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Amalfi – Stadt der Gänge und Treppen am Meer


Amalfi in der Region Campania hat
heute ca. 6000 Einwohnern, es ist
Seebad und Kurort an der steil
aufsteigenden Küste im Golf von
Salerno. Auf beiden Seiten des steilen
Tals steigen die Häuser den Berg hoch,
ihre Bauweise ist städtisch mit 3-5
Stockwerken, am Hang stehen sie
übereinander gebaut. Mit Autos ist der
Ort nur entlang des Meeres und im Tal
befahrbar, sonst schmale Treppen-
gässchen, so eng, dass man vorsichtig
aneinander vorbeigehen muß.
Nur die Hauptgassen sind auf „Eselsbreite“.
Man kommt in Bögen und Tunnels unter den Häusern durch, als Farbe dominiert in der Stadt
weiß. Das Tal ist das ‚Valle dei Mulini’, das Mühlental, das seinen Namen von den dort zu
findenden Papiermühlen bekam.

Amalfi ist eine Kleinstadt mit viel Handwerk und kein


eigentlicher Badeort. Die Engländer, die es vor knapp
hundert Jahren, als noch unberührte Alternative zu Capri
erschlossen haben, dachten damals mehr an
Promenadenspaziergänge unter Palmen, das malerische
Ortsbild und die Straßencafés, womit Amalfi reich
gesegnet ist. Das Baden war Nebensache und der kleine
mit Badebuden vollgestellte Strand ist auch heute nicht
anziehend, zudem ist er gleichzeitig Hafen.

Zu sehen bekommen wir noch den Dom S. Andrea der anlässlich der
Republikgründung errichtet worden war. Die Fassade und die Treppe sind
allerdings im 19.Jh. nachempfunden worden, der Turm dennoch ist echt.
Wir steigen nahezu 100 Stufen hinab durch einen gewundenen Höhlengang.
Auf den Steinstufen sieht man die Umrisse von Händen und Füßen.
Unvermittelt tritt man in einen schachtartigen Hof mit Lichteinfall
ausschließlich von oben, und blickt so auf eines der schönsten Kunstwerke
Apuliens: Die von Pantaleone von Amalfi gestiftete Bronzetür der
Höhlenkirche.

In Amalfi ist man stolz auf die Legende, der Amalfitaner Flavio Gioia sei der Erfinder des
Kompasses.

Amalfis Geschichte
Der Sage nach soll der Halbgott Hercules eine Nymphe, also eine weibliche Naturgottheit,
namens Amalfi geliebt haben, diese starb allerdings recht kurzfristig und Hercules begrub sie
an dem schönsten Ort der Welt, und um seine Geliebte unsterblich zu machen, nannte er den
Ort Amalfi.
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Soweit die Sage..


Der Überlieferung nach wurde die Stadt um 320 n.Chr. gegründet von schiffbrüchigen
Römern, die sich auf dem Weg nach Konstantinopel befanden. Der Name Amalfi taucht das
erste Mal im Jahr 533 auf, in der Zeit, als der griechisch-gotische Krieg stattfand, an dessen
Ende Amalfi unter byzantinische Herrschaft gestellt wurde und dem Herzogtum Neapel
angegliedert wurde.
Im 6. Jh. war Amalfi Sitz eines katholischen Bischofs, dieser sorgte dafür, dass die Stadt
ausreichend gegen Bedrohungen von außerhalb gesichert wurde.
850 gründeten die Bürger die Republik Amalfi, die sich allerdings nicht auf
die Stadt Amalfi beschränkte, sondern eher aus einem Städtebund bestand,
dem Atrani, Ravello, Scala, Minuto, Minori und Maiori, die anderen Städte
an der Küste, angehörten, Amalfi wurde daraufhin selbständige Seerepublik
und war bis zum 12. Jh. eine der mächtigsten Seerepubliken Italiens.
Damals strebten die italienischen Handelsstädte Handelsbeziehungen im
inzwischen islamisch gewordenen Orient an, dabei waren die kampanischen
Seerepubliken Gaeta, Neapel und Amalfi den Konkurrenten aus Pisa, Genua
oder Venedig einiges voraus und hatten zuerst schon eigene
Handelsniederlassungen im Orient aufgebaut.
863 griff Sicardo, der Herzog von Benevento, Amalfi an, besiegte es und wies die
Bevölkerung aus der Stadt aus, dass sie nach Salerno gehen mussten. 3 Jahre später starb
Sicardo und die Amalfitaner sahen ihre Chance, machten Aufstand, holten sich die Herrschaft
über ihre Stadt zurück und sicherten sich dabei die Selbständigkeit, die sie bis zum 11. Jh.
behielten.
Amalfi vereinigte sich mit den Sarazenen und Ludovico II gegen die Byzantiner, die die
Herrschaft ihres östlichen Reiches wiederherstellen wollten. Der Bund mit den Sarazenen war
jedenfalls unstabil und nicht dauerhaft, 915 wurden die Sarazenen vernichtet und endgültig
aus der Region verbannt.
Während des ganzen 10. und 11. Jh. hatte Amalfi als
Handelsstadt ein großes Wachstum und eine
zuverlässige und gewinnbringende Wohlfahrt, sie
hatten eine hohe und wichtige Stellung im
Mittelmeerraum inne, dieselbe Stellung, die Pisa und
Genua später haben sollten. Amalfi hatte großen
Reichtum zu der Zeit und wurde von Menschen aus
allen Teilen der Welt besucht.
Aber das berühmteste ist Amalfis Seerecht, die
„Tabulae Amalfitanae“, die die am meisten anerkannte
Gesetzessammlung für die Seenationen in dieser Zeit
war. Es regelte die Beziehungen zwischen Kapitän und
Matrosen, und zwischen Seeleuten und Händlern, auch
noch als Amalfi selbst schon nicht mehr eine mächtige
Seerepublik war.
Seinen Reichtum und seine Größe konnte es nur aufgrund seiner Unabhängigkeit erlangen.
1039 nahm der Prinz von Salerno das Besitzrecht für das Herzogtum Amalfi für sich ein.
Salerno übte dabei starken Druck auf die Republik aus, der damalige Regent Amalfis, Sergio
IV, bat 1073 Roberto il Guiscardo um Hilfe, Salerno musste kapitulieren. Doch darauf wurde
Amalfi wieder erobert, diesmal von den Normannen. 1131 wurde es von den Truppen Rogers
II. eingenommen. 1135 musste Amalfi schreckliche Plünderungen durch die Pisaner erleiden,
die sie zu Hilfe gegen die Normannen gerufen hatten, und die sie nun verrieten.
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Von da an begann Amalfis Absturz.


1343 wird ein starkes Seebeben beschrieben, das die
Küste traf und bei dem weite Teile der Stadt zerstört
wurden, die Befestigungen wurden zerstört, die
Schiffswerften und die seemännische Ausrüstung.
Fünf Jahre später beschreibt Boccaccio die Seuche
von 1348, die viele Menschen das Leben kostete.
Darauf wurden Amalfi und die anderen nahen
Küstenstädte zu bescheidenen Städten ohne großen
Reichtum aber mit vielen prunkvollen Relikten aus
der kurzen glorreichen Vergangenheit.
Man kehrte zurück zu den traditionellen Wirtschaften: Fischfang, den ortsüblichen
Handarbeiten und Landwirtschaft.
Erst zum Ende des 19.Jh. bekam der Tourismus in Amalfi Zulauf, der jetzt die wirtschaftliche
Basis der ganzen Küste ist.

Patrick Schulze
Arnulf Sonnenburg

Quellen:

 www.amalfi.it
 Polyglott Reiseführer „Golf von Neapel“
 Gustav Faber, „Süditalien“ (List-Verlag)
 Hans Bausenhardt, „Golf von Neapel“ (Cilento Verlag)
 DuMont Kunst-Reiseführer „Der Golf von Neapel“
 dtv-Atlas zur Weltgeschichte Band 1
 Microsoft Encarta Enzyklopädie
 Das neue Fischerlexikon
 Bilder aus dem www

AAS’99