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Buchvorstellungen Morbus Dei, Advocatus Diaboli, Die Eiswolf-Saga, Die weitere Welt, Theoretisch phantastisch, Scream,
Buchvorstellungen
Morbus Dei, Advocatus Diaboli, Die Eiswolf-Saga,
Die weitere Welt, Theoretisch phantastisch,
Scream, Im Bann der Lilie
Portraits - Aino Laos - Andrä Martyna
Portraits
- Aino Laos
- Andrä Martyna

und natürlich jede Menge Kurzgeschichten, Interviews und tolle Bilder

vorwort

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

irgendwie scheint mir nichts Rechtes für das Vorwort einfallen. Deshalb werde ich es diesmal kurz und knackig halten.

Ihr werdet euch vielleicht wundern, wo das Top-Thema hingekommen ist. Der einfache Grund ist, dass wir ab sofort kein Top-Thema mehr haben werden. Mein vorhandenes Material reicht einfach nicht aus und ich kann so auch besser die vorhandenen Bei- träge verteilen. Sollte sich ein Schwer- punkt abzeichnen, so werde ich das kurzfristig einplanen.

Unser angekündigter Wettbewerb wird nochmals um eine Ausgabe nach hinten verschoben. Wir sind leider nicht so dazu gekommen das Ganze auszuarbeiten, wie wir wollten. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Dafür präsentieren wir euch von der befreundeten Webseite Trekzone.de einen Artikelwettbewerb, bei dem ich in der Jury mitwirken darf. Das Thema des Wettbewerbs lautet: "2012 - Mediale Panikmache oder realisti- sches Szenario?" Um rege Beteiligung wird gebeten :-)

Weihnachten steht kurz bevor (zumindest bei Veröffentlichung des Magazins) und vielleicht sucht der eine oder andere noch ein passendes Geschenk. Da hätten wir für euch einige interessante Buchvorstellungen

hätten wir für euch einige interessante Buchvorstellungen aufbereitet. Möglicherweise ist ja was für euch dabei.

aufbereitet. Möglicherweise ist ja was für euch dabei.

Außerdem gibt es noch Interviews mit dem Autorenteam Bauer/Zach, mit Gabriela Bieber und dem Multitalent Aino Laos. Ein sehr lesenswerter Artikel beschäftigt sich mit der "künstlichen Intelligenz". Und natür- lich wieder jede Menge Kurzgeschich- ten und Bilder.

Freuen dürfte ihr euch auf die Kolum- nen unsers fleißigen Redakteurs Markus Kügle "Der Besserwisser", "Krankes Kino" und "Stiftung Wahr- nehmungstest". Sie sind inzwischen fester Bestandteil des SpecFlash Magazins und ich persönlich möchte sie nicht mehr missen.

Alles in Allem ist es die bisher umfang- reichste Ausgabe, mit 125 prall gefüllten Seiten. Ich hoffe, sie findet euer Gefallen und ihr haltet uns die Treue. Die nächste Ausgabe wird dann pünktlich am 01.April erscheinen.

Allen Mitwirkenden möchte ich herz- lich danken und wünsche ihnen und allen Lesern ein geruhsames Weih- nachtsfest und einen guten Rutsch ins nächste Jahr.

Rainer Schwippl

Chefredakteur

6 Buchvorstellung „Morbus Dei“ 9 Portrait und Interview mit Bauer/Zach 14 Buchvorstellung

6

Buchvorstellung „Morbus Dei“

9

Portrait und Interview mit Bauer/Zach

14

Buchvorstellung „Advocatus Diaboli“

18

Buchvorstellung „Die Eiswolf-Saga“

24

Portrait „Aino Laos“

52

Buchvorstellung „Die weitere Welt“

58

Portrait und Interview mit Gabriela Bieber

61

Kolumne: Krankes Kino

62

Buchvorstellung „Theoretisch phantastisch“

63

Artikel „Künstliche Intelligenz“

81

Kolumne: Der Besserwisser

82

Buchvorstellung „Scream“

84

Rezension „Erbin des Schicksals“

86

Rezension „Rückkehr ins Wunderland“

98

Comic „Kopflos“

106

Rezension „Locke & Key, Bd. 1“

110

Portrait „Andrä Martyna“

119

Buchvorstellung „Im Bann der Lilie“

inhalt

119 Buchvorstellung „Im Bann der Lilie“ inhalt 12 1001 Nacht von Carola Kickers 36 Begenungen

12

1001 Nacht

von Carola Kickers

36

Begenungen - Teil 3

von Michael Köckritz

72

Gorons erster Einsatz

von Andreas Blome

87

Die Seele jenseits des Metalls

von Kai Krzyzelewski

108

Der schöne Fremde

von Andrea Tillmanns

114

Schöne Bescherung

von Andrea Tillmanns

Tillmanns 114 Schöne Bescherung von Andrea Tillmanns 2 Vorwort 3 Inhaltsverzeichnis 4 Script-O-Meter 117

2 Vorwort

3 Inhaltsverzeichnis

4 Script-O-Meter

117

Wettbewerb

120

Veranstaltungen

121

Künstlernachweis

125

Impressum

4 Script-O-Meter 117 Wettbewerb 120 Veranstaltungen 121 Künstlernachweis 125 Impressum

script-o-meter

von Markus Kügle

Stiftung

Wahrnehmungstest

Wo bleibt die Spekulative Fiktion im Winter? Hier, bei uns!

Ungewohnte Perspektiven! Originelle Sichtweisen!! Das wollen LeserInnen fantastischer Kurzgeschichten und das kriegt sie. Denn genau dafür steht SpecFlash schließlich mit seinem guten Namen. Diesmal gehören eine märchenhafte Dichtung, ein gruseliges Prosastück und gleich zwei utopische Fiktionen zu den ausgewählten Texten. Und das ist noch nicht alles! Passend zum Frohen Fest gibt es noch als Geschenk eine fantastische Satire.

Um einen Aufstieg in höhere Sphären geht es bei Andrea Tillmanns, die mit ihrem schönen Fremden eine parabelhafte Romanze aus dem (Be)Reich graziler Fabelwesen erzählt. Die Elfeline Celusa will das Fliegen lernen und es scheint, als würde sie damit nicht nur den Erdboden, sondern auch gleich das Stadium ihrer Adoleszenz hinter sich zurück lassen. Tieferer Sinn in einem romantisch geschilderten Mikrokosmos also. Und die Flügel der Elfen glänzen dabei im Sonnen- strahl wie flüssiges Gold …

„Planet panic attack“ lautet derweil das Motto bei Andreas Blome. Der schickt den tentakelösen Goron zu seinem ersten Einsatz – hoffentlich war es nicht der Letzte! Vereinzelt mit dem Flair der 80er Jahre, was nicht nur am „Soundtrack“ von Jackos Thriller liegt, sondern auch an den typischen SF-Szenarien dieser Zeit, bekriegen sich Schwarze Söldner, Battle-Techs und Mechs auf dem Planeten Magara. Deswegen ist eine Hilfsaktion in diesem Krisengebiet auch dringend vonnöten. Und die findet auch überaus beeindruckend statt. Da soll(te) sich die UNO mal eine Scheibe von abschneiden.

Währenddessen entdeckt Kai Krzyzelewski ein paar Lichtjahre entfernt in einer beinahe unheimlichen Begegnung der dritten Art eine menschliche Seele jenseits des Metalls. Der tüchtige Soldat Major Leonard Hibrow macht im berüchtigten AmbrOasiS-System eine Entdeckung, wie sie sich Stanislaw Lem nicht hätte metaphysischer ausdenken können. outer space wird eben immer mehr zum inner space: Betont eindringlich belegt dieses schriftliche Zeugnis über den (ersten) Kontakt die Erkenntnis, dass wahrhaft große Mysterien nicht nur in fremden, fernen Welt(räum)en zu finden sind, sondern in uns, in den Untiefen des eigenen Bewusstseins.

Allerdings fällt der aktuelle Zeitbezug auch nicht vollkommen unter den Gabentisch. Schließlich haben wir bald Weihnachten! Darum wünscht uns Andrea Tillmanns auch lakonisch eine Schöne Bescherung. Wobei ihr Fest eher roh, als froh ist - zumindest aus der Sicht einer Tanne, die sich bei näherer Betrachtung dann doch als Fichte herausgestellt hat. Mit trockenem Humor werden die grotesken Auswüchse dieses alljährlichen Rituals zutage gefördert und zudem gibt es noch sehr amüsant den Deko-Tip, dass roter und silberner Firlefanz als Baumschmuck nicht zu einem

und zudem gibt es noch sehr amüsant den Deko-Tip, dass roter und silberner Firlefanz als Baumschmuck

script-o-meter

von Markus Kügle

goldenen Stern auf der Spitze passen. Kein Wunder also, wenn die Tanne anschließend die Schnauze voll hat … Diese Geschichte ist ein Muss für jeden Weihnachtsmuffel, denn von Andrea T. fühlt er sich garantiert verstanden.

Ganze 451° Fahrenheit auf dem Script-O-Meter erreicht hat diesmal allerdings Carola Kickers mit ihrer Geschichte von „1001 Nacht“. Subtiler Grusel, überaus elegant geschrieben, der clever mit den Erwartungen des Lesers spielt (das beginnt schon beim Titel!) und bestehende Konven- tionen geschickt gegen den Strich bürstet. Denn viele Dinge sind nicht mehr dieselben, wenn man sie von der anderen Seite betrachtet …

© Maike Gerstenkorn
© Maike Gerstenkorn

buchvorstellung

Morbus Dei von Matthias Bauer und Bastian Zach

Morbus Dei von Matthias Bauer und Bastian Zach Ein Buch wie ein guter Film: Matthias Bauer

Ein Buch wie ein guter Film: Matthias Bauer und Bastian Zach erzählen eine Geschichte voller Spannung, Dramatik und Emotionen, eingebettet in die dichte Atmosphäre von Aberglaube, Bedrohung und Furcht.

Ein einsames Bergdorf vor 300 Jahren: Von einem Schneesturm überrascht, verschlägt es den Deserteur Johann List in diese abgeschie- dene, von Furcht und Aberglaube beherrschte Gegend. Schnell ist ihm klar, dass mit dem Dorf etwas nicht stimmt, dass ein düsterer Schatten über den Bewohnern liegt - Tiere werden getötet, Menschen verschwinden, vermummte Gestalten lauern in den finsteren Wäldern.

Als Johann sich in die Tochter eines Bauern verliebt, beschließt er, mit ihr das Dorf zu verlassen. Doch noch bevor sie verschwinden können, eskaliert die Situation und ein Kampf auf Leben und Tod beginnt

HAYMONtaschenbuch 46, Haymon Taschenbuch Verlag 2010, 296 Seiten, € 9.95, ISBN 978-3-85218-846-1 http://www.haymonverlag.at/haymontb/buch

Meine Meinung:

Ich bin zwar erst bei der Hälfte des Romanes angekommen, aber da sich der Erscheinungstermin des Magazins mit riesigen Schritten nähert, werde ich euch meine bisherigen Eindrücke schildern. Die Geschichte spielt in Tirol vor 300 Jahren, wobei nicht genau geschrieben steht wo. Ein Hinweis liefert eine kleine Textstelle, wo der Ort Schwaz erwähnt wird. Da ich schon einige Male an Schwaz vorbei gefahren bin, kann ich mir die Umgebung sehr gut vorstellen. Alles ist sehr authentisch beschrieben und man kann sich sehr gut in die logisch handelnden Akteure hinein versetzen. Die Spannung baut sich kontinuierlich auf und man fiebert mit, was wohl als nächstes passieren wird. Wie ein Damoklesschwert hängt das hintergründige Grauen über der ganzen Szenerie, bereit herab zu stossen und die Menschen hinweg zu fegen. Ein kleiner Minuspunkt ist meiner Meinung nach die fehlende Erklärung für einige österreichische Ausdrücke. Man kann es sich zwar größtenteils zusammenreimen, aber dennoch wären Fussnoten oder ein Glossar schön gewesen. Wie gesagt bin ich erst bei der Hälfte des Romans, möchte aber trotzdem 8 von 10 Punkten vergeben, in der Hoffnung, dass der Rest der Geschichte so weitergeht, wie sie angefangen hat. Klare Kaufempfehlung. Rainer Schwippl

Hoffnung, dass der Rest der Geschichte so weitergeht, wie sie angefangen hat. Klare Kaufempfehlung. Rainer Schwippl

Leseprobe 1:

Ein kleines, tief verschneites Dorf tat sich vor Johann auf, wie eins dieser tragbaren Dioramen, die er einmal bei einem Schausteller gesehen hatte, vor langer Zeit.

Die Höfe des Dorfes waren alt und verwittert, rußgeschwärzt und schmucklos, und sie schienen sich vor der klirrenden Kälte und den weißen, schroffen Bergen, die sie umgaben, zu ducken. Die massiven Eiszapfen zeugten davon, dass der Winter mittlerweile alles fest im Griff hatte. Rauch quoll aus den Schornsteinen, aber keine Men- schenseele war zu sehen, und über allem lag Stille, noch unmittelbarer als in der Kammer, noch beunruhi- gender.

Johann sah sich um: Die Wälder hinter dem Dorf kletterten steil den Berg hinauf, die Baumgrenze war wegen der tief hängenden Wolken nicht auszumachen. Der Talkessel wirkte bedrückend, Johann kam sich vor wie in einer Falle. Nur Menschen wählen einen solchen Platz, dachte er, kein Tier würde sich freiwillig in die Ecke zwängen.

Langsam ging er den Weg ent- lang, der zwischen den Häusern hindurchführte. Seine Schritte knirschten auf dem hart gefrore- nen Schnee, ein Geräusch, unna- türlich laut, fast störend. Als Johann die Häuser auf beiden Seiten näher betrachtete, blieb er unwillkürlich stehen: Wieder

buchvorstellung

Morbus Dei von Matthias Bauer und Bastian Zach

starrten ihn Symbole an – diesel- ben wie an der Decke der Kammer und am Heustadl –, tief in die Balken über Türen und Fenster geschnitten, manchmal mit roter Farbe verstärkt.

Sie zogen ihn geradezu hypno- tisch an, ließen ihn den eisigen Wind, der plötzlich aufkam, nicht spüren, obwohl er sein Gesicht brennen und seinen Atem gefrie- ren ließ …

Johann musste sich fast gewalt- sam losreißen, zwang sich weiter- zugehen. Mittlerweile wurde es dunkler, die letzten Sonnenstrah- len verschwanden hinter den schroffen Bergen. Johann beschleunigte seine Schritte; irgendetwas an diesem Dorf, an den Bergen, an der Stille war unheimlich. Er hatte sich immer auf seine Sinne und seinen Instinkt verlassen können, und sie sagten ihm nur eines, seit er durch das Dorf schritt.

Verlass diesen Ort so schnell wie möglich.

Leseprobe 2:

Die Sonne stand schon tief, und obwohl es schneidend kalt war, dachte noch niemand daran, das Fest zu beenden. Mittlerweile hatten alle gegessen, die Kinder rutschten auf der Wiese herum, immer im Auge ihrer Mütter. Die Männer tranken Schnaps und rauchten.

Dann hörten sie es.

Alle verstummten.

Etwas heulte aus den Wäldern herab. Es war ein unheimlicher, klagender Laut, der an- und abschwoll und in den Ohren wehtat.

Johann konnte das Heulen nicht einordnen. Ein Wolf? Aber dafür war es fast –

Plötzlich begann eines der kleinen Kinder zu weinen. Der Laut aus den Wäldern brach ab, die Mutter nahm das schreiende Kind in den Arm. Alle fingen wieder an zu sprechen, aber sehr gezwun- gen, die gute Stimmung war dahin. Die Frauen begannen, die Tische abzuräumen.

Das Fest war zu Ende.

Johann blickte in die Wälder hinauf, aus denen das Heulen gekommen war. Glitzernd weißer Schnee, eisblauer Himmel, der sich jetzt in der Dämmerung langsam orange färbte – eine schöne Sze- nerie, über die sich schlagartig ein Schatten gelegt hatte.

Ein Schatten, der die Berge feind- lich und den Schnee tödlich kalt wirken ließ.

Der imstande war, einem ausge- lassenen Fest binnen weniger Momente alles Leben auszusau- gen.

Ein Schatten – den zu kreuzen Johann gezwungen sein würde, das wusste er plötzlich instinktiv.

auszusau- gen. Ein Schatten – den zu kreuzen Johann gezwungen sein würde, das wusste er plötzlich

buchvorstellung

Morbus Dei von Matthias Bauer und Bastian Zach

Er fröstelte unwillkürlich, dann ging er zu den anderen, um beim Abbau der Stühle und Bänke mitzuhelfen.

Leseprobe 3:

Die dichten Nadelbäume ließen nur wenig Licht durch, dafür schützten sie vor dem tobenden Sturm. Immer wieder sauste eine Ladung Schnee von den Wipfeln, die vom Wind gebeutelt wurden, und ergoss sich auf den Waldbo- den und die Männer.

Die Formation des Trupps hatte sich aufgelöst, die Männer suchten sich jeder selbst einen Weg durch die verkrüppelten Bäume. In regel- mäßigen Abständen blieben die Soldaten im verspießten Wurzel- werk hängen, das von einer dünnen Schneeschicht hinterhältig getarnt war, und stürzten fluchend zu Boden. Die Bauern hingegen stiegen über alle unsichtbaren Fallen hinweg, sie waren das Auf- steigen im Winterholz gewohnt.

"Eure Soldaten werden sich noch alle Knochen brechen", stichelte Riegler in Richtung des Komman- danten.

stichelte Riegler in Richtung des Komman- danten. doch besser –" "Halt's Maul, Bauer!"

doch

besser –"

"Halt's Maul, Bauer!" Missbilli- gend beobachtete der Komman- dant seine Männer, ärgerte sich über ihre Ungeschicklichkeit.

Der Nebel wurde immer dichter, bis die Sicht kaum mehr als zehn Schritte betrug. Der alte Albrecht sah besorgt in die weiße Wand vor ihnen. "Ich werd vorauslaufen, sonst rennen wir hier noch in einen Hinterhalt."

"Ist gut, Albrecht", entgegnete der Kommandant, "aber lass dich nicht überraschen."

Der Adjutant nickte knapp, dann eilte er davon und wurde von der Nebelwand verschluckt.

Albrecht blieb stehen, blickte hinter sich. Das Knacken bre- chenden Holzes und das Klirren des Kampfgeschirrs verrieten auch einem Blinden, dass hier ein Trupp im Anmarsch war.

Er schüttelte den Kopf. Sollte sie da oben wirklich das Unaussprech- liche erwarten, wie es die Bauern beteuerten, dann würden sie sich schon von weitem verraten.

"Vielleicht

sollten

wir

Aber in den Wäldern vor ihnen war nichts, davon war Albrecht überzeugt. Märe und Aberglaube, die mit der Zeit immer mehr auf- gebauscht wurden, waren eine Spezialität der Landbevölkerung.

Und wenn sie nichts finden würden – Albrecht wusste, dass sein gesamter Trupp des Totschla- gens müde war, aber wahrschein- lich würde der Kommandant ein Exempel statuieren.

Statuieren müssen.

Albrecht blickte wieder nach vorn, stutzte: Undeutlich konnte er etwas im Nebel erkennen, es schien zwischen den Baumgrup- pen vor ihm zu hängen … Er beschleunigte seine Schritte, umfasste seinen Säbel.

sich.

Bäume. Und dazwischen –

Der alte Kämpfer, der schon so viel gesehen hatte, blieb stehen, sein Säbel fiel in den Schnee.

Das Unaussprechliche war einge- treten.

Umrisse

verdichteten

© 2010 Zach / Bauer

portrait / interview

portrait / interview Bastian Zach Die Autoren: Bastian Zach, geboren 1973 in Leoben, Grafik- Designer, seit
Bastian Zach Die Autoren: Bastian Zach, geboren 1973 in Leoben, Grafik- Designer, seit 2007 Schnitt-

Bastian Zach

Die Autoren:

Bastian Zach, geboren 1973 in Leoben, Grafik- Designer, seit 2007 Schnitt- & Synchronregis- seur.

Matthias Bauer, geboren 1973 in Lienz. Studium der Geschichte und Volkskunde in Innsbruck, Tätigkeiten im Verlags- und Ausstel- lungsbereich sowie in der Erwachsenenbil- dung.

Gemeinsam produzierten Matthias Bauer und Bastian Zach die preisgekrönten Kurzfilme „ausWEG“ (2001) und „[infinite]“ (2002) sowie den Spielfilm „3 Zimmer, Küche, Tod“ (2006).

„ausWEG“ (2001) und „[infinite]“ (2002) sowie den Spielfilm „3 Zimmer, Küche, Tod“ (2006). Matthias Bauer

Matthias Bauer

Interview mit Bastian Zach/Matthias Bauer

Nach dem gemeinsamen Film „3 Zimmer, Küche, Tod“ nun der gemeinsame Roman „Morbus Dei“. Was dürfen wir als nächstes erwarten? Haben Sie sich schon festgelegt, ob Sie mehr in Richtung Spielfilm oder mehr in Richtung Literatur weitermachen?

Bauer: „3 Zimmer“ ist ja schon ein paar Jahre her, wir haben uns seitdem aufs Schreiben konzentriert. Eine Fortsetzung zu unserem Debütroman „Morbus Dei:

Die Ankunft“ ist in Arbeit, die Dreharbeiten zum schweizerisch-österreichischen Horrorthriller „One Way Trip 3D“ – zu dem wir das Drehbuch verfasst haben – sind seit kurzem erfolgreich abgeschlossen, und wir entwickeln ein neues Drehbuch für eine große, internationale Kinoproduktion. Es läuft also zur Zeit sehr gut.

Zach: Andererseits – wer weiß, was kommt. „Morbus Dei“ z.B. hätte mit seiner Geschichte und seinen visuellen Schauwerten großes Potential für einen Kinohit. Aber dieser Kinohit würde ein hohes Budget benötigen, denn ein Historienfilm im Winter ist nun einmal sehr teuer. Das müsste eine internationale

Koproduktion sein, und so etwas zu realisieren dauert normalerweise Jahre. Aber wenn die richtigen Bedin- gungen da sind… wir stehen bereit.

Hat die Zusammenarbeit an dem Film so gut funktio- niert, dass Sie damals spontan ein weiteres Projekt angefangen haben, oder war „Morbus Dei“ schon länger geplant?

Zach: Nein, „Morbus Dei“ hat schon eine längere Entstehungsgeschichte. Wir haben vor „3 Zimmer.Küche.Tod“ die Kurzfilme „ausWEG“ und „[infinite]“ gedreht. Nach „[infinite]“ wollten wir Spielfilme machen, und so haben wir die Idee zum historischen Mystery-Thriller „Morbus Dei“ – damals noch unter dem Titel „Morbus Sanguinis“ – entwi- ckelt. Aus der Idee „Morbus Sanguinis“ wurde nach mehreren Überarbeitungen ein Treatment namens „Morbus Dei“. Eine Produktionsfirma hatte damals auch Interesse, aber nachdem wir das Drehbuch geschrieben hatten, wurde das Projekt von den Filmförderungen leider abgelehnt.

Bauer: Aber wie es mit manchen Ideen ist – sie lassen einen nicht los, wollen raus aus der Schublade. Also haben wir uns gesagt: gut, als Film hat „Morbus Dei“

lassen einen nicht los, wollen raus aus der Schublade. Also haben wir uns gesagt: gut, als

portrait / interview

portrait / interview nicht funktioniert, warum nicht als Buch? Also haben wir verschie- dene Verlage angefragt,

nicht funktioniert, warum nicht als Buch? Also haben wir verschie- dene Verlage angefragt, ob Inter- esse an „Morbus Dei“ als Roman bestünde. Das Interesse war da, in der Folge haben wir das Drehbuch „Morbus Dei“ zu einem Roman umgearbeitet. Acht Jahre nach der ersten Idee war es dann soweit – der renommierte österreichische Haymon-Verlag hat „Morbus Dei:

Die Ankunft“ veröffentlicht.

Wie muss man sich das gemein- same Schreiben an „Morbus Dei“ vorstellen? Hat einer den Plot geliefert und der andere hat den Roman geschrieben, oder haben Sie die verschiedenen Abschnitte aufgeteilt?

Zach: Wir gehen immer gleich vor. Zuerst überlegen wir uns grob den Storyverlauf, dann teilen wir uns das Buch auf. Jeder schreibt seine Sachen, dann schicken wir uns die Teile gegen, überarbeiten / kom- mentieren das, schicken das wieder dem anderen, das geht so lange, bis wir eine erste Fassung erarbeitet haben, mit der wir zufrieden sind.

Bauer: Diese erste Fassung glei- chen wir dann zum Schluss noch einmal auf eventuelle Stilunter- schiede ab, und dann geht das Manuskript ins Verlagslektorat. Dieses Lektorat ist eminent wich- tig, denn der Lektor hat den Blick von außen, ist objektiv und streng, was man als Autor ab einem gewis- sen Zeitpunkt nicht mehr ist.

man als Autor ab einem gewis- sen Zeitpunkt nicht mehr ist. Welche Vorbilder haben Sie im

Welche Vorbilder haben Sie im filmischen, literarischen und priva- ten Bereich?

Zach: Ich mag, generell gespro- chen, alles, was mich bewegt und nicht mehr los lässt. Das können packende Erzählstrukturen wie beim Film „Old Boy“ sein, oder neue Welten wie bei „Star Wars“ oder auch „Avatar“. Das betrifft übrigens auch Bücher, ich denke da an „Herr der Ringe“ oder, etwas skurriler „Der Rumpf“. Im privaten Bereich meine Familie, die immer an mich geglaubt hat.

Bauer: Von filmischen Vorbildern kann man jetzt nicht direkt spre- chen, aber mich beeindrucken, Regisseure, die, salopp gesagt, ihr Ding kompromisslos durchziehen und damit ein vielleicht nicht immer makelloses, aber dafür her- vorstechendes Werk geschaffen haben. Sam Peckinpah, Stanley Kubrick und James Cameron z.B. – in deren Trackliste finde ich kaum Aussetzer.

Literarisch kann ich an dieser Stelle nur einige Autoren nennen, die mir immer sehr gefallen haben, Vor- bilder wäre ebenfalls zu viel: J. D. Salinger, Edgar Allen Poe, Franz Kafka, H. P Lovecraft, Charles Bukowski, Bret Easton Ellis, Stephen King.

Privat - meine Eltern, die immer hinter ihren vier Kindern standen und sie ermutigten, ihren Weg zu gehen, aber auch den Weitblick und die nötige Strenge besaßen,

Köpfe zurecht zu rücken, wenn es angebracht war.

Der Titel „Morbus Dei“ (übersetze ich mal mit „Krankheit Gottes“) und das Symbol, welches auch im Roman eine Rolle spielt, dürfte wohl von „Opus Dei“ abgeleitet worden sein. In wie weit haben Sie die kirchliche Organisation zur Vorlage genommen?

Zach: Auch wenn es die Ähnlich- keit vielleicht suggeriert, spielt der Begriff nicht auf „Opus Dei“, sondern auf einen zentralen Teil der Geschichte an.

Bauer: „Morbus Dei“, die „Krankheit Gottes“, ist das Herz der Story – mehr können wir aus Rücksicht auf alle, die das Buch noch nicht gelesen haben, nicht verraten.

Geht man als Schriftsteller mit an- deren Augen durchs Leben? Schaut man sozusagen schon, was man für einen Roman verwenden kann?

Zach: Bisher war es bei uns eher so, dass uns die Ideen und Stoffe für unsere Projekte einfach einge- fallen sind bzw. wir sie auf Auftrag entwickelt haben. Unterbewusst "sammelt" man aber sicher vieles ein.

Bauer: Hie und da macht es aller- dings sofort klick. Im Fall von "3 Zimmer.Küche.Tod" hat z.B. mei- ne Schwester dringend nach einer neuen Wohnung gesucht, weil im Haus unerträglicher Baulärm war. Und auf einmal war die Frage da,

portrait / interview

wie weit jemand für eine coole Wohnung gehen würde - und "3 Zimmer.Küche.Tod" was born

Überlegt man sich während des Schreibens, wie der potentielle Le- ser das Geschriebene wahrnimmt?

Bauer: Im Hinblick auf die Origina- lität und Schlüssigkeit des Ge- schichte auf alle Fälle.

Zach: Was die Story an sich, Stim- mung, Action, Gefühl etc. angeht - wir schreiben das, was wir eben- falls gern lesen würden, von dem her nehmen wir an bzw. hoffen wir - ziemlich vermessen, ich weiß -, dass wenn uns das Geschrie- bene gefällt, es auch dem Leser gefällt.

uns das Geschrie- bene gefällt, es auch dem Leser gefällt. Auf welchen Convents kann man Sie

Auf welchen Convents kann man Sie im nächsten Jahr einmal Live erleben?

Zach: Convents stehen im Mo- ment keine an, aber vielleicht er- gibt sich ja noch etwas.

Bauer: Ansonsten finden zwei Lesungen in Innsbruck statt, im März 2010. Alle Infos dazu gibt es auf unserer Morbus Dei-Facebook- Seite.

Welches Buch und welchen Film können Sie unseren Lesern emp- fehlen?

Zach: „The Road“ und „Pan’s Lab- yrinth“

Bauer: „The Catcher in the Rye“ und „Star Wars”.

Gibt es etwas, was Sie schon immer mal der Menschheit mittei- len wollten?

Zach: Dranbleiben und nie aufge- ben – dann klappt’s.

Bauer: Dem kann ich nichts mehr hinzufügen.

Vielen Dank für dieses Interview

© Dino Muhic
© Dino Muhic

kurzgeschichte

1001 Nacht (auf der anderen Seite) von Carola Kickers

Jede Nacht höre ich die Stim- men. Im Flüstern der Blätter unter meinen Schritten, im Hauch des Windes. Mich lockt der Lidschlag der zuckenden Neonlichter, die ich jenseits der großen Bäume sehen kann. Leise Musik dringt von Ferne an mein Ohr. Unbewusst habe ich zu laufen begonnen, immer den gleichen Weg, jede Nacht.

Die Schatten um mich herum scheinen zu atmen. Der gleiche Atem, der von meinen Lippen quillt. Feiner Nebel bedeckt den Boden, umwebt die Baumstämme und Steine wie ein feines Netz, das ebenfalls zu atmen scheint. Wenn ich mich umschaue, blicke ich in die Dunkelheit, in ein Nichts, das mich zu verschlingen droht, aber ich bin ein Teil dieser Dunkelheit.

Ich bin viel zu spät noch unter- wegs im Park. Hier werde ich keinen Menschen mehr finden. Die Tore sind bestimmt schon längst geschlossen. Ein paar Vögel fliegen erschreckt aus den Wipfeln der alten Bäume hoch. Die Sehnsucht treibt mich weiter. Gleich kann ich das schmiedeeiserne Tor sehen. Es ist verschlossen – wie jede Nacht um diese Zeit. Verzweifelt rüttle ich daran, aber es bewegt sich nicht. Ich sinke auf die Knie. Am liebsten würde ich weinen, aber ich habe schon lange keine Tränen mehr. Ich fühle mich so hilflos. Hinter diesem Tor liegt alles was ich brauche, liegt mein ganzes Leben! Und bald wird der Morgen dämmern.

liegt mein ganzes Leben! Und bald wird der Morgen dämmern. Ich weiß nicht, wie lange ich

Ich weiß nicht, wie lange ich schon hier bin. Alles was mir geblieben ist, sind die Erinne- rungen. Manchmal dringt etwas Licht durch meine geschlossenen Lider, ich versuche, die Augen zu öffnen, aber sie sind bleischwer. Dabei möchte ich doch gar nicht mehr schlafen! Warum haben sie mich damals nicht einfach liegen gelassen?

Ich wünschte, sie würden endlich aufhören, dieses unnütze Zeug jeden Tag in meinen Magen zu pumpen. Alles, was ich brauche, erhalte ich durch die Nadel in meinen Venen. Die Stimmen an meinem Ohr, das monotone Piepen der Geräte sind mir so vertraut geworden. Einige Stimmen kann ich unterscheiden. Der Arzt, der mich behandelt, klingt immer nüchtern und sach- lich. Die Schwester eher mitleidig und besorgt. Was sie genau tun, weiß ich nicht. Sie beobachten mich.

* * *

»Wie lange ist sie nun schon hier?«, fragte Schwester Nadine den Arzt, der seinen aktuellen Befund schrieb.

»Ungefähr drei Jahre«, antwor- tete dieser ungerührt.

»Gibt es überhaupt noch Hoff- nung? Sie hat doch nicht einmal Angehörige, die sie besuchen.«

Doktor Lehmann blickte kurz auf,

zögerte. »Nein, niemand hat in der

nach

ganzen

gesehen

Zeit

ihr

soviel ich weiß. Als man sie fand, hatte sie nicht einmal Papiere bei sich. Man hielt sie für eine Obdach- lose.«

Der Arzt schrieb seinen Bericht zu Ende, bevor er fortfuhr:

»Manchmal dauert es Jahrzehnte, bis jemand aus einem Koma erwacht. Aber in diesem Falle« – er wandte sich zu der Schlafenden mit dem fixierten Tubus im Mund. Die Haut der Patientin war fast so bleich wie das Laken, auf dem sie lag. »In diesem Falle habe ich kaum noch Hoffnung. Das Blutbild verbessert sich nicht, trotz aller Medikationen. Organisch ist sie absolut gesund bis auf diese fort- schreitende Anämie, für die wir keine Erklärung finden können. Vielleicht war es der Schock, als sie damals auf dem Friedhof von einem Tier angefallen wurde.«

Schwester Nadine zog noch einmal die Bettdecke der Patientin zurecht. »Die Wunde ist so klein, aber sie verheilt nicht richtig. Nor- malerweise dürfte längst nichts mehr davon zu sehen sein«, bemerkte sie und wies auf den Verband am Hals, der sich jeden Morgen blutig verfärbt hatte. »Irgendetwas verhindert die Gerinnung«, gab Dr. Lehmann zu, »aber das ist nicht der Grund für ihre kontinuierliche Blutarmut. Wir werden sie verlieren, trotz der täglichen Infusionen.«

* * *

Endlich! Diesmal habe ich es geschafft. Ich habe den Ausgang erreicht, noch bevor das Tor geschlossen wurde. Ich bin frei! Jetzt kann ich zurückkehren in die Dunkelheit und mich endlich wieder selbst versorgen.

* * *

»Arme Kleine«, sagte Schwester Nadine leise, als sie vom Ableben

kurzgeschichte

1001 Nacht (auf der anderen Seite) von Carola Kickers

ihrer Koma-Patientin erfuhr. Der Arzt nickte stumm.

»Da sie keine Angehörigen hat und wir nicht wussten, welcher Religion sie angehört, werden wir sie morgen bereits bestatten las- sen«, sagte er dann.

»Dann liegt sie ja in ungeweihter Erde«, meinte die Krankenschwes- ter, die katholisch erzogen worden

war. Doktor Lehmann zuckte die Schultern.

»Was macht das schon, sie wird schon nicht wieder kommen«, schmunzelte er.

* * *

Eure ewige Ruhe ist mein ewiges Leben…

© Mustafa Gölbasi
© Mustafa Gölbasi

buchvorstellung

ADVOCATUS DIABOLI - Hrsg. Alisha Bionda

buchvorstellung ADVOCATUS DIABOLI - Hrsg. Alisha Bionda ADVOCATUS DIABOLI Hrsg. Alisha Bionda Edition Roter Drache
ADVOCATUS DIABOLI Hrsg. Alisha Bionda Edition Roter Drache Anthologie - Düstere Phantastik Fester Einband, 336

ADVOCATUS DIABOLI Hrsg. Alisha Bionda

Edition Roter Drache Anthologie - Düstere Phantastik Fester Einband, 336 Seiten 20.00 EUR ISBN: 9783939459224

Cover- und Innengrafiken Andrä Martyna. Buchumschlag: Atelier Bonzai

Die schönste List des Teufels ist,

uns zu überzeugen, dass es ihn nicht gibt

Charles Baudelaire

Der „Advocatus Diaboli“ hat die Literatur, aber auch die Film- und Musiklandschaft (z.B. durch die gleich- namige Gothic-Wave-Combo) schon immer belebt und inspiriert – auch mich. So lag es nahe, ihn einmal zum Dreh- und Angelpunkt einer Anthologie zu machen. Diese sollte mit düster-phantastische Kurzgeschichten aus Sicht eines Täters, der sich bei dem Teufel für einen Platz im Hades „bewirbt“ und ihm als „Qualifikation“ seine Greueltat schildert, aufwarten.

Wichtig war es mir als Herausgeberin, sich möglichst von den üblichen Klischees zu entfernen.

Daraus resultiert die jüngst erschienene ADVOCA- TUS DIABOLI (Hrsg. Alisha Bionda - Edition Roter Drache - Anthologie - Düstere Phantastik - Hardco- ver - 336 Seiten - 20.00 EUR - ISBN: 978393945922 - Oktober 2010), in edler Aufmachung, einem künstlerischen Layout und einer Grafik von Andrä

einem künstlerischen Layout und einer Grafik von Andrä Martyna vor jedem Text. Den Buchumschlag gestal- tete

Martyna vor jedem Text. Den Buchumschlag gestal- tete das Atelier Bonzai.

Kein Partner hätte für dieses Projekt geeigneter sein können als die “Edition Roter Drache”, dem Fach- verlag für magische und okkulte Literatur, der mit mir in seinem Programm das erste Projekt im erzählerischen Sektor umsetzte.

Ein illustrer Autorenkreis der Phantastik ist, den Höllen sie Dank, meinem Ruf gefolgt und gibt den Lesern Antwort auf folgende von mir gestellte Fragen:

Was befähigt eine Seele Aufnahme in der Hölle zu finden?

Womit kann man den Fürst der Finsternis dazu bewegen ihr Einlass in den Hades zu gewähren?

Sind es besonders perfide Verbrechen?

Oder eher die subtilen Greueltaten?

Mit „Die Vernunft im Blute“ verfasste Marc-

Alastor E.-E., Mitbegründer und Sänger der Dark- Metal Band »Spectre Dragon und Schöpfer des Dark Fantasy-Epos’ GEISTERDRACHE, den längsten Text, der die Leser schon durch den ungewöhnlichen Stil des Autors in eine andere Zeit oder Welt entführt – und für Atmosphäre sorgt

Der Oberste Infernalische Gerichtshof wird einbe- rufen und hört an die Stimme des Doktor von Wimmer, einem verruchten Verführer, Betrüger, Opportunisten und Beihelfer zu hundertfachem Mord durch die Vampirprinzessin Eleonore von Schwarzenberg. Wird er alsdann verurteilt und zum Höllendienst verpflichtet, ist seinem Ansin- nen wohl entsprochen. Oder ist es gar möglich, dass man das Höllische Gericht höchstselbst be- trog.

Ich habe Marc-Alastor E.-E. jetzt nach Erscheinen des Werkes zu seiner Beteiligung an ADVOCATUS DIABOLI befragt:

Was hat Dich an der Thematik der Anthologie gereizt?

Da ich mein Autorendasein mit okkulten Themen begonnen habe und mich das Verarbeiten meines Wissens zu erzählerischen Texten reizte, fühlte ich mich bei den thematischen Konventionen zu dieser Anthologie sehr an meine Anfangstage erinnert. Außerdem reizte mich insbesondere auch der Verlag.

Erzähl doch bitte in wenigen Worten worum es in Deiner Novelle geht.

Um einen gewieften Manipulator, der nur mit Hilfe übelster Betrügerei seinen Sitz in der Hölle zu ergaunern gedenkt, denn eigentlich will der Teufel gerade ihn nun überhaupt nicht in seinem Reich

Wie sagt Dir die Aufmachung zu?

Ich war sehr begeistert von dem Papier, dem Einband und dem gesamten Design, denn es ist selten geworden, dass all diese Äußerlichkeiten derart stimmig sind und mit dem Inhalt des Buches eine Einheit bilden.

buchvorstellung

ADVOCATUS DIABOLI Hrsg. Alisha Bionda

Soviel also zu und von dem Autor des Zentraltextes dieser Anthologie.

Eingebettet ist die stimmungsvolle Novelle von Marc-Alastor E.-E. in unterschiedlichste Kurzge- schichten, zu deren Inhalt ich ebenfalls einige Worte verlieren möchte – ebenso zu den Autoren, die sie verfasst haben, damit sich der geneigte Leser in spe einen ersten Einblick verschaffen kann – und schon einen Schritt Richtung Höllenpforte gesetzt hat.

„Unlicht“

Sie sagen, wenn ein guter Mensch stirbt, sieht er ein grelles Licht von magnetischer Anziehungskraft. - Aber Patient 2308 ist kein guter Mensch. Er ist ein erbarmungsloser Auftragskiller. Und böse Menschen stürzen ins Unlicht

Ascan von Bargen machte sich seinen Namen in der düsteren Phantastik aber auch im Hörspielbereich. Jüngst steuerte die finnische Symphonic Metal Band “Nightwish” für seine Vatikan-Thriller-Hörspielserie »Insignium - Im Zeichen des Kreuzes« ihre Hit-Single »Amaranth« als Titelsong bei.

„Poison Eve“

Vor Satans Thron erscheint eine junge Frau. Ihr Begehr: Einlass in die Hölle. Ihre Referenz: Ich kenne jedes Gift und seine Wirkung.

Tanya Carpenter hat sich mit ihrer sechsbändigen Vampirserie »Ruf des Blutes«, die seit 2007 im Sieben Verlag und nun auch in Lizenz bei Random House erscheint, erfolgreich auf dem deutschen Markt etabliert.

Auch ihr habe ich Fragen zu der Anthologie gestellt:

Was hat Dich an der Thematik der Anthologie gereizt?

Ich spiele ja generell gern mit der Thematik Luzifer in meinen Texten. Von daher war das Thema der Anthologie wie geschaffen für mich. Ich hatte gleich mehrere Ideen, habe aber von den zu blas- phemischen Abstand genommen.

wie geschaffen für mich. Ich hatte gleich mehrere Ideen, habe aber von den zu blas- phemischen

buchvorstellung

ADVOCATUS DIABOLI Hrsg. Alisha Bionda

Erzähl uns bitte in wenigen Worten worum es in Deiner Geschichte geht.

Es geht um eine junge Frau, die in ihrem Leben alles daran gesetzt hat, um in die Hölle zu kommen. Sie ist eine geschickte Giftmischerin und hat sich für das Bewerbungsgespräch mit dem Herrn der Hölle gut gerüstet. Schließlich will sie den von ihr anvisierten Posten unbedingt.

Wie sagt Dir die Aufmachung des Bandes zu?

Ich finde die enthaltenen Grafiken sehr aufwertend. Auch das Cover mit dem düsteren Gesicht im Rich- terhammer ist sehr stark und trifft es auf den Punkt.

„Die Beichte“

Ein beliebter und anscheinend unbescholtener

Priester stirbt. Nach seinem Tod begehrt er Einlass

und schildert seine Greueltaten,

eine schlimmer als die andere. Doch nichts ist schlimm genug für den boshaften Teufel

Nicolaus Equiamicus veröffentlichte, teils als Her- ausgeber, in den vergangenen Jahren mehrere Bücher zu den Themen Vampirismus, Zauberei und Mythologie, sowie ein Lehrbuch zur Herstellung historischer Tinten.

„Herr Sanders“

in die Hölle

Auf dem ersten Blick sieht Herr Sanders aus, wie ein gewöhnlicher Beamter.

Doch der Schein trügt, denn der kleine Mann hat ein dunkles Geheimnis.

Ein Geheimnis, das ihm die Tore zur Hölle öffnen könnte.

David Grashoff ist freier Autor und entwickelt auch Karten-, Brett- und Rollenspiele.

„Passion Killer“

Sie ist tot. Sie hat einen Mord begangen. Ein Verbre- chen aus Leidenschaft. – Im Leben war er einer dunklen Begierde gefolgt. Jetzt ist er tot. – Die Hölle ist die Wiederholung. Für beide.

ist er tot. – Die Hölle ist die Wiederholung. Für beide. Aino Laos & Christoph Marzi

Aino Laos & Christoph Marzi

Aino Laos etablierte sich erfolgreich als Mitautorin großer Musicalproduktionen an Theatern in Deutschland – aktuell mit dem Musical “Phantasma”

Als erfahrene Gesangsproduzentin und versierte Aufnahmespezialistin ist sie eine gefragte Fachkraft, wenn es gilt neue Talente zu fördern oder etablierte Sänger bestmöglich aufzunehmen. Jüngst war sie als Vocal Coach für "Popstars 2010" - "Girls Forever" - Pro 7 zu sehen.

Christoph Marzis Werke, die bei diversen Großver- lagen erschienen sind, wurden mehrfach mit dem »Deutschen Phantastik Preis« ausgezeichnet.

„Engelsfall“

Jack ist ein Engel, der sich in der Hölle einmal umse- hen will. Schließlich ist die Ewigkeit eine verdammt lange Zeit und man möchte ja seine Wahl nicht blind treffen. Als der Engel auf den Fürsten der Finsternis trifft beginnt ein ungleiches Spiel mit der Existenz eines unsterblichen Wesens als Einsatz. Doch Jack hat weit mehr zu bieten, als nur ein paar gestutzte Flügel!

Dave T. Morgan, verbrachte lange Zeit in den USA (Minneapolis & LA) und in Italien (Maremma), seine “Magierkriege”-Trilogie erscheint im Arcnum Fantasy Verlag.

„Die Bewerbung“

Anton Weider bewirbt sich um einen Posten im Hades und sieht sich Daus-Urian, einem Mitarbeiter des Höllenfürstes, gegenüber, dem er seine Untaten berichten soll - oder ist Anton Weider in einer völlig anderen Mission unterwegs?

Thomas Plischke verfasste neben anderen Werken u.a. einen Roman für „Das Schwarze Auge” und veröffentlicht mittlerweile im PIPER Verlag – z.B. den Roman »Die Zombies«.

„Rolfs Methode“

Wirtschaftsberater Rolf Eugen erzählt dem Teufel seine Lebensgeschichte: Wie er von seinen Banker-

Freunden zu einem maroden Textilunternehmen gerufen wird und dort die drohende Pleite verhin- dern soll. Als Hardliner geht er mit teils sehr skrupel- losen Methoden vor und schreckt auch vor Mord nicht zurück.

Sören Prescher, veröffentlichte Kurzgeschichten und Romane im Phantastik-Genre und Thrillerbere- ich.

„Virus“

Der Teufel staunt nicht schlecht, als die 10-jährige Patricia bei ihm auftaucht und um Einlass in die Hölle bittet. Nein - sie bittet nicht. Sie besteht darauf - und legt einen Befähigungsnachweis nach dem anderen vor. Als Satan erkennt, was die Kleine tatsächlich im Schilde führt, ist es bereits zu spät. Viel zu spät

Gian Carlo Ronelli ist der Verfasser der Mystery- Thriller-Trilogie „Goweli“(Der letzte Engel/ Die un- befleckte Empfängnis/ Die Offenbarung im Sieben Verlag)

„Dein Name sei Antobaal“

Anton Haslinger hat einen Plan. Einen teuflischen Plan. Der Versicherungskaufmann und stolze Besit- zer eines Mops will dem Fürsten der Hölle eine unschuldige Seele opfern. Doch die Konkurrenz um den Platz an der Seite des Teufels ist groß und die Suche nach dem Opfer erweist sich als schwierig.

Bernd Rümmelein ist der Gewinner des Wolfgang- Hohlbein-Preises 2009 für seinen Roman Kryson, seither veröffentlichte er erfolgreich im Phantastik- Genre.

„Die Macht der Ewigkeit“

Wer den Weg seiner Bestimmung verliert, kann ihn neu gestalten.

Esmael spürt, dass er die Chance erhält, zu seinem eigenen Schicksalsschmied zu werden, als er in die Welt hinter den Schleiern gestoßen wird und dem Teufel persönlich gegenübersteht.

buchvorstellung

ADVOCATUS DIABOLI Hrsg. Alisha Bionda

Melanie Stone steuerte bisher Texte zu Kurzge- –

schichtensammlungen und Online-Serien bei Ende offen.

„Tag der offenen Tür“

Als Reinkober den "Tag der offenen Tür" im Hades wahrnimmt, gestaltet sich dieser völlig anders als erwartet.

Torsten Sträter der Slam-Poet und Lesebühnen- mensch ist mit bizarrem Zeugs auf den Bühnen der Republik unterwegs.

„Der Engel“

1831 wird Gesche Margarethe Gottfried in Bremen durch das Schwert hingerichtet. Über ein Dutzend Giftmorde gehen auf ihr Konto.

Als Gesche in die Hölle kommt um Satan zu dienen, offenbart sich eine Geschichte über den gefallenen Engel Luzifer und die einer verlorenen Seele – oder sind es sogar zwei?

Andrä Martyna, der als Grafiker Veröffentlichungen in Bildbänden in Japan, China, Spanien und Frank- reich vorweisen kann, schuf als Entry zu jeder Geschichte dieser Anthologie eine Grafik, griff aber auch selbst zur Feder.

Soviel zu meiner kleinen Exkursion.

Haben Sie Lust auf den Anwalt des Teufels bekom- men?

Dann wenden Sie sich an ADVOCATUS DIABOLI – denn wer weiß, vielleicht benötigen auch Sie irgend- wann einen dunklen Fürsprecher

Sie sich an ADVOCATUS DIABOLI – denn wer weiß, vielleicht benötigen auch Sie irgend- wann einen

buchvorstellung

Die Eiswolf-Saga von Holger Weinbach

Band 1: Brudermord ISBN: 978-3941404397 1. Auflage, ACABUS Verlag 2010 300 Seiten, Paperback Preis: 15,90

Band 1: Brudermord

ISBN: 978-3941404397 1. Auflage, ACABUS Verlag 2010 300 Seiten, Paperback Preis: 15,90 EUR www.acabus-verlag.de info@acabus.de

http://www.amazon.de/Die-Eiswolf-Saga-Teil-1-Brudermord/dp/3941404393

Verrat und Intrigen im beginnenden Mittelalter –

Holger Weinbach schildert die mitreißende Lebensgeschichte des jungen Waisenknaben Faolán, der im Reich König Ottos I. als Novize eines Benediktinerklosters aufwächst, unwissend, welches Schicksal ihm bevorsteht

Die Greifburg des Grafen Farold galt als unein- nehmbar. Und doch gelingt es scheinbar einer Horde der nordischen Barbaren die Feste zu stürmen und die Grafenfamilie zu ermorden – bis auf Rogar, den siebenjährigen Sohn Farolds.

Traumatisiert von der Blutnacht flieht Rogar in den Wald, wo er nach Tagen des Umherirrens von einem Mönch in das nahegelegene Benediktiner- kloster gebracht wird. Dort wächst er von nun an unter dem Namen Faolán auf, denn an die Zeit vor seiner Flucht kann sich der Junge nicht mehr erin- nern, selbst seinen Namen hat er vergessen. Fluch oder Segen?

Zwei Männer suchen nach Faolán – zum einen Rurik, sein Onkel und neuer Verwalter der Graf- schaft, und zum anderen Brandolf, ein junger Krieger niederen Adels, ohne Einfluss auf die Machtgefüge des Reiches, doch dem Erben der Grafschaft treu ergeben. Während Brandolf Faolán zu seinem angestammten Recht verhelfen will, fürchtet Rurik im Falle des Auftauchen seines

will, fürchtet Rurik im Falle des Auftauchen seines Neffen um seine neu erworbene Macht. Steckt er

Neffen um seine neu erworbene Macht. Steckt er etwa hinter dem Angriff der „Eiswölfe“?

Faolán ahnt nichts von der Gefahr, in der er schwebt, obwohl diese näher ist, als sein Beschüt- zer Abt Degenar vermutet. Zudem muss der junge Novize den harten Klosteralltag meistern lernen. Schwierigkeiten bereiten ihm dabei vor allem die Feindseligkeiten des Novizen Drogo, Ruriks Sohn. Doch weder Faolán noch Drogo wissen, dass sie verwandt sind.

Doch dann begegnet Faolán auf dem Markt Svea, ein keckes, rothaariges Mädchen. Sie verzau- bert ihn derart, dass Faolán zu Unachtsamkeiten verleitet wird, auf die seine Feinde nur gewartet haben

buchvorstellung

Die Eiswolf-Saga von Holger Weinbach

Band 1: Irrwege ISBN: 978-3941404298 1. Auflage, ACABUS Verlag 2010 396 Seiten, Paperback Preis: 13,90

Band 1: Irrwege

ISBN: 978-3941404298 1. Auflage, ACABUS Verlag 2010 396 Seiten, Paperback Preis: 13,90 EUR www.acabus-verlag.de info@acabus.de

http://www.amazon.de/Die-Eiswolf-Saga-Teil-2-

Irrwege/dp/3941404296/ref=pd_sim_b_1

Die Geschichte um Faolán und Svea geht weiter: Viele Gefahren und neue Abenteuer warten auf den jungen Novizen, doch seine Liebe zu Svea treibt ihn voran. Ein langer Weg steht ihm bevor, während seine Feinde alles versuchen, ihn davon abzubringen …

Faolán und Konrad sind an ihrem Verbannungsort auf sich allein gestellt. In dem Kloster, das nach den asketischen Regeln des heiligen Columban geführt wird, haben sie weder Freunde noch scheint dort alles mit rechten Dingen zuzugehen.

Den beiden Büßern bleibt nur noch die Hoffnung, dass Abt Degenar sein Versprechen möglichst schnell in die Tat umsetzen kann und sie bald wieder in ihr Heimatkloster holt. Doch als sich über viele Monate nichts an ihrer Lage ändert, ist Faolán nicht länger gewillt, sich auf die Gunst anderer zu verlas- sen. Gemeinsam planen Konrad und er eine Flucht, denn sie fürchten Walrams Einfluss in der hiesigen Abtei.

Die Planung benötigt jedoch viel Zeit. Über ein Jahr vergeht. Ein Jahr, in dem Faolán immer wieder um Sveas Liebe bangt. Fernab der Heimat hat er keine Möglichkeit, ihr eine Botschaft zukommen zu lassen oder über sie etwas in Erfahrung zu bringen. Wie wird sich Svea als heranwachsende, junge Frau behaupten? Wie lange wird Alveradis ihre hübsche Gehilfin noch vor den lüsternen Blicken der Männer beschützen können? Doch nicht nur Faoláns Weg führt ins Ungewisse. Auch Edelherr Brandolf stößt immer wieder auf seinen Widersacher: Graf Rurik!

Der junge Ritter muss vorsichtig handeln, um nicht selbst in Gefahr zu geraten. Zwar zählt er immer noch auf die Unterstützung des Kaisers, doch er wird sie nur dann bekommen, wenn er den wahren Erben der Grafschaft gefunden hat. Rurik ist aber ebenso daran interessiert, den Titel an seinen eigenen Sohn weiterzugeben.

Eines Tages allerdings trifft der Edelherr auf zwei verwahrloste Pilger, deren Identität einige Fragen aufwirft, während Prior Walram und der Graf bereits dabei sind, neue Ränke zu schmieden …

Gerade als Brandolf bei seinen Nachforschungen endlich auf eine entscheidende Spur stößt, über- schlagen sich die Ereignisse unvorhersehbar. Nicht nur Svea und Alveradis geraten dabei in Bedrängnis, sondern auch Faolán und seine Befürworter. Aller- dings rechnet keiner von ihnen mit dem Einfluss jener Männer, die einst für den Überfall auf die Grafenburg verantwortlich gemacht wurden …

mit dem Einfluss jener Männer, die einst für den Überfall auf die Grafenburg verantwortlich gemacht wurden

buchvorstellung

Die Eiswolf-Saga von Holger Weinbach

buchvorstellung Die Eiswolf-Saga von Holger Weinbach Holger Weinbach , 1971 im baden-württember- gischen Buchen geboren,

Holger Weinbach, 1971 im baden-württember- gischen Buchen geboren, lebt heute mit seiner Frau und zwei Kindern in seiner Wahlheimat Freiburg. Um seiner Leidenschaft, dem Schreiben, mehr Zeit widmen zu können, hat er sich 2009 als Autor und Architekt selbstständig gemacht. Seit vielen Jahren bewegt er sich privat in der Mittelalterszene und recherchiert für seine historischen Romane nicht nur mittels Fachliteratur, sondern mit Vorliebe auch an Originalschauplätzen in Deutschland und Skandi- navien.

„Es mag auf den ersten Blick zwar nicht so aussehen, doch Architektur und Literatur sind zwei verwandte Tätigkeiten. Beide setzen eine kreative Idee voraus. Eine Vision. In beiden Fällen setzt man sich zum Ziel, diese Vision zu realisieren. Entwürfe werden erar- beitet, Strukturen entwickelt, Alternativen gesucht und wieder verworfen. Es sind kreative Prozesse, die nahezu identisch ablaufen. Was die Detailarbeit und die Bauleitung in der Architektur sind, ist bei

Der Autor

einem literarischen Werk der Feinschliff an jedem Satz. Beides bedeutet harte Arbeit, doch nur so entsteht am Ende ein befriedigendes Ergebnis.

Die Vision zu dieser historischen Reihe hatte ich bereits vor einigen Jahren. Da ich mich privat gerne mit dem Mittelalter beschäftige, stand auch schnell die Epoche fest. Zunächst als ein etwas dickerer Roman geplant, entwickelte sich der Plot mit den ersten Überlegungen schnell darüber hinaus. Ein solches Projekt jedoch neben einem Vollzeitberuf umzusetzen erwies sich als schwierig, ja nahezu unlösbar. Erst 2008 erkannte ich, dass eine Realisie- rung die Änderung meiner beruflichen Situation voraussetzte. Als Selbstständiger kann ich nun die Zeit einteilen, zwischen Architektur und Literatur, um beides zu einem befriedigenden Ergebnis zu bringen.“ (HW 2009)

einteilen, zwischen Architektur und Literatur, um beides zu einem befriedigenden Ergebnis zu bringen.“ (HW 2009) →

Aus Kapitel 3:

Anno 963 – Im Columbankloster

Die vier Wände seiner Büßerzelle waren das Einzige, was Faolán in den ersten Wochen im Colum- bankloster zu sehen bekam. Im Gegensatz zum Büßerhaus des Benediktinerklosters gab es in dieser Zelle noch nicht einmal ein Loch im Boden für seine Ausscheidungen. Lediglich ein hölzerner Bottich mit einem Deckel diente zur Verrichtung der Notdurft, und dieser wurde nur hin und wieder geleert. Kot und Urin sammelten sich tagelang darin, doch Faolán nahm den herrschenden Gestank gar nicht mehr wahr. Wahrscheinlich roch er selbst inzwi- schen wie der Inhalt des Kübels, dachte er sich. Wie abscheulich es in der Zelle stank, konnte er nur erahnen, wenn er die Gesichter der stummen, namenlosen Novizen beobachtete, die ihm wech- selnd täglich Brot und Wasser brachten.

Immerhin wurde zu dem Krug Wasser auch ein Stück Brot beigelegt, wenn es auch von schlechter Art war. Während Gewürze und Salz nur spärlich hinzugegeben wurden, schien der Müller für andere Beigaben im Mehl zu sorgen. Immer wieder fand Faolán kleine Steinchen oder andere Fremdkörper im Brot, die ungenießbar waren. Es hätte ihn nicht gewundert, wenn er eines Tages gar eine tote Maus darin gefunden hätte. Ob das dann ein Anlass zur Freude oder zum Ärgernis gewesen wäre, darüber war er sich allerdings nicht im Klaren.

Solche Gedanken waren jedoch nur eine dürftige Ablenkung in der klammen Zelle, in die der nasskalte Herbst ebenso Einzug hielt wie in die bewaldeten Lande jenseits der Mauern. Die Kälte vernichtete selbst das letzte Gran Hoffnung, das Faolán noch gehegt hatte. Sogar das Bild des weißen Wolfes, das er Tag für Tag aufs Neue vor seinem inneren Auge heraufbeschwörte, wurde zusehends schwächer. Je kraftloser er wurde, umso blasser erschien ihm auch diese Erscheinung.

buchvorstellung

Die Eiswolf-Saga von Holger Weinbach

Faolán war inzwischen abgemagert. Er hatte noch nie zur Fettleibigkeit geneigt, sonst hätte er jetzt vielleicht davon zehren können. Es dauerte nicht lange, bis sich seine Knochen immer deutlicher unter dem schwindenden Fleisch abzeichneten. Hätte er nackt an sich herabgeblickt, so hätte er sich nicht wiedererkannt. Doch selbst dazu war er zu schwach.

Jede Bewegung war zu einer qualvollen Anstren- gung geworden. Aus diesem Grunde blieb Faolán meist den ganzen Tag auf dem Boden seiner Zelle liegen und wartete, bis sich die Tür öffnete und die Tagesration hereingereicht wurde. Dann schleppte er sich zur Schale mit dem Brot, und es dauerte oft sehr lange, bis er das Stück gekaut und mit einem Schluck Wasser hinuntergespült hatte. Manchmal war das Brot so hart, dass er es erst im Wasserkrug einweichen musste, ehe es überhaupt essbar war.

Faolán hoffte, dass Konrad in der Zelle nebenan diese Tortur besser überstehen würde als er. Die Verfassung seines Freundes war für gewöhnlich um einiges besser als seine eigene. Vielleicht würde ja Konrad ihren Peinigern zeigen, dass sie nicht so leicht zu unterjochen waren. Diese verzweifelte Hoffnung schwand jedoch mit jedem weiteren Tag.

Faoláns Blick wanderte entlang der Wände, hinauf zu dem schmalen Schlitz, den man kaum als Fenster bezeichnen konnte. Es fiel gerade genug Licht in die kleine Kammer, um sie bei Tage dämmrig trüb zu erhellen. Dieses Dämmerlicht entsprach inzwischen auch dem Geisteszustand des Novizen. Immer häu- figer war sein Verstand getrübt. Manchmal ver- schwammen Tag und Nacht so ineinander, dass Faolán nicht wusste, ob er träumte oder wachte. Manchmal glaubte er sogar, der weiße Wolf läge tatsächlich neben ihm und er müsse nur die Hand ausstrecken, um ihn zu berühren. Doch allein den Arm zu heben war ihm bereits zu beschwerlich.

Umso verwirrter war Faolán, als plötzlich grelles Licht den sonst so dunklen Raum erhellte. Unter

zu beschwerlich. Umso verwirrter war Faolán, als plötzlich grelles Licht den sonst so dunklen Raum erhellte.

buchvorstellung

Die Eiswolf-Saga von Holger Weinbach

großer Willensanstrengung drehte er sich langsam zur Tür hin. Das Licht blendete ihn, doch er zwang sich, weiter hinzusehen. Die Tür stand weit offen! Sie schien ihm wie ein gleißend heller Durchgang inmitten der dunklen Wand zu sein, die verlockende Freiheit verhieß und für Faolán dennoch unüber- windbar war. Zu kraftlos war er, als dass er sich hätte aufraffen und hindurchgehen können.

Zunächst geschah nichts weiter, und Faolán wurde stutzig. Kein Novize erschien, um Nahrung zu bringen oder um den Kübel mit Exkrementen zu entleeren. Trotz seiner Schwäche begann Faolán, sich mühselig aufzurappeln. Es war kein Laut zu vernehmen. Er versuchte, sich zur Tür zu schleppen, doch Arme und Beine versagten ihm den Dienst und er brach wieder zusammen. Ungläubig starrte der Novize erschöpft in die grelle, blendende Freiheit, unfähig, der Verlockung zu folgen. In diesem Augen- blick erschien eine dunkle Gestalt im strahlenden Licht. War es ein Engel? Ein Verkünder seiner per- sönlichen Apokalypse?

„Entkleide dich!“, befahl eine unbekannte Stimme, die nach all den Wochen des Schweigens und der Stille schmerzvoll in Faoláns Ohren dröhnte. Sie drang ohne Erbarmen in seinen Schädel, der wegen des ungewohnten Lärms zu bersten drohte.

Obwohl kraftlos auf dem Steinboden liegend, versuchte der Novize der Anweisung Folge zu leis- ten. Gehorsam lautet das oberste Gebot in dieser Abtei, hatte er sich in den letzten Wochen immer wieder gesagt, so dass er diesem Gebot tatsächlich gerecht werden musste. Er wusste zwar nicht, wie er es vollbracht hatte, doch als Nächstes begriff er, dass er sich stehend das schmutzige Büßerhemd über den Kopf zog und zu Boden gleiten ließ. Als er wieder zur Tür blickte, war die Gestalt verschwun- den.

Nackt und frierend wartete Faolán. Seine Sinne waren benebelt und er konnte keinen klaren Gedan- ken fassen. Das Stehen war zermürbend und seine

Gedan- ken fassen. Das Stehen war zermürbend und seine Beine begannen zu zittern, aber er wagte

Beine begannen zu zittern, aber er wagte nicht, sich auf den Boden zu setzen. Mit Mühe hielt er sich aufrecht und seine Augen offen, doch die Kammer schien sich um ihn zu drehen und drohte über ihm zusammenzustürzen, ihn zu zermalmen und auf ewig unter den Trümmern zu begraben.

Da erschien die Gestalt erneut in der Tür. Wortlos schritt sie mit einem Eimer in der Hand auf Faolán zu. Der Novize versuchte zu verstehen, was vor sich ging, doch erst als sich das eiskalte Wasser über ihn ergoss, begriff er und fand zugleich schlagartig seinen Verstand wieder. Mit aufgerissenen Augen schnappte er nach Luft und hoffte, dass sein Herz nicht stehen bleiben würde.

Der Mönch, der den Kübel über ihm entleert hatte, verschwand wieder. Hellwach und fröstelnd blieb Faolán in der Zelle zurück. Das gleißende Licht wich in seinem klaren Verstand dem Bild eines erleuchteten Flures jenseits der Tür. Als der Mönch darin ein drittes Mal erschien, warf dieser dem Novizen ein Bündel zu und sprach: „Zieh das an und folge mir!“

Dankbar und erleichtert stellte Faolán fest, dass es sich bei dem Bündel um ein dickes, winterliches Novizenhabit handelte. So flink es ihm seine zit- ternden Gliedmaßen erlaubten, streifte er es über und war froh, das grobe und kratzende aber immer- hin wärmende Leinen auf seiner Haut zu spüren. Mit großer Willensanstrengung brachte der Novize seine Beine dazu, sich zu bewegen und trat aus der Zelle. Einen Augenblick später trat wenige Ellen neben ihm noch eine weitere Gestalt auf den Flur.

Es war ein abgemagerter Jüngling mit zerzaustem Haar, schleppendem Gang und ebenfalls in ein Novizenhabit gekleidet, den Faolán nicht kannte. Er schaute den Unbekannten genauer an und erschrak, als er begriff, dass Konrad vor ihm stand. Sein Freund war in den vergangenen Wochen ebenso karg verköstigt worden wie er, und das Resultat dieser Pein sah Faolán jetzt vor Augen. Konrads

Gesicht war eingefallen, die Haut lag dicht an den Knochen und seine Haltung war gebeugt. Er begrüßte Faolán mit einem dünnen Lächeln, das dieser unsicher erwiderte. Dann drehte sich Konrad dem wartenden Mönch zu. Offensichtlich hatte auch er sich Degenars abschließende Worte zu Herzen genommen und schien sich den Regeln der Abtei fügen zu wollen.

Der Bruder hielt es nicht für notwendig, den beiden Novizen seinen Namen zu nennen. Stattdes- sen machte er kehrt und führte sie zügig durch die Abtei, so dass die beiden Mühe hatten, Schritt zu halten. Dabei erklärte er ihnen mit knappen Worten die Funktionen der einzelnen Bauten und den Tagesablauf sowie die Regularien der Gemeinschaft. Zu keinem Zeitpunkt verlor er ein Wort über Buße oder Sühne. Er sprach die beiden Novizen auch nicht auf ihre begangenen Taten an. Vielmehr behandelte der Mönch sie wie zwei gewöhnliche Jünglinge, die in das Noviziat aufgenommen werden sollten und die er soeben vom Tor abgeholt statt aus den Büßerzellen entlassen hatte.

Der Kleriker nahm keine Rücksicht auf die körper- liche Verfassung der beiden Novizen. Weder ver- langsamte er seinen Gang, noch sprach er sie direkt an. Es war ihm offensichtlich gleichgültig, ob die beiden auch nur ein einziges seiner Worte verstan- den, denn er sprach undeutlich und monoton vor sich hin. Faolán und Konrad hatten Mühe, sich darauf zu konzentrieren, ohne den Anschluss zu verlieren. Einzig als der Bruder die wichtigsten Regeln des Klosters rezitierte, blieb er stehen und sprach die Novizen direkt und gut verständlich an.

buchvorstellung

Die Eiswolf-Saga von Holger Weinbach

Bei diesen Regeln handelte es sich hauptsächlich um Gehorsam, Achtung und Respekt, vor allem älteren Mitbrüdern gegenüber. Ein betagter Mönch hatte einem jüngeren gegenüber grundsätzlich immer Recht, selbst wenn er im Unrecht sein sollte! Strenge und Härte waren zwei weitere Prinzipien der Abtei, sowohl gegenüber anderen als auch gegen sich selbst. Die ideologischen Grundfesten dieser Gemeinschaft erschienen Faolán so simpel und gnadenlos aufgebaut, dass er schon jetzt bezweifelte, sich je daran halten, geschweige denn gewöhnen zu können.

Die Regeln kamen Faolán teilweise derart aberwit- zig vor, dass er sich fragte, ob er sie falsch verstand. Konrads Blicken und den klaren Worten des Mönches nach zu urteilen, entsprach es jedoch der nüchternen Realität. Zunehmend begriff er, dass Abt Degenars Forderung, sich in dieses Kloster zu inte- grieren, einer kompromisslosen Selbstaufgabe gleichkam. Nichts anderes erwarteten die Regula- rien dieser Bruderschaft.

grieren, einer kompromisslosen Selbstaufgabe gleichkam. Nichts anderes erwarteten die Regula- rien dieser Bruderschaft.

portrait

Aino Laos - vorgestellt von Alisha Bionda

Text – und Klangwelten eines künstlerischen Tausendsassas

http://www.ainolaos.com

eines künstlerischen Tausendsassas http://www.ainolaos.com Immer wieder stelle ich fest, dass sich kreative Menschen

Immer wieder stelle ich fest, dass sich kreative Menschen meist nicht nur auf einem Gebiet künst- lerisch entfalten. Das beste Bei- spiel dafür ist AINO LAOS – ihres Zeichens Sängerin und Autorin.

In Deutschland geboren und in England aufgewachsen strebte sie als musisch begabtes Kind schon in frühen Jahren eine musikalische Laufbahn an. Mit neun Jahren nimmt sie zum Leidwesen ihrer Mutter die ersten Geigenstunden

sie zum Leidwesen ihrer Mutter die ersten Geigenstunden und wechselt im zarten Alter von dreizehn an

und wechselt im zarten Alter von dreizehn an den E-Bass, der sie zu dieser Zeit noch um Einiges an Größe überragt. Die ersten Geh- versuche in einer Rockband lassen auch nicht lange auf sich warten und so gründet Aino zusammen mit ihrem Bruder ihre erste Band „Talos“. Bald wird jedes Wochen- ende auf irgendwelchen Bühnen Englands verbracht – von Clubs, Pubs bis hin zu Airforce Bases ist alles dabei. Und da es der Band zwischenzeitlich an einem Sänger

mangelt, übernimmt Aino auch diesen Part und bleibt dabei. Mit achtzehn Lenzen steigt sie dann in die All-Girl-Rockband „She“ ein und feiert ihr ersten größeren Erfolge als Support für Acts wie Marillion und Rory Gallagher, bis „She“, schließlich selbst als Head- liner den legendären „Marquee Club“ in London füllen. Schon bald macht sich die talentierte und kesse Aino einen Namen in der Londoner Szene und wird immer öfters auch als Session Sängerin für Studio und Livejobs gebucht.

Und wie´s so kommt, verschlägt sie die Liebe nach Deutschland, wo sie ihr eigene Rockband „Laos“ Anfang der 90ger gründet. Schon bald folgen Plattenverträge bei der Teldec und später bei der BMG.

Aino produzierte ihr Alben selbst – was dazu führt, dass auch andere Plattenfirmen ihr aussehrgewöhn- liches Gesangs- und Organisations- talent erkennen und sie als Vocal-Produzentin für verschie- dene Bands gewinnen können (u.a. für „Die Happy“ und „Subway to Sally“).

So wird auch eines Tages der Musical Komponist Frank Nims- gern auf das Multitalent aufmerk- sam und lädt Aino zum Probesingen für eine seiner Shows nach Saarbrücken ein. Bald ergibt

portrait

Aino Laos - vorgestellt von Alisha Bionda

sich eine fruchtbare Zusammenar- beit und neben dem Mitwirken in der Frank Nimsgern Group macht Aino ihre ersten schauspiele- rischen Erfahrungen gleich in der Hauptrolle des Musicals „SnoWhite“ am Staatstheater in Saarbrücken, und das mit großem

Erfolg. In der Folgezeit entwickelt sich Aino zur engsten Mitarbeite-

rin Frank Nimsgerns und schreibt

mit ihm zusammen die Musik für zwei weitere Musicals, „Poe“ und „Arena“, in denen sie ebenfalls die weibliche Hauptrolle übernimmt.

Derzeit ist die Sängerin in dem Musical PHANTASMA zu sehen und hören – im Fernsehen wirkte sie jüngst als Vocal Coach für

"Popstars 2010" - "Girls Forever"

bei Pro 7 mit.

2010" - "Girls Forever" bei Pro 7 mit. PHANTASMA (Musical) CD - 17.95 EUR - Oktober

PHANTASMA (Musical)

CD - 17.95 EUR - Oktober 2009

Label: Ariola (Sony Music) - ASIN:

B002PI1L4O

Soundtrack zum neuen Musical von Frank Nimsgern.

Bandbreite von Klassik über Rock bis zu modernem Elektro-Pop Sound, abgerundet mit wunder- schönen Balladen.

Die wunderschönen und bildhaft- poetischen Lied-Texte wurden von Aino Laos geschrieben und von Frank Felicetti und dem bekannten Fantasy-Autoren Christoph Marzi ins Deutsche übertragen.

Ich führte am 25. Oktober den ersten Teil eines umfangreichen Interviews mit AINO LAOS – über ihre Person, ihren musikalischen Werdegang und musischen Pro- jekte.

Kreativ

meines Wesens

zu

sein

ist

die

Essenz

A.B.: Liebe Aino, zuerst möchte ich Dir einige persönliche Fragen stellen: Was gibt es über Dich als Mensch zu sagen?

A.L.: Mein Ex-Ehemann hat mich mal als „kompliziert“ bezeichnet. Das hat den Nachgeschmack von „schwierig“, „stur“ und „egoistisch“. Einfach bin ich sicher nicht, aber wer will eigentlich lang- weilig, gefällig und schwach sein? So komme ich damit zurecht, und stemme mich dagegen „Everybody’s Darling“ zu sein:

bisher ohne Erfolg.

Ich kann mich am besten mit einer Glühbirne vergleichen - eine Kerze

wäre natürlich poetischer – „Flamme bin ich sicherlich“, aber dieses Thema ist schon längst aus- gelutscht. Manchmal bin ich wie eine schlichte Sparbirne: es dauert bis ich warm werde, aber dann bin ich zuverlässig, vernünftig und strahle ein warmes, gradliniges Licht aus. Andermal, bin ich wie ein Super Trooper: bin plötzlich da – grell und gnadenlos; unmöglich zu ignorieren: ich ersuche und erhelle jeder dunkle Ecke.

Ich liebe die Natur: ich liebe es klein und unbeholfen zu sein im Vergleich zu den gewaltigen Bergen; atemberaubenden Stürmen und endlosen Ozeanen.

Quantum Mechanik macht mich wahnsinnig; Kosmologie fasziniert mich; Archäologie begeistert mich. Ich erforsche alles Paranormale und Übersinnliche und versuche zu entscheiden, ob so etwas tatsäch- lich existiert. Meine Neugierde kennt keine Grenzen.

Ich ziehe Menschen in Not an wie ein Magnet. Egal wo ich bin. Es war immer so. Sie glauben, dass ich einige Antworten auf deren Misere habe, und ihnen einen Lösungsweg aufzeigen kann. Sie glauben, ich hätte alles im Griff - ich wäre ausgeglichen und balan- ciert. Einfühlsam bin ich, das gebe ich gerne zu.

Kreativ zu sein ist die Essenz meines Wesens. Ohne meine Phantasie zu benutzen, wäre ich sicherlich schon längst tot. Ich

zu sein ist die Essenz meines Wesens. Ohne meine Phantasie zu benutzen, wäre ich sicherlich schon

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Aino Laos - vorgestellt von Alisha Bionda

genieße es sehr, meinen Geist freilaufen zu lassen ohne Hem- mungen, ohne Regeln – für mich ist Applaus oder Bestätigung nicht so wichtig – der ändert nichts an der Tatsache, dass der Entste- hungsprozess entscheidend ist.

A.B.: Was zeichnet Dich in Deinen Augen aus?

A.L.: Ich bin eine treue Seele, wenn man mich lässt. Ich gebe in all meine Tätigkeiten sehr viel Liebe und Energie und bin wie ein Bullterrier, wenn ich mich festge- bissen habe. Das ist meine Art:

„Wenn schon, denn schon“ – halbe Sachen kann ich nicht ausstehen. Ich kämpfe gerne gegen kleine, alltägliche Ungerechtigkeiten – bereue nur, dass ich politisch unfähig bin. Ich wäre aber bestens geeignet als überemotional enga- gierte Führerin für einen guten Zweck: gezielt, überzeugend und felsenfest in meinem Glauben; hier stimmen die Adjektive „schwierig“, „stur“ und „egoistisch“.

A.B.: Was magst Du, und was eher nicht?

A.L.: Bis das Gegenteil bewiesen ist: Alles!. Ich finde aber das Wort „mögen“ passiv und nichtssagend. Ich bevorzuge überspitzte Ausdrü- cke wie Liebe und Hass – „mögen“ ist für kleine Mädchen, wie das Wort „nett“. Ich versuche keine Vorurteile zu haben - das ist

„nett“. Ich versuche keine Vorurteile zu haben - das ist schwer - aber ich zwinge mich

schwer - aber ich zwinge mich dazu. Ich will fair und offen sein, will Sachen erproben und erfor- schen – ich gebe Allem und Jedem zumindest eine Chance, egal wie ungewöhnlich die jeweilige Situa- tion ist, aber wenn ich mich gegen etwas entscheide – wenn ich etwas nicht „mag“ – dann bin ich rigoros.

Ich bin sehr erfreut wenn Men- schen mich begeistern – ich blühe auf in der Anwesenheit mutiger, intelligenter, liebevoller und gebil- deter Leute, egal wie alt sie sind. Menschen, Situationen, Ereignisse und Gegenstände, die inspirieren und positiv besetzt sind, liebe ich. Alles was gewalttätig, brutal, unge- recht und unfair ist, hasse ich.

A.B.: Welche Hobbies hast Du?s

A.L.: Meine Hobbies bleiben zur Zeit ein wenig auf der Strecke. Hobbies bedeuten mir reine „Ich“- Zeit. Sie pflegen die Seele, geben Kraft, verleiten zum Nachdenken und Reflektieren - sie sind für mich Aufgaben und Tätigkeiten ohne dringende Ziele - Tauchen, Bern- steinsammeln, Laufen, Malen, Römische Ausgrabungen besichti- gen, Ausstellungsbesuche jeglicher Art.

A.B.: Wolltest Du immer schon Musikerin werden?

A.L.: Berufsmusikerin war niemals eine ernsthafte Überlegung gewe-

sen. Musik „machen“ wurde zwar in meiner Schule sehr gefördert und unterstützt, aber mehr als eine Erweiterung unserer Gesamt- bildung und unseres Selbstbe- wusstseins war es nicht. Ich musste damals wirklich betteln, bis ich eine Schulgeige bekommen durfte. Singen, konnte ich schon als kleines Kind, aber die Lehrer haben meine musikalischen Fähig- keiten völlig unterschätzt. Ich fand es schwierig die mathematische Betrachtung der Musik zu verste- hen: Noten lesen, Tonleiter erken- nen, Takte zählen etc. Ich habe immer aus dem Bauch raus musi- ziert – habe auf mein Gehör und Gefühl vertraut – das reichte nicht für eine musikalische Ausbildung. Ich wollte Archäologie und Anthro- pologie an der Cambridge Univer- sity studieren und es hat mich damals sehr irritiert, dass ich ständig von Musikern und Tonstu- dios in London angerufen wurde.

Schließlich gab ich nach, bin mit Sack und Pack nach London gereist und erstmal da geblieben. So fing meine ereignisvolle Karriere als Berufsmusikerin an. Meine Ausbil- dung war: „Learning by doing“.

A.B.: Schildere uns doch bitte einmal Deinen musikalischen Werdegang.

A.L.: Meinen musikalischen Wer- degang zu schildern ist immer einen Qual für mich. Man kann natürlich sagen, dass es mit der

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Aino Laos - vorgestellt von Alisha Bionda

Geige begonnen hat – mit Prü- fungen und Zertifikaten der Royal School of Music, und dass ich dann angefangen habe E-Bass zu spielen und zu singen und zu komponie- ren. Das war alles Eigeninitiativ, dass ich über die Jahre mit sämt- lichen großen Stars kooperiert und musiziert habe und dass Aufnah- men und Produktionen als sicht- bare und belegbare Spuren meines Könnens überbleiben – aber meine Karriere, ist sehr schwer von „draußen“ nachzuvollziehen und zu begreifen – vor allem, wenn man nur auf einem Blatt Papier die Liste meiner Herausgaben vorlie- gen hat. Ich kann unmöglich tau- sende Begegnungen und fantastische Ereignisse auflisten oder das schildern, was ich erleben durfte – für mich ist das mein musikalischer Erfolg. Die meisten Menschen beurteilen Künstler auf Basis des Bekanntheitsgrades. Ruhm und Reichtum bestimmen den Erfolg – nur dann seien sie ernstzunehmen und wertvoll. Sie verwechseln Musizieren mit dem Musikgeschäft – ich befinde mich immer wieder in der Situation mich deshalb rechtfertigen zu müssen – zu erklären warum ich nicht so erfolgreich bin wie Madonna oder so bekannt bin wie Britney Spears. Das nervt mich. Die Vergangenheit ist schön und gut – die Erfahrungen sind ein wesent- licher Teil meiner Person, aber alles was zählt ist doch: Wer ich jetzt bin und was ich jetzt mache – was ich zur Zeit als Mensch und

Musikerin mitzuteilen habe – mein musikalischer Werdegang ist in dieser Hinsicht verstaubt und irre- levant.

A.B.: Du hast lange in England gelebt und jetzt hat es Dich nach Deutschland verschlagen. Hat das berufliche oder private Gründe?

A.L.: „If music be the food of love – play on!“

sehr

schwer zu trennen – also Deutsch- land hat beides als Lockmittel ein- gesetzt um mich von London abzuwerben. Teldec Records in Hamburg hatte damals meiner Gruppe „Laos“ einen Plattenver- trag angeboten – eine sehr span- nende Zeit. Später habe ich den Trommler meiner Gruppe geheira- tet und wir haben uns in Dort- mund niedergelassen. Ich weiß, dass der Ruhrgebiet nicht die schönste Ecke Deutschlands ist, aber ich habe die Zeit dort sehr genossen. Die Menschen sind erfri- schend direkt und herzlich – hier habe ich die Bedeutung von Ehr- lichkeit und Freundschaft erst richtig schätzen gelernt.

Musik-Liebe, Liebe-Musik

A.B.: Wodurch unterscheidet sich Dein Leben in Deutschland von dem in England?

A.L.: Ich wohne seit 20 Jahren hier in Deutschland, daher ist es schwierig einen echten Vergleich zu ziehen. Ich weiß nicht wie es ist,

als erwachsene Frau in England zu leben, ich weiß nur, dass ich mich in Deutschland sehr wohl fühle. Ich vermisse allerdings den schwarzen englischen Humor.

In England hätte ich nie die künst- lerischen Möglichkeiten gehabt – hätte nie genug Geld verdient um von meiner Musik gut leben zu können - es ist dort sehr klein und inzestuös. Hier in Deutschland sind die Menschen begeisterungsfä- higer. Sie feiern gern und gesund – hören Musik zu jedem Anlass, sei es bei irgendeinem Stadtfest, oder einer Privatfeier. Hier hat man auch einfacher Anschluss an der Rest Europas – ich arbeite oft in Dänemark, in die Schweiz, Frank- reich, Holland und Bayern. Meine Englischkenntnisse kommen mir dabei natürlich zugute, da viel Popmusik aus Amerika und England kommt – ich schreibe oft englische Songtexte und gebe Gesangsunterricht und helfe bei Sprachschwierigkeiten.

A.B.: Gibt es ein Land, eine Stadt, in der Du gerne leben würdest? Oder bist Du „angekommen“ dort wo Du bist?

A.L.: Ich bin irgendwie immer auf der Suche nach „The promised Land“. Der Ort, voller Schönheit und Natur, wo man sich absolut wohl fühlt; wo alle Sehnsüchte gleichzeitig gefüttert und gestillt werden; wo man sich vorstellen kann friedlich alt zu werden um die letzten Jahre erfüllt genießen zu

und gestillt werden; wo man sich vorstellen kann friedlich alt zu werden um die letzten Jahre

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Aino Laos - vorgestellt von Alisha Bionda

können. Über die Jahre bin ich viel gereist und muss zugeben, dass dieses Verlangen immer stärker wird. Ich glaube aber nicht, dass ich es je finden werde – es ist wie Atlantis oder Eldorado – ein Wunschgedanke – ein Sinnbild für das, was mir innerlich fehlt. Ich glaube die Devise: „wherever I lay my hat – that’s my home“ passt besser zu einem Musikerdasein.

A.B.: Zuletzt warst Du in dem Muscial PHANTASMA

zu sehen und hören. Erzähl doch bitte mal, worum es da geht.

A.L.: „Phantasma“ ist ein Musical von Frank Nimsgern, Elmar Ottenthal und mir - eine Weltur- aufführung, die am Saarländischen Staatstheater großen Erfolg hat. Georgio Phantasma ist ein Mann ohne Herz: er hat es an den Teufel verkauft - für Reichtum, Ansehen und Macht. Um seine Eitelkeit und Gier zu befriedigen, muss Phan- tasma allerdings ein endloses Leben ertragen, gefüllt mit Leid und Angst. Dieses Musical basiert ein wenig auf Hoffmanns Erzäh- lungen und Faust. Ungewöhnlich ist, dass die chinesische Philoso- phie des Yin und Yang auch eine große Rolle spielt.

A.B.: In der letzten Zeit bist Du besonders viel „rumgekommen“, so warst Du u.a. mit PETER MAFFAY auf Club Tour. Wie kam es dazu?

Du u.a. mit PETER MAFFAY auf Club Tour. Wie kam es dazu? A.L.: Wie so oft

A.L.: Wie so oft in meinem Beruf:

solche Begegnungen entstehen durch Mundpropaganda. Ich war sehr erfreut, als Peter mich einge- laden hat. Ich habe gesungen, Per- cussion und Cello gespielt – habe alles gegeben, wie immer.

A.B.: Welche Erkenntnisse / Erin- nerungen nimmst Du von der Club Tour mit?

A.L.: Ich sage es so: Ich habe mit vielen älteren und etablierten Musikern während der letzten Jahre musiziert. Interessante, ehrenhafte Menschen: erstaunli- che Musiker. Künstler wie Christo- pher Cross, Percy Sledge, Leo Sayer und Barry Ryan. Nächstes Jahr werde ich zusammen mit Eddie Hardin und Pete York live spielen, zwei frühere Mitglieder der „Spencer Davis Group“, und ich fühle mich darüber sehr geehrt.

Bei Peter habe ich mich aber nicht wohl gefühlt. Ich mochte seine Art mit Musikern umzugehen nicht - er war diktatorisch und ungedul- dig. Ich hatte wenig Spielfreude, da ich mich immer kontrolliert und unter Druck gesetzt fühlte – keine guten Voraussetzungen für posi- tive Energie und Kreativität. In Zukunft, werde ich solche Situati- onen wie die Pest vermeiden.

A.B.: Stehst Du mit Peter Maffay noch in Kontakt?

A.L.: Nein.

A.B.: Du warst jüngst als Vocal Coach für "Popstars 2010" - "Girls Forever" bei Pro 7 zu sehen. Wie kam es zu dem “Deal” ?

A.L.: Da kommt wieder die Mund- propaganda zum Einsatz. Das Angebot kam ziemlich plötzlich und ich musste mich spontan ent- scheiden. Es ist mir bewusst, dass solch ein Projekt aus moralischer Sicht durchaus bedenklich ist: die Hoffnungen und Träume junger Menschen werden bloßgestellt und verpackt als Fast Food-Enter- tainment. Aber da meine Neu- gierde keine Grenzen kennt und ich unbedingt hinter die Kulissen solch einer Sendung schauen wollte sagte ich zu. Nun bin ich sehr überrascht. Die Organisation und Logistik ist bemerkenswert – die Macher kompetent und fein- fühlig; das Team herzlich und engagiert. Natürlich lebt so eine Sendung von Sensationen und Emotionen, aber die meisten sind echt – es ist wie ein großes psycho- logisches Experiment; intensiv und erstaunlich ehrlich. Ich mache meinen Job als Gesangscoach aus vollem Herzen – ich gebe den Mädchen wichtige Botschaften und Fähigkeiten mit – ob sie es nun in „die Band“ schaffen oder nicht:

das Leben geht immer weiter und ich nehme meine Verantwortung als Vorbild und Lehrerin sehr ernst.

A.B.:

Zusammenarbeit?

Was

bedeutet

Dir

diese

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Aino Laos - vorgestellt von Alisha Bionda

A.L.: Die ganze Sendung ist ein Entwicklungsprozess, dies gilt nicht nur für die Mädchen. Ich selbst habe überraschend viel über mich gelernt, über das Unterrich- ten, über extreme emotionale Situationen – ich durfte viele inter- essante Menschen kennenlernen und neue Eindrücke sammeln. Diese Erfahrung hat mich wieder mal herausgefordert und gleichzei- tig auch neue Kraft gegeben. Ich werde so etwas jederzeit wieder machen.

A.B.: Vielen Dank für das ausführ- liche Beantworten meiner Fragen - ich würde Dich nach Ablaufen der POPSTARS-Staffel, zu Deiner Zeit dort gerne noch einmal aus- führlich befragen – nun aber erst einmal in Teil II zu Deiner zweiten Berufung – dem Schreiben.

in Teil II zu Deiner zweiten Berufung – dem Schreiben. So viel also musischen Schaffen. Doch

So viel also

musischen Schaffen.

Doch nicht nur Musik bestimmt ihr Leben – in ihrer Freizeit gibt sie sich immer wieder dem Malen und Schreiben von Kurzgeschichten hin, um ihrer Fantasie freien Lauf lassen zu können – jenseits enger kommerzieller Grenzen.

Seit ich durch Christoph Marzi auf Aino aufmerksam gemacht wurde, habe ich sie für mich “entdeckt”. Für mich und meine Projekte, weil mir der Ansatz ihrer Texte gefällt, mir ihre professionelle Einstellung liegt und sie darüber hinaus ein freundlicher, offener und warm- herziger Mensch ist, mit dem es einfach Spaß macht kreativ zu sein und in Kontakt zu stehen.

So fand sie in etlichen meiner Anthologien Aufnahme – und da ist noch kein Ende in Sicht.

zu Aino

und ihrem

Doch sehen Sie selbst, welche Kurzgeschichten von ihr bisher in meine Projekte einflossen!

Kurzgeschichten von ihr bisher in meine Projekte einflossen! DARK LADIES II Hrsg. Alisha Bionda - Fabylon

DARK LADIES II

Hrsg. Alisha Bionda - Fabylon - Anthologie - Mystery-Stories - Klappenbroschur, 248 Seiten - 13.00 EUR - ISBN: 9783927071261 - März 2009

»Alisha Bionda hat sich neben ihrem Namen als Autorin auch einen als Herausgeberin gemacht. Ihre Anthologien sind ein litera- risch-optisches Erlebnis. Nicht umsonst wurden zwei mit dem Deutschen Phantastik Preis ausge- zeichnet.

In diesem Projekt hat sie wieder einmal ein sicheres Gespür für die Verbindung von Text und Bild bewiesen – und eine illustre Auto- renriege zusammengerufen.«

Wolfgang Hohlbein

In DARK LADIES II ist Aino Laos mit der Story „Das Geschenk“ vertre- ten, sie bildete den Auftakt zu unserer Zusammenarbeit.

II ist Aino Laos mit der Story „ Das Geschenk“ vertre- ten, sie bildete den Auftakt

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Aino Laos - vorgestellt von Alisha Bionda

Wer Aino auch einmal erotisch- phantastisch erleben will, kann das in der Kurzgeschichtensammlung:

erleben will, kann das in der Kurzgeschichtensammlung: SCHATTENVERSUCHUNGEN Hrsg. Alisha Bionda - Sieben Verlag -

SCHATTENVERSUCHUNGEN

Hrsg. Alisha Bionda - Sieben Verlag - Anthologie – ARS AMORIS, Band

1

Düster-phantastische Erotik – Bro- schiert - 224 Seiten - 16.50 EUR

ISBN: 9783940235411 - April 2009

Cover-und

Innengrafiken:

Crossvalley Smith

Reihenlayout: Atelier Bonzai

20

Schatten – feine Nebelgespinste der Nacht, die die Sinne umschmeicheln

Versuchungen – reizvoll, verbote- nes Verlangen von Körper und Geist

lassen Sie sich von Autoren wie

von Körper und Geist lassen Sie sich von Autoren wie Christoph Marzi, Barbara Büchner, Christian von

Christoph Marzi, Barbara Büchner, Christian von Aster, Ascan von Bargen, Alisha Bionda, Guido Krain, Aino Laos und weiteren Wortschöpfern auf sehr unter- schiedliche Weise in Versuchung bringen – und in das Reich der Schatten und der Erotik entführen.

Mit der Story "S.A.D." von Aino Laos.

Sarah öffnet ein eMail mit dem Betreff "S.A.D.". Sie folgt den An- weisungen des mysteriösen Ab- senders und findet sich in einem Alptraum wieder, der ihre Begier- de stillt und sie verzweifelt zu- rücklässt.

ihre Begier- de stillt und sie verzweifelt zu- rücklässt. UNTER DUNKLEN SCHWINGEN Hrsg. Alisha Bionda Otherworld

UNTER DUNKLEN SCHWINGEN

Hrsg. Alisha Bionda

Otherworld Verlag - Anthologie - Düstere Phantastikgeschichten –

Broschiert - 430 Seiten - 15.95 EUR - ISBN: 9783902607164 - Mai.

2009

Christoph Hardebusch, Andreas Gruber, Uschi Zietsch, Barbara Büchner, Alisha Bionda, Tanya Car- penter & Mark Staats, Marc-Alas- tor E.-E., Mark Freier, Dominik Irtenkauf, Aino Laos und Arcana Moon zeigen auf eindrucksvolle Weise die Bandbreite des Genres - mit virtuosen Grafiken von Mark Freier versehen.

Die beiden längeren Novellen werden von Barbara Büchner und Marc-Alastor E.-E. bestritten und zeigen deutlich die Bandbreite dieser Anthologie - aber auch die weiteren Texte.

Aino Laos ist in dieser Kurzge- schichtensammlung mit der Story „Unter dunklen Schwingen - gesteht ein jeder seine Schuld“ vertreten.

Es gibt alte englische Gasthäuser, die uralte Geheimnisse bergen. Das „Black Wings Inn“, so besagt eine Inschrift an der Schwelle, kann nur derjenige wieder verlas- sen, der all seine Sünden gestan- den hat. Eine Gruppe von Touristen findet in einer selt- samen Nacht heraus, was genau diese Worte bedeuten.

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Aino Laos - vorgestellt von Alisha Bionda

In folgenden beiden Anthologien, ist die Sängerin und Autorin nun jüngst auf den Markt drängten:

Sängerin und Autorin nun jüngst auf den Markt drängten: DIE BEGEGNUNG - UND ANDERE DÜSTERE WINTERLEGENDEN

DIE BEGEGNUNG - UND ANDERE DÜSTERE WINTERLEGENDEN

Hrsg. Alisha Bionda

Sieben Verlag - Anthologie – ARS LITTERAE, Band 6 – Düstere Phan- tastik

Broschiert – 200 Seiten – 14.90 EUR – ISBN: 9783940235923 – Oktober 2010

Cover-und Innengrafiken: Andrä Martyna

Coverartwork: Atelier Bonzai

Winternacht

Vor Kälte ist die Luft erstarrt,

es kracht der Schnee von meinen Tritten,

es dampft mein Hauch, es klirrt mein Bart;

nur fort, nur immer fort geschrit-

ten!

Wie feierlich die Gegend schweigt!

Der Mond bescheint die alten Fichten,

die sehnsuchtsvoll zum Tod geneigt,

den Zweig zurück zur Erde rich- ten.

Frost! Friere mir ins Herz hinein!

Tief in das heißbewegte, wilde!

Daß einmal Ruhe mag da drinnen sein,

wie hier im nächtlichen Gefilde!

Nikolaus Lenau (1802-1850)

Die titelgebende Geschichte DIE BEGEGNUNG stammt von dem Phantastikautor Wolfgang Hohl- bein. Ihm zur Seite stehen Bernd Rümmelein, Ascan von Bargen, Tanya Carpenter, Alf Leue, Nico- laus Equiamicus, Andreas Gruber, Andrea Gunschera, Carola Kickers – und Aino Laos.

Mit der Story „Teufelskreis“ von Aino Laos.

In einer kalten Winternacht ver- liert ein Auto auf einer gefrorenen Landstrasse die Kontrolle. Der hilflose Fahrer wartet schwer ver- letzt und eingeschlossen auf Hilfe. Seine verzweifelten Gebete wer- den erhört, ein Krankenwagen kommt und die Mannschaft ange-

führt von der attraktiven Ärztin Dr. Duncan rettet ihn. Sie wird die Liebe seines Lebens, aber er endet im ewigen Teufelskreis - in dem der Ausdruck „Ursache und Wir- kung“ eine neue finstere Bedeu- tung erhält.

und Wir- kung“ eine neue finstere Bedeu- tung erhält. ADVOCATUS DIABOLI Hrsg. Alisha Bionda Edition Roter

ADVOCATUS DIABOLI

Hrsg. Alisha Bionda

Edition Roter Drache - Anthologie - Düstere Phantastik - Fester

Einband - 336 Seiten - 20.00 EUR - ISBN: 9783939459224 - Oktober

2010

Cover- und Innengrafiken Andrä Martyna.

Buchumschlag: Atelier Bonzai

Die schönste List des Teufels ist,

uns zu überzeugen, dass es ihn nicht gibt

Charles Baudelaire

Atelier Bonzai Die schönste List des Teufels ist, uns zu überzeugen, dass es ihn nicht gibt

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Aino Laos - vorgestellt von Alisha Bionda

Was befähigt eine Seele Aufnahme in der Hölle zu finden?

Womit kann man den Fürst der Finsternis dazu bewegen ihr Einlass in den Hades zu gewähren?

Sind es besonders perfide Verbre- chen?

Oder

eher

die

subtilen

Greuel-

taten?

Fünfzehn Autoren der Phantastik haben auf ihre Weise diese Fragen erzählerisch beantwortet – mit überraschenden Ergebnissen.

Andrä Martyna, der Veröffentli- chungen in Bildbänden in Japan, China, Spanien und Frankreich vorweisen kann, schuf als Entry zu jeder Geschichte eine Grafik, griff aber auch selbst zur Feder.

Mit "Die Vernunft im Blute" ver- fasste der Dark Fantasy-Autor Marc-Alastor E.-E. den längsten Text rund um einen verruchten Verführer, Betrüger, Opportunis- ten und Beihelfer zu hundertfa- chem Mord durch die Vampirprinzessin Eleonore von Schwarzenberg.

Und der Gemeinschaftsstory „Passion Killer“ von Aino Laos & Christoph Marzi

Sie ist tot. Sie hat einen Mord begangen. Ein Verbrechen aus Lei- denschaft. - Im Leben war er einer dunklen Begierde gefolgt. Jetzt ist er tot. - Die Hölle ist die Wiederho-

gefolgt. Jetzt ist er tot. - Die Hölle ist die Wiederho- lung. Für beide. Ich habe

lung. Für beide.

Ich habe Aino natürlich auch zu ihren literarischen Projekten befragt.

A.B.: Liebe Aino, als Sängerin bist Du längst bekannt. Nun machst Du auch als Autorin immer mehr auf Dich aufmerksam. Wolltest Du auch immer schon schreiben oder war es eher eine Folge Deiner persönlichen Entwicklung?

A.L.: Fantasiegeschichten hatte ich schon immer im Kopf. Als Kleinkind habe ich mir oft irgendwas ausge- dacht und prompt umgesetzt - in kleine Theaterstücke, sehr zum Leidwesen meiner Familie und Freunde. In der Schule war das Fach „English Literature“ faszinie- rend, insbesondere die Werke von Shakespeare (oder wer auch immer diese Werke wirklich kreiert hat). Meine Lehrerin hat immer drauf bestanden, dass wir Geschichten basierend auf unseren Erfahrungen schreiben; ich fand das überhaupt nicht span- nend und habe mich dem immer widersetzt. Als junges Mädchen hatte ich ja noch nicht so viel erlebt. Fantastische Themen, so surreal wie möglich, habe ich durchgesetzt und alle Prüfungen bestens bestanden – Mrs Thomp- son hat es nie verstanden. Für mich, ist nichts langweiliger als die Realität, egal wie abgefahren diese sein mag – tales of mystery and

imagination beflügeln, inspirieren und provozieren – es ist eben alles möglich.

A.B.: Wann hast Du zu schreiben begonnen? Und womit?

A.L.: Erst vor kurzer Zeit, bis dahin hatte ich zu viel Respekt vor dem Handwerk des Schreibens – ich wollte mich nicht blamieren; Grammatik war nie meine Stärke. 2006 hatte ich ein schlechtes Jahr. Mein Enthusiasmus für Musik sta- gnierte und ich fühlte mich müde und ziellos – völlig uninspiriert. Da habe ich dann angefangen zu schreiben – es war wie eine Thera- pie: ich war schnell begeistert und berauscht – hatte so viel Spaß in meiner ungehemmten Fantasie- welt.

Als Christoph Marzi vorgeschlagen hat, meine Erstversuche anzu- schauen um mir seine professio- nelle Meinung zu geben, war es mir zunächst ein wenig peinlich. Ich wollte auch nicht, dass man mir meine Freude nimmt: ich wollte nicht hören, dass ich talentfrei sei und meine Ideen bescheuert wären. Irgendwas aber, hat mich dazu gebracht ihm doch etwas zu schicken - mit dem Postscript:

„Bitte lass mich weiterträumen, auch wenn es eine Katastrophe ist!“- bis heute, weiß ich nicht wirklich ob ich nun weiter träume oder nicht. Was auch immer, ich liebe es zu schreiben – ich liebe es, ein leeres Blatt Papier anzustarren,

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Aino Laos - vorgestellt von Alisha Bionda

um es dann mit Orten, Charakte- ren und Ereignissen zu füllen – eben eine fiktionale Welt aus dem „Nichts“ zu zaubern. Meine aller- erste Geschichte hieß „Tranquil Gardens“ und ist in der Anthologie „Disturbania“ von David Grashoff erschienen.

A.B.: Hast Du eine fest struktu- rierte Methode, wie Du ein litera- risches Projekt umsetzt?

A.L.: Ich weiß, dass ich eigentlich zumindest einen groben Plan haben sollte – eine Skizze – Anfang, Mitte und Ende, aber dann gäbe es für mich selber weniger Überraschungen. Ich schreibe, wie ich alles mache, aus dem Bauch heraus. Ich liebe das Risiko einzu- gehen, dass ich vielleicht Pointe oder Höhepunkt am Ende verfehle – ich muss mich manchmal richtig anstrengen um mich selbst zufrie- denzustellen. Dieser „Aha“-Effekt aber ist genau was mich entzückt:

manchmal springe ich in der Wohnung herum wie eine Irre, weil mir plötzlich etwas Außerge- wöhnliches eingefallen ist. Ich finde es erregend, sich von wenigen Stichworten oder von einem Bild inspirieren zu lassen – die Herausforderung diese Reize auf meine persönliche Art und Weise zu interpretieren.

A.B.: Schreibst Du gerne zu einer bestimmten Zeit? Lieber tagsü- ber, lieber abends/nachts? Wie

sieht Dein Tagesablauf aus?

A.L.: Auf jeden Fall: nicht am Morgen! Früh morgens ist eine merkwürdige Tageszeit. Sie ist für mich mit Spannung und ein wenig Angst geladen. Ich bin immer unru- hig. Es erweckt irgendeinen Urinstinkt in mir – ich bin erfreut, dass die Sonne es doch geschafft hat sich wieder zu erheben um uns erneut einen ereignisvollen Tag zu schenken, aber trotzdem bin ich melancholisch, weil es irgendwann sicherlich nicht so sein wird.

Am Nachmittag und Abend sind aber diese Geister verschwunden und ich fühle mich wieder wohl, aktiv und furchtlos – ich schreibe, komponiere und male dann abwechselnd.

A.B.: Bevorzugst Du eine bestimmte Atmosphäre oder benötigst Du besondere Ruhe wenn Du schreibst?

A.L.: Ich bevorzuge Ruhe; Kerzen; Kamin – am besten auf dem Land oder in eine Hütte am Meer. Ich kann es überhaupt nicht ertragen, wenn ein Fernseher oder ein Radio mitläuft – es lenkt mich ab und macht mich sogar aggressiv.

A.B.: Schreibst Du an mehreren Projekten gleichzeitig oder trennst Du das strikt?

A.L.: Ich muss mich immer auf ein einziges Projekt konzentrieren – eins nach dem andern. Ich bin

leider kein Multitasker – etwas würde dann sicherlich darunter leiden und ich verliere den Über- blick. Aber wenn mein Gehirn auf Hochtouren arbeitet, bin ich ein Workaholic – stundenlang ohne Pause und bis tief in die Nacht.

A.B.: Welchen Genre ordnest Du Dich zu? Und welches reizt Dich am meisten?

A.L.: Fantasy - aber nicht im Sinne von Elfen, Monster und Außerir-

Ich dichte gerne „tales

of the unexpected“: alles was para- normal, mysteriös und übersinn- lich ist, aber immer eingebettet in einen alltäglichen oder zunächst unscheinbaren Kontext. Für mich muss sich eine Geschichte langsam entfalten – ich mag subtile Ent- wicklungen und keine Sensationen – kleine mehrfache Andeutungen, die vielleicht erst später realisiert werden.

dischen

A.B.: Deinen Anfang nahmst Du mit dem Verfassen von Kurzge- schichten? Was reizt Dich daran?

A.L.: Kurzgeschichten sind für mich wie kompakte, intensive Begegnungen – man kann sofort zur Sache kommen und sich nicht in lange Handlungsbögen verirren und verfangen. Ich liebe kurze Sätze und keine komplizierten Beschreibungen - ich will den Leser genügend Platz für seine eigene Phantasie lassen.

Sätze und keine komplizierten Beschreibungen - ich will den Leser genügend Platz für seine eigene Phantasie

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Aino Laos - vorgestellt von Alisha Bionda

A.B.: Gibt es einen Autor, dessen Kurzgeschichten Du besonders magst?

A.L:: Es gibt einfach zu viele die mir imponieren – einen Favoriten habe ich nicht.

A.B.: Hast Du eine Kurzgeschichte,

die

bezeichnen würdest?

A.L.: Eine bisher unverlegte Geschichte „Soul Survivor“, hat mir am meisten gefallen – in meinem Kopf kommt sie mir wie ein Kurzfilm vor – lebendig und flott. Ich habe ein Wesen kreiert, das nur aus reiner Energie besteht – unsichtbar, unspürbar, unbe- merkbar aber trotzdem seit Urzeiten unter uns.

beste

Du

selbst

als

Deine

A.B.: Man kann Beiträge von Dir in einigen Anthologien finden. Was ist ausschlaggebend dafür, an welchem Projekt Du Dich beteiligst? Herausgeber? Verlag? Thematik?

A.L.: Hauptsächlich ist die Thema- tik für mich entscheidend – ich muss sofort ein innerliches Krib- beln spüren, wenn nicht, dann ist es eine Qual für mich. Es macht keinen Sinn für mich für ein Projekt zu schreiben, das mich überhaupt nicht interessiert oder fasziniert, egal wie lukrativ es sein mag – es wäre wie eine Bedienungsanlei- tungen zu übersetzen.

es wäre wie eine Bedienungsanlei- tungen zu übersetzen. A.B.: In welchen Anthologien bist Du aktuell vertreten?

A.B.: In welchen Anthologien bist Du aktuell vertreten? In welchen künftig?

A.L.: Die aktuellste Geschichte erscheint in der Anthologie „Die Begegnung - und andere düstere Winterlegenden“ (Hrsg. Alisha Bionda, Sieben Verlag). Die Geschichte „Teufelskreis“ ist ein für mich typischer „Slow Burner“ – die Phantasie und Horror ver- steckt sich im Alltäglichen und schleicht sich leise und heimlich an den Leser heran – der Teufel steckt eben im Detail.

Das nächste Projekt ist eine Koo- peration mit Christoph Marzi „Passion Killer“- das im Oktober in der Anthologie „Advocatus Diabo- li“ (Hrsg. Alisha Bionda, Edition Roter Drache) erscheinen wird. Eine ungewöhnlich gemeine Geschichte von mir, wie ich finde – bitter und direkt. Ich musste aber lachen, als Christoph die zweite Hälfte der Geschichte übernahm – er hat meine kranke Sichtweise nicht nur weitergeführt, sondern auch noch übertroffen!

A.B.: Hast Du ein Vorbild?

A.L.: Val McDermid hat mich sehr geprägt – ich liebe ihre Art zu schreiben und zu erzählen. Kurze Sätze, glaubwürdige Charaktere, nachvollziehbare Situationen und Emotionen – modern und ehrlich, fair und direkt – alles mit ein wenig klassischem, britischen Flair.

A.B.: Schreibst Du lieber alleine oder lieber mit einem Co-Autor? Wenn ja, wer reizt Dich da?

A.L.: Ich bevorzuge es mit jemanden zu schreiben, den ich persönlich kenne – so wie Chris- toph Marzi. Wenn man eine menschliche Basis hat; sich respek- tiert und schätzt, dann entsteht eine zusätzliche Energie die unver- kennbar und unbeschreiblich ist – dann macht es mir einfach mehr Spaß!

A.B.: Liest Du regelmässig? Wenn ja, was bevorzugt?

A.L.: Ich lese nicht regelmässig. Ich höre auch Musik nicht regelmäs- sig. Ehe sehr selten. Ich bin sehr wählerisch und selektiv – muss in der richtigen Stimmung sein. Lesen und Musik hören ist etwas Beson- deres für mich und ich nehme es nicht für gegeben – ich möchte meine Sinne nicht mit überflüssi- ger Information und falschen Ein- drücken überreizen. Für mich zählt quality – not quantity.

A.B.: Gibt es Menschen, die Dich bei Deinem schriftstellerischen Werdegang unterstützt haben? Freunde, Familie, Kollegen? In Deinen Anfängen und jetzt?

A.L.: Christoph Marzi hat von Anfang an an mich geglaubt und unterstützt mich immer noch – er übersetzt meine Geschichten ins Deutsche und inspiriert mich als

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Aino Laos - vorgestellt von Alisha Bionda

Autor und Freund – ich habe ihm viel zu verdanken. Meine besten Freunde sind wie leuchtende Fackeln – deren Enthusiasmus für meine Aktivitäten kennt keine Grenzen wie es scheint. Alisha Bionda ist bewundernswert – eine engagierte und kreative Frau – eine Eröffnerin unendlicher Mög- lichkeiten mit einer unglaublichen Energie. Durch sie, durfte ich an vielen aufregenden Projekten teil- nehmen.

A.B.: Woran arbeitest Du derzeit? Auf was dürfen sich die Leser künftig freuen?

A.L.: Ich habe zuerst meinen Roman „Moone“ auf Eis gelegt weil ich nie die Ruhe und Zeit fand ihn fertigzustellen. Meine Arbeit mit „Phantasma“ und „Popstars“ hat mich aus der Bahn geworfen. Ich bin an einem heiklen Punkt in der Geschichte angelangt, und es bräuchte all meine Konzentration weiterzumachen. Ich hoffe, dass ich Anfang nächsten Jahres den Faden wieder aufnehmen kann – sie bedeutet mir sehr viel. Sie wird für mich, das absolute Highlight, ich muss sie nur endlich nieder- schreiben.

A.B.: Wie wichtig ist Dir der Kontakt zu Deinen Lesern? Wie gestaltet sich dieser?

Hältst Du auch Lesungen ab? Oder kann man Dich auf Cons antreffen? Wenn ja, auf welchen?

Wirst Du von einer Agentur ver- treten?

Wie rege ist Dein Austausch mit anderen Autoren? Und mit welchen pflegst Du regelmässigen Kontakt – sei es persönlich oder per Mail?

Abschließend noch die Frage: Wie möchtest Du künftig Deine Pro- jekte gewichten? Wird die Musik immer die Nummer eins bleiben? Oder könntest Du Dir auch vor- stellen, dem Schreiben nach und nach mehr Platz einzuräumen, somit Deine Gewichtung zu ver- schieben?

A.L.: Ich glaube ich kann all diese Fragen einfach so beantworten:

Ich schreibe aus Leidenschaft und Freude. Es ist eine logische und natürliche Weiterentwicklung, die aus dem Dichten von Songtexten entstanden ist. Ich befinde mich im Neuland – in einer fremden Welt, in der ich mich bis jetzt kaum bewegt habe. Es hat viele Jahre gedauert bis ich mich in Musiker-

kreisen ausgekannt und etabliert habe und ich schätze, dass es in Literatenkreisen ähnlich ist. Ich kann mich noch nicht wirklich ein- ordnen und muss mich damit noch viel mehr auseinandersetzen und beschäftigen. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass ich in den nächsten Jahren meine litera- rischen Aktivitäten intensiviere – ich möchte sehr gerne Lesungen abhalten und mich auch künftig in der professionellen Community einbringen.

A.B.: Vielen Dank auch für diesen Interviewpart.

Das also war meine kleine Vorstel- lung von AINO LAOS, dem krea- tiven Tausendsassa, von ihr wird sicher noch viel zu hören, aber auch zu lesen sein.

Und das ist gut so!

LAOS, dem krea- tiven Tausendsassa, von ihr wird sicher noch viel zu hören, aber auch zu

kurzgeschichte

Begegnungen Teil 3 von Michael Köckritz

Peter war von seinem eine wohlausgewogene Strategie abfragen.«

sicherlich bald eingestellt werden,

sobald wir sicher gehen können,

»Das müsste ich erst selbst her-

ausfinden und die Datenbänke

Erkundungsgang zurückgekehrt und hatte sich zu uns gesellt.

»Wenn ich das ‘mal korrekt aus- werte, dann komme ich zu dem Schluss, dass ihr im Vergleich zu uns, relativ unsterblich seid! Wie lang ist die durchschnittliche Lebenserwartung auf eurem Pla- neten?«

»Wir werden etwa 100 Jahre alt. Das entspricht ungefähr 350 000 Jahre auf eurem Planeten. Es schein also, von eurer Sicht, rich- tig, daß wir relativ unsterblich sind. Das war aber nicht immer so. Durch die Raumfahrt und der Ver- besserung der Lebensqualität sowie medizinischer Fortschritte, konnten wir unsere Lebenserwar- tung erhöhen.«

Es entstand eine Pause, die Peter nutzte, um zu fragen: »Werden wir eigentlich noch immer sondiert?«

»Das Sondierungsprogramm ist bestimmt noch nicht abgeschlos- sen. Ich nehme daher an, dass ihr noch immer untersucht werdet. Es hilft uns zu bestimmen, wie wir weiter vorgehen sollen. Die Emo- tio-Sondierung ist eigentlich mehr ein Mittel zum Zweck. Das Ergeb- nis dieser Untersuchung bestimmt den Aufwand im Verhältnis zum Nutzen. Es wäre nicht ratsam euch mit Informationen zu füttern, die euch vielleicht überfordern könnten. Das Programm wird

entwickeln zu können.«

»Seid ihr in der Lage, Informati- onen in hypno-suggestiver Form zu übermitteln?«, fragte Kevin.

»Das ist uns möglich. Hätten wir zum Beispiel festgestellt, dass ihr schlechte Absichten im Sinn gehabt hättet, wäre es uns ein Leichtes gewesen, euch aus diesem Schiff zu vertreiben. Wir hätten euch, durch hypno-sugges- tive Beeinflussung, dem Wahnsinn verfallen lassen können.«

»Es wäre also möglich dieses Verfahren auch in positivem Sinn anzuwenden. In dem man uns Informationen hypno-suggestiv übermittelt, um Zeit zu sparen?«, fügte ich fragend hinzu.

»Das wäre eine von mehreren Möglichkeiten, die wir aber im Augenblick nicht in Betracht ziehen wollen. Dieser Prozess kann nur auf dem Mutterschiff oder auf NIBIRU durchgeführt werden. Es kann dabei zu mentalen Komplika- tionen führen. Es ist immer ratsam ein speziell ausgebildetes medizi- nisches Team anwesend zu haben, um diese Komplikationen auszu- schließen. Es ist nicht das erste Mal, dass wir Manipulationen an der Bevölkerung dieses Planeten vorgenommen haben.«

»Kannst du uns einige Namen nennen?«, fragte Peter.

»Ich denke wir benötigen etwas Zeit, diese neuen Eindrücke zu verarbeiten. Können wir dich morgen wieder anrufen? Wir möchten uns auch etwas besser vorbereiten.«

»Ich stimme euch zu. Es gibt mir ebenfalls die Gelegenheit, eure moderne Verkehrssprache zu erlernen. Es macht das Übersetz- ergerät damit überflüssig. Bevor ich euch jedoch entlasse, möchte ich euch etwas mitgeben. An der linken Seite neben dem Zentrale- schott, befindet sich ein Fach, das sich durch Auflegen der Hand selb- ständig öffnet. Ihr werdet dort einige kleine stabförmige Instru- mente vorfinden, die ihr an euch nehmen sollt. Sobald ihr diese Geräte für länger als 20 Sekunden in den Händen haltet, werden sich diese Geräte auf eure Mental- schwingungen einstellen und somit nur dem jeweiligen Besitzer von Nutzen sein. Sobald ihr dieses Schiff verlassen habt, wird sich ein Energiefeld aufbauen und jeden Unbefugten durch eine Wahn- sinnsstrahlung am Betreten des Schiffes hindern. Denkt daran, diese Geräte ständig bei euch zu tragen, damit ihr sicher in das Schiff gelangen könnt. Jeder andere Mensch dieses Planeten wäre dazu nicht in der Lage. Ihr seid somit individuell geschützt, auch wenn man euch dazu

Mensch dieses Planeten wäre dazu nicht in der Lage. Ihr seid somit individuell geschützt, auch wenn

zwingen sollte, das Schiff für andere, zu öffnen.«

Kevin öffnete das Fach und nahm drei Geräte heraus. Er behielt eins für sich, und reicht uns die Geräte die für uns bestimmt waren. Als wir uns wieder umdrehten, war der Bildschirm bereits wieder dunkel. Zeichen für uns, das Schiff zu verlassen und zurück zu gehen.

Es war bereits später Nachmittag geworden, als wir beim Bully anlangten. Peter machte sich sofort über unsere Biervorräte her. Die Kühlbehälter waren angefüllt mit Bierdosen und Eiswürfeln. Da wir die Kühler im Grund vergraben hatten, war das Eis nur wenig geschmolzen. Normalerweise kaufte Peter kein Dosenbier, weil er zu viel Respekt vor der Umwelt hatte. In diesem Fall hatte er aller- dings eine Ausnahme gemacht. Er hatte Tecate Bier gebracht, das hier in dieser Gegend nur in Dosen erhältlich war.

»Hast du schon einmal Tecate Bier getrunken?«, fragte er Kevin.

ist

Erstes.

Warum fragst du?«

»Weil man Tecate mit Limonen und Salz trinkt, deshalb.«

Peter reinigte den Dosenver- schluss, öffnete sie und quetschte Limonensaft auf den Dosendeckel. Der Saft lief langsam in das Bier, wobei er allerdings nicht verhin- dern konnte, dass einige der

»Nein,

das

mein

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kleinen Kerne, ebenfalls in das Bier gelangten. Das machte aber nichts aus. Er schüttet danach eine Prise Salz in die Öffnung und musste sich jetzt beeilen zu trinken, da das Bier zu schäumen anfing.

»Siehst du? So wird das gemacht. Salud, Dinero y Amor!«, prostete er Kevin zu und nahm einen großen Schluck.

»Was sagst du? Salut, denerow e ammore? Was soll das denn hei- ßen?«

»Das heißt auf Spanisch: Gesund- heit, Geld und Liebe. Die Betonung liegt hier auf Geld und Liebe und davon eine ganze Menge.«

»Ich kann den Geschmack von Limonen und Salz in meinem Bier nicht vertragen. Ich trinke mein Bier lieber pur«, warf ich ein. Kevin machte es Peter nach und er schien es zu mögen. Er konnte es nur nicht vermeiden, dass der Bier- schaum in seine große Nase drang und ihn zum Niesen reizte. Peter und ich amüsierten uns wieder einmal köstlich auf Kevins Kosten.

»Wir müssen uns ein paar Gedanken darüber machen, was wir morgen fragen wollen. Da es möglich ist, dass wir immer noch der Sondierung unterliegen, sollten wir uns auf die hauptsäch- lichen Dinge beschränken.«

Wir beratschlagten und disku- tierten bis 23 Uhr und legten uns dann aufs Ohr. Kevin schien mit dem Einschlafen Probleme zu

haben, was bei ihm eine Seltenheit war.

»Kannst du nicht schlafen?«, fragte ich ihn leise, um Peter nicht wieder aufzuwecken.

»Ich möchte mehr über die Ver- gangenheit herausfinden«, ant- wortete er. »Mein religiöses Weltbild befindet sich im Zustand der Auflösung. Ich weiß nicht woran ich noch glauben soll.«

Peter erhob sich wieder. Er hatte wohl doch noch nicht geschlafen. Er beteiligte sich aber nicht an unserer Unterhaltung, sondern nahm ein Blatt Papier, auf das er ein paar Figuren und Bemer- kungen kritzelte.

»Ach, Kevin. Das haben wir doch alles schon einmal besprochen. Ich hatte dir doch schon vor langer Zeit bereits gesagt, dass mit unseren doktrinären Religionen etwas nicht ganz stimmt. Ich weiß … ich weiß … dass du mir nicht glauben wolltest, aber ich denke es nun an der Zeit für dich, über ein anderes Gottkonzept nachzu- denken.«

»Verstehst du denn nicht, dass mein Glaubensbild angeschlagen ist? Mein Leben, meine Bildung, die langen Jahre der spirituellen Selbstfindung und die Suche nach meinem Glauben, waren verge- bens. All die Zeit vergeudet!«

»Das ist ein Trugschluss, Kevin! Die Zeit die du in deine Selbstfin- dung investiert hast, und ebenso deine vortheologische Ausbildung,

Kevin! Die Zeit die du in deine Selbstfin- dung investiert hast, und ebenso deine vortheologische Ausbildung,

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haben einen größeren Wert, als du dir zugestehen willst. In Verbin- dung mit deiner psychologischen Schulung, kannst du diese Begeg- nung mit Max, folgerichtig auswer- ten, um für dich eine neue Vision einzuleiten. Ich sehe es als einen guten Katalysator für einen Neu- anfang. Die allgemeinen Bibelüber- setzungen und Versionen werden sehr engstirnig ausgelegt und sind hauptsächlich den doktrinären Denkweisen der verschiedenen Kongregationen, unterworfen. Wenn auch einige Fachleute richtig behaupten, dass die Bibel nicht bis auf das I-Tüpfelchen interpretiert werden darf, so ist die große Menge der Gläubigen sofort dazu bereit sich anzupassen, wenn es von höherer Stelle, von ihnen erwartet wird. Das zeigt die eigennützige Seite des Systems. Ich glaube, dass es für die meisten der Gläubigen, so oder so für ihr eingefahrenes Denkschema, irre- levant ist. Sie sind im Allgemeinen über die Wurzeln der Religionen schlecht informiert und aufgrund dessen können sie sich keine Meinung über kritische Leitartikel und Thesen bilden.«

»Ach Mensch, verstehst du nicht? Ich hatte schon immer Pro- bleme, an das was du mir erzähl- test, zu glauben. Deine Quellen waren immer kontrovers. Du bist doch kein Anthropologe oder Archäologe. Es tut mir leid, aber deine Äußerungen, als Laie, haben nicht das gleiche Gewicht wie das wahre Wort der Evangelien.«

das gleiche Gewicht wie das wahre Wort der Evangelien.« »Das Wort Wahrheit kann man verschieden auslegen.

»Das Wort Wahrheit kann man verschieden auslegen. Je nach- dem, wie man es im Kontext aus- schlachten und drehen kann. Du würdest aber einem Laienpriester Glauben schenken, wenn er dir eine neue Vision und modernere Auslegung anbietet?«

»Nun diese Leute sind ja auch durch intensive Bibelstudien aus- gebildet worden und sie wissen worüber sie sprechen.«

»Natürlich, klarer Fall, aber das geht mir etwas zu schnell. Es besteht ein riesiger Unterschied zwischen Bibelstudien und Bibel- forschung und im Besonderen im Vergleich zur kritischen Bibelfor- schung. Wie du doch weißt, sind Bibelstudien nichts anderes als das sture auswendig lernen von Passa- gen. Bibelforschung geht da schon etwas tiefer und befasst sich mit den Schriften und der eigentlichen Geschichte, obwohl sie sich haupt- sächlich mit dem religiösen Inhalt dieser Schriften befasst und der jeweiligen Doktrin unterliegt. Kri- tische Bibelforschung hingegen, versucht nicht nur die religiösen Besonderheiten, sondern alle in Bezug kommenden, geschicht- lichen Merkmale und Begeben- heiten auf ihren Wahrheitsgehalt und Wahrscheinlichkeitsgrad zu untersuchen und zu erforschen. Hierbei, und das ist unabdingbar, kommen immer wieder Ergebnisse ans Tageslicht, die das allgemeine Verständnis auf den Kopf stellen. Das führt dann dazu, dass viele

Berichte der Bibel einem kritischen Blick nicht mehr standhalten können und somit zu einer echten Belastung für die Gläubigen führen kann. Je mehr ans Tageslicht gerät, desto lauter werden die Stimmen derer, die diese Art der Forschung ins Reich der blasphemischen Mei- nungsäußerung abstempeln, um die Gläubigen gegen diese Unwahrheiten zu schützen. Bei genauerer Betrachtung erkennt man sehr bald, dass es sich nur um taktische, jedoch hochgradige, Ver- teidigungsversuche der schier Unbelehrbaren handelt, die ihre Felle davon schwimmen sehen. Das sind eben menschliche Eigen- schaften. Du weißt ebenfalls, dass sich dieses Tauziehen bei allen Religionen beobachten läßt.«

»Nichtsdestotrotz, habe ich Pro- bleme mit deinen Ausführungen.«

»Das macht nichts. Ich hatte es nicht anders erwartet. Wir hatten allerdings immer eine gute Diskus- sion, trotz unserer Differenzen. Es half mir deine religiöse Seite kennen zu lernen und dich besser zu verstehen. Es half dir anderer- seits deine Scheuklappen abzule- gen und andere Wege zur Selbstfindung einzuschlagen.«

»Da hast du nicht ganz Unrecht. Unsere Diskussionen waren inso- fern fruchtvoll, als dass sie meinen Blickwinkel erweiterten und mir halfen die anerzogenen Vorurteile zu überwinden … aber ich kann doch nicht einfach meine gesamte Kindheit über Bord werfen?«

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»Das ist doch auch gar nicht notwendig, wenn du dich auf die Lektionen deiner Kindheit besinnst und sie richtig einordnest. Die Jahre die du als Altarjunge ver- bracht hast, haben dir geholfen Respekt und Disziplin zu üben, oder nicht?«

»Ja, aber ich war doch noch ein Kind und hatte keine andere Wahl. Es wurde von mir erwartet. Ich hatte Angst vor dem Pfarrer und dass ich von Gott bestraft werden würde, wenn ich meinen Dienst nicht richtig versehen hätte.«

»Diese Zeit hat aber die Weichen für dein späteres Leben gestellt. Es besteht überhaupt kein Grund das alles über den Haufen zu werfen. Du bist nur etwas bockig. Es braucht Zeit sich mit dem heutigen Erlebnis auseinanderzusetzen.«

»Gerade die Auseinanderset- zung mit dem Erlebten, welches konträr zu meinem Glauben läuft,

bereitet

mir

diese

Schwierig-

keiten.«

»Ich kann dir vielleicht ein Denk- model anbieten, das dir ermögli- cht, die Angelegenheit in einem größeren Rahmen zu sehen. Mein Denkmodel ist ziemlich komplex im Aufbau, jedoch relativ einfach im Konzept.«

Ich machte hier erst einmal eine kleine Pause, um herauszufinden, ob Kevin gewillt war noch etwas zuzuhören. Er forderte mich durch ein kurzes Nicken dazu auf, weiter zu sprechen.

»Versuche dir einmal die Big Bang Theorie, als Kreationsschema vorzustellen, als ein universelles Spiel mit vielen unbekannten Zügen. Die Kraft, die wir einmal aus argumentativen Gründen als Gott bezeichnen wollen, erstellte die ersten zwei Partikel. Da das Verhältnis der aufeinander wirken- den Kräfte und noch anderer phy-

der aufeinander wirken- den Kräfte und noch anderer phy- © Thomas Rabenstein sikalischer Besonderheiten genau

© Thomas Rabenstein

sikalischer Besonderheiten genau stimmte, sei es aufgrund von Berechnung oder rein zufällig, ist jetzt einmal Nebensache. Es begann ein Ablauf der zufolge hatte, dass sich unser Universum so entwickelte, wie wir es kennen. Diese beiden Partikel und die Kräfte, in ihrer reinsten Form, sind noch heute Omnipräsent. Diese Kräfte, jetzt wieder einmal als Gott bezeichnet, sind also um uns herum und allgegenwärtig. Sie sorgten dafür, dass sich auf Pla- neten mit günstigen Verhältnissen, Leben entwickeln konnte. Der Nazarener mit dem Namen Jesus, lag also richtig mit der Aussage, dass wir ALLE Götter sind. Wir alle sind ein Teil Gottes oder Teil von IHM, IHR oder ES … WIR SIND GOTTSUBSTANZ!«

Ich erinnerte mich daran, dass Kevin immer eine Reisebibel bei sich hatte. Er hatte diese im Hand- schuhfach verstaut. Ich beugte mich über den Beifahrersitz und nahm sie an mich. Es dauerte nur ein paar Augenblicke, bis ich die Passage fand, auf der ich mein Denkmodel aufgebaut hatte.

»Psalm 82, Satz 8, lautet: Stehe auf oh Gott und richte die Erde, da alle Nationen dein Erbe sind. Das bedeutet in anderen Worten, daß ER oder ES, das Erbe aller Men- schen besitzt. Wenn man das nun etwas herumdreht, dann heißt das ebenfalls: Du bist das Erbe aller Menschen. Vertausche jetzt das Wort Erbe, mit Genotyp ergo Erb-

dann heißt das ebenfalls: Du bist das Erbe aller Menschen. Vertausche jetzt das Wort Erbe, mit

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masse, dann ist klar erkennbar, dass wir alle aus Gottsubstanz bestehen, obwohl nur in weites- tem Sinne. Für mich persönlich ersetze ich das Wort Gott mit Ener- gieform.«

»Aber die Bibel sagt ebenfalls, dass wir nach dem Gleichnis und Aussehen Gottes erschaffen worden sind? Wie passt denn das in deine Theorie?«

»Da du hier den Passus in Genesis ansprichst, solltest du aber nicht unterlassen zu erwäh-

nen, dass der Satz im Plural abge-

fasst ist: »

Lasst uns Menschen

machen als unser Abbild, uns ähn- lich. Ich bin vielleicht schon morgen in der Lage das Wort:

erschaffen sein, in ein anderes Licht zu rücken. Ich will damit nicht deinen wichtigen Fragen auswei- chen, aber ich denke, dass unsere neuen Freunde uns eine diesbe- zügliche Antwort geben werden.«

»Was haben die denn damit zu tun?«

wenn ich mit meiner

Annahme richtig liege und die Fremden genau das sind, für was ich sie halte, dann werden wir morgen einige interessante Ant- worten erhalten.«

»Du willst uns also nichts verra- ten?«, fragte Peter, von seinen Notizen aufblickend.

»Nein, das muß noch warten.«

Wir legten uns nun wieder hin und versuchten zu schlafen. Die

»Nun

uns nun wieder hin und versuchten zu schlafen. Die »Nun Nacht war angenehm kühl und wir

Nacht war angenehm kühl und wir wurden nicht gestört. Die Tempe- ratur sank auf 150 herab und wir schliefen wie die Murmeltiere. Kurz nach 6 Uhr schälten wir uns aus den Schlafsäcken. Peter machte sich sofort daran die obli- gatorischen Eier mit Speck auf dem Naphtha-Kochgestell zuzube- reiten. Wir machten uns über das Frühstück her, wie ein Rudel hung- riger Wölfe. Ich war so gut gelaunt, dass ich, was normalerweise nie der Fall war, einen Witz zu gute gab.

»Klein Fritzchen besuchte seine Tante auf dem Lande und als ham- burgisches Stadtkind bekam er dann auch viel zu sehen. Am Nach- mittag war es dann soweit und er musste aufs Klo. Da es aber kein Spülklo gab musste er aufs Plumps- kloset, also das Ding mit dem kleinen Herzchen in der Tür. Als er mit seinem Geschäft fertig war, beschwerte er sich bitterlich bei seiner Tante: Das rriiecht da aber und da sint soon Haufen Brum- mers da inne, un die wolln immer auf meine Backn sizzen, da kannich gar nich rrichich püschern. Darum is da auch alles auffe Brille gegangn. Daraufhin sagte seine Tante Erna zu ihm: Du biss ja auch doof, Fritzchen. Du muss zwischen Zwöllf un Einz aufn Klo gehn, dann sint die ganzn Brummers inne Küche.«

Peter musste so lachen, dass er sich beinahe an seinem Brot ver- schluckte.

»Versteh’ ich nicht«, sagte Kevin, wobei er uns verwundert ansah.

Wir machten uns nicht die Mühe ihm den Witz zu erklären, sondern begannen damit das Lager aufzu- räumen. Nach etwa fünf Minuten brach Kevin in Gelächter aus, wobei ihm die Tränen über die Wangen liefen.

»Jetzt hab’ ich’s,« sagte er. Es dauerte eine Weile, bis er sich wieder beruhigte.

»Wir hatten schon gedacht, das du das nie ‘rausbekommst«, meinte Peter.

Ich fuhr den Bully in den Schat- ten und somit außer Sichtweite. Wir wollten keine ungebetenen Gäste im Lager herumkriechen haben, die eventuell den Bully aufbrechen könnten. Wir packten unsere Sachen sowie unsere Kom- munikatoren und brachen auf zur Grotte.

»Da diese Kommunikatoren mentalkodiert sind, können wir uns bestimmt noch auf andere technische Errungenschaften vor- bereiten. Was meint ihr?«, fragte uns Kevin.

»Lasst uns erst einmal ihre Tech- nologie auf praktischem Wege ergründen«, erwiderte ich. »Wir können uns leicht damit überneh- men, wenn wir auch noch die theoretischen Grundlagen begrei- fen wollten. Ich will nur hoffen, dass man uns erlaubt unser Wissen zu erweitern.«

»Wenn ich Max richtig verstan- den habe, so wird das nur auf dem Mutterschiff möglich sein. Davon sind wir aber, wörtlich, noch weit entfernt«, warf Peter ein.

Wir betraten das Schiff, wie am Vortage. Dieses Mal war es aller- dings anders. Obwohl uns wieder eine gewisse Spannung befallen hatte, war es doch mehr ein Erwar- tungsgefühl und nicht von unter- schwelliger Angst geprägt. Mir war bewusst, dass ich jetzt, symbo- lisch, das Buch der sieben Siegel in der Hand hielt und langsam damit begann diese Siegel nacheinander aufzubrechen. Wie Max bereits angekündigt hatte, öffneten sich die Schotte vor uns. Die Zentrale war voll ausgeleuchtet und einige Bildschirme waren eingeschaltet. Wir bekamen jetzt einen weitaus besseren Eindruck, als am Vortage.

»Ich hatte eigentlich mit mehr Schalter und Sicherungsblöcke gerechnet«, sagte Kevin. »Wie auf dem Space Shuttle. Wisst ihr?«

»Ich glaube es wird den gesam- ten Vormittag dauern, bis wir hier alles untersucht haben und uns unseren Reim darauf gemacht haben«, ergänzte Peter.

»Wenn ihr die richtigen Schlüsse zieht, dann wird es nicht lange dauern!«, sagte eine Stimme vom Zentraleschott her.

Beim Ton der Stimme zuckten wir zusammen und drehten uns langsam herum. Wir waren regel- recht überrascht worden. Keiner

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von uns hatte erwartet, jemanden auf diesem Schiff anzutreffen.

»Oh, Mensch. Ich hätt’ mir beinah’ in die Hose geschissen!«, bemerkte Kevin leise, mit fahlem Gesichtsausdruck.

Der Fremde war etwa 2 Meter groß und in einer schwarzen Kom- bination gekleidet, die ihm wie angegossen passte. Er nahm den flexiblen Helm ab, und näherte sich uns mit festen Schritten, wobei er seine Selbstsicherheit zur Schau trug.

»Hallo! Ich bin Max«, stellte er sich kurz und bündig vor.

Er schälte sich aus seiner Kombi- nation und nun konnten wir ihn besser erkennen. Enttäuscht stellte ich fest, dass er unter seiner Kombination nur eine lindgrüne, uniformartige Bekleidung trug. Die schlicht gehaltene Uniform wurde durch ein 10 cm großes, rundes Emblem in der Herzgegend geschmackvoll ergänzt. Das Emblem zeigte ein Symbol umgeben von ein paar Sternen. Bei näherer Betrachtung entpuppte sich das Symbol als ein schräglie- gendes Kreuz das verdickt auf einem anderen Symbol aufgestickt zu sein schien. Das Material des Abzeichens leuchtete wie Gold, konnte jedoch auch von einem anderen, uns unbekannten Mate- rial, stammen. Ich schätzte ihn auf ungefähr 35 Jahre. Sein schwarzes Haar war auf Schulterlänge geschnitten und in Mittelscheitel-

fasson gehalten. Wenn er lächelte, zeigte er seine makellosen weißen Zähne. Sein muskulöser Körper ließ Kraft und Geschmeidigkeit vermuten. Die Hände waren fein- gliedrig und wiesen 5 Finger auf. Er hob seine rechte Hand und zeigte uns seine offene Handflä- che. Danach begrüßte er uns im Einzelnen, in einem gutverständ- lichen Englisch.

»Die Schaltkreistechnologie die hier Anwendung findet, basiert auf selbstheilende oder selbstreparie- rende Prinzipien«, knüpfte er an unsere vorangegangene Unterhal- tung an. »Das stromleitende Mate- rial fließt sofort in die Lücken die durch einen Überstrom erzeugt wurden. Sollten die Überstrombe- dingungen über einen längeren Zeitraum anhalten, so werden automatisch sekundäre Strom- kreise hinzu geschaltet, um die entstandenen Ströme zu halbie- ren. Gesetz dem Fall, dass dieses zu keinem Erfolg führt, so wird eine akustische Warnung erteilt, mit dem Hinweis auf die Fehler- quelle und der Fehlfunktionskon- dition. Erst danach wird der Schaltkreis außer Betrieb gesetzt. Das macht Sicherungen für gene- relle Anwendungen überflüssig. Sollten die Lebenserhaltungssys- teme in ihrer Funktion betroffen sein, so wird bereits ab einer Über- stromsituation von 60% versucht, eine Sekundärverschaltung vorzu- nehmen. Diese 60% beziehen sich allerdings auf einen vorher bestimmten Schwellenwert, der

Sekundärverschaltung vorzu- nehmen. Diese 60% beziehen sich allerdings auf einen vorher bestimmten Schwellenwert, der →

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nur durch den Kommandanten geändert werden kann.«

es

Kevin.

»Ich glaube wir benötigen mehr Informationen, um diese Techno- logie besser schätzen zu lernen«, sagte ich, um vielleicht frühzeitig ein Zugeständnis für die notwen- dige Wissenserweiterung, heraus zu kitzeln. »Wie bist du eigentlich in dieses Schiff gelangt?«

»Jedes unserer Schiffe besitzt einen Materiesender, durch den wir in der Lage sind von Schiff zu Schiff zu transferieren. Wir haben zwei verschiedene Möglichkeiten von einem zum anderen Punkt zu gelangen. Wenn wir von Schiff zu Schiff springen, dann erregen wir die Gegenstation, die sich dann automatisch auf Empfang stellt. Wenn es keine Gegenstation gibt, so erzeugt das System einen rela- tiven Fiktivpunkt, der aber Entfer- nungsbegrenzt ist. Hierzu ist es notwendig, dass ein vager, visu- eller Kontakt zum Transferpunkt erstellt werden muß. Der eigent- liche Transport, erfolgt durch eine höhere Dimension. Die Gesetze und Realitäten dieses Überraumes folgen anderen Grundlagen als in normalen Kontinuum. Zeit, wie ihr sie kennt, erhält eine andere Bedeutung. Sie ist zwar immer noch ein Faktor, jedoch im Ver- gleich zum allgemeinen Konzept beschleunigt. Wobei die Beschleu- nigung in einem direkten Verhält-

»Phantastisch!«,

entfuhr

in einem direkten Verhält- »Phantastisch!«, entfuhr nis Initialenergie steht.« »Ich muß mich jetzt setzen

nis

Initialenergie steht.«

»Ich muß mich jetzt setzen sagte Peter.

»Sag ‘mal Max, findet dieselbe Technologie ebenfalls Anwendung bei euren Schiffsantrieben? In anderen Worten, hoher Energie- aufwand, kürzere Reisezeit?«, fragte ich ihn.

»Nicht dieselbe, jedoch eine art- verwandte Technologie. Ich möchte nicht zu weit vorgreifen, aber unsere Reisezeit beträgt nur 2 Stunden über eine Entfernung

von etwa 40 Lichtjahren, inklusive der Beschleunigungs- und Brems- phasen. Im Gegensatz arbeiten die

Materiesender instantan

»Augenblick!«, unterbrach Peter. » Ich könnte mir theoretisch vorstellen, dass ihr weit mehr als 700 km/sec2 an Beschleunigung aufwenden müsstet, um über- haupt in der Lage zu sein, dem normalen Kontinuum zu entflie- hen. Die Andruckkräfte müssten euch regelrecht zerquetschen. Es sei denn, daß die Beschleunigung langsam und stetig vorgenommen wird?«

»Ich darf euch leider nicht alle Informationen zukommen lassen, dass müsst ihr verstehen, jedoch kann ich eins sagen: wir sind in der Lage sind diese kinetischen Kräfte zu meistern!«

Das war nun wohl erst einmal alles, was wir aus ihm herausholen

«,

aufgewendeten

zur

«

konnten, zumindest was diesen Bereich betraf.

Er wechselte das Thema und sagte zu mir: »Die einstweilige Auswertung der Sondierung eurer Emotionen, ergab bereits ein grobes Bild, welches uns andeutet, dass du, bereits eine recht gute Vorstellung von uns hast. Den ersten konkreten Hinweis liefer- test du uns als du den Vergleich mit den Pharaonen herstelltest. Du bist auf dem richtigen Weg, obwohl deine Information noch lückenhaft ist. Es fehlen dir nur einige Mosaiksteinchen, um das Bild zu vervollständigen. Unter- schwellig weißt du ebenfalls worum es geht, Kevin«, sprach er nun Kevin an. »Nur bist du noch nicht bereit den letzten Sprung zu wagen. Deine religiöse Vorstel- lungswelt macht dir Schwierig- keiten auszubrechen und den Nebelschleier zu zerreißen. Bei Peter ist das jedoch alles ganz anders«, wandte er sich jetzt an Peter. »Du läßt alles auf dich zukommen und triffst danach deine Entscheidungen. Diese Maß- nahme bereitet die wenigsten Ent- täuschungen. Obwohl ihr drei von unterschiedlicher Faser seid, so habt ihr euch doch auf einen spiri- tuellen Nenner geeinigt, der es euch ermöglicht, trotz aller Unter- schiede, an einem Strang zu ziehen. Wir glauben aus den Daten herausgefunden zu haben, dass nicht nur der Wille zum Überleben der ausschlaggebende Gedanke ist. Ihr drei unterschiedlichen Indi-

viduen habt euch gesucht und gefunden, um ein noch sehr unklares Ziel gemeinsam anzuge- hen und die zu erwartenden Pro- bleme zu lösen. Der Schlachtplan ist jedoch noch nicht voll ausge- reift. Für mich ist diese Zusammen- arbeit sehr aufschlussreich und ist auch der Grund, warum ich in Persona erschienen bin. Ich werde euch jetzt einige Informationen liefern, die wir dann durcharbeiten können. Es wird vielleicht nicht möglich sein alle aufkommenden Fragen befriedigend zu beantwor- ten, aber wir werden ja sehen. Der Ausgang dieser Unterhaltung bestimmt dann, ob wir euch weiter in unsere gemeinsame Geschichte einweihen werden. Ich werde keinen von euch dazu zwingen mir zu zuhören. Ihr könnt jederzeit das Schiff verlassen. Es ist nicht immer von Nutzen, über alles Bescheid zu wissen. Es kann zu Verwirrungen führen oder zu einem Gefühl der Machtlosigkeit.«

Wir setzten uns in die Sessel, die in kreisförmiger Anordnung um den Hauptbildschirm in der Zentra- le, angeordnet waren. Max teilte uns außerdem noch mit, dass sie mit der erdgebundenen Mann- schaft Verbindung aufgenommen hatten, die wiederum einen Report geliefert hatten. Max war über die Angelegenheiten auf der Erde informiert und wußte somit über die Sozialstrukturen und den

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technologischen Stand der Plane- tenbewohner Bescheid.

»Vorrausschickend möchte ich bemerken, dass wir nicht verant- wortlich sind für die politischen und religiösen Entwicklungen der Neuzeit, wie sie sich auf eurem Planeten etabliert haben«, begann er. »Diese Entwicklungen sind für uns sehr aufschlussreich, aber auch besorgniserregend.«

»Darüber werden wir später noch zu sprechen haben«, sagte

ich. »Ich denke nämlich, dass auf- grund eurer Agitationen dieses Gefüge geschaffen wurde, wenn

auch indirekt

»Wir sollten diese Diskussion noch etwas zurück stellen«, warf Peter schnell ein.

«

»Vor ungefähr 450 000 eurer Jahre, setzten wir Fuß auf diesen Planeten«, begann nun Max. »Die Bewohner waren noch nicht alle sesshaft und eine große Anzahl zogen über die Steppen und Berge. Einige Gruppen, in Asien, Nordeu- ropa und Südafrika, hatten jedoch bereits die Vorzüge von Höhlen als festen Wohnsitz erkannt. Einige einfache kommunale Systeme hatten sich sogar bereits entwi- ckelt. Hinzu kam, dass eine ein- fache Zeichen- und Lautsprache entwickelt worden war, die es ihnen ermöglichte mit anderen Kommunen zu handeln. Wir ließen sie in Ruhe, da sie uns in diesem

Stadium nicht viel nützten. Es ver- steht sich hierbei von selbst, dass einige der Menschen gefangen wurden und auf ihre genetischen Strukturen hin untersucht wurden. Dieser Planet schien alles zu besit- zen, was bei uns nur noch schwer zu erhalten war. Wir waren haupt- sächlich an Gold und Silber inter- essiert. Die damalige Technologie zur Erhaltung der dünnen Atmo- sphäre unseres Planeten war ins- besondere auf Gold angewiesen, um die komplizierten Katalysepro- zesse in Gang halten zu können. Obwohl bereits Alternativfor- schungen angelaufen waren, war es dennoch notwendig Gold zu verwenden. Es war jedoch abzuse- hen, wann die gesamte Förderung nicht mehr ausreichen würde. Die Alternativforschung war jedoch noch nicht weit genug vorange- schritten, um auf Gold verzichten zu können. Das Goldvorhaben dieses Planeten würde uns den benötigten Aufschub geben. Die Erde wurde also als Rohstoffplanet erklärt und es wurde alles daran gesetzt, die nötigen Grundstoffe abzubauen. Wir begannen zuerst mit der Entziehung des Goldes aus dem Meereswasser. Das Metall war in großen Mengen im Wasser enthalten. Die Dichte, per m3 , ist jedoch gering. Es dauerte sehr lange, das Gold aus dem Meeres- wasser zu extrahieren, so dass wir uns nach einer anderen Methode umsehen mussten. Unsere Erkun- dungsgruppen fanden riesige Gold- vorhaben in Südafrika. Es wurde

anderen Methode umsehen mussten. Unsere Erkun- dungsgruppen fanden riesige Gold- vorhaben in Südafrika. Es wurde →

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deshalb beschlossen, die Goldge- winnung vom Meer aufs Land zu verlagern. Unsere Hauptbasis befand sich auf der Sinaihalbinsel. Die Region eignete sich sehr gut als Raumhafen auf dem wir unsere SHEMS landen konnten. Dies führte dazu, dass wir die nördliche Hemisphäre als Oberwelt und die Südliche Hemisphäre als Unter- welt bezeichneten.«

»Augenblick«, unterbrach Kevin, der gespannt der Schilderung von Max gefolgt war. »Die Oberwelt und Unterwelt haben bei uns eine gänzlich andere Bedeutung. Wir verstehen unter der Unterwelt, die Hölle oder Hades, also der Ort tief unter der Erde, an dem die verlo- renen Seelen hausen. Sie ist eben- falls der Wohnsitz des Teufels oder auch Satan genannt. Die Oberwelt ist der Bereich, auf oder über, der Oberfläche des Planeten.«

Das ist richtig, aus der Perspek- tive deiner religiösen Anschauung. Der Anfang war jedoch ganz anders. Ungefähr 300 unserer Leute arbeiteten in den Mienen. Sie wurden als Anunnakis bezeich- net. Die Bedingungen waren trotz der fortgeschrittenen Technologie, alles andere als ideal und ihr Leben war nicht einfach.«

»Berichtige mich bitte, wenn ich etwas Falsches sagen sollte«, unterbrach ich. »Soweit ich meine Quellen richtig verstehe, war der Gott ENKI, der Führer und Befehls- haber der Unterwelt. ENKI war der Sohn von ANU, der wiederum, zu

der Unterwelt. ENKI war der Sohn von ANU, der wiederum, zu dem Zeitpunkt, der Machthaber über

dem Zeitpunkt, der Machthaber über den Planeten NIBIRU war.«

»Daher auch der Name: ANUN- NAKIS, was nichts anderes bedeu- tet als die Anhänger und Verwandten ANUs.«, wandte ich mich erklärend an Kevin und Peter.«

»Das ist richtig, man konnte alle gelandeten Personen als Anunna- kis bezeichnen.«

»Ferner hast du vergessen zu erwähnen, dass die Anunnakis nicht die Ersten waren, die diesen Planeten betreten hatten. Es war der ehemalige Herrscher von NIBIRU, der von ANU vertrieben wurde. Sein Name war angeblich ALAHU. Er war derjenige, der auf seiner Flucht zur Erde, die Goldvor- kommen im Meereswasser ausfin- dig gemacht hatte. Er hatte erkannt, dass das Gold für NIBIRUS Technologie unentbehrlich war. Ich weiß allerdings nicht, was aus ihm geworden ist.«

»Das ist auch richtig. Ich wollte zu diesem Zeitpunkt, nicht zu tief in die geschichtlichen Details gehen.«

»Da ist noch etwas, was mich stört. Ihr lebt auf einem Planeten, auf dem es immense Probleme mit der Atmosphäre gibt, die euch alle umbringen könnte. Wäre es da nicht logischer gewesen, auf einen Planeten umzusiedeln, der bessere Verhältnisse aufweist? Stattdes- sen, wurden die Goldvorhaben auf diesem Planeten ausgebeutet und

mit großem Aufwand nach NIBIRU verschifft. Unser Planet hatte doch damals noch genug Platz, um jeden von euch aufnehmen zu können? Die Bewohner dieses Pla- neten waren noch nicht voll entwi- ckelt und hätten in ihrer Wachstumsrate begrenzt werden können. Ich glaube, dass deine Vorfahren eine goldene Chance verspielt haben.«

»Es wurde auch in Erwägung gezogen, jedoch wurde dagegen entschieden. Die Zustände auf NIBIRU, waren schließlich nicht so mörderisch, als dass es einen Umzug gerechtfertigt hätte.«

»Entschuldige bitte«, unterbrach jetzt Peter. »Das nehm’ ich dir nicht ab. Ich finde, dass Mike recht hat. Der Transfer hätte in mehre- ren Stufen erfolgen können. Die erste Gruppe hätte den Weg für die Nachfolgenden bereiten können, die dann bei der nächsten planetarischen Annäherung hätten folgen können. Du erwähntest doch selbst, daß euer Jahr etwa 3600 unserer Jahre bedeutet. Also Zeit genug die notwendigen Vor- bereitungen zu treffen. Ebenfalls sind 3600 Erdjahre mehr als aus- reichend, die Verhältnisse dieses Planeten zu erforschen. Die Trans- portkapazität musste doch vorhan- den gewesen sein, da ihr doch andauernd Gold, von einem Pla- neten zum anderen verschifft hattet? Eine Zivilisation, die am Abgrund des Untergangs steht, muß einfach alles auf die Waag-

schale werfen, um am Leben zu bleiben. Das ist ein Naturgesetz.«

»Mir sind nicht alle Gründe bekannt, die dazu führten, nicht überzusiedeln. Ich verstehe eure Argumente und euer Erstaunen recht gut, andererseits sind eure Einwände typisch menschlich.«

»Nun, wir sind nun einmal keine Cosmo-Psychologen«, fügte Kevin lachend hinzu.

Wir lachten über seinen Scherz. Es war das erste Mal, dass Max eine fröhliche Emotion zeigte.

»Nach einiger Zeit waren die Anunnakis der Unterwelt, der harten und entbehrungsreichen Arbeit überdrüssig geworden«, fuhr er fort. »Sie verlangten einige Verbesserungen ihrer Bedin- gungen und revoltierten gegen ENKI. Sie konnten ENLIL, den Ober- befehlshaber über alle Anunnakies auf der Erde, davon überzeugen, dass es so nicht weiter gehen würde. ENLIL bewegte ANU dazu, sich mit den Meuterern zu arran- gieren. Er entschied daraufhin, in Zusammenarbeit mit dem Ober- medizinaloffizier oder Ober-Wis- senschaftler, NINHURSAG, primitive Arbeiter zu kreieren. Hierbei manipulierten sie mit der Gensubstanz der primitiven Erdbe- wohner. Mit Hilfe von Geburts- frauen der Anunnakis, schufen sie dann die ersten primitiven Arbei- ter. Diese Arbeiter konnten sich jedoch, als hybride Lebewesen, nicht von selbst fortpflanzen. Sie

kurzgeschichte

Begegnungen Teil 3 von Michael Köckritz

Bezeichnung für diese Arbeiter war der Name: ADAMA. Die Zucht- mütter wurden dieser Art der Lebenszeugung bald müde, wie man verstehen kann. Sie fühlten sich als Gebährmaschinen ausge- nutzt und machten ihrem Ärger Luft. Daraufhin wurde weiter am Erbgut herum experimentiert welches dazu führte, dass die pri- mitiven Arbeiter sich selbst den Nachwuchs zeugen konnten.«

»Lasst uns den Menschen machen, nach unserem Abbild und uns ähnlich«, unterbrach ich und zitierte die Stelle aus dem Alten Testament. »Seid fruchtbar und vermehret euch … und Adam erkannte Eva.«

»Das glaube ich nicht. Niemals!«, brach es aus Kevin hervor. »Das ist eine unverschämte Lüge! Das ist nicht wahr!«

Kevin war jetzt überaus erregt. Er sprang auf und rannte aus der Zentrale auf den Gang hinaus. Peter sah mich vorwurfsvoll an und folgte ihm wie der Blitz. Er holte ihn ein und hielt ihn fest. Kevin weinte bitterlich. Sein Körper bebte unter den Wein- krämpfen. Er konnte nur sehr undeutlich sprechen.

»Sag’ mir … dass Max lügt, Peter. Es … ist nicht die Wahrheit … rich- tig?«

»Ich glaube er erzählte die Wahr- heit. Er hatte keinen Grund uns anzulügen.«

»Ich wünschte, dass Mike nie die Sätze aus dem Buch Genesis aus- gesprochen hätte. Ich hasse ihn dafür!«

»Das kannst du ihm nicht vorhal- ten. Du hast keinen Grund ihn dafür zu hassen. Du hättest es dir bereits selber ausmalen können. Er hatte doch bereits gestern schon darauf hingewiesen, dass wir etwas herausfinden würden. Stimmt das etwa nicht? Er hat nur das ausgesprochen, was du bereits im Geheimen, ebenfalls schon längst herausgefunden hattest.«

»Du hast vielleicht Recht, aber ich hatte etwas anderes erwartet. Es kam so plötzlich.«

Als ich die beiden erreichte nahm ich Kevin in die Arme und bat ihn um Vergebung.

»Ich hatte nicht die Absicht

Max

gehabt dir weh zu tun

schlug vor, dass wir morgen weiter machen können. Du brauchst fürs Erste nicht daran teilnehmen, wenn es dich überfordert. Wollen wir zurück ins Lager gehen?«

Wir gingen zurück durch den Gang. Auf dem Weg vom Busch hinunter ins Lager, stolperte Kevin plötzlich und fiel Hals über Kopf, den restlichen Weg bis nach unten. Er stieß an einige der Felsen an und blieb bewegungslos liegen. Peter und ich beeilten uns nach unten zu gelangen. Kevin lag auf dem Rücken. Er atmete Stoßweise und kleine Blutrinnsale liefen ihm

uns nach unten zu gelangen. Kevin lag auf dem Rücken. Er atmete Stoßweise und kleine Blutrinnsale

kurzgeschichte

Begegnungen Teil 3 von Michael Köckritz

aus den Ohren. Er war Besinnungs- los. Er hatte sich dem Anschein nach auch noch das linke Handge- lenk gebrochen.

»Was meinst du? Wir sollten nachsehen, ob er innere Verlet- zungen davon getragen hat«, fragte ich Peter schwitzend.

Wir untersuchten ihn, konnten aber nichts Augenscheinliches feststellen.

»Ich glaube wir müssen etwas warten, bis wir erkennen können, ob er große blaue Flecken zeigt, die auf innere Blutungen hindeu- ten können«, meinte Peter keu- chend.

Wir transportierten ihn sehr vor- sichtig in den Schatten nach dem wir sicher sein konnten, dass er keine Verletzungen an Hals und Nacken hatte. Peter holte kühles Wasser das er auf ein Hemd schüt- tete und damit den Nacken abwischte, um Kevin etwas Kühlung zu verschaffen. Die Sonne brannte erbarmungslos auf uns nieder und sogar im Schatten war es erbärmlich heiß. Wir schienten seine gebrochene Hand mit den Mitteln unseres Verbandskastens und legten einen Notverband um seinen Kopf an. Kevin erwachte nach einer halben Stunde stöh- nend. Er musste große Schmerzen haben.

»Kevin kannst du mich hören!« rief ich.

Er reagierte sehr langsam.

du mich hören!« rief ich. Er reagierte sehr langsam. »Sag mir, wo du deine Schmer- zen
du mich hören!« rief ich. Er reagierte sehr langsam. »Sag mir, wo du deine Schmer- zen

»Sag mir, wo du deine Schmer- zen hast?«

»Mein Kopf schmerzt und meine Rippen. Mein ganzer Rücken brennt … wie Feuer. Ich habe Schwierigkeiten … beim Atmen.«

Er antwortete mir langsam mit schwacher Stimme. Tränen rannen ihm in Bächen über die Wangen. Kurz darauf fiel er wieder in Ohn- macht.

»Scheiße, verdammte Scheiße. Obwohl wir nicht viel erkennen können, muß er doch innere Ver- letzungen haben. Wie weit ist es bis zum nächsten Hospital, Peter?«

»Ungefähr 80 bis 90 Kilometer!«

»Verdammter Dreck. Das schafft er nie. Wenn wir ihn durch dieses Gebiet transportieren müssen, dann geht er uns ein, wie ‘ne Primel. Wir müssen einen anderen

© Thomas Rabenstein

Weg finden, ihn von hier wegzube- kommen.«

»Wir könnten es versuchen?«

»Unmöglich, Mensch!«

Ich trat wütend gegen die Plas- tikwasserflasche, die mit einem hässlichen Knall gegen einen Felsen prallte und aufriss.

»Ich geh’ zurück zum Schiff«, schlug ich vor. Bleib’ du hier und halte ihn ruhig. Gib ihm keine Medikamente! Lass ihn schreien und jammern, achte nur darauf, dass er sich nicht noch mehr ver- letzt. Gib ihm ebenfalls kein Wasser zu trinken, sondern benetze nur seine Lippen. Kevin wird bestimmt sehr durstig sein, wenn er wieder aufwacht. Ich bin bald wieder zurück.«

Ich hastete den Hang wieder nach oben, um zurück in die Höhle zu gelangen. Durch den Tunnel-

gang rennend stolperte ich mehr- mals und verlor dabei sogar einmal die Taschenlampe. Ich war froh, dass sie noch funktionierte als ich sie wieder zu mir nahm. Ich war nie ein guter Langstreckenläufer gewesen, aber dieses Mal fühlte ich die Seitenstiche nicht. Es dauerte für mich Äonen, bis sich das Schott öffnete. Ich stürzte in die Kommandozentrale und akti- vierte den Kommunikationsbild- schirm vom Vortage. Nach einer halben Minute erschien ein Gesicht auf der Gegenstation, jedoch war es nicht das vertraute Gesicht von Max. Ich erklärte dem anderen Fremden, dass ich Hilfe bräuchte, schien aber nicht in der Lage zu sein, es ihm begreiflich zu machen. Ich redete mit Händen und Füßen auf ihn ein und manches Schimpfwort verließ meine Lippen. Er kapierte nichts. Ich wunderte mich darüber, dass der Übersetzer nicht von ihm eige- schaltet wurde. Ich versuchte mich krampfhaft an den richtigen Namen von Max zu erinnern. Ich versuchte es mit El-Laru und wie- derholte den Namen in verschie- denen phonetischen Variationen. Plötzlich schien es bei ihm geklickt zu haben. Er verschwand vom Bild- schirm und nach etwa zwei wei- teren Minuten, war endlich das Gesicht von Max auf dem Bild- schirm zu sehen. Er ließ mich aus- reden und sagte dann: »Wir kommen sofort und werden dir helfen. Bleibe in der Zentrale. Wir werden dich dort antreffen.«

kurzgeschichte

Begegnungen Teil 3 von Michael Köckritz

Ich war total fertig und hoffte, dass wir nicht zu spät kamen, um Kevin zu helfen. Die nächsten 10 Minuten vergingen für mich wie eine Ewigkeit. Wie ein Wolf im Käfig, schritt ich die Zentrale auf und ab, nervös zum Zentraleschott blickend.

Dann kam er in Begleitung von zwei weiblichen Fremden in die Zentrale geeilt. Er ging auf eine der vielen Konsolen zu und schaltete an ihr herum. Ein anderer Bild- schirm zeigte plötzlich, wie Peter sich im Lager über Kevin beugte und ihm den Kopfverband erneu- erte.

»Ich habe einen Markierungs- punkt für den Materiesender erstellt, damit wir direkt in euer Lager gelangen können«, wendete er sich mir zu. »Folge mir!«

Wir eilten in den Gang hinaus und betraten einen Raum, den ich vorher nicht bemerkt hatte. Der Raum war nicht sehr groß und behauste nur eine Schaltkonsole und eine 9 m2 große Plattform. Er forderte mich auf diese Plattform zu betreten. Die beiden weiblichen Fremden folgten mir auf dem Fuß. Plötzlich knisterte die Luft und über uns spannte sich ein energe- tischer Bogen, der sich in einem rötlichen Blauton stabilisierte. Max kam ebenfalls auf die Platt- form und Augenblicke später waren wir verschwunden, um sofort im Lager wieder aufzutau- chen. Es hatte nur ein wenig im Nacken gekitzelt. Die weiblichen

Fremden kümmerten sich sofort um Kevin. Sie hatten kleine unscheinbare Geräte oder Instru- mente in der Hand, mit denen sie ihn untersuchten. Sie sprachen bei der Untersuchung kein Wort sondern sahen sich nur kurz an und nickten sich zu. Nach dem sie ihre Untersuchung beendet hatten, gingen sie zu Max und unterhielten sich mit ihm in ihrer Sprache. Ihre Stimmen waren klangen weich und fast sexy. Max hörte sich ihren Bericht an. Als Sie fertig waren wandte er sich an Peter und mich: »Euer Freund ist in einem schlechten Zustand. Er hat einen Schädelbasisbruch erlit- ten und eine seiner Rippen hat sich in die Lunge gebohrt. Das gebro- chene Handgelenk ist dazu im Ver- gleich, harmlos. Wenn ihr damit einverstanden seid, so werden wir ihn ins Mutterschiff senden, weil wir hier nicht die nötigen Mittel haben, ihm zu helfen?«

»OK. Solange ihm geholfen werden kann. Wir haben keine andere Wahl«, stimmte ich zu.

»Wir versuchen unser Bestes. Euer Metabolismus ist dem unseren sehr ähnlich.«

Max zückte seinen Kommunika- tor und manipulierte an ihm herum. Er sprach mit jemanden und ging dabei langsam auf Kevin zu. Er schob Peter sachte zur Seite und nach ca. zwei Minuten versch- wanden die vier in einem Blitz, gefolgt von einer leisen Verpuf- fung.

zur Seite und nach ca. zwei Minuten versch- wanden die vier in einem Blitz, gefolgt von

kurzgeschichte

Begegnungen Teil 3 von Michael Köckritz

»Was machen wir jetzt?«, fragte Peter.

»Keine Ahnung. Ich schlage vor etwas zu essen. Wir können in der Zwischenzeit, so oder so nicht viel unternehmen. Wenn er nicht durch kommen sollte, weiß ich nur nicht, wie ich es seiner Mutter beibringen soll?«

»Wie kannst du nur ans Essen denken? Ich verstehe dich nicht. Dein Freund wurde gerade eben in ein fremdes Raumschiff transpor- tiert und du denkst nur daran dir den Bauch voll zu stopfen.«

»Das ist meine Methode der Stressbewältigung. Ich fühle mich zum kotzen. Es soll es zumindest wert sein.«

»Wir haben immer noch Hoff- nung, dass Max und seine Leute etwas für ihn tun können. Ich bin mehr besorgt über seinen geisti- gen Zustand. Es muß doch ein ganz schöner Schock für ihn gewesen sein herauszufinden, dass die Genesisgeschichte direkt mit den Anunnakis zusammen hängt. Viel- leicht waren sogar die Großeltern von Max darin verwickelt.«

»Wir können ihn darüber ausfra- gen. Soweit ich mich in der Geschichte der Anunnakis ausken- ne, war diese ziemlich bewegt und nicht immer friedlich. Es gab Aus- einandersetzungen unter den ver- schiedenen Gruppierungen, die sich mit der etablierten Ordnung nicht abfinden wollten und ihre eigenen Einflussbereiche zu erwei-

abfinden wollten und ihre eigenen Einflussbereiche zu erwei- tern versuchten. Die Bezeich- nungen Anunnaki, Annaki oder

tern versuchten. Die Bezeich- nungen Anunnaki, Annaki oder Nefilim, sind nicht unbedingt die wirklichen Namen der Fremden. Diese Bezeichnungen stammen von den Überlieferungen der sumerischen und der babylo- nischen Zivilisationen. Sie mögen jedoch relativ nahe an der wirk- lichen Bezeichnung liegen. Es schadet aber nicht, diese her- kömmlichen Bezeichnungen, weiter zu verwenden. Vielleicht finden wir auf viele der noch offen stehenden Fragen eine Antwort. Ich bin mir nur nicht so sicher, in wie weit sich Max dazu hinreißen läßt, die gesamte Geschichte zu offenbaren.«

»Als Max auf dem Schiff erschien, fiel mir sein Brustabzei- chen auf. Mir scheint es so, dass es etwas Besonderes damit auf sich hat.«

»Es ist interessant, dass du das

ebenfalls bemerkt hast. Die Zusam- mensetzung ist bemerkenswert. Erinnerst du dich noch an unsere Tätigkeitsabzeichen bei der Luft- waffe? Insbesondere an das Brus-

des

tabzeichen

Flugabwehrraketenpersonals? Wir hatten damals die stilisierten Schwingen mit der abstrakten Abbildung der NIKE Herkules Rakete, in den Abstufungen:

Bronze, Silber und Gold.«

»Natürlich. Meinst du etwa, daß diese Art von Abzeichen einen ähnlichen Status, bei Max, dar- stellt?«

»Vielleicht. Ich denke, dass sein Abzeichen weit mehr symbolisiert als die Zugehörigkeit zu einem Truppenteil. Wir erkennen ein auf der Seite liegendes Kreuz. Es könnte symbolisch für den kreu- zenden Planeten stehen. Weiter- hin ist da ein Ring von Sternen, der das Kreuz, teilweise, aber auch eine andere Symbolzweiergruppe, vollständig mit einschließt. Wenn jetzt diese Symbolzweiergruppe eine Zahl bedeutet, die den Stand oder sozialen Rang darstellt, dann wäre es extrem wichtig zu wissen, an wen wir da geraten sind. Außer- dem ist das Brustabzeichen in einem Material gestickt was unserem Gold zu ähneln scheint. Ich will einmal Behaupten, dass wir einen relativ hohen Repräsentan- ten dieser Fremden, vor uns haben.«

»Das würde auch erklären, warum die Mediziner einen Bericht an ihn erstattet hatten, nach dem sie Kevin untersucht hatten. Ich beginne so langsam zu verstehen, obwohl du mir in Hin- sicht auf das von dir angedeutete Rangordnungssystem, noch ein paar Erklärungen schuldig bist. Außerdem nehme ich dir nicht ab, dass du deine Folgerungen nur aufgrund von Beobachtungen gemacht hast.«

Peter wollte jetzt wohl mehr herausfinden, in wie weit ich mit dem Thema vertraut war. Obwohl ich darauf brannte, ihm mein Wissen über die Frühgeschichte

der Erde zu erzählen, entschied ich mich jedoch dagegen. Die Ergeb- nisse konnten tiefgreifende Ände- rungen in der Vorstellungswelt von Peter und Kevin einleiten.

»Deine Neugier und deine Zweifel kann ich verstehen, Peter. Ich möchte dir aber eine Erklärung schuldig bleiben. In Zusammenar- beit mit Max, können die noch offenen Fragen besser geklärt werden. Ich habe auf diesem Gebiet selbst noch ein paar Lücken aufzufüllen. Die Komplexität des gesamten Themenkreises erlaubt es mir nicht ins Detail zu gehen ohne darin verloren zu gehen. Dazu haben wir bis morgen nicht genug Zeit zur Verfügung. Es ist besser, noch eine Weile zu warten. Du wirst nicht enttäuscht werden, glaube es mir.«

»Na schön, aber du weißt ja, dass

ich

nicht

leiden kann.«

»Versteh’ mich nicht falsch, aber es ist keine Geheimniskrämerei, da du sehr bald erfahren wirst, worum es geht. Ich will nur keine Missverständnisse aufkommen lassen.«

Peter gab es auf weiter zu bohren und wir machten uns über unsere Vorräte her. Nach dem Essen, das aus trockenem Brot und Konservennudeln mit Soße bestand, machten wir klar Schiff. Ich begann damit einen Fragenka- talog zusammenzustellen, während Peter sich mit seiner

Geheimniskrämerei

kurzgeschichte

Begegnungen Teil 3 von Michael Köckritz

Kamera beschäftigte. Die Sonne ging langsam unter und die vor uns liegende Wüste, flutete in rötlich- goldenen Farbtönen. In der Ferne tobte ein Gewitter und entließ seine aufgeladene Energie. Es war wie immer ein atemberaubender Anblick, wie die baumdicken Blitze in die Erde hämmerten. Das Gewit- ter war jedoch zu weit entfernt so dass wir den Donner nur als leich- tes Rumpeln hören konnten.

»Sieh dir die Laser-Light Show an. Alles kostenlos«, bemerkte Peter.

»Würde es nicht phantastisch sein, wenn man diese Energie nutzen könnte?«, fragte ich.

»Das ist nicht schwer«, sagte Max, der gerade zuvor materiali- siert war. »Es wird wohl noch 20- 30 Jahre dauern, bis ihr in der Lage seid, diese Energie zu nutzen.«

»Ich wünschte du würdest nicht immer so überraschend und noch dazu so nah’ bei uns auftauchen!«, sagte ich etwas verstimmt.

»Entschuldigt bitte. Ich werde beim nächsten Mal daran denken.«

»Du hast einen Besucher mitge- bracht. Ist sie eine der Medizinal- offiziere deines Schiffes?«, fragte Peter.

»Du hast richtig beobachtet, Peter. Ihr Name ist Antu-Er-Ma- rush. Sie ist Chefmedizinischer Offizier an Bord des Mutter- schiffes.«

»Interessant«, sagte ich kurz. »Wie geht es Kevin?«

»Er wird wieder gesunden«, ant- wortete sie mit weicher Stimme in fast akzentfreiem Englisch, was mich erstaunte.

»Er hat sich mehrere innere Ver- letzungen zugezogen. Die opera- tiven Eingriffe sollten bereits beendet sein. Mit etwas Glück wird er in ein paar Tagen wieder auf den Beinen stehen. Wir werden ihn nach der Operation in einen Genesungstank legen. Er ist in guten Händen. Die psychische Schädigung ist jedoch größer, als die physischen Verletzungen. Ich schlage vor ihn zu stabilisieren und ein Rehabilitationsprogramm anlaufen zu lassen. Sein mentaler Zusammenbruch ist ziemlich besorgniserregend. Der mensch- liche Geist ist ein zerbrechliches Gebäude. Es ist nicht leicht vorher- zusehen, wann ein Mensch zusam- menbricht oder in tiefe Depressionen verfällt, nur weil ein Teil der angestammten Vorstel- lungswelt auseinander gerät.«

Peter und ich starrten sie einfach an. Unsere Blicke hingen förmlich an ihren vollen, roten Lippen. Wir waren von ihrer Schönheit über- wältigt. Mein Selbstvertrauen rutschte mir in die Hosen. Mir war noch nie eine Frau solchen Kalibers begegnet. Sie hatte eine sagen- hafte Ausstrahlung. Ihr Gesicht hätte von einem Gemälde Michel Angelos stammen können. Die mandelförmigen Augen erinnerte

Ihr Gesicht hätte von einem Gemälde Michel Angelos stammen können. Die mandelförmigen Augen erinnerte →

kurzgeschichte

Begegnungen Teil 3 von Michael Köckritz

mich an die Augen der Apache- frauen. Der Gesichtsausdruck war geprägt von Sicherheit und Wärme, aber ohne Arroganz. Ihr ebenholzfarbiges Haar war turmartig gesteckt und wurde durch Klammern gestützt. Lange Korkenzieherlocken hingen ihr über die Schultern und berührten gerade so eben ihre wohlproporti- onierten Brüste. Die erklärenden Gesten, die sie mit ihren feinglie- derigen Händen ausführte, unter- strichen ihre Körperformen.

eh, Antu-Er-Marush,

erwartest du irgendwelche Kom- plikationen bei der Genesung Kevins?« fragte ich zögernd. Ich hatte Mühe meinen Blick von ihren faszinierenden Augen zu trennen.

»Nein. Wir haben die Möglich- keiten, ihn wieder herzustellen. Es wird allerdings etwas Zeit in Anspruch nehmen«.

»Wir wissen eure Hilfe zu schät- zen. Ohne euer dazu tun, hätten wir es vielleicht nicht geschafft, denn er wäre uns bestimmt auf dem Transport in das nächstgele- genste Hospital, gestorben.«, bedankte ich mich bei Max und Antu-Er-Marush.

»Ich werde morgen früh wieder hier bei euch sein«, sagte Max.

»Nochmals vielen Dank, Max«, nickte Peter.

»Kein Problem, aber nichts ist umsonst.«

»Sag

sie

wieder, so plötzlich wie sie gekom- men waren.

»Mann, oh Mann. Hast du das Frauenzimmer gesehen?«, fragte ich.

»Ist das wieder eine deiner typisch blöden Fragen? Sie war unschwer zu übersehen«.

»Ich bin beeindruckt. Es wird immer interessanter. Meinst du nicht auch?«

»Beruhige dich. Sie wird über uns keinen Schlaf verlieren. Darauf kannst du dich verlassen. Höre auf mit deinen Phantastereien.«

»Ich verwette Hundert Dollar, dass sich noch mehr von dem glei- chen Kaliber, auf dem Mutterschiff herumspringen.«

»Ich weiß nicht, ob sie sich auf herumspringender Weise fortbe- wegen, jedoch ist das im Augen- blick total belanglos. Ihr Schiff ist irgendwo da draußen im Sonnen- system und wir befinden uns auf der alten Mutter Erde. Wir werden morgen sehen, wie es weiter geht. Ich könnte mir vorstellen, dass es eine Menge zu tun geben wird.«

»Was hat Max gemeint, als er gesagt hat, dass nicht alles um sonst ist?«

»Weiß ich nicht. Wir werden das noch früh genug herausfinden.«

Danach

verschwanden

Den Rest des Tages verbrachten wir damit uns mit der Umgebung

Rest des Tages verbrachten wir damit uns mit der Umgebung vertraut zu machen. Wir hatten kein

vertraut zu machen. Wir hatten kein großes Verlangen in die Grotte zu gehen. In den subtro- pischen Regionen dauert es nicht lange, bis die Nacht herein bricht. Wir konnten wieder die Gewitter beobachten. Die Blitze schufen bizarre Figuren, wenn sie die Wolken von hinten beleuchteten. Die Weite erlaubte uns einen extremen Blickwinkel auf die Milchstraße. Wir schwiegen für einige Zeit und ließen den Eindruck der Natur auf uns wirken. Es waren Augenblicke wie diese, die mich immer wieder in diese Region der USA zurückzogen. Ich konnte Peter manchmal darum beneiden, daß er sich El Paso, als Wohnsitz gewählt hatte. Beim Anblick der Sterne musste ich fortwährend an Kevin denken.

»Erinnere mich morgen daran, Lupe anzurufen. Sie wird wohl Maria und die Kinder vom Flugha- fen in El Paso abholen müssen«, sagte ich zu Peter.

»Hatte ich fast vergessen. Wir müssen unsere Vorräte wieder auffüllen und ich könnte sie dann gleich benachrichtigen. Wir sind hier bestimmt noch für weitere 3 bis 4 Tage beschäftigt. Eigentlich möchte ich nicht losfahren, ohne etwas Bestimmtes über Kevin gehört zu haben, aber was soll‘s. Du kannst dann die Zeit nutzen und dich mit Max besprechen.«

Wir legten uns schlafen. In der Ferne konnte ich noch das Jaulen der Timberwölfe sowie das spitze Bellen der Kojoten hören.

Am Morgen war der Himmel bewölkt. Die Temperatur war über

kurzgeschichte

Begegnungen Teil 3 von Michael Köckritz

Nacht bis auf 130 gefallen und der Wind trug den Geruch von feuch- ter Erde zu uns heran.

»Es wird ein guter Tag werden«, bemerkte Peter mit belegter

Stimme. »Nicht zu heiß. Vielleicht ein bisschen schwül.«

Fortsetzung folgt …

Peter mit belegter Stimme. »Nicht zu heiß. Vielleicht ein bisschen schwül.« Fortsetzung folgt … © Michael

© Michael Peters

Peter mit belegter Stimme. »Nicht zu heiß. Vielleicht ein bisschen schwül.« Fortsetzung folgt … © Michael

buchvorstellung

Die Weitere Welt von Gabriela Bieber

ISBN:

978-3842339392

Verlag:

BoD GmbH Norderstedt

Seitenzahl:

128 Seiten / Paperback

Erschienen:

Dezember 2010

Preis:

9,50 €

Wenn du dein Leben nicht leben kannst, du dich gefangen

Wenn du dein Leben nicht leben kannst, du dich gefangen fühlst, verfolgt, dich niemand liebt, am wenigsten du dich selbst, ist es Zeit, diese Welt zu verlassen.

Christian ist Autor - Autor ohne Buch, denn sein Erstlingswerk wurde verboten. Die 13-jährige Calla wird sowohl in der Lernanstalt, als auch im Elternhaus mit Gewalt konfrontiert. Robert wurde von seiner Frau betrogen. Susannes Doppelleben aus Schichtarbeiterin und Künstlerin ist kollabiert. Natalie ist magersüchtig und Außenseiterin. Der Borderliner Thaisen leidet unter seiner streitsüchtigen Familie. Sie alle verbindet eines: die Sehnsucht nach Selbstzerstörung. Doch dann eröffnet sich ihnen eine Alternative, das Tor zur weiteren Welt, ein Zufluchts- und Heilungsort, so grenzenlos wie die Fantasie.

Dieser psychologisch-philosophische Roman erzählt die Geschichte vom gemeinsamen, offenen Kampf darum, das eigene Leben - sich selbst - nicht aufzugeben.

darum, das eigene Leben - sich selbst - nicht aufzugeben. Willkommen auf einer Reise von Denkanstoß

Willkommen auf einer Reise von Denkanstoß zu Denkanstoß, die Imagination und Realität zusammenführt.

buchvorstellung

Die Weitere Welt von Gabriela Bieber

Leseprobe

Dies ist eine fiktive Geschichte. Ähnlichkeiten mit real rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Kapitel 1

Innere Emigration

Ich wollte sterben. Nicht mehr bleiben in dieser Welt voller Ungerechtigkeit. Ich wollte ihnen das Ziel ihres Hasses wegnehmen, mich. Ich war nur noch Trauer und Angst. Das hier würde kein Selbst- mord werden. Ich war nämlich schon tot. Sie hatten mich umgebracht. Alles Gute in mir und an mir und in meinem Leben war tot aufgrund ihres letzten Angriffs. Ich hatte keine Lust mehr. Ich wollte mein Leben nicht noch einmal neu aufbauen. Sie würden es dann doch eh nur wieder neu zerstören. Ich hatte meinen Traum gelebt. Ich hatte ihn geliebt. Und sie haben ihn mir einfach weggenommen, meinen Traum und meinen Erfolg damit. Mir mein Buch, meine Meinung verboten. Einfach so hat man es ihnen möglich gemacht.

„Auch heute wird man noch verurteilt, wenn man sagt, die Erde ist rund. Stolz oder Geld machen es möglich. Dies ist kein Ort für mich. Die schmerzhafte Wahrheit verschwindet nicht, nur weil man sie verbietet. Sie haben mein Buch bei lebendigem Leib verbrannt! Aber Erinnerungen lassen sich nicht verbrennen wie Papier. Schlechte Menschen bleiben schlechte Menschen, auch wenn man über ihre Schlechtigkeit schweigen muss.“

Ich konnte es nicht fassen, wie sie Anhänger fanden in dieser Welt. Wie sie Menschen, von denen ich geglaubt hatte, sie liebten mich, dazu brachten, mich nicht vor ihrem Hinterhalt zu warnen, mich nicht zu schützen, nicht aufzufangen. Manche hatten einst gesagt, sie würden für mich sterben, und nun hatten sie mich lieber sterben lassen, als die Wahrheit für mich zu sagen.

existierenden

Personen

oder

Gegebenheiten sind

„Genauso wenig kann ich es fassen, wie sich jemand für Geld zum Handlanger des Bösen machen lässt. Wie jemand für Geld das Böse verteidigen, sich dafür einsetzen kann. Ich verachte diese Menschen. Ihre Schwäche, Manipulierbarkeit. Ihre Dummheit.“

Und die ganze Welt hier war offensichtlich voll von diesen Menschen. Ich wollte anders sein. Ich war anders gewesen. Mutig, unangepasst, offen, ehrlich. Und die ganze Welt hier hatte sich deswegen gegen mich gewandt.

„Wollten sie meinen Tod? Wahrscheinlich wollten

sie viel lieber nur spielen. Mit meinen Nerven, mit meinem Herzen. Wie sind sie nur auf die Idee gekommen, alles mit mir machen zu können?! Ist ihnen überhaupt klar, wie viel zu weit sie gegangen sind im Freudenrausch des anderen Leids? Aufs Ganze sind sie gegangen. Ist ihnen überhaupt klar, wie sehr mein jetzt zertrampelter Traum auch mein Leben war? War das bei aller Boshaftigkeit wirklich ihr Ziel, mir das Leben zu nehmen? Ich will Gerech-

meinen Schultern luden sie ihre

tigkeit!

Scheiße ab, um selbst gut auszusehen. Wenn ich weg bin, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sie sich gegenseitig ins Gesicht zu schmieren. Ein guter Grund zu sterben? Jedenfalls habe ich keinen guten Grund, weiterzuleben.“

Entschlossen nahm ich das Messer vom Tisch und drehte meine linke Handfläche nach oben, bog sie zurück, sodass sich die feinen, lilablaugrauen Adern unter meiner gespannten Haut der Klinge entgegen reckten. Der Tod schimmerte silbern. Silber hatte ich schon immer gemocht. Rein, edel, hell, Silber, das Element mit der höchsten elektrischen Leitfä-

Auf

→

buchvorstellung

Die Weitere Welt von Gabriela Bieber

higkeit. Ich war gerne ein Leiter für Kreativität gewesen.

„Gleich spritzt das Blut ebenso enthusiastisch aus meinen Wunden, wie bisher die Ideen aus meinen Fingerspitzen.“

Ich war gespannt auf das, was kommen würde, wenn ich mich aufgeschnitten und diesen Schleier aus Tränen zerrissen hatte, um hindurchzugehen. Würde es brennen? Die letzten Augenblicke meines Lebens noch einmal mit aller Kraft pulsieren? Würde es weh tun? Ich hatte jetzt schon so große Schmer- zen, dass ich den Unterschied zwischen 100 und 102 Prozent wohl kaum wahrnehmen würde. Freitod. Frei dank tot.

Ein letzter Blick auf meine Künstlerhand. Eine lange und schmale Hand, wie sie typisch für unnormale Menschen war. Unnormalsein war richtig. Unnor- malsein war aufrichtig sein. Ich liebte meine Hände für das, was sie für mich getan hatten. Für die Werke, die sie mir geholfen hatten, zu erschaffen. Ich hatte meine, unsere, Endprodukte sehr genos- sen, wenn auch nur für kurze Zeit. Es war die schönste Zeit meines Lebens gewesen. Es war nicht richtig, meinen Körper zu vernichten. Es war nicht gerecht. Ich war zu dankbar für seine Arbeit. Ich wollte Gerechtigkeit! Meine Hände und mein Kinn zitterten unter Tränen. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich wollte fortlaufen, doch es tat mir leid, meinen Körper dafür auslaufen lassen zu müssen. Halbherzig dieses treue Wunderwerk zu töten, feige einen Klingenrückzieher zu machen, beides wollte ich nicht. Wütend legte ich vorläufig das Messer zurück.

„Feige, so waren die anderen gewesen. So feige. Zu feige, zu sich selbst und ihren Taten zu stehen. Da haben sie dann einfach so einen Teil von mir, mehr noch, das Beste, was es je von mir gegeben hat, verboten.“

Verboten. Das klang ja so lächerlich. Schmerzens- schrei und Lachen vermischten sich trocken in

Schmerzens- schrei und Lachen vermischten sich trocken in meiner Kehle. Ich sackte auf dem Fußboden zusam-

meiner Kehle. Ich sackte auf dem Fußboden zusam- men, igelte mich ein und schlug meine Stirn gegen die Knie. Einen Teil meiner Identität verbieten zu wollen! Natürlich, und als nächstes schickte man einen Brief ans Wetter und verbot ihm den Regen, bannte Regen damit ein für alle mal, warum nicht, gute Idee, denn Regenwetter konnte einen ja auch ganz schön anpissen und einem unverschämter- weise die Abdeckcreme von der Teufelsfratze waschen. Wie weh mir die Dummheit dieser Leute tat.

Es war nicht möglich, einen Teil von mir alleine zum Tode zu verurteilen. Ihn hinzurichten bedeutete automatisch die Ermordung meines ganzen Wesens. Was war ein Autor ohne Buch?!

„Ein Buch von mir ist für mich wie ein Kind von mir, oder ein lebenswichtiges Organ.“

Dennoch, eines war sicher, ihre Schuld an meinem Tod hätten sie sich nie eingestanden. Stolz. Neue Märchen hätten sie erfunden, die mich noch im Grab vor Wut hätten brodeln lassen. Ihre eigenen Fehler hätten sie sich zu meinen gemacht. Die Wahrheit jedoch hätten sie niemals in ihr Bewusst- sein gelassen.

„Ich will nicht aufgeben. Ich will zu mir stehen. Ich will erschaffen, denn dafür bin ich geschaffen wor- den.“

Mein Geist wollte immer noch Gedichte, Texte, Bücher hervorbringen. Ich bekam Besuch. Neue Ideen versammelten sich in meinem Kopf, wie eine Gruppe von guten Freunden, die mich von einer Dummheit abbringen wollten, mir aufzeigen woll- ten, was ich alles noch zu erledigen hatte.

„Jetzt noch nicht“, baten sie, „wir sind noch da. Wir wollen erst noch sichtbar werden durch dich.“ Und wenn ich der Einzige war, der je einen Blick auf ihre Verwirklichung werfen würde. Und wenn es nur Kunst um der Kunst willen war. Es war ein Grund, meine Existenz nicht auszulöschen. Mehr denn je wollte sich Gottes künstlerische Seite durch mich

ausdrücken, durch mich wirken. Und ich wollte nicht, dass sich die Muse einen neuen Kanal suchen musste. Ich wollte derjenige sein. Aber wie? Wie nur? Wie sollte ich es noch einen Tag länger aushal- ten hier in dieser Welt, voll mit Menschen, die mich nicht verstanden. Nie verstehen würden. Ständig gegen den Sturm zu gehen, meinen Weg hier zu gehen, das konnte ich nicht mehr. Weil ich es nicht mehr wollte. Ich wollte ich sein, aber ohne den Rest der Welt hier gegen mich zu haben. Ich sehnte mich so sehr nach einem neuen Leben, in einer neuen, besseren Welt. Es stand mir verdammt noch mal zu, dort hinzugehen, wenn ich doch sowieso schon innerlich gestorben war! Meine Seele schrie ohren- betäubend nach Gerechtigkeit.

„Du bist noch viel zu laut, um für immer stumm zu sein, Christian.“

Zärtlichen Spott konnte sie vernehmen.

„Tote können nicht hören“, gab ich zu, freudlos einen Mundwinkel hebend.

Die Muse setzte sich neben mich und legte tröstend ihre Arme um mich herum. Ich fühlte plötzlich Leben in meinen Fingern kribbeln, das zarte Verlangen nach einer Tastatur oder Zettel und Stift, damit die Energie fließen konnte. Leben. Es gab doch noch etwas Lebendiges in mir, oder es gab es wieder. Etwas, was niemand jemals vernichten konnte: Die universelle Intelligenz, Bausteine, die nie ausgingen, Materie göttlicher, schöpferischer Natur, wie gol- denes Wasser.

„Denkst, deine Seele sei sterblich, schon tot“, erzählte mir die Inspiration mit einem wohlwol- lenden Lächeln, das von einem Kopfschütteln ergänzt wurde.

Sie hatte keine feste Form, kein bestimmtes Ausseh- en, kein fixes Geschlecht, denn sie war stets der pure Wandel. Wundervoll.

buchvorstellung

Die Weitere Welt von Gabriela Bieber

„Du musst doch auch gar nicht sterben, um in eine bessere Welt zu gelangen. Ich weiß eine andere Möglichkeit.“

Das weibliche Personalpronomen hatte die Muse sicher für ihre helle Stimme erhalten. Es war immer wieder ein Erlebnis, ihr mit jeder Faser meines Seins Aufmerksamkeit zu schenken. Ich genoss es, wenn sie zu mir sprach, wenn sie mich erfüllte, und öffnete mich so weit wie möglich für sie.

„Zusammen können wir deine bessere Welt erschaffen, Christian. Eine Welt voller Freiheit und Liebe für dich und für jeden, der sich noch danach sehnt. Meine Möglichkeiten und damit die deinen sind grenzenlos. Du kannst alles haben, was du dir nur vorstellen kannst. Ich helfe dir noch lieber, als dass du dir von mir helfen lässt.“

Die Inspiration erhellte meinen Geist, hellte meine Stimmung auf, zeigte mir einen Weg auf. Die Wolken zerfielen unter ihren Strahlen. Herzblut regnete rettend auf den Scheiterhaufen herab, auf dem man mich festgeschnürt hatte. Das Feuer aus Hass schrie zischend auf und wurde benutzt, um ein neues aus Leidenschaft zu nähren. Mein Herz und mein Geist waren eins, ein Feuerball, der rasant wuchs, sodass er bald nicht mehr in meinen Körper passte. Er durchdrang von innen meine Haut, ohne mir irgendeinen Schaden zuzufügen, und war im nächsten Moment eine riesige Kugel, in der ich stand. Ich schloss die Augen und wurde sanft darin fortgetragen, immer den Worten nach, die in meinem Geist entstanden.

„Ein Ort der Freiheit, der Heilung, der Erholung, nicht nur für mich, auch für andere, die ihn brau- chen.“

Mit jedem schöpferischen Gedanken kam ich meinem Ziel näher, auf einem fliegenden Teppich aus Worten.

„Ich werde andere Menschen einladen, auch dorthin zu kommen“, versprach mir die Muse,

Teppich aus Worten. „Ich werde andere Menschen einladen, auch dorthin zu kommen“, versprach mir die Muse,

buchvorstellung

Die Weitere Welt von Gabriela Bieber

„wenn du fertig bist; ihnen alles zeigen und erklä- ren.“

„Ein Ort der Gerechtigkeit, der Freiheit und Akzep- tanz. Einfach und einfach perfekt.“

Vor meinem inneren Auge erschien eine Meeres- bucht, kristallklares Wasser schlug gegen warme Steine, Bäume hüllten einen Pfad in Schatten, der beim Meer angrenzte und zu einer kleinen Siedlung führte, und in dem Moment, wo ich es gesehen hatte wusste ich, es hatte sich manifestiert. So einfach wie sie war, so herrlich war sie, meine zweite Welt. Meine weitere Welt. Eine Welt ohne Einschränkungen. Schwerelos in frei formbarer Materie badend, hatte sie Gestalt angenommen. Was noch fehlte, würde ich jederzeit ergänzen können. Im Moment fehlte nur noch eine Verbin- dung, ein Weg zurück, es war eine Welt der unbe- grenzten Möglichkeiten, also bedarf es einer Möglichkeit, sie jederzeit wieder verlassen zu können. Der Waldweg bekam eine Abzweigung, an deren Ende ein Wirbel aus bunten Farben leuchtete und sich einen Rahmen aus weißem Stein erschuf. Ohne einen einzigen Blick zurück ging ich durch das Tor.

Mich empfing richtige Natur. Keine, die der Mensch verpfuscht hatte. Vor mir war noch nie jemand hier gewesen. Nur ein schmaler Pfad war Hinweis auf Menschen. Die Luft war die reinste, die ich je geatmet hatte. Sie duftete nach Holz, Moos und Blättern, hieß mich willkommen, genauso wie ich war. Die Natur kümmerte sich nicht darum, was ich tat oder nicht tat, was ich dachte oder nicht dachte, was ich fühlte oder nicht fühlte. Es war ihr egal, ob ich erfolgreich war oder nicht, ob ich gewann oder verlor, ob ich begeisterte oder enttäuschte, ob ich erschuf oder zerstörte, ob ich mich anpasste oder nicht anpasste. So wie ich jetzt im Moment war, war ich gut und geliebt. Es war egal, wie ich gekleidet war, welche Narben ich davongetragen hatte, egal, ob ich gewaschen und gepflegt war, wo ich stand auf der Skala von hässlich bis schön. Die Natur hatte

auf der Skala von hässlich bis schön. Die Natur hatte keine Vorbehalte. Keine kritischen Augen. Stattdes-

keine Vorbehalte. Keine kritischen Augen. Stattdes- sen verwöhnte sie mich mit dem Aroma von Frei- heit, von Stärke und von Leichtigkeit. Wie hatte sich die Menschheit nur so unangenehm weit von ihren Wurzeln weg entwickeln können? Die Natur war unzerstörbar, ein einziges Heilungssystem. Sie freute sich über meine Anwesenheit und fürchtete die Menschen nicht, was auch immer sie ihr angetan hatten und sie scherte erst recht nicht alle über einen Kamm. Was man ihr nahm, erschuf sie neu. Ohne Zorn. Die Natur rächte sich nicht, wenn man sich ohne zu fragen ihrer Schätze bediente, sie ihrer gar beraubte. Ohne Mühe brachte die Natur einfach wieder Neues hervor. Das Gras strengte sich nicht an, um zu wachsen.

„Du kannst auf die selbe Weise leben.“

Der Wind fuhr über meine Haut, durch mein Haar und nahm alles Negative, jeden Ballast von mir ab, ohne irgendeine Gegenleistung zu erwarten. Meine Individualität, mein Anderssein, war erwünscht, nichts Seltsames und vollkommen akzeptiert. Ich war ein Teil vom großen Ganzen. Gott, Muse, Natur, alles war ein und dasselbe. Ich gehörte dazu. Ich hatte die selben unerschöpflichen Kraftreserven. Die selben unerschöpflichen Möglichkeiten, wie sie die Natur in ihrer Vielfalt auslebte. Ich hatte es geschenkt bekommen und behalten dürfen, ohne all die Jahre je großartig dafür gedankt zu haben. Umso mehr Freude und Dankbarkeit empfand ich nun. Und ich fühlte diese Emotionen in allem Leben- digen um mich herum widerhallen. Die sanfte Kühle und die befreiende Wahrheit sorgten dafür, dass ich eine Gänsehaut bekam in meinem T-Shirt - und dahinschmolz, wenn ab und zu das Sonnenlicht durch die Baumkronen brach. Es lief sich so ange- nehm und locker auf dem weichen, unebenen Waldboden. Ich streckte im Gehen die Arme aus und

strich über alles, worauf ich mit meinen Händen traf,

Manches schmiegte sich an

Blätter, Rinde, Beeren

mich, manches bleib kurz hängen, manches war starr, doch jede einzelne Berührung war eine Sym-

phonie kleiner Küsse und ein Austausch von Zunei- gung. Durch den Gesang der Vögel und des zarten Windes sprachen die Bäume und Büsche und Stein- chen zu mir, weise und erfahren, aber dennoch unbeeinflusst und arglos. Sie nannten mich ihren Bruder und ihren guten Freund, ihren Seelenver- wandten. Sie versprachen mir ihre Unterstützung und Loyalität und boten mir an, jederzeit herkom- men zu können, um glücklich zu sein, egal was auch immer geschehe. Alles schien zu denken wie ich und gab mir geniale Denkanstöße.

„Hier in dieser neuen, weiteren Welt, kannst du alles haben, was du möchtest. Danach zu fragen genügt, um es zu bekommen. Es gibt keine Grenzen, höchs- tens in deinem Kopf. Diese Welt besteht aus purer, positiver Energie, und diese Energie folgt deinen Gedanken, dankbar, dass du in deiner Vorstellung Formen für sie gießt, sodass sie Gestalt annehmen kann.“

Ich konnte meine Kreativität voll ausleben. Ich konnte erschaffen nach Lust und Laune. Ich würde andere Menschen damit begeistern. Dies war wahr- haftig ein Paradies. Ein Leben nach dem Tod hätte nicht besser sein können als dieses neue Leben, in dieser neuen Welt. Das war mein Neuanfang. So wie die Natur sich ständig regenerierte und neu erfand, ließ ich alles Schlechte hinter mir, nur was ich Gutes aus dem Schlechten gezogen und gelernt hatte, behielt ich. Ich war Altes und Neues zugleich, so wie es in diesem Wald sowohl schon große, als auch gerade erst keimende Pflanzen gab. Die Liebe zur Natur und zu mir selbst und von der Natur und von mir selbst reinigte mich und verwandelte mich von einem frustrierten zu einem fröhlichen Menschen. Über meine eigenen Selbstmordpläne musste ich

buchvorstellung

Die Weitere Welt von Gabriela Bieber

mich nun wundern. Und ich umarmte gedanklich meine wunderbare Schwester Muse für ihre Über- redungskünste. Ich dankte für ihre Fähigkeit, Begeis- terung in Menschen entfachen zu können, Menschen ins Tun zu bringen. Ich dankte mir selbst, dass ich die Muse hören und ihre Anweisungen sowohl verstehen, als auch verwirklichen konnte. Ich dankte meinem Körper dafür, dass er stets alle meine Befehle ausführte und gesund war. Ich dankte dafür, lebendig zu sein. Dankte dafür, ein außergewöhnliches Leben zu führen. Dankte dafür, ein besonderer und wertvoller Mensch zu sein, auch wenn ich in der alten, engeren Welt einen Maulkorb tragen musste, weil ich kein braver Wuffus war. Ich wusste, dass ich auch ohne Buch nicht so wie alle war, dankte dafür, dass ich immer noch ich war. Ich liebte mich selbst, weil ich war, wie ich war. Ich dankte sogar für meine schrecklichen Erfahrungen bisher, denn sie hatten schließlich dazu beigetragen, meine Persönlichkeit zu formen. Dankbarkeit war wundervoll. Dankbarkeit war Sicherheit. Unendliche Glücksressourcen auf Lager. Die Sicherheit, sich jederzeit gut fühlen zu können, weil sich immer unendlich viele Gründe auftaten, dankbar zu sein, machte man nur mal den ersten Gedanken in diese Richtung. Genauso wie die Handlung einer Geschichte sich während des Schreibens von selbst ergänzte, wenn man mit dem groben Grundgerüst begann.

Und hinter mir hörte ich leise Stimmen. Es waren meine Gäste. Sie waren schon der Einladung der Muse gefolgt und angekommen. Ich strahlte über das ganze Gesicht. Wie gerne ich etwas für andere erschuf! Wie gerne ich andere mit auf eine erhol- same Reise nahm!

das ganze Gesicht. Wie gerne ich etwas für andere erschuf! Wie gerne ich andere mit auf

portrait / interview

Gabriela Bieber

VITA DER AUTORIN Gabriela Bieber wurde im Mai 1990 in Bamberg geboren und lebt heute

VITA DER AUTORIN

Gabriela Bieber wurde im Mai 1990 in Bamberg geboren und lebt heute im Landkreis Lichtenfels. Bereits in der Schulzeit entdeckte

sie das Schreiben für sich. Seit 2008 veröffentlicht sie in unregel- mäßigen Abständen Lyrik und Kurzprosa in Anthologien, so auch

2010 im Gedichtband

wodurch die weitere Zusammenarbeit an Gabriela Biebers bislang größtem Buchprojekt, dem Roman Die weitere Welt, zustande kam. Jenseits des Schreibens studiere ich in Bamberg Lehramt Realschule Deutsch und Englisch im dritten Semester. Wenn ich mich abends aufraffen kann, trainiere ich Kampfsport. Ich höre bevorzugt Musik, die gute Laune macht. Weitere Leidenschaften meinerseits sind das Kaufen, Sammeln und Verwenden von Beautyprodukten sowie das Surfen im world wide web.

die Liebe!? von Eichenblatt Literatur,

Und

Ausführliche Liste aller bisherigen Buchveröffentlichungen (unter bürgerlichem Namen):

2008

Veröffentlichung des Gedichts "Für dich" im Jahrbuch für das neue Gedicht 2008 der Frankfurter Bibliothek*

2009

Veröffentlichung des Gedichts "Unterernährt" in der Anthologie "Ausgewählte Werke XII" der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte* * Ich habe diese Veröffentlichungen bei Wettbewerben gewonnen. Gewonnen bedeutet gewonnen, also vollkommen kostenlos und ohne auch nur irgendetwas dabei zu kaufen, bekommen. Generell halte ich jede Veröffentlichung für einen Erfolg. Veröffentlichung der Kurzgeschichte "Rastplatz-Romanze" in der Kurzgeschichtensammlung "Bester Sex" vom Magazin Alley Cat und dem Schwarzkopf&Schwarzkopf Verlag

2010

April:

Veröffentlichung der Erzählung "Der Eindringling" in der Gruselgeschichten-Anthologie "Mitten unter uns" des Sperling-Verlags Mai:

Veröffentlichung der Kurzgeschichte "Bitte freu dich!" sowie der Gedichte "Irrlicht", "Rückstoß" und "Erkenntnis" in der Anthologie "teilzeitengel", Hrsg.: Florian Zach November:

Veröffentlichung des Gedichts "Allein" in der Anthologie "

Dezember:

Veröffentlichung des Romans Die weitere Welt mit Unterstützung von Eichenblatt Literatur

Und

die Liebe!?" von Eichenblatt Literatur

Die weitere Welt mit Unterstützung von Eichenblatt Literatur Und die Liebe!?" von Eichenblatt Literatur →

portrait / interview

Gabriela Bieber

Freundlicherweise hat sich Gabri- ela für ein Interview zur Verfü- gung gestellt:

Was war das für ein Gefühl, dein erstes Buch in den Händen zu hal- ten, das offiziell verlegt worden ist?

Gabriela Bieber: „Endlich ist es da!“ Dann „Wow, das sieht ja rich- tig professionell aus!“ „Die Mühe hat sich gelohnt!“ Trotz etlichen Korrekturdurchläufen:

„Hoffentlich sind keine Fehler mehr drin!“ Zum Schluss: „Hach, es ist einfach fantastisch, ich bin begeistert!“ Einfach eine tolle Aufregung, die sich mehr und mehr in Stolz verwandelt.

Wenn du so deinen bisherigen schriftstellerischen Werdegang betrachtest, was würdest du jun- gen, angehenden Autoren emp- fehlen? Gibt es etwas, was du so nicht mehr machen würdest und was sollte man auf jeden Fall ma- chen?

Gabriela Bieber: Wirklich bereuen muss ich nichts, schließlich habe ich aus allen Fehlern gelernt. Ich glaube sogar, diese Lektionen wa- ren so wertvoll, dass ich alles noch mal genauso machen würde. Man sollte auf jeden Fall an sei- nem Traum vom Autor-mit-Buch- Sein festhalten und sich nicht von Meinungen Unwissender davon abbringen lassen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Ich habe mich früher an fanfik- tions geübt, manchmal denke ich, es wäre besser gewesen, ich hätte

gleich komplett alles selbst erfun- den, dann hätte ich auch diese Geschichten ordentlich veröffent- lichen können. Aber hey, es war zur Übung und ich brauchte das motivierende und hilfreiche feed- back, das ich ohne bekannte Vor- lagen so zahlreich nicht bekommen hätte. Was ich noch empfehlen würde:

Wenn man sich unser Grundge-

setz

ansieht

(Persönlichkeitsrecht), sollte man zur Sicherheit nur frei erfundene Geschichten schreiben, da man sonst eine Klage von realen Böse- wichten riskiert. Und zuletzt möchte ich in Zeiten von books on demand ein großes Verbot aussprechen, einen Druck- kostenzuschuss zu bezahlen.

Wie sah das Manuskript deines ersten Buches aus, als es das erste Mal vom Lektor zurück kam?

Gabriela Bieber: Ich war ent- täuscht. Es waren noch Fehler darin und mein Parallelismus wur- de als Wortwiederholung missver- standen. Ich konnte aber alles noch einmal selbst überarbeiten. Bei einer Kurzgeschichte dachte ich nach dem Druck mal: Also die Idee ist ja noch von mir, aber war- um musste unbedingt dieser Stan- dartstil her? Heute versuche ich, mein Lektorat so weit wie möglich selbst zu ma-

chen. Selbstverständlich hole ich weitere, objektivere Meinungen ein, um den Fehlerteufel in die Enge zu treiben, die letzten Ent- scheidungen treffe aber ich. Der Autor weiß doch immer noch am besten, was zu seinem Text passt und was nicht.

Was verbindet dich mit der Speku- lativen Fiktion? Bevorzugst du ein gewisses Genre?

Gabriela Bieber: „Ist es nun mög- lich, wahr, oder nicht?“ Ge- schichten, die diese Frage aufwerfen, faszinieren mich. Fikti- on wird real, wenn man sie z.B. psychologisch betrachtet. Men- schen, die an einem Tiefpunkt ih- res Lebens angekommen sind, erschaffen sich oftmals Traum- welten oder erträumte Figuren, die ihnen darüber hinweg helfen. Gefühle kann man nicht sehen, es gibt sie nur in den Menschen selbst, doch es gibt sie. Ebenso ist es mit der Fiktion. Dass Fiktives „nur“ in den Köpfen der Men- schen existiert, bedeutet nicht, dass es nicht existiert. Zu glauben, es gäbe nicht mehr als das, was wir sehen und kennen, wäre naiv. Ich denke, Spekulative Fiktion zeichnet sich aus durch die Freiheit, die sie eröffnet. Sie ist etwas ganz anderes zum Alltag und trotzdem oder gerade des- halb kann man so gut in diese Ge- schichten eintauchen.

→

portrait / interview

Gabriela Bieber

Was für ein Buch liest du gerade? Welches hat dir persönlich am besten gefallen?

Gabriela Bieber: Mich haben schon viele Bücher/Geschichten begeistert und sie lassen sich

nicht wirklich miteinander verglei- chen. <Unangenehmes Geräusch> !Ranking error! Momentan lese ich zum zweiten

Mal „

Zach. Eine Hauptperson, ein The- ma (Selbstmordgedanken, also meinem neuen Buch ähnlich), fast 200 Seiten stream of conscious- ness und es wird einfach nicht langweilig! Dazwischen immer mal wieder ein Gedicht aus der Sammlung „Unerreichbar nah“ von Robert Eben. Als Autorenkollegin sitzt man di- rekt an der Lesefutter-Quelle ;)

ausgelebt“ von Florian

wie

Welcher Autor ist für dich ein Vor- bild?

Gabriela Bieber: Ich eifere der Gabriela Bieber aus meinen Träu- men nach ;) Natürlich bewundere ich oft andere Autoren für ihre großartig ausgearbeiteten Ideen oder ihren Erfolg, aber das ist mehr etwas Allgemeines und nicht auf eine bestimmte Person bezogen. Kreativität ist etwas sehr Individuelles, das man nicht nach- ahmen kann.

Wie verbringst du Weihnachten?

Gabriela Bieber: Am 24ten bin ich mit meinem Freund bei seiner Fa- milie. Wir bereiten das Essen zu (ich bin da aber eher so die Assis- tentin), während die anderen in die Kirche gehen.

Mit meinem Vater feiere ich wohl am 25ten. Das Geschenkeproblem habe ich dieses Jahr nicht, jeder bekommt mein neues Buch. Aber pssst ;)

25ten. Das Geschenkeproblem habe ich dieses Jahr nicht, jeder bekommt mein neues Buch. Aber pssst ;)
25ten. Das Geschenkeproblem habe ich dieses Jahr nicht, jeder bekommt mein neues Buch. Aber pssst ;)

© Manuela Hoflehner

kolumne

Krankes Kino: Diagnosen & Prognosen Heute: Prima Ballerina säuft im Schwanensee ab

E s scheint als würde eine Art neuer Grippewelle im Kino auf uns zukommen: Das

Hupfdohlen-Fieber – wohl eine späte Mutation des Saturday Night Fever. Symptom hierfür ist, dass junge Menschen zu popu- lären Musikstücken offen- sichtlich krampfhaft -epileptische Anfälle erlei- den. (So gesehen in STREET- DANCE und STEP UP 3D) Wie gut, dass es einen Film gibt, der gegen diese Krankheit resistent zu sein scheint. Und dem Tanz als Ausdrucksform wieder jene Tiefe zurückgibt, die er eigentlich hat(te). Es geht um die Wandlung eines blässlichen Entleins zum schwarzen Schwan.

Aber fangen wir einfach mal ganz von vorne an, bei der Diagnose: Im Januar 2011 starten zwei Filme, die den Tanz als tragendes Thema haben. Der Erste, am Sechsten, ist BURLESQUE, ein abendfüllender Werbeclip für das neue Album von Christina Aguilera und Cher. (Der OST dazu ist schon seit November im Handel erhältlich) Mich wundert es ein wenig, dass Burles-

ke, dieser krude Mischmasch aus SHOWGIRLS und COYOTE UGLY, entgegen des allgemeinen Trends, nicht nachträglich in 3D konver- tiert wurde (siehe STREETDANCE und STEP UP 3D). Schätzungsweise weil eine dritte Dimension bei den „Kurven“ der spindeldürren Xtina auch nichts mehr bewirkt hätte. Für einen solchen räumlichen, plastischen Effekt hätte da schon mehr sein müssen -> siehe die Mädels in PIRANHA 3D. Beim zweiten Film handelt es sich um BLACK SWAN. Auffällig, dass beide Filme sich auf jeweils alte und damit anerkannte Formen des Tanzes beziehen (Burlesque und Ballett). Offenbar wollten sie beide immun gegen diesen gras- sierenden Virus des Hupfdohlen- Fiebers sein, der vermutlich 2006 durch die High School Musicals ausgelöst wurde. Aber es kann nur einen geben …

SchwanenSeeNot?

Nun die groben Fakten: Ausnah- meregisseur Darren Aronofsky hat diesen Film gemacht. Und der hat uns schon mit π – SYSTEM IM CHAOS (1998), REQUIEM FOR A DREAM (2000) und THE FOUNTAIN (2006) bewiesen, dass er ekstati- sche Bilder mit intelligenter Unter- haltung verbinden kann. Dass er visuell an diese Filme anschließen wird und nicht an den pseudodo- kumentarischen Stil seines Wrest- lers spricht die Tatsache, dass er

hier wieder mit dem furiosen Matthew Libatique (Kamera) gear- beitet hat. In der Hauptrolle: Keine Geringere als Natalie Portman. Eine überaus talentierte Aktrice, in deren schauspielerischen Schaffen allerdings die ultimative Rolle gefehlt hat – bis jetzt! Denn falls man den Vorab-Kritiken glauben darf, ist sie in/als Schwarzer Schwan absolut grandios (BLACK SWAN war der Eröffnungsfilm der 67sten Filmfestspiele von Vende- dig) Bleibt dieser radikalen Neuin- terpretation mit all ihren knackend-krachenden Fußkno- chen von Tschaikowskis opulenten Schwanen-gesangs-Ballett also der Erfolg zu wünschen – sowohl bei der Oscarverleihung, als auch an den Kinokassen. Denn es wäre irgendwie grotesk, wenn der pitto- reske BURLESQUE da mehr Auf- merksamkeit erhalten würde, als der arabeske BLACK SWAN. Pro- gnose: Wer schon immer mal eine gewagte Mischung aus Tanzfilm und Psycho-Drama mit einem Schuss gruseliger Mystery probie- ren wollte, ist hier genau richtig. Darum auch das Prädikat: Psycho- logisch besonders wertvoll! Wer meiner spekulativen Prognose nicht glaubt, sollte mal einen Blick auf den Trailer werfen:

© 2010 by Markus Kügle

sollte mal einen Blick auf den Trailer werfen: http://www.youtube.com/watc h?v=EtnyPbHxvP4 © 2010 by Markus Kügle

buchvorstellung

Theoretisch phantastisch

Eine Einführung in Tzvetan Todorovs Theorie der phantastischen Literatur

von Simon Spiegel

Simon Spiegel (Autor) Preis: Broschiert: 204 Seiten IISBN: 978-3-942533-12-6

Simon Spiegel (Autor)

Preis:

Broschiert: 204 Seiten

IISBN: 978-3-942533-12-6

EUR 13,90

Tzvetan Todorovs 1970 erstmals erschienene Einführung in die fantastische Literatur ist noch heute der Text, an dem keiner vorbeikommt, der sich eingehender mit Phantastik beschäftigt. Aller- dings hat Todorovs Buch in der Vergangenheit vor allem im deutschen Sprachraum immer wieder für Missverständnisse gesorgt. Denn was Todorov beschreibt, scheint auf den ersten Blick nur wenig mit dem gemein zu haben, was ein Laie normaler- weise unter ‚Phantastik‛ versteht.

In Theoretisch phantastisch unternimmt Simon Spiegel den Versuch, Todorovs Theorie in leicht verständlicher Art und Weise zu erklären – auch und gerade für Leser ohne literaturwissenschaftliche Vorbildung. Nach dem ersten Teil, in dem Todorovs Phantastik-Konzept dargelegt wird, werden im zweiten Teil sieben Beispiele – darunter auch zwei Filme – ausführlich analysiert.

Stimmen zum Buch

„Simon Spiegels Einführung in Tzvetan Todorovs Phantastiktheorie wird den studentischen Lesern sicher auch über die Beschäftigung mit Todorov hinaus hilfreich sein: Als Einführung in den Struktu- ralismus und als Erhellung der grundsätzlichen methodischen Probleme, welche das Stichwort ‚Phantastik‛ aufwirft.“

– Prof. Dr. Monika Schmitz-Emans, Ruhr-Universi- tät Bochum

Prof. Dr. Monika Schmitz-Emans, Ruhr-Universi- tät Bochum „Simon Spiegels Arbeiten zur Science Fiction und

„Simon Spiegels Arbeiten zur Science Fiction und Phantastik sind nicht nur analytisch durchdringend und originell, sondern vor allem auch eminent lesbar und frei von dem Zwang, sich in akade- mischem Kauderwelsch beweisen zu müssen.“

– Dr. Franz Rottensteiner, Herausgeber Quarber Merkur

„Simon Spiegel hat eine exzellente Einführung in Todorovs Werk geschrieben, das die Originallektüre zwar nicht ersetzt, aber sie auch für den Fachfrem- den so aufschlüsselt, dass man Todorov nun folgen und ihn angemessen im Theoriekanon verorten kann.“

– Dr. Frank Weinreich, Autor von Fantasy: Einfüh- rung

Zum Autor

Simon Spiegel, 1977 in Basel geboren, hat von 1998 bis 2003 in Zürich und Berlin Germanistik und Filmwissenschaft studiert. 2006 Promotion in Film- wissenschaft zum Science-Fiction-Film (erschienen als Die Konstitution des Wunderbaren. Zu einer Poetik des Science-Fiction-Films. Schüren, Marburg 2007). Er lebt mit Frau und Sohn in Zürich und ist als Journalist, als Filmrezensent für verschiedene Schweizer Tageszeitungen und als Dozent für Film- wissenschaft tätig.

In der heutigen Zeit spielen künstliche Welten wie Film und Cyberspace eine immer größere Rolle. Eine besondere Faszination geht dabei von künstlich geschaffenen, menschenähnlichen Wesen aus (Roboter, Androiden, Cyborgs, computeranimierte Wesen …). Schon als Kind erschafft man sich in der Fantasie Spielgefährten, und vielleicht ist es der Wunsch, diesen Wesen Leben einzuhauchen, ihnen Form und Stimme zu geben, der später im Erwachse- nenalter Schriftsteller, Filmemacher und Forscher inspiriert.

Seit einigen Jahrzehnten versucht man, Roboter mit künstlicher Intelligenz zu entwickeln, die dem Men- schen in nichts mehr nachstehen und die ihn in einer nicht allzu fernen Zukunft sogar übertreffen sollen.

einer nicht allzu fernen Zukunft sogar übertreffen sollen. Michelangelo Buonarroti (1475-1564): „Die Erschaffung des

Michelangelo Buonarroti (1475-1564): „Die Erschaffung des Adam“ Ausschnitt aus dem Deckengemälde der Sixtinischen Kapelle

Geschichte

Die Faszination von künstlichen Wesen ist wahr- scheinlich so alt wie die Menschheit selbst und bereits im alten Ägypten nachweisbar, wo es Statuen mit ungewöhnlich klug erdachten Mechanismen gegeben haben soll, die sprechen, gestikulieren und prophe- zeien konnten. Man glaubte, diese Apparate wären göttlich inspiriert und hätten eine Art Seele. Sie konnten um Rat gefragt werden und antworteten mit Kopfnicken oder Armbewegungen. Einige Göttersta- tuen waren hohl, sodass ein Priester hineinschlüpfen

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Künstliche Intelligenz

von Peter Liendl und Gisela Klötzer

und die Gliedmaßen bewegen oder sprechen konnte. Dies wurde nicht unbedingt als Betrug gesehen, man sah im Priester vielmehr einen Vermittler göttlicher Weisheiten.

In der griechischen Antike schuf Hephaistos (Gott des Feuers und der Schmiedekunst) einen aus Bronze geschmiedeten Riesen namens Talos, welcher der Insel Kreta als Wächter diente. Ray Harryhausen hat diesen ersten Riesenroboter der Weltgeschichte in seinem Film „Jason und die Argonauten“ auf die Kinoleinwand gebracht.

und die Argonauten“ auf die Kinoleinwand gebracht. Talos im Film „Jason und die Argonauten“ Der

Talos im Film „Jason und die Argonauten“

Der Mathematiker und Philosoph Archytas von Tarent (428-350 v. Chr.), ein Zeitgenosse Platons, gilt als Begründer der mathematischen Mechanik, und man schreibt ihm die Erfindung der Schraube und des Flaschenzuges zu. Er ist der Erfinder der berühmten mechanischen „Taube von Archytas“, die fliegen konnte. Er habe, so hieß es, damit beweisen wollen, dass der Mensch selber zum Schöpfer neuer Wesen werden könne. Wir begegnen diesem mechanischen Vogel wieder in der Fantasie eines spielzeugbegeis- terten Sultans in dem Film „Der Dieb von Bagdad“ (1978) von Clive Donner.

in der Fantasie eines spielzeugbegeis- terten Sultans in dem Film „Der Dieb von Bagdad“ (1978) von

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Künstliche Intelligenz

von Peter Liendl und Gisela Klötzer

Bekannt aus dieser Epoche sind auch erste Versuche mit Automaten, wie etwa automatische Theater und Musikmaschinen, erdacht durch Heron von Alexan- drien (lebte ungefähr zwischen 150 v. Chr. und 250 n. Chr.). Im katoptrischen Theater wurden durch Spiegel optische Illusionen von Geistern auf Tempel- altäre erzeugt. Heron beschrieb verschiedene Thau- mata (Wunder) erzeugende Geräte speziell für Tempel: Bühnenblitze, Bühnendonner, selbsttätig öffnende und schließende Türen, automatische Musik auf Zimbeln und Trommeln, den Ausfluss von Wein oder Milch aus dem Becher einer Figur, sich selbst entzündende Opferfeuer und tanzende Figuren.

Von Albertus Magnus (13. Jahrhundert) wird behauptet, er hätte einen Diener aus Leder, Holz und Metall gebaut, der selbstständig Entscheidungen treffen konnte, etwa die, welcher Besucher vorge- lassen wurde und welcher nicht.

Im späten Mittelalter behauptete der Alchemist und Arzt Paracelsus (1493-1541), einen Homunkulus, einen künstlichen Menschen aus Fleisch und Blut, geschaffen zu haben. Paracelsus hinterließ ein Rezept zur Herstellung solch künstlicher Männer und gab genaue Anweisungen, wie man sie erziehen sollte. Das Herstellungsrezept beginnt etwa wie folgt:

„Wenn das Sperma in einem hermetischen Glas abgeschlossen ist, gräbt man es für vierzig Tage in “

Pferdedünger ein

Im 15. Jahrhundert soll Leonardo da Vinci einen mechanischen Löwen konstruiert haben, der sich frei bewegen und aufrichten konnte. Nachweisbar ist diese Erfindung jedoch nicht.

1580 erregte die Legende eines künstlich erschaf- fenen Menschen die Gemüter. Der Oberrabbiner der Stadt Prag Rabbi Loew habe eine menschliche Gestalt aus Lehm erschaffen, die er Joseph Golem nannte und zum Schutz der jüdischen Gemeinde einsetzte.

Vom 16. Jahrhundert an wimmelte es in Literatur und Erzählungen nur so von menschenähnlichen Auto- maten. Solche Fantasien nahmen auch bald Realität

Auto- maten. Solche Fantasien nahmen auch bald Realität in Form von kunstvollen Spielzeugen an. Besonders

in Form von kunstvollen Spielzeugen an. Besonders erwähnenswert ist „Die mechanische Ente“ (1738) von Jacques de Vaucanson. Sie konnte mit den Flügeln schlagen, Wasser trinken und auf eine sehr natürliche Weise Körner fressen, die sie verdaute und über ein kompliziertes Röhrensystem im Bauch wieder ausschied. Daneben begeisterten Pierre Jaquet-Drozs mechanisch angetriebene Puppen „Die Musikerin“, „Der Schreiber“ und „Der Zeichner“ die Menschen der damaligen Zeit.

und „Der Zeichner“ die Menschen der damaligen Zeit. „Der Schreiber“ von Pierre Jaquet-Droz (Foto Jean-J.

„Der Schreiber“ von Pierre Jaquet-Droz (Foto Jean-J. Luder )

Der französische König war in ein aufziehbares Spiel- zeug vernarrt, bei dem der Meeresgott Neptun ritt- lings auf einer Schildkröte saß. Nach den Mahlzeiten wurde die Figur aufgezogen, die Schildkröte lief von Platz zu Platz und verteilte Zahnstocher, während Neptun sie mit dem Dreizack anspornte.

Der Maschinenmensch

Wahrscheinlich war es diese Anhäufung künstlicher Wesen und vor allem die beginnende Natur- wissenschaft, die Philosophen dazu inspirierten, das bis dato gültige Menschenbild umzuwerfen. Wenn der Weltraum ein gigantisches Uhrwerk ist - wie es die Wissenschaft jener Zeit sah - warum nicht auch der Mensch?

René Descartes (1596-1650) behauptete in seinem „Discours de la Méthode“, dass der Mensch mit Ausnahme der Seele und des Verstandes eine zwar wundervolle, aber letztendlich doch mechanische Maschine sei.

Einige Zeit später behauptete der französische Arzt und Philosoph La Mettrie (1709-1751) in seinem Buch „L'homme machine“ (Der Maschinenmensch) sogar, alles am Menschen wäre maschinell, einschließlich der Seele und der Denkprozesse. Der Mensch war damit zur göttlich konstruierten mechanischen Maschine geworden, ein hochkomplexes mecha- nisches Uhrwerk. Diese Aussage machte La Mettrie mehr und mehr zur Unperson seiner Zeit.

Die Idee vom Maschinenmenschen, in dem Geist und Körper mechanischen Prinzipien gehorchten, rückte den menschlichen Geist in die Nähe einer „Rechenmaschine“.

menschlichen Geist in die Nähe einer „Rechenmaschine“. Hängetafel für Schulen (Stuttgart um 1920) artikel

Hängetafel für Schulen (Stuttgart um 1920)

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Künstliche Intelligenz

von Peter Liendl und Gisela Klötzer

Computer

Mit dem englischen Mathematiker Charles Babbage (1792-1871) begann das Zeitalter der Computer. Zwar wurden einfache mechanische Rechner bereits früher von Schickard, Pascal und Leibniz gebaut, aber die von Babbage entworfene „Analytische Maschine“ beinhaltete erstmals alle wesentlichen Funktionen heutiger Rechner und gilt als Urbild heutiger Compu- terarchitekturen.

Babbage konstruierte zunächst die „Differenz-Ma- schine“, die automatisch mathematische und astro- nomische Tabellen berechnen sollte. Aus Kostengründen wurde nur ein Teil der „Difference Engine“ (1831) zusammengebaut, der bis heute erhalten und voll funktionsfähig ist.

der bis heute erhalten und voll funktionsfähig ist. Charles Babbage und seine „Differenz-Maschine“ Die

Charles Babbage und seine „Differenz-Maschine“

Die „Analytische Maschine“ war eine Weiterentwick- lung der „Differenz-Maschine“. Sie war aufgeteilt in Speicher und Rechenwerk, enthielt einen Satz an Grundoperationen und konnte mit Lochkarten pro- grammiert werden. Damit stellte sie sozusagen einen mechanischen Computer dar, der sich in der Archi- tektur nur wenig von den elektronischen Rechnern unterschied, die hundert Jahre später entwickelt wurden (sie wurde jedoch nie gebaut, sondern exis- tierte nur in Babbages Entwürfen). Die Gräfin Ada Lovelace (1815-1852) war mit Babbage befreundet und von seiner „Analytischen Maschine“ begeistert.

Gräfin Ada Lovelace (1815-1852) war mit Babbage befreundet und von seiner „Analytischen Maschine“ begeistert. →

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Künstliche Intelligenz

von Peter Liendl und Gisela Klötzer

Im Rahmen einer Arbeit über Babbages Maschine entwickelte sie die ersten Computerprogramme.

Roboter und Künstliche Intelligenz (KI)

Der Begriff „Maschinenmensch“ und die Erfindung des „Computers“ sind gleichsam das Fundament der Robotik und der klassischen KI-Forschung des 20. Jahrhunderts. Das Wort „Roboter“ tauchte erstmals 1921 in dem Theaterstück „Rossum's Universal Robots“ von Karel Čapek auf. In den slawischen Sprachen bedeutet „rabota“ Arbeit.

Als offizielle Geburtsstunde des Forschungsgebietes „Künstliche Intelligenz" gilt eine Konferenz, die 1956 am Dartmouth College in New Hampshire (USA) stattfand. Dort trafen sich Computerwissenschaftler, Psychologen, Linguisten und Philosophen, um sich darüber auszutauschen, wie man Maschinen mit „intelligentem“ Verhalten entwickeln könnte.

Einer der Initiatoren dieser Konferenz, John McCar- thy, erfand für diese Themenstellung den Begriff „Artificial Intelligence“ (AI), übersetzt „Künstliche Intelligenz“ (KI).

Das anerkannte Kriterium für Intelligenz war damals der Turing-Test: Man erklärte das Verhalten eines Computers für intelligent, wenn es von der entspre- chenden Leistung eines Menschen nicht zu unter- scheiden war.

Die KI-Forschung startete mit großen Zielen. Man glaubte, mit dem Computer endlich ein präzises Modell des menschlichen Gehirns gefunden zu haben und hoffte, mit ihm schon bald den Fähigkeiten seines biologischen Vorbildes gleichkommen zu können. Es ist ein Mythos unserer modernen Zeit, Roboter könnten eines Tages den Menschen an Intelligenz übertreffen und sogar Bewusstsein und Gefühle besitzen.

übertreffen und sogar Bewusstsein und Gefühle besitzen. Die Darstellung menschlichen Denkens Eine zentrale

Die Darstellung menschlichen Denkens

Eine zentrale philosophische Grundlage der klas- sischen KI ist die Vorstellung, dass der Mensch eine zwar wundervolle, aber letztendlich doch mecha- nische Maschine sei (s.o. Descartes und La Mettrie) und Denken nichts anderes als ein besonders kompli- ziertes Spiel mit Symbolen. Das Ziel der klassischen KI ist, eine Symbolsprache zu entwickeln, die dem menschlichen Denken entspricht und auf einen Com- puter übertragen werden kann.

Die Anfänge einer solchen Vorstellung, dass Denken nichts anderes als ein besonders kompliziertes Spiel mit Symbolen sei, finden sich bereits bei Thomas Hobbes (1588-1679). Er definierte 1650 Denken als „rationale Symbolmanipulation“. Nach Hobbes ist Denken „geistiger Diskurs“, der wie lautes Diskutieren oder Rechnen geschieht, nur innerlich. Ähnlich wie ein Buchhalter sich an Regeln der Mathematik hält, folgt rationales Denken darüber hinaus methodischen Regeln. Denken funktioniert demzufolge wie ein geistiger Abakus (Rechenbrett mit Kugeln), bei dem kleine Teile streng nach Regeln des Verstandes hin und her geschoben werden.

Diese Idee stieß damals bei Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) auf fruchtbaren Boden. Leibniz war auf der Suche nach einer wissenschaftlichen Allzweck- sprache, einem „calculus ratiocinator“, in dem alle Ideen klar und rational ausdiskutiert werden konnten. 1661 äußerte er in seinem Buch „De Arte Combina- torica“ den Gedanken, Wahrheiten ähnlich wie arith- metische Ausdrücke berechnen zu können, das heißt, sie auf Kalkulationsvorgänge zurückzuführen. Wenn zwei Philosophen eine Meinungsverschiedenheit hatten, so sollte mit dieser „Algebra der Gedanken“ die Meinungsverschiedenheit rein formal entschie- den werden, nach dem Motto „Lassen Sie uns rech- nen“.

Wie bereits erwähnt tauchte mit Baggages „Analytischer Maschine“ zum ersten Mal der Entwurf eines universell verwendbaren mechanischen Rech- ners auf, der „körperlich“ bereits den modularen Aufbau moderner Rechner hatte und „geistig“ die Möglichkeit zur automatischen Abarbeitung von vorher entworfenen Programmen bot. Mit Babbages Idee der „Analytischen Maschine“ war - zumindest auf dem Papier - das Medium für künstliche Intelli- genz geschaffen, aber es fehlte eine präzise Sprache zur Darstellung menschlichen Denkens, eben das, was Leibniz vorschwebte.

Eine erste primitive Realisierung stellte George Booles (1815-1864) symbolische Logik (1854) dar. In seinem Werk „Gesetze des Denkens“ wollte Boole eine mathematische Grundlage für das menschliche Denken schaffen, die Algebra des menschlichen Intellekts. Die allgemeinen Prinzipien des logischen Denkens wurden als eine Folge von Ja/Nein-Antwor- ten dargestellt und in Binärzahlen ausgedrückt. Die Ziffern 0 und 1 sollten der erste Schritt zur Herstellung intelligenter Computerprogramme sein.

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Künstliche Intelligenz

von Peter Liendl und Gisela Klötzer

Logik als Kalkül

Die von Leibniz begonnene Suche nach einer wissen- schaftlichen Allzwecksprache kam im Wesentlichen erst in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts mit Frege, Hilbert, Gödel und dem Aufbau der Logik als Kalkül zum Abschluss. Gottlob Freges Programm bestand darin, eine abstrakte Sprache des Denkens, eine „lingua mentis“, zu entwickeln, die den logischen Gesetzmäßigkeiten unseres Denkens unterliegt und so eine mathematisch-strenge, symbolische Darstel- lung unserer Denkvorgänge erlaubt.

symbolische Darstel- lung unserer Denkvorgänge erlaubt. Kurt Gödel (1906-1978) war Mathematiker und Logiker. Er

Kurt Gödel (1906-1978) war Mathematiker und Logiker. Er wird von vielen als der bedeutendste Logiker des 20. Jahrhun- derts angesehen

1930 fand der Mathematiker Kurt Gödel ein Theo- rem, das die Mathematik in ihren Grundfesten erschütterte. Bis dahin glaubten die meisten Mathe- matiker, dass man eines Tages eine endgültige Form der Mathematik wird formulieren können, die keine Fragen mehr unbeantwortet lässt und nicht mehr verbessert werden kann. Hiermit war natürlich auch die Hoffnung verbunden, mit dieser endgültigen Mathematik eine naturwissenschaftliche Beschrei- bung der Wirklichkeit zu haben, die alle beobacht- baren Phänomene erklärt und keine Fragen mehr offen lässt.

bung der Wirklichkeit zu haben, die alle beobacht- baren Phänomene erklärt und keine Fragen mehr offen

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Künstliche Intelligenz

von Peter Liendl und Gisela Klötzer

Nach Gödels berühmtem Unvollständigkeits-Theo- rem wird es niemals ein endgültiges, bestes mathe- matisches System geben: Jedes mathematische Axiomensystem wird irgendwann zu bestimmten Problemen führen, die auf seiner Grundlage allein nicht lösbar sind. Innerhalb eines axiomatischen Systems gibt es immer Wahrheiten, die nicht inner- halb dieses Systems bewiesen werden können. Egal wie kompliziert und umfangreich ein formales System (Symbole und Regeln) ist, es besitzt stets einen blinden Fleck, ein Gödel-Loch.

Selbst im mächtigsten Computer tauchen diese Löcher auf, weshalb sich die KI mit unüberwindlichen Barrieren konfrontiert sieht. Und ein Computer kann nicht selbstständig zwischen Bedeutungsebenen wechseln, wozu wir Menschen aber durchaus in der Lage sind. Der Künstlichen Intelligenz sind diese Grenzen gesetzt.

Für uns Menschen hat Gödels Unvollständigkeits- Theorem ebenfalls eine schlechte, aber auch eine gute Nachricht.

Zuerst die schlechte Nachricht: Es wird immer Wahr- heiten geben, für die es keine Beweise gibt, und Probleme, die wir nicht lösen können. Eine endgültige Theorie des Universums wird es wohl nie geben.

Die gute Nachricht lautet: Es besteht immer die Möglichkeit, dass wir noch nicht bewiesene Wahr- heiten eines Tages doch beweisen können und für ungelöste Probleme eine Lösung finden. Wie weit auch die Menschheit der Zukunft in die Geheimnisse des Universums einzudringen vermag, es wird immer etwas Neues zu entdecken geben.

vermag, es wird immer etwas Neues zu entdecken geben. Ein erstes Fazit Wie ein Katalysator bewirkte

Ein erstes Fazit

Wie ein Katalysator bewirkte die Erfindung des elek- tronischen Computers im 20. Jahrhundert den Zusam- menschluss dreier bisher verschiedener Bereiche:

1. Die Theorie des axiomatischen Schließens

2. Das Studium mechanischer Berechnung

3. Die Psychologie der Intelligenz

mechanischer Berechnung 3. Die Psychologie der Intelligenz Alan Mathison Turing (1912-1954) war ein britischer Logiker,

Alan Mathison Turing (1912-1954) war ein britischer Logiker, Mathematiker und Kryptoanalytiker. Alan Turing gilt heute als einer der einflussreichsten Theoretiker der frühen Computer- entwicklung und Informatik

Anfangs ermöglichte der rasante Fortschritt der Computertechnologie auch der KI-Forschung große Fortschritte, die jedoch zunehmend erlahmten. Die Gründerväter der KI konnten ihren selbstgestellten hohen Ansprüchen jedenfalls nie gerecht werden. Was war geschehen?

Inzwischen rechnen Computer zwar zweifellos schnel- ler und genauer als ihre Erbauer, dennoch ist selbst der Schachcomputer „Deep Blue“, der 1997 den Schachweltmeister Gary Kasparov schlug, für die moderne KI-Forschung passé, da seine Rechenkunst und scheinbare Intelligenz nur auf Tausenden von genau einprogrammierten Rechenschritten beruht.

Deshalb kann er Aufgaben, die nicht im Programm stehen, nicht erledigen und unerwartete Hindernisse nicht umgehen. Intelligent ist ein Roboter also nur so lange, wie die durch die Umwelt gestellten Aufgaben in sein vorprogrammiertes Schema passen.

1965 stellte Joseph Weizenbaum das Programm ELIZA vor, das den Dialog zwischen Patient und Psychiater simuliert. Die Öffentlichkeit war verblüfft. Das Programm schien sich in die Situation des Pati- enten geradezu einzufühlen. Manche Zeitgenossen suchten sogar Rat bei ELIZA, obwohl sie die algorith- mische Struktur des Programms kannten. ELIZA tut aber nichts anderes als syntaktische Symbolismen in der Programmiersprache LISP ableiten. Auf bestimmte Schlüsselwörter und Satzmuster reagiert ELIZA mit passenden Einsetzungen und Umstellun- gen. Solch ein simples Symbolverarbeitungssystem könne unmöglich intelligent sein, befand der Philo- soph John Searle.

Trotz allem waren die Jahrzehnte, in denen an der KI und verwandten Gebieten geforscht wurden, sehr fruchtbar. Es wurden wertvolle Beiträge zur Algorith- mik und mathematischen Logik geleistet, und Com- puter können heute Stimmen erkennen, Schrift lesen und mit gewissen Einschränkungen Sprachen über- setzen. Aber auch am Beispiel der mechanischen Übersetzung zeigte sich, dass das Übersetzen von Sprachen weit komplexer ist als das bloße Nachschla- gen im Wörterbuch und das Umstellen von Wörtern. Eine Sprache kann man nicht losgelöst von der „Welt“ betrachten, in der sie existiert. Der menschliche Übersetzer besitzt ein „Geistiges Modell der Welt“, der Computer nicht. Der Computer „versumpft“ gleichsam beim Übersetzen in der Vieldeutigkeit von Wörtern und Sätzen.

Bis heute sind alle Versuche, Computer und Roboter mit menschenähnlichen Fähigkeiten zu kreieren, fehlgeschlagen. Die neue Generation von KI-For- schern glaubt, den Kardinalfehler entdeckt zu haben:

Man baute „intelligente“ Maschinen, ohne Intelligenz

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Künstliche Intelligenz

von Peter Liendl und Gisela Klötzer

verstanden zu haben, und erklärte sie später - wenn sie überhaupt funktionierten - für intelligent.

Die Vorstellung, dass sich die Symbol-Ebene des menschlichen Geistes von ihrem neuralen Substrat „abschöpfen“ lässt und auf ein anderes Medium wie z.B. das elektronische Substrat eines Computers übertragen lässt, um künstliche Intelligenz zu erzeu- gen, hat sich nur bedingt als tauglich erwiesen.

Das Geheimnis der Intelligenz ist nicht nur im Gehirn zu suchen und lässt sich mit einem Computer allein nicht simulieren. Intelligenz hat auch etwas mit autonomem Handeln zu tun, der selbständigen Ori- entierung und Interaktion in der Welt. Zu dieser ernüchternden Einsicht gelangte die Suche nach Künstlicher Intelligenz Mitte der 80er Jahre.

Neue Künstliche Intelligenz

In der klassischen KI sollten abstrakte Symbole die Essenz der Intelligenz darstellen. Dabei ging die theoretische KI in Richtung einer immer abstrakteren Wissenschaft, während die praktische KI Probleme hatte, Roboter herzustellen, die sich autonom bewegen konnten. Man verband Kameras mit Com- putern, aber die Abbildung von linsengenerierten Bildern der Außenwelt auf interne Symbole scheiterte kläglich. Inzwischen ist klar, dass die Verwendung von Symbolen allein nicht ausreicht, um künstliche Intel- ligenz zu erzeugen. Die Computermetapher hat sich als unwirksam erwiesen.

Mitte der 80er Jahre fing die KI noch mal von vorne an und prägte den Begriff der „Neuen Künstlichen Intelligenz“. Intelligenz hat demnach mit Lernfähig- keit, Abstraktionsvermögen und schöpferischem Denken zu tun, aber auch mit autonomem Handeln, der selbstständigen Orientierung in einer sich ständig verändernden Umwelt. Nach dieser neuen Sicht hat Intelligenz also auch viel mit Verhalten zu tun und wer sie erforschen will, braucht autonome Systeme

neuen Sicht hat Intelligenz also auch viel mit Verhalten zu tun und wer sie erforschen will,

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Künstliche Intelligenz

von Peter Liendl und Gisela Klötzer

wie z.B. Roboter, die in einer realen Interaktion mit der Außenwelt stehen.

Lange Zeit war die KI nur auf den Menschen fixiert. An seiner Intelligenz maß sie die Leistungen von Computern. Nun steht eine kopernikanische Wende in der KI-Forschung an, die Befreiung vom anthro- pozentrischen Intelligenzbegriff. Künstliche Intelli- genz, so lautet seit den 90er Jahren die Devise, ist nur im Zusammenhang mit natürlicher Intelligenz ver- stehbar. Weniger der Mensch, als vielmehr einfache Lebewesen, die gleichwohl intelligentes Verhalten an den Tag legen, werden zu bevorzugten Studien- objekten. Entscheidend für die neue KI ist die Einsicht, dass rationales Verhalten und rationales Denken sich nicht bedingen müssen. Eine krabbelnde Ameise auf dem Weg zu einem halb verfaulten Apfel verdeutlicht dies: Sie verhält sich zweckdienlich und optimiert den kürzesten Weg zur Futterquelle, geht dabei aber nicht analytisch-deduktiv vor, vielmehr nutzt sie Pheromonspuren, die mit der Zeit verdunsten.

Verkürzt kann man sagen, liegt das Geheimnis der Intelligenz nicht nur im Gehirn, sondern hat auch mit der Bindung an einen Körper und dessen Interaktion mit der Umwelt zu tun.

Will man Intelligenz nicht isoliert, sondern in der Interaktion mit der Umwelt begreifen, dann braucht Intelligenz zunächst einen Körper. Für diese Einsicht wurde der Begriff „Embodiment“, Verkörperung, geprägt. In der Natur kommt Intelligenz immer in Körpern vor. An dieser Stelle zeigt sich, dass die KI-Väter den Tücken des cartesianischen Dualismus aufgesessen waren (Zweiteilung des Menschen in Körper und Geist). Kaum jemand kommt bis in die 80er Jahre auf die Idee, dass der Körper keine nutz- lose Masse ist, die vom übergeordneten Geist mitge- schleppt werden muss, sondern dass dieser Körper, sei er biologisch oder technisch, einen maßgeblichen Anteil an jedem intelligenten Verhalten hat. Die Neue KI geht sogar noch einen Schritt weiter und sagt: Der Körper besitzt eine eigene Intelligenz.

und sagt: Der Körper besitzt eine eigene Intelligenz. Wenn von Verkörperung gesprochen wird, denkt man

Wenn von Verkörperung gesprochen wird, denkt man vielleicht, dass alles noch komplizierter wird, weil dann zusätzlich physikalische Gesetze zu berücksich- tigen und somit noch mehr Parameter zu optimieren sind. Aber viele Bewegungsabläufe des Körpers müssen erst gar nicht aufwendig berechnet werden. Die unseren verschiedenen Körperteilen innewoh- nende Intelligenz übernimmt diese Aufgaben bereits und entlastet so das Gehirn. Genau diese morpholo- gische Intelligenz wird heute beim Bau von Robotern ausgenutzt.

Weitere wichtige Begriffe der neuen KI sind Emergenz und Selbstorganisation. Selbstorganisation ist ein Prozess, der durch das kooperative Wirken von Teilsystemen zu komplexen Strukturen des Gesamt- systems führt. Emergenz bezeichnet dabei das Phä- nomen, dass sich bestimmte Eigenschaften eines Ganzen nicht aus seinen Teilen erklären lassen:

Bei der Verbindung qualitativ unterschiedlicher Kom- ponenten tauchen Eigenschaften auf, die vorher nicht vorhanden waren. Mit Emergenz ist aber weder das Auftauchen von Qualitäten aus dem Nichts gemeint, noch das Auftauchen von Eigenschaften, die schon immer fertig existierten. Emergente Eigenschaften sind Qualitäten, nach außen gerichtete Wirkungen, die sich erst in einer neuen Verbindung zeigen. Sie existieren somit vorher zwar potentiell, doch ohne dass die einzelnen Emergenzpartner sie besitzen.

In der Robotik geht es darum, dass aus relativ ein- fachen Teilen ein intelligentes Ganzes entstehen kann. Verhalten, welches zunächst sehr kompliziert aussieht, lässt sich häufig viel einfacher erklären. Es ist heute z.B. möglich, die komplizierte Organisation eines Ameisenstaates als ein Emergenzphänomen zu erklären.

Genetische Algorithmen spielen in der neuen KI ebenfalls eine immer größere Rolle. Genetische Algorithmen sind Algorithmen, die Lösungsvorschläge solange verändern und miteinander kombinieren, bis

einer dieser Vorschläge den gestellten Anforde- rungen entspricht.

So gibt es in der neuen KI-Forschung eine Vielzahl neuer Begriffe und Forschungsgebiete, von denen hier nur einige erwähnt und angedeutet werden konnten.

KI und Bewusstsein

Zum Schluss noch ein paar Worte zu dem Mythos unserer Zeit, Roboter könnten eines Tages Gefühle und Bewusstsein wie wir Menschen besitzen.

Tages Gefühle und Bewusstsein wie wir Menschen besitzen. Qrio (Quest for Curiosity) war ein 58 cm

Qrio (Quest for Curiosity) war ein 58 cm großer und 7 kg schwerer, humanoider Roboter von Sony

Das Phänomen des Bewusstseins zählt zu den schwie- rigsten und umstrittensten Gebieten von Philosophie und Naturwissenschaft. Eine allgemein anerkannte Definition von Bewusstsein liegt bisher nicht vor. Zu diesem Thema werden zahlreiche philosophische, psychologische und technische Debatten geführt. In der KI-Forschung werden zur Zeit vor allem zwei gegensätzliche Standpunkte vertreten:

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Künstliche Intelligenz

von Peter Liendl und Gisela Klötzer

a) Das Bewusstsein lässt sich nicht algorithmisch

erfassen, somit ist es nicht möglich, beim Ablauf eines Algorithmus auf Hardware künstlich Bewusstsein zu erzeugen. Es bedarf einer weiteren Komponente wie etwa einer Seele, die ein materielles Objekt bewusst werden lässt.

b) Das Bewusstsein ist lediglich eine passive Begleit-

erscheinung, die auftritt, wenn ein genügend kom- plexer Algorithmus auf einer Hardware abläuft. Anhänger dieses Standpunktes werden als Vertreter der starken KI bezeichnet. Aus ihrer Sicht sind Art und Eigenschaften der Hardware völlig nebensächlich. Nur der Algorithmus zählt.

Wir Menschen erleben Gefühle wie Lust und Schmerz bewusst. Die Anhänger der starken KI sind der Ansicht, dass dieses ichbezogene Gefühl auch bei Maschinen auftreten kann. Man schreibt ein Pro- gramm, das eine Zahl beinhaltet, die stets den momentanen Wert des Wohlbefindens eines Robo- ters angibt. Ein niedriger Ladestand der Batterie könnte sich dann negativ auf das Wohlbefinden auswirken. Kann man nun aber behaupten, dass der Roboter tatsächlich Lust oder Schmerz fühlt? Und fühlt der Roboter wirklich etwas durch die das Wohl- befinden repräsentierende Zahl?

Die heutige Diskussion, ob Roboter einmal Gefühle und Bewusstsein haben könnten, erinnert ein wenig an die Anfänge der KI-Forschung, als man intelligente Roboter bauen wollte ohne zu wissen, was Intelligenz eigentlich genau ist.

© Copyright Peter Liendl und Gisela Klötzer

Roboter bauen wollte ohne zu wissen, was Intelligenz eigentlich genau ist. © Copyright Peter Liendl und

kurzgeschichte

Gorons erster Einsatz von Andreas Blome

L aut dröhnte die Musik von

Mikel Jackson durch den

Raum. Ich hatte den Titel

»Triller» von Michael Jackson in eine Endlosschleife laufen. Um mich herum waren nur die Musik und die Dunkelheit des Sternen- raumes. Durch die Fensterkuppel konnte ich die einzelnen Licht- punkte der Sterne sehen. Rechts von mir waren es dreimal so viele wie auf der anderen Seite. Das lag daran, dass ODI sich im Randbe- reich dieser Galaxie befand. Ich schloss kurz die Augen und gab mich der Musik hin. Dies waren immer die schönsten Augenblicke während meiner Reise durch das Universum. Als ich Stunden später die Augen wieder öffnete waren aus den Lichtpunkten der Sterne, Lichtstreifen geworden. ODI hatte beschleunigt. Die Lichtstreifen deuteten auf Überlichtgeschwin- digkeit hin.

»Musik aus«, sagte ich und streckte mich ein wenig. »Licht an.«

Ringförmig wurde der kreisför- mige Raum ausgeleuchtet. In Hüft- höhe begann die Transparente Fensterkuppel, die einen unbehin- derten Blick in die Weite des Uni- versums erlaubte. Links von mir glitt leise zischend eine Tür auf. Ich blickte noch ein letztes Mal zu den Lichtspuren der Sterne hinaus. Dann machte ich mich auf den Weg zur Zentrale. ODI musste irgendetwas entdeckt haben. Als ich durchs Tor die Zentrale betrat,

entdeckt haben. Als ich durchs Tor die Zentrale betrat, stand Nicole vor dem Computer- rundbogen. Auf

stand Nicole vor dem Computer- rundbogen. Auf dem Fensterdis- play konnte ich unser Ziel ausmachen. Ein Planet in 4302 Lichtjahren Entfernjung.

»Was ist los?«, fragte ich Nicole und strich ihr durchs Haar.

»Eines meiner Fangfelder hat einen Notruf aufgefangen«, begann sie mir lächelnd zu erzäh- len. »Ich wollte dich nicht durch eine Meldung aus deinen Träume- reien reißen. Deshalb nahm ich schon mal Fahrt auf.«

Auf dem Fensterdisplay sah ich die Entfernung schnell schrump- fen, obwohl ODI kaum Geschwin- digkeit drauf hatte. Immerhin konnte ich feststellen, dass der Planet Magara hieß und als ein- ziger seine Sonne umkreiste. Den Daten nach eine Sand- und Stein- welt.

»Was hast Du rausbekommen können?«, fragte ich interessiert.

Es sah ganz nach einem Hilfsein- satz aus. In dieser Galaxis wäre es damit der Erste. Aber da wir schon mehrere Galaxien durchflogen hatten, war es nur ein weiterer in einer endlosen Kette.

»Der Notruf wurde vor 3 Stunden über die Wasserstoff- welle gesendet. Er dauerte nur 15 Sekunden«, berichtete Nicole und legte von hinten die Arme um mich. »Der Inhalt muss von einem Kind stammen.«

»Von einem Kind?«

»Die Sprach- und Grammatikaus- wertung lässt etwas anderes nicht zu. Auf dem Planeten existiert eine kleine Stadt, in dessen Nähe sich zwei Gruppen Kampfmaschinen bekriegen. Das Kind sprach von Battletech.«

»Der Ausdruck lässt wirklich auf Kampfmaschinen schließen. Batt- letech ist ein Ausdruck aus der amerikanischen Sprache und bedeutet Kampfmaschine«, ant- wortete ich ihr.

»Ist mir durchaus bekannt«, gurrte Nicole mir ins Ohr. »Wir wissen gleich mehr.«

Ich drehte mich kurz um und küsste sie innig. Dann streifte ich ihre verlockenden Arme ab und wandte mich dem Problem des Notrufes zu. ODI erreichte gerade das Sonnensystem.

»Tarnung aktivieren«, sagte ich zu ihr.

Da man uns in dieser Galaxis noch nicht kannte, war es besser, aus dem Unbekannten heraus zu operieren. Dies hatten wir aller- dings erst nach vielen Einsätzen erkannt. Aber nun handelten wir fast immer danach. Der Hilfesu- chende wandte sich fast immer an jemanden, den er kannte. Die eigene Regierung, das Militär, viel- leicht sogar eine befreundete andere Art. Der letzte Fall war allerdings sehr selten. Aber wenn plötzlich eine Hilfe auftaucht, die völlig unbekannt war, dann kam es fast immer zu Missverständnissen.

kurzgeschichte

Gorons erster Einsatz von Andreas Blome

Mit aktivierter Tarnung schoben wir uns langsam an den Planeten heran. Das Fensterdisplay zeigte ihn als schmutzig graubraune Kugel. Erst als ODI ihn zoomte zeigte er einige grüne Flecken auf seiner Oberfläche. Durch Scanner- tastung ermittelte er dann die Städte. Durch eine Rückberech- nung des Notrufes fand er auch die

bewusste Stadt heraus. Sogar das Gebäude, aus dem der Funkruf gesendet worden war, war schnell gefunden. Die dazu notwendigen Parameter hatte ODI schon beim Einflug in dieses System ermittelt.

»Am oberen Gravitationsnull- punkt des Systems befinden sich zwei Raumschiffe«, ließ ODI sich zum ersten Mal vernehmen. »Sie

ließ ODI sich zum ersten Mal vernehmen. »Sie © Christoph Jaszczuk tanken gerade mittels Sonnense- gel

© Christoph Jaszczuk

tanken gerade mittels Sonnense- gel Energie auf.«

»Kannst Du feststellen was für einen Antrieb sie benutzen?«, fragte ich zurück.

»Transitionsantrieb«, antwor- tete Nicole vom Kontrollpult her. »Allerdings veraltet und kaum noch funktionstüchtig.«

Verwundert sah ich Nicole an. Wir hatten schon viele fremde Arten im Universum getroffen die über eine Raumfahrt verfügten. Aber ihre Antriebe waren immer auf den letzten technischen Stand. Irgendetwas stimmte bei dieser Art nicht.

»Versuch herauszubekommen warum sie veraltet und kaum noch funktionstüchtig sind«, erwiderte ich. »Vielleicht hilft es uns bei diesem Einsatz.«

Während Nicole beschäftigt war, begann ich verschiedene Scanner und Taster einzusetzen. Die Stadt in dessen Nähe gekämpft wurde, wies bereits Schäden auf. Einige Gebäude waren nur noch als Schutthaufen zu sehen. Einige Energiequellen wanderten zwi- schen den Gebäuden herum. Es dauerte nur kurz, bis ODI mir eine Vergrößerung liefern konnte. Überrascht atmete ich tief ein.

Kampfmaschine«, sagte

ich leise.

Diese humanoide Kampfma- schine war rund 12 Meter hoch und wurde von einem Fusions-

»Eine

sagte ich leise. Diese humanoide Kampfma- schine war rund 12 Meter hoch und wurde von einem

kurzgeschichte

Gorons erster Einsatz von Andreas Blome

kraftwerk angetrieben. Die Daten, die ODI neben dem Bild einblende- te, verrieten mir ihre Bewaffnung.

Eine Laserwaffe sowie zwei Maschinengewehre. Gewicht um die 20 Tonnen. Die Geschwindig- keit errechnete ODI aus den Daten, die er von der Kampfma- schine erhielt, auf zirka 100 Km/h. Ihr Aussehen war dabei am faszi- nierendsten. Auf zwei wespentail- lenähnlichen Beinen saß ein humanoider Körper mit einem kleinen kantigen Kopf. Auf der rechten Schulter war anscheinend ein Scheinwerfer installiert. Der rechte Arm war mit einer Hand ausgerüstet, die ein 5 Meter großes Maschinengewehr hielt. Das zweite Maschinengewehr war fest in den linken Arm eingebaut. Die Laserwaffe lokalisierte ODI im Rumpf. Das Gesamtbild, das ich von dieser Kampfmaschine erhielt, war eine ästhetische Maschine, die leider zur Kriegsführung einge- setzt wurde.

»Der Pilot, der diese Kampfma- schine steuert, befindet sich im Kopf der Kampfmaschine«, ließ ODI sich wieder vernehmen. »Außer dieser einen Kampfma- schine patrouillierten drei weitere in der Stadt.«

Entweder überwachten diese Maschinen die Bevölkerung der Stadt oder aber sie schützten sie vor eventuellen Angriffen. Von hier aus konnten wir das nicht so schnell herausbekommen. Während ODI alle anderen Kampf-

so schnell herausbekommen. Während ODI alle anderen Kampf- maschinen lokalisierte und auf das Fensterdisplay brachte

maschinen lokalisierte und auf das Fensterdisplay brachte dachte ich nach. Die Kampfmaschinen, die in der Stadt patrouillierten waren die am leichtesten Bewaffneten.

An der Hauptkampflinie kämpften überwiegend schwerer bewaffnete Kampfmaschinen. Ihre Bewaffnung bestand aus Laser, Kanonen, sowie Kurz- und Lang- streckenraketen. Es war noch nicht genau erkennbar, wer hier gegen wen kämpfte. Es gab auch keine durchgehende Kampflinie, sondern zahlreiche Einzelgefechte.

»Ich habe den Funkverkehr ent- schlüsselt«, informierte ODI mich. »Dadurch haben wir jetzt weitere Informationen.«

Dabei blendete er die Namen der Kampfmaschinen neben den ent- sprechenden Bildern ein. Der Kampfmaschinentyp innerhalb der Stadt war demnach eine Hornisse. An den Kampfplätzen gab es andere Kampfmaschinen, wie 3 Kampfschützen, 4 Wespen, 1 Schütze, 5 Steppenwölfe und 5- mal den Typ Victor. Auch ihre Bewaffnung sowie diverse andere Daten vervollständigten das Bild.

»Wir brauchen einen Beobachter auf der Oberfläche«, sagte ich zu ODI. »Ich habe da auch schon eine Idee.«

*

Jeff steuerte seinen Kampfschüt- zen quer durch den vor ihm liegen- den See. Riesige Dampfwolken stiegen in den Himmel als sein

überhitzter Mech seine überschüs- sige Wärme an den See abgab. Nach und nach verstummten die Warnsignale der Temperaturkont- rolle wieder. Die Wärmetauscher reduzierten die restliche Abwärme wieder. Nach einigen Minuten lies Jeff seinen Mech wieder auftauch- ten. Auf dem Display vor ihm tauchte ein Signal auf.

Nicht identifizierbar, informierte ihn der Computer.

Was hatte das jetzt zu bedeuten. Setzten die schwarzen Söldner jetzt einen neuen Mechtyp in den Kampf? Das würde für ihre Vertei- digungstruppe eine Verschlechte- rung bedeuten. Sie waren ja jetzt schon im Hintertreffen.

Die schwarzen Söldner verfügten noch über fünf mittelschwere Mech wie den Steppenwolf mit seinen 55 Tonnen Gewicht. Einer Autokanone, eine 6er-Lafette Kurz- streckenraketen sowie einen mit- telschweren Laser. Dann setzten sie noch 5 Schützen ein. Gewicht 70 Tonnen, davon alleine 13 Tonnen Panzerung. Bewaffnet mit zwei 20er-Lafetten Langstrecken- raketen, vier mittelschwere Laser wovon zwei nach rückwärts feuern konnten. Zu diesen schweren Mech kam dann noch ein weiterer schwerer Mech. Der Victor. Sein Gewicht lag bei 80 Tonnen und er

war als einziger Sprungfähig. Seine Bewaffnung bestand aus einer Autokanone im rechten Arm, zwei mittelschweren Laser im linken

Arm und einer 4er-Lafette Kurz- streckenraketen im Torso.

Dieser Mech war auch der Füh- rungsmech der schwarzen Söld- ner, die Magara überfallen hatten. Ihre Einsatztruppe hatte kaum Chancen gegen diese Kampfstärke. Sie verfügten nur über leichte bis mittelschwere Kampfmech. Da waren zum ersten die 3 Hornissen, die im Augenblick die Stadt sicher- ten. Ihre Bewaffnung bestand nur aus einem mittelschweren Laser und zwei schweren Maschinenge- wehren. Ihr Angriff verfügte nur über 4 Wespen. Ebenfalls wie die Hornissen nur leichte Mech mit 20 Tonnen Gewicht. Bestückt mit einem mittelschweren Laser und zwei Kurzstreckenraketen-Ab- schussrohren. Als einzige größere mittelschwere Mech hatten sie nur noch 3 Kampfschützen mit einem Gewicht von 60 Tonnen. Bewaff- net mit jeweils einer Autokanone und einem schweren Laser in Dop- pellaufkombination an beiden Armen und einem Paar Laser im Torso.

Das Signal kam aus einer Schlucht, die sich einige hundert Meter seitlich von ihm befand. Jeff gab eine kurze Mitteilung an seine Truppe weiter und ließ seinen Kampfschützen auf die Schlucht zu marschieren. Er musste feststel- len, um was für einen Mechtyp es sich hier handelte. Kurz bevor er die Schlucht erreichte meldete sich sein Unteroffizier.

kurzgeschichte

Gorons erster Einsatz von Andreas Blome

Die schwarzen Söldner rücken jetzt zum zweiten Mal auf die Stadt zu. Die Stimme des noch jungen Unteroffiziers klang ein wenig nervös.

Aber das war auch kein Wunder. Für die Hälfte seiner Verteidi- gungstruppe war es der erste wirk- liche Einsatz. Und bisher hatten sie sich sehr gut gehalten. Als der Kampf begonnen hatte, war es ihnen gelungen eine kleine Einheit aus der Stadt zu werfen. Es hatte unter der Zivilbevölkerung viele Tote gegeben und zahlreiche Gebäude standen nicht mehr.

»Ziehen sie die Truppe zu einem letzten Verteidigungsgürtel vor der Stadt zurück«, entschloss Jeff sich. »Ich bin auf dem Rückweg.«

Jeff atmete kurz durch und steu- erte dann seinen Mech in die Schlucht. Nur wenige Hundert Meter entfernt stand der feind- liche Mech mit dem Rücken zu ihm und beobachtete die Annäherung der schwarzen Söldner. Jeff rich- tete die Autokanone auf den Mech und feuerte eine Salve ab. Die Granaten zogen pfeifend durch die Luft und trafen alle ihr Ziel.

Es gab eine grelle Explosion im Torso des feindlichen Mech. In diese Explosion feuerte er dann noch einen Laserschuss hinein. Gleichzeitig bewegte er seinen Mech etwas seitwärts an die Wand der Schlucht. Bereit für einen wei- teren Schlagabtausch. Die Rauch- wolke verzog sich und der

feindliche Mech stand noch genauso wie zuvor da.

Jeff konnte nicht glauben was er da sah. Erst jetzt teilte ihm sein Computer mit, dass dieser Mech über eine Art Energiefeld verfügte. Auch ein Bild kam herein. Und nun wusste Jeff auch, warum der Com- puter bei der Identifizierung versagt hatte. Solch einen Mech gab es in der gesamten mensch- lichen Sphäre nicht.

Völlig von den Socken betrach- tete Jeff diesen fremden Mech. Er war etwa 15 Meter hoch. Ein Lin- senförmiger Torso der auf zwei starken Beinen ruhte. Waffen konnte Jeff nicht entdecken. Aber jetzt sah er das leichte Flimmern um den Mech. Bis jetzt hatte sich der Mech nicht um ihn geküm- mert, obwohl jeder andere Mech bei seinem Angriff schwere Schäden davon getragen hätte. Er wollte gerade eine weitere Auto- kanonensalve auslösen als sich sein Funkempfänger meldete.

»Zieh Leine Kamerad. Ich kümmere mich schon um die schwarzen Söldner. Du kannst zu deiner Truppe zurückkehren.«

Völlig perplex sah Jeff zu, wie der fremde Mech seinen Torso in eine 45 Gradstellung brachte und ein entsetzlich lautes Sirren von sich gab. Dann senkte er sich wieder herab, drehte sich seitwärts und sprang fast senkrecht auf den Schluchtrand hinauf. Einige Sekun- den lang wusste Jeff nicht mehr

sich seitwärts und sprang fast senkrecht auf den Schluchtrand hinauf. Einige Sekun- den lang wusste Jeff

kurzgeschichte

Gorons erster Einsatz von Andreas Blome

wo ihm der Kopf stand. Was war das für ein Mech und wieso küm- merte ihm sein Angriff überhaupt nicht?

Mittlerweile war der fremde Mech verschwunden und Jeff begann wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Er drehte seinen Mech herum und begann so schnell wie möglich zu seiner Truppe zurückzukehren. Was er von der Mitteilung des fremden Mech zu halten hatte sollte sich bald zeigen.

*

Goron erwachte. Genauer gesagt, er war sich plötzlich seiner Selbst bewusst. Seine Sensoren zeigten ihm seine Umgebung. Die Arbeitskammer von ODI. Zahl- reiche Mechanismen arbeiteten noch an seinem Körper herum. Es würde noch einige Minuten dauern bis er völlig fertig war. Aber bereits jetzt funktionierte er. Über die Kommunikationsleitung infor- mierte ODI ihn über seine Aufga- be. Dann zogen sich die Fertigungsmechanismen zurück. Goron war fertig.

Durch einen Tunnel stapfte er zur Schleuse hinüber. Innerhalb der Schleuse tummelten sich bereits zahlreiche kleinere Ein- heiten herum. Alles Medoein- heiten, die unter Gorons Kontrolle standen. Mit einem kurzen Sirren befahl er ihnen sich ruhig und konzentriert auf ihre Plätze zu begeben. Es kam nur zu einem

auf ihre Plätze zu begeben. Es kam nur zu einem kleinen Gerangel zwischen zwei Medoeinheiten, die

kleinen Gerangel zwischen zwei Medoeinheiten, die sich zufällig den gleichen Platz an Gorons Körper teilen wollten. Goron griff kurzerhand ein und beendete die Auseinandersetzung. Dafür war nun weiß Gott keine Zeit mehr.

Als die Schleuse sich öffnete sah Goron den Planeten Magara weit unter sich. Er warf sich ihm entge- gen. Gleichzeitig mit seinem Absprung wurde er von ODI's Gra- vitationsfeld erfasst und in die entsprechende Entfernung und

Lage gebracht. Dann erfolgte der Transport.

Goron stand an einem Abhang. Hinter ihm lag ein Felswall und wie er wusste, lag dahinter die halb zerstörte Stadt, der er helfen sollte. Vor ihm erstreckte sich eine weite Sandebene bis zu dem weit entfernten Gebirge. Irgendwo dort befanden sich mehrere Mech im Kampf. Er konnte die energe- tischen Waffensignale auffangen. Jetzt musste er nur noch wissen, wer der Angreifer und wer der Verteidiger der Stadt war.