sie allein wahre Achtung des 5enschen erzeugt Alle Un&ollkommenheiten lassen sich auf 5is&erhältnisse der Kräfte zur%kbringen #ndem nun 'ene Kenntniss das (anze zeigt, werden diese gleichsam aufgehoben, und es erscheint 1:3 zugleich die Nothwendigkeit ihres !ntstehens und die 5)glichkeit ihrer Ausgleichung, so dass das, &orher einseitig betrachtete #ndi&iduum durch diesen allseitigen Ueberblik gleichsam in eine andre h)here Klasse &ersezt wird 8 Der mit #deen .eschäftigte ist – da ich mich hier der (enauigkeit logischer !intheilungen %berheben kann – $istoriker im allerweitesten Sinne des "orts, oder +hiloso0h, oder K%nstler Der ,istoriker, insofern ich &on dem im eigentlichsten 4erstande – dem .eschreiber der 5enschen und menschlichen $andlungen – abstrahire, bedarf 'ener Kenntniss &ielleicht am wenigsten "enn indess auch der 7orscher des am mindesten mit 5enschenähnlichkeit begabten ;heils der Natur nicht bloss die äussren !rscheinungen

aufzählen, sondern auch den innern .au ers0ähen will* so kann er derselben schlechterdings nicht gänzlich entbehren Denn nicht bloss dass alle unsre #deen &on <rganisation urs0r%nglich &om 5enschen ausgehen* so herrscht auch durch die ganze Natur eine Analogie wie der äussren (estalten, so des inneren .aues !s lässt sich daher kein tiefer .lik in die .eschaffenheit der <rganisation auch der leblosen Natur ohne 0h=siologische Kenntniss des 5enschen thun, und diese ist wiederum nicht ohne 0s=chologische m)glich* und ebenso steigt umgekehrt mit dem Umfange dieser lezteren die Schärfe 'enes ersten .liks, wenn gleich freilich in oft sehr kleinen (raden !ndlich muss ich bemerklich machen, dass ich hier den .lik auf den 8usammenhang der ganzen Natur, und die .eziehung der leblosen auf die menschliche – die kein grosser Naturk%ndiger &ersäumen wird – ganz %bergehe, wie es denn %berhau0t meine Absicht ist, nur zu &ersuchen, das f%r sich minder Klare in ein helleres Licht zu stellen 9 Diesem (rundsaze getreu, bleibe ich bei dem -hilosophen nur bei dem abstraktesten 5eta0h=siker stehen Aber wenn auch dieser das ganze !rkenntniss&erm)gen ausmessen soll, 1>3 wenn es ferner &on dem (ebiete der !rscheinungen in das (ebiet der wirklichen "esen keinen andren "eg, als durch die 0raktische 4ernunft giebt, wenn 7reiheit und Nothwendigkeit eines allgemein gebietenden (esezes allein zu .eweisen f%r die wichtigsten, %bersinnlichen +rinci0ien f%hren k)nnen* so muss die mannigfaltigste .eobachtung der, in andren und andren (raden gemischten menschlichen Kräfte auch diess (eschäft um &ieles erleichtern, und am sichersten das sehen lassen, was allgemein ist und sich in 'eder 5ischung gleich erhält 10 Des K!nstlers einziger 8wek ist Sch)nheit Sch)nheit ist das allgemeine, nothwendige, reine "ohlgefallen an einem (egenstand ohne .egriff !in "ohlgefallen, das nicht durch Ueberzeugung erzwungen werden kann und doch abgen)thigt sein soll, das allgemein sein muss, und dessen (egenstand nicht durch den .egriff reizt, muss sich nothwendig auf die ganze Seelenstimmung des !m0findenden in ihrer gr)ssesten #ndi&idualität beziehen, wie auch schon die unendliche 4erschiedenheit in (eschmaksurtheilen zeigt "er es also her&orbringen will, muss sein "esen mit den feinsten und &erschiedenartigsten "esen gleichsam identificirt haben, und wie ist diess ohne tiefes und anhaltendes Studium m)glich? – Auch ausser dieser, zwar allgemein beweisenden, aber auch abstrakteren !r)rterung, geh)rt der K%nstler gleichsam zur Klasse der 0raktischen 5enschen, und bedarf umsomehr alles des'enigen, was 'enen unentbehrlich ist, als er unmittelbar auf das $)chste und !delste wirkt Nicht also bloss um als 5ensch moralisch, sondern auch um als K%nstler mit !rfolg zu wirken, muss er den (egenstand tief kennen, auf welchen er wirkt – !ndlich ist sein (eschäft entweder Ausdruk oder Schilderung Das !rstere bezieht sich allein und unmittelbar, das Leztere, da die Schilderung sonst nicht gefasst wird, mittelbar auf !m0findung, und so bleibt diese und der em0findende 5ensch %berhau0t immer sein $au0tstudium 11 1@3 4on dem bloss +eniessenden endlich liesse sich eigentlich nichts sagen, da der !igensinn des (enusses keine /egel annimmt Aber ich stelle mich billig hier in die Stelle

nicht gerade der edelsten 5enschen, aber der 5enschen %berhau0t in ihren edleren 5omenten #n diesen nun sind die 7reuden der h)chsten (attung die, welche man durch sich und andre em0fängt, durch Selbstbeobachtung, Umgang in allen Abstufungen, 7reundschaft, Liebe Ae h)her diese sind, desto eher sind sie zerst)rt ohne ein scharfes Auffassen des wahren Seins seiner selbst und andrer Diess aber ist nie m)glich, ohne tiefes Studium des 5en schen %berhau0t – Diesen 7reuden an die Seite treten nicht unbillig die'enigen, welche der ästhetische (enuss der "erke der Natur und der Kunst gewährt Diese wirken &orz%glich durch !rregung der !m0findungen, welche durch die äussren (estalten, gleichsam als durch S=mbole gewekt werden Ae mehr lebendige Ansichten m)glicher menschlicher !m0findungen nun das Studium des 5enschen &erschaft hat, desto mehr äussrer (estalten ist die Seele em0fänglich – Da ich des, aus der eignen ;hätigkeit ents0ringenden (enusses schon mit dieser ;hätigkeit selbst im 4origen erwähnt habe BCD ,EF, so bleibt mir nur noch der sinnliche %brig Aber auch dieser wird, indem die +hantasie ihm das reiche Schaus0iel seiner m)glichen 5annigfaltigkeit nach der 4erschiedenheit des geniessenden #ndi&iduums zugesellt, und indem sie so gleichsam mehrere #ndi&iduen in !ins &ereint, &er&ielfacht, erh)ht und &erfeinert – !ndlich mindert sich durch eine solche Ansicht das (ef%hl auch des wirklichen Ungl%ks Das Leiden, wie das Laster, ist eigentlich nur 0artiell "er das (anze &or Augen hat, sieht, wie es dort erhebt, wenn es hier niederschlägt 12 #ch habe bis 'ezt den 5enschen mit 7leiss abgesondert in einzelnen !nergien betrachtet 8eigte sich aber auch in keiner die Unentbehrlichkeit der Kenntniss, &on der ich hier rede, so w%rde sie sich doch gerade dadurch bewähren, &.( dass sie %orz!glich nothwendig ist, um das einzelne Bestre en zu /inem +anzen und gerade zu der /inheit des edelsten Zweks, der h)chsten, proportionirlichsten Aus ildung des Menschen zu %ereinen Denn das .eschäftigen einzelner Seiten der Kraft bewirkt leicht mindere /%ksicht auf den Nuzen dieses .eschäftigens, als !nergie, und zu grosse auf den Unzen des $er&orgebrachten, als eines !rgon, und nur häufiges .etrachten des 5enschen in der Sch)nheit seiner !inheit f%hrt den zerstreuten .lik auf den wahren !ndzwek zur%k 13 So wirkt 'ene Kenntniss, wenn sie erworben ist, gleichsam als 5aterial* aber gleich heilsam und &ielleicht noch heilsamer wirkt gleichsam ihre $orm, die Art sie zu erwer en Um den 6harakter !ines 5enschen und noch mehr einer noch &ielseitigeren Nation in seiner !inheit zu fassen, muss man auch sich selbst mit seinen &ereinten Kräften in .ewegung sezen Der Auffassende muss sich immer dem auf gewisse "eise ähnlich machen, das er auffassen will Daher entsteht also gr)ssere Uebung, alle Kräfte gleichmässig anzus0annen, eine Uebung, die den 5enschen so &orz%glich bildet – "er sich mit diesem Studium anhaltend beschäftigt, fasst ferner eine unendliche 5annigfaltigkeit der 7ormen auf, und so schleifen sich gleichsam die !kken seiner eignen ab, und aus ihr, &ereint mit den aufgenommenen, entstehen ewig wiederum neue – So ist 'ene Kenntniss gerade darum heilsam, warum 'ede andre mangelhaft sein w%rde, darum, dass sie, nie ganz erreichbar, zu unaufh)rlichem Studium zwingt, und so wird die h)chste 5enschlichkeit durch das tiefste Studium des 5enschen gewirkt

14 Das bis 'ezt betrachtete Studium des 5enschen %berhau0t an dem 6harakter einer einzelnen Nation, aus den &on ihr hinterlassenen Denkmälern, ist zwar bei einer 'eden Nation in gewissem (rade m)glich, in einem &orz%glicheren aber bei einer oder der andren nach folgenden &ier 5omentenG 1H3 , , 0e nachdem die %on ihr %orhandnen #e erreste ein treuer A druk ihres +eistes und ihres Charakters sind, oder nicht Aedes +rodukt der "issenschaft oder der Kunst hat seine eigne, durch seine Natur bestimmte, gleichsam ob'ekti&e, idealische 4ollkommenheit, aber selbst bei dem äussersten Annähern an diese 4ollkommenheit 0rägt sich dennoch die #ndi&idualität des (eistes, der es her&orbringt, mehr oder minder darin aus, am meisten aber freilich da, wo am mindesten absichtlich auf die !rreichung 'ener 4ollkommenheit gesehen ist Daher der ob'ekti&e "erth und die #ndi&idualität eines (eistes0rodukts nicht selten im umgekehrten 4erhältnisse stehen Am auffallendsten ist dieser Unterschied bei den eigentlichen (eistes0rodukten, weniger bei den K%nsten, und unter diesen mehr bei den energischen B5usik, ;anzF als bei den bildenden B5ahlerei, .ildhauerkunstF 15 2 , 0e nachdem der Charakter einer Nation *ielseitigkeit und /inheit – welche im (runde !ins sind – esizt !inzelne grosse und sch)ne 6harakterz%ge und ihre .etrachtung hat ihren unbestrittenen, aber hieher nicht geh)rigen Nuzen Das Studium des 5enschen %berhau0t an einem einzelnen .eis0iel erfordert 5annigfaltigkeit der &erschiednen Seiten des 6harakters, und !inheit ihrer 4erbindung zu !inem (anzen 16 I , 0e nachdem eine Nation reich ist an Mannigfaltigkeit der %erschiedenen $ormen !s kommt also hier wieder nicht sowohl darauf an, ob die Nation, deren Studium 'enen Nuzen gewähren soll, auf einem &orz%glichen (rade der Ausbildung oder der Sittlichkeit stehe, sondern bei weitem mehr darauf, ob sie &on aussen reizbar, und &on innen beweglich genug ist, eines grossen /eichthums der (estalten em0fänglich zu sein 17 1J3 : , 0e nachdem der Charakter einer Nation %on der Art ist, dass er dem0enigen Charakter des Menschen ! erhaupt, welcher in 0eder 1age, ohne "!ksicht auf indi%iduelle *erschiedenheiten da sein kann und da sein sollte, am nächsten kommt 4erschiedenheiten dieser Art unter Nationen zeigt auch eine oberflächliche 4ergleichung* Nationen, die eine so lokale Ausbildung haben, dass ihr Studium mehr Studium einer einzelnen 5enschengattung, als der 5enschennatur %berhau0t ist, und Nationen, in welchen sich auf der andren Seite diese 5enschennatur hau0tsächlich austrugt Das, wo&on ich hier rede, kann aus do00eltem (runde entstehen, einmal durch 5angel der #ndi&idualität, durch Nichtigkeit, zweitens durch !infachheit des 6harakters Nur das Leztere ist heilsam – Das Studium des 5enschen gew)nne am meisten durch Studium und 4ergleichung aller Nationen aller Länder und 8eiten Allein ausser der #mmensität dieses Studiums kommt es mehr auf den (rad der #ntension an, mit dem !ine Nation, als auf den der !9tension, mit welchem eine 5enge &on Nationen studirt wird #st es also rathsam, bei !iner oder einem +aar stehen zu bleiben* so ist es gut, die'enigen zu wählen, welche gleichsam mehrere andre re0räsentiren

18 Dass nach diesen : 5omenten die alten Nationen die sind, deren Studium 'enen hier allein ausgef%hrten Nuzen der Kenntniss und .ildung des 5enschen am reichsten gewähret, soll die 7olge zu zeigen bem%ht sein – Alte nenne ich hier ausschliessend die (riechen, und unter diesen oft ausschliessend die Athener Die (r%nde hie&on werde ich, wenn sie sich nicht durch die 7olge des /aisonnements &on selbst entdekken, weiter unten noch mit !inem "orte ber%hren – l 5oment B,:F Die Ueberreste der (riechen tragen die meisten S0uren der #ndi&idualität ihrer Urheber an sich Die beträchtlichsten sind die litterarischen #n diesen fällt der .etrachtung zuerst die Sprache auf #n einer S0rache entstehen Abweichungen &on der #ndi&idualität 1,E3 der S0rechenden &orz%glich aus folgenden I (r%ndenG , , durch !ntlehnen &on ")rtern oder /edensarten aus fremden S0rachen 2 , durch das .ed%rfniss, &)llig allgemeine und abstrakte .egriffe, worauf sich &orhandene ")rter nicht gut anwenden lassen wollen, entweder durch &)llig neugebildete, oder gewaltsam %bertragene Ausdr%kke zu bezeichnen, wobei die Abweichung des neuen Ausdruks immer in dem (rade gr)sser ist, als ein 4olk weniger reizbare und schaffende +hantasie besizt, den abstrakten .egriff unter einem, aus seinem bisherigen 4orrath genommenen sinnlichen .ilde zu fassen I , durch Nachdenken %ber die Natur der S0rache %berhau0t, und die Analogie der eignen insbesondre, woraus &iele Abänderungen des durch den S0rachgebrauch !ingef%hrten, und näher mit der #ndi&idualität der Lage der /edenden 4erkn%0ften &orz%glich im S=nta9 und in der (rammatik %berhau0t ents0ringen Nun waren die (riechen mit keinem einzigen h)her gebildeten 4olke &or oder neben ihnen in allgemeiner und &ertrauter .ekanntschaft* es finden sich daher in ihrer S0rache nur fremde ")rter, und auch diese gegen das (anze nur in unbedeutender Anzahl, &on fremden .eugungen und Konstruktionen wenigstens keine deutliche S0ur So fällt 'ener erste (rund hinweg Nicht minder aber die beiden lezteren, da in 4ergleichung mit der sehr fr%hen Ausbildung der S0rache sehr s0ät eine bestimmtere +hiloso0hie und noch s0äter +hiloso0hie der S0rache entstand, und in /%ksicht auf den zweiten (rund insbesondre kein 4olk leicht eine so reiche +hantasie im Schaffen meta0horischer Ausdr%cke besizt, als den (riechen eigen war – !inzelne .eis0iele in Absicht der .ildung der ")rter, der .eugungen und 4erbindungen k)nnten hier die Uebereinstimmung der S0rache der (riechen mit ihrem 6harakter zeigen 19 Die (eistes0rodukte selbst sind (eschichte, Dichtung Bwozu ich hier Kunst %berhau0t rechneF und +hiloso0hie – Die +eschichte ist grossentheils (riechische, und wo sie es auch nicht ist, sind wenigstens die fr%heren griechischen (eschichtschreiber 1,,3 noch zu wenig gewohnt, mehrere 4)lker zu &ergleichen, und !ignes und 7remdes &on einander abzusondern, auch zu sehr mit allem 4aterländischen beschäftigt, als dass nicht sehr oft der (rieche durchblikken sollte #n der (riechischen (eschichte selbst aber macht eine 8usammenkunft mehrerer Umstände, wozu ich &orz%glich den gr)sseren !influss einzelner +ersonen auf die )ffentlichen Angelegenheiten, die 4erbindung des religi)sen 8ustandes mit dem 0olitischen, und des häuslichen mit dem religi)sen, ferner den kleinen Umfang der (eschichte selbst, der ein gr)sseres DKtail erlaubte, endlich die noch mehr kindischen #deen &on 5erkw%rdigkeit und "ichtigkeit rechne, dass die alte (eschichte unendlich mehr 6harakterD und Sittenschilderungen enthält, als die neuere

20 "enn 2ichtung und (eschichte gesondert sein soll, so sezt diess schon bestimmtere #deen %ber 5)glichkeit und Unm)glichkeit, "ahrscheinlichkeit und Unwahrscheinlichkeit, mit !inem "orte Kritik &oraus Diese erhielten die (riechen erst s0ät, und &orz%glich durch die 4erbindung ihrer 7abel mit /eligion und Nationalstolz s0äter, als sich sonst hätte erwarten lassen Sehr lange ist also Dichtung und (eschichte gar nicht gesondert, und als sie wirklich sich mehr &on einander trennten, durfte der K%nstler, der nicht sowohl f%r Kenner und Dilettanten der sch)nen K%nste, als f%r ein 4olk arbeitete, das in dem Kunstwerk nicht die Kunst allein, auch sich und seinen /uhm sehen wollte, sich nicht &on dem entfernen, was !indruk auf diess 4olk zu machen im Stande und also mit seiner #ndi&idualität nah &erwandt war "ie hätten auch wirkliche Abänderungen der 7abel durch den K%nstler nicht wieder im h)chsten (rade (riechisch werden sollen, da er keine fremde 5uster &or sich hatte, und selbst die eigentliche ;heorie der K%nste erst s0äter entstand? – 7erner ents0rangen alle &orz%glichste Arten der Dichtung – e0ische, tragische, l=rische – bei den (riechen aus Sitten und )ffentlichen !inrichtungen, bei (astmählern, 7esten, <0fern, und so behielten sie bis 1,23 in die s0ätesten 8eiten einen Anstrich dieses historischen, nicht eigentlich ästhetischen Urs0rungs 21 Die -hilosophie sollte am wenigsten S0uren der !igenth%mlichkeit des +hiloso0hirenden tragen Aber die 0raktische zeigte bei den (riechen immer in einem sehr hohen (rade den (riechen, und die s0ekulati&e that diess wenigstens auch sehr lange (egenblik auf moderne Nationen – #hre S0rache B,HF durch !ntlehnen &on fremden, und +hiloso0hie in hohem (rade umgebildet – Selbst ihre &aterländische (eschichte B,JF durch 4ertrautheit mit allen 8eiten und !rdstrichen, und andre zusammenkommende Ursachen minder indi&iduell erzählt – #hre Dichtung B2EF fast ganz aus fremder 5=thologie genommen, und nach ob'ekti&en allgemeinen ;heorien geformt – #hre +hiloso0hie B2,F abstrakt und allgemein 22 2 5oment B,>F 2er +rieche in der -eriode, wo wir die erste %ollständigere Kenntniss %on ihm ha en, steht noch auf einer sehr niedrigen Stufe der Kultur #n diesem 8ustande wird, da der .ed%rfnisse und .efriedigungsmittel nur wenige sind, immer weit mehr Sorgfalt auf die !ntwicklung der 0ers)nlichen Kräfte, als auf die .ereitung und den (ebrauch &on Sachen &erwandt Der 5angel dieser $%lfsmittel macht auch 'ene !ntwicklung nothwendiger Da %berhau0t noch keine 4eranlassung &orhanden ist, einzelne Seiten &orz%glich zu beschäftigen, da der 5ensch nur schlechthin dem (ange der Natur folgt* so ist, wo er handelnd oder leidend wird, sein ganzes "esen um so mehr &ereint in ;hätigkeit, als er &orz%glich durch Sinnlichkeit afficirt wird, und gerade diese am stärksten das ganze "esen ergreift /s ist daher ei Nationen auf einer niedrigeren Stufe der Kultur &erhältnissmässig mehr /ntwikklung der -ers)nlichkeit in ihrem +anzen, als ei Nationen auf einer h)heren 23

1,I3 .ei den (riechen zeigt sich aber ein do00eltes, äusserst merkw%rdiges, und &ielleicht in der (eschichte einziges +hänomen Als sie noch sehr %iele Spuren der "ohheit anfangender Nationen %erriethen, esassen sie schon eine ! eraus grosse /mpfänglichkeit f!r 0ede Sch)nheit der Natur und der Kunst, einen feinge ildeten 3akt, und einen richtigen +eschmack, nicht der Kritik, a er der /mpfindung, und finden sich #nstanzen gegen diesen ;akt und diesen (eschmak so ist wenigstens 'ene /eizbarkeit und !m0fänglichkeit unläugbar* und wiederum als die Kultur schon auf einen sehr hohen +rad gestiegen war, erhielt sich dennoch eine /infachheit des Sinns und +eschmaks, den man sonst nur in der 4ugend der Nationen antrift Die !ntwikklung der Ursachen hie&on geh)rt nicht hieher (enug das +hänomen ist da #n seinem ersten Lallen &erräth der (rieche feines und richtiges (ef%hl* und in dem reifen Alter des 5annes &erliert er nicht ganz seinen ersten einfachen Kindersinn $ierin, d%nkt mich, liegt ein grosser ;heil des eigentlich 6harakteristischen der Nation 24 Da sich die den (riechen eigenth%mliche /eizbarkeit f%r das Sch)ne B2IF mit der, bei allen minder kulti&irten Nationen gew)hnlichen gr)sseren Aufmerksamkeit auf die !ntwikklung der 0ers)nlichen, und &orz%glich der k)r0erlichen Kräfte B22F und mit dem in griechischem Klima besonders stark wirkenden $ange zur Sinnlichkeit &erband* musste Sorgfalt f%r die Ausbildung des K)r0ers zu Stärke und .ehendigkeit um so nothwendiger ents0ringen, als auch die äussere Lage beides unentbehrlich machte, und der Ausdruk &on beidem in dem Aeussren der .ildung bei einem leicht beweglichen Sch)nheitssinn Achtung und Liebe gewinnen Aber auch da die Kultur sehr hoch gestiegen war, und längst die &orz%gliche Achtung der k)r0erlichen Kraft &erdrängt hatte, erhielt sich dennoch immer mehr, als bei irgend einem andren 4olke die Sorgfalt f%r die Ausbildung der k)r0erlichen Stärke, .ehendigkeit und Sch)nheit "o 1,:3 nun noch allgemeine und abstrakte .egriffe selten sind, und die !m0fänglichkeit f%r das Sch)ne in so hohem (rade 0rädominirt, da muss man sich auch die bloss geistigen 4orz%ge nat%rlich zuerst unter diesem .ilde darstellen, und in einer griechischen Seele &erschmolz k)r0erliche und geistige Sch)nheit so zart in einan der, dass noch 'ezt die (eburten 'enes 4erschmelzens, z . die /aisonnements %ber Liebe in +laton ein wahrhaft entz%kkendes 4ergn%gen gewähren "ar aber auch diese Stimmung in diesem (rade nur einzeln und indi&iduell, so lässt sich doch so&iel %berhau0t als historisches 7aktum aufstellen, dass die Sorgfalt f!r die k)rperliche und geistige Bildung in +riechenland sehr gross und %orz!glich %on 5deen der Sch)nheit geleitet war 25 "enn nun irgend eine 4orstellung menschlicher 4ollkommenheit 4ielseitigkeit und !inheit her&orzubringen im Stande ist* so muss diess die'enige sein, die &on dem .egriff der Sch)nheit und der 4orstellung der sinnlichen ausgeht Dieser 4orstellungsart zufolge darf es dem moralischen 5enschen ebensowenig am richtigen !benmaasse der einzelnen 6harakterseiten mangeln, als einem sch)nen (emählde oder einer sch)nen Statue an dem !benmaasse ihrer (lieder* und wer, wie der (rieche, mit Sch)nheit der 7ormen genährt, und so enthusiastisch, wie er, f%r Sch)nheit und &orz%glich auch f%r sinnliche gestimmt ist, der muss endlich gegen die moralische Dis0ro0ortion ein gleich feines (ef%hl besizen, als gegen die 0h=sische Aus allem (esagten ist also eine grosse 3endenz der +riechen, den Menschen in der m)glichsten *ielseitigkeit und /inheit auszu ilden, unläugbar

.emerken muss ich hier – und zwar gerade hier, weil hier am leichtesten der !inwurf entstehen kann, dem die .emerkung begegnen soll – dass, was hier &on dem 6harakter der (riechen gesagt ist, zwar unm)glich &on einer ganzen Nation in allen ihren einzelnen #ndi&iduen buchstäblich wahr sein kann (ewiss ist es aber doch, dass es einzelne #ndi&iduen der beschriebnen Stimmung wirklich 1,>3 gab, dass diese nicht allein häufiger, als anderswo e9istirten, sondern dass auch gleichsam N%ancen dieser Stimmung in der ganzen Nation &erstreut waren, und dass die Schriftsteller, &orz%glich die Dichter und +hiloso0hen – gleichsam der Abdruk des (eistes des edelsten ;heils der Nation – auf solche 6haraktere &orz%glich f%hren* und mehr ist nicht nothwendig, um die !rreichung des 8weks m)glich zu machen, zu welchem hier das Studium der Alten em0fohlen wird 26 Diese Sorgfalt f%r die Ausbildung und diese Art der Ausbildung des 5enschen zu bef)rdern, trugen noch andre, in der äussren Lage der (riechen gegr%ndete Umstände bei 8u diesen rechne ich &orz%glich folgende* , , die Skla%erei Diese %berhob den 7reien eines grossen ;heils der Arbeiten, deren (elingen einseitige Uebung des K)r0ers und des (eistes – mechanische 7ertigkeiten – erfordert !r hatte nun 5usse, seine 8eit zur Ausbildung seines K)r0ers durch (=mnastik , seines (eistes durch K%nste und "issenschaften, seines 6harakters %berhau0t durch thätigen Antheil an der Staats&erfassung, Umgang, und eignes Nachdenken zu bilden – Dann erhob auch den 7reien die 4orstellung seiner 4orz%ge &or dem Skla&en, die er nicht bloss dem (l%k zu danken glaubte, sondern auf die er durch 0ers)nliche !rhabenheit, und – bei der, freilich durch ihren Stand ents0rungnen $erabw%rdigung der Skla&en – mit /echt, Ans0ruch machte* die er auch zum ;heil, wie bei der 4ertheidigung des 4aterlandes, mit (efahren und .eschwerden erkaufte, die der Skla&e nicht mit ihm theilte – $ieraus zusammengenommen bildete sich die Liberalität, die sich bei keinem 4olke wieder in dem hohen (rade findet, d i diese $errschaft edler, grosser, eines 7reien wahrhaft w%rdiger (esinnungen in der Seele, und dieser lebendige Ausdruk derselben in der Stattlichkeit der .ildung und der (razie der .ewegungen des K)r0ers 27 1,@3 2 , die "egierungs%erfassung und politische /inrichtung ! erhaupt Die einzige eigentlich gesezmässige 4erfassung in (riechenland war die re0ublikanische, an welcher 'eder .%rger mehr oder minder Antheil nehmen konnte "er also etwas durchzusezen w%nschte, musste, da ihm (ewalt fehlte, Ueberredung gebrauchen !r konnte also Studium der 5enschen, und 7ähigkeit sich ihnen anzu0assen, (ewandtheit des 6harakters, nicht entbehren Aber das oft %berfein ausgebildete 4olk &erlangte noch mehr !s gab nicht bloss der Stärke oder der Natur der (r%nde nach, es sah auch auf die 7orm, die .eredsamkeit, das <rgan, den k)r0erlichen Anstand !s blieb also beinah keine Seite %brig, welche der Staatsmann ungestraft &ernachlässigen durfte Dann erforderte die Staats&erwaltung noch nicht abgesonderte weitläuftige 7ächer &on Kenntnissen, noch ;alente dieser Art Die einzelnen ;heile derselben waren noch nicht so getrennt, dass man sich ausschliessend f%r sein Leben nur !inem gewidmet hätte Dieselben !igenschaften, die den (riechen zum grossen 5enschen machten, machten ihn auch zum grossen Staatsmann So fuhr er, indem er an den (eschäften des Staats ;heil nahm, nur fort, sich selbst h)her und &ielseitiger auszubilden

28 I , die "eligion Sie war ganz sinnlich, bef)rderte alle K%nste, und erhob sie durch ihre genaue 4erbindung mit der Staats&erfassung zu einer bei weitem h)heren "%rde und gr)sseren Unentbehrlichkeit Dadurch nährte sie nicht allein das Sch)nheitsgef%hl, &on dem ich oben s0rach B2:F, sondern machte es auch, da an ihren, immer &on den K%nsten begleiteten 6ärimonien das ganze 4olk ;heil nahm, allgemeiner #ndem nun, wie ich &orhin B2>F zu zeigen &ersucht, diess Sch)nheitsgef%hl die richtige und gleichmässige Ausbildung des 5enschen bef)rderte, trug sie mittelbar hiezu ganz &orz%glich bei 29 1,C3 : , den Nationalstolz "ie der (rieche %berhau0t einen hohen (rad &on Lebhaftigkeit und /eizbarkeit besass, so drukte sich diese &orz%glich stark in dem (ef%hl f%r !hre und Nachruhm aus, und bei der engen 4erbindung des .%rgers mit dem Staat in (ef%hl f%r !hre der Nation Da nun der "erth der Nation auf dem "erthe ihrer .%rger beruhte, und &on diesem &orz%glich ihre Siege im Kriege und ihre .l%the im 7rieden abhieng, so &erdo00elte dieser Nationalstolz die Aufmerksamkeit auf die Ausbildung des 0ers)nlichen "erths – Dann eignete sich der /uhm der Nation 'edes 4erdienst oder ;alent eines !inzelnen ihrer 5itb%rger zu Die Nation nahm also 'edes in Schuz, und hieraus entstand ein neuer (rund der Achtung f%r K%nste und "issenschaften 30 > , die 3rennung +riechenlands in mehrere kleine Staaten "enn ein Staat allein und f%r sich e9istirt* so nimmt die Ausbildung seiner Kräfte den "eg, den eine einzelne Kraft nehmen muss Sie erh)ht sich in sich, und wenn sie ein gewisses 5aass erreicht hat, artet sie in etwas andres aus #hre Ausartungen sind aber immer in ihr allein moti&irt, und damit ist allemal !inseitigkeit, nur mehr oder minder, &erbunden #n (riechenland aber machte die gegenseitige (emeinschaft der &erschiednen Nationen, die fast alle auf &erschiednen (raden der Kultur standen, und eine sehr &erschiedne Art der Ausbildung besassen, dass sich &on einer Nation auf die andre manches %bertrug, und wenn auch, bei der !inrichtung der alten Nationen, das 7remde nur schwer bei ihnen !ingang finden konnte, so gieng doch immer mehr %ber, als wenn 'ede abgesondert e9istirt hätte Diess geschah aber um so mehr, als doch alle immer (riechen, und also in der urs0r%nglichen Anlage der 6haraktere einander gleich waren, so dass dadurch Uebergänge der Sitten &on der einen zur andren erleichtert wurden – Aa wenn auch diese nicht Statt fanden, machte dennoch das blosse neben einander !9istiren und die gegenseitige !ifersucht, dass die eine 4orz%ge nicht &ernachlässigen durfte, 1,H3 durch welche die andre %berlegen werden konnte, und aufs mindeste sezte diese !ifersucht die Kräfte einer 'eden in thätigere .ewegung 31 I 5oment B,@F 4iele zusammenkommende Ursachen brachten zwar bei den Alten sehr entschiedene Nationalcharaktere und daher weniger Di&ersität in dem 6harakter und der Ausbildung der einzelnen .%rger her&or, und so herrschte unter diesen &on dieser Seite eine &erhältnissmässig geringere 5annigfaltigkeit, als unter den Neueren Allein auf der andren Seite machten doch auch hie&on die mehr wissenschaftlich gebildeten Nationen eine beträchtliche Ausnahme, und ausserdem kamen 2 Umstände zusammen, 'ene 5annigfaltigkeit wieder, und &ielleicht um mehr zu bef)rdern, als sie &on 'ener Seite her

litt , , die -hantasie des +riechen war so reiz ar %on aussen, und er sel st in sich so eweglich, dass er nicht bloss f%r 'eden !indruk in hohem (rade em0fänglich war, sondern auch 'edem einen grossen !influss auf seine .ildung erlaubte, durch den wenigstens die ihm an sich eigenth%mliche eine &eränderte (estalt annahm 32 2 , die "eligion ! te schlechterdings keine ,errschaft ! er den +lau en und die +esinnungen aus, sondern schränkte sich auf 6ärimonien ein, die 'eder .%rger zugleich immer &on der 0olitischen Seite betrachtete* und e ensowenig legten die 5deen %on Moralität dem +eiste $esseln an, da dieselbe nicht auf einzelne ;ugenden und Laster, nach dem 5aasse einer einseitig abgewägten N%zlichkeit oder Schädlichkeit beschränkt war, sondern &ielmehr %berhau0t nach #deen der Sch)nheit und Liberalität bestimmt wurde 33 : 5oment B,CF !in den (riechischen 6harakter &orz%glich auszeichnender 8ug ist, wie oben B2IF bemerkt worden, ein ungew)hnlicher (rad der Ausbildung des (ef%hls 1,J3 und der +hantasie in einer noch sehr fr%hen +eriode der Kultur, und ein treueres .ewahren der kindlichen !infachheit und Nai&etät in einer schon ziemlich s0äten /s zeigt sich daher in dem +riechischen Charakter meistentheils der urspr!ngliche Charakter der Menschheit ! erhaupt, nur mit einem so hohen (rade der 4erfeinerung &ersezt, als &ielleicht nur immer m)glich sein mag* und &orz%glich ist der 5ensch, welchen die (riechischen Schriftsteller darstellen, aus lauter h)chst einfachen, grossen und – wenigstens aus gewissen (esichts0unkten betrachtet – immer sch)nen 8%gen zusammengesezt Das Studium eines solchen 6harakters muss in 'eder Lage und 'edem 8eitalter allgemein heilsam auf die menschliche .ildung wirken, da derselbe gleichsam die (rundlage des menschlichen 6harakters %berhau0t ausmacht 4orz%glich aber muss es in einem 8eitalter, wo durch unzählige &ereinte Umstände die Aufmerksamkeit mehr auf Sachen, als auf 5enschen, und mehr auf 5assen &on 5enschen, als auf #ndi&iduen, mehr auf äussren "erth und Nuzen, als auf innere Sch)nheit und (enuss gerichtet ist, und wo hohe und mannigfaltige Kultur sehr weit &on der ersten !infachheit abgef%hrt hat, heilsam sein, auf Nationen zur%kzublikken, bei welchen diess alles beinah gerade umgekehrt war 34 /in zweiter %orz!glich charakteristischer Zug der +riechen ist die hohe Aus ildung des Sch)nheitsgef!hls und des +eschmaks und %orz!glich die allgemeine Aus reitung dieses +ef!hls unter der ganzen Nation, wo&on sich .eis0iele in 5enge aufzählen lassen Nun aber ist keine Art der Ausbildung in allen 8eiten und !rdstrichen so unentbehrlich, als gerade diese, die das ganze "esen des 5enschen, wie es an sich beschaffen sein m)ge, erst gleichsam in !ins &ereint, und ihm die wahre +olitur und den wahren Adel ertheilt* und nun ist auch gerade keine 'ezt und bei uns so nothwendig, als diese, da es bei uns so eine 5enge &on ;endenzen giebt, die geradezu &on allem (eschmak und Sch)nheitsgef%hl entfernen m%ssen 35

12E3 So ist die Stimmung des 6harakters der (riechen nach allen oben aufgezählten 5omenten %beraus &ortheilhaft f%r das Studium des 5enschen %berhau0t an derselben, als einem einzelnen .eis0iele Aber diess Studium ist auch bei ihnen &orz%glich m)glich aus folgenden 2 UmständenG , , hat sich eine %beraus beträchtliche 5enge &on Denkmälern der (riechischen "elt erhalten, &orz%glich eine 5enge litterarischer, welche in 'eder /%ksicht zu dem gegenwärtigen 8wekke die wichtigsten sind 2 , erfordert das Studium einer Nation, und &orz%glich aus ihren Denkmälern, ohne lebendiges Anschauen, wenn es irgend gelingen soll, sowohl an sich einen entschiedenen Nationalcharakter, als auch %berhau0t abgeschnittene, mit denen des Studirenden kontrastirende 8%ge Nun aber geht die .ildung des 5enschen in 5assen immer der .ildung der #ndi&iduen &oraus, und darum und aus andren hinzukommenden Ursachen haben alle anfangende Nationen sehr entschiedene und abgeschnittene Nationalcharaktere .ei den (riechen aber &ereinigten sich, diess zu bef)rdern, noch andre, ihnen eigenth%mliche Umstände 36 (iebt man zu, dass man in der ;hat zu dem hier ins Licht gestellten !ndzwek des Studiums !iner Nation &orzugsweise bedarf* so lässt sich nun auch bald entscheidenG o leicht eine andre an die Stelle der +riechischen treten k)nne? !s m%ssten nemlich &on einer solchen alle hier aufgestellte (r%nde und zwar, welches wohl zu bemerken ist, zusammengenommen gelten, oder die mangelnden durch andre gleich wichtige ersezt werden Die stärksten unter denselben aber beruhten alle mittelbar und unmittelbar darauf, dass die (riechen, wenigstens f%r uns, eine anfangende Nation sind B,HD2I II I>F Diess !rforderniss wird also auch unumgänglich nothwendig und unerlasslich sein <b sich nun in irgend einem noch unentdekten !rdstrich eine solche Nation zeigen wird2, welche mit dieser !igenth%mlichkeit 12,3 die %brigen, oder ähnliche, oder h)here 4orz%ge, als die (riechische, &erbände, oder ob genauere .ekanntschaft mit den 6hinesern und #ndianern diese als solche Nationen zeigen wird? ist im 4oraus zu entscheiden nicht m)glich Dass aber weder die /)mische, noch gar eine neuere Nation an ihre Stelle treten k)nne, bewirkt schon der einzige Umstand, dass diese alle aus den (riechen mittelbar und unmittelbar sch)0ften* und &on den %brigen, mit den (riechen gleich alten Nationen haben wir zu wenig Denkmäler %brig 5eines !rachtens werden also die (riechen immer in dieser /%ksicht einzig bleiben* nur dass diess nicht gerade ein ihnen eigner 4orzug, sondern mehr eine 8ufälligkeit ihrer und unsrer relati&en Lage ist 37 "enn das Studium der (riechen in der Absicht unternommen wird, die ich hier dargestellt habe, so erfordert es nat%rlich seine eignen allgemeinen und besondren 4orschriften Die allgemeinsten und hau0tsächlichsten m)chten etwa folgende seinG , , der Nuzen eines solchen Studiums kann nie durch eine, auch &on dem gelehrtesten 5anne und dem gr)ssesten Ko0fe entworfene Schilderung der (riechen erreicht werden Denn einmal wird dieselbe immer, wenn sie &)llig treu sein soll, nicht indi&iduell genug sein k)nnen, und wenn sie &)llig indi&iduell sein soll, wird es ihr an ;reue mangeln m%ssen* und zweitens besteht auch der gr)sseste Nuzen eines solchen Studiums nicht gerade in dem Anschauen eines solchen 6harakters, als der (riechische war, sondern in dem eignen Aufsuchen desselben Denn durch dieses wird der Aufsuchende selbst auf eine ähnliche "eise gestimmt* (riechischer (eist geht in ihn %ber* und bringt durch die Art, wie er sich mit

seinem eignen &ermischt, sch)ne (estalten her&or /s lei t daher nichts, als eignes Studium ! rig, in unaufh)rlicher "!ksicht auf diesen Zwek unternommen 38 1223 2 , muss das Studium der +riechen sel st nach einer gewissen s6stematischen, und auf diesen /ndzwek ezogenen 7rdnung %orgenommen werden Denn wenn gleich alle Schriftsteller in /%ksicht auf diesen 8wek wichtig sind* so hält man sich doch billig f%rs erste allein an die reichsten, und wählt in diesen eine feste <rdnung, die aber hier schwer zu finden ist, da, wenn man auf die 5aterien sehen will, man hier eigentlich nicht die (attung der Schriftsteller, sondern der Sachen, die sie behandeln, betrachten m%sste, und wenn man der 8eit folgen will, es schwer ist, nur zu bestimmen, ob man auf die +eriode des Lebens des Schriftstellers, oder auf die der &on ihm behandelten (egenstände, oder auf beides gewissermaassen zugleich sehen solle? 39 I , muss man am längsten nicht allein ei den -erioden %erweilen, in welchen die +riechen am sch)nsten und ge ildetsten waren, sondern auch gerade im +egentheil ganz %orz!glich ei den ersten und fr!hesten Denn in diesen liegen eigentlich die Keime des wahren (riechischen 6harakters* und es ist leichter und interessanter in der 7olge zu sehen, wie er nach und nach sich &erändert, und endlich ausartet – Auch 0assen mehrere der im 4origen ausgef%hrten (r%nde B22 2I IIF ganz &orz%glich nur auf diese fr%hen +erioden 40 Die $%lfsmittel zu diesem Studium und insbesondre in der hier entwikkelten Absicht sind &orz%glich folgendeG , , unmittel are Bear eitung der 8uellen sel st durch Kritik und 5nterpretation Diese &erdient nat%rlich die erste Stelle 41 2 , Schilderung des 8ustandes der (riechen, +riechische Anti9uitäten im weitesten Sinne des :orts, welchem der hier aufgestellte !ndzwek die h)chste Ausdehnung giebt 12I3 Diese $%lfsarbeit ist nothwendig theils zum 4erständniss der einzelnen -uellen, theils zur allgemeinen Uebersicht, und zur !inleitung in das gesammte Studium %berhau0t Aeder Schriftsteller behandelt nur einen einzelnen (egenstand, und man ist das !inzelne nicht im Stande in seiner ganzen Anschaulichkeit aufzufassen, ohne &on der Lage %berhau0t geh)rig unterrichtet zu sein 42 I , #e ersezungen Diese k)nnen in Absicht des %bersezten Schriftstellers einen dreifachen Nuzen haben , , ihn die'enigen kennen zu lehren, die sein <riginal nicht selbst zu lesen im Stande sind 2 , f%r den'enigen, der das <riginal selbst liest, zum 4erständniss desselben zu dienen I , den'enigen, der das <riginal zu lesen im .egriff ist, &orläufig mit ihm bekannt zu machen, ihn in seine 5anier, seinen (eist einzuweihen .estimmt man die "ichtigkeit dieses &erschiednen Nuzens nach dem hier genommenen (esichts0unkt, so ist der ,ste der kleinste und geringf%gigste* der 2te wichtiger, aber immer klein, da gerade hiezu Uebersezungen die schlechteren $%lfsmittel sind* der Ite aber der wichtigste, da durch ihn

die Uebersezung zum Lesen des <riginals reizt, und bei dem Leser selbst auf eine h)here Art unterst%zt, indem sie nicht einzelne Stellen &erständigt, sondern den (eist des Lesers gleichsam zum (eist des Schriftstellers stimmt, auch der leztere noch klarer erscheint, wenn man ihn in dem zwiefachen 5edium zwei &erschiedner S0rachen erblikt Die !rreichung dieses lezten Nuzens muss allein auf die Schäzung des <riginals f%hren, und so ist der h)chste Nuzen einer Uebersezung der'enige, welcher sie selbst zerst)rt Die $au0terfordernisse einer Uebersezung wechslen nun nach diesem dreifachen 8wekke 8u dem ,sten wird An0assung des %bersezten alten Schriftstellers auf den modernen Leser, also oft absichtliche Abweichung &on der ;reue erfordert* zu dem 2ten ;reue der "orte und des .uchstabens* zu dem Iten ;reue des (eistes, wenn ich so sagen darf, und des (ewandes, worin er gekleidet ist, wobei also &orz%glich &iel auf die Nachahmung der Diktion 12:3 bei +rosaikern und des /h=thmus und des 4ersbaues bei Dichtern ankommt 43 Um den im 4origen dargestellten Nuzen in seiner ganzen (r)sse her&orzubringen, erfordert das Studium des Alterthums die gr)sseste, ausgebreitetste, und genaueste (elehrsamkeit, die sich nat%rlich nur bei sehr "enigen finden kann Allein der Nuzen ist immer, wenn gleich in geringeren (raden auch da &orhanden, wo man sich nur %berhau0t, wenn gleich mit minderem Streben nach (r%ndlichkeit, mit diesem Studium beschäftigt* und er theilt sich endlich auch sogar allen denen mit, welchen diess Studium auch ewig ganz fremd bleibt Denn in der 4erbindung einer hoch kulti&irten (esellschaft kann im genauesten 4erstande 'ede Kenntniss eines !inzelnen ein !igenthum Aller genannt werden Fußnoten , Diess unterscheide ich noch 2 4ergl Kants Krit d Urtheilskraft S 2>HD2@E