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40 Η. BONNET: Zur Baugeschichte des Mentuhoteptempels. [60. Band.

Zur Baugeschichte des Mentuhoteptempels.


Yon HANS BONNET.

J J er Mangel an Klarheit und Übersichtlichkeit, der der gesamten Überlieferung über


die 11. Dynastie anhaftet und sie trotz ihres an sich nicht geringen Ilmfanges an
sicheren Resultaten so wenig ergiebig macht, eignet auch ihrem monumentalsten
Denkmal, dem Mentuhoteptempel von Der el-bahri. Es hält schwer, ihn im Rahmen
der architekturgeschichtlichen Überlieferung zu verstehen. In seinem gesamten Plan
wie in manchen Stücken des Aufbaus aus ihr heraustretend, entbehrt er für den
ersten Blick durchaus einer klaren Verbindung mit den älteren Bauformen, die man
doch erwarten und bei der bedächtig vorwärtsschreitenden Art des ägyptischen
Schaffens voraussetzen muß.
Man hat darum die Eigenart seiner Anlage aus seiner Baugeschichte zu erklären
versucht, und man hat in der Tat einigen Grund, verwickelte Verhältnisse für die
Erbauung des Tempels in Rechnung zu stellen. Das Auftreten zweier verschiedener
Königsnamen in den Inschriften, den Mentuhoteps III. ® Λ und den Mentuhoteps IV.
deutet, indem es sich mit dem Vorhandensein zweier Gräber, der Pyramide und
des Felsengrabes, aufs beste zu vereinen scheint, auf zwei Bauperioden hin und legt
den Versuch nahe, die eigenartige Gestaltung des Tempels aus der verschieden ge-
richteten Tätigkeit zweier Bauherren zu verstehen. Der Weg, den ein solcher Ver-
such zu gehen hat, ist ebenfalls deutlich genug gewiesen, indem der scharfe Schnitt
zwischen dem vorderen Teil mit der Pyramide und dem hinteren mit dem Felsen-
grab ohne weiteres eine entsprechende Aufteilung zu fordern scheint. Auf diese Er-
wägungen stützt sich denn auch das Bild, das B O R C H A R D T von der Entstehungs-
geschichte des Tempels entworfen hat 1 . Nach ihm würde Mentuliotep III. über seinem
Grabe, dem Bäb el-Hosän, dessen Zugehörigkeit zu der Pyramide B O R C H A R D T richtig
erkannt hat 2 , diese selbst sowie die Terrasse erbaut haben, während Mentuhotep IV.
den hinteren Teil mit dem Felsengrabe angelegt und den ganzen Bau allenfalls er-
weitert und vollendet hätte.
Diese Auffassung wird dem Tatbestand, wie er sich nach dem Gesagten darzu-
stellen scheint, aufs beste gerecht, und so ist sie allgemein angenommen worden, und
doch kann die Lösung, die sie bietet, bei näherer Betrachtung nicht befriedigen.
Denn völlig verzichtet sie darauf, den Bau als Ganzes nach Anlage und Plan im
Rahmen der Architekturgeschichte verständlich zu machen. Er bleibt in ihr isoliert
und wäre nichts anderes als eine willkürliche Verkoppelung zweier verschiedener Grab-
formen, nur das Ergebnis einer Laune oder eines Zufalls. Und weiter wäre es doch
kaum zu begreifen, daß ein Herrscher von der Machtstellung Mentuhoteps IV. sich
mit einer Grabstätte begnügt haben sollte, die nicht mehr war als ein Anbau an das
Grab seines Vorgängers und überdies noch hinter ihm ganz zurücktrat. Man mache

1) Zeitschr. f. Gesch. d. Architektur III, 81 tf. — 2) Sie ist indessen durch eine erneute Freilegung
des Schachtes sichergestellt worden. Die Kammer lag nahezu zentral unter der Pyramide: Bulletin of the
Metropolitai.n Museum of Art, part II, Dez. 1924, p. 8.

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Band 60.] Η. BONNET: Zur Baugeschichte des Mentuhoteptempels. 41

sich nur klar, wie entschieden das architektonische Gesamtbild von der Pyramide
bestimmt wird, die Zentrum und Krönung des Aufbaus bildet und zudem die Zu-
gänglichkeit des hinteren Tempelteils, der angeblichen Grabanlage Mentuhoteps IV.,
aufs stärkste beeinträchtigt, indem sie sich mit ihrem Massiv und ihren Hallen sper-
rend vor den Eingang legt. Man wird dann schwerlich geneigt sein, der Deutung
des Felsengrabes als Anbau an die Pyramide im Sinne BORCHARDTS zuzustimmen.
Möglich könnte sie höchstens unter der Voraussetzung erscheinen, daß Mentuhotep IV.
sich den Bau seines Vorgängers ganz zu eigen machte, so daß er nicht mehr dessen
Grabmal war, sondern ein Teil seines eigenen wurde, wie es einst etwa ähnlich Neuserre
mit dem Torbau des Neferirkere tat. Dann aber kann der Tempel nicht mehr mit
BORCHARDT als das Nebeneinander zweier Gräber verstanden werden; er muß als
Totentempel eines Königs in seinem Typus ein in sich geschlossenes Ganzes sein. So
wird man gerade auch von dem Versuch einer Teilung aus gedrängt, den ganzen Bau
nach Anlage und Plan als Einheit zu erfassen.
Ein dahin zielender Versuch hat mit einer Untersuchung der Tragfähigkeit der
Gründe, die das Vorhandensein zweier Bauherren und eine entsprechende Aufteilung
zu erfordern scheinen, zu beginnen. Da ist zunächst die Zweizahl der Gräber; sie
wäre schlechthin entscheidend, wenn sie wirklich vorhanden wäre. Das ist aber
nicht der Fall. Denn die Kammer unter der Pyramide enthielt keine Beisetzung;
sie barg außer wenigen unbedeutenden Beigaben lediglich eine Statue, die einer Mumie
gleich sorglich in Binden gewickelt war. Sie war also ein Kenotaph. Auch das Vor-
handensein eines solchen gibt Rätsel auf, an denen aber zunächst vorübergegangen
sei. Später werden wir auf dieses Kenotaph zurückzukommen haben, und dann wird
uns seine Bedeutung in etwas deutlicher werden. Vorläufig genügt die Feststellung,
daß in dem Tempel nur ein König, und zwar in dem Felsengrabe, beigesetzt war.
Daß BORCHARDT in den in diesem gefundenen, von N A V I L L E als Reste einer Beklei-
dung bezeichneten schwarzen Granitstücken Teile des Sarges erkannt hat, mag dabei
auf Grund eines se'ner Institutsberichte ausdrücklich nachgetragen werden. Daß dem
hier beigesetzten König auch das Kenotaph eignete, läßt sich an sich gewiß ebenso-
wenig behaupten als abstreiten, wird aber, sobald wir den Tempel in seinem bau-
geschichtlichen Zusammenhang betrachten, deutlich werden. Jeden Anhaltes entbehrt
es jedenfalls, wenn man das Kenotaph, wie das die Theorie BORCHARDTS fordert,
Mentuhotep III. zuweisen wollte. Denn die Aufschrift des Kästchens, das in ihm ge-
funden wurde, nennt nur den Namen Mentuhotep1. So bleibt nur das Auftreten zweier
Königsnamen übrig. In diesem Punkte gilt es zu beachten, daß der Name Mentu-
hoteps III. sich nur in den Teilen des Tempels findet, die im Kem zweifellos nicht
zu ihm gehören, nämlich in den Kapellen der Haremsdamen. Diese, die nicht nur
den äußeren Umgang sperren und durch ihre ungleiche Verteilung die Harmonie des
Raumes stören, sondern auch durch die Verschiebung der Tür aus der Mittelachse
des Tempels die Symmetrie des Planes durchbrechen, sind im Ganzen des Baus deut-
lich ein Fremdkörper. Völlig entbehren sie auch irgendeiner kenntlichen Beziehung
zu einem anderen Teile der Anlage. Es geht deshalb nicht an, von ihnen aus eine
doppelte Bauperiode für den Tempel zu postulieren. Allerdings bezeugen sie, daß
der Platz schon vor der Errichtung desselben irgendwie bebaut war. Denn nach-
trägliche Einbauten, als welche sie N A V I L L E verstanden wissen will, sind sie schwer-
lich. Damit ist aber noch keineswegs gesagt, daß der Tempel außer ihnen noch
andere Teile einer älteren Anlage in sich aufgenommen habe oder gar in seiner Plan-
gestaltung entscheidend von einer solchen beeinflußt worden sei. Die ebenso störende

1) ÄZ. 46,84.
Zeitschr. f. Ägypt. Spr., CO. Baad. Ü

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wie isolierte Lage der Kapellen im Ganzen des Tempels schließt das vielmehr aus.
Sie stehen abseits, und damit entfällt das Zeugnis ihrer Inschriften. Ebensowenig
wie die anscheinende Zweizahl der Gräber zwingen sie, den Tempel als Grabstätte
und Schöpfung zweier Könige zu verstehen. Nichts steht im Wege, ihn als einen
in sich geschlossenen Bau zu erfassen, der, in den Kapellen wohl Reste einer bereits
vorhandenen, wohl noch nicht vollendeten Anlage schonend in sich aufnehmend, doch
nach einheitlichein, selbständigen Plan geschaffen ist.
Freilich drängt sich dann die Frage nach der Stellung des Tempels innerhalb
der ägyptischen Architektur mit um so größerem Nachdruck auf. Denn wenn er
wirklich eine Einheit ist, so ist vollends zu fordern, daß er Anschluß an die bekannten
Typen des ägyptischen Tempelbaus finde und damit aus seiner singulären Stellung
heraustrete und in seinem Baugedanken geschichtlich begreifbar werde. Was sein
Eigenes ausmacht, ist die Verbindung von Pyramide und Felsengrab. Über ihr gegen-
seitiges Verhältnis gilt es zunächst ins Klare zu kommen. Denn gleichwertig können
sie, wenn anders das Ganze nicht doch wieder in zwei selbständige Teile zerfallen
soll, nicht sein. Es ist denn auch von vornherein deutlich, daß der Nachdruck auf
dem hinteren Teil des Tempels mit dem Felsengrabe ruht. Er allein bildet ein in
sich abgeschlossenes Ganzes, das, indem es die für ein ägyptisches Grab unentbehrlichen
Teile, Grabkammer und Kultraum, umfaßt, keiner Ergänzung bedarf. Wir haben
in ihm nichts anderes als ein Felsengrab der bekannten Art, nur daß man es den
gesteigerten Bedürfnissen eines Königsgrabes angepaßt hat, indem an die Stelle des
in den Felsen geschnittenen Kultraums ein Tempel getreten ist. Ganz anders der
vordere Teil des Baus. Auch er lehnt sich sichtlich an ein altes Vorbild, den Pyramiden-
tempel des AR, an; aber nun ist es nicht wie bei dem Felsengrabe fortgebildet und
erweitert, sondern trotz des Schmuckes der Pfeilerstellungen in seinem Typus vereinfacht.
Nur die Pyramide ist übernommen, der Tempel aber fehlt ganz. Denn die umgebenden
Hallen irgendwie mit ihm in Beziehung zu setzen, geht nicht an. Das zeigt der darauf
hinzielende Versuch B O R C H A R D T S , der da meint, daß man den Tempel statt vor die
Pyramide um diese herum gelegt habe, in der Gewaltsamkeit seiner Erklärung zur
Genüge. Indem man so von dem Totentempel des AR nur die Pyramide als ihren
markantesten Teil übernahm, während man das Felsengrab über das Herkommen
hinaus reicher entfaltete, kennzeichnet sich die Pyramide trotz ihrer beherrschenden
Bedeutung für den Aufbau im Rahmen des Ganzen lediglich als Zusatzstück. Daß
sie sich als Kenotaph darstellt, während das Felsengral.) die eigentliche Beisetzung
barg, stimmt damit gut zusammen.
Die Erweiterung eines Felsengrabes durch Beifügung einer Pyramide bedeutet
aber nichts Neues; sie begegnet bereits bei Grabanlagen älterer Könige der 11. Dynastie,
die in unmittelbarer Nähe des Mentuhoteptempels liegen 1 . Diese Gräber stellen sich
als in den Felsen geschnittene Höfe länglich-rechteckiger Form dar. Ihre Abmessungen
sind recht erheblich und erreichen 60—70 m in der Breite und bis zu 250 m Länge.
An ihrer hinteren Schmalseite öffnet sich in einer Pfeilerhalle die Hauptgrabkammer;
andere, gleich gestaltete sind an den Längsseiten angebracht, sodaß der Hof an drei
Seiten von Hallen umgeben zu sein scheint. Diese jetzt saffs genannten Höfe
machten aber noch nicht die Gesamtheit der Anlage aus; zu ihr gehörte noch eine
Pyramide. Diese sind nun freilich nicht mehr erhalten; aber wir wissen durch den
Pap. Abbot, daß das Grab Intefs I. eine Pyramide besaß. Bis in die Zeit MARIETTEs,
der sie untersuchte und in ihr die bekannte Stele Intefs I. fand, war sie auch noch
vorhanden. Jetzt scheinen wenigstens noch Haufen ungebrannter Ziegel von ihr

1) WINLOCK. Theban Necropolis in the Μ. Κ. (Araeric. Journ. of Sem. Lang. a. Literat. X X X I I , 19FF.).

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Band 60.] Η. BONNET: Zur Baugeschichte des Mentuhoteptempels. 48

zu zeugen, die im hinteren Teil des Hofes lagern, ohne damit freilich ihre Lage
ausreichend sicherzustellen. Denn die Stele, die MARIETTE liegen ließ und später
von DARESSY wieder aufgedeckt wurde, lag am Eingang des Hofes. Ob die Pyramide
hier oder weiter im Innern des Hofes gestanden hat, muß also dahingestellt bleiben.
In jedem Falle finden wir schon hier am Anfang der 11. Dynastie die Verbindung
von Felsengrab und Pyramide, die die Eigenart des Mentuhoteptempels ausmacht.
Dieser tritt damit in eine für uns mit den s a f f s beginnende Entwicklungslinie.
Auf diesen Zusammenhang hat bereits WIN LOCK a. a. 0. hingewiesen, aber er
hat ihn nicht richtig erfaßt, und so ist ihm seine Bedeutung für die geschichtliche
Einordnung des Mentuhoteptempels entgangen. Immer noch nämlich hält W INLOCK
an der durch BORCHARDT gewiesenen Aufteilung des Tempels an zwei Könige fest.
Damit aber entzieht er sich selbst die wesentlichsten Vergleichspunkte: denn der
Parallelismus beruht ja gerade in der Gesamtheit der Anlage, in dem Nebeneinander
von Felsengrab und Pyramide. Löst man diese als Grab Mentuhoteps III. ab, so bleibt
im Grunde nichts übrig, Avas auf einen Zusammenhang mit den s a f f s hinwiese.
WINLOCK weiß denn auch keine klare Parallele zu finden. Wohl weist er auf die
Möglichkeit hin, daß für das Grab Mentuhoteps III. der Vorplatz vor der Pyramide
den Hof der s a f f s ersetze, aber er führt den Vergleich nicht weiter. In der Tat
bietet der Vorplatz nichts Entsprechendes 1 , und vollends wäre, um an anderen Gegen-
sätzlichkeiten vorüberzugehen, die Bedeutung der Pyramide durchaus verschoben; sie,
die in den s a f f s nur Beiwerk war, wäre jetzt die Grabstätte, während das Kern-
stück der saffs, das Felsengrab, völlig fehlte. Der hintere Teil des Tempels schließlich
fällt bei diesem Deutungsversuch ganz ab.
Anders wenn wir den Tempel als Ganzes, als Einheit nehmen. Dann ist die Ver-
wandtschaft mit den älteren Königsgräbern augenfällig. Da ist als Abschluß des
Ganzen die Beisetzungsstätte, das Felsengrab, und ihm vorgelagert, wie dort, ein lang-
gestreckter Hof, der sich nun zwar nicht mehr frei öffnet, sondern einen Tempel
trägt, damit aber doch nichts Gegensätzliches hineinträgt, sondern nur die Entwick-
lung weiterführt, wie denn auch der Tempelhof von Hallen umrahmt wird, in denen das
von den lockeren Pfeilerstellungen der Grabeingänge an den Wänden der s a f f s an-
geschlagene Motiv zu selbständiger Durchbildung erhoben scheint. Dann folgt weiter
die Pyramide. Mit ihr hört die unmittelbare Entsprechung in der Gliederung des
Bauganzen auf. Anders ist ihre Auswertung für den Aufbau und auch ihre Einordnung
in den Plan, falls, wie man wohl am ehesten wird annehmen müssen, der Standort der
Pyramide im saff lntefs I. nicht durch die Fundstelle der Stele am Eingang des Hofes,
sondern durch die Schutthügel in dessen hinterem Teil bezeichnet wird. Denn nun-
mehr tritt die Pyramide ganz aus dem Rahmen des Hofes hinaus; ihn in voller Breite
deckend und damit für das architektonische Gesamtbild vollständig zurückdrängend,
wächst sie über ihre bisherige Bedeutung hinaus zum Mittelpunkt des Aufbaus der
Fassade und zum Träger seiner Wirkung. So stark aber dieser Unterschied in der

1) Nachträglich wird mir der Bericht des Bulletin of the Metropolitain Museum of Art, part II,
Dez. 1924 über die Freilegung des Vorplatzes zugänglich. Danach bedarf das oben Gesagte insofern einer
Berichtigung und Ergänzung, als der Vorplatz mit seiner langgestreckten, weit ausgreifenden Form tat-
sächlich dem Hof der saffs nachgebildet ist. Die Aufnahme des Tempels aus der Vogelschau a. a. 0., p. 6
zeigt das deutlich. Auch die Art, wie der Vorplatz das Massiv mit der Pyramide beiderseitig umfaßt, statt
an ihm z u enden, klingt an die freie Stellung der Pyramide im Hintergrund des Hofes der saffs an.
Dieser Parallelismus berührt indessen die oben gegebenen weiteren Ausführungen, insbesondere die Ab-
leitung des Tempeltypus aus dem durch die saffs gegebenen Elementen nicht. Denn daß man den Vorplatz,
dessen der Tempel ohne weiteres bedurfte, dem der saffs anglich, ist ein Moment für sich.
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44 Η. BONNET: Zur Baugeschichte des Mentuhoteptempels. [60. Band.

Behandlung der Pyramide in seiner Wirkung auch ist, so bedeutet er doch nichts
Trennendes. Denn deutlich spiegelt sich in ihm nur der Fortechritt des architekto-
nischen Gestaltens. Die Elemente und der Grundgedanke der Anlage aber sind hier
wie dort letzten Endes die gleichen; gröL'ere Mittel und höheres selbständiges Können
des Baumeisters haben sie indessen fortgebildet und zu ungleich größerer Wirkung
gesteigert. Wo bisher nur mehr ein loses Nebeneinander war, hat nun der Bau-
meister durch straffe Zusammenfassung der einzelnen Teile in einen Baukörper ein
einheitliches Ganzes geschaffen und vollends hat er dem Aufbau unter geschickter
Ausnutzung der Eigenart des Geländes durch die Terrasse, die gewiß keine freie Er-
findung war, sondern ihm durch die Ungunst des Baugrundes abgenötigt wurde, in
Verbindung mit den vorgelegten Hallen und den Pfeilerstellungen des Peripteros
jenen eigenen Eindruck von Wucht und wieder Anmut zu vermitteln gewußt, indem
sie der von der Pyramide betonten Vertikalen die horizontale Lagerung entgegen-
setzen und die lastende Schwere der geschlossenen glatten Flächen der Pyramide
durch die lichten Öflnungen der Hallen gemildert wird. Als architektonische Leistung
ragt so der Mentuhoteptempel weit über die älteren Königsgräber der 11. Dynastie
hinaus; aber er ist durch sie vorbereitet, den Typus haben jene geschaffen.
Auch bei ihm mögen wir noch kurz verweilen. Der Gedanke, der ihm zugrunde
liegt und ihn entstehen ließ, ist nicht schwer einzusehen. Denn deutlich ist der neue
Typus aus der Absicht der thebanischen Dynasten erwachsen, ihre Grabstätte an die
der großen Könige des AR, die Pyramidentempel, anzuschließen. Bis zur Lösung
von der heimischen Bestattungssitte vermochte dieser Wunsch freilich nicht fort-
zuschreiten, und so übernahm man nur die Pyramide. Daß ihre Einfügung zunächst
eine lose blieb, ist bei der Gegensätzlichkeit beider Bauformen nicht zu verwundern.
Daß der Baumeister des Mentuhoteptempels sie zu einer Einheit zusammenzuschließen
verstand, bedeutet eben eine schöpferische Leistung. Auch auf sie wird das Vorbild
der Pyramidentempel nicht ohne Einfluß gewesen sein.
Der Weg, auf dem man die Angleichung an den Pyramidentempel des AK
gefunden hatte, brachte noch sachlich eine Schwierigkeit mit sich. Denn durchaus
hatte das grundsätzliche Festhalten an der überkommenen Grabform, dem Felsen-
grabe, die Stellung der Pyramide verändert. Ihrer hergebrachten Bestimmung war
sie entzogen. So galt es, falls sie nicht zu einem bloßen Grabmal werden sollte,
ihr eine neue Aufgabe zuzuweisen. Auf doppeltem Wege ist das geschehen. In den
älteren Königsgräbern der 11. Dynastie ist sie offenbar Stätte des Kultes gewesen.
Demi die Pyramide Intefs I. öffnete sich nach MARIETTES Beschreibung, wie wir das
von den Pyramiden der Privatgräber des MR und NR kennen, vorn in einer Kammer,
an deren Rückwand die Stele des Königs stand. Unterirdische Räume scheinen
nicht vorhanden gewesen zu sein, denn nach einer Grabkammer suchte MARIETTE
vergebens. Bei dem Bau Mentuhoteps war diese Lösung nicht möglich; denn er hatte
sich, über den Rahmen des Überkommenen hinausstrebend, wiederum wohl in An-
lehnung an die Königsgräber des AR, für den Kult den hinten über dem Grabeingang
liegenden Tempel geschaffen. So bildete man die Pyramide zum Kenotaph. Der
Gedanke lag nahe genug. Nicht nur, daß er besser an die eigentliche Aufgabe der
Pyramide anschloß, er war auch dem Ägypter von alters vertraut. Können wir doch
gerade bei Königen von der Frühzeit bis ins NR hinein die Sitte des Scheingrabes
je und dann verfolgen. Ein Unterschied bleibt freilich; denn nie ist es sonst wie
hier mit dem Grabe selbst in einen Baukörper zusammengeschlossen. Das hätte ζ. T.,
nämlich soweit es sich um Kenotaphe in Abydos handelt, schon ihrer Aufgabe wider-
sprochen. Einen Einwand gegen die Beziehung des Scheingrabes unter der Pyramide
auf den Inhaber des Felsengrabes darf man daraus aber nicht ableiten wollen. Denn

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Hand 6 0 . ] Μ. PIEPEK: Die ägyptischen Skarabäen und ihre Nachbildungen in den Mittelmeerländern. 45

wenn der Mentuhoteptempel Grab und Kenotapli unmittelbar verbindet, so geschieht


das eben unter der Einwirkung des Bautypus. Dieser aber findet für uns keine
Fortsetzung. Mit der Rückkehr der 12. Dynastie zu dem Pyramidengrab sowie der
Trennung von Grab und Kultstiltte im NR ist er, bald nachdem er von bescheidenen
Anfängen aus im Mentuhoteptempel zu voller Höhe erhoben war, erloschen.
Welche Deutung dabei das Scheingrab erfuhr, wird sich kaum mit genügender
Sicherheit ausmachen lassen. Wenn man sich aber der alten Königssitte, sich ein
oberägyptisches und ein unterägyptisches Grabmal anzulegen, erinnert und damit
zusammenhält, daß die in der Kammer der Pyramide gefundene Statue, ungewöhnlich
genug, eine unterägyptische Krone trug, so mag doch die Vermutung gestattet sein,
daß hier eine ähnliche Vorstellung waltete und das Pyramidengrab dem unterägyptischen,
das Felsengrab dem oberägyptischen König galt.
So löst sich das Widerspruchsvolle, das dem Mentuhoteptempel zunächst anzuhaften
scheint. Als nach überkommenem, aber meisterhaft fortgebildeten Typus geschaffenes
Grabmal nur eines Königs, Mentuhoteps IV., ist er in sich wie in seiner geschichtlichen
Stellung in gleicher Weise verständlich. Für die Frage nach dem Verhältnis Mentuhoteps III.
zu Mentuhotep IV., deren Lösung insonderheit von der ßaugeschichte des Tempels
aus versucht worden ist, eröffnen sich aus diesem Tatbestand freilich keine entscheidenden
Gesichtspunkte. Wir müssen uns mit dem architekturgeschichtlichen Ergebnis begnügen.

Die ägyptischen Skarabäen und ihre Nachbildungen in den Mittelmeerländern.


V o n MAX PIEPEB.

W ir verdanken FLINDERS PETRIE und NEWBERRY die Grundlegung unseres


Wissens von den Skarabäen, aber die kleinen Siegel sind bisher zumeist sehr einseitig
betrachtet worden. Im Grunde interessierte man sich für sie nur, wenn sie einen
seltenen Königsnamen oder eine historisch wertvolle Inschrift enthielten, im übrigen
sammelte man sie wohl in den Museen, schenkte ihnen aber weiter keine Beachtung.
Nur die Spirale auf den Skarabäen des MR erfreute sich einer weitgehenden Auf-
merksamkeit.
Die ägyptischen Skarabäen haben aber für die Erforschung der antiken Kultur
eine nicht geringe Bedeutung, sie sind die Träger des ägyptischen Einflusses von
Spanien bis zum schwarzen Meer. In allen Mittelmeerländern haben sie sich ζ. T.
in großer Zahl gefunden; sie dienten dem Archäologen häufig als Mittel, seine Funde
zu datieren.
Über diese Skarabäen außerhalb Ägyptens ist bisher so gut wie nichts gearbeitet
worden, nur über italische Funde gibt es einige unzureichende Veröffentlichungen.
Wieviel sich hier gewinnen läßt, hoffe ich im folgenden zu zeigen. Dabei erwarte
der Leser nicht, daß ich ihm eine Zusammenstellung der Skarabäenfunde außerhalb
des Niltals gebe. Das ist zurzeit völlig unmöglich. Nur gelegentlich konnte ich
Einblicke in die spanischen Funde erhalten, das italische Material ist ebenso wie das

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