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LAJOS KASSÁK

B O T S C H A F T E R D E R AVA N T G A R D E 1 9 1 5 – 1 9 2 7

Literaturmuseum Petőfi – Kassák Museum Budapest, 2011


Inhalt

Dr. Veronika Baksa-Soós: KassÁk, der Zeitgenosse! 7


János Can Togay: auf den namen lajos kassak… 8
Dr. Thomas Köhler: Vernetzungen – Die Ausstellung Lajos Kassáks
und deren Bezüge zur Neupräsentation der Sammlung der Berlinischen Galerie 10
Edit Sasvári – Franciska Zólyom: Lajos Kassák − Aufbruch in die Moderne 13
Dr. Éva Forgács: „Du gibst uns zu essen und deswegen kämpfen wir gegen dich”
Konzepte von Kunst und Staat bei Lajos Kassák und in der ungarischen Avantgarde 22
Júlia Cserba: Imre Pán – Die parallele Initiative 42
Lajos Kassák Biografie 51

Manifeste, Texte, Briefe

Programm, 1916 58
Signal in die Welt, 1916 61
Manifest zum internationalen Kongress der Intellektuellen, 1920 62
Zur russischen Kunstausstellung in Berlin, 1922 69
Stellungnahme der Gruppe „Ma” in Wien zum ersten Kongress
der Fortschrittlichen Künstler in Düsseldorf, 1922 71
Bildarchitektur, 1922 74
Die Reklame, 1926 76

Lajos Kassák an Christof Spengemann, 25. Juli 1920 78


Béla Bartók an Lajos Kassák, 24. Mai 1921 79
Ernő Kállai an Lajos Kassák, Juli 1921 80
Emil Isac an Lajos Kassák, 29. Juli 1921 80
László Moholy-Nagy an Lajos Kassák, 22. Februar 1922 81
Ludwig Kassák an Tristan Tzara, Frühjahr 1922 82
Ivan Goll an Lajos Kassák, 10. August 1922 83
Ludwig Kassák an Tristan Tzara, 29. Oktober 1922 84
Tristan Tzara und Hans Arp an Lajos Kassák, 14. August 1922 85
Ludwig Kassák an Tristan Tzara, 4. August 1924 86
Günter Hirschel Protsch an Ludwig Kassák, 21. November 1927 87

Anmerkungen 90
Werkverzeichnis 92
kassÁk, der zeitgenosse!

„es steht fest daß der dichter sich entweder etwas baut woran er
seine freude hat oder er mag getrost die weggeworfenen zigaretten
aufpicken oder oder
vögel verschlangen die stimme
allein die bäume singen weiter
das ist schon ein zeichen vom alter
doch ist es ganz belanglos
ich bin LUDWIG KASSÁK
und über unseren köpfen fliegt der nickelsamowar fort.” 1

An Lajos Kassák denken wir im Berliner Collegium Hungaricum häufig.


Sein Lebensweg und seine Persönlichkeit galten einer kulturellen Mission,
derer er sich aus freien Stücken angenommen hatte – man könnte geradezu
sagen, er repräsentierte ein europäisches Interesse.
Lajos Kassák ist eine einzigartige Persönlichkeit der ungarischen bildenden
Kunst im zwanzigsten Jahrhundert.
Mit seiner souveränen, katalysierenden Tätigkeit beim Ausbau eines Net-
works schuf er den Typus des aktiven Künstlers und war damit ein Vorbild
für mehrere Epochen und Künstlergenerationen.
Béla Hamvas und Katalin Kemény formulierten in ihrem Aufsatz „Revolution
in der Kunst” im Zusammenhang mit der Gründung der Zeitschrift Ma fol-
gende Charakterzeichnung von Kassák: „Die Ma wurde von Lajos Kassák mit
einer Zielsetzung gegründet, für die es bei uns bis dahin kein Beispiel gegeben
hatte: Er wollte endlich auch hier alle Künste und die Form der künstlerischen
Existenz in einem einzigen europäischen, zeitgemäßen und revolutionären
Bewusstsein vereinen, doch jetzt auch ein für alle Mal legitimieren.” 2
Als Leiterin der Moholy-Nagy Galerie im Collegium Hungaricum Berlin
ist es mir eine außerordentlich große Freude, dass die hier realisierte Aus- Manifest: KassÁk!
Eine intermediale Annäherung
stellung die Würdigung der Arbeit Lajos Kassáks mit einer intermedialen Collegium Hungaricum Berlin
Annäherung und zeitgenössischen Interpretation ausdrückt, die diesem Foto: Robert Maly

Vertreter der ungarischen Avantgarde gerecht werden. Umgesetzt wird diese


Idee durch Memetics Berlin, eine kreativ-künstlerische Initiative zur Ausar-
beitung neuer Formen im Bereich der Interaktion von Mensch und Maschine.
Die namhafte Berlinische Galerie – Landesmuseum für moderne Kunst,
Fotografie und Architektur konnte als Partnerinstitution gewonnen werden,
so sind die Kunstwerke Kassáks ebenfalls in würdiger Umgebung zu sehen.
Die Präsentation Kassáks in Gesellschaft der Werke von Sándor Bortnyik,
László Moholy-Nagy, János Mattis Teutsch, Lajos Tihanyi, László Péri und
seiner nicht-ungarischen Zeitgenossen wie Max Ernst, Hans Arp, Sonia
Delaunay, Natalia Goncharova, El Lissitzky, Francis Picabia, Iwan Puni
und Kandinsky ist der engagierten Arbeit und dem Fachwissen der beiden
Kuratorinnen – Edit Sasvári und Franciska Zólyom – zu verdanken. Die
ungarische EU-Ratspräsidentschaft könnte wohl kaum mit einer adäquateren
Persönlichkeit gefeiert werden als mit Lajos Kassák. Als Zeitgenosse wäre Lajos Kassák
Botschafter der Avantgarde 1915–1927
er heute sicherlich ein begeistert agierender Aktivist und Blogger im Web Berlinische Galerie
2.0, mit einem riesigen Fanclub und unzähligen Anhängern. Foto: Kai-Annett Becker

Berlin, den 12. Mai 2011

Dr. Veronika Baksa-Soós


Leiterin der Moholy-Nagy Galerie im Collegium Hungaricum Berlin (.CHB)
6 7
„übrigens kann die wahrheit auch nur von dichtern ausgesprochen werden inmitten der beklemmenden atmosphäre der scheinheiligen, ideologisch
/ ich bin den dichtern verwandt / doch gleichzeitig bin ich spaten und hebekran“ durchtränkten, manipulativen und platten welt unseres schulalltags, aber
l. kassák auch inmitten von mit erhobenem zeigefinger und verklärter stimme vor-
getragenen klassikern der „normalen” literatur, waren die avantgardisten –
auf den namen lajos kassák traf ich 1969, zwei jahre nach seinem tod. die aus rein ideologischen gründen auch zur pflichtliteratur gehörten, jedoch
damals war ich 14 und begann gerade meine schulzeit an einem der buda- sorgfältigst eilig in zwei unterrichtsstunden abgefertigt wurden – unsere hel-
pester gymnasien. wir erhielten ergänzend zu unserem literaturlehrbuch ein den, sie schienen aus dem gleichen holz geschnitzt wie wir, sie interessierten
lesebuch zur literatur des zwanzigsten jahrhunderts. innerhalb kürzester zeit sich für die gleiche sache: nämlich den aufruhr, die freiheit, das neue, die
wurde unter allen im buch aufgeführten und sorgfältig in kapitel geordneten zukunft … und die gerechtigkeit.
textauszügen unser lieblingskapitel das mit dem titel die europäische avantgarde. unter all den fremden und spannenden namen der im lehrbuch aufgeführten
berauscht von der für uns bislang unbekannten freiheit und aufsässigkeit, die europäischen avantgardisten war für uns der spannendste und beliebteste der,
uns aus diesen texten entgegenschlug, sprangen wir in den unterrichtspausen dessen nickelsamowar über unsere köpfe flog: lajos kassák. war er doch ein
auf die schulbänke und rezitierten wild auszüge aus gedichten von tzara, ungar, einer von uns und ein „europäischer avantgardist”! hatte er doch die
marinetti und anderen. dann schlugen und neckten wir uns weiter, stürmten große, weite welt erlebt und war dennoch ein ungar in ungarn geblieben; er
auf den flur und verkündeten laut und triumphierend die devise: und über war ein inbegriff der revolte und dennoch ein klassiker. kassák war eine art
unseren köpfen fliegt der nickelsamowar fort. von verheißung, die besagte, dass es auch uns möglich sein sollte, unserem
natürlichen freiheits- und aufruhrdrang nachzugehen und uns über grenzen
hinwegzusetzen, teil der welt zu werden, ohne uns aufgeben zu müssen, die
zukunft zu erobern, um die gerechtigkeit zu erreichen, auf ein großzügiges
leben zu hoffen trotz der uns umgebenden welt der kleinkarierten kommunis-
tischen diktatur der genossen lehrer, der genossen dichter und der genossen
politiker und des je anstehenden nächsten parteitags.
in der tat ist lajos kassák einer der hervorragenden und in vieler hinsicht
alleinstehenden universalisten der ungarischen kulturgeschichte des zwan-
zigsten jahrhunderts. ein aktivist und künstler von europäischer und welt-
weiter bedeutung, dessen verbundenheit und engagement ihn nach seiner
emigration zurück in seine heimat zogen und ihn bis zu seinem lebensende
auch unter den schwierigsten umständen zu einem künstlerischen und mo-
ralischen beispiel der unbeirrbarkeit und der authentizität machten. seine
strenge freiheitsliebe und unvoreingenommenheit machten ihn zum paten
vieler junger künstler, die in zeiten der kadarschen diktatur wege der inne-
ren freiheit und des ausdrucks suchten, und ließen den künstlerischen an-
spruch und das bestreben auf allgemeingültigkeit nie erlöschen. somit war
kassák einer der wichtigsten leuchtpunkte, die – wie bartók, hamvas, ligeti 48. Lajos Tihanyi
und moholy-nagy – der ungarischen kultur als ein pharos zum universellen Tristan Tzara, 1926

dienten und weiterhin dienen können.


das .chb ist stolz und erfreut, die doppelausstellung zum werk lajos kassáks
in zusammenarbeit mit der berlinischen galerie und dem kassák museum
budapest präsentieren zu dürfen. mein dank gilt den kuratoren und künstle-
rischen mitarbeitern der ausstellungen, den partnern memetics berlin und ars
electronica linz, sowie den institutionen, die uns dieses unternehmen im rahmen
der ungarischen eu-ratspräsidentschaft ermöglicht haben.

jános can togay


botschaftsrat, direktor des collegium hungaricum berlin (.chb)

5. Lajos Tihanyi
8 Lajos Kassák, 1918 9
VERNETZUNGEN – DIE AUSSTELLUNG LAJOS KASSÁKS UND Sammlungspräsentation des Museums sind einige Exemplare vertreten und
DEREN BEZÜGE ZUR NEUPRäSENTATION DER SAMMLUNG DER ergänzen so das Bild eines einzigartigen, interdisziplinären publizistischen
BERLINISCHEN GALERIE Forums, welches in Berlin in den Jahren von 1910 bis 1932 erschien und
dessen Arbeit durch das Aufkommen des Nationalsozialismus und die Emi-
Kunstwerke, Archivalien und Dokumente der Berliner DADA-Bewegung gration Waldens abrupt beendet wurde.
gehören zu den zentralen Sammlungsbeständen der Berlinischen Galerie. Im Jahr 2005 fand im Centre Pompidou in Paris eine groß angelegte Aus-
Als Bürgermuseum gegründet, hat sich die Sammlungspolitik immer wieder mit stellung zur DADA-Bewegung statt, zu welcher die Berlinische Galerie aus
den Avantgarden, mit den Brüchen und den Oppositionsbewegungen in der ihren Sammlungen eine Vielzahl von Leihgaben zur Verfügung stellte. Lajos
Stadt befasst. Neben den klassischen Disziplinen der Malerei, der Skulptur, Kassák war in dieser Ausstellung mit mehreren Exponaten vertreten, die sich
der Grafik und Fotografie sind die Architektursammlung und die Künstler- vor allem mit den Zeitschriften A Tett und Ma befasste und die Frage der
Archive integrale Bestandteile der Museumskonzeption. Vernetzung der Avantgarde-Künstler untereinander vor allem mit Beispielen
Die Idee, eine Ausstellung des ungarischen Modernen Lajos Kassák in seiner publizistischen Tätigkeit belegte. In der Berlinischen Galerie kommt es
der Berlinischen Galerie zu realisieren, macht in besonderem Maße Sinn, also nun abermals zu einer Kontextualisierung des Werkes Kassáks, die auf
ermöglichte sie doch den Ausstellungsmacherinnen, bei der Kompilation des der kuratorischen Entscheidung beruht, Kassák nicht monographisch, sondern
Materiales auch auf die Bestände der Berlinischen Galerie zurückzugreifen. eingebettet in einem künstlerischen Kosmos zu zeigen.
Überdies sind die Bezüge der temporären Kassák-Ausstellung auch in der Der erste Raum des Sammlungsrundgangs in der Berlinischen Galerie ist der
aktuellen Sammlungspräsentation, insbesondere zu den ausgewählten Bei- Kunst des Wilhelminismus und der beginnenden künstlerischen Opposition zum
64. Ma [Heute] / Lajos Kassák (Red.)
spielen der Künstler-Archive, herzustellen. doktrinären, rückwärtsgewandten Akademismus der Kaiserzeit gewidmet. Der Viking Eggeling Sonderheft
VI/8, Wien, 1. August 1921
Zum einen war es natürlich Wien, wo sich viele der ungarischen Avantgar- sich anschließende Raum zeigt mit Lovis Corinth und Lesser Ury Hauptvertreter
Titelblatt: Viking Eggeling
dekünstler zusammen fanden, denn sie hatten nach dem Ende der Räterepublik der Berliner Secession. Beide Räume fungieren als Hinführung zur DADA-Be-
1919 das Land verlassen müssen und organisierten sich im Ausland neu. Lajos wegung und zum Expressionimus in Berlin, die sich als politisch-künstlerische
Kassák und seine Zeitschrift Ma waren in der österreichischen Hauptstadt Reaktionen auf die Katastrophe des Ersten Weltkriegs formiert hatten.
ein wichtiger Punkt der Orientierung und Neugruppierung für Künstler aller Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges sahen viele Künstler die Zeit für
Sparten aus Ungarn. Seine dadaistischen Aktivitäten hatten 1915 in Budapest einen radikalen Neuanfang gekommen. Ganz besonders deutlich wurde die
begonnen, also noch einige Monate, bevor die Bewegung in Zürich begann. revolutionäre Neuausrichtung und der Wunsch, mit allem Überkommenem
Inhaltlich war die Zeitschrift Ma auch stark vom Expressionismus und dem zu brechen, an der Novembergruppe, die sich programmatisch den Revo-
italienischen Futurismus beeinflusst, und anderen Avantgardebewegungen lutionsmonat zum Namensgeber erkoren hatte und zu deren Mitgliedern Ma [Heute] / Lajos Kassák (Red.)
Europas gleich attackierte sie die Kunst des Establishments. Sie protestierte beispielsweise Rudolf Belling, Max Dungert und Otto Freundlich gehörten. Konstruktivismus Sonderheft
VIII/8, Wien, 30. August 1922
jedoch durchweg klar gegen die Absurdität des Krieges. Die Werke vieler Künstler der Novembergruppe sind in der Sammlung des Titelblatt: El Lissitzky
Das zweite Zentrum für die ungarischen Exilkünstler war Berlin. Herwarth Museums vertreten und offenbaren unterschiedlichste Bezüge zum künstle- Petőfi Irodalmi Múzeum – Kassák Múzeum

Waldens Galerie und gleichnamige Zeitschrift Der Sturm waren wichtiger rischen Umfeld der Zeitschrift Der Sturm.
internationaler Bezugspunkt und reflektierten über die Ausstellungs- und Mit ihren Arbeiten bezogen die Dadaisten, denen sich Kassák zunächst
Publikationstätigkeit expressionistische, dadaistische und konstruktivistische inhaltlich und formal am nächsten fühlte, radikal Stellung gegen den deut-
Tendenzen. Walden war als Publizist, Schriftsteller, Galerist und Komponist schen Nationalismus und Militarismus, das Preussen- und Spießertum. Die
europaweit mit den meisten Vertretern der künstlerischen Avantgarden verbun- kulturellen Traditionen dienten als Gegenbild, von dem es sich vehement
den, und seine Bedeutung für die Kunst- und Literaturwissenschaft sind immens. abzusetzen galt. DADA erfand neue ästhetische Praktiken, mit denen die
Zwar war Lajos Kassák in der “Ersten Internationalen DADA-Messe“, die Künstler aufklärerische Absichten verbanden. Der provokante Tabubruch
1920 in der Berliner Kunsthandlung Dr. Otto Burchard stattfand, nicht vertre- in ihren Arbeiten sollte Reflektionsprozesse in Gang setzen. Die Collage,
ten, aber aus diversen Quellen und Zeugnissen ist bekannt, dass es vielfältige das Klebebild aus Zeitungsausschnitten, wurde zum zentralen dadaistischen
Beziehungen gab. Schließlich mündeten die Kontakte nach Berlin, die vor Medium. In ihr konnten auf bissig ironische Weise die politischen und sozia-
allem über László Moholy-Nagy und Ernst Kállai bestanden, 1922 in eine len Probleme der Weimarer Republik kritisiert werden. Arbeiten von Hannah
abendliche Präsentation der Zeitschrift Ma in den Galerieräumen Herwarth Höch, George Grosz, Raoul Hausmann, historische Fotos und Dokumente
Waldens. Zwei Jahre später folgte am selben Ort eine Ausstellung der Bildar- aus den Archiven führen den Kontext vor Augen, den Kassák bei seinem
chitekturen, die Kassák in der Zwischenzeit entwickelt hatte. Aufenthalt in Berlin 1922 vorfand, und die Werke der russischen Kons-
Berlin galt in den 20er Jahren als Inbegriff der Modernität. Auch Kassák truktivisten, wie El Lissitzky, Naum Gabo und Wladimir Tatlin, die in der
fühlte sich durch die Dynamik der Stadt angezogen, fand dort Seeelenver- Sammlung der Berlinischen Galerie vertreten sind, zeigen jene Einflüsse,
wandte und Dialogpartner. Durch seine Ausstellungsaktivitäten entsteht die Kassák für seine weitere künstlerische Beschäftigung aufgenommen und
das Bild eines international vernetzten, dialogisch arbeitenden Künstlers, in seinen Bildarchitekturen umgesetzt hat.
der seinerseits in seine Zeitschrift deutsche Künstler wie Kurt Schwitters,
George Grosz oder Hans Richter mit einbezog. Walden hatte Kassák Dr. Thomas Köhler, Direktor der Berlinischen Galerie 65. Ma [Heute] / Lajos Kassák (Red.)
nicht nur ausgestellt, sondern wiederholt Beiträge in seine Zeitschrift Der Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur VII/3, Wien, 1. Februar 1922
Titelblatt: Iwan Puni
Sturm aufgenommen. Einige Exemplare der Künstlerzeitschrift sind in der
Ausstellung vertreten und wurden den Künstler-Archiven der Berlinischen
10 Galerie entnommen, die über die kompletten Jahrgänge verfügt. Auch in der 11
Edit Sasvári – Franciska Zólyom
LAJOS KASSÁK – AUFBRUCH IN DIE MODERNE

Mit Lajos Kassák (1887 – 1967) hielt im ersten Jahrzehnt des zwanzigsten
Jahrhunderts in Ungarn der Typ des modernen Künstlers Einzug, der in den
verschiedenen Phasen seines Lebens immer wieder neu originelle Antworten
auf die historischen und gesellschaftlichen Herausforderungen zu geben ver-
mochte. Kassák stammte aus einer ungarisch-slowakischen Familie. Seiner Bil-
dung boten weder Familie noch Schule eine Basis, trotzdem vertrat er schon
früh eine progressive und umfassende Denkweise und wurde aus eigener Kraft
eine international anerkannte Persönlichkeit. Kassák war ein Wegbereiter der
auch heute noch aktuellen Einstellung, nach der die künstlerische Tätigkeit
nicht nur innerhalb ästhetischer Grenzen zu denken ist: Er schuf eine Kunst,
die radikale Gesellschaftskritik mit kühnen, zukunftsweisenden Vorstellungen
vereinte. Kassák verstand die Kunst nicht als Selbstzweck, sondern als ein Inst-
rument, mit dessen Hilfe eine Gemeinschaft ähnlich denkender und engagier-
ter Menschen, eine Gesellschaftsbewegung fortschrittlicher Gesinnung aufge-
baut werden konnte. Dieses Ziel verfolgte er auch durch die Zeitschriften, die
er im Laufe seines Lebens – beinahe durchgängig – redigierte und herausgab.
Lajos Kassák ist in Ungarn eine wichtige Referenz in Literatur und Kunst,
sein künstlerisches Lebenswerk und seine markante Persönlichkeit – die von
einem gewissen Kult umgeben ist – sprechen bis heute Menschen mit un-
terschiedlichstem Interesse an. Für sein Lebenswerk interessiert sich jedoch
nicht nur das ungarische Publikum, sondern auch eine zunehmend große
Zahl internationaler Wissenschaftler.
Nach zwanzig Jahren 1 begegnet man in Berlin das erste Mal wieder dem
Werk von Kassák, dazu gleich in zwei Institutionen: im Collegium Hunga-
ricum Berlin und in der Berlinischen Galerie. In der Ausstellung Manifest:
KassÁk! des Collegium Hungaricum Berlin wird das vielseitige, jedoch kon-
sequent kritische Engagement des Künstlers in einer interaktiv-multimedialen
Installation von Michael Badics (Memetics Berlin) aus heutigem Blickwinkel
thematisiert. Die Informationen, die der Besucher durch aktive Teilnahme
erlangen und nach chronologischen, geografischen oder thematischen Aspekten
neu ordnen kann, präsentieren die wesentlichen Epochen seines Lebensweges:
Die kritische Auseinandersetzung des jungen Dichters mit den literarischen
Traditionen und die Suche nach avantgardistischen Ausdrucksformen, später die
zunehmend nachdrückliche Verschiebung in Richtung des künstlerischen Ak-
tivismus, die Jahre des Wiener Exils (1920 – 1926), in denen Kassák sein
internationales Netzwerk ausbaute, sowie die Zeit nach seiner Rückkehr nach
Ungarn, als er die neue Rolle der Kunst in der modernen Werbegrafik, der
Arbeiterbildung beziehungsweise in der Soziofotografie fand. Ein nicht we-
niger aufschlussreiches Kapitel seines Lebens ist die Zeit nach dem Zweiten
Weltkrieg, seine Aktivität in den Koalitionsjahren zwischen 1945 und 1948
sowie die Jahre seines inneren Exils während der fünfziger Jahre, zur Zeit
des Stalinismus. Durch eine besondere Widersprüchlichkeit gekennzeichnet
ist schließlich sein Status in der Kádár-ära, die ihn als Schriftsteller mit der
höchsten staatlichen Auszeichnung prämierte, als bildenden Künstler jedoch
bis zu seinem Lebensende nicht als Teil des offiziellen Kanons anerkannt
hat, sondern vielmehr aus dem künstlerischen Leben zu verdrängen suchte.
Die in der Berlinischen Galerie gezeigte Ausstellung Lajos Kassák –
Botschafter der Avantgarde (1915 – 1927) behandelt eine relativ knappe, doch
innerhalb des Lebenswerkes die vielleicht entscheidende Periode: die Jahre, Ilka Révai
Lajos Kassák, 1917
in denen Kassák als Redakteur der Zeitschriften A Tett (Die Tat) und Ma Petőfi Irodalmi Múzeum
12 (Heute) zu einem Akteur der europäischen Avantgarde-Bewegungen wurde. – Kassák Múzeum, Budapest 13
Deutscher Propaganda-Abend der
Zeitschrift Ma in Wien, 22. März 1925
Petőfi Irodalmi Múzeum, Budapest

Ma (1916 – 1925) ist die bekannteste Zeitschrift Kassáks, doch ihre Vorgän- ungarischen Räterepublik. 5 Nach dem Verbot von A Tett gründete Kassák
gerin A Tett (1915 – 1916) war im ungarischen kulturellen Leben eine mindes- seine neue Zeitschrift mit dem Titel Ma. 6 Während ihres Bestehens wurde
tens ebenso beachtenswerte Erscheinung, da mit ihr ein neues intellektuel- der Untertitel häufig abgeändert. Anfangs lautete er „Zeitschrift für Literatur
les Paradigma in Erscheinung trat. A Tett war die erste Zeitschrift Kassáks und Kunst“, dann „aktivistische Zeitschrift“ und schließlich „aktivistische
und entstand zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Ihr ungewohnt scharfer Ton und künstlerische und gesellschaftliche Zeitschrift“, was auch deutlich macht, aus
ihr europäischer Horizont wirkten im damaligen ungarischen gesellschaftli- welchem Blickwinkel das Organ in der zweiten Hälfte der 1910er Jahre zu
chen Umfeld provozierend. Aufgrund ihrer kriegsfeindlichen Rhetorik und den geschichtlichen Veränderungen Stellung bezog.
anarchistischen Ansichten wurde die Zeitschrift häufig Zielscheibe politischer Während der Budapester Zeit
Angriffe, ihre radikale Auffassung bezüglich der Aufgabe der Kunst spornte reichten die Aktivitäten Kassáks
jedoch die sich gerade entfaltende künstlerische Avantgarde und die akti- und des Ma-Kreises weit über
vistische Bewegung an. Ihre Vorbilder waren außer der Zürcher Zeitschrift die Redaktionsaufgaben hinaus.
Der Mistral 2 deutsche Organe. Inspiriert war die erste Zeitschrift Kassáks Gleich in der ersten Ausgabe
vor allem durch Die Aktion und Der Sturm sowie Die Tat, deren Einfluss machten die Mitglieder des Ma-
auch in seiner späteren Zeitschrift Ma zu spüren ist, die er 1916 gründete. Kreises in einem Propaganda-
Während Der Sturm eher in künstlerischer Hinsicht als eine wertvolle Quelle 3 Aufruf deutlich, dass sie die
diente, stand Kassák Die Aktion aufgrund ihrer gesellschaftlichen und poli- Schaffung und Gestaltung der
tischen Ausrichtung nahe. Bereits 1913 hatte Kassák eine wichtige Wander- Rahmenbedingungen für eine
ausstellung von Der Sturm im Budapester Nemzeti Szalon (Nationalsalon) neuartige künstlerische Pro-
gesehen. Das hier ausgestellte Bild Das Begräbnis des Anarchisten Galli von duktion als wichtigen Teil ih-
Carlo Carrà begeisterte ihn derart, dass er in A Tett einen Essay 4 darüber rer Arbeit erachteten. Die Ma Ma Ungarische Gruppe
Offsetdruck aus der Zeitschrift
schrieb. Ab 1917 stand er in ständigem Kontakt mit Der Sturm und Die Aktion. übernahm mit der regelmäßigen Magyar Grafika 5-6. 1928.
14 So berichtete Die Aktion im Jahr 1919 detailliert über die Ereignisse der Herausgabe von Büchern sowie Entwurf Lajos Kassák 15
mit Ausstellungen, literarischen und musikalischen Veranstaltungen eine (Zenit ), Novi Sad (früher: Újvidék) (ÚT, Krónika), Bukarest (Contimporanul),
komplexe Rolle in der Kulturvermittlung. Brno (Pasmo), Bratislava (früher: Pozsony / Pressburg) (DAV), Prag (BLOK)
Besonders aufschlussreich ist Kassáks Verhältnis zur Kulturpolitik der und Warschau, sie tauschten untereinander Artikel und Reproduktionen
leninistischen Räterepublik. Die Spitzentruppe der aktivistischen Kunst als aus. Der Ma-Kreis veranstaltete in Košice (früher: Kassa), Prag, Bratislava,
eine wichtige Basis der Selbstrepräsentation der Räterepublik wäre durch- Paris, Wien und Berlin literarische, musikalische, künstlerische Abende sowie
aus naheliegend gewesen. Von den Mitarbeitern der Zeitschrift Ma nahmen Theateraufführungen, die Werke seiner Mitglieder waren bei epochemachen-
Sándor Bortnyik, Béla Uitz sowie Bertalan Pór mit ihren revolutionären Pla- den Ausstellungen der Avantgarde in Belgrad und Bukarest vertreten.
katen auch aktiv an der Unterstützung der politischen Propaganda des nur ähnlich wie in den Jahren nach dem Verbot der Zeitschrift A Tett (zwi-
schen 1916 und 1919) konzentrierte sich
die Wiener Ma erneut auf künstlerische
Fragen, was mit der Tatsache zu erklären
ist, dass den Ungarn, die als politische
Flüchtlinge in Wien lebten, jegliche po-
litische Aktivität untersagt war. Dass die
Zeitschrift immer auf dem neuesten Stand
war und ihr Beziehungssystem derart
explosionsartig anwuchs, 11 war unter an-
derem dem Umstand zu verdanken, dass 86. Zenit / Ljubomir Micic (Red.)
sich viele von den ungarischen Exilkünst- Nr. 15, Zagreb, Juni 1922
Titelblatt: Lajos Kassák
lern nur kurze Zeit in Wien aufhielten und
nach Paris und Berlin übersiedelten. Diese
Verstreuung bedeutete jedoch nicht das
Ende der Zusammenarbeit, vielmehr erhielt
die Zeitschrift dadurch neue Impulse, und
ihr geistiger Horizont erweiterte sich. So
lieferten der Ma László Medgyes, der sich
in Paris niedergelassen hatte, oder der
in Berlin lebende Ernő (Ernst) Kállai und
László Moholy-Nagy 12 aktuelle Infor-
mationen über die neusten zeitgenössi- Lajos Kassák
Botschafter der Avantgarde
schen Tendenzen, und auch die Anwe- Berlinische Galerie
senheit von Alfréd Kemény, László Péri Foto: Kai-Annett Becker

oder Hugó Scheiber in Berlin oder von


Sándor Bortnyik und den Pécser Aktivisten 13
in Weimar diente als wichtige Nachrich-
kurze Zeit – insgesamt 133 Tage – bestehenden kommunistischen Regimes tenquelle. Kassák machte auch persönlich Bekanntschaft mit Kurt
teil 7. Kassák aber verwickelte sich mit Béla Kun 8 und der Führungsriege der Schwitters, Tristan Tzara, El Lissitzky und Hans Arp. Von den Freund-
Räterepublik in eine ideologische Auseinandersetzung, 9 wobei er konsequent schaften, die er zu dieser Zeit schloss, blieben einige bis an sein Lebensende
an seinem Standpunkt festhielt, dass die revolutionäre Kunst nicht identisch bestehen. Mit seiner im Katalog veröffentlichten Korrespondenz gewinnt man
mit der Parteikunst sei. Die Ma durfte nach der Ausgabe vom 1. Juli 1919 in einen Einblick in die praktischen Details seiner verzweigten Arbeitsbeziehungen.
Budapest nicht mehr erscheinen. Nach Ende der Räterepublik kam Kassák Kassák wurde in diesem internationalen Milieu zum bildenden Künstler und
ins Gefängnis, verließ später gemeinsam mit einem bedeutenden Teil der zum engagierten Anhänger des Konstruktivismus. Während seiner Wiener
linken Intelligenz das Land und emigrierte nach Wien. Jahre nahm auch seine theoretische Arbeit an Intensität zu. Hier schrieb er
Dass die zwanziger Jahre die Zeit der Emigrationen waren, prägte das seine Theorie der Bildarchitektur und nahm aktiv teil an dem internationa-
kulturelle Erscheinungsbild Europas wesentlich. Kassák gab die Zeitschrift len Diskurs über die zeitgenössische Kunst. Ein wichtiges Dokument dafür
Ma ab 1920 wieder heraus, allerdings in einem kulturellen Umfeld, das von ist die Stellungnahme der Ma im Zusammenhang mit dem im Mai 1922 in
dem ungarischen abwich. Im Exil erhielt die Zeitschrift eine neue Perspekti- Düsseldorf veranstalteten Internationalen Kongress fortschrittlicher Künstler,
ve: Kassák sah ihre Aufgabe nun in erster Linie darin, die progressiven Kreise die auch im De Stijl veröffentlicht wurde 14.
Ungarns sowie der umliegenden ungarischsprachigen Gebiete über die neues- Kassák verbrachte nur ein einziges Mal, im November 1922, einige Tage
ten europäischen Kunstrichtungen zu informieren.10 Zeitgleich schloss er sich in Berlin. 15 Diese Reise bedeutete für ihn bis zum Ende seines Lebens ein 90. Contimporanul / Marcel Janco,
sehr rasch dem internationalen Netzwerk der avantgardistischen Zeitschriften entscheidendes Erlebnis. Vorbereitet wurde sie von den Berliner Redakteuren Ion Vinea (Red.)
III/47, Bukarest, 1924
an, und innerhalb weniger Jahre wurde er zu einer geschätzten Figur des der Ma, László Moholy-Nagy und Ernő (Ernst) Kállai, ihnen sind auch die Entwurf: Lajos Kassák
europäischen Modernismus. Die Künstler um die Zeitschrift Ma standen Ausgaben zu Alexander Archipenko, George Grosz, Iwan Puni und Hans
16 in Kontakt mit Künstlerkreisen und Redaktionen in Zagreb und Belgrad Arp zu verdanken. Das größte Erlebnis Kassáks war neben der Begegnung 17
mit Herwarth Walden, Hans Arp, Richard Huelsenbeck, Hans Richter und Zeit entstanden auch seine werbegrafischen Arbeiten, die eine Ausweitung
anderen die Erste russische Kunstausstellung in der Galerie Van Diemen. der Bildsprache der modernen Kunst auf die Gesellschaft zum Ziel hatten.
Von diesem Erlebnis berichtete er in der Ausgabe der Ma vom 25. Dezember Dokumentum wurde nach einem Jahr eingestellt: für eine derartig umfassende
1922, wie auch im vorliegenden Katalog zu lesen ist. Anschauung zeigte sich das ungarische Publikum zu jener Zeit nicht offen.
Die deutschen Kontakte Kassáks spielten beim Ausbau seines internationalen Die Ausstellungen im Collegium Hungaricum Berlin und in der Berlini-
Netzwerks und seiner organisatorischen Arbeit eine ganz besonders wichtige schen Galerie haben es sich zum Ziel gesetzt, die Aufmerksamkeit auf diese
Rolle. Anlässlich seiner Berlin-Reise veranstaltete er einen Künstlerabend in in der ungarischen Kunst- und Kulturgeschichte herausragende und unter
der Sturm-Galerie, wo er 1924 gemeinsam mit Nikolaus Braun auch ausstellte. dem Gesichtspunkt der internationalen Modernismus-Forschung überaus in-
Kassák und die Ma fielen – ähnlich wie der europäische Modernismus – teressante Persönlichkeit zu richten. Es ist eine spannende Herausforderung,
in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre in ein Vakuum. Im Herbst 1926 doch zugleich auch eine wichtige und zeitgemäße Aufgabe, Kassáks Person
kehrte Kassák nach Ungarn zurück und begann im Dezember desselben Jahres und seine Tätigkeit, sein komplexes Lebenswerk im Kontext der avantgar-
mit der Redaktion einer neuen Zeitschrift mit dem Titel Dokumentum, die distischen Utopien zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts zu zeigen. Es ist
er in drei Sprachen – Ungarisch, Deutsch und Französisch – herausgab. Mit ein glücklicher Umstand, dies nun gerade in Berlin tun zu können, in jener
der Publikation ausländischer Künstler wollte er den Informationsmangel Stadt, die unter den Kunstmetropolen im Europa der zwanziger Jahre eine
Schlüsselposition inne hatte. Die Ausstellung in der Berlinischen Galerie hat
mehrere Besonderheiten und zeigt interessante Neuheiten. Präsentiert werden
Kassák-Werke, die Jahrzehnte lang als verschollen galten oder einfach nicht
ausgestellt wurden, und das Publikum kann zum ersten Mal repräsentative
Objekte einer Pariser Privatsammlung besichtigen, deren Sammler ein
langjähriger Mitarbeiter von Kassák war. Das ausgestellte Material umreißt
mit den Werken von Sonia Delaunay, Max Ernst, Natalia Goncharova,
Wassily Kandinsky, Mikhail Larionow den weiteren Kontext der künstleri-
schen Tätigkeit Kassáks.
Ein besonders interessantes Moment der Ausstellung ist, dass die Leih-
gaben aus den ungarischen und internationalen privaten und öffentlichen
Sammlungen mit Objekten aus der Sammlung der Berlinischen Galerie in
Dialog treten und damit auch die Verknüpfungspunkte zwischen den ungari-
schen Exilkünstlern und dem künstlerischen Leben im Berlin der 1920er
Jahre erkennen lassen. Neben den Kunstwerken Kassáks und seiner Zeitge-
nossen stellen zeitgenössische Fotografien und andere Dokumente die geo-
kulturellen Zusammenhänge, die neuen und produktiven Formen der künst-
lerischen Kommunikation, die Zeitschriften, Gruppen sowie herausragende Lajos Kassák, 1964
Künstlerpersönlichkeiten unter anderem Sándor Bortnyik, El Lissitzky, László Petőfi Irodalmi Múzeum –
Kassák Múzeum, Budapest
Moholy-Nagy, László Péri, Kurt Schwitters, Tristan Tzara und Herwarth Walden. Foto: Elemér Vattay
Mit der Ausstellung soll zum einen die Komplexität des Lebenswerkes von
Lajos Kassák vorgestellt und zum anderen gezeigt werden, dass seine Tä-
tigkeit in engem Zusammenhang mit der Dynamik der gesellschaftlichen
und historischen Veränderungen einer überaus bewegten Zeit stand. Mit sei-
ner gesellschaftlichen Vision und seinem künstlerischen Selbstverständnis
verkörpert Kassák einen Künstlertypus, der in Europa und anderen Ländern
weltweit die Kunst und Kultur des zwanzigsten Jahrhunderts maßgeblich
45. Lajos Kassák
prägte. Und zwar betrat Kassák die internationale Arena nicht als der Bühnenbild-Entwurf
typische osteuropäische Emigrant, vielmehr formulierte er eine international um 1924

bedeutende Position aus der ungarischen Situation heraus.

(Deutsch von Éva Zádor)


im Hinblick auf die zeitgenössische europäische Kunst in Ungarn mindern.
Er weitete sein Interesse auf die moderne Architektur, die Musik und den
Tanz und nicht zuletzt auf den Film als neues Medium aus. Als Erster prä-
sentierte er in Ungarn die zeitgenössische russische Kunst. Sein Interesse
ging also weit über den damaligen Rahmen der Kunst hinaus. Diese neue
Anschauungsweise wird auch dadurch deutlich, dass in der Zeitschrift Doku-
mentum der Anspruch auf die komplexe Untersuchung der Gesellschaft und
18 das soziale Engagement der Kunst wichtige Aspekte darstellten. In dieser 19
100. Der Sturm / Herwarth Walden (Hrsg.)
XIV/2, Berlin, Februar 1923
Titelblatt: László Péri

101. Der Sturm / Herwarth Walden (Hrsg.)


XV/2, Berlin, Juni 1924
Titelblatt: László Moholy-Nagy

98. Der Sturm / Herwarth Walden (Hrsg.)


XIII/11, Berlin, November 1922
Titelblatt: Lajos Kassák

41. Lajos Kassák


Bildarchitektur
um 1922

97. Der Sturm / Herwarth Walden (Hrsg.)


XIII/1, Berlin, Januar 1922
Titelblatt: László Moholy-Nagy

20 21
Dr. Éva Forgács kriegsjahre umfassten eine Vielfalt von Konzepten, die von einem Zukunfts-
„DU GIBST UNS ZU ESSEN UND DESWEGEN staat, der für das Auskommen der Künstler Sorge trägt, bis hin zur Abschaf-
KäMPFEN WIR GEGEN DICH” 1 fung der Staatsmacht reichten.
Was die Divergenz zwischen den politischen und künstlerischen Avant-
KONZEPTE VON KUNST UND STAAT BEI LAJOS KASSÁK UND garden betrifft, beobachtet Matei Calinescu, dass „der Hauptunterschied
IN DER UNGARISCHEN AVANTGARDE zwischen den politischen und den künstlerischen Avantgarde-Bewegungen
der letzten hundert Jahre im Beharren der letzteren auf dem unabhängigen
Der Begriff Avantgarde bezeichnet eine originäre und fortschrittliche revolutionären Potential der Kunst besteht, während die ersteren gerade der
Kunst, die dem Konservatismus und der Bequemlichkeit des Mittelmaßes gegenteiligen Idee anhängen, dass nämlich die Kunst sich den Notwendig-
um einer Zukunftsvision willen den Kampf ansagt. So könnte eine konsens- keiten und Bedürfnissen der politischen Revolutionäre unterzuordnen habe.“ 3
fähige Definition wohl lauten. Da sich die Avantgarde-Bewegungen der Zwi- Bedenkt man die Ausrichtung der Avantgarde auf einen idealen Staat,
schenkriegszeit in Opposition zu ihren jeweiligen sozialen und kulturellen wo immer er auch auf der politischen Palette anzusiedeln sei, überrascht
Gegebenheiten befanden, geriet in Verges-
senheit, dass der militärische Begriff Avant-
garde, der eine Vorhut von Elitekämpfern Georg Lukács spricht zu
bezeichnet, ursprünglich die romantischen den Soldaten, Juni 1919
Magyar Nemzeti Múzeum,
Utopien eines idealen Staates bezeichnete, Történeti Fényképtár, Budapest
wie sie unter anderem vom Comte de Saint-
Simon und seinem Freund Olinde Rodrigues
zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelt
wurden. Ihr Konzept eines neuen Staates
bezog auch eine künstlerische Avantgarde ein,
die die Grundideen eines auf sozialer Gleich-
heit basierenden Staates verbreiten sollte.
Die Avantgarde sollte als propagandistische
Elitetruppe des neuen Staates dienen. Saint-
Simon und Rodrigues waren sich darüber
bewusst, dass die künstlerischen Vorreiter
direkt vom Staat instruiert werden mussten,
um die Zeitspanne zwischen der Einrichtung
des neuen Staates und der Verwirklichung
seiner Vorteile zu überbrücken. Um die Stim-
mung aufrechtzuerhalten, sollte die Avantgar-
de das Bild einer lichten Zukunft zeichnen.
Sie wurde also nicht als oppositionelle Kunst
und Kunst in permanenter Entwicklung oder
als permanente Revolution in einem trotzkis- 17. Die Aktion.
Wochenschrift für Politik, Literatur,
tischen oder linksgerichteten Sinne begriffen, Kunst / Franz Pfemfert (Hrsg.)
sondern als offizielle Kunst eines zukünftigen IX / 23-24, Berlin, 14. Juni 1919

Staates. „Wir Künstler werden als Avantgarde


dienen”, schrieb Rodrigues, „die Macht der
Künste ist in der Tat die unmittelbarste und
schnellste. Wir besitzen alle Waffenarten: wenn wir neue Ideen unter den Men- es nicht, dass die Kunst der Avantgarde nicht nur innovativ und originär sein
schen verbreiten wollen, meißeln wir sie in Marmor oder schreiben sie auf die konnte, sondern auch klassizistisch, autoritativ und der Rhetorik der Macht
Leinwand; wir popularisieren sie durch die Poesie und den Gesang.“ 2 nicht abgeneigt. Sie wurde im Grunde als ein effizientes Machtinstrument
Die Avantgardekünstler des frühen 20. Jahrhunderts stellten sich wiederum begriffen. Die neuere Forschung hat die gemeinsamen Wurzeln der rechts-
ihrer jeweiligen Staatsmacht entgegen, weil sie einen anderen, besseren Staat und und linksgerichteten Avantgarden zutage gebracht; 4 gleichwohl gilt es festzu-
eine andere, bessere Weltordnung anstrebten. Die russischen Konstruktivisten halten, dass die Unterschiede zwischen beiden Sphären nicht verwischt wer-
begriffen den Künstler im kommunistischen Staat als Arbeiter, der sich allen den können. Während die rechtsgerichteten Bewegungen Bilder einer fiktiven
anderen Facharbeitern gleich auf das Fertigen von Objekten spezialisiert; der heroischen Vergangenheit entwarfen, deren Wiedergeburt eine bessere Zukunft
Theosoph Piet Mondrian und der harte Kern der De Stijl-Gruppe in Hol- garantieren sollte, setzten die linken Bewegungen auf eine vollkommene Ab-
land glaubten, dass, wenn erst einmal eine universale Harmonie auf der Welt schaffung vergangener Werte und eine auf einer tabula rasa basierende Zukunft.
herrschte, weder Staat noch Kunst mehr vonnöten sein würden; die vielen Für sie bedeutete Wiedergeburt nicht die Wiederbelebung vergangenen Ruhms,
22 Varianten linksgerichteten Denkens im Europa und Russland der Zwischen- sondern ein vollkommen in die Zukunft gerichtetes Unterfangen. Und während 23
die faschistoiden Bewegungen dem Rationalismus der Aufklärung und der Sekte verwechseln”, schrieb der Kunsthistoriker und -theoretiker Lajos
Demokratie ein Ende bereiten wollten, bemühten sich die linken Bewegungen Fülep in seiner Einleitung zu der Zeitschrift A Szellem (Geist), die er 1911
um die weltweite Verbreitung der Aufklärung und des Gleichheitsprinzips. mit Lukács zusammen herausgab. 6
Das Verhältnis von Avantgarde und Staat ist im Falle der von Lajos Kassák Die erste radikal innovative Strömung in Kunst und Denken im Budapest
angeführten ungarischen Aktivisten besonders vielschichtig, begannen sie des frühen 20. Jahrhunderts war eine Mischung aus Avantgarde und Klassi-
doch 1915 in Österreich-Ungarn als oppositionelle Antikriegs-Gruppe, fun- zismus. Für einige Künstler gingen innovative Ideen mit einer klassischen
gierten von März bis August 1919 als offizielle Künstler der ungarischen Ordnung und metaphysischer Wahrheit einher. Repräsentanten dieser neuen
Räterepublik, mit deren Anführer sie jedoch später in Konflikt gerieten, und Richtung – Lukács und die Künstlerguppe Nyolcak (Die Acht) des Malers
nach deren Fall sie zur Emigration gezwungen waren, um 1926 dann als Kernstok – lehnten den von ihnen als chaotisch empfundenen Individu-
eine der dem rechten Regime der Zwischenkriegsjahre kritisch gegenüber alismus des Impressionismus ab und bedienten sich stattdessen der For-
eingestellte Gruppen nach Ungarn zurückzukehren. mensprache der Fauvisten, Kubisten und Expressionisten ebenso wie einer
neuen, schwermütigen Monumentalität.
Budapest in den 1910er Jahren Die junge Generation der Philosophen, Schriftsteller und Künstler –
zumindest viele der letztgenannten – erhielten, anders als ihre liberalen
Budapest, das in der Zeit von 1867 bis 1910 zu einer modernen, hoch- Väter, die vom angelsächsischen Pragmatismus und Positivismus geprägt
entwickelten und beeindruckenden europäischen Metropole herange- worden waren, ihre Ausbildung in Deutschland und begeisterten sich für
reift war, wurde von einigen Mitgliedern des ungarischen Adels und der den aus der deutschen Philosophie und Romantik herrührenden Begriff
Obersicht, ob seines urbanen Lebensstils und bedenklichen Weltbürgertums der Größe. Auf der Suche nach metaphysischer Wahrheit versuchten sie auch,
mit Misstrauen betrachtet und folglich als »sündige Stadt« bezeichnet. den Widerspruch zwischen dem universalen Rationalismus der Aufklärung
9. Sándor Bortnyik
Diejenigen Teile des Adels also, die die feudalen gesellschaftlichen und der der ungarischen Kultur innewohnenden nationalen Empfindsamkeit Komposition mit sechs Figuren
Verhältnisse zu konservieren suchten, betrachteten den Prozess der aufzuheben und aus der Synthese beider Phänomene eine solide „kulturelle 1919

Modernisierung selbst als sündig. Die Generation


des gehobenen Budapester Bildungsbürgertums, die
in den 1880er Jahren geboren wurde und im ersten
Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts ins Erwachsenenalter
kam, war Nutznießer des neuen Liberalismus, der
Offenheit und des auf blühenden Wohlstands im
Lande. Modernität war ihnen ein sehr persönliches
Anliegen, was jedoch im Einzelnen darunter zu
verstehen war, wurde durch eine Vielzahl lokalspe-
zifischer Faktoren bestimmt. Für die Generation von
Georg Lukács, Béla Balázs, Béla Bartók, Zoltán
Kodály und die Künstler, die sich um den Maler
Károly Kernstok scharten, hatte die Moderne „den
Positivismus des 19. Jahrhunderts hinter sich gelas-
sen, um sich einmal mehr einem metaphysischen
Idealismus zuzuwenden.“ 5 Diese Denker, Kompo-
nisten und Künstler waren in vieler Hinsicht Kinder
der Aufklärung, mit der sie durch ihre Studien, ihr
Denken und ihre kosmopolitische Prägung eng ver-
bunden waren. Eine besondere Folge ihrer Bildung
und Interessen war, dass sie aufgrund ihrer privili-
gierten Stellung Ansichten und ästhetische Normen
zu übersteigern suchten, die die Mehrheit ihrer
Mitbürger noch gar nicht erfasst hatte. Indem sie sich
dem Materialismus ihrer liberalen und oft wohlha-
benden Väter entgegenstellten, um ihn zu überwin-
den, verbanden sie den Rationalismus mit einem
messianischen Glauben an eine neue, großartige ära,
die sie zu initiieren hofften. Es war dies ein intellek-
tueller und weltlicher Glaube, der auf der Macht der
Objektivität des Wissens beruhte. „ […] wir sind ganz
einfach auf der Suche nach einer höheren, geistigen
24 Weltauffassung, und man soll uns nicht mit irgendeiner 25
Heimat” zu schaffen. Voller Optimismus glaubten sie, dass dieser Konflikt Lukács dieses Konzept politisch durch seine Konversion zum Bolschewis-
zwischen internationalem und nationalem Denken zu überwinden sei. mus umsetzen, der dem Staat die Vorherrschaft über andere linksgerichtete
Sie begaben sich auf die Suche nach der Kunst zugrunde liegenden meta- Konzepte zubilligt. Lukács’ langjähriger Gegenspieler Lajos Kassák hinge-
physischen und spirituellen Dimensionen, um objektive Kriterien auszuma- gen blieb durch die Einbeziehung anarchistischer und sozialistischer Strategien
chen. Obwohl Lukács und seine Freunde kein Konzept eines neuen Staates und seine zögerliche Haltung dem Bolschewismus gegenüber marginalisiert,
entwickelten, entwarfen sie doch eine neue Kultur für ihn, die sie als spiri- obwohl er und seine Anhänger in vielen Punkten mit ihm übereinstimmten.
tuelle Wiedergeburt beschrieben, die auf der Religion der Kunst basiert. 7
„Heute sehnen wir uns erneut nach Ordnung unter den Dingen”, schrieb Lajos Kassák und der Aktivismus in Ungarn 1915 – 1919
Lukács, „Wir verlangen nach Beständigkeit, nach der Messbarkeit unserer
Taten und nach der Eindeutigkeit und Überprüf barkeit unserer Worte… Als Begründer und Stütze der ungarischen Avantgarde vereinte der Dich-
Diese Kunst ist die alte Kunst [Hervorhebung durch die Autorin], die Kunst ter, Autor, Künstler, Redakteur und Herausgeber Lajos Kassák (1887–1967)
der Ordnung und der Werte, die Kunst des Erbauten… Die neue Kunst ist in seiner Persönlichkeit die einander oft zuwiderlaufenden Rollen des Hohe-
tektonisch im alten, wahren Sinne.” 8 priesters und des politisch engagierten Künstler-Aktivisten der Avantgarde.
Indem er den neuentdeckten Modernismus seiner Freunde solchermaßen Anders als Lukács, der sich ab 1918 der kommunistischen Breitenbewegung
beschrieb, nahm Lukács die rigorose Schlichtheit und architektonische Diszipli- anschloss, blieb Kassák unabhängig und schaffte eine in der ungarischen Kul-
niertheit der spezifisch ungarischen Ausprägung des Konstruktivismus vorweg, tur neue Nische für eine antiautoritäre Autorität, für jemand also, der sich
die sich später in der Malerei Lajos Kassáks widerspiegeln sollte und für die er im Guerillakrieg mit dem Staat befindet, im Kreise seiner Anhänger jedoch
1922 den Begriff Bildarchitektur prägte: „Diese Bilder tragen Ruhe, Frieden Stille eine Machtposition bekleidet; der seine eigenen Grenzen definiert und dessen
und Harmonie in sich…”, schrieb Lukács, „Und jede Linie und jedes Zeichen, moralische Integrität ihn zum Inbegriff des Avantgardekünstlers macht – eine
Rolle, die ihn um Jahrzehnte überlebt hat.
Der Selfmademan und Autodidakt Kassák
war Sohn einer proletarischen Familie. 8. Sándor Bortnyik
Schon als Kind machte er eine Lehre zum Karl Liebknecht
1919
Schlosser und arbeitete auch als solcher, sei-
ne Bildung erhielt er in der sozialistischen
Partei, der er schon früh beitrat. Er war Par-
teiaktivist und sprach regelmäßig auf Ver-
sammlungen, wobei er immer wieder unmit-
telbar mit der Polizei in Konflikt geriet. Er
reiste zu Fuß bis nach Paris und Brüssel, um
Europa kennenzulernen und sozialistische
Führer zu treffen. Um 1910 besuchte er den
Galilei-Kreis, ein von der liberalen Buda-
pester Intellegenzia organisiertes Forum für
freie Bildung, 1917-18 besuchte er dann die
Freie Schule für Sozialwissenschaften, eine
Vorlesungsreihe, die von Lukács’ Gruppe or-
ganisiert worden war. Ab 1909-10 verfasste
Kassák leidenschaftlich rebellische, eigen-
willige Gedichte in freien Versen, wobei er
häufig Substantive so flektierte als seien sie Plakate auf den Straßen
Budapests, Sommer 1919,
Verben und sich einer Sprache bediente, die Magyar Nemzeti Múzeum,
nicht im entferntesten an irgendeine ungari- Történeti Fényképtár, Budapest

sche Literaturtradition erinnerte, geschweige


denn an das Idiom einer bestimmten sozia-
len Gruppierung. 10 Der gewagte und inno-
wie in der Architektur auch, ist nur dann erhaben, wenn es dies ausdrückt: vative Umgang mit der Sprache spiegelte Kassáks Ansicht wider, dass er und
die Ausgewogenheit der Spannungen und Kräfte, aus denen auf eine einfa- der um ihn entstehende Kreis eine grundsätzlich neue Kultur repräsentierten,
che, klare und konzentrierte, substanzielle Art alles besteht.” 9 eine kommende Welt, deren Sprache erst noch entwickelt werden musste. 11
Die frühen Verlautbarungen des ungarischen Modernismus beschwören In den jungen Arbeitern sah er neue Primitive, die, unberührt von der bourgeoisen
also ganz eindeutig ewige Ordnung, Ruhe und Schönheit herauf und ver- Kultur, befähigt waren, eine von Grund auf eigene Kultur zu schaffen.
zichten dabei auf eine Zersetzung der Traditonen und eine Zerstörung der Als er mit A Tett (Die Tat) 1915 seine erste Zeitschrift gründete, wurde
Konventionen im Namen einer neuen Kunst. Moderne bedeutete für sie Kassák vom außenseiterischen jungen Dichter zum Herausgeber und einer
26 eher Erlösung als unablässigen Kampf. Im Verlauf seiner Karriere sollte wichtigen öffentlichen Figur. Er nahm sich, was Titel, Layout und Inhalt betraf, 27
die Berliner Zeitschrift Die Aktion des Anarcho-Sozialisten Franz Pfemfert Periode das Bedürfnis nach einer radikaleren Gesellschaftsform heran.
zum Vorbild. Kassáks Ziel war die Schaffung eines Forums für expressionis- Die Defizite der Staatsführung zwangen diese zur Machtübergabe an eine
tische Literatur und Kunst in Ungarn, mit einer ähnlich radikal-pazifistischen sozialistisch-kommunistische Koalition unter der Führung des Kommunisten
Haltung wie Die Aktion. Er gab dem durch den Krieg verursachten Leid und Béla Kun, der offiziell das Amt des Außenministers bekleidete. Am 21. März
Elend eine Stimme, klagte die vom Krieg profitierenden Interessengruppen an 1919 erklärte er Ungarn zur Räterepublik, die gemeinhin als die Commune
und gab, nach Pfemferts Vorbild, eine internationale Ausgabe heraus, in der bezeichnet wird.
provokativ Werke von Künstlern aus den Feindesländern Ungarns abgedruckt In Aktivismus, einer Vorlesung, die Kassák weniger als einen Monat vor
waren. Dies führte zu einem offiziellen Verbot seiner Zeitschrift, woraufhin der Deklaration der Commune gehalten hatte, pries er den Sozialismus als
er umgehend eine neue Monatszeitschrift mit dem Titel Ma (Heute) gründete. höchstes Ziel der Menschheit. Er erklärte die Räterepublik zur ersten Etap-
Das Programm, das Kassák im 10. Heft von A Tett publizierte, war über- pe in der Entwicklung eines „kollektiven Individuums, das keine Form von
schwänglich und schlug propehtische Töne an. Mitten im 1. Weltkrieg sah er Staat oder Regierung anerkennt, sondern sich vielmehr im Zustand der per-
das Heraufdämmern besserer Zeiten voraus: „Ich bekenne mich zu der längst manenten Revolution befindet.” 15 Das »kollektive Individuum« wurde zur
konstatierten Wahrheit, daß auch dieser Krieg, wie alle bisherigen Kriege, neuen Spezies der von den Aktivisten heraufbeschworenen Zukunft erklärt.
trotz seiner ungeheueren Ausmaße nur eine furchtbare „Wir sind keine Utopisten”, sagte Kassák, „Da wir den neuen Menschen für
Episode im Leben der Menschheit ist (…) und schon eine neue Gesellschaft erschaffen müssen, sind wir uns darüber bewusst,
gibt es keine Nation mehr, deren christlich gewordenes dass das ultimative Ziel des Sozialismus nicht über Nacht erreicht werden
Volk die soziale Welteinheit nicht herbeisehnte.” Seine kann. Um es zu erlangen, muss das revolutionierte Proletariat über die For-
Vorstellungen von der Zukunft scheinen sich an Saint- derung nach höheren Lebensstandards hinauskommen. Es muss psychisch
Simon anzulehnen, wenn er schreibt: „Dabei warten wiedergeboren werden…” 16 Kassák, dessen Gruppe in Wirklichkeit eher um
auf die Kunst und insbesondere auf die Literatur als eine Führungsposition hätte ringen müssen, als dass sie eine solche hätte ein-
den Inhaber der am unmittelbarsten wirksamen Aus- nehmen können, warnte vor einer festgefügten Ordnung und unterstrich, dass
drucksmittel bei der Gestaltung des Menschen der nur die permanente Auseinandersetzung zwischen verschiedenen politischen
kommenden Generation große Aufgaben.” 12 Kräften zum gewünschten Ziel führen könne. Er betonte die Notwendigkeit Aufmarsch der Einwohner des
1916 hatte Kassák eine radikale, wenngleich etwas des Kampfes zwischen den verschiedenen Linksparteien, weil er nicht bereit Budapester Stadtteils Csepel am
Kodály Körönd, Mai, 1919
verschwommene utopische Vision einer besseren Welt, war, sich einer bestimmten Fraktion von Sozialisten oder Kommunisten un- Magyar Nemzeti Múzeum,
deren genaue Beschaffenheit er nicht weiter spezi- terzuordnen. So entwarf er auch das Konzept einer permanenten Revolution, Történeti Fényképtár, Budapest

fizierte. In seinem Programm bediente er sich poeti- die durch die unablässige Auseinandersetzung zwischen den politischen
scher Losungen wie: „Die neue Literatur kann kein Parteien am Leben gehalten wird. Ohnehin war die politische Außenseiter-
rassistischer oder nationaler Selbstzweck sein! (…) position, die seine Rhetorik bestimmte, eine vertraute Rolle für ihn.
Die neue Literatur muß Feuersäule sein, die die Seele
der Zeit beseelt! (…) Der neuen Literatur glorifizier- Der neue Staat und die Kunst: die ungarische Räterepublik 1919
tes Ideal ist der sich an der Unendlichkeit ergötzende
MENSCH!” 13 Er beschrieb seine Ziele jedoch auch in In seiner Autobiografie 17 wird deutlich, dass Kassák der Commune zur Zeit
schlichterer Sprache: „Sofern das auf diesem engen ihrer Entstehung mit Zweifeln und Vorbehalten begegnete. Er bewunderte die
Raum und unter der heutigen Zensorenlupe möglich bolschewistische Revolution von 1917 sehr, wusste jedoch nichts über die mos-
ist, wollte ich mein literarisches Programm darbieten, kautreuen Ungarn, die so plötzlich an die Macht gekommen waren und die er
das Programm, das meine letzten Arbeiten illustrie- verdächtigte, nicht die wahre Arbeiterklasse zu vertreten – er hielt sie für fal- Die Skulpturen von Ervin Szabó und Karl
Liebknecht auf einer Straße in Budapest
ren, zu dessen Propagierung ich A TETT ausersehen sche Propheten. Zudem war er einfach überrascht: die Revolution, die er weit Magyar Nemzeti Múzeum,
habe und zu dessen Verwirklichung ich in der großen in der Zukunft angesiedelt hatte, fand plötzlich unmittelbar vor seinen Augen Történeti Fényképtár, Budapest

Boheme einige auf unterschiedlichen Wegen vorwärts- statt. Die unerwartete Erfüllung seines Traums machte ihn misstrauisch, so
drängende, aber mit mir gemeinsam dem gleichen Ziel beschloss er, sich von jeglicher politischen Macht, sogar der kommunistischen,
zustrebende Menschen fand. Unser Wille ist die Röte kompromisslos unabhängig zu machen. Dies war jedoch unmöglich, da die
unseres Blutes und die Jugend unseres Hirns – wir glauben, daß wir ans Ziel neue Führung alle gesellschaftlichen Bereiche kontrollierte, darunter auch das
gelangen. Der Erfüllung unseres Glaubens sind wir sicher (…)” 14 gesamte kulturelle Leben des Landes, zu dem ja auch seine Zeitschrift ge-
Diesem prophetischen Tonfall wurde noch mehr Nachdruck verliehen, hörte. Dennoch arbeitete er unablässig an seinem von unfehlbarer Integrität
als Kassák im Februar 1919 in einer Rede den Aktivismus proklamierte. bestimmten Selbstbild. In seiner Autobiografie berichtet er, wie sein ehemali-
Diese erschien später in der Ma, die er ab Februar 1919 zur aktivistischen ger Mitredakteur József Révai, 18 Mitherausgeber der offiziellen Tageszeitung
Zeitschrift ernannte. der Commune, ihm am Telefon mitteilte, dass die Zeitschrift Ma laut Partei-
1918, nach dem Zerfall des österreich-ungarischen Reiches, wurde Ungarn beschluss die offizielle Kulturzeitschrift werden solle, was er zornig ablehnte,
unter der Führung des gemäßigten, linksgerichteten Ministerpräsidenten indem er Révai entgegnete: „Ihr könnt sie verbieten, ihr könnt sie mir weg-
Graf Mihály Károlyi zur Republik. In Versaille gelang es Károlyi nicht, ei- nehmen, ich werde sie aber nur dann weiterhin herausgeben, wenn ihr mich
nen akzeptablen Friedensvertrag für Ungarn auszuhandeln, sodass das Land gewähren lasst wie bisher.” 19 Forschungen haben jedoch ergeben, dass er sich
zwei Drittel seines Territoriums verlor. Durch die hohe Arbeitslosigkeit und in Wirklichkeit dafür eingesetzt hat, Ma zum offiziellen kulturellen Sprachrohr
28 wirtschaftliche Unsicherheit reifte während der kurzen republikanischen der Commune zu machen. Er unterbreitete dem Kulturkommissariat einen 29
dahingehenden Vorschlag, wobei er die Verdienste seiner Gruppe im Kampf Die ungarische Avantgarde wollte laut Calinescu nicht nur » unabhängig
für die Diktatur des Proletariats unterstrich und um administrative und revolutionär « sein, sondern konkurrierte auch mit den politischen Führern
finanzielle Unterstützung bat, die er auch erhielt. 20 um ihre Stellung als authentische revolutionäre Kraft. Kassák nahm für sich in
Kassáks vielleicht prägendstes Erlebnis während der Commune war die Anspruch, im Hinblick auf das Proletariat besser informiert, aufrichtiger und
Tatsache, dass sich sein Publikum von ihm abwandte. Nun, da progressive, authentischer zu sein. Nachdem der Anführer der Commune, Béla Kun, die Ma-
linksgerichtete Kunst frei präsentiert werden konnte, organisierten die Gruppe beiläufig als Rudimente der bourgeoisen Dekadenz bezeichnet hatte,
Aktivisten eine ganze Reihe von Veranstaltungen, darunter auch Theaterauffüh- antwortete Kassák ihm wutschnaubend mit einem Brief, der im Brustton des
rungen. Als sie einem Arbeiterpublikum in einem Außenbezirk Budapests eine revolutionären Avantgardekünstlers gehalten ist: „Sollten Sie es vielleicht nicht
wissen, lieber Genosse Kun, so sehe ich mich gezwungen, Ihnen zu sagen, daß
wir zu der Zeit, als Sie Ihre Kräfte dem Kampf der russischen Brüder widmeten,
bereits in Wort und Schrift für den Kommunismus in Ungarn agitierten. Als Sie
noch in Rußland waren und hier ein jeder dem individuellen Vorteil der faulen
Kompromiss-Politik frönte, gaben wir am ersten Tag der Károlyi-Revolution
eine Sondernummer der Ma heraus, in der wir einen Aufruf für die kommunis-
tische Sowjetrepublik veröffentlichen (…).” 21 In diesem Brief macht Kassák klar,
dass er sowohl auf dem Gebiet der Politik als auch auf dem der Kunst kompetent
sei, während Kun von der Kunst nichts verstehe und sich somit besser eines
Kommentars bezüglich der Ma-Gruppe zu enthalten habe. Er weist den Vorwurf
des Bourgeoisen und Dekadenten zurück, indem er eine Unmenge von europä-
ischen und russischen Avantgarde-Schriftstellern und Künstlern, von Vertretern
der deutschen Spartakusbewegung bis hin zum sowjetischen Kulturkommissar
Anatoli Lunatscharski zitiert und klar macht, dass Kunst sich auf einer höheren
Ebene befinde als die Politik: „…für uns ist die Kunst kein bloßes Spiel von l’art
pour l’art, denn diese ist lediglich ein Mittel, um zum absoluten Menschen zu
gelangen, dessen einzige Lebensform die revolutionäre Aktion ist.” 22
Dem politischen Führer des Landes im Namen der als höheres Prinzip
betrachteten Kunst eine Lektion zu erteilen, hätte den Keim für eine stürmi-
sche Kontroverse mit der kommunistischen Regierung bedeuten können. Die
133 Tage der ungarischen Commune reichten jedoch nicht zur vollen Entfaltung
dieses Konflikts aus; gleichwohl gerieten die Machtverhältnisse zwischen Staat
und Kultur ins Wanken. Kassáks Haltung zeugt nicht nur von seinem Stolz und
seinem Gefühl der Überlegenheit, sondern auch von einer gewissen Naivität und
Unsicherheit über die eigentlichen Ziele der Avantgarde. Seine politischen Erfah-
rungen waren ebenso begrenzt wie seine Informationen über das revolutionäre
Russland. Seine offene, direkte und belehrende Herausforderung Kuns hätte
seine zukünftigen Aktivitäten, sollte der kommunistsiche Staat überleben, zum
Scheitern verurteilt. Und das um so mehr, als er die politische Macht durch die
Aberkennung ihrer Überlegenheit herausforderte und so die Macht für sich
beanspruchte, wobei er sich in der Rolle des Hohepriesters der Avantgarde
sah, der sowohl Kunst als auch Politik im Griff hat. Er beschließt seinen
Brief, indem er ausdrücklich seine Überlegenheit unterstreicht: „In diesem 33. Béla Uitz
Ikonenanalyse mit Dreifaltigkeit
Punkt sind doch wir, gegen deren politische Ansichten, richtiger, gegen deren und zwei Heiligen
Weltanschauung vom Standpunkt der Befreiung des Proletariats, keinerlei 1922

Anklage erhoben werden kann, mit allen Fasern unseres Lebens die Künstler
und von daher in erster Linie dazu berufen, Kritik an unserem Handwerk
zu üben. In diesem festen Glauben bitten wir Sie, sich im Interesse des un-
expressionistische Tragödie János Máczas vorführten, war die Rezeption verhee- widerruflichen Aufschwungs der Revolution zur Kunst von einer objektiven
rend. Das proletarische Publikum machte sich über die Tragödie lustig und brach Grundlage aus zu äußern, da wir für keinen Augenblick vergessen dürfen,
an den unpassendsten Stellen in lautes Gelächter aus. Man musste sich einge- daß eine oberflächliche Kritik nicht uns, den Personen, sondern der vollen
stehen, dass die von Kassák in bester Absicht gebotene, neue, eigenständige, als Entfaltung der Revolution schadet.” 23
proletarisch begriffene Kultur nicht angenommen wurde. Kassák machte Wie sich herausstellte, konnte die Revolution von keiner der beiden Par-
die Ignoranz des Publikums für den Misserfolg verantwortlich. Es blieb je- teien vollendet werden. Sie bewegte sich auf einen ökonomischen Zusam-
doch die Frage, ob die Aktivisten überhaupt dazu in der Lage waren, ihr eigenes menbruch zu, wurde jedoch schon militärisch besiegt, ehe dieser voll zum
30 Publikum zu erziehen. Tragen kommen konnte. Die Protagonisten wurden inhaftiert oder flohen 31
aus dem Land. Kassák wurde verhaftet, konnte jedoch durch den Einsatz rezitieren – kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Kassák verfasste
seiner Frau, der Schauspielerin Jolán Simon, sowohl das Gefängnis als auch weiterhin Gedichte und wandte sich nun sowohl an ein europäisches Pu-
das Land verlassen. blikum als auch an in Ungarn und im Ausland lebende Ungarn. Die erste in
Wien erschienene Ausgabe von Ma wurde mit einem zweisprachigen Mani-
Wiener Exil, ab 1920 fest – An die Künstler aller Länder! – eröffnet, in dem sich Kassák an ein
imaginäres internationales proletarisches Publikum wandte und die Revolu-
Viele junge Künstler, Dichter und Denker hatten sich während der Zeit der tion in überschwänglichem Ton pries. Er entwarf eine transzendente Revo-
Commune zwar keiner politischen Partei oder gesellschaftlichen Organisation lutionsvision, die die Tatsache reflektierte, dass die Gruppe den Boden unter
angeschlossen, sich aber enthusiastisch in verschiedene Bildungsprojekte ge- den Füßen verlor und in absehbarer Zeit nicht auf einen Sieg hoffen konnte,
stürzt, um den Armen zu helfen. 1919 implizierte das Wort Kommunist noch sodass sie ihr Bild von einer besseren Welt in eine unendlich ferne Zukunft
keine totalitären Konnotationen, da die Bewegung sich im Budapest der Zwi- projizieren musste. „Die Revolution kann nicht zur Lösung einer einzigen
schenkriegszeit aus jungen Idealisten und Radikalen zusammensetzte. Einige Frage, eines einzigen Motivs dienen ”, schrieb Kassák, „denn die Revolution
Künstler stellten während der Commune ihre Werke aus, andere entwarfen ist nicht ein Mittel zur Eroberung des Lebens; die Revolution ist das Ziel,
politische Plakate. Solche Aktivitäten stempelten sie in den Augen des revan- das Leben selbst.” 24 Er rief zu einer bewussten und permanenten Revolution
chistischen, rechten, national-konservativen Regimes von Admiral Horthy auf, wobei er marxistische Ansichten („Wir wissen, daß es wirtschaftliche
zu gefährlichen Kommu- Gründe sind, die den ersten
nisten oder Trittbrettfahrern Stoß (den Stoß zur Form)
ab, sodass sie aus Angst der revolutionären Bewe-
vor Verhaftungen oder gung geben”) mit jenen
Schlimmerem das Land eines utopischen Sozialis-
verlassen mussten. In Folge mus („Brüder, verbrüdert
der Niederschlagung der euch zum Aufbau des neuen
Commune wurden Spezi- Menschen, des kollektiven
alkommandos ausgesandt, Individuums. (…) Also
um Dörfer und Bauernhö- Kultur! Und wieder Kul-
fe nach versteckten Kom- tur!”) und dem Aufschrei
munisten zu durchsuchen. des prophetischen Anfüh-
Einige der Emigranten rers („Es lebe die gegen
mussten zwar keine Haft- jede Tradition kämpfende
strafen befürchten, wollten Revolution! (…) Es lebe
aber einfach nicht unter die Diktatur der Idee!”)
der neuen Herrschaft le- vermischte. 25
ben, die angekündigt hatte, Kassáks nicht ausgetra-
Die Ma [Heute]
nicht nur die letzten Über- gener Konflikt mit Béla Gruppe in Wien, 1921
bleibsel sozialistischen und Kun ließ ihn glauben, dass Petőfi Irodalmi Múzeum, Budapest

kommunistischen Gedan- er als Künstler sowohl


kenguts sondern auch die durch seine Fähigkeiten als
Gedankenfreiheit an sich auch in moralischer Hin-
auszumerzen. Viele mussten sich verkleiden, um ihr Leben zu retten (wie sicht überlegen war. Die Tatsache, dass er sich jetzt vom expressionistischen
etwa der Dichter Béla Balázs, der einen falschen Schnurrbart trug) oder sich Drama einer eher didaktischen Kunstform zugewandt hatte, sicherte ihm
im Schutze der Nacht davonstehlen wie Kassák. seiner Ansicht nach ein Massenpublikum. Die kurze ära der Commune
Eine beträchtliche Anzahl von ungarischen Emigranten ließ sich in Wien war jedoch weder für den Staat noch für die Künstler ausreichend, um die
nieder. Für die Ma-Gruppe, die sich bald in mehrere Fraktionen aufspalten Konflikte und Rivalitäten zu bearbeiten, die aus dem das unabhängige po-
sollte, bedeutete das Leben im Exil einerseits lebendigen Kontakt zu Künst- litsche Potential der Kunst betreffenden Antagonismus herrührten. Kassáks
lergruppen der europäischen Avantgarde und somit eine Erweiterung ih- Vorstellungen von der Zukunft liefen darauf hinaus, dass „die [ungarische]
res Horizonts; andererseits fühlten sich die ungarischen Künstler von ihrer Gesellschaft statt einer Reform der Erlösung bedarf“ 26 und sein Leben im Exil
Heimat isoliert und empfanden ihre Aktivitäten als realitätsfern. Für die war nicht dazu angetan, eine wie auch immer geartete politische Strategie
Gruppe bedeutete die Notwendigkeit, von Wien in Richtung Ungarn zu arbeiten, für Ungarn zu entwerfen.
eine bis dato unbekannte Herausforderung, da die ungarischen Autoritäten Im Herbst 1920 bekamen die ungarischen Aktivisten einen Fragenkata-
alles verfolgten, was auch nur im entferntesten an linke Propaganda erinnerte. log vom nur kurze Zeit bestehenden Provisorischen Moskauer Büro für in-
Jolán Simons Selbstaufopferung – sie arbeitete als Schneiderin, um die ternationale Kulturschaffende, der sich auf ihre Ansichten hinsichtlich der
Familie und die Zeitschrift zu unterstützen, riskierte gefährliche Reisen Beziehungen von Künstler, Proletariat und dem proletarischen Staat bezog. 27
nach Ungarn, um Ma dort weiterhin zu verbreiten und bei Literaturabenden Die Antworten auf diese Fragen, die wahrscheinlich im Namen der Gruppe
32 die zeitgenössische Dichtung der in Wien herausgegebenen Zeitschrift zu von Kassák selbst verfasst wurden, spiegeln seine Ansicht, dass der sozia- 33
listische Staat aufgebaut und dem Volk geschenkt werden müsse und dass ingewohnt, sowie die Erkenntnis, dass man einen starken Staat benötigt,
folglich auch die Kunst ein Geschenk an die Bevölkerung sei, und schließ- um unablässig gegen ihn kämpfen zu können.
lich, dass moralische Werte sich nur über Kunstwerke transportieren ließen. Kassák war als Leiter einer avantgardistischen Künstlergruppe und später
Kassák schlägt vor, dass „die Verteilung der künstlerischen Produkte durch als Anführer der ungarischen Gegenkultur ein Abbild der Macht des Staates,
staatliche Hand erfolgen sollte”, vertreten durch eine Jury, „die sich aus die sein künstlerisches Schaffen und seine Person auch dadurch geformt hat-
den fortschrittlichsten Künstlern zusammensetzt”, und dass „das alleinige te, dass sie ihn unterdrückte. Er herrschte, beurteilte, akzeptierte und lehnte
bestimmende Moment für den Wert eines künstlerischen Produktes der Grad ab, dabei zeigte er wenig Toleranz für künstlerische Positionen und Stile,
an revolutionärer Humanität des Künstlers ist” 28. Als es um die Zuordnung die von den seinen abwichen. Es scheint hier, dass die Machtstrukturen der
der Rechte und Pflichten von Künstlern und Staat geht, überrascht er mit seiner Avantgarde mit den politischen Kräften, gegen die sie revoltierte, eng verknüpft
Antwort auf die Frage, die direkt auf das Verhältnis von Kunst und Staat ein- sind. Kassák berührte einen empfindlichen Punkt, als er, vielleicht unbeabsich-
geht: „Selbst wenn man suchte, würde man keine extremeren Gegensätze fin- tigt und aus der verzweifelten Stimmung des frisch Emigrierten heraus, zugab,
den, als jene, die sich zwischen den Begriffen der Kunst und des Staates auf- dass die politische Macht und die Revolte dagegen eng miteinander verflochten
tun. Es sind zwei gegensätzliche Elemente, die niemals zu vereinbaren sind. seien. Obwohl viele von Kassáks Antworten von Eigennutz bestimmt waren –
Während das eine immer wieder sprengend und neu schaffend ist, handelt es zum Beispiel forderte er, dass „Die Zentrale [Kommunistische Internationale
sich beim anderen um eine ewig konsolidierende Kraft. Während das eine sich kreativer Künstler] muss mit moralischer und wirtschaftlicher Unterstützung
rebellisch und schwächend gegen die jeweilige Ordnung wendet, ist das andere in jedem Land die Gründung einer Zeitschrift ermöglichen, die verpflichtet
festigend und stärkt sie zu einer dogmatischen Macht. Das eine ist Dynamik, ist, über die eigenen Dinge des Landes hinaus auch die Arbeiten revolutionä-
das andere Statik. Das eine wiegelt auf, das andere konserviert die von der rer Internationaler Künstler in Übersetzung zu publizieren.” ³0 – eine exakte
jeweiligen Revolution aufgeworfenen Probleme und Ergebnisse in nüchterner Beschreibung von Ma –, bemühte er sich sehr, Antworten auf einige bislang
Weise. Zwischen Kunst und Staat kann demnach keine endgültige Begegnung ungelöste Fragen zur Vereinbarkeit von Kunst und Staat, Freiheit und Macht,
erfolgen. Zwischen ihnen ist nur ein einseitiger, vom Staat gewaltsam erzwun- Unabhängigkeit und Engagement, Materiellem und Moral, Individuum und
gener Kompromiss vorstellbar. Du gibst uns zu essen und deswegen kämpfen Kollektiv zu finden – auf jene Fragen eben, die all jene, die sich mit Utopien
wir gegen dich. Weil du Maschine, wir aber lebendiges Leben sind.” 29 und sozialistischen Theorien befassen, stets aufs Neue umtreiben.

Einer Ordnung entgegen: 1921 – 1922

Fasziniert von der Energie der Zerstörung, die nach Meinung vieler
Futuristen und Avantgardekünstler die Voraussetzung für den Neuaufbau
darstellte, und angetrieben durch die eigene Notlage, Auflehnung und Wut
wandte sich Kassák 1921 dem Dadaismus zu. Er begann dadaistische Bildge-
dichte im Stile Kurt Schwitters zu schreiben und veröffentlichte dadaistische
Dichtungen, Dramen und Kunstwerke, darunter Texte und grafische Arbei-
ten von Schwitters, Hans Arp, Richard Huelsenbeck sowie von Autoren und
Künstlern der Ma-Gruppe. Er erkannte, welche Energie und welches Poten-
tial Dada in die internationale Avantgarde einbringen konnte und war bereit,
sich diesem Konzept anzuschließen. Auch als Dada-Künstler konnte er den
Staat als permanent störender Herausforderer bekämpfen. Da die meisten Dada-
Gruppen unterschiedliche linkspolitische Positionen vertraten, fand Kassák hier
durch seine dadaistischen Arbeiten und seine Publikationstätigkeit die Möglich-
57. Lajos Kassák
keit, seine oft widersprüchlichen Sympathien für sowohl den Anarchismus als Bildarchitektur-Manifest
auch den Bolschewismus zu vereinbaren. Ma [Heute] VIII./1. 15. Oktober 1922

Nach einem plötzlichen Wandel verfasste er jedoch im März 1922 ein neues
Manifest mit dem Titel Bildarchitektur, das eine neue Schaffensperiode,
einen ganz eigenen Konstruktivismus ankündigte.
Kassáks Konzept einer dynamischen Beziehung zwischen Staat und Der Begriff Bildarchitektur, eine Wortschöpfung zur Bezeichnung eines
Künstler widerspricht seinen restlichen Antworten, die das Primat eines neuen Malstils, wurde bereits 1915 von der russischen Avantgardekünstlerin
zukünftigen Staates über alle Belange der Kunst unterstreichen. Es er- Ljubow Popowa geprägt ³1. Anscheinend, dies ist jedoch nicht belegt, wurde er
klärt sich jedoch aus der Tatsache, dass er selbst trotz seiner sozialen unabhängig davon von László Moholy-Nagy 1920 als Titel für eine Serie von
Herkunft und des politischen Drucks zum Künstler werden konnte. Der Bildern und im Frühjahr 1921 von Sándor Bortnyik, einem von Kassáks engs-
Antagonismus war Kassáks Element, in seinen Augen sollte der Staat als ten Mitarbeitern, als Titel für eine Grafikmappe benutzt. Der in Berlin ansäs-
Gegenspieler in dieser symbiotischen Beziehung stark und unterstützend sige ungarische Kunstkritiker Ernő (Ernst) Kállai griff diesen Begriff in einem
wie ein Vater sein. Er erwartete von ihm den Druck, gegen den sich die Artikel über Kassák auf, in dem er sich mit dessen geometrischer Malerei be-
Künstler auflehnen sollten. Diese Ansicht beinhaltet eine gewisse Rück- fasste ³². Kállai beschreibt Kassáks Gemälde als strenge, majestätisch-abstrakte
34 schrittlichkeit, die dem Verhältnis von Unterdrücker und Unterdrücktem Kompositionen, die an architektonische Ordnung und Disziplin erinnern. 35
Im November 1920 lud der Wiener Ma-Kreis den jungen russischen Jour- wobei er sich sowohl die künstlerische als auch die politische Führungs-
nalisten und Studenten der Kunstgeschichte Konstantin Umansky, der sich rolle offenhielt. Die Dynamik der konstruktivistischen Geometrie schien
gerade auf dem Weg nach Deutschland befand, ein, einen Diavortrag über für Kassák eine höhere, solidere und zeitlosere Wahrheit zu verkörpern
die aktuelle russische Kunst zu halten. Kassák, der schon lange Bewunde- als der Dadaismus.
rung für die russische Revolution hegte 33 und wie die meisten westlichen Das Manifest Bildarchitektur, 36 das zeitgleich mit Richard Huelsen-
Avantgardekünstler darauf brannte, etwas über die neue, aufgrund der Blo- becks Dadaismus erschien und in vieler Hinsicht ein Gegenstück 37 dazu
ckade Russlands unzugängliche war, verkündete eine neue „Dreieinigkeit von Schlichtheit, Sicherheit und
russische Kunst zu erfahren, Wahrheit” 38 für die die nun von Kassák eingeführte neue Kunst stand. Das
wurde bei dieser Vorlesung mit Manifest ist eher eine magische Beschwörung, ein expressionistischer Text
neuen geometrischen Tenden- als ein konkret zu befolgendes Programm („Die Bildarchitektur will nichts.
zen in der Kunst konfrontiert, Die Bildarchitektur will alles. Die Bildarchitektur hat sich aus den Armen
die jedoch noch nicht als Kon- der Kunst‘ befreit und ist dem Dada entwachsen.” 39 usw.), es markiert je-
struktivismus bezeichnet wer- doch einen Wendepunkt in der Geschichte der Ma-Gruppe, die dadurch
den können, da dieser Begriff gespalten wurde. Die von Sándor Barta angeführten Dadaisten gründeten
nicht vor März 1921 entstand. eine separate Gruppe mit eigener Zeitschrift und beendeten die Zusammen-
Kassák erkannte jedoch die arbeit mit Kassák und seiner Frau.
Kraft der Geometrie, die auch Kassáks klare Entscheidung gegen den Dadaismus und für den Kon-
Teile der westlichen Kunst, von struktivismus bedeutete eine Hinwendung zu einer Sprache der Objek-
de Stijl bis hin zu verschiedenen tivität und Autorität. Die geometrische Abstraktion war, wie auch die 53. Egység. Irodalom, Művészet
[Einheit. Literatur, Kunst]
post-kubistischen Ausprägungen, russischen Konstruktivisten betonten, dazu angetan, die Kunst einer neuen Aladár Komját, Béla Uitz (Red.)
beeinflussen sollte und eine Nei- Staatsform zu werden. Kassáks Entscheidung hatte jedoch einen ironi- 1. Schaunummer, Wien, 1922

gung zu Ordnung, Klarheit und schen Aspekt, da er in einem


autoritativer Kunst inne hatte. Niemandsland zwischen einem
Umansky erwähnt Popowa in authentischen russischen Kon- 54. ÉK [Keil] / Sándor Barta (Red.)
seinem, in Fortsetzungen auch struktivismus und seiner eher II / 4-5, Wien, April 1924

in der Münchner Zeitschrift technologisch ausgerichteten


Der Ararat erschienenen Buch westeuropäischen Ausprägung
Neue Kunst in Russland 34 von operierte. Während die Russen
1920 nicht, es ist also möglich, gerade einen fundamentalen
dass er sie auch in seinem Wie- Umbruch ihrer Gesellschaft
ner Vortrag über neue russische durchlebten und darauf mit
Kunst nicht behandelt hat. ihrer neuen, politisch loyalen
Kassáks Manifest Bildar- Kunst reagierten, die zum Auf-
chitektur kennzeichnet seine bau des neuen Staates beitragen
entschiedene Hinwendung zur sollte, waren die westlichen
146. Dokumentum
geometrischen Abstraktion als Spielarten des Konstruktivis- Lajos Kassák (Red.)
Gegenbewegung zum Chaos mus, der sich vom russischen Budapest, Dezember, 1926

und der Frivolität des Dada. bald als Internationaler Kon-


Als es 1922 erschien, muss struktivismus abgrenzte, mehr
auch Kassák, ebenso wie die von Kunstfertigkeit und ästhe-
internationale Künstlergemeinschaft in Berlin, die russischen Konstruk- tik bestimmt und nahmen eine
tivisten wahrgenommen haben. 35 Der Dadaismus befriedigte Kassáks politisch oppositionelle Haltung
Bedürfnis nach Ernsthaftigkeit, Strenge und prophetischer Vision nicht ein, wobei sie von den fort-
mehr. Die Ernsthaftigkeit war ohnehin vetrautes Terrain für Kassák, der schrittlichen westlichen Tech-
keine bürgerliche Erziehung genossen hatte und somit wenig Sinn für nologien profitierten. Das, was
Ironie, den schwarzen Humor des Dada oder Doppeldeutigkeiten hatte Kassák am Konstruktivismus
und sich eher der Tragik als der Komik oder Satire verpflichtet fühlte. reizte, stimmte weder mit dem
Zudem war Dada die einzige avantgardistische Bewegung, die jeg- russischen noch mit den westli-
liche Art von Autorität ablehnte und per Selbstdefinition keine eigene chen Vorbildern überein. Er sah
Machtposition anstrebte. Dada lehnte das Führungsprinzip ab: jegliche im konstruktivistischen Ansatz
Art von hierarchischer Position wurde unmittelbar ins Lächerliche gezo- eine neue Kunst der Erlösung,
149. Dokumentum
gen. Kassák seinerseits war eine Führungspersönlichkeit und sich seiner die Möglichkeit, eine Zukunft Lajos Kassák (Red.)
Stärke als Künstler und als Hohepriester der Avantgarde überaus bewusst. auf einer vollkommen neutralen Budapest, Mai 1927

36 Er war bestrebt, sich selbst als unanfechtbare Autorität zu etablieren, Basis aufzubauen. Seine Inter- 37
pretation dieses Konzepts setzte er in einer majestätischen Ernsthaftig- Um sein Zielpublikum fest an die neue Zeitschrift zu binden, gründete er
keit von geradezu religiöser Überhöhung um. Er schuf damit eine dritte, den Munka-Kreis, eine Gruppe, die sich über gemeinsame politische Ziele
klassizistische Version des Konstruktivismus, der seiner Auffassung eines definierte. Zu den neuartigen Aktivitäten des Kreises gehörte der »Sprech-
visionären neuen Staates und seiner intensiven zugleich auf Unterstüt- chor«, eine Gruppe von jungen Arbeitern, die Gedichte laut und synchron
zung und Angriff basierenden Beziehung zu den Künsten entsprach. vortrugen. Die Vielfalt der lebendigen Stimmen muss sowohl auf das Pu-
blikum als auch auf die Vortragenden einen immensen Eindruck gemacht
haben. Der „Sprechchor” war ebenso direkt, politisch und unabgehoben wie
Klassizismus ohne Konstruktivismus: die Soziofotos auf den Seiten der Munka und ebenso offen für Amateure.
die ungarische Avantgarde nach 1926 In einer Zeit, in der die offiziell geförderte Kunst in Ungarn einem imagi-
Munka-Kreis, Sprechchor, 1929
nären Goldenen Zeitalter entgegenstrebte, dem „Arkadien” eines demütigen, Petőfi Irodalmi Múzeum
Eine allgemeine Amnestie erlaubte es Kassák, 1926 nach Budapest zurück- exaltierten Christentums, spiegelten Kassáks Versuche einer Gegenkultur – Kassák Múzeum, Budapest

zukehren. Er hatte vor, als Teil des internationalen Avantgarde-Netzwerks seine


verlegerischen und künstlerischen Aktivitäten genauso fortzusetzen, wie er es
in Wien getan hatte. Er kam im September an und schon im Dezember erschien
seine neue Zeitschrift, das dreisprachige (Ungarisch, Französisch, Deutsch)
Dokumentum (Dokument). Seine neuen Mitarbeiter waren Schriftsteller wie
die Modernisten Tibor Déry und Gyula Illyés. Neben ungarischen Autoren und
Künstlern publizierte er zwei kritische Essays von Walter Benjamin – in der
Aprilausgabe 1927 einen Artikel über den sowjetischen Schriftstellerverband,
gefolgt von einem Bericht über russische Filmkunst in der Maiausgabe 1927
–, Texte von Vertretern der Moderne wie El Lissitzky und Le Corbusier und
mehrere Artikel über die neue Sowjetkunst. Während seiner kurzen Erschei-
nungszeit bot Dokumentum eine ganze Bandbreite von der Moderne verpflich-
teten Texten, sowohl literarischen als auch kritischen, die alle Bereiche der
Kultur behandelten, wobei ein Schwerpunkt auf die Architektur gelegt wurde.
Nach sechs Monaten wurde Kassák jedoch bewusst, dass sich die Verhältnisse
seit seinem Weggang geändert hatten. Die einst so enthusiastische Gemeinde
von Lesern und Unterstützern war verschwunden: entweder lebten sie in der
Emigration oder sie hatten ihre Ansichten geändert. So gab es im Budapest
der Jahre 1926 – 1927 kein – oder kaum ein – Publikum für eine avantgar-
distische Zeitschrift. Zwar hatte die Koalitionsregierung des Premierminis-
ters István Bethlen den ursprünglichen »weißen Terror« des Admirals Horthy
etwas abgemildert, jedoch wenig Raum für freigeistige, modernistische Ansätze
gelassen. In dieser Situation waren also keine Utopien, sondern eher realistische
Strategien gefragt. Gemeinsam mit seinem Mitarbeiterstab konstatierte Kassák
die veränderte Lage, stellte die Herausgabe des Dokumentum ein und gründete
1928 eine ganz anders geartete Monatsschrift: Munka (Arbeit).
Nun, da Kassák bewusst geworden war, dass seine Leserschaft sich aus
jungen Arbeitern und politisch offenen Studenten zusammensetzte, bemüh-
te er sich, diese Kreise an seine Zeitschrift zu binden. Wie seine Dichtung diese Tendenz ihrerseits durch die Forderung nach einer höheren Ordnung,
bewegte sich auch seine publizistische Tätigkeit in Richtung eines neuen die dem Wohle der Arbeiterklasse dienen sollte. Gleichzeitig begrüßte Kassák
Klassizismus. Layout und Schriftbild der Zeitschrift waren schlicht und öffentliche Kunstformen wie das Plakat, das er für eine neue „soziale Kunst”
übersichtlich. Er richtete eine Sektion für Leserbriefe mit dem Titel „Ein hielt, da es sich unterschiedslos an alle Stadtbewohner wendet. Intuitiv
Tag im Leben” ein, in der junge Leser ihre alltäglichen Erfahrungen ein- erfasste er die Macht dessen, was wir heute als Massenmedium bezeichnen.
bringen sollten. Zudem gab es eine Sportberichterstattung, um die Jugend, Dies mag seine Art gewesen sein, der von den Autoritäten und dem Staat un-
die sich neuerdings in Arbeitersportverbänden engagierte, für sich zu ge- terstützten offiziellen Kunst etwas entgegenzusetzen. Er glaubte, irreleitende
winnen. Visuell bediente sich Munka anstelle von abstrakten Zeichnungen Illusionen durch eine aus tiefster Überzeugung stammende Wahrhaftigkeit,
und Gemälden der Fotografie. Kassák beauftragte junge Amateurfotogra- die in Fotografie, Texten und Kunstwerken ihren Ausdruck fand, besiegen zu
fen aus dem Umfeld der Zeitschrift, Aufnahmen von Armen, Arbeitslosen können. Er wusste, dass die Wahrheit eine ganz eigene Macht darstellte, die
und Obdachlosen zu machen. So entstand eine neue Bewegung in der un- über den von der Staatsmacht verdingten Kunsthandwerker gemalten strah-
garischen Fotografie: die Soziofotografie. Dadurch erreichte Kassák meh- lend blauen Himmel den Sieg davontragen würde.
rere Ziele gleichzeitig: Er veröffentlichte sozialkritische, politische und
künstlerisch innovative Bilder, die dennoch auch einem nicht künstlerisch
38 gebildeten Publikum klar und verständlich waren. (Deutsch von Stephanie Rupp) 39
28. Sándor Bortnyik
Ma Album I.
1921

28. Sándor Bortnyik


Ma Album II.
1921

38. Lajos Kassák


Bildarchitektur II
(Entwurf eines Kiosks)
1922

28. Sándor Bortnyik


Ma Album IV.
40 1921 41
Júlia Cserba was außerhalb schon völlig abgestorben ist?“ 4 Kassák hält die Anschauung der
IMRE PÁN – DIE PARALLELE INITIATIVE IS also für etwas verspätet. Betrachtet man aber die weitere Laufbahn Imre Páns,
seine eigenen Publikationen 5 oder die Gruppe der von ihm geförderten Künstler,
Als Lajos Kassák 1915 seine erste Zeitschrift mit dem Titel A Tett (Die Tat) so kann man viel eher von Offenheit als von Rückständigkeit sprechen.
ins Leben ruft, lebt in Budapest ein Junge, der sich von dem wenigen Taschen- Pán wird ab 1926 der Leiter der Filmrubrik in der Zeitschrift Színházi
geld, das er sich selbst verdient, keine Bonbons kauft, sondern Kunstzeit- Élet (Theaterleben), während seine Gedichte regelmäßig in den Zeitschriften
schriften und Zeichnungen. Einige Jahre später wird er dann einer der des nach Budapest zurückgekehrten Kassák, Dokumentum (Dokument) und
Budapester illegalen Redakteure der Zeitschrift Ma (Heute), die Kassák – zur Munka (Arbeit), erscheinen und er sogar an der Redaktion dort mitarbeitet.
Emigration gezwungen – in seinem Wiener Exil herausgibt. 1931 gibt auch er selbst, zusammen mit Árpád Mezei und György Gerő, eine
Der junge Mann wird unter dem Namen Imre Pán neue Zeitschrift mit dem Namen Index heraus, die über die aktuellen geistig-
bekannt, 1 mit nur zwanzig Jahren gibt er 1924 gemein- kulturellen Bestrebungen berichtet, 1937 gründet er dann eine Filmzeitschrift
sam mit seinem Bruder Árpád Mezei 2 die dadaistisch- mit dem Titel Sztár (Star). Zudem führt er unter dem Namen Sztárbolt (Star- Imre Pán, 1930er Jahre
surrealistische Zeitschrift IS (Auch) heraus. Obschon laden) einen Buchladen, der, obwohl er recht klein ist, in seinem späteren In Besitz von Gábor Mezei,
Budapest
die Zeitschrift nur zwei Ausgaben erlebt, liegt ihre Leben eine große Rolle spielt: zuerst während des Krieges, als er zwischen
Bedeutung außer in ihrer Zeitgemäßheit am ehesten den Bücherregalen versteckt dem sicheren Tod entkommt, und zum zwei-
darin, dass die Brüder ihre Herausgabe in einem vom ten Mal bei Eintritt des Friedens 1945. Sein unter dem Namen Művészbolt
Nationalismus angeheizten feindseligen gesellschaft- (Künstlerladen) neu eröffnetes Geschäft wird in kürzester Zeit zu einem
lichen und politischen Umfeld auf sich nehmen, das geistigen Zentrum Budapests. Der Buchladen dient nicht nur als Treffpunkt,
eine Vielzahl von Schriftstellern und Künstlern in die sondern auch als Ausstellungsraum, wo man – vor allem ausländische –
Emigration zwingt und viele junge Menschen mit dem Kunstwerke sehen kann, die auch für die Persönlichkeiten des künstlerischen
1920 eingeführten, die Juden betreffenden Gesetz, dem Lebens neue Entdeckungen ermöglichten. Doch all das, was Imre Pán hier
„numerus clausus“, 3 ins Ausland vertreibt, da ihnen zeigt, ist nicht nur für die Ungarn neu. In seinem Laden entdecken der Nie-
die Möglichkeit der Weiterbildung verwehrt wird. Der derländer Corneille und der Franzose Jacques Doucet beispielsweise Paul
Kreis derjenigen, die sich dem Geist einer universalen Klee und Joan Miró – die 1945 auch in Paris nur einem engen Kreis von
116. IS [Auch]
europäischen Kultur verpflichtet fühlen, beschränkt Galeristen bekannt sind. 6 Die in Paris lebende Künstlerin Vera Molnár er- Titelblatt: Hugo Scheiber
sich im Ungarn der zwanziger Jahre auf eine relativ innert sich in einem Gespräch an den Buchladen Művészbolt: „… mit zahl- 1924

enge Gruppe. Der Großteil der linken, progressiven reichen Mitschülern der Hochschule entdeckte ich den
Schriftsteller und Künstler, unter anderen László winzigen Buchladen und die Galerie von Imre Pán auf
Moholy-Nagy, Béla Uitz, Sándor Bortnyik, László Péri der Andrássy-Straße in der Nähe der Oper: Er war
oder die Schriftsteller Tibor Déry und Gyula Illyés, zauberhaft und gab uns Mut, neue Wege einzuschla-
leben zu dieser Zeit ebenso wie Kassák gezwungener- gen. Dort sah ich zum ersten Mal abstrakte Werke von
maßen nicht mehr in Budapest, sondern in Wien, Ber- Hélion, Braque, Klee, Herbin, Gris…” 7 Die Schriftstel-
lin oder Paris. Die Gruppe der jungen Menschen, die in Ungarn geblieben ler, Dichter, Philosophen und bildenden Künstler, die
und von den künstlerischen sowie geistigen Informationen des Auslands so den Laden besuchen, bilden bald darauf eine Gesell-
gut wie isoliert ist, arbeitet daran, dem offiziellen ideologischen Diktat eine schaft, die regelmäßig zusammenkommt. Ihre Gesprä-
alternative ungarische Kultur entgegenzusetzen und diese zu etablieren. So che, Diskussionen und ihr Gedankenaustausch führen
ist die Zeitschrift IS ein wichtiges Forum dieser Bestrebungen, weil sie die schließlich zur Entstehung der Europäischen Schule.
ungarischen alternativen künstlerischen Tendenzen und die Künstler selbst Am 13. Oktober 1945 wird die Gründungsurkunde
im internationalen Kontext einordnet. In der ersten Ausgabe erscheinen ein von Imre Pán, Árpád Mezei, Lajos Kassák, Ernő Kál-
Aufsatz über die Form von Árpád Mezei, Gedichte von Károly Kristóf und lai und Pál Gegesi Kiss unterzeichnet. Wie zu sehen
Imre Pán, eine Novelle von Ágost Karly, die Filmpartitur des avantgardisti- ist, befindet sich unter den Namen zwar auch der von
schen Filmemachers György Gerő sowie ein Werk des Malers Hugó Scheiber. Lajos Kassák, doch wünscht er nicht, aktiv an der
Weiterhin werden ein einführender Aufsatz zur neuesten deutschen Literatur weiteren Tätigkeit der Gruppe teilzunehmen. Primäres
von Herwarth Walden, dem Gründer des Sturm, publiziert sowie das Gedicht Ziel der vor allem aus jungen Künstlern bestehenden
Befiederte Steine von Hans Arp. Mit Arp kommt Imre Pán sehr viel später, Europäischen Schule ist es, die progressive ungarische
während seiner Zeit in Paris, auch persönlich in Kontakt. Kunst in den internationalen Kreislauf einzuschalten,
Trotz der beschränkten Möglichkeiten gelingt es – vor allem dank Imre worüber in einer späteren, auch heute noch verblüffend
Pán – einer Gruppe junger Ungarn, sich in die internationalen Strömungen zeitgemäßen Publikation zu lesen ist: „Unter der euro-
einzuschalten. Zwei wichtige Orientierungspunkte dieser Szene sind zum päischen Idee haben wir bislang die westeuropäische Idee verstanden. Von
einen der Sturm-Kreis um Herwarth Walden in Berlin, zum anderen die nun an müssen wir an Gesamt-Europa denken. Das neue Europa kann nur
Ma-Gruppe um Lajos Kassák in Wien. aus der Synthese von West und Ost entstehen.” 8
1924 kritisiert Kassák die neu erschienene Zeitschrift IS in einem Brief an Die Gruppe organisiert während ihres kurzen Bestehens von nur dreiein-
Imre Pán mit folgenden Worten: „Ich sehe Ihre Sachen nah am Expressionismus. halb Jahren achtunddreißig Ausstellungen, die mit Führungen und Sonntags-
42 Das verbittert mich etwas. Ja, wird denn in Ungarn zum zweiten Mal blühen, gesprächen ergänzt werden. Bei der Organisation und Durchführung spielt 43
Imre Pán eine entscheidende Rolle, er fördert die Künstler maßgeblich auch er sich weiterhin mit dem Schreiben und der Kunst, so arbeitet er gemein-
mit dem regelmäßigen Ankauf von Kunstwerken. Zudem existiert – unter sam mit Lajos Kassák an der „Geschichte der Ismen“. Die wichtigste, auch
der Leitung von Imre Pán – eine rege Verlagstätigkeit, es erscheinen theo- heute gültige Botschaft des Buches, die die gemeinsame Überzeugung der
retische Hefte, Periodika und Bücher. 9 Die Bewegung bringt Frische, eine Verfasser zum Ausdruck bringt, ist, dass die Prozesse der ausländischen und
neue Anschauungsweise und Begeisterung ins künstlerische Leben, das heimischen Kunst und des Denkens nie getrennt, unabhängig voneinander,
sondern immer parallel zueinander untersucht werden müssen. Einige Ab-
schnitte des Buches werden 1957 zwar in der Zeitschrift Nagyvilág (Weite Welt)
veröffentlicht, der vollständige Band erscheint jedoch erst 1972 ohne Angabe Lajos Kassák bei der Ausstel-
des Namens von Imre Pán. 12 lungseröffnung in der Galerie
Csók, Budapest, 1957
Am 23. Oktober 1956 bricht in Budapest die Revolution aus. Die Grenzen (Gábor Mezei, Imre Pán,
öffnen sich für eine kurze Zeit und Zehntausende von Ungarn verlassen das Lajos Kassák, Frau Kassák,
geb. Klára Kárpáti, Júlia
Land. Der dreiundfünfzigjährige Imre Pán ist sich durchaus bewusst, dass Székely, Tihamér Gyarmathy)
das Verlassen des Landes seine letzte Chance bedeutet, seine lang gehegten In Besitz von Gábor Mezei,
Budapest
Träume vor allem im Bereich der Verlagstätigkeit zu realisieren, doch ringt
er zwischen der Familie, die bleiben möchte, und der Möglichkeit, in Freiheit
leben zu können. Erst einige Monate später fällt er die für alle schmerzliche
Entscheidung: Da er unfähig ist, die Isolation, die Eingeschlossenheit weiter
zu ertragen, verlässt er Ungarn und lässt sich in Paris nieder. Seine Ankunft
beschreibt er in seinem unveröffentlichten Tagebuch wie folgt: „Ich blicke vom
Bahnsteig des Gare de l’Est auf mein Leben zurück, das eine ständige Vorbe-
reitung, ein Warten war. Ich wartete auf das Morgen, das in meiner Heimat Imre Pán in seinem
Arbeitszimmer, Budapest,
auch am nächsten Tag ein Morgen blieb, bis es schließlich plötzlich zum Ges-
1930er Jahre (an der Wand
tern wurde. Mit der großen Eisenprozession, mit dem Zug, kam ich in Paris, in Bilder von Béla Uitz,
Béla Kádár, Hugo Scheiber,
der Gegenwart, an. Es ist Montagmorgen, der 5. Mai 1957: das erste Heute” 13 rechts oben das Porträt
In Paris nimmt er Kontakt zu seinen früheren Freunden auf, zu Corneille, Herwarth Waldens von
Hugo Scheiber)
Jacques Doucet und den Pariser Ungarn, unter anderem zu István (Étienne) In Besitz von Gábor Mezei,
Hajdú, Anton Prinner, Árpád Szenes und Victor Vasarely. Im September 1957 Budapest

lernt er Mireille Kastler kennen, seine spä-


tere, zweite Ehefrau, und deren Freundin,
die Malerin Ida Karskaya, die ihn Goncha-
größte Verdienst aber ist, dass es ihr gelingt, zahlreiche Brücken zwischen rova, Larionow, Marcelle Cahn und ande-
den ungarischen kulturellen und künstlerischen Bestrebungen und jenen ren vorstellen. Imre Pán macht sich an die
anderer Nationen zu bauen. Im Művészbolt sind Zeichnungen von Arp, de Arbeit, unermüdlich sucht er Künstlerateli-
Chirico, Kandinsky, Laurens, Matisse und Miró zu sehen, im Rahmen der ers auf. So trifft er unter anderem auf die
französisch-ungarischen Ausstellung im Jahr 1947 sind jedoch – neben den einsam arbeitende Aurélie Nemours, deren
Mitgliedern der Pariser ungarischen Gruppe – unter anderem auch Werke Kunst damals noch auf wenig Interesse stößt
von Bonnard, Gromaire, Laurencin, Léger, Lhote, Maillol, Picasso, Pignon und die er mit der Anfertigung von Collagen
und Vuillard vertreten. Mit der Vermittlung des Redakteurs der Zeitschrift beauftragt. Diese Werke gelten dann viele
Cahiers du Sud 10 aus Marseille, Claude Serbanne, eines engagierten För- Jahre später, 2001 in Grenoble als die Sen-
derers des Surrealismus, gelangt die Gruppe in Kontakt mit der tschechi- sation der Ausstellung von Aurélie Nemours.
schen Künstlervereinigung Skupina RA und den rumänischen Surrealisten, Imre Pán kommt innerhalb von drei Mo-
an deren Spitze Dolfi Trost und Gherasim Luca stehen. Es beginnt ein reger naten mit fast achtzig Künstlern in Kontakt
kultureller Informationsaustausch. Eines seiner wichtigen Momente ist, dass und in ähnlich kurzer Zeit gelingt es ihm,
die Cahiers du Sud 1948 in Begleitung einer Kurzbiografie einige ins Fran- seine ärmliche Wohnung in ein geistiges
zösische übersetzte Gedichte Imre Páns veröffentlicht. Bevor sich die einen Zentrum zu verwandeln. Auch er selbst be-
Spalt breit schon geöffnete Tür aber weiter auftun könnte, schließt sie sich sucht Treffen befreundeter Künstler, Schrift-
noch in demselben Jahr durch die 1948 einsetzende Expansion des Stalinis- steller und Philosophen, so ist er häufig im
mus – hoffnungslos und für lange Zeit. Haus des portugiesischen Malerehepaa-
Nach der von oben angeordneten Auflösung der Europäischen Schule und res René Bertholo und Lourdès Castro zu
der Schließung des Művészbolt unterhält Imre Pán seine Familie als Buch- Gast, wo die Mitglieder der Künstlergruppe
händler, doch ändert sich für ihn die Welt nur außerhalb seines Zuhauses. KWY 14 regelmäßig zusammenkommen.
Sein Haus in der Dorozsmai Straße bleibt, wie auch Péter György in seinem Im Februar 1958 organisiert er unter dem
Buch Az elsüllyedt sziget (Die versunkene Insel) 11 berichtet, ein wichtiger Titel Miroirs de papier in der Galerie La
44 Treffpunkt für die fortschrittliche Intelligenz. Nach der Arbeit beschäftigt Main Gauche die erste Gruppenausstellung 45
mit Werken von Picabia, Wols, Hans Arp, Max Ernst, Goncharova, Lario- zurückführt und die Vernissage zu ihrer Ausstellung 1962 in der Galerie
now, Braque, Marcel Jean, Béla Czóbel, Margit Anna, Lajos Vajda, Endre Mesure zu einem Ereignis macht, an dem neben anderen bedeutenden
Rozsda und István (Étienne) Hajdú. Im Juni folgt darauf die Ausstellung Les Künstlern auch Hans Arp teilnimmt.
partenaires artistiques, in deren Rahmen er Arbeiten von Sonia und Robert Neben der Organisation von einer ganzen Reihe von Ausstellungen zeich-
Delaunay, Sophie Tauber-Arp und Hans Arp, Goetz und Christine Boumeester, net Pán auch selbst, er malt, fertigt Collagen an, schreibt Gedichte, Novellen,
Goncharova und Larionow, Viera da Silva und Árpád Szenes, Françoise Gilot Kunstinterpretationen. Um 1970 ist er endlich in der Lage, seine lang ge-
und Picasso sowie von Nadia und Fernand Léger zeigt. 1960 veranstaltet er hegten Verlagspläne zu verwirklichen. Es klingt beinahe unglaublich, doch
gemeinsam mit Victor Vasarely eine Einzelausstellung für Lajos Kassák in von 1960 bis zu seinem Tod im Jahr 1972 gibt er 145 Publikationen heraus.
der Galerie von Denise René. Die ungarischen Behörden genehmigen zwar Ein bedeutender Teil davon sind bibliophile Hefte in kleiner Auflage, die
nicht, dass Kassák aus diesem Anlass nach Paris reist, doch erfüllen die Reak- jeweils die Grafiken, Zeichnungen oder Collagen eines Künstlers in Begleitung
tionen auf die Ausstellung, die nach Ungarn gelangen, den isoliert lebenden, eines Aufsatzes von Imre Pán beinhalten. Als Beispiel sei hier ein kurzer
alten Künstler mit Zufriedenheit. Imre Pán ist es auch, der die zu Unrecht Abschnitt aus seinem Aufsatz zu Sonia Delaunay zitiert: „Hören wir nur die Imre Pán in Paris, 1960er Jahre
in Vergessenheit geratene Künstlerin Marcelle Cahn ins künstlerische Leben Musik ihrer Scheiben, die Harmonie ihrer Kreise, die an Noten erinnern: In Besitz von Gábor Mezei, Budapest

den Orphismus, die Musik der Sphären. Au-


tonome Formen hat sie geschaffen, abstrak-
te Elemente, die leuchtenden atomaren Teil-
chen der neuen Welt.“ 15 Das sind die Worte
eines einfühlsamen Dichters, der das Werk
in seiner Tiefe versteht.
Pán gründet 1963 die Revue Morphèmes,
in der er Antwort auf die Fragen nach der
Zukunft der Avantgarde und der zeitgenössi-
schen Kunst sucht. In den bis 1970 erschei-
nenden Heften erscheinen in Begleitung
einer grafischen Beilage Texte und Gedichte
unter anderem von Henri Bergson, Árpád
Mezei, Octavio Paz, Aurélie Nemours,
Henri Pastoureau, Jean Dubuffet und
Giacometti. Bereits schwerkrank gründet
er 1972 eine weitere – als vierteljährliches
Periodikum vorgesehene – Zeitschrift: Pré-
verbes, doch als die erste Nummer die Dru-
ckerei verlässt, lebt er schon nicht mehr.
Dichter, Schriftsteller, Zeitschriften-
gründer und Verleger – ein Mensch, der
die Künstler um sich versammelt, der
unerschütterlich an die zeitlose Gültigkeit
und Kraft der universalen Kunst glaubt und
sich dieser bedingungslos in den Dienst
stellt: so könnte man zusammenfassen, wer
dieser geistige Gefährte und Erbe Lajos
Kassáks war – Imre Pán.

(Deutsch von Éva Zádor)

115. Sonia Delaunay


Ohne Titel (No. 1241)
46 1913 47
102. Mikhail Larionov 104. Francis Picabia
Ohne Titel, 1910-er Jahre Ohne Titel
Ende 1920-er Jahre

48 49
LAJOS KASSÁK

21. März 1887 Geboren in Érsekújvár, Ungarn (heute: Nové Zámky / Slowakei).

1900 Bricht das Gymnasium ab und macht eine Schlosserlehre.

1904 Umzug nach Budapest, arbeitet in den Bezirken Angyalföld und Újpest
als Fabrikarbeiter. Beteiligt sich an den politischen Auseinandersetzungen
der Gewerkschaften, tritt in die Ungarische Sozialdemokratische Partei ein.

1904 – 1907 Schließt sich der Arbeiterbewegung an. Organisiert Streiks,


nimmt an Demonstrationen teil. Wegen seiner politischen Aktivitäten kommt
er auf die Schwarze Liste und verliert seine Arbeit. Er beginnt sich zu bilden.

Das Geburtshaus von Lajos Kassák


in Érsekújvár, 1960-er Jahre
Petőfi Irodalmi Múzeum
– Kassák Múzeum, Budapest

1908 In der Wochenzeitung Újpest erscheint sein erstes Gedicht, auf das wei-
tere Publikationen folgen. Er lernt seine Lebensgefährtin Jolán Simon – eine
junge Arbeiterin, die später auch als Modell für Künstler arbeitet – kennen.

1909 Kassák macht sich zu Fuß und ohne Geld auf den Weg nach Paris.
Er lebt wie ein Wandergeselle oder Landstreicher, während er in Museen
Bekanntschaft mit den Werken der Jahrhundertwende und der alten Meister
macht. Seine Reisegefährten sind der Bildhauer Lajos Gödrös und Emil Szittya.
Wegen der Teilnahme an anarchistischen Versammlungen wird er aus Bel-
gien, dann aus Deutschland ausgewiesen, schließlich erreicht er aber, indem
er die Grenze illegal passiert, die französische Hauptstadt. Im Dezember
kehrt er nach Budapest zurück.

1912 Béla Uitz wird sein Schwager, er besucht mit ihm Ausstellungen,
sie führen Diskussionen über Malerei und Musik. Er nimmt an den Ereig-
nissen der „blutroter Donnerstag” genannten Demonstration teil. Die Zei-
tungen Népszava, Egyetértés, Újság und Vasárnapi Újság veröffentlichen
seine Novellen, der Chefredakteur der Zeitschrift Nyugat, Ernő Osvát, will Lajos Kassák in Wien, 1921
50 einen seiner Romane publizieren. Petőf Irodalmi Múzeum, Budapest 51
1915 Er versammelt die jungen Schriftsteller und bildenden Künstler, die 1928 – 1938 Er gerät in zunehmend heftigere Auseinandersetzungen mit der
sich gegen den Militarismus wenden, um sich und gründet die Zeitschrift sozialdemokratischen und kommunistischen Bewegung. Seine Artikel erschei-
A Tett (Die Tat). In ihrem Programm propagieren sie die Idee einer politikun- nen regelmäßig in den Zeitungen Népszava und Szocializmus, in diesen pro-
abhängigen Kunst. testiert er gegen die stalinistische
Willkür, die Schauprozesse und
1916 Es erscheint die internationale Ausgabe der Zeitschrift A Tett mit Bei- Hinrichtungen in der Sowjetuni- Das Leben eines Menschen,
trägen von Schriftstellern und Künstlern aus Ländern, die sich mit der Öster- on. Er wendet sich gegen die Ver- I-II-III.,
Budapest, Dante (Hrsg.), 1932
reich-Ungarischen Monarchie im Krieg befinden, daher wird die Zeitschrift kündung der Rassenideologie in Titelblatt: Lajos Kassák
verboten. Kassák gründet unter dem Titel Ma eine neue Zeitschrift. Ungarn und die rechtsradikalen
Bewegungen der Studenten. Die
1917 – 1918 Als Redakteur der Ma und Anführer der ungarischen Avantgarde- Behörden strengen wiederholte
Bewegung organisiert er Veranstaltungen und literarische Matineen, gibt Bücher Male einen Prozess gegen ihn an.
heraus.
1928 Unter dem Titel Munka
1919 Zur Zeit der Räterepublik wird er Mitglied des schriftstellerischen gründet er eine unabhängige, lin-
Direktoriums, doch bei der Bewertung der Avantgarde verwickelt er sich ke, avantgardistische Zeitschrift.
in eine heftige Diskussion mit dem kommunistischen Anführer Béla Kun. Jolán Simon und Lajos Kassák
in Wien, 1922
Daraufhin darf die Ma nicht mehr erscheinen. Nach dem Fall der Räterepub- 1932 Sein Interesse richtet sich Petőfi Irodalmi Múzeum
lik kommt er für fünf Monate ins Zuchthaus. zunehmend auf die Fotografie – Kassák Múzeum, Budapest

und die Fotomontage, er gründet


l920 Er emigriert nach Wien, wo er die Ma wieder ins Leben ruft, er die Sozialfotografie-Gruppe des
publiziert unter anderem künstlerische Werke von George Grosz, Alexander Munka-Kreises.
Archipenko, Kurt Schwitters, Hans Richter, László Moholy-Nagy, Viking
Eggeling, Hans Arp, Theo van Doesburg, El Lissitzky, Vladimir Tatlin, 1938 Seine Ehefrau Jolán Simon begeht Selbstmord.
Fernand Léger, Le Corbusier, Francis Picabia sowie Gedichte von Jean Cocteau,
Paul Eluard, Ivan Goll, Tristan Tzara und Ion Vinea. In seiner Theorie der 1939 Aufgrund des neuen Pressegesetzes, das mit einer starken Einschrän-
Bildarchitektur formuliert er das theoretische Programm des ungarischen kung der Pressefreiheit einhergeht, wird die Zeitschrift Munka eingestellt.
Konstruktivismus, zudem baut er weitreichende Beziehungen zu den euro- In der Pariser Galerie Charpentier werden bei der Ausstellung Neue Realität
päischen Avantgarde-Bewegungen aus. zusammen mit Werken von Picabia, Léger, Laurens, Iancu und Survage auch
seine Werke ausgestellt. Aus dem Gästebuch der Sturm Galerie
1922 Er reist nach Berlin, wo er Herwarth Walden, Paul Klee, Kandinsky, in Berlin mit der Unterschrift Jolán
Simon und Lajos Kassák, 1924
El Lissitzky, Hans Arp, Hans Richter und Raoul Hausmann begegnet. 1940 Die mit ihm zusammenarbeitende Sekretärin Klára Kárpáti wird seine Staatsbibliothek Berlin
In der Sturm-Galerie veranstaltet er am 21. November einen Künstlerabend. Lebensgefährtin. In Zeitungsartikeln protestiert er gegen die Verfügungen
Er besucht die Erste Russische Kunstausstellung in der Van Diemen Galerie des im Entstehen begriffenen dritten Judengesetzes.
und berichtet darüber ausführlich in der Ma. Klára Kárpáti um 1936
Foto: Sándor Diskay
1945 Nach dem Krieg erhält er im neuen öffentlichen Kulturleben eine Reihe Petőfi Irodalmi Múzeum
1924 Ausstellung in der Wiener Galerie Würthle und in der Berliner Sturm- von Aufgaben und ämtern. Er wird Redakteur der neu ins Leben gerufe- – Kassák Múzeum, Budapest

Galerie. In Wien begegnet er anlässlich der Internationalen Ausstellung nen Zeitschrift Új Idők sowie der Zeitschriften Alkotás und Kortárs. Er wird
neuer Theatertechnik Marinetti, Theo van Doesburg und Enrico Prampolini. Mitglied des Journalistenverbandes, des Vorsitzes des Ungarischen Schrift-
Er nimmt in Gesellschaft von Brancusi, Klee, Arp, Schwitters, Hans Richter, stellerverbandes, des literarischen Fachrates des Ungarischen Künstlerischen
Marcel Iancu und anderer an der Ersten internationalen Ausstellung moderner Rates sowie Mitvorsitzender des Ungarischen PEN Clubs.
Künstler in Bukarest teil.
1948 Der Ungarische Kunstrat stellt zunächst die Förderung der Zeitschrift
1925 Er knüpft Kontakt zu den führenden Persönlichkeiten der ungarischen Alkotás, dann auch von Kortárs ein. Kassák wird zunehmend aus dem öffentli-
sozialdemokratischen Bewegung. Die Zeitschrift Ma wird eingestellt. chen Leben verdrängt, seine Gedichte und Artikel dürfen nicht mehr erscheinen.

1926 Reise nach Paris, hier organisiert er einen Künstlerabend mit Hilfe seiner 1953 Der Schriftstellerverband kritisiert bei der Versammlung der Partei-
französischen Freunde. Er trifft sich mit den dortigen Mitarbeitern der Ma, mit mitglieder die Kulturpolitik der MDP (Partei der Ungarischen Werktätigen),
Le Corbusier, Ozenfant, Tzara, Ivan Goll, Paul Dermée. Im Dezember kehrt daher wird Kassák aus der Partei ausgeschlossen.
er nach Ungarn zurück und gründet die Zeitschrift Dokumentum.
1956 Er begrüßt den Ausbruch der Revolution. Er kann in das künstlerische
1927 Es erscheint seine Biografie Egy ember élete (Das Leben eines Menschen). Leben zurückkehren und wird in den Vorsitz des Schriftstellerverbandes
Aufgrund des ausbleibenden Erfolgs stellt Kassák die Zeitschrift Dokumentum ein. gewählt. Das Andenken an die Kämpfe in Budapest verewigt er in Gedichten
52 und Gemälden. 53
1957 Zu öffentlichen Auftritten hat er nur beschränkt die Möglichkeit.
Für seine späte Lyrik sind das Puritanische und eine formale Schlichtheit Das Plakat der Ausstellung von Lajos Kassák
charakteristisch, seine Tafelbilder kennzeichnet die Fortsetzung der kon- in der Denis René Galerie, Paris, 1960
Petőfi Irodalmi Múzeum – Kassák Múzeum,
struktivistischen Traditionen. Budapest

1960 Ausstellung seiner Werke in der Pariser Galerie Denise René.


Es erscheint gemeinsam mit Victor Vasarely eine Grafikmappe.

1965 Für sein dichterisches Werk erhält er den Kossuth-Preis, doch als bil-
dender Künstler wird er nicht Teil des Kanons. Laut des Beschlusses des
Politkomitees der MSZMP (Ungarische Sozialistische Arbeiterpartei) darf
er in staatlichen Institutionen Ausstellungen nur auf eigene Kosten organisie-
ren. Das Pariser Museum für moderne Kunst und das Museum der israelischen
Stadt Eliath kaufen Bilder von ihm. Eines seiner späten Ölbilder gelangt
in das Museum für zeitgenössische Kunst in Locarno. In Basel wird eine Mappe
mit seinen Linolschnitten herausgegeben.

1966 Seine Werke sind auf der von der Zürcher Kunsthalle und dem Pariser
Museum für moderne Kunst veranstalteten Jubiläumsausstellung zum Dada
vertreten. Das Wiener Museum des 20. Jahrhunderts kauft Arbeiten von ihm.

1967 Anlässlich seines achtzigsten Geburtstags erhält er eine staatliche Aus-


zeichnung für sein literarisches Werk. Die letzte Ausstellung zu Lebzeiten
veranstaltet er im Budapester Fényes Adolf Saal.
Am 22. Juli stirbt er. Bei seiner Beerdigung sprechen der Maler Endre
Bálint und die Dichterin Ágnes Nemes Nagy, den Nekrolog von seinem
langjährigen Mitarbeiter, dem Schriftsteller Tibor Déry, liest der Schau-
spieler Zoltán Latinovics vor.

Die Biografie wurde unter Verwendung der Texte von Ferenc Csaplár zusammengestellt.

Die Eröffnung der letzten Lebenswerk-Ausstellung


von Lajos Kassák im Fényes Adolf Saal,
Budapest, 1967
Fotó: Géza Szebellédy

54 55
Die mit * gekennzeichneten deutschen Übersetzungen stammen aus:
József Vadas (Hrsg.): Lasst uns leben in unserer Zeit.
Gedichte, Bilder und Schriften. Budapest 1989

Die in Originalfassung deutschsprachigen Dokumente


und Briefe werden unverändert publiziert.

MANIFESTE, TEXTE, BRIEFE


PROGRAMM * 2. Die neue Literatur muß sich, wenn sie ihre eigene Wichtig-
keit einholen und mit ihren Wahrheiten und Schönheiten, die sich
Das anderthalb Jahre währende Weltentsetzen – das in den immer aus dem Wesen des Lebens formten, wirken will, befreien
greisen Leib Europas auch bislang schon tiefbrennende Wunden von jedem konventionellen, „ideellen“ und technischen Gängel-
grub und das dereinst vermutlich nur mit der völligen Aufzehrung band. Denn alles, was für die gestrige Kunst schöpferische Form
seiner selbst zu Ende gehen wird – , hat zweifellos viele physische, oder inhaltliches Wesen war, kann dem heutigen Schöpfer nur ein
technische und psychologische Probleme vorangetrieben und Kanal am Abhang sein, der zum Verlust des Wesens führt.
gelöst, die das heutige Stadium im normalen Evolutionsprozeß
nur mit Hilfe langwieriger wissenschaftlicher Forschungen er- 3. Die neue Literatur kann sich zur Flagge keines einzigen Ismus
reicht hätten. Und obzwar sich die kultivierte Menschheit ihren bekennen. Wie sie die neuen Möglichkeiten des Christianismus
Denkern in einer derart nackten Bestialität noch niemals präsen- nicht akzeptieren kann, so muß sie auch gegen den Futurismus
tiert hat – erwarteten die Denker merkwürdigerweise noch frontal vorgehen. Denn während auf der einen Seite Asketen schon
niemals mehr moralische und charakterliche Läuterung von der seit Jahrtausenden ihren Bauchnabel bestaunen, singen auf der
Menschheit, wie nach deren heutiger Entlarvung. anderen Seite eitle Primadonnen die Apotheose des Krieges …
Es ist, als ob das Jahr 1914 in der Entwicklung der Menschheit den Jede Schule ist das Markenzeichen dekadenter Ästheten oder der
Beginn einer neuen Periode anzeigte. Den Beginn des menschli- Scheinvirtuosen oder der heiligen Mittelmäßigkeit.
cheren Menschen: der moralischen Periode.
lch bekenne mich zu der längst konstatierten Wahrheit, daß 4. Die neue Literatur muß auf jede Naturerscheinung reagieren.
auch dieser Krieg, wie alle bisherigen Kriege, trotz seiner unge- Es darf für sie keine räumliche und zeitliche Unüberbrückbarkeit
heuren Ausmaße nur eine furchtbare Episode im Leben der geben. Sie ist hilfreicher Gefährte jeder Wissenschaft und
Menschheit ist und daß auch dieser Krieg die kleinlichen Praktiken umgekehrt, sie akzeptiert die spirituellen Kräfte und ist sie mit
einzelner nicht ändern, die Wolfszähne der Scheinkameraden ihren Mitteln zu beleuchten bemüht, sie will das Mysterium der
nicht ausreißen wird, aber ich bestreite, daß diese riesige Schlacht- Seele ebenso in ihren Gesang einschmelzen wie die erotische
bank ohne jede zur Vernunft bringende Erinnerung vom Geist der Großartigkeit des Blutes und des Fleisches, den Giftbrodem des
großen Massen, der Menschheit abgleiten wird. Heute ist das Misthaufens im Frühling, den nach Unendlichkeit lechzenden
Ende des Weltkrieges noch kaum abzusehen, und schon gibt es Marconigraphen der Technik, die den Globus messenden Loko-
keine Nation mehr, deren christlich gewordenes Volk die soziale motiven, den Himmel bestaunenden Aeroplane und auch die
Welteinheit nicht herbeisehnte: Der Handel erwartet vom Versie- große Stille, in der die Seele der Dinge sich äußert.
ge dieses Blutmeeres die Lockerung der einschränkenden Zoll-
tarife, die Politik träumt gerade inmitten der heutigen Nationen- 5. Die neue Literatur ist der Toröffner des sich befreienden
vernichtung von den Vereinigten Staaten von Europa und das mit Willens. Sie ist skeptisch und enthusiastisch zugleich. Sie ist
größerem Recht und berechtigterer Hoffnung als je zuvor – und verliebt in alles Unerreichbare, aber schreitet gleichgültig über
in der ganzen umgestürzten Welt bewegt sich allein die Kunst taub die toten Götter hinweg und durch den lila Nebel der Zwangs-
und blind noch immer selbstgefällig im Phrasendschungel des vorstellungen hindurch.
unfruchtbaren „nationalen Selbstgefühls“ und der Ritterromantik.
Dabei warten auf die Kunst, und insbesondere auf die Literatur als 6. Die neue Literatur preist die schöpferischen Kräfte. Sie ist
den lnhaber der am unmittelbarsten wirksamen Ausdrucksmittel, der Freund des freien Wettstreits freier Kräfte: der Reformation,
bei der Gestaltung des Menschen der kommenden Generation der Revolution – aber der Feind jeden Krieges, weil (auch gegen
große Aufgaben. Die Literatur darf sich nicht länger mit einer die Behauptung der Futuristen) jeder Krieg die schändlichste
dekadenten SeIbstbeweihräucherung begnügen: Mit bewußtem Unterjochung der Kräfte bedeutet.
Willen muß sie sich als der fanatischste Anwalt des Fortschritts
auf den Basis – und Leitungsebenen Mitsprachewirkung erzwin- 7. Die neue Literatur kann kein rassistischer oder nationaler
gen – und darum: Selbstzweck sein!

1. Die neue Literatur (zu deren Kräftigung und Entwicklung von 8. Die neue Literatur kann nicht das Reimgeklingel blüten-
der weltspleenigen Stimmungständelei der vorangegangenen stirniger Snobs zur Narkotisierung hysterischer Weiber sein!
Generation zur Lyrik des bewußten Willens der Krieg wesentlich
beigetragen hat, wenngleich sie nicht im Krieg entstand) muß als 9. Die neue Literatur muß Feuersäule sein, die die Seele der
notwendige gesellschaftliche Erscheinung ständig den Kontakt zu Zeit beseelt!
allen progressiven wirtschaftlichen und politischen Bewegungen
halten, und ihre führenden Vertreter müssen wie die kommerziel- 10. Die neue Literatur hat die Ganzheit des Kosmos zum Thema!
len, industriellen und politischen Faktoren eine führende Rolle bei
der Lenkung der Staatsmaschinerie, bei der Revision der beste- 11. Die neue Literatur tönt im Gesang der ihrer selbst bewußt
58 henden und der Formulierung der neuen Gesetze fordern. gewordenen Kräfte! 59
12. Der neuen Literatur glorifiziertes ldeal ist der sich an der SIGNAL IN DIE WELT *
Unendlichkeit ergötzende MENSCH!
Wir sind ein paar Pester Burschen, die nicht an Wunder glauben
Sofern das auf diesem engen Raum und unter der heutigen und auch nicht an den kosmischen Charakter des Krieges, wir
Zensorenlupe möglich ist, wollte ich mein literarisches Programm kennen unseren Verstand und senden nun offenen Auges den
darbieten, das Programm, das meine letzten Arbeiten illustrieren, Schrei unserer Stimmen gen Osten, Westen, Norden und Süden,
zu dessen Propagierung ich A Tett ausersehen habe und zu des- wo Menschen leben, deren roter Gruß uns hier erreichte.
sen Verwirklichung ich in der großen Bohème einige auf unter- Es gibt Länder, wo selbst der heutige Blutwahn das Rad der
schiedlichen Wegen vorwärtsdrängende, aber mit mir gemein- Gedanken nicht vorwärts zu stoßen vermochte, als sei dort alles
sam dem gleichen Ziel zustrebende Menschen fand. Unser Wille ist auf ewig in sich zusammengebrochen – ihr Schicksalsgenosse
die Röte unseres Blutes und die Jugend unseres Hirns – wir ist unser Land. In diesem Land hat keiner Gespür für sich
glauben, daß wir ans Ziel gelangen. Der Erfüllung unseres selbst, seinen Nachbarn, seine Menschlichkeit; vitale jugendli-
Glaubens sind wir sicher, aber heute, da uns von Tag zu Tag mehr che Armeen zanken sich in fremden Regionen, bei jedem ihrer
materielle und sonstige künstliche Hindernisse entgegentre- Schritte beißt der sichere Tod Tausende aus ihnen heraus, sie
ten, halte ich es für notwendig, uns auch in dieser Form für die aber treiben ständig vorwärts, willenlose Objekte, die selbst der
Zukunft zu akzentuieren. Weil eine Zeit kommen wird, da man sich Ruhm noch zugrunde richtete. Irgendwo draußen wird überall
an diese Tage erinnern muß. Denn: unser Leben geschröpft, und daheim schläft oder verbirgt sich
oder stiehlt, betrügt und treibt Wucher der Rest. Und dennoch
Das heute sinnlos verströmende Blut wird die Erde bald gelas- ist alles in Ordnung, Herrgott! ln allen Richtungen der Windrose
sen aufgesaugt haben, aber die ausgereifte Ähre wird den bit- sind die kleinen roten Lampen zum Treffen angezündet, und un-
teren Geschmack der durchlittenen Schrecken noch lange in seren Weg beleuchtet kein Rolland, kein Hall Caine und kein
den Mund der Menschen tragen, aus den Kasematten von heute Liebknecht, aber wir haben Schriftsteller, die der Krieg dekorierte,
werden glorreiche Lügenlegenden strahlen, aber vor den offenen und Maler, die „rote Teufel” auf die Leinwand stürmen lassen, und
Augen werden die verstümmelten menschlichen Frage- und Aus- wir haben Politiker, die Rinder salzen und pfeffern zur Beglü-
rufezeichen noch lange umherirren. ckung des Vaterlands. Seit zwei Jahren tanzen wir unseren Tanz,
andernorts wurden seither Regierungen gestürzt, Gefängnisin-
Aus: A Tett 10. (1916) sassen heiliggesprochen, ist Blut geflossen gegen Blut, zu stillen
(Deutsch von Irene Rübberdt) das herrenlose Blut, wir konnten dagegen bislang nur unseren
eigenen Verbrauch produzieren. Doch ach, schon wird uns der Kopf
schwer und die Sehnen reißen. Wir glauben, daß es außer uns
heute auch hier Menschen gibt, denen sich ihr verworrenes
Schicksal auf die Lippen drängt, und ihnen entgegen umarmen wir
auf den dürftigen vierundzwanzig Seiten unserer Zeitschrift unsere
Leidensgefährten, die mit dem gleichen Schicksal geschlagen sind,
die auch Menschen sind, unschuldige und kultivierte.
In diesem Glauben überreichen wir unseren Freunden die inter-
nationale Nummer der Tett.
Wir bieten nicht nur Kunst von absolutem Wert, wir wollen auch
unsere schmerzliche Lebendigkeit vom in Ohnmacht fallenden
ungarischen Brachland signalisieren.

Aus: A Tett 16 (1916) Sondernummer für internationale Literatur


(Deutsch von lrene Rübberdt)

60 61
MANIFEST ZUM INTERNATIONALEN KONGRESS Verkommenheit, die bei den Königen eine fast unausbleibliche
DER INTELLEKTUELLEN Erbschaft bilden.) Rings in der Welt brennen die Revolutionen,
und sie, die Größen des Geistes, spielen mit sich selbst ein unver-
Da wir nun ferne von Euch und gegen tausend Hemmungen zu antwortliches Spiel.
sprechen beginnen, müssen wir betonen. daß wir es nicht als für
große Gesten begeisterte Künstler tun, sondern als einfache, schmerz- Falls die Einberufer des Berner Kongresses ernstlich etwas für
erfüllte und revoltierende Menschen, die aber mit Euch nur in ihrer das zukünftige Leben des Menschen tun wollen, müssen sie ohne
Ausdrucksform verwandt sind. Obwohl, das wird sich in Kürze diese mondsüchtigen Kanaillen, ja von ihren Künstlerleichen aus,
offenbaren, wir einander keine übereinstimmenden Brüder sind, den ersten Schritt gehen.
sondern unbarmherzige Feinde. Mittelstationen – heute ist es
schon bestimmt – gelten für uns nicht. Entweder – mit oder gegen- Und kein gütiges Verständnis den „Abgeirrten” gegenüber!
einander! Und es ist höchste Zeit zur Selektion. Und keine apostolische Geste!

Zweifellos – die Wege, die der Mensch bis jetzt wanderte, sind höl- Wir sind am Kreuzwege. Tod und Geburt tönen zumal die Glocken,
lisch vermengt, und wenn wir fortleben wollen, müssen wir alle und der Mensch steht vermischt unter vermischten Brüdern, mit
unsere Laternen gegen den Morgen emporheben. Aber Achtung, dem unausgesprochenen Gebet im Munde. Zwar nur so viel sollte
weil durch diese Laternen nicht nur die uns umgebende Fin- er sagen: Ja! oder Nein! Da doch heute nur diese zwei Lebens-
sternis zerfetzt, sondern auch wir selbst erbarmungslos be- möglichkeiten gelten – für oder gegen den Menschen. Die Mit-
leuchtet werden. Auge in Auge stehen dann Menschen einander telstationen gelten ebensowenig wie der zwischen den kämpfen-
gegenüber, sichtbar wird eines jeden wahres Gesicht, und die am den Revolutionären und Gegenrevolutionären sich aufbröckelnde
Intellektuellenkongreß erschallenden Worte werden Revolution Kleinbürger heute noch eine Kraft für die Zukunft bedeutet.
für den Menschen oder Gegenrevolution gegen den Menschen Der letzte Rest seines Lebensöles ist durch den Weltkrieg des
bedeuten. Und alles wird seine reine Deutung haben wie die Apo- an seiner eigenen Trägheit mächtig gewachsenen Imperialismus
kalypse. Denn dieser Kongreß, als eine in erster Reihe Nicht-Poli- ausgelöscht worden, und plötzlich wurde jetzt die Unhaltbarkeit
tikerversammlung, könnte seine Wünsche und Ziele, auch ge- der alten Lebensformen der Gesellschaft sichtbar.
wollt, nicht mit dem Jargon der Diplomatie maskieren. Aber auch
dann, als gefährlichstes aller Labyrinthe, bleibt der gute bürgerli- Unter den Sohlen des heutigen Menschen brennt die auf Jahr-
che Sentimentalismus übrig, und das ist der scheinbar unsterbliche hunderte zurückhaltende Erde. Aufbrechen: rechts oder links!
Gegner, dem der Kongreß entschiedenst widerstreben muß. Diese Und jetzt öffnet die Augen, Brüder! Nicht mit dem Opportunismus
zur Ausgleichung aller strebende Güte streckte die Menschen- der Altruisten, sondern mit der Erbarmungslosigkeit des Egoismus:
sklaverei gar leis an uns heran, und sie war es, die den Weltkrieg brecht auf! Aus Euren wiedergefundenen Köpfen schaufelt den Sen- 49. Lajos Kassák
geboren werden ließ. timentalismus der Apostel und den Giftschwamm der Geschichts- Manifest zum Internationalen
Kongress der Intellektuellen
schnitzer heraus. Das Ehrgefühl von Vätern und Schatten der Schulen. Titelblatt: Sándor Bortnyik
Dieser lauen Güte Gefäß war der westliche Intellektuelle bisher. Mit der Sauberkeit Eurer Menschheit tretet ins Licht des Morgens! Ma [Heute], Wien, 23. Oktober 1920

Tragische Tage sind hinter uns, wir durchlebten den Weltkrieg und Denn Morgen ist nun!
werden dies Blutmeer noch lange nicht durchwatet haben. Es ist Nun ist Licht!
uns bekannt, wie weit sich die „geistigen Führer der Menschheit” Aufbruch ist nun!
an der Herausforderung dieser Katastrophe beteiligt haben. Über
Nacht wurde der führerische Beruf der Künste vergessen, und Und wer heute aufbricht, geht hinaus über die Hysterie des Groß-
als Lakaien des Kapitalismus stellten sich alle schaffenden Kräfte mutes und die Phrasen der Demagogen sich entgegen, um das
ohne Vorbehalt dem Verwüsten zur Verfügung. Man schweißte Gesetz des Lebens zu erfüllen. D e r M e n s c h s e i M e n s c h!
Oden über in Blutwahnsinn gefallene Menschentiere, und freiwil- Wir wissen die Stahlgewalt des Vergangenen in der Klassen-
lig stellten sie sich gegen ihre Brüder bewaffnet an die Front. macht, und wir glauben an die klassenlose Gemeinschaft der Zu-
Auch die Gediegensten kamen nicht über die heiligen Worte des kunft. Und dieser Glaube ist die grundsätzliche Kraft des neuen
pietösen Pazifismus hinaus, und daher kommt es, daß heute, wo Menschen in dem um sein Selbst begonnenen Kampf.
die Sklaven der Fabriken, Minen und Werkstätten ihren Todes- Vom Osten her leuchten aufgeflammte Revolutionen. Im Leben
kampf ringen, es keine oder nur verschwindend wenige Intellek- der Welt sind dies die ersten Taten um den Menschen. Und diese
tuelle gibt, die aus innigem Zwang ihnen beistehen im Kampfe, Taten blühen jetzt nacheinander gruppenweise und unerwürgbar
der um die Läuterung der Menschen flackert. Ausgehalten von auf dem Erdball überall auf. Sklaven von Minen, Werkstätten und
den Reichen, stehen auch sie heute denselben zur Seite, brüllen reichtumriechendem Boden begannen in den Seelen ihre Wande-
Schwefel über die „Rebellen” oder lassen Verse in klassischen rung – sich selbst entgegen. Die Blutwellen des Weltkrieges schlu-
Maßstäben ertönen über die königlichen Reize ihrer Liebhaber. gen auf die Fronten der Arbeit hinaus, der Anstrich der Zivilisation
62 (Verschweigend natürlich den geistigen Sumpf und physische fiel ab, und nie kann die alte Klassenordnung wiedererrichtet werden. 63
1917 verwandelte sich der kapitalistische Weltkrieg unbestreitbar Die Seher also sollen sehen!
in den Klassenkrieg der Arbeit und des Kapitals.
Als ob wir vor der Apotheose stünden: wir müssen erbarmungs-
All dies ist aber nur die Hungerrevolte der Armen gegen los Abrechnung halten. Nach rechts oder nach links. Die Teil-
die satten Reichen. nehmer des Kongresses müssen heraustreten aus dem Nebel
der Romantik; für den erwachten Menschen gibt es heute nichts
Es ist an der Zeit, daß sich diese Weltempörung zur Revolution als die wirkliche Tat. Wer noch immer an den Ausgleich der Ver-
des Menschen vertiefe. letzten und Verletzenden glauben kann, wer noch immer glauben
kann an den Wiederaufbau der Welt auf den alten Gründen, der
Und wir, ungarländische aktivistische Künstler, unserer Lebens- hat ein generisches Leiden im Gehirn und muß als gefährlich blöd
ansprüche und produktiven Kräfte bewußt, wollen jetzt auf diesem aus dem Wege geräumt werden. Denn: in was für Gutem kann
Grunde unser Wort zum Kongreß der Intellektuellen fügen. die Zusammenorganisierung dieser Blöden von ihrer bisherigen
Schadentuerei zu unterscheiden sein? Die Einberufer des Kon-
Wir sollen hier auf die Oberflächlichkeit der Theoretiker der Revolu- gresses müssen, unter der Wirkung der Revolution selbst, be-
tion hinweisen, mit welcher sie die Revolution als eine ausschließlich merken, daß jetzt nicht die sentimentale Einigung der Rechts- und
oder in erster Reihe wirtschaftliche vor die Massen hinstellen. Linksstehenden, sondern die Klarlegung der zwischen den zwei
Obwohl es wahrlich klar ist, daß im Gegensatz zu den bisherigen Parteien bestehenden Lage notwendig ist.
Revolutionen, die einen entweder nationalen oder ausschließlich
wirtschaftlichen Charakter gehabt haben, die jetzige irgendwo tie- Wir wenden uns an Romain Rolland, Duhamel und Barbusse, die
fer ihre Wurzel hat und alles, neben den wirtschaftlichen Ursachen, sich offenbar mit größtem Ernst auf den Weg vorbereiten und die
auch schon durch ein kosmisches Lebensbegehren bewegt wird. große Tragweite und den Wert der Arbeit, die sich den Intellektuel-
Der Weltkrieg richtete nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ethisch len der Welt aufbürdet, wahrlich erblicken. Sie, die zuerst den Todes-
den Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts zugrunde. Die schrei des Krieges erschallen ließen, erblickten die tausende Leiden
bürgerlichen Gesetze lebten sich selbst auf, und der vielfach bloß- der russischen Revolution, deren Urheber größtenteils die frivolen
gestellte Mensch trat morallos und ohne jedwede philosophische und sklavenmütigen geistigen Arbeiter Rußlands waren. Das jahr-
Basis aus dem großen Feuer heraus. Diejenigen also, die die Zeit hundertelang mit dem Kantschuk geschlagene, durch Branntwein
heute bis zu den Wurzeln verstehen wollen, müssen die Revolution und Kirchen verdummte Volk erhob sich, um sich zum Menschen
als einen neuen Lebenskomplex anrühren und, im Interesse des zu erlösen, und als es die Vergangenheit mit wundervoller Kraft von
Erfolges eben, neben den wirtschaftlichen auch die ethischen sich geschüttelt, hatte es nichts als seine gesunde, rohe Kraft. Seine
Druckfedern der Revolution aufzeigen.) Bloß wirtschaftliche Ursa- Sklavereigenossen, denen das Vermögen des geistigen Produzie-
chen und Ansprüche können bloß Empörungen hervorbringen, rens gegeben wurde, sind ihm untreu geworden, und während gan-
die, ohne die kulturelle Stützung (und da zeigt sich der Leben ze Generationen auf den Fronten gegen die Söldlinge des fremden
gestaltende Beruf der Kunst), kurz nach dem Erwerb oder wegen der Kapitalismus verbluten, müssen die zu Hause Gebliebenen wieder-
Unerwerbbarkeit der Güter in eine allgemeine Trägheit verfällt. holt den Kampf mit den Intellektuellen aufnehmen, deren größter
Teil bis heute blöder Wolkentrinker, dummer August der Frauensa-
Die Empörung ist nur eine augenblickliche Kraftprobe lone, herrschsüchtiger Lakaie blieb, der seine Aushälter zurückweint
um augenblickliche Ziele. und tödlicher Feind des neuen Lebensbeginnens ist.

Die Revolution aber ist das Gleichgewichtsuchen des Menschen Diesen Anschauungsbeispielen, die wir aus der Tiefe der rus-
im Lebcn. Nicht nur das Begehren eines neuen Lebens, sondern sischen Revolution vor den Kongreß zitieren, fügen wir, um zu be-
auch das Nichtweiterlebenkönnen im Vergangenen. Eine Frage weisen, daß es sich hier nicht bloß um eine vereinzelte Erscheinung
des Lebens und Todes. Sie erkennt den Opportunismus nicht an handelt, das Verhängnis der ungarischen Revolutionäre hinzu, das
und hat keine Skrupel der Zukunft. Sie hat keine verhängnisvollen seit den religiösen Schwindeleien und Menschengemetzeln der
Schwenkungen, denn sie ist der Sinn des Lebens, und sie muß Inquisitionen nicht sein Gleiches findet.
sich selbst gesetzmäßig erfüllen. Ihr hörtet bisher wahrscheinlich sehr wenig vom ungarischen Volke.
Obwohl zweifellos schöne und reine Massen in seinen Kräften
Und alles ist nur Frage der Zeit. sind. Aber stets brennt ein verfluchter Stern über ihrem Leben,
Und diese Zeit hat heute nur die einzige Hemmung: den in seine ihre Herren gaben ihnen keine Schulen, mit Gesetzen „von Gottes
Vergangenheiten verwickelten und durch sie betörten Menschen, Gnaden” erpreßte man ihr Schmalz, und man versteigerte sie in
der im Ekel vor jedem Neuen sich etwa als blödsinniger Feuer- der Politik wie etwa einen alten Plunder. Seit tausend Jahren er-
wehrmann vor das Reinigungsfeuer der Revolution wirft. leiden sie ein ärgeres politisches und wirtschaftliches Elend als
die legendenhafte russische Kalwarja. Als in Rußland die große
Eine dieser irrsinnig gewordenen Feuerwehrmännertypen ist der Bodenreform durchgeführt wurde, hat man den ungarischen
64 mit seinem kleinen Selbst gegen das Leben spannende Intellektuelle. Bauern das Prügelbankgesetz zugeschnitten, in Ungarn, in dem 65
„Von Milch und Honig fließenden Kanaan”. Als die sozialistischen wegen Eurer eventuellen Oberflächlichkeit Eure Väter oder Söhne
Abgeordneten in Rußland revolutionäre Reden hielten, schoß man einem dem unseren ähnlichen Elend erliegen. Nehmt Euch in acht!
in Ungarn die für das allgemeine Wahlrecht demonstrierende Arbei- Denn sonst werdet auch Ihr bald mit Euren zufällig noch vorhan-
terschaft zusammen. Als Rußland mit seinen Millionenmassen denen Augen zwischen Euch sehen: den wegen eines Sohnes
aus der Hölle des Weltkrieges trat, wurden ungarische Proletarier „Aufruhr” zu Hautfetzen zerprügelten Greis, den aus der Schule für
durch Generäle und wahnsinnige politische Demagogen weiter immer hinausgeohrfeigten Studenten, den der Hoden beraubten
in die erste Linie getrieben. Dann, auf einmal, war das Maß voll. Bräutigam, den an seiner Stirne mit Feuer und Eisen gebrandmark-
In der angebrochenen Weltrevolution war Ungarn die zweite Sta- ten Juden, den in seinem dreißigsten Lebensjahre mit dem Taschen-
tion. Die ganze bisherige Lebensform der ungarischen Massen messer beschnittenen Christen, die Mutter, deren Vagina mit einem
bestätigt diese Tat. Nach dem ersten Extrem, das von den zusam- Klotz zerrissen wurde, den zum Wahnsinn geprügelten Professor,
menhaltenden Gentrys und dem unersättlichen Judenkapital den buckligen Kleinbeamten, dem man Nägel unter die Nägel schlug,
durchgesetzt worden war, konnte nur dieses andere Extrem kom- den Arzt mit zerbrochenen Armen, den silbergurgligen Soldaten, der
men: der Wille der Unterdrückten zur sofortigen Erlösung. Und daß von Galgen abriß und sich die Gurgel gänzlich zerschlug.
dieser fabelhafte Schwung splitternd zusammenbrach, daran war Sehen – könnt Ihr’s! Da wir Euch vor den Beratungen des Kon-
nicht der Mangel an revolutionären Kräften schuld, sondern die gresses unsere Botschaft zuschicken, heben wir das wahre und
Räubersolidarität des ausländischen Kapitalismus und die Feigheit leidende heutige Leben, welches dem gekreuzigten Leben Jesu
und Rückgratlosigkeit der ungarischen Intellektuellen. Während gleich ist, vor Eure Augen.
die Arbeiterschaft blutig dem Morgen opferte, sabotierten die
„Vertreter des Geistes” die aufbauende Arbeit und organisierten Ihr sehet: es kann keine Wahl in Wegen für den zur Besinnung
gegenrevolutionäre Putsche. Und auch unter diesen Intellektuellen gekommenen Menschen geben!
befanden sich in erster Reihe die Schriftsteller und Künstler.
Und Ihr, die Ihr den Berner Kongreß zusammenruft, auch Ihr habt
Und heute sind sie die lautstimmigsten Brandmischer. Sie erdich- keine Wahl in Wegen!
ten bewußt lügenhafte Legenden über die vergangenen Qualen
der Bourgeoisie, verfassen zu noch grauenhafteren Attentaten Einen Weg gibt es nur, den der Revolution, der den zum Leben
begeisterte Artikel über die Hinrichtungen hunderter Unschuldiger geborenen Menschen zur Erlangung des Lebens führt.
und malen Denkbilder zur Verewigung der Feiern weißer Mörder.
Und wir, die den weißen Wahnsinn der ungarischen Gegenrevo-
Und keinen gibt es unter ihnen, der sein protestierendes Wort lution litten und leiden, sagen: der Berner Kongreß der Intellek-
hinter der Wand seiner Autorität gegen die seit mehr als einem tuellen beginne seine Beratungen nicht mit Verständnis für das
Jahr andauernden Metzeleien des weißen Terrors erheben würde. Leiden, sondern mit Haß gegen das Leiden. FalIs das aber un-
möglich sein sollte, dann haben die Einberufer, hinter denen eine
Als ob sich auch die besten „Lieblinge Gottes” Blei in die Ohren reine und kampfvolle Vergangenheit steht, die ganze gemischte
gegossen hätten, schweigen sie schlau oder schreiben schamlos Gesellschaft auseinanderzujagen!
Seiten zusammen über Übersetzungen „süßtrauriger” Goethe-
lieder. Obwohl jetzt wiederholt frisches Blut Ungarns Boden Sie müssen sie auseinanderjagen!
beschmutzt, Galgen blühen, Familienväter mit zerbrochenen
Rückgraten sind. Und Leichen mit ausgeschlagenen Augen unter Und mit einem streng festgestellten Programm muß man die
den Flüssen schwimmen und die Tage von Trauer schwarz sind Arbeit ganz neu beginnen, denn nur der in seinen Wurzeln gesunde
und von Schrecken bleich die Nächte. Baum kann gesunde Früchte tragen.

Und die Flüchtlinge, in Kellerkerker gestopfte Sträflinge und Im Namen der ungarländischen Aktivisten:
in Seuchenlager zusammengeschundene Internierte schreien Ludwig Kassák.
zehntausenderweise zur Welt:
Aus: Sonderheft der Zeitschrift Ma 23. Oktober 1920.
Zu Hilfe einem zur Pest verurteilten Volk! (Übersetzer unbekannt)
Und diesen grauenhaften Jammer bringen wir jetzt vor den
Berner Kongreß der Intellektuellen.

Wir reden aufrichtig von der Wahrheit, und die Tiefe unserer
Stimme hat keinen Grund.

Bedenket also, wenn Ihr auf etwas das Ja oder das Nein ausspre-
66 chet. Denn ermahnen werden wir Euch, wenn bald und größtenteils 67
ZUR RUSSISCHEN KUNSTAUSSTELLUNG IN BERLIN *

1914, als durch Budapest das Kriegsfieber brauste, diskutierten


wir in einem kleinen Kreis junger Sozialisten und Pazifisten über
die Zukunft der Nationen und Völker. Die stärkste Anziehungs-
kraft besaß damals in Ungarn die russische Literatur, ihre weisen
und doch aufrührerischen Sätze hausten in unseren Köpfen, und
offensichtlich erfüllt von der Menschlichkeit dieser Literatur und
von dem tiefen und schmerzlichen Rumoren, das von ihr ausging,
stellten wir uns auf die Seite der Slawen.
Und wir sollten uns 1914 nicht geirrt haben. Nach der Litera-
tur jenes Rußland aus der leidvollen Zeit vor den Revolutionen
strömte nun die erneuerte Kraft eines revoIutionären Rußland Unbekannter Fotograf
in der bildenden Kunst auf uns ein. In der Zeit der europäischen Erste Russische Kunstausstellung,
Berlin 1922, Galerie van Diemen & Co.
Handels- und Kulturblockade bestand in Rußland eine völlig neue v.l.n.r.: David Sterenberg, D. Marianov,
Gesellschaftsordnung ihre Bewährungsprobe, und es begann sich Nathan Altman, Naum Gabo,
Friedrich A. Lutz
eine neue, wenngleich mit europäischen Versuchen vielfach paral- Berlinische Galerie, Landesmuseum
lel verlaufende künstlerische Entwicklung zu entfalten. für Moderne Kunst, Fotografie und
Architektur
Die erste gesamtrussische Ausstellung in Berlin liefert trotz
großer Lücken in vieler Hinsicht eine klare Bilanz der russischen
Kunst aus den Kriegs- und Revolutionsjahren.
Die in Europa entstandenen Kunstrichtungen des Futu-
rismus, Kubismus und Expressionismus waren noch in die rus-
sischen Ateliers eingedrungen und hatten, wie überall auf der
WeIt, auch in Moskau und Petersburg Maler gefunden, die ihre
Formensprache beherrschten. Diese Schulen setzten sich freilich
überall stärker durch als in Rußland. Die ganze Bewegung kam hier
über die Schulmalerei der Ateliers kaum hinaus. lhre repräsenta-
tiven Kubisten wie Udalzowa, Puni, Pevsner hatten keinerlei Anteil
an den von den französischen Meistern geschaffenen Werken, und
Chagall, dieser größte Meister des Expressionismus, der selbst
aus Rußland stammte, sich aber in Berlin und Paris entfaltete,
vermochte in Rußland keinerlei tiefere Wirkung zu erzielen.
Der erste selbstbewußte Fortschritt der neuen russischen
Künstler begann mit dem Suprematismus. Mit dieser Bewegung
gesellte sich zu den europäischen Kräften erstmalig als unbeding-
ter Wert und Multiplikator die russische, die asiatische Kraft. Und
sie kam bezeichnenderweise nicht mit quantitativer Anhäufung,
sondern mit Schlichtheit, legte alles ab, was den Dingen an zivili-
satorischen und ästhetischen Äußerlichkeiten anhaftet, und grub 81. Erste Russische
zurück zum Wesentlichen. In ihrer letzten Konsequenz gingen sie Kunstausstellung Berlin,
van Diemen Galerie, 1922
als Maler in der Form zurück auf die Grundform aller Dinge, die Katalog, Titelblatt: El Lissitzky
geometrische Form, und in der Farbe auf die beiden Grundfarben
Schwarz und Weiß. Ihr Auftritt war eine revoIutionäre Tat. Und bei
ihren einfachen Gesetzen nahm (1917) die ganze neue russische
Generation ihren Anfang. Der Suprematismus zog die letzten Kon-
sequenzen der Malerei und öffnete der Entwicklung die Tore. Mit
einem Male boten sich viele Möglichkeiten, die Schule verzweigte
sich stürmisch, um an Vertretern und Werten reicher zu werden.
Der eindeutige Meister des Suprematismus ist Malewitsch. In
ihm wurzeln die Konstruktivisten und die Objektivisten. Zu diesen
Gruppen gehören Tatlin, El Lissitzky , Rodtschenko, Klun, Drewin u. a.
Zu den Konstruktivisten gehört, wenngleich mit einer ganz
68 eigenen Entwicklung, Sterenberg. Seine naturalistisch einzelne 69
Gegenstände darstellenden Bilder sind in der Form wie in der STELLUNGNAHME DER GRUPPE
Farbe unendlich vereinfacht. Seine Arbeiten sind in der Faktur die „MA” IN WIEN ZUM ERSTEN KONGRESS
reifsten Ausstellungsstücke. Hier muß freilich angemerkt werden, DER FORTSCHRITTLICHEN KÜNSTLER IN DÜSSELDORF
daß die ganze Generation technisch bewundernswert klar und
gründlich gerüstet ist. Es gibt keine Spur von Routine und ober- Aus der in der 4. Nummer des „Stijl” veröffentlichten Darstel-
flächlicher Spielerei. lung wird uns der tiefliegende Gegensatz der Meinungen und
Die am wenigsten entwickelten Kunstgattungen der Ausstel- Bestrebungen klar, der zwischen uns und den Einberufern des
lung sind die Bildhauerei und jene Experimente, die sich mit einer Kongresses besteht. Die Letztgenannten bestehen nach wie vor
gewissen utilitaristischen Absicht an Raumkonstruktionen ver- auf Betonung der Sonderinteressen des „individuellen Künstlers”,
suchen. Bei den Skulpturen sind die Glasplastiken Gabos am be- wogegen wir das Leben vom sozialen Standpunkt des Menschen
deutendsten. Aber selbst sie stellen eher nur Entwürfe künftiger aus betrachten, im Bewußtsein dessen, daß der Mensch als
Werke dar. Es fehlt ihnen an Stofflichkeit. Und zweifellos braucht Individuum ein zusammensetzendes Atom der Gesellschaft ist.
es neben dem Originalmaterial noch anderes (eine diesbezügliche Folglich muß seine Schöpfung stets die stellungnehmende Äuße-
schöpferische Fähigkeit des Künstlers), ehe die Arbeit ein fertiges rung eines mit kollektiven Kräften ausgestatteten Menschen sein.
Ergebnis darstellt, und es ist kein reiner Zufall, daß die Konstruk- Hieraus erhellt, daß wir, wie bei all unseren Erwägungen, auch
tion mit ihren stark gebogenen Formen statt aus sprödem Glas diesmal nur als Menschen, mithin primär und nicht als Künstler
aus biegsamem Zelluloid angefertigt wurden. – was lediglich eine Folge unserer menschlichen Beschaffenheit
Die ausgestellten Raumkonstruktionen sind naive und darstellt – zu den Problemen des Kongresses Stellung nehmen.
anspruchslose Arbeiten. Sie wirken in unserer Zeit der Schwer- Dieser Erwägung zufolge lehnen wir die Bildung der geplanten
lastkräne, riesigen Brücken und Lokomotiven, die 120 km/h Union von vornherein ab und wollen alles auf bieten, um die ak-
bewältigen, wie eine völlig überflüssige Landschaft, intuitionslos tive Zusammenwirkung aller schaffenden Geister zu fördern, die
und unwissenschaftlich. an die künftige kollektive Gesellschaft als einzig mögliche Basis
Ebensowenig geben die Dekorations- und Bühnenmodelle der vollen Entwicklung unseres schaffenden Lebens glauben. Die
der Ausstellung her. Erstere sind, einschließlich der Kostüm- und erste Aufgabe des künstlerischen Arbeitsgebietes ist, darauf hin-
Figurinenentwürfe, längst überholt, unter den letzteren ist das zuweisen, daß die Kunst als Ausdrucksmittel subjektiver psychischer
von Altmann entworfene Bühnenmodell für das Jüdische Theater Erlebnisse jede Bedeutung eingebüßt hat; sie muß die objektiven
am interessantesten. Forderungen des Zeitalters erfüllen. Zu diesem Behuf wird sie nicht
So bleibt festzustellen, daß unter den ausgestellten bilden- umhin können, zuerst die auf dem Gebiet der Kunst ungelösten
den Künsten zweifellos die Malerei am besten abschneidet. Auf Probleme des heutigen Lebens, dann aber die Wege und Mittel
diesem Gebiet brachten die Russen neue Kräfte und neue kulturel- ausfindig zu machen, durch die diese Probleme in der kollektiven
le Möglichkeiten nach Europa. Und auch ihnen selbst zeigt ihre Zusammenarbeit der neuen Künstler gelöst werden können.
Malerei die Richtung, in die sie gehen müssen, um ihr Ideal, das
neue Menschenideal − die konstruktive Lebensform zu erreichen. Die Struktur der internationalen Organisation revolutioner
Sie sind die Söhne der Zukunft. gesinnter Schaffender stellen wir uns wie folgt vor:
In Berlin folgt eine Ausstellung der anderen: Formen winden
sich und Farben schreien. Und in dieses bunte Durcheinander 1. lhre Zentrale ist die Verwaltungskommission, von der auch
brachten die Russen wieder die Urquellen der Farben und der die Initiative ausgeht.
Reinheit und der Kraft, die GERADE LINIE. Sie stellt sich aus wenigstens zwei Delegierten der Gruppe jedes
einzelnen Arbeitsgebietes zusammen, die die ganze Arbeits-
Aus: Ma, 25. Dezember 1922 gemeinschaft übersehen können. Ihre Aufgabe besteht in der
(Deutsch von Arnim Heyer) Zusammenfassung aller materiellen und geistigen Mittel, in der
Sicherstellung jedes möglichen Stoffwechsels im Interesse der
vollsten Kollektivität und des allergrößten Resultates. Zu diesem
Zweck stellt sie sich Aufgaben und nimmt solche entgegen; sie
errichtet Arbeitsstellen, demonstriert und propagiert die Ergebnisse
(Kongreß, Organe, Demonstrationsausstellungen usw.).

2. Die Sondergruppen der einzelnen Arbeitsgebiete sind mitein-


ander nicht nur durch den Verwaltungsausschuß , sondern auch
durch unmittelbare Beziehungen in ständigem Zusammenhang.
lhre Aufgabe ist auf dem eigenen Arbeitsgebiet dieselbe, wie die
der Verwaltungskommission hinsichtilch der ganzen Organisation.
Vorarbeiten zwecks Errichtung der Organisation:
70 71
a) Die Zeitschriften „Ves” (Gegenstand), „De Stijl” und „Ma” als bezüglichen Beschlußfassung des Kongresses vom provisorischen
Organe, die mit ihrer bisherigen Tätigkeit zum gröften Teil einen Verwaltungsausschuß festgesetzt werden.
einheitlichen Standpunkt vertreten, wobei dieser Standpunkt ihrer
Ansicht nach in die Linie des konzessionslosen Fortschrittes fällt, – i) Der provisorische Verwaltungsausschuß als Vertrauensorgan
sollen ohne jede vorhergehende Zeitungsdebatte erklären, daß kann für seine Tätigkeit kein Honorar beanspruchen.
die internationale Organisation revoutionär gesinnter Schaffen-
der konstituiert sei. j) Der provisorische Verwaltungsausschulß ist bis zur Einberu-
fung des ersten Kongresses tätig.
b) Aus den Redaktionen der drei Zeitschriften sind zwei Mit-
glieder in den bevollmächtigten provisorischen Verwaltungs- k) Der provisorische Verwaltungsausschuß ist verpflichtet, den
ausschuß des Vereins zu entsenden. Der provisorische Verwal- ersten internationalen Kongreß innerhalb eines Jahres einzuberufen.
tungsausschuß soll seinen Sitz in Berlin haben. Die erste Pflicht
des provisorischen Verwaltungsausschusses sei, die Statuten der Wien, Juli 1922.
Organisation auszuarbeiten und sie in den unter a) erwähnten drei
Zeitschriften zu veröffentlichen. Im Namen der Künstler der aktivistischen Zeitschrift „Ma”:
Ludwig Kassák
c) Gleichzeitig hat der Verwaltungsausschuß den Zweck der Ver- Alexander Barta
einigung bekanntzugeben und einen Aufruf zum Beitritt zu erlassen. Andreas Gaspar
Ernst Kállai
d) Der provisorische Verwaltungsausschuß der Organisation Ludwig Kudlák
suche die schaffenden Kräfte revolutionärer Weltanschauung in Johann Mácza
einer Form zu organisieren, in deren Rahmen die Künstler nicht Ladislaus Moholy-Nagy
nur eine maximale Produktion leisten, sondern diese maximale Jolan Simon
Produktion auch zur Befreiung der gefesselten gesellschaftlichen Elisabeth Ujvari
Energien verwenden können.
Aus: De Stilj 1922 Jhrg 5./8.
e) Es ist ein praktischer Weg zu finden, um den unter a) er- (Übersetzer unbekannt)
wähnten drei Zeitschriften das Erlangen eines möglichst einheitli-
chen Arbeitsergebnisses zu ermöglichen, ohne ihnen Anlaß zur
Befürchtung einer Uniformierung zu geben. Dies wäre unserer
Ansicht nach zu erreichen, wenn die drei Zeitschriften (solange
sich keine neuen mit derselben Tendenz melden werden) eine
Wechselbeziehung miteinander eingehen, die ihnen den Umtausch
der hierzu taugenden Kunstprodukte ermöglicht. Die Administra-
tionsapparate der Zeitschriften haben einander unter entsprechen-
den Bedingungen ebenfalls zur Verfügung zu stehen.

f) Der provisorische Verwaltungsausschuß muß einen Weg


finden, um demonstrative Staggione-Ausstellungen aus den
Produkten der ihm angehörenden Künstler zu veranstalten. Ein
Katalog, worin das Material in mehreren Sprachen gewürdigt wird,
ist zusammenzustellen und in allen Ländern eine Reihe von Vor-
trägen in den landesüblichen Sprachen zu veranstalten. (Die dies-
bezügliche Initiative müßte aus politischen Gründen von einem
vollkommen neutralen Land, Holland, ergriffen werden.)

g) Aus den Schriften der Mitglieder der internationalen


Organisation revolutionär gesinnter Schaffender ist eine Anthologie
zusammenzustellen, die in alle Kultursprachen übersetzt erschei-
nen soll. Die Vorbereitung der Anthologie liegt dem provisorischen
Verwaltungsausschuß ob.

h) Die Mitgliedschaftsbeiträge zur Bestreitung der Administra-


72 tions- sowie sonstigen Ausgaben der Organisation sollen bis zur 73
BILDARCHITEKTUR selbst wird durch die Bewegung gegeben, sie selbst aber stellt be-
reits das Ergebnis der Bewegung, die Stabilität, dar. Und deshalb
Bewegung ist Leben. Die ewige Bewegung des Lebens ist mit der sehe ich in der Bildarchitektur fortan nicht die in den suchenden
ewigen Neuerzeugung und Erhaltung des Gleichgewichtes gleich- Künsten vorherrschenden Stoff-, Form- und Farbenprobleme,
bedeutend. Denn das ewig bewegliche Leben bedeutet letzten sondern den Anfang einer neuen synthesischen Kunst. Die Bild-
Endes nicht die Mannigfaltigkeit der Bewegung, sondern den architektur gehört zu den ersten Dokumenten dessen, daß der sich
Zustand einer aus der konstruktiven Bewegung der Weltkräfte in Kämpfen aufreibende Mensch von heute sein Sicherheitsgefühl
sich ergebenden, immer neuen, mithin unendlichen Stabilität. wiedererlangte und seiner in Farben und Formen objektivierten
Jede lebendige Konstruktion oder Organisation, deren innere Weltanschauung im Wege der primitiven Kunst zum ersten Mal
Kraftbewegungen aus welchen Gründen auch immer stillstehen, auf die Beine helfen will.
fällt tot zusammen, verliert ihre dominante Gegenwart, ihr Sym-
bolsein. Wir sehen also, daß der Exponent des Lebens die Bewe- Ludwig Kassák
gung, die Gesamtheit der Bewegung aber die Stabilität, das uni-
versale Leben ist. Auch der Mensch verdankt sein Dasein der Kraft Aus: Ma, 15. März 1922 Wien
der Bewegung: Er wurde lebensfähig, mit beweglichen Kräften (Übersetzer unbekannt)
erfüllt, mitten unter die sich außer ihm bewegenden Kräfte als eben-
falls bewegliche Kraft versetzt. Und wir sehen im Organismus
des Menschen den unaufhörlichen Kampf der physischen und
psychischen Kräfte um den „normalen” Zustand, um das das Le-
ben bedeutende Gleichgewicht, wie wir auch den Kampf der Revo-
lutionen und Konterrevolutionen um das soziale Gleichgewicht
sehen. Unser Zeitalter ist eine Periode der losgelösten und irren
Bewegungen. Der Mensch unseres Zeitalters ist der verzweifelte
Mensch. Die Kunst des heutigen Menschen ist die dynamische
Kunst. Sie ist eine Bewegung, die zuweilen als Reaktion der Ge-
genbewegung, zuweilen als Bewegung um sich selbst willen auf-
tritt. Diese Phase der Kunst wurde als Erfühlen des Lebens durch
den Futurismus eingeleitet, fand ihre Fortsetzung mit gesteigerten
ästhetischen Ansprüchen im Suprematismus und lebte zuletzt als
aggressiv angreifende, ja eroberungslüsterne Kraft im Proun fort.
In all diesen künstlerischen Bestrebungen ist noch alles um der
Bewegung willen da, ihre Farben- und Formgesetze bedeuten die
Gesetze der Bewegung, die Bewegung als Element des Schaffens
und nicht das Schaffen selbst. Statt Synthese Analyse. Aber Kunst
34. Lajos Kassák
ist Schaffen, sie ist Synthese der konstruktiven Bewegungen, ein Architektur
neues Gleichgewicht in der großen Lebensdynamik als Dokument 1923

dessen, daß wir mit unserem Willen und Sicherheitsgefühl zur Er-
zeugung eines neuen stabilen Punktes da sind. Auf die Suche nach
diesem stabilen Punkte zog der Kubismus aus. Er verlor sich in
seinen kompositionellen Doktrinen, schuf aber die Grundlage des
plastischen Bewußtseins und des architektonischen Gefühls des
neuen Menschen. Während also der Futurismus die Bewegung
als ernährendes Element des Lebens entdeckte und das Proun die
Konstruktivität der Bewegung fand, deutete der Kubismus auf die
Möglichkeit der Stabilität, auf die neue Architektur hin. Auf die,
auf konstruktiver Basis beruhende Architektur als synthetische
Möglichkeit des künstlerischen Suchens unserer Tage. Der Kampf
um die neue konstruktive Architektur schlug zwei Wege ein: im
Raume und auf der Fläche. Erstere ist Baukunst, das zweite Bildar-
chitektur. Der Suprematismus setzte in der Malerei „den letzten
Punkt über den Buchstaben i”. Und die Bildarchitektur versucht,
mit der Schwungkraft des Proun ihre ersten Schritte nach der
40. Lajos Kassák
Architektur als der einzigen stofflich und geistig konstruktiv- Bildarchitektur V
74 kollektiven Kunst. Die Kraft der Bildarchitektur sowie des Lebens um 1924 75
DIE REKLAME * nicht das Nebeneinander der Plakate, sondern ihr Wettstreit mit-
einander. Gute Reklame, sei es optische (Plakat, Flugblatt, Pro-
Nicht nur von versnobten Ästheten hört man abfällige Äußerungen spekt, Leuchtschrift bei Nacht) oder akustische (Heulen einer Sirene,
über die Reklame, sondern auch von Soziologen aus Wissenschaft Läuten einer Klingel) tritt immer als Eroberer, mit überfallartigem
und Wirtschaft. Der Ästhet faßt sie als profane Äußerlichkeit auf, Tempo auf den Plan; hinter ihr folgen die Legionen der angebo-
151. Lajos Kassák
der Soziologe sieht in ihr die Kompromittierung und Zerstörung tenen Waren. Sie ist kein untertäniger Vermittler einer ihr frem- Tisztaság könyve [Buch der Reinheit]
des Handels und der demokratischen Lebensformen überhaupt. den Sache, sondern ein demonstrativer Kraftkomplex zwischen Budapest, Horizont, 1926

Diese beiden unterschiedlichen Standpunkte, die sich dennoch in Produktion und Konsumtion.
einer Ebene berühren, lassen sich unschwer widerlegen. Fundamentale Elemente der guten Reklame sind die Soziolo-
I. Das Schöne an sich ist eine Fiktion, denn das Schöne ist gie und die Psychologie.
kein primäres, sondern ein sekundäres Phänomen. Es existiert Jede willkürliche Nuancierung oder illustrative Weitschweifig-
lediglich als Folgeerscheinung, als Eigenschaft. keit widerspricht dem Wesen der Reklame, beeinträchtigt ihre so-
lst ein Fakt oder ein Gegenstand vollkommen und erfüllt er seine fortige Wirkung und überzeugende Suggestion. Die gute Reklame,
Bestimmung, so ist er unbestreitbar auch schön. als Einheit von Zeit, Inhalt und Stoff, trägt weder analytischen noch
Demnach haftet die Schönheit als Eigenschaft zwangsläufig jeder definitiven, sondern synthetischen Charakter. Diese Schlichtheit
organischen und organisierten Einheit an. Auch die Reklame als und Klarheit der guten Reklame bringt uns auf der Straße inmit-
menschliches Produkt trägt zugleich die Kriterien des Häßlichen ten einer bunten, lautstarken Menge zum Stehen, sie treibt uns in
und des Schönen in sich. Ihre Achtung aus ästhetischen Gesichts- ein Warenhaus, das wir wenige Sekunden zuvor vielleicht nicht ein-
punkten heraus kann daher nicht als kritische Stellungnahme mal vom Hörensagen kannten, sie läßt uns das bisher unbekannte
bezeichnet werden, sondern beweist nur unverantwortliche und Buch eines unbekannten Schriftstellers aufschlagen, rüttelt uns
unzeitgemäße Überheblichkeit. wach aus der Gleichgültigkeit des Alltags, aus blinder und tauber
II. Die gute Reklame ist ästhetisch schön, und sie ist unter Anspuchslosigkeit. Mit ihren elementaren Farben und der
gesellschaftlichem Aspekt unentbehrlich. Sie ist ein Kind des Han- dynamischen Gliederung der Formen macht sie uns neu-
dels, und der Handel wiederum ist eine Folge der ständig stei- gierig und entschlossen.
genden Lebensansprüche der Menschheit. Natürlich kann man Die Reklame ist eines der typischsten Merkmale des Niveaus
über die gegenwärtige europäische Durchschittsreklame leicht die und wirtschaftlichen Kreislaufes unseres Zeitalters. Die Leucht-
Ansicht vertreten, sie sei geschmacklos und gesellschaftsfeindlich. reklame einer Großstadt, die über den Häusern strahlenden
Aber dasselbe gilt auch für den gegenwärtigen Kapitalismus Transparente, die Schaufenster, die auffälligen Lettern und stren-
der freien Konkurrenz. Daraus darf jedoch nicht eine generelle gen Ausrufezeichen der Glassäulen auf den Ringstraßen infor-
Absage an den Handel folgen, sondern seine Fundierung auf mieren den Fremden umfassender und sachlicher als irgendein
einer sozialeren Basis. Zweifellos wird in Rußland heute eine viel schwatzhafter und reaktionär beschränkter Baedeker. Ein typo-
stärkere kulturelle und wirtschaftliche Propaganda betrieben als graphisch guter Warenhausprospekt mit seinen geradlinigen, leicht
zur Zarenzeit. Rußland hat die Reklame nicht abgeschafft, sondern überschaubaren Buchstaben und der räumlichen Hell-Dunkel-
sie lediglich aus den Fängen eigennütziger Privatinteressen befreit, Gliederung der Papierfläche weckt als gelassener und schlich-
hat diese bislang antisoziale Kraft in eine den Interessen der Ge- ter Gegenstand eher Bedarf und Vertrauen als jede individuelle
meinschaft dienende Propaganda umgestaltet. Und so erwachte Kunstbeflissenheit. Eine unerwartet ertönende Hupe erinnert
sie nicht nur im moralischen Sinne, sondern auch in künstlerischer uns bis zum Lebensende an die Autohandlung oder an das Kino- Tó-Mozi [Tó-Kino], 1928
Offsetdruck aus der Zeitschrift
Hinsicht zu neuem Leben. theater, vor dem man diesen „sinnlosen“, aber verblüffend ein- Magyar Grafika 5-6. 1928.
Die russische Reklame entfernte sich, vergleichbar der ameri- fachen suggestiven Ton hörte. Entwurf: Lajos Kassák

kanischen, vielfach von der individuellen Grafik, sie erkannte ihren Der Reklamtyp unserer Zeit, immer mehr gekennzeichnet vom
eigenen Charakter: wurde einfach, ökonomisch und demonstrativ. Einklang der Elemente, von markanter Schlichtheit und der Ver-
In dieser Interpretation ist die gute Reklame ein aktiver so- einfachung der technischen Herstellung, schreitet nicht mittels
zialer Faktor unseres Lebens, und ihre Erscheinung wird nicht ästhetischer Zielstellungen voran, sondern im Zeichen der objek-
schön, sondern wirkungsvoll genannt. Obzwar die Substanzen, tiven Kraft und der Entwicklungsrichtung der Menschheit.
über die ihr Wesen zum Ausdruck kommt, ähnlich wie bei den Die Reklame ist angewandte Kunst, Reklame schaffen heißt
subjektiven Künsten Farbe, Ton und Form sind, unterscheidet sie sozialer Künstler sein.
sich insgesamt indessen selbst vom Kunstgewerbe noch. Sie ist
weder lyrische Komposition noch dekorative Fläche. So kann zum Aus: Kassák Lajos, Tisztaság könyve [Buch der Reinheit].
Beispiel ein gut gemachtes Plakat auch ein ästhetisches Erlebnis Budapest 1926.
vermitteln, aber es ist ausgeschlossen, daß ein künstlerisch ge- (Deutsch von Arnim Heyer)
lungenes Gemälde den Betrachter im ersten Augenblick berührt
und neugierig, sensationsgierig macht. Das Publikum einer TOLO, Firmenbewegung, um 1925
Offsetdruck aus der Zeitschrift
Gemäldegalerie schwelgt im passiven Ästhetizismus der subjek- Magyar Grafika 5-6. 1928.
tiven Kunst, erblickt man dagegen eine Litfaßsäule, so dominiert Entwurf: Lajos Kassák 77
Béla Bartók an Lajos Kassák
Spengemann Budapest I., Gyopár u. 2.
Wien, 25. / 7. 1920 24. Mai 1921

Sehr geehrter Herr, Sehr geehrter Herr Kassák!

mit der Sendung des Es wäre mir eine große Freude, wenn Sie in der betreffenden
Herrn Kurt Schwitters erhielt ich auch Ihren Artikel. Empfangen Publikation auch von mir etwas veröffentlichen, und ich zeige
Sie hiefür meinen innigsten Dank. Jetzt, da ich Ihnen schreibe, mich damit überaus einverstanden. Allerdings hat in dieser
kann ich es mir nicht entsagen, Ihnen davon zu sprechen, mit Frage das ausschließlich entscheidende Wort mein Verlag –
wieviel es Ihnen besser geht, in den tausendmal grösseren mate- und dies sowohl hinsichtlich der bereits erschienenen als auch
riellen Möglichkeiten so frei arbeiten zu können! Mein Gott, wo gibt der noch nicht veröffentlichten Werke! Daher bitte ich Sie, sich
es in ganz Ungarn ein halber Herausgeber nur, der mit den neuen schleunigst an Emil Hertzka, Direktor der Universal-Edition;
Bestrebungen sympatisiert. Bei uns gibt es jetzt nur Blut und Wien, Karlsplatz 6 (Universal-Edition) zu wenden. Ich habe ihm
wieder Blut, in unseren Nächten kommen uns zurück unsere er- bereits in ähnlichem Sinne geschrieben; aber Sie können diesen
mordeten Brüder, mit ausgestochenen Augen und zerschmetterten Brief trotzdem auch zu ihm mitnehmen (er versteht ein wenig
Gliedern. Stellen Sie sich vor, was für Kraftaufwand wir benötigen Ungarisch). Die Rede könnte entweder vom III. Satz des Streich-
unter diesen Verhältnissen nur etwas zu produzieren. Wir haben quartetts Nr. 2 sein oder von einer meiner 3 Klavieretüden (op. 18)
aber nur eine Lebensform: die Kunst – so müssen wir aus inneren oder von meinem 3. oder 4. Ady-Lied. Diese sind alle bei ihm
Zwang auch über Feuer und Wasser arbeiten. – Jetzt, da wir die erschienen beziehungsweise sind sie im Erscheinen begriffen.
Verbindung gefunden haben, bitte ich Sie diesen auch aufrecht Als Manuskript habe ich nichts Entsprechendes (denn seit
erhalten zu wollen, im Interesse unserer Bekanntschaft, die in 2 Jahren konnte ich sozusagen überhaupt nichts schreiben). Aber
unserer gemeinsamen Kunstbestrebungen ihren Boden findet. unter rechtlichem Gesichtspunkt ist das egal, denn – wie oben
bereits erwähnt – verfügt mein Verlag im Sinne des Vertrags
Ich begrüsse Sie freundschaftlichst auch über meine unveröffentlichten Werke.
Lajos Kassák
Es grüßt Sie vielmals Ihr
Kurt Schwitters Archiv, Hannover, 854. (Originalsprache: Deutsch) Béla Bartók

Petőfi Irodalmi Múzeum – Kassák Múzeum, KM-lev.21.

(Originalsprache: Ungarisch, Deutsch von Éva Zádor)

78 79
Ernő Kállai an Lajos Kassák László Moholy-Nagy an Lajos Kassák
Berlin-Friedenau [Juli 1921] [Berlin, den 22. Febr. 1922]

Lieber Lajos Kassák, Lieber Lajos Kassák,

hier ist die Walden-Übersetzung. Die sich als notwendig erwie- hier schicke ich Ihnen einige russische Fotografien (6). Den Ar-
senen Streichungen im Originaltext habe ich mit Moholy zusam- tikel schicken wir Ihnen in den kommenden Tagen. Vorher muss
men besprochen. Ich bedanke mich bei Bortnyik, dass er seine er aus dem Russischen ins Ungarische übersetzt werden. Den
Mappe für den Ausschnitt zur Verfügung stellt. In den kommen- Artikel hat Ilja Ehrenburg geschrieben. Es ist gerade ein russisches
den Tagen schicke ich die ersten 25 Mark. Der Ararat hat mich Buch beim Helikon Verlag erschienen. Ein interessantes Buch, in
beauftragt, über die neuesten Entwicklungen in der ungarischen den kommenden Tagen werde ich Ihnen auch das schicken. Die
bildenden Kunst zu berichten. Die Zeitschrift würde vielleicht L’Esprit Nouveau (die französische Zeitschrift) kann ich noch nicht
3-4 Bilder dazu veröffentlichen. Ich bitte Sie, mir eine Bortnyik- schicken, weil sie mir – obwohl ich ihnen die gesamten Nummern
Fotografie und eine von Ihren eigenen Sachen zu schicken. Die des vorherigen Jahrgangs als Tauschexemplar geschickt habe
literarische Besprechung möchte ich mit einigen Übersetzungen – ihre eigenen Nummern noch nicht geschickt haben. Wenn sie
schreiben, zumindest mit Auszügen, Ausschnitten. Es wäre gut, sich sehr verspäten sollten, werde ich das reklamieren. Das werde
wenn Sie mir Ihre Gedichtbände leihen könnten. Ich habe zwar ich schon irgendwie erledigen. Bei der Klischierung von Tatlins
die Nummern der MA, aber nicht alle, und ich möchte den Artikel Turm der III. Internationale sollten Sie darauf achten, dass die von
gründlich schreiben. Soll ich ihn nur über Sie oder über die ganze der linken oberen Ecke des Bildes ausgehenden Linien erhalten
MA schreiben? Ich glaube, dass Fórum eine gute Zeitschrift für bleiben! Die Puni-Ausgabe habe ich noch immer nicht ausge-
diesen Artikel wäre. Die Romanübersetzung könnte vielleicht händigt bekommen.
meine Ehefrau bewältigen, wenn Sie ihr genügend Zeit geben. Neuigkeiten gibt es ansonsten keine. Wir warten auf den Frühling,
Auf jeden Fall möchte sie den Roman gerne sehen, um beurteilen damit wir nicht mehr heizen müssen. Die letzten 2 Mappen, die Sie 71. László Moholy-Nagy – Lajos Kassák
zu können, ob sie die Übersetzung übernehmen kann oder nicht. mir geschickt haben, sind überhaupt nicht damit zu vergleichen, was Buch neuer Künstler
Wien, 1922
Ich wiederhole, sie würde die Übersetzung mit großer Freude die Bildarchitektur-Mappe war. Mir haben sie nicht gefallen; die mit
machen. Moholy nimmt mich zu Puni mit. Ich werde den Artikel der Bildarchitektur war sehr schön. Was machen Uitz und Bortnyik?
danach schreiben. Auch den Artikel über Moholy schreibe ich In der Klee-Sache warte ich auf Ihre Antwort.
jetzt bald. Beide in ungarischer und in deutscher Sprache. Wenn Und wann erscheint die Anthologie: Sie schweigen sich vollkom-
ich einen guten theoretischen Artikel habe, schicke ich ihn ein. men aus, dabei gab es zahllose Belästigungen und schiefe Blicke.
Die angekündigten MA-Nummern sind noch nicht eingetroffen! Ich habe auch mindestens 4-5x gefragt, was Sie von mir in die
Anthologie aufnehmen.
Mit herzlichen Grüßen
Ernő Kállai Ich grüße Sie alle aus ganzem Herzen
Moholy-Nagy
Petőfi Irodalmi Múzeum – Kassák Múzeum, KM-an.236.

(Originalsprache: Ungarisch Deutsch von Éva Zádor) Mit dem Hausmann-Klischee können wir – so scheint es
– nicht rechnen.
22. Febr.
Emil Isac an Lajos Kassák
29. Juli [Kolozsvár / Klausenburg 1921] Privatsammlung, Budapest

(Originalsprache: Ungarisch, Deutsch von Éva Zádor)

Sehr geehrter Herr Kassák,

bitte erweisen Sie mir die Ehre, mir Ihre Bücher zu schicken und
mich über die neue Literatur zu informieren. Ich würde mich sehr
freuen, wenn Sie für „Adesorul“ eine Glosse über dieses Thema
schreiben könnten. Ich nehme das Manuskript in jeder Sprache
entgegen.

Hochachtungsvoll Ihr Verehrer


Emil Isac

Petőfi Irodalmi Múzeum – Kassák Múzeum, KM-lev.136.

80 (Originalsprache: Ungarisch, Deutsch von Éva Zádor) 81


IVAN GOLL
PARIS-XVI
le 10 Aug. 22
27, Rue Jasmin
Steinach in Tirol
bei Stockhamer
[an Tristan Tzara]
Sehr geehrter Herr Mein lieber Lajos Kassák

Ich habe Ihren Brief erhalten und freue mich, dass ich auch die Ihr Brief hat mich hier, nicht fern von Ihnen, erreicht. Eben erst,
versprochenen Cliché-s erhalten werde. Nach Ihrer Ankunft verzeihen Sie dass die Antwort auch so spät erfolgt. Eine Nachba-
werden wir eine Nummer herausgeben, die sich ausschliesslich rin im Hotel – es soll zufällig die 15 jährige Tochter des gewaltigen
mit diesen Sachen befassen wird. Am 1 Mai erscheint „Ma” im Bankpotentaten von Budapest sein – übersetzte mir Ihren schönen
doppelten Umfang sowohl Sie als Ihre Kollegen werden darin Artikel, der mir viel Freude bereitet. Wie soll ich Ihnen dankbar
gebührend vertreten sein. Die Dada-Nummer des „Sturm” habe sein, dass Sie „Astral” und die „Chaplinade” schon übersetzen
ich gesehen, ebenso „Mecano”, hingegen habe ich die erwähn- liessen. Und dass Sie letztere bald in einem Sonderheft publizie-
te Nummer der „Littérature” nicht erhalten, in der letzten Zeit ren wollen, ist mir doppelt wertvoll, weil „Chaplin” gerade jetzt
bekomme ich von Ihnen überhaupt sehr wenig. Hier will ich gleich in vielen anderen Sprachen, Französisch, Italienisch, Tschechisch
betonen, dass ich die Schriften des Herrn Man Rey, die ich erst und Englisch (in Chicago) erscheinen wird. Die vier Zeichnungen
jetzt kennengelernt habe, sehr liebe. Haben Sie die Apr-Nummer von Fernand Léger sind schon Allgemeingut geworden und habe
des „Ma” gesehen? Was die Zeichnungen betrifft, bin ich glück- ich auf amerikanischen Plakaten gefunden: Sie werden sie wohl
lich, dass sie Ihnen gefallen und erwarte neugierig ihr Erschei- gleichzeitig mit der Übersetzung abdrucken?
nen. Aber den erwähnten „Dadaglobe” kenn ich nicht. Was Vielleicht passiere ich anfang September mit meiner Frau Claire
würde der von mir bringen? Ich möchte Ihnen gern meine Gedich- Wien, und werde mich freuen, Sie zu sehen. Können Sie mir sagen,
te Deutsch hinausschicken und würde mich sehr freuen, wenn Sie wo wir am 30. August z.B Unterkunft finden werden?
einige darunter ins Französische übersetzen würden. Ich glaube, Die Abwesenheit von Paris hindert mich jetzt auch, ihnen die
sie würden Ihnen gefallen, durch gegenseitige Übersetzungen gewünschten Bücher von Blaise Cendrars zu schicken. Ihre künst-
Secession, Gorham B. Munson (Ed.)
würden wir auch unserer gemeinsammen Sache viel helfen. lerische Anthologie wird mich sehr interessieren. Redaktion: Berlin-New York
Antworten Sie bitte auch in dieser Angelegenheit – Herrn Mühsam Ich habe leider keine Manuskripte bei mir. I/2. Juli, 1922, Wien
Titelblatt: Lajos Kassák
habe ich heute hier begegnet, aber die von Ihnen erwähnten Selbstverständlich gestatte ich Ihnen, die beiden von mir ins Petőfi Irodalmi Múzeum
Cliché’s hat er nicht bei sich gehabt, er kannte sie auch nicht. Französische übersetzten Gedichte von Ihnen mit meinem Namen – Kassák Múzeum, Budapest

Ich bleibe auch mit ihm in Verbindung. Die nächste Nummer der zu veröffentlichen wo sie wollen.
„Sezession” wird er von meinem Lager bringen. Die erste Nummer
ist soeben erschienen, sowohl Sie, als Herr Aragon sind darin mit Mit besten Grüssen
Gedichten und Prosa vertreten. Ich erwarte weitere Mitteilungen Ihr
über den Pariser Kongress. Ivan Goll

Es grüsst Sie, Petőfi Irodalmi Múzeum – Kassák Múzeum, KM-lev.104.

Ludwig Kassák (Originalsprache: Deutsch)

Bibliothéque Littéraire Jacques Doucet [BLJD] TZR.C. 2230

Handschrift ohne Datum, Frühjahr 1922

Originalsprache: Deutsch

82 83
138. Tristan Tzara und Hans Arp
Brief an Lajos Kassák Aktivista folyóirat MA
mit einer Gouache
von Sophie Taeuber-Arp
Szerkeszti: Kassák Lajos
14. August 1922 Helyettes szerkesztő:
Uitz Béla és Barta Sándor
Wien Amalienstrasse 26/11

[an Tristan Tzara]

Sehr geehrter Herr Wien, am 29. Oktober 1922

Ich habe ein grosses Interesse für Ihr in Vorbereitung begriffenes


Buch und möchte wissen, wann ich ein Exemplar bitte erhalten
kann? Es gelangte mir zur Kenntnis, dass Sie in Weimar waren und
die Zeit angenehm zugebracht haben. Sie sind glücklich, weil Sie
mir nicht schreiben müssen, sondern auch leben können. Gibt
es für Sie ein literarisches Unternehmen? Lieber Herr Tzara! Ich
möchte Sie um eine Gefälligkeit bitten. Sie wissen, dass wir ein
Buch unter dem Titel „Buch neuer Künstler” herausgebracht
haben und hier möchte ich Sie ersuchen, mir bei der Verbreitung
behilflich sein zu wollen. Ich wurde vom Verleger in der Form von
Gratisexemplaren bezahlt und muss jetzt all meine Freunde und
Bekannten ersuchen, mir beim Verkauf der Werke behilflich zu
sein. Wollten Sie mir in dieser nicht eben prächtigen Arbeit beiste-
hen, so wäre ich Ihnen sehr verbunden. Ich bitte Sie daher mir
mitzuteilen, wieviel Exemplar ich Ihnen zukommen lassen soll und
werde ich sie postwendend expedieren.
Ich weiss nicht, ob ich Ihnen bereits Rechenschaft darüber ab-
gelegt habe, dass ich ausser dem „Ma” eine neue Zeitschrift unter
Sophie Taeuber-Arp und Hans Arp,
dem Titel „2x2” herausbringe. Natürlich werde ich Ihre Werke
Basel, um 1925 auch in dieser propagieren. Ich bitte daher um Material.
Petőfi Irodalmi Múzeum
– Kassák Múzeum, Budapest
Ihrer Antwort gewärtig begrüsse ich Sie herzlichst.

Ihr Ludwig Kassák

Bibliothéque Littéraire Jacques Doucet [BLJD] TZR.C. 2226/12

(Originalsprache: Deutsch)

2 × 2, Új Művészek Folyóirata
[Zeitschrift neuer Künstler]
Lajos Kassák, Andor Németh (Red.)
I/1. Wien, 1922
Petőfi Irodalmi Múzeum
– Kassák Múzeum, Budapest
85
[an Tristan Tzara] GÜNTER HIRSCHEL- PROTSCH
ARCHITEKT
Sehr geehrter Herr! Wien, den 4. August 1924 BRESLAU 13
VIKTORIASTRASSE 97
Schon seit längerer Zeit habe ich von Ihnen keine Nachricht
bekommen. Meinerseits benachrichtige ich Sie, dass die nächste H./Sch.
„Ma” anlässlich des hiesigen Theater und Musikfestes als The- den 21. November 1927
aternummer in drei Sprachen erscheinen wird. Ich würde mich An die Redaktion „Dokumentum”
sehr freuen, wenn Sie auch mit einem Manuskript an dieser z.H. von Herrn Ludwig Kassák-Lajos.
demonstrativen Arbeit teilnehmen würden und bitte Sie, mir Budapest V. Sziget utca 16.
so bald als möglich einen kurzen, programmartigen Artikel zu
senden: Sie arbeiten sehr viel in dieser Art und es wird daher Lieber Herr K a s s á k!
sehr interessant sein, Ihre Meinung in dieser Frage zu hören.
Ausserdem möchte ich Sie bitten, von jemand anderen (mit Obgleich ich augenblicklich durchschnittlich 18 – 20 Stunden
Niveau) auch etwas zu schicken, eventuell von Cocteau. Es wäre Arbeitszeit täglich zu bewältigen habe, um meinen beruflichen
mir sehr angenehm, wenn ich auch Clichées über Dekorations-, Anforderungen gerecht zu werden, möchte ich nicht verfehlen,
Marken-, Vorhanger-, Figuren-, oder Bewegungs-, und beleuch- Ihnen heute anbei die restlichen R-M. 50,-- zu überweisen.
tungstechnische Entwürfe bekommen könnte. Euere Artikel Sie wollen nunmehr bitte die Güte haben und u m g e h e n d
werden in französischer Sprache erscheinen, bitte diese daher das von mir Ihnen eingesandte Gesamtmaterial an Klischées,
auch so zu schicken. Ich bitte Sie um postwendende Antwort, Photos und schriftlichen Beiträgen sofort zu überweisen. Ich
würde aber auch die Sendungen dringendst brauchen. habe deswegen schon hier grosse Schwierigkeiten gehabt. Da
sich augenblicklich niemand in Breslau findet, der die von mir
Ich begrüsse Sie, geleistete Arbeit von mir abnehmen könnte, un sie fortzufüh-
Ludwig Kassák ren, wird wahrscheinlich unsere Veröffentlichungstätigkeit bis
zum Frühjahr 1928 ruhen. Von mir werden Sie allerdings dem-
Bibliothéque Littéraire Jacques Doucet [BLJD] TZR.C. 2229 nächst ein paar Beiträge erhalten. Ist denn inzwischen kein neues
(Originalsprache: Deutsch) „Dokumentumheft” erschienen?
In den letzten Wochen haben wir in Breslau ein proletarisches
Bühnenstudio begründet und am gestrigen Abend die erste
Urafführung mit grossem Erfolg vor einer Zuhörerschaft von
reichlich 1300 Personen mit der proletarischen Kampfrevue „Der
Arbeit Heiliger Krieg” herausgebracht. Mein Kollege Aust führte
die Regie, wir hatten 40 Solisten, 3 Massensprachchöre, 1 Kraft-
sportvereinigung, insgesamt etwa 180 Teilnehmer auf der Bühne.
Mein Kollege Sczuka hatte zu Chansons vom Max Jung, Mehring,
Johannes R. Becher etc. Musik komponiert und begleitete am
Flügel. Von mir stammten sämtliche Dekorationen und karikatu-
ristische Vorbindepappen (á la Georg Grosz), welche für 21 Bilder
den geringen Preis von R-M. 105,-- nicht überschreiten durften.
Insofern eine Rekordleistung. Sowie die Photographien fertig
sind, gehen Ihnen Abzüge der neuen Aufnahmen zu.
Schreiben Sie mir mal bitte über Ihre jetzige Tätigkeit und
grüssen sie herzlichst von mir alle Bekannten.
In Erwartung Ihrer u m g e h e n d e n Sendung bin ich in
herzlicher Freundschaft

Ihr!
Hirschel - Protsch
59. Ma [Heute] / Lajos Kassák (Hrsg.)
Musik und Theater Nummer
Kassák Museum, KM-lev-463 Wien, 15. September 1924

(Originalsprache: Deutsch)

86 87
ANMERKUNGEN, WERKVERZEICHNIS
ANMERKUNGEN

DR. VERONIKA BAKSA-SOÓS: KassÁk, der Zeitgenosse! 20 Dokument aus dem Archiv des Kassák Museum, Budapest, Km-an 12. Erschienen in CSAPLÁR Ferenc [Hrsg.],
A magam törvénye szerint [Nach meinem eigenen Gesetz], Petőfi Irodalmi Múzeum – Múzsák Közművelődési Kiadó, Budapest 1987, 154-156.
1 Lajos KASSÁK, Das Pferd stirbt und die Vögel fliegen hinaus, 1921. Deutsch von Andreas [Endre] Gáspár, erstmals auf Deutsch erschienen 21 Lajos KASSÁK, Brief an Kun Béla im Namen der Kunst, in Ders., Lasst uns leben in unserer Zeit, 55-58.
in Ma-Buch, Verlag Der Sturm, Berlin 1923, 43-62. 22 ebd., 56.
2 Béla HAMVAS – Katalin KEMÉNY, Forradalom a művészetben [Revolution in der Kunst], Pannon Könyvek, Pécs 1989., 18. 23 In László ILLÉS, Farkas JÓZSEF, Miklós SZABOLCSI (Hrsg.), Befunde und Entwürfe. Zur Entwicklung der ungarischen marxistischen
Literaturkritik und Literaturtheorie (1900 – 1945), Akademie Verlag, Berlin 1984, 150.
24 Lajos KASSÁK, An die Künstler aller Länder, in Ders., Lasst uns leben in unserer Zeit, 60.
EDIT SASVÁRI – FRANCISKA ZÓLYOM: LAJOS KASSÁK – AUFBRUCH IN DIE MODERNE 25 ebd, 60-61.
26 Schlusssatz seiner Flugschrift „A világ új művészeihez” [An die neuen Künstler der Welt], Budapest, nach dem 8. Juli, 1919,
1 Nach der Ausstellung Lajos Kassák 1887–1967. Akademie der Künste der DDR, Forschungs- und Gedenkstätten der DDR für deutsche Kunst in: CSAPLÁR, 156.
und Literatur, Berlin, 10. September – 18. Oktober 1987 waren seine Werke zuletzt in der Ausstellung Lajos Kassák. Ein Protagonist der 27 Ursprünglich veröffentlicht unter dem Titel „Az alkotó művészek provizórikus, moszkvai internacionális irodájának kérdései
Avantgarde in der Oberen Galerie im Haus am Lützowplatz 1 (Oktober – 10. November 1991) in Berlin zu sehen. a magyarországi aktivista művészekhez” [Die Fragen des Moskauer Provisorischen Büro für internationale Kulturschaffende
2 Die insgesamt drei Ausgaben von Der Mistral sind zwischen März und April 1915 erschienen. Die Herausgeber waren Konrad Milo, Hugo an die ungarischen Aktivistischen Künstler], in Ma, 6/ 1-2, Nov. 1, 1920.
Kersten und Emil Szittya. Auf dem Titelblatt der ersten Ausgabe vom 3. März 1915 wurde das Gedicht Die Schlacht von Kassák veröffenlicht. 28 ebd.
3 Die von Herwarth Walden ab 1910 herausgegebene Zeitschrift Der Sturm wurde ähnlich wie Ma zu einer „Institution”: Es wurden literarische 29 ebd.
und musikalische Abende, Theateraufführungen und Ausstellungen veranstaltet, künstlerische Vorträge und Kurse organisiert, womit man an 30 ebd.
der Popularisierung einer neuartigen, komplexen Kunstanschauung arbeitete. 31 Siehe Dmitri V. SARABIANOV und Natalia L. ADASKINA, Liubov Popova, ins Englische übersetzt von Marian Schwartz,
4 KASSÁK Lajos, [über das Bild von Carlo Carra, Das Begräbnis des Anarchisten Galli] in.: A Tett 2. 1915. 25-28. Abrams, New York 1990, 109.
5 Die Aktion erschien unter der Redaktion von Franz Pfemfert ab 1911. Einer der Mitarbeiter der expressionistischen, anarchistische Anschaungen 32 MÁTYÁS Péter [Pseudonym für Ernő Kállai], Kassák Lajos, in Ma, VII/1, 21. Nov., 1921.
propagierenden Zeitschrift war Ivan Goll, dessen Schriften auch die Ma regelmäßig publizierte. Von den Ereignissen zur Zeit der ungarischen 33 In Ma wurde das 25-jährige Jubiläum des literarischen Schaffens des russischen Schriftstellers Maksim Gorki thematisiert. Der Schriftsteller
Räterepublik berichtete der österreichische Schriftsteller Georg Kulka, der 1919 mehrere Male in Budapest verweilte. Die Schriften Golls Ervin Sinkó (1898-1967) stellte das „Leiden des Individuums” in Gorkis Werk in den Mittelpunkt. Das Problem des Individuums im Konflikt
und Kulkas veröffentlichte auch die Zagreber Zeitschrift Zenit des Öfteren. mit der Gemeinschaft oder dem Kollektiv sollte eines der zentralen Themen der Zeitschrift Ma bleiben. Einer zwei Monate später erschei-
6 Die Zeitschrift erschien zwischen dem 15. November 1916 und dem 1. Juli 1919 in Budapest insgesamt 35mal, die Redakteure waren Lajos nenden Ausgabe stellte Kassák sein Gedicht „Oroszok, 1917” [Russen, 1917] voran, eine visionäre Meditation über die russische Februarre-
Kassák, Béla Uitz, Sándor Bortnyik, Jolán Simon, Sándor Barta und Erzsi Újvári. volution von 1917. Die letzte Ausgabe des Jahres 1918 trug den Untertitel „international”. Sie erschien mit roter Titelzeile und enthielt Texte
7 Die Ausstellung zur Plakatkunst während der Räterepublik ist derzeit gerade im New Yorker MOMA unter dem Titel Seeing Red: Hungarian des deutschen Anarcho-Sozialisten Ludwig Rubiner (der aus der Schweiz ausgewiesen wurde, weil er die russische Revolution begrüßt hatte),
Revolutionary Posters, 1919 zu sehen. 2. Februar – 1. August 2011. Kuratorin: Juliet Kinchin, Kuratorassistent: Aidan O’Connor, Department sowie eine Erklärung des sowjetrussischen Volkskommissars des äußeren, G.W. Tschitscherins, der gegen die Kritik der nicht-alliierten
of Architecture and Design. Staaten an der Unterdrückung der russischen Bourgeoisie durch Sowjetrussland protestierte.
8 Béla Kun (20. Februar 1886, Lele/ heute: Lelei, Rumänien – 1938 (?), Moskau): Journalist, kommunistischer Politiker, Anführer der Räterepublik. 34 Konstantin UMANSKY, Neue Kunst in Russland 1914-1919, G. Kiepenhauer, Potsdam, 1920.
9 KASSÁK Lajos, Levél Kun Bélához a művészet nevében [An Béla Kun im Namen der Kunst], Ma, Budapest, 1919. 35 Ungarn wie die in Berlin lebenden Kállai und Moholy-Nagy reflektierten in Ma entscheidende gedankliche Konzepte und neue Erkenntnisse
10 Die in Wien erschienenen und in Ungarn verbotenen Ausgaben der Zeitschrift Ma schmuggelte die Ehefrau Kassáks, Jolán Simon, nach über allgemeine „konstruktivistische” Tendenzen in Deutschland, Holland und der UdSSR, über letztere wurden sie durch Alfred Kemény
Budapest, wo sie in Parteiräumen und Kultursälen auch illegale Ma-Abende veranstaltete. informiert, der Ende 1921 vom Moskauer INCHUK zurückgekehrt war. Mehr dazu in Oliver BOTAR, Constructivism, International Con-
11 Die Ma stand mit ähnlich gesinnten Künstlern und Zeitschriften in Weimar, Antwerpen, Paris, doch auch in New York (Little Review, Seces- structivism and the Hungarian Emigration, in: John KISH (Hrsg.), The Hungarian Avant-Garde 1914–1933, The William Benton Museum
sion) und Tokio (MAVO) in Kontakt. Im Nachlass von Lajos Kassák finden sich weiterhin die Zeitschriften L’Esprit Nouveau und L’Oeuf dur. of Art, Storrs 1987, 90-98.
12 Moholy-Nagy zieht im Dezember 1919 nach Wien, lebt aber im März 1920 bereits in Berlin. Ab 1921 ist er Berichterstatter der Ma in Berlin 36 KASSÁK Lajos, Képarchitektúra [Bildarchitektur], in Ma, VII/ 4, 25. März, 1922.
und ebenfalls ab 1921 erscheinen seine Werke in der Zeitschrift Der Sturm. 37 Zu einer detaillierten Analyse des ungarischen Dadaismus siehe meinen Text „Constructive Faith in Deconstruction: Dada in Hungarian Art”,
13 Inspiriert durch die aktivistische MA erscheinen vom Oktober 1920 bis zum Juni 1921 insgesamt 17 Nummern der Pécser Zeitschrift Krónika in Gerald JANECEK und Toshiharu OMUKA (Hrsg), The Eastern Dada Orbit, G.K. Hall, New York 1998, 63-91.
(Chronik). 1922 hingegen wurde die Zeitschrift Út (Weg) in Novi Sad gegründet, von der die Ausgabe der Ma vom 1. Mai 1922 berichtete. 38 ebd. 430.
Die Zeitschrift Út veröffentlichte in ihrer Nummer vom April 1923 das Manifest der KURI-Gruppe, einer Initiative von Pécser Künstlern 39 in Lajos KASSÁK, Lasst uns leben in unserer Zeit, 110.
innerhalb des BAUHAUS.
14 Kassák nahm an diesem Treffen nicht teil, nach den zeitgenössischen Aufnahmen waren László Moholy-Nagy, Lucia Moholy und Alfréd
Kemény jedoch anwesend. In De Stijl, 1922, V/4, 125-128. JÚLIA CSERBA: IMRE PÁN – DIE PARALLELE INITIATIVE
15 CSAPLÁR Ferenc, Kassák Lajos Berlinben [Lajos Kassák in Berlin], in Kassák Lajos 1887–1967. A Magyar Nemzeti Galéria és a Petőfi
Irodalmi Múzeum emlékkiállítása [Lajos Kassák 1887–1967. Gedenkausstellung der Ungarischen Nationalgalerie und des Literaturmuseums 1 Der Familienname Imre Páns war ursprünglich Mezei.
Petőfi], Budapest 1987, Katalog, 103-105. 2 Árpád Mezei (Budapest, 1902 – Glanstonbury (Conn. USA), 1998) Kunstschriftsteller, Kunstphilosoph, Kunstpsychologe.
3 Der Anteil der jüdischen Studenten im Hochschulwesen durfte den von der Statistikbehörde festgestellten Anteil der Juden innerhalb der
Bevölkerung von ca. 6 Prozent nicht überschreiten.
DR. ÉVA FORGÁCS: „DU GIBST UNS ZU ESSEN UND DESWEGEN KÄMPFEN WIR GEGEN DICH” 4 Brief von Lajos Kassák an Imre Pán, 1924. In Besitz von Gábor Mezei, zitiert nach GYÖRGY Péter – PATAKI Gábor, Az Európai Iskola
és az elvont művészek csoportja [Die Europäische Schule und die Gruppe abstrakter Künstler], Corvina, 1990. 15.
1 Dieser Text ist eine überarbeitete und leicht veränderte Version des Essays gleichen Titels, der in arcadia, Band 41, Heft 2, 2006, 5 Editions Signe (1960–1964), Morphèmes (1963–1970), Mini-Musée (1971–1972), Préverbes (1972)
de Gruyter erschienen ist. 6 Corneille (Cornelis Van Beverloo, Liège, 1922 – Auvers-sur-Oise, 2010) und Jacques Doucet (Boulogne sur Seine, 1924 – Paris, 1994)
2 Olinde RODRIGUES, L’Artiste, le Savant et l’Industriel. Dialogue, ursprünglich erschienen in Henri SAINT-SIMON, Opinions littéraires, Maler, Gründungsmitglieder der Künstlerbewegung CoBrA
philosophiques et industrielles, Galérie de Bossange Père, Paris 1825, zitiert durch Calinescu, in Matei CALINESCU, Five Faces of Modernity, 7 Une Hongroise à Paris, Entretien avec Vera Molnár [Eine Ungarin in Paris, Gespräch mit Vera Molnár], in Artistes hongrois en France,
Duke University Press, Durham 1987, 103. 1920–2000 autour de la collection Szöllősi-Nagy-Nemes, PACA (Présence de l’Art Contemporain, Angers), 2002, 54.
3 ebd., 104. 8 Az új magyar müvészet önarcképe, Az Európai Iskola Könyvtára 7–8. [Das Selbstbildnis der neuen ungarischen Kunst, Bibliothek
4 Siehe dazu z.B. Mark ANTLIFF, Avant-Garde Fascism. The Mobilization of Myth, Art and Culturein France 1909-1939, Duke University der Europäischen Schule 7–8], Művészbolt [1946].
Press, Durham und London 2007. Antliff fasst hier die Ergebnisse anderer Forschungen auf diesem Gebiet zusammen. 9 In der Reihe Bibliothek der Europäischen Schule (1946/47) erschienen unter anderem Publikationen von Apollinaire, Marcel Proust,
5 Karl Mannheim in einem Manifest, 1918, zitiert von Mary GLUCK, Georg Lukács and His Generation 1900–1918, Harvard University André Breton, Paul Eluard, Béla Hamvas, Imre Pán und Árpád Mezei.
Press, Cambridge, Mass. 1985, 10. 10 Cahiers du Sud, N°287, 1948. 72–79, Übers. Éva Erdélyi
6 Einleitende Worte von Lajos Fülep für die neue Zeitschrift, in A Szellem, I. Nr. 1. 1911. Zitiert nach GLUCK, Georg Lukács, 19. 11 GYÖRGY Péter, Az elsüllyedt sziget [Die versunkene Insel], Képzőművészeti Kiadó, Budapest 1992. Paul Eluard, Béla Hamvas,
7 BALÁZS Béla, Napló 1903-1914 [Tagebuch 1903-1914], Magvető Könyvkiadó, Budapest 1982, 220. Imre Pán und Árpád Mezei.
8 LUKÁCS György, Az utak elváltak [Die Wege haben sich getrennt], in: Nyugat, I, 1910, 190-193. Zitiert nach: BENSON / FORGÁCS, 12 KASSÁK Lajos, Az izmusok története [Die Geschichte der Ismen], Gondolat kiadó, Budapest 1972. Der Band konnte auf Anweisung der
Between Worlds. A Sourcebook of Central European Avant-Gardes 1910–1930, The MIT Press, Cambridge, Mass. 2002, 128. Behörden nur ohne den Namen des „illegal” im Ausland lebenden Imre Pán erscheinen, in der zweiten Ausgabe aus dem Jahr 1975 ist er
9 ebd. 128. bereits als Koautor vermerkt.
10 Zur detaillierten Analyse von Kassáks Sprache siehe DERÉKY Pál, A vasbetontorony költői [Die Dichter des Stahlbetonturms], 13 Tagebuch von Imre Pán, Manuskript, Paris.
Argumentum, Budapest 1992, besonders 32-34. 14 Die Mitglieder der Gruppe, Lourdès Castro, René Bertholo, Jan Voss, Christo, Costa Pinheiro und Joao Vieira, geben ab 1958 eine avantgar-
11 Obwohl Kassák nicht vollkommen neue Wörter erfand, lässt seine sprachliche Eigenwilligkeit an ähnliche, jedoch weit radikalere distische Zeitschrift heraus, die außer den Arbeiten der Mitglieder auch Werke von Niki de Saint-Phalle, Tinguely und Arman veröffentlicht.
Vorgehensweisen der russischer Futuristen Welimir Chlebnikow und Alexej Krutschonych sowie italienischer futuristischer Dichter denken. Der Name der sechs Jahre lang erscheinenden Revue setzt sich aus den drei Buchstaben zusammen, die im portugiesischen Alphabet nicht
12 Lajos KASSÁK, Programm, in Ders., Lasst uns leben in unserer Zeit. Gedichte, Bilder und Schriften. Corvina, Budapest 1989, 7. vertreten sind.
13 ebd,.18. 15 Les artistes contemporains 1, Sonja Delaunay, étude de Imre Pan, Morphème, 1964.
14 ebd, 18-19.
15 KASSÁK Lajos, Aktivizmus [Aktivismus], am 20. Feb. 1919 gehaltene Rede, veröffentlicht in Ma, IV/4, 10. April, 1919.
16 ebd.
17 KASSÁK Lajos, Egy ember élete [Das Leben eines Menschen], Magvető könyvkiadó, Budapest 1974.
18 Révai war 1918 Mitbegründer der Kommunistischen Partei Ungarns, deren Zeitung er 1919 herausgab; in den Zwischenkriegsjahren war
er eine Schlüsselfigur der deutsch-ungarischen Emigration in der UdSSR und übernahm nach 1945 als Chefideologe die Führungsrolle im
kulturellen Leben des nach stalinistischem Vorbild geprägten kommunistischen Ungarn. Bedenkt man diesen Werdegang, ist es interessant
festzustellen, wie nahe er seinerzeit der avantgardistischen ästhetik und der sozial-demokratischen Haltung Kassáks stand.
90 19 ebd., 521. 91
22 Ödön Dankó 33 Béla Uitz
vERzEIchNIS DER AUSGESTELLTEN WERKE Védd meg! [Verteidige!], 1919 1887 Mehala / Ungarn Siebenbürgen
Plakat (Reproduktion) 16 × 24,3 cm (heute Rumänien)– 1972 Budapest / Ungarn
Országos Széchényi Könyvtár, Budapest Ikonenanalyse mit Dreifaltigkeit und
zwei Heiligen, 1922
23 Bertalan Pór Öl auf Leinwand, 151,3 × 143,7 cm
M anifest: K assÁ K! 11 Tett [Aktion]: Internationale Nummer Világ proletárjai egyesüljetek! 1919 Magyar Nemzeti Galéria, Budapest
Collegium Hungaricum Berlin Lajos Kassák (Red.) [Proletarier aller Länder, vereinigt euch!]
Michael Badics II / 16, Budapest, 1916 Plakat (Reproduktion) 16 × 24,3 cm 34 Lajos Kassák
Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest Országos Széchényi Könyvtár, Budapest 1887 Érsekújvár (heute Nové Zámky / Slowakei)
1 Verse Without Words, 2011 – 1967 Budapest / Ungarn
Audio-Installation 12 Der Mistral / Hugo Kersten, 24 Béla Uitz Architektur, 1923
Konrad Milo und Emil Szittya (Hrsg.) Vöröskatonák előre! 1919 Tempera auf Papier auf Karton, 27 × 20 cm
2 Kinetic Opinionizer, 2011 I / 1-2, Zürich, 3. März, 1915 [Rote Soldaten vorwärts!] Sammlung Dieter und Gertraud Bogner
Interaktive Installation Faksimile Plakat (Reproduktion), 16 × 24,3 cm im MUMOK, Wien
Schweizerisches Sozialarchiv, Zürich Országos Széchényi Könyvtár, Budapest
3 Lajos Kassák, Poet inoperable 35 Lajos Kassák
Interaktive Projektion, 2011 13 Erste Ma-Ausstellung: 25 Vörös Május [Der Rote Mai] 1887 Érsekújvár (heute Nové Zámky / Slowakei)
János Mattis Teutsch Manó Vajda (Hrsg.) – 1967 Budapest / Ungarn
4 Boris Zsigmondi Budapest, Ma, 1916 Budapest, Atheneum, 1919 Gegenstände und Schatten, 1923
Meister der Bildarchitektur Ausstellungskatalog Propaganda-Broschüre 32 p. Gouache auf Papier, 32,5 × 24 cm
S/W-Film, 22" Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest Országos Széchényi Könyvtár, Budapest Galerie Denise René, Paris
Magyar Televízió, Budapest, 1967
14 Erste Ma-Ausstellung: 26 Lajos Kassák 36 Lajos Kassák
János Mattis Teutsch Brief an Béla Kun im Namen der Kunst 1887 Érsekújvár (heute Nové Zámky / Slowakei)
Budapest, 1916 Budapest, Ma, 1919 – 1967 Budapest / Ungarn
LAJOS KASSáK. Plakat Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest Bildarchitektur, 1923
BOTSchAfTER DER AvANTGARDE Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest Bleistift auf Papier, 25,5 × 18,1 cm
(1915 – 1927) II. MA zWISchEN WIEN UND BERLIN Neues Museum in Nürnberg, Leihgabe
Berlinische Galerie 15 Ma [Heute] – DAS NETzWERK DER der Stadt Nürnberg
Lajos Kassák, Béla Uitz (Red.) AvANTGARDE-zEITSchRIfTEN
I. ANTIMILITARISMUS, Weltanschauliches 2. Sonderheft Kunstwerke 37 Lajos Kassák
REvOLUTIONäRE vISIONEN Titelblatt: János Mattis Teutsch 1887 Érsekújvár (heute Nové Zámky / Slowakei)
Kunstwerke Budapest, 1918 27 Sándor Bortnyik – 1967 Budapest / Ungarn
Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest 1893 Marosvásárhely / Ungarn Siebenbürgen Bildarchitektur IV, 1923
5 Lajos Tihanyi (heute Târgu Mureş / Rumänien) Bleistift auf Papier, 25,3 × 18,2 cm
1885 Budapest / Ungarn 16 Ma [Heute] / Lajos Kassák (Red.) – 1976 Budapest / Ungarn Neues Museum in Nürnberg, Leihgabe
– 1938 Paris / Frankreich Titelblatt: Vincenz Benes Der Meister und seine Schüler, 1921 der Stadt Nürnberg
Lajos Kassák, 1918 I / 1, Budapest, 1916 Aquarell auf Papier, 42,8 × 31,7 cm
Öl auf Leinwand, 86 × 70 cm Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest Magyar Nemzeti Galéria, Budapest 38 Lajos Kassák
Magyar Nemzeti Galéria, Budapest 1887 Érsekújvár (heute Nové Zámky / Slowakei)
vITRINE 1B: 28 Sándor Bortnyik – 1967 Budapest / Ungarn
6 Sándor Bortnyik 1893 Marosvásárhely / Ungarn Siebenbürgen Bildarchitektur II (Entwurf eines Kiosks), 1922
1893 Marosvásárhely / Ungarn 17 Die Aktion. Wochenschrift für Politik, (heute Târgu Mureş / Rumänien) Gouache auf Karton, 23,2 × 18,2 cm
Siebenbürgen (heute Târgu Mureş / Rumänien) Literatur, Kunst / Franz Pfemfert (Hrsg.) – 1976 Budapest / Ungarn Neues Museum in Nürnberg, Leihgabe
– 1976 Budapest / Ungarn IX / 23-24, Berlin, 14. Juni 1919 Ma Album I-VI, 1921 der Stadt Nürnberg
Rote Fabrik, 1919 Berlinische Galerie kolorierter Schablonendruck, 30,5 × 24 cm
Öl auf Pappe, 60 × 51 cm Landesmuseum für Moderne Kunst Janus Pannonius Múzeum, Pécs 39 Lajos Kassák
Janus Pannonius Múzeum, Pécs Fotografie und Architektur 1887 Érsekújvár (heute Nové Zámky / Slowakei)
Erworben aus Haushaltsmitteln der 29 Béla Uitz – 1967 Budapest / Ungarn
7 Sándor Bortnyik Berlinischen Galerie, Berlin 1990 1887 Mehala / Ungarn Siebenbürgen Bildarchitektur, 1923
1893 Marosvásárhely / Ungarn (heute Rumänien) – 1972 Budapest / Ungarn Tusche und Gouache auf Karton, 20 × 27,5 cm
Siebenbürgen (heute Târgu Mureş / Rumänien) 18 Die Aktion. Wochenschrift für Politik, Bühnenbild-Entwurf für das Stück Neues Museum in Nürnberg, Leihgabe
– 1976 Budapest / Ungarn Literatur, Kunst. / Franz Pfemfert (Hrsg.) Das Monster von Paul Vaillant-Couturier, 1925 der Stadt Nürnberg
Lajos Kassák, 1919 IX / 30-31, Berlin, 2. August 1919 Collage auf Papier, 59,5 × 43,5 cm
Linolschnitt, 15 × 11 cm Berlinische Galerie Magyar Nemzeti Galéria, Budapest 40 Lajos Kassák
Magyar Nemzeti Galéria, Budapest Landesmuseum für Moderne Kunst 1887 Érsekújvár (heute Nové Zámky / Slowakei)
Fotografie und Architektur 30 Lajos Kassák – 1967 Budapest / Ungarn
8 Sándor Bortnyik Erworben aus Haushaltsmitteln der 1887 Érsekújvár (heute Nové Zámky / Slowakei) Bildarchitektur V, um 1924
1893 Marosvásárhely / Ungarn Berlinischen Galerie, Berlin 1990 – 1967 Budapest / Ungarn Öl auf Pappe, 28 × 20,5 cm
Siebenbürgen (heute Târgu Mureş / Rumänien) Vorwärts, 1923 Magyar Nemzeti Galéria, Budapest
– 1976 Budapest / Ungarn 19 Die Aktion. Wochenschrift für Politik, Tusche auf Papier, 16,7 × 16,5 cm
Karl Liebknecht, 1919 Literatur, Kunst / Franz Pfemfert (Hrsg.) Neues Museum in Nürnberg, Leihgabe 41 Lajos Kassák
Linolschnitt, 15 × 11 cm IX / 33-34, Berlin, 23. August 1919 der Stadt Nürnberg 1887 Érsekújvár (heute Nové Zámky / Slowakei)
Magyar Nemzeti Galéria, Budapest Berlinische Galerie – 1967 Budapest / Ungarn
Landesmuseum für Moderne Kunst 31 Lajos Kassák Bildarchitektur, um 1922
9 Sándor Bortnyik Fotografie und Architektur 1887 Érsekújvár (heute Nové Zámky / Slowakei) 24,5 × 27,5 cm
1893 Marosvásárhely / Ungarn Erworben aus Haushaltsmitteln der – 1967 Budapest / Ungarn Privatsammlung Ungarn
Siebenbürgen (heute Târgu Mureş / Rumänien) Berlinischen Galerie, Berlin 1990 Ohne Titel (ET), 1921
– 1976 Budapest / Ungarn Gouache auf Papier, 21 × 17 cm 42 Lajos Kassák
Komposition mit sechs Figuren, 1919 20 Ma [Heute] / Lajos Kassák, Béla Uitz (Red.) Galerie Denise René, Paris 1887 Érsekújvár (heute Nové Zámky / Slowakei)
Öl auf Leinwand, 75,5 × 95,5 cm Demonstratives Sonderheft – 1967 Budapest / Ungarn
Magyar Nemzeti Galéria, Budapest Budapest, Mai 1919 32 Lajos Kassák Bildarchitektur I, 1922
Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest 1887 Érsekújvár (heute Nové Zámky / Slowakei) Öl auf Karton, 28 × 20,5 cm
DOKUMENTE – 1967 Budapest / Ungarn Neues Museum in Nürnberg, Leihgabe
21 Forradalmárok! [Revolutionäre!] Geräusche, 1920 der Stadt Nürnberg
vITRINE 1A: Flugblatt der aktivistischen Künstler Tusche und Tinte auf Papier (Collage)
Budapest, 25. März 1919, 29,5 × 22,3 cm 14,8 × 10,7 cm
10 Tett [Aktion] / Lajos Kassák (Red.) Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest Neues Museum in Nürnberg, Leihgabe
I / 2, Budapest, 1915 der Stadt Nürnberg
Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest
92 93
43 László Péri 55 János Mácza 67 Ma [Heute] / Lajos Kassák (Red.) 79 Plakat der „Figurinenmappe” (Die plastische
1899 Budapest / Ungarn Teljes színpad [Totale Bühne] Deutsches Sonderheft Gestaltung der elektro-mechanischen Schau
– 1967 London / England Wien, Ma , 1921 VIII / 5-6, Wien, 15. März 1923 („Sieg über die Sonne”)
Raumkonstruktion 18, 1923 Umschlag: Lajos Kassák Petőfi Irodalmi Múzeum – Kassák Múzeum, Hrsg: Leunis & Chapman, Hannover, 1920?
farbiger Beton, 53 × 64 × 2 cm Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest Budapest (Mit Originalsignatur von El Lissitzky)
Szépművészeti Múzeum, Budapest
56 Ujvári Erzsi 68 Ma [Heute] / Lajos Kassák (Red.) 80 Brief an Lajos Kassák mit Foto:
44 László Péri George Grosz Deutsches Sonderheft Raumgestaltung Mauerbild Willy Baumeister
1899 Budapest / Ungarn Wien, Ma, 1921 VIII / 5-6, Wien, 15. März 1923 Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest
– 1967 London / England Umschlag: Lajos Kassák Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest
Raumkonstruktion 19, 1922 Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest 81 Erste Russische Kunstausstellung Berlin,
farbiger Beton, 52 × 87 × 2 cm 69 Archipenko van Diemen Galerie, 1922
Szépművészeti Múzeum, Budapest 57 Lajos Kassák Budapest, Horizont, Amatőr könyvtár, 1922 Katalog, Titelblatt: El Lissitzky
Bildarchitektur-Manifest, 1922 Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest Berlin, van Diemen Galerie, 1922
45 Lajos Kassák Janus Pannonius Múzeum, Pécs Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest
1887 Érsekújvár (heute Nové Zámky / Slowakei) 70 Lajos Kassák: 1 Ma Kassák
– 1967 Budapest / Ungarn 58 Lajos Kassák Wien, Elbemühl, 1921 vITRINE 3B:
Bühnenbild-Entwurf, um 1924 Ma Plakat Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest
Tinte, Collage auf Papier, 24 × 16 cm Wien, Weihnachten 1921-1922 82 Broom: An International Magazine of the
Galerie Le Minotaure, Paris Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest 71 László Moholy-Nagy und Lajos Kassák Arts / Harold A. Loeb (Hrsg.)
Buch neuer Künstler Titelblatt: László Medgyes
46 Lajos Kassák vITRINE 2B: Wien, 1922 II/3, New York, Juni 1922
1887 Érsekújvár (heute Nové Zámky / Slowakei) Reprint Baden, Lars Müller, 1991 Faksimile
– 1967 Budapest / Ungarn 59 Ma [Heute] / Lajos Kassák (Hrsg.) Petőfi Irodalmi Múzeum – Kassák Múzeum, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer
Grom okka (Grau-Gelb), 1930 Musik und Theater Nummer Budapest Kulturbesitz; Abteilung Historische Drucke
Bleistift und Tusche auf Papier (Collage) Wien, 15. September 1924
21 × 14,9 cm Petőfi Irodalmi Múzeum – Kassák Múzeum, 72 Lajos Kassák 83 Het Overzicht / Michel Seuphor,
Neues Museum in Nürnberg, Leihgabe Budapest Ma Buch. Gedichte Joseph Peeters, Geert Pijnenburg (Hrsg.)
der Stadt Nürnberg Wien, Elbemühl, 1923 Titelblatt: László Moholy-Nagy
60 Internationale Ausstellung neuer Sammlung Dieter und Gertraud Bogner im Nr. 16, Amberes, Mai-Juni 1923
47 Lajos Kassák Theatertechnik / Friedrich Kiesler (Hrsg.) MUMOK, Wien Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer
1887 Érsekújvár (heute Nové Zámky / Slowakei) Ausstellungskatalog Kulturbesitz; Abteilung Historische Drucke
– 1967 Budapest / Ungarn Wien, Würthle & Sohn, 1924 vITRINE 3A:
Bildarchitektur IV, 1922 Berlinische Galerie 84 Vesc – Gegenstand. Internationale Rundschau
Öl auf Hartfaser, 27,5 × 23 cm Landesmuseum für Moderne Kunst 73 Ma [Heute] / Lajos Kassák (Red.) der Kunst der Gegenwart / Ilja Ehrenburg,
Neues Museum in Nürnberg, Leihgabe Fotografie und Architektur Rückseite El Lissitzky (Hrsg.)
der Stadt Nürnberg Erworben aus Mitteln der Senatsverwaltung VIII /1, Wien, 15. Oktober 1922 I / 1-2, Berlin, April 1922
für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin 1978 Petőfi Irodalmi Múzeum – Kassák Múzeum, Faksimile
48 Lajos Tihanyi Budapest Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer
1885 Budapest / Ungarn Kulturbesitz; Abteilung Historische Drucke
– 1938 Paris / Frankreich 61 Ma [Heute] / Lajos Kassák (Red.) 74 Der Sturm / Herwarth Walden (Hrsg.)
Tristan Tzara, 1926 Titelblatt: László Moholy-Nagy XIV / 9, Berlin, September 1923 85 Vesc – Gegenstand. Internationale Rundschau
Öl auf Leinwand, 103 × 73 cm VI / 5, Wien, 1921 Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest der Kunst der Gegenwart / Ilja Ehrenburg,
Magyar Nemzeti Galéria, Budapest Berlinische Galerie El Lissitzky (Hrsg.)
Landesmuseum für Moderne Kunst 75 De Stijl : internationaal Maandblad voor I / 3, Berlin, Mai 1922
DOKUMENTE Fotografie und Architektur nieuwe kunst, wetenschap en kultuur Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer
Erworben aus Mitteln der Senatsverwaltung Theo van Doesburg (Hrsg.) Kulturbesitz; Abteilung Historische Drucke
vITRINE 2A: für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin 1978 V / 7, Weimar; Leiden; Antwerpen, 5. Juli 1922
21,4 × 27,3 cm 86 Zenit / Ljubomir Micic (Red.)
49 Lajos Kassák 62 Ma [Heute] / Lajos Kassák (Red.) Berlinische Galerie Titelblatt: Lajos Kassák
Manifest zum Internationalen Kongress Archipenko Sonderheft Landesmuseum für Moderne Kunst Nr. 15, Zagreb, Juni 1922
der Intellektuellen VI / 6, Wien, 25. April 1921 Fotografie und Architektur Faksimile
Ma [Heute] Titelblatt: Sándor Bortnyik Petőfi Irodalmi Múzeum – Kassák Múzeum, Erworben aus Mitteln der Senatsverwaltung Sammlung Marinko Sudac, Zagreb
Wien, 23. Oktober 1920 Budapest für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin 1978
Petőfi Irodalmi Múzeum – Kassák Múzeum, 87 Zenit / Ljubomir Micic (Red.)
Budapest 63 Ma [Heute] / Lajos Kassák (Red.) 76 De Stijl: internationaal Maandblad voor Titelblatt: El Lissitzky, Nr.17-18
George Grosz Sonderheft nieuwe kunst, wetenschap en kultuur Zagreb, September – Oktober 1922
50 365 VI / 7, Wien, 1. Juni 1921 Theo van Doesburg (Hrsg.) Zentralarchiv der Staatlichen Museen
Das Junge Schlesien Petőfi Irodalmi Múzeum – Kassák Múzeum, V / 8, Weimar; Leiden; Antwerpen, 5. August 1922 zu Berlin
X / 3-4 , Wien, 15. Juni 1925 Budapest 21,4 × 27,3 cm
Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest Berlinische Galerie 88 Zenit / Ljubomir Micic (Red.)
64 Ma [Heute] / Lajos Kassák (Red.) Landesmuseum für Moderne Kunst Katalog der Internationalen Ausstellung
51 365 Viking Eggeling Sonderheft Fotografie und Architektur neuer Kunst in Belgrad, Nr. 25
Wien / Budapest, April – genaues Datum fehlt VI / 8, Wien, 1. August 1921 Übernahme von der Senatsverwaltung für Zagreb, Februar 1924
Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest Petőfi Irodalmi Múzeum – Kassák Múzeum, Kulturelle Angelegenheiten, Berlin Zentralarchiv der Staatlichen Museen
Budapest zu Berlin
52 Akasztott Ember [Der Gehenkte] 77 Herwarth Walden
Sándor Barta (Red.) 65 Ma [Heute] / Lajos Kassák (Red.) Die neue Malerei. Essays 89 Zenit / Ljubomir Micic (Red.)
I / 1, Wien, 1. November 1922 VII / 3, Wien, 1. Februar 1922 Berlin, Der Sturm, 1920 Nr. 36, Zagreb, Oktober 1925
Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest Titelblatt: Iwan Puni Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest Zentralarchiv der Staatlichen Museen
Petőfi Irodalmi Múzeum – Kassák Múzeum, zu Berlin
53 Egység. Irodalom, Művészet Budapest 78 Ernst Kállai
[Einheit. Literatur, Kunst] Neue Malerei in Ungarn 90 Contimporanul / Marcel Janco,
Aladár Komját, Béla Uitz (Red.) 66 Ma [Heute] / Lajos Kassák (Red.) Leipzig, Klinkhardt & Bierman, 1925 Ion Vinea (Red.)
1. Schaunummer, Wien, 1922 Hans Arp Sonderheft Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest Titelblatt: Lajos Kassák
Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest VII / 4, Wien, 15. März 1922 III / 47, Bukarest, 1924
Petőfi Irodalmi Múzeum – Kassák Múzeum, Faksimile
54 ÉK [Keil] / Sándor Barta (Red.) Budapest Biblioteca Academiei Romane, Bukarest
II / 4-5, Wien, April 1924
Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest

94 95
91 Contimporanul / Marcel Janco, 103 Max Ernst 114 Wassily Kandinsky 128 Egon Schiele
Ion Vinea (Red.) 1891 Brühl / Deutschland 1866 Moskau / Russland Bildnis Arnold Schönberg
Katalog der Ersten Internationalen – 1976 Paris / Frankreich – 1944 Neuilly-sur-Seine / Frankreich Wien, Richard Lányi, 1917
Ausstellung zeitgenössischer Kunst Ohne Titel, um 1940 Ohne Titel, 1930 Postkarte
III / 50-51, Bukarest, 1924 Collage, 10,3 × 13,2 cm Tusche auf Papier, 34,8 × 22,7 cm Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest
Faksimile Privatsammlung, Paris Privatsammlung, Paris
Biblioteca Academiei Romane, Bukarest 129 Egon Schiele
104 Francis Picabia 115. Sonia Delaunay Selbstbildnis
92 Paul Klee, Hans Mattis Teutsch 1879 Paris / Frankreich 1885 Gradizsk / Ukraine Die Aktion Postkarte
99. Sturmausstellung – 1953 Paris / Frankreich – 1979 Paris / Frankreich Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest
Berlin, Der Sturm, 1921 Ohne Titel Ohne Titel, 1913
Zentralarchiv der Staatlichen Museen Ende 1920-er Jahre Aquarell, Kreide und Bleistift auf Papier 130 Basarat
zu Berlin Tusche auf Papier, 25 × 18 cm 27 × 21 cm Nach Europa
Privatsammlung, Paris Privatsammlung, Paris Die Aktion Postkarte
93 Zehn Jahre Sturm. Gesamtschau Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest
100. Sturmausstellung 105 Hans Arp
Berlin, Der Sturm, 1921 1886 Straßburg / Deutschland DOKUMENTE 131 Umberto Boccioni
Zentralarchiv der Staatlichen Museen – 1966 Basel / Schweiz Das Lachen
zu Berlin Ohne Titel, um 1940 vITRINE 4A: Der Sturm Postkarte
Bleistift auf Papier, 21,5 × 18,7 cm Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest
94 László Moholy-Nagy Privatsammlung, Paris 116 IS [Auch]
116. Sturmausstellung 1924 132 Franz Marc
Berlin, Der Sturm, 1923 106 Natalia Goncharova Aufkleber Tierschicksale
Zentralarchiv der Staatlichen Museen 1881 Ladyschino / Russland Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest Der Sturm Postkarte
zu Berlin – 1962 Paris / Frankreich Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest
Ohne Titel, 1912 117 IS [Auch]
95 Gesamtschau Aquarell auf Papier, 27 × 17 cm 1924 133 Wassily Kandinsky
118. Sturmausstellung Privatsammlung, Paris Flyer Porträt
Berlin, Der Sturm, 1923 Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest Der Sturm Postkarte
Zentralarchiv der Staatlichen Museen 107 Iwan Puni Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest
zu Berlin 1892 Kouokkala / Russland 118 IS Kultúra, civilizáció [Auch. Kultur,
– 1956 Paris / Frankreich Zivilisation] / György Gerő, Imre Pán (Red.) vITRINE 4B:
96 Béla Kádár Ohne Titel Titelblatt: Hugo Scheiber
126. Sturmausstellung Holzschnitt, 35 × 25 cm I / 1, Budapest, 1924 134 Fernand Léger
Berlin, Der Sturm, 1923 Privatsammlung, Paris Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest signierte Reproduktion, 1919
Zentralarchiv der Staatlichen Museen Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest
zu Berlin 108 Béla Kádár 119 Giacomo Balla
1877 Budapest / Ungarn Geschwindigkeit 135 Kasimir Malewitsch
97 Der Sturm / Herwarth Walden (Hrsg.) – 1955 Budapest / Ungarn Ma Postkarte Nr. 12 signierte Reproduktion
Titelblatt: László Moholy-Nagy Ohne Titel, um 1924 Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest
XIII / 1, Berlin, Januar 1922 Aquarell auf Papier, 29,8 × 42,8 cm
Zentralarchiv der Staatlichen Museen Privatsammlung, Paris 120 Alexander Archipenko 136 László Medgyes
zu Berlin Kind Théatre, No. 7
109 El Lissitzky Ma Postkarte Nr. 16 signierte Reproduktion
98 Der Sturm / Herwarth Walden (Hrsg.) 1890 Potschinok / Smolensk / Russland Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest
Titelblatt: Lajos Kassák – 1941 Moskau / UdSSR
XIII / 11, Berlin, November 1922 Ohne Titel, um 1922 121 Béla Uitz 137 Kurt Schwitters
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Lithographie, 24,5 × 21,7 cm Zeichnung Merzbild 48
Kulturbesitz; Abteilung Historische Drucke Privatsammlung, Paris Ma Postkarte Nr. 18 signierte Reproduktion
Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest Privatsammlung Ferenc Kiss, Budap
99 Der Sturm / Herwarth Walden (Hrsg.) 110 László Moholy-Nagy
Druck vom Stock: László Moholy-Nagy 1895 Bácsborsód / Ungarn 122 Sándor Bortnyik 138 Tristan Tzara und Hans Arp
XIV / 1, Berlin, Januar 1923 – 1946 Chicago / USA Ma Postkarte Nr. 28 Brief an Lajos Kassák
Zentralarchiv der Staatlichen Museen Ohne Titel, 1923 Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest Mit einer Gouache von Sophie Taeuber-Arp
zu Berlin Linolschnitt 14. August, 1922
Privatsammlung, Paris 123 Robert Delaunay Privatsammlung, Paris
100 Der Sturm / Herwarth Walden (Hrsg.) Eiffel-Turm Ma Postkarte Nr. 32
Titelblatt: László Péri 111 El Lissitzky Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest 139 Hans Arp
XIV / 2, Berlin, Februar 1923 1890 Potschinok / Smolensk / Russland signierte Reproduktion
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer – 1941 Moskau / UdSSR 124 Umberto Boccioni Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest
Kulturbesitz; Abteilung Historische Drucke Proun I, um 1920 Ma Postkarte Nr. 33
Lithographie, 18,2 × 30,9 cm Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest 140 Der Kunstnarr / Ernst Kállai (Hrsg.)
101 Der Sturm / Herwarth Walden (Hrsg.) Privatsammlung, Paris Dessau, April 1929
Titelblatt: László Moholy-Nagy 125 Franz Marc Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest
XV / 2, Berlin, Juni 1924 112 Natalia Goncharova Zeichnung
Zentralarchiv der Staatlichen Museen 1881 Ladyschino / Russland Ma Postkarte Nr. 43
zu Berlin – 1962 Paris / Frankreich Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest Iv. AvANTGARDE IM GEISTIGEN vAKUUM
Ohne Titel Kunstwerke
III. LA cOLLEcTION hISTORIqUE Lithographie, 23,2 × 14,7 cm 126 Wassily Kandinsky
Kunstwerke Privatsammlung, Paris Ma Postkarte Nr. 45 141 Lajos Kassák
Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest 1887 Érsekújvár (heute Nové Zámky) / Slowakei)
102 Mikhail Larionov 113 Sonia Delaunay – 1967 Budapest / Ungarn
1881 Tiraspol / Moldawien 1885 Gradizsk / Ukraine 127 Marcel Duchamp Modiano, 1926
– 1964 Fontenay-aux-Roses / Frankreich – 1979 Paris / Frankreich Akt, eine Treppe herabsteigend Gouache auf Papier, 28 × 24 cm
Ohne Titel, 1910-er Jahre Ohne Titel, 1932 New York Szépművészeti Múzeum, Budapest
Tusche auf Papier, 32 × 24 cm Aquarell, Tinte und Gouache auf Papier Postkarte Dauerleihgabe Carl László, Basel
Privatsammlung, Paris 26 × 60 cm Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest
Privatsammlung, Paris

96 97
142 Lajos Kassák
1887 Érsekújvár (heute Nové Zámky / Slowakei) Die Kuratorinnen der Ausstellung möchten sich bei den Leihgebern für ihre großzügige
– 1967 Budapest / Ungarn
Budapester Zoo, 1926–28
Unterstützung bedanken:
Plakat, 50 × 40 cm
Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest
Berlinische Galerie, Berlin
143 Sándor Bortnyik Biblioteca Academiei Romane, Bukarest
1893 Marosvásárhely / Ungarn Siebenbürgen
(heute Târgu Mureş / Rumänien)
Bibliothéque Littéraire Jacques Doucet, Paris
– 1976 Budapest / Ungarn Janus Pannonius Múzeum, Pécs
Modiano, 1926
Lithographie, 93 × 62 cm
Szépművészeti Múzeum (Museum der Schönen Künste), Budapest
Országos Széchényi Könyvtár, Budapest Magyar Nemzeti Galéria (Ungarische Nationalgalerie), Budapest
144 Róbert Berény
Magyar Nemzeti Filmarchívum (Ungarisches National-Filmarchiv), Budapest
1887 Budapest / Ungarn Magyar Nemzeti Múzeum – Történeti Fényképtár (Ungarisches Nationalmuseum), Budapest
– 1953 Budapest / Ungarn
Modiano, 1929
Magyar Televízió Zrt. (MTV Ungarisches Fernsehen)
Lithographie, 126 × 95 cm Országos Széchényi Könyvtár (Széchényi Nationalbibliothek), Budapest
Országos Széchényi Könyvtár, Budapest
Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig, Wien
145 Lajos Kassák Neues Museum – Staatliches Museum für Kunst und Design in Nürnberg
1887 Érsekújvár (heute Nové Zámky / Slowakei )
– 1967 Budapest / Ungarn
Petőfi Irodalmi Múzeum – Literaturmuseum Petőfi, Budapest
Magyar Hírlap, 1924 Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Lithographie, 94 × 61 cm
Országos Széchényi Könyvtár, Budapest
Schweizerisches Sozialarchiv, Zürich
Staatsbibliothek zu Berlin – Preussischer Kulturbesitz
DOKUMENTE
Stadtbibliothek Hannover, Kurt Schwitters Archiv

vITRINE 5A:
Galerie Denise René, Paris
146 Dokumentum / Lajos Kassák (Red.) Carl László, Basel
Budapest, Dezember 1926
Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest
Galerie Le Minotaure, Paris, Tel Aviv
Privatsammlung Kiss Ferenc, Budapest
147 Dokumentum / Lajos Kassák (Red.)
Budapest, März 1927
Privatsammlung Paris
Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest Privatsammlung Ungarn
148 Dokumentum / Lajos Kassák (Red.)
Budapest, April 1927 Ein Dankeschön geht auch an all diejenigen Personen, ohne deren Hilfe die Ausstellung nicht
Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest
hätte realisiert werden können:
149 Dokumentum / Lajos Kassák (Red.)
Budapest, Mai 1927
Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest
Ádám Aczél (Ungarn), Róbert Aczél (Ungarn), Dr. Veronika Baksa-Soós (.CHB), Anna Birkás (Budapest),
Ákos Birkás (Budapest), Vilma Braun (Berlin), Dr. Ralf Burmeister (Berlinische Galerie), Dr. Rainer Enders
150 Lajos Kassák
Tisztaság könyve [Buch der Reinheit]
(Frankfurt / Oder), Wolfgang Erler (Berlinische Galerie), Dr. Júlia Fabényi (Janus Pannonius Múzeum Pécs),
Propaganda-Ausgabe Dr. Jenő Farkas (Eötvös Loránd Tudományegyetem, Budapest), Dr. Florin Filip (Biblioteca Academiei
Budapest, Horizont, 1926
Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest
Romane, Bukarest), Eszter Földi (Magyar Nemzeti Galéria, Budapest), Dr. Mariann Gergely (Magyar Nemzeti
Galéria, Budapest), Dr. Judit Geskó (Szépművészeti Múzeum, Budapest), Dr. Jörn Grabowski (Zentralarchiv,
151 Lajos Kassák
Tisztaság könyve [Buch der Reinheit]
Berlin), László Hegyeshalmi (László Károly Gyűjtemény, Veszprém), Dóra Hegyi (tranzit.hu, Budapest),
Budapest, Horizont, 1926 Katrin Heidt (Zürich), Dr. Thomas Heyden (Neues Museum Nürnberg), Izsák Sipos Szilárd (Carl László
Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest
Sammlung, Basel), Dr. Annemarie Jaeggi (Bauhaus Archiv, Berlin), Detlef Kasten (Stadtbibliothek Han-
vITRINE 5B nover), Anikó Katona (Országos Széchényi Könyvtár, Budapest), Dr. Robert Knappe (Berlinische Galerie),
152 Lajos Kassák
Dr. Thomas Köhler (Berlinische Galerie), Kata Krasznahorkai (Budapest-Berlin), Michael Krejsa (Akade-
Mentor Buchhandlung mie der Künste, Berlin), Frank Marlot (Galerie Denise René, Paris), Ingrid Mecklenburg (Sprengel Museum,
Plakat, 1927
Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest
Hannover), Gábor Mezei (Budapest), Susanne Nagel (Akademie der Künste, Berlin), Márton Orosz
(Szépművészeti Múzeum, Budapest), Dr. Krisztina Passuth (Eötvös Loránd Tudományegyetem, Budapest),
153 Lajos Kassák
Einladung zur Ausstellung von Lajos Kassák
Carolin Pilgermann (Zentralarchiv, Berlin), Arvid und Pascal Rubertus (Berlin), Dr. Heinz Stahlhut
in der Mentor Buchhandlung, 1928 (Berlinische Galerie), Marinko Sudac (Zagreb), Balázs Tamási (Országos Széchényi Könyvtár, Budapest), János
Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest
Can Togay (.CHB), Margit Turok (Budapest), Dr. György Várkonyi (Janus Pannonius Múzeum, Pécs), Dr. Klaus
154 Boris Zsigmondi Weber (Bauhaus Archiv, Berlin), Andreas Wittenberg (Staatsbibliothek, Berlin), Monika Wucher (Hamburg)
Meister der Bildarchitektur
S/W-Film, 22"
Magyar Televízió, Budapest, 1967

98 99
Die Ausstellungen zur Person und Werk von Lajos Kassák im Collegium Hungaricum Berlin (.CHB) und Der Katalog Lajos Kassák. Botschafter der Avantgarde (1915–1927) erscheint anlässlich der gleichnamigen
in der Berlinischen Galerie sind im Rahmen der Ungarischen EU-Ratspräsidentschaft in Zusammenarbeit Ausstellung in der Berlinischen Galerie sowie der Ausstellung Manifest: KassÁk! Eine intermediale
von Hungarofest Nonprofit Kft., dem CHB und der Berlinischen Galerie entstanden. Annäherung im Collegium Hungaricum Berlin (.CHB)
Die Ausstellungen wurden von Dr. Veronika Baksa-Soós, Leiterin der Moholy-Nagy Galerie im .CHB
und János Can Togay, Botschaftsrat und Direktor des .CHB initiiert. Texte: Dr. Veronika Baksa-Soós, Júlia Cserba, Dr. Éva Forgács, Dr. Thomas Köhler, Edit Sasvári,
János Can Togay, Franciska Zólyom
Die Ausstellungen stehen unter der Schirmherrschaft von S. E. Dr. József Czukor, Botschafter Herausgeber: Csilla E. Csorba, Generaldirektorin, Literaturmuseum Petőfi, Budapest
der Republik Ungarn. Verleger: Imre Kálomista, verantwortlicher Leiter von Hungarofest Nemzeti Rendezvényszervező Nonprofit Kft.
Redaktion: Edit Sasvári, Franciska Zólyom, Katalin Schulcz
Manifest: KassÁk! Eine intermediale Annäherung Übersetzung: Arnim Heyer (Ung-Dt.), Stephanie Rupp (Engl.-Dt.), Irene Rübberdt (Ung.-Dt.),
Collegium Hungaricum Berlin Dániel Sipos (Ung.-Engl.), Éva Zádor (Ung.-Dt.)
08.06. – 25.09.2011 Lektorat: Wilhelm Droste
Fotos: Kai-Annett Becker, Sándor Diskay, Zsolt Dobóczy, István Füzi, Csaba Gál, Robert Maly,
Konzept und Realisierung: Michael Badics (Memetics Berlin) Tibor Mester, Géza Szebellédy, Elemér Vattay
Mitarbeit: Oliver Elias, Christian Fuchs, Ronald Martins, Robert Praxmarer Konzeption Grafik: design.lepsenyi.com
Grafische Umsetzung und Satz: Eszter Kapitány
Beratung: Márton Orosz Druck: Aduprint Kiadó és Nyomda Kft. 1033 Budapest, Csikós u. 8.
Wissenschaftliche Mitarbeit: Judit Csatlós
Textgestaltung: Daniela Kuka, Dimitar Ruszev © Literaturmuseum Petőfi – Kassák Museum, Budapest
www. pim.hu
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Zsuzsanna Petró www. kassakmuzeum.hu
Praktikanten: Ádám Bazsó, Zita Danku, Réka Deli email: kassakmuzeum@pim.hu
Technische Koordination: Zoltán Ádám ISBN 978-963-87014-3-5

Lajos Kassák. Botschafter der Avantgarde (1915–1927) Alle Texte, Bilder und sonstige Materialien in dieser Publikation unterliegen den geltenden, aktuellen
Berlinische Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur Urheberrechtsbestimmungen und dürfen nicht ohne schriftliche Genehmigung der Rechte-Inhaber,
17.06. – 17.10.2011 Verfasser bzw. Fotografen verwendet werden. Wir haben uns bemüht, alle Inhaber von Bildrechten
ausfindig zu machen. Sollten Rechte-Inhaber hier nicht aufgeführt sein, so bitten wir um Meldung
Kuratorinnen: Edit Sasvári, Franciska Zólyom (kassakmuzeum@pim.hu) für eine ergänzende Korrektur der Angaben.
Beratung: Júlia Cserba

Leihverkehr: Annemarie Seyda Seite 8: © Foto: Robert Maly, Kai-Annett Becker


Restauratorische Betreuung: Maria Bortfeldt, Sabina Fernandez, Ingeborg Fries, Corinna Nisse, Sándor Papp Seite: 10-11, 27, 29, 32, 77: mit freundlicher Genehmigung von Magyar Nemzeti Galéria, Budapest
© HUNGART, Budapest © Foto: Tibor Mester
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Ulrike Andres Seite 12-13, 14, 56, 64, 78, 83, 84, 86, 88: Petőfi Irodalmi Múzeum – Kassák Múzeum, Budapest
Seite 16-17, 34-35: © Petőfi Irodalmi Múzeum, Budapest
Technische Koordination: Wolfgang Heigl Seite 18: © Foto: Kai-Annett Becker
Ausstellungsaufbau: Rode & Tornow Ausstellungstechnik Seite 19: mit freundlicher Genehmigung von (für Zenit) Marinko Sudac, Zagreb; (für Contimporanul)
Transport: Dart Art Handling (Berlin), Hungart (Érd), Kunsttrans (Wien) Biblioteca Academiei Romane, Bukarest
Versicherung: Kuhn und Bülow Seite 20: mit freundlicher Genehmigung von Galerie Le Minotaure, Paris, Tel Aviv © Petőfi Irodalmi
Múzeum – Kassák Múzeum, Budapest © Foto: Kai-Annett Becker
Projektkoordination: Judit Dávid, Hungarofest Nonprofit Kft Budapest Seite 21: © Petőfi Irodalmi Múzeum – Kassák Múzeum, Budapest © Foto: Elemér Vattay
Kommunikation, Medienarbeit: Ursula Rüter, Stefan Hirtz (Artefakt Berlin) Seite 22: mit freundlicher Genehmigung von (für 98, 100) Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz;
Ausstellungsdesign: Bence Zólyom Architektur, Berlin Abteilung Historische Drucke; (für 97, 101) Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin
Mitarbeit: Zsolt László Seite 23: mit freundlicher Genehmigung von Privatsammlung, Ungarn © Petőfi Irodalmi Múzeum
– Kassák Múzeum, Budapest © Foto: Zsolt Dobóczy, Csaba Gál
Seite 24: mit freundlicher Genehmigung von Berlinische Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst
Fotografie und Architektur
Seite 25, 28, 30: © Magyar Nemzeti Múzeum, Történeti Fényképtár, Budapest
Seite 36: mit freundlicher Genehmigung von Janus Pannonius Múzeum, Pécs © Petőfi Irodalmi Múzeum
– Kassák Múzeum, Budapest © Foto: István Füzi
Seite 38, 39, 45, 71, 79: mit freundlicher Genehmigung von Privatsammlung Ferenc Kiss, Budapest
Seite 41, 52, 53: © Petőfi Irodalmi Múzeum – Kassák Múzeum, Budapest
100 101
Seite 42: mit freundlicher Genehmigung von Neues Museum in Nürnberg © Petőfi Irodalmi Múzeum
– Kassák Múzeum, Budapest, © Foto: Annette Kradisch
Seite 43: mit freundlicher Genehmigung von Janus Pannonius Múzeum, Pécs © HUNGART,
Budapest © Foto: István Füzi
Seite 44, 46, 47, 49: mit freundlicher Genehmigung von Gábor Mezei, Budapest
Seite 48, 50, 51, 87: mit freundlicher Genehmigung von Privatsammlung, Paris © (für 115)
L&M SERVICES, Den Haag; © (für 102, 104) HUNGART, Budapest © Foto: Kai-Annett Becker
Seite 54 (unten): mit freundlicher Genehmigung von Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
und (oben) Petőfi Irodalmi Múzeum – Kassák Múzeum, Budapest
Seite 55: mit freundlicher Genehmigung von Petőfi Irodalmi Múzeum – Kassák Múzeum, Budapest
© Foto: Sándor Diskay
Seite 57: mit freundlicher Genehmigung von Petőfi Irodalmi Múzeum – Kassák Múzeum, Budapest
© Foto: Géza Szebellédy
Seite 70: mit freundlicher Genehmigung von Berlinische Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst,
Fotografie und Architektur
Seite 76: mit freundlicher Genehmigung von MUMOK, Museum Moderner Kunst Stiftung
Ludwig Wien © Petőfi Irodalmi Múzeum – Kassák Múzeum, Budapest © Foto: MUMOK, Wien

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