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Anregungen zum Tridentinum (1545-1563)

Tagte mit Unterbrüchen.

Teilnehmer:

Sämtliche Kirchenoberen (Kardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe, Äbte). Anfänglich Beteiligung


von protestantischen Vertretern, dann Abzug während des Konzils, als drei päpstliche
Gesandte ins Konzil einzogen. Ausserdem wollten die Protestanten die Bibel zur einzigen
Grundlage der Verhandlungen machen.

Zielsetzungen:

Zitat eines Kardinals: "Aus drei Ursachen ist das Konzil versammelt: (1) um die falschen
Lehren auszurotten, (2) um die Kirche zu reformieren und (3) um den Frieden zu erlangen."
 Abgrenzung von Protestantismus durch Neudefinition des Katholizismus, innere Reform.

Zum Ziel der katholischen Reform: Kirchenreform an "Haupt und Gliedern" (Nachahmung
der Reformatoren)

Was könnte damit gemeint sein? - Umfassende Reform, welche die Missstände auf allen
kirchlichen Hierarchieebenen (vom Papst bis zum Weltgeistlichen) beseitigen soll.

Massnahmen:

Das Tridentinische Konzil (1545-1563) erliess zwei Kategorien von Dekreten (kirchlichen
Beschlüssen) mit unterschiedlichen Zielen:

...Reformbestimmungen (decreta de reformatione)  Beseitigung der kirchlichen Missstände in der


katholischen Kirche (also: eher katholische Erneuerung):

 Genaue Formulierung der Aufgaben des Klerus


 Bessere Ausbildung des Klerus
 Verbot der Pfründenanhäufung
 Verbot des Ablasshandels
 Strenge Einhaltung der Ordensregeln
 Residenz- und Visitationspflicht der Kirchenfürsten

...Glaubenssätze (decreta de fide)  Distanzierung von Protestantismus, Anerkennung der


Glaubensspaltung (also: eher Gegenreformation):

 Kirchliche Tradition (Papst- und Konzilserlässe sowie Lehren der Kirchenväter) sind als
Glaubensquelle der Bibel ebenbürtig
 Starke, in Glaubensfragen unfehlbare Kirche
 Gnade Gottes kann durch "gute Werke" erlangt werden
 Bestätigung der sieben Sakramente

Index verbotener Bücher (index librorum prohibitorum) ab 1559 in 42 Auflagen bis 1948 publiziert,
letzte Auflage bis 1966 in Kraft geblieben.

--> Hier Möglichkeit, Beschlüsse auf Zetteln zu notieren und von Schülerschaft korrekt zuordnen zu
lassen.
Anmerkungen zum Index librorum prohibitorum (vom Praktischen zum Theoretischen):

Eine Liste von Büchern, welche durch die römisch-katholische Kirchenleitung als gefährlich
für den Glauben oder die Moral der Katholiken verboten wurde.

Bis 1966 schrieb das kanonische Gesetz zwei Hauptformen der Kontrolle über Literatur vor:
die Zensur der Bücher durch Katholiken vor der Publikation hinsichtlich Glaubens- oder
Moralangelegenheiten (eine immer noch verfolgte Praxis); und die Verdammung der
veröffentlichten Bücher, welche als schädigend betrachtet wurden. Die Werke, welche auf
dem Index erscheinen, sind ausschliesslich diejenigen, bei welchen die kirchliche Autorität
gefragt wurde, sie anzuklagen (to act upon).

Bücherverbrennung schon bei St. Paul (Apostelgeschichte 19, 19)

Geschichte der katholischen Bücherzensur

325 Thalia von Arius wurde verdammt, weil es "falsche Lehren enthielt", das Verbergen von
Kopien wurde mit dem Tode geahndet.

496 Unter Papst Gelasius erste Bücherliste in einem Dekret, allerdings auch Empfehlung von
Büchern.

Um 1450 Erfindung der Druckerpresse erschwert Zensur.

Aufbau des Index: Erster Teil, in welchem die Kirchenpolitik bezüglich der Verdammung von
Büchern und deren Richtlinien erläutert wurden. Zweiter Teil mit aktueller Liste der
verdammten Bücher.

Möglichkeit von opera omnia, z.B. René Descartes, Johannes Heidegger, Thomas Hobbes,
Jean Paul Sartre, François Voltaire und Emile Zola. Oder: Opera fabulae amatoriae. Alle, die
"unreine Liebe" behandelten: Stendahl, George Sand, Honore de Balzac, Eugene Sue,
Alexandre Dumas Sr., Alexandre Dumas Jr., Champfleury, Ernest Feydeau, Henry Murger,
Frederic Soulie und Gabriele D'Annunzio.

Erster Index stammt aus dem Jahre 1559, publiziert von der Heiligen Kongregation der
römischen Inquisition.

Veröffentlicht unter dem Namen "Index auctorum et librorum prohibitorum" unter der
Leitung von Papst Paul IV.

Paulinischer Indext war der erste in einer langen Reihe von päpstlichen Indices, insgesamt 42.

Absicht: Unterstützung von Zensuristen in ihren Entscheidungen.

Konzil über Paulinischen Index gespalten. Kommission begann mit der Ausarbeitung eines
neuen Indexes. Konzil beendet, bevor Arbeit beendet. Dennoch von Pius IV. übernommen
und 1564 von Paulus Manutius in Rom veröffentlicht. --> Autoritativster Führer, den die
Kirche je veröffentlicht hatte. Seine Listen wurden zur Grundlage aller folgenden Indexe.
Der Grundsatz einer Liste verbotener Bücher wurde auf dem fünften Laterankonzil im Jahre
1515 übernommen, dann durch das Tridentinum bestätigt. Die erste Ausgabe des ILP aus dem
Jahre 1557 wurde von Papst Paul IV. veröffentlicht. Die 32. Auflage von 1948 umfasste 4'000
Titel. Der Index wurde 1966 abgeschafft.

Anzahl der Bücher, die in den Index eingetragen wurden:

1600 469
1650 862
1700 723
1750 463
1800 576
1850 778
1900 255

Letzte Auflage im Jahre 1948.

In sich mehrmals gekürzter Artikel H aus dem ILP. Zweiteiliger Aufbau: Erste Hälfte
Gesetzgebung bezüglich der Bücher, zweite Hälfte Liste mit Titeln.

Fragen:

(1) Welche Aufteilung wurde vorgenommen? (Drei Kategorien: Alle Werke, Bücher ganz
bestimmter Autoren, Bücher unbestimmter Autoren)

(2) Prominente? – Huldrich Zwingli, wie auch alle anderen Reformatoren. Also einerseits
gegen die Reformierten gerichtet, von dem her ähnlich wie decreta de fide,
andererseits aber auch "innere Reform", indem nur noch die Bücher gelesen werden
sollten, welche der Kirche dienlich sind.

(3) Worin lag Funktion? – Unterstützung von Zensuristen bei Bücherverboten,


-verbrennungen etc. Aber auch Entscheidungshilfe, wenn lokale Zensuristen bei einer
Neuerscheinung etwas unschlüssig waren.

(4) Weshalb hatte die Bücherzensur ausgerechnet in Früher Neuzeit Hochkonjunktur? –


Einerseits Aspekt der Gegenreformation (systematische Unterdrückung ketzerischer
Meinungen), andererseits auch Potenzierung der Veröffentlichungen und deren
Auflagenzahlen seit Erfindung der Druckerpresse durch Gutenberg.

Erster Index als Grundlage für alle folgenden 42 Neuauflagen (bis 1948) 1559 vom
Nachfolger Pauls III., Paul IV., zusammengestellt und von der Heiligen Kongregation der
römischen Inquisition publiziert. In der letzten Auflage von 1948 stattliche 4'000 Artikel. Erst
1966 ganz aufgehoben.

Wer hat in der gut vierhundertjährigen Geschichte alles Eingang gefunden?

Sämtliche Reformatoren,
Erasmus,

Machiavelli,

Descartes, La Fontaine, Voltaire, Rousseau, Stendhal, Balzac, Hugo, Zola, Sartre

John Locke, Francis Bacon, Daniel Defoe, Jonathan Swift,

Heinrich Heine, Immanuel Kant

...Reformbestimmungen (decreta de reformatione)  Beseitigung der kirchlichen Missstände


in der katholischen Kirche (also: eher katholische Erneuerung):

 Genaue Formulierung der Aufgaben des Klerus


 Bessere Ausbildung des Klerus
 Verbot der Pfründenanhäufung
 Verbot des Ablasshandels
 Strenge Einhaltung der Ordensregeln
 Residenz- und Visitationspflicht der Kirchenfürsten

Fazit: Klare Antworten durch Abgrenzung von Protestantismus und

Abschreiben lassen.

Frage: Weshalb wurde die Gegenreformation nicht schon früher (bereits in den Zwanziger
Jahren des 16. Jh.) eingeleitet?

 Grundsätzlich lange unklar, ob Reformation überhaupt zur endgültigen


Kirchenspaltung führen würde  Verharmlosung der Reformation
 Eingeschränkter Handlungsspielraum Kaiser Karls II. (Kriege gegen Frankreich und
Türkei)
 Angst des Papstes vor sogenanntem Konziliarismus und daher Zögern bei der
Einberufung eines Reformkonzils
 Persönlichkeiten: Clemens VII. (1523-1534) war weniger reformfreudig als Paul III.
 Reformfreudigere Protestanten bereits aus den Reihen der Katholiken ausgetreten

Mitentscheidend für den Erfolg der Jesuiten war aber auch, dass die Kirchenspitze nicht mehr
den desolaten Eindruck hervorrief wie zu Beginn des 16. Jh. Hatte Papst Clemens VII. (1523-
1534), ein Medici, sich noch erfolgreich gegen ein Konzil gewehrt, so zeigte sich sein
Nachfolger, Paul III. (1534-1549), reformwilliger. Er leitete die Konsolidierung der Kirche in
die Wege, indem er mit drastischen Reformen begann. Er setzte die Anwesenheitspflicht der
Bischöfe in ihrem Sprengel durch, förderte den Jesuitenorden und gründete 1542 die römische
Inquisition (kirchliche Institution zur Ketzerverfolgung). Vor allem setzte er mit dem Konzil
von Trient (1545-1563) die katholische Kirchenreform an "Haupt und Gliedern" in Gang.

Tagungsort und Dauer des Konzils machen die Probleme deutlich, mit denen die
Kirchenfürsten zu kämpfen hatten. Die europäische Politik, die Rivalität Frankreich –
Habsburg, spielte immer wieder in ihre Entscheidungen mit hinein. So hätte das Konzil
sicherlich früher stattfinden können, wenn man sich eher auf einen Ort geeinigt hätte. Mit
Trient wurde eine Stadt gefunden, die theoretisch im Heiligen Römischen Reich lag, faktisch
aber zu Italien gehörte. Das ursprüngliche Ziel der Wiedervereinigung der Kirche war in den
drei Sitzungsperioden über fast zwanzig Jahre hinweg nicht zu erreichen. Grund: 1555 sichert
Gewinne des Protestantismus. Dann Ziel der Abgrenzung gegenüber der abgespaltenen
Kirche: Kirchentradition (Papsterlässe, Konzilsbeschlüsse) neben Heiliger Schrift
gleichwertig, ausschliessliches Recht der Kirche, Schrift auslegen zu können, Bestätigung der
Bedeutung "guter Werke" und der Wirksamkeit des Ablasses. Festhaltung an allen
Sakramenten. Stärker verändern griff das Konzil in die zahllosen unbestrittenen Missbräuche
ein: Persönliche Bereicherung beim Ablassverkauf wurde verboten, ebenso Ämterkauf und
Pfründenhäufung. Die Bischöfe sollten sich im Rahmen ihrer "Residenzpflicht" stärker um
die seelsorgerische Verpflichtung für ihre Sprengel kümmern. Abwesenheit hatte Einziehung
der Pfründe zur Folge. Die Reform sollten die Bischöfe nach unten weitergeben. Dazu
mussten sie Priesterseminare einrichten, um besser qualifizierte Theologen in die Gemeinden
schicken zu können. Frage: Papst oder Konzil höchste Autorität? – Beantwortet dadurch, dass
alle Beschlüsse dem Papst zur Genehmigung vorgelegt werden mussten.

Kurie behindert jahrelang. Gründe: (1) Furcht, dass Konzil unter Druck von Karl V. und
Ferdinand I. den deutschen zu grosse Zugeständnisse machen könnte und so einer
Reichsreform im Sinne der habsburgischen Politik den Weg öffnen könnte, was für den
Kirchenstaat Gefahren barg. (2) Angst vor dem Wiederaufleben konziliarer Machtansprüche
(Verweis auf Papstwahl in Konstanz und vorher Basel).

Erst Pius IV. ermöglichte eine intensive Konzilsarbeit, allerdings nach seinen Wünschen. In
Glaubensdekreten wurde ein scharfer Trennungsstrich gegen alle Formen evangelischer
Theologie gezogen. "Tradition", Konzils- und Papstentscheidungen wurden der Heiligen
Schrift gleich gesetzt. Betonung der Bedeutung der guten Werke und der Mittlerrolle des
Priesters sowie der sieben Sakramente. Folge: Tridentinum zementierte die Glaubensspaltung.
Immerhin aber: Reformdekrete, in welchen der Priester zur sonntäglichen Predigt verpflichtet
wurde, die Ämterkumulation und das Pfründenwesen beseitigt werden sollte, der
Bildungsstand durch Priesterseminar angehoben werden sollte, Aufstellung eines Indexes mit
schädlichen Büchern.

Zusammenfassende Bestimmung, welche Komponenten jetzt jeweils stärker


gegenreformatorisch im engeren Sinne (also aggressiv gegen die Protestanten gewandt) und
welche Komponenten reformerisch im Sinne einer "inneren Reform der katholischen Kirche".

Ergebnisse des Tridentinums (1545-1563):

 Abgrenzung von Reformation: Mensch sündig, aber der Heilung fähig; hohe
Bedeutung der "guten Werke"; hohe Bedeutung der kirchlichen Traditionen, d.h.
Papst- und Konzilsbeschlüssen; sieben Sakramente.
 Katholische Reform: Einrichtung von Priesterseminaren; Richtlinien der kirchlichen
Verwaltung.

Abschliessend Beurteilung (wie wir es stets machen wollen) der Gewichtung


Gegenreformation (de fide) – innere katholische Reform (de reformatione).  Etwa
ausgewogen.

3) Katholische Inquisition (Ketzerverfolgung) gehen wir nicht genauer ein. Während


Tridentinum stärker auf eine katholische Erneuerung hinzielen (innerkirchliche Reformen),
wenden sich die Jesuiten und besonders natürlich die Inquisition gegen die äusseren "Feinde"
des Katholizismus (Gegenreformation). Gegenreformation aber oft auch im weiteren Sinne
für alle Massnahme, die gegen die Protestanten gerichtet sind, verwendet. Katholische
Erneuerung dann auch eingeschlossen.

Abgrenzung von Gegenreformation und katholischer Erneuerung. Beide Bewegungen sollten


die Ausbreitung des Protestantismus einschränken. Bei Gegenreformation steht aber eher der
gewaltsame, nach aussen gewandte Wirken, bei der katholischen Erneuerung stärker die in
sich gekehrte Reform, mit der man Missstände in der katholischen Kirche bekämpfen möchte.

Abschliessend Beurteilung (wie wir es stets machen wollen) der Gewichtung


Gegenreformation überwiegt (Gewalt zur Wiederherstellung der katholischen Vorherrschaft).