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Das Gedächtnis in Person : fast ein

Jahrhundert lebte Giorgio Voghera in Triest

Autor(en): Leiprecht, Helga

Objekttyp: Article

Zeitschrift: Du : die Zeitschrift der Kultur

Band (Jahr): 54 (1994)

Heft 10: Triest : am äussersten Ufer

PDF erstellt am: 28.12.2018

Persistenter Link: http://doi.org/10.5169/seals-298958

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P O RTRÄT-

DAS GEDÄCHTNIS IN PERSON


FAST EIN JAHRHUNDERT LEBTE GIORGIO VOGHERA IN TRIEST. VON HELGA LEIPRECHT

Bar Giulia
gehört nicht Augen blinzeln hervor, wäss- Massen und geprägt vom poli¬ Triest, Italien, Europa zu ver¬
Diezu den berühmten lassen. Die Familie wanderte
Trie¬ rig, sie waren wohl einmal tischen Klima zu Hause, «lei¬
stiner Kaffeehäusern. Im Erd¬ blau. Zuerst ist er em bisschen denschaftlich» auf die Seite nach Palästina aus. «Viele sind
geschoss eines gewöhnlichen verwirrt, dann erinnert er sich -
der Antifaschisten ohne je¬ zu dieser Zeit emigriert, und
Condominio aus den sech¬ an die Verabredung. Er steht doch, wie er selbstironisch be¬ der grösste Teil derer, die hier
ziger Jahren, direkt an der auf, obwohl es ihm sichtlich merkt, je die Kraft zu einer geblieben sind, ist verschwun¬
stark befahrenen Via Giulia, Mühe bereitet - sein Bein ist konkreten Aktion aufzubrin¬ den, sie wurden deportiert
schon ein wenig ausserhalb verletzt -, stellt sich förmlich gen. «Es gab natürlich einige und sind nicht wieder zurück¬
des Zentrums, ohne Laden¬ vor und macht seine Cousine jüdische Familien unter den gekommen.» Das Internie-
schild, ist eine unscheinbare Alma Morpurgo mit mir Antifaschisten, und meine Fa¬ rungslager San Sabba wurde
Bar eingerichtet: messing- bekannt. milie gehörte immer dazu. allerdings erst 1943 eingerich¬
farbene Stühle mit beigen, ab¬ Voghera gehört zu den we¬ Aber ich glaube, wir waren in tet - als Triest von den Deut¬
gesessenen Polstern, ein heller, nigen verbliebenen Mitglie¬ der Minderheit, die meisten schen verwaltet wurde.
gräulicher Steinboden, die dern der jüdischen Gemeinde Juden waren wohl lange ziem¬ Einige Jahre nach dem
braunfurnierte Standardtheke. Triests, zu den wenigen Trie¬ lich gleichgültig, vermutlich Krieg, Ende der Vierziger,
Das Giulia kann nicht mit der stinern, die die Stadt noch haben sie Zugeständnisse an kehrte Voghera nach Italien
kühlen Eleganz des Caffè de¬ vom Beginn des Jahrhunderts den Faschismus gemacht - aus zurück. «Eigentlich hatte ich
gli Specchi glänzen, nicht mit kennen - fast sein ganzes Opportunismus.» nicht die Absicht, wieder in
den hohen, noblen Räumen Leben hat er hier verbracht. Die jüdische Bevölkerung Triest zu bleiben, schliesslich
des San Marco und dessen Giorgio Voghera wurde Italiens grenzte sich kaum ab, waren ja auch meine Eltern
Literaten-Tradition konkur¬ 1908 in Triest geboren. Sein sondern neigte im Gegenteil noch in Palästina, sondern ich
rieren. Es ist ein einfaches, Vater, Guido Voghera, ein immer dazu, sich zu assimilie¬ wollte meinen ehemaligen
durchschnittliches Triestiner überzeugter Sozialist, hatte ren. Vor allem in Triest, das Arbeitsplatz bei der Versiche¬
Café, und jetzt, kurz vor der aus ideologischen Gründen viele Österreicher nach dem rungsgesellschaft wiederauf¬
Mittagszeit, lässt sich kaum nicht geheiratet und lebte - Zusammenbruch der Habs¬ nehmen und mich von Triest
ein Weg an der Theke vorbei¬ für die gutbürgerliche Gesell¬ burger Herrschaft verliessen, aus nach Palästina versetzen
bahnen, so voll ist es, die schaft Triests ein schreiender übernahmen jüdische Kauf¬ lassen. Tatsächlich bin ich
Leute müssen mit den Stühlen Skandal - in freier Ehe mit leute und Intellektuelle ent¬ auch nach wenigen Monaten
rücken. Hier soll es ja den be¬ Giorgios Mutter. Giorgio scheidende Funktionen. «Wie wieder abgereist. Als ich je¬
sten Kaffee von Triest geben. Voghera war ein Einzelkind, in allen mittleren Schichten doch das zweite Mal nach
Seit einigen Jahren kommt «frühreif» - so charakterisiert der italienischen Gesellschaft Italien zurückkam, blieb ich
der Triestiner Autor Giorgio er sich selbst, ein ehrgeiziger gab es, ohne Zweifel, auch hier: die Situation unten war
Voghera fast täglich hierher. So Schüler und Student, als Stre¬ eine kleinere Gruppe von Fa¬ schrecklich, der Krieg war in
gegen zehn Uhr morgens trinkt ber verachtet, ein Aussenseiter. schisten unter den Triestiner vollem Gange. Sagen wir es
er seinen Cappuccino in - Obwohl die Eltern beide jüdi¬ Juden. Für sie muss die Des¬ so, ich hatte nicht den Mut,
Triest ist das ein Espresso mit scher Herkunft waren, spielte illusionierung besonders aus ideologischen Gründen
nur einem winzigen Tupfer Religion keine Rolle in der furchtbar gewesen sein, eine nach Palästina zu gehen.
Milchschaum -, später viel¬ Familie. «Niemand in unserer Erniedrigung, als man 1938 in Meme Eltern kamen mir
leicht noch einen zweiten, er Familie war religiös, ich Italien die Rassengesetze erlas¬ später nach.»
liest die Triestiner Tageszeitung, glaubte nie an die jüdische sen hat. Man schnitt ihnen Der Zufall oder das
den «Piccolo», plaudert mit Religion. Aber ich fühlte im¬ quasi die Wurzeln ab. Der ita¬ -
Schicksal oder einfach : das
alten Bekannten, die von seiner mer schon meine Zugehörig¬ lienische Faschismus, der so Leben - führte Giorgio
morgendlichen Gewohnheit keit zum Judentum, das si¬ lange die besten Beziehungen Voghera zurück in seine Hei¬
wissen und auf einen Sprung cher, nicht im Sinne eines mit den Juden gehabt hatte, matstadt. Ob er sich denn in
vorbeikommen: fast wie in Nationalismus, nicht im Sinn schwenkte plötzlich, aus Op¬ erster Linie als Triestiner
alten Zeiten, «als die Leute sich einer Überlegenheit, eher im portunismus, auf die antise¬ fühle? «Nein, schauen Sie, in
noch im Café trafen». Gegenteil, aber so, wie ich mitische Linie Hitlers ein.» erster Linie fühle ich mich als
Giorgio Voghera ist 86 mich eben auch Triest zugehö¬ Zu dieser Zeit arbeitete Marsmensch. Ich bin aus Ver¬
Jahre alt. Er sitzt, zusammen rig fühlte.» Voghera wuchs in Giorgio Voghera bei einer sehen auf die Welt gekom¬
mit einer rüstigen alten Dame der Zeit des italienischen Transportversicherungsgesell¬ men. So ist das.» Aus dem Ge¬
im Häkelkleid, ganz hinten Faschismus auf, Mussolinis schaft. Er wurde wegen fühl, ständig deplaziert zu
im Café - ein kleiner, etwas Männer schwangen ihre Ban¬ der neuen gesetzlichen Richt¬ sein, aus der Angst, die er vor
buckliger Mann mit schloh- ner, und schlug sich, in in¬ linien entlassen und ent¬ dem Leben hatte, macht Vo¬
weissem Bart, der sein Gesicht stinktiver Abneigung gegen schloss sich deshalb, zu¬ liera kein Hehl. «Als ich jung
fast völlig verdeckt. Nur die die stampfenden, lärmenden sammen mit seinen Eltern, war und das Leben vor mir

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PORTRAT

hatte, hatte ich sogar noch allen Strassen. Das ganze Uni¬ diese vertiefte psychologische derheit, oft verfolgt, waren sie
mehr Angst als heute, war versum war für mich nur so¬ Analyse. Doch was mir wirk¬ mehr als andere dazu gezwun¬
mein Pessimismus grösser. Im weit von Bedeutung, als es sie lich Sorgen machte, war der gen, sich zu kontrollieren und
Grunde bin ich immer pessi¬ betraf.» Vergleich zwischen meinen ihre Umgebung zu beobach¬
mistisch gewesen... und mei¬ Die Journalisten und Neu¬ Gefühlen. Sagen wir, ich hatte ten. Ein gewöhnlicher Bürger
ner Ansicht nach muss man gierigen, die nach der Ver¬ zu dieser Zeit eine Beziehung, stand nie unter diesem Druck.
sich fragen, warum nicht alle öffentlichung des «Segreto» vielleicht eine Liebesbezie¬ Die Juden mussten sich selbst
Leute Pessimisten sind. Offen¬ nach Triest reisten, konnten hung, zu einer andern Person, kontrollieren und die andern
sichtlich gibt es ja ein Hor¬ leicht feststellen, wer sich hin¬ und ich spürte bei dem Ver¬ verstehen: denn von anderer
mon, eine Art Kokain bei den ter dem Ich des Romanhelden gleich mit meinem Ideal, Seite konnte man die
Menschen, wie auch bei den verbarg, und Giorgio Voghera zwischen den Gefühlen von schlimmsten Überraschungen
Tieren, das den Optimismus, als Zevi identifizieren. Doch heute und denen von damals erleben... Nun, wenn man
völlig ungerechtfertigt, er¬ das Rätselraten um die Auto- - ein Vergleich, der unver¬ von der Triestiner Literatur
zeugt - denn rein rational renschaft war damit keines¬ meidbar war -, Gewissens¬ spricht, muss man zugeben,
gesehen besteht kein Grund falls beendet. Voghera leug¬ bisse.» dass die beiden wichtigsten
dazu. Ebenso offensichtlich nete strikt, der Verfasser zu Nach 1961 publizierte Vertreter, Italo Svevo und Um¬
fehlt mir dieses Hormon.» sein - und wies das Werk sei¬ Giorgio Voghera mehrere berto Saba, jüdischer Her¬
Während Voghera erzählt, nem Vater, Guido Voghera, Büher, Aufzeichnungen aus kunft waren. Vielleicht erklärt
beugt er sich ein wenig nach zu. Er selbst hätte nur das der Zeit des Exils, «Carcere di das ihren Hang zum Psycho¬
vorn, hält seine Hand wie Rohmaterial, Aufzeichnungen Giaffa» und «Quaderni logismus.» Seither hat die jü¬
ein Hörrohr an seine Ohr¬ aus seiner Jugend, geliefert. d'Israele», Überlegungen zum dische Gemeinde auch in der
muschel, um seine Gesprächs¬ Bis heute beharrt er auf dieser Tod, «Nostra Signora Morte». Kultur viel an Einfluss ver¬
partner besser zu verstehen. Position. «Das Buch basiert Vor allem aber entwickelte er loren, ein Aspekt der allge¬
Er konzentriert sich, nimmt auf meinen Notizen; aber die sich mit seinen Erinnerungen meinen Verfallserscheinung
sich Zeit, berichtet in langen, Überarbeitung, die Auswahl, «Gli anni della psicanalisi» Triests, wie Voghera erklärt.
logisch durchdachten, perfek¬ der Kommentare - das alles zum Chronisten des intellek¬ «Wen gibt es denn heute
ten Sätzen, in seinem, wie ist das Werk meines Vaters.» tuellen Lebens Triests. In sei¬ noch? Wo sind Namen wie
er sagt, «ein wenig schul- Besessen vom Schreiben, «ich nem Gedächtnis ist die Kultur Saba, Svevo oder, in der Male¬
mässigen Stil», der auch für war immer graphoman», hatte der Stadt gespeichert. Voghera rei, Bolaffio? Ich stehe sozu¬
seine schriftstellerischen er als Jugendlicher alles, was kannte alle wichtigen Persön¬ sagen allein da, der einzige
Werke typisch ist. ihn berührte, beschäftigte, lichkeiten, von den zwanziger Vertreter der jüdischen Litera¬
Sein «Abenteuer mit der alles was ihm passierte, auf¬ Jahren bis in die Gegenwart - tur in Triest... wenn man
Literatur» begann 1961, zwei geschrieben und versucht, ge¬ den Schriftsteller Italo Svevo, daran den Verfall nicht ab¬
Jahre nach dem Tod des prägt vom psychoanalytischen den Dichter Umberto Saba, lesen kann...»
Vaters. Linuccia Saba, die Umfeld, seine Gefühle in der mit seinem Vater befreun¬ Literarischer Ehrgeiz war
Tochter Umberto Sabas, hatte einen Zusammenhang zu det war, den Psychoanalytiker nie Vogheras Triebfeder : «Ich
bei Einaudi die Publikation bringen und zu ergründen. und Schüler Sigmund Freuds, bin kein Schriftsteller, kein Er¬
eines Buches erwirkt: «Il Se¬ Über 2000 Seiten umfasste Edoardo Weiss, und Roberto zähler, ich bin ein Chronist.
greto», auf deutsch «Das das Manuskriptenkonvolut, Bazlen, der die Triestiner Ich habe nicht viel Phantasie
Geheimnis», verfasst vom wirft Alma ein. Mit ihrem Literatur in Italien bekannt und scheue mich zudem, das
Anonimo Triestino, einem beissend skeptischen Tonfall machte... «Einen Grossteil bisschen, das ich habe, anzu¬
Triestiner Autor, der seinen drückt sie unmissverständlich der Literatur Triests verdankt wenden. Lieber erzähle ich,
Namen nicht preisgeben ihre Meinung aus: natürlich man den Triestiner Juden, das was geschehen ist, was ich
wollte. Der 500seitige, mono¬ hat Giorgio seine Geschichte ist ohne Zweifel die Wahrheit. erlebt habe, ich habe keine
logische Roman erzählt die selber geschrieben. Aber der Inzwischen haben sich die fantastischen Höhenflüge,
Geschichte des jungen Zevi: 86jährige geht nicht darauf Dinge zwar sehr verändert, sondern möchte Situationen
minutiös ist jeder Gedanke ein. logischerweise. Auch die jüdi¬ untersuchen... ich schreibe
des heranwachsenden Buben Wie fühlt sich jemand, sche Gemeinde ist viel kleiner mit einem einzigen Ziel : ich
eingefangen, detailliert sind der plötzlich auf diese Weise geworden. Früher hatten wir will bestimmte Dinge sagen».
die Spielkameraden und mit der eigenen Biografie 6500 Mitglieder, heute sind es Denkt man an den ängst¬
Schulkollegen beschrieben. konfrontiert wird : sie in gerade noch 700 - und fast lichen, aber analytisch überle¬
Im Mittelpunkt steht Zevis einem Buch vor sich liegen alle sind alt... Die Triestiner genden Zevi aus dem «Segreto»,
jahrelange, unerfüllte Liebe zu sieht? «Natürlich war ich zu¬ Literatur, die alte Triestiner ruft man sich die Stellen aus
seiner Klassenkameradin erst verlegen, sehr verlegen, Literatur, hatte einen starken der «(Auto-)Biografie eines
Bianca Sorani, einem schüch¬ all diese Dinge, die ich bis Hang zum Psychologismus, Mitteleuropäers» ins Gedächt¬
ternen, farblosen Mädchen. jetzt geheimgehalten, zurück¬ eine Neigung, die damals nis, in der sich der Autor als
Nie getraut er sich, ihr von gehalten hatte..., niemand viele Juden hatten. Warum - entscheidungsunfähigen Men¬
seinen Gefühlen zu erzählen - hatte davon gewusst. Aber das ist schwer zu sagen... schen und untalentierten
zu schüchtern, zu befangen, dann ging es mir besser, als vielleicht, aber das ist bloss Schriftsteller stilisiert, scheint
zu unsicher ist er. Zevi sperrt viele vielleicht glauben. Ich eine Hypothese, nicht meine Giorgio Voghera fast ein
sich ein in seiner Sprachlosig¬ habe, wenn man so will, eine zwar, und sie erklärt das Phä¬ Überlebender aus Italo Svevos
keit. Doch «mein Denken war gewisse psychoanalytische Bil¬ nomen auch nicht vollstän¬ Romanen, eine greise Inkar¬
gefangen: Bianca war dung - und deswegen interes¬ dig, liegt der Grund darin, nation jener risikoscheuen
überall, in all meinen Gedan¬ sierte ich mich dafür. Der Ro¬ dass die Juden immer eine Figuren, die sich selbst ständig
ken, in allen Gesprächen, auf man war lehrreich für mich, Minderheit waren. Als Min¬ hinterfragen und analysieren.

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P O RTRAT

Beim Lesen seiner Erinne¬ schmelzen, die beiden Per¬ losen Sohnes? Das Spiel durch die Alliierten, gestern
rungen, beim Lesen der Lebens¬ sönlichkeiten verschlingen bleibt offen, das Rätsel un¬ gesagt, «in keiner anderen ita¬
beschreibung Guido Vogheras, einander gegenseitig: Hat sich gelöst, das «Geheimnis» lienischen Stadt gibt es so
die ebenfalls Giorgio verfasst der Vater im «Segreto» der bestehen. viele Fahrzeuge.» - Nach eini¬
hat, fällt jedoch eine zweite Biografie des Sohnes bemäch¬ Giorgio Voghera lässt es gem Gewinke und Gehupe
Doppelgängerschaft auf. Man tigt? Hat der Sohn, der so oft sich nicht nehmen, den Kaf¬ hat Voghera, auf seinen Stock
entdeckt in Stil und Fakten die Leben anderer beschrieb, fee zu bezahlen. Schliesslich gestützt, schliesslich sein Taxi
eine merkwürdige, fast un¬ sich bei der Analyse des eige¬ sei ihm so viel Aufmerksam¬ ausgemacht. Im Gegensatz
heimliche Übereinstimmung nen Lebens schüchtern, vor¬ keit gewidmet worden. Koket¬ zu Alma, die schon voraus¬
zwischen Vater und Sohn, sichtig, hinter dem Namen terie? Ein wenig. Aber hier marschierte, kann er seit ei¬
eine Übereinstimmung, die des Vaters versteckt, den in Triest, zumal in der Bar nem Unfall vor ein paar Jah¬
das Mysterium des Romans Schutz des Vaters gesucht? Giulia, ist er der Gastgeber. ren auch die wenigen Meter
«Il Segreto» fortsetzt - Guido Man findet keine klare Tren¬ Wir treten auf die Strasse : bis zum Altenheim der jüdi¬
und Giorgio Voghera erschei¬ nungslinie mehr, das indivi¬ Autolärm, Hupen, Geschrei; schen Gemeinde nicht mehr
nen als Doppelgänger, mit duelle Schreiben, scheint sich, Abgasschwaden; eine Vespa zu Fuss zurücklegen. Er steigt
den gleichen essentiellen Le¬ ausgerechnet in der Biografie, weicht mit elegantem ein, der Abschiedsgruss, das
benserfahrungen, sie reden aufzulösen. Das Werk des ei¬ Schwung gerade noch aus. Taxi fährt ab. Am Ende der
mit der gleichen Stimme, ein nen könnte auch das des an¬ «Die Leute sind verrückt», Strasse blitzt das weissgelbe
wenig langatmig, ausführlich, dern sein. Ist der literarische hatte der Portier, Sohn eines Karstgestein, es scheint in die
korrekt. Die beiden Bio- Dialog mit dem Vater viel¬ Engländers und einer Trie¬ Stadt hereingerückt, greifbar
grafien, die beiden Werke
durchdringen sich, ver¬
leicht die einzige geglückte
Kommunikation des sprach¬
stinerin aus der Zeit der provi¬
sorischen Verwaltung Triests
nah.
¦

Roberto Bazlen: «ta totta


con la macchina da scrivere»
©Adelphi Edizioni

Le mani d'una donna sono sempre in «vedenza bisogna dunque oh« Bleso
p.r «ov.» un p5 î'àfSl^itî^'ïgât!??!»äJ'oJS'ä/SSS Sfofön^ui'tfiftr ohe mia mamma
ladeooroBO lavoro, Gr«dooh« non oi aia nulla di più avill«nt« ohe un uomo oh« biBognerrrebba
volt« di seguito
«cri-r« a macchia«, non par 11 fatto In sa at,«», o, oh« «lz.1 oona »«zzo
• orlttura * uno dal plu signorili a distanziasti, ma aa lo fa oona èra «omo
tl _ëgulto di seguito öl seguito üi aaguito ai arguivo « ooai ai
imparereobb« più pr«Bto a scrivere velocemente velocemente velooement
ooatratto afarlo io, parfare un pò di pratica, Uon o'i assolutamente la nao«
• sita di farlo aaroha non ho uilla d« dir« db aolo coma uà pezzo ipotetico Chiarelli a scritto un uomo da rifare un uomo rifare un uomo da
a futura par guadagnarmi p na il
S6 mal na avrò iiBogno, « vado oh« par
• 4rlvare a quasta punto mi ci vorri ancora par«oohio, parati* banah« Boriva •ooo
da rifare un uomo da rifar«
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oon una v«looltè mèlto riapattaMl« in coafraonto di quanto lo faaeasl alla da sarivere da soriv«re da*sorivere da scrivere da soriver« da aoriv«r«.
malaugurata epoca on« fui impiagato da L«k:a«r, lo stesso sono ancora moloto
lontano da quali« mitiche « Bpavanto&s v«lQoit4o ooll« quali scrivono 1« al-
taartb, Bîiïs."«id«uèii?îâï:-dittfï8àJ.i2t.'Ds8^i'„ïaâ.y ÄiarHj^sit. Be ist doch zum »uswaehaen lech denke es mir oft aaaa min nicht einen
Auganblick Ruhe haben kann« ala « Sache die iaj dooh sehr drlngenoä
oochi da la loro copia,« dopo dio vuol« non
ra la prossima riga tentaro di 8ariv«rla oon l'orologio p«r vederesbastilo,
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Duaque agi ml i arrivato un librao di ïoul«. ah« mi fu oonaagnato dalla S
*»»M Ba gibr Ja nichts ärgeres „als das 'amilieniaeben ich muss geBtehen daas
Beco oh« per scriver« aolan«nt« quali» riga oi ho mea.io più di mazio a«o i da Abaohrtiben eine nicht ä«br unterhaltend« Besohäftigunhg ist aber quoh
das Maeohinenaohreiben für aioh bbodefgMjklmno-iqretuvwxy»
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ma ho paura ooma
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fu dimostrato dalla rig« auuooesbiva oh« al tratti di un aoo î" Ia Jener Zeit da ioh diah nioht mehr nannte,
Sohuf ioh ein flaihgefäss sua «dl«r 3rd«,
ma fors« che col tempo io arriver* a divantare un scenografo no pardon volav
diva un datilografo perfetto anti p«r dir maglio una perso« oivlHz«ata oh« Und barg darin, die einst an «ir entbrannt«,
Die flamme das si« ««in gahütat werde.
Borivo abbs tansa velooamnt« s macchina,AUX Bd
ooplaraunarlga dl ïdulat. ora vogilo m ItrÄi^So^ifiaÄFii^foSrat^«!,
Kr« inn
Min^PuoKen^neiner
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Liebesglut, entschwebtet
es Du. aas as äIrDfi«iliä Sil.
Batta« las faunas av«o un« flaur, 0 bldher.de Heide walken wir st, du müssen.
«h, pourquoi fairef 9 • n« l*OT ferait Du S «rnen antlitz musat du auch vergehe«
pas du tout de mal. Bonlohon amoureuse, une flaur Ba gab eina nderea Jlück als dich zu küssen
au potager, Aimer moins,
und andere ..ansehe als dich unzuaehea?
ou «e plus aimer, a'eat tout de mfltë, Ihr Seelenaugen, warmes Lioht der Freude,
erlöschen sollt ih« nie mehr wiederBpiegela
HXIIlMlftHllXfcX i l'aube d'un nouvel amour que l'amour d'hier aemble ua
Ole goldene Blaue über dieaan H§geln?
Du wä.rst dahin und Brd und Himmel blirebe?
Jetzt will ich mit wahBinnlger Sil« eine "eile S^hreimaahine schreib«»
Mauvais rîva.Un bal amour parfois, visit« le â«*olln de la vie; aomm« oes papi Jetzt will ich eine Zeil« mit der Schreibmaschine schreiben unb will
lions balançant a* travers le aoir, laura ailes.L« nez d« Bliopatr« plua lon ih finde dass ioh ja dooh viel schneller schreib« als man sich ao debkan

g, at voila tout« la fao« du monda ohangfl.---- Kt la Bleon« "ÎÛBfltSld^ftt UB


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as ist sehr sdbwsr ainanstöndiger mensch au werden ich habe ea in diesen
letzten Tagen versucht es ist mir aber vollkommen misslungen aa JUt mir
leid nicht wegen mir der ich ja dooh aohlieesslioh auch dass überwinden ka
ann aber wegen meiner Familie die Bioh doch etwas mehr von einem ao in¬
telligenten Menschen wi« «a m«in Sohn lat verlangen kommt« ioh bin zwar
sehr intelligent kann aber nioht auf der Soreibmssoine achraiben und
AAAAAA XqoM
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a '«f o wea hilft öa die ganze Intelligenz das ist voollkommen richtig vollkom¬
AAAAAAA men ich bin halt ein Zwitter ding zwischen einem Bourgeois und «inen
AAAAAAAAA i'Tsawtz boa Outsider zwei Begriffe di vollkommen unvereinbar sind und wenn man beides
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In s Ar, hat teann man weder das eine noch das andere werden ea Bei dean
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j«*H bj»tï aap «f afiovda qoi dass man eine dieser Zwei -Sigensohafù«k tötet was ich ja auch zu tun
¦ T:»j:t«*i(io sap np iaau«i[ «pa gedenk« demniohst und zwar den Intellektuellen in mi r gänzlich verni'cht«
jqea qOît*ïl*»a H^TP »ttt V>1 werd« und was loreigblaibt iet der BourgaolBÏ Voilà ',
loh bin selbstverständlich sehr unglücklich denn natürlich ist mir bis
jetzt alles schlafgegangen Bros und die Svangelien Heim und Welt
Soll und Haben jadis und naguère und was sonst noch alles übregblaibt.
loh welas ja was soll ea bedeuten daas ich so tr-aura ig bin denn aohon
mu aatp IBTTï» Bta'ipHH J»P J™ seit uralten Zeilen geht gar nichts nach meinem Sinn es kommen gezo-
^Jtap nam vfe'ns jt« potm -*»P »PT*« w«TViS »n« wontrq ap fttf« •¦¦•* • die 'flogen ich aber ziehe nicht und kftg« auch ich wie die wogen
TP «PT»« ««V» ¦»«ia sa« X\\%9 oa p««as hot «PT»H jt«TW» **»• P«l« VI fen
edoch mein Mast der brioht ioh bin so bl&d und unglücklich dass Ich nicht
HHHHHHUHHHHHHHHHHHHHttKKHMHHHHHHHH HHHHIM'.UlHJUUnNH weiss was tun ioh mttahte wäre es sohioklich in dunkler Brd6 ruh«.-
Questo baooin t«l dono, Tel dono per caparra, e nella tomba amarra, oon
te io morirò, e ohe la vadi bam che la vadi mal slam sul fior dalla
gioventù nooi altri Barabba noi altri Sarebbe e ohe la badi b«n oh« la va
mal Blam sul fior della gioventù noi altri Barabba giudizio mai pift.Ha
Meaaase mi ha telefonato oggi ad ore&> e venti ed alle ore aei e ventidue
oi siamo dati un appuntamento esatto per le nove all'angolo di Zernitz,
ai bai tu me la darai e tutto va benon zigozala zon zo zon
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si« ritten Btill und fein da klangen h«ll d ie Glßok«.lein wer siegt von
den beiden dass ist das grösste Problem d&J Aaltgeschicht« das grüaate

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