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In your opinion, which of Kant’s ideas have

universal and enduring value?

Welche Ideen Kants haben nach Ihrem Eindruck eine universelle und fortdauernde
Bedeutung?

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Henry Allison: If by this expression you mean contemporary philosophical


relevance, I have to say many, from all aspects of Kant`s thought, including
transcendental idealism correctly understood. But if you mean of broad human
concern, then it would have to be some of the central themes of his moral
philosophy, such as the conceptions of the autonomy of the will and rational being
as an end in itself.

Karl Ameriks: Simply the thought that a modern systematic philosophy is worth
trying, one which does justice all at once to science and values; and which
recognizes the special contribution of subjectivity without exaggerating its
place. No system since Kant's remains as relevant for us as his.

Karl-Otto Apel: Die auch heute noch maßgebenden Ideen Kants lassen sich meines
Erachtens alle als Aspekte der „transzendentalen Frage“ und ihrer Beantwortung
durch die „transzendentale Reflexion“ auffassen. Die „transzendentale“ Frage bzw.
Reflexion bezieht sich auf die Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis und
unterscheidet sich dadurch sowohl von der – von Kant als „dogmatisch“ und
„transzendent“ distanzierten – Metaphysik wie auch von empirischer Wissenschaft,
die einer transzendentalen Begründung bedarf.

Das so angezeigte Projekt der Transzendentalphilosophie hat m.E. universelle und


fortdauernde Bedeutung, doch unterliegt es im ganzen und in all seinen von Kant
selbst ausgearbeiteten Teilen einer radikalen Transformation, die dadurch
ermöglicht wird, daß wir heute – nach 200 Jahren Kant-Interpretation und auch
neuen Erkenntnissen der Wissenschaften und ihrer philosophischen Interpretation –
Kant besser verstehen können als er sich selbst verstehen konnte (wenngleich wir
natürlich auch immer noch von ihm lernen können).

Die heute mögliche und nötige Transformation des Kantischen Projekts bezieht sich
vor allem auf das in sich widersprüchliche Verhältnis der
Transzendentalphilosophie zur „transzendenten“ Metaphysik und auf das bei Kant
noch sehr einseitige und ergänzungsbedürftige Verhältnis der
Transzendentalphilosophie zu den empirischen Wissenschaften. In beiden Hinsichten
geht es um eine Korrektur bzw. Radikalisierung der „transzendentalen Reflexion“
auf die Bedingungen der Möglichkeit von Gültigkeit.
Manfred Baum: Die kritische Bestimmung des Grundproblems der theoretischen
Philosophie als das der synthetischen Urteile a priori; die Subjektivität des
Raumes und der Zeit; die Verteidigung der Willensfreiheit als einer nicht-
unmöglichen; und die Begründung der gesamten Moralphilosophie, insbesondere der
Rechtslehre, in der Freiheit.

Claudia Bickmann: Kants kritische Beschränkung der Erkenntnistheorie auf die


phänomenale Welt hat den Weg frei gemacht: einer neuartigen Metaphysik zum
Durchbruch zu verhelfen: Diese wagt sich nicht erkennend in Bereiche vor, die sich
begrifflich nicht erfassen kann. Aber sie wahrt gleichwohl jenes Unbedingte in
uns, das wir – allen neurobiologischen Erwägungen zum Trotz – Freiheit nennen. Dem
Mechanismen der Natur müssen wir, so Kant, dann dabei nicht widerstreiten, wenn
wir das Vermögen zu freier Selbstgesetzgebung, jenes Unbedingte der Freiheit in
uns - durch die Unterscheidung der phänomenalen von der noumenalen Welt zu retten
versucht.

Als zweite große Einsicht – die mit der ersten sachlich verbunden ist, möchte ich
jene Vision für zeit- und raumübergreifend halten, die Kant mit einer `Welt unter
moralischen Gesetzen´ im Auge hatte. Denn nicht eigentlich der
Erkenntnistheoretiker Kant hat jene große `Revolution der Denkungsart´
hervorgebracht, die wir als kopernikanische Wende der Philosophie feiern, sondern
vielmehr jener Kant, der sich um eine Welt bemühte, in der die Einzelnen in ihrer
unverrechenbaren Einzigartigkeit geachtet und in ihrer Verpflichtung gegenüber dem
Wohlergehen der Anderen gefordert sind. Wie, so lautete seine Frage auf dem Felde
der Metaphysik: wie soll eine Welt unter freier Selbstgesetzgebung Wirklichkeit
gewinnen können?

Der kategorische Imperativ läßt nach dieser Lesart eine Weltordnung als möglich
erscheinen, in der sich die Einzelnen mit den anderen gleichursprünglich auf ihre
wechselseitige Achtung verständigen und auf diese Weise, - indirekt - das eigene
wie das Glück der anderen fördern.

So könnte man Kants Hauptanliegen auch so formulieren: Wie können wir uns eine
Welt vorstellen, in der das Glück des Einzelnen demjenigen der Anderen nicht
widerstreiten muß, sondern es zur Pficht eines jenen Einzelnen gehört, auch das
Glück der anderen zu erstreben.

Jene Ineinsbildung von Freiheit und Notwendigkeit, die sich hier Geltung
verschafft, scheint mir als universelle Einsicht insbesondere in einer Zeit
unhintergehbar, in der die Anarchie der Märkte jenem freien Gesetz der Ökonomie
Ausdruck verleiht, diesen aber nicht an eine höhere, eine moralische Ordnung
zurückzubinden sucht – wie es im Grunde unserer `Natur´ als vernünftiger Wesen
gemäß wäre.

Doch nicht nur eine auf Freiheit gründende, gerechte Weltordnung hatte Kant im
Blick: Ebenso war ihm an den Bedingungen eines stabilen äußeren Frieden der Völker
untereinander gelegen. An Kant ist darum die Idee eines Philosophierens zu retten,
die noch den Versuch unternimmt, alle Teilbereiche unseres Lebens – die innere und
die äußere Natur; das individuelle und das soziale Leben, Kunst, Religion und
Philosophie noch in ihrer Beziehung zueinander zu reflektieren und keinen
Teilbereich unabhängig von seiner Wirkung und Konsequenz für die anderen
untersucht zu haben.
Gernot Böhme: Die Idee einer transzendentalen Begründung von Wissenschaft. Das
Prinzip, dass die Bedingungen der Möglichkeit von Erfahrung zugleich die
Bedingungen der Möglichkeit der Gegenstände der Erfahrung sind, beruht darauf,
dass das methodische Vorgehen der Erkenntnis in der Wissenschaft deren Gegenstände
formiert.

Diese Idee lässt uns einerseits verstehen, warum die Mathematik in der Natur gilt,
und andererseits warum sich die Naturwissenschaft so gut zur Ausbildung einer
Technik eignet und die Natur – in gewissem Rahmen, nämlich bei festen
Randbefindungen – beherrschbar ist.

Maria Borges: I think Kant is still contemporary, because his morality is based on
three powerful concepts that people actually use in their moral judgments. These
three concepts are autonomy, humanity and the idea that moral rightness is based
on reason. Kant´s moral ideas have an universal and enduring value, because they
grasp the three main features of what we still call morality. First, we should be
autonomous human beings, in order to freely decide to enter in any personal or
social relationship. Second, that we should respect the intrinsic value of human
beings and think about them as an end in themselves, not only as a means. Third,
that what is right should be reasonable for everyone. Also, Kant has showed that
morality is not about utility or consequences, but about what we can consider
reasonable for everyone.

Reinhard Brandt: Im Vordergrund steht die praktische Philosophie, die Kant ohne
Rekurs auf wehselnde Inhalte in einem allgemeinen formalen Prinzip zu begründet
und die er sowohl in der Ethik wie auch in der Rechtslehre konkret durchführt.
Daneben hat Kant eine Vielzahl von Problemen der theoretischen und praktischen
Philosophie auf den Punkt gebracht; dadurch kommen die meisten systematischen
Philosophen auf Kant zurück und setzen sich mit ihm auseinander.

Andrew Brook: Kant's claims about the equal and infinite value of each moral agent
will come to most peoples' minds. Since I know his philosophy of mind and
epistemology far better than the rest of his work, let me single out his claims
about the interplay of the constructive, concept-using aspects of the mind and
input to which we are and must remain passive, and his claims about the centrality
of the unity of consciousness.

Douglas Burnham: This question needs to be addressed in three ways, at least.


First, that which is most universal or enduring. Second, that which is most
significant, although perhaps even without philosophical value. Third, that which
has most value (though this may not be universally recognised).

The first question could be answered perfectly adequately by a straightforward


empirical study. What aspects of Kant's work are most often cited, analysed,
taught or criticised? Having in fact recently conducted a closely related
empirical study, I feel some confidence in answering. These five themes (there may
be a few others) are likely the most universal and have proven themselves very
durable: (i) The 'second Copernican revolution' conception of transcendental
philosophy; (ii) The link between the event of Vorstellung and the formal
structures of synthetic activity; (iii) The analyses of causation and substance;
(iv) The criticisms of the traditional arguments for the existence of God; (v) The
conception of moral law as the universal form of law.

The question interests me only beginning with the second variation. Kant's work
has two significances that are, strictly speaking, not philosophical themes at all
(although later philosophers might have transmuted them into philosophical
themes). The first is the mere fact that he wrote in German, thus solidifying the
German philosophical vocabulary, inaugurating a tradition within which German was
(for many, and not all of them German) the philosophical language, influencing
thereby the relationship between philosophical study and the emerging conception
of a modern university, affecting even the standard pre–Kantian histories of the
discipline, among other profound impacts upon the social geography of philosophy
as a discipline. The second is not unrelated. Kant is the last major philosopher
taken seriously by all traditions of philosophical enquiry: from the 'analytic' to
the 'continental' to recent additions such as cognitive science. Kant thus forms
one of the very few bridges by which these traditions might still be able to speak
to and understand one another.

In the third variation I hear the question 'what ideas do I believe we ought to
value in Kant's work?' Well, the five themes mentioned above are certainly
contenders. The idea labelled (ii) in particular I take to be the ground of the
others (including (v)). This is a fertile notion that (despite the largely past
adventures of German Idealism and phenomenology) has by no means been exhausted.
But I'm going to plump for a notion that isn't in our empirical top five:
sensibility, and its curious (indeed, paradoxical, from the point of view of
cognition) structure, as Kant develops it in the ‘Transcendental Aesthetic” and
the “Amphiboly of the Concepts of Reflection”. It is this idea that I have tried
to pursue in my Kant’s Philosophies of Judgement.

Marina Bykova: I think one and perhaps the central idea is an idea of freedom.
Kant paved the way for one fundamental position of modern philosophy that starts
out from the principle of the freedom of man. Since Kant that freedom has existed
as a normative idea, which stayed unaffected by all negative empirical factors and
realities of repression. Having a practical motivation to protect human freedom
from the encroachments of natural sciences, and especially the Newtonian world-
view, Kant provided an intellectual prop for human freedom by critically
illustrating the impossibility of proving the supreme values of mankind by the
resources of empirical science. He also called attention to the close relation
between freedom and morality: since moral action is free rather than compelled,
“autonomous” rather than “heteronomous”, genuinely free action is necessarily
moral.

The categorical imperative and the recognition of the personal dignity of all men
in all human fields of action is another Kant’s idea of a great significance. The
fact that each human being represents an elementary individual existence which
must be defined by the category of individual purpose has become since Kant, and
through his work, an unmistakable and convincing motif underlying all human
actions. The categorical imperative regards individual human dignity as a general
guideline of human action. This is the “basic dignity of all the natural
circumstances which support and surround man and also of all his normative
manifestations in the socio-cultural context”. Thus the famous second version of
the categorical imperative introduces the basic principle of the moral
relationship of individual human beings with themselves and with their fellow men.
The very notion that each man is an end in himself, for which the name of Kant
stands today, has acquired great significance for the cohesion of human beings in
society. It enables cooperation between different cultures and the continents of
the world to be developed.

Monique Castillo: The Kantian conception of universality (different from the


empirical, sociological or pragmatical generality) is able to have an universal
and enduring value, because it is not a possessive but a transcendental
conception. Universality can’t be owned (neither by the western civilisation nor
by another culture). The use of universality (in theory as well as in practice)
creates a possible and virtual public, and doesn’t consist of an empirical
interest for a particular group (scholars or politicians). It is the same for the
concept of peace, for example. This concept has no owner, but a possible and
virtual public can use it: the circumstances don’t change its value, its meaning,
its perpetual possibility.

Ted Cohen: Each of Kant's three Critiques presents such an idea. The Critique of
Pure Reason argues that our experience of the world is partly constituted by us
and is not merely a passive reception. The Critique of Practical Reason insists
that there is a basis for morality apart from religion. The Critique of Judgment
discovers a dimension of human experience--namely, aesthetic experience--that is
essentially irreducible to any other kind of experience. None of these ideas is
entirely new in Kant (many are in Hume), but it is Kant who first gives them
forceful, systematic defense.

Claus Dierksmeier: Die Absetzung eines qualitativen Freiheitsbegriffs von


quantitativen Freiheitskonzeptionen. Damit meine ich, daß sich Kant gegen die vor
allem in der angelsächsischen Philosophie etablierte Vorstellung wendete, daß
Freiheit mit der quantitativen Ausdehnung der individuellen Handlungsmöglichkeiten
zu identifizieren sei. In diesem extensionalen Freiheitsverständnis wird jede
Regulierung, Reglementierung und Beschränkung des individuellen Handlungsraumes
als ein Minus an Freiheit angesehen – und konsequentermaßen minimiert. Statt
dessen formulierte Kant die Idee qualitativer Freiheit, indem er klarmachte, daß
Freiheit intensional gerade in ihrer – selbstgegebenen und vernünftigen, d.h.
autonomen – Beschränkung ihre wahre Wirklichkeit gewinnt. Mithin ist ein Mangel an
sittlicher Vernunft, und d.h. unter Umständen eben auch ein Mangel an sinnvoller
Beschränkung des individuellen wie politischen Handlungsraumes, in Wirklichkeit
ein Minus an Freiheit. Vielmehr realisiert sich qualitative Freiheit in der
Respektierung sinnvoller Regeln. So und nur so geht Freiheit dann auch nicht zu
Lasten anderer, sondern trägt dazu bei, die Freiheit aller zu ermöglichen und zu
bewahren.

Klaus Düsing: Bleibende Bedeutung hat meines Erachtens Kants Lehre von
Apperzeption und Einbildungskraft, seine kritische Theorie der Erkenntnis, seine
Ethik als Pflichtenlehre im Ausgang vom Prinzip des Sittengesetzes, seine
Freiheitslehre sowie seine Lehre vom ewigen Frieden.

Jefrrey Edwards: I suspect that my response to this question will be quite similar
to the replies of many other interview participants. The fact is that I would be
extremely hard-pressed to name any of Kant’s fully articulated ideas and well-
grounded positions that are not of universal and enduring value. (Whether they are
“mistaken” or not is, of course, another question.) My difficulty in this is, I
think, something more than just evidence of a Kant scholar’s prejudice for his
preferred subject, though it certainly may be that to some degree as well. Its
source is a far more inclusive question—namely, how could one possibly go about
deciding which of the major ideas of Western philosophy are not of enduring value,
even if some of them are not (or ought not to be) of universal validity? Since it
cannot be seriously maintained that Kant was not a major thinker firmly embedded
in the historical context of Western philosophy, I might be able to answer
question (1) if I could first eliminate from the pool of universally and
enduringly valuable ideas an array of ideas that were, historically, “opposed” to
those put forward by Kant. But I don’t think that philosophy really allows for
this kind of thinking about the relationship between the history and the value of
ideas—especially since the major positions of Kant’s theoretical and practical
philosophy have historically played such crucial roles in determining which ideas
we in fact hold to be of particular value. They continue to do this whether we
like it or not, so we might as well finally get used to it. They’re not going away
any time soon.

Peter Fisher: Nach ca. 2500 Jahren lesen und interpretieren wir noch immer die
Schriften von Platon und Aristoteles. Meiner Meinung nach haben Kants Schriften
einen eben solchen Stellenwert. Es sind also nicht nur einzelne Ideen Kants, denen
ich eine universelle und fortdauernde Bedeutung zusprechen möchte, sondern sein
Gesamtwerk ist von bleibender Bedeutung. Auf dieses Gesamtwerk Bezug zu nehmen,
ist für das Verständnis der Philosophie Kants überaus wichtig.

Einige Aspekte seines Werkes verdienen es dennoch, besonders hervorgehoben zu


werden. Dies gilt insbesondere für die transzendentale Methode, die aus dem Kanon
der philosophischen Methoden nicht mehr wegzudenken ist. Entscheidende Standards
des Philosophierens hat Kant außerdem gesetzt, indem er die Grenze zwischen dem
Erkennbaren und dem bloß Denkbaren bestimmte; indem er Klugheit und Moral
unterschied und auf dieser Grundlage den Kategorischen Imperativ formulierte,
sowie die genuin moralische Motivation in der Achtung vor dem Sittengesetz, welche
die Selbstachtung als vernünftiges Wesen einschließt, analysierte; indem er die
Differenz zwischen dem Reflexionsgeschmack, der den Urteilen über das Schöne und
über das Erhabene zugrunde liegt, und dem Sinnengeschmack, auf dem die Urteile
über das Angenehme fußen, darstellte. Kant hat damit die Systematik und weitere
Entwicklung philosophischer Kerndisziplinen geprägt.

Für die heutige Diskussion und auf absehbare Zeit müssen auch Kants Ideen aus dem
Bereich der Politischen und der Rechtsphilosophie als wesentliche Anregungen
gelten: Es sei nur an den Typus des „moralischen Politikers“, der Max Webers Typus
des Verantwortungsethikers (!) vorwegnimmt, und an das gleichfalls in der Schrift
„Zum ewigen Frieden“ formulierte Publizitätsprinzip der Politik erinnert.

Lourdes Flamarique: a) After the “Transcendental Deduction of Categories” we


learned to recognize the “transcendental arguments” , supporting every
Metaphysics. The ‘transcendental deduction’ made us aware on the nature of the
philosophical arguments.

b) Kant's notion of "negative freedom", as independence of natural causes, is a


powerful tool to avoid reductive naturalist accounts of what it means to be a
human being. Relatedly, Kant's notion of "dignity", as opposed to mere "value" is
a powerful insight into the nature of morality. This is not to say that Kant's
development of both notions is either complete or enterily unproblematic.

Sebastian Gardner: In my view, these are the ideas of a priori foundations in


practical reason, of a transcendental form of philosophical explanation and
argumentation, and of transcendental idealism. These ideas, and their integration
in an overarching unity of practical and theoretical reason, remain unsurpassed
and unexhausted, and have provided archetypes for a great deal of later European
philosophy.

Volker Gerhardt: Kants größte Leistung liegt in der unwiderleglichen Demonstration


der menschlichen Freiheit. Er kann zeigen, dass jeder, der Freiheit leugnet,
selbst Freiheit in Anspruch nimmt. Damit entfällt die vermeintliche Opposition zur
Natur: Freiheit steht der Natur nicht entgegen, und sie bedarf auch keiner Lücke
in der Kette der Kausalität. Freiheit beruht im Gegenteil auf dem fest geknüpften
Netz verbindlich wirkender Gesetze – innerhalb und außerhalb des Menschen. Nur
sofern der Mensch diesen Gesetzen restlos unterworfen ist, hat es einen Sinn, von
Freiheit zu sprechen.

Die so verstandene Freiheit besteht in nichts anderem als im ungehinderten Vollzug


des individuellen Lebens. Bereits das im Spalier wachsende Obst oder das im Käfig
gehaltene Tier wird man nicht als „frei“ bezeichnen wollen. Der Mensch ist frei,
sofern er nicht von seinesgleichen gezwungen wird, sondern tun kann, was er nach
eigener Einsicht will. Nur so hat die Vernunft, sein wichtigstes Lebensmittel,
eine Chance, sich zu entfalten; nur so kann die Vernunft als Ursprung und Grund
seiner Handlungen gelten.

Alles, was Kant zur Begründung und Begrenzung des Wissens, zur Vergewisserung von
Moral und Recht oder zum Verständnis des Schönen sagt, beruht auf diesem
Verständnis der Freiheit, die ursprünglicher Ausdruck der Lebendigkeit des
Individuums in Relation zu seinesgleichen ist. Somit steht hinter Kants Begriff
der Vernunft eine bis heute nicht wirklich ernst genommene Konzeption des Lebens.

Hans-Martin Gerlach: Ich denke, daß die Kantsche Philosophie nicht


auseinandergerissen werden kann und man eine Idee, die fortwirkt gegen eine
andere, die es vielleicht so direkt und unmittelbar nicht tut, setzen darf. Die
Kantsche Philosophie wirkt in ihrer Ganzheit bis in unsere Tage universell fort
und hat es auch in den nachfolgenden Systemen des deutschen Idealismus getan, der
auf seine Weise in die verschiedensten geistigen Strömungen des 19. und 20.
Jahrhunderts wirkte und so Kantsches Ideengut gleichfalls transformierte. Sollte
man aber doch im Speziellen auf Wirkungslinien verweisen, so möchte ich Kants
Aufklärungsstandpunkt mit seiner fundamentalen Forderung "Habe Mut, Dich Deines
eigenen Verstandes zu bedienen" gleich neben dem Bemühen Kants, daß ewiger
Frieden" sein soll, obgleich dies sicher nie absolute Realität werden wird,
benennen. Diesen "Imperativ" des Kampfes um Frieden wird der Mensch des 21.
Jahrhunderts mehr denn je verinnerlichen müssen, um positiv ins Politische hinein
handeln zu können.

Piero Giordanetti: Ich möchte meine Antwort auf die in der Kritik der praktischen
Vernunft erarbeitete Rechtfertigung des moralischen Gesetzes beschränken. Kant
antwortet in vier Schritte auf die Frage: „Warum moralisch sein?“ Erstens, die
Grundlegung der moralischen Normen wird durch den bloßen Rekurs auf den gemeinen
moralischen Verstand vollzogen. Dies ist jedoch erst dann möglich, wenn die
moralischen Prinzipien durch eine besondere Art von Gefühl kenntlich gemacht
werden. Zweitens, diese Rechtfertigung gelangt erst dann zu ihrer Vollendung, wenn
die „Methodenlehre der reinen praktischen Vernunft“ das Herz als die einzige, auf
das Gefühl basierende Triebfeder nachweist wird. Dies bildet meines Erachtens ein
sehr wichtiger, aktueller Vorschlag. In der „Methodenlehre“ wird das Problem
aufgegriffen, wie das moralische Gesetz den Willen des zeitlich-bedingten und
durch die Sinnlichkeit beschränkten einzelnen Subjekts beeinflüßen kann. Während
in der Triebfederlehre die Apriorität eines Gefühls im Hinblick auf die
menschliche Natur und den Willen des Menschen überhaupt entfaltet wird,
konzentrieren sich nun die Erörterungen auf das jeweilige menschliche Individuum.
In der Triebfederlehre ist der Bezug auf den inneren Sinn zwar präsent, er bildet
jedoch nicht das eigentliche Ziel der Analyse. Es wird bloß festgestellt, daß das
Gesetz tatsächlich auch den inneren Sinn beeinflüßt und behauptet, daß dieser
Einfluß - trotz der Analogien - von dem apriorisch angelegten Einfluß strikt
abzugrenzen sei. Erst die „Methodenlehre“ vollzieht den Übergang von den
objektiven Gesetzen der Sittlichkeit (Grundsätzen und Begriffen) und der
Bewunderung und Hochschätzung derselben „in Beziehung auf die Menschheit“
(Triebfederlehre; Gefühl der Achtung) auf die Anwendung derselben auf den
einzelnen empirischen Menschen. Dabei ist zweierlei zu leisten: Einerseits sind
„Beweisthümer der Empfänglichkeit der moralischen Triebfeder“ durch Beobachtung
vorzulegen, andererseits soll die „Methode der Gründung und Cultur ächter
moralischer Gesinnungen“ in ihren Grundzügen entworfen werden. Was den ersten
Punkt dieses Programms betrifft, ist zu betonen, daß eben in diesem Rahmen eine
weitere Anspielung auf das Bewußtsein des moralischen Gesetzes zu finden ist. Es
wird von Kant darauf verwiesen, daß die reine Sittlichkeit in der gemeinen
Menschenvernunft als der Unterschied zwischen der rechten und der linken Hand
präsent ist. Seit den sechziger Jahren verweist Kant in der Theorie des Raumes auf
diesen empirischen, durch die bloße Logik und die bloßen Begriffe der Gegenstände
nicht zu gewinnenden Unterschied. Die Absicht der Moral ist analog: Gegen die
allgemeinen Formeln einer abstrakten Moralphilosophie soll auf das Datum der
Moralität in dem gemeinen Bewußtsein des Menschen hingewiesen werden. Die Frage
„was denn eigentlich die reine Sittlichkeit ist“, ist „zwar nicht durch abgezogene
allgemeine Formeln, aber doch durch den gewöhnlichen Gebrauch, gleichsam als der
Unterschied zwischen der rechten und linken Hand, längst entschieden“ (V 155).
Auch hier spielt das Gefühl der Achtung eine wichtige Rolle. Kant geht von einer
„Charakteristik des Menschen“ aus und führt den Unterschied zwischen Charakter,
Gemüt und Herz ein: Charakter und Gemüt reichen nicht hin als Triebfeder des
Handelns des einzelnen Individuums. Der reine moralische Bewegungsgrund leistet
folgendes: Er gründet erstens einen Charakter als „praktische consequente
Denkungsart nach unveränderlichen Maximen“ (V 152), er lehrt zweitens den Menschen
seine eigene Würde fühlen, und gibt „dem Gemüthe eine ihm selbst unerwartete
Kraft, sich von aller sinnlichen Anhänglichkeit […] loszureißen und in der
Unabhängigkeit seiner intelligibelen Natur und der Seelengröße, dazu er sich
bestimmt sieht, für die Opfer, die er darbringt, reichliche Entschädigung zu
finden“ (V 152). Dies reicht jedoch nicht hin, wenn diese „Empfänglichkeit eines
moralischen Interesses“ zu der mächtigsten und einzigen bewegenden Kraft der
Handlung des einzelnen Menschen werden soll: dazu soll das moralische Gefühl „ans
menschliche Herz gebracht“ (V 152) werden. Das Wort bzw. der Begriff „Herz“ kommt
hier zum ersten mal im Text der zweiten Kritik vor und wird dann wiederholt
gebraucht. In einer Anmerkung warnt Kant davor, daß die „Seelenerhebung“ mit der
„Herzensunterwerfung unter Pflicht“ verwechselt werde: Erstere sei „sehr flüchtig
und vorübergehend“ und führe bloß „Aufwallungen“ mit sich, von letzterer ließe
sich hingegen ein „längerer Eindruck“ erwarten, weil sie mit Grundsätzen zu tun
habe (vgl. V 155 Anmerkung). Es soll viertens und endlich hervogehoben werden, daß
sich außer dem Achtungsgefühl die Selbstzufriedenheit und das Bedürfniß der reinen
praktischen Vernunft als die unentbehrlichen Grundlagen zur Auflösung des Problems
des Guten durch die Postulatenlehre erweisen. Relevant und aktuell ist es, daß
Kant einen wissenschaftlichen Weg in der Behandlung von unseren moralischen
Anlagen einschlagen will. Wir können Beispiele des moralischen Urteils analysieren
und die Prozedur einer Trennung des Empirischen von dem Rationalen adoptieren.
Diese wissenschaftliche Prozedur leitet uns zu der Weisheitslehre. Die Kantische
Moralphilosophie läßt sich also - so könnte man seine Intention zusammenfassen -
als eine wissenschaftliche Weisheitslehre definieren.

Robert Greenberg: Among Kant's several ideas that have "universal and enduring
value" there is one whose endurance may, ironically, be due more to its obscurity
– its only full-length study can be found in a book just recently published – than
its celebrity, and thus deserving of being championed (by the author of that
study) in the present context. The irony is that, whereas its significance should,
I believe, be evident to Kant scholars once they examine the idea, its endurance
for over two centuries of Kant scholarship might be explained by its simply having
escaped the withering critique that has been visited upon virtually all of the
other of Kant's great ideas. The importance of the idea is that it actually forms
the basis of Kant's transcendental idealism, which many Kant scholars hold to be
central to his theory of the possibility of a priori knowledge, as it is found in
his Critique of Pure Reason.

Heretofore, transcendental idealism has been interpreted as either a dualism,


consisting of appearances and things in themselves, or a monism, consisting of
appearances, which are sometimes mistaken for things in themselves. P.F. Strawson
has admirably demonstrated the insurmountable obstacles confronting any dualist
interpretation. Whereas the monism that is currently popular avoids these
difficulties, it has the drawback of rendering the idealism trivial, since it
defines the objects that we can know in relation to the knowledge itself: A
massive petitio principii ensues. Consequently, if we want a coherent, yet non-
trivial interpretation of Kant's transcendental idealism, we must look for a
monistic interpretation that so far has largely escaped the scrutiny of Kant
scholars.

The main problem with both interpretations is that they employ only two of Kant's
concepts of real objects: appearance and thing in itself. They thus ignore a third
concept from which these two are actually derived. This third concept is that of a
being, or a thing (Ding). Late in the Critique Kant defines its object as an
object of transcendental affirmation. The use of this concept avoids the
triviality of the popular monisms, since it explains the objects that we can know
in terms that are independent of our intuition, and hence of our knowledge, of the
objects, since transcendental affirmation is independent of our intuition. Kant's
concept of a thing provides for that independent object. We can intuit things, but
only as they appear to us – only as appearances. Kant's concept of an appearance
is thus derived from that of a thing: An appearance is a thing as it is
represented in our intuition of it. A thing in itself, on the other hand, is the
same thing, only now thought through the general idea of its own properties and
relations instead of those that belong to our intuition. The concept of a thing in
itself is thus also derived from the more basic concept of a thing. This new
monistic interpretation of transcendental idealism is the only current
interpretation that avoids both the pitfalls of dualistic interpretations and the
triviality of currently popular monistic ones.
Thomas Grundmann: Ich möchte in diesem Zusammenhang drei Aspekte der kantischen
Philosophie nennen: die kritische Methode, die Idee der Autonomie und der
eigenständige Status der Philosophie.

Seit Kant kann die Philosophie nicht mehr geradewegs auf eine dogmatische
Erklärung der Welt und ihrer Grundprinzipien zusteuern, sondern sie muss sich
durch einen permanenten Prozess der Selbstreflexion immer auch der Möglichkeiten
und Grenzen ihrer eigenen Methoden versichern. Jedes philosophische Nachdenken
über die Sache muss also immer auch die erkenntniskritische Reflexion über die
Methoden dieses Nachdenkens einschließen und wach halten.

Nach wie vor faszinierend, aber auch provozierend ist Kants Idee der Autonomie,
dass nämlich der Grund jeder normativen Verpflichtung und der Maßstab des
Richtigen letztlich in keiner äußeren Autorität (weder der äußeren Realität noch
anderen Menschen), sondern in uns selbst liegt. Die für uns erkennbaren
Wahrheiten, aber auch das moralisch Richtige und das Schöne sind für ihn keine
Dinge, die der Mensch als rein passiver Beobachter einfach hin nimmt, sondern sie
müssen sich nach dem menschlichen Geist richten, der sich nicht selbst wieder als
Teil der Natur begreifen lässt. Doch dieser Autonomiegedanke darf nicht
missverstanden werden. Das Maß aller Dinge ist nämlich nicht eine radikal
entfesselte Subjektivität, die die Welt beliebig interpretieren und konstruieren
kann, sondern ein im doppelten Sinne gebundener menschlicher Geist – gebunden
durch die ihm innewohnende Rationalität und durch die Vorgaben der sinnlichen
Anschauung.

Schließlich hält Kant auch angesichts des umfassenden Erklärungsanspruchs und der
grandiosen Erfolgsgeschichte der modernen empirischen Wissenschaften an der
Eigenständigkeit erfahrungsunabhängiger (apriorischer) Erkenntnis in der
Philosophie fest. Diese Idee wurde bis vor kurzem von vielen Philosophen für
letztlich obskur und antiquiert erklärt. Doch inzwischen setzt sich sogar in der
analytischen Philosophie immer mehr die Auffassung durch, dass das A priori in
vielen verschiedenen Gewändern (z.B. den Gedankenexperimenten) von fundamentaler
kognitiver Bedeutung für uns ist.

Paul Guyer: I think that the basic ideas of Kant's moral and political philosophy
have universal and enduring value. As I interpret it, the basic idea of Kant's
moral philosophy is that no matter what else they value, all human beings value
the freedom to make their own choices, free of domination by either their own
irrational impulses or those of others, and that the only way for any human being
to preserve the freedom of his or her choice from such domination is if all human
beings act in accordance with a conception of reason requiring consistency within
the free choices of each and among the free choices of all. Kant presupposes that
each human being could come to acknowledge these fundamental premises through
genuine reflection on their own motivations, and I don't think that history has
shown him to be wrong; but history certainly has shown how prejudice and
especially claims to have been vouchsafed divine revelation can stand in the way
of such reflection, and the greatest challenge is to get human beings to listen to
the voice of their own reason rather than other voices. In political philosophy, I
believe that Kant's greatest contribution is to have shown that the state should
exist to provide security and justice, not to address every possible human desire,
but that there can be no genuine security or justice anywhere unless there is
genuine security and justice anywhere, so that global security and global justice
must be the ultimate aim of every just state.
Robert Hahn: In ethics, Kant’s formulation of the Categorical Imperative has
proved to have enduring value in the domain of debates about moral conduct and its
guiding principles. In aesthetics, the formulation of beauty as the object of a
disinterested pleasure has also continued to shape debates in various quarters of
the world of philosophers, art critics, and artists.

Dietmar Heidemann: Die universelle und fortdauernde Bedeutung Kantischer Ideen


liegt meines Erachtens zum einen in der theoretischen, zum anderen in der
praktischen Philosophie: In der theoretischen Philosophie ist es Kants Verdienst,
in der Analyse des menschlichen Erkenntnisvermögens die prinzipielle Begrenztheit
der menschlichen Erkenntnis aufgwewiesen zu haben, und zwar nicht in allgemeiner
Weise einer globalen Metaphysikkritik, sondern durch die konkrete Ausgestaltung
eines begrifflich exakt spezifizierbarens Rahmens von Erkenntnisbedingungen. Die
kritische Erkenntnisrestriktion gilt - wenn auch zumeist unausgesprochen - als
philosophische Einsicht, hinter die heute nur wenige Philosophien zurückzufallen
bereit zu sein scheinen. In der praktischen Philosophie dürfte erstens der Begriff
der Freiheit und zweitens das mit Freiheit in unmittelbarer Verbindung stehende
Moralprinzip, der kategorische Imperativ, von bleibender Bedeutung sein. Trotz
aller Beweisschwierigkeiten ist es Kant gelungen, den systematischen Zusammenhang
von Freiheit - in seiner theoretischen Denkmöglichkeit - und dem Prinzip
moralischen Handelns aufzuweisen. Auf der Einsicht in diesen Zusammenhang beruhen
die wesentlichen Grundbegriffe unseres moralischen, rechtlichen, politischen und
sozialen Selbstverständnisses wie Autonomie, Würde, Menschenrechte, Demokratie,
Grechtigkeit. - Damit hat Kant das moderne, aufgeklärte Menschenbild wesentlich
mitgeprägt, das trotz seiner Fragilität und vielfacher Kritiken im Kern
unerschütterlich Bestand hat.

Agnes Heller: The grandeur of a philosopher lives in the reception. Kant left his
mark everywhere, not just in modern philosophy but also in modern thinking in
general. His traces can be detected even in the most unlikely places. There is no
such a thing as a total reception of philosophy for this would mean in our case to
write down each and every world of the Kantian Critiques once again. There exist
only partial reception of philosophical systems or ideas. Partial reception which
goes beyond academic requirements and becomes original is a strong reception. The
text, the author, is then pressed to answer our questions: how we should think,
how we should act., how we should live. Kant gives answers to those questions.
Whether one challenges those answers, modifies them, interprets them in her own
way, one cannot circumvent them. Everyone can dig out his own gold from Kant which
will then shine as the jewel of his crown. Thus: all ideas of Kant have enduring
value, certainly not for each single recipient, but for all past, present and
future recipients taken together. For example, my favorite Kant is the philosopher
of morals. I think that the way in which Kant creates an Enlightenment bouquet out
of the best flowers of the Greek/Roman tradition and of the Jewish/Christian
heritage is unprecedented in its beauty and wisdom. To understand the Kantian idea
of autonomy - and the imperative that it entails - can serve us as a compass that
points at the center of the (moral) circle, a compass without one we could not
tell good from evil. Yet saying this, I does not need to subscribe to the Kantian
procedure of justification such as the categorical imperative as an a priori
synthetic judgment, the transcendental deduction of this imperative or the
metaphysical division of man into homo phenomenon and homo noumenon. Inspiration
is that what matters. Other recipients or other lovers of Kant will find their
wisdom and beauty in other books or other places. Perhaps in the analytic of
Critique of Pure Reason, the historical importance and the brilliance of
argumentation of which I do admit, yet where I do not find my inspiration.
Dieter Henrich: Die Grundlegungsidee: Man muss den Ursprung von Urteils- und
Handlungsarten aus ihnen selbst heraus zu verstehen suchen. Nur wenn man dann auch
diese Ursprünge in ihrer Beziehung aufeinander versteht, kann sich ein Ganzes
philosophischer Erkenntnis ergeben. Das gilt auch für Ethik und Rechtstheorie.

Thomas Hill: My response will mention only Kant’s ideas in moral and political
philosophy. Many of these ideas, in my opinion, have universal and lasting value,
but some do not. Generally speaking, Kant’s ideas about the foundations of moral
and political theory are more valuable than his opinions about very specific
practical issues. Among the latter (very specific issues) are, for example, his
absolute prohibitions of lying, participating in revolutions, and “unnatural”
sexual activities, and his rigid requirement of capital punishment for (almost)
all cases of murder, castration for sodomy, etc. Among his most valuable ideas
about foundational matters, I think, are the following. (a) That certain
fundamental questions of ethical theory cannot be answered by empirical methods:
for example, the questions, “What are the conceptual implications and
presuppositions inherent in the common idea of duty or strict moral requirements?”
and “Are moral principles grounded in any necessary principle of practical
reason?” (b) That an act is worthy of a special kind of moral esteem for the
quality of the will that it manifests, only when the act stems from the person’s
commitment (or will) to do what is right. Whether or not persons have this
commitment, or good will, is something presumed for practical purposes to be “up
to them” rather than “given” by their nature and circumstances; but we cannot be
sure who has a good will and who does not. (c) All human beings have dignity, a
kind of unconditional and incomparable worth, and all deliberations must respect
this. (d) Moral principles are appropriately conceived as principles that rational
and reasonable persons with autonomy, and appropriate awareness of the human
condition, would jointly and individually endorse and respect. (e) In an effort to
further world peace, it is desirable that governments evolve towards a republican
ideal and that international federations, but not world government, develop to
promote cooperation and reduce conflicts. There are other important ideas, and the
ideas just mentioned all require explanation.

Norbert Hinske: Im Felde der theoretischen Philosophie: Kants Unterscheidung


zwischen grundsätzlich verschiedenen Arten von Vorstellungen, insbesondere
zwischen Anschauungen und Begriffen, zwischen empirischen und apriorischen
Vorstellungen sowie zwischen Kategorien (Begriffen des Bedingten) und Ideen
(Begriffen des Unbedingten). Vgl. Norbert Hinske, Zwischen Aufklärung und
Vernunftkritik. Studien zum Kantschen Logikcorpus, Stuttgart-Bad Cannstatt 1998,
Kap. VI: Kants Anverwandlung des ursprünglichen Sinnes von Idee. Im Felde der
praktischen Philosophie: Kants Unterscheidung zwischen grundsätzlich verschiedenen
Arten von Handlungsanweisungen (Imperativen), also zwischen Regeln der
Geschicklichkeit, Ratschlägen der Klugheit und Geboten der Sittlichkeit. Vgl.
Clemens Schwaiger, Kategorische und andere Imperative. Zur Entwicklung von Kants
praktischer Philosophie bis 1785, Stuttgart- Bad Cannstatt 1999. Beide
Unterscheidungen machen sichtbar, was Gedankenarbeit wirklich bedeutet. Wer nach
Kant hinter diese Unterscheidungen zurückfällt, hat schon verloren.

Otfried Höffe: Die Hauptbedeutung liegt in seinem vieldimensionalen


Kosmopolitismus; Kant ist das Muster eines wahrhaft philosophischen Weltbürgers
und damit ein intellektuelles Vorbild für unser Zeitalter der Globalisierung. Als
erstes ist Kant in dem Sinn Weltbürger, daß er sich über eine Neugier auf so gut
wie alles, was in der Welt geschieht, in der Welt der Politik ebenso wie in der
der Wissenschaft und Geschichte, eine ungewöhnlich breite Weltkenntnis erwirbt.
Auch deshalb verfaßt er höchst erfahrungsgesättigte Schriften und kann sogar
naturwissenschaftliche Vorlesungen halten. In noch höherem Maß ist er Weltbürger,
weil er mit seiner kritischen Transzendentalphilosophie für die wichtigsten
Bausteine einer jeden Kultur, für das Wissen, die Moral und das Recht, nicht
zuletzt für das Schöne und das Erhabene, ein Denken entwickelt, die zwar
geschichtlich betrachtet, europäische Wurzeln hat, aus ihnen aber eine
globalisierungsfähige, für die verschiedenen Kulturen gleichermaßen gültige
Philosophie wachsen läßt: Wir verdanken Kant die Philosophie eines Weltbürgers
erstens im Wissen, zweitens in der Moral, auf deren Grundlage drittens
hinsichtlich einer weltumfassenden, globalen Rechts- und Friedensordnung,
schließlich auch für das Natur- und Kunstschöne.

Vittorio Hösle: Kants grösste Entdeckung ist die von Urteilen, die synthetisch a
priori sind; damit hängt zusammen die Idee einer nicht eudaemonistischen Ethik und
die Entdeckung der Autonomie des Sollens.

Ellsworth Hood: At the very basic level would be his idea of the comprehensive and
sweeping powers of human reason and its differentiated roles in knowledge,
metaphysics, science, aesthetics and morals.

The key idea of universal and lasting value in epistemology, metaphysics and
science is the active role of reason in producing the synthesis we would likely
call scientific knowledge. Entailed in this key idea are the further ideas of the
limited range of all such knowledge, the necessity that mathematics be the
language of all science and, in the science of physics, the nature of matter as
interaction of forces. While one may quarrel with Kant's development, presentation
and defense of these ideas, the ideas themselves have universal and lasting value.

In aesthetics the key idea of universal and lasting value is the intrinsically
rational character of artistic creation and appreciation. Entailed in this idea
are Kant's ideas of the different rationalities intrinsic to the beautiful and to
the sublime and the idea of the aesthetic judgment which lies at the basis of the
identification of whatever is to constitute a unit in any mathematical procedure.

In morals the key idea of universal and lasting value is the nature of the person
as rational freedom which is made manifest in autonomy, the power of rational
self-governance, the power to be a legislator to oneself. Entailed in this
fundamental idea is the dignity and worth intrinsic to such rational intelligence,
the rights of each person to be, to be free and to pursue happiness and to do so
governed solely by the universalization of respect for each person as the bearer
of rational autonomy, the self-legislated limit set by rational intelligence in
recognition of the intrinsic worth and rights of each person. This rational self-
legislating power also entails the idea of the necessity of creating a community
suited to the relation of persons to persons at the individual, social and
international levels, the creation eventually of a community of persons in which
Reason's edict:" There shall be no war."is heard and obeyed. This set of ideas
certainly qualifies as being of universal and lasting value.
Robert Howell: At the core of Kant’s theoretical philosophy is the idea that our a
priori cognition of objects concerns only «what we ourselves put into» those
objects. This idea goes along with a specific conception of the a priori and of
our a priori knowledge of synthetic judgments. Kant then develops this idea as a
form of ontological idealism about the objects of knowledge. Twentieth-century
research has shown that we need to rethink his detailed views about the a priori/a
posteriori and the analytic/synthetic distinctions. Post-Kantian thinkers have
also pointed out serious flaws in his arguments for transcendental idealism.
However, underlying the above idea is a basic research project that does not
depend on the fine details of Kant’s own views. That is the project of
investigating how far we have a fundamental, structural knowledge of the world
that is constrained in one way or another by the structure of our mind and
language. This project, which Kant initiated, remains open. Moreover, the
particular points that Kant makes as he develops the above idea also raise open,
foundational questions: about space and time, the nature of mathematical and
physical knowledge, first-person self-awareness, judgment and the possibility of a
priori categories, the nature of objectivity and of causality, and our ability to
achieve a complete knowledge of the totality of facts about the world. These
questions will remain fruitful subjects of investigation for a long time. I
believe that Kant’s specific answers to many of these questions, for example the
details of the Transcendental Deduction of the Categories, are open to doubt. But
the depth to which he pursues these questions, and the depth of the many further
issues that his answers to them raise, are unmatched. As the twists and turns of
thought since 1804 show, a similar depth and influence surely belong also to
Kant’s practical philosophy and to his work in aesthetics.

Wolfgang Kersting: (a) Auf dem Gebiet der theoretischen Philosophie besteht Kants
herausragende Leistung in der Entwicklung des transzendentalphilosophischen
Erkenntnisprogramms. (b) Auf dem Gebiet der praktischen Philosophie besteht Kants
herausragende Leistung in der deontologischen Radikalisierung des
neuzeittypischen, von Hobbes zuerst entwickelten rechtfertigungstheoretischen
Prozeduralismus. – (a) Die Pointe des transzendentalphilosophischen
Erkenntnisprogramms liegt darin, daß Philosophie die alte Aufgabe der
Vernunfterkenntnis nicht mehr als Erkenntnis eines selbständigen transempirischen
Gegenstandsbereichs auffaßt, sondern als Freilegung der unvordenklichen,
alternativenlosen Voraussetzungen unserer ordinären Gegenstandserkenntnis. Damit
ist nicht mehr das Unerhörte, sondern das Selbstverständliche zum philosophischen
Erkenntnisgebiet erklärt worden. Auch wenn wir heute nicht mehr an die Möglichkeit
metaphysischer Deduktionen glauben, keinen höchsten Punkt kennen, an den wir die
ermittelten Voraussetzungen empirisch-kognitiven Weltverhaltens festmachen
könnten, bleibt die transzendentalphilosophische Aufgabenstellung sinnvoll. Sie
ist das Wissensreservat, daß der Philosophie angesichts des Imperialismus der
Einzelwissenschaften geblieben ist. – (b) Im Mittelpunkt der deontologischen
Radikalisierung des rechtfertigungstheoretischen Prozeduralismus steht Kants
Einsicht in die Unmöglichkeit einer rationalen Moralbegründung. Jeder Versuch,
Moral in aufgeklärtem Selbstinteresse zu verankern, damit auch jeder
Klugheitskontraktualismus, scheitert an der Unreduzierbarkeit der Semantik der
moralischen Verbindlichkeitssprache auf Ergebnisse nutzenmaximierender Erwägung.
Das, was distrubutiv vorteilhaft ist, kann kontraktualistisch ermittelt werden,
ist aber nicht identisch mit dem, was moralisch geboten ist. Auch hinter Kants
praktischer Philosophie steht also eine transzendentalphilosophisch
rekonstruierbare Grundeinsicht: die verbindlichkeitstheoretischen Voraussetzungen
unserer Moralsprache sind durch Klugheitsargumente nicht einholbar, können in
ihrer erratischen Natur nur hingenommen werden.
Patricia Kitcher: On the theoretical side, I think that the enduring value of
Kant's work lies in attempt to show that cognition is an incredibly complex
process that involves input from the structure of the mind as well as from the
senses. What Kant tried to show, I believe, was that empirical knowledge, that is,
knowledge based on sensory evidence, was not possible on its own. Rather,
knowledge had to be constructed by the mind on the basis of the sensory evidence.
This idea has been incredibly influential in fields as different as theories of
poetry and theories of the function of different areas of the cortex. What was
different about Kant's view, as opposed to many that came later, was that although
cognition was mind-dependent, it was not for that reason subjective in the sense
that it varied from subject to subject.

On the practical side, I think the centerpiece of Kant's view is the idea that
morality is egalitarian and and autonomous, hence a matter of laws that apply to
all. Although Rawls and his students have popularized the idea that Kant gave the
right priority over the good, I think that his view was in fact driven by a
certain conception of the good. What is good is to live in a world where you and
everyone is subject to no moral law other than those that you and everyone
recognize as such. I think that this simple, but crucial, idea stands behind the
elaborate proceduralisms of Rawls and others.

Heiner Klemme: Im Zentrum der Kantischen Philosophie steht die mit der Metapher
von der ‚Kopernikanischen Revolution der Denkungsart’ zum Ausdruck gebrachte Idee
der Selbstgesetzgebung des Menschen in den Bereichen der Naturerkenntnis, der
Freiheit und – mit Abstrichen – der ästhetischen Beurteilung von Gegenständen.
Alle mit dieser Kernidee seiner Philosophie verbundenen Lehrstücke werden aufgrund
ihrer Originalität sicherlich eine „fortdauernde Bedeutung“ für die
philosophischen Diskussionen haben. Ich halte vor allem seine Philosophie der
Freiheit für zukunftsfähig, in der Kant den Versuch unternimmt, eine
mehrdimensionale Theorie praktischer Normativität (Klugheit, Moral, Recht,
Politik) zu entwickeln, die er durch eine häufig unterschätzte Motivationstheorie
ergänzt. – Wer sich ernsthaft mit Fragen von Moral und Recht beschäftigt, wird
auch zukünftig in negativer oder in positiver Hinsicht Kants Vorschläge nicht
ignorieren können.

Christine Korsgaard: Many of Kant's ideas have an enduring value. I suppose I


would place two at the top of the list.

The first is the idea embodied in Kant's Formula of Humanity, the idea that every
human being is to be treated as an end in himself or herself. This way of
expressing the categorical imperative sets a high ideal for human relationships
and interaction, and yet at the same time resonates with people's actual moral
experience. It captures something very important about the kind of treatment we
hope for from one another. Of course the Formula of Humanity rules out certain
obvious ways of treating others badly: treating another as a mere means, or
running roughshod over her interests and concerns. But it also rules out treating
others "well" in the wrong way - treating another with paternalism and disrespect,
treating her like a child or a pet who cannot be expected to know what is best.
Kant's ethics commands not only that we avoid taking our interests to be more
important than the interests of others, but also that we avoid assuming that our
judgment is better than the judgment of others. It commands that we share
decisions as equals. I think that Kant's is the only ethical theory that commands
that human beings treat one another as adults who share both the right and the
responsibility of determining the fate of humanity and through humanity of the
world.

The other is the basic idea of the Copernican Revolution itself. I take that basic
idea to be that the laws of reason are our laws, human laws. The laws of reason
are laws that we impose upon nature rather than laws that we find already realized
there. This idea is associated with a kind of metaphysical modesty - we cannot
just assume that nature will meet the standards that seem intelligible to us - and
at the same time with an assumption of responsibility: it is up to us to make
sense both of the world and of our relations with each other; it is up to us, to
human beings, to make the world a rational place. Although Kant himself attached a
doctrine of faith to these ideas, I take the basic idea to capture an essentially
secular vision of the human plight, and one to which most of humanity has yet to
face up.

These two ideas come together in one of my favorite remarks from the Critique of
Pure Reason:

"Reason has no dictatorial authority; its verdict is always simply the agreement
of free citizens, of whom each one must be permitted to express...his objections
or even his veto." (A738-9/B766-7).

That remark embodies a radically modern, frightening, inspiring, vision of where


human beings stand in the world and to each other.

Alexey Kruglov: Ich bin nicht ganz sicher, daß es bei irgendwelchem Philosophen
möglich wäre, Ideen universeller Bedeutung im strengen Sinne des Wortes zu finden.
Zu den für mich bedeutendsten Ideen gehören bei Kant die Idee der menschlichen
Freiheit, die der menschlichen Würde im Sinne eines moralischen Wesens sowie
folgender realistischer Satz: „Aus so krummem Holze, als woraus der Mensch gemacht
ist, kann nichts ganz Gerades gezimmert werden“.

Nikolaus Lobkowicz: Dass der Mensch als Person einen absoluten Wert hat und
deshalb unter keinen Umständen als Mittel in Betracht gezogen werden darf.

Beatrice Longuenesse: I am not sure what you mean by ideas having "universal
value." I suppose you mean something like this: ideas have "universal value" if
they do not merely reflect the state of science, morality and culture at a
particular time (in this case, Kant's time), but would at any time and in any
social/cultural context help human beings come to terms with their own condition,
indeed help answer the question Kant set for himself as the central question of
philosophy: "What is a human being?"
I think having defined the task of philosophy as the task of answering this
question and conducting one's life in accordance with the answer one will have
given to this question, is itself of universal value. Also of universal value is
the core point common to all three Critiques: understanding human beings (i.e.
understanding their capacity for knowledge, for morality, for aesthetic creation
and pleasure, for purposeful activity) is understanding the conflicted ways
(rational *and* irrational) in which they relate to themselves in thinking and
saying 'I'.
Robert Louden: I believe that many of the core ideas of Kant’s ethics have
universal and enduring value. If I were to pick just one, I would choose the
second formula of the categorical imperative: “So act that you use humanity,
whether in your own person or in the person of any other, always at the same time
as an end, never merely as a means” (Groundwork of the Metaphysics of Morals,
Academy Edition 4: 429).

Robert Makkreel: I think that Immanuel Kant’s importance as a philosopher lies in


his efforts to explicate the conditions for making justified claims about the
world as well as for judging what is valuable and worth striving for. His strategy
is to locate those formal conditions that are most likely to gain us normative
agreement. By placing form before content, Kant hopes to sidestep psychological
prejudices rooted in content and regress to those transcendental conditions that
are presupposed by all inquiry. The inevitable price we must pay in striving for
cognitive agreement is to limit the scope of our claims. The idea of basic limits
is central to Kant’s conception of the world as lawbound. To experience nature as
governed by causal laws and to see ourselves as moral beings freely submitting to
rational laws is to acknowledge dual limitations on ourselves--from without and
from within. External limits reduce our power, but the setting of inner limits can
actually lead us to strengthen the highest side of ourselves.

For me the most significant contribution that Kant made to philosophy is to


supplement his original determinant mode of judging the world with a reflective
mode that introduces the idea of lawfulness without law--a felt order that is
exemplary. This is especially important for applying philosophical critique to the
arts and to the human sciences. Since determinant judgment proceeds from a given
universal to particulars, it clearly involves a subordinating mode of thought.
Reflective judgment, however, proceeds from particulars and can be said to be a
coordinating mode of thought. Determinant judgment appeals to universals to either
describe the nature of particular objects or explain their behavior by subsuming
them under the laws of the understanding. Reflective judgment, by contrast, is an
expansive mode of thought that appeals not just to the understanding, but to
reason as a framework for interpreting particulars. Being comparative, reflective
judgment is less concerned with finding the universals to which particulars can be
subsumed than in locating commonalities that particulars may share.

Colin McGinn: I think Kant's main achievement was to realize that reality is not
constituted by our knowledge of it, or by its appearance to our sensibility.

Arthur Melnick: Kant’s most enduring contribution was to make the study of the
human mind a method for investigating the nature of the world. Whatever else, for
Kant, the world that concerns us must conform to the conditions of our thinking
and understanding. This makes possible a metaphysics that is independent of the
method of empirical science and is grounded, rather, in the philosophical study of
thought and cognition (transcendental logic). In one way or another a great deal
of philosophy since Kant has looked at the world in this «for-us» way as something
that is relative to our mind or our language or our phenomenological experience or
our social institutions or our cultural norms.
Susan Neiman: Kant is the only thinker in the history of western philosophy to
clearly distinguish between the claims of reason and the claims of reality, and to
give equal weight to each. I take the beginning of the "Transcendental Dialectic"
of the Critique of Pure Reason to be the most important part of his work: having
given us a detailed analysis of what it means for an object to be real, he turns
to discuss what it means for ideals to be real. They are neither fantasies, nor
wishes, nor Vorländer's well-meant but fatal als ob; but entities with their own
sort of force and power, whose reality cannot be the same as that of objects of
experience. For their task is to question the necessarily limited experience with
which we are confronted, and to challenge reality to meet the claims of the ideal
- be it a just society in the practical realm, or a complete and transparent
science in the theoretical realm. Kant's metaphysics has thereby a crucial
political function. One the one hand, it provides reason with the basis to change
the world to meet its own standards. This is crucial in order to answer
conservatives like Hume, for whom reason is impotent to decide any of the
questions which determine our lives. It is, on the contrary, custom and tradition
which insure our conviction that the sun will rise tomorrow, as well as our
preference for preserving worlds to itching fingers. Having undercut the
legitimacy of reason in the realms we already experience, it is no surprise that
Hume, and disciples like Burke, should be chary of its use in uncharted waters. If
custom and tradition have preserved us thus far, it is wiser to follow them than
the allegedly untried demands of reason. By strengthening the claims of reason
Kant's metaphysics, by contrast, provides the groundwork for radical social
change. At the same time, his emphasis on the demands of experience should
undercut those utopian thinkers who wish to proceed without much attention to it -
with the disastrous consequences the 20th century has seen. Thus even more than
his moral philosophy Kant's metaphysics provide the foundation for a stance
towards the world that is mature without being resigned, hopeful without being
naive.

Thomas Nenon: I think there are many, but to name just a few ideas that have been
particularly important and will continue to be important, not just in academic
philosophy: Kant's insight in the role that structures of human thinking are
constitutive for all objects of human cognition, his emphasis on the
irreducibility of the moral to the expedient or advantageous, and the introduction
of a notion of regulative ideals as an integral part of scientific as well as
political thought.

Angelica Nuzzo: As ideas that we should value universally, I would point, first,
to Kant’s doctrine of the limits of human reason, namely, to his insistence in
determining the extent and the limits within which our human pretensions of
theoretical knowledge and scientific mastery over reality extend. We should keep
in mind that, despite all the power that human knowledge displays, this power is
limited. Truth is also defined by the necessity not to overstep the limits. The
second Kantian idea that we should cherish in the contemporary world, is the value
of human freedom in its connection to the moral law. Kant’s moral universalism,
the notion that human reason as such is capable of issuing the command of
morality, which is precisely that which makes us free is a fundamental answer
against the dangers of moral relativism.

Vesa Oittinen: There is in Kant's moral philosophy an idea which has received less
attention than it deserves, so I would mention it in the first instance here. It
is Kant's thesis, fomulated in the beginning of the first chapter of the
"Grundlegung der Metaphysik der Sitten" (1785), that there is nothing in the
world, which can without limitations be regarded as good, save the good will only.
This is Kant's answer to the old question of the "highest good", the summum bonum
of the Ancients. The good will, Kant stresses, is not good owing to the material
results it may yield or because it can be helpful in attaining some further goals,
but only thanks to the will, that is, in itself. It is thus the absolute good. The
old ontological concept of the Perfect Being is here turned in a "Copernican" way
into something subjective. But the highest good does not, however, hereby become
arbitrary — quite on the contrary, the moral law necessitates our behaviour at
least as much as the natural laws do.

The universal importance of this Kantian idea lies in the profound critique and
alternative to the Utilitarian world-view which are contained in the principle of
an absolute Good Will. It hardly needs to be stressed that the global problems of
our age cannot be solved by relying on a narrow-minded Utilitarianism. Although
the Kantian ethics has, not unjustly, been reproached for its formalism, the idea
that good things are not simply given to us (as the old ontological concept of the
Good sugggests), but depend on the activity of the subject to realize them, is, to
my mind, today as actual as it was in Kant’s days.

Onora O’Neill: I think that Kantian ideas that have proved enduring and fertile
include:

that practical reason is not reducible either to instrumental reasoning or to


(some reflection of) received views

that the fundamental principle of practical and theoretical reasoning is one and
the same

that there are systematic things to be said about the limits of knowledge claims,
but that the limits of intellectually coherent thought may be wider than these;

that the metaphysical distinction necessary/contingent is distinct from the


epistemological distinction a priori/a posteriori and both are distinct from the
semantic distinction analytic/ synthetic

that we do not have to be metaphysical realists in order to think that there are
clear distinctions to be made between objective knowledge and conjecture

that a serious account of theoretical knowledge cannot be given without advancing


a serious account of practice and action, and conversely

that developing a systematic account of human knowledge may require regulative


principles whose truth we cannot establish by epistemological arguments

that accounts of justice in one state (domestic justice) may be systematically


incomplete pending an account of cosmopolitan justice

that there may be deep parallels between practical thinking about history,
politics and religion

that the aim of social inquiry may be primarily practical rather than explanatory
and predictive

that mathematical knowledge may be understood as constructive


that respect for persons provides an intuitive way of looking at reasoned
constraints on action well; there are surely many more, but I will go on to the
second question, but with the thought that Kant may have made more than one big
mistake.

Stephen Palmquist: Kant's mature philosophy (1781 onwards) forms a systematic


whole, the statement of a single idea with many facets, implications and
applications. To appreciate fully the enduring value of this idea, we must value
all parts of this whole equally, even though Kant explained and defended some
parts more clearly and forcefully than others. The Copernican revolution (i.e.,
the Transcendental Perspective from which the subject determines the object, not
vice versa) is Kant's over-arching idea. When properly understood, it reveals
Kant's theoretical philosophy (especially the transcendental idealism / empirical
realism paradox) to be the impetus for the revolutions in the sciences that have
taken place in the past 150 years; likewise, it enables us to view Kant's
practical philosophy (especially freedom and the moral law) in a way that is
consistent with a thoroughly modern, even existential, appreciation for cultural
pluralism; and it helps us grasp the deeper implications of the diverse aspects of
Kant's judicial philosophy (especially his theories of beauty, natural
purposiveness, the power of being religious, and the path to an enduring political
peace). Kant's ideas prior to 1781 are of value mainly insofar as they shed light
on how Kant's thinking developed in the way it did; had Kant died in 1770, few, if
any, of his ideas would have had anything more than historical interest today.

Adrian Piper: (1) As to which of Kant’s ideas have universal and enduring value,
there are many that do. I will concentrate on those I personally have found most
fertile.

(a) First, there is the idea that a rationally coherent self is constituted by a
logically coherent, hard-wired system of concepts that structure its cognitive
abilities and thus ensure its self-conscious awareness of its own experiences and
inner states. This is a theory that contemporary cognitive scientists are just now
beginning to appreciate.

(b) Second, there is the idea that anomalous objects and events – i.e. those that
cannot be identified in terms of such concepts – do not enter conscious awareness
at all; or, if they do, are “less even than a dream.” This is the basic idea
behind Freud’s theory of the unconscious, as well as Thomas Kuhn’s theory of
paradigm shift in the natural sciences. I believe it is enormously important in
understanding the phenomenon of xenophobia, and, in time, will contribute to
understanding the systemic nature of psychosis and sociopathy more generally.

(c) Third, there is the idea that reason generates highest-order, all-inclusive
first principles that, in the ideal case, unify and explain all the lower-order
data of understanding and experience. This explains the connection between
rationality and psychological integrity, since in the ideal case, such principles
structure both the ultimate unity and coherence of a subject’s experience and
also, therefore, the ultimate unity and coherence of the subject herself. It also
sets a standard for scientific procedure that demands of the scientist the same
internal integrity in her own professional behavior and goals as that she attempts
to achieve in the higher-order explanatory theories she formulates.

(d) Finally, there is Kant’s idea that this very capacity for self-regulation in
accordance with criteria of theoretical coherence, inclusiveness, and integrity is
what makes us both free and morally responsible. Kant identifies our aspiration to
universality in the principles that guide action as a subset of our aspiration to
universality in the principles that guide events more generally. This general
disposition to inclusive completeness in our thinking – about our actions as well
as about other events – invites the inference that no “mitigating circumstance”
lies in theory beyond the scope of our self-awareness; hence no such circumstance
in the end circumscribes our moral responsibility for the actions supposedly
determined by it.

Nikolay Plotnikov: Zu diesen Ideen gehört meiner Meinung nach die


(Wieder)Entdeckung der transzendentalen Dimension im Bewußtsein, d.h. einer
Struktur subjektiver Vollzüge (im Erkennen, Wollen und Fühlen), die weder auf die
empirischen Eigenschaften der gegebenen Faktizität noch auf die psychischen (zumal
psychophysiologischen) Vorgänge im menschlichen Individuum, noch auf die sozialen
Verhältnisse zurückzuführen ist. Just diese Dimension macht es allererst möglich,
unsere Welterfahrung in eine konsistente Einheit zu bringen und ihr einen Sinn zu
verleihen. Darüber hinaus liegt in der transzendentalen Dimension der Ursprung der
Autonomie der menschlichen Handlungen, durch die das Verständnis des praktischen
Lebens als eines freien und selbstbestimmten Vollzugs begründet werden kann. Ohne
diese Qualitäten einer freien Verursachung wäre das menschliche Handeln, wie es
Kant ausdrückt, einem „Bratenwender“ ähnlich, „der einmal aufgezogen, von sich
seine Bewegungen verrichtet“. Da man heute aufgrund der Erfolge in der
Neurowissenschaft vorschlägt, den Gedanken der Autonomie als eine Illusion zu
verabschieden, gewinnt diese Kantische Warnung höchste Aktualität.

Konstantin Pollok: In erster Linie diejenigen, die er zwischen der


Inauguraldissertation (1770) und dem Streit der Fakultäten (1798) entwickelt hat
und hier insbesondere die folgenden: (1) seit 1781 (Kritik der reinen Vernunft)
kommen Philosophen (um den Preis der Lächerlichkeit) nicht mehr an der
erkenntnistheoretischen Einsicht vorbei, daß unser Bild von der Welt wesentlich
von begrifflichen Forderungen geprägt ist, die erfüllt sein müssen, um überhaupt
als Erkenntnis gelten zu können. (2) Kant hat uns 1784 (Was ist Aufklärung?) daran
erinnert, daß die Bestimmung des Menschen dessen Selbstbestimmung ist und
schließlich keine Person (um den Preis der autonomen Selbstentmündigung...) an der
eigenen Mündigkeit vorbeikommt. (3) Kant hat 1785 (Grundlegung zur Metaphysik der
Sitten) und 1788 (Kritik der praktischen Vernunft) expliziert, weshalb wir selbst
den ‚ärgsten Bösewicht’ (um den unmöglich hohen Preis des Verlustes seines
Personenstatus) mit der berechtigten Erwartung einer Antwort, welcher auch immer,
fragen können, wieso er die Freiheit anderer Menschen ohne deren Zustimmung
verletze. (4) Seit 1790 (Kritik der Urteilskraft) sollten wir davon überzeugt
sein, daß Schönheit keine mögliche Eigenschaft sinnlicher Objekte, sondern die
intelligible Feier von sinnlich affizierbaren Subjekten mit entsprechenden
Geltungsansprüchen an ihresgleichen ist. (5) Seit 1795 (Zum ewigen Frieden) und
schließlich 1797 (Rechtslehre) sollte klar sein, daß der Lebensraum von Menschen
auf einer Kugel begrenzt ist und sie deshalb nach Prinzipien der wechselseitigen
Rücksichtnahme ihre Koexistenz organisieren sollten (s.a. Punkt 3); Angriffskriege
stimmen mit derartigen Prinzipien nicht überein. (6) Kant hat uns 1798 (Streit der
Fakultäten) aufmunternd, vielleicht auch ermahnend, darauf hingewiesen, daß die
Philosophie vielleicht die Magd der Anwendungswissenschaft sein mag, daß es ihr
aber gut zu Gesicht stünde, ihrer gnädigen Frau die Fackel voraus-, anstatt die
Schleppe hinterherzutragen. (7) Kant hat uns gezeigt, daß Physische Geographie
kurios und sogar interessant sein mag, aber nicht zu den zentralen Anliegen der
Philosophie gehört
Birgit Recki: 1.1. Die Kopernikanische Wende mit ihrer Konzentration auf die
Bedingungen der Möglichkeit von Wirklichkeit, die in den Subjekten liegen: Sie hat
uns bewußt gemacht, daß in unserer eigenen Intelligenz, unseren geistigen
Leistungen die Gründe unserer Geltungsansprüche liegen; damit einhergehend das
methodische Bewußtsein, daß wir die Dinge immer nur so haben, wie sie uns aufgrund
unserer Verfassung vorkommen.

1.2. Der Freiheitsbegriff und die Grundlegung der Moral in der Einsicht, daß
unsere Freiheit richtig verstanden mit dem normativen Anspruch einhergeht,
vernünftig zu handeln.

1.3. Die Bestimmung des Friedens als Ziel jeder vernünftigen Politik.

1.4. Das Postulat des Fortschritts: die Einsicht, daß wir nicht anders handeln
können als unter der Annahme von Fortschritt in der Geschichte.

1.5. Die Theorie der ästhetischen Gefühle; die Reflexion auf die Bedeutsamkeit des
Schönen für unser vernünftiges Selbstverständnis und Weltverhältnis

Paul Redding: During the twentieth century the strongly naturalistic tendency of
much English-speaking philosophy has at different times been countered by a type
of criticism that has stressed the "normative" character of philosophy's central
concepts, and this is a criticism that owes much to Kant. This is, perhaps most
obvious in moral philosophy, but it applies to epistemology as well. For example,
the "internalist" criticism of later twentieth-century forms of epistemological
naturalism has effectively been modeled on Kant's critique of Locke's
"physiological" approach to knowledge in the Critique of Pure Reason.

While such issues often tend to be technical and are discussed mostly within the
academy, the question of how human behavior and inquiry can be subject to norms
without conceiving of any divine legislator is surely one of the profoundest
questions to be faced by the inhabitants of the modern world. To me it has been
the way that Kant's philosophy has provided a way of posing and discussing such
questions about the place of norms within a secular world that represents its
universal and enduring value.

Valerio Rohden: Vor einiger Zeit war ich in Königsberg, dem heutigen Kaliningrad,
wo ich mich mit einem Dozenten der dortigen Universität, an der auch Kant gelehrt
hat, unterhielt, und der mir sagte: “Es klingt exotisch, dass man Kants
Philosophie in Brasilien studiert.” Er sah in Kant also eine Erscheinung seiner
Zeit, seines Landes, seiner Kultur, weshalb diejenigen, die ausserhalb dieses
Kulturkreises wohnen (griech: exotikos = Ausländer), wohl eigentlich nicht viel
damit zu tun hätten. Kants Ideen hätten demnach also keinen wirklichen
universellen und andauernden Wert, so dass die obige Frage eigentlich ganz
unsinnig wäre.

Warum beschäftigt man sich dann aber auf der ganzen Welt mit dem Denken Kants?
Bloss weil er uns etwas über das Preussen seiner Zeit empirisch übermitteln
wollte? Soviel ich weiss, hat Kant, anders als etwa Hume über England, weder ein
Geographie- noch ein Geschichtsbuch über Preussen geschrieben. Trotzdem
interessieren wir uns für Hume und für Kant, aber nicht aus empirischen Gründen,
sondern um von einem epistemischen Standpunkt aus entscheiden zu können, welcher
der beiden Denkansätze sachlich angemessener und fruchtbarer ist. Kant hat die
Fundamente der Erkenntnis in seiner Kritik der reinen Vernunft so kritisch und
grundlegend durchdacht, dass damit die Zukunft der gesamten späteren Philosophie
bestimmt wurde, d.h. er eröffnete den “kritischen Weg”, um allein ihn offen zu
lassen. Wenn wir die Zukunft philosophisch autonom denken wollen, muss uns Kants
erste Kritik, so wie vorher die Philosophie Platons, gewissermassen als Alphabet
dienen, d.h. wir müssen lernen, sie kreativ umzusetzen.

Obwohl Kant also fast nur seine Stadt und die nahe Ostsee gesehen hat, zeigte sein
Geist eine erweiterten Denkungsart, ganz im Einklang mit der im Paragraph 40 der
Kritik der Urteilskraft aufgestellten Maxime, nicht nur selbst, sondern auch “an
der Stelle jedes anderen” zu denken. Hier ist Kants kritische Haltung auf den
Punkt gebracht: Vernunft ist nicht nur aktives “Selbstdenken”, sondern auch
konsequentes und vor allem vorurteilsfreies, d.h. nicht ideologisch-
situationsbedingtes, Denken. Als reflexiv und frei ist Vernunft wesentlich
universell und autonom, und nur deswegen heisst sie so.

Die Folge hiervon ist, dass diese Philosophie sich mit dem “Standpunkt der
Menschheit” identifiziert. Ihre Ethik ist eine kritische Ethik, die es uns erlaubt
und gebietet, uns universell menschlich im Sinne von Terenz zu verhalten: Homo
sum: humani nil a me alienum puto. Wir sind alle mit einander verwandt und sollen
dementsprechend aus Vernunftgründen diese conditio der universellen Brüderschaft
ernst nehmen.

Richard Rorty: I think that the Enlightenment ideal of individual freedom that
Kant shared with many other figures of the Eighteenth century is an ideal that
ought to spread around the world and take root in the hearts of all human beings –
not because it is based in reason, as Kant thought, but because its adoption would
greatly increase human happiness. However, I do not think that any of the ideas in
Kant’s Critique of Pure Reason have universal value. The theoretical part of his
philosophy is based on a Cartesian notion of the mind that ought to have been
rejected rather than refurbished.

Tobias Rosefeldt: Als eine unter vielen: die Idee, daß Urteile gegenüber einzelnen
Repräsentationen theoretischen Vorrang haben.

Hermann Schmitz: Theoretische Philosophie: in erster Linie die Metaphysik-Kritik:


Aus „bloßen Begriffen“, d. h. willkürlich konstruierten Annahmen, sind keine
Erkenntnisse über das, was wirklich existiert, zu gewinnen. Hierhin gehört auch
die Unterscheidung synthetischer und analytischer Urteile, wogegen Quine
untriftige Einwände erhoben hat. Nützlich sind ferner die Unterscheidungen
zwischen konstitutiven Prinzipien und regulativen Ideen sowie zwischen
subsummierender und reflektierender Urteilskraft. Praktische Philosophie: Kant
hebt verdienstlich die verbindliche (vom Belieben der Adressaten unabhängige)
Geltung als Merkmal moralischer Normen hervor. Ästhetik: Das Wichtigste ist die
Lehre von den ästhetischen Ideen, d. h. von der Unerschöpflichkeit intuitiver
Bedeutsamkeit durch begriffliches Nachbuchstabieren. Teleologie: Mit dem Begriff
der Zweckmäßigkeit ohne Zweck bereitet Kant Darwin vor.

Dieter Schoenecker: Kant hat zu vielen Bereichen Wichtiges gesagt, und für viele
Menschen bleiben z.B. seine erkenntnistheoretischen und metaphysikkritischen
Thesen aus der Kritik der reinen Vernunft sehr bedeutsam oder zumindest sehr
anregend und nachdenkenswert; in diesem Sinne ist die Liste von Ideen, die
faktisch eine universelle und fortdauernde Bedeutung haben, ziemlich lang. Wenn
die Frage bedeuten soll, welche von Kants Überlegungen ich nach wie vor für
richtig halte, dann ist die Liste viel kürzer; ich würde dann seinen
Intentionalismus nennen sowie die Idee, das vernünftige Wesen Zwecke an sich
selbst sind (wobei Kant fälschlicherweise dachte, allein vernünftige Wesen wären
Zwecke an sich selbst).

Gerhard Schwarz: Von universeller und fortdauernder Bedeutung sind meines


Erachtens: Kants Idee praktischer Freiheit als absoluter Freiheit; die Ideen der
Angelegtheit des Menschen auf Göttlichkeit und der Gottnatur der reinen
praktischen Vernunft; die Idee eines fundamentalen Selbstmissverständnisses des
Menschen als prinzipiell endliches Wesen. Und daraus resultierend: Die Idee der
subjektiv notwendigen aber irrtümlichen Exkorporation (Projektion) der
menscheneigenen Vernunft zu einem vom Menschen verschiedenen Gott; die Idee der
Religion als ein als Fremdverhältnis missgedeutetes Selbstverhältnis des Menschen.

Peter Singer: First, let me say that since my field is ethics, I will answer all
your questions by focusing on Kant’s ideas in that field.

On that basis, I believe that the idea of Kant’s that has most universal and
enduring value is the idea that when we act ethically, we must act on a maxim or
principle that is universal. Of course, this idea was not new to Kant – it goes
back at least to the Stoics. Moreover neither Kant’s formulation of it, nor his
application of it in the famous four examples of the Grundlage is right. Suppose
that I don’t like to get the train to work during the morning rush hour, because
then I can’t get a seat. So I resolve to arrange my work hours so that I can
travel after the rush hour. Can I will this to be a universal law? Obviously not,
because there is a contradiction in the idea of everyone traveling after the rush
hour.

Nevertheless, there is something true and important in the idea that to act
ethically, we must be prepared to universalize. R.M. Hare, in his books Freedom
and Reason and Moral Thinking has stated this in a better way than Kant. In order
to be able to justify my actions morally, there must be a description of the
action formulated in universal terms, that is, without any reference to particular
individuals. I must then be willing to prescribe that the action, formulated in
this way, be done. So I can say: “It is right for anyone to arrange their work
hours so as to travel when few others are traveling.” This statement is
universalizable, that is, it does not contain references to particular
individuals, and I would be prepared to prescribe it universally, although it is
not a universal law in Kant’s sense.

Werner Stark: Zuerst muß selbstverständlich klar sein, welchen Begriff oder
welches Verständnis man für den Ausdruck »Idee« zugrundelegt. Nimmt man die
Redeweise, die in Kants Hauptwerken ab 1781 die übliche ist, dann wissen wir, daß
hier eine der Platonischen »Idee« sehr verwandte Terminologie benutzt wird.
Genauer, es sind die »Ideen der Vernunft«, die in der Kritik der reinen Vernunft
im Rahmen der ›Dialektik‹ verhandelt werden. Wir wissen weiter, weil Kant selbst
darauf hingewiesen hat (A 329 / B 386), daß im Rahmen seiner Kritik der reinen
Vernunft, die praktische - auf die Handlungen von Menschen gerichtete - Seite
dieser Ideen weitgehend ausgeblendet wird.

Tatsächlich hat Kant dann aber sich in der Mehrzahl seiner nach 1781
veröffentlichten Schriften Themen zugewendet, die dem Bereich der praktischen
Philosophie angehören. Meine Meinung ist nun, daß hierin - ganz im Gegensatz zur
Position des Marburger Neukantianismus des ausgehenden 19ten Jahrhunderts, der
zumindest über weite Strecken hin Kant als Wissenschaftstheoretiker gesehen hat -
nicht nur die hauptsächliche Quelle für die ernorme Wirkungsmacht der Kantischen
Philosophie am Ende des 18ten Jahrhunderts zu sehen ist, sondern daß in diesem
Bereich auch die fortdauernde Aktualität seiner Gedanken, Überlegungen und
Argumentationen zu sehen ist. Mit anderen Worten, da die praktische Seite seiner
Philosophie noch heute aktuell ist, wird hier seine fortdauernde Bedeutung zu
lokalisieren sein. Es ist also die spezifische, von Kant darglegte »Idee der
Freiheit«, die meines Erachtens auch für einen gegenwärtigen Philosophen eine
Lektüre seiner Schriften geradezu verbindlich macht.

Es scheint mir im Rahmen eines notwendigerweise kurzen Statements nicht möglich,


eine detaillierte Erörterung dieser These durchzuführen, deswegen möchte ich mich
mit zwei präzisierenden Hinweise begnügen. Zum einen sollte - von der
methodologischen Seite gesehen - klar sein, daß dem Verfahren einer genetischen
Intrerpretation philosophischer Werke der Vorzug zu geben ist. Wir müssen uns für
den Werdegang einer Theorie interessieren, wenn wir nachweisbar verstehen wollen,
auf welche Probleme und Fragen ein Philosoph mit seinen Schriften zu antworten
versucht hat. Und umgekehrt, welche Probleme außerhalb des Bereichs seiner
Wahrnehmung sind. Zum anderen sollte - von der inhaltlichen Seite her - der Fokus
der Aufmerksamkeit gerichtet sein auf die Entstehung der Redeweise von der »Idee
der Freiheit« und dann kann man - vor allem anhand der Nachschriften der
Vorlesungen und der Notizen des Handschriftlichen Nachlasses - gleichsam direkt
sehen, welche langen Wege Kant gegangen ist, ehe er zu der grundlegenden
Dichotomie gefunden hat, die seine ›kritische Philosophie‹ bestimmt hat: ›Natur
und Freiheit‹ tritt an die Stelle einer seit der Antike tradierten Differenz von
›Natur und Kunst‹. Mit anderen Worten: Kant ist der Meinung - die einzelnen
Argumente findet man in seinen Schriften -, daß wir als Menschen in der Lage sind,
in den uns letztlich interessierenden Dingen uns von den Bestimmungen oder
Fixierungen der ›Natur‹ und ihrer Gesetze zu befreien, daß wir unsere Handlungen
also selbst zu verantworten haben, indem wir ›frei‹ sind.

Diese ›Freiheit‹ hat - nach Kant - allerdings einen Preis, und der besteht in der
Unterwerfung unter einen neuen Typ von Gesetzen: die Gesetze der Freiheit, die wir
uns selbst geben. Mit anderen Worten: wir Menschen sind buchstäblich autonome
Subjekte zu verstehen. -- Die Konsequenzen für die Formen der Organisation von
Gesellschaft und Politik liegen auf der Hand; und es scheint mir sehr lehrreich zu
beoabachten, wie Kant bis in sein hohes Alter diese praktische Linie seiner
Philosophie weiter verfolgt hat.

Jürgen Stolzenberg: Eine universelle Bedeutung im Sinne einer umfassenden


Verbreitung und Wirksamkeit hat zunächst zweifellos Kants Metaphysikkritik
gefunden. Hegels Wort in der Vorrede zur ersten Ausgabe seiner Wissenschaft der
Logik, dass dasjenige, was einmal ‚Metaphysik’ hieß, „mit Stumpf und Stil
ausgerottet worden und aus der Reihe der Wissenschaften verschwunden“ sei, trifft
diesen Sachverhalt. Eine universelle Bedeutung im Sinne einer weit verbreiteten
Anerkennung hat wohl Kants Konzept von der menschlichen Würde und der Autonomie
des Willens gefunden. Auch das Prinzip der Ethik Kants, der Kategorische
Imperativ, hat eine weite Verbreitung gefunden. Eine breite und intensive
Diskussion hat in jüngster Zeit auch Kants Rechtsphilosophie und seine
Überlegungen zu einem Weltbürgerrecht und zur Möglichkeit der Sicherung eines
Weltfriedens gefunden. So sind es vor allem Themen und Konzepte von Kants
praktischer Philosophie, von denen man sagen kann, dass sie heute eine universelle
Bedeutung gewonnen haben.

Peter Strawson: When suitably interpreted, both his doctrine of the forms of
intuition and his views on the categories of substance and cause are of lasting
and universal value.

Barry Stroud: I think all of Kant's ideas are of universal and lasting value. Kant
was one of the most profound, most penetrating, and most innovative thinkers in
the history of the human race. There is no telling in advance what value might be
derived from the close study of everything he said and why he said it. Even to
study the ways in which it is now widely believed that he went wrong can be of
great value, especially if we understand clearly the sources of his errors and the
true force of the pressures that led him to them. If the question is rather which
of Kant's doctrines have the greatest chance of being correct and so enshrined
among the permanent truths that philosophy in its long career will finally have
discovered, I can only say that I do not regard such a question as an appropriate
or fruitful way to assess the significance of the work of a great philosopher.

Robert Theis: La pensée philosophique contemporaine est une pensée éclatée, sans
paradigme dominant. Face à cet état de choses, il semble difficile de répondre à
une question au sujet de la pertinence ainsi que de la valeur universelle et
durable de certaines idées d’un philosophe, en l’occurrence de Kant. On peut
constater, historiquement, que plusieurs idées maîtresses de Kant ont marqué
durablement la pensée philosophique : la notion d’a priori et ses implications
quant à une théorie de la constitution de l’expérience au niveau de la philosophie
théorique ; la thèse de l’autonomie de la raison et d’un impératif inconditionnel
au niveau de la raison pratique ; l’idée u’une république mondiale au niveau de la
pensée politique. Il s’agit là de thèses isolées qui, par ailleurs, n’ont pas été
reçues de manière statique, inconditionnelle, mais qui ont servi comme ferments
dans des élaborations philosophiques postérieures.

Il semble préférable, non pas de parler de valeur durable de certains «


philosophèmes » de Kant, mais plutôt d’un certain type de pensée que Kant a
inauguré et qui peut fonctionner de façon universelle, à savoir celui d’une
rationalité critique dont le projet demeure infini.

Jens Timmermann: Kant's moral and political philosophy, in particular the idea
that liberty or freedom, properly understood, must be governed by formal,
universal constraints. This is worth remembering in a world that, at the expense
of personal responsibility, seems to be obsessed with goals, targets and
objectives, and all too rarely cares about how these results are achieved.

Burkhard Tuschling: Wie ich im Kant-Gedenkjahr 2004 schon in Kaliningrad, Moskau


und Wroclaw vorgetragen habe, sind es meines Erachtens drei Ideen, die als
bleibendes Ergebnis von Kants kopernikanischer Revolution der Philosophie Bestand
und daher universelle und fortdauernde Bedeutung haben. Dies sind

erstens die Idee des Ich, der ursprünglich-synthetischen Einheit der Apperzeption,
als "transzendentaler Grund" aller Objektivität (KrV A 106f., KrV B §§ 17/18, B
136ff., insbesondere B 137f. und 139f.), Gesetzgeber der Natur (KrV A 126f.),
Grund der Einheit der Natur (KrV A 125-128), d.h. Grund der Vereinigung aller
Gegenstände als Erscheinungen in Einer Welt, Einem Universum;

zweitens die Idee des Rechts als die Idee der Freiheit und ihrer Vereinbarkeit mit
der Freiheit aller (MdS, Einleitung in die Rechtslehre §§ B und C, in: Kant VI
23024-31 und 23110-18), d.i. die Idee des apriori vereinigten Willens aller
(Rechtslehre §§ 14 und 15, VI 26319-30 und 26417-22), der der allgemeine Wille
(Rechtslehre § 8, VI 2568-10) ist, sich selbst das allgemeine Gesetz der Freiheit
(Einleitung in die Rechtslehre §§ B und C, VI 23025f.,29f. und 23110-18) zu geben,
das Recht der Menschen unter öffentlichen Zwangsgesetzen zu schaffen, durch diese
Gesetze Jedem das Seine zu bestimmen, zu sichern und so Gerechtigkeit zu
verwirklichen (Über den Gemeinspruch..., VIII 28926-28);

drittens die Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht


(VIII 17-31) als Bestimmung der Menschengattung, d.h. als Aufgabe der Menschen,
ihre Freiheit nicht unkultiviert, barbarisch und gewaltsam, sondern in einer
allgemein das Recht verwaltenden bürgerlichen Gesellschaft (ebd., Fünfter Satz,
VIII 226-8), und zwar im Weltmaßstab so zu verwirklichen, dass Recht,
Gerechtigkeit und das "höchste[n] politische[n] Gut", der ewige Frieden, in einem
System des Weltbürgerrechts (Rechtslehre § 62 und "Beschluß", VI 352-355)
Wirklichkeit werden.

Die erste Idee, die des Subjekts als Grund aller Objektivität, als oberste
Bedingung der Möglichkeit der Erfahrung und aller ihrer Gegenstände, der Welt der
Erscheinungen, behält auch dann ihre Bedeutung, wenn man sowohl die Raum-Zeit-
Theorie der transzendentalen Ästhetik, als auch die Systematik der Begriffe und
Grundsätze des reinen Verstandes in Frage stellt. Denn selbst dann, wenn man Kants
"Beweis" des Gesetzes der Kausalität in der Zweiten Analogie der Erfahrung (B
232ff.) anzweifelt, kann - ja muß - man Kants Widerlegung Humes bzw. seine
"Ausführung des Humischen Problems in seiner möglich größten Erweiterung (nämlich
d[ie] Kritik der reinen Vernunft)" (Prolegomena, Vorwort, IV 2616-8) als gelungen
ansehen. Denn Hume widerlegend hat Kant bewiesen, dass Erfahrung als Sammelsurium
von Eindrücken oder Perzeptionen nicht möglich ist, nämlich unter der
Voraussetzung nicht , dass der Mensch, wie Hume behauptet, nichts als ein "bundle
or collection of different perceptions" ist "which succeed each other with an
unconceivable rapidity, and are in a perepetual flux and movement." (David Hume, A
Treatise of Human Nature, Book I, part IV, section VI Of Personal Identity). Dem
diametral widersprechend hat Kant gezeigt, dass nicht nur Erfahrung und ihre
Gegenstände insgesamt, sondern jede einzelne Perzeption, empirische Anschauung und
Wahrnehmung allein unter der folgenden Voraussetzung zustandekommt: das Subjekt,
d.i. "die synthetische Einheit des Bewußtseins" des "identischen Selbst", das Hume
im Kontext der oben zitierten Thesen als metaphysisches Hirngespinst verworfen
hatte, ist die oberste Bedingung aller Erkenntnis (KrV B 136-138). Diese
Identität, die ursprüngliche Spontaneität des Subjekts und sein Vermögen, alles
ihm empirisch gegebene Mannigfaltige der Sinnlichkeit in der ursprünglichen
Einheit seines Selbstbewußtseins zu vereinigen, ist die Bedingung der Möglichkeit
jeder einzelnen Perzeption, ihres kontinuierlichen Zusammenhangs in einem System
der Wahrnehmungen, d.i. der Erfahrung, und ihrer Gegenstände. Das bedeutet:
Identität, Spontaneität und ursprünglich-synthetische oder transzendentale Einheit
des Selbstbewußtseins sind die Bedingung dafür, dass wir überhaupt Gegenstände
empirisch anschauen, wahrnehmen, erkennen können; ja, "jene durchgängige Identität
des Selbstbewußtseins" (B 135) ist die Bedingung, "unter der jede Anschauung
stehen muß, um für mich Objekt zu werden" (B 138).
Dies ist das bleibende Ergebnis von Kants kopernikanischer Revolution der
theoretischen Philosophie und besitzt "universelle und fortdauernde Bedeutung". Ob
das - oben als zweite und dritte Idee skizzierte - Ergebnis von Kants "Umwälzung
der Denkungsart" in der praktischen Philosophie bleibend ist und daher ebenso
"universelle und fortdauernde Bedeutung" besitzt: der Nachweis dafür steht noch
aus. Das aber ist nicht Kants Fehler: das Recht der Menschen unter öffentlichen
Zwangsgesetzen und eine allgemein das Recht verwaltende bürgerlichen Gesellschaft
in weltbürgerlicher Absicht zu verwirklichen, ist als "größtes Problem für die
Menschengattung" uns allen permanent aufgegeben. Ob uns oder der Nachwelt eine
Lösung gelingen kann, muß sich noch erweisen. Woran es endgültig scheitern könnte,
hat Kant allerdings nicht gesehen, wohl nicht sehen können: das, was er den
"Antagonismus der ungeselligen Geselligkeit" nennt (Idee zu einer allgemeinen
Geschichte in weltbürgerlicher Absicht, Vierter Satz, VIII 2027-33), ist als
Antagonismus der bürgerlichen Gesellschaft inhärent und reproduziert durchgängig
den Kampf aller gegen alle, die Negation des "höchsten politischen Guts", des
ewigen Friedens. Dies soll in Beantwortung der zweiten Frage gezeigt werden.

Miklos Veto: A mon sens, l’idée – ou l’intuition – la plus profonde, la plus


originale mais aussi la plus féconde de Kant est la synthèse a priori. L’apriorité
du jugement synthétique concilie l’intelligibilité et la nouveauté. Dans le
domaine théorique, la synthèse a priori rend possible la compréhension du temps
comme réalité d’auto-articulation rationnelle, de cette sorte, elle permet le
dépassement d’une lecture de l’histoire comme lieu de la contingence. Quant au
domaine pratique, l’apriorité de la synthèse réunit liberté et rationalité :
l’homme décide et détermine à chaque instant son vouloir, mais il le détermine à
l’horizon d’une intelligibilité sui generis. En dernière instance, cette re-
fondation du jugement conduit à la consécration du particulier – combien malmené
par les anciens et les Classiques - comme source et instance authentiques de
rationalité. D’autres philosophèmes kantiens de signification pérennielle me
semblent l’enseignement sur le Mal Radical et la notion du Beau qui plaît
universellement sans intérêt et sans concept. La conception de la radicalité du
mal met fin aux paresseuses théories du mal comme simple absence ou privation,
sans pour autant verser dans un manichéisme quelconque. Quant à la définition du
beau, elle est à l’origine des esthétiques qui entendent libérer la création
artistique de tout assujettissement thématique ou moral-utilitaire.

Renate Wahsner: Kant hat gezeigt, daß wir, um erkennen zu können, bestimmter
Mittel bedürfen (bei ihm "apriorische Bestimmungen" genannt), unsere Erkenntnis,
mithin unser Wissen, daher von diesen Mitteln abhängt, diese Mittel unsere
Erkenntnis überhaupt erst ermöglichen, aber auch begrenzen. Es ist so, wie er
sagt: "Ein Wesen, das abstrahiert, limitiert sich selbst. Die Menschen müssen sich
so einschränken, wenn sie Erkenntnisse haben, denken wollen; denn der Verstand ist
nicht das Vermögen des Anschauens." Kant hatte die Einsicht zu fragen: Wie ist
Erfahrung möglich? Man muß Erfahrung machen können. Und dies ist nicht ohne
Vorbedingungen möglich. Diese Einsicht implizierte zu erkennen: Das absolute Ganze
ist uns nie gegeben, allerdings stets aufgegeben. Sein Konzept, demzufolge wir nur
Erscheinungen erkennen können, nicht wie die Dinge an sich sind, besagt nicht, daß
wir nur Unwesentliches erkennen, sondern: wie etwas völlig unabhängig von uns ist,
das können wir nicht wissen. Denn es sind immer wir, die danach fragen. Und "wir"
heißt: Das menschliche Subjekt als Gattung mit den erwähnten Mitteln. Dieses
Subjekt ist immer in einer bestimmten Weise verfaßt, was seine Fragestellung
determiniert.
Andrew Ward: The most important question that Kant raised is 'How are synthetic a
priori judgments possible?'. His contention that, lying at the basis of our claims
to knowledge, our acknowledgment of moral obligations, and our affirmations of
beauty, are judgments which are both necessary and synthetic, and his attempt to
explain how such judgments can be justified, have a lasting appeal and importance.

Eric Watkins: A formidable case could be made for (or, for that matter, against)
any of Kant's major positions in theoretical philosophy (metaphysics,
epistemology, philosophy of science, philosophy of mathematics, etc.), practical
philosophy (normative ethics, meta-ethics, etc.), or aesthetics (formalism), since
in each case Kant articulated a fundamentally novel philosophical position and
presented ingenious arguments on its behalf. However, I am inclined to think that
what is of greatest enduring value is a methodological or meta-philosophical point
concerning how philosophy should be done at all. Kant presents us with an original
(transcendental) model of how to construct a comprehensive and systematic picture
of the world that takes seriously both its complex and controversial history and
the competing demands made on it from a variety of areas (science, common sense, a
wide range of strictly philosophical interests, etc.).

Kenneth Westphal: I think that Kant’s philosophical methods, in particular


transcendental reflection, analysis and proof, as well as several core ideas of
Kant’s theoretical and practical philosophy, are correct and remain valid today
and tomorrow. Unfortunately, many of these insights have been buried by
excessively conventional ‘readings’ of Kant’s works, especially Cartesian mis-
readings of Kant’s epistemology. Let me give two examples.

My recent research shows that the key thesis of Kant’s Refutation of Idealism,
that ‘inner experience in general is only possible through outer experience in
general’ (B278), can be justified by genuinely transcendental proof, based on the
premise, ‘I am aware of my existence as determined in time’ (B275), that is, that
each of us is aware of some events has happening before, during or after others.
More surprisingly, this thesis can be defended without appeal to Transcendental
Idealism. Instead, its justification draws on Kant’s semantics of cognitive
reference, the essential integration of Kant’s three principles of causal judgment
in the Analogies of Experience, and key points in the Transcendental Deduction
about the relations between the analytic and synthetic unities of apperception.
Kant’s Critique of Pure Reason provides a sound, genuinely transcendental
refutation of global perceptual scepticism.

In practical philosophy, Kant’s emphasis on and analysis of moral autonomy remains


fundamental. (Here I use the term ‘moral’ to include both ethics and justice.)
Uniquely, Kant’s principles and procedures for justifying practical principles
provide for non-relative, intersubjectively valid principles in a way that defends
moral ‘objectivity’, can avoid the pyrrhonian Dilemma of the Criterion, and avoid
the vexed issues surrounding moral realism. Moreover, the fundamental equality of
human beings, their dignity as rational agents, including their rights and
responsibilities, is built directly into Kant’s fundamental justificatory
principles and procedures. Kant’s most basic principles are thus fundamentally
important to human affairs today and always.
Marcus Willaschek: Viele Kantische Ideen sind von bleibender Bedeutung: die Idee
der Friedenssicherung durch Verrechtlichung der zwischenstaatlichen Verhältnisse,
der Kantische Begriff der Würde der Person, der Kategorische Imperativ als
Ausdruck einer prinzipienorientierten Ethik, um nur einige zu nennen. Eine
Leitidee des Kantischen Denkens scheint mir jedoch besonders wichtig und bedeutsam
sein: seine Einsicht, dass wir das Vertrauen auf die Vernunft mit einer Kritik der
Vernunft verbinden müssen. Als rationale Wesen müssen wir uns nach unseren eigenen
vernünftigen Einsichten richten; zugleich müssen wir uns davor hüten, den
empirischen und lebenspraktischen Rahmen zu verlassen, in dem unsere Vernunft
verlässliche Orientierung bietet. Diese spezifisch Kantische Verbindung von
Vernunftvertrauen und Vernunftkritik scheint mir ein bleibendes Erbe der
Philosophie Kants zu sein.

Howard Williams: Almost all of Kant's major ideas are, I think, of enduring value.
Even where he is wrong he makes you think. These are some of my favourite ideas:

The primacy of practical reason. We are so used to thinking of knowledge solely in


factual, empirical terms. Kant's emphasis on the role that knowledge plays in our
moral deliberation and his hypothesis that our knowledge is more reliable in this
context is a very useful antidote to our ordinary views. Although Kant's moral
philosophy is greatly appreciated by contemporary ethicists this side of his
thinking has yet to be fully understood. I am of the view that objective standards
can be required and deployed in practical reasoning

The antinomies of pure reason. I am persuaded that we can be too ambitious in our
employment of theoretical reason, and in his own time Kant's Critique of Pure
Reason, as Mendelssohn pointed out, laid to waste many of the extravagant
pretensions of earlier metaphysics.

Kant's account of freedom. He has a very systematic account of freedom, running


from the theoretical philosophy to his moral and political philosophy. At the
heart of this concept is the idea of a dominion/realm of ends which I find very
persuasive.

In my own specialist area of political philosophy Kant’s concept of property


provides the basis for a sound critique of both dogmatic communism and libertarian
capitalism. His understanding of the link between domestic and international
politics is genuinely prescient and his vision of world peace demonstrates how
utopianism and realism can be brought into harmony. A little appreciated part of
his political philosophy is his account of political change which he sees as best
being brought about through a process of metamorphosis. This metaphor is a useful
counter to the metaphor of revolution more often used in political theory and
practice.

Michael Wolff: Es ist Kants unerschöpflicher Ideenreichtum, was universelle und


fortdauernde Bedeutung hat, - es sind nicht bloss einzelne seiner Ideen, die eine
solche Bedeutung haben. Am nachhaltigsten wird sich vermutlich auswirken, was Kant
zu Fragen der systematischen Methode im Hinblick auf fast alle Bereiche der
Philosophie gesagt hat.

Allen Wood: Kant's two most valuable and enduring ideas were these: First, that
rational nature in human beings is an end in itself, and the foundation of all
value. Even the value of human happiness is grounded on this. Second, that it is
important to understand the contribution of our free activity as theorizers to the
structure of scientific knowledge. This is the basic correction to empiricism that
is needed to prevent empiricist prejudices from distorting our view of science.