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Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten EXKLUSIV

2018

03 Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten EXKLUSIV 2018 25 erstaunliche Geschichten über Stuttgart
03 Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten EXKLUSIV 2018 25 erstaunliche Geschichten über Stuttgart
03 Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten EXKLUSIV 2018 25 erstaunliche Geschichten über Stuttgart

25 erstaunliche Geschichten über Stuttgart

Schauen Sie sich doch mal wieder gemeinsam die Sterne an. Das Mercedes-Benz Museum – über

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Das Mercedes-Benz Museum – über 130 Jahre Automobilgeschichte. Weitere Informationen unter www.mercedes-benz.com/museum

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Editorial

Hätten Sie es gewusst?

S tuttgart hat viele Geschichten zu erzählen. Für

die zweite Ausgabe unseres Wissensmagazins

5x5 haben wir wieder die Stadt auf den Kopf

gestellt und sie aus ganz unterschiedlichen Per- spektiven betrachtet. Unsere Autoren haben den Talkessel quer durchstreift, sind auf die höchsten Punkte der Stadt gestiegen und haben sich tief ins Erdreich vorgewagt.

Das Ergebnis sind wieder je fünf Geschichten aus fünf Rubriken: Boulevard, Wirtschaft, Genuss, Kultur und Geschichte. Stuttgarter und Neu- Stuttgarter werden ihre Stadt noch mal neu ken- nenlernen. Wissen Sie, wo VfB-Stürmer Mario Gomez, Schau- spieler Sebastian Koch und die Landtagspräsi- dentin Muhertem Aras gebüffelt haben? Warum die Hamburger Schauspielerin Helga Feddersen – genau, die mit „Du, die Wanne ist voll“ – aus- gerechnet im Hallschlag begraben wurde? Wo die Fantastischen Vier, die Väter des deutschen Sprechgesangs, zum ersten Mal aufgetreten sind, im Kindergarten in Wangen oder im Jugendhaus in Heslach? Wir zeigen Ihnen wo in Stuttgart Hollywood am Monitor programmiert wird. Modisch hat die Schwabenmetropole in Sachen Damenunterwä- sche Maßstäbe gesetzt – genauso wie die Tüftler und Erfinder, ohne die das Automobil niemals von der Stelle gekommen wäre. Wasser ist natürlich immer ein großes Thema. Doch wo liegt das höchste Bad? Und was hat Cannstatt mit Budapest gemeinsam? Was haben die 68er mit der Gründung des Theaterhauses zu tun? Und warum schenkte Herzog Carl Eugen so mancher Dame blaue Schuhe? Alfred Hitchcock präsentierte in Stuttgart keinen Film, sondern ein Buch. Welches? Wer musste den Fünfer noch krie- gen und schrieb schwäbische Musikgeschichte? In Ihren Händen, liebe Leserinnen und Leser, hal- ten Sie wieder 68 Seiten mit spannenden und un- erwarteten Geschichten über Stuttgart.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und Entdecken,

Ihre 5x5-Redaktion

25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | Editorial

beim Lesen und Entdecken, Ihre 5x5-Redaktion 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | Editorial 3 Fünf Mal
beim Lesen und Entdecken, Ihre 5x5-Redaktion 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | Editorial 3 Fünf Mal

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beim Lesen und Entdecken, Ihre 5x5-Redaktion 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | Editorial 3 Fünf Mal
beim Lesen und Entdecken, Ihre 5x5-Redaktion 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | Editorial 3 Fünf Mal
beim Lesen und Entdecken, Ihre 5x5-Redaktion 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | Editorial 3 Fünf Mal

Fünf MalFünf

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inhalt | 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART

4 inhalt | 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART 01 boulevard 06 Wo haben Gomez und Koch
4 inhalt | 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART 01 boulevard 06 Wo haben Gomez und Koch
4 inhalt | 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART 01 boulevard 06 Wo haben Gomez und Koch

01

boulevard

06

Wo haben Gomez und Koch gebüffelt?

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Wo ruht Helga Feddersen?

10

Was wurde aus Harald Schmidts WG?

12

Wo steht die Wiege der Fantas?

16

Wo stieg Robbie zum Superstar auf?

02

wirtschaft

18

Was macht ein Stern auf dem Bahnhof?

20

Wo wird Game of Thrones lebendig?

24

Wo geht Stuttgart steil?

26

Wie patent ist Stuttgart?

29

Was gibt Frauen halt?

03

Genuss

32

Warum bläst Gaisburg zum Marsch?

34

Wer hat das Weindorf erfunden?

36

Wo liegt das höchste Bad in Stuttgart?

38

Was haben Bad Cannstatt und Budapest gemeinsam?

40

Wo spricht der Aal Schwäbisch?

25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | inhalt

25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | inhalt 04 kultur 44 Wo lauern Schillers Räuber? 46 Wie
25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | inhalt 04 kultur 44 Wo lauern Schillers Räuber? 46 Wie

04

kultur

44

Wo lauern Schillers Räuber?

46

Wie viel Theater gibt es im Theaterhaus?

48

Wen muss d’r Wolle „no kriega?“

50

Warum sitzt ein Mops auf einer Säule?

52

Wie kommt Hitchcock nach Stuttgart?

05

geschichte

 

5

56

Was ist ein Wutbürger?

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Wer hat die Kokosnuss geklaut?

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Was ist das Geheimnis der blauen Schuhe?

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Wo rollen die Köpfe?

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Wo leben Wildschweine gefährlich?

Was ist das Geheimnis der blauen Schuhe? 62 Wo rollen die Köpfe? 64 Wo leben Wildschweine
Was ist das Geheimnis der blauen Schuhe? 62 Wo rollen die Köpfe? 64 Wo leben Wildschweine
Was ist das Geheimnis der blauen Schuhe? 62 Wo rollen die Köpfe? 64 Wo leben Wildschweine
Was ist das Geheimnis der blauen Schuhe? 62 Wo rollen die Köpfe? 64 Wo leben Wildschweine
Was ist das Geheimnis der blauen Schuhe? 62 Wo rollen die Köpfe? 64 Wo leben Wildschweine

Fußballprofi Mario Gomez Foto: Getty Images

EINS

EINS boulevard sportler, musiker, schauspieler, politiker – in stuttgart haben sich schon viele unglaubliche geschichten

boulevard

sportler, musiker, schauspieler, politiker – in stuttgart haben sich schon viele unglaubliche geschichten bekannter persönlichkeiten abgespielt

Wo haben Gomez und Koch Gebüffelt?

von Elke Rutschmann

A bizeitungen zählen schon lange zum Brauch- tum an Gymnasien und sind spannende Zeitzeugen von früheren Absolventen. Die

ehemalige Mathematiklehrerin Margret Ambs sitzt an diesem Freitag an der Johann-Friedrich- von-Cotta-Schule im Büro von Schulleiterin Birgit Jaeger-Gollwitzer, kramt ein Exemplar von 1988 aus der Tasche und liest folgenden Spruch vor:

„Wer nie fehlt, hat wahrscheinlich auch noch nie Gutes getan.“ Das stammt nicht aus der Feder der Pädagogin, sondern von der aktuellen Landtags- präsidentin Muhterem Aras, die vor 30 Jahren dort die Hochschulreife abgelegt hat. „Ich habe diesen Spruch damals bewusst ausgesucht. Wer nichts tut, verpasst auch die Chance, Gutes zu tun. In- sofern gilt dieser Satz für mich bis heute“, sagt Muhterem Aras. Ihre Lehrer beschreiben sie als eine sehr reife junge Frau, die als Persönlichkeit herausgestochen ist und sich bei sozialen Prob- lemen in der Klasse eingesetzt hat. „Und sie ist bei allem sehr zielgerichtet vorgegangen“, sagt Margret Ambs. Ähnlich ambitioniert beschreibt die Lehrerin auch zwei weitere prominente Schü- ler wie den Schauspieler Sebastian Koch und den Fußballprofi Mario Gomez. Jeder hat auf seine Art Spuren hinterlassen, und das Kollegium hat schon damals gespürt, dass sich aus diesen Gym- nasiasten einmal besondere Menschen entwickeln könnten.

Muhterem Aras hat durchweg positive Erinnerun- gen an die Schule. „Ich erinnere mich, dass wir immer wieder hochpolitisch diskutiert haben“, sagt die Grünen-Politikerin. Sie hat auch heu- te noch regelmäßig Kontakt. Als Gemeinderätin war sie dort zu Gesprächen mit Schülerinnen und Schülern über Politik, Beteiligung und Engage- ment. „Und im Herbst 2017 war ich als ehema-

lige Schülerin eingeladen zu einem Vorlesetag, den die Buchhandelsfachklasse selbst organisiert hatte“, sagt die heute 52-Jährige. Sebastian Koch hieß damals noch Andreas und machte später dann seinen zweiten Namen zum Vornamen. Das schauspielerische Talent spiegelte sich schon in der Schule wider. „Er hat sie schon damals als Bühne für sein Talent genutzt“, erinnert sich der Bio-Lehrer Harald Lebhardt und hat auch die passende Geschichte dazu. Als Koch mit einem Lacoste-T-Shirt in die Schule gekommen war und von den Mitschülern mit spöttischen Bemerkungen bedacht wurde, nahm er eine Schere und schnitt das Krokodil weg. Aufgewachsen in Obertürkheim mit einer alleinerziehenden Mutter, entdeckt Koch schon früh die Liebe zum Theater, leitete in der Pfarrei der Andreaskirche eine Jugendgruppe, für die er erste Stücke schrieb und aufführte. Morgens sei er deshalb oft übermüdet im Unterricht geses- sen, erzählt Harald Lebhardt. Dennoch sei er ein passabler Schüler gewesen, eher ein Einzelgänger.

das talent hat sich schon damals gezeigt

Die aktuelle Schulleiterin Birgit Jaeger-Gollwitzer bedauert es ein bisschen, dass der Kontakt ab- gerissen ist. Sebastian Koch lebt heute in Berlin, hat eine Tochter und nur noch wenig Bindung zu Stuttgart. Aber auf der Schule sind sie immer noch stolz, dass es ein Schüler so weit gebracht hat. Koch wurde vielfach ausgezeichnet – mit dem Grimme-Preis, dem Bambi, und für den Film „Das Leben der Anderen“ gab es sogar neben Ulrich Mühe und dem Regisseur Florian Henckel von Don- nersmarck einen Oscar. Er spielte in Teil fünf von „Stirb langsam“ an der Seite von Bruce Willis, gab den Seewolf, Stauffenberg und Albert Speer. Sei- ne Maxime für seinen Beruf lautet: „Ich will Spaß haben, an Grenzen gehen und dass ich das selbst mag, was ich mache“, sagt Koch. Das sei ihm letzt- lich wichtiger als das Urteil der Kritiker.

 

Hätten Sie es gewusst?

 
 

eine liste an berühmten absolventen

Foto: Pressefoto Baumann

Neben Mario Gomez zählen auch andere Fuß- baller wie Bernd Leno, Julian Schieber, Andreas Beck oder Serdar Tasci zu den Absolventen der Cotta-Schule. Aber auch die Hochspringerin Marie-Laurence Jungfleisch, der Judoka Sven Heile, die Paralympics-Teilneh- merin Anje Wicker oder der Handballer Patrick Zicker wurden auf ihrem Weg begleitet.

Sven Heile, die Paralympics-Teilneh- merin Anje Wicker oder der Handballer Patrick Zicker wurden auf ihrem Weg

25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | boulevard

Schauspieler Sebastian Koch Foto: dpa
Schauspieler
Sebastian Koch
Foto: dpa

Kritisch beäugt wird an jedem Spieltag auch der Fußballer Mario Gomez, der an der Cotta-Schule Kicken und Pauken unter einen Hut bringen musste. Die Schule gehörte damals schon zum Eliteschulverbund der Stadt. Ziel war es, sport- lich begabte Jugendliche zu fördern und deren angestrebte Leistungssportkarriere in Einklang mit schulischen Anforderungen zu bringen. „Mario war einer der Ersten, der diese Doppelbelastung bei uns absolviert hat“, sagt sein ehemaliger Sportleh- rer, der heute noch unterrichtet. Gomez hatte nicht nur in der A-Jugend und beim Regionalliga-Team des VfB trainiert, sondern auch die „Jugend trainiert für Olympia“-Schulmann- schaft entscheidend verstärkt. „Er war sportlich natürlich herausragend, in seiner Art sehr elo- quent und ist gegenüber den Lehrern schon sehr selbstbewusst aufgetreten, ohne jemals arrogant zu sein“, sagt Frank Radojewski. Gomez war des- halb auch bei den Mitschülern sehr beliebt, weil er auch ein sozialer Typ war. Der damals 18-Jährige war der erste Fußballer, für den eine individuelle Lösung geschafften wurde, damit er das Training am Vormittag besuchen konnte. „Er hat es ge- schafft, die vielen Fehlstunden zu kompensieren“, sagt Margret Ambs, die ihn in Mathe unterrichtete. Das Abitur musste dann aber doch ohne ihn statt- finden, weil Trainer Felix Magath ihn vor die Wahl Profifußball oder Schule gestellt hatte. So ging er mit der Fachhochschulreife ab. Er musste diese Entscheidung nicht bereuen: Mit den Bayern und 2007 auch mit dem VfB Stutt- gart wurde er mehrmals Deutscher Meister, und er schoss in der Nationalmannschaft bislang 31 Tore in 71 Spielen.

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Cotta-Schule

Die Johann-Friedrich- von-Cotta-Schule in Stuttgart Ost hat eine ganze Reihe an berühmten Absolven- ten hervorgebracht. Foto: Michael Steinert

in Stuttgart Ost hat eine ganze Reihe an berühmten Absolven- ten hervorgebracht. Foto: Michael Steinert Fünf

Fünf MalFünf

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Boulevard | 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART

letzte ruhestätte

Beigesetzt wurde Helga Feddersen auf dem Steigfriedhof auf dem Hallschlag in Stuttgart. In Erin- nerung bleibt sie als tolle Schauspielerin und herausragende Persönlichkeit.

Fotos: Günther, dpa

und herausragende Persönlichkeit. Fotos: Günther, dpa Wo ruht Helga Feddersen? von Christian Günther Fünf Mal
und herausragende Persönlichkeit. Fotos: Günther, dpa Wo ruht Helga Feddersen? von Christian Günther Fünf Mal

Wo ruht Helga Feddersen?

von Christian Günther

Fünf MalFünf

M anch Hamburger ärgert sich heute noch schwarz, dass Helga Feddersen, die Ur- Hamburger Volksschauspielerin und „Ulk-

nudel der Nation“, nicht in ihrem Hamburg, son- dern in Stuttgart ihre letzte Ruhe fand. Nämlich auf dem Steigfriedhof am Römerkastell auf dem Hallschlag. Und das kam so…

Jungen Leuten sagt vielleicht der Name Helga Fed- dersen nicht mehr viel, aber „uns Älteren“, die wir in den 1970er- und 1980er-Jahren Fernsehen ge- schaut haben, ist Helga Feddersen als „Ulknudel der Nation“ und als Duettpartnerin von Didi Hal- lervorden mit ihrem Mega-Hit „Du, die Wanne ist voll“ sehr wohl ein Begriff. Im Alter von nur 60 Jahren verstarb Helga Fed- dersen, Jahrgang 1930, am 24. November 1990 in Hamburg an ihrem Krebsleiden, angeblich in den Armen ihres langjährigen Lebensgefährten Olli Maier, den sie noch auf dem Sterbebett ge- heiratet hatte. Im Jahr zuvor war sie noch wegen Magersucht und Medikamentenabhängigkeit be- handelt worden, ihre Kraft war dahin. Olli Mai- er war gebürtiger Stuttgarter. Bei gelegentlichen Besuchen wohnten er und Helga Feddersen in seinem Elternhaus Am Römerkastell 7 im Hall- schlag. Das ist die Verbindung Helga Feddersens mit Stuttgart. Das mit Maier 1983 gemeinsam

eröffnete „Theater am Holstenwall“ in Hamburg hatte schließen müssen, als Helga Feddersen nicht mehr spielen konnte. Ohne sie hatte die Bühne in der Zuschauergunst verloren und war pleite gegan- gen. Über 400-mal spielte sie dort ihre Paraderolle als „Perle Anna“. Doch die Hamburgerin war mehr als nur Blödelbardin. Sie war eine geniale Komödi- antin, hoch professionelle Schauspielerin auch in ernsthaften Rollen, fantasievolle Autorin und eine sensible Persönlichkeit, die viele Schicksalsschlä-

 

Hätten Sie es gewusst?

 
 

Olli Maier

Foto: Peter Sylent Press Agency

Olli Maier spielte in diversen Fernsehspielen kleine Nebenrollen, z.B. den Hellseher Raimondo in der ZDF- Kinderserie „Ein Fall für TKKG“. Als Sänger nahm er in den 1980er- Jahren die Songs „Heiße Würstchen mit Salat“ und „Ich liebe Aerobic“ auf. Seine Autobiografie „Ich, der Buhmann der Nation“ erschien 1983.

mit Salat“ und „Ich liebe Aerobic“ auf. Seine Autobiografie „Ich, der Buhmann der Nation“ erschien 1983.

ge überstand. Bei einer Tumoroperation wurde 1955 die Ohrspeicheldrüse so unglücklich verletzt, dass das Gesicht der Schauspielerin dauerhaft ent- stellt blieb. Sie entdeckte ihr Talent für komische Rollen, moderierte mit Frank Zander die Musiksendung „Plattenküche“ und spielte an der Seite von Dieter Hallervorden Sketche. Mit ihm hat sie 1978 den Überraschungshit „Du, die Wanne ist voll“, eine Ulk-Verdeutschung des Grease-Hits „You’re the one that I want“, der es bis in die Top-10 schaffte. Ihr erster Mann Götz Kozusek, mit dem sie bis zu dessen Tod 1985 verheiratet war, entdeckte Fed- dersens Talent als Schriftstellerin. Sie schrieb Ge- schichten und Drehbücher.

helga feddersen war als schauspielerin und schriftstellerin vielseitig talentiert

Beigesetzt wurde Helga Feddersen wohl auf ei- genen und auf Wunsch ihres Mannes Olli Maier hin in dessen Heimatstadt Stuttgart. In Hamburg fand vorher die Einäscherung statt, zu der 400 Menschen kamen. Die Urne wurde dann auf dem

25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | boulevard

Steigfriedhof am Römerkastell auf dem Hallschlag im Familiengrab von Olli Maier beigesetzt. 2014 wurde auch in Stuttgart unweit ihres Grabes am Römerkastell der Helga-Feddersen-Weg einge- weiht – paradoxerweise zwischen lauter Straßen mit Ruhrpottnamen. In Hamburg erinnert in Altona erst seit 2016 die Helga-Feddersen-Twiete an sie. Ihr Grab auf dem Steigfriedhof ist schlicht, ein Schutzengel und zwei Mammutbäume wachen über ihr. Dort liegt sie nun im Familiengrab ihres Mannes, der 2011 verstarb – als „Reinhard Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen“. Hinter dem Adelstitel verbirgt sich Reinhard, ge- nannt Olli, Maier, Helga Feddersens Witwer. Wie viel Geld der Last-minute-Ehemann von ihr erbte, ist nicht bekannt. Aber das Erbe hat gereicht, da- mit der Stuttgarter sich für eine Summe von DM 200 000 von einer gewissen Erna Eilts aus Emden adoptieren lassen und damit in den Hochadel ein- kaufen konnte. Diese trug legal den Titel „Erina Prinzessin von Sachsen“, weil sie acht Jahre lang mit dem Enkel des letzten Sachsenkönigs verheira- tet war. Maier starb in seinem Berliner Penthouse in Adlershof 2010 inmitten seiner unzähligen gol- denen Krönchen und Helga-Feddersen-Souvenirs.

gol- denen Krönchen und Helga-Feddersen-Souvenirs. liebe für das schauspiel Helga Feddersen mit Ehemann Olli

liebe für

das schauspiel

Helga Feddersen mit Ehemann Olli Maier, einem gebürtigen Stuttgarter, dem sie auf ihrem Sterbebett das Jawort gab. Gemeinsam gründe- ten sie in Hamburg das „Theater am Holstenwall“. Foto: Peter Sylent Press Agency

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das Jawort gab. Gemeinsam gründe- ten sie in Hamburg das „Theater am Holstenwall“. Foto: Peter Sylent
das Jawort gab. Gemeinsam gründe- ten sie in Hamburg das „Theater am Holstenwall“. Foto: Peter Sylent
das Jawort gab. Gemeinsam gründe- ten sie in Hamburg das „Theater am Holstenwall“. Foto: Peter Sylent
das Jawort gab. Gemeinsam gründe- ten sie in Hamburg das „Theater am Holstenwall“. Foto: Peter Sylent
das Jawort gab. Gemeinsam gründe- ten sie in Hamburg das „Theater am Holstenwall“. Foto: Peter Sylent
das Jawort gab. Gemeinsam gründe- ten sie in Hamburg das „Theater am Holstenwall“. Foto: Peter Sylent
das Jawort gab. Gemeinsam gründe- ten sie in Hamburg das „Theater am Holstenwall“. Foto: Peter Sylent

boulevard | 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART

Was wurde aus Harald Schmidts WG?

von Katrin Schenk

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Was wurde aus Harald Schmidts WG? von Katrin Schenk 10 Studentenbude Das ehemalige Studentenzimmer von Harald

Studentenbude

Das ehemalige Studentenzimmer von Harald Schmidt ist überschaubar.

Er wohnte im ersten Stock des heutigen

Rupert-Mayer-

Hauses.

Foto: Schenk

Fünf MalFünf

D as Gebäude in der Hospitalstraße 26 ist nicht

das jüngste Objekt unter den Stuttgarter Stu-

dentenwohnheimen. „In ein paar Jahren steht

eine Renovierung an“, sagt Gerald Jantschik, der vor zehn Jahren die Leitung im heutigen Rupert- Mayer-Haus übernommen hat. „Mit Rupert Mayer können wir uns heute gut identifizieren“, meint der 61-jährige gebürtige Göppinger und spielt auf die Umbenennung des Hauses an, die gerade zu Beginn seiner Amtszeit vollzogen wurde. Mayer gehörte in der Zeit des Nationalsozialismus dem katholischen Widerstand an. Der vorige Namens- geber des Hauses ist aus den Annalen gestrichen worden: Karl Adam. Er war ebenfalls katholischer Geistlicher gewesen und hatte die Zusammenar- beit mit den Nationalsozialisten begrüßt.

Das frühere Karl-Adam-Haus hatte zumindest ei- nen sehr prominenten Bewohner: Harald Schmidt, ehemaliger Late-Night-Talker, Kabarettist, Schau- spieler und Moderator. Gerald Jantschik, selbst Schmidt-Fan, zeigt das Zimmer 102 im ersten Stock, in dem der Student maximal ein Jahr lang wohnte. Klein, ein paar Regale sind angebracht, ein Bett steht drin. Der Ausblick geht aufs Wart- burg-Hotel in der Lange Straße. „Was unsere Studenten sehr schätzen, ist zum einen die preiswerte Miete und die zentrale Lage“, sagt Jantschik. Der erste Stock, der von der Katholischen Hochschulgemeinde vermie- tet wird, sei vor allem für diejenigen vorgese- hen, die sich auch kirchlich engagieren. „Und ich denke mir, dass seine C-Prüfung und das Orgelspiel in Nürtingen die Eintrittskarte waren.“ Schmidt ist in Nürtingen aufgewachsen, hat am dortigen Hölderlin-Gymnasium das Abitur gemacht und in der katholischen Gemeinde St. Johannes Or- gel gespielt. 1977 hatte er die Aufnahmeprüfung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Dar- stellende Kunst Stuttgart geschafft. Der ehemalige „Bad Boy“ der Nation hat ein dreijähriges Studium im alten Gebäude an der Urbanstraße absolviert.

Harald Schmidt brillierte am Schauspiel Stuttgart als „Der Prinz von Dänemark“, eine Persiflage auf Shakespeares „Hamlet“.

Foto: Frank Eppler/Archiv

In einem Gespräch während seines Liederabends zu „Elvis lebt und Schmidt kann es beweisen“, sag- te Schmidt mal, dass Fechten gar nicht sein Fach gewesen sei. „70 Bewegungsabläufe und ein un- glaubliches Konditionstraining“ – er habe schnell beschlossen, dass er das nicht mehr bräuchte. Ebenso wenig Rhythmik – er und das Sportgerät Band wurden keine Freunde fürs Leben.

Schmidt trat schon im Wohnheim auf

Der Kabarettist war sicher immer schon einer, der einerseits gern in Rollen schlüpfte, andererseits auch Leute beobachtete, Intentionen wahrnahm und schnell die wahren Motivationen seiner Kom- militonen und Kommilitoninnen beim Studium der darstellenden Kunst erkannte – er unterschied in „Boulevardeske“ und „Tiefschürfende“. Das Studium fiel in die Zeit des Deutschen Herbsts, und bekanntlich war Claus Peymann da- mals Intendant, der mit seinem Aufruf für Gudrun Ensslins Zahnbehandlung für mehr als Empörung sorgte. Letztendlich war es der Riss, der durch die Stuttgarter Gesellschaft ging. Damals gab Peter Sattmann, den man heute vor allem aus Fernseh- serien kennt, den Conférencier im „Elvis Presley Memorial“; der King of Rock ’n’ Roll, war gerade gestorben. 30 Jahre später hatte Schmidt diesen Liederabend, von dem er als junger Mann begeis-

25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | boulevard

tert war, am Schauspiel neu inszeniert, Politik und die Musik dieser Zeit gemischt und als Parodie wieder aufleben lassen. Und Harald Schmidt sagte damals auch, dass er im Karl-Adam-Haus gewohnt und vor einem vollen Saal schon Stücke aufgeführt habe. Die Aufführungsräume, einer mit 200 Qua- dratmetern, ein anderer mit 120 Quadratmetern, existieren heute noch und liegen im Erdgeschoss. „Wir nutzen die Räume für Hauskonzerte und Me- ditationen“, sagt Jantschik.

Wohnen und leben im Rupert-Mayer-Haus

Des Weiteren ist die Psychologische Beratungsstel- le und die Telefonseelsorge „Ruf und Rat“ im zwei- ten Stockwerk des Hauses untergebracht. Insge- samt stehen 54 Appartements zur Verfügung. Das Wohnheim verfügt über 56 Zimmer zwischen neun und 14 Quadratmeter und vier Appartements. Wer seine Freizeit im Haus verbringen möchte, kann eine Dachterrasse, einen Tischtennisraum, einen Fitnessraum sowie eine Bar und einen Musik- raum nutzen. „Maximal acht Semester kann man im Haus verbringen“, so Leiter Gerald Jantschik.

„Das ist für ein Wohnheim sehr kulant. Deshalb gibt es auch ein Bewerbungsgespräch, nach dem dann die Bewerber ausgewählt werden.“ Dem Mieter, der derzeit im ehemaligen Zimmer Harald Schmidts wohnt, ist der Name des Entertainers nicht bekannt. Willis Awandu kommt aus Kenia und studiert Ingenieur für Wassertechnik.

 

Hätten Sie es gewusst?

 
 

Harald Schmidt

Foto: dpa

Der Entertainer hat in Stuttgart an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst studiert. Das

Der Entertainer hat in Stuttgart an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst studiert. Das Schauspiel war zentraler Ort für den jungen Mann. Mit seiner Show „Elvis lebt und Schmidt kann es beweisen“ kehrte er ans Haus am Eckensee zurück. Ab 2007 war er festes Ensemblemitglied.

am Eckensee zurück. Ab 2007 war er festes Ensemblemitglied. Immobilien Ihre Experten für Grundstücke und Häuser

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Deutsch-Rap

aus Benz-Town

Die Anfänge der Fantastischen Vier liegen in Stuttgart. Heute füllen die HipHopper die größten Arenen. Foto: Andreas Läsker

Fünf MalFünf

Wo steht die Wiege der FantaS?

von Cornelius Oettle

Fünf Wo steht die Wiege der FantaS? von Cornelius Oettle D ass Stuttgart die Hip-Hop-Hauptstadt Deutschlands
Fünf Wo steht die Wiege der FantaS? von Cornelius Oettle D ass Stuttgart die Hip-Hop-Hauptstadt Deutschlands
Fünf Wo steht die Wiege der FantaS? von Cornelius Oettle D ass Stuttgart die Hip-Hop-Hauptstadt Deutschlands

D ass Stuttgart die Hip-Hop-Hauptstadt

Deutschlands ist, ist allen Kennern klar. Al-

lein, ob man darauf stolz sein kann, scheint

bei der Betrachtung gegenwärtiger Zustände zwei- felhaft. Abgesehen von wenigen Ausnahmen sind die populären Vertreter des Genres derzeit haupt- sächlich damit beschäftigt, anderen auf primitive Weise Unzulänglichkeiten jeder Couleur zu unter- stellen oder autotune-gestützt dem Materialismus zu huldigen. Doch es gibt da bereits seit vielen Jahren ein Männerquartett, das weder das eine noch das andere nötig hat: Thomas Dürr, Andreas Rieke, Michael Bernd Schmidt und Michael Beck. Sagt Ihnen nichts? Besser bekannt sind sie un- ter ihren Künstlernamen Thomas D, And.Ypsilon, Smudo und Michi Beck. Noch besser bekannt sind sie als Die Fantastischen Vier.

Während es im Rest der Republik zu wissen reicht, dass die Fantas aus Stuttgart kommen, fragt man sich in hiesigen Sphären natürlich: Wo genau fan- den sie zusammen? Womöglich ist’s auch der rich- tige Zeitpunkt, einen Blick zurückzuwerfen, hört die jüngste Single der Vier doch auf den Namen „Endzeitstimmung“. Zunächst sei geklärt, wann die Pionierband denn eigentlich das Licht der Welt erblickte. 1987 for- mierten sich And.Ypsilon und Smudo als The Ter- minal Team. Zwei Jahre später stießen Thomas D und Michi Beck dazu und komplettierten die Fantastischen Vier. Wenn man sich die Fotos von damals anschaut, auf denen zuvörderst Thomas D das Fluidum eines abgehalfterten Druffis umgibt, stellt man sich schon die Frage, wie diese skurrilen Herrschaften denn bitte sehr zu dermaßen erfolg-

reichen Stellvertretern des damals nur im Unter- grund bekannten Genres avancieren konnten. Die 90er halt. Mit dem Song „Die da“ brachten die Vier den Hip- Hop in aller Munde respektive ins Radio, was man ihnen in der Szene durchaus übel nahm. Vergessen wird oft, dass Thomas Gottschalk, Manfred Sexau- er und Frank Laufenberg mit dem Titel „Rapper’s Deutsch“ bereits 1980 den besten deutschspra- chigen Hip-Hop-Song aller Zeiten aufgenommen hatten. Das aber nur am Rande. Bis heute entblö- den sich Kritiker bekanntlich nicht, Künstler dafür zu verurteilen, dass andere in Scharen deren Musik hören.

erste bühne im ehemaligen kindergarten

Doch zum Wesentlichen: Wo begann denn nun al- les? Die gängige Legende erzählt vom ersten Kon- zert in einem ehemaligen Kindergarten in Stuttgart- Wangen, datiert auf den 7. Juli 1989. Von einer aus Europaletten zusammengewerkelten Bühne. Aber man könnte im Grunde noch weiter zurückge- hen. Zum Beispiel nach Gerlingen, wo Smudo nach

zurückge- hen. Zum Beispiel nach Gerlingen, wo Smudo nach + 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART |
zurückge- hen. Zum Beispiel nach Gerlingen, wo Smudo nach + 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART |
zurückge- hen. Zum Beispiel nach Gerlingen, wo Smudo nach + 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART |

+

zurückge- hen. Zum Beispiel nach Gerlingen, wo Smudo nach + 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART |

25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | boulevard

Hätten Sie es gewusst? Der werdegang Der fantas 1987 formierten sich And.Ypsilon und Smudo als
Hätten Sie es gewusst?
Der werdegang Der fantas
1987 formierten sich And.Ypsilon und Smudo
als The Terminal Team. Zwei Jahre später stießen
Thomas D und Michi Beck dazu. Fortan nannte
man sich Die Fantastischen Vier. Erstmals trat
man unter diesem Namen 1989 in Stuttgart-
Wangen auf: In einem ehemaligen Kindergarten
und auf selbst zusammengebauten Europaletten.
1992 spielten die Vier ein
wegweisendes Konzert im Hei-
delberger Schwimmbad-Club:
Der Andrang war gewaltig,
mehr als tausend Leute
konnten nicht reingelassen
werden. Jetzt war klar, für
die Truppe sollte es nach
ganz oben gehen. Heute
zählen Die Fantastischen
Vier zu den erfolgreichs-
ten deutschsprachigen
Musikern.

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boulevard | 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART

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boulevard | 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART 14 smudo Smudo heißt eigentlich Michael Bernd Schmidt und

smudo

Smudo heißt eigentlich Michael Bernd Schmidt und legte zusammen mit Andreas Rieke als Terminal Team den Grundstein für die späteren Fantas. Foto: Jens Kalaene

Fünf MalFünf

Die Fantastischen Vier 1993 auf der Freilicht- bühne Killesberg. Foto: Uli Kraufmann

einer Kindheit in Paderborn zum Teenager reifte und aufgrund, na ja, auffälliger Äußerlichkeiten „Schmuddel“ gerufen wurde. Was schließlich zum Künstlernamen führte. Mit 17 zog es ihn in Stuttgarter GI-Discos wie Maddox und Peppermint, wo die US-Amerikaner feierten und Rapmusik dröhnte. Irgendwann ver- suchte Smudo, dort mit englischsprachigen Tex- ten Aufmerksamkeit zu erregen. Es misslang. Also wechselte er die Sprache. Das klappte besser. Man könnte den Ursprung des Deutschraps der Fantas- tischen Vier also durchaus auch hier verorten.

die rapper wollten großes schaffen

Allein: Smudo ist ja nur ein Viertel der Vier. Auf- einander trafen alle erstmals im Jugendhaus De- gerloch. Michi Beck legte dort als DJ einer Hip- Hop-Party auf. Das erste Konzert, allerdings eben noch nicht unter dem Namen Die Fantastischen Vier, gaben sie wiederum 1988 im Jugendhaus Heslach. Zeilen wie „Ich sag eins und zwei und drei und vier. Auf dem Klo gibt’s nicht nur Wasser, ja, da gibt es auch Papier“ zeugten von großem Poten- zial. Sarkastische Zungen behaupten, die Fantas waren nie besser.

Ebenfalls überliefert ist der Moment, in dem den Rappern klar wurde, etwas Großes zu schaffen:

1992 im Heidelberger Schwimmbad-Club. Even- tualiter ist das ja der eigentliche Moment, in dem die Fantastischen Vier zum Phänomen wurden. Der Laden drohte ob des Andrangs zu platzen, was er- freulich, aber noch nicht überraschend war.

vom schwimmbad-club in die schleyer-halle

Nein, das eigentlich Bemerkenswerte spielte sich draußen ab. Denn während sich drinnen rund 500 Gäste drängten, harrten vor den Türen etwa dreimal so viele, die an diesem Abend nicht mehr glücklich wurden. Damit war es amtlich: Die Fantastischen Vier waren groß genug. Jetzt mussten die Hallen wachsen. Und das taten sie. Im Dezember kehren die längst arrivierten Vier nach Stuttgart zurück. Heute lebt hier nur noch And.Ypsilon. Sie spielen an zwei Abenden hintereinan- der in der Schleyer-Halle. Die sollte doch hoffent- lich ausreichend Platz für alle Fans der Fantas- tischen bieten.

der in der Schleyer-Halle. Die sollte doch hoffent- lich ausreichend Platz für alle Fans der Fantas-
JOHANNES OERDING CHRISTINA STÜRMER NICO SANTOS
JOHANNES OERDING
CHRISTINA STÜRMER
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21.5.2018

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Wo stieg Robbie zum Superstar auf?

von Michael Schoberth

V om Teenie-Idol zum weltbesten Entertainer:

Ein verwirrter Fan stößt Robbie Williams von

der Bühne. Der Sänger bringt das Stuttgarter

Konzert zur Überraschung aller zu Ende.

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Seine dicke Daunenjacke hat er erst gar nicht aus- gezogen. Genervt und unzufrieden steht Robbie Williams in seiner Suite im Stuttgarter Nobelhotel Interconti. Zu klein, befindet der Popstar. Das lu- xuriöseste Appartement des Hauses hat nämlich nicht er, sondern Bundeskanzler Gerhard Schrö- der bekommen, der ebenfalls in der Stadt weilt. „Er hat nun das Zimmer, das ich haben wollte“, sagt Robbie. „Ich bleibe nicht hier.“ Kein gutes Omen wenige Stunden vor dem größ- ten Popkonzert des Jahres. Seine Begleiter ma- chen lange Gesichter. Erst kurz zuvor war der 27-jährige Popstar mit einer Linienmaschine aus Düsseldorf um 16 Uhr 20 gelandet. Während die ersten Fans bereits seit 14 Uhr vor den Eingängen der Schleyer-Halle auf den Einlass warten, setzt der britische Sänger im Hotel seine Mängelliste

fort. Der Beistelltisch vor dem Sofa ist zu niedrig, befindet er. Denn wenn er sich darüber beugt, be- steht die Gefahr, sich den Rücken zu verrenken. „Und wer singt dann?“, fragt Robbie. Und in dem offenen Kamin könnte er

dann?“, fragt Robbie. Und in dem offenen Kamin könnte er begehrter star Begehrt: Ticket für das

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Begehrt: Ticket für das Konzert von Robbie Williams in Stuttgart.

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Fünf MalFünf

den sind, raunzt er sein Team an: „Dann findet richtige Kohlen, irgendwo.“ Im Bad meckert er über die zu kleine Wanne, die eher ein besseres Bidet sei. „Da passen keine fünf Mädchen rein.“ Erst sein Tourmanager bringt ihn von seinem Trip wieder runter. Kurzum, Rob- bie Williams ist vor seinem Stuttgart-Konzert am 21. Februar 2001 nicht gut drauf. Seit Beginn der „The Sermon of the Mount“-Tour hadert er mit seinem Schicksal, ein Popstar zu sein, sein zu müssen oder sein zu wollen – oder alles drei zusammen. Er fühlt sich traurig auf der Bühne und weiß nicht, warum er es sich überhaupt antut aufzutreten, sagt er.

„Dann findet richtige Kohlen, irgendwo“

Vor Tourbeginn hatte er wieder mal den Drogen und dem Alkohol abgeschworen. Zudem fragen sich die Musiker, wo liegt dieses Stuttgart über- haupt? Für sie ist das Konzert nur ein weiteres von vielen. Ja, die Gigs in Skandinavien waren gut, Tausende blonde Mädchen. Doch jetzt ist Routine eingekehrt. Nach Düsseldorf und Berlin folgt nur eine weitere deutsche Stadt, ein weiteres langwei- liges Standardkonzert, mehr nicht. Die Band denkt mehr an den nächsten Gig in Paris. Der Auftritt ist Routine: eine gut eingespielte Band, ein profes- sionell agierender Robbie Williams sowie 13 000 schreiende Fans in der Schleyer-Halle. Doch nach etwas über der Hälfte des Konzerts sollte plötzlich alles anders kommen. Robbie singt gerade „Are you questioning your size, is there a…“ des Hits „Supreme“. Weiter kommt er nicht, denn ein jun- ger Mann rennt quer über die Bühne und stößt den Sänger von hinten in den Sicherheitsgraben. Fast zwei Meter tief fällt er. Die Zuschauer, die eben noch die Halle zum Be- ben brachten, verstummen augenblicklich, die Musik bricht ab. In der vollen Schleyer-Halle ist es auf einmal sehr still. Bei der Crew bricht Hektik aus. Doch der Star rappelt sich nach wenigen Se- kunden wieder auf, schreit nach seinem Mikrofon und lässt sich auf die Bühne hieven. „Is every- body okay?“ Das Publikum johlt. „So am I. I’m

Robbie Williams bei seinem Konzert in der Schleyer-Halle 2001. Fotos: Achim Zweygarth

not going to let any fucker get on this stage, and stop you of having a good time.“ Vollgepumpt mit Adrenalin setzt Robbie Williams das Konzert fort. Nach dem nächsten Song „Kids“ macht er eine Pause und spielt dann das gesamte restliche Set ohne die eigentlich vorgesehene zweite Unterbre- chung durch. Alle Crew-Mitglieder sind erstaunt: Robbie ist wirklich auf die Bühne zurück! Jeder hätte gewet- tet, dass der als empfindlich geltende Sänger das Konzert stinksauer abbricht. Doch in Stuttgart ist aus dem Ex-Boygroup-Clown binnen weniger Se- kunden ein Entertainer von Weltformat geworden. Manager David Enthoven meint dazu: „Dieser neue Rob ist zu einem fürsorglichen Mann gewor- den, den vor allen Dingen interessiert, dass die anderen nicht die Fassung verlieren. Es war ein Wendepunkt. Aus dem Jungen war ein Mann ge- worden.“

„I don’t let come any fucker get on this stage“

Backstage treffen sich alle in Robbies Garderobe, wo auch ein Filmteam vor Ort ist, das Szenen der allgemeinen Aufregung dreht. Der Entertainer be- ruhigt die Crew: „Jemand hat mich von der Bühne gestoßen, aber es ist okay.“ Doch er hat auch Angst, das Attentat auf die Tennisspielerin Monica Seles ist ihm präsent. „Er hätte ein Messer haben kön- nen. Ich bin nicht wehleidig, aber ich habe schon verdammt oft Angst.“ Sein geprelltes Knie wird mit Arnikasalbe behandelt. Mittlerweile hat die Polizei den Angreifer festgenommen. Es ist ein 20-jähri- ger Student aus Baden-Württemberg. Es stellt sich

heraus, dass er verwirrt und der Überzeugung ist, der Robbie Williams, der auf der Bühne stand, sei nicht der echte Robbie Williams. Nach dem Konzert denkt der Sänger darüber nach, Stuttgart umgehend zu verlassen und ge- meinsam mit seiner Band im Tourbus nach Paris zu fahren. Er wolle aus Stuttgart verschwinden, „das grässliche Kaff hinter sich lassen“. Die Mu- siker fahren, Robbie Williams bleibt – allerdings nicht allein. Sein nächtliches Amüsement soll in der Hotellobby auf ihn gewartet haben: dunkle Haare, lange Beine, hohe Stiefel und ein kurzes, schwarzes Kleid. Erst am nächsten Tag fliegt er nach Paris – allein. Die britische Boulevardpresse soll versucht haben, ein Foto des Vorfalls aufzutreiben: „Geld spielt keine Rolle.“ Vergeblich. Zwölf Jahre machte der Robbie-Williams-Zirkus einen großen Bogen um Stuttgart. Dann kehrte der Sänger triumphal auf die Bühne in der Daimler-Arena zurück.

Hätten Sie es gewusst?

 

Das Leben eines Popstars

Robert Peter „Robbie“ Williams wurde am 13. Februar 1974 in Stoke-on-Trent in England geboren. 1990 wurde er Mitglied bei der Boy- group Take That, die er 1995 im Streit verließ und seine Solokarriere begann. Mit „Sing when your’re winning“ gelang ihm 2000 der Durch- bruch als internationaler Popstar. Robbie Wil- liams hat 18 Brit-Awards erhalten und verkaufte weltweit mehr als 77 Millionen Tonträger.

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Zwei
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wirtschaft

Geschäftig waren die stuttgarter schon immer – nicht nur in der automobilbranche. Auch bei der Serie „game of thronessind sie beteiligt.

Foto: in.stuttgart

Was macht ein Stern auf dem Bahnhof?

von Paul-Janosch Ersing

G anz schön schnell dreht er sich, der Stern.

Hier oben auf dem 56 Meter hohen Bahn-

hofsturm wirkt das weltberühmte Markenzei-

chen von Mercedes-Benz nicht nur viel größer, als man unten vermutet hatte, sondern auch ziemlich flott. Zwei ganze Umdrehungen pro Minute schafft der Stern – dieses Tempo zeigt, das fand man be- reits bei seiner Installation im Jahr 1952 heraus, die beste Wirkung für seine Betrachter. Wer den Bahnhofsturm besteigt, wird mit einer beeindru- ckenden Aussicht belohnt. Man steht mitten in der Stadt, mitten im Kessel. Im Gegenzug sieht man den charakteristischen Turm mit Stern von fast allen umliegenden Hügeln. Der rund um die Uhr rotierende Mercedes-Stern auf dem Bahn- hofsturm gehört unbestritten zu den heimlichen Wahrzeichen Stuttgarts.

Wie aber kommt der Stern auf den Turm des Stuttgarter Hauptbahnhofs? Es ist eine dieser typischen Geschichten aus dem Nachkriegs- Deutschland. Vom Bombenbeschuss stark in Mitleidenschaft gezogen und völlig ausgebrannt, trotzt der Turm der Witterung – und leidet doch zusehends unter den Umwelteinflüssen. Um das stadtbildprägende Bauwerk vor dem drohenden Verfall zu retten, sind große Investitionen nötig. Die im Jahr 1950 auf rund 500 000 D-Mark ge- schätzten Restaurierungskosten kann der Haus- herr, die finanziell angeschlagene Deutsche Bun- desbahn, beim besten Willen nicht bereitstellen. Ein Stuttgarter Unternehmer schlägt vor, den Bahnhofsturm als Werbefläche freizugeben und die damit verbundenen Einnahmen in die Bau- kosten zu stecken. Die Idee klingt pfiffig, doch erste Kritiker treten auf den Plan, und auch das zuständige Amt für öffentliche Ordnung äußert seine Zweifel: Die dieser Tage überaus angesagte Leuchtreklame sei eine zu große Ablenkung für Autofahrer rund um den Hauptbahnhof. Zudem werden ästhetische Bedenken laut – nicht nur der Bahnhofs-Architekt Paul Bonatz wünscht sich ei- nen werbefreien Turm.

Munter werden die Vor- und Nachteile eines zur überdimensionierten Litfaßsäule umgewidmeten Wahrzeichens diskutiert. Als sich der Stuttgarter Oberbürgermeister Arnulf Klett in die Debatte ein- mischt, kommt es zu einem Kompromiss. Anstelle mehrerer Werbeschilder soll nur ein einziges Logo auf den Turm: ein sich drehender Mercedes-Stern, angebracht an dem auf dem Dach schon vorhan- denen Fahnenmast – und damit deutlich von der Fassade abgehoben.

das heimliche wahrzeichen stuttgarts

Einen Aufzug gibt es nicht. Daher werden die mehr als 350 Treppenstufen zunächst vom Schutt be- freit – eine schweißtreibende Arbeit. Noch bevor der von einer fränkischen Spezialfirma gefertigte Stern angeliefert wird, muss auf der Baustelle der erste Rückschlag verdaut werden: Der Fahnen- mast, der den Krieg überdauert hat, erweist sich als instabil und wird demontiert. Als Alternative muss zusätzlich ein drei Meter hoher Standfuß in Auftrag gegeben werden. Auf der Schiene erreicht der Stern mit einem Durchmesser von 4,20 Metern schließlich den Stuttgarter Hauptbahnhof. Das letzte Stück We- ges legt er auf einem von Pferden gezogenen Wa- gen zurück. Nach mehrwöchigen Montagearbeiten zeigt sich die Stahlkonstruktion in ihrer vollen Pracht: Die Neonröhren hinter den Plexiglasschei- ben erleuchten am 23. Juni 1952 zum ersten Mal den Stuttgarter Nachthimmel. Seither dreht sich der Stern fast ohne Unterbrechung. Im Jahr 1972 wird der erste Stern in den Ruhe- stand geschickt. Ein Kranwagen hievt einen kom- plett neuen, der sich dank einer eigens angefertig-

 

Hätten Sie es gewusst?

 
 

Mercedes-Stern

Zu Lande, zu Wasser und in der Luft – der dreigezackte Stern

Zu Lande, zu Wasser und in der Luft – der dreigezackte Stern

Foto: Daimler AG

weist gleichzeitig in alle Richtungen, in denen die Motoren Gottlieb Daimlers zum Einsatz kommen können. Die

Daimler-Motoren-Gesell-

 

schaft (DMG) meldet im Juni 1909 sowohl einen Dreizack- als auch einen Vierzackstern als Warenzeichen an – doch nur der Dreizackstern kommt unmittelbar zum Einsatz:

in plastisch geprägter Form bei Fahrzeugen vorn am Kühler.

25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | Wirtschaft

Foto: in.stuttgart

ten Konstruktion hydraulisch kippen lässt, hinauf aufs Turmdach. Mit einem Durchmesser von fünf Metern und einem etwas höheren Standfuß sind seine Dimensionen analog zur Einwohnerzahl der Landeshauptstadt und zu den Produktionszahlen des schwäbischen Automobilherstellers mit ge- wachsen. Bei dem rotierenden Mercedes-Stern auf dem Hauptbahnhof handelt sich zweifellos um ein be- sonders markantes Exemplar – aber keinesfalls um das einzige seiner Art. Weitere Sterne finden sich beispielsweise auf Gebäuden in Berlin, Es- sen, München und Saarbrücken. Bis zu seiner Sprengung Anfang 2017 zierte auch das Bonn- Center ein sich drehender Stern.

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Mercedes-Stern

Im Jahr 1921

beantragt die DMG

Gebrauchsmus-

terschutz für neue Varianten ihres Markenzeichens. Ein plastischer Dreizackstern im Ring wird beim Patentamt angemeldet – auch in der Ausführung als Kühlerfigur.

Auch in Moskau und Peking dreht sich der Stern

Der Stern auf dem Dach ist kein nationales Phä- nomen. Seit mehreren Jahren glänzt eine zehn Meter hohe Ausführung auf dem Dach der Daim- ler-Towers in Peking. Auch in Moskau dreht sich auf dem Dach des Hauses am Ufer schon viele Jahre das weltbekannte Markenlogo des Stuttgar- ter Automobilkonzerns. Der größte Mercedes-Stern der Welt liegt übrigens in der Horizontalen. Er befindet sich, fest im Bo- den verankert, im österreichischen Bad Aussee:

in Form einer sternförmigen Brücke mit einem Durchmesser von 27 Metern.

Fünf MalFünf

wirtschaft | 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART

Wo wird game of thrones lebendig?

von Hannah Vogel

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Wo wird game of thrones lebendig? von Hannah Vogel 20 meister der effekte Die Stuttgarter Firma

meister der effekte

Die Stuttgarter Firma Mackevision wirkt seit der vierten Staffel an der US-Produktion „Game of Thrones“ mit und erzeugt dabei aufwendige digitale Szenen.

Fünf MalFünf

E in kleines Schiff segelt auf eine gewaltige Steinstatue zu, vor der die Besatzung in Ehr- furcht erstarrt. Dahinter zeichnet sich bereits

die Stadt Braavos ab, die der Titan beschützt. Es ist ein epischer Anblick, der sich den Fans der Serie „Game of Thrones“ in der vierten Staffel bietet. Aber fast nichts davon ist real – weder der Titan noch die Stadt oder das Schiff. Erschaffen haben sie die Mitarbeiter der Stuttgarter Firma Mackevision.

Seit der vierten Staffel wirken die Schwaben an der US-Produktion mit. Aber sie sind nicht die Einzigen. Neben ihnen sind noch sechs bis sie- ben andere Firmen aus der Branche beteiligt. Denn die visuellen Effekte für „Game of Thrones“ sind aufwendig und müssen mitunter in kurzer Zeit realisiert werden. Als Braavos erstmals vom Meer aus zu sehen ist, dauert die Sequenz nur 15 Sekunden. Doch an diesen 15 Sekunden haben zehn „Digital Artists“ mehr als vier Monate lang gearbeitet. „Das war eine der aufwendigsten Sze- nen, die wir jemals gemacht haben“, sagt Heiko Burkardsmaier, der Leiter der Abteilung Visuelle Effekte bei Mackevision. Aber es hat sich gelohnt. Denn für diese 15 Sekunden hat sein Team den Emmy für die besten TV-Spezialeffekte erhalten. Neben visuellen Effekten realisiert Mackevision auch 3-D-Visualisierungen und Animationen für die Automobilbranche. Für die Firma arbeiten mehr als 500 Mitarbei- ter an 13 Standorten weltweit. Aber am Berliner Platz – gleich neben der Liederhalle und dem Li- teraturhaus – ist ihr Hauptsitz. „Stuttgart ist einer der führenden Standorte für visuelle Effekte und Animation in Deutschland“, sagt Burkardsmaier. Aber die Schwaben wollen mehr. Vor allem mehr internationale Aufträge. Um das zu erreichen, hat sich eine Initiative aus 22 Firmen gegründet. Auch Mackevision ist Teil der Animation Media Cluster Region Stuttgart. Neben Unternehmen

sind auch Hochschulen und Forschungseinrich- tungen daran beteiligt. „Bei jedem neuen Auftrag geht es uns um zwei Dinge“, sagt Burkardsmaier. „Zuerst einmal soll der Auftrag auf jeden Fall an eine Stuttgarter Firma gehen. Erst danach geht es darum, wer von uns ihn bekommt.“ Bei „Game of Thrones“ kam Mackevision zum Zug. Von den Produzenten bekommen die Stutt- garter genaue Vorgaben. „Meist gibt es sogenann- te Prävisualisierungen, die am Computer erstellt werden“, erklärt Burkardsmaier. „Sie sollen uns einen rudimentären Eindruck davon vermitteln, wie das Bild später aussehen soll.“ Bei den De- tails ist sein Team gefragt. Meist gibt es eine Recherchephase, in der nach Vorbildern gesucht wird. Für Braavos stand Venedig Modell, für Cas- terlystein das Schloss Hohensalzburg. Wenn es im Internet nicht ausreichend Fotomaterial gibt, schickt Burkardsmaier einen Teil seiner Abteilung auf Reisen. „Wir sitzen nicht nur den ganzen Tag vor dem Computer, so wie man sich das vielleicht vorstellt“, meint er.

die szenen werden digital erstellt und die schauspieler erst später eingefügt

Eine neue Herausforderung für die Mitarbeiter von Mackevision waren die digitalen Armeen, die in der siebten Staffel Rosengarten angreifen. „Bis dahin waren wir hauptsächlich für Szenen mit Wasser, Schiffen und digitalen Umgebungen zuständig“, sagt Burkardsmaier. Diese entste- hen fast ausschließlich am Computer. Keiner der Schauspieler wird auf hoher See gefilmt, sondern vor einer grünen Wand. Erst später fügen die Digital Artists beide Bilder zusammen. „Für die digitalen Armeen mussten sich drei Mitarbeiter zwei Monate lang in ein neues Programm ein- lernen, mit dem sich Menschenmassen darstel- len lassen“, erzählt Burkardsmaier. Das sei sehr

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Seit der vierten Staffel wirken die Schwaben an der Produktion der' beliebten US-Fan tasyserie mit. Fotos: dpa

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Uhr Seit der vierten Staffel wirken die Schwaben an der Produktion der' beliebten US-Fan tasyserie mit.
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fantasyepos

Die komplexe Handlung der Serie umfasst zahlreiche Charaktere und han- delt dabei von Macht, Politik, Religionen, Kriegen und Gesell- schaftskämpfen.

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aufwendig, aber weniger aufwendig als Tausende Statisten zu casten. Trotzdem glaubt der Spezialist für visuelle Effekte nicht, dass Schauspieler irgendwann ganz durch digitale Abbilder ersetzt werden. „Das mensch- liche Gesicht ist so besonders, dass es sehr schwer nachzubilden ist“, so Burkardsmaier. „Deshalb gibt es keinen Grund, Schauspieler je- mals zu ersetzen. Außer man will wie bei ‚Avatar‘ oder ‚Planet der Affen‘ eine bestimmte Figur da- durch kreieren.“

es muss auch mal improvisiert werden

Manchmal müssen aber auch Mitarbeiter aus- helfen. „Einmal hatten wir eine Schiffsszene, für die zu wenige echte Schauspieler gefilmt worden waren“, erinnert sich Burkardsmaier. Statt die Produzenten um Hilfe zu bitten, drehte das Team die entsprechenden Szenen selbst. Mit den Be- kannten eines Arbeitskollegen, der regelmäßig an mittelalterlichen Reenactments teilnimmt. Dabei werden historische Ereignisse möglichst authen- tisch nachinszeniert. „Die Mittelalterfans kamen in ihren Kostümen vorbei, wir bauten unten im Hof eine grüne Leinwand auf, und los ging’s“, sagt Burkardsmaier. „Jetzt sind sie Teil einer

Fotos: dpa

sagt Burkardsmaier. „Jetzt sind sie Teil einer Fotos: dpa Schiffsarmada in ‚Game of Thrones‘. Das ist

Schiffsarmada in ‚Game of Thrones‘. Das ist doch was.“ Obwohl Burkardsmaier viele Szenen der US-Se- rie bereits im Voraus kennt, hat er sich noch nie über einen Spoiler geärgert. „Vielleicht kommt das noch“, fragt er sich. „Obwohl ich meist auch nicht so viel mitbekomme. Aber wenn ein Schau- spieler in einer Sequenz vorkommt, weiß ich im- merhin, dass er bis dahin noch lebt.“

Hätten Sie es gewusst?

 

preisgekrönte fantasyserie

„Game of Thrones“ ist eine Fantasyserie, die David Benioff und Daniel Brett Weiss für den US-Kabelsender HBO produzieren. In Deutsch- land läuft sie sowohl im Pay-TV beim Sender Sky als auch im Free-TV. Die Serie basiert auf der Romanreihe „A Song of Ice and Fire“ von George Raymond Richard Martin, der ebenfalls an der Verfilmung mitwirkt. Bisher wurden sieben Staffeln von „Game of Thrones“ ausgestrahlt. Die achte und zugleich letzte Staffel soll 2019 folgen. Seit der vierten Staffel ist die Stuttgarter Firma Mackevision für einen Teil der visuellen Effekte zuständig.

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24 Wo geht Stuttgart steil? von Barbara Bross-Winkler harte arbeit Wein schmeckt nicht nur gut

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Wo geht Stuttgart steil?

von Barbara Bross-Winkler

24 Wo geht Stuttgart steil? von Barbara Bross-Winkler harte arbeit Wein schmeckt nicht nur gut –

harte arbeit

Wein schmeckt nicht nur gut – er ist vor allem harte Arbeit. Für die Weinregion Stuttgart sind die Steillagen typisch, die die Winzer bei ihrer Arbeit erklimmen müssen.

Foto: Pixabay

Fünf MalFünf

M al erfriert der Lemberger, mal wütet die Kirschessigfliege, und immer wieder kalbt eine Weinbergmauer. Alles nicht gut, aber

Letzteres ist gefährlich hier am Steilhang über Neckar und Max-Eyth-See im Weinbergprojekt Steiler Zucker. Denn wenn eine Mauer kalbt, sich durch den von oben schiebenden Erddruck nach vorn wölbt, kann jeder Starkregen dazu führen, dass sie herunterbricht. Dann sollte niemand ein paar Rebzeilen drunter Beikräuter hacken, mul- chen, wipfeln, entblättern, ausdünnen oder Re- ben binden und schneiden.

Viele Funde deuten darauf hin, dass schon die Rö- mer in der Region Reben kultiviert haben. Im 11. Jahrhundert ist mitten in Stuttgart bereits Wein angebaut worden. Zur selben Zeit sind am Cann- statter Zuckerberg die ersten Weinberge durch Trockensteinmauern terrassiert worden. Die Be- völkerung wuchs, Ackerland war kostbar, und so verbot im 16. Jahrhundert die Obrigkeit den Wein- bau im Flachland ganz. Im Lauf der Jahrhunderte sind daher immer mehr Hänge terrassiert und für den Weinbau zugänglich gemacht worden. Was auf Ausflügler so perfekt und romantisch wirkt, ist das

Ergebnis unvorstellbar harter Arbeit von Generatio- nen. „Die terrassierten Steillagen entlang des Ne- ckar und der Zuflüsse sind für mich steinerne Ka- thedralen des Weinbaus“, sagt Claus-Peter Hutter, Leiter der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg.

die mauern müssen erhalten bleiben

Gerhard Schiek sieht die Schönheit dieser Kathed- ralen oft. Zigmal im Jahr erklimmt er die Steilhänge am Cannstatter Zuckerle. Der frühere Direktor der Landesbausparkasse bewirtschaftet gemeinsam mit zwölf Frauen und Männern 40 Ar große terras- sierte Weinberge in bester Südost-Lage in Stuttgart Mühlhausen (MÜ 1) und Stuttgart-Münster (MÜ 2). 2015 haben sich die Hobbywinzer und Idea- listen zur Gesellschaft bürgerlichen Rechts Steiler Zucker zusammengefunden. Ihr Ziel: Die einzigar- tige Kulturlandschaft erhalten, indem sie die frei gewordenen Weinberge am Zuckerberg wieder flott- machen und bewirtschaften. Beim Weinbau alles über den Weinbau lernen. Und gemeinsam groß- artige Wengertfeste feiern. Schon beim schweiß- treibenden Weinbau in Handarbeit braucht es

Die alten Steillaggen reichen in Stuttgart, wie hier an der Weinsteige, bis in die Stadt.

Die alten Steillaggen reichen in Stuttgart, wie hier an der Weinsteige, bis in die Stadt.

Foto: Städtisches Weingut

Schwindelfreiheit und ein breites Kreuz. Muskeln und Ausdauer wachsen – und jeder Gesellschafter erhält am Ende des Weinjahres 30 Flaschen des ei- genen Weins. Reben anbauen aber ist nur möglich, wenn die Mauern erhalten bleiben. „Alle bei uns müssen hinlangen können“, sagt Schiek. „Aber der Jüngste ist 45 Jahre alt, und für die Mauern braucht es echte Fachleute.“ Und man braucht Geld. Die Hobbywinzer erhalten Fördergelder von Stadt und Land und werden von 70 Förderern bei Arbeitseinsätzen und finanziell unterstützt. Ihr Bei- trag geht direkt in den Mauerbau. „Am Anfang haben alle über uns gelacht“, erinnert sich Schiek. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass keiner aus der Gruppe gelernter Winzer ist und dass beide Weinberge ökologisch bewirtschaf- tet werden. „Wir haben Musiker, Biologen, Leute aus der Verlagswelt und aus dem Qualitätsmanage- ment“, erzählt Schiek. Jeder ist für einen Bereich verantwortlich: Begrünung, Rebpflege und -schnitt, Pflanzenschutz, Trockenmauerbau, Lese und Aus- bau, Steuern, Marketing. Angebaut werden Caber- tin, Cabernet blanc, Lemberger – und eine Reihe Trollinger, der Inbegriff des schwäbischen Viertele. Von wegen Ranzaspanner und Semsakrebsler.

25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | wirtschaft

Nicht nur der Trollinger, gewissermaßen Nati- onalgetränk und nach wie vor die Nummer eins im Anbau, ist vielfach besser als sein Ruf. Vor wenigen Jahrzehnten hießen die Weine nicht um- sonst „Elender“ oder „Grobschwarz“. Heute le- gen die Winzer Wert darauf, aus Trauben, Terroir und Kellermeisterkunst einen exquisiten Tropfen zu kreieren.

es geht heute um die qualität des weins

Stolz sind die Bewohner der Stadt zwischen Wald und Reben auch auf die Weinberge mitten in der City: In 16 der 23 Stadtbezirke wird Wein ange- baut, und rund 70 Hektar der insgesamt 423 Hek- tar Rebfläche sind Steilst- oder Handarbeitslagen. Bundesweit einmalig aber ist die Tatsache, dass die Landeshauptstadt über ein eigenes Weingut verfügt. Seit fast 70 Jahren bewirtschaftet es ei- gene Rebflächen, zurzeit gut 17 Hektar. Zu ihnen gehören auch die historischen Innenstadtweinber- ge am Hasen- und Wolfersberg, an der Karlshöhe, der Neuen Weinsteige und am Pragsattel. Timo Saier ist seit Sommer 2016 Leiter des Wein- guts. „Wir produzieren sehr teuer“, sagt er ange- sichts der rund fünf Hektar an steilen Rebflächen – am Cannstatter Zuckerle bis 46 Prozent –, die nicht maschinell bearbeitet werden können. Eine terrassierte Steillage zu bearbeiten bedeutet drei- bis viermal mehr Arbeitsstunden, verglichen mit dem Weingärtner in der Ebene, der Maschinen nutzen kann. „Um die Weine trotzdem verkaufen zu können, müssen wir daher sehr gute, individu- elle Weine machen“, erklärt er. Die in den vergan- genen Jahren prämierten Tropfen des städtischen Weinguts sprechen für sich. Mark Twain schreibt in seinem Buch „Bummel durch Europa“ über die von Idealisten und Schaf- fern gestaltete Kulturlandschaft. „Deutschland ist im Sommer der Gipfel der Schönheit, aber nie- mand hat das höchste Ausmaß dieser sanften und friedvollen Schönheit begriffen, wirklich wahrge- nommen und genossen, der nicht auf einem Floß den Neckar hinabgefahren ist.“

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nicht auf einem Floß den Neckar hinabgefahren ist.“ 25 HobbyWinzer Gerhard Schiek kümmert sich mit anderen

HobbyWinzer

Gerhard Schiek kümmert sich mit anderen Hobby- winzern um den Erhalt der Steil- lagen am Cannstatter Zuckerle. Foto: privat

Hätten Sie es gewusst?

 

Baden-Württembergs Steillagen

Lagen mit mehr als 30 Prozent Neigung werden als Steillagen eingestuft. Von den 27 000 Hektar Rebfläche in Baden-Württemberg sind etwa 7000 Hektar Steillagen mit mehr als 30 Prozent Hang- neigung. 1200 Hektar davon sind noch steiler und sogenannte Handarbeitslagen.

Fünf MalFünf

wirtschaft | 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART

26

Fünf MalFünf

Im Neckarpark zählt eine Uhr die Patente von Bosch. Foto: M. Schoberth

Wie patent ist stuttgart?

von Julia Alber

O b Gedankenblitz oder das Ergebnis langer Tüftelei – wer eine Erfindung gemacht hat, will Nachahmungen unterbinden. Ein Pa-

tent verhilft technischen Neuigkeiten zu diesem

Schutz.

Nicht mit Rohstoffen verwöhnt, war in Baden- Württemberg schon immer der Erfindungsreich- tum der Bürger gefragt. In der Region rund um Stuttgart wurde so manche Idee verwirklicht. So entwickelte etwa Wilhelm Emil Fein 1895 die ers- te elektrische Handbohrmaschine, Andreas Stihl wurde als „Vater der Motorsäge“ bekannt, und aus dem Jahr 1902 datiert eine Patentschrift, die eine magnetische Zündvorrichtung für Explosions- kraftmaschinen beschreibt. Robert Bosch schuf damit die Grundlage für Benzinmotoren mit hoher Drehzahl. „Die Zahl der Patentanmeldungen ist kontinuierlich auf hohem Niveau. Im Jahr 2017 hatten wir 5812 Patenterstanmeldungen“, erzählt Peter Möldner, Leiter Patente bei Bosch. Das Un- ternehmen führt die Liste der Unternehmen und Institutionen an, die laut dem Deutschen Patent- und Markenamt 2016 die meisten nationalen Patentanmeldungen vornahmen und auf der sich auch weitere, in der Wirtschaftsregion Stuttgart beheimatete Unternehmen finden, wie Daimler, Porsche und Mahle.

die erfinderberatung unterstützt tüftler

Mit allen Fragen rund um gewerbliche Schutzrech- te sind mittelständische Unternehmen, Existenz- gründer, Privatpersonen, Schüler und Studieren- de richtig beim Informationszentrum Patente in Stuttgart, einer Einrichtung des Regierungspräsi- diums. Ob Patent, Gebrauchsmuster, Marke oder Design, Bernd Häußler, Leiter der Erfinderbera- tung, und sein Team wissen, welcher Schutz für welche Erfindung richtig ist. „Eine technische Er- findung ist patentierfähig, wenn sie weltweit neu ist, sich vom Stand der Technik abhebt und wirt- schaftlich verwertbar ist“, erklärt der Fachmann. Um zu prüfen, ob nicht irgendwo auf der Welt die eigene Idee schon zum Patent angemeldet wurde, kann man im Informationszentrum, das täglich

25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | wirtschaft

fast zehn Personen aufsuchen, in professionellen Datenbanken kostenlos recherchieren. Bayern und Baden-Württemberg sind Deutsch- lands Tüftlerregionen. Der Jahresbericht des Deutschen Patent- und Markenamts führt 2016 Baden-Württemberg mit 132 Patentanmeldungen je 100 000 Einwohner an der Spitze der Bundes- länder auf. In der Landeshauptstadt sind es gut vierfach so viel – und im europaweiten Vergleich belegt die Region Stuttgart einen Spitzenplatz bei den angemeldeten Patenten. Leben hier be- sonders viele „patente“ Menschen? Liegt es an den Beratungsangeboten? Haben die Preise für Erfinder etwas damit zu tun? Der Artur Fischer Er- finderpreis Baden-Württemberg, der die Erfindun- gen privater Erfinder wie auch von Schulklassen, Schüler AGs und einzelnen Schülern prämiert, oder der Innovationspreis des Landes Baden- Württemberg, der sich an kleine und mittlere Un- ternehmen im Land wendet? „In Stuttgart gibt es wirklich sehr viele Erfinder, bezogen auf die Einwohnerzahl, und in der Re-

gion mag es auch mehr Tüftler geben, also Men- schen, die ein Problem anpacken, ihm nicht ausweichen“, sagt Bernd Häußler. Man dürfe je- doch nicht vergessen, dass die hier ansässigen Unternehmen auch Entwicklungen zum Patent anmelden, die in einer Niederlassung irgendwo in Deutschland entwickelt wurden.

viele erfinder nutzen das angebot

Peter Möldner erklärt denn auch: „Eine Stärke von Bosch ist, dass sich der Tüftlergeist nicht auf die Region Stuttgart beschränkt, sondern an allen Bosch-Standorten weltweit ausgeprägt ist, sodass uns die Ideen für innovative Lösungen nicht aus- gehen.“ Die Forschung bei Bosch ist international ausgerichtet. Der Forschungscampus in Rennin- gen ist Knotenpunkt eines internationalen Netz- werks von Experten. Jeden Donnerstag lädt das Informationszentrum Patente zusammen mit der Patentanwaltschaft zur kostenlosen Erfinder-Kurzberatung. Allein in

zur kostenlosen Erfinder-Kurzberatung. Allein in Erfindergeist Robert Bosch gilt als der Vater der

Erfindergeist

Robert Bosch gilt als der Vater der schwäbischen Erfinder. Hier posiert er 1890 mit einem Fahrrad. Foto: Bosch Patent Abteilung

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er 1890 mit einem Fahrrad. Foto: Bosch Patent Abteilung 27 Herzlich Willkommen im Restaurant WEISSENHOF. Der
er 1890 mit einem Fahrrad. Foto: Bosch Patent Abteilung 27 Herzlich Willkommen im Restaurant WEISSENHOF. Der
er 1890 mit einem Fahrrad. Foto: Bosch Patent Abteilung 27 Herzlich Willkommen im Restaurant WEISSENHOF. Der
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wirtschaft | 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART

Montage der Bosch-Zünder. Foto: dpa
Montage der
Bosch-Zünder.
Foto: dpa

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Zündkerze

Revolutionär und

notwendig für den

Hochspannungs-

Magnetzünder war die Erfindung der Zündkerze im Hause Bosch im Jahr 1902.

Foto: dpa

Fünf MalFünf

2017 haben dieses Angebot 476 Personen wahr- genommen. „Die Ideen, die vorgestellt werden, sind stark von der Jahreszeit beeinflusst“, erzählt Bernd Häußler. „Aber auch von Trends, wie etwa derzeit der Elektromobilität.“ In der Patentan- meldung wird die Erfindung möglichst genau beschrieben, meistens mit Zeichnungen verdeut- licht, und es werden Patentansprüche formuliert.

viele tolle patente werden angemeldet

veröffentlicht wird, können mehrere Jahre verge- hen. Die Schutzdauer beträgt maximal 20 Jahre. In den nächsten Tagen erwartet Häußler eine Schülerin bei der Erfinderberatung. Sie hat im Rahmen von „Jugend forscht“ etwas erfunden. Und immer wieder werden auch Erfolgsgeschich- ten von Privatpersonen geschrieben. So etwa von der „Spätzle-Shaker“-Erfinderin, die ihre Idee vor knapp zehn Jahren in Stuttgart zur Anmel- dung brachte. Das „eine“ Patent, auf das man bei Bosch besonders stolz sei, gebe es nicht, sagt Peter Möldner. „Ein Beispiel für die vielen Paten- te, die uns stolz machen, ist die Erfindung des elektronischen Stabilitätsprogramms (ESP). Es ist

nach dem Sicherheitsgurt das wichtigste Sicher- heitssystem im Auto und hat viele Menschenleben gerettet.“

Ab dem Tag, an dem das Anmeldeformular beim

Informationszentrum Patente in Stuttgart oder beim Deutschen Patent- und Markenamt in Mün-

chen

eingeht,

, Anmelder Anmelder nicht nicht mehr mehr befürchten, befürchten, dass dass eine eine später später
,
Anmelder Anmelder nicht nicht mehr mehr
befürchten, befürchten, dass dass eine eine
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Hätten Sie es gewusst?

patentanmeldungen pate 2016 2 wurden beim Deutschen Pa- tent- und Markenamt in München 67 898
patentanmeldungen
pate
2016 2 wurden beim Deutschen Pa-
tent- und Markenamt in München
67 898 Erfindungen zum Patent
angemeldet. Allein 14 374 davon
hatten Unternehmen und Einzel-
a anmelder mit Sitz in Baden-Würt-
temberg temberg eingereicht, einge das damit auf Platz zwei
nach nach Bayern Bayern folgt. fo Die meisten Patentanmel-
dungen dungen werden werde hier bei den Technologiefeldern
Transport Transport und und Maschinenelemente vorgenommen.

25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | wirtschaft

25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | wirtschaft Was gibt Frauen halt? von Katrin Schenk 29 B

Was gibt Frauen halt?

von Katrin Schenk

29

B etrachtet man Altarbilder aus dem Mittelalter, wird schnell klar: Das beste Stück des Man- nes war schon immer schützenswert. Bei den

Damen hieß das Motto im Lauf der jahrhunder- telangen Textilgeschichte vor allem: „Schnüren, abbinden, Luft anhalten.“ Bestimmt gab es gut gemeinte „Ausreißer“ in der Historie, aber insge- samt sollten weibliche Formen eher betont, als gesundheitlich vertretbar gehalten werden. Grau- same Modelle wurden geprägt. Mit der „Fascia pectoralis“, griechisch noch schöner Strophium, einer Textilbinde zum Umwickeln, hätte man sich ja noch anfreunden können. Aber wer will schon freiwillig einen Büstenhalter in Schalenform tra- gen, und das den ganzen Tag lang? Oder einen peinlichen Bustier, entworfen 1878, den man zum Stillen öffnen konnte? Im 50. Jubiläumsjahr der enthemmten 68er-Generation klatschen wohl die wenigsten Frauen dabei in die Hände.

Dass das Abdrücken durch Korsetts auf Organe gehen konnte, war eine gängige Befürchtung. Deshalb lag es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf der Hand, dass die Erfindung des Büstenhalters eine Frage der Zeit war. 1899 beispielsweise ließ sich Christine Hardt in Dres- den ein BH-Modell aus zusammengeknüpften Taschentüchern patentieren, die über Hosenträ- ger verstellbar waren. Hermine Cadolle war die Begründerin des französischen Traditionshauses Cadolle. Sie ließ sich im gleichen Jahr den BH in

Foto: Privatbesitz

Fünf MalFünf

wirtschaft | 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART

ihrem Heimatland Frankreich patentieren, indem sie die Funktion von Korsett und Büstenhebe trennte. Der Name Mary Phelps Jacob aus den Vereinigten Staaten wird immer wieder als die echte Entdeckerin des Büstenhalters genannt – sie wusste die Idee sehr gut zu vermarkten.

genannt – sie wusste die Idee sehr gut zu vermarkten. in cannstatt ging der bh erstmals

in cannstatt ging der bh erstmals in serie

Doch der erste seriell gefertigte BH ist in Cann- statt gefertigt und patentiert worden. Historiker Olaf Schulze, der zusammen mit Manfred Schmid vor einigen Jahren die Ausstellung der Korsett- fabrik S. Lindauer im Stadtmuseum Bad Cann- statt konzipiert hat, sagt: „Am 24. Dezember 1913 wurde die Gesamtmarke ,Hautana‘ durch die Mechanische Trikotweberei Stuttgart Ludwig Maier & Co., mit Sitz in Böblingen, beim Patent- amt in Berlin angemeldet.“ In Böblingen wurde produziert, in Stuttgart war der Vertrieb.

„Hautana“ hieß das Textil, das erstmals auf Längs- und Querstützen aus Knochen und Fischbein ver- zichtete. Der Name war deshalb Programm, weil das Hemdchen zwischen der Trägerin und dem schützenden Halter entfiel. „Es soll endlich Büs- tenhalter fabrizieren, die direkt auf der Haut zu tragen sind“, schreibt Julius Lindauer aus Paris an seinen Bruder Sigmund. Und dieser begann, Werbesprüche zu dichten: „Hautana macht Figur“ oder „Frauenschönheit ist Frauenmacht. Vollkom- mene Schönheit gibt erst Hautana“ – so warb der älteste Sohn des Korsettfabrikanten Salomon Lin- dauer.

30

Der U mer S Fünf MalFünf
Der U
mer S
Fünf MalFünf

bedrohung durch die nationalsozialisten

Ein glücklicher Zufall war, dass Korsettmacher Wilhelm Meyer-Ilschen zur Familie stieß. Er heira- t tete Sigmunds und Rosa Lindauers Tochter Marie. Schon 1904 hatte der Cannstatter die „Bruststüt- ze ohne Unterteil“ erfunden und nannte dieses Textilstück erstmals „Prima Donna“. Dieser Name wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wieder ver- wendet, die Markenrechte trägt heute noch eine Firma in Belgien. Meyer-Ilschen konnte zur Firma des Schwiegervaters nicht nur Wissen beisteuern, sondern er rettete die Familie auch vor der drohen-

Der Unterneh-

mer Sigmund

Lindauer Lindau machte

auch auch erfolgreich er

Werbung Werbun für BHs.

Foto: Foto: Privatbesitz Pri

 

Hätten Sie es gewusst?

 
 

Unterwäsche made in stuttgart

Foto: Privatbesitz

Das Unternehmen S. Lindauer ist wegen sei- nes Patents zum ersten industriell gefertigten BH, seines Erfolgs und seiner wechselhaften Geschichte in die Stutt- garter Historie eingegan- gen. Korsetts und Un- terwäsche produzierten aber auch Paul Kübler und Co. GmbH, die mit dem „Matrosen“-Bleyle stets im Wettbewerb standen, oder Wilhelm Benger und Söhne, die mit der Ribana-Unterkleidung wirtschaftliche Erfolge erzielten. Die Korsettherstellung war schon um 1850 in der Stadt präsent durch die Firma d’Ambly, zunächst mit Sitz an der Kreuzung Rotebühl- / Senefelderstraße, dann ebenfalls in Cannstatt. Der Katalog zur Geschichte ist immer noch im Stadtmuseum Bad Cannstatt erhältlich.

dann ebenfalls in Cannstatt. Der Katalog zur Geschichte ist immer noch im Stadtmuseum Bad Cannstatt erhältlich.

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Fabrikation

Näherinnen der Cannstatter Korsett- firma S. Lindauer, um 1912. Foto: Privatbesitz

den Enteignung der Firma durch die Nazis. Das Unternehmen wurde nach ihm benannt. Doch der unsinnige Kampf ging weiter. Erst 1940 konnte sich die Familie als deutsche Firma eintragen, die jüdische Herkunft sollte nicht mehr existie- ren. Rosa Lindauer und Tochter Marie mussten auf alle Anteile verzichten. Das Vermögen wurde auf Schwiegersohn und Enkelin überschrieben. Die Unternehmensgeschichte der Lindauers ist unglaublich: Zu Hochzeiten waren 400 Mitarbei- ter beschäftigt. Erst 1990 wurde das Unterneh- men eingestellt. „Was zwischen 1933 und 1945 geschah, ist leider zeittypisch für die Nazizeit“, sagt Historiker Schulze: Rosa Lindauer wurde ih- res Schmucks und Tafelsilbers beraubt, sie wur- de aus dem Haus gedrängt, zwangsevakuiert und schließlich deportiert. Das Konzentrationslager überlebte sie nur wenige Tage und starb 1942 in Theresienstadt. Heute erinnert ein Stolperstein in der Taubenheimstraße an sie. Sigmund Lindau- er ist im Familiengrab der Familie Meyer-Ilschen auf dem Uff-Kirchhof in Bad Cannstatt beigesetzt worden.

Fünf MalFünf

Warum bläst Gaisburg zum Marsch?

von Julia Alber

G aisburg heißt ein Stadtteil im Stuttgarter Os- ten. Wer von einem Marsch spricht, meint einen längeren, anspruchsvollen Weg zu Fuß

oder den geordneten Aufzug des Militärs. Im Gais-

burger Marsch stehen die zwei Wörter für einen urschwäbischen Eintopf, in dem Kartoffeln und Spätzle zusammenfinden.

Unter den vielen Geschichten, wie der Gaisbur- ger Marsch zu seinem Namen kam, kennen die meisten Schwaben und auch so mancher Nicht- Schwabe jene: Da waren einmal Offiziersanwär- tern, die Anfang des 20. Jahrhunderts in der Bergkaserne in Stuttgart lebten. Des Kasernen- essens überdrüssig, suchten sie immer wieder zur

Drei
Drei

Genuss

genuss hat in stuttgart ganz unterschiedliche gesichter: vom schwäbischsten Eintopf bis zum hanseatischen Fischgenuss, vom geselligen Viertele bis zum wohltuenden mineralwasser.

Foto: msl33/Adobe Stock

25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | genuss

Essenszeit im nahe gelegenen Gaisburg die Bä- ckerschmiede auf. Dort wurde nämlich ein lecke- rer Eintopf serviert. Und wie es sich für das Militär gehört, wurde die Wegstrecke marschiert. Weniger bekannt ist, dass dieser „Essens-Marsch“ auf den 1980 in Stuttgart verstorbenen schwäbischen Mundartdichter Thaddäus Troll zurückgeht. Der hat davon in seinem 1972 veröffentlichten Buch „Preisend mit viel schönen Reden“ erzählt, das sich der Schwaben in Deutschland annimmt. Da in der kräftigen Fleischbrühe des Gaisburger Marsches auf jeden Fall Kartoffeln und Spätzle enthalten sind, wird auch von „Kartoffelschnitz ond Spätzle“ gesprochen. Die Bezeichnung „Ver- heierte“ ist wohl darauf zurückzuführen, dass die- se zwei hier im Eintopf die „Ehe eingehen“. Die Speisekarte im Gasthof Schlachthof in Stuttgart- Gaisburg führt natürlich den Gaisburger Marsch, ist Inhaberin Erika Wilhelmer doch Fachfrau in Sachen „schwäbische Gerichte“. Einst habe sie sich die Rezepte nach und nach von ihren Gästen erfragt, erinnert sich Erika Wilhelmer. In ihren Gaisburger Marsch kommen Siedfleisch vom Bug (500 g), Kartoffelschnitz (400 g) und Spätzle. Letztere zwei etwa im gleichen Mengen- verhältnis. Für die Brühe braucht man Suppen- knochen (500 g), eine Zwiebel, drei Karotten, Sellerie, Lauch sowie einen halben Bund Peter- silie, und dann geht’s los: Suppenknochen und einen Teelöffel Salz in eineinhalb Liter Wasser langsam zum Kochen bringen, dann Siedfleisch und fein geschnittenes Suppengrün zugeben und zwei Stunden leicht sieden lassen. In der abge- seihten Brühe Kartoffeln und Karotten garen, das herausgenommene Siedfleisch in Würfel schnei- den. Schließlich alles zusammen mit den Spätz- le mischen. Abgeschmeckt wird mit Pfeffer, Salz und Muskat.

ein urschwäbisches gericht

sen bringen durften, sollen einen Eintopf gekocht haben, in den sie alles gaben, was nahrhaft ist. Jeden Tag machten sie sich damit auf den Weg zu ihren Männern und bewahrten sie so vor dem Verhungern. Für eine Ausstellung 2009 im MU- SEO, dem Stadtbezirksmuseum des Stuttgarter Ostens, hat sich der Historiker Ulrich Gohl auf die Suche nach der Geschichte des Gaisburger Marsches gemacht und dabei viele Geschichten ausgegraben, dessen Namen selbst aber erstmals

1933 erwähnt gefunden.

Der eintopf nährt den magen

So wurde im „Stuttgarter Neuen Tagblatt“ vom 25. September 1933 auf den Gaisburger Marsch hingewiesen, der, wenn er „gut zubereitet und wohl abgeschmälzt ist, sehr wohl seinen Mann nährt“. Und der Bäcker Schmid in Gaisburg, in der Schurwaldstraße 42, warb dort am 30. Sep- tember des gleichen Jahres in Versform: „Ernte- dankfest – Großer Tag. Wo nur ‚Eintopf‘ kommt in Frag‘, Spatzen und Kartoffelschnitz mit Ochsen-

fleisch – es ist kein Witz: Gaisburger Marsch, die edle Speise, lohnt ganz bestimmt die ‚Außland‘-

“ Hintergrund der Anzeige war: Die Fami-

lien waren aufgefordert, an jedem ersten Sonntag

eines Wintermonats nur Eintopf zu essen und das damit gesparte Geld dem Winterhilfswerk (WHW) zu spenden. Auch in den Gaststätten wurde an diesen Tagen nur Eintopf serviert. Im Oktober

1933 taucht schließlich der Gaisburger Marsch

in Presseberichten auf. Inzwischen ist der Gaisburger Marsch weit über die Grenzen Stuttgarts hinaus bekannt geworden. Auch Sterneköche haben den Eintopf entdeckt, so Vincent Klink, Eckart Witzigmann, Harald Wohlfahrt. Längst findet sich das schwäbische Gericht auch auf norddeutschen Speisenkarten.

Reise

Erst richtig komplett macht den traditionellen schwäbischen Eintopf eine in Ringe geschnitte- ne und in
Erst richtig komplett macht den traditionellen
schwäbischen Eintopf eine in Ringe geschnitte-
ne und in Schmalz goldgelb geröstete Zwiebel
obenauf nebst viel fein gehackter Petersilie und
Schnittlauch. Nicht zu vergessen: Die Spätzle
sind natürlich handgeschabt. Wer kein Fleisch
Hätten Sie es gewusst?
Ein Muss: Handgeschabte Spätzle
zum Gaisburger Marsch
isst, muss auf diesen en urschwäbischen urschwäbischen Ein- Ein-
Einen Teig aus 400 g Mehl, zwei Eiern und
Einen Teig aus
topf jedoch
nicht t
verzichten. verzichten.
etwas Sal
etwas Salz machen. Wasser oder verdünn-
Denn Gaisburger Marsch Marsch
schmeckt auch durchaus rchaus
ohne die Fleischeinla-
einla-
ge. Die Frauen aus Gais-
Gais-
burg, die, einer weiteren iteren
Geschichte nach, ihren ihren
in Gefangenschaft gera-
gera-
te Milch zugeben, bis der
Teig Blasen wirft. Von einem
Holzbrett wird dann der
Teig mit einem Messer in
schmalen Streifen ins kochende
Wasser geschabt. Wenn
die Spätzle an die Oberfläche
kommen, werden sie aus
d dem Wasser genommen.
tenen Männern täglich glich
eine Schüssel mit Es-
t
Es-
Foto: ALF photo/Adobe Stock
Foto: ALF p
mit Es- t Es- Foto: ALF photo/Adobe Stock Foto: ALF p Stuttgart-gaisburg Der Blick über den

Stuttgart-gaisburg

Der Blick über den Neckar auf den Stadtteil Gaisburg im Stuttgarter Osten, der laut Erzählun- gen Ursprungsort des schwäbischen Gerichts „Gaisburger Marsch“ sein soll. Foto: Lichtgut/ Max Kovalenko

Fünf MalFünf

33

genuss | 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART

Wer hat das Weindorf erfunden?

von Reimund Abel

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Wer hat das Weindorf erfunden? von Reimund Abel 34 ehemaliger weindorf-chef Axel Grau, der ehemalige Ge-

ehemaliger

weindorf-chef

Axel Grau, der ehemalige Ge- schäftsführer des Stuttgarter Wein- dorfs und des Ver- eins Pro Stuttgart, verabschiedete sich im Juni 2017 nach elf Jahren in den Ruhestand. Foto: Pro Stuttgart

Fünf MalFünf

D em Erich Brodbeck müssten sie in Stuttgart

eigentlich ein Denkmal setzen. Er hat, natür-

lich gemeinsam mit vielen anderen, vor mehr

als 40 Jahren dafür gesorgt, dass sie hier in der Stadt Jahr für Jahr eines der schönsten Weindör- fer Deutschlands aufmachen dürfen.

Eines der schönsten Weindörfer? Nein, das schönste! In den mehr als 120 Lauben auf dem Schillerplatz und dem Marktplatz sowie in der Kirchstraße werden jede Menge köstliche Weine ausgeschenkt, und die Geselligkeit wird groß ge- schrieben. Von Ende August bis in den September wird an zwölf Tagen so gefeiert, wie wir Schwaben es halt verstehen. Da hockt man zusammen, und jeder versteht sich mit jedem. Aber noch mal zurück zu den Anfängen. Indirekt erfunden hat das Weindorf in Stuttgart der ADAC Württemberg. Erich Brodbeck, der damalige Pres- sesprecher des Autoclubs, fragte Wirte und Wen- gerter, ob sie auf dem Marktplatz und dem Schil- lerplatz nicht eine Hocketse veranstalten wollten. „Es ging darum, die Innenstadt zu beleben“, er- innert sich Fritz Currle. Der Wengerter war einer von denen, die fast von Anfang an dabei waren und es bis heute sind. Ein Weinfest mitten in den Sommerferien? Ein Risiko, keine Frage. Aber die Erfahrung der vergangenen vier Jahrzehnte hat gezeigt, dass der Termin passt.

jeder kommt auf seine kosten

Wenn von Erich Brodbeck die Rede ist, muss auch der Name von Peer-Uli Faerber genannt werden. Der einstige Verkehrsdirektor hat aus der ursprünglichen Hocketse das heute so beliebte Weindorf gemacht. Zum Beispiel dadurch, dass er kurzerhand Prototypen von Lauben entwerfen ließ, in denen gefeiert werden sollte. Das Wein- dorf sollte ein einheitliches Erscheinungsbild ha-

Abendstimmung beim Weindorf auf dem Stuttgarter Schillerplatz. Foto: Pro Stuttgart

25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | genuss

ben, das war die Idee dahinter. Das Architektur- büro Schick erhielt darum Mitte der Siebziger- jahre den Auftrag, eine typische Laube zu entwi- ckeln, die immer wieder verwendbar sein sollte. Aus Holz – und einem typischen Wengerterhäus- chen nachempfunden. Bis heute hat sich am Aus- sehen und der Konstruktion nichts geändert. Man- che der Lauben sind tatsächlich seit Jahrzehnten im Einsatz, bestätigt Fritz Currle.

Hätten Sie es gewusst?

 

Stuttgarter Weindorf

Das Stuttgarter Weindorf 2018 findet vom 29. August bis 9. September statt – auf dem Marktplatz, dem Schillerplatz und entlang der Kirchstraße. Geöffnet ist das Weindorf sonntags bis mittwochs, von 11.30 bis 23 Uhr, donners- tags bis samstags sogar bis 24 Uhr.

Was auf dem Volksfest die Maß ist, ist auf dem Weindorf das Viertele. Aber natürlich kommt man auch kulinarisch auf seine Kosten. Wobei, ganz zu Anfang war das eher noch etwas spartanisch, wie sich Fritz Currle erinnert. Schmalzbrot habe es gegeben, sagt er, und Peitschenstecken. Heu- te ist das ganz anders. Jeder kommt auf seine Kosten.

geselligkeit als geheimnis des weindorfs

Was ist denn aber nun das Geheimnis des Stutt- garter Weindorfs? Nun, sicher die Geselligkeit. Wer zum Weindorf geht, will na’hocke und schwät- za, wie man auf Schwäbisch sagt. Dass man da- bei etwas päb zusammensitzt, gehört einfach dazu. Wer das nicht mag, sollte besser daheim bleiben. Kuscheln ist beim Weindorf ausdrücklich erlaubt. Und wir Schwaben zeigen dabei, dass wir gar nicht so verdruckt sind, wie uns manchmal nachgesagt wird. Am besten, Sie schauen selbst mal vorbei.

nachgesagt wird. Am besten, Sie schauen selbst mal vorbei. feiern auf dem weindorf Beim Weindorf wird

feiern auf dem weindorf

Beim Weindorf wird zwölf Tage lang gefeiert – hier versteht sich jeder mit jedem. Foto: Pro Stuttgart

35

hier versteht sich jeder mit jedem. Foto: Pro Stuttgart 35 Erleben Sie schwäbische Gastlichkeit in ihrer

Erleben Sie schwäbische Gastlichkeit in ihrer allerschönsten Form bei uns am

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Besenwirtschaft

hat noch bis 24. 03. 2018 geöffnet.

Unser Hoffest vom 10. 08. bis 20. 08. 2018

Stuttgarter Weindorf vom

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genuss | 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART

Wo liegt das höchste Bad in Stuttgart?

Von Christian Günther

36

das höchste Bad in Stuttgart? Von Christian Günther 36 Panoramabad Asemwald Einlasszeiten: Dienstag–Freitag

Panoramabad Asemwald

Einlasszeiten:

Dienstag–Freitag 9–19.30 Uhr Samstag 9–16.30 Uhr Sonntag 9–13 Uhr

Telefon 0711 / 72 42 93

Fünf MalFünf

N ormale Hallenbäder gibt’s in Stuttgart viele:

z. B. in Sonnenberg, Feuerbach, Zuffenhau- sen, das Leo-Vetter-Bad im Osten, die Stadt-

bäder Heslach, Bad Cannstatt, Plieningen, das Leuze, das Mineralbad Berg und viele kleinere, z. B. in Schulen. Bis 1988 hatte das Kaufhaus Breuninger ein Mineralbad im Dachgeschoss be- trieben, dem viele Stuttgarter trotz der gehobenen Preise noch immer nachtrauern. Man konnte nach dem Schwimmen im 25-Meter-Becken auf der Dachterrasse in Liegestühlen oder gar in einem Strandkorb relaxen – mit Blick auf den Tagblatt- Turm, quasi Stuttgarts erster Skybeach. Den Titel „Stuttgarts höchstes Hallenbad“ trägt seither ein- deutig das Panoramabad im 20. Stock im Asem- wald.

Es soll Menschen geben, die seit 30 Jahren in Bir- kach in unmittelbarer Nachbarschaft wohnen und vom Asemwälder Hallenbad in luftiger Höhe noch nie gehört haben. Claudia Lips, die seit 13 Jah- ren im Hallenbad Asemwald arbeitet, und Lidija Bevanda sind die guten Seelen des Bads. Sie sind Bademeisterinnen, Rettungsschwimmerinnen, Bardamen und Reinigungsfachkräfte in Personal- union. „Und natürlich sind wir für die Bespaßung unserer Gäste verantwortlich“, schmunzelt Clau- dia Lips. „Wir machen das aus Liebe, für mich ist die Arbeit hier ein Traumjob. Man trifft so viele nette Menschen“, schwärmen Lips und Bevanda von ihrer täglichen Arbeit.

größter trumpf ist der ausblick

Über einen Monitor am Empfang haben die beiden das Geschehen in der Schwimmhalle mit dem 9 auf 14 Meter großem Schwimmbecken jederzeit im Blick und im Griff. An der tiefsten Stelle ist das Becken 1,65 m tief. Größter Trumpf des Ba- des ist jedoch der fantastische Ausblick. „Der ist jeden Tag anders. Manchmal sind wir hier oben sogar über dem Nebel, ich nenne das dann den ‚Nebel des Grauens‘“, sagt Claudia Lips und lä- chelt dabei. Der Ausblick von der Dachterrasse ist

sensationell – es gibt sogar einen eigenen FKK-Be- reich zum Sonnenbaden, inklusive Traumausblick. Hier kann man den Flugzeugen auf dem Flughafen beim Starten und Landen zuschauen und genießt einen weiten Ausblick in alle Richtungen über die Filderebene und Richtung Sillenbuch bzw. Deger- loch. „Ich bezeichne unser Bad deshalb gern als unser kleines Paradies über den Wolken, getreu dem Reinhard-Mey-Hit“, schwärmt Claudia Lips.

Stuttgarts höchster SkyBeach

Besonders beliebt ist das Höhenbad im Sommer. Dann wird die Sonnenterrasse tatsächlich zu Stutt- garts höchstem Skybeach: „Da ist die Sonnenter- rasse oft proppenvoll.“ Manche Gäste bestellen sich dann im Höhenrestaurant nebenan z. B. eine Pizza und lassen sich diese ins Bad liefern, um sie auf der Sonnenterrasse mit Blick zu genießen. Die Wohnstadt Asemwald zählt zu den größten Eigentümergemeinschaften Deutschland. Sie um- fasst drei fast 70 Meter hohe Wohngebäude mit bis zu 23 Stockwerken, die von 1968 bis 1972 entstanden. Im Asemwald leben über 1500 Ein- wohner in 1137 Eigentumswohnungen. Und diese Gemeinschaft betreibt und finanziert auch das Hal- lenbad, seit der Asemwald 1971 besiedelt wurde. Allein durch Eintrittspreise könnte sich das Bad

Claudia Lips und Lidija Bevanda sind die guten Seelen des Panoramabads.

Das Schwimmbecken ist 9 auf 14 Meter groß. Hinten deutet sich schon der fantastische Ausblick an.

Fotos: Christian Günther

nicht tragen. Bewohner zahlen drei Euro Eintritt, alle von auswärts vier Euro. Die separate Sauna kostet für Bewohner acht, für Gäste elf Euro. „Ich selbst schätze die Zahl unserer Gäste von auswärts auf über 80 Prozent“, sagt Lips. Donnerstags finden viele Aqua-Fit-Kurse statt. „An Spitzentagen haben wir bis zu 70 Gäste, und auch die Aqua-Fit-Kurse werden immer be- liebter“, erzählt Lidija Bevanda. Gleich nach den Kursen ist eine gute Zeit für einen Besuch, dann ist das Bad fast leer. „Manche schwimmen dann bis zu 90 Bahnen“, so Bevanda. „Es gibt sogar Gäste, die rufen uns an und fragen, wie leer ist es? Wenn wir antworten ‚leer‘, stehen die fünf Minuten später im Bademantel da“, schmunzelt Claudia Lips.

das höhenbad hat treue gäste

„Unser kleinster Gast ist ein Vierteljahr alt, unser ältester über 90“, ergänzt sie. Die beiden guten Seelen des Bads kennen ihre Gäste genau, mit vielen trinken sie regelmäßig einen Kaffee an der Bar und fragen auch nach, wenn z. B. wegen Krankheit ein Badbesuch länger ausbleibt. Und noch was verraten die beiden: Kennen sie die Na- men der Gäste noch nicht – was selten vorkommt – geben sie ihnen kleine Kosenamen wie „Schleif- chen“ für die Frau mit der hübschen Schleife im Haar oder „Rotkäppchen“ für die Dame mit dem Korb oder „Hutmann“, na man weiß schon Ein bisschen ist das Bad in die Jahre gekommen,

schließlich strebt es dem 50. Geburtstag entge- gen. Aber es ist alles dank der liebevollen Pflege toll in Schuss und blitzblank. „Unsere Gäste sind überwiegend über 70 Jahre alt, für Kinder und Ju- gendliche ist es bei uns leider ein wenig zu lang- weilig“, bedauert Claudia Lips. Und Rutsche oder Sprungbrett geht leider auch nicht, denn unter dem Hallenbad sind Wohnungen, in denen man das Plantschen leider hören kann. Vom Becken- rand reinzuspringen ist verboten. „Früher hat in der Wohnung unter dem Becken eine schwerhörige Dame gewohnt, da war Lärm kein Problem. Die neuen Bewohner hören aber so- gar, wenn beim Aqua-Kurs die Nudeln aufs Was- ser klatschen“, so Lips.

Hätten Sie es gewusst?

 

Saunabetrieb

Auch ein Saunagang ist möglich:

Auch ein Saunagang ist möglich:

Dienstag Damensauna Mittwoch gemischt Donnerstag 9–14 Uhr Herren, ab 14 Uhr gemischt Freitag 9–14 Uhr Damen ab 14 Uhr gemischt Samstag und Sonntag gemischt.

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genuss | 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART

38 genuss | 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART heilendes wasser Das Széchenyi- Heilbad in Budapest besticht

heilendes wasser

Das Széchenyi- Heilbad in Budapest besticht mit seinem neobarocken Charme. In Stuttgart hält man es da etwas bodenständiger, aber auch hier hat jedes Bad seinen eigenen Zauber.

Fünf MalFünf

Was haben Bad Cannstatt und BudApest gemeinsam?

Von Gabriele Metsker

Z ugegeben: Kulinarisch wird man Stuttgart und Budapest vermutlich nicht in einem Atemzug erwähnen. Die Verbundenheit der

beiden Städte findet sich jedoch tief unter der Erde. Die ungarische Hauptstadt und die Schwa- benmetropole verfügen nämlich über die beiden größten Mineralwasservorkommen in Europa. Die Quellen in Budapest schütten täglich um die 70 Millionen Quellwasser aus. In Stuttgart sind es immerhin 44 Millionen Liter pro Tag. Was kaum einer weiß, im Jahr 1992 wurde die Bäder- und Quellenpartnerschaft durch einen Briefwechsel des damaligen Oberbürgermeisters Manfred Rom- mel mit seinem Amtskollegen Dr. Gabór Demsky neu belebt.

Wer schon in Budapest war, kennt die prächtigen Bäder, darunter das im Wiener Jugendstil errich- tete Gellertbad, das als eines der schönsten Heil-

bäder Ungarns gilt, und das Széchenyi-Heilbad mit seinem neobarocken Charme. Dieses wiede- rum gilt als das in seiner Art Größte in Europa.

jedes mineralbad ist anders

In Stuttgart hält man es da eher mit der boden- ständigen Bescheidenheit. Klein und fein sind die Bäder in Stuttgart, und jedes einzelne hat seinen eigenen Zauber. Besucher haben die Wahl zwi- schen dem MineralBad Cannstatt, das idyllisch direkt am Kurpark mit seinem im Jugendstil er- bauten Kurhaus liegt. Und dann gibt es DAS LEU- ZE mit seiner Lage direkt am Neckar. Sein heuti- ges Aussehen bekam es Anfang der 1980er-Jahre, insbesondere auch durch den Künstler Otto Her- bert Hajek. Es gilt als eines der am meisten be- suchten Bäder Deutschlands. Eine lange Tradition hat das Mineral-Bad Berg. Es wurde 1856 vom

Fotos: Bäderbetriebe Stuttgart

königlichen Hofgärtner Friedrich Neuner als „Bad am Königlichen Park“ gegründet und hatte von Anfang an ein gemauertes Schwimmbecken. Es ist das älteste bis heute existierende Schwimm- bad in Stuttgart und war lange sogar das größte Mineralschwimmbecken in Deutschland. Es gibt Abbildungen des Mineralbades „Neuner“ aus dem Jahr 1858, aus dem das heutige Mine- ral-Bad Berg hervorgegangen ist. Und auch die Ursprünge des LEUZE reichen bis ins 19. Jahr- hundert zurück. Wem ist heute noch gegenwärtig, dass Bad Cannstatt zwischen 1840 und 1870 ein blühender Kurort war, wo sich sogar der europäi- sche Hochadel traf? Aus den Trinkkuren im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert hatten sich sei-

Hätten Sie es gewusst?

 

mineralwasser in stuttgart

Sichtbares Zeichen für das Vorkommen von Mineralwasser in Stuttgart sind neben den drei Mineralbädern 19 öffentlich zugängliche Trinkbrunnen, die mit Mineralwasser gespeist werden. Sie befinden sich in unmittelbarer Nähe der Mineralbäder sowie im Gebiet zwischen dem Cannstatter Wilhelmsplatz und dem Neckar. Allerdings sollte das hoch konzentrierte und kohlensäurereiche Heilwasser nicht wie normales Trinkwasser verwendet werden.

25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | genuss

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nerzeit b Badekuren entwickelt, die die mondäne Welt anzogen. Dieser Glanz verblasste allerdings mit der zunehmenden Industrialisierung, die die noblen Gäste nach und nach ausbleiben ließ.

schon die römer nutzten mineralwasser

Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte man im Übrigen den Wasserreichtum auch auf andere Weise zu nutzen versucht und die Kraft des un- ter Druck austretenden Wassers für den Antrieb von Ölmühlen, Wasserrädern und Turbinen ein- gesetzt. Bereits die Römer wussten die Vorteile der Quellen zu schätzen, und die Existenz einiger Bäder und Badestuben aus dem Mittelalter ist ur- kundlich belegt. Bis 1772 nutzten die Menschen natürliche Quellaustritte. Erst dann gab es eine erste gezielte Bohrung unterhalb des Sulzerrain- hügels, in der Hoffnung, Salz gewinnen zu kön- nen. 71,5 Meter tief schaffte man sich so in die Schichten der Erdkruste. Diese Bohrung heißt seit 1844 Wilhelmsbrunnen. Auf der Wasseroberfläche des Neckar sieht man an manchen Stellen aufsteigende Kohlensäure- blasen. Ein großer Teil des aus der Tiefe aufstei- genden Mineralwassers fließt in den Fluss: In Bad Cannstatt und Berg treten pro Sekunde 500 Liter Mineralwasser aus. Davon gehen 230 Liter unge- nutzt in den Neckar und in die Neckaraue über. 15 Quellen verzeichnet die Karte der Stuttgarter Bäderbetriebe, und fast jede hat eine andere mi- neralische Zusammensetzung.

fast jede hat eine andere mi- neralische Zusammensetzung. Historisches bad Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts badeten

Historisches bad

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts badeten die Stuttgar- ter im Leuze'schen Mineralbad Berg, dem Vorläufer des heutigen LEUZE Mineralbads.

genuss | 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART

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Ahoi

Der Hamburger Fischmarkt in seinen Anfangsjahren auf dem Karlsplatz. Foto: Archiv/Thomas Hörner, Hamburger Fischmarkt

Fünf MalFünf

Archiv/Thomas Hörner, Hamburger Fischmarkt Fünf Mal Fünf WO spricht der Aal schwäbisch? Von Bianca Feddersen D

WO spricht der Aal schwäbisch?

Von Bianca Feddersen

D as war wohl Liebe auf den ersten Blick. Auch wenn niemand so richtig damit gerechnet hat. Der Hamburger Fischmarkt in Stuttgart,

ist das nicht ein Gegensatz? Das dachten wahr- scheinlich auch die norddeutschen Gastronomen 1986, als das Stuttgarter Weindorf zum ersten Mal in Hamburg stattgefunden hat und die Fra- ge nach einer passenden Austauschveranstaltung aufkam. Doch ein Pendant ins Leben zu rufen schien zu teuer und undurchführbar. Schließlich sind die Schwaben viel zu geizig, protzen mit ih- ren Weinbergen und bruddeln den lieben langen Tag nur vor sich hin, während die Hanseaten völ- lig unterkühlt sind, lieber ihr Alsterwasser trinken und zum Lachen in den Keller gehen. Außerdem haben Schwaben mit Fisch doch überhaupt nichts am Hut – da kommen höchstens Fischstäbchen auf den Tisch! Und was soll eigentlich dieses „Moin, moin?“

Mit all diesen Vorurteilen hat der Hamburger Fischmarkt in den vergangenen 30 Jahren in Stuttgart aufgeräumt. „Es war völlig ungewiss und ein echtes Risiko, ob das Event funktioniert. Auch für den Landesverband war es die erste Veranstal- tung dieser Art. Manche Händler wollten gar nicht erst mitkommen und hatten Angst, die Mentali- tät würde nicht passen“, weiß Anna Rehberg vom Eventmanagement des Veranstalters in Hamburg.

Lecker Fisch! Dank des Fisch- markts stürzen sich mittlerweile auch die Schwaben auf die Meeresspezi-

Lecker Fisch!

Dank des Fisch- markts stürzen sich mittlerweile auch die Schwaben auf die Meeresspezi- alitäten aus dem hohen Norden.

Fotos: Hamburger

Fischmarkt

alitäten aus dem hohen Norden. Fotos: Hamburger Fischmarkt Wünsche werdenwahr! Machen Sie mit bei Kaufdown Stuttgart
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25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | genuss

Der Andrang der ersten Auflage sprengte schließ- lich alle Erwartungen. Mit einem Paukenschlag schnackten sich die Besucher aus dem hohen Norden in die schwäbischen Herzen. „Die Stände wurden positiv überrannt. Die Ware war nach drei Tagen ausverkauft“, betont Rehberg.

Fischmarkt räumt mit Vorurteilen auf

Am 11. Juli 1988 schrieb Axel Veiel in der „Stutt- garter Zeitung“: „Die Hamburger Wirte haben vielleicht schon an der Alster davon gehört: Stutt- gart, das ist die Stadt des Balletts. Inzwischen wissen sie es genau. Der Bühnentanz ist am Ne- ckar zu Hause. Und zwar nicht nur in der Oper oder im Kleinen Haus, sondern auch unter freiem Himmel, mitten in der Stadt, auf dem Karlsplatz, auf dem Fischmarkt.“ Am 14. Juli liest man die Überschrift: „Ansturm der Hanseaten auf schwäbische Kost“. Im Bericht heißt es: „Die Schwaben sind in diesen Tagen in Hamburg in aller Munde – besonders in Form der

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42 Genießen Der Fischmarkt ist über die Jahre hinweg ein Treffpunkt zum Schlemmen und Schnacken

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Genießen

Der Fischmarkt ist über die Jahre hinweg ein Treffpunkt zum Schlemmen und Schnacken für die Stuttgarter geworden.

Fotos: Hamburger

Fischmarkt

für die Stuttgarter geworden. Fotos: Hamburger Fischmarkt badischen und württembergischen Weine. Das dritte

badischen und württembergischen Weine. Das dritte ‚Stuttgarter Weindorf‘ ist seit gestern, 17 Uhr, durch Senator Wilhelm Rahlfs und Stuttgarts Bürgermeister Dr. Gerhard Lang offiziell eröffnet. Die 89 Weinlauben sind bunt herausgeputzt:

Plastik-Weinblätter, hölzerne Wagenräder und Kübelpflanzen laden die Hanseaten ein, auf ein ‚Viertele‘ zu verweilen.“ Das Hamburger Gastspiel entwickelte sich schlichtweg zu einem Ort der „Völkerverständi- gung“ im besten Sinne. „Mit der Veranstaltung haben wir den Grundstein für eine gegenseitige Liebe gelegt.

urgestalten des fischmarkts in stuttgart

Das Verständnis für die Mentalität ist über die Jah- re hinweg gewachsen“, freut sich die Eventmana- gerin. Wie könnte man sie auch nicht lieben, die Marktschreier des Fischmarkts Aale-Dieter, Bana- nen-Fred und Käse-Tommi. Jene Marktleute, die seit der ersten Stunde dabei sind – Fisch Moritz, die Backfischrutsche der Firma Jipp, der Scampi- Zirkus der Firma Schwerin, Hildes Labskaus und

Hätten Sie es gewusst?

 

Kleine Phrasen-Nachhilfe

Egal, zu welcher Tages- und Nachtzeit:

„Mien lütten Schietbüddel“ ist keine Beleidigung, sondern ganz und gar liebevoll gemeint und heißt übersetzt so viel wie: „Mein kleiner Scheißbeutel“.

Der Norddeutsche sagt: „Moin, moin.“

„Nich lang schnacken, Kopp in Nacken“, zu Hoch- deutsch: Rede nicht lange drum herum, trink einen Schluck“, gehört zu den liebsten Trinksprüchen.

Wenn der Hamburger „nödelt“, heißt es, er „drialt“, wie der Schwabe sagt.

Fünf MalFünf

die Firma Wulff mit ihrer Hanse-Kogge. Und jetzt mal Butter bei die Fische: Die Hamburger sind nicht kühl und reserviert, das nennt man höfliche Zurückhaltung. Hat man ihr Vertrauen erst ein- mal gewonnen, tauen sie regelrecht auf, und man schließt sie sofort ins Herz. Dieser Charakterzug ist dem Schwaben doch gar nicht so fremd, oder? Im Grunde genommen essen die Hanseaten Frika- dellen und die Bewohner vom Ländle ihre Fleisch- küchle – ist absolut dasselbe!

Ein Ort der „Völkerverständigung“ im besten Sinne

Wie der Aal nun trotz anfänglicher Skepsis auf den Karlsplatz gekommen ist? 1987 schipperte ein Alsterdampfer im Rahmen einer Hamburg-PR- Tour von Hamburg nach Marseille als Vorberei- tung auf den 800. Hafengeburtstag in Hamburg. „Beim Halt im Stuttgarter Neckarhafen hat das Thema Austauschveranstaltung wieder neu Fahrt aufgenommen“, weiß Rehberg. 1988 veranstalte- ten der Landesverband Ambulantes Gewerbe und der Verein Schausteller Hamburg schließlich den

25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | Genuss

den 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | Genuss ersten Hamburger Fischmarkt in Stuttgart. Mit der

ersten Hamburger Fischmarkt in Stuttgart. Mit der schwäbischen Landeshauptstadt ist damit ein Format für eine ganze Veranstaltungsreihe ins Rollen gekommen, denn Stuttgart ist das Flagg- schiff für den „Fischmarkt auf Reisen“. Mehr als 20 Millionen Menschen haben die Auflage der Nordlichter in den vergangenen 30 Jahren deutschland- und europaweit besucht. 2017 wur- de das Konzept sogar mit dem Seafood-Star für das beste Fisch-Event-Konzept ausgezeichnet.

Qualität

Frisches Obst und Gemüse gibt es bei Kulthändler Bananen-Fred.

Foto: Hamburger

Fischmarkt

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Fünf MalFünf
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Vier
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kultur

Literatur, Theater, Off-Szene und schwaben-Rock: Stuttgart ist eine vielfältige KulturHauptstadt, die von echten Charakterköpfen geprägt wird.

Foto: Timo Christ/Adobe Stock

Wo lauern Schillers Räuber?

von Barbara Bross-Winkler

S ind das Räuber, diese jungen Burschen, die sich da am Stuttgarter Bopserwald an einem Sonntag so auffällig, unauffällig in die Bü-

sche schlagen? Eine diebische Vorfreude auf den Nervenkitzel, der sie unter den Bäumen erwarten mag im Gesicht? In der Tat. Ihr Geist dürstet nach Taten, ihr Atem nach Freiheit. Es sind die Räuber. In Form von Papier.

An diesem Frühlingstag vor 240 Jahren, im Mai 1778, sind Friedrich Schiller und andere Zög- linge der Hohen Carlsschule in Begleitung eines Aufpassers über die Weinsteige zum Bopserwald spaziert. Schiller, gerade mal 18 Jahre alt, hat ein Manuskript seines Erstlingswerks dabei, „Die Räuber“, heimlich geschrieben im Schlafsaal der Schule. Wie verabredet, verschwinden sechs Ein- geweihte tief ins Wäldchen hinein. Es ist der Ort, an dem heute die Schillereiche steht, 1865 zum 60. Todestag des Schriftstellers gepflanzt. Es ist eine Zeit, in der Schwaben Schriftsteller produ- ziert wie ein Jahrhundert später Ingenieure. In halb Deutschland schillert es, denkt man an die unge- zählten Schillerstraßen, -Schulen, -Apotheken und -Denkmäler, die Schillerhäuser Oggersheim, Bau- erbach und Mannheim, das Schiller-Nationalmuse- um Marbach, die Schillerhöhe in Gerlingen … Ist Stuttgart weniger Schillerstadt als Marbach, wo der Schriftsteller am 10. November 1759 gebo- ren wurde? Weniger als Weimar, wo er am 12. Mai 1805 starb? Mitnichten. Schließlich ist der „deutsche Shakespeare“ in Stuttgart zum Dichter geworden. Man denke nur an den Schillerbrunnen in Degerloch, den alten Schlossplatz, der 1934 offiziell in Schillerplatz umbenannt wurde und auf dem das Schillerdenk- mal von Thorvaldsen nur dann übersehen werden kann, wenn sich hier die Menschen auf dem Wein- dorf oder dem Weihnachtsmarkt drängen. Auch die Schillerlinde auf der Wangener Höhe lädt zum Verweilen und Gedenken an den Schriftsteller ein. Nicht zu vergessen Schloss Solitude, wo die Carls- schule mitsamt Schiller zunächst untergebracht

25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | Kultur

war und Schillers Vater Johann Caspar Schiller eine große Baumschule anlegte. Wie das revolutio- näre Grüppchen im Bopserwald ausgesehen haben mag, lässt sich anhand von Bildern gut vorstellen. „Schiller war von langer, gerader Statur … er hat- te etwas Steifes und nicht die mindeste Eleganz in seiner Tournüre … und er war ganz affektvolle Sprache, wenn er declamierte“, schrieb Johann Wilhelm Petersen über seinen Studienkollegen. Jene, die Schiller an diesem Maitag hören, sind jedenfalls begeistert. Der Kupferstecher Chris- tian Schlotterbeck sitzt neben Schiller. Auf einem Baumstamm hat es sich Friedrich Wilhelm von Hoven, Schillers Ludwigsburger Spielgefährte, be- quem gemacht. Auch Franz Josef Kapf, mit dem Schiller später eine Art Junggesellen-Wohngemein- schaft führt, Heinrich Dannecker, der zum Hofbild- hauer ernannt wird und von Schiller eine berühmt gewordene Porträtbüste fertigen wird, sowie Viktor Heideloff, der das Treffen später in einer Feder- zeichnung festhält, lauschen gebannt. Bestürzt reagieren sie, als Schiller aus der fünften Szene des vierten Akts deklamiert. Der Beifall ist endlos. Ähnlichen Furor und Beifall werden „Die Räuber“, die Schiller 1781 auf eigene Kosten, mit geliehe-

nem Geld drucken lässt, bei ihrer Uraufführung in der badischen Residenzstadt Mannheim am 13. Januar 1782 verursachen. Die Menschen strö- men nur so. Denn der Eindruck, den „Die Räu- ber“ gerade bei der Jugend hervorgerufen haben, lässt sich allenfalls mit der Wirkung von Goethes „Werther“ vergleichen. Herzog Carl Eugen ist, mal wieder, nicht amüsiert von diesem Zögling seiner Hohen Carlsschule. Nicht nur, weil der zur Aufführung unerlaubt und heimlich das Land verlassen hat, sondern auch, weil Schiller Gestalten und gesellschaftliche Miss- stände in den „Räubern“ der jüngsten Geschichte Württembergs entlehnt hat. Mit ihrem revolutionä- ren Geist der Empörung bedrohten „Die Räuber“ die alte Staatsordnung. Schiller beschließt, die Heimat zu verlassen. Als am 22. September 1782 der Herzog zu Ehren des russischen Großfürsten auf Schloss Solitude ein riesiges Fest feiert, nut- zen Schiller und sein Freund Andreas Streicher die Gunst der Stunde und flüchten aus dem Her- zogtum. Auch wenn Schiller die Grenzen Deutsch- lands, das es als Staatsgebilde noch nicht gab, nie überschritt, so wechselte er doch rastlos oft den Wohnort. Ein Grund für die zahllosen Schillerorte.

oft den Wohnort. Ein Grund für die zahllosen Schillerorte. es schillert in stuttgart Die Schillerorte in

es schillert in stuttgart

Die Schillerorte in Stuttgart kann man auf einem Literari- schen Spaziergang erkunden, wie sie etwa von Hahn, Kusiek & Laing aus Marbach, gefördert vom Kulturamt der Stadt Stuttgart, angeboten werden. Foto: dpa

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der Stadt Stuttgart, angeboten werden. Foto: dpa 45 Seit 1977 Welcome to the music www.boa-disco.de Montag:

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Foto: Theaterhaus/Andreas Feucht

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Foto: Theaterhaus/Andreas Feucht 46 Der Theatermacher Werner Schretz- meier gründete einen Jugendclub und eine Jazzband,

Der Theatermacher

Werner Schretz- meier gründete einen Jugendclub und eine Jazzband, bevor er das Theaterhaus mitbegründete, das die Kulturlandschaft in Stuttgart auf den Kopf stellte.

Foto: Theaterhaus/

W. Mierendorf

Fünf MalFünf

wie viel theater gibt es im theaterhaus?

von Petra Mostbacher-Dix

D er Name sagt es schon: Das Theaterhaus

Stuttgart bietet viel Theater aller Art in ei-

nem Haus. In den Ex-Rheinstahlhallen auf

dem Pragsattel sind Konzerte unterschiedlichster Couleur zu erleben, Kabarett, Comedy, politische Diskussionen, Lesungen, Performances, Tanz-, Jazz- und andere Festivals. Es gibt ein eigenes Schauspielensemble und die international ge- rühmte Tanzkompanie Gauthier Dance. „Wir spie- len 364,5 Tage im Jahr rund 900 Vorstellungen, zu uns kommen bis zu 350 000 Besucher“, be- schreibt es Werner Schretzmeier, der seit Beginn das Haus leitet. 1985 gründete er die Spielstätte mit seiner Frau, der Bühnen- und Kostümbild- nerin Gudrun Schretzmeier, und dem Kabarettis- ten, Publizisten, „Anstifter“ Peter Grohmann.

Die Wurzeln indes liegen tiefer und vor den To- ren der Stadt. Die Idee, einen unprätentiösen Ort der Kultur für alle mit politischer Haltung und erschwinglichen Preisen zu schaffen, entstand in den politisch aufgewühlten 68ern. Damals grün- dete Schretzmeier mit anderen in der Daimlerstadt Schorndorf den Club Manufaktur in der einstigen Porzellanmanufaktur. „Mit unserem Kabarett Die

Widerständler kamen wir herum, lernten den Club Alpha 60 in Schwäbisch Hall kennen“, erzählt er. „Das inspirierte uns, Ähnliches in Schorndorf zu machen.“ Die Satzung für einen gemeinnützigen Verein, von Alpha 60 übernommen, genehmigte die Stadt. Gegenwind gab es dennoch.

alternative zum eingeschränkten denken

„Der politische Teil Schorndorfs war höchst alar- miert, sah uns ‚ferngesteuert aus dem Osten‘“, er- innert er sich. Aber als erfolgreicher Fußballer und Handballer hatte Schretzmeier einen Heimvorteil. So mancher Kumpel half mit beim Herrichten der Räume. „Wir wollten Alternativen herstellen zu den Angeboten dieser Zeit des ungeheuer einge- schränkten Denkens, der zementierten Rollenver- teilung zwischen Mann und Frau, umstellt von Verboten und Verhaltensregeln. Die Möglichkeiten waren riesengroß, wir konnten neu erfinden. Auch auf dem Land. Man organisierte sich nicht nur in den Universitätsstädten.“ Eigene Räume stifteten Identität, dort traf man auf andere jungen Men- schen, befeuerte sich. „Das kulminierte in der Ju- gendzentrumsbewegung“, so Schretzmeier. Und

Fotos: Theaterhaus

in den soziokulturellen Zentren mit dem Ziel, mit einer Gegen- oder Alternativkultur zu den heiligen Hallen der Hochkultur ein neues, freies, gerechtes Gesellschaftsmodell zu verwirklichen, jenseits bis- heriger Regeln.

kreative aller art kamen zusammen

Die Theorie lieferte der Kulturhistoriker Hermann Glaser, der Soziokultur als „Kultur von allen, für alle“ definierte. Auch in der Schorndorfer Manu- faktur kamen Kreative aller Art zusammen, spielten bekannte und lokale Musiker, Liedermacher, poli- tische Kabaretts und mehr. „Wir wussten, bei Be- kannteren kamen gleich 100 Leute. Mit drei Mark Eintritt hatte jeder was davon, und wir konnten für alle wieder einen Plattenspieler kaufen.“ Der Erfolg reichte über die Grenzen Schorndorfs hinaus. 1982 lockte das Veranstaltungszelt der Manufaktur auf dem Stuttgarter Karlsplatz von September bis Dezember 35 000 Besucher zu So- lidaritätskonzerten. „Da wusste ich, dass da etwas schon lange in der Gesellschaft brodelte, dem wir in Stuttgart Raum und Bühne geben können: einen Ort mit vielen Bedürfnissen unter einem Dach.“ Das Theaterhaus war geboren, zunächst in Wangen

25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | kultur

verwirklicht – mithilfe der Bürger. Viele spendeten für Schretzmeiers und Grohmanns Konzept, wo- bei 750 000 Mark zusammenkamen, auf die die Stadt und das Land nochmals so viel drauflegten. Der Rest ist Geschichte. Mit dem Umzug 2003 in die Rheinstahlhallen wurde das Theaterhaus zum bestbesuchten Ort seiner Art in der Republik. Des- sen Selbstverständnis sei noch wie 68, so Schretz- meier. „Die Vielfalt zählt. Wir sind Ort für verschie- dene Arten Kultur. Das Soziale ist unsere Basis.“ Kultur sei ein Motor für gesellschaftliche Verän- derungen. „In diesen Zeiten politischer Orientie- rungslosigkeit ist sie wichtiger als jemals zuvor.“

Hätten Sie es gewusst?

 

ausgezeichnete leistung

Ehre wem Ehre gebührt: 2016 wurden die Theaterhaus-Gründer Werner Schretzmeier, Gudrun Schretzmeier und Peter Grohmann mit der Staufermedaille des Landes ausgezeichnet. Damit „würdigt das Land herausragende Leistun- gen, die dem Wohl der Allgemeinheit dienen“.

Leistun- gen, die dem Wohl der Allgemeinheit dienen“. 47 DIE NEUE KONZERTREIHE IM THEATERHAUS KLASSIK !

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DIE NEUE KONZERTREIHE IM THEATERHAUS KLASSIK ! ? KLASSIK 22.4.18 Pianotopia 23.6.18 Das StegreifOrchester –
DIE NEUE KONZERTREIHE IM THEATERHAUS
KLASSIK ! ?
KLASSIK
22.4.18 Pianotopia
23.6.18 Das StegreifOrchester – 26.10.18 Passo Avanti
15.11.18 Winterreise staged
6.12.18 Iiro Rantala & Galatea Quartett
Foto: Alex Wunsch

kultur | 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART

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kultur | 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART 48 Eine Straße für wolle In Stammheim wurde 2009

Eine Straße für wolle

In Stammheim wurde 2009 eine Straße nach Wolle Kriwanek benannt. Foto: Steffen Honzera

Fünf MalFünf

Wen muss d’r Wolle „no kriega“?

Von Cornelius Oettle

S chwäbisch schwätza fällt Neigschmeckte schwer, schwäbische Sätze lesen erst recht. Lassen Sie sich die im Verlauf dieses Textes

auftauchenden Schwabizismen doch gegebenen- falls von einem griff- wie hilfsbereiten Einheimi-

schen erklären, falls Sie des hiesigen Dialekts nicht mächtig sein sollten. Vermeiden lassen sich die schwäbischen Passagen nämlich keinesfalls, geht es doch um keinen Geringeren als Schwa- benrocker Wolfgang „Wolle“ Kriwanek.

Obzwar bereits anno 2003 im Alter von 53 Jahren leider viel zu früh aufgrund einer angeborenen Ge- fäßschwäche gestorben, ist der gebürtige Stamm- heimer im Schwabenland bis heute unvergessen. Kriwanek war einer der ersten Musiker, die Rock- musik und Mundart kombinierten. Der Spitzname war naheliegend: Wenn einer schon Wolfgang heißt und, ähnlich wie der junge Mungo Jerry, von Kopf bis Kinn mit Haaren zugewuchert ist – was bleibt da anderes übrig, als ihn „Wolle“ zu rufen?

Ois, zwoi, drei, vier, hechEl, hechEl, Hechel

Mit seiner Verbindung von solider Rockmusik, Selbstironie und komischen Texten erspielte sich Kriwanek in den 70ern und 80ern eine be- trächtliche Fangemeinde. Zu seinen größten Hits zählt freilich „Die Stroßaboh“. Den Song kennt in Stuttgart so gut wie jeder: „Ois, zwoi, drei, vier, hechel, hechel, hechel, i muss die Strossaboh no kriega, bloß d’r Fenfer brengt mi hoim!“ Wegen dieses Hechelns schaffte es die „Stroßaboh“ üb- rigens bis nach England, wo man zwar kein Wort verstand, aber Erwachsenenunterhaltung dahinter vermutete – so hat es Kriwanek jedenfalls mal bei einem Konzert geschildert. Eine englische Version des Stücks schaffte es in Großbritannien auf Platz 10 der Charts. Der Sänger konnte froh sein, dass er den Song im Jahre 1980 veröffentlichte, als es noch die U5

den Song im Jahre 1980 veröffentlichte, als es noch die U5 war, die ihn nach Stammheim

war, die ihn nach Stammheim kutschierte. Mitt- lerweile fährt da ja die U15: „Nur d’r Fuffzeh- ner brengt mi hoim“, das hätte metrisch nicht gepasst. Im Übrigen ist Stammheim für die Stuttgarter Straßenbahngeschichte generell von Bedeutung: 1950 eröffnete man die Verbindung von Zuffenhausen nach Stammheim als erste Neubaustrecke der Nachkriegsgeschichte. Da war Kriwanek erst ein paar Monate auf der Welt. Mit „Stroßaboh“ verarbeitete Kriwanek tief sit- zende Erfahrungen. Über zehn Jahre lang fuhr er morgens mit dem Fünfer von Stammheim in die Stadt zum Gymnasium. Regelmäßig sei er zu spät gekommen, der Lateinlehrer habe ihn schon „Kri- wanek, der Fünfer-Mann“ genannt – der bezog’s damals allerdings nicht auf die Straßenbahnlinie, sondern auf die Schulnoten. Der Titel avancierte zum Hit, weil sich viele Stutt- garter mit dem vergeblichen Bahnjagen identi- fizieren können. „I stand an d’r Ampel, ond d’ Zunge hängt mir raus – hilflos guck i zu: Mein Fünfer goht naus!“ Doch während der gewöhn- liche Städter in solch unheilvoller Lage auf alter-

native, teurere Transportmittel zurückgreift, löst der Schwabe das bekanntlich anders: „I han koin Pfennig fir

native, teurere Transportmittel zurückgreift, löst der Schwabe das bekanntlich anders: „I han koin Pfennig fir a Taxi in d’r Dasch – na lauf i halt hoim, legg mi am Arsch.“

Koin Pfennig fir a Taxi in d’r dasch

Dabei war man anfangs von Kriwaneks Konzept so gar nicht überzeugt. Deutschsprachigen respek- tive schwäbischen Blues und Rock wollte man im Radio nicht spielen. Der Künstler löste das mit Ironie. Im „Badewannen-Blues“ singt er: „I feel mi so wohl, vom Kopf bis nonder zur soul“, und das Lied „Reggae di uff?“ spricht für sich selbst. Spätestens als Kriwanek dann 1975 den vom SDR ausgelobten Preis „Bester Liedermacher von Baden-Württemberg“ gewann, gingen den Sen- dern die Argumente aus. Nebenbei hatte Kriwanek Sonderpädagogik stu- diert. Nach dem Abschluss war er allerdings so gefragt, dass er seine Weckle zunächst auf der Bühne verdiente. Thematisch nahmen sich er und Paul Vincent Gunia, mit dem er die meisten

Hätten Sie es gewusst?

 

Wolfgang Kriwanek

Wolfgang „Wolle“ Kriwanek wurde 1949 geboren und wuchs in Stuttgart-Stammheim auf. Nach dem Abitur studierte er Sonderpädagogik, konnte aber bald von seiner Musik leben. Mit schwä- bischem Rock und Titeln wie „Die Stroßaboh“, „Ufo“ und „I fahr Daimler“ erspielte er sich Kult- status. Mitte der 80er arbeitete Kriwanek dann wieder als Sonderschullehrer. Am Ostersonntag 2003 starb Kriwanek im Alter von 53 Jahren.

Songs schrieb, allem an, was das Schwabenherz begehrt. Aus Versen wie „I fahr Daimler, d’ Stroß ghört mir!“ wurden Redensarten. Ferner besang man in „Hefeteig“ mit der wiederkehrenden Fra- ge „Warom goht mei Doig net uff?“ die schmerzli- che Erfahrung, nach einer Trennung nicht imstan- de zu sein, den Lieblingskuchen zu backen. Auch die schwäbische Mentalität erklärte Kriwanek mit dem Stück über die berüchtigte Herbertstraße auf St. Pauli: „A heiße Frau will mit mir aufs Zimmer nuff, doch i spar mei Geld und gang in Stuargrt en d’r Puff!“ Im Grunde war Wolle Kriwanek auch ein Avantgar- dist der Neuen Deutschen Welle, wobei er auf sel- biger nicht mehr ritt. Ab 1986 arbeitete er wieder als Lehrer an einer Sonderschule in Winnenden und zog nach Backnang. Er wurde Vorsitzender der Rockstiftung Baden-Württemberg und schrieb für „Sonntag Aktuell“ eine Kolumne über junge Musiker. Auch die bis dato beste VfB-Hymne „Stuttgart kommt!“ stammt aus seiner Feder. Von den gegenwärtigen Leistungen muss Wolle Kriwa- nek immerhin nichts mehr „mitkriega“.

Foto: Kraufmann

Schwäbischer Rock

Wolle Kriwanek verband mit seiner Band erfolgreich Rockmusik und schwäbische Mundart (l.). Mit der Linie 5 fuhr er als Schüler immer nach Stammheim.

Fotos: Ariola

Fünf MalFünf

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kultur | 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART

Warum sitzt ein Mops auf einer Säule?

Von Katrin Schenk

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sitzt ein Mops auf einer Säule? Von Katrin Schenk 50 Nimm zwei! Loriot liebte die Sym-

Nimm zwei!

Loriot liebte die Sym- metrie – ein Grund dafür, dass die Möpse bei den von Bülows im Doppelpack auf- traten.

Foto: WDR

Fünf MalFünf

W er samstags den Eugensplatz passiert, sieht oft eine Touristengruppe, zumindest aber ein Paar, das das Handy zückt und den

Mops auf der Säule fotografiert. Eine Stäffeles-

Tour ist nach dem Hund mit den kurzen Beinchen und dem schnellen Hecheln benannt, in einer großen Garten- und Haushaltswarenkette findet man Souvenirs mit dem Loriot-Mops, in der Eis- diele am Eugensplatz gibt es Mops-Eis, der ÖPNV wirbt unter anderem mit Mops. Sprich, der Mops ist in Stuttgart omnipräsent. Vor allem um die Haußmannstraße 1 ist er ein gern gesehener Gast.

„Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“, sagte Loriot, der eigentlich Vicco von Bülow hieß und einst im Haus hinter der Mopssäule gewohnt hat, in der Haußmannstraße 1, das so aussieht, als würde „Pappa ante Portas“ stehen, gleich ein Kissen aus der oberen Etage fallen und die viel zu früh verstorbene Schauspielpartnerin Evelyn Ha- mann hinterherrufen: „Ach was! Das tut mir jetzt aber leid!“ Der Künstler Uli Gsell hat die Mops- säule entworfen. Sein Kunstwerk und die Gedenk- tafel sind auf Initiative des Historikers und des „Stuttgarter Zeitungs“-Kolumnisten Gerhard Raff hin entstanden. Von 1938 bis 1941 lebte Vicco von Bülow im damaligen Kanonenweg, besuchte mit seinen Brüdern das Eberhard-Ludwigs-Gym- nasium und machte als 17-Jähriger an der huma- nistischen Bildungsstätte sein Notabitur.

Grosse liebe zur Kunst und Zur Musik

Was in dem jungen Mann schon immer angelegt zu sein schien, war die Liebe zur Kunst und zur Musik. Kein Wunder bewarb sich Vicco von Bülow um eine Statistenrolle an der Oper Stuttgart. Ein Zeitzeuge, mit dem Loriot im hohen Alter noch- mals Briefkontakt aufgenommen hat, der eben- falls mit dem jungen von Bülow hinter dem Vor- hang mitfieberte, erinnert sich: „Das Wissen, das Loriot in seinem Kleinen Opernführer herausge- bracht hat, hat er zunächst hier erworben. Schon damals bescheinigten ihm die Betreuer der Sta- tistengruppe, dass er irgendwie bleiben werde.“ Es verwundert auch nicht, dass es für den Bay-

reuth-Fan 1986 eine hohe Auszeichnung war, auf Anfrage des damaligen Intendanten Wolfgang Gönnenwein nach Stuttgart zurückzukehren und hier an der Oper Friedrich von Flotows „Martha“ zu inszenieren.

Auf den Hund gekommen

Vierbeiner wurden für den Cartoonisten in sei- ner Laufbahn schnell zum Markenzeichen, auch wenn sie vor allem auf zwei Beinen standen. Im „Stern“ hieß seine Serie zunächst „Auf den Hund gekommen“. Loriot ließ die Tiere in Badekappe, als Strandwächter und in vielen anderen Rollen auftreten. Aber viele Leser konnten mit den Hun- den nicht viel anfangen. „Ich sehe in der Ver- menschlichung der Tiere eine Herabsetzung des Homo sapiens“, schrieb ein Leser und bestellte das Magazin-Abo ab. Der damalige Chef in Ham- burg, Henri Nannen, zog die Reißleine und setzte Loriot erst mal vor die Tür, die sich bald auch wie- der öffnen sollte. Unter all den tierischen Lieblingen entschied sich der Cartoonist letztendlich für den Mops, der eben auch Familienhund bei den von Bülows war. „Möpse auf dem Mond“ war 1971 in der Sendung „Cartoon“ die erste öffentliche Liebesbekundung

 

Hätten Sie es gewusst?

 
 

Und noch ein „Cartoon“!

 

Foto: dpa

Foto: dpa Dieter Ertel, späterer Direktor von Radio Bremen, zunächst aber Programmbereichsleiter beim SDR, bescherte

Dieter Ertel, späterer Direktor von Radio Bremen, zunächst aber Programmbereichsleiter beim SDR, bescherte Loriot mit „Cartoon“ den Durchbruch. Die Sen- dereihe war sein Ding:

Das rote Sofa, auf dem

von Bülow namhafte Karikaturisten empfing, ist zum Markenzeichen geworden, mit dem Buch „Möpse & Menschen“ hat Loriot „eine Art Biografie“ geschaffen.

25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | kultur zu den späteren vollwertigen Familienmitgliedern. „Dazu hatte man

25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | kultur

zu den späteren vollwertigen Familienmitgliedern. „Dazu hatte man in den Studios in Stuttgart eine Mondlandschaft nachgebaut“, weiß Biograf Ste- fan Lukschy, der die Familie seit 1975 begleitete. Mit seiner Frau Romy und den beiden Töchtern führte Loriot ein Leben, das dem spießig-bürger- lichen Idyll entsprach. „Die Symmetrie, die die Möpse auf bekannten Fotos darstellten, war für die Motive gestellt, aber Loriot liebte die Symme- trie“, sagt Lukschy. Deshalb traten die Möpse bei den von Bülows auch stets paarweise auf. Die Namen änderten sich mit dem jeweiligen Zeitgeist. Da gab es Hen- ry und Gilbert, very british, Wotan und Mime, bei denen Wagners „Ring“ Pate stand – wobei Wotan bald in Wutz umbenannt wurde. Wie der nach- folgenden Generation, die bescheiden Emil und Paul hießen, war auch Wutz und Mime ein langes Leben beschieden. Dass Tierschützer bei der Aufstellung der Mops- säule am Eugensplatz auch einen Hinweis auf die fragwürdige Züchtung von Möpsen für angebracht hielten, ist sicher nicht unangemessen. Stefan Lukschy sagt aber, dass es zumindest den Vier- beinern am Starnberger See immer sehr gut ging.

Die Mopssäule

Historiker Gerhard Raff hat die Gedenk- tafel und das Symbol für Loriot angeregt. Die Mopssäule hat der Künstler Uli Gsell entworfen. Vicco von Bülow lebte im mar- kanten Haus in der Haußmannstraße 1.

Foto: Schenk

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der Künstler Uli Gsell entworfen. Vicco von Bülow lebte im mar- kanten Haus in der Haußmannstraße
der Künstler Uli Gsell entworfen. Vicco von Bülow lebte im mar- kanten Haus in der Haußmannstraße
der Künstler Uli Gsell entworfen. Vicco von Bülow lebte im mar- kanten Haus in der Haußmannstraße
der Künstler Uli Gsell entworfen. Vicco von Bülow lebte im mar- kanten Haus in der Haußmannstraße
der Künstler Uli Gsell entworfen. Vicco von Bülow lebte im mar- kanten Haus in der Haußmannstraße

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Der meister des Grusels

Alfred Hitchcock gilt als der offizielle Autor der Drei-???-Abenteuer. Bei einer Lesung in Stuttgart steigt der Meister vor Journa- listen in einen Cellokasten.

Foto: Kosmos Verlag

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Wie kommt Hitchcock nach Stuttgart?

Von Elke Rutschmann

W as bringt einen Mann dazu, in einen leeren Cellokasten zu steigen und sich mit den Bü- chern der Jugendkrimireihe „Die drei ???“

fotografieren zu lassen? Und wie haben es drei junge Lektorinnen vom Kosmos Verlag in Stutt- gart geschafft, ausgerechnet Alfred Hitchcock, den Altmeister der Spannung, für dieses Shoo- ting der besonderen Art zu gewinnen? Barbara Hummel kann dieses skurrile Ereignis aufklären, das am 14. September 1972 im Hotel Intercon- tinental stattgefunden hat.

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Anfang der 1960er-Jahre kam der amerikanische Journalist und Skriptautor Robert Arthur auf die Idee, eine Krimireihe für Kinder und Jugendliche zu schreiben, und bat Alfred Hitchcock, seinen Namen für die Vermarktung der Bücher nutzen zu dürfen. So prangte fortan Hitchcocks Name auf den Büchern. 1968 erscheint beim Stuttgarter Kosmos Verlag der erste Band der Reihe mit dem Titel „Die drei ??? und das Gespensterschloss“. Robert Arthur hat zehn Bände geschrieben und starb 1969. „Als Hitchcock dann zur deutschen Uraufführung seines Films ‚Frenzy‘ nach Frankfurt kam, haben wir mit seinem Manager einen Termin verein- bart“, erzählt Barbara Hummel. Sie war damals 27 Jahre alt und ähnlich nervös wie ihre beiden Mitstreiterinnen Inge Höch und Brigitta Ehrler. Schließlich galt Hitch, wie er von Weggefährten und Kollegen gerufen wurde, allein durch seine physiognomische Präsenz als weltweit populärs- ter Regisseur, der mit Stars wie Grace Kelly, Kim Novak, Cary Grant und James Stewart gedreht hatte. „Wir sind sogar extra noch zum Friseur gegangen“, sagt die heute 72-Jährige. Eigent- lich hätte das Treffen schon am 13. September um 11.30 Uhr stattfinden sollen. Davon gingen

Fünf MalFünf

kultur | 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART

kultur | 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART „Die drei ???“ im Kino Die Fälle von Justus,

„Die drei ???“ im Kino

Die Fälle von Justus, Peter und Bob wurden nicht nur als Hörspiele produ- ziert, sondern auch verfilmt wie 2009 „Das verfluchte Fra- gezeichen“. Foto: Walt Disney

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Fünf MalFünf

zumindest die drei Stuttgarterinnen aus. In der Hotellobby warteten sie zusammen mit dem Fo- tografen jedoch zunächst vergeblich, wurden von Hitchcocks Manger auf 14 Uhr und dann noch- mal auf 16 Uhr vertröstet, bis der Manager von einem Missverständnis sprach und das Quar- tett für den nächsten Tag noch einmal einbe- stellte. „Da mussten wir uns dann auf eine Über- nachtung in Frankfurt einstellen und erst einmal Zahnbürsten besorgen“, sagt Barbara Hummel.

Hitchcock besucht Stuttgart

Im zweiten Anlauf hat es dann geklappt. In ei- nem Salon des Hotels empfing sie der Meister des Grusels samt Dolmetscher und Gefolge, wies grinsend auf den leeren Cellokasten, der an ei- nen Sarg erinnerte, und stieg hinein. Dann zeigte Hitchcock, dass er auch sehr viel Humor besitzt, und schnitt eine Grimasse nach der anderen, während er Die-drei-???-Bücher präsentierte. „Er war sehr charmant und äußerst vital“, erinnert sich Barbara Hummel. Anschließend signierte er im Kreise der Lektorin- nen die Bücher noch mit seinem Autogramm, und in manche Exemplare malte er sein Gesicht als Karikatur und kommentierte lachend, „das ist für die, die nicht lesen können“. Und er verriet, dass er als Kind auch gern Abenteuerbücher gelesen habe, am liebsten die von Mark Twain. „Natürlich wollte er auch wissen, ob wir seine Filme mögen“, sagt Barbara Hummel. Letztlich nahmen sie rund 100 signierte Bücher mit nach Stuttgart. Für die Seniorin ist es bis heute eine unauslöschliche Er- innerung, und die Fotografie, auf der der Englän- der die Bücher signiert, hängt heute noch in ihrer Wohnung. Das Verlagshaus in der Pfizerstraße hat Alfred Hitchcock allerdings nie betreten. Aber wenn man die Lektoratsräume im Obergeschoss be- sucht, begrüßt einen der Altmeister als lebens- große Figur aus Pappmaschee. Hitchcock hat

„Die Drei ???“ haben in vielen Büchern spannende Fälle gelöst.

Foto: dpa

auch keine Zeile für die Bücher geschrieben. In älteren Folgen wurde er von den Autoren aber hin und wieder als Handlungsperson eingebaut. Die- ser fiktive Hitchcock beauftragt die drei Detektive Justus, Bob und Peter mit neuen Fällen oder steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite. „Das war damals schon ein wichtiger Türöffner, weil Hitchcock eine besondere Persönlichkeit war“, so Fritz Keller, der in der 1970er-Jahren für den Kosmos Krimi Club und die Krimi-Zeitung verantwortlich zeichnete. Schon damals gab es Gimmicks wie beispiels- weise gelbe T-Shirts oder Radiergummi mit dem Konterfei von Hitchcock. „Es gab auch immer wieder Leserbriefe von Kindern, die wissen woll- ten, ob Hitchcock die Bücher selbst schreibt, oder wie sie ihren Club nennen sollen“, erzählt Keller. Der Kosmos Verlag hatte eine Lizenz, Namen und Bild zu verwenden, die 2004 auslief. Die Neu- veröffentlichungen mussten in anderer Gestaltung erscheinen. Ab 2005 ermittelten Justus, Bob und Jonas dann ohne ihren Schirmherrn, der bereits am 29. April 1980 gestorben war. In diesem Jahr feiert der Verlag den 50. Geburtstag des ersten deutschen „Die drei ???“-Titels. Und da wird Alf- red Hitchcock auch wieder ganz präsent sein.

Hätten Sie es gewusst?

 

Die drei ???

In Erfurt, Nordhausen, Hildesheim und Fürsten- walde gibt es eine Justus-Jonas-Straße. Aneinan- dergereiht sind alle verkauften Bände der „Die drei ???“ mehr als 3200 Kilometer lang. Der Band „Die drei ??? und der Feuerteufel“ ist der bislang einzige Band, auf dem der Name des Autors auf dem Cover erschienen ist. Die in Stuttgart lebende Journalistin Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer schrieb von 1993 und 1996 als erste deutsche Autorin für „Die drei ???“. Aus ihrer Feder stammen 16 Bücher.

Vorsicht Datendiebe! Leon Lustig ermittelt wieder.

Leon Lustig und L die Datendiebe d Das Team Eriba macht Bekanntscha mit D ei
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Das Team Eriba macht Bekanntscha mit
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einem sehr eigenwilligen Mädchen aus Florida.
Und unversehens geraten alle zusammen in
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einen neuen Kriminalfall, der nicht nur
aufregend ist, sondern auch ganz schön
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gefährlich.
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Doch was hat ein zerfetztes Plüsch-Einhorn
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mit der Sache zu tun?
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Und was hat es mit dem seltsamen Brief auf
sich, den Leon und Lea auf dem Schreibitsch
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von Leons Vater nden? Ein neues Abenteuer
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für das Team Eriba, auch dieses Mal wieder
voller Spaß und Spannung.
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Fünf

Fünf geschichte Wutbürger, frivol feiernde Herren, richtstätten vor den Stadttoren, wildschweinjagden: Stuttgart bietet

geschichte

Wutbürger, frivol feiernde Herren, richtstätten vor den Stadttoren, wildschweinjagden: Stuttgart bietet spannende geschichten.

Was ist ein WUtbürger?

von Petra Mostbacher-Dix

E r hat es weit gebracht. Man kennt ihn in den

USA als einen der „99 %“, in Spanien als ei-

nen „der Empörten“. In Lettland protestiert

er gegen die Korruption der Regierenden und in China gegen Landraub und staatliche Ungerech- tigkeit. Der Wutbürger hat sich aufgemacht in die weite Welt, seit er in Deutschland 2010 das Licht der Welt erblickte. Geburtshelfer für diese Wort- neubildung war der Journalist Dirk Kurbjuweit, der im Magazin „Spiegel“ den Wutbürger als „neue Gestalt“ beschrieb, die sich „wichtig in der deut- schen Gesellschaft“ mache.

„Er bricht mit der bürgerlichen Tradition, dass zur politischen Mitte auch eine innere Mitte gehört, also Gelassenheit, Contenance.“ Nach Kurbju- weit buhe, schreie und hasse der Wutbürger. Er sei konservativ, wohlhabend und nicht mehr jung, einst staatstragend, jetzt zutiefst empört über Politiker. „Er zeigt sich bei Veranstaltungen mit Thilo Sarrazin und bei Demonstrationen gegen das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21.“ Und obschon er einräumt, dass die Stuttgart-21-Gegner wohl nicht für Sarrazin schreien würden, ginge es beiden um eines: Zukunftsvergessenheit. Der Wutbürger weh- re sich gegen den Wandel, wolle kein Weltbürger sein, dafür bewahren, was er habe, zu Lasten einer guten Zukunft des Landes.

Der wutbürger stammt aus stuttgart

Schnell wurde der Neologismus zum Begriff für Stuttgart-21-Gegner und medialen Schlagwort. Im Duden wertneutral definiert als Zeitungsjargon für „aus Enttäuschung über bestimmte politische Entscheidungen sehr heftig öffentlich protestie- render und demonstrierender Bürger“. Für andere Autoren war er spießbürgerlich, reaktionär, egois- tisch, vor allem in Sorge um die eigene Welt. Die Forscher des Göttinger Instituts für Demokratiefor- schung von 2011 wollte den Wutbürger genauer kennenlernen, befragten dafür Stuttgart-21-Geg- ner, Mitglieder von Initiativen gegen Windräder und Freileitungen oder Kritiker des Flughafens Berlin Brandenburg. Demnach waren sie zu 30 Prozent politisch weit links orientiert, fast zwei

Drittel älter als 46 Jahre, fast die Hälfte hatte einen Universitätsabschluss. Viele waren mit der eigenen Situation zufrieden, indes nicht mit der politischen Lage der Republik und dem Zustand der Demokratie. Fast alle, nämlich 96 Prozent der Befragten, sahen sich als Verfechter demokrati- scher Grundwerte.

Protestler mit Expertenwissen

Über 80 Prozent forderten Partizipationsmög- lichkeiten an der Demokratie, also Volksbegehren und Volksentscheid. Auffallend hoch sei die Quo- te an Unternehmern. Ein typisches Mitglied sei der verrentete oder pensionierte Ingenieur – kein Fortschrittsfeind, aber einer, der mit höchstem technischem Fachverstand gegen das argumen- tiere, was sein Umfeld bedroht. Denn die Hand- lungsmotive der protestierenden Bürger seien kei- nesfalls selbstlos, so Politikwissenschaftler Franz Walter in der Studie. Es ginge nicht nur um Fle- dermäuse, rare Biotope oder uralte Bäume. „Die umtriebigen Wortführer gegen Flughafenausbau, Windräder und Oberleitungen sind in bemerkens- wert großem Umfang (über 90 Prozent) Grund- stückseigentümer und Hausbesitzer“, so Walter. Und durch Windräder, Leitungen oder Flugzeuge stünden Immobilienwerte auf dem Spiel. Derlei erboste die Wutbürger, die sich nicht auf Wut reduzieren lassen wollten. Gangolf Stocker, 2010 Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21, fand das Wort albern. „Die Men- schen, die gegen Stuttgart 21 demonstrieren, be- stehen nicht nur aus Wut, sondern sie gehen für für die Alternative, Kopfbahnhof 21, und für mehr Basisdemokratie auf die Straße“, erklärte er der „Zeit“. Auch Sozialpsychologe Harald Welzer be- fand in der „taz“ den Begriff als „denunziatorisch, die Protestbewegung als heterogen, weil Rentner

Hätten Sie es gewusst?

 

Worte Des Jahres

Alljährlich wählen die Mitglieder der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) die Worte des Jahres, um zu zeigen, welche Themen aus Politik, Wirtschaft und anderen Bereichen des gesell- schaftlichen Alltags sprachlich relevant sind. Obwohl er damals kaum bekannt war, schaffte es der Begriff „Wutbürger“ auf Platz eins der Liste für das Jahr 2010. Auf weiteren Plätzen der Worte des Jahres folgten damals Stuttgart 21, Sarrazin-Gen, Cyberkrieg, Wikileaks, Schottern, Aschewolke, Vuvuzela, Femitainment, unter den Eurorettungsschirm schlüpfen.

25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | geschichte

bis Schüler dabei seien. Und Zukunftsforscher Matthias Horx warnte im „Spiegel“, die generati- onenübergreifenden Proteste mit der Debatte um Sarrazin zu vermischen. Der Stuttgart-21-Protest zeige, „dass Empörungskultur heute keine Aus- nahme, sondern die Regel ist“. Auch die Journalistin Barbara Supp reagierte auf ihren Kollegen Dirk Kurbjuweit 2010 mit dem Es- say „Die Mutbürger“. Die Protestierenden seien weder egoistisch noch wohlstandsverwöhnt, son- dern Menschen mit Bürgersinn, die Proteste ein Segen für die Demokratie, das Kulturmuster fried- licher Straßendemonstrationen über 100 Jahre alt. Verändert habe sich nur, dass die Mitte der Gesellschaft mit mehr Misstrauen betrachte, wie Regierungen arbeiteten. „So wird ein altes Mittel wiederbelebt; die Straße als Massenmedium, die Demonstration als Botschaft: Wir sind viele. Und wir wollen etwas anderes als ihr.“ Nach Supp liegt hier der Finger auf der Wunde: fehlende Transpa- renz in dieser Demokratie. „Frühe Bürgerbeteili- gung, Volksentscheide, das ist die Erkenntnis, die sich von Stuttgart aus zu verbreiten beginnt.“ In der Welt folgten dann neben Mutbürger Knutbür- ger (Fans des verstorbenen Eisbären), Vernunft- bürger, Wutwissenschaftler, Wutbauern usw. Der Wutbürger hat es weit gebracht. Und er hat Aus- dauer: Im Januar 2018 fand die 400. Montagsde- mo gegen das milliardenteure Bahnprojekt statt.

Montagsde- mo gegen das milliardenteure Bahnprojekt statt. Vorbildfunktion Das Protestplakat in Anlehnung an ein
Montagsde- mo gegen das milliardenteure Bahnprojekt statt. Vorbildfunktion Das Protestplakat in Anlehnung an ein

Vorbildfunktion

Das Protestplakat in Anlehnung an ein Ortsausgangsschild machte internationale Karriere.

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Bunter protest

Die sogenannten Wutbürger sind nie verlegen um eine kreative Demonstration. Fotos: dpa

Fünf MalFünf

Mittagsruhe Spielen, aber auch Ruhephasen sind wichtige Rituale. Fotos: privat 58 Hier grüsst Che Im

Mittagsruhe

Spielen, aber auch Ruhephasen sind wichtige Rituale. Fotos: privat

aber auch Ruhephasen sind wichtige Rituale. Fotos: privat 58 Hier grüsst Che Im Waldheim Gaisburg trifft

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aber auch Ruhephasen sind wichtige Rituale. Fotos: privat 58 Hier grüsst Che Im Waldheim Gaisburg trifft

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Im Waldheim Gaisburg trifft sich immer noch der deutsch- kubanische Freundeskreis. Foto: Lichtgut/ Oliver Willikonsky

Fünf MalFünf

Wer hat die kokosnuss geklaut?

von Katrin Schenk

W er im Internet „Die Affen rasen durch den Wald“ eingibt, findet den Liedtext auf den Seiten der Arbeiterwohlfahrt, bei Sommer-

freizeiten oder Zeltlagern für Kinder und Jugend- liche. In Waldheimen wurde der bereits im „Fahr- tenliederbuch“ von 1954 nachgewiesene Song in den 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahren rauf und runter gesungen, so Ulrich Seeger, AG-Spre- cher der Evangelischen Ferien- und Waldheime in Württemberg. „Er gehört immer noch zum gängi- gen Repertoire.“

Blickt man auf die Geschichte der Waldheime, wird schnell klar, dass zunächst nicht unbedingt Kinderfreizeiten im Vordergrund standen. Es ging um eine ideelle Bewegung. Die Arbeiter sollten entlastet werden. So schreibt Friedrich Westmey- er, Stuttgarter SPD-Vorsitzender, Maschinenar- beiter, wegen Streiks vorbestraft und aus Osna- brück gebürtig, in seiner Schrift „Das Stuttgarter Waldheim“: „Der ,Zukunftsstaat‘ lässt sich nicht parzellenweise zusammenkaufen. Aber einem kann und soll das Waldheim dienen, nämlich den Besitzlosen für ein paar Freistunden, in denen er dem Kapital nicht fronden braucht, ein Plätzchen

zu sichern, auf dem er als Gleicher unter Gleichen sprechen kann: Hier bin ich Mensch, hier kann ich’s sein!“ Die Wirklichkeit sah so aus, dass in Großstädten die Industrie boomte, das Elend der Unterschicht aber sichtbar war. Die Waldheime siedelten sich an den für Stuttgart so typischen Orten an, zwischen Wald und Reben, idyllische Plätze, die man sich dort erkämpft hat- te, wo man die Bürger nicht störte, die das Flanie- ren im Stadtgarten bevorzugten. Der Heslacher Karl Oster hatte im Frühjahr 1908 im Dachswald, am Rand des südlichen Innen- stadtbezirks, das erste Waldheim gegründet. Im Juni 1909 eröffnete Westmeyer zusammen mit Clara Zetkin das Waldheim in der Nähe eines Waldstücks mit Schaukeln, Karussells, Kegelbah- nen und einer kleinen Sommerbühne und einem Kasperletheater. In den folgenden Jahren kamen die Waldheime Gaisburg, Schlotwiese in Zuffen- hausen, Wangen und Hedelfingen hinzu. Etliche derjenigen, die sich für die Waldheimbewegung engagierten, erfuhren ein schreckliches Schick- sal. Der bekennende Pazifist Westmeyer starb Ende des Ersten Weltkrieges an der Westfront.

25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | geschichte

Unter dem Naziregime waren Deportationen in Konzentrationslager nicht selten. Heute sind vie- le der Arbeiterwaldheime bewirtschaftete Häuser, die vor allem am 1. Mai gut besucht sind. Sowohl in den Arbeiterwaldheimen als auch in den konfessionsgebundenen Waldheimen begann nach dem Ersten Weltkrieg die Versorgung notlei- dender Kinder. „Man kann sicher sagen, dass der Beginn der Waldheime, die man heute als Stadt- randerholung kennt, stets vom Bestreben geprägt war, Familien zu entlasten“, sagt Ulrich Seeger. Mehr noch, die Institutionen im Grünen waren eine Art Auffanglager, Besatzungsbehörden und Ernährungsämter unterstützten die Waldheimar- beiter nach dem Zweiten Weltkrieg spürbar, Spen- den von Firmen wie Nestlé und Knorr kamen auch Waldheimen zugute. Im Sommer 1948 waren 44 evangelische Heime in der amerikanischen Besat- zungszone in Betrieb. Der wirtschaftliche Aufstieg im Land war auch für die Waldheime ein Glücksfall, in den 1970er- und 1980er-Jahren wurde renoviert. Sammelplät- ze wie Freilichtbühnen entstanden, die Freizeit- abschnitte in zwei Wochen pendelten sich ein. Die Schulungen der jungen Mitarbeiter – der

Waldheimbetrieb stützt sich zu 90 Prozent auf Ehrenamt – erhielt einen neuen Stellenwert. 29 Häuser gehören heute zur Arbeitsgemein- schaft Kinder-Stadtranderholung, deren Träger die Evangelische, die Katholische Kirche und die Arbeiterwohlfahrt sind. Die Nachfrage bei Famili- en ist groß. Ebenso bei Mitarbeitern. „Wir muss- ten sogar junge Leute ablehnen“, so Seeger.

Hätten Sie es gewusst?

 

Zum Begriff „Waldheim“

Der Begriff „Waldheim“ ist wohl aus seiner Entstehungszeit abzuleiten: Viele Kurhäuser, Pensionen oder Wanderheime hießen „Waldfrie- den“ oder „Waldesruh“. Das Waldheim mit dem Kinderbesuchs-Rekord liegt außerhalb Stuttgarts und ist immer noch der Gaffenberg bei Heilbronn:

2800 Kinder im Jahr 2003! Pfarrer Theodor Zimmermann, der erste Freizeitjugendleiter eines konfessionellen Waldheims, kam aus Feuerbach und hatte die Idee mitgenommen.

Waldheims, kam aus Feuerbach und hatte die Idee mitgenommen. Freilichtbühne Lieder singen, Sketche spielen, das geht

Freilichtbühne

Lieder singen, Sketche spielen, das geht hier. Foto: privat

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geschichte | 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART

Was ist das geheimnis der blauen Schuhe?

von Gabriele Metsker

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M anche Dinge ändern sich nie. Klatsch und Tratsch zum Beispiel interessieren die Men- schen von jeher und nicht erst, seitdem es

Paparazzi gibt. Prominentes Beispiel: Die blauen Schuhe, an denen man zu Lebzeiten von Herzog Carl Eugen (1728–1793) angeblich erkennen konnte, mit welcher hübschen Dame er bereits wenigstens eine gemeinsame Nacht verbracht hatte. Da die Kleider der Hofdamen seinerzeit bis zum Boden reichten, postierten sich besonders Neugierige wohl gern in der Nähe einer Treppe, die ab und an dann doch einen Blick auf das Schuhwerk der Damen erlaubte und entsprechen- de Rückschlüsse zuließ.

„Das wurde damals zu Carl Eugens Lebzeiten schon kolportiert, und die Gerüchte sind explo- diert. Aber ob es wirklich so war, weiß man nicht“, sagt Florian Indenbirken von der Schlossverwal- tung Ludwigsburg. „Es gibt dazu keine gesicher- te Quelle. Überall heißt es nur ‚laut Bericht eines Zeitzeugen‘.“ Hartnäckig gehalten g hat sich die An- ekdote e trotzdem. Ebenso wie w jene, dass man in diesen d Jahren bei fast jedem j rothaarigen Kind mutmaßte, es sei ein unehelicher Sprössling des genussfreudigen Landesoberhauptes, da er selbst wohl ein Rot- schopf gewesen ist. Ging man früher aller- dings von einer recht großen illegitimen Kin- derschar Carl Eugens aus, um die 200 sollen es gewesen sein, wech- seln die Zahlen noch immer, wie Indenbir- ken schmunzelnd an-

Regent und Liebhaber

Herzog Carl Eugen wusste zu feiern und war dem schönen Geschlecht dabei sehr zugeneigt. Wer zu einen Eroberungen zählte, war leicht zu erkennen.

Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg Fünf Mal Fünf merkt. Die Tendenz ist inzwischen eher

Fünf MalFünf

merkt. Die Tendenz ist inzwischen eher sinkend. Fest steht, dass Carl Eugen es verstand, Feste zu feiern und die Schönheiten des Lebens zu genie- ßen wie kaum ein anderer Landesvater. So schwärmte der weltläufige Baron von Wimpfen:

„Man fand am Württembergischen Hofe die ers- te Oper von ganz Europa, das erste Orchester, die schönsten Ballette, die beste französische Komö- die nach der zu Paris.“ Die Orte dieser prachtvollen Festivitäten sind zum Teil bis heute erhalten, wie beispielsweise das Residenzschloss und das See- schloss Monrepos in Ludwigsburg, Schloss Hohen- heim und Schloss Solitude.

Geheimtüren führen zu intimen rückzugsorten

Wer heute durch die noch immer beeindruckend prächtigen Räume flaniert, sollte dabei genau hin- schauen. Denn an manchen Stellen wird die far- bige und golden gefasste Wandverkleidung durch feine schwarze Linien unterbrochen. Es sind die Ränder der geheimen Tapetentüren, durch die man dem Festgetümmel entschlüpfen und so vielleicht auch private Zweisamkeit genießen konnte. Doch Florian Indenbirken warnt vor allzu blumiger Fan- tasie. „Das meiste war nur Klatsch und Tratsch. Das hatte meist weniger anzügliche Gründe als nützliche.“ Es seien vor allem private Rückzugs- orte gewesen, um sich vom Hofleben zurückzuzie- hen. Vor diesem Hintergrund gewinnt auch die Be- zeichnung „Lustschloss“ eine andere Bedeutung. „Das bezog sich vor allem auf die geistige Lust, die Lust am Lesen, am Spazierengehen oder am gemeinsamen Gespräch“, erläutert Florian Inden- birken. „Dort war man nicht so sehr an das strenge Hofzeremoniell gebunden.“ So oder so stießen Carl Eugens exorbitante Ausga- be der sogenannten Landschaft sauer auf, und die verklagten ihn deswegen am Kaiserlichen Reichs- gerichtshof in Wien. Die Landschaft, das war ein

25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | geschichte

25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | geschichte Schloss Solitude Heute ist das Schlösschen ein be- liebtes

Schloss Solitude

Heute ist das Schlösschen ein be- liebtes Ausflugsziel. Früher wusste die höfische Gesellschaft hier opulente Feste zu feiern.

Foto: LMZ-BW / Feist

Parlament, bestehend aus dem kleinen Landadel und dem gehobenen Bürgertum. Vorbei war es da mit den ausschweifenden Vergnügungen. Im Februar 1770 wurde der sogenannte „Erbver- gleich“ geschlossen und Schloss Solitude in eine militärische Pflanzschule umgewandelt. Sie diente als Militärakademie, Kunstakademie und später als Allgemeine Hochschule. Einer ihrer berühm- testen Absolventen war Friedrich Schiller. Des- sen Vater Johann Kaspar wurde 1775 Leiter der herzoglichen Hofgärten auf Schluss Solitude, und seine dortige Baumschule galt im ausgehenden 18. Jahrhundert als die größte Baumschule Süd- deutschlands. Aber Carl Eugens Leben sollte sich auch in vielen anderen Bereichen ändern, nach-

Hätten Sie es gewusst?

 

Grüne Vergangenheit

In früheren Zeiten war Schloss Solitude von einem außergewöhnlich originellen und weitläu- figen Barockgarten umgeben. Heckenlabyrinthe, Orangerien, Theater und ein kleiner See luden zu vergnüglichem höfischem Treiben ein. Die Herzö- ge und Könige, die auf Herzog Carl Eugen folgten, schätzten Schloss Solitude wegen seiner wunder- baren Aussicht, der weitläufigen Wälder und der prächtigen Räumlichkeiten. Die pflegeintensiven Gartenanlagen wurden im 19. Jahrhundert jedoch aufgegeben.

dem Franziska von Hohenheim die Frau an seiner Seite geworden war. Von 1772 an war sie die offizi- elle Mätresse, ab 1785 zweite Ehefrau von Herzog Carl Eugen von Württemberg. Und dieser wandelte sich fortan vom unberechenbaren und prunksüch- tigen Herzog zum fürsorglichen Landesvater. Die Hersteller der blauen Schuhe allerdings mussten wohl daraufhin ihre Produktion den neuen Absatz- bedingungen anpassen.

Prächtiger Ballsaal in Schloss Solitude. Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg / Rachele
Prächtiger Ballsaal in Schloss Solitude.
Foto: Landesmedienzentrum
Baden-Württemberg / Rachele

Fünf MalFünf

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geschichte | 25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART

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Der Wilhelmsplatz ist heute ein Platz wie alle anderen. In der Richtstraße wohnte damals der Henker.

Fotos: M. Schoberth

Wo rollten die Köpfe?

von Michael Schoberth

M arianne weiß keinen Ausweg. Die 20-jäh-

rige Tochter eines Tagelöhners hatte sich

mit einem Hutmacher aus Tschechien ein-

gelassen, der ihr sogar die Ehe versprach. Doch als sie schwanger wurde, machte er sich aus dem Staub. Die junge Frau befindet sich in einer für sie schwierigen Situation – ohne Mann, mit Kind, mittellos und ausgegrenzt. Also verheimlichte sie ihre Schwangerschaft und bringt das Kind auf dem Dachboden im Haus ihrer Eltern auf die Welt. Allerdings bindet sie die Nabelschnur nicht ab, lässt das Kind verbluten und versteckt dessen Leichnam. Erst unter der Folter gesteht Marianne, eine Kindsmörderin zu sein. Auf der Richtstätte vor den Toren der Stadt schlägt der Henker mit seinem Schwert im Jahr 1707 den Kopf von Ma- rianne Brünstler ab.

In jener Zeit gab es in Stuttgart mehrere Orte an denen Menschen gehängt, ertränkt, verbrannt oder an einem Wagenrad gevierteilt wurden. Enthaup- tungen wurden jedoch ausschließlich an der 1451 erstmals erwähnten Hauptstatt vor dem Stadttor

an der 1451 erstmals erwähnten Hauptstatt vor dem Stadttor Die Richtstätte lag vor den Toren der

Die Richtstätte lag vor den Toren der Stadt. Auf der Karte ist sie unten links als kleiner Kreis zu sehen.

Foto: Landesarchiv Baden-Württemberg

durchgeführt, dem heutigen Wilhelmsplatz. Die Hauptstätter Straße erinnert an dieses blutige Kapitel der Stadt. Schwerverbrecher, Betrüger, Vagabunden, Diebe – mit und ohne Gerichtspro- zess – fanden hier ihr Lebensende. Frauen wurden ausschließlich hier hingerichtet, ihnen gestand man die im Vergleich zum Aufhängen am Galgen vermeintlich mildere Todesstrafe durch Enthaup- tung mit einem Schwert zu. Unter ihnen auffällig viele junge Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen, die ein ähnliches Schicksal wie Marianne Brünstler hatten.

Nur auf der hauptstatt wurden Verbrecher gEköpft

Im Jahr 1581 beklagte sich der Stuttgarter Vogt, der oberste Rechtsverwalter, über die Zustände auf der Richtstätte, die an einer belebten Straße lag. Die vielen Passanten – darunter Schwangere – kä- men in Kontakt mit dem Blut, das dort über den Platz floss. Auch die zahlreichen Schweine und das Vieh sollten von dem Ort ferngehalten werden. Da- rum fasste man den Plan, die Richtstätte, so wie auch in anderen fürstlichen Städten üblich, mit einer „zweimannhohen“ Mauer einzufassen und den Innenraum mit Erde aufzufüllen. Im Jahr dar- auf begannen die Arbeiten, doch die Mauer maß schließlich nur 1,5 Fuß, was etwa 42 Zentimetern entspricht.

der Henker war auch Abdecker und wundarzt

Noch bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts wurden Verbrechen aus Gründen der Abschreckung mit dem Tode bestraft. In Stuttgart verging kein Mo- nat ohne mehrere Hinrichtungen. In den Chroni- ken wird für 1758 von neun Deserteuren und zwei Dieben berichtet. Im Jahr 1759 werden zwei De- serteure gezählt und 1760 nochmals deren zwei, zwei Kindsmörderinnen und fünf Angehörige einer Miliz, die ein Komplott ausgeheckt haben sollen. Der Scharfrichter war ein viel beschäftigter Mann. Er vollstreckte nicht nur die Urteile in Stuttgart, sondern auch in den umliegenden Amtsstäd- ten. Außerdem war er der Abdecker und wegen seines großen Erfahrungsschatzes auch ein ge- fragter Wundarzt. Seine Wohnung lag in unmit- telbarer Nähe zum Richtplatz neben dem Scharf- richterturm, dort, wo heute die Richtstraße (früher Scharfrichtergässlein) und die Weberstraße in den

25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | geschichte

Wilhelmsplatz münden. 1811 wird die Richtstätte endgültig abgetragen. Langsam setzten sich die Ideen der Aufklärung durch, wie auch der Gedan- ke, dass Straftäter ihren Lebenswandel zum Bes- seren ändern können. Die seltener werdenden Hin- richtungen wurden danach an verschiedenen Orten durchgeführt. Dort, wo vor 300 Jahren vor Schaulustigen die Köpfe von Verbrechern, Dieben, Vagabunden und anderer bedauernswerter Gesellen rollten und viel Blut floss, stehen heute die Stände eines Bio- Wochenmarktes und fließt jeden Sommer bei der größten Hocketse der Stadt literweise Bier – beim Henkersfest.

Hocketse

Der Name des Hen- kersfestes erinnert an die Zeit der Henker. Doch heute fließt bei dem Viertelfest nur das Bier. Foto: Lichtgut / Verena Ecker

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Hätten Sie es gewusst?

 

Ein lebendiger Platz

Heute geht es auf dem Wilhelmsplatz nicht mehr blutig zu. Das Henkersfest findet in diesem Jahr bereits zum 24. Mal wieder Ende Juli, Anfang August statt. Das viertägige Viertelfest wird von den Gastronomen rund um den Platz ausgerichtet und gilt als eines der beliebtesten Sommerfeste der Stadt. Neben Leckereien aus aller Welt gibt es jede Menge Livemusik (www.henkersfest.de). Jeden Freitag wird auf dem Platz ein Bio-Wochen- markt abgehalten – und von Obst über Gemüse, Brot und Wurst bis hin zu Honig und Gewürzen alles angeboten (12–18 Uhr).

Fünf MalFünf

64 Wildschweine Wie viele Borstentiere im Wald rund um den Bärensee leben, weiß man nicht.

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64 Wildschweine Wie viele Borstentiere im Wald rund um den Bärensee leben, weiß man nicht. Gejagt

Wildschweine

Wie viele Borstentiere im Wald rund um den Bärensee leben, weiß man nicht. Gejagt werden sie bis heute, allerdings nicht zum Vergnügen, sondern nach gesetzlichen Bestimmungen. Foto: pixabay

Fünf MalFünf

Wo leben Wildschweine gefährlich?

von Gabriele Metsker

H eute freuen sich die Menschen einfach: die

Familien, Flaneure, die Jogger und auch die

Radfahrer. Sie alle genießen den durch breite

Alleenwege gut erschlossenen Wald rund um das Rokoko-Schlösschen Solitude, das Bärenschlöss- le und die drei Seen, die ihm zu Füßen liegen. Aber wer weiß schon, dass er dieses wunderbare Naherholungsgebiet hoch über Weilimdorf eigent- lich Herzog Carl Eugen und seinen Wildschweinen zu verdanken hat? Und wie es kommt, dass aus dem dichten Unterholz immer wieder mächtige Eichen aufragen, die ganz offensichtlich eine deutlich längere Vergangenheit haben als die an- deren Bäume? Aber der Reihe nach.

Für die Öffentlichkeit ist das große Waldgebiet ja noch gar nicht so lange zugänglich. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts war es den Stuttgartern nur wenig bekannt. Zum Wald rund um Schloss So- litude gab es damals nur vier Zugänge, und der Schwarzwildpark war sogar noch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges durch einen Bretterzaun ab- geriegelt und für Besucher komplett unzugänglich. Den Rotwildpark konnten Spaziergänger zwar auf

Hauptwegen besichtigen, das kostete allerdings zwei Mark Eintritt. Dass es die Wildparks überhaupt gibt, geht auf die Regierungszeit von Herzog Carl Eugen (1737 bis 1793) zurück. Der zwölfte Herzog von Württem- berg hatte sie seinerzeit anlegen lassen. Gedacht waren sie zur Unterhaltung der Hofgesellschaft, denn der Herzog ging, wie eigentlich alle adligen Herren in dieser Zeit, gern und viel auf die Jagd – die den Tieren freilich kaum je eine Chance ließ zu entkommen. Zunehmend kamen dann aufwendige, sogenannte „Festinjagden“ in Mode, die mit Jagd im eigentlichen Sinne nicht mehr viel zu tun hat- ten. Sie waren reine Hoffeste. Für diese Festinjag- den reichten die Wildparks oft nicht mehr aus. In monatelanger Fronarbeit wurde für solche Zwecke daher das Wild auch in anderen Revieren zusam- mengetrieben und an einen Ort gebracht, der vor- her sehr aufwendig hergerichtet worden war. Dem See zu Füßen des Bärenschlössles kam dabei eine ganz besondere Aufgabe zu: Gern wurde das Wild zum Wasser getrieben, wo es, durch das Hindernis verlangsamt, bequem von den Jägern erlegt werden konnte. Die breiten Alleenwege wurden ursprüng-

Der Bärensee Herzog Carl Eugen ließ auch Wildparks in der Nähe der Seen anlegen, um

Der Bärensee

Herzog Carl Eugen ließ auch Wildparks in der Nähe der Seen anlegen, um große Jagden veranstalten zu können. Foto: pixabay

25 ERSTAUNLICHE GESCHICHTEN ÜBER STUTTGART | geschichte

lich ebenfalls für die Jagd der adligen Herren an- gelegt. Sie erschließen bis heute das Waldgebiet. Die Menschen des 21. Jahrhunderts sehen indes bei ihren Spaziergängen einen so dichten, stufigen Wald, wie er über viele Jahrhunderte, wahrschein- lich seit der Römerzeit, nicht mehr zu erleben war. Denn die jagdinteressierten Nutzer verfolgten in vergangenen Zeiten ganz andere Ziele als die Förs- ter heute, für die die Hege des Waldes im Mittel- punkt steht.

Jagd als Freizeitspaß

Die Adligen, denen der Wald damals gehörte, nutz- ten ihn hingegen vor allem für ihr überaus belieb- tes Freizeitvergnügen: die Jagd. Daher mussten die Baumabstände so groß sein, dass auch berittene Jäger dem flüchtenden Wild problemlos folgen konnten. Das Netz aus breiten, sternförmig ange- ordneten Alleen erleichterte dabei nicht nur den Überblick über das Wild und den Verkehr, sondern erlaubte es zugleich, dass hier „par force“ gejagt wurde, nachdem diese Jagdform im 17. und 18. Jahrhundert in Mode gekommen war. Die aus

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Frankreich stammende Parforcejagd, also das Het- zen des Wildes mit der Meute, verlangte zu ihrer Entfaltung freies Feld und war daher nur in einem sehr lichten Wald möglich.

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800 Jahre alte Eichen

So verwundert es nicht, dass es in einer Beschrei- bung des Gerlinger Waldes 1832 heißt: „Große, beinahe unübersehbare Flächen lagen öde, nur hin und wieder stand darauf eine alte Eiche, und die verdienten kaum noch den Namen eines Waldbe- standes.“ Noch 1850 werden gegen 700 Morgen Öde angegeben – als Folge des Wildbestandes und der Waldweide. Und so schreibt der ehemalige Forstmeister Otto Feucht in seinem 1951 erschienenen Büchlein „Der Wald um Stuttgart“: „Viele Jahrzehnte forstli- cher Arbeit waren nötig, um diese Wunden zu hei- len. Das Bild des Waldes hat sich völlig gewandelt, vor allem hat ihn die Einführung des Nadelholzes in Stand gesetzt.“ Das Netz der Alleen, so schreibt er weiter, sei ein Denkmal der Jagdgeschichte, wie

schreibt er weiter, sei ein Denkmal der Jagdgeschichte, wie Foto: Archiv Staatliche Schlösser und Gärten

Foto: Archiv Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg / Viktor Heideloff

Impressum

Herausgeber: Stuttgarter Zeitung Werbevermarktung GmbH, Plieninger Straße 150, 70567 Stuttgart. Redaktion: Stuttgarter Zeitung Werbevermarktung GmbH, Redaktion Sonderthemen, Reimund Abel (Ltg.) Projektleitung: Markus Fürgut, Feven Kontny. Produktion/Layout/Bildbearbeitung: Pressehaus Stuttgart

Fünf MalFünf

es derer in Deutschland nur wenige gebe. Aber war- um ließ man seinerzeit die Eichen, die ja bis zu 800 Jahren oder älter werden können, eigentlich stehen? Die Erklärung ist ganz einfach. Wenn ein Wild- schwein einen guten Braten abgeben sollte, musste es vor seinem Ableben natürlich jede Menge guten Futters fressen. Leckere, nahrhafte Eicheln zum Beispiel, die die Bäume schon damals großzügig spendeten. Deswegen durften die Eichen friedlich weiter wachsen und recken heute, nach mehreren hundert Jahren, ihre Äste an nebligen Herbsttagen in die Höhe, als hätte der romantische Maler Cas- par David Friedrich sie dort eigens platziert. Auch heute noch werden im Wald um Schloss Soli- tude Wildschweine gejagt. Allerdings nicht als Zeit- vertreib einer elitären Oberschicht, sondern weil sie derzeit in den Wäldern in der Region Stuttgart überhandnehmen. Wenn sie heute gejagt werden, geschieht das nach präzisen Vorschriften. Ein Jä- ger von heute will Naturschäden durch Wildtiere verhindern und ein gesundes Gleichgewicht in der Tierwelt der Wälder gewährleisten.

Hätten Sie es gewusst?

 

ehrWürdige Zeitzeugen

Die dickste Eiche im Rotwildpark von Schloss Solitude ist nahezu unbekannt, obwohl sie zu den fünf dicksten Eichen in Baden-Württemberg gehört. Die monumentale Eiche steht südlich der vierspurigen Wildparkstraße und ist von dieser aus gut zu sehen. Die Stieleiche ist etwa 400 Jahre alt, 23 Meter hoch und hat einen Kronendurch- messer von etwa 13 Metern. An ihrer dicksten Stelle misst ihr Umfang 7,65 Meter. Ähnlich alt ist die sogenannte Lanzeiche, die 350 Meter nördlich vom Bärenschlössle auf einer Lichtung steht. Sie ist etwa 24 Meter hoch, ihr Umfang misst an ihrer dicksten Stelle etwas mehr als sieben Meter.

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