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Die kluge Sekretrin

(Nach Johannes Rsler)


Ich suchte eine neue Sekretrin. Diesmal wollte ich eine besonders kluge, eine
Sekretrin mit guter Allgemeinbildung. Die erste Bewerberin trat ein. Sie war hbsch und
freundlich. Ich mchte drei Fragen an Sie richten, sagte ich weil ich wnsche, dass
meine Sekretrin eine gewisse Allgemeinbildung besitzt. Wie heit die Hauptstadt von
Norwegen?
Kopenhagen.
Das stimmt nicht. Aber man kann sich irren. Die zweite Frage: Woran litt
Beethoven? Sie zgerte und sagte dann: Er hatte nie Geld.
Ich sagte nichts dazu, sondern stellte die dritte Frage: Was versteht man unter einem
Fjord?
Eine unbekannte Automarke war die Antwort. Ich stand auf und sagte, dass ich
sie schriftlich benachrichtige.
Die zweite Bewerberin war ein blondes Mdchen. Ich begann: Die Arbeitsstelle der
Sekretrin verlangt gewisse Kenntnisse, ich mchte Ihnen daher drei Prfungsfragen
stellen, wenn Sie nichts dagegen haben.
Aber bitte!
Wer ist der Komponist der Lustigen Witwe?
Mozart.
Ich machte eine Pause und erklrte geduldig: Mozart komponierte die
Zauberflte! Wissen Sie, wer den Text zur Zauberflte geschrieben hat? Ihre Augen
leuchteten auf: Ralph Maria Siegel.
Ich versuchte, die dritte Frage zu stellen: Was ist eine Windhose? Ach, das ist
eine Art Standhschen fr heie Tage.
Die dritte Bewerberin wartete im Vorzimmer. Ich bat sie herein. Sie sah wie ein
Mrchen aus. Sie hat mir sofort gefallen, und ich dachte: sie wird ohne Fragen eingestellt.
Sie sind ..., begann ich meinen Satz. Aber sie winkte ab und sagte: Ich hatte Pech mit
meinem letzten Chef. Er war dumm wie Bohnenstroh. Deshalb brauche ich diesmal einen
intelligenten Chef. Ich mchte drei Prfungsfragen an Sie richten. Ich sa wortlos da.
Bitte, sagte ich. Sie begann zu fragen: Wann und wo wurde Goethe geboren? In
Weimar, aber an die Jahreszeit kann ich mich nicht erinnern. Sie gab die richtige
Antwort. Die Heimatstadt von Goethe habe ich auch falsch genannt. Auf welcher Insel
lebte Robinson? Auf Crusoe, antwortete ich aufgeregt und ich wusste sofort, dass es
falsch war. Die dritte Frage lautete: Wer hat die Ruber geschrieben? Jack
London! war meine Antwort. Nein, falsch geraten, sagte das schne Mdchen und
erhob sich. Schlielich meinte sie: Ich kann mich im Moment nicht entscheiden. Sie
werden noch von mir hren.