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A.

Begriffsklärung Sterbehilfe
Aktive Sterbehilfe

…meint die gezielte Tötung eines Menschen, z. B. durch die Verabreichung eines den Tod
herbeiführenden Präparates (z. B. Tablette, Spritze, Infusion). Sie ist in Deutschland gesetzlich
verboten und wird strafrechtlich verfolgt und zwar auch dann, wenn sie mit ausdrücklicher
Zustimmung des Patienten oder der Patientin erfolgt.
Die Legalisierung aktiver Sterbehilfe in den Niederlanden und in Belgien lässt die Tötung
schwerstkranker und sterbender Menschen in diesen Ländern unter bestimmten Bedingungen zu.
Aktive Sterbehilfe ist jedoch mit dem christlichen Verständnis vom Menschen nicht vereinbar

Indirekte Sterbehilfe

…wird geleistet, wenn Sterbenden ärztlich verordnete schmerzlindernde Medikamente gegeben


werden, die als unbeabsichtigte Nebenfolge den Todeseintritt beschleunigen können. Solche indirekte
Sterbehilfe wird in Abwägung der ärztlichen Doppelpflicht – Leben erhalten und Schmerzen lindern –
für rechtlich und ethisch zulässig gehalten.

Passive Sterbehilfe

…zielt auf ein menschenwürdiges Sterbenlassen, insbesondere dadurch, dass eine lebensverlängernde
Behandlung (z. B. Verzicht auf künstliche Ernährung, künstliche Beatmung oder Dialyse,
Verabreichung von Medikamenten wie z. B. Antibiotika) bei einem unheilbar kranken Menschen nicht
weitergeführt oder gar nicht erst aufgenommen wird. Sie setzt sein Einverständnis voraus und ist
rechtlich und ethisch zulässig.

Beihilfe zur Selbsttötung:

Einem Schwerkranken wird auf dessen ausdrücklichen Wunsch die Möglichkeit gegeben, sich selbst
das Leben zu nehmen (beispielsweise durch die Bereitstellung von Gift). Die Tatschuld liegt beim
Kranken. Die Beihilfe zur Selbsttötung ist ethisch sehr fragwürdig.

Aufgaben:
- Erkläre die Formen der Sterbehilfe in deinen eigenen Worten.
- Erkläre den Unterschied zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe.
- Diskutiere, welche Form der Sterbehilfe für dich akzeptabel oder gar nicht
möglich sein dürfte.
B. Rechtliche Grundlagen der Sterbehilfe
In Deutschland: In Deutschland gibt es bislang kein spezielles Gesetz, das die rechtlichen Grundlagen der Sterbehilfe klar regelt. Es ist aber schon
seit vielen Jahren in der Diskussion und wird sowohl von Kirchen als auch Ländern verfolgt.

§ 216 Tötung auf Verlangen


(1) Ist jemand durch das ausdrückliche und ernstliche Verlangen des Getöteten zur Tötung bestimmt worden, so ist auf Freiheitsstrafe von sechs Monaten
bis zu fünf Jahren zu erkennen.
(2) Der Versuch ist strafbar.

Passive Sterbehilfe Indirekte Sterbehilfe Tötung auf Verlangen Beihilfe zum Suizid
(aktive Sterbehilfe)
Freiwillig* Erlaubt Erlaubt Verboten Nicht strafbar aber ethisch strittig

Nicht freiwillig** Erlaubt Erlaubt Verboten -

Unfreiwillig*** Verboten Verboten Verboten -

* Freiwillig: Der Patient stimmt der Sterbehilfemaßnahme bewusst und ohne jeden Zwang zu.

** Nicht-freiwillig: Der Patient ist nicht einwilligungsfähig (zum Beispiel bei Komapatienten oder Minderjährigen). Ein Vertreter muss an seiner
Stelle in seinem Sinne für ihn entscheiden.

*** Unfreiwillig: Die Sterbehilfemaßnahme erfolgt ohne Berücksichtigung oder gegen den Willen des Patienten.

Tötung auf Verlangen: Die Tötung eines Schwerkranken auf dessen ausdrücklichen Wunsch durch eine dritte Person (zum Beispiel den Arzt), liegt die
volle Tatschuld bei der dritten Person.

Beihilfe zum Suizid: Einem Schwerkranken wird auf dessen ausdrücklichen Wunsch die Möglichkeit gegeben, sich selbst das Leben zu nehmen
(beispielsweise durch die Bereitstellung von Gift). Die Tatschuld liegt beim Kranken.
Im Ausland:
Niederlande:

Seit 2001 gilt in den Niederlanden das „Gesetz über die Kontrolle der Lebensbeendigung auf Verlangen und der Hilfe bei der Selbsttötung“. Der Arzt
kann dadurch die Möglichkeit erlangen bei Beachtung strenger Regeln bei einer Sterbehilfe straffrei zu bleiben. Allgemein ist Sterbehilfe immer noch
verboten.

Der Arzt muss:

1. zu der Überzeugung gelangt sein, dass der schwerkranke Patient seine Bitte freiwillig und nach reiflicher Überlegung äußert.
2. zu der Überzeugung gelangt sein, dass der Zustand des Patienten aussichtslos und sein Leiden unerträglich ist.
3. den Patienten über seine Situation und die Heilungschancen aufgeklärt haben.
4. gemeinsam mit dem Patienten zu der Überzeugung gelangt sein, dass es für dessen Situation keine andere annehmbare Lösung als die aktive
Beendigung des Lebens gibt.
5. mindestens einen anderen, unabhängigen Arzt zu Rate gezogen haben.

Schweiz:

In der Schweiz praktizieren so genannte Sterbehilfe-Organisationen die Beihilfe zur Selbsttötung.

Aufgaben:
- Was ist in Deutschland grundsätzlich verboten?
- Welche Maßnahmen sind in der Schweiz erlaubt?
- Diskutiere welche Folgen sich durch eine Änderung des Gesetzes in Deutschland ergeben können.
C. Kirchliche Stellungnahme zur Sterbehilfe
Die evangelische Kirche lehnt die aktive Sterbehilfe grundsätzlich ab. Sie argumentiert mit dem
Anspruch jedes Menschen auf ein menschenwürdiges Sterben. Dieses erklärt sie mit dem Aufruf:
Nicht Hilfe zum Sterben, sondern Hilfe im Sterben.

Die Kirche bietet hierfür einige Antworten auf häufig gestellte Fragen:

Oft wird behauptet: Jeder Mensch muss für sich selbst frei entscheiden können, wann er sterben
will. Er hat ein Recht, sein Leben zu beenden.

Antwort der Kirche:

„Wer das Leben nur dann als wertvoll erlebt, solange er unabhängig und frei entscheiden kann, steht in
der Gefahr, jedes durch Behinderung, Krankheit und Siechtum begrenzte Leben abzulehnen.

Zum Menschen gehört aber von Beginn an das Angewiesensein auf andere Menschen. Dies wird
gerade auch in Grenzsituationen immer wieder erfahrbar. Aus dieser Erfahrung heraus ist es eine
wichtige Aufgabe, Grenzen im eigenen Leben anzunehmen.

Nicht Stärke, Gesundheit und Aktivität machen den Wert des Menschen aus. Als Christen glauben wir
daran, daß jeder Mensch bedingungslos von Gott gewollt, bejaht und angenommen ist. In der
Selbsttötung verneint ein Mensch sich selbst. Welche Gründe auch immer dazu führen, keinem
Menschen steht darüber ein Urteil zu. Die Gründe für eine solche Handlung bleiben ebenso wie die
Auswirkungen einer Krankheit im letzten unbekannt. Für einen Christen ist die Selbsttötung eines
Menschen eine enorme Herausforderung: Er kann eine solche Tat im letzten nicht verstehen und muß
sie doch zugleich respektieren. Es gilt, frühzeitig entsprechende Signale wahrzunehmen und
rechtzeitig Hilfen anzubieten.“

Quelle: http://www.ekd.de/EKD-Texte/sterbebegleitung_sterbehilfe_10.html

Anders als zur aktiven Sterbehilfe steht die Kirche zur passiven Sterbehilfe. Hierfür hat sie eine
„christliche Patientenverfügung“ verfasst. Sie dokumentiert den Willen eines Menschen für den Fall,
dass er sich nicht mehr äußern und sein Selbstbestimmungsrecht in Gesundheitsangelegenheiten nicht
mehr wirksam ausüben kann. Diese Patientenverfügung verpflichtet sich in besonderer Weise dem
christlichen Glauben.

Aufgaben:
- Versuche die Antwort der Kirche auf die Frage in eigene Worte zu fassen.
- Welche Stellung hast du zu dieser Frage?
- Sterben ist die letzte große Lebensaufgabe, die der Mensch zu bewältigen hat.
„Jeder Mensch hat Anspruch auf ein menschenwürdiges Sterben.“ Was verstehst
du darunter?
- Diskutiere in diesem Zusammenhang das 1. Gebot: Du sollst nicht töten.
4. Bekannte Fälle von Sterbehilfe
• Emily Gilbert: Die 73-jährige US-Amerikanerin aus Fort Lauderdale (Florida) bat ihren
Ehemann Roswell Gilbert im März 1985 wegen eines unheilbaren Knochenleidens um
Sterbehilfe. Ihr Mann gab ihr zunächst Schmerztabletten und erschoss seine Frau mit einer
Pistole. Der 76-jährige Roswell Gilbert wurde von einem Gericht zu 25 Jahren Haft verurteilt.

• Ramón Sampedro: Der Spanier war 30 Jahre lang mit einem hohen Querschnitt vom Hals
abwärts gelähmt. Seine Geschichte wurde in dem Film Das Meer in mir verfilmt. Dem Spanier
wurde auf seinen Wunsch hin von einer Freundin ein Glas Wasser mit Zyankali so in die Nähe
seines Mundes gestellt, dass er selbst mit einem Strohhalm daraus trinken konnte und daraufhin
starb (1998). Mehrere seiner Freunde zeigten sich selbst der Beihilfe an, woraufhin das
Verfahren eingestellt wurde.

• Terri Schiavo: Eine US-Amerikanerin aus Saint Petersburg (Florida), die bei einem
Zusammenbruch eine durch Sauerstoffmangel ausgelöste schwere Gehirnschädigung erlitten
hatte und sich in der Folge von 1990 bis zu ihrem Tod 15 Jahre lang im Wachkoma befand.
Terris Ehemann klagte seit 1998 durch mehrere Instanzen die Einstellung der künstlichen
Ernährung ein. Dem wurde letztendlich im Februar 2005 statt gegeben.

• Vincent Humbert: Ein Franzose, der seit September 2000 gelähmt und blind war, bat im
Dezember 2002 um Sterbehilfe. Diese wurde ihm von offizieller französischer Seite nicht
gewährt. Seine Mutter spritzte ihm daraufhin im September 2003 Natriumpentobarbital. Er fiel
in ein Koma und von den Ärzten wurden die lebenserhaltenden Maschinen daraufhin
abgeschaltet. Sein Fall führte in Frankreich zu einer Änderung der Gesetzeslage.

• Piergiorgio Welby (* 26. Dezember 1945 in Rom; † 20. Dezember 2006 ebd.) war ein Italiener,
seit seinem 18 Lebensjahr an Muskeldystrophie leidend, der im Jahr 2006 um Sterbehilfe bat.
Diese Hilfe wurde ihm von dem Anästhesisten Mario Riccio am 20. Dezember 2006 gewährt,
nachdem ein Gericht es abgelehnt hatte den Fall zu behandeln. Der später erhobene
Mordvorwurf gegen Mario Riccio wurde von einem Gericht in Rom abgewiesen.

(aus: Wikipedia)

Aufgabe:
- Beschreibe und begründe welchen Fall du besonders gut nachvollziehen kannst.
D. Alternativen zur Sterbehilfe
Sterbebegleitung
Bei der Sterbebegleitung werden Menschen, die sich in der letzten Phase ihres Lebens befinden von
professionellen Begleitern betreut. Das können Ärzte, Schwestern aber auch Pfarrer und freiwillige
Helfer sein. Das Ziel der Sterbebegleitung ist es, den letzten Weg eines Menschen so angenehm wie
möglich zu gestalten und ihm in seiner schweren Lage beizustehen.

Seelsorglicher Beistand
Seelsorgerlicher Beistand
In Deutschland gewährleistet das Grundgesetz den Patienten und Patientinnen in öffentlichen
Krankenhäusern das Recht auf seelsorgerliche Betreuung. Der kranke Mensch kann den Beistand eines
Seelsorgers oder einer Seelsorgerin – möglichst der eigenen Konfession – erbitten. Dieser Beistand
beinhaltet Gespräch, Gebet, Zuspruch und das Angebot der Nähe Gottes im Sakrament des
Abendmahls bzw. in den Sakramenten der Buße, Eucharistie und Krankensalbung.

Hospiz
Die Hospizbewegung möchte schwerstkranke und sterbende Menschen mit ihren Angehörigen so
begleiten, dass neben medizinischer Betreuung auch weiteren körperlichen und seelischen sowie
spirituellen Bedürfnissen angemessen Rechnung getragen wird. Die Hilfe kann ambulant, teilstationär
oder stationär erfolgen. Ambulant unterstützen ehrenamtliche Helferinnen und Helfer die Sterbenden
und ihre Angehörigen in ihrer gewohnten Umgebung. Tageshospize wirken der Gefahr sozialer
Isolierung entgegen und entlasten die pflegenden Angehörigen und Freunde. Stationäre Hospize sind
dort wichtig, wo schwerstkranke und sterbende Menschen ambulant nicht mehr versorgt werden
können und sie auch keiner Krankenhausbehandlung mehr bedürfen.

Aufgaben:
- Erkläre die Begriffe ambulant, teilstationär und stationär.
- Welche Aufgaben hat die Hospizbewegung?
- Diskutiere ob eine Hospizbewegung in unserer Gesellschaft sinnvoll ist.
- Diskutiere warum der seelsorgerische Beistand immer noch sehr in Anspruch
genommen wird.
5. Fragen und Grenzen beim Thema Sterbehilfe
Aufgabe: Nimm Stellung zu folgenden Aussagen

- Wer soll entscheiden wann es sich nicht mehr „lohnt“ eine medizinische Behandlung
weiterzuführen?

- Welche Kriterien sollen bei dieser Entscheidung angewandt werden?

- Wer kann beurteilen, was Lebensqualität im konkreten Fall für diese Person bedeutet?

- Welche Dinge spielen bei der Entscheidung eine Rolle?

- Was würde es bedeuten, wenn sich das Gesetz lockert?

- „Wir haben uns das Leben nicht selbst gegeben, deshalb können wir auch nicht über das Ende
entscheiden“