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E-Books für die Universität

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Praxis-Statement: TU Graz

E-Books für die Universität
von Walther Nagler, Karl Wiesenhofer, Nikolai Scerbakov und Martin Ebner

Vorspann
Didaktisch gut aufbereitete Inhalte sind die Basis einer guten Lehre. E-Books sind nicht nur im Vormarsch (EHLING 2011), sie bieten im Vergleich zu Printmedien auch wesentliche Vorteile. Die Erstellung von E-Books mittels Autorensystemen sollte daher so einfach wie möglich sein (BARTON 2009).

E-Books? Was ist das genau?
Um einer begrifflichen Verwirrung vorzubeugen, sei an dieser Stelle kurz das Wort »E-Book« erörtert. Dieses wird nicht eindeutig verstanden. Der Begriff »EBook« wird heute im Wesentlichen für drei Bedeutungen verwendet. Die erste bezieht sich auf OnlineBibliotheken, wie sie nicht nur an vielen Universitäten das Angebot an Fachliteratur maßgeblich bereichern, sondern auch für die Allgemeinheit oft frei im Internet zugänglich sind. Das Angebot ist sehr unterschiedlich und umfangreich (z. B. die digitale Bibliothek der AK: www.arbeiterkammer.at/ ebook.htm). E-Books werden hier meist als downloadbare Version von Büchern verstanden. Die Downloads werden in verschiedenen Formaten, meist aber zumindest als PDF angeboten. Vermehrt werden auch Formate für sog. EReader-Endgeräte angeboten. Diese Verwendbarkeit führt auch schon zur zweiten Definition von E-Books, nämlich jener in Zusammenhang mit E-Readern. Als »EReader« werden mobile Endgeräte bezeichnet, die hauptsächlich zum Konsum von Inhalten (EBooks) in eigens für diese Geräte bestimmten Formaten verwendet werden. Hier hat Amazon mit seinem Kindle (E-Reader) seit 2007

Vorarbeit geleistet. Mittlerweile ist der Markt an unterschiedlichen E-Readern sehr umfangreich. So besitzen heute viele mobile Endgeräte (z. B. das iPad) die Fähigkeit, die speziellen E-Reader-Formate zu lesen. Das derzeit bekannteste E-Reader-Format ist EPUB (electronic publication). Das Format ist besonders in Hinblick auf seine Multimedia-Tauglichkeit einer schnellen Entwicklung unterworfen. Während sich die erste Bedeutung von »E-Book« auf den Download und die zweite auf Versionen für mobile Endgeräte konzentriert, liegt der Schwerpunkt der dritten in der interaktiven und multimedialen Online-Verwendung von Inhalten. Limitierungen in der Verwendbarkeit sind hier lediglich durch Eigenschaften der Browser gegeben. Damit eröffnet sich ein riesiger Spielraum an Einsatzmöglichkeiten. Die Erstellung solcher E-Books steht im Vordergrund der weiteren Betrachtung.

möglich wie eine Personalisierung dieser z. B. durch das Ermöglichen von digitalen Notizen zu Inhaltsteilen und dem Ausdruck oder der synchronen Diskussion (inhaltsbezogener Chat) derselben. Für die Erstellung solcher E-Books werden sog. Autorensysteme verwendet. Der Markt an diesen hat besonders durch Apples iBook Author (2012), einer Applikation zur Erstellung von E-Books speziell für den iPad, neuen Fokus bekommen. Die Liste an Autorensystemen wächst ständig (z. B. www.articleofthefuture.com).

Der »ABC-Manager« der TU Graz
An der Technischen Universität Graz (TU Graz) ist seit 2001 ein System im Einsatz, das zur Erstellung von E-Books dient und seit 2004 als »ABC-Manager« bezeichnet wird (NAGLER/EBNER 2010). Lagen zu Beginn der Entwicklung noch didaktische Aspekte auf Kosten der Benutzerfreundlichkeit beim Editieren im Vordergrund, so ist der ABC-Manager seit 2006 zu einem Online-Autorensystem herangewachsen, das beiden Aspekten gerecht wird. Der Einsatz des Systems war bis 2006 ausschließlich dem Institut für Elektrische Anlagen der TU Graz (IFEA) vorbehalten; hernach wurde der ABC-Manager als Service der Abteilung Vernetztes Lernen (VL) der gesamten TU Graz zur Verfügung gestellt. Mittlerweile findet der ABCManager auch über die Grenzen der TU Graz hinaus Verwendung; über die Hälfte der registrierten Benutzer sind nicht Angehörige der TU Graz.

Warum E-Books für die universitäre Lehre?
Wie eingangs erwähnt bieten EBooks im Vergleich zu herkömmlichen Printmedien in der Lehre wesentliche Vorteile; sei es die Erweiterung des Angebots an Fachliteratur der universitären Online-Bibliothek oder auch die allzeit und allerorts gegebene digitale Verfügbarkeit von Skripten. EBooks im dritten genannten Sinne bieten jedoch noch viel mehr. Durch das Format HTML (für Browser) sind alle Möglichkeiten einer multimedialen und interaktiven Anreicherung der Inhalte gegeben. Die Verwendbarkeit der Inhalte auf verschiedenen Lehrplattformen, aber auch die Umwandlung der Inhalte in für EReader lesbare Formate, ist ebenso

Der ABC-Manager in der Anwendung
Der ABC-Manager der TU Graz erlaubt die Erstellung und Veröf-

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fentlichung von E-Books in verschiedenen Formaten: HTML (für den Online- und OfflineGebrauch), PDF (als Druckskriptum), EPUB und Mobi (für E-Reader). Darüber hinausgehend kann auch eine Version für Smartphones generiert werden. Der Online-Gebrauch kann derzeit über zwei Plattformen genutzt werden. Einerseits können ABC-EBooks im Lernmanagement-System (LMS) der TU Graz bezogen werden, andererseits bietet der ABC-Manager seit 2012 eine eigene als »Presenter« bezeichnete Plattform zur Veröffentlichung und Darstellung der E-Books unabhängig vom LMS der TU Graz. Der ABC-Manager ist somit nicht nur in die digitalen Systeme und Strukturen der TU Graz eingebunden, sondern funktioniert ebenso als vollständig eigenständige Plattform (Autorensystem und Publikation) mit grundsätzlich freiem Zugang für Jedermann. Das Ziel ist, auf Basis eines einmal erstellten Inhaltes, selbigen für die gängigsten Formate verfügbar zu machen. Dies stellt in Hinblick auf Multimedialität und Interaktionen große Herausforderungen dar. Zum besseren Vergleich sind in den folgenden Abbildungen (Abb. 1 bis Abb. 8) die verschiedenen Formate am Beispiel ein und desselben Inhalts dargestellt.

Abb. 6: Format EPUB online

Abb. 3: Version Smartphones

Abb. 4: Version Kindle

Abb. 7: Format EPUB für Reader Library

Abb. 8: Format EPUB für Adobe Digital Edition Abb. 5: Format Mobipocket

Abb. 1: Version LMS der TU Graz

Die Abbildungen 6 bis 8 zeigen den Inhalt zwar jedes Mal im Format EPUB, jedoch auf verschiedenen Endgeräten. Abbildung 9 zeigt nun einen Inhalt im seit 2012 verfügbaren Presenter des ABC-Managers.

Abb. 2: Format PDF 2
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Abb. 9: Version ABC-Presenter

Didaktisches Konzept des ABC-Managers
Der ABC-Manager ist von seiner Entwicklung her grundsätzlich dem Bedarf nach einem Medium, welches sowohl als Vortrags- als auch Lernunterlage dienen soll, gefolgt. Es galt somit quasi die Schere zwischen Präsentation (z. B. MS PowerPoint) und Skriptum (z. B. PDF) zu schließen. Im Zuge der Umsetzung dieses Zieles wurde ein didaktisches Design entworfen (WEITL et al. 2002), das folgende Kriterien aufweist: Inhalte werden in kleinste Inhaltsteile (Microcontent) untergliedert, um höchst mögliche Flexibilität, Austauschbarkeit und Wiederverwendbarkeit zu gewährleisten; diese Inhaltsteile werden »Screens« genannt und besitzen einheitliche Eigenschaften (Abmessungen, Struktur, Optionen …); die Inhalte von Screens werden in einem gebräuchlichen Online-Editor (TinyMCE) editiert und im Format HTML bzw. XML gespeichert; Screens selbst werden in sog. Pools gespeichert; E-Books werden auf Basis der in einem Pool vorhandenen Screens zusammengestellt. Die Bezeichnung »ABC« für das System bezieht sich auf die Unterteilung der Inhalte in Inhalte von höchster Relevanz (»A«), Inhalte, welche »A«-Inhalte näher erklären (»B«) und Inhalte, welche weiterführend, jedoch nicht prüfungsrelevant sind (»C«). Ein Screen enthält immer die Teile »A« und »B«, während »C«-Inhalte ausschließlich als Verlinkung geöffnet werden können. Darüber hinaus wird empfohlen, die Screens eines EBooks derart in Strukturen (Ordner) zusammenzufassen, dass ein

Ordner einer Unterrichtseinheit entspricht. Nachdem Screens in Pools gespeichert werden, sind diese nicht ursächlich an ein EBook gebunden, sondern können bei Bedarf einfach einem E-Book hinzugefügt oder wieder entfernt werden. Auch das Übernehmen ganzer Strukturen eines E-Books auf ein anderes ist einfach über Drag & Drop durchführbar. Der ABC-Manager erlaubt somit das Editieren und Verwalten von Screens, deren sinnvolle aber beliebig wiederholbare Zusammenführung zu E-Books und die Publikation dieser E-Books in den zuvor beschriebenen Formaten (HUBER 2008). Doch wie ist nun die Herausforderung, ein Medium zu schaffen, das gleichzeitig als Vortrags- wie auch Lernunterlage dienen kann, umgesetzt? Bei der Erstellung eines Screens kann dieser einer Kategorie zugewiesen werden, z. B. Kategorie »PPT« oder Kategorie »PDF«“. In den Online-Versionen des späteren E-Books (Presenter und LMS der TU Graz) besteht nun die Möglichkeit, die Inhalte des E-Books nach diesen Kategorien gefiltert anzuzeigen.

Books nicht mehr alle Screens angezeigt, sondern nur mehr jene, welche den ausgewählten Kategorien zugeordnet wurden. Wenn nun bei der Erstellung ein Screen wie eine PowerPoint-Folie gestaltet und dieser Screen der Kategorie »PPT« zugeordnet, ein anderer Screen aber mit ausführlichem Fließtext gleich einem Skriptum (Kategorie »PDF«) versehen wird, so kann der Benutzer des späteren E-Books schnell über den Kategorie-Filter zwischen PPT und PDF umschalten. Von der aktuellen Filterauswahl können wiederum die Formate PDF, EPUB und Mobi generiert werden. Der Lehrende wird demnach nur seine der Kategorie »PPT« zugeordneten Screens für seine Vorlesung anzeigen, Studierende werden sich zum Ausdruck eines Skriptums nur Screens der Kategorie »PDF« anzeigen lassen.

E-Books im LMS der TU Graz
Wie bereits erwähnt und in Abbildung 1 beispielhaft dargestellt können ABC-E-Books auch im LMS der TU Graz dargestellt werden. Zum besseren Verständnis sei hier kurz auf das LMS der TU Graz eingegangen. Seit 2006 ist an der TU Graz das sogenannte TeachCenter (TUGTC) als LMS in Verwendung. Das TUGTC ist eine Entwicklung des Instituts für Informationssysteme und Computer Medien (IICM) der TU Graz unter der Projektleitung von Prof. Scerbakov und wurde Institutsintern bereits an die zehn Jahre davor erprobt und verwendet. In Bezug auf E-Books bietet das TUGTC eine eigene E-BookUmgebung, die höchst interaktiv ist. So können nicht nur zu jedem Inhalt Notizen online hinzugefügt und auch ausgedruckt werden, es bestehen zudem synchrone Kommunikationsmöglichkeiten, welche auch eine Beteiligung über Smartphones zulassen. Darüber hinaus können auch unabhängig vom ABCManager E-Books im TUGTC aus bestehenden Inhalten des

Abb. 10: Filter durch Kategorien
Abbildung 10 zeigt das Prinzip: Im linken Teil des Bildes sind alle Kategorien, welche in diesem EBook vorkommen, ausgewählt und damit deren zugehörige Screens angezeigt (der Screen selbst ist in der Abbildung nicht mehr zu sehen). Im rechten Teil der Abbildung 10 sind nur drei Kategorien ausgewählt. Nun werden im Inhaltsverzeichnis des E-

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TUGTCs zusammengestellt und in den angeführten Formaten ausgegeben werden.

Erfahrungen aus zehn Jahren Praxis mit E-Books an der TU Graz
Seit über zehn Jahren wird das Angebot in Hinblick auf Erstellung und Distribution von EBooks an der TU Graz weiterentwickelt und den laufenden Anforderungen angepasst. So war zu Beginn der Entwicklung nicht absehbar, dass die Ausgabe der Inhalte kompatibel zu verschiedensten Formaten mobiler Endgeräte mittlerweile im Vordergrund steht. Die Aktivitäten waren anfänglich auf die Umsetzung der Lehrinhalte des IFEA konzentriert (FICKERT et al. 2006). So entstanden in der ersten Zeit über zwanzig stetig auf aktuellem Stand gehaltene E-Books. Mit der Überführung des Dienstes an die Abteilung Vernetztes Lernen fanden sich schnell weitere Institute zum Einsatz des ABC-Managers, deren Kooperationen wesentlich zu seiner Weiterentwicklung beigetragen haben. Mittlerweile sind an die 90 Benutzer in über 50 verschiedenen Pools am System registriert. Der umfangreichste Pool enthält über 2000 einzelne Screens. Um auch dem mittlerweile stark wachsenden (internationalen) Anteil an Benutzern fern der TU Graz gerecht zu werden, wird der ABC-Manager derzeit einem Redesign unterworfen.

genden Redesign unterzogen, welches nicht nur die Benutzeroberfläche, sondern auch die programmiertechnische Architektur des Systems umfasst. Aufgrund der vielen Rückmeldungen und der damit stetig steigenden Anforderungen war dies notwendig geworden. Das Redesign ist in weiten Teilen der Anwendung bereits abgeschlossen (vergleiche Abb. 9 und Abb. 10). In Zukunft wird auch eine Anbindung an die Datenbank des an der TU Graz eingesetzten Informationsmanagementsystems (CAMPUSonline®) gegeben sein, um die Benutzerverwaltung zu erleichtern. Für Entwickler wird ebenso eine Programmierschnittstelle (API) bereitgestellt werden, da der ABC-Manager ein Open Source Project darstellt. Eine Installationsversion des ABC-Managers wird einen von der TU Graz komplett unabhängigen Einsatz des Systems möglich machen. Alle weiteren Informationen zum System finden Sie unter https:// ebook.tugraz.at/. Dort ist auch die Verwendung des ABC-Managers selbst möglich. Er kann nach Registrierung frei verwendet werden.

EHLING, H.: Ebooks: Der Buchhandel hat (fast) schon verloren, received March 21st 2011 http://www.ehlingmedia. com/blog/?p=444. FICKERT, L./NAGLER, W./ACHLEITNER, G.: E-Learning – as simple as the ABC, in: IEEE PES Power Systems Conference & Exposition, 2006, S. 666-670. HUBERT, T./NAGLER, W./EBNER, M.: The ABC-eBook System: From Content Management Application to Mash-up Landscape, in Proceeding of the 20th World Conference on Educational Multimedia, Hypermedia and Telecommunications (ED-Media), 2008, S. 6015-6022. HUG, T.: Micro-learning: A New Pedagogical Challenge, in: HUG, T./LINDNER, M./BRUCK, P. A. (eds.): Micro-learning: Emerging Concepts, Practices and Technologies after eLearning, Proceedings of Micro-learning 2005. Innsbruck: Innsbruck University Press, 2006. NAGLER, W./EBNER, M.: E-Books at TU Graz – Development, experience, and outlook of ebooks and e-readers in university practice and research, in Proceeding of the Academic Network Conference, 2010, in print. WEITL, F./SÜß, C./KAMMERL, R.: Didactical structuring of online content, technical report, Draft Version, IFIS Univ. Passau, March 2002.

Literaturhinweise
BARTON, T./FUCHS, G./KUHN, E., LÄMMEL, U./MÜLLER, C.: ELearning-Inhalte: effizient entwickeln und effektiv einsetzen, in: Tagungsband zur AKWI-Fachtagung am 13. bis 15.09.2009 an der Hochschule Wismar.

Ausblick
Aktuell wird der ABC-Manager, wie eben erwähnt, einem grundle-

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