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:antifaschistische Nr.

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nachrichten g 3336 18.7.2002 18. jahrg./issn 0945-3946 1,30 ¤

Rechte rüsten für Wun- „Passt bloß


siedel – Antifas rufen auf!“ Mit die-
ser eindeuti-
zum Protest auf gen Warnung
Am 17. August 2002 soll in Wunsiedel zogen am 6.
wieder der traditionelle Rudolf-Heß-Ge- Juli rund 500
denkmarsch stattfinden. Diesmal zu sei- Menschen
nem 15. Todestag. Nachdem im letzten gegen
Jahr nur wenige Antifaschist/innen wäh- eine vom
rend der Demonstration von über Tau- Neofaschisten
send Alt- und Neonazis vor Ort waren, Rouhs ange-
wird in diesem jahr schon frühzeitig Pro- meldete
test vorbereitet. „Mahnwache
Heß, der am 17. August 1987 mit 93 gegen den
Jahren im Gefängnis Berlin-Spandau Sittenverfall“
starb und im oberfränkischen Wunsiedel im Vorfeld
beerdigt wurde, war schon zu Lebzeiten der CSD-
Märtyrerfigur der Rechten. Er wird in der Parade
rechtsradikalen Szene als Held unter der durch Köln.
NS-Führungsriege verehrt. Als sog. „Bot- Rouhs sagte
schafter des Friedens“ steht er für die ab.
Konservativen gegen den Vorwurf der
kriegerischen Mentalität Deutschlands. Bild: arbeiter-
Der Heß-Aufmarsch im vergangenen fotografie
Jahr wurde in der Neonaziszene als gro-
ßer Erfolg wahrgenommen. Der Anmel- NPD-Verbotsverfahren:
der Jürgen Rieger und die Führungscli-
que der „Freien Kameradschaften“ Chris-
tian Worch, Thomas Wulff, Peter Bor-
Alle Nazi-Spitzel ans Licht!
chert und andere, standen da. Am Auf-
marsch selbst beteiligten sich Neonazis
Alle Unterlagen
aus dem gesamten Bundesgebiet. Neben
dem verurteilten Rechtsterroristen und auf den Tisch!
Ex-FAPler Friedhelm Busse waren
„Blood & Honour“-Mitglieder und mili- Jeder siebte Funktionär der auch dem konservativen Lager warnen
tante „Nationalisten“ gekommen. Die NPD auf Landes- und Bundes- die Bundesregierung. Heribert Prantl
NPD war bis auf etwas JN-„Fußvolk“ ebene ist ein Nazispitzel, zu schreibt in der „Süddeutschen Zeitung“:
kaum vertreten. Im ständigen Konflikt diesem Schluss kommt „Der Spiegel“ „Wenn Bundestag, Bundesrat und
zwischen den Kameradschaften und der (1). Eine interne Aufstellung habe er- Bundesregierung die Partei in Karlsruhe
NPD über die Führerschaft der „nationa- geben, dass 30 der insgesamt 210 verbieten lassen wollen, dann müssen
len Opposition“ konnten die „Freien“ den Mitglieder der Landes- und Bundes- sie ihre Beweise vorlegen – vollständig
Heß-Marsch in Wunsiedel für sich als Er- vorstände für den Nachrichtendienst und vollzählig. Dann müssen Geheim-
folg verbuchen. arbeiten. „Die Welt am Sonntag“ (2) haltungsinteressen zurücktreten. Dann
Die Neonazis wollen sich ab 10 Uhr spricht sogar von „eingeschleusten müssen die V-Leute benannt, dann müs-
am Festplatz am Burgermühlweiher in Spitzeln“. sen alle Karten aufgedeckt werden.“(3)
Wunsiedel sammeln. Die gesamte Veran- Rupert Scholz, ehemaliger Verfas-
staltung wurde von ihnen bis 22 Uhr an- Vermutet hat man das die ganze Zeit, sungsrichter, erklärte am vergangenen
gemeldet. trotzdem ist der Vorgang ungeheuerlich, Wochenende:
Antifa - Infotelefon: 0162/6958465 weil sich sofort die Frage anschließt: „Ein Verbotsverfahren ist eine wesent-
http://hess.leftflash.net ■ War die NPD von Spitzeln gesteuert? liche Tatsachenentscheidung des Verfas-
Und was bedeutet dies für das Verbots- sungsgerichts. Tatsachen heißt Beweis-
verfahren in Karlsruhe? würdigung. Und Beweiswürdigung
Aus dem Inhalt: Schily und Beckstein haben sich an- heißt, dass die Beweise auf den Tisch
scheinend darauf verständigt, den Ver- müssen. Deshalb darf man dem Gericht
Chaotische Aufstellung der fassungsrichtern die Namen der Nazi- keine Beweise vorenthalten. Wenn man
Landeslisten bei „Schill“ . . . . . . . 5 Spitzel zu nennen, ohne dass sie öffent- aus anderen Argumenten heraus, etwa
Bundestag will europäisches lich genannt werden. aus nachvollziehbarer Sorge, V-Leute zu
Zentrum gegen Vertreibung . . . 8 Ob sich das Gericht auf dieses Verfah- verbrennen, die Möglichkeit nicht sieht,
EU: Fluchtburg statt Festung!. . .14 ren einlässt, ist allerdings zweifelhaft. dem Bundesverfassungsgericht alle Be-
Experten sowohl aus dem kritischen als weise vorzulegen, weiter S. 3
: meldungen, aktionen
men mit und unterhielt, laut „Nation und
Europa“ (7-8/02), Kontakte „zu führen-
den Repräsentanten der damals noch na-
Sauerzapf unerwünscht schistischen „Gesellschaft für freie Pu- tional-liberalen FDP“. Neben Artikeln in
Kassel. Rolf Sauerzapf, pensionierter blizistik“ (GfP). Heute gehört der Verlag „Nation und Europa“ und den „Deut-
Kirchenrat und ehemaliger Leiter der zum Imperium des Gerd Sudholt, heute schen Monatsheften“ verfasste Hippler
evangelischen Seelsorge im Bundes- stellvertretender Vorsitzender der „GfP“. auch Leserbriefe an die „Junge Freiheit“
grenzschutz, ist als Gastredner an der Selbstverständlich wird Schreibers Buch und die „CC-Blätter“, die Zeitschrift der
Kasseler Friedenskirche künftig nicht auch im Buchangebot des VdS angeprie- Studentenverbindung „Coburger Con-
mehr erwünscht. sen. vent“ (CC), deren „Alter Herr“ Hippler
Eine Mehrheit des Kirchenvorstandes Mit Zufriedenheit stellt der VdS fest, bis zuletzt war. hma ■
hat sich im April dafür ausgesprochen, dass „der Kampf gegen die Diffamierung
Sauerzapfs „Einbindung als Gastpredi- des Soldatentums“ nun „entspannter an-
ger nicht weiter zu verlängern“. Sauer- gegangen werden“ kann. „Die Auslands-
zapf war u.a. Autor in der Zeitschrift einsätze der Bundeswehr hätten dazu
„Criticon“, gehörte dem Bundesvorstand beigetragen, im linken Lager offensicht-
des „Verein für das Deutschtum im Aus- lich mehr Akzeptanz zu sichern“, heißt
land“ (VDA) an und ist heute Vorsitzen- es dort. Die überarbeitete Ausstellung
der des „Preußeninstitut/Zollernkreis“. „Vernichtungskrieg – Verbrechen der
Vor allem die jüngere Generation in der Wehrmacht“ ernte „nur geringes Interes-
Gemeinde hatte Sauerzapfs Predigten se“. Besondere Aufmerksamkeit verdie-
„zunehmend kritisch“ betrachtet. In ei- ne nun der „Deutsche Jugendbund Steu-
nem Gespräch mit dem Kirchenvorstand ben e.V.“. „Die Jugendarbeit im Steuben-
wurde Sauerzapf u.a. vorgeworfen, „in- Bund sei die Zukunft des VdS“. Unter
tolerant“ zu sein. Kritisiert wurden auch dem Bundesvorsitzenden Karl-Heinz
Sauerzapfs Äußerungen zur Segnung ho- Gisberts plant der „Deutsche Jugend-
mosexueller Paare. Nach dem Gespräch bund Steuben e.V.“ in diesem Jahr u.a.
hatte dieser seine Tätigkeit als Prediger ein Sommerzeltlager bei Ansbach/
zur Disposition gestellt und verdeutlicht, Mittelfranken und für September die
dass er zu weiteren Gesprächen über In- nächste Bundesdelegiertenversammlung
halte seiner Predigten nicht mehr bereit „im Jugendzentrum der Mannheimer
sei. „JF“ 29/02 – hma ■ Gruppe“. Für eine enge Anbindung der
Jugendgruppe an den VdS sorgt u.a. der
VdS-Vertreterversammlung Major der Reserve Klaus Ruhmann, so-
wohl Mitglied im VdS als auch im „Steu-
Bad Godesberg. Auf seiner Vertreter- ben-Bund“. Die neueste Ausgabe der
Broschüre zum
versammlung am 27. April hat der „Ver- VdS-Verbandszeitschrift „Soldat im Verbindungs-(Un)Wesen
band Deutscher Soldaten“ (VdS) seine Volk“ wartet u.a. mit Nachdrucken aus Düsseldorf. „Verbindungs-(Un)Wesen.
seit 20 Jahren amtierende Bundesfrauen- der „Jungen Freiheit“ und der „Deut- Anachronismus an den Hochschulen?“
referentin Ursula Keßler-von Nathusius schen Militärzeitschrift“ auf. heißt eine 36seitige Broschüre, die vom
zum Ehrenmitglied ernannt. Die Pensio- „Soldat im Volk“ 5-6/02 – hma ■ AstA der Heinrich-Heine-Universität in
närin aus Marburg trat 1935 in den „Ver- Düsseldorf (Universitätsstr. 1, 40225
ein für das Deutschtum im Ausland“ „Nationalsozialist Düsseldorf) herausgegeben wurde. Die,
(VDA) ein und war jüngst Mitunter- für Einsteiger/innen in die Thematik,
zeichnerin des „Appells für die Presse- besonderer Art“ gutgemachte Broschüre berichtet über
freiheit“ der „Jungen Freiheit“. Im Jah- Berchtesgaden. Als „Nationalsozialist studentische Korporationen als „Ge-
resbericht des VdS-Bundesvorsitzenden, besonderer Art“ ehrte die neofaschisti- meinschaften mit elitärer Zielsetzung“,
Oberstleutnant Horst-Erich Hoppe, wur- sche Zeitschrift „Nation und Europa“ in die „Geschichte der Burschenschaften
de u.a. festgestellt, dass die „Zusammen- ihrem Nachruf den unlängst in Berchtes- und anderer Verbindungen“, über „die
arbeit“ mit dem Bundesministerium der gaden verstorbenen früheren NS-Reichs- neuere Entwicklung der „Deutschen
Verteidigung „wiederhergestellt“ sei, die filmintendanten Fritz Hippler (1909- Burschenschaft“ und als Beispiel vor Ort
„Irritationen“ seien „ausgeräumt“. 2002). „Nur menschlicher Abschaum über die Düsseldorfer Burschenschaft
Offensichtlich hat es beim „Bundes- konnte ein solches Teufelswerk in die Rhenania-Salingia. Eine Literaturliste
ministerium der Verteidigung“ keine „Ir- Welt setzen“, schreibt Hilmar Hoffman und ein „kleines Lexikon verbindungs-
ritationen“ hervorgerufen, das der lang- in seinem Buch „Und die Fahne führt studentischer Fachausdrücke“ runden die
jährige Bundesvorsitzende und nun Eh- uns in die Ewigkeit. Propaganda im NS- Broschüre ab. hma ■
renvorsitzende des VdS, Generalmajor Film“ (Fischer, Frankfurt 1988) über den
a.D. Jürgen Schreiber, unlängst in einem antisemitischen Propagandafilm „Der Antifa-Workcamp Buchen-
einschlägig rechten Verlag ein Buch ver- ewige Jude“, der 1940 unter der „künst-
öffentlicht hatte. Schreibers Buch mit lerischen Leitung“ des SS-Hauptsturm- wald
dem Titel „Vom Jungvolkpimpf zum führers Dr. Fritz Hippler erstellt worden Weimar. Das am 20.7. beginnende Anti-
Bundeswehrgeneral. Sieben Jahrzehnte war. Bereits 1933 war Hippler Führer der fa-Workcamp in Weimar/Buchenwald
erlebte Geschichte“ wurde vom Kurt Vo- NS-Studentenschaft in Berlin, arbeitete wird auch diesem Jahr zahlreiche antifa-
winckel-Verlag in Inning am Ammersee später in der Reichsjugendführung, in schistische Jugendliche und Erwachsene
verlegt. Verlagsgründer Vowinckel war der Reichsfilmkammer und wurde 1939 begrüßen können. Vielfältige Aktivitäten
während des Naziregimes Vorsteher des als Chef der Wochenschau-Zentrale von wie Lesungen, Vorträge, Zeitzeugenge-
Börsenvereins des deutschen Buchhan- NS-Propagandachef Goebbels zum spräche, Aktionen in der Stadt Weimar
dels und Schriftleiter der Zeitschrift Reichsfilmintendanten ernannt. Nach und praktische Arbeitsprojekte sollen re-
„Geopolitik“ und Anfang der 60er Jahre dem Krieg wirkte Hippler an der Erstel- alisiert werden.
Mitgründer und Funktionär der neofa- lung von Dokumentar- und Industriefil-

2 : antifaschistische nachrichten 15-2002


Fortsetzung von Seite 1 Dokumentiert:
muss man die Einleitung des Verfahrens
überprüfen.“ (2)
Einigen Konservativen und den Libe-
V-Leute bei der NPD – Geführte
ralen geht es jetzt darum, das Verfahren
niederzuschlagen. Sie wollen ihre Ver-
Führende oder Führende Geführte?
bindungen ins rechtsextreme Lager nicht Eine Studie von Martin Dietzsch und Alfred Schobert, Duisburger Institut für
kappen und wollen die Bundesregierung Sprach- und Sozialforschung, Juli 2002, für die AG Innen- und Rechtspolitik
vorführen. So fordert die FDP die der PDS-Bundestagsfraktion
„Rücknahme der Verbotsanträge“. (4)
Wen wundert das, bei den antisemiti- Abstract nierten NPD-Funktionäre den Typus des
schen Kräften in dieser Partei. Eine Analyse der Aktivitäten der V-Leute ,omnimodo facturus‘, d.h. um Personen,
Faktisch sind die bisherigen Bundes- Holtmann und Frenz ergibt, dass diese die man zu nichts anstiften kann, weil sie
und Landesregierungen so vorgegangen: nicht als ,agents provocateurs‘ innerhalb ohnehin zu allem bereit sind.
Seit Jahren haben sie die NPD über Spit- der NPD wirkten. Vollkommen unsinnig Ihre Aktivitäten deckten sich nahtlos
zel maßgeblich mit gesteuert. wäre es, sogar von einer Steuerung der mit dem sonstigen Kurs der Partei und
sie genossen gerade wegen ihrer antise-
mitischen und rassistischen Hetze über
Jahrzehnte das Vertrauen der Partei. Aus
diesem Grund kann die V-Mann-Affäre
nicht als Argument gegen das lange über-
fällige Verbot der NPD dienen.
Freilich wirft die Affäre ein düsteres
Licht auf die Aktivitäten der Verfas-
sungsschutzämter, insbesondere auf de-
ren V-Mann-Praxis. Diese führte letzt-
endlich dazu, die NPD. zu stärken, statt
sie zu schwächen, und sie erbrachte ge-
heimdienstliche Informationen, die zu-
vor von der NPD-Führung gefiltert wa-
ren und deren Wert auch deshalb mehr
als zweifelhaft gewesen sein dürfte.
Es stellt sich die Frage, ob es nicht an
der Zeit ist, das V-Mann-Unwesen end-
lich vollständig zu beenden.
NPD-Aufmarsch Hammelburg, 2000 Die Affäre ist ein Beleg daftir, dass
sich die Geheimdienste der Bundes-
republik Deutschland einer wirksamen
Nachdem dieses Verfahren gescheitert NPD durch Geheimdienste zu sprechen. demokratischen Kontrolle erfolgreich
war, wurden die Spitzel nicht abgezo- Vielmehr verkörperten die beiden expo- entziehen. ■
gen, sondern wirkten weiter in der NPD,
weil sie Spitzel und Nazis gleichzeitig
waren. Dies könnte den Antragstellern Rechte Gewalt unverändert ein gravierendes Problem
in Karlsruhe noch zum Verhängnis wer-
den, weil die Unterwanderung der NPD Erfurt. Die wenigsten rassistischen und rechtsextremen Angriffe in Thüringen ge-
formal nie beendet worden ist und un- langen offenbar an die Öffentlichkeit, stellte die Anlaufstelle für Betroffene von
klar bleibt, was ist nun Verfassungs- rechtsextremen und rassistischen Angriffen und Diskriminierungen (ABAD) im
schutz und was ist pure NPD. Zusammenhang mit einer Bilanzierung ihres Wirkens im ersten Halbjahr 2002 fest.
Dazu kommt, dass der Verbotsantrag Nicht anders sei zumindest zu erklären, dass trotz Verlautbarungen über sinkende
seitens des Verfassungsgerichtes als Zahlen rechtsextremer Gewalttaten durch die Landesregierung der Zulauf zu den
Mittel zum Zweck ausgelegt werden Beratungsangeboten der Anlaufstelle wachse. Im ersten Halbjahr 2002 registrierte
könnte. Eine Aufmischung der NPD ABAD mehr als 20 Angriffe mit erkennbar fremdenfeindlichem bzw. rechtsextre-
über Spitzel war nicht möglich, jetzt mem Hintergrund. Die Dunkelziffer wird von den MitarbeiterInnen als wesentlich
versucht es die Regierung mal mit ei- höher eingeschätzt.„Nicht wenige Betroffene scheuen den Weg in eine Beratungs-
nem Verbot. stelle oder zur Polizei, weil sie weitere Angriffe aus Rache befürchten oder bereits
Sollte das NPD-Verbotsverfahren schlechte Erfahrungen mit Polizei und Behörden gemacht haben,“ erklärt die 29-
scheitern, wäre dies eine große Bestäti- jährige Psychologin Rahel Krückels, Mitarbeiterin im Erfurter ABAD-Büro. Viele
gung für alle rechtsextremen Kreise. Betroffene hätten auch einfach noch nichts von den Beratungsangeboten gehört.
Deshalb sollten alle Unterlagen auf den ABAD, als Projekt des Thüringer Flüchtlingsrates seit September des vergangenen
Tisch. Spitzel muss man nicht schützen Jahres tätig, würde auch deshalb Hinweise auf zurück liegende Angriffe häufiger
und Spitzel, die eh dem rechtsextremen von Freunden oder Verwandten der Betroffenen als von den Betroffenen selbst er-
Kreis zugeordnet werden müssen, so- halten.
wieso nicht. Die Bundes- und Landes- Um in allen Regionen des Freistaates Betroffenen mit konkreter Hilfe zur Verfü-
ämter sollten froh sein, wenn sie sie los gung zu stehen, wird ABAD in Zukunft verstärkt daran arbeiten, ein Netzwerk von
werden. Jörg Detjen ■ ehrenamtlichen Beratungs- und Unterstützungsangeboten für Opfer rassistischer
und rechtsextremer Gewalt in Thüringen aufzubauen. Ungewiss indes ist die weite-
Quellenhinweis: re Förderung des Projektes aus dem CIVITAS-Programm der Bundesregierung.
1 Der Spiegel, 15. Juli „Der Aufstand der Anständigen stellt sich als verhängnisvoll kurzatmig heraus“,
2 Welt am Sonntag, 14. Juli
3 Süddeutsche Zeitung, 11. Juli kommentiert der 37-jährige Politologe Fritz Burschel, der im Geraer ABAD-Büro
4 Die Welt, 11. Juli mitarbeitet. abad-ef@gmx.de, www.abad-th.de ■

: antifaschistische nachrichten 15-2002 3


In Bezug auf die Arbeitsprojekte ha- nicht ausreichend aufgeklärt
ben sich die Organisatoren mit einem Of- worden sei.
fenen Brief an die Gedenkstättenleitung Hetze gegen die Zuwande-
Buchenwald gewandt, die ihnen seit ge- rung von „Russlandjuden“ so-
raumer Zeit die Teilnahme an prakti- wie die Äußerung: „Jeder, der
schen Arbeitsprojekten auf dem Gedenk- gezielte Rassenvermischung
stättengelände verweigert. Darin heißt betreibt, ist ein gottloser
es: „Wir fordern Sie auf, während des 14. Lump, ein Teufel“ als auch die
Antifa-Workcamps Weimar Buchenwald Bezeichnung des damaligen
ein Arbeitsprojekt auf dem Gelände des Vorsitzenden des Zentralrates
ehemaligen Konzentrationslagers zu be- der Juden, Ignatz Bubis, als
nennen. Unter ihrer fachlichen Anleitung „Großmaul“ und „Gauleiter
und mit unserer Kompetenz und Arbeits- Bubis“ wurde vom Rostocker
kraft, die wir in vergangenen Arbeitspro- Gericht als Volksverhetzung
jekten ausreichend bewiesen haben, gibt und Beleidigung verurteilt und auch vom „Sieg Heil!“ und „Deutschland den
es aus unserer Sicht keinen Grund, die- Bundesgerichtshof nicht beanstandet. Deutschen! Ausländer raus!“ Anhand
sem antifaschistischen Anliegen weiter- Die beiden Straftatbestände mussten je- von Videobändern konnten die Behörden
hin im Wege zu stehen.“ doch wegen der Aufhebung des Urteils 36 Verdächtige ausforschen und wegen
Zum Beginn und zum Abschluss des ebenfalls neu verhandelt werden. des Verdachts des Verstoßes gegen das
Camps ist jeweils ein Konzert geplant. Während Roeder eine Aussetzung des NS-Verbotsgesetz anzeigen.
Anmeldung ist nicht unbedingt erforder- Prozesses beantragte, da er sich nicht als Ende Mai bat die KSG im Forum des
lich, pro Tag und Teilnehmer/in beträgt Bürger der Bundesrepublik, sondern des neonazistischen Wikinger-Versandes
der Teilnahmebeitrag 7 Euro. Darin sind „Deutschen Reiches“ fühle und insofern (BRD) um Hilfe der Organisation der
die Kosten für das Zeltgelände, Früh- ein noch zu gründendes Reichsgericht Demonstration. Dringend bräuchten sie
stück und eine warme Mahlzeit enthal- für ihn zuständig sei, schien er das einen Bus, Bundesländerfahnen („aller
ten. In jedem Fall mitzubringen sind: bundesrepublikanische Rechtssystem österreichischen und deutschen Bundes-
Zelt, Schlafsack, Besteck, antifaschisti- doch gutzuheißen, als es um die Revision länder + Schweiz und Südtirol“), ein Me-
sches Engagement und entsprechende des Verfahrens vor dem Bundesgerichts- gafon, Ordnerdienst, Redner und „Balla-
Kreativität. hof ging. Wenig konsequent. densänger“, Transparente, Rednerpult,
Kontakt: Infoladen „Volk und Wis- Doch er machte weiter auf Neonazi, Soundanlage und einen Stromgenerator.
sen“, Phone/Fax: 0340-26 60 210/220, als er etwa an der Theorie eines Geheim- Die Reaktionen in der deutsch-österrei-
mail: workcamp@gmx.de ■ abkommens zwischen Helmut Kohl und chischen Neonaziszene schienen wohl
Heinz Galinski, dem ehemaligen Vorsit- ziemlich verhalten zu sein. So beschwert
Neonazi Manfred Roeder zendes des Zentralrates der Juden, zur sich die KSG im Forum, dass „es so vie-
„Rassenvermischung“ festhielt. Oder le Leute gibt, die nur blabla machen und
muss hinter Gitter seine Äußerungen mit seiner Rolle als nichts zu sagen haben, wenn es um was
Rostock. Vergangenen Dienstag war von einem paar Dutzend Nazis gewählter geht“. Aber nach und nach trudelten gut
Urteilsverkündung im Prozess gegen den Abgeordneter einer Nationalversamm- gemeinte Ratschläge ein, als Redner
Neonazi Manfred Roeder. Der 73-jährige lung des „Deutschen Reiches“ und somit wurden Worch und Busse vorgeschla-
wurde vom Rostocker Landgericht Interessenvertreter dessen rechtfertigte. gen. Ein „Karl der Käfer“ bietet sich
wegen Volksverhetzung und Beleidigung Das letzte Stückchen Reputation beim selbst als Redner an.
zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr Gericht dürfte er verloren haben, als er TATblatt 189, 5.7.02 ■
und neun Monaten verurteilt, wie Presse- den Richter als „Henker“ bezeichnete.
agenturen berichten; die Staatsanwalt- www.indymedia.de ■ Rechtes Feuerspringen
schaft hatte zwei Jahre und die Verteidi-
gung Freispruch gefordert. Eine Bewäh- Neonazidemo in Salzburg Österreich. Auch dieses Jahr veranstal-
rungsstrafe kam wegen des langen Vor- teten rechtsextreme Organisationen wie-
strafenregisters – nähere Infos beim Österreich. Die neonazistische Kame- der eine Reihe ihrer traditionellen Sonn-
IDGR (http://www.idgr.de/lexikon/bio/r radschaft Germania (KSG) ruft auf ihrer wendfeiern – unter anderem eine in der
/roeder-m/roeder.html) – für das Gericht Homepage für den 27. Juli zu einer De- Nähe von Wien. Dem Aufruf der Öster-
„nicht in Betracht“. monstration in Salzburg auf. Unter dem reichischen Landsmannschaft, des Ring
Es ging bei dem Prozess um eine Rede Motto „Stoppt linke Gewalt“ wollen sich Volkstreuer Verbände und der schlagen-
beim Bundesparteitag der NPD im Janu- österreichische und deutsche Neonazis den Burschenschaft Olympia folgten
ar 1998 in Stavenhagen. Dort gab Roeder um 12 Uhr am Hauptbahnhof treffen. rund 150 Personen, für die Musik sorgte
vor 170 Delegierten sowie vielen Besu- Die KSG bittet im Aufruf, dabei „auf or- ein „Spielmannszug“ des österreichi-
chern und Journalisten zum Besten, dass dentliches Auftreten zu achten“. Um be- schen Turnerbundes (ÖTB).
Deutschland einen „Umsturz“, einen fürchtete Verstöße gegen das NS-Ver- Die Besucher waren großteils Bur-
„Regierungswechsel ohne Wahlen“, nö- botsgesetz möglichst zu vermeiden, wird schenschafter, FPÖ-Mandatare wie der
tig hätte. Einen „von oben“ befohlenen darauf hingewiesen, dass „jede Fahne Wiener Stadtrat Johann Herzog und ein
Anschlag halluzinierte er im Rahmen ei- und jedes Plakat ... mit den Organisato- paar der Skinheads, die schon am 13.
ner „Mahnwache“ gegen die Ausstellung ren abzusprechen (sind)“. Auch das Ver- April bei und nach der Kundgebung ge-
über die Verbrechen der Wehrmacht her- bot von Abzeichen und Alkohol soll die gen die Wehrmachtsausstellung aufge-
bei. Demonstration nicht gleich beim ersten fallen waren (böses:oesterreich 0402).
Die Verurteilung dieser beiden Äuße- Hinsehen als Neonazi-Aufmarsch er- Die „Feuerrede“ wurde nicht wie ur-
rungen durch das Landgericht Rostock scheinen lassen. sprünglich angekündigt vom FPÖ-Par-
im Juni 2001 als Verunglimpfung des Zuletzt zogen am 13. April rund 80 teihistoriker Lothar Höbelt, sondern von
Staates wurde vom Bundesgerichtshof Skinheads im Anschluss an die von der Günther Schmidt von der Brünner Bur-
aufgehoben, da sie entweder von der KSG mitorganisierte Kundgebung gegen schenschaft Libertas zu Aachen (D), die
Meinungsfreiheit gedeckt seien oder im die „Wehrmachtsausstellung“ durch die vorzugsweise NPD-Spitzenfunktionäre
Falle des „Anschlags“ der Sachverhalt Wiener Innenstadt und skandierten dabei wie Horst Mahler und Jürgen Schwab zu
: antifaschistische nachrichten 15-2002
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Bis zum 18. Juli muss die Schill-
Partei ihre Landeslisten für die
Bundestagswahlen einreichen.
Chaotische Aufstellung
Sehr wenig Zeit, hatte sie doch erst
am 22. Juni ihre Wahlbeteiligung ge- der Landeslisten
gen den Willen ihres spiritus rector
beschlossen. bei „Schill“
Und Schwierigkeiten gab es auch beim
Parteitag am 6. Juli: die nötige Anzahl Aber auch außerhalb Hamburgs ging
von 25% der Mitglieder wurde zunächst es auf den Nominierungsversammlun-
nicht erreicht; erst nachdem telefonisch gen der Partei turbulent zu. In Meck-
nachmobilisiert worden war, konnte die Pomm konnte der Landesverband erneut
Nominierung beginnen. Auf Platz 1 nicht gegründet und die Listen für
wurde erwartungsgemäß Schill selbst Bundestags- und Landtagswahlen nicht
gewählt, Listen-Zweiter wurde der Ge- gewählt werden. Statt der nötigen 84
schäftsführer der Partei, Wolfgang waren nur 66 Mitglieder erschienen.
Barth-Völkel. Diesen Samstag will man es erneut
Damit endete eine für die Partei aufre- versuchen. Die Erschienenen vertrieben
gende Woche, in die auch die Abwahl sich die Zeit mit Streitereien: Zwei Kri-
Katrin Freunds als parlamentarischer tiker des dilettantischen Parteiaufbaus
Geschäftsführerin fiel. Vorgeworfen wurden kurzerhand aus dem Saal ver-
wurde ihr unkollegiales Verhalten und wiesen. In Umfragen steht die Partei in
„First-Lady-Gehabe“ als Schills Lebens- Meck-Pomm jetzt nur noch bei 2 Pro-
gefährtin. Nachfolger ist der Abgeordne- zent. In Schleswig-Holstein gelang die
te Stephan Müller geworden. Aus der Kandidatenkür ebenfalls nicht. Auch desliste steht, an ihrer Spitze findet sich
Fraktion hieß es zu der Ablösung, sie sei hier waren zu wenig Mitglieder gekom- der Koordinator dieses Bundeslandes,
„eine Art Erziehungsmaßnahme für Frau men. Nächster Versuch am kommenden Hartmut Hüttemann. Wo an diesem Wo-
Freund“. Die drei letzten Parteitage wei- Wochenende. chenende die Kandidaten nicht bestimmt
sen auf eine stark rückläufige Mobilisie- Eine erfolgreiche Kandidatenaufstel- wurden, soll dies am kommenden Wo-
rungsfähigkeit der Partei unter ihren lung wird dagegen aus Berlin und Bay- chenende geschehen. In den Bundeslän-
Hamburger Mitgliedern hin. Schill ern gemeldet. In München konnte man dern, in denen es der Partei bis zum 18.
selbst beklagte sich, dass nicht einmal den ersten Ortsverband Bayerns gründen Juli nicht gelingt, Landeslisten aufzu-
die Bürgerschaftsabgeordneten komplett und zugleich 11 Kandidaten für die Lan- stellen, wird sie am 22. September nicht
zum Parteitag erschienen waren. desliste aufstellen. Auch die NRW-Lan- wählbar sein – daher die Eile. F■

Vorträgen einlädt, gehalten. In der Rede da blieben. Dass vormalige NSDAP-Ka- recht der Meinungsfreiheit, das auch
wurde antisemitische Hetze gegen „Fein- der zumindest bis 1947 weitgehend von Musikfreiheit beinhalte. Die Polizei be-
de .... an der US-amerikanischen Ostküs- gesellschaftlichen Machtstellungen aus- reitet sich ungeachtet der rechtlichen
te“ betrieben und „über die ungeheure geschlossen blieben, tut ihm wohl heute Auseinandersetzung auf einen Einsatz
Kraftentfaltung, zu der unser Volk in noch Leid. Gemeinderat bleibt Blind da- vor. Laut Pressebrichten werden Polizei-
zwei Weltkriegen fähig war“ philoso- für bis auf weiteres - selbstverständlich. beamte in die Schulen gehen, um die
phiert. Auch wurde eifrig über die „Um- Quelle: http://derstandard.at Schüler über die rechte Szene, Neonazis
erziehung“ geklagt, die „diesem Volk das und das richtige Verhalten bei Demon-
geistige und seelische Rückgrat“ breche Die beiden Meldungen sind dem strationenzu informieren.
und über die „Verächtlichmachung unse- Newsletter „Böses:Österreich“ der Antifaschisten rufen zu einer Demon-
rer Toten“ durch die „zutiefst schandba- Rosa Antifa Wien, http://www.raw.at stration in Soest auf.
re“ Wehrmachtsausstellung, wo sie doch entnommen ■ Antifas aus Soest ■
nur ihre „Pflicht“ erfüllt und „das deut-
sche Vaterland“ verteidigt hätten. Noch 10 Tage... Acht Parteien direkt
Quelle: http://www.doew.at ■
Soest. Trotz einiger anderslautender Ge- zugelassen
„Wir haben gewonnen!“ rüchte hält Worch an den Plänen fest, in Berlin. Der Bundeswahlausschuss hat
Soest am 20. Juli ein Nazi-Konzert statt- acht Parteien zur Bundestagswahl am 22.
... jubelte Wiens Gemeinderat Bodo finden zu lassen. Er teilte der Kreispoli- September zugelassen und 23 Vereini-
Blind (FPÖ) vor versammeltem Plenum, zeibehörde mit, dass er gerichtliche gungen als Parteien anerkannt. Letztere
als sich Deutschlands Team bei der Fuß- Wege beschreiten werde, sollte die Poli- müssen für ihre Wahlvorschläge Unter-
ball-WM ins Finale kämpfte. In der glei- zei bei ihrer Rechtsauffassung bleiben. stützungsunterschriften sammeln. Abga-
chen Sitzung gab er auch einmal mehr Die hatte dem Hamburger am Freitag betermin ist der 18. Juli. Das trifft dies-
seine Version der jüngeren österreichi- mitgeteilt, dass seine für den 20. Juli an- mal auch die „Republikaner“, die in kei-
schen Geschichte zum Besten: In Bezug gemeldete Veranstaltung keine politische nem Landesparlament mehr vertreten
auf die burschenschaftlichen „Gedenk- Demonstration sei, die unter die vom sind. Außer den im Bundestag vertrete-
veranstaltungen“ am 8.5. (siehe Grundgesetz garantierte Meinungsfrei- nen sechs Parteien brauchen nur die
böses:österreich 0502) hält er fest, dass heit falle. Da Worch Bands auftreten las- DVU (vertreten im Landtag Branden-
selbiges Datum im Jahr 1945 kein Freu- sen wollte, handele es sich um eine Mu- burg) und die Partei rechtsstaatliche Of-
dentag für Österreich sei, weil die alliier- sikveranstaltung, die von der Stadt ge- fensive (Schill-Partei, vertreten in der
ten Militärs nach dem Sieg über die nehmigt werden müsse. Worch beruft Hamburger Bürgerschaft) keine Unter-
Nazi-Herrschaft als Besatzungsmächte sich in seiner Antwort auf das Grund- schriften zu sammeln. u.b. ■

: antifaschistische nachrichten 15-2002 5


Mit einem großen zweitägigen CSD Köln:
Straßenfest am 6. und 7. Juli
und der traditionellen CSD-Pa-
rade am 7. Juli ist der Europride, der
Kneifende Nazis,
dieses Jahr in Köln stattfand, zu Ende
gegangen. Es war ein Wochenende
geifernder Kardinal
der Superlative und der erfolgreichen
Abwehr einer geplanten Nazi-Provo-
kation gegen den CSD.
und 1,4 Millionen Feiernde
Die neofaschistische „Bürgerbewegung
pro Köln“ um Manfred Rouhs hatte für
Samstag eine „Mahnwache wider den
Werteverfall“ angemeldet, um gegen den
CSD und die „öffentliche Darstellung
homosexueller Sexualpraktiken“ zu pro-

www.arbeiterfotografie.com
testieren. Gegen diese Provokation
machte nicht nur das antifaschistische
Bündnis „Köln stellt sich quer“ mobil,
sondern es bildete sich darüber hinaus
auch ein schwullesbisches Bündnis auf

Info:
Initiative der Kölner Gruppe „queerge-
stellt“. In diesem Bündnis arbeitete ne-
ben schwullesbischen Gruppen, auch
„Köln stellt sich quer“ und die PDSqueer
mit. Damit arbeiteten erstmals Gruppen
zusammen, die bisher nichts oder nur Auftritten keine Chance! ... Wir haben Jahr mehr politische Wagen im Zug als
sehr wenig miteinander zu tun hatten. heute bewiesen: Schwule, Lesben, Trans- in den Vorjahren. Unter anderem war ein
Mit dabei waren z.B. die schwulen Sozi- gender und deren FreundInnen können „Entstoiberungsteam“ ebenso vertreten,
aldemokraten, Yachad (homosexuelle Jü- nicht nur kräftig feiern, sondern wir kön- wie die Wähler/initiative „Stoiber verhü-
dinnen und Juden), Ermis (schwule Grie- nen uns auch kräftig wehren, wenn wir ten“. Öffentliche Kritik gab es vor und
chen), GayTüek und der Kölner Lesben- angegriffen werden – und das wird auch nach dem Wochenende an dem vor sich
und Schwulentag (KLUST). der bayerische Voralpenayatollah, der hin geifernden Kardinal Meissner, der
Nach dem peinlichen Debakel von sich zum Bundeskanzler wählen lassen mit unverblümten homophoben Ausfäl-
Manfred Rouhs am 29. Juni (siehe AN möchte, noch merken!“ len nicht nur den Neofaschisten von „Pro
14-02) und angesichts der massiven Mo- An der Parade selber beteiligten sich Köln“ den Rücken stärkte. Insbesondere
bilisierung gegen die geplante „Mahnwa- etwa 70.000 Aktive, 1,4 Milllionen Men- ein Auftrittsverbot für einen Kirchenju-
che“ zog „Pro Köln““ am Tag vorher die schen sahen zu. Neben der Darstellung gendchor auf dem CSD-Straßenfest löste
Anmeldung überraschend zurück. Ob- schwullesbischer Vielfalt, waren dieses heftige Kritik aus. Gajos ■
wohl dies ab Freitag Nachmittag auf den
Bühnen in der Kölner Innenstadt den
Straßenfest-BesucherInnen mitgeteilt
wurde, nahmen am Samstag dann doch
zahlreiche Menschen an der Gegende-
Neonazis wollen in den Stadtrat
monstration – die trotz der Absage Erwartungsgemäß hat die rechtsextremistische „Bürgerbewegung pro Köln“ angekün-
durchgeführt wurde – teil. An die 700 digt, 2004 zu den Stadtratswahlen in Köln anzutreten. Hinter „pro Köln“ steht
Menschen beteiligten sich an der De- hauptsächlich Manfred Rouhs. Der gebürtige Krefelder ist Herausgeber der einschlä-
monstration, knapp 500 an der Ab- gig bekannten Zeitschrift „Signal“ und war früher Landesvorsitzender der NPD-Jugend-
schlusskundgebung auf dem Offenbach- organisation JN, Kölner Stadtrat zunächst der „Republikaner“ und dann der ebenfalls
platz. Zu den Rednern auf der Ab- neofaschistischen „Deutschen Liga“. Seit geraumer Zeit versucht „pro Köln“ mit „bür-
schlusskundgebung gehörten Vertreter gernahen Themen“ Stimmungen für sich zu erzeugen und sich als „Anwalt der Norma-
des „Zentrums schwule Geschichte“, von len“ darzustellen. So wurden in den vergangenen Monaten Kundgebungen und
„queergestellt“, Eike Stedefeld vom wis- „Mahnwachen“ gegen den Straßenstrich in Köln-Longerich, gegen den „Verfassungs-
sentschaftlich-humanitären komitee schutz“ in Köln-Chorweiler und gegen „islamischen Fundamentalismus“ durchgeführt,
(whk) und der Kölner Bundestagskandi- die freilich stets von massiven Protesten von bis zu 2.000 Gegendemonstranten beglei-
dat Jörg Fischer von der PDS-queer. tet waren. Das für den 29. Juni in der Kölner Innenstadt geplante „Pressefest“ der
Übereinstimmend betonten die Redner, Rouhs-Zeitshcrift „Signal“ konnte erfolgreich verhindert werden und die Ersatzveran-
den großen Erfolg der Protestaktionen staltung auf einem Acker am Rande von Köln wurde so massiv gestört, das sie nach
gegen die neofaschistische Provokation. nur zwei Stunden abgebrochen werden musste. Eine für den 6. Juli geplante „Mahn-
In seiner Rede führte Jörg Fischer dann wache wider den Werteverfall“ gegen den gleichzeitig stattfindenden CSD in Köln
noch u.a. aus: „Sich zu wehren ist nicht (siehe Artikel) , musste angesichts einer breiten Mobilisierung durch antifaschistische
nur wichtig, es lohnt sich auch. Die Neo- und schwullesbische Gruppen abgesagt werden. Dennoch scheint sich Rouhs Hoffnun-
nazis, die heute eine Hetzkundgebung gen zu machen, die für den Einzug notwendigen etwa 1,2 Prozent der Stimmen errei-
gegen den CSD veranstalten wollten, ha- chen zu können. Zu letzt ist dieses Konzept – als scheinbar „überparteiliche Bürgerini-
ben den Schwanz eingekniffen und ihre tiative“ auf Stimmenfang zu gehen, in Nürnberg aufgegangen. Hier zog im März der
Kundgebung abgesagt. Sie haben das bayerische NPD-Landesvorsitzende Ralf Ollert als Spitzenkandidat einer „Bürgerinitiati-
nicht getan, weil sie plötzlich nicht mehr ve Ausländerstopp“ mit einem Stimmenanteil von 2,3 Prozent in den Stadtrat ein.
rassistisch und schwulenfeindlich sind – JöFi ■
sondern weil sie genau wissen: Hier in
Köln haben sie mit ihren öffentlichen

6 : antifaschistische nachrichten 15-2002


Im Hamburger NS-Prozess ver-
hängte der Richter eine außer- Sieben Jahre Haft für
gesetzliche Strafmilderung
und verzichtete auf die Inhaftierung gemeinschaftlich verübten
des Verurteilten
Massenmord
„Tote sind keine anonymen Größen, son-
dern Menschen mit Namen und Gesich- anwalt forderte lebenslänglich, der Ver- anschließend nach Auschwitz deportiert
tern, mit Wünschen und Hoffnungen“, teidiger plädierte auf Freispruch. wurden, unter Peitschenhieben das Grab
zitierte Anwältin Olivia Bellotti einen 59 Gefangene hatte Engel im Mai ´44 für die Partisanen schaufeln müssen.
italienischen Widerstandskämpfer am als Vergeltung für einen Partisanenan- Über dieser Grube wurden diese dann ei-
Dienstag, 9.7. in dem Prozess vor dem griff auf ein Militärkino hinrichten las- ner nach dem anderen erschossen.
Landgericht in Hamburg gegen den ehe- sen. 59 Menschen mit Namen und Hoff- Für Staatsanwalt Jochen Kuhlmann
maligen SS-Sicherheitschef von Genua, nungen, für die sie sogar bereit waren zu war Engels Anordnung, „Partisanen, mo-
Friedrich Engel. Frau Bellotti forderte in sterben. Sie waren beteiligt an Partisa- dern ausgedrückt, Terroristen“ hinrichten
ihrem Plädoyer eine Verurteilung des nenaktionen gegen die faschistischen Be- zu lassen, eine im „Zweiten Weltkrieg“
Angeklagten wegen Mordes. Der Staats- satzer. Einige von ihnen wurden für den durchaus legitime „Kriegs-Repressalie“.
Dienst in der Wehrmacht zwangsrekru- Lediglich die Methode der Hinrichtung
tiert. Sie verweigerten den Wehrdienst, sei zu beanstanden. Niemand habe be-
obwohl sie wussten, dass sie damit ihr fohlen, die Exekution auf so grausame
Leben aufs Spiel setzen. Für ihre muti- Art und Weise durchzuführen. Deshalb
gen Taten wurden sie eingesperrt und ge- beantragte Kuhlmann lebenslänglich.
foltert in dem Knast in Marassi, in dem Verteidiger Udo Kneip trug erneut die
Oberleutnant Karst ein brutales Regime Version von Engel als unschuldigem Jus-
führte. Dort wählte Engel persönlich die tizopfer vor, das jetzt knapp 60 Jahre
60 Todeskandidaten aus. Zwanzig von später für eine Tat juristisch belangt wer-
ihnen waren unter zwanzig Jahre alt, den solle, die ein anderer zu verantwor-
fünf sogar unter achtzehn. Am frühen ten habe. Er beantragte deshalb Frei-
Morgen des 19. Mai ‘44 erhielten sie den spruch. Engel selbst nahm sein Recht auf
Befehl, sich für die Abreise fertig zu ma- das letzte Wort des Angeklagten wahr
chen – ohne Gepäck. Das sichere Todes- und forderte „Gerechtigkeit“ für sich.
urteil, das war ihnen allen klar, erinnerte Mehrfach war die Sichtweise von En-
sich später ein Gefangener – der 60. To- gel als unschuldigem Justizopfer in dem
deskandidat – der zwar Order für die Ab- laufenden Prozess durch Zeugenaussa-
reise bekommen hatte, den die Befehls- gen konterkariert worden. Unter ande-
habenden dann aber abzuholen „verges- rem trug der Vorsitzende Richter ein Ver-
sen haben“. Die übrigen wurden zum nehmungsprotokoll einer Befragung der
Turchino-Pass gebracht. Dort hatte eine Alliierten eines Mitarbeiters des SS-
Friedrich Engel Gruppe von jüdischen Gefangenen, die Obersturmbannführer vor, der ein nicht
eben rühmliches Bild seines ehemaligen
Vorgesetzten Friedrich Engel zeichnete.
Straßen nach Widerstandskämpfern benennen! Dieser habe seine Untergebenen „grau-
Der Landesausschuss der VVN-BdA von NRW beschloss am 6.7.02 dem Bundeskongress der vereinigten sam und bestialisch“ behandelt und „dra-
VVN-BdA folgenden Antrag vorzulegen: Wir beantragen beim Berliner Senat und Abgeordnetenhaus die konische Maßnahmen gegen Partisanen“
Benennung von Straßen in der Bundeshauptstadt nach den antifaschistischen Widerstandskämpfern Lilo angeordnet. Auf Anordnung des „Kom-
Herrmann, Helmuth Hübener, Johanna Melzer, Kaplan Dr. Joseph Rossaint und Günther Weisenborn mandanten Engel“ seien belegte Bröt-
Liselotte Herrmann (1909-1938), Studentin, Mitglied der KPD, enthüllte die Kriegsvorbereitungen der chen und dreißig Flaschen Cognac bei
Faschisten, in Stuttgart verhaftet, in Berlin verurteilt und hingerichtet. der Exekution serviert worden. Auch be-
schrieb der ehemalige Mitarbeiter den
Helmuth Hübener (1925-1942), Lehrling, mormonischer Christ, hörte Auslandssender und verbreitete
den Inhalt als Flugblätter, in Hamburg verhaftet und in Berlin als jüngster deutscher Widerstandskämpfer „Todesengel von Genua“ als überzeugten
verurteilt und hingerichtet. Nazi, der bis zur letzten Stunde vom hel-
denhaften Kampf des Deutschen Reiches
Johanna Melzer (1904-1960), Arbeiterin und Abgeordnete, Mitglied der KPD, Widerstandskämpferin
fabuliert habe.
im Ruhrgebiet, 1934 in Hagen verhaftet und 1945 von den Alliierten aus der Haft befreit, auch nach
1945 aus politischen Gründen inhaftiert; an den Folgen der Inhaftierungen verstorben. Richter Seedorf folgte der Argumenta-
tion des Staatsanwaltes und verurteilte
Dr. Joseph Rossaint, 1902-1991, Kaplan, führender katholischer Widerstandskämpfer, eingetreten für Engel zu sieben Jahren Haft wegen ge-
die Einheitsfront der Antifaschisten, 1936 verhaftet und im weltweit beachteten Katholikenprozess von
meinschaftlich verübten Mordes in 59
Berlin verurteilt, 1945 von den Alliierten befreit, nach 1945 Präsident der Vereinigung der Verfolgten des
Naziregimes. Fällen, bei dem Engel seiner Ansicht
nach zweifelsfrei die Tatherrschaft ge-
Günther Weisenborn (1902-1969). Schriftsteller, Mitglied von Widerstandsgruppen, 1943 verurteilt habt habe. Im Rahmen einer verfas-
und 1945 von den Alliierten befreit, Verfasser des Werkes „Der lautlose Aufstand“ über den deutschen
sungskonformen außergesetzlichen
Widerstand.
Strafrahmenmilderung würde jedoch
Diese Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer stehen stellvertretend für Tausende Antifa- trotz der Schwere der Tat und ihrer Un-
schisten, deren Vergessen droht. Die Vereinigte VVN-BdA nimmt ihren Bundeskongress in Berlin zum An- verjährbarkeit auf die Inhaftierung des
lass, für diese fünf Antifaschisten die Benennung von Straßen in der Bundeshauptstadt zu beantragen. Be-
Verurteilten verzichtet. Friedrich Engel
rücksichtigt wird dabei auch der offenkundige Notstand, in Berlin geeignete Namenspatrone zu finden,
wie er erst kürzlich in einer Persönlichkeiten-Erklärung zum Ausdruck kam. hat jetzt eine Woche Zeit, Revision ein-
zulegen. Tut er das nicht, wird das Urteil
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, Landesver- rechtsgültig und damit wäre es statthaft,
einigung Nordrhein-Westfalen, Gathe 55, 42107 Wuppertal, Tel. u. Fax 0202-45 06 29 ■ Friedrich Engel öffentlich als Massen-
mörder zu bezeichnen. Birgit Gärtner ■

: antifaschistische nachrichten 15-2002 7


Seit dem 4. Juli ist es amtlich:
Deutschland will ein europäi-
sches „Zentrum gegen Vertrei-
Bundestag will
bungen“. Am späten Abend des vor-
letzten Sitzungstages vor der Som-
europäisches Zentrum
merpause beschloss der Deutsche
Bundestag, es solle „ein europäischer
gegen Vertreibungen
Dialog über die Errichtung eines euro- chenden Bevölkerung durch Deutsche aus 13/2002). Auf eine Bedingung hat der
päischen Zentrums gegen Vertreibun- den von Nazideutschland annektierten ehemalige polnische Außenminister Bro-
gen (...) beginnen“. Am Ende des „Di- Gebieten Polens. nislaw Geremek am 6. Juli in der „Welt“
alogs“, den Deutschland von Europa Das „Zentrum gegen Vertreibungen“ hingewiesen. „Die Anerkennung einer
fordert, wird – so wünscht es das dient aber keineswegs nur dazu,
deutsche Parlament – die Verwirkli- die „Normalisierung“ der deut-
chung eines „Dokumentations- und schen Geschichte zu fördern; es
Begegnungszentrums mit Forschungs- verfolgt auch einen strategisch H INTERGRUNDWISSEN ZUR
stätte“ stehen, das „die Vertreibun- weiter reichenden Zweck: Die
AKTUELLEN VERTRIEBENENDEBATTE
gen im Europa des 20. Jahrhunderts Etablierung des „Rechts auf
(...), darunter die Vertreibung der Heimat“ im Internationalen
Deutschen, dokumentieren“ soll. Staatsrecht. Das „Recht auf Hei-
„Es gibt kaum eine Äußerung von
mat“ würde den umgesiedelten Sprechern der Landsmannschaften und
Einen Standort für das Zentrum hat der Deutschen Ansprüche in ihren den jeweiligen Präsidenten des Bundes
Bundestag nicht festgelegt. Das wäre Herkunftsgebieten in Osteuropa der Vertriebenen, die nicht kritisch
auch etwas unangemessen gewesen. verschaffen und weit gehende zerfetzt wird, um den Nachweis für die
Denn bekanntlich favorisiert die rot-grü- Sonderrechte („Volksgruppen- aufziehende Bedrohung des Status quo
ne Koalition Wroclaw, und über die Er- rechte“) für die im Osten ver- zu erbringen.“
richtung eines Dokumentationszentrums bliebenen deutsch sprechenden Frankfurter Allgemeine Zeitung
auf polnischem Hoheitsgebiet entschei- Minderheiten zur Geltung brin-
det immer noch der Sejm. Daher soll sich gen. Hans Joachim Otto (FDP) Samuel Salzborn
nach den Bundestagswahlen - dies geht hat am 4. Juli – in seiner eben- Heimatrecht und Volkstumskampf. Außenpolitische Kon-
aus der zu Protokoll gegebenen Rede des falls zu Protokoll gegebenen zepte der Vertriebenenverbände und ihre praktische Umset-
SPD-Abgeordneten Markus Meckel her- Rede – klar gestellt, dass mit zung, Offizin Verlag, 304 S., ISBN 3-930345-28-5, 22 Euro
vor - „eine Kommission mit Vertretern dem „Recht auf Heimat“ außer-
aus verschiedenen Ländern, die von Ver- dem das Potsdamer Abkommen ausgehe- moralischen Verantwortung“, erklärte er,
treibungen betroffen waren oder sind, belt werden soll. „Selbst im Falle von „kann nicht Ergebnis von Forderungen
bilden“. Ihre Aufgabe wird es sein, „ein verbrecherischen Regimen darf das sein oder von Druck von außen – sie
gemeinsames Konzept und Vorschläge Grundrecht auf Heimat nicht gestrichen muss eine eigene Entscheidung und Er-
für den Ort“ zu erarbeiten. Sollte gegen werden“, heißt es dort. Würde sich eine gebnis eigener Arbeit am kollektiven Ge-
Ende des Jahres die gewünschte Kom- solche Rechtsauffassung durchsetzen, dächtnis sein.“
mission tatsächlich zusammenkommen, dann wäre das Potsdamer Abkommen Geremek bestätigte damit eine Metho-
dann könnten Sozialdemokratie und Grü- Unrecht. Otto konkretisiert dies exempla- de deutscher Polenpolitik, die in Deutsch-
ne einen echten Erfolg feiern: Es wäre risch: „Genauso wenig darf auch das Hei- land bisher kaum Aufmerksamkeit gefun-
ihnen gelungen, Europa zur Mitarbeit an matrecht beispielsweise von Sudetendeut- den hat. Seit Mitte der 1990er Jahre
der Durchsetzung deutscher Revisionsbe- schen beschnitten werden – unter Beru- unterstützen deutsche Organisationen in
strebungen zu bewegen. Übrigens mit fung auf Hitlers Annexionspolitik.“ Polen die Entstehung und Weiterentwick-
Tolerierung durch die Mehrheit der PDS- Aufgabe und Ziel des „Zentrums gegen lung einer Debatte über die Umsiedlung.
Bundestagsfraktion, die sich in der ent- Vertreibungen“ stehen somit fest, und Von deutschen Stiftungen wurde bzw.
scheidenden Abstimmung der Stimme Deutschland hat seinen Willen zur Errich- wird etwa die polnische Robert-Schu-
enthielt; nur eine Minderheit von acht tung des Zentrums dokumentiert. „In na- man-Stiftung mitfinanziert, die Mitte der
PDS-Abgeordneten lehnte den Regie- her Zukunft wird es also entscheidend 1990er Jahre die Debatte mit einer spek-
rungsantrag zur Errichtung des „Zen- darauf ankommen“, so Markus Meckel in takulären Tagung anstieß. Grundlage der
trums gegen Vertreibungen“ ab. seiner Rede vom 4. Juli, „wie unsere eu- Tagung war die Studie „Der Komplex der
Die mit dem Zentrum verbundenen ropäischen Partner reagieren. Der Vertreibung“, deren Koautor Wlodzi-
Revisionsbestrebungen sind offensicht- Bundestag lädt sie zur Mitwirkung ein. Es mierz Borodziej vor wenigen Wochen das
lich. Schon die Einordnung der Umsied- bleibt ihnen überlassen, diese Einladung Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstor-
lung der Deutschen in die „Vertreibungen anzunehmen und damit Einfluss auf die dens der BRD erhielt. Auch das „Zentrum
im Europa des 20. Jahrhunderts“ ver- Gestaltung des Zentrums zu nehmen.“ für Internationale Studien“ in Warszawa,
fälscht die Geschichte. Bekanntlich war Zumindest in Polen ist die Einladung das die Klassifizierung der Umsiedlung
die Umsiedlung der Deutschen eine Re- schon angenommen worden. Seit Wochen als „Unrecht“ mitbetreibt, ist finanziell
aktion auf ihre historisch einzigartige bekundet der Herausgeber der auflagen- von deutschen Stiftungen abhängig und
Vernichtungspolitik in Osteuropa, und stärksten polnischen Tageszeitung Gazeta arbeitet eng mit der Deutschen Gesell-
bekanntlich wurde sie – insbesondere Wyborcza, Adam Michnik, öffentlich schaft für Auswärtige Politik zusammen.
aufgrund der Erfahrungen mit deutscher Sympathie für ein „Zentrum gegen Ver- Jüngster Coup der deutschen Debatten-
„Volkstumspolitik“ – im Potsdamer Ab- treibungen“ in Wroclaw; zahlreiche pol- förderung ist das Werk „Microcosm“ der
kommen international verbindlich gere- nische PolitikerInnen haben sich ihm an- britischen Historiker Norman Davies und
gelt. Der legale, legitime und politisch geschlossen. Ihre Motive dürften vielfäl- Roger Moorhouse, das mit finanzieller
notwendige Versuch, dem völkisch-deut- tig sein – von der Hoffnung, mäßigend Unterstützung der Robert-Bosch-Stiftung
schen Drang nach Osten ein für allemal auf Deutschland einwirken zu können, bis und der Alfried-Krupp-von-Bohlen-und-
einen Riegel vorzuschieben, ist in keiner zur Reflexion über Ansprüche auf ehe- Halbach-Stiftung geschrieben wurde. Das
Weise vergleichbar etwa mit der verbre- mals polnische Gebiete in der Ukraine in Deutschland unter dem Titel „Die Blu-
cherischen Vertreibung der polnisch spre- (vgl. Antifaschistische Nachrichten me Europas“ bei Droemer erschienene

8 : antifaschistische nachrichten 15-2002


Bei der Abstimmung im Bundes- „Zentrum gegen Vertreibung“:
tag über den Bau eines „Zen-
trums gegen Vertreibung“ am
4.7. haben acht Abgeordnete der PDS-
Ursachen und Folgen
Fraktion, Eva Bulling-Schröter, Uwe
Hiksch, Ulla Jelpke, Sabine Jünger, nicht verwischen!
Heidi Lippmann, Christina Schenk, schichte er damit betreiben will, hat BdV- lichkeiten aus Nachbarstaaten in die Dis-
Winfried Wolf und Ulla Lötzer, folgen- Präsidentin Frau Steinbach deutlich ge- kussion um ein solches Zentrum einbe-
de „Erklärung zur Abstimmung“ abge- macht, als sie die Vernichtungslager von ziehen und das Zentrum in einer anderen
geben: Auschwitz, Treblinka, Sobibor und Maj- Stadt errichten zu wollen, ist nur eine
danek auf eine Stufe mit der Umsiedlung vordergründige Differenz zum Vorhaben
„Jede Debatte über Flucht und Vertrei- von Deutschen nach 1945 stellte und er- des BdV. Der BdV hat deshalb selbst öf-
bung in Europa muss für uns ausgehen klärte: „Im Grunde genommen ergänzen fentlich erklärt, im Grunde stimmten alle
von der Vertreibung (und anschließenden sich die Themen Juden und Vertriebene Fraktionen mit seinem Vorhaben überein.
Vernichtung) von Juden und Sinti und ... Dieser entmenschte Rassenwahn hier Noch unverhüllter ist die Zustimmung
Roma aus dem Deutschen Reich. Sie wie dort, der soll auch Thema in unserem zum Vorhaben des BdV bei der
muss weitergehen mit der Aufarbeitung Zentrum sein.“ (zit. nach „Blätter für CDU/CSU. Der Deutsche Bundestag soll
des von Anfang an völkerrechtswidrigen deutsche und internationale Politik“, „die überparteiliche Initiative der ge-
und ungültigen Münchner Abkommens, 7/2002, S. 793) meinnützigen Stiftung „Zentrum gegen
dem deutschen Überfall auf die Tsche- Ursachen und Folgen, die Verbrechen Vertreibungen’“ unterstützen, heißt es.
choslowakei und Polen, der Zwangsger- der Nazi-Zeit, Holocaust, Entfesselung Diese Initiative war und ist Produkt des
manisierung und der aktiven Mitwirkung des zweiten Weltkriegs und gewaltsame BdV und steht vollständig unter seiner
zahlreicher Deutscher bei dieser verbre- Germanisierungs- und Vernichtungspoli- Kontrolle. Auch die FDP fordert keine
cherischen Politik. tik auf der einen Seite, Potsdamer Ab- behutsame Diskussion dieses sensiblen
Nur in diesem Kontext ist eine Diskus- kommen und Umsiedlung von Deutschen Themas. Sie fordert in ihrem Antrag, die
sion über Vertreibung und Zwangsum- infolge dieses Abkommens auf der ande- „in Deutschland vorhandene kollektive
siedlung, über das Potsdamer Abkommen, ren Seite sollen so verwischt, Täter und Erfahrung der Vertreibung“ zum „Aus-
die dadurch veranlasste Umsiedlung von Opfer auf eine Stufe gestellt werden. In gangspunkt“ eines solchen Zentrums zu
Deutschen und das damit verbundene seiner finanziellen Dimension soll das machen. Die leidvollen Erfahrungen von
Leid angemessen und akzeptabel. Jede angestrebte Mahnmal sogar das Holo- Juden, Roma und Sinti, Polen, Tschechen
Diskussion über dieses sensible Thema caust-Mahnmal übertreffen. Während das und anderen Opfern der NS-Politik wür-
muss deshalb von Anfang an gemeinsam Holocaust-Mahnmal etwa 25 Millionen den so erneut missachtet.
mit VertreterInnen von Juden, Roma und Euro kosten soll, veranschlagt der BdV Wir erklären klar und deutlich: Der
Sinti, mit tschechischen und polnischen für sein Mahnmal 80 Millionen Euro, BdV kommt für uns weder als Träger
VertreterInnen geführt werden. Sonst mehr als das Dreifache. noch als Mitträger eines solchen Zen-
schürt sie nur neue Spannungen und Im Antrag von SPD und Grünen findet trums in Betracht. Das völlig einseitige,
weckt Unruhe bei europäischen Nach- sich zu diesen Plänen des BdV und dem die deutschen Verbrechen der NS-Zeit
barn, die zu Recht deutschen Geschichts- damit verbundenen Versuch zur Uminter- bagatellisierende Weltbild dieser Verbän-
revisionismus und Revanchismus fürch- pretation der Geschichte kein Wort der de und ihre bis heute fehlende Abgren-
ten. Kritik und keinerlei Distanzierung. Im zung zu Antisemiten und Rechtsextremis-
Eine solche gemeinsame Diskussion Gegenteil nutzen Vertreter der von SPD ten disqualifizieren den BdV für eine sol-
hat bis heute nicht stattgefunden. Schon und Grünen gestellten Regierung seit lan- che Trägerschaft. Nur eine sensible Dis-
aus diesem Grund verbietet sich jede Vor- gem jede Gelegenheit, um sich den Ver- kussion dieses schwierigen Themas, ge-
wegnahme dieser Diskussion durch einen bänden des BdV anzubiedern und den meinsam mit VertreterInnen von Juden,
Beschluss des Deutschen Bundestags. Funktionären des BdV nach dem Mund Roma und Sinti, mit tschechischen, pol-
Alle vorliegenden Anträge wollen aber zu reden. Kritik an Forderungen wie dem nischen und anderen VertreterInnen ist
schon jetzt Fakten schaffen. Schon aus „Recht auf Heimat“ oder nach Rückgabe geeignet, einen Ausgangspunkt und Rah-
diesem Grund lehnen wir die vorliegen- deutschen Eigentums bekommt der BdV men für eine gemeinsame Aufarbeitung
den Anträge ab. dabei nicht zu hören. Auch die im Antrag dieser Geschichte zu schaffen. Nur im
Betreiber eines solchen „Zentrums ge- von SPD und Grünen formulierte Aussa- Ergebnis eines solchen gleichberechtig-
gen Vertreibung“ ist seit langem der ge, das Thema Vertreibung und die Um- ten Diskussionsprozesses sollte auch der
„Bundesverband der Vertriebenen“ siedlung von Deutschen in einen europäi- Bundestag über dieses Thema seine Be-
(BdV). Welche Uminterpretation der Ge- schen Kontext stellen zu wollen, Persön- schlüsse fassen.“ ■

Buch erzählt die Geschichte der Stadt nachzulesen. „Wir können auch auf ganz kratie benötigt starke Hilfstruppen für die
Wroclaw. Die Autoren – wüste Antikom- anderen Ebenen unsere Aktivitäten ver- Umsetzung ihrer ganz neuen Ostpolitik,
munisten – beschreiben besonders aus- stärken“, fügt er drohend hinzu und die sich am Thema „Vertreibung“ orien-
führlich die deutsche Vergangenheit der schlägt vor, einen alten sozialdemokrati- tiert und eigentlich ziemlich alt ist. Daher
Stadt und die Umsiedlung der Deutschen. schen Plan wieder aufzugreifen. die seit einigen Jahren zu beobachtende
Der in Wroclaw lebhaft diskutierte Wäl- „Schon 1992, angesichts der Kriege Annäherung der SPD an die „Vertriebe-
zer leistet eine nicht zu verachtende Vor- im ehemaligen Jugoslawien, hat die nen“-Verbände. Schily-Reden auf deren
arbeit für die Errichtung des „Zentrums SPD-Bundestagsfraktion (...) angeregt, in Veranstaltungen sind ebensowenig Wahl-
gegen Vertreibungen“ in Wroclaw. internationalen Gremien auf eine ,Inter- kampf wie die finanzielle Unterstützung
Deutschland wird sich auch weiterhin nationale Konvention gegen Vertreibun- Niedersachsens für das nächste Schle-
nicht nur auf dieses einzelne Projekt ver- gen’ hinzuwirken. Diese Konvention sier-Treffen, sondern die Anbahnung ei-
lassen. „Ein solches Zentrum gegen Ver- sollte Vertreibungen von Minderheiten nes strategischen Bündnisses. Nicht um-
treibungen kann natürlich nur ein Bau- oder Bevölkerungsgruppen verurteilen sonst ist seit Ende Juni mit Albrecht
stein in unserem Bemühen sein, deutlich und sowohl die völkerrechtliche wie Schläger wieder ein Sozialdemokrat im
zu machen, dass wir Vertreibungen ab- strafrechtliche Ahndung möglich ma- BdV-Vorstand vertreten – zum ersten
lehnen“, ist in Meckels Rede vom 4. Juli chen.“ Last not least: Die Sozialdemo- Mal seit 30 Jahren. Jörg Kronauer ■

: antifaschistische nachrichten 15-2002 9


Im April vorigen Jahres sollte Neofaschismus, auch zu regionalen rech- Rand – geht über die letzte Phase des
die Ausstellung „Neofaschismus ten, militaristischen Tendenzen. Eine Ta- Aufstandes „der Anständigen“ weit hin-
in der Bundesrepublik Deutsch- fel der zentralen, bundesweiten Ausstel- aus, der heute offiziell beendet erscheint.
land“ auch in Eschweiler, im Dreilän- lung ist der Grauzone, dem Scharnier Unser Aufstand geht weiter, denn Neona-
dereck bei Aachen, gezeigt werden. zwischen Mitte und Rechtsaußen gewid- zismus ist kein vorübergehendes Problem
Ein anonymer Anruf im Rathaus, mit met. Ich möchte über diesen Aspekt un- und Phänomen.
dem die VVN-BdA als Ausstellungsma- serer Ausstellung etwas mehr sagen als Wir müssen weiter Mut machen. Wir
cher und -träger denunziert wurde, un- über die anderen, denn wir erleben sehr müssen leider weiter wachsam bleiben.
ter Beobachtung des Verfassungsschut- bedenkliche Entwicklungen auf diesem
zes zu stehen, verunsicherte den Bür- Gebiet.
germeister der Gemeinde so sehr, dass Waren bisher schon häufig rechte Lo-
er die Ausstellung zunächst absagte. sungen bis in die Mitte vorgedrungen:
Nun wurde die Eröffnung im Juli nach- Ich nenne die Gestaltung des Asylrechtes Bestellungen über VVN-BdA, Rolandstr. 16,
nach den Formulierungsmustern der 30 161 Hannover, Tel. 0511-33 11 36
geholt. Wir dokumentieren die Rede,
Leihgebühr: 100 Euro
die Bundessprecher Ulrich Sander na- Reps, die Übernahme der T-Shirt-Losung
mens der VVN-BdA bei der Eröffnung der Neonazis „Ich bin stolz ein Deutscher
hielt. zu sein“ durch FDP- und CDU-Politiker,
und dann die durchrasste und durch-
Die Grauzone mischte Gesellschaft, die zeitweilig die
Wortwahl eines heutigen Kanzlerkandi-
wird immer daten prägte, so haben wir es heute mit
der Enttabuierung des ultrarechten Ge-
dankengutes aus der Mitte heraus zu tun,
breiter die quasi die Führung der Entwicklung
nach rechts übernimmt:
Rechte aus der Da ist Möllemanns Instrumentalisie-
rung des Antisemitismus für den Wahl-
Mitte geben kampf, aber auch die Art der Distanzie-
rung der FDP von Möllemann, die ver-
dächtig spät kam und dann mit den Wor-
den Ton an ten, man müsse doch auch die rechten
Extremisten integrieren, ein Rezept lie- Und wir müssen solchen Zuständen weh-
Unsere Ausstellung „Neofaschismus in ferte, das auf die Übernahme der rechten ren, wie wir sie erschüttert vorige Woche
der Bundesrepublik Deutschland“ gibt ein Konzepte, nicht auf den Kampf gegen aus TV-Monitor erfuhren: Da schreibt ein
erschreckendes Bild der Gefahr, mit der sie, hinausläuft. Mädchen aus Dortmund, das im Oktober
wir es zu tun haben, aber auch einen star- Da ist ferner Walsers Wiederbelebung 2000 erstmals im Leben an einer Demon-
ken Eindruck von den Möglichkeiten, un- des Bildes vom perfiden bösen Juden und stration gegen die Neonazis teilnahm und
sere Demokratie zu verteidigen. Von die- seine Forderung nach Beendigung der sogleich von Polizisten des Rechtsstaates
sen Möglichkeiten machen Sie hier Ge- Geschichtsdiskussion durch Abschaffung verprügelt wurde, an den Ministerpräsi-
brauch. Es zeigt sich dabei nicht zum er- der „Auschwitzkeule“, die angeblich die denten Wolfgang Clemens, um sich ver-
sten Mal: Eschweiler wehrt sich gegen freie Diskussion behindere. trauensvoll bei ihm über die „schlagen-
rechts. Und da sind die nie ganz aufgearbeite- den Argumente“ der Polizei zu beklagen.
Gestatten Sie mir, einige Bemerkungen ten Vorfälle des Rechtsextremismus in Und was tat der Ministerpräsident? Trös-
zu den Trägern der Ausstellung zu sagen. der Bundeswehr, die übrigens hier in der tete er das Mädchen, entschuldigte er sich
Denn die waren ja vor einem Jahr hier Ausstellung in diesem Rathaus mit regio- für seine Polizei? Nein, er übergab den
mächtig im Gespräch. Über die IG Metall nalen Belegen und Beispielen überzeu- Brief an die Staatsanwaltschaft. Und nun
muss ich nichts sagen, über die Zeitschrift gend angeprangert werden, während ja ermittelt diese – nicht gegen die Polizei,
„Der rechte Rand“ nur, dass sie sehr ver- ansonsten die Erörterung dieses Problems sondern gegen die Schülerin.
dienstvoll und inhaltsreich zu dem Thema, mit der letzten Bundestagswahl plötzlich Wir sind tief beunruhigt über dieses
das uns hier beschäftigt, arbeitet. Die abbrach. Die Bundeswehr wurde ja für Verhalten von Politikern, von Polizei und
VVN-BdA, die ich hier als Bundesspre- den Krieg gebraucht, da durfte sie nicht Justiz. Sie tun nicht genug gegen die
cher vertrete, wird zumeist aus einer Posi- länger kritisch betrachtet werden. Und Rechten. Das ist noch vorsichtig ausge-
tion der Informationshoheit seitens des dann fanden wir kurz nach dem Krieg ge- drückt. Oder was soll man dazu sagen,
Bundesinnenministers, sprich Verfas- gen Jugoslawien in der „Information für dass all die schlimmen rechten Aussagen,
sungsschutz, geschildert. Dabei kommt sie die Truppe“ in einem grundsätzlichen die wir hier auf 27 Tafeln lesen können,
nicht gut weg, mit den bekannten Folgen. Aufsatz zur Geschichte der Wehrmacht, vom Bundesverfassungsgericht in Karls-
Danach ist die VVN eine Organisation mit die These: Vor 1941 hätte die Truppe ruhe nur als „missliebige Meinungen“
kommunistischer Dominanz. Man ver- doch nur „Versailles“ und die Ausein- angesehen werden, die zu dulden seien,
langt, dass wir uns von den Kommunisten andersetzung mit dem Täter Stalin ge- wenn Worch und seine Neonazi-Banditen
distanzieren. Sich von ihnen zu distanzie- kannt, erst danach habe es Auschwitz ge- durch unsere Städte ziehen? Am 20. Juli
ren, bedeutet aber, sich vom deutschen geben, davon habe man doch nichts wis- wollen Worch und Co. erneut in Soest
Widerstand zu distanzieren. In ihm spiel- sen können – als wären der Faschismus aufmarschieren. Treten wir ihnen entge-
ten die Arbeiterparteien eine große Rolle, von 1933 bis 1941 irgendwie entschuld- gen.
darunter die Kommunisten. Ihre Verdien- bar und die Kriegsvorbereitung und dann Wir meinen, der Faschismus ist keine
ste zu schmälern, ist eine empörende Zu- Kriegsführung Hitlers zudem eine Art ge- nur missliebige Meinung. Er ist über-
mutung. rechter Verteidigungskrieges gegen den haupt keine Meinung. Er ist ein Verbre-
Unsere Ausstellung zeigt fast alle Fas- Kommunismus – gegen den ja alles er- chen. Es muss bekämpft werden. Dem –
setten des Neonazismus. Glücklicher- laubt sei – gewesen. und der Wachsamkeit gegenüber den
weise enthält diese Ausgabe der Ausstel- Unsere Ausstellung – gestaltet von Rechtsaußensignalen aus der Mitte - soll
lung auch Informationen zum regionalen VVN-BdA, IG Metall und Rechtem unsere Ausstellung dienen. ■

10 : antifaschistische nachrichten 15-2002


: ausländer- und asylpolitik
D
er Hamburger Senat will die ge-
schlossene Unterbringung für straf-
fällige Kinder und Jugendliche wie-
P l ä n e d e s H a m b u rg e r S e n a t s z u r „ g e s c h l o s s e n e n der einführen. Zunächst sollen ca. 90 ge-
schlossene Plätze in Einrichtungen der Ju-
Un terbri ngung“ gendhilfe geschaffen werden. Welches
Konzept damit verbunden ist, wird aus der
Erste Kinder- Abschiebungs- Tatsache deutlich, dass es den Angaben
des Diakonischen Werkes zufolge im gan-

h a f t a n st a l t ? zen Bundesgebiet bisher 130 Plätze gibt,


ver.di nennt die Zahl 140. Dazu der Fach-
bereichsleiter Jugendhilfe der Diakonie,

Inhaftierung schon ab 12?


Martin Apitzsch: „Werden Straftaten jun-
ger Menschen verfolgt, ist die Justiz aufge-
fordert, geltendes Recht anzuwenden und
geeignete Maßnahmen einzuleiten. Ge-
schlossene Unterbringung in der Jugendhil-
fe kann aber nicht aufgrund von Straftaten
oder zum Schutz der Bevölkerung ange-
ordnet werden. Hier muss der Richter aus-
schließlich prüfen, ob das Wohl des Min-
derjährigen gefährdet ist. Für eine kurze
Zeit ist gesicherte Unterbringung rechtlich
nur dann zulässig, wenn andere Hilfen ge-
Scharfer Protest von PRO ASYL, fürchten. Die Einrichtung einer Abschie- scheitert sind. Im Ergebnis wird es nur sel-
Hamburger Flüchtlingsrat und behaftanstalt für ausländische Kinder ist ten zu richterlichen Verfügungen zur ge-
Bundesfachverband: „Rückfall in ein „eklatanter Verstoß gegen die UN- schlossenen Unterbringung kommen, so
autoritäre Erziehungsvorstellungen“. Kinderrechtskonvention“, so PRO dass die Anzahl von 90 Plätzen völlig
ASYL-Vorstandsmitglied Heiko Kauff- überdimensioniert ist.“
Die Erfahrungen der gigantischen Ge-
Mit scharfer Kritik reagieren PRO mann. „Nach Artikel 3 der Konvention
fängnisbauprogramme in den USA (oder
ASYL, der Hamburger Flüchtlingsrat ist bei allen Maßnahmen das Wohl des auch hierzulanden) lehren, dass Gefäng-
und der ‚Bundesfachverband Unbeglei- Kindes vorrangig zu berücksichtigen nisplätze, sind sie erst einmal geschaffen,
tete Minderjährige Flüchtlinge‘ auf die und nach Artikel 37 sollten Kinder auch belegt werden. Gesetze werden ver-
Pläne des Hamburger Senats zur „ge- grundsätzlich nicht in Haft genommen schärft, Gefängnisstrafen häufiger ver-
schlossenen Unterbringung“ von auslän- werden.“ Das gelte für unbegleitete hängt, verhängte Strafen härter ... Intention
dischen Minderjährigen. Bei der Präsen- Flüchtlingskinder in besonderer Weise. der Einrichtung der zunächst 90 Plätze in
tation des Konzepts zur geschlossenen Nicht der Gedanke der Betreuung und geschlossenen Einrichtungen dürfte es ge-
Unterbringung für straffällige Kinder beschützenden Inobhutnahme kenn- rade sein, den Druck auf die Gesetzeslage
am 3. Juli 2002 in Hamburg, das in der zeichnet das Hamburger Konzept, son- und die Rechtsprechung der Jugendgerich-
Fachöffentlichkeit auf eindeutige Ableh- dern der der Ausgrenzung und Bestra- te zu erhöhen.
nung stieß, wurde ,nebenbei‘ die Ein- fung. Für die Jugendlichen, die zwecks Prompt meldete sich die Schill-Partei er-
richtung einer Abschiebungshaftanstalt Abschiebung eingesperrt werden sollen, neut mit der Forderung, die Strafmündigkeit
für ausländische Minderjährige zum 1. soll es nicht einmal eine pädagogische von 14 auf zwölf Jahre herabzusetzen.
Schills Mannen wollen eine entsprechende
Oktober 2002 vorgestellt. Betreuung oder die Möglichkeit des Bundesratsinitiative und damit ein Roll Back
Es werden zunächst 15 Plätze für sol- Schulbesuches oder einer Ausbildung in Gang bringen, das die Reformansätze
che Minderjährige geschaffen, die geben. Die einzige Perspektive, die man der 60er, 70er und 80er Jahre vollends
„wegen illegalen Aufenthalts oder ihrer diesen Jugendlichen zugesteht, ist die zunichte macht. Es droht ein gewaltiger
Straftaten“ mit ihrer Abschiebung rech- Abschiebung. „Das Konzept des Ham- Schritt zurück in Richtung Reichsjugendge-
nen müssen. Dies wäre bundesweit die burger Senats verstößt gegen alle Prinzi- richtsgesetz von 1943, mit dem der faschis-
erste Abschiebungshaftanstalt speziell pien einer gewaltfreien demokratischen tische Staatsapparat seinerzeit die Straf-
für Kinder. Flüchtlingsorganisationen Erziehung und markiert einen Rückfall mündigkeitsgrenze in bestimmten Fällen
haben bereits in der Vergangenheit auf in vordemokratische obrigkeitsstaatliche von 14 auf 12 Jahre senkte und dem Ge-
den Skandal hingewiesen, dass in Erziehungsvorstellungen der Vergangen- danken der Einsperrung Jugendlicher als
Deutschland auch Kinder in Abschie- heit“, erklärte Heiko Kauffmann. „Kin- Zuchtmittel und der Rachephantasie des
bungsgefängnissen inhaftiert werden. der gehören nicht in Knäste und dürfen „kurzen harten Schocks“ freie Bahn ver-
Statt diesen Missstand endlich zu besei- erst recht nicht in Krisen- und Kriegsre- schaffte. Ähnliche Vorstellungen finden sich
durchaus in den Positionen der Schill-Partei
tigen, geht Hamburg nun noch schärfer gionen abgeschoben werden!“, warnte wieder.
gegen ausländische Minderjährige vor. Albert Riedelsheimer. Nach den Hochrechnungen der Ham-
Die völlig unangemessene Inhaftierung PRO ASYL, der Hamburger Flücht- burger Diakonie kostet die Einrichtung der
von Minderjährigen wird nun auch noch lingsrat und der Bundesfachverband for- zunächst 90 Plätze in geschlossenen Ein-
institutionell verankert. dern den Hamburger Senat auf, diese richtungen jährlich 7 Mio. Euro. Fast
PRO ASYL befürchtet außerdem, Pläne umgehend zurückzuziehen und gleichzeitig gab der Senat bekannt, dass
dass auch minderjährige Flüchtlinge be- stattdessen die Verpflichtungen aus der ab 2003 6 Mio. Euro jährlich bei den Hil-
troffen sein könnten, da der bloße illega- UN-Kinderrechtskonvention umfassend fen zur Erziehung eingespart werden. We-
le Aufenthalt schon zur Unterbringung umzusetzen. nig kennzeichnet deutlicher, dass es dem
ausreichen soll. Statt die in Hamburg an- gez. Heiko Kauffmann,Vorstandsmit- Rechts-Schill-Senat um die Durchsetzung ei-
kommenden Flüchtlingskinder in Ju- glied PRO ASYL ner ultra-reaktionären Gesellschaftskonzep-
gendhilfeeinrichtungen unterzubringen, gez. Albert Riedelsheimer, Vorstands- tion geht. scc ■
müssen sie künftig ihre Inhaftierung be- mitglied Bundesfachverband ■

: antifaschistische nachrichten 15-2002 11


Aufgerufen zur Dreiland-Demo hatten rund 80 Menschenrechts-, Flüchtlings- und Exilorganisationen aus dem Dreilän-
dereck Elsass, Südbaden und Nordwestschweiz. Gekommen sind rund 2000 mehrheitlich jugendliche Personen unter-
schiedlichster Herkunft.

„Die Grenzen zwischen der beschäftigt, macht extreme Sonderprofi-


Schweiz, Deutschland und Frank- te“ sagte Jost Arnet von der GBI vor den
reich stellen für viele Menschen schwitzenden, im Schatten kauernden
unüberwindbare Hindernisse dar. Wir DemonstrantInnen auf dem Marktplatz
wollen die Grenzen durch elsässisch-ba- in Weil, und führte die Sklaverei des 21.
disch-schweizerische Zusammenarbeit Jahrhunderts vor Augen. Das erpresseri-
auflösen“, hatten die aufrufenden Organi- sche System funktioniere aber nur, wenn
sationen in ihrem Dreiländer-Manifest Polizei und Behörden kräftig mitspielen,
proklamiert. Am Samstag machten sich wenn ein Teil der Rechtlosen regelmäßig
die Dreiland-DemonstrantInnen mit oder verhaftet und ausgewiesen werde. Arnet
ohne Pass auf einen langen und symboli- und Schäppi prangerten zudem die Vi-
schen Marsch über diese Barrieren hin-
weg. Sie passierten – für einmal ohne
Dreiländer- sumspolitik für die rund 560 000 in der
Schweiz Arbeitenden aus Nicht-EU-Län-
Kontrolle – die Außengrenze der EU zur
Schweiz und die EU-Binnengrenze zwi-
Demonstration dern an: Um Verwandte in der Heimat zu
besuchen, müssten sie sich für die
schen Frankreich und Deutschland, um Durchreise durch Italien und Österreich
an den traurigen Monumenten des Grenz- siert, die glauben, sie seien die Verteidi- einem zeitraubenden und aufreibendem
regimes ihre Solidarität mit Flüchtlingen ger der Demokratie und der Menschen- Visumsprozedere unterziehen.
und MigrantInnen zu zeigen. rechte, hielt Hans Schäppi vom Basler 130 Tote habe das deutsche Grenzregi-
Letzte Station auf diesem Weg und zu- Gewerkschaftsbund (BGB) fest. me im letzten Jahr gefordert, viele Hun-
gleich markantestes Zeichen der Aus- „Grenzen auf für die Polizei, verstärk- dert MigrantInnen seien verletzt worden
grenzung war das mit mehreren Absperr- te und erweiterte Grenzkontrollen für oder verletzten sich selbst aus Angst vor
zäunen und Hochsicherheits-Stachel- alle, die ,fremdländisch‘ aussehen – das Abschiebungen, erläuterte Walter
draht abgeschirmte Ausschaffungsge- kann nicht unsere Version von Europa Schlecht vom südbadischen Aktions-
fängnis neben der Basler Flüchtlings- sein“, rief Heiner Busch von Solidarité bündnis gegen Abschiebungen (SAGA):
empfangstelle in unmittelbarer Nähe zur sans frontières den Versammelten auf „Für Personen und ihre Bewegungen, für
schweizerisch-deutschen Grenze. „Hier dem Basler Claraplatz zu: „Wenn die Migration und die Flucht vor Ausbeu-
werden Menschen gefangen gehalten, Bürger- und Menschenrechtsorganisatio- tung und Unglück existiert keine Frei-
die nichts verbrochen haben, außer dass nen diesem Wettlauf zu einem Europa heit.“ Und Christian Möller ergänzte vor
sie unerwünscht sind und den richtigen der Polizeien und Abschottung etwas dem Gebäude des Bundesgrenzschutzes
Stempel auf dem richtigen Papier nicht entgegen setzen wollen, müssen sie (BGS) und den davor positionierten
vorweisen können“, erklärte Dieter selbst grenzüberschreitend handeln.“ Grenzschützern: „,Nacheile‘ und ge-
Bäumli von „augen auf Basel“ den De- Vom Claraplatz bis kurz vor dem meinsame Kontrollen sind inzwischen
monstrantInnen. Friedlinger Zoll war der Basler Demon- Tagesordnung. Der BGS wird aufgerüs-
Die zahlreichen Redebeiträge auf der strationszug eigentlich ein Demonstra- tet, zur nationalen Polizei verwandelt.
Demoroute richteten sich gegen die tions-Tram – behängt mit Transparenten Die Bevölkerungsmehrheit lässt es über
schrankenlose Überwachung im Grenz- und gelenkt von Trämli-Führer und Jour- sich ergehen. Sie geht davon aus, nicht
raum, gegen die Verschärfung der Asyl- nalist Beat Leuthardt (Verfasser diverser davon betroffen zu sein. Das ist aller-
und Ausländergesetze sowie gegen die Bücher zur Grenzproblematik). Der an- dings eine Illusion.“ Der Erfolg der Drei-
Ausbeutung und Kriminalisierung der schwellende Demozug überquerte die länder-Demonstration liege in der Ver-
EinwanderInnen von außerhalb der EU, Grenze und traf im Rheinpark, bei brü- bindung über die Grenzen hinweg. Bei
insbesondere der Sans-papiers. Die De- tender Hitze, auf die DemonstrantInnen aller Verschiedenheit sei die globale So-
monstrantInnen schickten eine Grußbot- von Frankreich und Deutschland. Die lidarität wichtig, die immer vor Ort ange-
schaft an die Sans-papiers, die die Uni- fliegende Beiz von Stefan erlöste vom bunden sein müsse.
versität von Sevilla besetzt haben. In die- Durst. Hannes Reiser vom Sans-papiers Nach den Strapazen der sechsstündi-
ser Stadt findet vom 21.-22. Juni 2002 Kollektiv kommentierte das Grenzregi- gen Demo unter praller Sonne bot das
der EU-Gipfel „gegen die illegale Migra- me in Europa und am Ort. In Weil am Basler Sans-papiers-Kollektiv in den
tion“ statt. Sans-papiers, die Sklaven des Rhein war der Demo-Zug auf 2000 Per- schattigen Langen Erlen Speis und Trank
21. Jahrhunderts, würden ausgerechnet sonen mit unzähligen farbigen Transpa- an.
in jenen Länder benutzt und kriminali- renten angewachsen. „Wer Sans-papiers Bern, den 17. Juni 2002, a.l. und h.b. ■

12 : antifaschistische nachrichten 15-2002


Apartheidopfer bereiten Widerstand geben. Die Tour
Sammelklagen gegen soll auch die untragbaren, in-
humanen Zustände in den
deutsche Banken vor deutschen Flüchtlingshei-
Frankfurt. Nach den am 19. Juni ein- men, die sich meist in Wäl-
gereichten Sammelklagen von Apar- dern oder abgelegenen Ge-
theidopfern gegen Schweizer und ameri- genden befinden, in die Öf-
kanische Banken werden ähnliche Ver- fentlichkeit bringen. Gleich-
fahren jetzt auch gegen die Dresdner, die zeitig wollen wir die Folgen
Deutsche und die Commerzbank vorbe- des herrschenden Krieges
reitet. Das teilte die Kampagne für Ent- herausheben, indem wir ihn
schuldung und Entschädigung im Süd- in Bezug zu den Kriegen set-
lichen Afrika in Frankfurt mit. Seit drei zen, die uns zwangen, unsere
Jahren versucht der Koordinierungskreis Heimat zu verlassen. Wir la-
der Kampagne, mit den drei Banken über den Euch alle ein, mit uns ge-
ihre Verwicklung mit der Apartheid und meinsam für eine Bewegung für die den politischen Organisationsformen des
Entschädigungen für die Apartheidopfer Rechte der Flüchtlinge und Migrant/in- Camps werden. Innerhalb ihrer sollen die
zu verhandeln. Letzte Gesprächsangebo- nen aufzustehen! ■ Dinge des alltäglichen Lebens diskutiert
te wurden von den Banken auf ihren und organisiert werden. Die zweite
diesjährigen Jahreshauptversammlungen No-Border Camp Strasbourg Struktur soll aus dem das ganze Camp
im Mai und Juni entschieden zurückge- umfassenden Plenum bestehen. Für die-
wiesen (Deutsche Bank, Commerzbank) 19.7.–28.7.2 – ses ist gedacht, das die „Barrios“, Be-
oder erneut ausweichend behandelt Der Konvoi von Jena zugs- und Arbeitsgruppen (legal team,
(Dresdner Bank). Der damalige Vor- Jena. Vom 12. bis 19. Juli findet in Jena medical team, security team „Bertha“,
standssprecher der Deutschen Bank, Dr. das 5. antirassistische Grenzcamp statt. ...) sowie sonstige Zusammenschlüsse
Breuer, erklärte wörtlich: „Wir verstehen Am letzten Tag startet vormittags von Delegierte schicken können, um die kol-
Ihre Anfrage nicht. Reden – nein, reden dort ein Konvoi in Richtung Strasbourg, lektiven Entscheidungen (z.B. die Form
werden wir mit Ihnen nicht!“ Die Kam- wo an diesem Freitag die Zelte zum er- der Abschlussaktion am Samstag den
pagne verfügt über umfangreiches Ma- sten internationalen Nobordercamp auf- 27.7.) zu diskutieren und Entscheidun-
terial, dass die Finanzierung der Apar- geschlagen werden. Der Konvoi macht gen zu treffen.
theid durch deutsche und Schweizer in Frankfurt, das auf der Wegstrecke Das Programm wird das ganze Camp
Unternehmen belegt. Schon 1999 veröf- liegt, einen Zwischenstop, und zwar am über immer wieder aktualisiert werden.
fentlichte sie die Studie Mascha Madö- Flughafen im Bereich der Cargo City Was schon feststeht, sind die abend-
rin, Gottfried Wellmer, Martina Egli, Süd. Damit soll einerseits in der Nähe lichen Foren:
„Apartheidschulden. Der Anteil des neu eingerichteten „Transitlagers“ Sonntag: freedom of movement, Mon-
Deutschlands und der Schweiz“ (Stutt- gegen Internierung und Abschiebung tag: freedom of communication and mo-
gart 1999), eine weitere umfangreiche protestiert und sich somit auch noch mal vement, Dienstag: ‘cross over debate’
Untersuchung Gottfried Wellmers wird auf den Schwerpunkt des Grenzcamps exchange between activists involved in
demnächst vorgelegt. Weitere Informa- im vergangenen Jahr in Frankfurt/Kel- pga and noborder projects, Mittwoch:
tionen bieten die Internetseiten der sterbach bezogen werden. Der Treff- migration & work with guests from the
Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afri- punkt am Frankfurter Airport ist ca. 14 us, spain, italy, ..., Donnerstag: security
ka (www.woek.de) und von medico Uhr in der Cargo City, wo der „Freedom stare & social control central evening,
international (www.medico.de). Der Ko- of Movement“- Konvoi von Jena begrüßt Freitag: colonial justice. Außerdem sind
ordinierungskreis begrüßt die Klagen: werden soll. Gegen 14.30 Uhr wird es Work-shops angekündigt, haben aber
„Deutsche Banken und Konzerne haben eine Kundgebung mit Beiträgen gegen noch keinen festen Termin.
die Apartheid jahrzehntelang völker- Abschiebung und Internierung und zum Auf der Webseite ist das Programm
rechtswidrig mitfinanziert und sich da- Auftakt des Internationalen Noborder- unter www.noborder.org/ strasbourg/ zu
mit auch massiver Menschenrechtsver- camps in Strasbourg sowie zum Jahres- finden. Für Samstag den 27. Juli soll es
letzungen schuldig gemacht. Die Klagen tag der Demonstrationen in Genua ge- eine gemeinsame Abschlussdemo oder
werden sie zwingen, ihre Verantwortung ben. Um ca.15.30 Uhr gemeinsame Ab- Aktion geben. Die genaue Form und
offen zu legen und die Opfer endlich in fahrt nach Strasbourg (weitere Infos: Ausrichtung wird noch diskutiert und
vollem Umfang zu entschädigen.“ www.aktivgegenabschiebung.de) soll sich auch aus der Dynamik des
Material und weitere Information bei: Zur Struktur des No-Border Camps Camps ergeben.
Anne Jung, medico international, Von den Vorbereitungsgruppen wird
Tel. 069/94438-27 ■ Dort angekommen werden schon die er- dringend empfohlen, Fahrräder mitzu-
sten Zelte aufgeschlagen stehen, verteilt bringen. Mittels Rädern wäre eine viel
Karawane startet am 17.8. um etwa sechs Küchen und auf mindes- größere Flexibilität gegeben und es wäre
tens acht „Barrios“ („Stadtviertel“). Die viel schneller möglich, vom Camp in die
Die „Karawane für die Rechte der „Barrios“ werden jeweils einen Raum Stadt und zurück zu kommen. Gerade
Flüchtlinge und Migrant/innen“ wird am zur Diskussion, Kücheninfrastruktur, auch für Demos u.a. Aktionen wären
17. August in Bremen beginnen und am Toiletten und weitere Dinge des täg- Fahrräder sehr sinnvoll.
Abend vor der Bundestagswahl, dem 21. lichen Lebens umfassen. Diese Struktur Um in den nächsten Tagen auf dem
September in Berlin enden. In verschie- ist zur besseren Organisation des Camps Laufenden zu bleiben wurde eine E-mail
denen Städten, Dörfern und Flüchtlings- und für eine bessere Einbindung der Liste eingerichtet: Schickt eine leere
heimen in ganz Deutschland werden wir CamperInnen gedacht. Die Gefahr, dass Email an diese Adresse, um reinzukom-
versuchen, die Zusammenarbeit mit den nationale oder sonstige Identitäten repro- men:stra-l-request@noborder.org (SUB-
fortschrittlichen Kräften zu stärken, die duziert werden, soll auf jeden Fall ver- JECT=subscribe)
Zusammenarbeit unter den Flüchtlingsor- mieden werden – darum geht der Aufruf Außerdem braucht das Camp noch
ganisationen intensivieren und Unterstüt- an alle, sich so gut wie möglich zu mi- Zelte, große Mengen an Essen, Geld, und
zung für von Flüchtlingen organisierten xen!! Die „Barrios“ sollen eine der bei- und und .. jub ■

: antifaschistische nachrichten 15-2002 13


Die reichen Staaten Eu- EU-Gipfel verschärft Kurs gegen Einwanderer
ropas schotten sich im-
mer mehr gegen Flücht-
linge und MigrantInnen
Fluchtburg statt Festung!
ab. Über Fluchtursachen und
darüber, was getan werden kann Länder wie Deutschland und Großbritan- der Rückübernahme von Flüchtlingen zu
und muss, um solche Fluchtursachen nien – am Ende zum Glück keine konkre- verbinden. Nun sollen nur noch solche
und den weiter zunehmenden Ab- ten Beschlüsse gefasst. Die Bedeutung Staaten mit Entzug von Entwicklungshil-
stand zwischen reichen und armen des Treffens liegt dennoch darin, dass das fe bestraft werden, die besonders „reni-
Regionen, zwischen reichen und ar- Klima gegenüber den „Sans papiers“ tent“ sind. Dafür bedarf es eines einstim-
men Staaten auf diesem Globus zu schon allein durch die öffentlichen Erör- migen Beschlusses des Rates. Aber: Was
korrigieren, wird fast gar nicht mehr terungen vor und in Sevilla erneut rauer hat Entwicklungshilfe eigentlich mit
geredet. Entwicklungshilfe-Etats blei- geworden ist. Dafür ist insbesondere „Wohlverhalten“ bei der Rückübernahme
ben lächerlich gering, allein Schar- zu tun? Welche Kriterien gibt es dafür?
pings neue Lufttransportflugzeuge Wann ist ein Staat so „renitent“, dass
kosten mehr als der gesamte Ent- ihm die Entwicklungshilfe gestrichen
wicklungshilfe-Etat eines Jahres. Die- wird? Interessant auch, dass gerade sozi-
se Entwicklung hat sich auch auf dem aldemokratische Regierungen (Deutsch-
jüngsten EU-Gipfel in Sevilla fortge- land und Großbritannien an der Spitze)
setzt. die Entwicklungshilfe drastisch be-
schneiden wollten. Bundesentwick-
Wie eng diese Festungspolitik verbun- lungsministerin Heidemarie Wieczorek-
den ist mit der gesamten „Anti-Terror- Zeul (SPD) sollte sich ernsthaft fragen,
Politik“ des Westens – also im Grunde welchen Stellenwert ihre Aussage, die
inklusive Krieg in Afghanistan und als deutsche Entwicklungshilfe bekämpfe
nächstes der Krieg gegen den Irak –, be- Fluchtursachen, noch hat.
stätigte der Gipfel dabei gleich zu Be- In Sevilla wurde auch über die Ein-
ginn, als nun auch die Staats- und Re- richtung einer europäischen Grenzpoli-
gierungschefs der EU die vorher von zei diskutiert. Ursprünglich war in Vor-
den Innen- und Justizministern verab- bereitungspapieren schon von der Er-
schiedete sogenannte „Terror-Liste“ be- richtung einer eigenständigen europäi-
stätigten. Damit sind sowohl die Kurdi- schen Grenzpolizei mit eigenem Perso-
sche Arbeiterpartei PKK als auch die nalkörper und umfangreichen Befugnis-
baskische ETA nun förmlich von allen sen in den Mitgliedsstaaten die Rede ge-
EU-Staaten als „terroristisch“ zu behan- wesen. Davon wurde dann aber nach
deln – also auch von solchen wie Öster- Einsprüchen mehrerer Mitgliedsstaaten
reich oder den skandinavischen Län- wieder abgerückt. Statt dessen soll jetzt
dern, die bisher z.B. kein PKK-Verbot erst einmal die Zusammenarbeit der ein-
wie Deutschland hatten oder gar keine zelstaatlichen Grenzbehörden ausgebaut
„Anti-Terror-Gesetze“. In Spanien selbst werden. Auch hierzu wurden am Ende in
droht nun als nächstes ein Verbot von Sevilla keine formellen Beschlüsse ge-
Herri Batasuna – das erste große Partei- Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) fasst. Trotzdem ist auch hier allein die öf-
enverbot in Spanien nach der Überwin- verantwortlich, der gemeinsam mit dem fentliche Erörterung schon ein propagan-
dung des Franco-Regimes. Auf EU-Ebe- britischen Premier Tony Blair eine harte distischer Schritt zum weiteren Ausbau
ne soll – so zumindest die deutsche Re- Anti-Immigrationspolitik verfolgte. Ille- von Grenzkontrollen und Grenzsperren
gierungsposition – die Anti-Terror-De- gale Einwanderung wird nur noch unter gegen Flüchtlinge. Bis März 2003 sollen
batte außerdem zu einem weiteren Aus- Abwehrgesichtspunkten debattiert. Des- zudem weitere Maßnahmen erörtert und
bau von Europol genutzt werden. halb warnten Amnesty International und vorbereitet werden, u.a. der EU-weite
Im Zentrum der Beratungen in Sevilla andere Flüchtlings- und Menschenrechts- Austausch von Visa-Dateien. Niemand,
aber stand die sogenannte illegale Ein- organisationen im Vorfeld des Gipfels der in irgendeinem EU-Staat abgewiesen
wanderung. Geplant waren, so die ausdrücklich vor der Gefahr eines Abbaus wird, soll in Zukunft noch eine Chance
Bundesregierung in einem Vorabbericht von Menschenrechten für Flüchtlinge. haben, über einen anderen EU-Staat den-
zu Sevilla an den Bundestag, konkrete Auf einer Expertentagung des UN- noch einzureisen.
Maßnahmen „in den Bereichen Außen- Flüchtlingskommissariats UNHCR wur- Bei dieser Debatte wird zudem völlig
grenzsicherung, Visa- und Rückfüh- de vergangene Woche deutlich gemacht, außer acht gelassen, dass schon bisher
rungspolitik und Schritte gegen die ille- dass die absolute Zahl der Einwanderer Tausende von Menschen an den Außen-
gale Beschäftigung … Hierzu gehören in den zurückliegenden Jahren gar nicht grenzen gestorben sind. Bundesinnenmi-
u.a. eine verstärkte Überwachung der gestiegen ist. Durch die verschärften nister Otto Schily versucht mit diesem
Seegrenzen, gemeinsame Schulungs- Visa- und andere Bestimmungen wurden Konzept, die Existenz des Bundesgrenz-
maßnahmen, eine Grenzüberwachung in immer mehr von ihnen in die Illegalität schutzes zu retten, der sonst arbeitslos
Form von gemeinsamen Patrouillen, ein- gedrängt. Nicht eine höhere Migration ist würde. Folge wäre aber: Wir bauen neue
heitliche Visa und Sicherheitsnormen, für die Zahl der „Illegalen“ verantwort- Mauern um Europa.
Entwicklung eines europäischen Visa- lich, sondern das verschärfte Ausländer- Ruud Lubbers, der Hohe Flüchtlings-
Identifizierungssystems, gemeinsame recht in den EU-Staaten. Trotzdem sorgt kommissar der Vereinten Nationen, hat
Konzepte in der Rückführungspolitik so- gerade Deutschland dafür, dass sowohl Recht, wenn er anlässlich des Weltflücht-
wie der Abschluss von Rückübernahme- auf nationaler als auch auf europäischer lingstages mahnte: Europa muss Flucht-
abkommen“. Ebene die Einwanderungsvorschriften burg werden, Verfolgten und Menschen
Die Staats- und Regierungschefs ha- immer restriktiver gefasst werden. in Not Schutz bieten. Europa darf nicht
ben hierzu – trotz lebhaftem Drängen ge- Vor Sevilla wurde vorgeschlagen, Ent- Festung zur Abwehr von Flüchtlingen
rade der sozialdemokratisch regierten wicklungshilfe mit „Wohlverhalten“ bei sein. rül ■

14 : antifaschistische nachrichten 15-2002


…Eine feine Gesellschaft, kin, Lehrer und Mitglied der Egitim-
Sen, wurde auf Anordnung des Gouver-
neurs des Ausnahmezustandsgebietes
in die sich Schily da begibt von Amed nach Karayazi bei Erzurum
versetzt. Der Grund ist eine Einladungs-

… karte zu einer Feier mit kurdischer Auf-


schrift.
Kommission für „gefährliche“ Namen
Das Verbot der kur- che teilt nicht, sie vereint“ und „Mutter-
sprache ist ein Recht und kann nicht ver- Mit einem Erlass an die Gouverneure
dischen Sprache hindert werden“ angebracht wurden. Im hat der türkische Innenminister die Bil-
wird weiterhin aufrecht Laufe des Verfahrens wurde gegen acht dung von Namenskommissionen ange-
Vorstandsmitglieder ein einjähriges Be- ordnet, um zu verhindern, dass Kinder
erhalten
Die türkische Koalitionsregie-
rung hält weiterhin daran fest,
keine positiven Schritte für die
Anerkennung des Rechtes auf
Bildung und Medien-Veröffentli-
chung in kurdischer Sprache so-
wie für die Abschaffung der To-
desstrafe zu unternehmen. Aus
diesem Grunde befindet sie sich
in einer ernsten politischen Krise.
Nachdem der MHP-(Partei der
Nationalistischen Bewegung) Ab-
geordnete Mesut Türk den türki-
schen Ministerpräsidenten Ecevit
verbal angegriffen hatte, erklär-
ten nun auch der Vizevorsitzende
des Türkischen Parlaments, Mu-
rat Sökmenoglu, und der Abge-
ordnete Cemal Enginyurt (beide „Stuttgarter Nachrichten“, 9. Juli 2002: Kommt als nächstes dann der Vorschlag, dass
gehören der MHP-Fraktion an), niemand seine Kinder Mehmet oder Ayse nennen darf?
dass die MHP sich von der Koali-
tion zurückziehen werde, wenn für die förderungsverbot und gegen sechs Vor- kurdische Namen erhalten. Diese Kom-
Zulassung der kurdischen Sprache in standsmitglieder ihre Versetzung außer- missionen sollen in allen Bezirken gebil-
den Bereichen Bildung und Medien mit halb des Bezirks verhängt. det werden und die Namen feststellen,
anderen Parteien außerhalb der Koali- Auf Grund der Forderung nach kurdi- die der „unteilbaren Einheit des Staates“
tion Bündnisse eingegangen werden scher Sprache wurden in Van, in Amed entsprechen oder nicht. Das Innenminis-
sollten. (Diyarbakir) und in Urfa gegen HA- terium hat sich mit diesem Erlass auch
Lehrer wegen Kurdisch versetzt DEPler und Lehrer der Egitim-Sen Stra- an die Einwohnermeldebehörden ge-
fen wie Versetzung verhängt. Gegen wandt und gefordert, diejenigen zu de-
Gegen Vorstandsmitglieder der Gewerk- Vargül wurde vor dem Staatssicherheits- nunzieren, die für ihre Kinder einen kur-
schaft Egitim-Sen (Gewerkschaft für Er- gericht in Van ein Verfahren eingeleitet, dischen Namen beantragen wollen. Es
ziehung) aus Bingöl wurde ein Verfah- weil er einen Vortrag gehalten hat über wurde auch bekannt, dass einige Beamte
ren eingeleitet, weil auf dem 1. Ordent- die negativen Auswirkungen auf Kinder, des Einwohneramtes Anträge mit kurdi-
lichen Kongress der Egitim-Sen Trans- wenn sie Bildung ausschließlich ohne schen Namen nicht bearbeiten.
parente mit der Aufschrift „Mutterspra- Muttersprache erhalten. M. Nesip Gülte- Die Türkei ist nicht bereit, Verände-
rungen in Bezug auf die in den Kopen-
Der Herausgabekreis und die Redaktion sind zu erreichen über:
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln Tel. 0221 / 21 16 58, Fax 0221 / 21 53 73. Spendet für die
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Die antifaschistischen Nachrichten beruhen vor allen Dingen auf Mitteilungen von Initiativen. Soweit ein-
zelne Artikel ausdrücklich in ihrer Herkunft gekennzeichnet sind, geben sie nicht unbedingt die Meinung
(Stand 15. Juli)
der Redaktion wieder, die nicht alle bei ihr eingehenden Meldungen überprüfen kann. Vielen Dank!
Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten: Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AGR); Annelie
Buntenbach (MdB Bündnis 90/Die Grünen); Rolf Burgard (VVN-BdA); Jörg Detjen (Forum kommunistischer Arbeitsge-
meinschaften); Martin Dietzsch; Regina Girod (Bund der Antifaschisten, Dachverband); Dr. Christel Hartinger (Frieden- Spendenkonto:
szentrum e.V., Leipzig); Hartmut-Meyer-Archiv bei der VVN - Bund der Antifaschisten NRW; Ulla Jelpke, (MdB PDS);
Jochen Koeniger (Arbeitsgruppe gegen Militarismus und Repression); Marion Bentin, Edith Bergmann, Hannes Nuijen GNN-Verlag, Postbank
(Mitglieder des Vorstandes der Arbeitsgemeinschaft gegen Reaktion, Faschismus und Krieg–Förderverein Antifaschisti-
sche Nachrichten); Kreisvereinigung Aachen VVN-BdA; AG Antifaschismus/ Antirassismus in der PDS NRW; Angelo
Köln, BLZ 370 100 50,
Lucifero (Landesleiter hbv in ver.di Thüringen); Kai Metzner (Info Pool Network); Bernhard Strasdeit (MdB-Büro Winfried Konto 10419507
Wolf); Volkmar Wölk.

: antifaschistische nachrichten 15-2002 15


: aus der faschistischen presse
Brügge) sagt dieser „allen Parteien, die
für Recht und Ordnung kämpfen“ eine
„große Zukunft“ voraus. Wichtigstes
Schill-Partei zaghaft? allgemeine Lebenserfahrung bestätigte Ziel sei es, die „nationale Identität“ zu
Junge Freiheit Nr. 28/02 vom 5. Juli 2002 Tatsache, dass das Ausmaß der Integra- behaupten gegen die „linke Gleichschal-
Unter der Überschrift „Wettlauf gegen tionsbereitschaft nicht bei allen Völkern, tung“. „Widerstand gegen den Terror von
Zeit und Zaghaftigkeit“ berichtet das Kulturen und Religionen gleich ist. Wäh- links bilde „in jeder Nation den Zement
Blatt groß über die Vorbereitungen zur rend die Deutschen sich in der Regel der rechten Ideen“.
Bundestagswahl der Partei Rechtsstaatli- rechts schnell in fremde Völker einfügen Vorgestellt wird das neue Grundsatz-
che Offensive. Die Partei strebt an, in al- bzw. in ihnen aufgehen, beharren ausge- programm, das auf dem Bundesparteitag
len Bundesländern mit Landeslisten an- wanderte Türken, Araber und Albaner in Künzell am 12. Mai 2002 verabschie-
zutreten, in Berlin will sie auch die Di- (erst recht, wenn sie Muslime sind) meist det wurde. Dokumentiert werden Auszü-
rektwahlkreise besetzen. Unklar ist je- hartnäckig auf ihrer deutlich abgegrenz- ge aus dem Kapitel „Grundlagen“. Kern
doch, ob die Landeslisten-Aufstellung in ten Eigenständigkeit.“ Offensichtlich hat des Programms, so Haymo Hoch, der als
Bayern, Baden-Württemberg und Rhein- Stolz die sonst vom Blatt so geliebten Leiter der Grundlagenkommission inter-
land-Pfalz gelingt, die Landesverbände „Russlanddeutschen“ vergessen, die vor viewt wird, ist der absolute „Vorrang für
dort existieren noch nicht. Bis zum 18. über 200 Jahren ins Zarenreich auswan- nationale Interessen“.
Juli, dem letzten Einreichungstermin für derten und bis heute als erkennbare Auf dem Parteitag wurde auch eine
die Landeslistenvorschläge, hat die Par- Gruppe in der russischen Gesellschaft Resolution gegen den EU-Beitritt Polens
tei angeblich einen Aufnahmestopp ver- existieren und denen von der Bundesre- und Tschechiens verabschiedet. Darin
hängt, um zu verhindern, dass „Glücks- publik nach wie vor die Chance auf Ein- heißt es: „Für die heimatvertriebenen
ritter“ und ungeprüfte Rechtsextreme bürgerung und doppelte Staatsbürger- Bürger Deutschlands wäre es eine zweite
eintreten und gar auf vorderen Listen- schaft gewährt wird. In seinem Auslän- Ausraubung, wenn sie mit ihren Steuer-
plätzen landen. In Sachsen musste eine derhass versteigt er sich zu wilden Dro- geldern die Sanierung uneinsichtiger
Versammlung des Ortsverbandes Dres- hungen gegen alle, die gegenseitige Inte- Vertreiberstaaten über die EU-Kasse
den durch die Polizei beendet werden, gration verlangen: „Nur wird diese Of- auch noch selbst bezahlen müßten.“ Es
weil der Beauftragte für Bürgeranliegen fenheit für alle und jeden mit hoher könne nicht hingenommen werden, dass
in der sächsischen Staatskanzlei, Karl- Wahrscheinlichkeit nicht in einer para- Prag unter Berufung auf die Benesch-
August Kamilli, den Vorstand wegen diesischen Weltgemeinschaft aller Guten Dekrete bis heute „die Herausgabe des
dessen abwartender Haltung zur Bundes- und Edlen enden, sondern in einer rabia- geraubten Eigentums der Sudetendeut-
tagwahl angegriffen hatte. Kamilli ist in- ten Gegenreaktion.“ schen“ verweigere und „die Räuber nd
zwischen aus der Partei ausgeschlossen. Mörder von damals der gerechten Stra-
Die Parteizentrale in Hamburg hat den „Vorrang für nationale fe“ entziehe.
Dortmunder Diplom-Chemiker Detlef Zufrieden sind die REP mit den Plä-
Münch als Wahlkampfleiter für die alten Interessen“ nen von Bundesinnenminister Schily,
Bundesländer eingesetzt, für die neuen Republikaner 5-6/2002 Asylbewerber von Fördermaßnahmen
Bundesländer und Berlin soll ein Zahn- „Danke, Jürgen“, so titelt das Republika- auszuschließen. Insbesondere die Ab-
arzt aus Bernau zuständig sein. ner-Blatt, das wie schon im März-April sicht Schilys, Deutschland nicht zum
als Doppelnummer Mai-Juni erscheint, Anziehungspunkt für Migranten werden
Von integrationswütigen obwohl der Juli schon begonnen hat. So- zu lassen, die aus sozialen oder wirt-
wohl der Titel als auch das Interview be- schaftlichen Gründen kommen, entsprä-
Deutschen und schreck- schäftigt sich mit den „Tabubrüchen“ che einer alten republikanischen Forde-
lichen Fremden Möllemanns. Kritisiert wird vor allem rung, heißt es in einer aktuellen Presse-
Junge Freiheit Nr. 28/02 vom 5. Juli 2002 das „Einknicken“ Westerwelles. Im mitteilung auf den Internetseiten der
Integrations- und vor allem Assimila- Interview mit Frank Vanhecke (Vorsit- REP. Bundesvorsitzender Rolf Schlierer:
tionsunwilligkeit wirft Robert Stolz den zender des Vlams Blok, stellv. General- „Schily hat recht, wenn er jeden Anreiz
in der Bundesrepublik lebenden türki- sekretär der technischen Fraktion Euro- für weitere Scheinasylanten beseitigen
schen Migranten vor. Frech behauptet er: rechts im Europaparlament, seit 94 im will. Damit bewegt er sich kontinuierlich
„Es ist eine durch die Geschichte und die EP, Mitglied im Kommunalrat der Stadt auf die schon seit anderthalb Jahrzehnten
von den Republikanern vertretene Posi-
tion zu und übernimmt Punkt für Punkt
unsere Forderungen. Wir Republikaner
BESTELLUNG: Hiermit bestelle ich … Stück pro Ausgabe (Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt)
begrüßen diese Entwicklung ausdrück-
O Halbjahres-Abo, 13 Hefte 22 Euro
Erscheinungsweise: lich, weil eine republikanische Politik –
O Förder-Abo, 13 Hefte 27 Euro 14-täglich unabhängig von wem sie durchgesetzt
O Jahres-Abo, 26 Hefte 44 Euro
wird – der Zukunft unseres Landes
O Förder-Abo, 26 Hefte 54 Euro
dient.“ Schlierer fordert Schily auf, in
O Schüler-Abo, 26 Hefte 28 Euro
O Ich möchte Mitglied im Förderverein Antifaschistische Nachrichten werden. Der Verein unterstützt finanziell
konsequenter Fortsetzung dieser Linie
und politisch die Herausgabe der Antifaschistischen Nachrichten (Mindestjahresbeitrag 60,- DM). für eine Abschaffung des Grundrechtsan-
Einzugsermächtigung: Hiermit ermächtige ich den GNN-Verlag widerruflich, den Rechnungsbetrag zu Lasten spruchs auf Asyl einzutreten, um den
meines Kontos abzubuchen. (ansonsten gegen Rechnung) Asylmissbrauch künftig wirkungsvoll zu
unterbinden.
Name: Adresse: Da die REP Unterschriften sammeln
müssen für ihre Wahlzulassung zur
Konto-Nr. / BLZ Genaue Bezeichnung des kontoführenden Kreditinstituts Bundestagswahl, rufen sie im Parteiblatt
zur aktiven Unterstützung für’s Sam-
Unterschrift
meln auf – beim desolaten Zustand wohl
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln, Tel. 0221 – 21 16 58, Fax 21 53 73, email: gnn-koeln@netcologne.de
keine einfache Aufgabe. Der Landesver-
Bankverbindung: Postbank Köln, BLZ 370 100 50, Kontonummer 10419507
band NRW allerdings meldet, er habe sie
bereits zusammen. uld, u.b. ■

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