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MÄRZ 2018

Persönlichkeitsrechtsschutz
Wege zur Verbesserung
Realisierung: Alle sind gefordert
Demokratische Teilhabe 2.0 –
Fluch oder Segen?
6 Inhalt
3 Editorial
Gäste, Gefahren und Gegenmittel
4 Inside DIVSI
Schirmherr Joachim Gauck zu Gast:
Positive Potenziale des Internets herausstellen
6 Wertschöpfung und Wertschätzung
12 Wege zur Verbesserung des Persönlichkeitsrechts­
schutzes im Internet
9 Das digitale Deutschland – nicht alle haben teil
Der D21-Digital-Index zeigt: Jeder Dritte fühlt sich von der
Dynamik und Komplexität der Digitalisierung überfordert

SCHWERPUNKT
12 Die Alterslücke ist eine Vertrauenslücke

20 Eine responsive Digitalisierungspolitik für Ältere


kann das ändern
16 Kampf gegen die Übermacht des Silicon Valley
Wie ein Berliner Start-up das maßgeschneiderte Tablet für
die ältere Generation entwickelte und marktreif machte

20 So entstehen aus Mosaiksteinchen detaillierte Profile


Die Gefahren von Trackern und Persönlichkeitsprofilen.
Gibt es eine Chance, der Datensammlung zu entgehen?

26 24 Demokratische Teilhabe 2.0 – Fluch oder Segen?


Für die Realisierung ist Aktivität der Bürger ebenso wichtig
wie staatlich-institutionelle Mitgestaltungschancen
26 App sofort: DIVSI magazin auch digital
Zahlreiche Zusatzfunktionen verbessern den Service für
die Leser. Weitere Ausweitungen des Angebots möglich
27 Aktuelle Bücher

Impressum Haben Sie Fragen oder wünschen


weitere Informationen?
Herausgeber: Chefredakteur: Realisierung:
Deutsches Institut Jürgen Selonke (V.i.S.d.P.) Lohrengel Mediendesign Web: www.divsi.de Wissenschaftliche Leitung:
für Vertrauen und Schulterblatt 58 E-Mail: info@divsi.de Joanna Schmölz
Autoren: 20357 Hamburg Tel.: + 49 40 226 369 896
Sicherheit
Christian Bennefeld, Anfragen DIVSI magazin: E-Mail: wissenschaft@divsi.de
im Internet (DIVSI) Dr. Gabriele Buchholtz, Verbreitete Auflage: Michael Schneider,
Matthias Kammer, Roland Dathe, Marc-Oliver ca. 7.500 Exemplare, Leitung Kommunikation
Direktor Drescher, Prof. Dr. Dirk Abgabe kostenlos Tel.: + 49 40 226 369 895
Mittelweg 110B Heckmann, Prof. Dr. Titel: Syda Productions – E-Mail: michael.schneider@divsi.de
20149 Hamburg Herbert Kubicek Shutterstock E-Mail: presse@divsi.de

DIVSI ist eine gemeinnützige Initiative der Deutsche Post AG, gegründet im Jahr 2011.

2
DIVSI hatte Besuch, Schirmherr Joachim
Gauck war da. Der Bundespräsident a. D.
nutzte die Stunden für einen ebenso in­
tensiven wie informativen Austausch mit
der Kernmannschaft des Instituts. Was
ihm besonders wichtig war, ist ab Seite 4
festgehalten. Um Wege zur Verbesserung des Per­
sönlichkeitsrechtsschutzes im Internet
Unsere Ü60-Studie untersuchte be­ geht es Dirk Heckmann. Er zeigt auf, wie
reits 2016 die digitalen Lebenswelten der Wertschöpfung und Wertschätzung zu
älteren Generation bei uns. Zu den zent­ steigern sind. Mit Hinblick auf das anste­
ralen Befunden gehörte damals, dass das hende „13. Internationale For..Net-Sym­
Internet für sie hohe Bedeutung im Alltag posium“ brandaktuell. Dort geht es vor
hat, gleichzeitig aber 48 Prozent – das sind allem auch um Innovation und Ethik (S. 6).
etwa 10 Millionen Menschen – Offliner
sind. Auch die Onliner gaben Unsicherhei­ Ein Beitrag von Christian Bennefeld
ten im Umgang mit dem Internet zu. beschreibt anschaulich, wie Internet-Ma­
cher aus Mosaiksteinchen detaillierte
Gäste, Gleich zwei Beiträge als Schwerpunkt
verdeutlichen, wie zeitgemäße Hilfe für
Profile zaubern. Gibt es eine Chance, der
Datensammlung zu entgehen? Deutlich
Gefahren und die Senioren möglich ist. Herbert Kubicek
zeigt, dass die Alterslücke eine Vertrau­
wird: Die Gefahren von Trackern und
Persönlichkeitsprofilen dürfen nicht un­
Gegenmittel enslücke ist und wie eine responsive Di­ terschätzt werden (S. 20).
gitalisierungspolitik für ältere Menschen
das ändern kann (S. 12). Marc-Oliver Dre­ Und dann ist da noch so etwas wie
scher zeichnet den Weg eines Berliner eine Meldung in eigener Sache. Dank einer
Start-ups im Kampf gegen die Übermacht neuen App können Sie das DIVSI magazin
des Silicon Valley nach. Am Ende der Ent­ jetzt auch digital lesen. Dabei haben
wicklung stand ihr maßgeschneidertes zahlreiche Zusatzfunktionen den Service
Tablet für die ältere Generation (S. 16). deutlich verbessert (S. 26). Ausprobieren,
es lohnt. Nicht nur dabei wünsche ich Ih­
Beides ist wichtig, damit auch Ü 60 nen informative Unterhaltung.
die digitalen Beteiligungschancen besser
nutzen kann. Thematisch passt dazu ein
Beitrag von Gabriele Buchholtz. Sie un­
tersucht, ob „Demokratische Teilhabe 2.0
– Fluch oder Segen?“ ist. Auf jeden Fall ist
für ihre Realisierung Aktivität aller Bür­
ger ebenso wichtig wie staatlich-instituti­ Jürgen Selonke
onelle Mitgestaltungschancen (S. 24). Chefredakteur, DIVSI magazin

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nach „DIVSI“. Weitere Informationen finden Sie auf Seite 26.

März 2018 3
INSIDE DIVSI

Positive Potenziale des


Internets herausstellen
Schirmherr Joachim Gauck zu Gast im DIVSI-Büro.

Das Team.
Schirmherr Bundespräsident a. D. Joachim Gauck
eingerahmt von der Kernmannschaft des DIVSI.

Mit großem Interesse und gespann­ te Debatte. Gleichzeitig dürfe man aber als Ermutiger und wolle dies in seine Rol­
ter Aufmerksamkeit registrierte DIVSI- nicht aufhören auf Missstände hinzuwei­ le als Schirmherr einbringen.

Fotos: Kerstin Lakeberg, Northside/CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/


Schirmherr Bundespräsident a. D. Joa­ sen, Cybercrime und Cybermobbing an­ Joachim Gauck verabschiedete sich

by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons, Siegfried Vögele Institut, Weizenbaum-Institut


chim Gauck bei seinem Besuch im zuprangern. Joachim Gauck: „Wir sollten mit einem großen Kompliment von der
Hamburger Büro des Instituts die de­ uns davor hüten, es fatal hinzunehmen, Kernmannschaft des Instituts: „Ich freue
taillierte Beschreibung der sieben DIVSI dass es Missstände gibt.“ Dem Mensch­ mich, dass hier so viel geschafft wird. Die
Internet-Milieus. Und er stufte sich sel­ sein gerade in Zeiten der Digitalisierung gewonnenen Eindrücke waren sehr ins­
ber ein: „Ich sehe mich an der Schwelle komme große Bedeutung zu. Er sehe sich pirierend für mich.“
zum Verantwortungsbedachten Etablier­
ten.“ Gleichzeitig bedauerte der ehemali­
ge Bundespräsident, dass bei einer doch
immer noch großen Zahl von Menschen Wer regiert das Internet?
die Ängste nach wie vor größer seien als
die Neugier auf die Möglichkeiten des Die bewährte Zusammenarbeit von
Internets und auf Dabei-sein-wollen. DIVSI mit der Hamburger Bucerius Law
School geht auch 2018 weiter.
Missstände. Der Schirmherr appellierte Das gemeinsame nächste Forum ist
an das DIVSI-Team, in der notwendigen für den 31.5./1.6.2018 geplant. Experten
Abklärung um die Möglichkeiten des In­ der verschiedensten Fachrichtungen
ternets vor allem die positiven Potenziale nehmen dann Stellung zur Thematik Veranstaltungsort. Die Ham-
herauszustellen. Dieser Aspekt sollte do­ „Wer regiert das Internet?“. burger Bucerius Law School.
minieren, nicht die missbrauchsbasier­

4
Weizenbaum-Institut hat Arbeit aufgenommen Digital Leadership
Das Weizenbaum-Institut für die ver­ ches Forschungsgebiet, das Geistes-
netzte Gesellschaft hat seine Arbeit und Sozialwissenschaften mit der Me­
aufgenommen. Bei einem ersten Tref­ thodik von Informatik und Mathematik
fen in Berlin stimmten die Partner des verknüpft, und wird sich nur dann zu
Netzwerkes die Ausrichtung des Ins­ einem nutzbringenden Werkzeug ent­
tituts ab. Es ging darum, Inhalte und wickeln, wenn die beteiligten Diszipli­
Formen der zukünftigen Koopera­ nen verzahnt zusammenwirken.“
tionen mit dem Weizenbaum-Institut Alexander Rabe, Geschäftsführer Podium. Mathias Weigert, Dr. Thomas
Schäfer, Matthias Kammer, Dr. Markus
auszuloten. Die bislang 28 Netzwerk­ des eco – Verband der Internetwirt­
Klimmer, Ulrich Hilbert (v.l.).
partner sind wichtige Multiplikato­ schaft e.V. –, sieht große Chancen
ren und Transfer-Partner in Wissen­ der gegenseitigen Impulsgebung: Mit dem Siegfried Vögele Institut (SVI)
schaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft „Die digitale Transformation von Wirt­ und der IHK Frankfurt/Main hatte
und Politik. Zu ihnen gehört auch das schaft und Gesellschaft lässt sich DIVSI zum 3. Königsteiner Manage­
Deutsche Institut für Vertrauen und nur im Schulterschluss aller gesell­ ment-Dialog eingeladen. Nach einem
Sicherheit im Internet (DIVSI). schaftlichen Stakeholder gestalten. Impulsvortrag des DIVSI-Autors Dr.
Als Branchenverband mit über 1.000 Markus Klimmer (#Digital Leadership
Zusammenarbeit. Joanna Schmölz, Mitgliedsunternehmen setzen wir uns – Wie die Chefs den Wandel gestal­
Wissenschaftliche Leiterin bei DIVSI, daher als Netzwerkpartner für einen ten) diskutierten die Podiumsgäste
nahm für das Institut am Premie­ solchen nachhaltigen Dialog ein und über die Herausforderungen, die der
rentreffen teil. Sie unterstützt den werden diesen aktiv mitgestalten.“ dgitale Wandel für Führung bedeutet.
kooperativen Ansatz ausdrücklich: Auf dem Podium saßen Dr. Thomas
„Wir alle stehen vor komplexen, aber Forschung. Im Mai 2017 war ent­ Schäfer, Hessischer Staatsminister der
auch sehr spannenden Fragestellun­ schieden worden, dass das Deutsche Finanzen und CIO, Mathias Weigert,
gen. Es geht um nichts weniger als Internet-Institut nach Berlin kommt Director der Kienbaum Consultants
die Frage, wie wir unsere Zukunft in (wir berichteten). Matthias Kammer, International GmbH und Geschäftsfüh­
einer digitalisierten und vernetzten seit Gründung des DIVSI (2011) des­ rer der Unternehmer-Schmiede GmbH,
Welt gestalten. Das geht nur gemein­ sen Direktor, stellte bereits damals Ulrich Hilbert, Mitglied des Vorstandes,
sam. Deshalb freue ich mich über fest: „Ich begrüße es, wenn die For­ Frankfurter Volksbank eG. DIVSI-
die Netzwerk-Partner-Initiative des schung in diesem so wichtigen Be­ Direktor Matthias Kammer moderierte
Deutschen Internet-Instituts.“ reich weiter verstärkt wird. Die Auf­ den Abend. Eine weitere Veranstaltung
Prof. Dr. Martin Grötschel, Präsi­ gaben im Zusammenhang mit der ist für Bayreuth geplant.
dent der Berlin-Brandenburgischen fortschreitenden Digitalisierung sind
Akademie der Wissenschaften (BBAW), so komplex, dass es der Sache guttut,
betonte, wie wichtig der Austausch der wenn künftig auch von Berlin aus da­
Forschungsarbeit des Weizenbaum- ran geforscht wird.“
Es geht um
Ins­tituts mit weiteren wissenschaft­ Das Bundesministerium für Bil­ digitales Recht
lichen Institutionen in Deutschland im dung und Forschung fördert das Ins­
Bereich Digital Humanities (DH) sei: titut in den ersten fünf Jahren mit 50 Auch 2018 wird DIVSI Sponsor der
„DH ist ein in der Entstehung befindli­ Millionen Euro. Telemedicus Sommerkonferenz sein.
Am 30. Juni und 1. Juli sind dann in
Berlin Vorträge und anregende Dis­
Premiere. kussionen unter dem Titel „Digitalisiert
In Berlin ging & totreguliert – Wie viel digitales Recht
es um Inhalte brauchen wir?“ zu erwarten.
und Formen
möglicher 30. Juni / 1. Juli 2018
Kooperationen
mit dem Microsoft Atrium
Weizenbaum-­ Unter den Linden 17
Institut. 10117 Berlin-Mitte
Weitere Informationen:
www.telemedicus.info

März 2018 5
DISKUSSIONSKULTUR

Wertschöpfung und Wertschätzung


Wege zur Verbesserung des Persönlichkeitsrechtsschutzes im Internet.
Dirk Heckmann

G
robe Beleidigungen und Ver­ rungen proklamiert über missliebigen Äußerungen
leumdungen nehmen in unse­ wird, was bei Lösch­ und Inhalten (einschließlich sog.
rer Gesellschaft zu, auch und begehren immer wie­ „Fake News“) vornimmt. Eine
gerade in Sozialen Netzwerken, der zum Vorwurf einer echte Verbesserung des Persön­
Online-Foren und interaktiven Portalen. Zensur führt. lichkeitsschutzes im Internet ist
Das Internet ist aber kaum „schuld“ an Die Bundesregierung durch dieses Gesetz weder inten­
dieser Entwicklung. Es zeigt vielmehr als hat in ihrem Koalitionsver­ diert noch möglich. Der Koalitions­
„Spiegel der Gesellschaft“ deren Zustand trag 2013 den Erlass eines Cybermob­ vertrag 2018 blendet das Thema aus.
in Bezug auf das Werteverständnis, cha­ bing-Gesetzes versprochen. Herausge­
rakterliche Merkmale seiner Nutzer und kommen ist ein äußerst umstrittenes und Störerhaftung. Seit dem 1.1.2018 sind
auch die Diskussionskultur. (europa)rechtlich fragwürdiges „Netz­ Anbieter sozialer Telemedien wie Face­
Zwar sind solche Ehrverletzungen werkdurchsetzungsgesetz“ (NetzDG), book oder Twitter nach dem NetzDG ver­
schon nach geltendem Recht straf­ das einseitig die Betreiber von Sozialen pflichtet, rechtswidrige Inhalte von ihren
bar. Dies hindert die Täter aber nicht an Netzwerken in die Pflicht nehmen will Plattformen unverzüglich zu löschen.
ihrem Treiben, weil eine Strafverfolgung und dabei einen Rundumschlag gegen­ Dabei ist die Verpflichtung zum Löschen
nur in ganz seltenen Fällen stattfindet. ehrverletzender Tweets oder Postings
Dies hat mehrere Ursachen: Zum einen nicht neu. Hierzu sind die Plattformbe­
werden Ehrverletzungsdelikte nur auf treiber nach den Grundsätzen der Stö­
Antrag verfolgt und selbst dann kaum rerhaftung auch unter Berücksichtigung
zur Verurteilung gebracht. Zum anderen ihrer Privilegierung nach Art. 14 E-Com­
scheuen viele Opfer die Strafanzeige, weil merce-Richtlinie und §10 TMG verpflich­
sie im Verfahren selbst nur unzureichend tet, sobald sie Kenntnis von dem rechts­
geschützt und unterstützt werden. widrigen Inhalt haben. Problematisch ist
vielmehr der mit erheblichen Sanktionen
Abgrenzungsbedarf. Auch die schiere im NetzDG erzeugte Druck auf die Platt­

Fotos: Barbara, NOBUHIRO ASADA – Shutterstock


Masse von Tausenden neuer Straftaten formbetreiber, eher zu viel als zu wenig
jeden Tag scheint die Ermittlungsbehör­ zu löschen (sog. Overblocking).
den zu erdrücken. Außerdem leidet die Und hier kommt das Grundrecht der
Diskussion um das „Cybermobbing“ da­ Meinungsfreiheit (Art. 5 Abs. 1 GG) in sei­
runter, dass erhebliche Ehrverletzungen ner objektiv-rechtlichen Dimension ins
(teilweise mit Suizid-Folgen) mit einfa­ Spiel: Praktisch niemand wird etwas da­
chen Beleidigungen „in einen Topf ge­ Kein Like. Mit Hinweis auf die Gemein- gegen haben, dass strafbare Ehrverlet­
worfen werden“ (zumal derzeit §185 StGB schaftsstandards wurde u.a. dieses Foto zungen aus dem Internet entfernt werden.
dafür einheitlich gilt) und dabei auch ein der bekannten Street-Art-Künstlerin Was unterdessen strafbarer Inhalt und
Abgrenzungsbedarf gegenüber grund­ „Barbara“ vorübergehend gelöscht – was demgegenüber schutzwürdige Mei­
rechtlich geschützten Meinungsäuße­ laut Facebook angeblich ein Versehen. nungsäußerung ist, darüber kann wahr­

6
lich gestritten werden. Man denke nur chem Kontext diese geschrieben wurden. strafbare Ehrverletzung ist, ist fließend.
an das durch Satire (Art. 5 Abs. 3 GG) ge­ Es besteht also ein Dilemma: Auf der Dies ist auch deshalb ein Dilemma, weil
schützte Gedicht von Jan Böhmermann einen Seite gilt es, die Opfer von Ehr­ es immer eine Zwischenzeit geben wird,
oder die gegen eine AfD-Politikerin ge­ verletzungen im Internet, besonders in in der entweder ein rechtswidriger Inhalt
richtete Bezeichnung als „Nazi-Schlam­ schwerwiegenden Fällen wie beim Cy­ bis zu einer (gerichtlichen) Entscheidung
pe“, die das Landgericht Hamburg eben­ bermobbing, zu schützen. Auf der an­ im Netz steht oder ein rechtmäßiger In­
falls zugelassen hat. deren Seite muss die Meinungsfreiheit halt (nachdem er „vorschnell“ gelöscht
So verwundert es nicht, dass jüngst (korrespondierend mit der Informations­ wurde) noch nicht wieder online verfüg­
etliche gelöschte Tweets (zum Beispiel freiheit und der Kunstfreiheit) als hohes bar gemacht wurde. Wie also soll man
solche des Satiremagazins Titanic) Gut ebenso geschützt werden. mit diesem Dilemma umgehen, dass
wieder freigegeben werden Die Grenze, was noch (Persönlichkeits-)Rechtsschutz entweder
mussten, nachdem darauf geschützte Meinungsäu­ zu schwerfällig und langsam ist oder auf
hingewiesen wurde, in wel­ ßerung und was bereits Kosten der Meinungsfreiheit eine norma­
tive Kraft des Faktischen entfaltet?

Kombination. An dieser Stel­


le soll ein Gesetzentwurf zur
Verbesserung des Persön­
lichkeitsrechtsschutzes im
Internet (Persönlichkeits­
rechtsschutzgesetz – PRG)
weiterhelfen, der auf Initia­
tive der Rechtsschutzversiche­
rung ARAG 2017 an der Universität Pas­
sau, Forschungsstelle für IT-Recht und
Netzpolitik For..Net, entstanden ist und
der im Februar 2018 veröffentlicht wur­
de. Verfasserin des Gesetzentwurfs ist
neben dem Autor dieses Beitrags Anne
Paschke, die For..Net-Geschäftsführerin.
Der Gesetzentwurf mit Begründung und
konsolidierter Fassung sowie Hinter­
grundinformationen zum Projekt ist hier
abrufbar: www.arag.com/german/press/
pressreleases/group/00448.
Schwere Beleidigungen und Verleum­
dungen sollen danach im Netz wirksam
NetzDG soll schützen. verfolgt werden, indem man die
Angriffe, Verleumdungen, Möglichkeiten des Strafrechts,
Bedrohungen – des Strafprozessrechts und
viele verzweifeln am des Telemedienrechts sinn­
Cybermobbing. voll kombiniert. Vorgeschla­
gen wird ein spezieller Cyber­
mobbing-Straftatbestand,

März 2018 7
die „besonders schwere Ehrverlet­
zung im Internet“. Der Gesetzentwurf
geht aber weit über bloße Strafnormen
hinaus. So wird insbesondere der Op­
ferschutz stark verbessert. Neben einer
Ermittlungspflicht von Amts wegen er­
halten Opfer schwerer Ehrverletzungen
einen „Opferanwalt“ und psychosoziale
Prozessbegleitung.

Verpflichtung. Das Herzstück des Ge­


setzentwurfs ist die Neuregelung im
Telemedienrecht. Provider und Platt­
formbetreiber sollen mit ihrer Techno­
Einfach weg damit? Die Sperrung des Titanic-Twitter-Accounts wegen
logiekompetenz zum Persönlichkeits­
dieses satirischen Tweets löste eine Zensurdebatte aus.
rechtsschutz beitragen und nicht an die
Stelle der Gerichte treten. So sollen sie
verpflichtet werden, Maßnahmen zur nungsäußerung im Netz erfolgt im Zwei­ bei der technischen Ausgestaltung ihrer
Meldung und Kenntlichmachung von fel also durch die Gerichte. Geschäftsmodelle erst selbst geschaf­
problematischen Inhalten bereitzustel­ Zur Sicherung einer erforderlichen fen haben. Mit der Regelung eines Aus­
len. Gemeldete Inhalte sollen von den Beweisführung eignet sich die Dokumen­ kunftsanspruchs für das Opfer wird der
Betreibern nicht mehr gelöscht, sondern tationspflicht durch die Plattformbetrei­ Persönlichkeitsschutz prozedural dem
als streitig gekennzeichnet und zur Be­ ber, weil die Opfer gleichsam mit einem Vermögensschutz des Urheberrechts an­
weissicherung dokumentiert werden. Für Mausklick alles tun können, was die zivil­ geglichen. Dort sind Plattformbetreiber
die Durchsetzung des Löschbegehrens rechtliche und strafrechtliche Rechtsver­ bereits verpflichtet, im Streitfall IP-Ad­
bedarf es eines gerichtlichen Beschlus­ folgung erleichtert. So gleichen die nor­ ressen von mutmaßlichen Störern zur
ses. Die rechtliche Abgrenzung zwischen mierten Pflichten für die Diensteanbieter Rechtsverfolgung herauszugeben. Mit
strafbarer Ehrverletzung und freier Mei­ nur diejenigen Risiken aus, die diese seinem Gesamtpaket will das PRG den
Persönlichkeitsrechtsschutz verbessern
und damit für Wertschätzung im Inter­
net werben. Wenn in jüngerer Zeit immer
von Wertschöpfung durch Digitalisierung
13. Internationales For..Net-Symposium die Rede ist, dürfen nicht nur materiel­
le Werte adressiert werden, die sich in
Wertschöpfung durch Digitalisierung: Innovation. Ethik. Sicherheit. Geschäftsmodellen wie denen der Platt­
formbetreiber widerspiegeln. Schutzwür­
Am 11. und 12. April 2018 ver­ delle, Arbeitsplätze und mehr dig und besonders schutzbedürftig sind
anstaltet die Forschungsstelle in der digitalen Transformation auch ideelle Werte wie informationelle
für IT-Recht und Netzpolitik ihr geschaffen und erhalten? Welche Selbstbestimmung und die persönliche
mittlerweile 13. Internationales Folgen haben die disruptiven Ehre. Das Leitbild des Grundgesetzes mit
Symposium. Im Ambiente der Prozesse auf ideelle Werte wie der Menschenwürde und dem allgemei­
Redouten-Säle des Niederbaye­ Privatheit, informationelle Selbst­ nen Persönlichkeitsrecht an der Spitze
rischen Landestheaters werden bestimmung und den Persönlich­ gilt offline und online.
rund 150 Teilnehmer aus Wissen­ keitsschutz? Die interdisziplinäre
schaft, Wirtschaft und Politik er­ Veranstaltung bietet ein Exper­ Prof. Dr. Dirk Heckmann
wartet. Das Generalthema „Wert­ tenforum für Orientierung und ist Inhaber des Lehrstuhls
schöpfung durch Digitalisierung“ Rechtssicherheit. Auf dem Gala­ für Öffentliches Recht,
Sicherheitsrecht und Inter­
spiegelt im doppelten Wortsinn die abend hoch über den Dächern
netrecht an der Universität
beiden großen Herausforderungen der Dreiflüssestadt wird der
Fotos: Heckmann, Twitter/@titanic

Passau und Mitglied des


unserer Zeit wider: Wie werden 5. For..Net-Award für Innovation Bayerischen Verfassungs­
materielle Werte, Geschäftsmo­ und Datenschutz verliehen. gerichtshofs.

KOSTENFREIE ANMELDUNG, PROGRAMM UND WEITERE


INFORMATIONEN UNTER www.for-net.info

8
DETAIL-BLICKE

Deutschland, digital wie nie zuvor –


aber nicht alle haben teil
D21-Digital-Index erschienen. Er zeigt auch: Jeder Dritte fühlt sich von der Dynamik und
Komplexität der Digitalisierung überfordert.
Roland Dathe

U
nsere Gesellschaft wird immer ein aus Zugang, Nutzung, Kompetenz letzten Jahren noch einmal rasant an
digitaler: Mittlerweile sind vier und Offenheit errechneter Indexwert von Geschwindigkeit zugenommen. Neue
von fünf Deutschen online – die 53 bei 100 maximalen Punkten wieder­ Geräte und Technologien erscheinen in
14- bis 29-Jährigen sogar na­ gibt. immer kürzeren Abständen und bieten
hezu vollständig. Und das Digitale wird dem Einzelnen wenig Zeit, sich intensiv
immer stärker zu einem wichtigen Be­ Überforderung. Geschwindigkeit und auf etwas einzustellen. Aktuell machen
standteil des alltäglichen Lebens – das Komplexität der Digitalisierung überfor­ beispielsweise die Künstliche Intelligenz
ergab die gerade erschienene Studie dern jeden Dritten. Ohne Zweifel haben und smarte Geräte große Fortschritte,
D21-Digital-Index 2017/2018. Im Ver­ die technischen Entwicklungen in den die nachhaltige Auswirkungen auf alle
gleich zu den vorigen Jahren ist vor al­ Bereiche unseres Lebens haben können.
lem ein Kompetenzzuwachs festzustellen Geräte wie Amazons Alexa oder Google
sowie eine erhöhte Offenheit zur Nutzung Home ziehen in immer mehr Privat­
des Internets und digitaler Geräte. haushalte ein, hören
Die Menschen kennen mehr Begriff­ mit und bestellen
lichkeiten, fühlen sich sicherer im Um­ auf Kommando
gang mit verschiedenen Anwendungen
und Geräten, sie bewegen sich sicherer
im Internet. „Digitale Medien müs­
sen heutzutage grundlegender
Bestandteil aller Schulfächer
sein“, sagen beispielsweise zwei
von drei Befragten, und fast eben­
so viele finden, dass Program­
mierkenntnisse ein grundle­ Vernetzung.
gender Teil der Schulbildung Doch kann tatsäch-
sein sollten. Diese Verände­ lich jeder jeden
rungen in den Einstellungen zu jeder Zeit
zeigen den wachsen­ erreichen?
den Stellenwert
der Digitalisie­
rung für die meis­
ten Menschen.
Insgesamt be­
wegt sich die
Fotos: ElenVD – Shutterstock

deutsche Bevöl­
kerung trotz der
Zuwächse aber nur
auf einem mitt­
leren Digitalisie­
rungsniveau, wie

März 2018 9
Pizza, dimmen das Licht oder spielen
Musik nach Wunsch ab.
Manche Dinge, die noch vor wenigen
Jahren wie Zukunftsszenarien klangen,
sind mittlerweile Realität. Die technischen
Entwicklungen der vergangenen Jahre
haben die Welt ohne Frage schnelllebi­
ger und komplexer gemacht. Das verlangt
den Menschen einiges ab, und so verwun­
dert es nicht, dass es nicht alle schaffen,
Schritt zu halten. Rund jeder Dritte fühlt
sich von der Dynamik und Komplexität der
Digitalisierung überfordert, so die Studie. nd e 41%
th al te
l Mi
Spaltung. Vielleicht kommt Ihnen fol­

i ta
gende Situation bekannt vor: Sie sitzen
Dig
bei einer Familienfeier zusammen, die Minderheit.
Erwachsenen reden miteinander, der Etwa ein Viertel der
eine oder andere hat vielleicht sein Han­ Menschen stehen 34%
noch abseits. Hier
dy vor sich liegen und guckt gelegentlich
wartet eine Riesen-
D i g it

darauf, während die Heranwachsenden


aufgabe auf die
unablässig mit ihren Smartphones in der

er
al A

Gesellschaft.

it
Hand hantieren, damit schreiben, spie­

re
bs

r
len oder sich gegenseitig Videos zeigen. it s

Vo
le
e

ste
Die Großeltern wiederum sitzen daneben 25% hen it a
de Dig
und können gar nicht nachvollziehen,
was die Jüngeren dort treiben. Irgendwo
dazwischen sind die Eltern, die zwar mit
Smartphone und Co. umgehen können,
aber so richtig auch nicht immer durch­
blicken, was ihre Kinder dort tun. kerung wie selbstverständlich mit moder­ zipieren in der Regel kaum noch an der
Dies beschreibt symbolisch eine der ner Technik hantiert, hält der größte Teil digitalen Welt. Fast ebenso stark für den
zentralen Merkmale der digitalen Spal­ halbwegs Schritt, und ein Viertel ist ganz Digitalisierungsgrad verantwortlich ist
tung, die durch das Land geht. Die Be­ abgehängt. Dieser Riss geht vor allem der Faktor Bildung: Personen mit hohem
völkerung teilt sich in 34 Prozent Digitale entlang des Alters; die unter 30-Jährigen formalem Bildungsgrad sind im Schnitt
Vorreiter, 41 Prozent digital Mithaltende sind in der Regel sehr digitalkompetent, mehr als doppelt so digitalkompetent
und 25 Prozent digital Abseitsstehende. ab 50 Jahren nimmt die Kompetenz deut­ wie solche mit niedriger Bildung. Ebenso
Während also rund ein Drittel der Bevöl­ lich ab, und die über 65-Jährigen parti­ sind Berufstätige laut den Erhebungen
der Studie deutlich digitaler als Nichtbe­
rufstätige und Männer mehr als Frauen.
Zuwachs. Mo-
derne Komman-
Digitalkompetenz. Doch wieso sollen
do-Empfänger
überhaupt alle bei der Digitalisierung
wie Alexa ge-
mitmachen? Die Antwort darauf lau­
hören oft zum
Familienalltag. tet „Teilhabe“. Die Digitalisierung verän­
Doch nicht jeder dert Wirtschaft, Arbeit und Gesellschaft
ist bereit für die grundlegend. Das beginnt schon bei der
neue Zeit. Kommunikation, die einem starken Wan­
del unterliegt. Zwar telefonieren die Deut­
schen nach wie vor am liebsten, gerade die
Jüngeren aber nutzen vor allem Messen­
ger-Dienste zum Texten, für Sprachnach­
richten oder zum Teilen von Bildern oder
Videos. Das ist auch für ältere Menschen
eine gute Möglichkeit, beispielsweise mit
der Familie in Kontakt zu bleiben – und sei
es nur, dass sie regelmäßig Fotos der En­

10
Nachgehakt. Der neue
Index. Antworten auf fast
jede Digital-Frage.

WEITERE INFORMATIONEN
initiatived21.de
Voll dabei. Ohne geht (fast) nichts mehr. Vor allem Jüngere sind mit immer mehr
Hintergrundwissen dabei.

kelkinder im Familien-Chat geschickt be­ mit den neuen digitalen Möglichkeiten bildungsangebote ihre digitalen Fähig­
kommen. Die digitalen Kommunikations­ bereits gewandelt oder tun es aktuell. keiten erweitern. Rund jeder Fünfte (und
wege bieten in vielerlei Hinsicht Vorteile Der KFZ-Mechaniker ist schon lange von den über 50-Jährigen jeder Dritte)
und neue Möglichkeiten der Teilhabe. zum Mechatroniker geworden, in Büros gab an, sich gar nicht fortzubilden. Ge­
wird überwiegend digital gearbeitet. Die rade diejenigen, die im digitalen Abseits
Überprüfung. Ein weiteres Beispiel: Die Anforderungen und Erwartungen an die stehen und gar nicht oder kaum an der
schnellen, digitalen Informationswege Arbeitnehmerinnen und -nehmer ver­ digitalen Welt partizipieren, könnte ein
und Plattformen erlauben es beispiels­ ändern sich. Wer sich den Entwicklun­ niedrigschwelliges und unkompliziertes
weise Personen in ländlichen Regionen, gen verschließt, wird es zukünftig immer Weiterbildungsprogramm erreichen.
sich unkompliziert und ortsunabhängig schwerer auf dem Arbeitsmarkt haben. Damit bei der heranwachsenden
mit Gleichgesinnten auszutauschen oder Auch hier ist es unerlässlich, dass man Generation von vornherein der Umgang
sich zu engagieren. Sie ermöglichen zu­ Digitalkompetenzen aufbaut und erwei­ mit der digitalen Umwelt verankert wird,
dem eine unabhängige Beschaffung von tert. Fähigkeiten in der Digitalisierung sollte die Vermittlung von entsprechen­
Informationen und fordern im gleichen sind eine Investition in die Zukunft. dem Wissen bereits in der Schule begin­
Schritt viel von den Benutzerinnen und nen. So können wir sicherstellen, dass
Benutzern. Denn in Zeiten, in denen jeder Herausforderung. Wie aber baut man die Schülerinnen und Schüler auf die
potenziell über Blogs oder Social Media die benötigten Digitalkompetenzen auf? Herausforderungen der modernen Welt
zum Absender wird und die klassischen Immerhin ein Drittel der Bevölkerung vorbereitet sind.
Medien ihre Informationshoheit nicht bewegt sich völlig routiniert und kom­ Da die Digitalisierung unsere Zukunft
Fotos: Amazon, ElenVD/fotoinfot – Shutterstock, Initiative D21

mehr innehaben, muss jeder auch be­ petent durch die digitale Landschaft. Die bestimmt, sollte es uns als Gesellschaft
wusster mit Informationen umgehen und verbreitetste Methode ist das klassische ein großes Anliegen sein, nach Möglich­
im Zweifelsfall selbst prüfen können, wie „Learning by doing“, über die Hälfte bringt keit niemanden zurückzulassen. Nur wer
seriös eine Quelle ist. Wem kann ich ver­ sich selbst etwas bei durch Ausprobieren, die notwendigen Digitalkompetenzen
trauen, wem nicht? Wie kann ich selbst wie die Erhebungen des D21-Digital-In­ mitbringt, kann den Anforderungen der
Informationen überprüfen? Kann ich dex ergaben. Es folgen Hilfe und Tipps Zukunft wirklich selbstbestimmt begeg­
Werbung bzw. gesponserte Beiträge von von Freunden und Bekannten, dann die nen. 
inhaltlichen unterscheiden? Ein selbst­ Familie, Internetvideos und Kolleginnen
bestimmter Umgang mit Medien und In­ und Kollegen.
Roland Dathe
formationen erfordert ein gewisses Maß Das zeigt, dass es den Menschen vor
studierte Politikwissen­
an digitaler Kompetenz und kann dann allem selbst überlassen bleibt, die digi­ schaften und Journalismus.
einen großen Mehrwert bieten. talen Kompetenzen zu entwickeln. Nur Er ist Pressereferent bei der
Ein weiterer Aspekt der Teilhabe ist rund 15 Prozent der Befragten gaben an, Initiative D21, dem Netzwerk
die Arbeitswelt. Viele Berufe haben sich dass bezahlte Schulungen und Weiter­ für die Digitale Gesellschaft.

März 2018 11
HANDLUNGSBEDARF

Die Alterslücke ist


eine Vertrauenslücke
Eine responsive Digitalisierungspolitik für ältere
Menschen kann das ändern.
Herbert Kubicek

I
n ihrer Koalitionsvereinbarung hat sich In absoluten Zahlen sind das über 10
die Bundesregierung das Ziel gesetzt, Millionen Menschen. Diese Zahl ergibt
bei der Digitalisierung „die richtigen sich, wenn man die in der DIVSI Ü60 Stu­
Rahmenbedingungen zu schaffen, da­ die ermittelten Anteile der Offliner in den
mit jeder daran teilhaben kann“. Dazu höheren Altersgruppen mit den Zahlen
zählt auch „die Vermittlung von digitalen der Bevölkerungsstatistik multipliziert
Fähigkeiten als Schlüsselkompetenz für (Tabelle). Bedenkt man, dass die Lebens­
alle Altersgruppen“. Es folgt dann aber erwartung noch steigt, wird gerade der
wenig zur Erwachsenenbildung und zu heute schon hohe Anteil der über 80-Jäh­
digitalen Kompetenzen bei älteren Men­ rigen Offliner noch steigen. Ein Dilemma
schen. Gerade bei über 70-Jährigen be­ vor allem für E-Health und Telemedizin.
steht jedoch großer Handlungsbedarf, Pilotprojekte etwa mit Technik-Bot­
weil sich die schon vor 20 Jahren beklag­ schaftern oder Internetpaten zeigen,
te Alterslücke nicht verringert hat. dass das Interesse älterer Menschen am
Internet durchaus geweckt werden kann.
Abstand. Vergleicht man den Abstand Sie sind jedoch nicht skalierbar und brei­
zwischen den Anteilen der Internetnut­ tentauglich, und sie lösen ein zentrales
zer bei den 14–19-Jährigen mit den An­ Dilemma nicht: Viele ältere Menschen
teilen der Altersgruppe 60–69 und 70+, glauben, dass das Internet für sie nichts
dann haben die 60–69-Jährigen gegen­ Nützliches bietet und zu kompliziert ist.
über den Jungen etwas aufgeholt. Der
Abstand der über 70-Jährigen beträgt Investitionsdilemma. Um den Nutzen
jedoch wie schon 2001 immer noch 60 des Internets zu erkennen, braucht man
Prozentpunkte. ein Gerät für einige Hundert Euro mit In­

Internetnutzung in verschiedenen Altersgruppen


Anteile in Prozent ternetanschluss und eine Einweisung. Wer
100 % keinen Nutzen erwartet, wird diese Inves­
tition in der Regel nicht tätigen. Man kann
80 % von einem Investitionsdilemma sprechen.
14–19 Jahre Dabei gibt es eine zeitgemäße Alternative,
60 % 60–69 Jahre wie die Stiftung Digitale Chancen zusam­
70+ Jahre men mit Telefonica Deutschland in einem
40 % gerade abgeschlossenen Projekt nach­
gewiesen hat: Dabei wurden mit einem
20 %
unterstützenden Begleitprogramm Tab­
let-PCs mit einer SIM-Karte unentgeltlich
0%
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 für acht Wochen an ältere Menschen im
Anzahl Jahre Alter von 55 bis 91 Jahre ausgeliehen.

12
Teamarbeit. Der
Nachwuchs kann es
intuitiv, für Ältere ist
der Einstieg Arbeit.
Die Gesellschaft
sollte aber keinen
ausschließen.

Generationenunterschied. Die DIVSI- liche Selbstwirksamkeit bezeichnet, d.h. allerdings nur, wenn auch ein inhaltliches
Studie sieht den entscheidenden Unter­ als das Vertrauen, auftretende Probleme Interesse an einer Internetnutzung ge­
schied zwischen der jüngeren und der selbst bewältigen zu können. Wenn die­ weckt werden kann. In unserem Feldver­
älteren Generation vor allem im Um­ se Annahme zutrifft, verwundert es nicht, such wurden zu Beginn die Erwartungen
gang mit erwarteten Nutzen und Risi­ dass ein üblicher PC- oder Tablet-Kurs in im Hinblick auf verschiedene Nutzenka­
Foto: VGstockstudio – Shutterstock

ken. Während Jugendliche neugierig auf vielen Fällen nicht zu einer Nutzung führt. tegorien und nach der Erprobung die tat­
neue Techniken sind und diese auch als Hinzu kommt, dass insbesondere Men­ sächliche Nutzung erfragt.
Statussymbol empfinden, sind Ältere schen in höherem Alter sich nicht mehr Hohe Übereinstimmung gab es bei
eher an einem konkreten Nutzen inte­ zutrauen, die Ziele eines Kurses zu er­ dem Nutzen der Unterstützung der Mo­
ressiert. reichen. Neben technischen Fertigkeiten bilität durch Fahrpläne und Karten, der
Diesen Unterschied zwischen den und Kenntnissen müssen Angebote für Kontakte mit Familie und Freunden, bei
Generationen gibt es nicht nur bei der ältere Menschen daher vor allem deren der Gewinnung von Wissen und der Un­
Internetnutzung. Er wird als unterschied­ Selbstwirksamkeit stärken. Das gelingt terhaltung. Nur von wenigen auspro­

März 2018 13
Nutzen und Nutzung des Internets von 300 Senioren
zwischen 55 und 95 Jahren
Anteile in Prozent gesagt (nicht) getan

Mobil sein / Orientierung


biert wurde hingegen die Nutzung von
Anwendungen, die Wege ersparen, wie „gesagt“ 58
Online-Einkaufen und Online-Banking.
Navigation 53
Das Leihmodell umgeht nicht nur die
Kosten für die Anschaffung eines Geräts. ÖPNV 66
Es trägt auch den Lernerfordernissen Informationen zu Reisen 46
älterer Menschen Rechnung, weil sie und Unterkünften
zwischen den Sprechstunden oder Trai­
nings zu Hause wiederholen können, was Kontakt mit Freunden / Familie / Bekannten
sie dort erfahren haben. Einen wichtigen
Beitrag haben zudem vorinstallierte Apps „gesagt“ 66

geleistet, die auf die erwarteten Nutz­ E-Mail 72


enaspekte hin ausgewählt wurden. Denn
Chatten 28
Neulinge zögern, Apps aus dem Internet
herunterzuladen. Oft wissen Sie auch Telefonieren (Video) 13
nicht, was für sie interessant sein könnte.
Lauferei ersparen
Vertrauenswürdig. Hilfe beim Aufbau
„gesagt“ 83
von Selbstvertrauen sollte von Einrich­
tungen und Personen kommen, denen Länger selbstständig bleiben
die Betroffenen vertrauen. Daher wurden
in dem Projekt Seniorentreffs und Senio­ „gesagt“ 69

renwohneinrichtungen ausgewählt, die Banking 24


auch vielfältige andere Angebote für ihre
Kaufen 24
Besucher bzw. Bewohner bieten und die­
ses Vertrauen genießen.

In diesen beiden Arten von Einrich­ die Organisation der Ausleihe und 1,5
tungen haben die Stiftung und Telefonica Mio. für ein Train-the-Trainer-Programm
Wenn wirklich bereits seit 2012 jährlich positive Erfah­ kosten.
rungen mit der betreuten Ausleihe ma­ Damit werden allerdings nicht alle äl­
alle die Chance chen können. Das Leihmodell kann für teren Menschen in ihren insgesamt sehr

bekommen sollen, diese Einrichtungen in einem Programm


„Senioreneinrichtungen ans Netz“ bundes­
unterschiedlichen sozialen und räum­
lichen Lebensverhältnissen erreicht. Für

den Nutzen der weit ausgerollt werden. In einem Master­


plan der Stiftung Digitale Chancen wird
eine umfassende digitale Inklusion oder
Integration älterer Menschen und eine
Digitalisierung für die Ausstattung von 30.000 Seniorenein­
richtungen vorgeschlagen, die über drei
Überwindung der sehr unterschiedlichen
Barrieren sind weitere Wege zu erproben.
sich zu erfahren, Jahre 300.000 ältere Besucher erreichen
können. Für die Anschaffung und Logistik
Dabei sollten zum einen Pflegheime und
zum anderen die aufsuchende Nachbar­
dann stellt der der wechselnden Übergabe würde dies 14
Mio. Euro kosten, ein ergänzendes Train-
schaftshilfe erprobt werden.
Die noch wenigen Umfragen zur
zunehmend the-Trainer-Programm für ein Drittel der
Betreuer rund 4 Mio. Euro.
Internetnutzung in Pflegeheimen oder
Pflegestationen in Altenwohnheimen
wachsende Anteil In Seniorenwohneinrichtungen woh­ belegen, dass deren Patienten einen be­
nen bundesweit ca. eine halbe Million sonders hohen Nutzen aus digitalen An­
älterer Menschen Menschen. Wenn 10.000 Einrichtungen wendungen gewinnen. Für Patienten mit
gewonnen werden und über drei Jahre eingeschränkter Mobilität oder psychi­
eine besondere 100.000 Bewohnern eine betreute Er­ schen oder kognitiven Einschränkungen
fahrungsmöglichkeit bieten, würde dies ist das Internet nach einer Schweizer
Herausforderung dar. etwa 3 Mio. für die Geräte, 1,5 Mio. für Studie ein „Fenster in die Außenwelt“.

14
Bindeglied. Auch
Senioren wissen: Die
Möglichkeiten des
Internets machen
das Leben leichter zialwissenschaftliche Technikforschung
und interessanter. dar. Beide haben noch keinen hinrei­
chenden Überblick über die unterschied­
lichen Lebensbedingungen und Hand­
lungsmöglichkeiten, in denen sich die 10
Millionen Offliner über 70 Jahre befinden
und in den nächsten 20 Jahren befinden
werden.
Die aktuelle Herausforderung be­
steht also darin, diese unterschied­
lichen Ausgangssituationen mit ihren
jeweiligen Barrieren zu systematisieren
und empirisch zu erfassen und dann je­
weils angemessene Maßnahmen zu ent­
wickeln und zu erproben. Man kann das
eine „responsive Digitalisierungspolitik“
nennen.
Wahrscheinlich ist dies ein Programm
für mehr als eine Legislaturperiode. Aber
wenn fünf Milliarden Euro für den Schul­
bereich investiert werden sollen, sind 40
bis 50 Millionen für ein entsprechendes
Programm für die ältere Generation kein
Grund, sich um diesen Teil der Bevöl­
kerung nicht gleichermaßen intensiv zu
kümmern.

Um dies genauer zu erforschen, wäre ein schen die Internetnutzung selbst nicht Prof. Dr. Herbert Kubicek
Projekt mit der Ausleihe von Tablet-PCs lernen können oder wollen, sollten die ist Wissenschaftlicher
Direktor der Stiftung
an 300 der insgesamt 13.000 Pflegehei­ Helfer dies an ihrer Stelle für sie tun. So
Digitale Chancen und Senior
me und einem spezifischen Train-the- wie sie heute ein Formular einer Behör­ Researcher am Institut für
Trainer-Programm sinnvoll. de für die Unterstützten ausfüllen oder Informations­management
für sie einkaufen gehen, können sie das Bremen (ifib) der Uni Bremen.
Pilotprojekt. Für mobilitätseinge­ dann auch online erledigen. Eine solche
schränkte Menschen und solche im aufsuchende „digitale Assistenz“ er­
Höchstalter über 90 Jahre empfiehlt der scheint ergänzend zu den Ansätzen zur
runde Tisch „Aktives Altern – Übergän­ Vermittlung digitaler Kompetenzen ge­
ge gestalten“ des BMFSFJ „aufsuchende, boten. Vor allem in höherem Alter sollte
auf ältere Menschen zugehende Ange­ ihnen zugestanden werden, nichts Neu­
bote“. Dies wurde mit ehrenamtlichen es mehr lernen zu wollen. Das darf aber
Technik-Paten oder Technik-Botschaf­ kein Grund sein, deswegen von digitalen
Fotos: Privat, VGstockstudio – Shutterstock

tern in kleinen Pilotprojekten versucht. Dienstleistungen ausgeschlossen zu


Eine breite Umsetzung ist jedoch an der bleiben.
Rekrutierung ehrenamtlicher Helfer ge­
scheitert. Herausforderung. Wenn wirklich Buchtipp.
Zielführender erscheint eine Einbet­ alle die Chance bekommen sollen, den Herbert Kubicek und Barbara Lippa:
tung in vorhandene Strukturen wie Pfle­ Nutzen der Digitalisierung für sich zu Nutzung und Nutzen des Internets im
gedienste, Anbieter von haushaltsnahen erfahren, dann stellt der zunehmend Alter. Empirische Befunde zur Alters-
Dienstleistungen und die organisierte, wachsende Anteil älterer Menschen eine lücke und Empfehlungen für eine
auch ehrenamtliche Nachbarschaftshil­ besondere Herausforderung für die Er­ responsive Digitalisierungspolitik.
fe. Wenn die unterstützten älteren Men­ wachsenenbildung und auch für die so­ VISTA Verlag Leipzig, 19 Euro

März 2018 15
NACHGEDACHT

P Kampf gegen die


aul Lunow ist leidenschaftlicher
Programmierer. Luise Lunow,

Übermacht des
85, ist leidenschaftliche Schau­
spielerin, Synchronsprecherin
und Pauls Großtante. Luise Lunow wollte

Silicon Valley
schon immer ihr Arbeitsleben über den
Computer organisieren. Doch das ist für
sie ein Buch mit sieben Siegeln. Zum
Glück gibt es Paul in ihrem Leben. Er
half ihr immer gerne mit dem Computer. Von der Idee zum Produkt. Wie ein Berliner Start-up
Dann löschte sie aus Versehen alle ihre das maßgeschneiderte Tablet für die ältere
Daten. Paul platzte der Kragen, und so
bekam die Welt den einfachsten Compu­
Generation entwickelte und marktreif machte.
ter. Aber der Reihe nach. Marc-Oliver Drescher
Die Welt um Luise hat sich auf dra­
matische Weise verändert. Früher orga­
nisierte sie ihre Termine für die Schau­
spielerei über das Telefon und trug sie
mit Bleistift in den Kalender ein. Fertig.
Irgendwann wurde sie von der di­
gitalen Welt überrollt.
Wie so viele aus
ihrer Generation.
Doch sie hatte ein
Ass im Ärmel. Das
Ass hieß Paul und
war ihr Großneffe.
Paul, leidenschaft­
licher Program­
mierer, half seiner
Großtante mit dem
Computer, wo immer
er konnte. Mit einer En­
gelsgeduld erklärte er ihr
immer wieder das Gerät, schrieb
Memos und liebevolle Gebrauchsanwei­
Startklar.
sungen. Er kaufte ihr sogar ein iPad von
Maßgeschneidert,
Apple. Aber auch das half nicht. mit Verzicht auf
jeden Schnick-
Herausforderung. Luise scheiterte im­ schnack.
mer wieder an der Technik. Warum, so
fragte sie sich, musste sie im hohen Alter
in regelmäßigen Abständen die Bedien­ rausforderungen. Er versuchte, seine gruppe zu entwickeln. Man
oberfläche immer wieder neu erlernen? Schwiegereltern für die digitale Welt beschloss, dieses Projekt ge­
Für sie machte das keinen Sinn. Eines und das Internet zu erwärmen. Doch meinsam anzugehen.
Tages passierte ihr dieser folgenschwe­ auch er scheiterte aus den gleichen Am Anfang stand die Frage: „Irgend­
re Fehler: Sie löschte aus Versehen alle Gründen. wo auf der Welt muss es so einen Com­
Daten. Paul war machtlos und beschloss, Eines Tages liefen sich die beiden puter doch geben?“ Nach fast einem Jahr
endlich die perfekte Lösung für seine über den Weg. Sie kamen auf das The­ intensiver Recherche stand fest: Den
Großtante zu finden. ma Senioren-Computer zu sprechen. perfekten Computer für diese Zielgruppe
Der June Fund Investor Florian Beide faszinierte die Idee, den perfekt gab es nicht. Es gab zwar diverse Apps
Schindler hatte stand vor ähnlichen He­ optimierten Computer für diese Ziel­ für Senioren. Diese waren aber technisch

16
Kontakthilfe.
Das Tablet mit
der einfachen
Bedienung.
Keine Scheu
mehr vor der
Technik.

und optisch so gestaltet, dass alte Men­ Team um Paul wollte zuerst eine App ent­
schen sich auch gerne alt fühlen durften. wickeln, die man auf jedem Gerät nutzen
Für beide war dies eine gute Nachricht. konnte. Die erste Funktion dieser App
Die nächste „gute“ Nachricht war war ein Browser, damit jeder Inhalt im
eine Zahl: Über 19 Millionen Menschen Netz erreichbar wurde. Finanziell und
allein in Deutschland, also fast ein Vier­ technisch gesehen – so dachte man – die
tel der Bevölkerung, ist bis heute von der beste Lösung.
digitalen Welt weitestgehend aus­
geschlossen. Das ist insofern Selbsterklärung. Die Grundidee der
tragisch, da es sich hier App war, aus ihr die simpelste Bedien­
um Menschen handelt, die oberfläche der Welt zu kreieren. Diese
in der Mehrheit finanziell sollte so klar gestaltet sein, dass jede
unabhängig und physisch Funktion über einen selbsterklären­
sehr fit sind. den Weg bedienbar wurde. Einmal
Und es gab noch eine gute verstanden, ließe sich die Menü-Lo­
Nachricht: Die Lebenserwartung gik immer wieder anwenden – egal,
ganz allgemein ist deutlich gestiegen. ob man im Internet unterwegs ist, Leichtgewicht.
60+ ist heute kein Alter mehr. Geschäft­ E-Mails schreibt, Online-Einkäu­ Technisch und
lich gesehen lag vor den beiden also ein fe nach Hause bestellt oder mit optisch ein Hin-
riesiger, unentdeckter Schatz, ein enorm der Familie videotelefoniert. gucker, nicht nur
nachhaltiges Potenzial. Dieses Poten­ Bei allen Funktionen sollten für die ältere
zial gewann weiter an Wert, wenn man sich die Nutzer keine Sorgen Generation.
bedachte, dass viele Institutionen wie über Sicherheitslücken ma­
Banken ihre Filialen in Zukunft schließen chen müssen.
werden und online gehen – der Supergau Doch schnell wur­
für die betagte Generation. de klar, dass dieses
Nun fiel die Entscheidung leicht, ein Konzept nicht so
Start-up zu gründen, das einen Compu­ einfach aufging.
ter entwickelt, der einen einfachen und Die Idee der ein­
sicheren Zugang für ältere Menschen fachsten Be­
verspricht. Ein Computer, der dafür sorgt, dienoberfläche
dass alle in der digitalen Welt mitmachen mit all seinen
Fotos: Nepos

können. Features war nicht


In den Anfängen der Entwicklung war ohne Weiteres
„Computer“ ein ziemlich großes Wort. Das mit den klassi­

März 2018 17
Wenig dran, viel drin.
Ein Produkt aus Berlin,
um Silicon Valley etwas
entgegen zu setzen.

schen Hardware-Anbietern kompatibel. Hardwareingenieure, Programmie­ Herz wachsen wollte. Aisslinger machte
Sprich: Das Spiel geht erst auf, wenn man rer und Frontend-Entwickler kamen ins sich an das Design des Gehäuses. Aus
Hard- und Software unter Kontrolle hat. Team. Viele von ihnen hätten in bekann­ dem Computer wurde jetzt ein Tablet.
Bei einem iPad beispielsweise gibt es keine ten Technologieunternehmen sicher Weitere Spezialisten, wie Dr. Sebastian
Kontrolle bei der Aktualisierung. Was tun? mehr verdienen können, wollten aber Teil Glende von der YOUSE Marktforschung,
Ein Start-up, das Hard- und Software dieses Projektes werden. Zum einen, weil kamen hinzu. Er gilt als einer der profi­
aus einer Hand anbietet, hat einen ent­ sie für ihre Eltern oder Großeltern diesen liertesten Kenner für Märkte, in denen Se­
scheidenden Nachteil. Investoren sind Computer realisieren wollten. Zum ande­ nioren die Hauptzielgruppe sind. Glende
schwer dafür zu begeistern. Fehler müs­ ren, um der Übermacht des Silicon Valley eröffnete dem Team neue Sichtweisen für
sen extrem teuer bezahlt werden. Paul etwas entgegenzusetzen. Auch aus ande­ Entwicklung und Optimierung des Geräts.
Lunow und Florian Schindler fällten die ren Disziplinen fanden sich Profis ein, um
mutige Entscheidung, gemeinsam mit das Vorhaben zu unterstützen. Beispiels­ Marktchance. Innerhalb von drei Jah­
Top-Spezialisten Hard- und Software aus weise Werner Aisslinger, Deutschlands ren stieg die Zahl der Spezialisten auf 25.
einer Hand zu entwickeln. Diese Ent­ bekanntester Industriedesigner. Er hatte Das zog letztendlich auch Investoren an,
scheidung ermöglichte es auch, ein eige­ die gleiche Herausforderung mit seinem die trotz der ungewöhnlichen Aufstellung
nes Gehäuse zu realisieren. Vater, dem das iPad von Apple nie ans des Start-ups – oder gerade deshalb –

NEWS

Festveranstaltung zur DIVSI Stiftungsprofessur Cyber Trust.


Prof. Dr. Jens
München – Vertrauen und Sicherheit als existenzielle Bedürfnisse. Großklags
forscht an
Die Technische Universität München und professur-Inhaber Prof. Dr. Jens Groß­ der TUM.
DIVSI laden ein zum „TUM–DIVSI Forum klags. Außerdem werden Wissenschaft­ VERANSTALTUNGSDATEN:
Cyber Trust“. Dabei geht es um „Ver­ ler mit ihren Forschungsschwerpunkten „TUM–DIVSI Forum Cyber Trust“,
trauen und Sicherheit – existenzielle Be­ zu Digitalisierung und Cyber Trust refe­ 24. April 2018, Bayerische Akademie
dürfnisse im digitalen Zeitalter“. Anlass rieren. Dabei soll ein Einblick in das the­ der Wissenschaften (Residenz),
ist die Stiftung einer Professur für Cyber matische Umfeld der Professur für Cyber Alfons-Goppel-Straße 11, 80539 München
Trust an der Fakultät für Informatik der Trust an der Fakultät für Informatik der 15.00 Uhr: Wissenschaftl. Kolloquium
TUM durch DIVSI. Dieses soll mit einem TUM vermittelt werden. 17.00 Uhr: Get-together, Festveranstaltung
informativen und festlichen Rahmenpro­ Es folgt ein Get-together. Bundesprä­
gramm gewürdigt werden. sident a. D. Joachim Gauck, Schirmherr Anmeldung via QR-Code
Im Mittelpunkt der Nachmittagsver­ des DIVSI, gehört gemeinsam mit Reprä­ oder unter:
anstaltung steht ein wissenschaftliches sentanten der Technischen Universität zu www.divsi.de/veranstaltung
Kolloquium unter Leitung von Stiftungs­ den Rednern.

18
zeigte sich in der Begeisterung und dem matisch gesichert. Sollte ein Gerät kaputt­
Vertrauen, das die Generation 60+ die­ gehen, lässt es sich ohne Datenverlust
sem neuen Tablet Computer in kürzester austauschen. Da das Betriebssystem auf
Zeit entgegenbrachte. Linux basiert und keinen Zugriff auf das
Nach jedem Langzeittest wollten die Datensystem erlaubt, können sich keine
wenigsten Tester das Gerät zurückgeben, Viren und Trojaner unbemerkt einnisten.
weil zum ersten Mal die Einfachheit und Wenn Paul Lunow und Florian Schind­
die Eleganz eines optimierten Tablets ler die letzten drei Jahre Revue passie­
überzeugte. Vor allem aber, weil sich die ren lassen, so haben sie alle Höhen und
Tester der Gesellschaft und ihren Fami­ Tiefen erlebt, die die Faszination eines
lien gegenüber nicht mehr unsichtbar Start-ups ausmachen. Mit ihrem Team
und abgehängt fühlten. Am Ende aller haben sie nicht nur ein Tablet mit der
Testreihen wollte jeder Tester ein markt­ einfachsten Bedienoberfläche der Welt
reifes Tablet besitzen. 80 Prozent von ih­ geschaffen. Nepos wurde auch die erste
nen bestellten ein Tablet vor. Marke weltweit, die für alle kommenden
60+-Generationen jedes digitale Produkt
Höhen und Tiefen. Die smarte Kom­ verständlich transformieren, weiterent­
bination aus der neuesten Open-Source- wickeln, optimieren und kuratieren kann
Software gab dem Nepos-Team die Mög­ – egal, ob es sich um neue Generationen
die Chancen am Markt erkannten. Die lichkeit, ein komplettes Betriebssystem von Smartphones, Smart-Home-Lösun­
Investoren erkannten aber noch etwas zu entwerfen und eine eigene Oberfläche gen, VR-Brillen oder Sprachassistenten
ganz anderes Wertvolles in dem Start-up. zu kreieren. Sämtliche Datenübertra­ handelt. Und das ist es, was Nepos am
Doch dazu später mehr. gungswege sind per Default verschlüs­ Markt so begehrenswert macht.
Der größte Coup des jungen Berliner selt. Zusätzlich wurde modernste Sicher­ Doch für dieses Jahr liegt der Fokus
Start-ups, das man inzwischen auf den heitstechnologie integriert, die aktuell erst mal auf dem Nepos-Tablet. Damit
Namen Nepos getauft hatte, war aller­ verfügbar war. endlich alle in der digitalen Welt mitma­
dings die Kooperation mit den Senioren­ Aufgrund der Entscheidung, ein Tablet chen können.
wohnheimen der Rosenhöfe. Gemeinsam in kompletter Eigenregie zu entwickeln,
mit den Bewohnern gründete man die hat Nepos die Hardware und auch sämt­ Mo Drescher
Rosenhof Akademie. Über 100 Menschen liche auf dem Gerät laufende Software arbeitet als beratender
Kreativdirektor. Der Ex-
zwischen 60 und 85 Jahren aus ganz unter Kontrolle. Auch wurden lautlose
Werber sitzt außerdem
Berlin wurden Teil des Entwicklungs­ Updates integriert, sodass sich die Nut­ im Advisory Board der
programms und testeten das Gerät über zer keine Sorgen über Sicherheitslücken Earthbeat Foundation
1.000 Stunden lang. Eines der schönsten machen müssen. Zusätzlich werden alle und ist Cradle to Cradle
Geschenke während und nach den Tests Daten auf einer Cloud abgelegt und auto­ Ambassador.

NEWS

Cybersicherheits-Umfrage: Bedrohungen wachsen weiter


Berlin – Gefahren werden als betriebskritisch eingeschätzt. zieltes Hacking. Bei den Organisationen
scheint ein hohes Risikobewusstsein zu
Fotos: Großklags, Maksim Kabakou – Shutterstock, Nepos

Laut Umfrage des Bundesamtes für Si­ bestehen. Über 90 Prozent schätzen die
cherheit in der Informationstechnik (BSI) Gefahren als betriebskritisch ein. Dem
waren 2016/2017 sieben von zehn Orga­ Gefahrenbewusstsein folgten jedoch nicht
nisationen von Cyberangriffen betroffen. immer umfangreiche Taten. 86 Prozent
In etwa der Hälfte der Fälle konnten der Befragten ergriffen Maßnahmen zur
Angreifer in Netzwerke eindringen oder Virenabwehr. Um eine Netzwerkabsiche­
Webseiten manipulieren. Die Ergebnisse rung, zum Beispiel durch Segmentierung,
gehen auf eine anonyme Online-Umfrage kümmerten sich 89 Prozent. Über die
im Herbst 2017 zurück. Beteiligt hatten Hälfte der Organisationen ist auf Sicher­
Verschluss. Angriffe gehören zum Alltag.
sich 879 Institutionen, darunter 14 Pro­ heitsvorfälle vorbereitet, in dem Sinne,
zent aus dem Öffentlichen Dienst. Folge. Am häufigsten (57 Prozent) waren dass Richtlinien zur Wiederherstellung
Jeder zweite erfolgreiche Angriff hat­ Infektionen mit Schadsoftware. Ein knap­ des Betriebs vorliegen. Ein weiteres gutes
te Produktions- bzw. Betriebsausfälle zur pes Fünftel der Angriffe entfiel auf ge­ Fünftel plant eine solche Einführung.

März 2018 19
EINBLICKE

So entstehen aus
Mosaiksteinchen
detaillierte Profile
Die Gefahren von Trackern und Persönlichkeitsprofilen.
Gibt es eine Chance, der Datensammlung zu entgehen?
Christian Bennefeld

B
ei einer Podiumsdiskussion mit speichern alle Eingaben in Online-For­
Internetlenkern wurde Angela mularen – und das selbst dann, wenn das
Merkel einmal gefragt, wie sie Formular niemals abgesendet wird. Ob
es mit dem Online-Einkauf hal­ der Nutzer bei der Eingabe des Haus­
te. Sie antwortete prägnan: „Einmal im haltseinkommens in einen Kredit­
Internet was gekauft, du wirst verfolgt.“ rechner zögert oder mehrmals
Ein Phänomen, das offensichtlich nicht korrigiert, bleibt Trackern auch
nur unsere Kanzlerin bewegt, sondern nicht verborgen. Sogar die Augen­
jeden Internet-Nutzer beschäftigt. reaktionen lassen sich anhand
Gerade sucht man nach einer Ur­ der Mausbewegungen ableiten.
laubsreise nach Mallorca, und schon
bombardieren einen viele Webseiten mit Rückschlüsse. Durch die Ver­
Urlaubswerbung. Woher „wissen“ auf knüpfung sämtlicher Track­
einmal der SPIEGEL, die BILD oder GMX ing-Daten über mehrere Web­
von dem Reisewunsch auf die Balearen­ sites und alle Geräte des Nutzers
insel? Der Grund für die Verfolgung sind hinweg entstehen aus den ein­
Persönlichkeitsprofile, erstellt von Wer­ zelnen Daten-Mosaiksteinchen
beservern und Datensammlern (im Fach­ detaillierte Profile, die tiefe Ein­
deutsch „Tracker“). Laut einer aktuellen blicke in die Persönlichkeit und
Studie von Ghostery kommen heute auf die Intimsphäre des Nutzers
jeder Webseite durchschnittlich 20 dieser erlauben. Allein über die
Tracker zum Einsatz. Kenntnis der besuchten Sammelwahn.
Diese halten nicht nur genau fest, Webseiten lassen sich Von überall ein
welche Seiten wir besuchen, sondern beispielsweise einfach wenig: schon ist
auch, wie wir mit diesen interagieren. Rückschlüsse über die der Mensch ein
Sie zeichnen beispielsweise haarklein politische Einstellung, offenes Buch.
sämtliche Mausbewegungen auf und sexuelle Wünsche oder

20
Online-Werbung

Ads
Ads tracken Sie Tracker tracken Sie
Einkommen
Persönlichkeitsprofil Wohnsitz
Noch Fragen?
Religiöser Glaube Egal was, alles
wird gecheckt
Ethnische Herkunft
und klamm-
Politische Orientierung heimlich zu einem
Privatsphäre Familie großen Ganzen
Gesundheitszustand Freunde
verknüpft.
Sexuelle Vorlieben

Intimsphäre Interessen Arbeitgeber

den Gesundheitszustand des Sur­ rige Nutzerin mit Haarausfall hingegen,


fers ziehen. Wer etwa regelmäßig dass sie neben Haarwuchsmitteln auch
Seiten von Umweltorganisationen, ständig Werbung für Inkontinenzwindeln
zu alternativen Energien oder zur erhält. Ein peinliches Versehen vielleicht,
Sozialpolitik abruft, landet schnell aber sicher keine Gefahr.
in der politisch linken Ecke. Sur­ Die lauert ganz woanders. Zum Bei­
fer, die dagegen regelmäßig nach spiel bei dynamischer Preisbildung, die
schweren Krankheiten wie HIV viele Online-Shops zur Profitoptimie­
suchen oder Seiten zu Drogen­ rung verwenden. Abhängig vom Persön­
entzug und Therapiezentren lichkeitsprofil, sehen Nutzer dabei ganz
studieren, haben dagegen mut­ unterschiedliche Preise. So kann es sein,
maßlich schwere Probleme mit dass Nutzer eines teuren Tablets mehr
der Gesundheit und illegalen Be­ für das gleiche Produkt bezahlen als Be­
täubungsmitteln. sitzer eines Linux-Systems. Die Preis­
diskriminierung im Online-Handel folgt
Profitoptimierung? Anders als in dabei nebulösen Mechanismen. Manche
Fotos: Cookie Studio/di Bronzino – Shutterstock

traditionellen Medien, wie Radio, TV Händler bieten mobilen Nutzern Preis­


oder Print, bei denen jeder Konsument vorteile, andere dagegen, wenn der Nut­
dieselbe Werbung sieht, ist es im Inter­ zer von bestimmten Seiten kommt. In
net erstmals möglich, auf die Persön­ einigen Fällen steht und fällt der Preis
lichkeit individuell abgestimmte Wer­ zudem abhängig von der geografischen
bung anzuzeigen. Grundlage hierfür sind Herkunft, der Besuchsfrequenz oder den
die gesammelten Persönlichkeitsprofile. ermittelten Interessen.
Mag der männliche Nutzer dank perso­ Aber nicht nur Online-Händler ma­
nalisiertem Echtzeit-Targeting erfreut chen sich heute Persönlichkeitsprofile
sein, dass er keine Werbung für Damen­ zunutze. Auch Finanzdienstleister und
blusen erhält, wundert sich die 30-jäh­ Versicherer wollen gerne vor Vertrags-­

März 2018 21
Versicherungsrisiko. Extrem-
sportler hinterlassen in ihrem
digitalen Profil Spuren ver-
meintlich gefährlicher Hobbys.

Verknüpfung mit dem Menschen „Ste­


fan Meier“ erfolgt umgehend, sobald der
Nutzer über ein Google-Konto verfügt.
Dieses muss aber jeder Nutzer an­
legen, der etwa Google Mail, Google Ka­
lender oder irgendeinen anderen Dienst
des Konzerns nutzen will. Besitzer eines
Android-Geräts, egal ob Tablet, Telefon
oder Google Home, kommen ebenfalls
nicht um ein Google-Konto herum. Bei
der Anlage des Nutzerkontos müssen
Nutzer aber nicht nur die Geschäfts­
abschluss wissen, mit wem sie es zu mehr als 70 Dienste alle gewonnenen bedingungen, sondern auch die Daten­
tun haben. Scoring lautet das viel be­ Daten zu genauen Persönlichkeitspro­ schutzbestimmungen akzeptieren. Doch
schworene Stichwort der Branche. Der filen. Selbst wenn der Nutzer gar keine wer liest schon die verklausulierten,
„Score“ ist dabei ein Wert, der das indi­ Google-Dienste nutzt, gerät er in die seitenlangen Bedingungen bei der In­
viduelle Risiko, ein Geschäft mit dem Fänge des Datenkrakens. Dank Google betriebnahme eins Android-Gerätes: So
Nutzer einzugehen, beurteilt – und zwar Analytics, dem Web-Analyse-System von willigt der Nutzer bei Google ein, dass
bevor das Geschäft überhaupt zustande Google, das heute auf mehr als 80 Pro­ alle Daten über sämtliche Dienste perso­
kommt. Wer regelmäßig Sportwetten im zent aller Websites zum Einsatz kommt, nenbezogen erfasst werden. Aber Google,
Internet abgibt, seine Zeit mit Online-Po­ entgeht dem Konzern kaum ein Klick als weltweit größter Datensammler, ist
ker verbringt und häufig nach Kurzkre­ – selbst außerhalb des Google-Univer­ hier nur ein Stellvertreter. Andere Kon­
diten sucht, hat demnach einen höheren sums. Das Perfide dabei ist die Bildung zerne wie Facebook, Microsoft und auch
Risiko-Wert für Kreditgeber als jemand, personenbezogener Nutzerprofile. Die Apple nutzen ähnliche Tricks, um perso­
der dieses Verhalten nicht zeigt.

Profiteure. Ein Sportler, der gerne Tief­


seetauchen, Fallschirmspringen oder
Freeclimbing nachgeht, stellt für Versi­
cherer ebenfalls ein besonderes Risiko
dar, das sich in höheren Versicherungs­
prämien widerspiegelt. Profildaten sind
dabei umso wertvoller, je genauer sie das
Bild des beobachteten Nutzers zeichnen.
Potenziell falsche Daten oder fehlerhafte
Zusammenführungen sind dabei beson­
ders gefährlich. Welcher Journalist wird
schon gerne bei der Einreise in die USA
wie ein Verbrecher behandelt, nur weil
er für eine investigative Recherche über
Terrorismus Websites des Islamischen
Staates besucht hat?
Die Profiteure sind dagegen Daten­
händler, Werbekonzerne und Scoring-An­
bieter. So verknüpft beispielsweise Goo­ Online-Shopping. Vorschläge aufgrund von Nutzerprofilen, die angezeigten
gle nach eigenen Angaben über seine Preise sind abhängig von der Qualität des Endgeräts.

22
Anonymität im Internet ohne
Hilfsmittel ist eine Illusion.

nenbezogene Profildaten zu erfassen und plett auf die aufwendige Implementierung blocken. IP-Adressen können durch die
zu monetarisieren. von Opt-out-Cookies. Installation eines Tor-Browsers oder ei­
Aber selbst wenn sämtliche Tracker nes VPN-Clients anonymisiert werden.
Bruchteile. Immerhin sieht der Gesetz­ in Datenschutzerklärungen genannt und
geber im Telemediengesetz die Möglich­ eine technisch auf jedem Gerät funk­ Ausweg. Der Abfluss von Geräte-Infor­
keit des Widerspruchs gegen Profildaten­ tionierende Widerspruchsmöglichkeit mationen und -Fingerprints ist aber nur
speicherung vor. So muss der Betreiber existiert, hat der Nutzer praktisch keine noch durch technische Fachleute zu ver­
alle Tracker in der Datenschutzerklärung Chance gegen die Datenerhebung. Denn hindern. Eine Lösung für dieses schein­
der Website nennen, die pseudonyme dazu müsste er nicht nur sämtlichen, bare Dilemma sind innovative Netzwerk­
oder gar personenbezogene Nutzerpro­ durchschnittlich 20 Trackern einzeln wi­ geräte, wie der eBlocker, die einfach an
file erfassen. In der Praxis taucht aber dersprechen – und das bevor er die Seite den heimischen Router angeschlossen
häufig nur ein Bruchteil der verwendeten besucht. Anschließend müsste er dazu werden. Ganz ohne Softwareinstallation
Tracker in der Datenschutzerklärung auf. kleinlich darauf achten, dass er die Coo­ schützt der eBlocker die Privatsphäre per
Außerdem ist ein Widerspruch nur dann kies, die den Widerspruch signalisieren, Plug & Play auf allen an das Heimnetz
möglich, wenn der sogenannte Opt-out nicht wieder löscht, um dann wieder von angeschlossenen Geräten gleicherma­
technisch möglich ist und nicht an be­ vorne anzufangen. Eine Sisyphusaufgabe. ßen. Jeder Nutzer kann so ohne techni­
stimmte Betriebssysteme oder Browser Anonymität im Internet ohne Hilfsmit­ sche Kenntnis ganz einfach der Profilbil­
gebunden ist. Google Analytics bietet bei­ tel ist eine Illusion. Google, Facebook und dung entgehen.
spielsweise standardmäßig nur eine Wi­ Co. wissen heute mehr über jeden Ein­
Christian Bennefeld
derspruchsmöglichkeit per Plugin an, das zelnen als einst die Stasi über die Bürger Seit 2014 hat er sich
sich beispielsweise auf Apple-iOS-Gerä­ der DDR. Wer sich dagegen schützen will, mit der Gründung von
ten, auf Smart-TVs oder Spielekonsolen muss tief in die Trickkiste greifen: Tracker eBlocker dem Schutz
nicht ausführen lässt. Nicht zuletzt ver­ und Daten sammelnde Werbung lassen der Online-Privatsphäre
zichten viele Seitenbetreiber gleich kom­ sich noch gut mit Plugins für Browser verschrieben.
Fotos: Bennefeld, Cookie Studio/nullplus – Shutterstock, Jugend hackt (CC BY 4.0 ), Mark Thomas

NEWS

Förderprogramm für den Nachwuchs re Gesellschaft auf die sozialen Ideen und
technischen Fähigkeiten von Jugendli­
Hamburg – Motto: „Mit Code die Welt verbessern“. chen angewiesen ist, um den Übergang
in das digitale Zeitalter demokratisch zu
Wieder können Jugendliche bei den gestalten. „Jugend hackt“ ist ein Förder­
Events von „Jugend hackt“ ihre eigenen programm für programmierbegeisterte
Coding-Projekte und Bastelideen in die Jugendliche. Veranstalter sind die Open
Tat umsetzen. Dabei erleben sie, wie viel Knowledge Foundation und mediale  pfa­
sie im Team mit gleichgesinnten jungen de.org – Verein für Medienbildung.
Programmierern erreichen und dass sie Mitmachen können Mädchen und
die Welt durch ihre Coding-Fähigkeiten Jungen zwischen 12 und 18 Jahren, die
mitgestalten können. Auch DIVSI gehörte Lust auf Programmieren haben. In wel­
Gelernt! Programmieren macht Spaß.
zu den Förderern des Programms. chen Städten die nächsten Events statt­
Die Jugend-Hackathons gehen 2018 ein Workshop-Angebot für Einsteiger. finden werden, steht noch nicht fest. Ort
ins fünfte Jahr mit inzwischen bereits Das Programm ist auf die Finanzierung und Zeitpunkt der nächsten Events wer­
zehn Events in Deutschland, Österreich durch Spenden angewiesen. Es wird ge­ den frühzeitig auf der Homepage bekannt
und der Schweiz. Seit 2017 gibt es auch tragen von der Überzeugung, dass unse­ gegeben: www.jugendhackt.org

März 2018 23
BESTANDSAUFNAHME

Demokratische
Teilhabe 2.0 –
Fluch oder
Segen?

Für die Realisierung ist Aktivität der Bürger ebenso wichtig wie
staatlich-institutionelle Mitgestaltungschancen.
Gabriele Buchholtz

D
igital kommunizieren wir anders Dazu gehören beispielsweise E-Votings, von einer Million zusammenfinden – die
als früher. So viel steht fest. Fest die in einigen europäischen Nachbarlän- Europäische Kommission auffordern, ein
steht auch, dass sich im Zuge der dern – darunter Estland und die Schweiz bestimmtes Gesetzgebungsvorhaben
Digitalisierung die Möglichkei- – bereits gang und gäbe sind. Weite- einzuleiten. Dahinter steht ein ehrenwer-
ten demokratischer Teilhabe verändert re Top-down-Angebote liefert etwa der tes Anliegen: Traditionell ist die EU auf
haben. Diese Entwicklung birgt Chancen, Deutsche Bundestag durch Online-Pe- dem direktdemokratischen Auge blind.
aber auch Risiken. Wie kann der Staat die titionen oder die EU durch Online-Kon- Das soll sich mit der Möglichkeit zur Bür-
neuen Technologien demokratieförder- sultationen. Andererseits bezeichnet gerinitiative ändern. Welche Rolle spielt
lich nutzen? Es wird für eine zweigleisige Electronic Government auch alle von der hier die Digitalisierung? Eine große, denn
Strategie plädiert: Einerseits brauchen Zivilgesellschaft bereitgestellten Betei- der Erfolg einer europäischen Bürgerbe-
wir bessere digitale Beteiligungsmöglich- ligungsmöglichkeiten. Hier ist von einer teiligung steht und fällt mit der digitalen
keiten. Andererseits muss der Staat dabei Bottom-up-Kommunikation die Rede. Infrastruktur. Seit 2012 sind EU-Bürger-
helfen, das Internetbewusstsein der Bür- Bekannte Beispiele sind die Petitions- initiativen möglich. Die bisherigen Er-
ger zu schärfen. plattformen wie Campact, Change.org fahrungen sind aber gemischt: Lediglich
oder openpetition. zwei Initiativen haben den vorgesehenen
Schlagworte. Die neuen digitalen Zunehmend bilden sich auch Misch­ Prozess erfolgreich durchlaufen. Her-
Beteiligungsmöglichkeiten firmieren formen mit Top-down- und Bottom-up- vorzuheben ist die Initiative „Recht auf
unter den Schlagworten Electronic Go- Elementen. Zu diesem Typus gehört etwa Wasser und sanitäre Grundversorgung“.
vernment und Liquid Democracy. Was die Europäische Bürgerinitiative, die mit Dahinter steht das Ziel, alle EU-Bürger
verbirgt sich dahinter? Electronic Go- dem Lissabon-Vertrag in Art. 11 Abs. 4 mit sauberem Trinkwasser zu versorgen
vernment erfasst einerseits alle techno- EUV Einzug in das europäische Ent- und eine Liberalisierung der Wasserwirt-
logischen Beteiligungsmöglichkeiten, scheidungssystem gefunden hat. Mit der schaft zu verhindern. Der gewünschte
die der Staat anbietet. Man spricht hier EU-Bürgerinitiative können Unionsbür- Gesetzgebungsvorschlag kam jedoch nie
von der sog. Top-down-Kommunikation. ger – es muss sich eine Mindestanzahl zustande.

24
Und was ist Liquid Democracy? Die- Fraktionen und Parteien. Der politische erwiesen. Bewusst hat das Grundgesetz
ses Schlagwort verbindet unterschiedli- Willensbildungsprozess entfernt sich das Parlament zur „Mitte der Demokra-
che Formen der direkten und indirekten immer weiter von staatlichen Organen – tie“ bestimmt. In diesem Sinne ist eine
Demokratie. Dahinter steht der Wunsch, zum Nachteil der Demokratie! umfassende Bürgerbeteiligung nicht er-
die politische Entscheidungsfindung Die Ursache des Problems liegt aber strebenswert, wohl aber eine maßvolle
breiter zu legitimieren. In der „flüssigen auch bei den staatlichen Organen selbst: und ehrliche Mitwirkung. Grenzen sind
Demokratie“ kann jeder Bürger jeder- Denn bei vielen Bottom-up-Aktionen hat dort zu ziehen, wo Repräsentation der
zeit neu entscheiden, ob er sich kompe- die digitale Bürgerbeteiligung häufig gar Partizipation umfassend geopfert wird.
tent fühlt, Politik mitzugestalten, oder ob keine politische Wirkung. Die abgege-
er seine Stimme lieber einem Experten benen Meinungen werden entweder gar Nährboden. Mit der Technik allein ist
bzw. einer Partei überträgt. Das Kon- nicht oder nur halbherzig in den politi- es nicht getan. Wichtig ist die Erkennt-
zept ist nicht neu, es wird insbesondere schen Entscheidungsprozess eingespeist, nis, dass demokratische Teilhabe eine
mit der allseits bekannten Piratenpartei weil es den Politikern schlicht am Willen zweiseitige Aufgabe ist: Auf den Mitge-
in Verbindung gebracht. Mittlerweile ist fehlt und oftmals auch am Know-how. Es staltungswillen der Bürger kommt es
der Hype um die Piraten vorbei. Es lohnt verwundert also nicht, dass die Bürger- ebenso an wie auf die staatlich-institu-
sich aber, erneut über Liquid Democracy resonanz auf digitale Beteiligungsange- tionellen Mitgestaltungschancen. Dafür
nachzudenken. bote – gelinde gesagt – schwach ist. braucht es einen sozialen und politischen
Mit einer zweigleisigen Strategie ist Nährboden, den das Internet selbst nicht
Risiken. Den Chancen der digitalen den Problemen beizukommen. bietet. Laut der aktuellen DIVSI-Mi-
Partizipation stehen erhebliche Risiken lieu-Studie von 2016 fühlen sich immer
gegenüber. Vor allem die Missbrauchs- Berücksichtigungspflicht. Zunächst noch 30 Prozent der Befragten vom In-
anfälligkeit ist „demokratiegefährlich“. brauchen wir partizipationsfreundlichere ternet „überfordert“. Ursache ist, dass
Jüngst treiben sog. Social Bots im Netz Strukturen, d.h. niedrigschwellige, the- die Medienkompetenz mit sinkendem
ihr Unwesen. Dabei handelt es sich um menspezifische Angebote, die Bürger Bildungsniveau ebenfalls nachlässt. Ziel
Computerprogramme, die in Sozialen zur Teilhabe motivieren. Außerdem müs- muss es sein, dass sich alle Bürger in der
Netzwerken wie richtige Nutzer auftreten. sen die digitalen Angebote verbindlicher Datenwelt zurechtfinden, vor allem Miss-
Sie streuen Scheinargumente und verun- werden, d.h. in den politischen Entschei- brauchs- und Manipulationsgefahren er-
glimpfen Meinungen, um politische Dis- dungsprozess eingebracht werden. Der kennen. Andernfalls ist das demokratie-
Fotos: Lucas Jürss/Buchholtz, Julia Tim/Micra – Shutterstock

kussionen zu lenken. Im US-Wahlkampf, Bürger hat ein berechtigtes Interesse förderliche Potenzial der Digitalisierung
aber auch im Ukraine-Konflikt oder in daran, dass der jeweils zuständige Poli- schnell vertan. Vor allem die Schulen
der deutschen Flüchtlingsfrage haben tiker eine digital abgegebene Äußerung sollten die digitalen Technologien stärker
sie den Diskurs entscheidend mitgeprägt. berücksichtigt und ggf. ein Feedback ab- als Bildungsinstrument verstehen. Auch
Bekanntlich stammt jeder dritte Trump- gibt. Insoweit könnte der Begriff einer de- bei der Integration von Zuwanderern ist
Tweet von einem Social Bot. Besorgnis- mokratischen „Berücksichtigungspflicht“ die Nutzung digitaler Medien ein ent-
erregend ist, dass die algorithmenge- Karriere machen. Eine so verstandene scheidender Faktor. Sie kann Integra-
steuerte Meinungsmache mit der Realität Liquid Democracy würde sich als zu- tionsprozesse durch bessere Teilhabe
häufig nichts zu tun hat. Trotzdem er- kunftsträchtig und praktikabel erweisen. stärken. Hier gilt allemal, dass der Staat
liegen Menschen der Mehrheitsillusion. Aber Achtung! Mit der Digitalisierung „Kommunikationsvorsorge“ betreiben
Längst sind „Alternative Facts“ Faktum darf das Ideal der repräsentativen Demo- und Verständnishilfen anbieten muss.
unserer Zeit. Gleichzeitig sinkt – mit zu- kratie nicht überdehnt werden. Die reprä- Nicht schon die technischen Möglichkei-
nehmender Bedeutung von Einzelmei- sentative Demokratie hat sich als beste ten führen zu mehr Demokratie, sondern
nungen – der Einfluss von Parlamenten, Form zur Wahrung des Gemeinwohls erst deren reflektierte Nutzung. In die-
sem Sinne könnte die Digitalisierung der
Demokratie sogar zum Segen werden.

Dieser aktualisierte Beitrag basiert auf einem


Vortrag beim DIVSI/Bucerius-Forum und wurde in
Langfassung in der DÖV veröffentlicht.

Dr. Gabriele Buchholtz


ist Habilitandin und wis-
senschaftliche Assistentin
am Lehrstuhl für Öffent-
liches Recht, Verwal-
tungswissenschaften und
Rechtsvergleichung an der
Machtzentrale. Hier sollten die Fäden aller Beteiligten verknüpft werden. Bucerius Law School.

März 2018 25
MEHRWERT

Hintergrundvideos und weiteres


Zusatzmaterial.

Alle Artikel und


Grafiken auch Einfache Verwaltung von Lesezeichen
offline verfügbar. und Volltextsuche.

App sofort: DIVSI magazin auch digital

Fotos: Created by Dan_darius - Freepik.com, Frederike Heim, Apple and the Apple logo are trademarks of Apple Inc., registered in the U.S. and other countries.
App Store is a service mark of Apple Inc., registered in the U.S. and other countries. Google Play und das Google Play-Logo sind Marken von Google LLC.
Zahlreiche Zusatzfunktionen verbessern den Service für die nience. Insgesamt liefert diese neue App
mehr zeitgemäßes Lesevergnügen.“
Leser. Weitere Ausweitungen des Angebots möglich.
Die Vorteile der neuen Möglichkeit
wurden erstmals mit der letzten Ausgabe

T
des DIVSI magazins in 2017 deutlich und
echnisch gesehen hat das DIVSI ergeben: „Grundsätzlich lassen sich die sind natürlich auch für dieses aktuelle
magazin aktuell einen Sprung Ausgaben des Magazins auch offline le­ Heft nutzbar. An sinnvollen Stellen sind
nach vorn getan. Die Art der Bei­ sen, nachdem sie einmalig auf das Device dabei auch Verlinkungen eingefügt, um
träge in ihrer bekannten Qualität, des Nutzers heruntergeladen wurden. so bequem Zugang zu weiteren Informa­
geschrieben von Experten aller Fachrich­ Man hat alle Beiträge also immer dabei. tionen bieten zu können. Darunter fallen
tungen, ändert sich natürlich nicht. Doch Manche Beiträge sind bereits digital an­ Verlinkungen aus dem Inhaltsverzeichnis,
das Heft kann ab sofort auch in Form einer gereichert und enthalten etwa Zusam­ externe Links zu den Verlagen mit den
nativen App genutzt werden. Diese ist auf menschnitte von DIVSI-Veranstaltungen, DIVSI-Buchempfehlungen oder Auto­
den üblichen Betriebssystemen wie iOS, Interviews oder weitere Hintergrundinfor­ ren-Infos. Michael Schneider: „Per Klick
Android und Amazon Kindle anwendbar. mationen. Damit bieten wir neben den ge­ können nun DIVSI-Studien ebenfalls
Michael Schneider, Kommunika­ wohnt hochwertigen Inhalten auch digita­ als Download heruntergeladen werden.
tions-Chef bei DIVSI, erläutert die zahl­ le Mehrwerte und manche Funktionen für Durch Drücken der Play-Taste werden
reichen Mehrwerte, die sich dadurch ein Plus an Bequemlichkeit und Conve­ Interviews als Video direkt abgespielt.“
Außerdem ist mit der neuen App auch
eine Volltextsuche sowie das Setzen von

Jetzt die DIVSI App laden Lesezeichen möglich. Das deutlich erwei­
terte Angebot rund um das DIVSI magazin
bleibt dabei natürlich kostenfrei. Michael
Die DIVSI App ist ab sofort kostenlos für iOS, Schneider: „Perspektivisch ist angedacht,
Android und Amazon Kindle verfügbar. Suchen Sie nicht nur das Magazin per App nutzbar zu
einfach in Ihrem App-Store nach „DIVSI“. machen. Wir prüfen, ob sich dieser Ser­
vice vielleicht ab 2019 auf alle Studien des
Instituts ausweiten lässt.“

26
Aktuelle Bücher
Die 50 wichtigsten Themen der Digitalisierung
Virtual Reality, Augmented Reality, Bitcoin,
Künstliche Intelligenz und vieles mehr
verständlich erklärt
Philip Specht

Könnten Sie in wenigen Sätzen erklären, was Augmented Reality


ist? Was Digital Disruption oder Smart Health ausmacht? Falls
nicht, gehören Sie zu der großen Mehrheit derer, die zwar in und
mit der Digitalisierung leben und arbeiten, die aber meist passen
müssen, wenn es darum geht, diese Schlagworte zu konkretisie-
ren. Der Autor erläutert die 50 wichtigsten Aspekte der Digitali-
sierung jeweils auf wenigen Seiten.

Redline Verlag, ISBN: 978-3-86881-705-8, 17,99 €

Digital Tour Book »Hate Speech« und Irgendwas mit Internet Lernen im Internet
Die erfolgreiche Verletzbarkeit im Mit der 45min­Toolbox auf Reihe: Lehr­Lern­
Transformation zum digitalen Zeitalter die digitale Erfolgsspur Forschung
digitalen Unternehmen Phänomene mediati­ Markus Dirr, Luis Hanemann Michael Heilemann, Heidrun
– ein Reisebericht sierter Missachtung Stöger, Albert Ziegler (Hg.)
Christopher Rheidt, Jennifer Eickelmann  Das Buch will das nötige
Daniel Wagenführer Rüstzeug vermitteln, um Das Internet bietet eine Fülle
Die Autorin zeigt die Kon­ auf die digitale Erfolgsspur an Lernangeboten und Lern­
Die Autoren erzählen tingenz einer Kommunika­ zu kommen. Die Autoren möglichkeiten, jedoch erfolgt
offen von allen Erfahrungen, tion im Spannungsfeld von fassen die wichtigsten Er­ meist keine optimale Um­
die sie dabei machten – Realität/Virtualität auf und folgsmuster in einer Toolbox setzung und Nutzung dieser
inklusive der Irrwege. Es ist legt dar, welche Bedeu­ zusammen. Diese ist die Angebote. Um das erfolgreich
unerlässliche Reisevorberei­ tung der Kategorie Gender komprimierte Version von zu ändern, beleuchtet der Band
tung für alle Mittelständler und dem Medialen bei der knapp 20 Jahren E­Com­ theoretische Hintergründe und
und Familienunternehmer Konstitution und Wirkmacht merce­, Change­, Data­ empirische Forschungsergeb­
vor der digitalen Transfor­ mediatisierter Missachtung driven­Marketing und nisse zum interaktiven Lernen
mation. zukommt. Start­up­Erfahrung. im Internet.

Murmann Verlag, ISBN: Transcript Verlag, ISBN: Hanser Verlag, ISBN: 978-3- LIT Verlag, ISBN: 978-3-643-
978-3-86774-593-2, 34,00 € 978-3-8376-4053-3, 32,99 € 446-45347-0, 30,00 € 13910-8, 29,90 €

März 2018 27
DIVSI Veröffentlichungen
Studien
DIVSI Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet, 2012
DIVSI Meinungsführer-Studie: Wer gestaltet das Internet?, 2012
DIVSI Entscheider-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet, 2013
DIVSI Studie zu Freiheit versus Regulierung im Internet, 2013
DIVSI U25-Studie – Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der digitalen Welt, 2014
DIVSI Studie zu Bereichen und Formen der Beteiligung im Internet, 2014
Braucht Deutschland einen Digitalen Kodex? – Verantwortung, Plattformen und
soziale Normen im Internet, 2014
Wissenswertes über den Umgang mit Smartphones, 2014
Daten – Ware und Währung, 2014
DIVSI U9-Studie: Kinder in der digitalen Welt, 2015
Beteiligung im Internet: Wer beteiligt sich wie?, 2015
Das Recht auf Vergessenwerden, 2015
Big Data, 2016
Daten als Handelsware, 2016
DIVSI Internet-Milieus 2016 – Die digitalisierte Gesellschaft in Bewegung, 2016
DIVSI Studie „Digitale urbane Mobilität“, 2016
Radikalisierung Jugendlicher über das Internet? – Ein Literaturüberblick, 2016
DIVSI Ü60-Studie – Die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in Deutschland, 2016
Vertrauen in Kommunikation im digitalen Zeitalter, 2017
Brief oder E-Mail? – DIVSI Studie über die Kommunikation im privat-geschäftlichen Bereich, 2017

Diskussionsbeiträge
Dominic Völz, Timm Christian Janda: Thesen zur Netzpolitik – Ein Überblick, 2013
Christina Heckersbruch, Ayten Öksüz, Nicolai Walter, Jörg Becker,
Guido Hertel: Vertrauen und Risiko in einer digitalen Welt, 2013
Göttrik Wewer: Digitale Agenda 2013 – 2017 – Netzpolitik im neuen Deutschen Bundestag, 2013
Miriam Meckel, Christian Fieseler, Jan Gerlach: Der Diskurs zur Netzneutralität, 2013
Timm Christian Janda, Dominic Völz: Netzpolitik in Deutschland –
Wahlprogramme, Koalitionsvereinbarung, Regierungserklärung, 2014
Manuel Schubert: Vertrauensmessung in der digitalen Welt – Überblick und Aussicht, 2014
Max-Otto Baumann: Privatsphäre als neues digitales Menschenrecht?, 2015
Manuel Schubert, Anja Ullrich: Vertrauen in der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung, 2016