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Lekach tauw

ein

Handbuch
für

praktische Schächter

Bearbeitet

von

Heinrich S. Gelbart

Prediger und Religionslehrer

Labes i. Pm.

-=-=-=-=-=-

Nachdruck untersagt.
Namenverzeichnis der Herren
Subskribenten
Altona (Schleswig-Holstein),
Herr Rabbinatsassessor Elias Munk.
Altenstadt a. Iller (Schwaben),
Herr Lehrer I. Lautmann
Bamberg (Ober-Franken, Bayern),
Herr Distrikts-Rabbiner Dr. A. Eckstein.
Bergzabern (Pfalz, Bayern),
Herr Lehrer S. Baer.
Berrent (Westpreußen),
Herr Kantor M. Cohn.
Bremen,
Herr Lehrer und Kantor Mehrgut.
Birkenfeld (Fürrstentum),
Herr Großherzogl. Landes-Rabbiner Dr. Levy.
Bromberg (Prov. Posen),
Herr Rabbiner Dr. Walter.
Bruchsal (Baden),
Herr Bezirks-Rabbiner Dr. I. Eschelbacher.
Bischofsweder (Westpreußen),
Herr Kantor I. Menke.
Büdingen (Lothringen),
Herr A. Wilkow, Kultusbeamter.
Braunsbach (Württemberg),
Herr Lehrer I. Strauß.
Bamberg (Hessen-Nassau),
Herr Lehrer Ferdinand Heymann.
II

Cannstadt (Würtemberg),
Herr W. Horwiz, Kultusbeamter.
Cleve, Bad (Rheinprovinz),
Herr Joseph Meyer, Kultusbeamter.
Colmar (Ober-Elsaß),
Herr Jaques Isaak, Oberschächter.
Carthaus (Westpreußen),
Herr Kantor und Lehrer J. Wagenheim.
Crefeld (Rheinprovinz),
Herr Ober-Rabbiner Dr. J Horwiz.
Camen (Westfalen),
Herr Prediger J. Gossel.
Daber (Pommern),
Herr Kantor Moriz Lewinsohn.
Darkemen (Ostpreußen),
Herr Kantor Hermann Friedländer.
Detmold (Fürstentum Lippe),
Herr A. J. Hamlet, Schochet.
Dramburg (Pommern),
Herr Lehrer und Kantor Kuschner.
Erfurt (Sachsen),
Herr L. Kaßenstein, Gemeindeschochet.
Elmshorn (Schleswig-Holstein),
Herr Kantor und Lehrer S. M. Bachrach.
Ernsbach (Würtemberg),
Herr Lehrer S. Rosenberger.
Esens (Ostfriesland, Hannover),
Herr Lehrer August Gottschalk.
Floß (Oberpfalz, Bayern),
Herr Lehrer und Kantor Jonas Wetzler.
III
Frankfurt a. Main,
Buchhandlungen.
Gailingen (Baden),
Herr M. Bloch, Kultusbeamter.
Graz (Steiermark, Österreich),
Herr Ober-Rabbiner Dr. Mühsam.
Gollantsch (Prov. Posen),
Herr Kantor Elias.
Görlitz (Schlesien),
Herr Rabbiner Dr. S. Freund.
Hardheim (Baden),
Herr Lehrer F. Wertheimer.
Heinsberg (Rheinprovinz),
Herr Lehrer A. Gundersheim.
Haigerloch (Rheinprovinz),
Herr Jacob Hohenmyer, Schochet.
Ingenheim (Rheinpfalz, Bayern),
Herr Kantor Rafael Mandel.
Insingen (Lothringen),
Herr Kantor B. Lyon.
Insterburg,
Herr Kantor B. Pessen.
Karlsruhe (Oberschlesien),
Herr Kantor S. Translateur.
Krakau (Galizien),
Buchhandlung.
Kirschberg (Rheinprovinz),
Herr Lehrer J. Rotschild.
Koschim (Prov. Posen),
Herr Rabbiner Dr. Heppner.
IV

Lübeck,
Herr Rabbiner Dr. S. Karlebach.
Labes (Pommern),
Herr Synagogen-Vorsteher Julius Jacob.
Herr Synagogen-Vorsteher Victor Kronheim.
Herr Synagogen-Vorsteher Max Meyer.
Lüneburg (Hannover),
Herr Lehrer Theodor Philipp.
Löwenberg (Schlesien),
Herr Lehrer A. Stoppelmann.
Ludwigslust (Mecklenburg),
Herr Lehrer und Kantor M. Süßkind.
Metz (Lothringen),
Herr Ober-Rabbiner A. Ulri. (Vicepräsident des
Israel Consistoriums.)
Märk. Friedland (Westpr.),
Herr Kantor Lichtenstein.
Montabour (Hessen-Nassau),
Herr Kantor und Lehrer Heimann Wagschal.
Müttersholz (Unter-Elsaß),
Herr Vorsänger P. Löb.
Moschin (Prov. Posen),
Herr Kantor Philipp Goldberg.
Nenzenheim, (Mittel-Franken, Bayern),
Herr Lehrer G. Lind.
Neustettin (Pommern),
Herr Rabbiner Dr. Norden.
Herr Kantor Victor Kochanowsky.
Neckarbischofsheim (Baden),
Herr Lehrer N. Niedermann.
V

Neuwedel (Prov. Brandenburg),


Herr M. Sittenfeld, Kultusbeamter.
Nikolaiken (Ostpreußen),
Herr Kantor Jordan.
Oberwaldbehrungen (Unter-Franken, Bayern),
Herr Lehrer Hermann Rose.
Ostrowo (Prov. Posen),
Herr Rabbiner Dr. Freund.
Osterode (Ostpreußen),
Herr Prediger J. Sturmann. (Vorstand des Vereins
Jüd. Religionslehrer Ostpreußens.)
Odenheim (Baden),
Herr Lehrer J. Gugenheim.
Ohlau (Schlesien),
Herr Lehrer Joseph Gutmann.
Pyriz (Pommern),
Herr Kantor M. Jacobi.
Pirmasens (Rheinpfalz, Bayern),
Herr Kantor A. Slodki.
Puzig (Westpreußen),
Herr Kantor A. Ehrenberg.
Rheinbischofsheim (Baden),
Herr Lehrer Daniel Levy.
Rakwiz (Prov. Posen),
Herr Prediger S. Nathan.
Ratibor (Schlesien),
Herr Rabbiner Dr. A. Blumenthal.
Rimbach i. Odenwald (Hessen),
Herr Lehrer Lewin.
VI

Rösel (Ostpreußen),
Herr Kantor M. Rosenthal.
Rees (Rheinprovinz),
Herr Lehrer S. Cohen.
Rotenburg a.d. Fulda (Hessen-Nassau),
Herr Jes. Falkenstein, Kultusbeamter.
Santomischel (Prov. Posen),
Herr Kantor Max Lewandowsky.
Sobernheim (Rheinprovinz),
Herr Kantor S. Berendt.
Sommerhausen a. Main (Unter-Franken, Bayern),
Herr Lehrer Rosenfeld.
Stettin (Pommern),
Herr Rabbiner Dr. Vogelstein.
Herr Louis Rosenthal, Gemeindeschochet.
Startgard (Pommern),
Herr Rabbiner Dr. Wolfsohn.
Schlawe (Pommern),
Herr Lehrer N. Rohberg.
Stolp (Pommern),
Herr Kantor Rothenberg.
Stuttgart (Würtemberg),
Herr Kirchenrat Dr. Th. Croner, Rabbiner.
(Vorsitzender des Verbandes
Württembergischer Rabbiner.)
Sinzig, (Bez. Coblenz, Rheinprovinz),
Herr Lehrer J. Friedheim.
Surburg (Unter-Elsass),
Herr Prediger Moriz Heimann.
VII

Schneidermühl (Prov. Posen),


Herr Kantor H. Helischkowski.
Stadtoldendorf (Großherzogtum, Braunschweig),
Herr Lehrer S. Braun.
Unterdeufstetten (Rheinprovinz),
Herr Lehrer Eppstein.
Untereisenheim (Unter-Franken, Bayern),
Herr Lehrer Jacob Mannheimer.
Weilburg a.d. Lahn (Hessen-Nassau),
Herr Bezirks-Rabbiner Dr. G. Landau.
Wangerin (Pommern),
Herr Lehrer Magnus Magnescheff.
Walldorf (Baden),
Herr Lehrer J. Hahn.
Worms (Hessen),
Herr Kantor Julius Rosenthal.
Wiesloch (Baden),
Herr Lehrer D. Ackermann.
Wächtersbach (Hessen-Nassau),
Herr Lehrer H. Gans.
Zduny (Prov. Posen),
Herr Kantor Leopold Friedmann.
Znin (Prov. Posen),
Herr Kantor L. Schmuhl.
Vorwort
Die vorliegende Schrift wird dazu beitragen, die
Kenntnisse des Schochets zu erweitern und zu
vertiefen und das Verständnis für die Kennzeichen der
seuchenkranken Tiere zu fördern.
Die Schwierigkeiten, welche der
Bearbeitung des nach mehr als einer Richtung hin
spröden Stoffes entgegenstanden, war ich mir wohl
bewußt; ob ihre Besiegung mir in einem hinreichendem
Maße gelungen ist, muß ich dem Urteile einer
wohlwollenden Kritik überlassen.
Ich erwähne daher nur die umseitig
stehenden Worte meiner Subskriptions-bestellkarte
und bemerke hierzu:
"Ein Werkchen, welches eine derartige
Subskribenten-liste nachweist, (ist der mich
erfreuende beste Beweis, welches Bedürfnis
vorhanden ist und) bedarf keiner weiteren
Empfehlung."

Labes 1899.

Der Verfasser
Die Reichsgesetzlichen Grundlagen für die
Regelung des Fleischverkehrs haben das Bedürfnis
eines Werkes für den Schächter, wodurch er auch
diejenigen Krankheiten erkennen lerne, die bei der
Bedika nicht zu Tage treten, lebhaft geweckt.
Wie oft leidet das Ansehen des Jüdischen Beamten,
wenn er nach Bedikas horeoh erklärt, das Rind ist
Koscher und gleich darauf der amtierende
Fleischbeschauer Lunge und Leber (auch nicht selten
das ganze Vieh) verwirft.
Wie unangenehm muß es einem ehrenhaften
tüchtigen Schochet sein, sich von einem erfahrenen
Metzger unterrichten lassen zu müssen! Und in dieser
Lage müssen sich alle diejenigen befinden, welche die
Zeichen der Seuchen*) und häufigsten Krankheiten
noch nicht kennen gelernt haben.
Diesem Übelstande soviel als möglich abzuhelfen,
wird durch gegenwärtiges Handbuch beabsichtigt. Der
Schochet muß die Feststellung der
Sanitätspolizeilichen Krankheiten vollständig
beherrschen, um sich dem Fleischer gegenüber nicht
als Unzuverlässiger bloß zu stellen.
_____________
*) Was die Bezeichnung "Seuchen" anbelangt, so verstehen wir
darunter ansteckende Krankheiten, gleichgültig, ob nur ein Tier oder
viele davon betroffen sind. (Simon's Fleischbeschau).
3
---------------------
Er soll nicht denken, das sein Ansehen darunter leidet,
wenn er erklärt: Diesen Fall darf ich nicht allein beurteilen,
hier muß der Tierarzt zugezogen werden. Im Gegenteil. Die
Stellung bei seiner Gemeinde und sein Ansehen in den Augen
des Fleischers, sowie des Publikums kann nur gehoben
werden, wenn er nach der Bed ika offen erklärt, daß die
Beurteilung des betreffenden Falles außerhalb seiner
Befügnisse liegt.
Mit Mühe und Sorgfalt habe ich daher alles dessen
Erwähnung getan, was nur irgend von Nutzen sein kann, auch
das Werk Jüdischen Sanitäts-Tierärzten, wie auch
Direktoren größerer Schlachthäuser und Professoren der
Hochschule vorgelegt, die es mit Freuden begrüßen und sich
über dasselbe höchst anerkennend aussprachen.
Ganz bedeutende Rabbiner vom In- und Auslande, wie
Kantoren und Lehrer, auch erfahrene und kompetente
Schocht im, als auch Vorstände größerer Gemeinden, sind
als Subskribenten mit mehreren Bestellungen beigetreten
und haben erklärt, daß die Arbeit die wärmste Empfehlung
verdient.
Das Buch soll in erster Reihe dem Schoche t ein
Ratgeber sein. *) Es findet darin u. a. die Kennzeichen der
Tierkrankheiten, Milzbrand, Tuberkulose, insbesondere die
Kennzeichen der Seuchen u.s.w. mit einem Worte: Es wird
ihm ein belehrender Führer in manchen unklaren Fällen sein.
(Die Anleitung ist auch der Fassungskraft eines jeden
angemessen.) u.s.w. u.s.w.
________
*) Siehe Seite 23
4
---------------------
An dieser Stelle sage ich allen Subskribenten, welche mir
zur Deckung eines kleinen Teiles meiner Druckkosten halfen,
meinen herzlichsten Dank.
Ferner hatte Herr Kreistierarzt Biernacki die
Freundlichkeit, mir die Benutzung seiner Bibliothek zu
gestatten und mich bei der Bearbeitung dieses Handbuches
mit manchen Brauchbaren unterstützt. Hierfür auch an dieser
Stelle besten Dank.
Ganz besonderen Dank schulde ich dem Direktor des
städtischen Schlachthofes zu Görlitz, Herrn Sanitäts-Tierarzt
Simon, *) Verfasser des Werkes "Grundriß der gesamten
Fleischbeschau", der mir mit manchen nützlichen
Anweisungen zur Seite stand.
Ebenso spreche ich hiermit dem Herrn Geheimen Ober-
Regierungsrat Dr. Lydtin - Karlsruhe**) an dieser Stelle
meinem besten Dank aus.
Den meisten Dank aber schulde ich Herrn Kreistierarzt
Fischöder - Königsberg, Verfasser des Werkes "Leitfaden der
praktischen Fleischbeschau" und Herrn Dr. Med. Ostertag'
Professor an der Tierärztlichen Hochschule zu Berlin, wie
auch Professor Bollinger - München.

Der Verleger.
Heinrich S. Gelbart, Labes i. Pom.

*) Verfasser der Broschüre "Die rituelle Schachmethode der


Juden." (Frankfurt a. Main 1893 bei Kaufmann verlegt.)
**) Verfasser des Werkes "Anleitung zur Ausübung der
Fleischbeschau."
Inhalts-Verzeichnis.
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Kap.............................................................................................Seite:
1. Verfahren für die Vorbereitungen des Tieres zur
Schächtung ............................................................................... 8
2. Vermeidung häufigen Übelstandes beim
Schächten von Großvieh......................................................... 9
Die reichgesetzlichen Grundlagen für die
Regelung des Fleischverkehrs ............................................... 9
3. Die Milz....................................................................................10
4. Infektions-Krankheiten (Milzbrand)..................................12
5. Kennzeichen nebst Beurteilung...........................................12
6. Milzbrand Infektion beim Menschen ..................................13
7. Tuberkulose (Wesen und Vorkommen)..............................13
8. Kennzeichen ...........................................................................15
9. Die Leber .................................................................................16
10. Untersuchung geschlachteter tuberkulöser Tiere............17
11. Sanitätspolizeiliche Beurteilung der Tuberkulose............19
12. Gesundheitsschädliches Fleisch ..........................................20
13. Massen-Erkrankungen nach Genuß ungesunden
Fleisches ..................................................................................21
14. Dienstanweisungen (Gang der Untersuchung) .................21
15. Nützliche Untersuchung nach Beidkas Horeoh ................22
16. Formular zur Anzeige ...........................................................23
6
---------------------

Kap.............................................................................................Seite:
17. Erkennung der Alters der Schlachttiere............................24
18. Unreife .....................................................................................24
19. Erkennung der Unreife .........................................................25
20. Eiterige Brust und Bauchteil Entzündungen
nebst Beurteilung...................................................................26
21. Notschlachtungen wegen schwerer
infektiöser Erkrankungen ....................................................27
22. Fleischvergiftungen...............................................................29
23. Jauchige Blutvergiftung .......................................................29
24. Erscheinungen Jauchiger Blutvergiftungen .....................30
25. Blutige Darmentzündung .....................................................32
26. Die Rindersinne nebst Beurteilung .....................................32
27. Wichtige Anweisung für Schächter.....................................33
28. Das Ausblasen ........................................................................34
29. Erkennung nebst Beurteilung..............................................35
30. Das Schächten ........................................................................36
31. Fleischschau Ordnung...........................................................38
32. Reichsseuchen Gesetze .........................................................40
33. Schäden und krankhafte Zustände des Schachttieres,
welche das Fleisch genußuntauglich machen ...................41
34. Äußere und innere Erkennungszeichen.............................41
35. Genauere Kennzeichen der Finne .......................................43
36. Genauere Beschreibung des Milzbrandes ..........................45
37. Die Genaueren Zeichen des Milzbrandes
unmittelbar nach dem Schächten .......................................46
38. Die Maul und Klauenseuche des Rindviehes,
der Schafe und Ziegen nebst Merkmalen ...........................48
39. Genauere Kennzeichen der Tuberkulose
(Perlsucht)..............................................................................49
7
---------------------

Kap.............................................................................................Seite:
40. Die Rinderpest ........................................................................50
41. Gefahren der Tuberkulose der Schlachttiere für
den Menschen.........................................................................51
42. Fleisch von fieberhaft erkrankt gewesenen Tieren ..........52
43. Verschiedene für den Schächter wichtige
Vorkommnisse .......................................................................53
44. Schlusswort ............................................................................55

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Cap. 1.
Verfahren für die Vorbereitungen
des Tieres zur Schächtung

I.
Das Niederlegen von Großvieh darf nur durch Winden
oder ähnliche Vorrichtungen bewirkt werden. Die Winden,
sowie die dabei gebrauchten Seile müssen haltbar, bezw. fest
und geschmeidig sein.
II.
Während des Niederlegens muß der Kopf des Tieres unter
Anwendung geeigneter Vorrichtungen gehörig unterstütz und
so geführt werden, das ein Ausschlagen des selben auf den
Fußboden und ein Bruch der Hörner vermieden wird.
III.
Bei dem Niederlegen des Tieres muß der Schauchet bereits
zugegen sein und unmittelbar darauf die Schechita
vornehmen.
VI.
Nicht nur während der Schächtungs-handlung, sondern
auch für die ganze Dauer der nach dem Halsschnitte
eintretenden Muskelkrämpfe bis zum Eintritte des Todes muß
der Kopf des Tieres festgelegt werden.
Herr Direktor Zecha in Wien läßt die Tiere mittelst Gurten
etwa 10 cm vom Boden in die Höhe ziehen und dann auf die
Seite legen. Das Verfahren wurde vom Wiener Tierschutz-
Kongreß sehr beifällig beurteilt. Indessen sind zu seiner
Ausführung 5 Mann notwendig.
9
---------------------

In Stuttgart hat Herr Stadtdirektions-Tierarzt Sauer eine


sehr zweckmäßige Methode zum Niederlegen eingeführt. Die
Tiere werden mit dem Kopfe durch einen kurzen Strick an
einem Boden angebrachten Ringe befestigt, erhalten hierauf
zwei einfache mit einem Ringe an dem einen Ende versehene
Schlingen um die Mitte eines jeden Vorderfußes gelegt,
während um den Fessel eines Hinterfußes die Schlinge eines
Wurfseiles geführt wird. Das Wurfseil wird durch die Ringe
der Vorderfuß-Schlingen so hindurch gezogen, daß es auf der
Seite des nicht befestigten Hinterfußes wieder zum Vorschein
kommt. Eine Winde zieht das Seil hoch und das Tier fällt oder
legt sich vielmehr langsam nieder und schließlich auf die
Seite. Der freie Hinterfuß verhindert dabei das gewaltsame
Nieder und Umfallen. (Handbuch Professor Dr. Ostertag.)

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Cap. 2.
Vermeidung Häufigen Übelstandes
beim Schächten von Großvieh

(Kopfhalter.)

Ein häufiger Übelstand beim Schächten kräftiger Ochsen und


Bullen ist die mangelhafte Befestigung des Kopfes. Zur
Verhütung dieses Übelstandes kann ich auf einem sehr
zweckmäßigen Apparat hinweisen.
10
---------------------

Es ist dieses der Kopfhalter für Rinder beim Schächten. So


ist beispielsweise im Städtischen Schlachthode zu Stettin,
Elberfeld, Crefeld und Halberstadt ein derartiger Apparat in
Gebrauch.
Derselbe besteht im großen und ganzen aus einer circa
11/2 Meter langen Zange. Der Kopf des Tieres wird zwischen
den Zangenschenkeln mittelst einer Schraubenspindel fixiert
und der Apparat, sowie der darin festsitzende Kopf durch
einem Gehilfen mittelst einer an dem anderen Ende Des
Apparates befindlichen Handhabe beim Schächten in der
gewünschten Lage erhalten.
Im Interesse der Humanität und um unnötige Tierquälerei
beim Schächten besser vermeiden zu können, scheint es
wünschenswert, daß mit fragl. Apparaten auch in weiteren
Kreisen Versuche angestellt werden.
Es dürfte sich dieses um so leichter erreichen lassen, als
die Verstellung des Apparates nur mit geringem
Kostenaufwand verknüpft ist, und der Apparat leicht von den
meisten Schlossern und Schmieden angefertigt werden kann.
(Schlachthof-Tierarzt Jacob.)
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Cap. 3.
Die Milz.
Die Milz ist festweich, meistens glatt, hat scharfe Ränder.
Kurz nach der Futterausnahme wird die Milz größer. Es sei
hier noch besonderes bemerkt, daß die Milz mit dem Darm
und der Leber, abgesehen von der Verbindung durch das
11
---------------------
Bauchfell, weder direkt, noch durch den Portal-Kreislauf
verbunden ist, sondern nur durch den großen Blutkreislauf.
(Wichtig für die Beurteilung der Tuberkulose.)
Bei den einzelnen Tiergattungen hat die Milz eine
verschiedene Gestalt und Farbe.
Beim Rinde, länglich oval, platt, bei jungen fetten Tieren
rotbraun, bei alten und nicht fetten Tieren Meer-blau, später
graublau. Bei fetten Tieren sind die Ränder nicht so scharf.
Bei manchen Rindern, welche auf torfigem Boden weiden, ist
die Milz schon von außen, besonders aber auf dem
Durchschnitt, dunkelbraun bis schwarz. Die Ränder sind aber
scharf und die Milz ziemlich fest. (Zum Unterschiede von
Milzbrand.)
Beim Bussen und Mastochsen ist sie rotbraun, derb und
dick. Bei der Kuh dagegen ist sie graubläulich, schlaff und
besitzt platte Flächen. Die Ränder der Bullen und Ochsenmilz
sind mäßig gerundet.
Bei Kälbern ist die Milz graurot, später mehr braunrot.
Sie besitzt mäßig gewölbte Flächen und gerundete Ränder.
Bei Schafen und Ziegen ist die fast kreisrund, eine Fläche
flach, die andere gewölbt, rotbraun später mehr rot.
Die Größe der Milz ist auch bei einem und demselben Tiere
physiologischen Schwankungen unterworfen (Leitfaden
Kreistierarzt Fischöder).

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Cap. 4.
Infektions-Krankheiten.
welche nicht bei einer Tierart vorkommen,
sondern mehreren gemeinschaftlich sind.
A. Milzbrand.
Der Milzbrand ist die am besten bekannte und am
gründlichsten studierte Infektions-Krankheit und kommt
hauptsächlich bei Schafen und bei Rindern vor. Menschen
können ebenfalls an Milzbrand erkranken.
Die Erreger des Milzbrands sind die Milzbrand-Bazillen.
Diese Entdeckung wurde schon in den Fünfziger Jahren
unseres Jahrhunderts gemacht. {1850}
Am empfänglichsten für Milzbrand erwies sich das Schaf.
(Die Krankheit kann auch auf Geflügel übergehen.)
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Cap. 5.
Kennzeichen.
Die wichtigste Veränderung zeigt die Milz. Sie ist
bedeutend geschwollen, schwarzrot und von zerfließender
Konsistenz, wenn man die Kapsel anschneidet, außerdem
zeigt sich teerartige Beschaffenheit des Blutes. (Prof. D.)
Diese Erscheinungen treten einmal mehr, ein andermal
weniger stark hervor. Die Milz und das Blut zeigen aber
regelmäßig die genannten Veränderungen.
13
---------------------
Beurteilung: Das Fleisch, sowie alle Teile Milzbrand-
kranker Tiere sind gesundheits-schädlich. Die näheren
Vorschriften enthalten § 9, 31 und 33 des Reichs-
Viehseuchen-Gesetzes.*)
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Cap. 6.
Milzbrand Infektion beim Menschen
wurden in Königreich Sachsen 1890 bei 26 Personen,
darunter 15 Fleischern beobachtet. (Sächsischer Jahres-
Bericht pro 1890.)
Die Zeitschrift des Professors Herrn Dr. Ostertag
beschreibt einen Fall von einem Erkrankten, welcher auf dem
Wiener Zentralviehhofe als Desinfektor angestellt war und in
der letzten Zeit nachweislich mit Milzbrand Radavern zu tun
gehabt hatte, seine Speise mit den Händen berührt und sich
auf diese Weise Milzbrand-Sporen einverleibt hat.
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Cap. 7.
B. Tuberkulose
Wesen und Vorkommen
Die Tuberkulose ist eine chronische Krankheit. Sie ist die
häufigste Affektion der Schlachttiere und sanitätspolizeilich
_______________
* Das Reichsgesetz, betreffend die Abwehr und Unterdrückung
von Viehseuchen vom 23. Juni 1880 enthält folgende bindende
Vorschrift: Tiere, welche an Milzbrand erkrankt oder dieser Seuche
verdächtig sind, dürfen nicht geschlachtet werden.
14
---------------------
eine der wichtigsten Erkrankungen derselben. Die
Tuberkulose kommt bei allen unsern Haustieren vor. Indessen
besteht in Bezug auf die Häufigkeit dieses Befundes bei den
einzelnen Haustierarten eine ungewöhnliche Verschiedenheit.
Während die Fälle Tuberkulöser Erkrankungen beim Schaf zu
den größten Seltenheiten gerechnet werden müssen, ist sie
eine häufige Krankheit bei den Rindern.
Von der Ziege hatte man früher angenommen, daß sie
völlig frei von Tuberkulose sei. Indessen haben Impfversuche
und die sorgfältigeren Untersuchungen auf den Schlachthöfen
die Haltlosigkeit dieser Anschauung ergeben.
Nach zuverlässigen Schlachthausberichten ist in
Deutschland mindestens jedes 4. Rind Tuberkulös. (Kälber
ausgenommen.)
Der berühmte Professor Herr Dr. Ostertag schreibt
wörtlich: "Nach meinen eigenen Beobachtungen, welche ich
als Schlachthaus-Tierarzt in Berlin an Rindern aus den
verschiedenen Teilen Deutschlands (Ost und Westpreußen,
Posen, Brandenburg, Schlesien, Prov. Sachsen, Mecklenburg,
Schleswig-Holstein) gemacht habe, sind von den älteren
Rindern mindestens 25% als Tuberkulös anzusehen, wenn
man auch die beginnenden und die auf eine Lymphdrüse
beschränkten Herde mit Betracht zieht."
"Dieses Ergebnis deckt sich vollkommen mit den
Erfahrungen, welche ich in Stuttgart als ambulatorischer
Kliniker zu machen Gelegenheit hatte."
"Die einzelnen Schlachtrinder-Gattungen sind nicht in
gleicher Weise mit Tuberkulose behaftet. Es bestehen sehr
große Differenzen in Bezug auf das Alter. Junge Tiere
15
---------------------
bis zu einem Jahre sind sehr selten von Tuberkulose
heimgesucht, mit jedem Jahre nimmt aber die Häufigkeit der
Erkrankung zu, so das die alten, abgemolkenen Milchkühe die
Veteranen unter den Schlachttieren, die höchste mitunter
eine erschreckend hohe Verbreitung der Tuberkulose
ausweisen. Bei Berliner Schlächtern, welche nur abgemolkene
Kühe im Alter von 10-15 Jahren und darüber schlachteten,
fand sich durchschnittlich 75% Tuberkulose."
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Cap. 8.
Kennzeichen.
Der tuberkulöse Prozeß besitzt folgende besondere
Kennzeichen.
(Als charakteristische Kennzeichen des tuberkulösen
Prozesses überhaupt, hebt Ostertag folgende hervor:)

I.
Aufbau aus kleinsten Knötchen, welche zuerst
vollkommen grau durchscheinend getrübt erscheinen.

II.
Vorhandensein kleinerer Knötchen in der Umgegend
größerer Knoten.
16
---------------------
Bei jungen Rindern erkrankt in der Regel zuerst der
Darm und die Milz. Der erst Hirsekorngroße, grau durch
scheinende Tuberkelknoten, pflanzt sich von dem ersten
Herde in Körper weiter fort, erstens durch Weiter-kriechen
auf benachbarte Teile, zweitens durch das Blut.
Das Brustfell ist bei etwa einem Drittel aller
tuberkulösen Rinder mit erkrankt.
Das Bauchfell erkrankt in ähnlicher Weise, wie das
Brustfell, aber für gewöhnlich nicht so stark und nicht so
oft. (Etwa bei dem sechsten Teile aller tuberkulösen
Rinder.)
Die Magen und Darmschleimhaut zeigt Knötchen oder
Geschwüre. (Jedoch selten.)
------------>>+<<------------

Cap. 9.
Die Leber.
Die Leber ist bei den einzelnen Haustiergattungen
verschieden gestaltet.
Die Leber zeigt entweder einzelne kleinere Herde oder
große eitrige Höhlen. Die Lymphdrüsen der Leber findet man
öfter erkrankt, ohne daß man im Stande ist, in der Leber
selbst Tuberkeln nachzuweisen. Tuberkulose der Leber findet
man etwa bei jedem 20. tuberkulösen Rinde.
Die Milz ist nicht so oft erkrankt, wie man gewöhnlich
annimmt. Grade bei der Milz ist zwischen der Erkrankung des
Bauchfellüberzuges und der Milzsubstanz selbst streng zu
scheiden.
17
---------------------
Es möge noch darauf hingewiesen werden, daß so leicht
die Feststellung der Tuberkulose in den ausgebreiteten und
vorgeschrittenen Fällen ist, so schwer ist sie oft im Anfange
und bei der Unterscheidung der tuberkulösen von anderen
Veränderungen.
In dieser Beziehung ist zu beachten, daß sich bei der
Tuberkulose kleine Knötchen bilden, die sich in der Mitte
trüben, das die Knötchen wachsen, daß sich in der
Umgebung der größeren noch kleinere Knoten befinden,
und daß in jedem Falle die entsprechenden Lymphdrüsen
mit ergriffen werden.
Beim Geflügel kommt die Tuberkulose ebenfalls vor. Die
Tiere magern stark ab! Es zeigen sich Anschwellungen an den
Fuß und Flügelgelenken, aus denen sich nach erfolgtem
Durchbruch käsige Massen entleeren. Nach dem Tode findet
man tuberkulöse Herde im Darme, in der Leber und in der
Milz, seltener in den Lungen. (Leitfaden Kreistierarzt
Fischöder.)
------------>>+<<------------

Cap. 10.
Untersuchung geschlachteter
tuberkulöser Tiere.
Wenn auch bei dem gewöhnlichen Untersuchungsgang, wie
er oben angegeben ist, das Vorhandensein der Tuberkulose
18
---------------------
festgestellt wird, so kommt es hier noch wesentlich darauf an,
auch festzustellen, welche Ausbreitung die Tuberkulose im
Körper genommen hat, um sich darnach ein Urteil darüber zu
bilden, was mit dem Fleische zu geschehen hat.
Zur Feststellung der Ausbreitung der Tuberkulose bei den
Tieren hat Herr Professor Dr. Ostertag, einem bestimmten
Untersuchungs-Modus eingeführt.
Für die Beurteilung der Ausbreitung spielt das Brust und
Bauchfell eine untergeordnete Rolle, weil sich die Tuberkulose
auf direktem Wege nach diesen Häuten ausbreitet. Ebenso
verhält es sich mit der Tuberkulose des Kehlkopfes und der
Lymphdrüsen am Kopfe.
Die Untersuchung der Tuberkulosen Tiere hat nicht von
den erkrankten Organen auszugehen, sondern von denjenigen,
welche vermutlich gesund sind und zwar deshalb, weil sonst
die gesunden Teile unnötiger Weise mit tuberkulösen Massen
beschmutzt werden. Aus demselben Grunde soll man auch
jedes unnötige Anschneiden der offenbar tuberkulösen Herde
unterlassen, um die Ansteckungsstoffe nicht unnötiger Weise
weiter zu verbreiten. Hat man einen tuberkulösen Herd
angeschnitten, so genügt es nicht, das Messer einfach
abzuwischen, sondern man muß es vor dem weiteren
Gebrauche mit kochendem Wasser gründlich reinigen oder
ausglühen. (Nach Prof. D. untersucht man die einzelnen Teile
der tuberkulösen Tiere in gewisser Reihenfolge. Letzteres ist
aber Sache des Tierarztes.)
Die Milz wird durch möglichst zahlreiche parallele
Längsschnitte zerlegt.
19
---------------------
Außerdem sind selbst kleine Tuberkel in der Milz durch
Abtasten leicht nachweisbar.
Bei der Leber muß darauf gehalten werden, daß die
Lymphdrüsen von der tierärztlichen Untersuchung in keinem
Falle entfernt werden.

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Cap. 11.
Sanitätspolizeiliche Beurteilung
der Tuberkulose.
A. tuberkulöse Organe
Es muß als erwiesen betrachtet werden, daß die
Tuberkulose durch den Benutz tuberkulöser Organe auf den
Menschen übertragen werden kann, denn nach Dr. Kochs
klassischen Untersuchungen ist es ein und derselbe Bazillus,
welcher die Tuberkulose des Menschen und der Tiere erzeugt.
Durch Verimpfung tuberkulöser Produkte vom Menschen
kann man leicht Tuberkulose bei anderen Säugetieren
hervorrufen und umgekehrt haben Beobachtungen aus der
Praxis die Tatsache erwiesen, daß die Tuberkulose von
Haustieren bei Menschen nicht nur auf Hautwunden haftet,
sondern daß auch Tuberkelkeime in Nahrungsmitteln die
Tuberkulose auf den Wege des Verdauungstraktes auf den
Menschen übertragen können. (Handbuch Professor
Ostertag.)
Einen Übertragungsfall von Rindertuberkulose auf den
Menschen, welcher zur gleicher Zeit ein Mahnung zur
20
---------------------
Vorsicht bei der Untersuchung tuberkulöser Tiere enthält,
teilt Tierarzt Dr. Pfeffer mit:
Tierarzt Moses, aus gesunder Familie, zog sich im Sommer
1885 bei der Sektion einer tuberkulösen Kuh eine Verletzung
des linken Daumens zu. Nach einer Zeit entwickelte sich an
der Narbe ein so genannter Hauttuberkel und aus dem
betreffendem Gelenk ein Schlottergelenk und auf den darauf
folgenden Herbst stellte sich chronisches Leiden und nach
einiger Zeit Tod ein. *)
Sämtliche mit Tuberkulose behafteten Organe
müssen daher Gesundheitsgefährliche
Nahrungsmittel vom Konsume ausgeschossen
werden.

------------>>+<<------------
Cap. 12.
B. Gesundheitsschädliches Fleisch.
Gesundheitsschädliches Fleisch ist dasjenige,
welches erfahrungsgemäß bereits die Gesundheit vom
Menschen beschädigt hat, oder dessen Gesundheits-
Gefährlichkeit wissenschaftlich nachgewiesen werden
kann. Die Eigenschaft der Gesundheits-Gefährlichkeit
muß dem Fleisch anhaften.

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*) Möge dieser Fall auch den Schochet bei Untersuchung tuberkulöser
Tiere zur größten Vorsicht mahnen.
21
---------------------
Cap. 13.
Massen-Erkrankungen nach Genuß
ungesunden Fleisches.
Über eine Massenerkrankung nach Genuß
ungesunden Fleisches berichtet die Fleischbeschauer
Zeitschrift. Die Kuh war etliche Tage erkrankt gewesen
und wurde am 1. Oktober geschlachtet. Das Fleisch ist
dann bei einem häuslichen Feste in Form von Braten
und Suppe verzehrt worden. Von circa 115 Gästen
erkrankten in der folgenden Nacht mehr als die Hälfte
an Krämpfen. (Zeitschrift von O. für Fleisch und
Milchhygiene.)
------------>>+<<------------
Cap. 14.
Dienstanweisungen.
Gang der Untersuchung.
I.
Im allgemeinen muß die Untersuchung solcher
geschächteter Tiere bei Tageslicht vorgenommen
werden.
II.
Es darf nicht vergessen werden, das die Fleischer
sehr gewandte Leute sind und das sie es vorzüglich
verstehen, gewisse Veränderungen zu vertuschen, (Dr.
O.)
III.
Das Schlachten solcher erkrankten Tiere vor dem
Einschreiten der Polizeibehörde oder des beamteten
Tierarztes ist verboten.
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22
---------------------
Cap. 15.
Nützliche Untersuchung nach
Bedikas horeoh.
I.
Bei der Leber ist zu beachten: Schwellung,
(Abrundung der Ränder), Trübung, graugelbe und
dunkelrote Verfärbung, Tuberkelknoten auf dem
Überzuge. Dann ist die Leber durchzufühlen,
(Tuberkelherde, Verhärtungen, und Verdichtungen der
Gallengänge).
II.
Bei der Milz ist zu achten auf Schwellung,
(Abrundung der Ränder), dunkelrote Färbung,
Erweichung, (Milzbrand, Blutvergiftung); dann ist die
Milz abzutasten (Tuberkelherde, Eiterherde). Beim
Vorhandensein von Tuberkelknoten ist festzustellen,
ob sich dieselben in der Milzsubstanz oder auf dem
Überzuge befinden.
III.
Am Kopfe ist die Zunge stets bis auf den Grund
herauszuschneiden und zu achten, auf: Blasen,
Geschwüre und auffallende Röte an der Maul-, Zahn-
und Zungen-Schleimhaut. (Maul und Klauenseuche,
Rinderpest.) Die Rieferknochen und Zunge sind
abzutasten, die Kaumuskeln sind anzuschneiden
(Rinnen), ebenso die Drüsen am Schlundkopf und am
Unterkiefer (Tuberkulose). (Selbstredend ist letzteres
Sache des Tierarzt).
IV.
Beim Magen, Darmkanal ist die Außen und
Innenfläche besonderes zu untersuchen.
23
---------------------
a) An der Außenseite ist zu achten auf traubige
Auflagerungen.
b) An der inneren Fläche: Starke Falten, Geschwüre,
hautartige Auflagerungen, (Magen-, Darm-
Entzündung, Milzbrand, Blutvergiftung).

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Cap. 16.
Formular zur Anzeige.
~~~~~
N.N., d. 20. Mai 1899.
Antrag auf Zuziehung
eines Tierarztes.

Am heutigen Tage habe ich bei einer


Kuh des Fleischermftr. N. N. den
Verdacht auf Tuberkulose festgestellt.
Zur Beurteilung dieser Kuh ist die
Zuziehung eines Tierarztes erforderlich.
(Name.)

An die städtische Polizei-Verwaltung


zu
N. N.

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24
---------------------
Cap. 17.
Erkennung des Alters der
Schlachttiere.
Die Feststellung des Alters bietet bei lebenden
Tieren keine Schwierigkeiten.
Der Schächter muß diese Feststellung vollständig
beherrschen, um sich dem Fleischer gegenüber nicht
bloßzustellen.
Das Alter der lebenden Tiere wird namentlich nach
dem Merkmalen festgestellt, welche die Entwicklung
und der Wechsel der Schneidezähne im Unterkiefer
darbietet. (P. O.)

------------>>+<<------------

Cap. 18.
Unreife.
als unreif bezeichnet man Tiere, welche neugeboren
oder nicht langer als 7 Tage auf der Welt sind.
Die subjektiven Begriffe über Unreife sind großen
örtlichen Schwankungen unterworfen. Während man
z.b. in ganz Süd-Deutschland ein Mindestalter von 14
Tagen bis 3 Wochen für die Schlachtreife der Kälber
verlangt, erfreuen sich in anderen Gegenden wie in
Mecklenburg und Holstein die Kälber schon in einem
Alter von kaum 8 Tagen einer Nachfrage. In Berlin
stellen Kälber mit 8 Tagen einen beliebten
Handelsartikel dar.

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25
---------------------
Cap. 19.
Erkennung .
Für die Bestimmung des Alters der Kälber, welches
manchen Orts als ausschlaggebend für die Zulassung
zum Konsume angesehen wird, besitzen wir folgende
Anhaltspunkte.
Neogeborene Tiere haben weiche Klauen. An
den Zähen vollziehen sich weitere
charakteristische Veränderungen.
Die Schneidezähne nennt man von innen nach
außen gehend: Zangen-, Mittelzähne, innere und
äußere Eckzähne.
Bei der Geburt haben die Kälber meist sechs
Schneidezähne, das Zahnfleisch liegt aber glatt
an.
in der ersten Woche brechen die
Schneidezähne durch. Mit zwei Wochen zieht
sich das Zahnfleisch von den inneren
Mittelzähnen zurück. (Prof. O.)
Das Kalb und die Ziege haben 14 Tage nach der
Geburt 8 Schneidezähne im Unterkiefer. (Das Schaf
bekommt die zähne 1 Woche später.)
Die Schneidezähne stehen in folgender Reihe:
a a
b b
c c
d d
26
---------------------
Die Schneidezähne aa heißen die Zangen,
Die Schneidezähne bb heißen die inneren Mittelzähne,
Die Schneidezähne cc heißen die äußeren Mittelzähne,
Die Schneidezähne dd heißen die Eckzähne.
Herr Dr. U. Lydtin, Großh. Geheimer Ober-
Regierungsrat in Karlsruhe, früher Herausgeber des
Organs: "Tierärztliche Mitteilungen für badische
Tierärzte" schreibt in seiner Anleitung wörtlich:
"Das Fleisch unreifer Kälber ist nicht als
bankwürdig erklärt.*)"
"Unreife Kälber haben weniger als 6 Schneidezähne;
Das Zahnfleisch ist noch nicht blaß-rot und umschließt
die Schneidezähne in Form eines Wulstes; der Nabel ist
nicht verheilt; die Hornzapfen sind noch nicht
hervorgetreten; die Klauen sind noch nicht weich und
nicht abgenutzt; die Tiere sind mager, hochbeinig und
ungeschickt im Gange u.s.w."
------------>>+<<------------
Cap. 20.
Eiterige Brust- oder Bauchfell-
Entzündung
fuhren gewöhnlich zur allgemeinen Eitervergiftung
und zum Tode, Können aber auch besonders beim
Rinde durch Abkapselung abheilen.
_____________
*) Eine Freibank ist eine öffentliche Verkaufsstelle für
solches Fleisch, welches aus irgend einem Grunde dem freien
Verkehre entzogen worden ist und nur bedingungsweise
verkauft werden darf. Diese Bedingungen besteht in der
Bekanntmachung des Grundes, weshalb das Fleisch der
Freibank überwiesen ist.
27
---------------------
Beurteilung!
Das Fleisch ist gesundheitsschädlich, wenn eine
Abkapselung noch nicht eingetreten ist. Die Zuziehung
eines Tierarztes ist erforderlich.
Bei Kälbern achtet man auch auf das Bauchfell *)
(Bei Entzündungen desselben ist das Kalb zu
beanstanden und das Gutachten eines Tierarztes
einzuholen.)
------------>>+<<------------
Cap. 21.
Notschlachtung wegen schwerer
Infektiöser Erkrankungen.
Der wichtigste und schwierigste Teil der Sanitäts-
polizeilichen Tätigkeit ist die Begutachtung der Not-
Schlachtungen. Die Erfahrungen der letzten
Jahrzehnte auf dem Gebiete der Massenerkrankungen
durch Genuß des Fleisches von kranken Tieren haben
unwiderleglich bewiesen, daß mindestens 4/5 dieser
zahlreichen Erkrankungen mit Notschlachtungen
zusammenhängen.
Die Schwierigkeiten der Sanitätspolizeilichen
Tätigkeit bei den Notschlachtungen entspringen dem
Umstande, daß es sich bei denselben in vielen Fällen
Um Krankheiten dunklen Ursprungs handelt.
Vom Bezirkstierarzt Dinter (in Sachsen) wurde, wie
Prof. Dr. Bollinger München hervorhebt, der
____________
*) Gesundheitszeichen: Das Brust- und Bauchfell ist glatt,
feucht und durchsichtig, Es läßt sich gleich nach der
Schlachtung leicht abziehen, wonach die darunter liegenden
Muskeln und Knochen frei zu Tage treten.
28
---------------------
beachtenswerte Vorschlag gemacht, durch
gesetzliche Bestimmungen dafür zu sorgen, daß
notgeschlachtete Tiere überhaupt nicht von
gewerbsmäßigen Fleischern verwendet werden dürfen,
sondern in der betreffenden Gemeinde unter
polizeilicher Kontrolle verpfundet werden.
Auf diese Weise würde Täuschungen von Seiten der
Metzger wirksam vorgebeugt werden. (Handbuch von
Prof. Dr. O.)
Der Geheimer Ober-Regierungsrat Dr. Lydtin*)
schreibet mir wörtlich: "Es kommt auch bei nicht
infektiösen Krankheiten vor, daß dieserhalb
geschlachtete Rinder zwar ein gut aussehendes Fleisch
liefern und vollkommen Koscher fallen, aber doch nur
genußuntaugliches Fleisch geben, weil dasselbe,
besonderes nach dem kochen, übel riecht und
schmeckt. Dies kommt daher, daß die Tiere mit stark
riechenden Mitteln innerlich oder äußerlich behandelt
wurden und der Geruch sich dem Fleische mitgeteilt
hat. Es kommt hauptsächlich beim so genanten
Kalbsfieber vor. Die stark riechenden Mittel sind die
verschiedenen Ätherarten, der Kampfer, das Steinöl,
das Kreosot und die Karbolsäure. Auch Jodoform läßt
sich aus dem gekochten Fleisch herausschmecken.
(Alles Fleisch von Notschlachtungen an Tiere, die
ärztlich behandelt wurden, ist verdächtig.)

------------>>+<<------------
_________
*) Herr Dr. Lydtin wurde bekanntlich in der badischen
Religions-Konferenz von großherzogl. Oberrat der Israeliten
rühmlichst durch sein Gutachten über das Schächten
erwähnt.
29
---------------------
Cap. 22.
Fleischvergiftungen
Die Fälle von Fleischvergiftungen haben seit
mehreren Jahrzehnten die größte Aufmerksamkeit der
medizinischen Welt auf sich gezogen. Namentlich hat
Professor Dr. Bollinger München zu wiederholten
Malen mit eindringlichen Worten auf die hohe
Bedeutung der Fleischvergiftungen für die
menschliche Hygiene hingewiesen.
Er führt mehrere Fälle von Vergiftungen an,
darunter auch Massenerkrankungen, welche nicht auf
Fleischgenuß, sondern auf Übertragung der Krankheit
durch die fleischvergifteten Personen zurückzuführen
waren.
Die wohlbegründete Mahnung Prof. Bollingers hat
aber noch nicht diejenige allgemeine Beachtung
gefunden, welche ihr gebührt. Der beste Beweis für
diese Tatsache ist der Umstand, daß die
Fleischvergiftungen noch immer verhältnismäßig
häufige Erkrankungen vorstellen.

------------>>+<<------------
Cap. 23.
Jauchige Blutvergiftung.
Hierunter ist eine Reihe von Krankheiten zu
verstehen, welche darin übereinstimmen, daß von
irgend einer Körperstelle giftige Stoffe in das Blut
aufgenommen werden und eine schwere allgemeine
Erkrankung hervorrufen. Dabei sind an der Stelle, von
welcher die Stoffe ins Blut gelangen, in der Regel
besonders auffällige Veränderungen nicht vorhanden.
30
---------------------
In einigen Fällen findet man jedoch einen brandigen,
jauchigen, stark Übel-Riechenden Herd, von welchem
die allgemeine Vergiftung ausgegangen ist.
Es sind dies besonders Erkrankungen und heftige
Entzündungen größerer Flächen und Höhlen (Magen-
Darm Schleimhaut, Brust- und Bauchfell), welche
vielfach zu allgemeinen Vergiftungen führen, auch
ohne daß sich in jedem Falle Übel-Riechende
Veränderungen an ihnen zeigen.
Dieser Umstand ist insofern sehr wichtig, als es
gerade die jauchige (septische) Blutvergiftung ist,
welche dem Fleische eine stark gesundheitsgefährliche
Eigenschaft verleiht, und schon viele Menschenopfer
gefordert hat.
Die Erscheinungen dieser Krankheit muß man
daher genau kennen und bei dem geringsten Verdachte
die Zuziehung eines Tierarztes herbeiführen.

------------>>+<<------------

Cap. 24.
Erscheinungen Jauchiger
Blutvergiftung.
Nach dem Schlachten findet man, abgesehen von
dem etwaigen ursprünglichen Herde, nicht an einem
Organe besonders auffällige Abweichungen, sondern es
sind sämtliche Organe mehr oder weniger stark
ergriffen und zwar:
31
---------------------
I.
Die Milz geschwollen, dunkelrot, die Ränder
abgerundet, der Inhalt weich.
II.
Die Magen- und Darmschleimhaut dunkelrot
gefleckt, geschwollen, daher in Falten gelegt,
getrübt, mit zähem Schleim bedeckt. Der
Dickdarm ist weniger ergriffen als der Dünndarm.
III.
Die Leber geschwollen, graubraun gefärbt,
getrübt, der Inhalt weicher.
IV.
In der Brust- und in der Bauchhöhle geringe
Mengen einer klaren, gelblichroten Flüssigkeit.

Die Veränderungen sind nicht allen Fällen


gleichmäßig stark ausgebildet, und besonders bei
ausgebluteten Tieren nicht so leicht festzustellen.
Regelmäßig sind vorhanden die angeführten
Veränderungen an der Leber, am Brust- und Bauchfell.

Beurteilung
Zur Beurteilung dieser Fälle ist ein Tierarzt
zuzuziehen.
Von den hierher gehörigen Krankheiten verdient
nachstehende besonders hervorgehoben zu werden.

------------>>+<<------------
32
---------------------
Cap. 25.
Blutige Darmentzündungen
kommen bei Rindern und bei Kälbern vor.
Erscheinung.
Ausgebreitete Dunkelfärbung. Einzelne
oberflächlich abgestorbene Teile, welche in Form von
Häuten auf der Hochgeröteten Geschwüren Schleim-
haut lagern.
Beurteilung.
Die Zuziehung eines Tierarztes ist stets erforderlich.
Das Fleisch ist gesundheitsschädlich.

------------>>+<<------------

Cap. 26.
Rindersinne.
Die Rindersinne ist der Larvenzustand des
unbewaffneten Bandwurmes, welcher bei Menschen
ziemlich oft vorkommt, während verhältnismäßig nur
wenige Rinder mit Finnen behaftet, gefunden werden
und von den finnigen Rindern die weitaus meisten nur
in sehr geringen Grade mit Finnen durchsetzt sind.
Die ausgewachsene Rinderfinne stellt ein Bläschen
dar, häufig von weißer Farbe. Bei lebensfähigen Finnen
ist der Inhalt des Bläschens klar, durchsichtig,
während eine Trübung des Inhaltes darauf schließen
läßt, daß die Finne abgestorben ist. Die Lieblingssitze
der Rinderfinne sind die inneren und äußeren
Kaumuskeln.
33
---------------------
Diese müssen stets bei der Untersuchung des Rindes
auf das Vorhandensein der Finnen geprüft werden.
(Finschneiden). Außer den Kaumuskeln kommt auch
das Herz und dann die Zunge als Lieblingssitz in
Betracht, während andere Körperteile (Hals, Brust-
und andere Muskeln) seltener Finnen beherbergen.
Die Erkennung der entwickelten, nicht
abgestorbenen Finne bietet keine Schwierigkeiten.
Eine längliche, erbsengroße, mit durchsichtiger
Flüssigkeit gefüllte Blase, in welcher der nach innen
gestülpte Kopf erkennbar ist und sich durch Druck
nach außen heraus-stülpen läßt.
Hierbei ist jedoch zu beachten, daß die an der
Oberfläche liegenden Finnen durch Verdunsten der
Flüssigkeit leicht unkenntlich werden.
Beurteilung.
Die Rindfinne ist gesundheitsschädlich, weil sich
aus Finnen Bandwürmer bei Menschen entwickeln,
welche schwere Störungen verursachen.
(Finnenhaltiges Fleisch ist nur gesundheitsschädlich
im rohen Zustande).

------------>>+<<------------

Cap. 27.
Wichtige Anweisung für
Schächter.
Herr Dr. A. Lydtin, Großh. Geheimer Ober-
Regierungsrat in Karlsruhe (Baden) schreibt in
34
---------------------
seinem Werke: "Anleitung zur Ausübung der
Fleischbeschau" folgendes:
Der Fleischbeschauer wird darauf aufmerksam
gemacht, daß die Metzger das Brustfell oder das
Bauchfell, welches mit Perlen besetzt ist, abziehen.
(Tatsache. G.) Fehlt daher auf den Rippen oder an den
Bauchlappen das Brust- bezw. das Bauchfell, so ist das
Stück perlig d.h. tuberkulös gewesen und demgemäß zu
behandeln. (Als nicht genusstauglich und darum für
den Verkauf unzulässig ist das Fleisch von Tieren
anzusehen, welche an ausgebreiteter Perlsucht d.h.
Tuberkulose gelitten haben.)

------------>>+<<------------

Cap. 28.
Aufblasen.
Das Aufblasen der ganzen Kälber und Schafe wird
von den Fleischern für ein so begründetes Herkommen
ihres Gewerbes gehalten, daß in vielen Orten die
Behörden sich entschlossen, das Aufblasen zu
verbieten.
Die Fleischer heben insbesondere hervor, daß durch
Aufblasen das Enthäuten der genannten Tiere ganz
wesentlich erleichtert werde. Allein die tägliche
Erfahrung in den Schlachthäusern mit Aufblase-verbot
lehrt, daß das Abhäuten bei Rindern und Schafen --- bei
letzteren ist das Aufblasen verbreiteter, als bei
ersteren --- auch ohne künstliche Eintreibung von Luft
in das Bindegewerbe besondere Schwierigkeiten nicht
bereitet.
35
---------------------
Der wirkliche Grund des Widerstandes der
Gewerbetreibenden gegen die behördlicherseits
erlassenen Aufblase-Verbote dürfte daher ein anderer
sein, nämlich der, daß es durch die fragliche
Manipulation gelingt, den Scheinwert des Fleisches zu
erhöhen. Durch das Einblasen von Luft wird das
Fleisch ansehnlicher.
--- Ob es auch appetitlicher wird, ist sehr fraglich! ---
Dieses scheint Geschmacksache zu sein. Der
angestrebte Effekt des Aufblasens bedeutet jedenfalls
in solchen Fällen einen kommerziellen Vorteil für den
Fleischer, in welchen es sich um magere, fettarme und
unreife Tiere handelt, die im nicht aufgeblasenen
Zustande einen wenig vorteilhaften Eindruck machen.

------------>>+<<------------

Cap. 29.
Erkennung.
Die Erkennung des aufgeblasenen Zustandes eines
ganzen Tieres ist nicht schwer. Schon auf den ersten
Blick markiert sich derselbe durch den eigentümlichen
Glanz. Der aufgeblasene teil sieht größer aus, fühlt sich
schwammig an und knistert beim Anfassen.

Beurteilung.
In allen denjenigen Fällen, in denen das
Aufblasen der ganzen Kälber und Schafe mit dem
Munde geschehen ist, liegt der Verdacht vor, daß
dadurch verschiedene schädliche Stoffe
(Krankheitspilze) auf das Fleisch übertragen sind.
36
---------------------
Solches Fleisch ist daher als der Gesundheit
schädlich verdächtig, vom Verkehr ganz
auszuschließen.
Mit Rücksicht auf diese Verhältnisse und auf den
Umstand, daß das Aufblasen zur Erleichterung des
Enthäutens nicht erforderlich ist, ist durch Ministerial-
Verfügung vom 13. Februar 1885 den
Regierungspräsidenten empfohlen, durch Polizei-
Verordnung das Aufblasen des Fleisches überhaupt zu
verbieten ; *) in den meisten Regierungsbezirken
(Bromberg, Posen, Königsberg u.a.) sowie in allen
öffentlichen Schlachthäusern ist auch den Fleischern
das Aufblasen des Kalbfleisches untersagt.

------------>>+<<------------

Cap. 30.
Das Schächten.
Zur zeit, wo gegen das Schächten ein erbitterter
Kampf geführt wird, finde ich es nur richtig, einem
großen Helden auch in meinem Büchlein einen freien
Platz als Verteidiger zu gewähren, damit Du, lieber
_________
*) Nach meiner Ansicht hat oben erwähnte Ministerial-
Verfügung nur Bezug auf das Aufblasen des Kalbfleisches
durch den Fleischer, aber nicht auf das rituelle Aufblasen der
Lunge.
Bei der letzten Beratung im Reichstage von 24. April 1899
war ja Abg. Dr. Kruse vollständig der Ansicht das Abg. Dr.
Lieber und sagte: Man soll keineswegs Leute zwingen zu
Dingen, die ihren Religionsgefühlen widerstreben. (Amtl.
stenographischer Bericht.)
37
---------------------
Leser, zu jeder Zeit gegen den Schächtfeind stolz
auftreten kannst.
Der durch seine in Deutschland erschienenen
Schriften rühmlichst bekannte Dr. Schmidt -
Mühlheim, S. Zt. Kreistierarzt zu Iserlohn, Verfasser
des Handbuches der Fleischkunde (eine
Beurteilungslehre des Fleisches unserer Schlachttiere
mit besonderer Rücksicht auf die Gesundheitspflege
des Menschen und der Sanitätspolizei. Für
Studierende, Tierärzte, Ärzte, Sanitätsbeamte und
Verwaltungsbehörden) schreibt in seinem Buche
wörtlich (nach Aufzählung der Schlachtmethoden
1. Masken-Bouterolle, 2. Schuß-Maske, 3. Schlacht-
Masken, 4. Genickstich, 5. Genickschlag, 6. Haken-
Bouterolle): *) "Wir müssen grade die am meisten
angefeindete Schlacht Methode, nämlich das
Schächten, für eine der besten halten. Diese rituelle
Methode der Juden und der Muhammedaner führt den
Tod durch Verblutung herbei und wird so ausgeführt,
das mittelst eines langen Messers am Halse ein Schnitt
durch äußere Haut, Luftröhre, Schlund und Gefäße
geführt wird. Der Tod erfolgt unter heftigen Krämpfen
u.s.w. Nach geschehener Durch-Schneidung der
Blutgefäße am Halse hört die Blutzirkulation im Gehirn
sofort auf; es stellt sich deshalb fast momentan
Bewußtlosigkeit ein und die Krämpfe während des
Verlusten erfolgen bei völlig aufgehobenem
Bewußtsein."
Die Krämpfe den Vorteil, daß sie zu einem

________

*) Das Französische Wort Bouterolle bedeutet Schlachtmaske


38
---------------------
Sehr vollkommenen Auspressen des Blutes aus den
Muskeln führen, ein Umstand, der einen fördernden
Einfluß auf die Haltbarkeit des Fleisches ausübt.
Vom theoretischen Standpunkte aus, können
daher kaum begründete Bedenken gegen das
Schächten vorgebracht werden.*)
(Praktische Schlachtmethode siehe im ersten Teil.)
------------>>+<<------------
Cap. 31.
Fleisch-Schau-Ordnung.
(Verordnung des Großh. Bad. Minist. b. J. vom 26 November
1878. Gef. u. Verord. Bl. 1878 Nr. 28 S. 198)
I
Nachgenante Tiere, die zum Verkauf ihres Fleisches
als Nahrungsmittel für Menschen geschlachtet werden

_______
*) Diese Schrift entscheidet die Frage unbedingt nicht durch
Jüdische Autoritäten oder gesammelte Gutachten der Fachmänner,
sondern durch die (in einem sehr verbreiteten Handbuche der
Fleischkunde für Studierende, Tierärzte, Ärzte, Sanitätsbeamte und
Verwaltungsbehörden) öffentliche Erklärung, daß das Schächten die
zweckmäßigste Tötungsmethode ist.
Dieser Herr Kreistierarzt Schmidt schreibt auch wörtlich in
seinem Lehrbuche (welches von Geheimen Ober-Regierungs-Rat Dr.
Lydtin - Karlsruhe warm empfohlen wird): Auch die Methode des
Schlachtens ist insofern von Einfluß auf die Haltbarkeit des
Fleisches, als sich dieses um so länger unzersetzt aufbewahren läßt,
je vollkommener der Inhalt der Blutfässe entleert wurde. Grade das
Blut geht sehr schnell in Fäulnis über und beeinträchtigt die
Haltbarkeit des Fleisches sehr. Aus diesem Grunde sind alle
Schlachtmethoden zu verwerfen, welche mit einer Lähmung der
Gefäßnerven verknüpft sind.
(Kreistierarzt Dr. Schmdit-Mühlheim, Verfasser des Handbuches der
Fleischkunde.)
39
---------------------

sollen, müssen sowohl vor, als nach der Schlachtung


(nach Bedikas horeoh) der Besichtigung des
Fleischbeschauers unterstellt werden.
Rindvieh, einschließlich der Kälber, Schafe, Ziegen.
Zu diesem Zwecke muß die beabsichtigte
Schlachtung einige Stunden vorher dem
Fleischbeschauer angezeigt werden.

II.
Bei krankem Schlachtvieh muß die zweite
Besichtigung durch einen Tierarzt vorgenommen
werden.

III.
Als verdorben oder der Gesundheit schädlich ist
namentlich zu behandeln:
1. Übelriechendes Fleisch.
2. Fleisch von Tieren, die an Milzbrand, Perlsucht,
Finnen gelitten haben.

IV.
Als genußuntauglich und darum für den Verkauf
unzulässig ist das Fleisch anzusehen:
1. Wenn das Fett weder weiß, noch gelblich,
sondern grünlich oder sonst mißfarbig ist.
2. Wenn das Fleisch blaß und wässerig oder
dunkel gefärbt und schmierig ist.
3. Ebenso das Fleisch von Tieren, welche an
ausgebreiteter Perlsucht gelitten haben.
------------>>+<<------------
4
40
---------------------
Cap. 32.
Reichsseuchengesetze.
Durch den §4 des Reichsgesetzes vom 7. April 1869
betr. Maßregeln gegen die Rinderpest (Bundesges. - Bl.
Seite 105) ist vorgeschrieben:
Jeder, der zuverlässige Kunde davon erlangt,
daß ein Stück Vieh an der Rinderpest krank oder
gefallen ist, oder daß auch nur der Verdacht
einer solchen Krankheit vorliegt, hat ohne Verzug
der Ortspolizeibehörde Anzeige davon zu
erstatten." (Siehe Formular im 1. Teil.)
Die Seuchen, auf welche sich die Anzeigepflicht
erstreckt, sind folgende:
1. Der Milzbrand.
2. Die Maul- und Klauenseuche des Rindviehes,
der Schafe und Ziegen. **)
(Die Kennzeichen der Maul- und Klauenseuche
werden am Schlußteile dieser Anleitung beschrieben.)

------------>>+<<------------

__________
*) Siehe Seite 2.
**) Die übrigen fehlenden Seuchen, insbesondere Lungen,
konnte ich deshalb nicht erwähnen, weil sich dieselben mit
unsern rituellen Vorschriften nicht vereinbaren.
41
---------------------
Cap. 33.
Schäden und krankhafte
zustände des Schlachttieres,
welche das Fleisch
genußuntauglich machen.
Genußuntauglich im Sinne der Gesetze ist erstens
das Fleisch, das schon im frischen Zustande durch
seine Verkunft, durch sein Aussehen, durch seinen
Geruch Ekel erregt; sodann dasjenige, das für den
Menschen schädliche Gifte oder Krankheitsstoffe
enthält.
Das Fleisch der Tiere, welche längere zeit und
schwer erkrankt waren, hat seinen Nährwert zum
größten Teil verloren. Das Fleisch hat sehr oft einen
üblen Geruch und ist deshalb genußuntauglich. Siehe
Seite 29.
------------>>+<<------------
Cap. 34.
Äußere und innere
Erkennungszeichen.
Schwer erkrankte Tiere sind traurig, hängen
den Kopf, schwanken im Gange' Legen sich
oftmals nicht mehr und halten sich bis zum
eintretenden Tode auf den Füßen.
Sie sind abgemagert oder am Bauche
aufgetrieben oder an der Brust, an den Gelenken
4*
42
---------------------
oder an den unteren Teilen der Gliedmaßen
geschwollen.
Bei der Öffnung schwerkrank gewesener Tiere
findet man:
Daß das Fleisch dunkel gefärbt und blutreich
oder
umgekehrt blaß und wässerig, in beiden Fällen
aber weich und schmierig ist, oder
daß die Zunge geschwollen und hart oder mit
einer Blatter versehen, schwarz und mürbe ist,
oder
daß die Milz geschwollen, manchmal auch
eingerissen ist, daß auf ihrer Oberfläche Blasen
bemerkbar sind und daß ihr Brei flüssig und
pechschwarz ist (Milzbrand), oder
daß gelblich, grünlich oder rötlich aussehende
Knötchen oder Knoten von verschiedener Größe
(Stecknadel-Kopf bis Walnuß) im Fleische selbst
vorkommen, oder
daß die Brusthöhle mit hellem oder trübem,
mit gelbem oder mit rötlichem Wasser angefüllt
ist, oder
43
---------------------
daß große Knoten mit rotem, grauem, gelbem,
weisem, käferartigem, sandigem, oder steinigem
Inhalt in großer Anzahl auf dem Brust- oder
Bauchfell oder auf den Eingeweiden sitzen.
Bevor der Tierarzt dieses Fleisch untersucht hat,
darf kein Stück des Schlachttieres von Schlachtorte
entfernt werden (Anleitung Dr. Lydtin).

------------>>+<<------------

Cap. 35.
Genauere Kennzeichen der Finne.
Ferner ist als genußuntauglich bezw.
gesundheitßchädlich zu Erkennen das Fleisch,
welches Finnen enthält.
Herr Dr. A. Lydtin, Großh. Geheimer Ober-
Regierungsrat in Karlsruhe (Baden), Verfasser des
Werkes "Anleitung zur Ausübung der Fleischbeschau"
beschreibt folgende Kennzeichen:

Die Finne ist eine Hirsekorn- bis erbsengroße


weißliche Blase, die sich hart anfühlt und sich aus
dem Fleische herausheben läßt. (Die harte Blase
ist ein Sack aus Bindegewebe. In diesem Sacke
befindet sich ein bohnenförmiges zartes Bläschen,
das eine klare wasserartige Flüssigkeit enthält
und an dem das mattweiße,
44
---------------------
stecknadelkopfgroße Köpfchen des Wurmes (die
eigentliche Finne) sitzt. Die Finne kann den Kopf
in die Blase einstülpen oder auch aus der Blase
herausstrecken.)
Wo die Finnen zahlreich sind, sieht das Fleisch
aus, wie wenn abgekochte gerollte Gerstenkörner
darüber hingeschüttet wären.
Wenn man eine einzelne Finne aus dem Fleisch
heraus und in die Hand nimmt, so bewegt sie sich
langsam fort.
Im roten Fleische sieht man sie am besten.
Die Finnen kommen bei jungen Rindern am
häufigsten vor. Sie sitzen gern im Fleische, an
den Backen und Herzen.
Wenn der Mensch finniges Fleisch, das roh
oder nicht gar gekocht ist, verzehrt, so bildet
sich in dem Darm des Menschen die Finne zum
Bandwurm aus.
Der Genuß finnigen Fleisches kann daher nicht
allein die Gesundheit des Menschen schädigen,
sondern auch schwere Körperverletzung und
selbst den Tod desselben zur Folge haben. (Siehe
Rinderfinne im ersten Teil.)
Auch das gesalzene und das geräucherte
finnige Fleisch ist unter Umständen noch
schädlich.

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Cap. 36.
Genauere Beschreibung des
Milzbrandes.
Eine weitere Art von genußuntauglichem
Fleisch liefern die Schlachttiere, welche mit
Milzbrand behaftet waren.
Wenn der Mensch solches Fleisch berührt,
oder mit demselben hantiert, oder dasselbe roh,
unter Umständen auch gekocht verzehrt, so kann
er in dieselbe Krankheit verfallen, an welcher die
Schlachttiere gelitten hatten.
Daher muß der Hantierende (auch der Schochet)
vorsichtig sein. Gefährlich ist die Berührung mit
verletzten Händen und die Unterlassung einer
gründlichen Reinigung aller etwa verunreinigten
Körperteile. Die Ansteckung geschieht vorzugsweise
durch die unmittelbare Berührung mit dem Blute,
Fleische und den Auswurfstoffen der erkrankten Tiere,
durch den Genuß des Fleisches, endlich durch Stiche
von Insekten, welche von kranken Tieren kommen und
hierauf gesunde verletzen. (Anleitung Dr. Lydtin.)

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Cap. 37.
Die Zeichen des Milzbrandes
unmittelbar nach dem Schächten.

I.
Milzbrand kranke Tiere verbluten nicht
vollkommen.

II.
Die Tiere sind gewöhnlich am Bauche sehr
aufgetrieben (Trommelvoll); aus dem Maul oder
aus den Nasenlöchern ist schwarzes Blut
ausgetreten. Nach einigen Stunden riecht das
Fleisch schon faul.

III.
Das Fleisch ist dunkel gefärbt und spielt ins
veilchenblaue; es läßt sich leicht mit den Fingern
zerreißen und ist sehr feucht.

IV.
Das Blut ist schwarz, dickflüssig, teerartig;
nirgends findet man dasselbe geronnen. Selbst
bei den geschächteten Tieren ist das Blut in
reichlicher Menge im Fleisch und in den
Eingeweiden vorhanden.
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V.
Auf dem Blute schwimmen Fettaugen; daß
Blut rötet sich, wenn es längere Zeit an der Luft
gestanden hat, wie daß Blut gesunder Tiere.

VI.
Längs der dicken Adern am Halse finden sich
gelbliche und rot eingesäumte Massen.

VII.
Insbesondere ist die Milz oft 3 bis 4 mal so
groß als im gewöhnlichen Zustande. Sie ist von
dunkler Farbe, häufig aufgesprungen und fühlt
sich teigig an. Ihr Inhalt ist ein schwarzer Brei,
welcher große Ähnlichkeit mit dick eingekochtem
verbrannten Apfelmus oder mit Blaubeertunke
hat und die Hände tiefrot färbt.

VIII.
Alle übrigen Eingeweide sind dunkelfarbig und
blutreich. Gewöhnlich ist die Leber vergrößert,
heller gefärbt und beim Befühlen brüchig.
(Anleitung von Dr. I. Lydtin, Großherzogl. Geheimer Ober-
Regierungsrat, Karlsruhe.)

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Cap. 38.
Die Maul- und Klauenseuche des
Rindviehs, der Schafe und Ziegen.
Die Maul- und Klauenseuche ist eine stets
eingeschleppte, sehr leicht ansteckende
Krankheit, die sich rasch verbreitet.
Die Merkmale der Seuche sind folgende:
Die Tiere sind traurig, werden unruhig,
trippeln oder heben abwechselnd die Beine in die
Höhe. Sie gehen steif oder lahm. Sie geifern und
"schmatzen". Schleim trieft fast beständig aus
dem Maule. Es zeigt sich Röte, Hitze und
Anschwellung der Schleimhaut der Maulhöhle,
am Zahnfleische und an der Zungenspitze, ebenso
an den Lippen; ferner um die Krone der Klauen
herum und in der Haut zwischen den Klauen, an
den angeschwollenen heißen geröteten Stellen
bilden sich Bläschen oder größere Blasen, welche
sich mit gelber Flüssigkeit füllen und nach 1 bis 2
Tagen platzen. Statt der Bläschen findet man
dann wunde Stellen, die jedoch rasch abheilen.
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Diese Krankheit bricht 3 oder 4 Tage nach der
Ansteckung aus und verläuft in etwa 8 bis 12 Tagen
gewöhnlich ohne übeln Ausgang zu nehmen. Hier und
da bleiben Nachkrankheiten zurück. Tiere, die noch an
der Mutter saugen, gehen häufig an der Krankheit zu
Grunde.
Die Abschlachtung eines maul- und Klauen-Seuchen
kranken Tieres ist der Orts-Polizei-Behörde anzuzeigen.
Die Verwendung des Fleisches ist nur mit
Genehmigung des angestellten Sachverständigen
gestattet.
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Cap. 39.
Genauere Kennzeichen der
Tuberkulose *) (Perlsucht).
(Wesen und vorkommen siehe im 1. Teil.)
Dem Herrn Kreistierarzt Biernacki verdanke ich
folgende Belehrung über Kennzeichen der Tuberkulose:
Die Tuberkulose des Brust- und Bauchfells,
(Perlsucht) beginnt mit der Bildung kleinster,
hellgrauer, durchscheinender Knötchen,
soggenannte Perlen. Durch Zusammenfließen
mehrerer solcher Knötchen entstehen linsen- bis
erbsengroße, schließlich Hühnerei- bis faustgroße
_______
*) Ich muß voran schicken, daß darin wissenschaftlichen
Bezeichnungen "Tuberkulose" und "Tuberkeln" durch die
heutzutage veralteten und nicht mehr empfehlenswerten
Ausdrücke "Perlsucht" bezw. "Perl-Knoten" ersetzt sind.
(Sanitätstierarzt S.)
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Knoten. Später werden sie derb und fest, und
verkäsen oder verkalken von der Mitte aus, die dann
aus einer mörtelartigen gelben Masse besteht, die beim
Durchschneiden Knirscht. Die Perl-Knoten treten zu
größeren Haufen zusammen, dann erhält man traubige,
Blumenkohl ähnliche, oft auf einem Stiel sitzende
Gebilde.

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Cap. 40.
Die Rinderpest.
Die Rinderpest ist vorzugsweise eine Krankheit der
Rinder. Schon einige Tage, in der Regel 4 bis 8 Tage nach der
Ansteckung, offenbart sich die Krankheit wie folgt:

Die Tiere werden, nachdem sie einen Tag etwas


aufgeregt und munterer als gewöhnlich waren,
traurig; sie schließen die Augen zur Hälfte,
Tränen laufen über die Mangen herab; der Blick
wird trübe, die innere Haut der Augenlider ist
hochgerötet. Die Kräfte lassen nach, die Tiere
wackeln mit dem Kopfe; hie und da schütteln sie
mit demselben, wie wenn sie Mücken verjagen
wollten.
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Wenn die beschriebenen Erscheinungen an
einem lebenden Rinde wahrgenommen werden, so
muß die Ortspolizeibehörde wie auch der beamte
Tierarzt sofort benachrichtigt werden.

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Cap. 41.
Gefahren der Tuberkulose der
Schlachttiere für den Menschen.
Wir lernten die Tuberkulose als eine von Mensch auf
Tier und von Tier auf Tier zu übertragende
Infektionskrankheit kennen, wir hörten, daß bei der
Tuberkulose des Menschen sowohl als bei der der Tiere
derselbe Tuberkelbazillus die krankmachende
Schädlichkeit bildet; die Annahme, daß die Tuberkulose
von den Schlachttieren auf den Menschen übertragen
werden kann, ist deshalb gut begründet.
Herr Kreistierarzt Dr. Schmidt schreibt wörtlich:
Was wir bei dem heutigen Standpunkte der
Wissenschaft im Interesse der öffentlichen
Gesundheitspflege zu fordern berechtigt sind, ist
kurz folgendes:
Niemals soll Fleisch tuberkulöser Tiere als gutes
Fleisch in öffentlichen Verkehr gelangen, sei es denn,
daß sich bei der Fleischbeschau nur ganz minimale und
rein örtliche tuberkulöse Veränderungen
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gezeigt haben, daß das Tier vor der Schlachtung einen
vollkommenen Gesundheitszustand befaß u.s.w.
Tuberkulöse Tiere, die unmittelbar vor dem
Schächten fieberhafte allgemeine Erscheinungen
zeigten, sind selbst dann vom Genusse
auszuschließen, wenn bei ihnen nur eng
lokalisierte Veränderungen angetroffen werden.

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Cap. 42.
Fleisch von fieberhaft erkrankt
gewesenen Tieren.
Fleisch von Tieren, die fieberhaft und
namentlich längere Zeit fieberhaft krank gewesen
waren, ist in der Regel verfärbt, es ist dunkelrot
und trübe. Auch das Fett hat seine gewöhnliche
Farbe nicht; es ist rötlich punktiert. Das Fleisch
fühlt sich weich an und erscheint welk. Beim
Einschneiden verraten die zu Tage tretenden
Flüssigkeiten (Blut und Blutwasser), daß das
Fleisch noch blutreich ist. Es steigt ein
eigentümlicher, oft verschiedenartig riechender
Duft auf, der jedoch nicht den Fäulnisgeruch
besitzt. Einige Zeit darauf verändert sich die
frische Schnittfläche des Fleisches; sie wird heller
und die Fläche bedeckt sich mit Tropfen klebriger
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gelblich aussehender Flüssigkeit. Das Bauch- und
das Brustfell, oder beide zugleich sind bleifarbig
und schmierig.
Eine Verwechselung des Fleisches fieberkrank
gewesener Tiere mit Fleisch gesund
geschlachteter Tiere wird schon vermieden, wenn
das gesunde Fleisch auf frischer Schnittfläche
betrachtet wird, wo eine Verfärbung, ein
eigentümlicher Geruch, ein Austreten von Blut
und anderen Flüssigkeiten nicht wahrnehmbar
ist.
(Anleitung Dr. Lydtin.)
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Cap. 43.
Anhang.
Verschiedene für den Schächter
wichtige Vorkommnisse.
Sanitätstierarzt Simon schreibt in seinem Leitfaden:
"Bei den Notschlachtungen *) werden von den
Besitzern bezw. Fleischern die verdächtig aussehenden
inneren Organe gern beseitigt.
Bei Milzbrand ist es mir begegnet, daß die Milz
sorgfältig in Dunghaufen verscharrt worden ist. Es
________
*) Notgeschlachtete Tiere leiden häufig an Krankheiten,
die das Fleisch zu einer gesundheitsschädlichen Eßware
stempeln. Daher muß der Schochet den Besitzer unter allen
Umständen zur Herbeirufung eines Tierarztes veranlassen.
54
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bedurfte erst meiner energischen Vorhaltungen, ehe
dieses Corpus Delicti zu Tage gefördert wurde.
Man sei daher vorsichtig und lehne die Beurteilung
der Genußtauglichkeit mit Entschiedenheit ab, wenn
nicht sämtliche Organe zur Untersuchung vorgelegt
werden können.
Entscheidend ist die Besichtigung durch einem
Tierarzt.

~~~~~~~~~~~
(Durchgesehen und für den Schächter zweckmäßig
befunden. Biernacki, Kreistierarzt.
Herr Sanitätstierarzt und Kreistierarzt Simon in
Görlitz hat das Werk durchgesehen und manche
Verbesserungen vorgenommen. Derselbe schreibt u.a.:
"Auch ich halte Ihr Werkchen für praktisch und
zweckentsprechend."
Herr Geheimer Ober-Regierungsrat Dr. Lydtin,
Referent für Veterinärwesen und Tierzucht im
Großherzogtum badischen Ministerium zu Karlsruhe
hat vor dem Druck dies Werkchen gütigst geprüft und
mit Verbesserungen versehen.
(Aus dem amtlichen stenographischen Bericht aus
dem Deutschen Reichstage vom 25. April d. Js. ist zu
ersehen, daß sich Dr. Lydtin s. Zt. sehr ausführlich zu
Gunsten des Schächtens ausgesprochen hat.)
Herr Dr. med. Ostertag, Professor an der
Tierärztlichen Hochschule zu Berlin hat das Werkchen
ebenfalls vor dem Druck durchgesehen.

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Schlußwort
_________
Bei der Verarbeitung dieses Werkes, aus welchem
der Schochet auch die modernen Prinzipien des
heutigen Standes der Wissenschaft erlernen soll, war
mein ganzes Streben dahin gerichtet, diese Prinzipien
mit der rituellen Behandlung (Bedikas horeoh) nicht zu
vereinbaren. Denn beide sind so verschiedene Dinge,
daß sie heute überhaupt nicht vereinbart werden
können.
Man wird doch nicht eine mehrere Tausende von
Jahren alte Religionsvorschrift, die heilig gehalten
wird, mit den Ergebnissen einer modernen
Wissenschaft zusammenwerfen wollen. Eins muß dabei
zu kurz kommen. Entweder würde der betreffende
Beamte seine rituellen Vorschriften verletzen, oder er
würde den Grundsätzen der Fleischbeschau
zuwiderhandeln.
Aus beregtem Grunde habe ich alle Fälle, in welchen
ein Tier nach ritueller Vorschrift Verworfen (trëfo)
wird, grundsätzlich ausgeschlossen, da das Werkchen
auch ohne dies dem Zweck vollständig entspricht.
Von den größten Autoritäten wurde mir reiches
Material zur Verfügung gestellt. Ich bin aber dem
Grund-satze gefolgt, alle überflüssigen Ausführungen
streng auszuschließen und nur das für den Schochet
durchaus Wissenswerte zu behandeln, und hoffe den
Amtsbrüdern ein Buch in die Hand zu geben, das durch
logische Behandlung und planmäßige Verteilung des
Stoffes recht willkommen sein und mit Vergnügen
benutzt werden wird.
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Das Vorhandensein eines großen Bedürfnisses beweist
die Subskribentenliste und die Tatsache, daß bei einer
Beratung des Deutsch-Israel. Gemeindebundes betreffs
Ausbildung von Kantoren und Schächtern ein
Antragsteller einem sechsmonatlichen Kursus an einer
Tierärztlichen Hochschule verlangte, damit der
Schächter auch diejenigen Krankheiten erkennen
lerne, die bei der Bedika angeblich nicht zu Tage
treten.*)
Ich schließe (mit einigen sinngemäßen
Veränderungen) mit dem Worten, welche Simon-Görlitz
am Schlusse seines erwähnten Werkes an den
Fleischbeschauer richtet:
Lieber Leser! "Der Beruf jüdischen Beamten ist
schon an sich ein verantwortungsreicher und mühe-
voller. Du kannst aber auch den Vorschriften in diesem
Werk nur dann gerecht werden, wenn Du mit voller
Unparteilichkeit Deines Amtes waltest.
Übertriebene Strenge ist hier ebenso wenig am
Platze wie charakterlose Nachsicht.
Dem Fleischer gegenüber suche Du den richtigen
Takt zu finden und sei zu jeder Auskunft und
Aufklärung bereit. Denn nichts erschwert Deinen
Beruf in so hohen Grade, als versteckte oder offene
Feindseligkeit seitens der Gewerbetreibenden. Bei
richtigem und taktvollem Verhalten wird es Dir
gelingen, diese Feindseligkeit zu entwaffnen oder doch
wenigstens derartig zu mildern, daß ein erträgliches
Verhältnis hergestellt wird.
___________
*) Nach Kreistierarzt Fischöder-Königsberg und Simon-Görlitz
erlangt man schon die Befähigung durch eine sechswöchige
Ausbildung an einem größeren und Ablegung einer hierauf folgenden
Prüfung.
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Untersuche mit Vorsicht und peinlicher Genauigkeit
und gebe Dein Urteil in kurzer und bestimmter Form
ab. Diese wird wesentlich dazu beitragen, Dir die
allgemeine Achtung zu verschaffen.
Wohl werden Zeiten kommen, wo Dein Amt Dir
Sorgen bringt und unruhevolle Stunden. Doch dann
erinnere Dich daran, daß Du nur dann Deinem Beruf
gerecht zu werden vermagst, wenn Du an der
Lebensregel:
Tue Deine Pflicht
unerschütterlich festhältst.
Dieses Bewußtsein wird dich erheben und mit
frischer Kraft erfüllen."

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Während des Druckes sind noch eine große Anzahl


Abonnements eingelaufen, die in dem
Namenverzeichnis der verehrten Subskribenten keine
Aufnahme mehr finden konnten. Ich beabsichtige
infolge der guten Aufnahme, welche dies Werk
gefunden, noch einem größeren Nachtrag zu demselben
herauszugeben, der dann allen bisherigen Abonnenten
frei nachgeliefert werden soll.

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Druck von A. Straube, Labes
Transkription zu modernen Buchstaben
Ilan Szekely, September 2008,
Jerusalem Israel
Der Uhrgroßenkel vom Verleger