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1960

Friede und Erlösung wünsche ich Ihnen, die Sie in den Stürmen des
Lebens stehen! Ihren Brief hatte ich erwartet. Auf Ihre Beichte
antworte ich: "Jesus Christus ist unser Herr und unser Gott.
Amen."
So tief Sie auch fallen mögen, verzweifeln Sie nicht und verlieren
Sie den Glauben nicht ganz. Bewahren Sie In Ihrem Gewissen
wenigstens ein kleines "Pünktchen", das Ihren Zustand sieht und
erkennt und ihn bereut: so werden Sie im Meer der Lebens nicht
ertrinken. So weit wird es der Herr nicht kommen lassen, sondern
Ihnen - wie dem ertrinkenden Apostel Petrus - im entscheidenden
Augenblick die Hand reichen. "Die Welt wird euch hassen" (vgl. Lk
6,22), hat Jesus zu seinen Jüngern gesagt.
Bis heute erfüllt sich diese Prophezeiung ununterbrochen in den
Nachfolgern Christi, doch auch ein anderer Satz geht seither in
Erfüllung: "Faßt den Mut, ich habe die Welt überwunden" (Joh 16,
33). "Ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt", heißt
es bei Johannes (8, 23). Das Wort "Welt" meint nicht nur die
äußere Welt, die gefallene Menschheit, sondern auch unseren
eigenen Alten Menschen mit seinen Leidenschaften und seinem
Hang zur Sünde. Diese Welt steht in der Gewalt des Teufels, der
hier seine Werkzeuge findet, mit welchen er Christi Schüler jagt
und verfolgt und ins Verderben zu stürzen sucht. Nun hat aber der
Herr die Welt, hat den Teufel besiegt; gewaltsam und gegen den
Willen des Menschen kann der Teufel niemanden schaden. Nur wer
selbst dem Teufel bewußt die Hand reicht, fällt in seine Gewalt.
Wer sich ihm widersetzt und den Herrn Jesus Christus um Hilfe
anfleht, ist außer Gefahr - ihm können und werden die
Versuchungen des Bösen gar zum Vorteil gereichen.
Wir verfallen der Sünde und leben wie der Alte Mensch: Machen wir
daraus ein Mittel zur Demut. Der Mensch, der die Demut erworben
hat, verfügt über einen besonderen inneren Zustand, der es ihm
gestattet, alle Angriffe des Teufels abzuwehren. Der Demütige
hofft nicht mehr auf sich selbst, sondern auf den Herrn.
Der Herr aber ist allmächtig; er hat den Teufel besiegt, und er
besiegt ihn auch in unserer Seele, wenn wir nicht auf unseren
eigenen Willen bauen, sondern den Herrn anrufen und uns seinem
Willen fügen. Lassen Sie sich nicht endgültig schwächen. Denken
Sie nicht etwa, der Beichtvater empfinde Abscheu vor den
gebeichteten Sünden. Wenn die Zerknirschung des Beichtkindes
echt ist, erfährt der Priester im Gegenteil großes Wohlwollen und
große Liebe für den Reuigen.
Wirklich, es ist so! Dieser Zustand des Beichtvaters ist Zeugnis
dafür, daß der Herr dem Reuigen vergibt und ihn liebevoll in seine
Arme schließt wie den verlorenen Sohn.
So fassen Sie denn Mut. Möge sich Ihr Herz stärken. "Der in euch
ist, ist mehr als der, der in der Welt ist." Der Herr helfe Ihnen in
allem Guten; er leite Sie zum richtigen Handeln an, er stärke lLld
festige Sie auf dem Felsen seiner Gebote und führe Sie zur
Erlösung und zur ewigen Glückseligkeit.

Amen.

http://www.scribd.com/doc/27159986/Briefe-Eines-Russischen-Starzen-an-
Seine-Geistlichen-Kinder