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Escuelas Oficiales de Idiomas CERTIFICADO DE NIVEL AVANZADO

CONSEJERÍA DE EDUCACIÓN ALEMÁN


Comunidad de Madrid COMPRENSIÓN DE LECTURA TAREA 2

2. AUFGABE (7 x 1 Punkt = 7 Punkte) PUNKTE


Lesen Sie den folgenden Text und beantworten Sie die Fragen in
Stichworten. Grammatik- und Rechtschreibfehler werden nicht
negativ bewertet. Antwort 0 ist ein Beispiel.

GEISTERZUG
In der Nürnberger U-Bahn übernimmt in diesem Jahr der
Computer das Steuer. Pünktlicher und sicherer sollen die
Geisterzüge sein. ZEIT Wissen-Autorin Martina Häring ist
© VAG Nürnberg schon einmal Probe gefahren. Ein Erfahrungsbericht

„Entschuldigen Sie, war das gerade einer von den neuen Zügen?“, fragt die ältere Dame am
Nürnberger Hauptbahnhof aufgeregt. Ganz ohne Zugführer ist hinter uns gerade vorbeigefahren, was
Technik-Skeptiker auch gerne als „den Geisterzug“ bezeichnen. So manchem Rentner jagt sie noch
eisige Schauer über den Rücken, doch im Frühjahr wird sie in Nürnberg Normalität werden: die
fahrerlose U-Bahn. Die ersten TÜV-Prüfungen sind bestanden, der Testbetrieb auf dem U-Bahn-Gleis
hat begonnen. Mitfahren dürfen bis jetzt aber nur Mitarbeiter. Und ab und zu auch die Presse.
London, Lille, Paris, Lyon, Kopenhagen - in vielen Städten Europas sind die automati-sierten
Züge längst Alltag. Hierzulande wird dagegen vielen noch unwohl beim Gedanken an den Computer am
Steuer. Konrad Schmidt, Projektleiter der fahrerlosen Nürnberger U-Bahn, versucht Bedenken zu
zerstreuen: „Ein Mensch am Steuer macht im Schnitt bei jeder tausendsten bis hunderttausendsten
Bedienhandlung einen Fehler. Unser System nur bei jeder millionsten .“
Das hört sich zwar überzeugend an, doch die Sorge um die Sicherheit der Fahrgäste war gar
nicht der Grund für die Umstellung in Nürnberg. Vielmehr sollen Personaleinsparungen schon bald die
Kosten für die teure Technik aufwiegen. Hinzu kommen einige praktische Nebeneffekte: Züge, die von
Menschen gesteuert werden, kann man maximal im 200-Sekunden-Takt fahren lassen, kürzere
Zugfolgen wären zu gefährlich. Ohne Fahrer lässt sich der Sicherheitsabstand auf 100 Sekunden
halbieren. Das bringt mehr Effizienz, kürzere Wartezeiten und nicht ganz so volle Züge zu den
Stoßzeiten.
Weiterer Vorteil: Ein Computer braucht keinen Dienstplan und steht jederzeit bereit, um bei
einem Fußballspiel oder Volksfest Überstunden zu machen. Die Folge sind flexiblere Fahrpläne. Allein,
dass der Fahrer am Ende einer Strecke nicht von einem Zugende zum anderen laufen muss, spart Zeit.
Trotz all dieser Vorteile lohnt sich die Investition offenbar längst nicht für alle U-Bahn-Betreiber. In
Nürnberg aber bot sich der Wechsel an, da man das Netz ohnehin ausbauen wollte. Im Grunde sei das
alles ja auch gar nichts Neues, erklärt Herr Schmidt. Auch eine Seilbahn und ein Aufzug würden
schließlich automatisch fahren, und vom Prinzip her sei das gar nicht so verschieden. Womöglich wird
eine Bahn mit Fahrer bald so altmodisch sein wie ein Aufzug mit Liftboy.
Ist die fahrerlose U-Bahn also nur ein großer, sich horizontal bewegender Aufzug auf Rädern?
Ganz so einfach ist es offenbar doch nicht. Dass die Entwicklung eine Herausforderung war, zeigen die
Komplikationen beim Hersteller Siemens. Mit einem Jahr Verspätung lieferte der die Fahrzeuge, die
VAG klagte wegen der entstandenen Kosten. Erst Ende 2007 konnten die Züge auf der Strecke getestet
werden – zunächst im konventionellen Betrieb, also mit Fahrer, und nur nachts. „Heute ist der erste
Tag, an dem wir unter Realbedingungen testen“, erklärt Schmidt, „tagsüber, automatisch und im
Mischbetrieb mit der U2". Fehlen nur noch die Fahrgäste. „Wir können später eine Probefahrt machen,
wenn Sie wollen.“
[…] Einen Teil ihrer Strecke teilt sich die U3 mit der konventionell betriebenen U2. Erst im
zweiten Schritt soll auch die U2 auf Automatik umgerüstet werden. Bis es soweit ist, wird es also einen
Mischbetrieb aus computer- und personengesteuerten Wagen geben. Das hat sich bisher noch niemand

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getraut. Weltweit ist man gespannt auf Erfolg oder Misserfolg des Projekts. Klappt alles, könnte
Nürnbergs U-Bahn zum Modell für andere Städte werden.
Und nun die Testfahrt. Der Fahrer, der nur zur Sicherheit am abgedeckten Notfallpult steht,
schiebt das „Bitte nicht einsteigen“-Banner zur Seite und lässt uns zusteigen. Ohne das gewohnte
„Zurückbleiben“ schließen die Türen, und es geht los. Die U-Bahn ist hell, neu, geräumig und noch so
sauber wie der frisch gebaute Tunnel. Eine breite Frontscheibe bietet freie Sicht auf die beleuchteten
Gleise. Der Lerneffekt für mich: Eine U-Bahn fährt gar nicht wie gefühlt immer geradeaus. Ähnlich einer
Achterbahn für Angsthasen hat die Strecke sanfte Kurven, Steigungen und Gefälle. Der Fahrer, der
neben mir vorne am Fenster steht, scheint den Anblick nicht annähernd so faszinierend zu finden wie
ich.
„U-Bahn-Fahrer ist kein besonders spannender Beruf,“ erklärt mir später Pressesprecherin
Susanne Muhlert. Das Fahren auf Signal im dunklen Tunnel ist alles andere als abwechslungs-reich.
Daher hätten die meisten kein Problem damit, zukünftig in anderen Bereichen eingesetzt zu werden.
„Ihr lasst uns in den U-Bahnen allein“ war der Vorwurf vieler vor allem älterer Fahrgäste zu Beginn des
Projekts. Dass die Fahrer nicht entlassen, sondern zu Servicepersonal umgeschult werden, bringt der
VAG Sympathiepunkte. Wer nicht in der Leitstelle eingesetzt wird, soll in Zügen und Bahnhöfen präsent
sein, um die wichtige psychologische Funktion des Fahrers zu ersetzen.
Schützt die Abschaffung menschlicher Fahrer nun auch vor Streiks? „Wir hatten tausend solcher
Anfragen von der Presse zur Zeit der Lokführerstreiks“, sagt Susanne Muhlert, „ich weiß gar nicht, was
Journalisten für naive Vorstellungen haben.“ Natürlich könne ohne menschliches Zutun auch die U3
nicht fahren, statt Lokführerstreik heiße es dann halt Leitstellenstreik.
© ZEIT Wissen, 2008

0. Warum wird die neue Nürnberger U-Bahn “Geisterzug” genannt?


___Sie fährt ohne Zugführer.________________________________________

7. Was macht die fahrerlose U-Bahn sicherer?

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8. Wodurch werden die hohen Kosten ausgeglichen?

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9. Welche Vorteile haben die neuen Züge im Vergleich zu den alten? (2 Beispiele)

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10. Warum wurde gerade die Nürnberger U-Bahn zum Pilotprojekt?

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11. Welche Besonderheit weist der Nürnberger U-Bahn-Verkehr zurzeit auf?

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12. Welche neue Erkenntnis gewinnt die Journalistin bei der Testfahrt?

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13. Wie wird sich der Einsatz neuer Technik auf die Personalpolitik auswirken?

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