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A – Amerikanische Revolution bis 2.

Weltkrieg
1. Zeitalter der Revolutionen
a. Der Weg in die amerikanische Unabhängigkeit
i. Geschichte Neuenglands
• 1600-1750: Entstehung der englischen Kolonien
• Ab 1699 Einführung mehrerer Steuern und Einschränkungen
• 1768: „no taxation without representation“ àVerkündung der
Selbstverwaltung, erste Kämpfe
è4. Juli 1776: Unabhängigkeitserklärung
ii. Merkmale der Verfassung
• Gewaltenteilung: „checks and balances“
• Präsident als wichtiges Organ der Exekutive mit vielen Befugnissen
• Freie Wahlen
iii. Der amerikanische Bürgerkrieg
• Im 19. Jahrhundert: Masseneinwanderung aus Europa; Erschließung des
„Wilden Westens“
• Norden (Industrie, für Schutzzölle, gegen Sklaven) ó Süden (Landwirtschaft,
für Freihandel und Sklaverei)
• 1860: Zusammenschluss der Südstaaten zu Confederations àKrieg;
Kapitulation des Südens 1865
• Ergebnis: Sieg der Nordstaaten; Wiederherstellung der Einheit; Verbot der
Sklaverei; keine Schutzzölle
b. Die Französische Revolution
i. Ursachen
• Absolutismus ó Aufklärung
• Finanzkrise durch Merkantilismus, stehendes Heer und verschwenderische
Hofhaltung àtrifft 95% der Bevölkerung (3. Stand)
• Anspruch des Absolutismus (König=Leviathan) ó Wirklichkeit (Egoismus
und Verschwendungssucht)
ii. Zeitleiste
• 14. Juli 1789: Sturm auf die Bastille durch Nationalgarde
• 26. August 1789: Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte
• 1791: Verfassung
o Nation wird von Nationalversammlung und König repräsentiert
o Starker König (Vetorecht)
o Besitzende Männer über 25 haben Wahlrecht
• Terrorherrschaft durch die Jakobiner unter Robespierre ab 2. Juni 1793
• 28. Juli 1794: Ermordung Robespierres durch die Guillotine
• Herrschaft des Direktoriums bis 1799
iii. Revolutionskriterien
• Umwälzung aller Lebensbereiche
• Krisenbewältigung
• Große Trägerschaft „von unten“

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• Explosionsartig und dauerhaft
• Gewaltsam
iv. Aufstieg und Fall Napoleons
• 1799: Staatsstreich, 1804: Kaiserkrönung
• Napoleon Herr über Europa
• 1811/12: gescheiterter Russlandfeldzug, 1813/14: Völkerschlacht bei Leipzig
àAbdankung, Napoleon ins Exil nach Elba
• 1815: Herrschaft der 100 Tage; Fall in der Schlacht bei Waterloo
• 1815-1821: 2. Exil auf St. Helena; Tod 1821
2. Industrialisierung
a. Ideologien
i. John Locke
• Grundgedanke: Mensch Individuum mit Rechten
• Staat zum Schutz der Menschen; unter ständiger Kontrolle
• Einfluss auf amerikanische und französische Verfassung
ii. Karl Marx
• Mit Friedrich Engels Begründer des Sozialismus („Das Kapital“)
• Kritik an Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung und Kapitalismus
• Theorie des Marxismus: Klassenlose Urgesellschaft àSklavenhaltung
àFeudalismus àKapitalismus àSozialismus (Übergangsphase mit Diktatur
des Proletariats) àKommunismus èKlassenloser Gesellschaftsmensch; Staat
als Beschützer
iii. Adam Smith
• Wirtschaftsliberalismus: Staat behandelt Geschäftsmänner gleich, sorgt für
Sicherheit
• Individuum zwischen Angebot und Nachfrage
b. Länder
i. Phasen
• Leichtindustrielle Phase: Baumwollindustrie von 1760-1840
• Schwerindustrielle Phase: Eisenbahnbau von 1830/40-1880
• Phase der „neuen“ Industrie: elektrotechnische Industrie von 1880/90-1910
• England ab 1780/90
• Westeuropa + Nordamerika ab 1820/30
• Osteuropa + Japan ab 1860/70
èganze Welt
ii. Entwicklungsland Deutschland
• Politik: Föderalismus und Absolutismus
• Wirtschaftliche Einschränkungen
• Keine guten Rohstoffvorkommen
• Keine Kolonien, kaum Überseehandel
• Fehlendes Knowhow
èRückständigkeit Deutschlands um 1800
• Liberalisierung der Wirtschaft àProtektionismus und Schutzzollpolitik
• Ausbau der Infrastruktur

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èZunehmende Wettbewerbsfähigkeit, Industrialisierung ab 1820/30
iii. USA
• Imperialistische Außenpolitik ab 90er wegen inländischen Krisen
àDollarimperialismus
• Open door policy: freier Zugang zu allen Märkten
èwirtschaftliche Vormachtstellung
c. Veränderungen
i. Veränderungen
• Produktionswandel
• Ausweitung des Handels: Kolonien, Welthandel
• Großbanken und Aktiengesellschaften
• Medizinischer Fortschritt
• Bevölkerungsexplosion àviele neue Arbeitskräfte
• Unternehmer ó Arbeiter
• Ungesunde Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit, Wohnungselend
• èPauperismus
• Maßnahmen gegen den Pauperismus von Unternehmern, Arbeitern, Kirche
und Staat
3. Das 19. Jahrhundert in Deutschland
a. Revolution 1848/49
i. Deutscher Vormärz
• Kräftegleichgewicht soll wiederhergestellt werden
Wartburgfest 1817, Hambacher Fest 1832, Schlesische Weberaufstände 1844
èUnmut im Volk wächst: Kampf gegen den Biedermeier, die Monarchie
ii. Verlauf
• Beginn in Deutschland am 1. März 1948, Aufstände in ganz Europa
• 28. März 1949: Paulskirchenverfassung
• Wilhelm 4. lehnt Krone ab (3. April), Preußen schlägt Aufstand nieder
iii. Gründe für das Scheitern
• Politische Unmündigkeit der Revolutionäre
• Überforderung, Politik zu gestalten; fehlende Tatkraft und Selbstvertrauen
• Diskrepanz zwischen politischer Vision und politischer Realität
b. Das deutsche Kaiserreich
i. Der Weg zur Gründung
• 1862: Bismarck wird preußischer Ministerpräsident
• Vormachtstellung Preußens in Deutschland
• 1870/71: Deutsch-französischer Krieg
• Preußischer König wird deutscher Kaiser, preußischer Ministerpräsident wird
Reichskanzler
• Verfassung des deutschen Reiches: Konstitutionelle Monarchie;
undemokratisch: Macht Kaiser/Kanzler à schwache Volksvertretung
• Handels- (1865), Straf- (1872) und Bürgerliches (1900) Gesetzbuch
ii. Die Politik des Kaiserreichs
• Innenpolitik
o Kulturkampf gegen die Kirche
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o Maßnahmen gegen die Sozialdemokraten: Sozialistengesetz 1878
o Sozialgesetzgebung der 80er: Sozialversicherungssystem
• Außenpolitik
o Ab 1871: geschickte Bündnispolitik
o Ab 1884: Gemäßigter Kolonialismus
o 1890: Entlassung Bismarcks durch Kaiser Wilhelm II.
o Imperialismus („Ein Platz an der Sonne“)
o Neue Bündnisse ohne Deutschland àMächtegleichgewicht in Europa
zu Ungunsten Deutschlands verschoben
iii. Gesellschaft und Kultur
• Aufstiegsmöglichkeiten durch Militär, wirtschaftlichen Erfolg, Bildung
• Bevölkerungswachstum und Urbanisierung
• Bessere Arbeitsbedingungen (Lohn, 10h-Tag, Medizin…)
• Frauen als Arbeitskraft
• Konsumkultur àWarenhäuser, großer deutscher Absatzmarkt
4. Der Erste Weltkrieg
a. Ursachen
• Wettrüsten aller Großmächte
• Keine Bündnispolitik àEinkreisung Deutschlands, Bündnisse zwischen R-GB-F
• Ermordung des österreichischen Kronprinzen Franz Ferdinand, Sarajevo (28.06.1914)
• Ziele: Territoriale Gebietsgewinne, Befriedigung der Nationalitätenkonflikte und
wirtschaftliche Gründe (USA)
b. Der Krieg
i. Entwicklung
• Offensivkrieg Deutschlands im Westen und Osten (1914/15)
• Stellungskrieg: erstarrte Fronten (1915-18)
• Krieg in Kolonien, See- und Luftkrieg
• Materialschlachten („Hölle von Verdun“)
• Neue Waffen (Giftgas, Panzer)
• Einsatz der Zivilbevölkerung für Kriegsproduktion à „Totaler Krieg“
ii. Kriegsende
• Erfolglose Offensiven àverstärkte Friedensbemühungen
àWaffenstillstandsverhandlungen
• 11.11.1918: Waffenstillstand; 28.6.1919: Friedensvertrag von Versaille
iii. Innere Verhältnisse Deutschlands
• Kriegsbegeisterung àErnüchterung àKriegsmüdigkeit
• Abdankung des Kaisers
c. Pariser Friedensverträge 1919-22
• Kriegsschuldparagraph, Versailler Vertrag: allgemeine Kriegsschuld Deutschlands
• Territoriale Bestimmungen: Verlust von 13% des deutschen Staatsgebietes und aller
Kolonien, Auflösung von Ö/U und des Osmanischen Reiches
• Entmilitarisierung Deutschlands
• Reparationszahlungen Deutschlands an GB und F
5. Weimarer Republik
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a. Gründungszeit 1919-1924
i. Verfassung:
• Kompromissverfassung, da viele Parteien; Monarchisten ó Republikaner
• Starker Reichspräsident àNotstandsbestimmungen in Art. 48
• Keine eindeutige Gewaltenteilung
• Keine 5%-Klausel
ii. Bedrohungen der Weimarer Republik
• Links- und rechtsradikale Aktivitäten àpolitische Morde
• Wirtschaftskrise: Reparationszahlungen, ab 1923 schnelle Inflation
• Justiz: „Auf dem rechten Auge blind“
iii. Außenpolitik
• Grundansatz: Revision des Versailler Vertrags
• Ziele: Anerkennung der territorialen Integrität, Integration Deutschlands in
Europa (Völkerbund) àHauptakteur: Gustav Stresemann
b. Innere und äußere Entspannung 1924-1929
• Währungsreform zu Reichsmark
• Neuregelung der Kredite: amerikanische Kredite (Dawes- und Young-Plan)
• 8h-Tag, Arbeitslosenversicherung
• Nachlassen rechts- und linksradikaler Aktivitäten
c. Das Scheitern 1929-1933
• Weltwirtschaftskrise
• Politische Radikalisierung: Wahlgewinne der KPF und NSDAP
àBeschlussunfähigkeit des Reichstags
• Missbrauch der Weimarer Verfassung von Hindenburg durch Art. 48 und 25
6. Das Dritte Reich
a. Die „deutsche Volksgemeinschaft“
i. Grundpfeiler des Nationalsozialismus
• Gleichschaltung der Erziehung: Verbot aller Einrichtungen, nur HJ
• Überlebenskampf der Völker: aggressiver Volksbegriff mit Sozialdarwinismus
• Prozess gesellschaftlicher Homogenisierung
ètotale Gleichschaltung
ii. Gleichschaltung
• Ziel: Herstellung einer konfliktfreien Volksgemeinschaft
• Bis Sommer 1933 Beseitigung der Weimarer Parteien und der Gewerkschaften
iii. Hitler-Jugend (HJ)
• Seit 1922, Gesetz über Hitlerjugend (1. Dezember 1936)
• HJ neben Schule und Elternhaus allein für Erziehung zuständig
• 1939: 8 Mio. Mitglieder
iv. Bilanz
• Ziel der Volksgemeinschaft = Vernichtung der pluralistischen Gesellschaft
durch totale Gleichschaltung
• Nationalsozialismus = moderne Zustimmungsdiktatur (von 1934-1943)
• Schwerpunkt liegt auf Jugend
• Gründe für Gelingen:
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o Vernichtung der Parteien und Gewerkschaften
o Integrationskraft des „Volksführers“ Hitler
o Vollbeschäftigung, sozialpolitische Reformen
o Außenpolitischer und militärischer Erfolg
b. Rassenpolitik
• Bis 1939: Vorbereitung der Volksgemeinschaft auf den Krieg
• Ab 1939: Völkermord an Juden, ab 1941: „Endlösung der Judenfrage“
• Ab 1938: Ermordung behinderter Kinder (Euthanasie) und Arbeitsunfähiger
• Bereits 1933 50.000 Menschen in Haft (politisch), 85 KZ in Deutschland
• Justiz: Ungleiches Strafmaß gemäß politischer Interessen
c. Widerstand und Emigration
• Trägerschaft: alte Arbeiterbewegung
• Aktionen: Exil, Untergrund, Gegenpropaganda, Georg-Elser-Attentat, Putschversuche
• Reaktionen: Verhaftungen, Ermordungen, KZ, „Exempel statuieren“
èDeutscher Widerstand sehr gering: ca. 150.000 (0,5%); àMut und Kraft fehlen
d. Hitlers Außenpolitik
i. Kampf gegen Versailles
• 14. Oktober 1933: Austritt aus Völkerbund
• 16. März 1935: Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht
• 7. März 1936: Remilitarisierung des Rheinlands
• Massive Friedenspropaganda Hitlers bis 1938
ii. Territoriale Expansion
• Plan Hitlers: Raumkrieg spätestens 1943
• Große Gebietsgewinnung in Europa
• Großbritannien und Frankreich: Appeasementpolitik àVerhinderung eines
Krieges um jeden Preis
• 1. September 1939: Einfall in Polen unter Inszenierung eines Kriegsgrunds
à3. September: F und GB erklären D den Krieg
è2. Weltkrieg
iii. Bündnissystem
• Abhängigkeit Italien- Deutschland
• Westpolitisches Dreieck: Deutschland – Italien – Japan durch „Antikominern-
Pakt“ 1936
• Hitler-Stalin-Pakt am 23. August 1939: Zweckbündnis mit Hintergedanken,
„Teufelspakt“

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B – Deutschland 1945-1949
1. Kriegsziele der Alliierten bis zur Besatzungsherrschaft
a. Konferenz von Jalta
i. Allgemein
• 4.-11. Februar 1945
• Die „Großen Drei“: Roosevelt, Churchill, Stalin
ii. Interesse Stalins
• Territoriale Gewinne (Polen, Balkan)
• Hohe Reparationssumme (Vorschlag: 10 Mrd. € an Sowjetunion)
iii. Interesse Roosevelts
• Errichtung der Vereinten Nationen – seit Atlantik-Charta (1941, zwischen
Roosevelt und Churchill) größtes Ziel
• Zusage Stalins zum Kriegseintritt in Japan
• Eindämmung des Expansionsdrangs der Sowjetunion
iv. Gemeinsame Ziele
• Aufnahme Frankreichs mit eigener Besatzungszone
• Entwaffnung und Entmilitarisierung Deutschlands
• Hohe Reparationen
v. Sonstiges
• Frankreich ist gekränkt àblockiert gemeinsame Entscheidungen
• Aufteilung Deutschlands schon auf Teheraner Gipfelkonferenz im November
1943 propagiert, aber erscheint den Westalliierten (besonders GB) zunehmend
ökonomisch nachteilhaft
b. Potsdamer Konferenz
i. Allgemein
• 17. Juli-2. August 1945
• Harry S. Truman, Stalin, Churchill (Nach Wahlniederlage ersetzt durch
Clement Attlee (Labour Party)) – nicht Frankreich
• Zeitlich befristete Funktion
• Hoffnung Deutschlands auf neuen Staat
ii. Potsdamer Abkommen
• Errichtung eines Außenministerrats der fünf Hauptmächte (USA, GB, UdSSR,
F, CH)
• Regierungsgewalt in Deutschland durch Oberbefehlshaber der Streitkräfte
• Abrüstung, Entmilitarisierung
• Auflösung der NSDAP, SS und SA àVerurteilung
• Entnazifizierung und Demokratisierung
• Dezentralisierung und Dekartellisierung
• Reparationszahlungen gesondert an die Alliierten
• Oder-Neiße-Grenze zu Polen
• Königsberg und nördliches Ostpreußen an UdSSR
c. Vertreibung der Deutschen
• „ordnungsmäßige Überführung“
• Vertreibung der Deutschen aus Polen, Ungarn, Tschechoslowakei à „ethnische
Säuberung“, äußerst inhuman

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d. Errichtung der Besatzungsherrschaft
i. Berliner Deklaration
• 5. Juni 1945, Eisenhower, Schukow, Montgomery, Tassigny
• Festlegung der militärischen Kapitulationsbedingungen
• Einrichtung des Alliierten Kontrollrats
ii. Alliierter Kontrollrat
• Treffen der vier Oberbefehlshaber bei gesamtdeutschen Angelegenheiten
• Entscheidungen nur einstimmig
• Koordinierungsausschuss des Kontrollrats drei Mal im Monat bis März 1948
iii. Besatzungszonen
• Einrichtung bis August 1945
• Frankreich: Baden-Baden, USA: Frankfurt
• Konrad Adenauer als deutscher Politiker aktiv
• Deutsches Verwaltungspersonal nach „Weißen Listen“ eingesetzt
2. Infrastruktur und Gesellschaft
a. WBZ
i. Allgemein
• Großstädte (Köln, München) und Verkehrsadern komplett zerstört
• 16 Mio. Obdachlose und Flüchtlinge
• Vorräte reichen bis Winter 1946/47
ii. Versorgungsengpässe
• Winterkrise 1946/47: Ernährungs-, Energieversorgungs- und Verkehrskrise
• Industriekapazität nur noch 50% von 1938
• Nahrungsmittelbedarf wird nur zu 60% gedeckt
• Kein funktionierender Außenhandel
• Aufblühen des Schwarzmarkts und des Tauschhandels
• Amerikaner senden Care-Pakete
èUSA und GB sehen Notwendigkeit eines wirtschaftlich stabilen
Deutschlands in Europa
iii. Gesellschaftsprobleme
• 8 Mio. Kriegsgefangene àEntlassung von 5 Mio. im ersten Jahr
• Zwangsarbeit in sowjetischen Arbeitslagern bis 1956
• 9,6 Mio. Heimatvertriebene aus dem Osten àUSA, GB und UdSSR nehmen
jeweils ca. 3 Mio. auf, FR nur 50.000
b. SBZ
• Ziel: „neue Gesellschaft“, Kommunismus
• 13 mal höhere Reparationsforderungen als WBZ, Demontage
• Enteignung von Großgrundbesitzern, Kriegsverbrechern und Nazis
• Notwendigkeit einer Planwirtschaft wird erkannt
c. Bestrafung der Schuldigen
i. Allgemein
• Schon 1943 Bestrafung der Schuldigen angekündigt
• Tatbestände im August 1945 veröffentlicht: Verschwörung gegen den Frieden,
Verbrechen gegen die Menschlichkeit und (neu) Vorbereitung und
Durchführung eines Angriffskriegs
ii. Hauptkriegsverbrecherprozesse
• Beginn am 20. November 1945 in Nürnberg
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• Anklage von 24 Personen und 6 Kollektiven
• Großteil: Todesstrafe àVollstreckung am 16. Oktober 1946
• Freie Berichterstattung der Presse sorgt für viel Aufmerksamkeit
iii. Nürnberger Nachfolgeverfahren
• Einzelne Prozesse in den Besatzungszonen (Ärzteprozesse,…)
• Beginn der Aufklärung über Nationalsozialismus
• Prozess gegen Adolf Eichmann 1961 in Israel
• Viele ehemalige Nazigrößen begehen Selbstmord oder tauchen in Südamerika
unter
3. Demokratisierungsprozess
a. Entnazifizierung
i. Allgemein
• 8,5 Mio. Deutsche waren Mitglieder der NSDAP
• Richtlinien vom Alliierten Kontrollrat im Oktober 1946:
o Hauptschuldige, Belastete, Minderbelastete, Mitläufer, Entlastete
ii. SBZ
• Sehr konsequent, „antifaschistisch-demokratische Umwälzung“
• Bis Ende 1946 Entlassung von 400.000 NSDAP-Mitgliedern
• Einrichtung von Speziallagern
o Problem: auch zur Nutzung politisch Andersdenkender, inhuman
o Bis 1950 50.000 Inhaftierte und 12.000 Tote àTabu in der DDR
• Austausch von Fachleuten
• Ab 1947 zunehmend Rehabilitationsgedanke
• Irreversible Entlassung in Verwaltung und Justiz: 1946: Entlassung 85% aller
Richter und Staatsanwälte àErsetzung durch schnellausgebildete Volksrichter
iii. ABZ
• Anfangs große Motivation, Schwung geht ab 1948 verloren
• Obligatorischer Fragebogen mit 131 Fragen
• Gründliche und harte Verfolgung, Internierungslager
• Ab Frühjahr 1948 Lockerung der Verfahren, Schnellverfahren
àAnspruch scheitert an Wirklichkeit
iv. Re-education
• Herstellung eines demokratischen Systems
• Schließung aller Schulen nach der Besetzung, Wiederöffnung notgedrungen
schon im Herbst 1945 durch Einsatz von Pensionären und Studenten
• SBZ:
o 8 Jahre Einheitsschule + 4 Jahre weiterführende Schule
o Ausbildung von 40.000 Lehrern
o Priorität: Kinder der Arbeiterschaft
• FBZ:
o In Anlehnung an frz. Schulsystem Elitenbildung
o Französisch als Sprache
• BBZ/ABZ:
o Schulreformen werden in die Hand der Deutschen gelegt
o Wunsch: Schulpflicht bis 15, Gesamtschule
b. Parteigründungen
i. SBZ

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• Zulassung von Parteien ab dem 10. Juni 1945
• Gründung der KPD, SPD, CDU, LPD (=Liberal-Demokratische Partei)
• Führungsanspruch der ostzonalen SPD
• Förderung der KPD von der Sowjetischen Militäradministration (SMA)
• Unter Druck werden SPD und KPD am 21./22. April 1946 vereinigt
àGründungsparteitag der Sozialistischen Einheitspartei (SED), Vorsitzende
Otto Grotewohl (SPD) und Wilhelm Pieck (SED)
ii. WBZ
• Ab August 1945 Lizenzerwerb bei Erfüllung demokratischer und freier
Bedingungen
• Gründung der KPD, SPD, CDU/CSU, Liberale, Bayernpartei, Zentrumspartei
• Kurt Schumacher (SPD) verhindert Zusammenschluss mit der KPD
• Konrad Adenauer ab 1946 Vorsitzender der CDU
• Verbot rechtsradikaler Parteien und Parteien, die Flüchtlinge unterstützen
c. Kulturpolitik
i. Allgemein
• Ziel: vielfältiges Angebot zur pädagogischen Erziehung
• Juli 1945: Gründung des „Kulturbunds zur demokratischen Erneuerung
Deutschlands“
• Amerikanische Importe in Belletristik
ii. Presse und Rundfunk
• Alliierten übernehmen Massenmedien àvorerst Verbot der öffentlichen
Kommunikation
• Bis 1949 in WBZ viele deutsche und alliierte Zeitungen
• In SBZ Bevorzugung der SED
• Große Papierknappheit
• Nach Vorbild des BBCs Einrichtung eines öffentlich-rechtlichen
Rundfunksystems àhält sich bis in die 80er
4. Wirtschaftsentwicklung
a. Demontagen und Reparationen
• Demontage von FR und UdSSR exzessiv betrieben àschadet Produktivität
• Grundsatz: Aufrechterhaltung eines mittleren Lebensstandards in Deutschland
• Reparationsansprüche der Nichtalliierten werden auf Pariser Reparationskonferenz
Ende 1945 geregelt
• In SBZ Umwandlung von Betrieben in Sowjetische Aktiengesellschaften (SAG)
à20% aller Unternehmen werden verstaatlicht
• SBZ treibt 66 Mrd. Mark ein
• Interesse der Amerikaner an Fachkräften àRaketentechnik
• Demontagen verstärken Hoffnungslosigkeit der Deutschen
b. Hilfsprogramme für Europa
• Westalliierte entscheiden sich für neue Deutschlandpolitik àunterstützen Europa mit
Krediten zur Abwehr kommunistischer Einflüsse
• Sicherung amerikanischer Absatzmärkte
• Bis 1952 3 Mrd. $ nach Deutschland
• UdSSR lehnt Hilfe ab und verbietet sie auch Polen und CSSR àZwei-Fronten-
Bildung
c. Marktwirtschaft und Währungsreform
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• Ludwig Erhard wird im März 1948 „Wirtschaftsminister“ der Bizone àwird Vater
der sozialen Marktwirtschaft
• Geheime Aktion ohne UdSSR
• 1. März 1948: Gründung der Zentralbank „Bank deutscher Länder“
• Abwertungsverhältnis 10:1
• Lastenausgleich zwischen sozialen Extremen à1952: Lastenausgleichsgesetz
• 20. Juni 1948: Einführung der D-Mark
• Preise steigen, Schwarzmarkt bricht zusammen
• Wirtschaftswunder setzt mit einiger Verspätung ein
• SBZ reagiert drei Tage später mit eigener Reform
5. Ost-West-Konflikt
a. Besatzungszonen
i. Bizone als Vorläuferin des Weststaates
• Bevölkerung bewundert Amerikaner und fürchtet Russen
• Französische Sonderwünsche und russische Reparationsforderungen
blockieren die Einheit
• Vorschlag des amerikanischen Außenministers Byrnes, wirtschaftliche Zone
zu bilden
• Wichtiger Akteur: amerikanischer Oberbefehlshaber General Lucius D. Clay
• Verschmelzung am 1. Januar 1947 àerster Schritt zur Gründung der BRD
ii. Moskauer Außenministerkonferenz
• Frühjahr 1947
• Zeitgleich zur Truman-Doktrin àkeine Einigung, Spaltung Deutschlands
längst Realität
b. Berlin
i. Allgemein
• 1948 3,2 Mio. Einwohner
• Jeder der vier Sektoren hat einen Stadtkommandanten
• 2. April 1948: dreitägige „kleine Luftbrücke“
• Streit um Gültigkeit der neuen Währung in West-Berlin à23. Juni 1948:
Lichter gehen aus, West-Berlin isoliert
ii. Luftbrücke
• Einziger Zugang: Luftweg
• „Luftbrücke“ unter General Lucius D. Clay von USA und GB
• Transport von Lebensmitteln, Kohle, Maschinen…
• Im 3-Minuten-Takt landet ein Flugzeug
• Kostet 200 Mio. $
• Seit November 1948 Sondersteuer „Notopfer Berlin“
• Aufhebung am 12. Mai 1949
ègeteilte Stadt, Westdeutschland nimmt Angebot zur Gründung an
6. Staatsgründungen
a. Gründung der BRD
i. Weicheneinstellungen
• Seit Frühjahr 1948 geplant, Frankreich wird überzeugt
• „Magnettheorie“: Gründung der BRD wird die SBZ anziehen
• 7. Juni 1948: „Londoner Empfehlungen“ àUmrisse des deutschen Staates
ii. Frankfurter Dokumente
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• Repräsentanten werden am 1. Juli 1948 nach Frankfurt eingeladen
• Alliierten offenbaren Möglichkeit der Staatsgründung
• Dokumente:
o Verfassungsrechtliche Bedingungen
o Länderneugliederung
o Grundzüge eines Besatzungsstatus‘
àklare Weisungen
• Einstellung in westlichen Parteien positiv bei Vorbehalten
èEinverständnis zur Errichtung der BRD
iii. Erarbeitung des Grundgesetzes
• Wollen aus Fehlern der Weimarer Republik lernen
• Parlament, neutrales Staatsoberhaupt àGrundgesetzentwurf
• Uneinigkeiten werden bis Frühjahr diskutiert
• 8. Mai 1949: Verabschiedung des Grundgesetzes
iv. Entstehung der BRD
• Inkrafttreten des GG am 24. Mai 1949
• Bonn = Bundeshauptstadt
• Wahlkampf: Kurt Schumacher ó Konrad Adenauer
• Ergebnis der ersten Bundestagswahl 1949:
o CDU 31%, SPD 29%, FDP 13%, BP 4%, DP 4% àKoalition CDU –
FDP – DP
• 20. September: 1. Regierungsansprache àGeburtsstunde der BRD
b. Gründung der DDR
• Als Reaktion auf westliche Bestrebungen eigene Initiative
• Deutscher Volkskongress und Volksrat
• Ausschuss erarbeitet Verfassungsentwurf
o Grundrechte, Privateigentum
o Enteignung von Großgrundbesitzern
o Sozialisierung von Bodenschätzen
o Parlamentspräsident = Staatsoberhaupt
• Einheitslistenwahl zum Entwurf àangeblich 66% dafür
• 7. Oktober 1949: Volkskammer der DDR (330 Abgeordnete), Gründung
• Otto Grotewohl wird Ministerpräsident, Wilhelm Pieck Präsident der DDR
• Auflösung des SMA zur Sowjetischen Kontrollkommission (SKK)
• Grundsätze: Freundschaft zur Sowjetunion und Antifaschismus

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C – Deutschland in den 50er Jahren
1. Politische Entscheidungen und Einstellungen in der BRD
a. Staatsaufbau
i. Grundsätze
• Grundlagen der Politik bereits in 40ern festgelegt
• Politische Aktivität/Interesse der Bevölkerung gering
• Grundrechte unveräußerlich
• Geringer Handlungsspielraum des Präsidenten
• konstruktives Misstrauensvotum
• Parteien haben große Bedeutung
• Keine Volksentscheide
• Bundesverfassungsgericht ab 1951 in Karlsruhe
ii. Parteien und Wahlen
• 5%-Klausel ab 1953
• Verbot von SRP (1951) und KPD (1956)
• CDU:
o Bundesweite Partei erst ab Oktober 1950 durch Zusammenschluss der
Landesverbände
o Gründervater Konrad Adenauer
o 31% - 45% - 50% - 45% àKanzlerpartei
• CSU:
o Josef Müller àab 1961 Franz-Josef Strauß
o 1954 in Bayern in der Opposition
o Aufnahme vieler kleiner Parteien: DP, BP…
• FDP:
o In Aufbau und Überzeugung sehr flexibel
o Vertretung aller liberalen Parteien
o 12% - 10% - 8% - 13%
• SPD:
o Alleinige Opposition
o Für Planwirtschaft aber Distanzierung vom Kommunismus
o Kritik der Deutschland-, Wiederbewaffnungs- und
Westintegrationspolitik
o 1959: Godenberger Programm àmoderne Volkspartei
o Willy Brandt von 1957-1966 Berliner Bürgermeister
o 29% - 29% - 32% - 36%
è3 Fraktionen im Bundestag
iii. Verbände
• Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) ab 1949, tritt für Arbeitnehmer ein
b. Innenpolitik
i. Soziale Ordnung
• Erstes Wohnungsbaugesetz April 1950
• Bundesversorgungsgesetz 1950 und Lastenausgleichsgesetz 1952
• Rentenreform 1957 àAnkopplung an Lohn
ii. Volksmeinung

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• 1950 noch viele für autoritäres Regime àlangsame Entwicklung eines
Demokratieverständnisses
• Sicherheitsbedürfnis àAdenauer perfekt geeignet
• CDU-Losung: „Keine Experimente!“ (1957)
iii. Umgang mit NS-Vergangenheit
• Ungleiche Behandlung
• Integration ehemaliger NS-Funktionäre
• Wiedergutmachungsabkommen mit Israel am 10.09.1952
• Abgrenzung von rechtsextremen Parteien
• Aufarbeitung über Medien mäßig
èBedürfnis, einen Schlussstrich zu ziehen
c. Außenpolitik
i. Ziele
• Herstellung der außenpolitischen Souveränität
• Westintegration (oberste Priorität)
• Einheit
ii. Wirtschaftliche Integration
• Höchste Priorität hat gute Beziehung zu Frankreich
• Auf Initiative des frz. Außenministers Robert Schumann am 23. Juli 1952
Gründung der Montanunion (=Europäische Gemeinschaft für Kohle und
Stahl)
• Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG)
• Adenauer: Forderung militärischer Zugeständnisse wegen Kaltem Krieg
• Pariser Verträge
o Oktober 1954, Inkrafttreten am 5. Mai 1955
o Ablösung des Besatzungsstatus‘
o Beitritt zur Westeuropäischen Union (WEU)
o Beitritt zur NATO
o Volksentscheid im Saarland à68% für Deutschland, Eingliederung
1957
o Die 3 Westmächte erkennen die BRD als einzigen deutschen Staat an
o Bundeswehr max. 500.000 Mann
• Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur UdSSR 1955 àFreilassung der
letzten 10.000 Kriegsgefangenen
iii. Stalin-Noten
• 10. März 1952: Vorschlag zur unmittelbaren Gründung eines neutralen
deutschen Staats
• Antwort am 22. März: Ablehnung, da Konrad Adenauer es nur für eine
Strategie hält àProtest der Opposition
iv. Bundeswehr
• 1957 Einführung der allgemeinen Wehrpflicht
• „Staatsbürger in Uniform“
• Stationierung von Atomwaffen in der BRD
v. Deutschlandpolitik
• Alleinvertretungsanspruch für ganz Deutschland nach der Hallstein-Doktrin
àVerzögerung der internationalen Anerkennung der DDR
èvon beiden Seiten nur Wiedervereinigungsrhetorik
vi. Berlin-Frage
14
• Zuspitzung bis zum Mauerbau am 13. August 1961
2. Aufbau der DDR
a. Partei neuen Typus
i. Entwicklung der SED seit 1947
• Anspruch auf alleinige Vertretung der Arbeiterschaft
• Organisationsprinzip nach Lenins „demokratischem Zentralismus“ àRealität:
nur Zentralismus, Fraktionsverbot
• Vorbild KPdSU, Unterordnung
ii. Merkmale
• Einparteien-Herrschaft
• Willkürliche Machtausübung
• Zentralistische Planung der Wirtschaft
iii. Politische Gleichschaltung
• Aufhebung der Grenze zwischen SPD und KPD
• Politische Verfolgung à1950/51 Entlassung von 150.000 Parteimitgliedern
(der SPD)
• „Säuberung“ anderer Parteien: alle Parteien in „antifaschistischem Block“
zusammengefasst
• Freier Deutscher Gewerkschaftsbund (FDGB) à4,7 Mio. Mitglieder
• Freie Deutsche Jugend (FDJ) à1,5 Mio. Mitglieder
• Souveräner Staat ab 1955
• Waldheimer Prozesse: Beispiel für juristische Willkür
• Kampf gegen die evangelische Kirche (wie im Dritten Reich)
• Ministerium für Staatssicherheit:
o Spionage im kapitalistischen Ausland, später Überwachung der
eigenen Bevölkerung
o Kontrolle der Justiz àKorruption
o 1 Mitarbeiter auf 180 DDR-Bürger àflächendeckendes Netz
b. 17. Juni 1953
i. Ursachen
• Forcierter Ausbau des Sozialismus
• Wirtschaftsreformen
• Aufbau einer Armee
• Steuererhöhungen für die Mittelschicht
• Normerhöhungen für die Arbeiter
àRücknahme der Änderungen für die Mittelschicht, aber Beibehalten der
Normerhöhung um 10%
ii. Forderungen
• Rücktritt der Regierung
• Freie und geheime Wahlen
• Wiedervereinigung
iii. Folgen
• Im Osten:
o Westen wird beschuldigt
o Ausmaß des Streiks wird verschwiegen à„hatten alles im Griff“
àkein Arbeiteraufstand, sondern Propaganda
15
• Im Westen:
o Instrumentalisierung zu blutigen Revolution im Osten
o Solidarisierung
àVerurteilen des Vorgehens der DDR
c. Vorübergehende Stabilisierung ab 1956
• Beruhigung der Bevölkerung
• Einführung der Jugendweihe àSchwächung der Kirche
• Preise für Lebensmittel sinken àLebensstandard steigt
• Phase der Entstalinisierung
• Ulbricht schaltet Konkurrenten aus und wird nach dem Tod von Wilhelm Pieck
Vorsitzender des Staatsrats
d. Krise und Mauerbau
i. Vorgeschichte
• Bauern werden in LPG gezwungen àZiel: Vollkollektivierung
èAnstieg der Flüchtlingszahlen, Versorgungskrise
ii. Berlin-Ultimatum
• Berlin-Ultimatum von Chruschtschow zur Umwandlung Berlins
• Gegenrede Kennedys am 25. Juli 1961
• Ulbricht am 15. Juni 1961: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu
errichten“
• Sowjetunion und Warschauer Pakt genehmigen Mauerbau
iii. Mauerbau
• 12./13. August 1961: Abgrenzung durch Stacheldraht
• Innerhalb weniger Tage Verriegelung West-Berlins durch Mauer (später mit
Kontrollstreifen, Selbstschussgeräten…)
• Reaktion des Westens zurückhaltend
• Gründe für Mauerbau:
o Wohlstandsgefälle zur BRD
o Fehlende Legitimation der SED
o Radikale soziale Umgestaltung ohne Rücksicht
iv. Folgen
• 899 Mauertote
• Stabilisierungs- und Modernisierungsprozess in der DDR
• Gesellschaft fügt sich ein àRückzug ins Private
3. Wirtschaft
a. BRD 1945-1961
i. Konsolidierung bis 1952
• Anlaufschwierigkeiten àArbeitslosenquote steigt auf 12% àAmerikaner
fordern schon Kursänderung
• Allmählich Entspannung
• Zur Wiederherstellung der Kreditwürdigkeit Tilgung der Nachkriegsschulden
nach Londoner Abkommen vom 27. Februar 1953
ii. Das „Wirtschaftswunder“ ab 1952
• Große Export-Erfolge dank guter Industriestruktur
• Hochqualifizierte und –motivierte Arbeitskräfte
• Strukturwandel: 14% LW – 48% I – 38% DL
• Anstoß durch European Recovery Program à1,4 Mrd. DM
16
• Besserer Handel durch Westintegration in EWG
• Wenig Handel mit Osteuropa
iii. Fazit
• Wachsender Wohlstand
• Industriegesellschaft, De-Agrarisierung
• Wirtschaftliche Westintegration
• Ausländische Fnanzhilfen
èWirtschaftswunder
b. DDR
i. Aufschwung in den 50ern
• Hohes Wirtschaftswachstum zu Beginn wegen guter Industrie
• Erfolge der chemischen Industrie
• Hochqualifizierte Fachleute kehren aus der Sowjetunion zurück
• Ziele:
o Erhöhung des privaten Verbrauchs
o Ausbau der Infrastruktur
o Absicherung der Investitionen
ii. Probleme
• Umschwung von Leicht- zu Schwerindustrie
• Kriegszerstörungen, Demontagen, Reparationsleistungen
• Einbindung in industriell rückständig osteuropäischen Raum
• Arbeitskräfteverlust durch Westabwanderung (3,1 Mio.)
• Neue Eigentumsordnung àStaat hat Kontrolle
iii. Lebenslage
• Seit der Gründung deutlich verbessert
• Wohnungsnot
• Versorgungsengpässe
4. Gesellschaftliche Entwicklung
a. Soziale Strukturen in der BRD
i. Allgemein
• Moderne Industrie- und Mittelstandsgesellschaft
• Rentenreformen 1957
ii. Arbeitsgesellschaft
• 22 auf 26 Mio. Erwerbstätige
• Arbeitslosenquote von 11% auf 1,3% àVollbeschäftigung
• Zunehmend Frauen: 37% aller Arbeiter
• Zunehmend Jugendliche: 70% aller 15-20 Jährigen
• 49-Stunden-Woche à44-Stunden-Woche 1960, 5-Tage-Woche
iii. Flüchtlinge und Vertriebene
• Zunehmende Integration
• 800.000 Deutsche wandern nach Übersee aus (àUSA)
• Lastenausgleichfonds
• Starker Aufstiegswille
iv. Ehe und Familie
• Oft Vernunftehen
• Gleichberechtigungsgesetz 1957, Frauen in Ehe aber immer noch benachteiligt
v. Jugend und Erziehung
17
• „Jugendnot“ àmiserable Wohnverhältnisse
• 1960: 20% der 16-jährigen gehen in die Schule, geringer Mädchenanteil
• Lehrer- und Raummangel
• Verbesserung beruflicher Qualifikation
vi. Wohnungsbau
• Im 2. Weltkrieg 20% zerstört
• Bis 1960 dramatische Wohnungsnot
• Bau von 5 Mio. Sozialwohnungen bis 1960
vii. Lebensstil
• „Jahrzehnt des Sparens“, Verdopplung der Einkommen
• Autotrend
• Enge familiäre Bindungen, Häuslichkeit
• Sport
b. Kultur in der BRD
• Bild eher negativ, da Ausrichtung auf Wiederaufbau
• Rückbesinnung auf Humanismus
• Trümmerliteratur der „Gruppe 47“ (Heinrich Böll, Martin Walser,…)
c. Kultur in der DDR
i. Bildungspolitik
• Ziel: Erziehung zum neuen „sozialistischen Menschen“
• Gleiches Recht auf Bildung ab 1946
• Enger Zusammenhang von Disziplin und Pädagogik
• 8-klassige Grundschule + 4 Jahre weiterführende Schule
• „Polytechnische allgemeinbildende Oberschule“ ab 1959 (94%)
• Hochschulreform: Grundstudium Kommunismus und Russisch
ii. Politische Erziehung
• FDJ à1959 84%, Nichtmitgliedschaft hat Nachteile
• Jugendweihe à „Wissen ist besser als Glaube“, 1959 80%
• Kunst hat bewusstseinsbildende Rolle àfreier Zugang zu Institutionen

18
D – Zeiten des Wandels: Deutschland 1961-1974
1. BRD 1963-66
a. Ende der „Ära Adenauer“
i. „Präsidentschaftskrise“ 1959
• Nachfolgersuche für Theodor Heuss, Vorschlag Adenauers: Ludwig Ehrhard
àlehnt ab
• 7. April 1959: Adenauer schlägt sich selbst vor, zieht auf Kritik hin Vorschlag
zwei Monate später wieder zurück
èKritik an Adenauers politischem Kalkül
• Heinrich Lübke wird bis 1969 Bundespräsident
ii. Fernsehstreit
• Bemühungen Adenauers, Sender der Bundesregierung aufzustellen
• Fernsehurteil: Bundesverfassungsgericht erklärt Gründung des „Deutschland-
Fernsehen GmbH“ für verfassungswidrig
• Ministerpräsidenten errichten „Zweites Deutsches Fernsehen“ (ZDF),
Arbeitsaufnahme am 1. April 1963
iii. 4. Bundestagswahl
• CDU/CSU 45% (-5%) àbenötigen Koalitionspartner
• FDP (13%) erklärt sich bereit, wenn Adenauer innerhalb seiner Amtszeit
zurücktritt
iv. „Spiegel“-Affäre
• Franz-Josef Strauß ab 1956 Verteidigungsminister
• Fordert aggressives Militärverhalten gegenüber dem Osten
• Spiegel in Hamburg kritisiert seine Politik
• 10. Oktober 1962: Spiegel-Artikel, in dem Verteidigungsfähigkeit
Deutschlands in Frage gestellt wird
• 26./27. Oktober: Durchsuchung und Räumung der Spiegel-Redaktion auf
Auftrag des Verteidigungsministeriums wegen Tatverdacht des Landesverrats
• Große Kritik an Aktion, da falsche Durchführung und Gefährdung der
Meinungs- und Pressefreiheit
• FDP und SPD fordern Rücktritt von Strauß
• Adenauer bildet neues Kabinett ohne Strauß und tritt als Reaktion im Herbst
1963 zurück
èSieg der Öffentlichkeit
b. Wirtschaftskrise 1966/67
• Erste Wirtschaftskrise der BRD
• Wirtschaftswachstum sinkt von 9% (1960) bis auf -0,2% (1967)
• Arbeitslosenquote steigt von 0,7% (1965) auf 2,2% (1967)
• Gründe:
o Nachlassende Investitionsbereitschaft der Privatwirtschaft
o Konjunkturschwäche: Bundesbank verteuert Kredite
o Sparprogramm der Regierung vom 29. Oktober 1965, um Steuerausfälle zu
decken
c. Außenpolitik
i. Zwischen Israel und den arabischen Staaten
• BRD unterstützt Israel mit Wiedergutmachungskrediten (3,5 Mrd. €)
19
• Arabische Staaten erhalten westdeutsche Kredite, solange sie die DDR
ignorieren
• 1964 liefert BRD Israel Panzer und Flugzeuge àGamal Ab del Nasser lädt
Walter Ulbricht ein
• BRD steht unter Druck, gibt Nassers Forderung nach, keine Waffen mehr in
Krisengebiete zu liefern
• Am 7. März 1965 beginnt die BRD diplomatische Beziehungen mit Israel
àGroßteil der arabischen Staaten beendet Beziehungen zur BRD
èBRD steht im Spannungsfeld des Ost-West-Konflikts
d. Schatten der Geschichte
i. NS-Prozesse
• Aufarbeitung des Nationalsozialismus
• Prozess gegen ehemaligen SS-Obersturmbandführer Adolf Eichmann in Israel
• Auschwitz-Prozess ab 20. Dezember 1963: nach vierjähriger Vorbereitung
Anklage 20 ehemaliger Aufseher
ii. Verjährungsdebatte
• 1965 steht Verjährung aller NS-Verbrechen an (nach 20 Jahren)
• Heftige Debatten: politisch-moralische Entscheidung ó Gefährdung der
Rechtssicherheit
• Kompromiss: Verjährungsfrist auf 1970 verschoben
• Entwicklung bis 1979: keine Verjährung für Mord und Völkermord
iii. Wahlerfolge von rechts
• 1964: Gründung der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD)
• Wahlerfolge während der Wirtschaftskrise
• Diskussion im Bundestag um NPD-Parteiverbot
• Durch wirtschaftlichen Aufschwung verliert NPD an Bedeutung
e. Erhards Sturz
• 19. September 1965: Bundestagswahl
• CDU/CSU 48%, SPD 39% àKoalition mit FDP
• 27. Oktober 1966: FDP-Minister treten wegen angekündigter Steuererhöhungen
zurück
• Neue Regierungsbildung ohne Erhard àGroße Koalition CDU/CSU – SPD
• Ehemaliger Ministerpräsident B-Ws Kurt Georg Kiesinger wird Bundeskanzler
o War Mitglied der NSDAP
• Kritik an der SPD für Große Koalition àGünter Grass an Willy Brandt: „Diese
Entscheidung wird mich und viele meiner Freunde gegen Ihren und meinen Willen in
eine linke Ecke drängen.“
2. BRD 1966-69
a. Wirtschaftspolitik
i. Kabinett Kiesingers
• Finanzminister Franz-Josef Strauß (CSU)
• Wirtschaftsminister Karl Schiller (SPD)
• Außenminister Willy Brandt (SPD)
ii. Überwindung der Wirtschaftskrise
• Größtes Ziel
• Theorie John Maynard Keynes, dass der Staat in Krisenzeiten durch hohe
Investitionen die Wirtschaft wieder ankurbeln muss
20
• 1967 zwei große Konjunkturprogramme àRezession wird Boom
o Bruttoinlandsprodukt und Löhne steigen, Arbeitslosenquote sinkt
• Bundesbank senkt Zinsen
èBundesregierung und besonders SPD gewinnt vertrauen
• Reform: Staat reguliert mehr
o „Magisches Viereck“: Preisstabilität – Hoher Beschäftigungsstand –
außenwirtschaftliches Gleichgewicht - Wirtschaftswachstum
b. Innenpolitik
i. Parteifinanzierung
• Mehrere Verfassungsbeschwerden in den 60ern àabschließende Regelung
schreibt fest:
o Aufgaben der Parteien
o Prozess der demokratischen Willensbildung in der Partei
o Finanzierung und öffentliche Rechenschaftslegung
§ Wahlkampfkosten werden ab 0,5% der Stimmen erstattet
àParteien werden immer abhängiger von staatlicher Finanzierung
ii. Notstandsgesetze
• Nach langen Diskussionen am 30. Mai 1968 verabschiedet
• Bestimmte Befugnisse im Verteidigungsfall (Einsatz der Bundeswehr,
Verletzung des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses)
• Exekutive bleibt nach wie vor kontrolliert
c. Studentenbewegung
• Reaktion auf Große Koalition, Notstandsgesetze, Fehlen einer Hochschulreform,
Vietnamkrieg, selbstzufriedene Wohlstandsgesellschaft
• Ursprung: „Ostermarsch“-Bewegung der Atomwaffengegner
• Kern: Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS, früher Teil der SPD)
• Ideologisch am Marxismus orientiert
• Konfrontation beim Besuch des persischen Schahs am 2. Juni 1967
• 11. April 1968: Anschlag auf Rudi Dutschke àschwere Straßenunruhen
• Zerfall der Studentenrevolte durch Aufgeben der Gewerkschaften
d. Streikbewegungen
• Verlust der Autorität der Gewerkschaftsleitungen àSeptember-Streik 1969
èneues Selbstbewusstsein
• „wilde Streiks“ 1973 branchenübergreifend àviele Zugeständnisse
3. BRD 1969-74
a. Politischer Machtwechsel
i. Wandel in der FDP
• „demokratischer und sozialer Liberalismus“
• Neue Ziele: Chancengleichheit, neue Ost- und Deutschlandpolitik
• Neuer Parteivorsitzender Walter Scheel (ab1968), Ralf Dahrendorf
• Unterstützen sozialdemokratischen Bundespräsidenten Gustav Heinemann
àwird im März 1969 gewählt
ii. Bundestagswahlen vom 28. September 1969
• Spannungen zwischen SPD und CDU/CSU
• FDP nur 6%, da alte Wählerschaft verloren
• Gemeinsam mit SPD sozialliberale Koalition àMehrheit nur 254 zu 242
Abgeordnete
21
• Neuer Bundeskanzler Willy Brandt, Außenminister Walter Scheel
• Wandlungsfähigkeit des politischen Systems nach 20 Jahren CDU bewiesen
iii. Misstrauensvotum und Neuwahl
• Abwanderung von FDP und SPD zu CDU/CSU à294 zu 247 Abgeordnete
• Erstes konstruktives Misstrauensvotum am 27. April 1972 àabgelehnt
• Bundesregierung ordnet Neuwahlen an, um Handlungsfähigkeit
zurückzugewinnen
• 19. November 1972: SPD stärkste Kraft mit 46%, CDU/CSU 45%, FDP 8%
àMehrheit mit 272 zu 225 Stimmen
b. Neue Ostpolitik
• Ziel: entspannteres Verhältnis à „Wandel durch Annäherung“, Wiedervereinigung
nicht mehr zu erzwingendes Ziel
• Ostverträge vom 17. Mai 1972:
o Anerkennung der DDR- und der Oder-Neiße-Grenze
o Vier-Mächte-Abkommen über Berlin und Transitabkommen
o Anerkennung der DDR als souveräner und gleichberechtigter Staat, ohne
völkerrechtliche Anerkennung (Grundlagenvertrag)
c. Innenpolitischer Wandel
i. Allgemein
• „Wir wollen mehr Demokratie wagen“ – Willy Brandts Regierungsansprache
• Zahlreiche Reformen: Anpassung an neue Moral- und Wertvorstellungen
• Starke Wirtschaft finanziert Reformen bis zur Krise 1974
àEnde der „Politik der inneren Reformen“ mit Kanzlerwechsel im Mai 1974
ii. Strafrechtsreform
• Ziel: Resozialisierung (1969), einheitliche Freiheitsstrafe
• Neues Demonstrationsstrafrecht (1970)
• Abschaffung veralteter Straftatbestände im Sexualstrafrecht (Homosexualität)
• Streit um Paragraph 218 – Schwangerschaftsabbruch àReformversuch von
SPD und FDP, aber Kompromiss erst 1976 verabschiedet àWiderstand der
CDU/CSU und der katholischen Kirche
iii. Ehe- und Familienrecht
• Aktives Wahlrecht (1970) und Vollmündigkeit (1973) werden auf 18 Jahre
herabgesetzt àInkrafttreten 1975
• „Gesetz zur Neuregelung des Rechts der elterlichen Sorge“ zum Schutz der
Kinder, erst 1979 durchgesetzt
• 14. Juni 1976: Reform des Familien- und Eherechts
o Bei einer Scheidung tragen beide Partner Verantwortung, der finanziell
Stärkere unterstützt dabei den Schwächeren
o Namensrecht àName des Mannes wird nicht mehr automatisch
übernommen
o Beide Partner sind berechtigt, berufstätig zu sein
o Einführung von Familiengerichten
iv. Sozialversicherungssystem
• Drei Pfeiler (seit dem Kaiserreich/Weimar): Renten-, Kranken- und
Arbeitslosenversicherung
• Lohnfortzahlungsgesetz im Krankheitsfall im Juli 1969
• Rentenreformgesetz im September 1972: flexible Altersgrenze (60/63/65)
v. Mitbestimmung
22
• Betriebsverfassungsgesetz Januar 1972: Gewerkschaften werden in Betriebe
anerkannt
vi. Bildungsreform
• Deutscher Bildungsrat von 1965-75
• Mehr Chancengleichheit im Bildungswesen
• Größere Durchlässigkeit des Schulsystems
• Oberstufenreform 1972: Profilwahl der Schüler
• Erfolge: Abiturientenquote steigt von 5% auf 18%, Bildungsausgaben
verdoppeln sich
• Kapazitäten an Hochschulen werden auf dringenden Bedarf hin erweitert
d. Tendenzwende Anfang der 70er
i. Wirtschaft
• Stagflation:
o Stagflation: Stagnation des Wirtschaftswachstums bei Anstieg der
Preise und der Arbeitslosenzahl
o Karl Schiller fordert Sparpolitik, tritt wegen Ablehnung zurück
àNachfolger Helmut Schmidt
o Erstes Ziel: Stabilisierung der Preise
o Aufwertung der D-Mark im Vergleich zum Dollar
• Ölkrise:
o Seit Oktober 1973 steigt Ölpreis wegen Wirtschaftsboykott mehrerer
Ost-Staaten wegen des vierten Nahost-Kriegs mit Israel àKrise der
Weltwirtschaft
o BRD reagiert mit Sonntagsfahrverboten und
Geschwindigkeitsbegrenzungen
o Bruttosozialprodukt sinkt 1975 um 1,8%
o Diskussion über Rohstoffreserven
ii. Kanzlerwechsel 1974
• Seit 1972 Spaltung der SPD in rechten und linken Flügel
• Kritik am Führungsstil Willy Brandts, der zu passiv regiere
• Spionageaffäre um Willy Brandt: sein Referent, Günter Guillaume, war Spion
der DDR àWilly Brandt sieht sich persönlich geschwächt
• Rücktritt Willy Brandts am 6. Mai 1974 àEnde der sozialliberalen
Reformpolitik
• Nachfolger: Helmut Schmidt, Bundespräsident wird Bundespräsident, Hans-
Dietrich Genscher Außenminister
4. Die westeuropäische Integration der BRD 1963-74
a. Verhältnis zu Frankreich
• Adenauer befürchtet zu starke Dominanz der USA in Berlin àist an Gegengewicht
interessiert
• Charles de Gaulle für europäischen Staatenbund, gegen Aufnahme GBs in die EWG
• 22. Januar 1963 im Pariser Elysée-Palast deutsch-französischer Freundschaftsvertrag
o Außenpolitik, Verteidigung, Bildung, Jugendaustausch
• Im Bundestag „Atlantiker“ ó „Gaullisten“
b. Europa
i. Allgemein
• Besuch John F. Kennedys in Berlin à „Ich bin ein Berliner“

23
• Deutschland tritt 1963 Atomtest-stop-Vertrag bei
ii. EWG
• Beschlüsse der EWG werden durch Frankreich blockiert àwollen staatliche
Souveränität beibehalten àLuxemburger Kompromiss 1966
• Zollunion ab 1. Juli 1968
• Rücktritt de Gaulles am 28. Mai 1969, Nachfolger Georges Pompidou:
befürwortet Ausbau der EG
iii. EG
• Den Haager Gipfelkonferenzüber zum Beitritt von Dänemark, Irland,
Großbritannien, Norwegen
àIrland, Dänemark und Großbritannien ab 1. Januar 1978 vollberechtigte
Mitglieder (Norwegen scheitert am Volksentscheid)
• Außenpolitik wird im Nahostkonflikt und international erfolgreich gemeinsam
koordiniert
• 1974/75: Zusammenbruch der Militärdiktaturen Spanien, Portugal und
Griechenland àEG unterstützt Demokratisierungsprozess
• BRD nimmt wichtige Rolle in EG ein
• Pläne für „Europäische Wirtschafts- und Währungsunion“ scheitern
5. Die DDR in den 60ern
a. Entwicklung
i. Allgemein
• Bau der Mauer àZeichen der Unfreiheit, aber auch Voraussetzung für
wirtschaftlichen und sozialen Aufschwung
• DDR wird wichtigster Handelspartner der Sowjetunion (auch politisch) und
zweitstärkste Industriemacht im Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW)
• DDR-Bevölkerung gewinnt Selbstbewusstsein
ii. Neues Strafrecht ab 1968
• Neues Strafrecht erweitert das politische Strafrecht àgibt der SED viel mehr
Handlungsspielraum
iii. Neue Verfassung 1968
• Legt führende Rolle der SED fest
• Wiedervereinigung nicht so wichtig
• Wegfall bestimmter Rechte
b. Innenpolitik
i. Wirtschaftspolitik
• Reform 1963: „Richtlinie für das neue ökonomische System der Planung und
Leitung der Volkswirtschaft“
o Flexiblere Planung
o Vergünstigungssystem zum Arbeitsansporn
o Stärkung der Eigenverantwortlichkeit der Betriebe
• Rückkehr zur alten Politik bis 1969
ii. Lebensstandard
• Anstieg des Lebensstandards z.B. bei Konsumgüterausstattung
• Rentenerhöhung 1964
• Ab 1970 wächst Unzufriedenheit der Bevölkerung wegen
Versorgungsengpässen
iii. Jugendpolitik
• Jugend wichtigste Zielgruppe der SED-Propaganda
24
• Zunehmende Orientierung der Jugend am Westen u.a. durch Liberalisierung
der Jugendpolitik im Zuge der neuen Wirtschaftspolitik
iv. Bildungspolitik
• 25. Februar 1965: Gesetz über „einheitliches sozialistisches Bildungssystem“
• Ziel: hohes Bildungsniveau und politisch-ideologische Ausrichtung
• Kern: zehnklassige allgemeinbildende Polytechnische Oberschule (POS)
• Durch Machtwechsel in Russland Ende 1964 (Chruschtschow àBreschnew)
ist die Entstalinisierung vorbei àHarter Kurs unter Honecker
• Wolfgang Biermann erhält absolutes Auftrittsverbot
6. Die DDR in den 70ern
a. Ulbrichts Sturz
• Seit 1965 Gruppenbildung um Erich Honecker
• Kritik an Ulbrechts Wirtschaftspolitik
• Verkündung, dass DDR erfolgreiches Modell für industriell entwickeltes
sozialistisches Land ist àEmpörung der Sowjetunion
• Breschnew und Honecker bereiten Sturz vor, verkünden es Ulbricht
• Ulbricht erklärt vor dem Zentralkomitee am 3. Mai 1971 seinen Rücktritt
• Honecker wird Erster Sekretär des ZK der SED, nimmt „harten Kurs“ ein
• Tod Ulbrichts am 1. August 1973
b. Honeckers Sozialismus
• Ziel: „Erfüllung der Bedürfnisse der Menschen“
• Lebensstandard steigt, Wirtschaft wächst
• Ausbau der Sozialpolitik durch Entlastung berufstätiger Mütter (86% der Frauen sind
berufstätig!) und Wohnungsbau
• Aufnahme der DDR in UNO 1973, diplomatische Anerkennung von Westmächten
àBevölkerung und Staat zu Beginn der 70ern in größter Übereinstimmung
• Gegen Ende der 70er ökonomische Schwierigkeiten wegen
o Schwerfälligkeit der Planwirtschaft
o Ölkrise (verzögert)
o Finanzierung der Sozialpolitik
• Folge: Verschuldung durch Kredite der BRD àspäter Grund für wirtschaftlichen
Zusammenbruch
c. Außenpolitik
• Ziel: völkerrechtliche Anerkennung
• DDR befürchtet Kontaktverlust zur UdSSR à „Vertrag über Freundschaft,
gegenseitigen Beistand und Zusammenarbeit zwischen der DDR und der UdSSR“
1964
• „Ulbricht-Doktrin“: Freundschafts- und Beistandspakte mit Polen, Tschechoslowakei,
Ungarn und Bulgarien
• DDR empfiehlt der Sowjetunion 1968 Intervention in der Tschechoslowakei
• „Breschnew-Doktrin“: sozialistische Staaten haben die Pflicht, in anderen Staaten den
Sozialismus zu verteidigen
• Staatsbesuch in Ägypten 1965, eigenes Team bei der Olympiade 1968
• Anerkennung mehrerer Staaten der Dritten Welt Ende der 60er
• Durch Aufnahme in die UNO 1973 Anerkennung aller westlichen Staaten
• Wiedervereinigung spielt für die DDR (auch in der neuen Verfassung) keine Rolle
mehr, da es der DDR gut geht
25
E – Deutschland in den 70er/80er Jahren
1. Entwicklung der BRD 1974-89
a. Ära Schmidt
i. Pragmatische Wende
• 1974 Amtsanritt des pragmatischen Politikers Helmut Schmidt
• Motto: „Konzentration und Kontinuität“ àSchwerpunkt aller Reformen ist
deren Finanzierbarkeit
ii. Parteiensystem
• Drei-Parteien-System in Bund und Ländern
• 70er mit höchster Wahlbeteiligung (bis über 90%)
• Wiederaufstieg der CDU/CSU ab 1973 durch neuen Parteivorsitzenden
Helmut Kohl àCDU wird „Partei der Mitte“
• SPD hat mit linkem Flügel zu kämpfen
• Bundestagswahl 1980: CDU nur noch 45% (u.a. wegen Strauß), FDP 10%,
SPD 43%
• Innerhalb der SPD bildet sich Widerstand gegen harten außenpolitischen Kurs
iii. Bürgerrechtsbewegungen
• 1978 1,8 Mio. Mitglieder in Bürgerrechtsbewegungen
• Ziele oft konkret im kommunalen Bereich
• Engagement für ökologische Themen àGründung der Partei der Grünen
1979/80 (erst nur 1,5%)
• Kritik an NATO-Nachrüstung und Atomenergie
iv. Machtwechsel
• Kurswechsel der FDP unter Genscher àBeziehungen zu Kohl
• Konstruktives Misstrauensvotum im Herbst 1982 gegen Schmidt àneue
Regierung ab 1. Oktober 1982 unter Kohl
b. RAF
i. Zeitleiste
• 2. Juni 1967: Proteste beim Besuch des persischen Schahs in Berlin
• 2. April 1968: erste Brandbomben
• 14. Mai 1970: Meinhof und Ensslin befreien Baader àGeburtsstunde der
Roten Armee Fraktion (RAF)
• Militärausbildung der RAF in Jordanien
• Mehrere Banküberfälle, zunehmend Bombenanschläge
• Horst-Herold wird BKA-Präsident und revolutioniert Fahndungsmethoden
à„Aktion Wasserschlag“ (größte Fahndung der BRD)
• Baader, Meins, Ensslin und Meinhof werden verhaftet
• 5. September 1972: Palästinenser erschießen elf israelische Sportler des
Olympiateams in München
• Hungerstreiks der RAF-Gefangenen, Holger Meins stirbt daran, Meinhof
erhängt sich
• Zweite Generation der RAF führt Geiselaustausche durch
• Baader und Ensslin werden zu lebenslanger Haft verurteilt
• Hans Martin Schleyer wird als Erpressung entführt, am 19. Oktober 1977
erschossen
26
• Lufthansa-Maschine „Landshut“ wird entführt àGSG 9 befreit Geiseln
àBaader und Ensslin begehen Selbstmord
ii. Leitfiguren
• Andreas Baader: leitet RAF-Gruppe
• Gudrun Ensslin
• Ulrike Meinhof: intellektuelles Sprachrohr der RAF
• Brigitte Mohnhaupt: Schlüsselfigur der zweiten RAF-Generation
iii. Motivation
• Hintergrund: 68er-Bewegung, Vietnamkrieg
• Außerparlamentarische Opposition als Reaktion auf Große Koalition
• Politische Perspektivlosigkeit àUntergrund
iv. Legitimation
• Mythen: Isolationsfolter, staatlicher Mord…
• Guter Zweck: gegen amerikanische Besatzung, Krieg, „Polizeistaat“
à„Der Zweck heiligt die Mittel“
v. Politischer Umgang
• Hart aber fair
• Polizei: große Fahndungen, Überwachung
• Juristisch: Einführung neuer Paragraphen
èTerrorbekämpfung, macht RAF teilweise zu Märtyrern
c. Ära Kohl
i. Allgemein
• Helmut Kohl erster Kanzler der Generation, die nicht während des „Dritten
Reichs“ erwachsen wurde
• Seit 1969 Ministerpräsident der Rheinland-Pfalz
• Ziel: „weniger Staat, mehr Markt“ àliberaler Kurs
• Bundestagswahlen 1983: CDU/CSU 49%, FDP nur 7%, SPD nur 38%, die
Grünen erstmals im Bundestag mit 6%
• Bundestagswahlen 1987: niedrige Wahlbeteiligung (84%), CDU/CSU 44%
• Enttäuschung des rechten CDU-Flügels
ii. Skandale
• „Flick-Skandal“ 1987: Verbindung von CDU zum Flick-Konzern wird
aufgedeckt
• „Barschel-Affäre“ 1987: schleswig-holsteinische Ministerpräsident Uwe
Barschel lässt Gegenkandidat überwachen und trifft falsche Anschuldigungen,
erklärt seine Unschuld, wird dann tot in seiner Badewanne gefunden
d. Außenpolitik
i. Entspannung
• Entspannung im Kalten Krieg, Verträge mit UdSSR, DDR und Polen
• 1. August 1975: „Konferenz zur Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“
(KSZE) in Helsinki
o Unverletzlichkeit der Grenzen
o Nichteinmischung in innere Angelegenheiten
o Verzicht auf Gewalt
o Achtung der Menschenrechte und der Grundfreiheiten
• Folgen: kritische Berichterstattung in der DDR

27
• 1978: Europäisches Währungssystem (EWS) àfeste Wechselkurse
• 1979: erste Direktwahlen zum Europäischen Parlament
ii. Konfrontation
• Ende der 70er zwischen USA und Sowjetunion wegen
o Vietnam-Krieg bis 1975
o Einmarsch der UdSSR in Afghanistan 1979 (àBoykott der
Olympischen Spiele in Moskau 1980)
o Kriegsrecht in Polen und Unterdrückung der Solidarnosz ab 1981
• SALT-II-Verhandlungen zur Begrenzung von Nuklearraketen werden nicht
beendet
• Nachrüstung der NATO als Reaktion auf UdSSR
o Folge: große Friedensbewegung in BRD
• Plan der Entwicklung einer Strategic Defensive Initiative (Raketenabwehr)
von Ronald Reagan, dem die BRD zustimmt
• Ausbürgerung des Sängers Wolf Biermann aus der DDR Ende 1976
iii. Beziehungen zur DDR
• Erstaunlicherweise gut, u.a. wegen Genscher
• 1979: Energieabkommen
• 1983: Milliardenkredite an die DDR
• Staatsbeuch von Schmidt in DDR 1981 und von Honecker in Bonn 1987
• Annäherung von SPD und SED
e. Innenpolitische Themen
i. Sozialpolitik
• Begünstigung des Mittelstandes auf Kosten der sozial Benachteiligten
• Verschiebung der Sozialleistungen àFörderung von Familien und Kindern
auf Kosten von Rentnern, Kranken und Arbeitslosen
o Kindergeld, Mutterschaftsgeld, Erziehungsgeld
• Einschränkung des sozialen Wohnungsbaus
ii. Terrorismus
• Aus Studentenprotesten der 68er entstandene Terrorbedrohung durch RAF
• Staat regiert mit freiheitseinschränkenden Maßnahmen àHysterie bricht aus
• Diskussion von individueller Freiheit und staatlicher Kontrolle beginnt
iii. Umweltschutz
• Seit den 70ern auch in der Politik
• Fluglärmschutzgesetz (1971), Benzinbleigesetz (1971),
Abfallbeseitigungsgesetz, Katalysator für PKWs, Natur- und
Landschaftsschutz, Pflanzen- und Tierschutz…
• Widerstand der Industrie-Lobbys
• Tschernobyl am 26. April 1986 àverschärft Atom-Debatte
f. Wirtschaftliche Entwicklung in der BRD
i. Unter Schmidt
• Durch Ölkrise 1975 steigen Arbeitslosenzahlen schnell
• Interventionistische Wirtschaftspolitik mit hohen Staatsverschuldungen bis
1979 àEinfluss der zweiten Ölpreiserhöhung kann vermindert werden
• Anstieg des Exportvolumens àOsthandel
• Rascher technologischer Wandel in Robotertechnik, Bio- und
Gentechnologie…
• Angebotsorientierte Wirtschaftspolitik zur Senkung der Arbeitslosenquote
28
ii. Unter Kohl
• „Weniger Staat, mehr Markt“
• Ab 1. Januar 1983 radikale Sparmaßnahmen
• Erhöhung der Mehrwertsteuer
• Reduzierung der Staatsschulden
• Arbeitslosenquote steigt weiter bis auf 9%
2. Entwicklung der DDR bis Ende der 80er
a. Innenpolitik
• Honecker mehr Ideologe als Wirtschaftsfachmann
• „Wirtschafts- und Sozialeinheit“ unter Honecker àZiel: Verbesserung des
Lebensstandards um die Loyalität der Bevölkerung zu gewinnen
• Verbesserung der Wohnungsbedingungen, Erhöhung der Mindestlöhne- und
Mindestrenten, Arbeitszeitverkürzungen, Mutterschaftsurlaub, zinslose Kredite,
Verbesserung der medizinischen Versorgung
• Ziel: demographischen Wandel (immer ältere und kleiner werdende Bevölkerung)
verhindern
• Risiko: Finanzierung über Kredite aus westlichen Staaten (vor allem BRD)
• Verstaatlichung der restlichen mittelständischen Betriebe
• Änderung im Schulbereich: Bevorzugung von „Arbeiterkindern“
• 1988: Gedenken an Nationalsozialismus, Gespräche mit Juden, Übernahme der
Verantwortung für NS-Verbrechen
b. Außenpolitik
i. Differenzen
• SED will sich von BRD mehr abgrenzen, um eigene Autorität nicht zu
schmälern, steht aber unter sowjetischem und gesellschaftlichem Druck
ii. Deutschlandpolitik
• Verschiedene Verträge Anfang der 70er zur Erleichterung des
Besuchsverkehrs àÖffnung der DDR
• SED befürchtet Beeinflussung durch Grenzöffnung àAusbau des MfS
• Verfassungsänderung àWiedervereinigung kein Ziel mehr
• Freikauf der BRD von politischen Häftlingen à3,4 Mrd. € an DDR
• Immer mehr Ostdeutsche reisen in die BRD
iii. Außenpolitische Einflüsse
• Durch Unterzeichnung der KSZE-Schlussakte stellen viele DDR-Bürger
Ausreiseanträge
• Ausbürgerung Wolf Biermanns àSolidarisierung vieler Künstler,
Stimmungsumschwung in der Bevölkerung
c. Wirtschaftliche Probleme
• Honecker sieht sich zu Sozialmaßnahmen verpflichtet, um Bevölkerung für sich zu
gewinnen àSchuldenberg wächst
• Konsumsozialismus àProblem: höherer Wohlstand, aber immer weniger Güter, da
kein System von Angebot und Nachfrage àMangelwirtschaft
• Erhöhung der Rohstoff- und Energiepreise
• Keine Investitionen zur Modernisierung der Industrie àWirtschaft bleibt unproduktiv
• Hochwertige Produkte werden exportiert àschlechte Versorgungslage und Sinken
der Arbeitsmotivation
• Devisenbeschaffung durch Verkauf von Antiquitäten à25 Mrd. DM
29
• 1981: Sowjetunion beschränkt Erdöllieferungen
• Kreditstopp gegen DDR wird verhängt und nur durch Kredite der BRD aufgehoben
d. Gesellschaftliche Probleme
i. Kirche
• Kirche ist einzige große nichtsozialistische Organisation
• 1978: Kirche organisiert Proteste auf Beschluss hin, dass Wehrkunde
Pflichtfach an Schulen wird à „Schwerter zu Pflugscharen“
ii. Oppositionelle Gruppen
• SED zerschlägt alle Organisationen
• 1983: „Friedens- und Umweltkreis“, 1986: „Initiative Frieden und
Menschenrechte“
• Berichterstattung der westdeutschen Medien
iii. Ausreiseanträge
• Exponentieller Anstieg der Antragsteller
• Grund: politische Unterdrückung und schlechte Versorgungslage
• 1984 und 1988 gibt der Stadt je 30.000 Bürgern nach
• Vorwurf der oppositionellen Gruppe: egoistische Ziele
• Sogwirkung
e. Einleitung des Zusammenbruchs
i. Gorbatschows Politik
• 1985 Machtwechsel in der KPdSU: Michail Gorbatschow
• Reformpolitik: „Glasnost“ und „Perestroika“ um Sozialismus zu retten
• SED distanziert sich (zum ersten Mal!) von der Sowjetunion àSED verliert
ihre absolute Geschlossenheit
• Bürger hoffen auf einen „DDR-Gorbatschow“
ii. Gründe
• Politik Gorbatschows und Distanzierung von der UdSSR
• Keine Legitimation durch die Bevölkerung
• Konkurrenz mit der BRD
• Hohe Staatsverschuldung, da Wirtschaft nur Sozialpolitik unterstützt
• Innenpolitischer Druck durch Ausreiseanträge und oppositionelle Gruppen

30
F – Der Weg zur Einheit
1. Veränderungen im Zeichen der Entspannung
a. Abgrenzungspolitik der DDR
• Seit Mitte der 60er und den Reformen unter Willy Brandt „Wandel durch
Annäherung“ àWiedervereinigung wird durch innerdeutsche „Normalisierung“
überdeckt
• DDR auf Zusammenarbeit wirtschaftlich angewiesen und politisch von Sowjetunion
unter Druck
• Beginnt als Gegenelement eine Abgrenzungspolitik àAusbau des MfS,
Niederschlagung aller Gegenstimmen im Volk
• Wachsende Unruhen von der Kirche ausgehend: Bildung von oppositionellen
Gruppen und Ausreiseanträge
b. Entwicklung im Ostblock
i. Polen
• Sommer 1980: in Arbeiterunruhen entsteht die unabhängige Gewerkschaft
„Solidarnosc“
• 13. Dezember 1981: Verhängung des Kriegsrechts à „Solidarnosc“ wird
verboten von General Jaruzelski
• Juli 1983: Kriegsrecht wird aufgehoben und der Bevölkerung viele Freiheiten
gewährt
• Mai 1988: landesweite Streiks
• Ab Februar 1989 Gespräche am „Runden Tisch“
• April 1989: Verfassungsreform und Zulassung der „Solidarnosc“
• Juli 1989: Parlamentswahlen mit freien Kandidaten
ii. Ungarn
• Seit 1956 von János Kádár praktizierte „ungarische Weg“ – ökonomische
ohne politische Liberalisierung àfunktioniert nicht
• Kádár sieht sich gezwungen, unternehmerische Freiheit zu erweitern
• 22. Mai 1989: Ernennung des reformfreudigen Károl Grósz zum
Generalsekretär der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei
• Neubestattung des 1958 hingerichteten Führers des Ungarischen
Volksaufstandes Imre Nagy
iii. Tschechoslowakei
• Dezember 1987: Milós Jakés wird Staats- und Parteichef, zu Reformen bereit
iv. UdSSR
• Politische Homogenität von Chruschtschow, Breschnew, Andropow und
Tschernenko
• Sowjetische Militärpräsenz in DDR (380.000 Soldaten) sorgen für Stabilität
• 10. März 1985: Amtsantritt von Michail Gorbatschow
• Sieht Sozialismus den neuen Herausforderungen einer modernen
Kommunikationsgesellschaft nicht gewachsen
• Rettungsmaßnahme: Reformpolitik durch Glasnost (=Öffentlichkeit) und
Perestroika (=Umbau)
• Revision der Breschnew-Doktrin
• Aufforderung Gorbatschows, selbst Reformen einzuleiten mit der
Versicherung, nicht einzugreifen à „Revolution von oben“
31
v. Reaktion der DDR
• Außenpolitischer Druck auf die DDR wächst
• Einschränkung des Reiseverkehrs nach Polen im Oktober 1980
• Können und wollen Reformkurs der UdSSR nicht mitgehen àHonecker
verkündet den Sozialismus „in den Farben der DDR“
• DDR verbietet im November 1988 sowjetische Medien wie die Zeitschrift
„Sputnik“ àWeg in die Selbstisolierung
c. Politik des Westens
• Überzeugung, dass Wandel nur von innen kommen kann àvorsichtige Reaktionen,
Kontinuität in der Deutschlandpolitik
• Gefahr, da durch DDR und Sowjetunion Frieden in Europa gefährdet werden könnte
2. Zusammenbruch des SED-Regimes
a. Grenzöffnung durch Ungarn
• Ungarn orientiert sich westlich àab 2. Mai 1989 wird die westliche Grenze zu
Österreich geöffnet
èerstes Land, das die gemeinsame Abriegelung der kommunistischen Staaten
aufhebt
• DDR reagiert mit Gegenpropaganda
• DDR-Bürger beginnen, Ungarn als Ausreiseland zu nutzen
b. Kontinuierliche Innenpolitik
i. Kommunalwahlen
• 7. Mai 1989, Ergebnis: 95,98% für die Nationale Front
• Erstes Mal Widerspruch von Bürgern wegen Manipulation
ii. Massaker auf dem Tiananmen-Platz
• Massaker der chinesischen totalitären Regierung gegen Studentenrebellion am
4. Juni 1989 auf dem „Platz des himmlischen Friedens“ in Peking
• DDR unterstützt chinesische Regierung, besuchen Peking
iii. 40. Jahrestag der DDR
• Besuch von Gorbatschow, der Honecker Reformen nahe legt
c. Wandel in der Bevölkerung
i. Massenflucht
• Sommer 1989: 120.000 stellen Ausreiseantrag
• Besetzung der Prager und Warschauer Botschaft in Berlin
• Flüchtlingsstrom über Ungarn
• 1. November 1989: Grenze in der Tschechoslowakei wird geöffnet
• Bis 7. November 1989 insgesamt über 500.000 Ostdeutsche in die BRD
ii. Proteste
• Montagsdemonstrationen in Leipzig organisiert von der Nikolaikirche
• 2. Oktober: schon 20.000 Demonstranten
• Gründung mehrerer politischer Organisationen
• 4. November: 500.000 Demonstranten auf dem Berliner Alexanderplatz
d. Wandel in der Parteispitze
i. Sturz Honeckers
• Erich Honecker verliert Rückhalt in der SED
• Egon Krenz organisiert Rücktrittsaufforderung
• 17. Oktober 1989: Honecker tritt zurück
ii. Die „neue“ alte SED
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• Egon Krenz wird Generalsekretär
• Versucht, Reformen einzuleiten, aber zu wenig und zu spät
• Am 7./8. November tritt das Politbüro und der Ministerrat zurück àHans
Modrow wird Ministerpräsident
e. Der 9. November
i. Reisegesetz
• 6. November: Parteispitze verabschiedet neues Reisegesetz, das die
Bevölkerung aber ablehnt
• Druck der Tschechoslowakei auf DDR-Spitze
• 9. November um 18 Uhr: Günter Schabowski verkündet neue
Reisebestimmungen àGrenzöffnung zur BRD (in der Form Missverständnis)
ii. Öffnung der Mauer
• DDR-Bürger wollen in der Nacht vom 9. November in die BRD
• Ordnungskräfte sind überfordert, öffnen Grenze àMauer fällt
3. Beginn der deutschen Einigung
a. Möglichkeiten
i. Situation
• Wiedervereinigung anfangs kein Thema
• Furcht in der Bevölkerung vor Zustand von 1945
• Sowjets, u.a. Valentin Falin, diskutieren „chinesische Lösung“:
Grenzsicherung durch1 Mio. sowjetische Soldaten
• F und GB sehen Bedrohung für europäischen Frieden, einzig USA ist gelassen
• BRD zeigt sich zurückhaltend
ii. Versuch der Erhaltung der DDR
• 13. November 1989: Hans Modrow wird Ministerpräsident der DDR
• Schlägt Vertragsgemeinschaft vor, DDR mit „sozialistischer Marktwirtschaft“
• Wirtschaftliche Lage in der DDR katastrophal
• Täglich gehen 2000 DDR-Bürger in die BRD
• „Runder Tisch“ von verschiedenen Parteien und Bürgerrechtsbewegungen als
Ersatzparlament
• SED verliert mehr als die Hälfte ihrer Mitglieder, Umbenennung in
„Sozialistische Einheitspartei – Partei des Demokratischen Sozialismus“
(SED-PDS) mit Gregor Gysi als Vorsitzendem
b. Zehn-Punkte-Plan Kohls
• In DDR sind immer mehr für die Wiedervereinigung
• Kohl erarbeitet „10-Punkte-Plan“:
o Ziel: deutsch-deutsche Konföderation
o Vertragsgemeinschaft bis dahin
o Legitimation der DDR durch Wahlen
o Bildung gesamtdeutscher Institutionen
• Reaktion im Bundestag und in USA positiv, Kritik Frankreichs und der UdSSR
• Bei Besuch von Kohl in Dresden am 19. Dezember 1989 fordern DDR-Bürger die
Einheit
• Einführung des visafreien Verkehrs
c. Wachsender Druck
i. Modrows Initiative

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• Am 30. Januar Staatsbesuch in Moskau àerarbeitet zusammen mit
Gorbatschow Plan zur deutschen Einheit
• Modrow wegen dem Zerfall der DDR sehr besorgt: keine funktionierende
Wirtschaft und Verwaltung mehr
ii. Plan zur Wirtschafts- und Währungsunion
• Von Modrow angeregte Sofortmaßnahme, der alle Parteien wegen
Alternativlosigkeit zustimmen
• BRD soll Wirtschafts- und Finanzpolitik der DDR übernehmen
• Einführung der DM in der DDR àVon Experten Wechselkurs 2:1 oder 3:1
empfohlen àKohl verkündet kurz vor der Wahl den Umtausch 1:1
d. Volkskammerwahl 1990
i. Kontext
• Auf 18. März vorverlegt
• Großer Einfluss der BRD
• 75% der DDR wollen Wiedervereinigung
ii. Bürgerbewegungen
• Das Neue Forum, Demokratie Jetzt und Initiative für Frieden und
Menschenrechte àschließen sich zu „Bündnis 90“ zusammen
• Alle vor Mauerfall gegründet, setzen sich für echten Sozialismus ein
• Ideologisch gut, aber sonst nicht organisiert
iii. Parteien
• Ost-SPD, gegründet im Oktober 1989, von SPD unterstützt àPrognosen:
Wahlsieg
• Ost-CDU: Lothar de Maizière, erst kurz vor der Wahl von der CDU
unterstützt, profitiert dann aber von Kohls Wahlversprechen
• SED-PDS
• Deutscher Aufbruch (DA) und Deutsche Soziale Union (DSU), beide
christlich-konservativ geprägt
• Allianz der Freien Demokraten, von FDP unterstützt
iv. Ergebnis
• Westparteien investieren 7,5 Mio. DM
• CDU 48%, SPD 22%, PDS 16% àZeichen für Wiedervereinigung und
Marktwirtschaft
• Ende der DDR
4. Verhandlungen mit den Vier Mächten
a. Uneinigkeit der Alliierten
i. USA
• Für die Wiedervereinigung
• Westbindung des vereinten Deutschlands muss gewährleistet sein
ii. Frankreich
• Mitterand hält Wiedervereinigung zunächst für unmöglich, da Deutschland
dadurch – auch aufgrund des historischen Kontextes – zu viel Macht erlangt
àfordert Gipfeltreffen der Europäischen Gemeinschaft am 14. November
• Stimmt Wiedervereinigung zu, solange Deutschlands Integration in Europa
gesichert ist àfordert „Europäische Union“ und europäische Währung
èam 7. Februar 1992 im Vertrag von Maastricht geregelt
iii. Großbritannien

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• Thatcher ist gegen Wiedervereinigung, da sie das europäische Gleichgewicht
bedrohe
iv. Sowjetunion
• Schlimme innere ökonomische und soziale Krise: 60-100 Millionen
Sowjetbürger leben am Rand des Existenzminimums
• Sowjetunion hat keine Alternative für eine Wiedervereinigung
• Realisten (Gorbatschow) ó Orthodoxen
• Kohl verbessert deutsch-sowjetische Beziehungen durch Lieferungen von
Lebensmitteln
b. Verhandlungen
i. Einigung in Ottawa
• Wiedervereinigung offensichtlich nicht aufzuhalten àVerhandlungen müssen
eingeleitet werden
• Amerikanisches Außenministerium schlägt „Zwei-plus-Vier“-Konzept vor:
BRD und DDR regeln alles innenpolitische, die Alliierten dann zusammen mit
BRD und DDR die Außenpolitik
• Ausgehandelter Vertrag soll dann der KSZE vorgelegt werden
àVorschlag wird letztlich von allen akzeptiert
ii. 2+4-Verhandlungen
• Vertragsinhalte werden im Voraus diskutiert
• Sowjetunion fordert zunächst Neutralität Deutschlands, lenkt dann aber ein
• Kohl betont die europäischen und friedlichen Absichten Deutschlands
• Oder-Neiße-Grenze soll im Anschluss vertraglich vereinbart werden
• Frankreich ist nun an schnellstmöglicher Integration Deutschlands in Europa
interessiert
• NATO kündigt Reduzierung der Nuklearwaffen an àEntspannung gegenüber
dem Warschauer Pakt
iii. Verhandlungen mit der Sowjetunion
• Kohl bietet der UdSSR einen bilateralen Vertrag („Charta der
Zusammenarbeit“) an, auf den die Sowjetunion sehr positiv reagiert
• In der Folge enges Verhältnis zwischen BRD und Sowjetunion àKohl trifft
Gorbatschow auf dessen Jagdhütte im Kaukasus
• UdSSR bittet um deutsche Kredite: 15-20 Mrd. DM
• Kohl stimmt zu, auch da die Gefahr besteht, dass Gorbatschow auf dem
Parteitag im Juli gestürzt wird àKreditvertrag am 18. Juni
• Gorbatschow wird auf dem Parteitag der KPdSU bestätigt
• Gorbatschow stimmt Truppenabzug aus der DDR innerhalb der nächsten 3-4
Jahre zu àEinigung
c. 2+4-Vertrag
i. Allgemein
• Mai in Bonn, Juni in Berlin, Juli in Paris, September in Moskau
• 12. September 1990: Unterzeichnung des „Vertrages über die abschließende
Regelung in Bezug auf Deutschland“ àFriedensvertrag
• Zustimmung aller in der KSZE vertretenen Staaten am 2. Oktober 1990
• Sowjetunion fordert anschließend Finanzierung Deutschlands des
Truppenabzugs àKohl sichert nach Diskussionen 15 Mrd. DM zu
ii. Festlegungen
• Festlegung der Grenzen des wiedervereinten Deutschlands
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• Volle Souveränität Deutschlands
• Verzicht auf ABC-Waffen
• Begrenzung der Bundeswehr auf 370.000 Mann
• Abzug sowjetischer Truppen bis Ende 1994
• Nichtausdehnung der NATO auf das Gebiet der DDR bis zum Truppenabzug
der UdSSR
• Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze als polnische Westgrenze
• Generalvertrag über eine umfassende Kooperation zwischen Deutschland und
der Sowjetunion
èvolle Souveränität ab dem 3. Oktober 1990!
5. Gestaltung der Wiedervereinigung
a. Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion
i. Rahmenbedingungen
• Unterzeichnung am 18. Mai
• Für BRD Wirtschaftswachstum vorhergesagt
• Investitionen in die DDR scheinen vor der Einigung lukrativ
• Umtausch in die DM 1:1 bzw. 2:1
ii. Vertragsinhalte
• Einführung der Sozialen Marktwirtschaft in der DDR
• DDR-Währung zur DM ab 1. Juli 1990
• Privateigentum
• Übernahme westdeutscher Sozialsysteme
• 16. Mai 1990: „Fonds Deutsche Einheit“ àbis Ende 1994 155 Mrd. DM als
Wiederaufbauhilfe an die DDR
• 1990 Gründung der Treuhandanstalt zur Privatisierung der Unternehmen
àMinusgeschäft, da Betriebe modernisiert werden müssen
• Einführung einer gegliederten Sozialversicherung in der DDR
• Anpassung an westdeutsches Arbeitsrecht
iii. Wirtschaftlicher Niedergang
• Zusammenbruch vieler Unternehmen in der DDR wegen zu niedriger
Produktivität
• Maschinen und Infrastruktur vollkommen veraltet
• Sinken des Bruttoinlandsprodukts 1991 um 18,5%
• Verschuldung der BRD verdoppelt sich zwischen 1990 und 1999
• Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 15%
àBevölkerung realisiert wirtschaftliche Krise und reagiert politisch
enttäuscht, ist aber persönlich sehr zufrieden
b. Rechtliche Wiedervereinigung
• Wiedervereinigung durch
o Artikel 23 GG: Beitritt zur Bundesrepublik
o Artikel 146 GG: Bildung einer neuen Verfassung
• 80-90% für Art. 23 GG, da unkompliziert und schnell
• Kritik: „Annexion“ der DDR
• 23. August 1990: Volkskammer stimmt für Beitritt
àAnpassung des Grundgesetzes an neue Bedingungen
c. Eigentumsfrage

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• Beschluss der Regierungen: Enteignungen nach dem 7. Oktober 1949 werden
rückgängig gemacht, davor nicht
àlangwierige Rechtsstreitigkeiten
d. Kultur
• Einigungsvertrag vom 31. August 1990
• Wiedervereinigung von Sammlungen und Museen
• Mitunter Spannungen zwischen Ost- und Westdeutschen
• „Kultur- und Konsumschock“
• Wahrung einer „ostdeutschen Identität“ àOstalgie
e. Berliner Republik
• 1999 Umzug des Parlaments und der Regierung nach Berlin in den Bundestag
• Kontinuität der Bonner Politik mit anderer Atmosphäre
6. Entwicklungen nach der Wiedervereinigung
a. Neue Außen- und Sicherheitspolitik
• Neuordnung Europas und der Rolle Deutschlands
• Vertrag von Maastricht 1992 àEU, Euro
• Große Unterstützung bei der Erweiterung der EU nach Osten
• Einführung des Euros am 1. Januar 1999
• Anfangs zurückhaltende Sicherheitspolitik àpazifistische Grundhaltung
• Finanzierung des Golf-Kriegs 1991 ohne eigene militärische Beteiligung
• Bundesverfassungsgericht erlaubt Auslandseinsätze bei vorheriger Abstimmung im
Parlament
• 1999 erster Kriegseinsatz seit dem 2. Weltkrieg in Serbien
• Enthaltung im Irak-Krieg àBeweis für eigenständige Außen- und Sicherheitspolitik
• Unter Merkel zunehmende Westorientierung
b. Innenpolitik
• Wahlversprechen Kohls: „blühende Landschaften“ àErnüchterung
• Ost- und Westdeutsche wachsen zusammen, aber unterscheiden sich noch
• Seit 1990 Verschuldung in Höhe von 2 Billionen €! àFolgen:
o Steuerreformen
o Hartz-Kommissionen und Agenda 2010 unter Schröder
àHaushaltskonsolidierung
• Zusammenschluss der PDS und der WASG („Wahlalternative Arbeit und soziale
Gerechtigkeit“) zu „Die Linke“ à2005 9%
èpositives Fazit für die neue BRD

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G – Die Sowjetunion 1945-1991
1. Spätstalinismus 1945-53
a. Folgen des 2. Weltkriegs
i. Opferzahlen
• 25-30 Mio. sowjetische Kriegstote (Stalin spricht von 7 Mio.)
• Von 5,7 Mio. Kriegsgefangenen überleben nur 1,8 Mio.
• 235.000 von ihnen werden wegen „Kollaboration mit dem Feind“ verurteilt
ii. Hunger- und Wohnungsnot
• Dritte große Hungersnot 1946/47 in Folge einer globalen Dürre à100 Mio.
Menschen leiden an Mangelernährung
• Deportation Tausender Widerständler
• Wohnungsnot ohne entscheidende Maßnahmen àStalin setzt auf
Monumentalbauten
b. Außenpolitik
i. Konfrontation mit den West-Alliierten
• Im Rahmen der „Anti-Hitler-Koalition“ seit 1941 mit USA und GB verbündet
• Stalin plant „Pufferzone“ in Osteuropa àSowjetisierung
• Einsetzung kommunistischer Regierungen überall in Osteuropa (bis Auf
Jugoslawien àJosip Broz Tito)
• 1949: Gründung des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RWG)
• 1955: Gründung des Verteidigungsbündnisses „Warschauer Pakt“ (Albanien,
Bulgarien, DDR, Polen, Rumänien, Tschechoslowakei, Ungarn)
ii. Beginn des Kalten Kriegs
• Abwurf der ersten Atombombe über Hiroshima am 6. August 1945
• Konflikte mit der USA
èTruman-Doktrin ó Zwei-Lager-Theorie im März 1947
• Schdanow: „amerikanischer Anspruch auf die Versklavung Europas“
c. Innenpolitik
i. Großprojekte zur Umgestaltung der Natur
• Ziel: Fortschritte in der Atom- und Raketentechnologie
• 1946 „Stalins Plan zur Umgestaltung der Natur“, 1950 „Plan der Stalinschen
Großbauten des Kommunismus“ àNutzbarmachung der sibirischen Steppe
ii. Westliche Einflüsse
• Bevölkerung orientiert sich teilweise an westlicher Kultur àZeitschriften
werden verboten, Bevölkerung ausgegrenzt
iii. Antisemitismus
• Stalin sieht in der Gründung Israels 1948 eine Bedrohung
• Einleitung antisemitischer Kampagnen: Entlassung aus Führungspositionen,
Verhaftungen, Verhaftung von jüdischen Ärzten
iv. Maßnahmen zur Machtsicherung
• Leningrader-Affäre: Stalin verurteilt Mitglieder des Politbüros und des ZKs,
die er für eine Bedrohung hält
• Seit 1948 Einrichtung von Speziallagern à2,5 Mio. Menschen, Unruhen
v. Stalins Tod
• 5. März 1953: Tod an Schlaganfall
• Das Land trauert um ihren „geliebten Führer“, andere feiern heimlich
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• Einbalsamierung neben Lenin im Mausoleum
• Bevölkerung lebt in ärmlichsten Zuständen
• Großteil der Bevölkerung in den Städten „stalinisiert“
2. „Tauwetter“ unter Nikita Chruschtschow 1953-64
a. Entstalinisierung
i. Führungsstreit
• Grundsätzlicher Umschwung: Erziehung statt Gewalt
• Wiedererstarkung der politischen Organe, um Alleinherrschaft zu verhindern
• Führend: Malenkow, Berija, Bulganin, Chruschtschow, Woroschilow
• Chruschtschow schaltet geschickt Konkurrenten aus, wird zum „Ersten
Sekretär“ der Partei gewählt
• Kann 1957 Absetzung durch das Parteipräsidium verhindern
• Ab 1958 Vorsitzender des Ministerrats àkontrolliert Staat und Partei
• Chruschtschow: Protegé Stalins und seit 1934 Parteichef Moskaus, gute
Beziehungen zur Bevölkerung
ii. Maßnahmen
• Massenamnestien am 27. März 1953: 1,2 Mio. Gefangene werden entlassen
• Schwierige Rehabilitionspolitik
• Abschaffung des Lagersystems, der Schnellgerichte und der Folter
iii. Geheimrede vom 25. Februar 1956
• Chruschtschow offenbart der Partei den Terror Stalins àsei seit 1935 ein
schlechter Parteiführer gewesen
• Entstalinisierung verbreitet sich in osteuropäische „Bruderstaaten“
• Proteste in der DDR (Arbeiteraufstand vom 17. Juni), Polen und Ungarn, da
Reformen möglich erscheinen àgewaltsamer Eingriff der Sowjetunion
b. Sozialpolitik
i. Gesellschaft
• Chruschtschow fordert „Lebendige Verbindung zu den werktätigen Massen“
àerlaubt Diskussionen im Rahmen des „Sozialistischen Realismus“
• 1958 Bildungsreform, 1959 Justizreform, 1961 neues Parteiprogramm
• Hartes Vorgehen gegen zu revolutionäre Schriftsteller
• Roman „Tauwetter“ von Ilja Ehrenburg 1954 über das Ende des Stalinismus
• Chruschtschow kündigt die Errichtung des Kommunismus bis 1980 an
ii. Kampf gegen die Kirche
• Antireligiöse Politik, keine Neuöffnungen von Kirchen
• Widerstand wird niedergerungen
• 1961 Kirchenreform, die den Staat die Kirche kontrollieren lässt
iii. Reform der Landwirtschaft
• Ausbau der Agrarmaßnahmen zur Ernährung der Bevölkerung
• Forcierung des Maisanbaus in der Steppe àNeulandkampagne
• Kurzzeitige Erfolg bis zur großen Missernte 1963
iv. Lohn- und Rentenreform
• Verdreifachung des Mindestlohns
• Erstmals Lohnzahlungen an Kolchosbauern
• Einführung der Mindestrente
• Mit dem Wille des Volkes Kampf gegen den „Sozialschmarotzer“
èBevölkerung bleibt größtenteils unterernährt
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v. Weitere Reformen
• Errichtung von Plattenbauten àTrabantenstädte (chruschtschoby)
• Aufstand aufgrund Versorgungsengpässe 1962 àMilitär schlägt ihn nieder
• Folge: Staat beginnt, Getreide und Fleisch im Westen zu kaufen
c. Kalter Krieg
i. Außenpolitik
• Geprägt von Minderwertigkeitskomplexen Gorbatschows
• Ziel: Verhinderung eines dritten Weltkriegs
• „Berlin-Ultimatum“ 1958 bleibt ohne Folgen àBau der Mauer wird
zugestimmt
• Wettbewerb nicht nur mit dem USA, sondern auch mit dem neuen
chinesischen Sozialismus unter Mao
• Zusammenarbeit mit Fidel Castro nach Revolution 1959
• Kuba-Krise als Höhepunkt des Kalten Kriegs
• Einrichtung des heißen Drahts zur Erhaltung des Gleichgewichts
èauf Zick-Zack-Kurs Gorbatschows folgt Entspannungspolitik
3. Stabilität und Stagnation unter Breschnew 1964-82
a. „Kollektive Führung“
i. Absetzung Chruschtschows
• Angst des Parteipräsidiums vor Chruschtschows Macht wächst
• Absetzung Chruschtschows am 14. Oktober 1964
• Leonid Breschnew wird „Erster Sekretär“ der Partei àStaat und Partei sollen
nie wieder unter einer Person vereint werden
ii. Grundsätze
• Arbeitersohn, war Zögling Chruschtschows, ausgeglichen
• Entmachtet Konkurrenten und ersetzt sie durch loyale Gehilfen
• Vertraut in alte Eliten der Partei àStagnation
iii. Autonomie der Nationalitäten
• Nationalitätenkonflikte in der Sowjetunion àEntwicklung separater
Identitäten
b. Innenpolitik
i. Reform der Landwirtschaft
• Ziel: Anhebung des Lebensstandards und des Konsums
• Bauern werden mit Arbeitern gleichgestellt
• Kampf gegen die Landflucht
ii. Sozialreformen
• Lohn- und Rentenreform am 1. Januar 1968, Einführung der 5-Tages-Woche
• Wohnungsbau à1980 haben trotzdem nur 80% eigene Wohnung
iii. Kampf gegen Abweichung
• Unterbindung freier Diskussionen àBevölkerung befürchtet Restalinisierung
• Vertreibung von Dissidenten ins Exil
iv. Sonstiges
• Breschnew fordert „Autos für den Sowjetmensch“ àAutomobilindustrie
entsteht, 1977 haben trotzdem nur 5% ein Auto
• Weltkriegskult seit 1965: Breschnew sucht nationalen Konsens durch
Erinnerung an den „Großen Vaterländischen Krieg“

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• Bau der Baikal-Amur-Magistrale als Entlastungsstraße zur Transsibirischen
Eisenbahn von 1974-85 scheitert
c. Außenpolitik
i. Grundsätze
• Ziel: Vermeidung eines dritten Weltkriegs
• Begrenzung des Wettrüstens mit den USA
ii. Entspannungspolitik
• Persönliche Staatstreffen mit Nixon, Pompidou und Brandt
• Nichtangriffspakt mit Westdeutschland 1970
• Rüstungsbeschränkungen SALT I (1972) und SALT II (1979) mit USA
• Wirtschaftsabkommen mit USA
• Ab 1972: Kooperation im All
iii. Prager Frühling
• Einmarsch am 21. August 1968 auf Reformkurs Dubceks hin
• Breschnew-Doktrin: Souveränität der sozialistischen Staaten wird
eingeschränkt, wenn der Sozialismus in Gefahr ist àChina distanziert sich
iv. Helsinki-Schlussakte 1975
• „Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ (KSZE) 1975, Idee
von Molotow
• 1. August 1975: Unterzeichnung von 35 Staaten
o Korb 1: Sicherheitsfragen in Europa
o Korb 2: Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Wirtschaft, Wissenschaft,
Technik und Umwelt
o Korb 3: Zusammenarbeit auf humanitären und anderen Gebieten
àAnerkennung der Grundrechte
• Aus Korb 3 entwickeln sich in den sozialistischen Staaten oppositionelle
Gruppen:
o „Helsinki-Gruppe“ 1976 in Moskau
o Komitee zur Verteidigung der Arbeiter (KOR) 1976 in Polen
o Charta 77 1977 in der Tschechoslowakei
ègroßer Einfluss auf die Entwicklung ab 1989
v. Stellvertreterkriege in der „Dritten Welt“
• Versuch, möglichst viele Staaten für sich zu gewinnen àvor allem
wirtschaftliche (nicht ideologische) Zusammenarbeit
• Bau des Assuan-Staudamms 1960-71 mit Ägypten
• Intervention in Angola 1975 und in Äthiopien 1977/78
è „Imperiale Überdehnung“: Wirtschaft wird überbeansprucht
vi. Militäreinsatz in Afghanistan 1979
• Wirtschaftliche Beziehungen ab 1955
• Einmarsch sowjetischer Truppen am 25. Dezember 1979, da das Land im
Chaos versinkt àÜberschätzung, Einsatz wird zum Debakel
• Abzug der Truppen 1989 von Gorbatschow àBürgerkrieg
èUnzufriedenheit in der Sowjetunion
4. Perestroika und Glasnost unter Gorbatschow 1985-91
a. Epigonen Breschnews und Amtsantritt Gorbatschows
i. Juri Andropow
• Breschnew leidet schon seit 1974 an Tablettensucht àunzurechnungsfähig
• Stirbt am 10. November 1982
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• Andropow wird Nachfolger, ar zuvor Zweiter ZK-Sekretär, schon alt
• Tritt gegen Korruptionsaffären unter Breschnew ein
• Stirbt am 4. September 1984 an Nierenleiden
ii. Konstantin Tschernenko
• Schon 73, setzt sich gegen Gorbatschow durch
• Will zurück zur ruhigen Politik Breschnews, warnt vor Reformeifer
• Stirbt am 10. März 1985
èWesten spricht vom „Marxismus-Senilismus“
iii. Michail Gorbatschow
• Am 11. März 1985 Wahl zum Generalsekretär
• Erst 54, andere Generation, angewidert von alten Parteistrukturen
• Wunsch: Wiederbelebung der Partei und des Sozialismus àReformen
notwendig
b. Perestroika und Glasnost
i. Grundsätze
• Gorbatschow verkündet 1985 seine Programme Perestroika (=Umbau) und
Glasnost (=Transparenz) àMissstände sollen durch offene Diskussionen
behoben werden
• Folge: Bürger nutzen Freiheit und stellen das ganze System in Frage
ii. Wirtschaftsreformen
• Grundsätzliche Marktliberalisierung
• Erhöhung der Löhne
• Erneuerung des Industrieparks
• Mai 1985: „Prohibition“ = Einschränkung von Alkohol àSchwarzmarkt blüht
auf, Bevölkerung ist unzufrieden àGesetz wird im Oktober 1989 aufgehoben
àVersorgungsprobleme werden schlimmer
iii. Tschernobyl
• 26. April 1986: Atomreaktor in Tschernobyl explodiert àSchutzfläche in
Größe des Saarlandes muss eingerichtet werden, Hunderttausende sind
betroffen
• Bevölkerung und Politiker können Aussetzen der Technik nicht begreifen
c. Nationalitätenkonflikte
• 1986 erste Unruhen in Kasachstan
• Tschetschenen und Balten nutzen neue Freiheiten
• Ab Februar 1988 Konflikte um aserbaidschanisch-armenisches Bergkarabach
• Bürgerkrieg in Georgien und Zentralasien
• Im Herbst 1988 erklärt Estland Souveränität
• 12. Juni 1990: russische Präsident Boris Jelzin erklärt Austritt aus der Sowjetunion,
Ukraine folgt
• Vorerst wollen alle Republiken Erhalt der Union
d. Ende des Kalten Kriegs
• November 1985: erstes Treffen von Gorbatschow und Reagan
• Ab 1986 Abrüstungsgespräche à1987 Entfernung aller Mittelstreckenraketen aus
Europa
• Gorbatschow fordert sozialistische Bruderstaaten zu Reformen auf
• Demokratisierung der osteuropäischen Staaten 1989/90
• Auflösung des Warschauer Paktes 1991

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• Rückzug aller Truppen
e. Ende der Sowjetunion
• Vizepräsident versucht am 19. August 1991 den Putsch gegen Gorbatschow
• Bevölkerung besetzt Umgebung um das „Weiße Haus“ àSolidarisierung
• 21. Dezember 1991: 11 Sowjetrepubliken unterzeichnen der „Gemeinschaft
Unabhängiger Staaten“ (GUS) àAustritt aus der Sowjetunion
• Gorbatschow tritt am 25. Dezember 1991 zurück
• 31. Dezember 1991: Auflösung der Sowjetunion
5. Nach dem Ende der Sowjetunion
a. Neue Staatenbildung
i. Allgemein
• Unabhängigkeitserklärungen 15 ehemaliger Sowjetrepubliken 1990/91
• Estland, Lettland, Litauen, Belarus, Moldawien, Ukraine, Georgien,
Armenien, Aserbaidschan, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan,
Kirgistan, Kasachstan, Russische Föderation
ii. Baltikum
• Starke Westorientierung Estlands, Lettlands und Litauens
• Aufnahme in die EU 2004 und in die NATO
iii. Zentralasien
• In Aserbaidschan, Belarus, Kasachstan, Turkmenistan und Usbekistan bleiben
die Diktaturen bestehen
iv. Hybride Staaten
• Georgien, Kirgistan, Armenien, Tadschikistan und Ukraine: immer wieder
gewaltsame Unruhen
• Westorientierung von Ukraine, Georgien und Moldawien
v. Russland
• 1990-2000: Boris Jelzin, größtenteils handlungsunfähig
• Ab 2000 Wladimir Putin, macht Russland zur aufstrebenden Supermacht
vi. Wirtschaft
• Große Wirtschaftskrise, da keine politischen Strukturen
• Zusammenbruch des Sozialversicherungssystems
• Monatlicher Durchschnittslohn 1999 in Russland: 62€
• Bevölkerung lebt in Hunger und Armut
vii. Gewaltsame Auseinandersetzungen
• Krieg von Armenien und Aserbaidschan um Nagomy-Karabach
• Bürgerkriege in Tadschikistan, Georgien und Moldawien
• Georgisch-russischer Krieg 2008
• Ukrainekrise 2014
viii. Sowjetnostalgie
• Aufgrund schlechter wirtschaftlicher Situation Sehnen nach den alten Zeiten
der Sowjetunion
• Einfluss durch russische Fernsehprogramme
• Russland trauert seiner Rolle als Supermacht nach
• Große Teile der russischen Bevölkerung wünschen sich die Sowjetunion
zurück, aber: Generationenwechsel
b. Eurasische Union?
• Viele Versuche von Russland aus, Wirtschaftsunion herzustellen
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• 2000: Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft mit nur 5 Ländern
• 2011: Zollunion zwischen Russland, Kasachstan und Belarus
• Putin befürchtet Erweiterung der EU in russischen Einflussbereich àentwirft als
Gegenkonzept die Eurasische Union
• Ukrainekrise Folge der Zerreißprobe zwischen Westeuropa und Russland àAnnexion
der Krim, russische Separatistenbewegungen und Bürgerkrieg
èEurasische Union stellt großes Konfliktpotenzial dar
c. Russland unter Putin
i. Strategien
• Ausschaltung politischer Gegner àAusbau seiner Machtposition
• Wirtschaftsreformen àWirtschaftsboom, Arbeitslosigkeit nur noch 6%
• Kontrolle der Medien
ègroßer Rückhalt in der Bevölkerung
ii. Krise
• Wirtschaftskrise 2009
• Politische Unterdrückung
• Massenproteste wegen Wahlbetrug und Kandidatur Putins zu den
Präsidentschaftswahlen 2012
iii. Dritte Amtsperiode
• Durch Annexion der Krim und territorial-orientierte Außenpolitik steigen die
Popularitätswerte auf 86%
• Wichtiger Wirtschaftspartner China
• Konzentration auf Außenpolitik àZiel: Weltmacht
èDauerhafte Trennung der ehemaligen Sowjetrepubliken, Wiedererstarkung Russlands

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H – Der Kalte Krieg
1. Blockbildung USA ó Russland
a. Ost-West-Konflikt
i. Bipolare Weltordnung
• Systemgegensätze zwischen USA und UdSSR àBlockbildung
• Truman-Doktrin 12. März 1947: Beistand freier Völker wird außenpolitischer
Grundsatz àBeginn des Kalten Kriegs
• Zwei-Lager-Theorie: Blockbildung USA ó Russland àdem Gegner wird
falsches Demokratieverständnis angehängt
• Keine Kredite/Lieferungen zwischen UdSSR und USA
• Gründung der „Organisation der Blockfreien“
• Brüsseler Pakt 1948: Militärbündnis zwischen FR, GB und BENELUX
• Gründung der NATO 1949: Militärbündnis (Nordatlantikpakt)
• Warschauer Pakt 1955: Militärbündnis des Ostblocks (ó NATO)
2. Internationale Konflikte des Kalten Kriegs
a. Koreakrieg
• 1950-1953
• UNO (=USA) + Südkorea ó Nordkorea + China + Russland
• Ziel: Wiedervereinigung unter eigener Führung, auch: ideologische
Auseinandersetzung
• Beginn durch Invasion Nordkoreas in Südkorea
• Ende durch Waffenstillstandsabkommen
• Opfer: 940.000 Soldaten, 3 Mio. Zivilisten (davon 2,5 Mio. Nordkoreaner),
Luftbombardement (mit Napalm)
• Bis heute keine Aufarbeitung und keine Annäherung
b. Suezkrise
• Oktober 1956-März 1957
• Frankreich + Großbritannien + Israel ó Ägypten
• Ägypten blockfrei, aber über Kredite an die UdSSR gebunden
• Auslöser: Verkündung Nassers, dass Suezkanal verstaatlicht wird
• Beendigung durch fordern von Einstellung der Kamfphandlungen von USA UND
UdSSR
c. Ungarische Revolution
• 23. Oktober 1956-November1956
• Friedliche Revolution in Ungarn, Forderung: Freiheit und Unabhängigkeit
• Sturz der Regierung, Imre Nagy Ministerpräsident
• Austritt aus dem Warschauer Pakt
• 4. November: Invasion sowjetischer Truppen, Einrichtung einer Regierung unter
János Kádár
• Blutige Niederschlagung der Aufstände, Hinrichtungen
• Kein Einschreiten des Westens, u.a. wegen Uneinigkeiten (s. Suezkrise)
d. Berlin Tank Stand Off
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• 27.10.1961 17:00 – 28.10.1961 11:00
• USA ó Sowjetunion
• 10 Panzer auf jeder Seite
• Auslöser: Kontrollen am Checkpoint Charly
• Ende: Telefonat zwischen Kennedy und Chruschtschow über den „heißen Draht“
e. Kubakrise
• 14.-28.10.1962
• USA ó UdSSR
• Gegenseitige Bedrohung eines atomaren Erstschlags
• Positionierung von Mittelstreckenraketen der USA in Türkei àSowjetunion in Kuba
• Verhängung der Seeblockade seitens der USA, Zuspitzung
• Diplomatische Einigung zwischen Kennedy und Chruschtschow àVerhinderung
eines Atomkrieges in letzter Minute
f. Der Prager Frühling
• Frühjahr 1968
• Tschechoslowakei ó Sowjetunion
• Versuch demokratischer Reformen der Bevölkerung àGefährdung des Sozialismus
• Machtübergabe Antonín Novotnýs an Alexander Dubcek (=Leitfigur)
• 21. August 1968: Einmarsch von Soldaten des Warschauer Paktes (500.000)
g. Vietnamkrieg
• 1955 – 1. Mai 1975
• USA + Südvietnam + SEATO-Verbände ó Nordvietnam + Vietcong (unterstützt von
UdSSR und China)
• Kampf gegen den Kommunismus
• Beginn als Bürgerkrieg nach Teilung Vietnams
• Verheerende Kampfhandlungen, 2-5 Mio. Tote (größtenteils Zivilbevölkerung)
• Demonstrationen gegen Vietnamkrieg, Macht der Presse
• USA zieht 1973 alle Truppen ab, Fremdwahrnehmung erschüttert
• 1975 siegt Nordvietnam àSüdvietnam kapituliert, Gründung der Sozialistischen
Republik Vietnam
h. Afghanistankonflikt
• April 1978: Staatsstreich der kommunistischen Volkspartei gegen Demokratische
Volkspartei (DVPA)
• Dezember 1979: Intervention der Sowjetunion à10-jährige Besatzung Afghanistans
• Sowjetisch-afghanischer Krieg bis Rückzug der UdSSR 1989
• Bis Intervention der USA 2001 Bürgerkrieg, Taliban hat viel Kontrolle, seitdem
Demokratie, die dem Terror ausgesetzt ist
3. Entspannung im Kalten Krieg
a. Der politische Wandel in Mittel- und Osteuropa
i. Ursachen
• KSZE-Beschlüsse vom 1. August 1975 àOpposition bekommt mehr Macht
• Gorbatschow: Perestroika (=Umbau) und Glasnost (=Öffentlichkeit)
• Wirtschafts- und Versorgungskrise
• Krise des Kommunismus àUnzufriedenheit der Menschen
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• Unabhängigkeitsbestrebungen, Nationalitätenkonflikte
• Politik der Stärke von Ronald Reagan in den USA
ii. Der Wandel
• Entmachtung der kommunistischen Regierungen
• Abschaffung der Einparteidiktatur
• freie Wahlen
• Marktwirtschaft
• Achtung der Menschenrechte
• Abrüstung
• Auflösung des Warschauer Paktes 1991
• Unabhängigkeitserklärungen von Teilgebieten
b. Osteuropa
i. Tschechoslowakei
• Herbst 1989: „samtene Revolution“
• Zerfall in einen tschechischen und einen slowakischen Staat
ii. VR Rumänien
• Revolution 1989, Hinrichtung des Diktators Ceausescu
• Republik Rumänien
iii. VR Jugoslawien
• Zerfall Jugoslawiens in Einzelstaaten
• Bürgerkrieg
iv. VR Polen
• Früher Widerstand gegen Kommunismus
• 1978: polnischer Papst Johannes Paul 2.
• 1982: Verbot der Solidarnosc (Gewerkschaft, antikommunistischer
Widerstand)
• 1989: demokratische Wahlen àNiederlage der Kommunisten
• Republik Polen, Präsident: Lech Walesa
v. VR Ungarn
• Reformbewegung à 1988 Rücktritt der kommunistischen Regierung
• Öffnung der Grenze zu Österreich im September 1989 àAusreise vieler
DDR-Bürger
• Republik Ungarn
vi. VR Bulgarien
• Verwestlichung ab 1996
• Republik Bulgarien
vii. Albanien
• Tod des kommunistischen Diktators Enver Hoxha 1985 àChaos und Terror
• Intervention im Auftrag der UNO àfreie Wahlen 1997

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