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Abitur 2016
Der Prozess
Franz Kafka

Einleitungssatz

Franz Kafka thematisiert in seinem 1914 geschriebenem Romanfragment „Der Prozeß“ den ver-
zweifelten Kampf des Prokuristen Josef K. gegen ein nicht durchschaubares und mächtiges
Rechtssystem. Der über ein Jahr dauernde Prozess veranschaulicht den Umgang mit persönlicher
Schuld und des Wesens von Gericht und Gesetz, bis hin zum Tod des
Prokuristen.

Inhaltsangabe 1

Verhaftung – Gespräch mit Frau Grubach – Dann Fräulein Bürstner


Der Prokurist einer Bank, Josef K., wird an seinem dreißigsten Geburtstag morgens im Bett von den
beiden Wächtern Franz und Willem verhaftet. Sie nennen ihm weder den Grund für seine Verhaf-
tung noch, in wessen Namen sie handeln. Auch der Aufseher, der ihn kurz darauf in das Zimmer
des Fräulein Bürstner, einer Mitmieterin, einbestellt, verweigert jegliche Auskunft. Keiner der drei
Männer will sich legitimieren, und K. ist ratlos. Den Gedanken, seinen Freund, den Staatsanwalt
Hasterer anzurufen, verwirft er gleich wieder. Der Aufseher stellt K. frei, zur Arbeit in die Bank zu
fahren.

Am Abend seiner Verhaftung sucht K. das Gespräch mit seiner Zimmerwirtin Frau Grubach. Diese
kann die morgendlichen Vorkommnisse zwar nicht einordnen, versucht aber K. zu beruhigen.

Spät am Abend will K. sich bei Fräulein Bürstner dafür entschuldigen, dass ihr Zimmer ohne ihre Er-
laubnis als Verhörraum benutzt wurde. Er stellt die Szenen der Verhaftung im Zimmer nach. Er wird
aufdringlich und küsst sie. Danach geht er zufrieden ins Bett.

Erste Untersuchung
Josef K. wird telefonisch aufgefordert, am kommenden Sonntag vor dem Untersuchungsgericht zu
erscheinen. Als Ort wird ihm eine Adresse in einer ärmlichen Vorstadt genannt.

Mit Mühe findet K. den Verhandlungssaal in einem heruntergekommenen Mietshaus: das Hinter-
zimmer einer Mietwohnung. In einem engen Raum haben sich viele Menschen versammelt. K. hält
eine lange Rede über die Willkür einer Organisation, die hinter seiner Verhaftung steht. Er beleidigt
den Untersuchungsrichter und die Kommission, und erklärt sich für unschuldig. Zu einem Verhör
kommt es nicht.

Im leeren Sitzungssaal / Der Student / Die Kanzleien


Unaufgefordert erscheint K. am nächsten Sonntag erneut im Gerichtssaal, den er leer vorfindet.
Die Mieterin der Wohnung und Ehefrau des Gerichtsdieners bietet ihm Hilfe in seiner Sache an und
versucht sich K. zu nähern. Auch K. ist nicht abgeneigt, doch der Student und angehende hohe
Beamte Berthold erscheint und führt die Frau zum Untersuchungsrichter, der angeblich ein Auge
auf sie geworfen hat.

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Der Prozess
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...Inhaltsangabe 2

Der Gerichtsdiener überredet K. zum Besuch der Gerichtskanzleien, die sich auf dem Dachboden
befinden. Aufgrund der stickigen Luft dort erleidet K. einen Schwächeanfall. Der Auskunftsbeamte
der Kanzlei und ein junges Mädchen bringen ihn zum Ausgang. K. beschließt seine Sonntage in
Zukunft anders zu verbringen.

Die Freundin des Fräulein Bürstner


K. sucht nach einer Möglichkeit sich vor Fräulein Bürstner wegen seiner Aufdringlichkeit zu recht-
fertigen, doch diese weicht ihm aus. Ihre Freundin Fräulein Montag erklärt K. in Fräulein Bürstners
Namen die Nutzlosigkeit einer Aussprache.

Der Prügler
Eines Abends werden die Wächter Willem und Franz in einer Rumpelkammer der Bank von einem
dritten Mann verprügelt, weil K. sich in seiner Rede beim Untersuchungsgericht über ihr Vorgehen
beschwert hatte. Erfolglos versucht K. den Prügler zu bestechen, damit er von den beiden ablas-
se. Als die Wächter am nächsten Abend erneut in der Kammer verprügelt werden, fordert K. die
Bankdiener auf, die Rumpelkammer aufzuräumen. Das wollen diese am nächsten Tag tun.

Zu Elsa [Fragment**]
K. ignoriert den Befehl unverzüglich vor Gericht zu erscheinen. Er ist bei seiner Geliebten Elsa, bei
der er alles vergisst.

Der Onkel – Leni


K.’s Onkel und früherer Vormund Albert erfährt von dem Prozess und eilt zu seinem Neffen, um ihm
zu helfen. Gemeinsam suchen sie Alberts Schulfreund, den Armenanwalt Huld auf. Dieser ist krank;
die Pflegerin Leni sorgt für ihn.

Der Kanzleidirektor ist gerade zu Besuch bei Huld, und während die drei älteren Herren den Fall
diskutieren, wird K. von Leni aus dem Zimmer gelockt. Sie rät ihm zu einem Geständnis und verführt
ihn.

Vor dem Haus wartet der Onkel auf K. und wirft ihm vor, dass er bei der für ihn wichtigen Bespre-
chung nicht anwesend war.

Als sie aus dem Theater traten [Fragment**]


Nach einem Theaterbesuch versucht K. seinen Onkel loszuwerden, um mit Fräulein Bürstner reden
zu können.

Advokat – Fabrikant – Maler


Im Winter erwägt K., dem Rechtsanwalt das Mandat zu entziehen. Ebenso wenig wie K. selbst
kann Huld die Anklageschrift einsehen. Er behauptet, sein Handeln den Regeln der geheimen
Gerichtsbarkeit anpassen zu müssen, was zu Untätigkeit führt. Deshalb beschließt K., selbst eine Ein-
gabe zu verfassen und bei Gericht einzureichen.


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...Inhaltsangabe 3

Je weiter er sich auf den Prozess einlässt, desto unkonzentrierter und unwilliger geht er seiner Arbeit
nach. Der Stellvertreter des Bankdirektors übernimmt deshalb K.’s Aufgaben. Entsetzt erkennt K.,
dass immer mehr Leute von dem Prozess wissen. Ein Bankkunde empfiehlt ihm, den Maler Titorelli
um Rat anzugehen: dieser sei ein Vertrauensmann des Gerichts.

In Titorellis Atelier erfährt K., dass er trotz seiner Unschuld nicht mit einem Freispruch rechnen kön-
ne, weil es den faktisch nicht gebe. Seiner Verurteilung könne K. nur durch eine scheinbare Frei-
sprechung oder durch Verschleppung entgehen. K. solle seine Entscheidung für eine der beiden
Möglichkeiten überlegt, aber zeitnah treffen und wiederkommen.

Auf dem Dachboden des Hauses, in dem der Maler wohnt, befinden sich ebenfalls Gerichtskanz-
leien.

Kaufmann Block – Kündigung des Advokaten


K. erscheint bei Huld, um ihm die Vertretung zu entziehen. Er begegnet dort dem Kaufmann Block,
dessen Prozess sich im sechsten Jahr befindet. Huld gibt sich Mühe, um K. davon zu überzeugen,
das Mandat aufrechtzuerhalten.

Im Dom
Im Herbst bekommt K. an einem Regentag von seinem Direktor den Auftrag, einem italienischen
Geschäftsfreund den Dom zu zeigen. Der Italiener erscheint nicht zur verabredeten Zeit. Stattdes-
sen wird K. zu einem Geistlichen geführt, der K. bei seinem Namen ruft und sich als Gefängniska-
plan zu erkennen gibt.

Der Geistliche informiert K. darüber, dass der Prozess schlecht für ihn ausgehen werde. Zudem
habe K. zuviel Hilfe gesucht, insbesondere bei Frauen. Um K.’s schlechte Meinung über das Ge-
richt zu verändern, erzählt er ihm die Geschichte eines Mannes vom Lande, der Einlass zum Gesetz
fordert. Ein Türhüter verhindert das. Bis zum Ende seines Lebens harrt der Mann neben dem Türhü-
ter aus und wartet auf Einlass. Auf seine Frage, warum er der einzige Mensch an der Tür sei, erfährt
er, dass der Eingang nur für ihn persönlich bestimmt gewesen sei. K. ist verwirrt und diskutiert mit
dem Kaplan die Bedeutung der Geschichte.

Fahrt zur Mutter [Fragment**]


Da der Prozess zum Stillstand gekommen zu sein scheint, nimmt K. zwei Wochen vor seinem ein-
unddreißigsten Geburtstag Urlaub, um seine Mutter zu besuchen.

Ende
Am Abend vor K.’s einunddreißigstem Geburtstag erscheinen zwei Männer, um ihn wortlos ab-
zuführen. K. stellt unterwegs fest, dass kein Gericht ein Urteil über ihn gefällt hat. Er wird zu einem
Steinbruch gebracht und mithilfe eines Fleischermessers hingerichtet.
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Der Prozess
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Hauptpersonen 1

Josef K.
• Kafka verwendet nur die Initiale K. um seiner Hauptfigur einen Namen zu geben, so
wird der Rest des Namens und der Person unwesentlich. → K. ist jedermann
• arbeitseifrig und karrierefreudig
• Prokurist in einer Bank (hohe Position), erst der Prozess gefährdet seine Karriere
• „Workaholic“ → kaum soziale Kontakte, keine Hobbys, trotzdem nur kleine Wohnung
• keine feste Partnerin (außer Elsa, die bei Gelegenheit mit Leni ersetzt wird, nur Sex)
• Vater tot, zu Mutter kaum Kontakt → oberflächliches/kein Verhältnis zu Verwandten
→ Besuch des Onkels erschreckt ihn, dieser besucht ihn nur wegen der Familienehre
(K. ist wegen seines Berufs gut für die Familie, doch wegen des Prozesses kann die
Familie in Verruf geraten → Onkel leiten nur egoistische Motive)
• Grund für Verhaftung wird nicht genannt, K. hat aber manchmal Schuldgefühle (vor
Hinrichtung der Überzeugung, er müsse sich selbst das Messer in den Bauch rammen)
• nimmt den Prozess zunächst nicht ernst, später ändert sich dies allerdings stark, fixiert
sich sogar auf das Gericht (erscheint unaufgefordert zum zweiten Mal)
→ geht sogar freiwillig zum Gericht → Anzeichen für Wichtigkeit
• Prozess nimmt ihn stark psychisch mit (bricht in der Nähe von Kanzleien zusammen,
Konzentration bei der Arbeit lässt nach, Müdigkeit steigt)
• will diese Probleme nicht wahrhaben, schiebt sie auf körperliche Beschwerden
→ hat Probleme, Signale seines Körpers zu deuten (?)
• ignoriert seine Gefühle, sozial isoliert, Workaholic, Fixierung auf das Gericht,
Suizidgedanken → Hang zum selbstzerstörerischen Verhalten
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...Hauptpersonen 2

Fräulein Bürstner
- FB → Felice Bauer
- Nachbarin von Josef K. in der Pension
- Josef fängt sie am Abend seiner Verhaftung extra im Flur ab, um sich bei ihr für die
Umstände zu entschuldigen, die seine Verhaftung gemacht hat
- küsst sie daraufhin intensiv auf Hals und Gesicht

(der erste Eindruck täuscht:) K. kennt Frl. Bürstner kaum, sie scheint nur eine untergeordnete Rolle
zu spielen.
• „er hatte mit ihr nicht viel mehr als die Grußworte gewechselt“

(zu bedenken ist:)


• Wächter und K. betreten in ihrer Abwesenheit ihr Zimer; Ihr Nachttisch dient als Ersatz für einen
Verhandlungstisch
• die Bluse wird während ihrer Abwesenheit erwähnt.
• (K´s Gedanken vor dem Besuch des Advokatn sind eine Selbsttäuschung:)
„Fräulein Bürstner stand mit dem Prozess in keiner Verbindung“

(Wahrheit ist:)
• das Verhältnis zu Frl. Bürstner schwankt entsprechend dem Prozess
• Vor der Hinrichtung glaubt K. Frl. Bürstner in der Ferne zu sehen; letzte vage Erinnerung an die
Liebe zu einer Frau, die es im Roman nicht gibt
• auffällig ist, dass K. den Ruf von Frl. Bürstner verteidigt; dass er sich Sorgen um sie macht; dass er
den Namen eines Zimmernachbars (auf den er wegen ihr eifersüchtig ist) nennt, als er den Weg
zum Verhandlungssaal nicht findet

→ Frl. Bürstner spielt gegen den ersten Anschein eine zentrale Rolle, auch wenn sie als Handelnde nur im 2.
Kapitel vorkommt: Verschränkung der auffällig wiederholten Zeichen „Zimmer/Kissen/Bett/Tisch/
weibliche Kleidung (Bluse)“ mit dem Frl. Bürstner. Vermutung berechtigt, dass sie als einzige der Fraue als
Heiratsobjekt in Frage kommt.
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...Hauptpersonen 3

Frau Grubach
- Vermieterin der Pension, in der Josef K. wohnt
- er spricht nur einmal mit ihr (nach der Verhaftung)

Josefs Onkel Karl


- kommt „vom Lande“ -> Rest der Familie ebenfalls (?)
- bis er von der Verhaftung seines Neffen hört, hat er keinen Kontakt zu ihm
- fährt direkt zu ihm, um ihn über den Prozess auszufragen
- macht im Gegensatz zu K. keinen Hehl aus seiner Sorge
- vermittelt sofort den Kontakt zu Advokat Huld, der Josef aber kaum weiterhilft

Advokat Huld (Anwalt)


- alter Schulkollege von Josefs Onkel
- erklärt sich dazu bereit, den Fall zu übernehmen
- ist herzkrank und muss deshalb vom Bett aus arbeiten
- Josef K. wird nach und nach immer unzufriedener mit der Arbeit des Anwalts (keine
positiven Fortschritte, K. wird immer nur vertröstet)
- eitel (schwärmt von seinen „großartigen“ Kontakten)
- beteuert ständig, dass die Fertigstellung der „ersten Einreichung“ kurz bevorstehe
- hält moralische Vorträge, stellt aber keine Fragen zu Josefs Schuld
- Josef K. entzieht ihm schließlich die Verantwortung für den Fall
- beim ersten Treffen ist der Kanzleidirektor anwesend -> Kontakte zum Gericht (?)
- nutzt K. möglicherweise zu seinen finanziellen Gunsten aus oder er braucht
tatsächlich mehr Zeit und Geduld, den Fall zu bearbeiten

Leni
- Pflegerin des Advokaten Huld
- jung (wird als Mädchen beschrieben, auch wenn ihr genaues Alter nicht erwähnt wird)
- kontaktfreudig, neugierig, offensiv
- möchte um jeden Preis Kontakt mit K.
-> wirft für Aufmerksamkeit Teller gegen eine Wand, um K. aus dem Raum zu locken
- Plan glückt
- hat Kontakte zum Gericht und will diese zugunsten von K. nutzen
- spricht offen über seine Geliebte Elsa und möchte offenbar ihre Position einnehmen
- küsst ihn aggressiv (wie Josef K. seine Nachbarin) und schläft mit ihm
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...Hauptpersonen 4

Elsa
- Geliebte von Josef K.
- tritt im Buch selbst nicht auf, sondern wird nur erwähnt
- weiß nichts vom Prozess
- arbeitet abends und nachts in einem Weinlokal als Kellnerin
- wird von K. Leni gegenüber weder als sanft noch als freundlich beschrieben
-> scheinbar oberflächliche und lockere Beziehung, K. liegt offenbar nichts an ihr

Gerichtsmaler Titorelli
- K. versucht, über ihn Informationen über das Gericht zu erlangen
- verspricht, K. irgendwie zu helfen
- seiner Ansicht nach gibt es drei Arten, den Prozess ungestraft zu überstehen:
1. Echter Freispruch (Das Gericht entscheidet den Freispruch von sich aus)
2. Scheinbarer Freispruch (Maler müsste eine Musterformulierung für den Freispruch
verwenden und für K.s Unschuld bürgen, ginge in Richtung Dokumentenfälschung)
3. Verschleppung (Es wird auf Zeit gespielt, indem ständig neue Zeugen etc. erfunden
werden. So wird der Prozess am Laufen gehalten und ein Urteil hinausgeschoben)
- erwähnt, dass es äußerst schwierig sei, das Gericht von seiner Unschuld zu
überzeugen, wenn es erst einmal an die Schuld eines Angeklagten glaubt, egal welche
Beweise vorliegen

Gefängniskaplan (Gefängnispfarrer)
- erwartet K. in einem Dom, obwohl er als Kunde angekündigt wurde
- ist im Staatsdienst und weiß von Josefs Prozess
- kennt vermutlich den Sinn des Prozesses, gibt ihn aber nur verschlüsselt weiter
- erzählt Josef die Parabel „Vor dem Gesetz“, gibt aber keine klare Interpretation
(erwähnt einige Möglichkeiten, verwirft sie aber wieder, offenbar um K. zu verwirren)
- konkrete Absicht hinter dem Treffen bleibt unklar
- weist K. den Weg, als dieser sich am Ende des Treffens im dunklen Dom verirrt
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Parabel: „Vor dem Gesetz“

Die vielfältigen Deutungsmöglichkeiten des Romans können exemplarisch an der Parabel „Vor
dem Gesetz“ gezeigt werden.

Lebensschicksal des Mannes vom Lande im Vergleich mit dem von Kafka.
(Psychologisch-, Biografische- Auslegug)
• Motive des Wartens, Motive der Unterlassung
(Studium, zögern im Zusammenhang mit den gescheiterten Beziehungen zu Frauen)
• der Vater als Bollwerk und Türhüter von Kafkas Willen
→ Kafka fühlt sich körperlich und geistig abhängig von seinem Vater
→ kann sich sein Leben lang nicht von dem übermächtigen Vaterbild lösen.

Übereinstimmungen zwischen K. und dem „Mann vom Lande“:


• beide wollen mehr über das Gesetz erfahren, kommen aber nicht weit
• beide sind „unwissend“
• beide folgen blind Autoritäten
• sind eher passiv und abwartend
• beide sind abhängig von der Hilfe von Anderen (Frauen ↔ Flöhe)
• beide „opfern“ ihr Leben für ihren Prozess
• erst am Ende werden dem Mann und K. deutlich, dass sie hätten handeln können/ müssen
(Fragen bei K. und dem Mann)
• kein sichtbarer Lernprozess
• beide werden getäuscht/ lassen sich täuschen (von sich selbst?)
• beide hätten einen individuellen Weg gehen können

der Türhüter (Symbol für Gericht) als Vaterfigur:


• Türhüter bestimmt über das Leben des Mannes
• wird jedoch nicht brutal geschildert
• Machtlosigkeit des Mannes
• Respekt und Angst vor dem Türhüter
• Türhüter will nur das Beste für den Mann, kann das jedoch nicht vermitteln
• Türhüter begleitet Mann sein ganzes Leben lang
→ trotzdem unpersönliche Beziehung
• Türhüter als Hindernis für den Mann
• Mann befolgt alle Anweisungen
• Türhüter „geht über seine Pflicht hinaus“
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K´s Wandlung im Prozess

K vollzieht die Wandlung von einem zumindest in Anlagen reflektierten, selbstbestimmten Men-
schen zu einem unreflektierten (Hund), diffusen, fremdbestimmten sein.

Am Ende des Romans zeigt K zwar Versuche der Auflehnung, fügt sich jedoch in fast allen Belan-
gen und führt sich somit quasi selbst in den Tod.

Auflehnung Gehorsam
• „An welchem Theater spielen sie?“ • „Sie sind also für mich bestimmt?“
• „Erst auf der Gasse, ich bin nicht Krank“ • geht selbstverständlich, ohne Wiederstand
• „Ich gehe nicht weiter!“ → probt Widerstand mit
• „ließen ihn die Wegrichtung bestimmen“ • „Gleich aber vor dem Tor hängten sie
• erfüllt seine „Pflicht“ das Messer selbst zu sich ein“
führen nicht • K und seine Henker bilden eine Einheit
• hinterfragt ein letztes Mal • keine Hoffnung, leistet keinen Wiederstand
mehr, hört auf seine Henker
• erkennt wertlosigkeit seines Wiederstands
• rflektiert sein damaliges, dynamisches
Verhalten und sieht es jetzt als unrichtig an
• sein Ordnungsglaube lässt ihn seine Sachen
ordentlich zusammenlegen
• setzt sich wehrlos im Steinbruch hin
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Motive und Symbole 1

Schuld:

Was ist Schuld?

1. Strafrechtliche Definition
• Vorwerfbarkeit eines falschen Verhaltens/Verstoß gegen eine bekannte/geltende
Rechtsordnung → Schuldfähigkeit?

2. Moralische Definition
• Verstoß gegen sittliche Normen/gegen eigenes Gewissen
• freiwillige Einsicht, dass es eine Zuwiderhandlung ist

3. Religiöse Definition
• Sünde vor Gott (Fehlverhalten gegen andere und das eigene Gewissen
• Reue (vollkommen und unvollkommen

→ Schuldvorstellungen sind unterschiedlich ausgeprägt


→ vom rechtlichen Standpunkt aus kann man durchaus frei von schuld sein und dennoch aus
ethischer und moralischer Sicht Schuld auf sich geladen haben.

Merkmale der Schuld im „Proceß“:

• K. wird im Verlauf des Prozesses zunehmend schuldig


• Das Gericht wird von K.s Schuld angezogen
• Schuldige haben auf die Frau des Gerichtsdieners eine erotisierende Wirkung
• Huld weist K. auf den Aberglauben hin, man könne die Schuld eines
Beklagten an dessen Lippen ablesen; der Antragsteller, mit dem K. in den Kanzleien
spricht, liest dessen Lippen – und erschrickt!

Die Schuld K.s könnte bestehen in:

• Seiner Unkenntnis des Gesetzes und seiner Weigerung, den Weisungen des
Gerichts Folge zu leisten
• Der Tatsache, dass er sich seinen Mitmenschen entzieht und keine Bindung aufrecht
erhalten kann
• Seinem berechnenden, egozentrischen Charakter
• Seinem Versagen als Mitmensch (Prügler-Szene, Erna, Frau des Gerichtsdieners)
• Die Weigerung, die ihm zugemutete Schuld anzuerkennen
(und im Festhalten an seiner Unschuld)
• Seiner Hingabe an den Beruf (und damit in seiner Entfremdung vom Ich)
• Seiner Hingabe an den Prozess (und in der Vernachlässigung seiner weiteren Verpflichtungen)
• Seiner Unfähigkeit, seine existenzielle Schuld (oder: die Erbsünde) wahrzunehmen
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Motive und Symbole 2

Schuld:

Kafka zeigt in Metaphern das Verborgene und Verdrängte aus der Seele des Josef K. auf. So ist
die Kammer im Kapitel der Prügler auch ein Sinnbild für das Verdrängte in ihm.
Kafkas Werk beschreibt die Versuche des Angeklagten Josef K. sich von der ihm auferlegten
Schuld zu befreien.

Doch nicht nur die äußere Schuldfrage ist bedeutsam, es geht auch um die innere Schuldzuwei-
sung, das schlechte Gewissen, die sowohl Josef K., als auch Kafka selbst, bewegt. Die Äußeren
Vorgänge sind stets Stellvertreter für das was in seinem Inneren vor sich geht. Der Prozess gegen
Josef K. ist eigenetlich ein innerer Kampf von Kafka gegen sich selbst und seine Schuldgefühle

Josef K. wandelt im ganzen Roman zwischen zwei Extremen: Zum Einen versucht er die Anklage
abzustreiten, will sie verdrängen, zum Anderen geht er in die Offensive. Bis zum Kapitel im Dom
wechselt er zwischen diesen Polen hin und her, erst am Ende gibt er auf. Was bleibt ist Scham. Der
Zusammenhang zwischen Schuld und Scham ist mit einigem Nachdenken schlüssig - wer etwas
getan hat, sich also schuldig gemacht hat, der schämt sich dafür nachdem er seine Schuld er-
kannt hat. Das Ende des Romans ist als kein Zufall.
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Motive und Symbole 3

Frauen:

Insgesamt fällt auf:


• K. wird von den ihn umgebenden Frauen verehrt (Ausnahme: Fräulein Bürstner)
• K. „wirbt Helferinnen“, nutzt deren Gerichtsbezug für seine Zwecke (Objektbeziehung zu Frauen)
• Fräulein Bürstner scheint in Verbindung zum Prozess zu stehen
(Gespräch nach der Verhaftung, Auftauchen auf dem Weg zur Tötung K.s)

Drei Frauentypen treten auf:


• Die verlockende, fremde, rätselhafte Frau : Leni, Elsa, Frau des Gerichtsdieners
(K. steht immer in Konkurrenz zu anderen Männern);
• Die Mutterfigur: Frau Grubach, K.s Mutter (verwitwet oder unverheiratet, Ausfall der Vaterfigur)
• Die Unschuldige, Reine, Hilfreiche: Fräulein Bürstner, Fräulein Montag, Erna,
Mädchen in der Kanzlei (halten Distanz zu K. oder sind seinem Zugriff entzogen)

Allen 5 Frauen (Frl. Bürstner, Frau des Gerichtsdieners, K´s Freundin Elsa, Leni die Pflegerin des Advo-
katen Huld, Hasterers Freundin Helene) haftet etwas Dirnenhaftes, Unheimliches an

Ordnung & Unordnung

Ordnung (reinheit & vernunft) Unordnung (Begehren, Triebe, Sinnlichkeit)


• geregelter Tagesablauf • Prozess bringt Unordnung

→ idealität → realität
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Motive und Symbole4

Das Gericht:

• tagt im „Sitzungssaal“, durch den man Zugang durch die Wohnung des Gerichtsdieners erhält;
die Gerichtskanzleien befinden sich auf dem Dachboden dieses Mietshauses und weiterer
Gebäude
• existiert parallel zum (öffentlichen) Gericht im Justizpalast
• wird von K.s Schuld „angezogen“ und zieht gleichermaßen K. an
• ist allgegenwärtig; alle Figuren in K.s Umgebung sind darauf bezogen - K. steht unter
ständiger Beobachtung
• dringt in K.s Alltag (Wohnung, Bank) ein.
• ist unentrinnbar (Titorelli: „Es gibt bei Gericht kein Vergessen“), ist ein Modell der Auswegslosigkeit
• ist unproduktiv (es wird kontinuierlich, aber ergebnislos gearbeitet)

• intransparent & unzuverlässig -> unfähige Organisation


• von den Menschen entfernt
• Prozesse drehen sich im Kreis -> Angeklagter kann Gericht nicht entkommen
• Bestechlichkeit/Korruption
• weitläufige Organisation -> Rangordnung & Steigerung unendlich
• menschlich inkompetent

Die Richter
• sind Teil einer unendlichen Hierarchie, K. begegnet nur untergeordneten Grade des
Gerichts – ähnlich undurchschaubar ist der Helferbereich (Grade der Advokaten), der fest mit
der Gerichtswelt verbunden ist.

Das Gericht als innerpsychischer Prozess:

• K. erkennt, dass er sich nur selbst helfen kann (ruft Staatsanwalt nicht an)
• das Gericht wird von Schuld angezogen
• das Gericht ist überall, K. sucht es freiwillig auf
→ Gericht basiert auf Freiwilligkeit, eventuell Gedanken die K. zulässt oder nicht
• erkennt Verfahren & damit seine Schuld an
• K. lässt alle im Unklaren

Gericht = Uhrwerk, Über-ich


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Motive und Symbole 5

...Das Gericht:

Parallelen zur NS-Zeit:

• Menschen ignorieren „Schreie der Gemarterten“, wie K. die Schreie der Wärter
• Scham stärker als Anstand, sogar Menschenleben werden riskiert
• man hofft durch verleugnen, dass das Unrecht einfach aufhört
→ letztlich wird so das System gestärkt
• System kann dem Leben einen Sinn geben → Opferrolle
• Anpassung an System führt dazu, dass man selbst zum Opfer wird
• Hunde-Metapher - tragische Ironie → Parallelen zwischen Prügler Szene & Ermordung K.s:
K. stirbt wie ein Hund, weil er die Möglichkeit sich & andere zu retten, nicht ergreift

Das Gesetz (Über-Ich) wird von der Schuld (Es) angezogen



Prozess betrifft ausschließlich K , erfolgt ausschließlich aus seiner Perspektive
→ Es handelt sich um ein metaphorisches Gesetz

innerpsychischer Kampf und Prozess von K. (Ich)

Parallelen zwischen Franz Kafka und Josef K.

- Kafka litt sein Leben lang unter seinem strengen, autoritären Vater
- Initialen Josef K. stehen auch stellvertretend für K.= Kafka
- Kafka arbeitet in einer Versicherung, eine Branche die den Banken sehr ähnlich ist
- beginnt im August 1914 im Alter von 31 Jahren mit dem Prozess
- Am Vorabend seines 31. Geburtstages entlobt er sich mit Felice Bauer, hier lässt Kafka
seinen Helden Josef K. sterben. Er fährt zu ihr und hat eine folgenschwere Aussprache in
ihrem Hotelzimmer, fast so wie die Untersuchung in dem Zimmer der Frau Bürstner in Josef
K.s Pension.

Im Folgenden führt Kafka einen Prozess mit sich selbst, verurteilt sich und fühlt sich schuldig. Er hat
auch seiner Familie gegenüber große Schuldgefühle, da er Felice Bauer bereits schon einmal
heiraten wollte. Diese Schuld, dieser innere Prozess, findet sich auch im fragementarischen Werk
wieder-in der Proceß ist das zentrale Thema schuldig sein ohne etwas getan zu haben( Jemand
musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines
Morgens verhaftet.).
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Methoden der Interpretation

Textimmanente Deutung
• konzentriert sich der Beziehung entsprechend auf die Struktur des Textes und untersucht, wie
sich dessen Tile zuenander verhalten.
• fragt zB bei einer Kurzgeschichte nach dem Thema, dem Motiv, dem Aufbau der Handlung,
dem Personengfeüge, der Erzählperspektive, nach Räumen und Zeiten, dem Motiv,
nach Symbolen, Metaphern, Vorrausdeutungenund Rückwendungen.
• Einflüsse auf den Dichter sind nicht Gegenstand der textimmanenten Interpretation!

Psychologische Deutung
• befasst sich zB mit Kafkas Schuldgefühlen im Prozess, die aus seinen vergeblichen Versuchen
eine eigene Familie zu gründen oder aus Kafkas Autoritätsfixierter Vaterbeziehung resultieren.
• Auch die Hemmungen beim Schreibvorgang in Kafkas Schaffensprozess werden
psychologisch gedeutet.

Soziologische Deutung
• verscht einerseits in Anlehnung an biografische Methoden das Werk vom gesellschaftlichen
Umfeld des Autors zu verstehen
(Kafka als Jude, seine Freude, sein Arbeitsplatz, sein Leben in Prag)
• andererseits begreift sie Schilderungen des Werks als Reflex bestehender oder Vorwegnahme
künftiger Gesellschaften. zB Kafkas Darstellung des Beamtenapperats, der Verfügbarkeit und
Wertlosigkeit des Individuums angesichts der Macht staatlischer Institutionen wie Justiz und
Bürokratie
• “politische Interpretation“ ist eine pezielle Form der soziologischen Interpretation

Philosophische Deutung
• Schoppenhauer, Nietzsche und Kierkegraad sind die Philosophen, die Kafka besonders
beeindruck haben
• Auf Schoppenhauer gehen zB Gedanken von der Täuschung der sinnlichen Welt, an das
Leiden der Menschen in der Welt und an die Schuld des Geborenseins zurück.
• an Nietzsche erinnert Kafkas Zweifel an der Fähigkeit des Menschen die Wahrheit erkennen
zu können und sein Verzicht auf positive Definition Gottes, an deren Stelle Aussagen über das,
was Gott nicht ist und Paradoxa getreten sind, stellt eine Verbindung zu Kierkegraad her.

Theologische Deutung
• Bezüge zur Bibel, Religion
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Entstehung und Quellen

Die Romanentstehung ist stark mit Kafkas eigener Lebenssituation verbunden (Verlobung mit Fe-
lice Bauer, Entlobung im Juli 1914, seine ungeliebte Arbeit als Versicherungsangestellter). Sein Brief-
wechsel mit der Berliner Angestellten Felice Bauer zeugt von seinem Konflikt zwischen dem Traum
von einer freien Schriftstellerexistenz und der Absicht zu heiraten. Aber auch der Ausbruch des
Ersten Weltkrieges dürfte ein Anstoß zur Arbeit am Roman gewesen sein. Kafkas kreative Schreib-
phase begann ab August 1914 und versiegte im Dezember 1914, der Roman blieb unvollendet.

Arbeitsweiden Kafkas:
• schrieb komplett durcheinander
• ausschließlich Entstehungskorrekturen (keine Bearbeitungskorrekturen)
• Schwierigkeit bei der Beendigung
• einzelne Handlungsfäden können auf Grund der Größe des Manuskripts aus dem Blick geraten
• Schreibblockade (nach bzw während Urlaub)
→ vor Urlaub ca 200 Seiten; anschließend nur noch ca 80 Seiten
• keine chronologische Abfolge
• aus dem Schreibfluss heraus

Stil und Sprache Kafkas

• nüchterner, sachlicher, unbeteiligter Sprachstil


• von seiner Arbeit als Jurist geprägt
• gezielter Einsatz sprachlicher Mittel
• monoperspektivisches, personales Erzählen

„Kafkaesk“
• kristallklar, hart, spröde, äußerst einfach (← Form seiner Sprache)
• realistisches Angehen des Unrealistischen
• detailliertes beschreiben des Unbeschreiblichen
• Sprache: außergewöhnlich und für sich selbst stehend
• kein Verhältnis von Beschreibung und Inhalt
• das scheinbar Unwichtige wird detailliert beschrieben und das vermeitlich Wichtige
wird umschrieben
• verwendung von Wiedersprüchen