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Arbeiten zu Studium und Praxis im Bundesgrenzschutz

Lübeck 1998

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Wolfgang Pietzner

Waffenlehre
1. Ausgabe: - Grundlagen der Systemlehre -

Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung
Fachbereich Öffentliche Sicherheit Abteilung Bundesgrenzschutz

Inhaltsverzeichnis
Vorwort (Martin H.W. Möllers) Wolfgang Pietzner 9

Waffenlehre - Grundlagen der Systemlehre
1. 2. 2.1 2.2 3. 3.1 3.2 3.3 4. 4.1 Merkmalgruppen zur Einordnung von Waffen Einordnung von Waffen nach der Verschlussstellung Offene Verschlussstellung Geschlossene Verschlussstellung Einordnung von Waffen nach der Antriebsart Handlader Halbautomaten Automaten Einordnung von Waffen nach dem Verschlusssystem Verriegelte Verschlusssysteme und ihre konstruktive Ausbildung

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4.1.1 Kipprohrverschluss 4.1.2 Kippverschluss 4.1.3 Drehverschluss 4.1.4 Blockverschluss 4.1.5 Gelenkverschluss 4.1.6 Stützrollenverschluss 4.1.7 Stützklappenverschluss 4.1.8 Riegelverschluss 4.2 Unverriegelte Verschlusssysteme, ihre verschließenden Kräfte und Bauarten

4.2.1 Grundsätzliches zur Wirkung von Trägheitskräften 4.2.2 Überlegungen zur Sicherheit unverriegelter Verschlusssysteme 4.2.3 Gebremste Masseverschlüsse mit Bremsung durch Ableitung von Gaskräften

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Inhaltsverzeichnis

4.2.4 Übersetzte Masseverschlüsse 5. 5.1 Einordnung von Waffen nach der Krafteinleitung Krafteinleitung durch Rückdruckkräfte

50 63 64 65 68 69 70 73 76 77 78 80

5.1.1 Rückdrucklader mit beweglichem Rohr 5.1.2 Rückdrucklader mit feststehendem Rohr 5.1 Krafteinleitung durch Gasdruckkräfte

5.2.1 Gasdrucklader mit Rohrbohrung 5.2.2 Gasdrucklader ohne Rohrbohrung 5.3 Kombinierte Krafteinleitung

Literaturverzeichnis Abbildungsverzeichnis Bisher in dieser Schriftenreihe erschienene Bände

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Vorwort Der Umgang mit Waffen, insbesondere der Gebrauch von Schusswaffen im Einsatz nicht nur bei den Polizeien in Bund und Ländern, sondern auch bei den übrigen im Bereich der öffentlichen Sicherheit tätigen Beamten ist selbstverständlich geworden. Waffentechnik und Waffenrecht machen jedoch in der Ausbildung des gehobenen Dienstes des Fachbereichs Öffentliche Sicherheit der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung - schon wegen der Fülle des Gesamtlernstoffes - nur einen kleinen Teil aus. Ähnlich ist es auch in den Ausbildungsordnungen der Länder. Die Waffen der Polizei gehören dagegen nicht nur im tagtäglichen Einsatz zu den unverzichtbaren Einsatzmitteln, deren richtiger und umsichtiger Gebrauch oft erst einen Einsatz objektiv erfolgreich werden lassen. In der Gesellschaft wird über die Medien regelmäßig die Verwendung von Waffen durch die Polizei kritisch begleitet. Es drängt sich deshalb geradezu auf, sich in den “Beiträgen zur Inneren Sicherheit” auch der Waffentechnik und dem Waffenrecht zu widmen. Umgangssprachlich werden im Zusammenhang mit den Waffen der Polizei verschiedene Begriffe verwandt, zum Beispiel Schusswaffen der Polizei, polizeitypische Waffen, nichttötende Polizeiwaffen usw. Diese Begriffe unterscheiden sich jedoch inhaltlich und sollen hier zunächst geklärt werden: Zu den Waffen der Polizei zählen alle der Polizei zu ihrer Eigensicherung, zum Schutze anderer Personen und zur Durchsetzung des unmittelbaren Zwangs zur Verfügung stehenden Schusswaffen, Gegenstände und Geräte. Zu nennen sind zunächst die im LF 900 aufgeführten Schusswaffen der Polizei, zu denen sowohl Kurz- als auch Langwaffen (z.B. das Gewehr) zählen. Die sog. Faustfeuerwaffen, für die 1975 von der Technischen Kommission, AK II, dem zuständigen Bund-Länder-Gremium, ein “Pflichtenheft Faustfeuerwaffe” verabschiedet wurde, müssen danach bestimmte Grundanforderungen wie etwa Funktionssicherheit auch unter Extrembedingungen (-30°C bis +54°C), lange Lebensdauer (Hauptteile 10 000, Verschleißteile 5 000 Schuss), einfache Handhabung, Fallsicherheit, gute Treffleistung, Mündungsenergie > 500 Joule (J), Gewicht < 1 000 g u.a.m. erfüllen. Langwaffen sind bei den Polizeien des Bundes und der Länder nur sehr begrenzt im Einsatz. Dazu gehören Flinten, die nur gegen Sachen verwendet werden dürfen, und Büchsen, die fast nur als Präzisionswaffen eingesetzt werden. Außer den Handfeuerwaffen gibt es noch andere mechanische und chemische Hilfsmittel körperlicher Gewalt, die unter den Begriff der nichttötenden Polizeiwaffen zusammenzufassen sind. In Deutschland sind das im wesentlichen der Schlagstock (Tonfa), Tränengas und andere Reizstoffe sowie der Wasserwerfer. Ihre Wirkungen liegen jeweils unterhalb der Wirkung von Schusswaffen; sie werden nach einem IMK-Beschluss vom 6.5.1991 auch als polizeitypische Waffen bezeichnet, die ganz bestimmte Anforderungen erfüllen müssen. Gesetzliche Grundlage für den Einsatz der Waffen der Polizei ist das Gesetz über den unmittelbaren Zwang bei Ausübung öffentlicher Gewalt durch Vollzugsbeamte des Bundes (UZwG), die Allgemeine Verwaltungsvorschrift des Bundesministers des Innern zum UZwG (UZwVwV-BMI) sowie die einschlägigen landesrechtlichen Vorschriften zur Anwendung des unmittelbaren Zwangs, die Abweichungen enthalten können. Obwohl die PDV 100 (Nr. 1.6.3.6.) ausdrücklich “Waffen” von “Reizstoffen und sonstigen chemischen Mitteln” sowie “sonstigen technischen Hilfsmit-

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Vorwort

teln” unterscheidet, werden teilweise auch die Reizstoffe und Sprengmittel den Waffen der Polizei in rechtlicher Hinsicht bei der Anwendung unmittelbaren Zwangs durch die Polizei zugerechnet. Forschung und Entwicklung der Polizeiwaffen oblag in der Vergangenheit der Forschungs- und Entwicklungsstelle für Polizeitechnik (FEStPT) an der Polizei-Führungsakademie (PFA) in Münster, seit 1998 ist die FEStPT in das Polizeitechnische Institut (PTI) aufgegangen, das nach wie vor an der PFA in Münster untergebracht ist. Die Schusswaffen der Polizei sind nach PDV 100 Nr. 1.6.3.6. Einsatzmittel zur Anwendung unmittelbaren Zwangs, die dienstlich zur Verfügung gestellt und in den Leitfäden LF 900 (Schusswaffen der Polizei), LF 983 (Untersuchen und Instandsetzen von Waffen und Gerät) sowie den Polizeidienstvorschriften PDV 912 (Die Maschinenpistole Kaliber 9 x 19 mm), PDV 913 (Das Gewehr Kaliber 7,62 x 51 mm (G 1)), PDV 953 (BGS) (Waffentechnische Gerätebeschreibung der Handgranate DM 51 und der Übungshandgranate DM 58), PDV 982 (Anschießen der Handfeuerwaffen und Maschinengewehre) und PDV 992 (Verwalten von Waffen, Gerät und Munition bei den Einheiten) eingegangen und teilweise dabei auch mit ihren Funktionsvorgängen beschrieben sind. Im wesentlichen gehören danach zu den Schusswaffen der Polizei, die auch als Dienstwaffen bezeichnet werden, Pistolen, Revolver, Gewehre, Maschinenpistolen und Maschinengewehre, deren Anwendung im Einzelfall zum Teil speziell ausgebildeten Kräften (z.B. dem Präzisionsschützenkommando) vorbehalten ist. Unter dem Begriff der polizeitypischen Waffe wird nach einem Beschluss der IMK von 1991 dagegen ein Einsatzmittel der Polizei verstanden, dessen Wirkung unterhalb derjenigen der Schusswaffen liegt. Polizeitypische Waffen sind somit nur ein Teil der Waffen der Polizei und gehören vor allem zu den nichttötenden Polizeiwaffen. Sie müssen in Deutschland - auch über größere Entfernungen - kalkulierbar sein und dürfen Unbeteiligte nicht gefährden; außerdem müssen sie sicher und leicht zu handhaben sein und eine Eskalation der Gewalt vermeiden. Nichttötende Polizeiwaffen sind nach der zu den Waffen der Polizei gehörende Einsatzmittel (PDV 100 Nr. 1.6.3.6.), die dazu geeignet sind, zum Beispiel bei unfriedlichen demonstrativen Aktionen eine Volksmenge zu zerstreuen, ohne von der Schusswaffe Gebrauch machen zu müssen. Sie sind in der Regel Schusswaffen oder Zusatzgeräte für Schusswaffen, die besondere, üblicherweise nicht tötende, aber abschreckende Munition verschießen können. Weltweit gehören dazu barrikadenbrechendes Tränengas bzw. andere Reizstoffe; mit Schrotkörnern gefüllte, feste Stoffsäckchen (sog. Betäubungskissen) oder Holzblöcke, die beim Aufprall einen Menschen wie durch einen Faustschlag umwerfen; mit flüssiger Farbe gefüllte Plastikkugeln, die beim Aufprall zerplatzen und so einen Menschen markieren, sowie Gummigeschosse, die eine ähnliche Wirkung wie die Betäubungskissen haben. Beim Einsatz von Gummigeschossen bzw. Gummischrot ist es bereits zu Todesfällen und schweren Verletzungen (z.B. Verlust beider Augen) gekommen1. Die in der Regel nichttötende Munition wird aus speziellen Revolvern (z.B. Smith & Wesson RiotGun zum Verschießen von Tränengaskörpern), Pistolen (z.B. Nel-Spot-Pistole zum Verschuss von mit Farbe gefüllten Plastikkugeln), Flinten (z.B. Tru-Flite Kipplauf-

1 Vgl. H. R. Damm: Waffen und Munition für die Polizei, DP 1995, 66.

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Vorwort

flinte zum Verschießen von Gummigeschossen) oder Schießbechern (z.B. zum Aufsatz auf Revolver oder Gewehr zum Abschuss von Tränengas) verschossen, mit der Hand geworfen oder mittels spezieller Geräte wie zum Beispiel ReizstoffSpraydosen oder Schockwaffen (sog. Stun-Guns) für den Abschuss von Betäubungskissen eingesetzt. Zu den nichttötenden Polizeiwaffen zählen auch die - in Deutschland nach § 37 WaffG verbotenen - wie eine Taschenlampe aussehenden und mittels Akku betriebenen Handbetäubungsgeräte (sog. Taser), die bis zu einer Entfernung von 4,50 m zwei an Drähten hängende Pfeile verschießen und Stromstöße aussenden, welche die Angreifer sofort außer Gefecht setzen. Außerdem zählen zu den nichttötenden Polizeiwaffen der Schlagstock (Tonfa) und der Wasserwerfer. In den USA und anderen europäischen Ländern kommt die gesamte oben genannte Palette nichttötender Polizeiwaffen zum Einsatz, in Deutschland sind lediglich Tränengas, das zum Teil aus einem auf dem Polizeigewehr des Typs G 1 (vgl. PDV 913) aufzusetzenden Schießbecher verschossen wird, und Reizstoff-Spraydosen neben Schlagstock und Wasserwerfer gesetzlich zugelassen. Denn hier müssen nichttötende Polizeiwaffen unterhalb der Wirkungsebene der Schusswaffe nach dem Beschluss der Innenministerkonferenz vom 6.5.1991 als polizeitypische Waffe rechtsstaatlich-humanitären Anforderungen entsprechen, die Erfüllung des polizeilichen Auftrags gewährleisten, den Polizeibeamten den denkbar besten Schutz bieten und die sofortige Handlungsunfähigkeit eines Rechtsbrechers zur Abwehr einer gegenwärtigen Gefahr für Leib und Leben unter Beachtung des Verhältnismäßigkeitsprinzips bewirken. Technisch bedeutet dies, dass die nichttötende Polizeiwaffe kalkulierbar sein muss - auch über größere Entfernungen - und Unbeteiligte nicht gefährdet, dass sie sicher und leicht zu handhaben ist und Eskalation der Gewalt vermeidet. So wird auch weiterhin versucht, weitere mechanische und chemische Einsatzmittel für die Polizei zu entwickeln oder in anderen Ländern bereits eingesetzte Wirkstoffe oder Geräte in den Katalog der Einsatzmittel aufzunehmen (z.B. der in den USA verwendete sog. Pepper-Spray, bei dem es sich um den Wirkstoff Capsaicin handelt, der in Chili-Extrakten vorkommt)2. Die Abhandlungen in diesem Band beziehen sich ausschließlich auf Schusswaffen. Es soll damit ein Beitrag geleistet werden, die von der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung selbst erstellte Fachliteratur für die Ausbildung des gehobenen Dienstes im Fachbereich Öffentliche Sicherheit auf das Gebiet der Waffentechnik und des Waffenrechts zu erweitern. Das Thema Waffentechnik nimmt dabei einen breiteren Raum ein. In einer ersten zusammenhängenden Darstellung werden vom EPHK Dipl.-Ing. Wolfgang Pietzner die Grundlagen des Systemlehre behandelt. Die Darstellung ist dabei auf die Lernziele und Lerninhalte der Fächer Waffenlehre und Waffenkunde u.a. der Ausbildungsgänge an der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, Fachbereich Öffentliche Sicherheit, abgestimmt. Das Thema Waffentechnik ist aber mit diesem Beitrag nicht endgültig abgeschlossen. Vielmehr müssen weitere Veröffentlichungen zur Waffentechnik - und auch zur Waffenpflege - das Wissen und die Erkenntnis rund um die Waffe vertiefen. Im Bereich des Waffenrechts werden hier einzelne Aspekte dargestellt.

2 Vgl. H. R. Damm: Waffen und Munition für die Polizei, DP 1995, 62 ff.

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Vorwort

Dr. Martin H.W. Möllers

Lübeck, im Oktober 1998

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Wolfgang Pietzner* Grundlagen der Systemlehre1

1. Merkmalgruppen zur Einordnung von Waffen Die Fortschritte auf dem Werkstoffsektor, im Bereich der Fertigung (Materialbeund- verarbeitung) und in der Waffentechnik ermöglichen die Entwicklung der Feuerwaffen zu automatischen Maschinen, die umfangreiches Wissen über Konstruktion, Funktion, Leistung und Leistungsgrenzen erfordern, wenn die bei der Materialauswahl/- erhaltung und- instandsetzung anfallenden Probleme gelöst werden sollen. Auch das Fachpersonal muss über fachtechnische Kenntnisse in einem Umfang verfügen, die dazu befähigen, Leistungsmöglichkeiten und -grenzen des Materials bei Führungsentscheidungen entsprechend zu berücksichtigen. Nur bei Vorliegen dieser Voraussetzungen ist es möglich, einen, dem hohen Stand der Ausstattung entsprechenden Einsatzwert von Waffe und Waffenträger zu gewährleisten. Dazu ist es wichtig, dass der Waffentechniker das System einer Waffe aus den Merkmalgruppen erkennt. Die nachfolgende Grafik gibt eine Übersicht über die Merkmalgruppen wieder.

Merkmalgruppen zur Einordnung von Waffen
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Bild 1

Antriebsart Verschlusssystem Krafteinleitung und Antriebselemente Verschlussstellung

Merkmalgruppen zur Einordnung von Waffen

Erster Polizeihauptkommissar im BGS Wolfgang Pietzner ist Fachgruppenleiter Waffen//Erprobung/Instandsetzung im Fachbereich Waffenwesen an der Grenzschutzschule in Lübeck. Durch seine Ausbildung zum Diplomingenieur und vor allem seine jahrelange Tätigkeit als Fachlehrer im Fachbereich Waffenwesen wurde er - nicht nur bei der Polizei - zum anerkannten Waffenexperten. 1 Die nachfolgende Abhandlung beruht im wesentlichen auf einem Teil der vom Verfasser herausgegebenen “Arbeitsblätter für die Waffenlehre - Fachwissen für das waffentechnische Personal der Polizei”.

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Einordnung von Waffen nach der Verschlussstellung

2. Einordnung von Waffen nach der Verschlussstellung Der Begriff der Verschlussstellung bezieht sich auf die Stellung des Verschlusses in Bezug auf das Rohr im feuerbereiten Zustand des Systems. Die Verschlussstellung ist nicht an ein bestimmtes Verschlusssystem oder eine bestimmte Art der Krafteinleitung gebunden. Zwischen der Verschlussstellung und den übrigen Merkmalgruppen gibt es keine logischen Verknüpfungen.

Einordnung nach der Verschlussstellung

offene Verschlussstellung (zuschießende Waffe) geschlossene Verschlussstellung (aufschießende Waffe)

Bild 2

Einordnung nach der Verschlussstellung

Beispiele G1

geschlossene Verschlussstellung, verriegelter Verschluss, Gasdrucklader G 3 / MP 5 / geschlossene Verschlussstellung, unverriegelter Verschluss, Rück G8 drucklader MG 1/2 | MG 3 offene Verschlussstellung, verriegelter Verschluss, kombinierte Krafteinleitung MP Beretta / offene Verschlussstellung, unverriegelter Verschluss, RückdruckMP Walther lader usw. Das Schießen aus diesen Verschlussstellungen ist jedoch mit bestimmten Vor- und Nachteilen verbunden, sodass sich ihre Anwendung für die jeweilige Waffenart anbietet. Für die offene und geschlossen Verschlussstellung finden auch die synonymen Begriffe zu- und aufschießende Waffen Verwendung.

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2.1

Offene Verschlussstellung (zuschießende Waffe)

2.1 Offene Verschlussstellung (zuschießende Waffe) Im feuerbereiten Zustand befindet sich der Verschluss in hinterster Stellung; die Schließfeder hat ihre maximale Spannung. Im Patronenlager ist keine Patrone vorhanden; die Munition liegt in der Bahn des vorlaufenden Verschlusses. Bei Schussabgabe schnellt der Verschluss nach vorn, führt die Patrone zu, in das Patronenlager ein und zündet. Bei Feuerunterbrechung bleibt die Waffe mit offenem Verschluss stehen; es befindet sich keine Patrone im Patronenlager

Bild 3

Verschlussstellung

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Geschlossene Verschlussstellung (aufschießende Waffe)

Vorteile Bei Waffen mit hoher Kadenz kann in den Feuerpausen eine die Wärmeabfuhr vom Rohr verbessernde Kaminwirkung eintreten. Bei Feuerunterbrechung befindet sich keine Patrone im Patronenlager, sodass bei automatischen Waffen mit hoher Kadenz die Gefahr der Selbstentzündung durch Wärmeübertragung vom heißgeschossenen Rohr auf die Patrone entfällt. Nachteile Beeinträchtigung der Treffleistung durch lange Verzugszeiten und Schwerpunktverlagerungen der vor- und rücklaufenden Verschlussmasse, die von den Stößen der Zuführung überlagert werden. Bei Waffen, die nach dem Prinzip der Vorlaufzündung arbeiten und im Dauerfeuer schießen, wirkt sich die offene Verschlussstellung nicht so nachteilig aus, denn der Verschluss schwingt zwischen einem Gaspolster und der Schließfeder elastisch (der Aufprallstoß auf das Rohrmundstück entfällt) hin und her. 2.2 Geschlossene Verschlussstellung (aufschießende Waffe) Im feuerbereiten Zustand befindet sich der Verschluss in vorderster Stellung und verschließt das Rohrmundstück; die Schließfeder hat nur Vorspannung. Eine Patrone ist im Patronenlager. Bei Schussabgabe werden nur die Teile des Schlagmechanismus bewegt. Bei Feuerunterbrechung bleibt der Verschluss in vorderster Stellung stehen; eine Patrone befindet sich imPatronenlager. Nachteile Keine Kaminwirkung möglich, es sei denn, der Verschluss wird bei leergeschossenem Magazin durch einen Verschlussfang in hinterer Stellung gefangen. Gefahr der Selbstentzündung durch Wärmeübertragung vom Rohr auf die im Patronenlager befindliche Patrone. Vorteile Keine Beeinträchtigung der Treffleistung durch beim Schuss vorlaufende Massen, damit zumindest im Einzelfeuer ruhige Waffenlage; kurze Verzugszeiten. Die offene Verchlußstellung wird vorzugsweise bei Maschinenwaffen angewandt, während für Waffen aus denen die Abgabe von präzisen Einzelschüssen die Regel ist, die geschlossene Verschlussstellung vorzuziehen ist.

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Einordnung von Waffen nach der Antriebsart

3.

Einordnung von Waffen nach der Antriebsart

Bei Feuerwaffen versteht man unter Antriebsart die Art und Weise, wie der Verschluss zum Zwecke des Nachladens in Bewegung gesetzt wird. Die Krafteinleitung kann dabei durch die beim Schuss freigesetzte Energie (Eigenenergie) oder durch von außen dem System zugeführte Energie (Fremdenergie) erfolgen. Der Nachladevorgang wird unterteilt in • Verschlussrücklauf • Verschlussvorlauf. Im einzelnen sind folgende Bewegungen zu unterscheiden: Verschlussrücklauf • Öffnen des Rohres • Ausziehen der Hülse aus dem Patronenlager • Auswerfen der Hülse aus dem Gehäuse • Spannen der Schließ- und Schlagfedern. Verschlussvorlauf • Zuführen der Munition in die Verschlussbahn • Einführen der Patrone in das Patronenlager • Verschließen des Rohres • Anzünden der Patrone

Bei der Einteilung von Waffen nach der Antriebsart wird vom geladenen und gespannten System ausgegangen. Die Art und Weise, wie die erste Patrone in das Patronenlager des Rohres gelangt, wird dabei nicht betrachtet. Bei fast ausnahmslos allen Waffen - Ausnahmen bilden z.B. die Lafettierungen, die eine elektrische Durchladeeinrichtung besitzen -, wird die erste Patrone von Hand in das Patronenlager eingebracht. Die Einleitung der Bewegungen erfolgt durch Betätigen des Abzuges. Aus Gründen der Zweckmäßigkeit können Waffen so konstruiert sein, dass sich einzelne Bewegungen überlagern, während in speziellen Systemen bestimmte Bewegungen nicht erforderlich sind.

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Handlader

Nach der Antriebsart werden Feuerwaffen unterteilt in: • Handlader • Halbautomaten und • Automaten.

Bild 4

Einordnung nach der Antriebsart

3.1 Handlader Als Handlader werden Waffen bezeichnet, bei denen die Verschlussbewegung zum Zwecke des Nachladens ausschließlich vom Schützen von Hand ausgeführt werden muss. Nach der technischen Ausführung werden Handlader in Einzel- und Mehrlader unterschieden. Einzellader Beim Handlader als Einzellader muss jede Patrone einzeln von Hand in die Verschlussbahn oder das Patronenlager eingebracht werden. Beispiele für diese Konstruktionsart • Signalpistolen • Mehrzweckpistole Kal. 40 mm • Luftgewehre und Luftpistolen • Flinten • Kipplaufbüchsen • KK-Wehrsportmodelle von z.B. ERMA • freie Pistolen.

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Handlader

Bei der Signalpistole SignP2 und der Mehrzweckpistole MZP1 muss jede einzelne Patrone von Hand in das Patronenlager eingebracht werden. Mehrlader Handlader als Mehrlader verfügen über eine Einrichtung, in der ein Vorrat von Patronen lagert.

Bild 5

Mehrladeeinrichtungen

Diese Mehrladeeinrichtung übernimmt das Zuführen der Patronen in die Verschlussbahn. Die Patronen werden durch die von Hand vorgenommene Verschlussbewegung in das Patronenlager eingeführt. Die technische Ausführung der Mehrladeeinrichtung ist dabei ohne Bedeutung für die Einordnung der Waffe als Mehrlader.

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Halbautomaten

Mehrladeeinrichtungen sind denkbar als: • Röhrenmagazine im Vorderschaft über oder unter dem Rohr liegend oder in der Schulterstütze • Mittelschaftsmagazine • ansteckbare Magazine als Kasten-, Stangen-, oder Trommelmagazine • mehrere um eine gemeinsame Achse drehbare Patronenlager (Trommel). 3.2 Halbautomaten Halbautomaten sind solche Waffen, bei denen ein Teil der Bewegungen des Nachladevorganges automatisch durch die beim Schuss auftretenden Gaskräfte oder durch von außen dem System zugeführte Energie (Fremdenergie) bewirkt wird. In der Regel handelt es sich um Geschütze, bei denen unter Ausnutzung des Rückdruckes beim Rohrrücklauf das Rohr geöffnet, die Hülse ausgezogen und ausgeworfen und die Schließ- und Schlagfedern gespannt werden. 3.3 Automaten Als Automaten werden Waffen bezeichnet, bei denen der Antrieb des Verschlusses ausschließlich durch die beim Schuss auftretenden Gaskräfte (Eigenenergie) oder durch dem System von außen zugeführte (Fremd-) Energie erfolgt. Die Automaten werden nach bestimmten waffentechnischen Merkmalen in Selbstlader und Maschinenwaffen unterschieden. Automaten als Selbstlader Automaten werden als Selbstlader bezeichnet, wenn durch den Einbau eines Unterbrechers in das Abzugssystem nur Einzelfeuer geschossen werden kann und dabei der Abzug bei jedem Schuss erneut betätigt werden muss. Der Unterbrecher trennt die Auslösung der Zündung vom automatischen Ablauf ab. Beispiele ausgeführter Konstruktionen: • Selbstladepistolen P 5, P 6, P 7, P 9, P 10 • Selbstladegewehre SGew. 41 und 43 • Selbstladeflinten FN B.A.R., Remington, Sako. Bei ausnahmslos allen Selbstladepistolen wird der Unterbrecher in der gleichen Art und Weise gesteuert. In Abhängigkeit von der Stellung des Verschlussstückes zum Rohrmundstück wird durch eine Steuerkurve am Verschluss die Verbindung zwischen Abzug und dem die Zündung auslösenden Teil des Schlagmechanismus (allgemein Schlaghebel) unterbrochen.

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Automaten

Das verbindende Teil, das durch den Verschluss gesteuert wird, heißt Abzugsstange oder Abzugschiene. Die Verbindung wird erst wieder hergestellt, wenn • der Verschluss das Rohr verschließt und • der Schütze den Abzug freigibt, d.h. der nächste Schuss kann erst abgegeben werden, wenn der Abzug vorher gelöst wurde und erneut zurückgezogen wird.

Bild 6

Unterbrechersteuerung

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Automaten

Durch diesen Mechanismus wird sichergestellt, dass der Schütze, obwohl er den Abzug während der Verschlussbewegung noch gezogen hat, aus der Waffe nur Einzelfeuer schießen kann. Die Selbstladepistolen weisen eine Besonderheit auf, denn bei ihnen ist die Funktion des Unterbrechers und der Schützensicherung in den gleichen Bauteilen vereinigt. Die Schützensicherung wirkt so, dass eine erneute Schussabgabe erst möglich ist, wenn der Verschluss das Rohr sicher nach rückwärts verschließt. Kommt der Verschluss aus irgendeinem Grund nicht in die funktionsgerechte Stellung, so bleibt die Unterbrechung auch bei gelöstem Abzug bestehen. Beim Zurückziehen des Abzuges läuft die Abzugsstange leer, ohne den Schlagmechanismus auszulösen. Dieses grundsätzliche Funktionsprinzip weisen alle Selbstladepistolen auf. Die einzelnen ausgeführten Konstruktionen unterscheiden sich lediglich im Aussehen und den geometrischen Abmessungen der Bauteile (Abzugsstange und Steuerkurve), die diese Funktionen darstellen. Die Kombination der Unterbrecher- und Schützensicherungsfunktion in den gleichen Bauteilen ist bei den übrigen Selbstladern nicht üblich. Die Aufgabe der Schützensicherung übernehmen andere Bauteile. Automaten als Maschinenwaffen In allen übrigen Fällen sind Automaten zur Abgabe von Dauerfeuer eingerichtet und werden als Maschinenwaffen bezeichnet. Diesen Waffen fehlt der Unterbrecher; sie feuern, solange der Schütze den Abzug zurückgezogen hält und ein Munitionsvorrat in der Ladeeinrichtung vorhanden ist. Beispiele ausgeführter Konstruktionen: • Maschinengewehre (MG 42, MG 1/2, MG 3) • Maschinenpistolen (Sten, ERMA, Madsen). Moderne Automaten Moderne Handfeuerwaffen sind so konstruiert, dass durch Einbau entsprechender Elemente in die Abfeuerungseinrichtung, wie: • Feuerwahlschalter • Intervallabzug • Doppelabzug • Abzug mit doppeltem Kraftangriff sowohl Einzel- als auch Dauerfeuer abgegeben werden kann.

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Automaten

Der Umschalt- und Sicherungshebel der sog. Sturmgewehre fasst Sicherung und Feuerwahlschalter zusammen, üblicherweise wird der Unterbrecher dabei durch den Abzugshebel gebildet. Die Sicherung dieser Waffen (G 1, G 8, MP 5) blockiert die Abzugsbewegung.

Bild 7

Feuerwahlschalter

Der Feuerwahlschalter begrenzt die Schwenkbewegung des Abzuges. Je nach Stellung des Feuerwahlschalters kann der Abzug den Abzugshebel so weit aus der Bahn des Schlaghebels herausheben, dass er nicht mehr in die Einzelfeuerraste des Schlaghebels eintritt; die Waffe feuert, solange der Abzug zurückgezogen wird.

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Automaten

In der anderen Stellung des Feuerwahlschalters kann der Weg des Abzuges so weit begrenzt werden, dass der Abzugshebel Anlage an der Walze des Schlaghebels findet und beim Spannen der Schlagfeder in die Einzelfeuerraste eintreten kann.

Bild 8

Steuerung des Unterbrechers im Verschlussrücklauf

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Automaten

Bild 9

Steuerung des Unterbrechers im Verschlussvorlauf

In dieser Stellung ist der Unterbrecher wirksam und der Schütze kann nur Einzelfeuer abgeben.

Beispiele ausgeführter Konstruktionen: • Gewehre G 1, G 3, G 8 • Maschinenpistolen MP 5, MP Walther

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Automaten

Der Intervallabzug (auch Abzug mit Schusszahlbegrenzer genannt) ist eine Konstruktion der Firma Heckler & Koch für ihre Waffensysteme.

Bild 10 Herstellen der erneuten Feuerbreitschaft

Ausgehend von der Überlegung, dass es zwischen den Extremen Einzelfeuer und unbegrenztes Dauerfeuer wünschenswerte Zwischenstufen - begrenzter Feuerstoß gibt, wurde in das Abfeuerungssystem eine Art Klinkenradgesperre eingebaut, das für die Dauer der gewählten Schusszahl den Abzugshebel in seiner Funktion als Unterbrecher ausschaltet. Die Erfahrung lehrt, dass die Treffwahrscheinlichkeit mit der Länge des Feuerstoßes abnimmt. Als optimal hat sich bei den Kalibern 9 mm x 19 und 7,62 mm x 51 ein Intervall von 3 Schuss herausgestellt. Der Doppelabzug verwendet anstelle des Feuerwahlschalters je einen getrennten Abzug für die Abgabe von Einzel- oder Dauerfeuer. Beispiele für ausgeführte Konstruktionen: • alle Waffen im HK-System können mit der Baugruppe Griffstück mit Schusszahlbegrenzer ausgerüstet werden • Maschinenpistolen Beretta Mod. 38/40. Beim Abzug mit doppeltem Kraftangriff ist die Funktion des Feuerwahlschalters in einen Abzug gelegt. Der Abzug bsesitzt zwei Kraftangriffspunkte. Wird er an der Spitze, also am längsten Hebel, zurückgezogen, schießt die Waffe, je nach konstruktiver Durchbildung, Einzel- oder Dauerfeuer.

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Automaten

Beim Zurückziehen des Abzuges am kurzen Hebel schießt die Waffe in der anderen Feuerart. Beispiele ausgeführter Konstruktionen: • Maschinenpistole Star • Maschinengewehr MG 30 (Österreich). Bei den modernen Automaten ist der Unterbrecher allein kein zuverlässiges Zuordnungsmerkmal mehr. Dennoch werden auch diese Waffen den Selbstladern oder den Maschinenwaffen zugeordnet. Als Zuordnungsmerkmale dienen: • die taktische Aufgabe, damit die vorherrschende Feuerart • die Rohrmasse, damit das Wärmeaufnahmevolumen des Rohres • die konstruktive Ausbildung der Abfeuerungseinrichtung. Von der einer Waffe zugeordneten taktischen Aufgabe hängt die vorherrschende Feuerart ab. Die vorherrschende Feuerart bestimmt die weitere technische Durchbildung der Waffe. Die beim Schuss auftretende Wärmebelastung muss das Rohr ohne Schaden aufnehmen können. Das sog. Wärmeaufnahmevolumen des Rohres liefert eine Aussage über die Wärmemenge, die ohne Schaden für das Rohr je Zeiteinheit über den Rohrquerschnitt abgeleitet werden kann. Es hängt wesentlich ab : • vom Rohrquerschnitt (Wandstärke) • der Rohrmasse • der anliegenden Temperaturdifferenz zwischen Rohrinnenwand, Rohraußenwand und Umgebung • der Oberfläche des Rohres (Verrippung). Daneben spielt die Warmfestigkeit des verwendeten Rohrwerkstoffes eine entscheidende Rolle. Beispiele ausgeführter Konstruktionen: Vergleiche das Rohr • eines G 1 mit dem eines MG 3 oder eines G 8 • einer MP Beretta mit dem einer SP Astra • einer MP 5 mit dem der MP Beretta.

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Automaten

Die Konstruktion der Abfeuerungseinrichtung wird ebenfalls von der vorherrschenden Feuerart bestimmt. Bei Maschinenwaffen mit hoher Kadenz muss die Abzugseinrichtung in besonderer Art durchgebildet werden, um Beschädigungen der Fangteile des Abzuges und der Fangflächen des Verschlusses bei den durch die großen Verschlussgeschwindigkeiten auftretenden Massenkräften beim Fangen des Verschlusses zu vermeiden. Maschinengewehre verfügen in der Regel über einen Ausrückermechanismus, der den unter Federdruck stehenden Abzugshebel in die Verschlussbahn schlägt, um so sicherzustellen, dass jeweils die vollen Fangflächen des Abzugshebels und des Verschlusses beim Fangen aufeinander anliegen, damit Kantenausbrüche und starker Kantenverschleiß vermieden werden. Bei stärkeren Kalibern (Maschinenkanonen) und damit größeren Verschlussmassen, die zugleich mit höheren Verschlussgeschwindigkeiten verbunden sind, muss, um Schäden zu vermeiden, die gesamte Fangvorrichtung schwimmend -elastisch- in einer Fanghebelpufferung gelagert werden. Unter Benutzung dieser Merkmale werden die modernen Automaten den Selbstladern oder den Maschinenwaffen zugeordnet. Beispiele: • Selbstlader: G 1, G 3, AK 47, StG 44 • Maschinenwaffen: FG 42, MP5, MP Walther, G 8.

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Einordnung von Waffen nach dem Verschlusssystem

4. Einordnung von Waffen nach dem Verschlusssystem Der Verschluss verschließt das Rohr nach hinten gasdicht ab. Unter dem Verschlusssystem ist die Art und Weise zu verstehen, wie der Verschluss in seiner stützenden Funktion festgelegt ist. Das Dichten des Rohres im Bereich des Verschlusses, die sog. Liderung, war und ist auch heute noch das große Problem bei den verschiedenen Verschlusskonstruktionen der Hinterlader. Bei Patronen mit verbrennender Hülse, bei hülsenloser Munition oder bei getrennter Munition (z.B. Beutelkartuschen) ist am Verschluss eine besondere Dichtung erforderlich. Bei den vielen bisher entwickelten Liderungen haben sich im wesentlichen drei Arten durchgesetzt: • die Ringliderung • die plastische Liderung • die Hülsenliderung. Bei Verwendung der Hülsenliderung übernimmt die Hülse die Dichtungsaufgabe. Der Verschluss hat dann nur noch die Aufgabe, die lidernde Hülse in ihrer Lage zu halten und die Gaskräfte aufzunehmen. Bei Betrachtung der verschiedenen Verschlüsse unter technischen Gesichtspunkten stellt sich heraus, dass es im Prinzip nur zwei konstruktive Möglichkeiten gibt, ein Verschlusssystem auszubilden.

Einordnung nach dem Verschlusssystem
• •

verriegelter Verschluss unverriegelter Verschluss

Bild 11 Einordnung nach dem Verschlusssystem

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Verriegelte Verschlusssysteme und ihre konstruktive Ausbildung

4.1 Verriegelte Verschlusssysteme und ihre konstruktive Ausbildung Unter dem Begriff der Verriegelung versteht man das absolute Festlegen des Verschlusses in seiner stützenden Stellung, bis das gefahrlose Öffnen des Rohres möglich ist.

Bild 12 Verriegelter Verschluss

Das Verriegeln entspricht einem Sperren des stützenden Verschlussteiles, sodass dieses unter Rückdruckwirkung nicht aus seinem Stützlager springen kann. Beim verriegelten Verschluss sind daher drei voneinander unabhängige Bewegungen zu unterscheiden. Im Verschlussvorlauf : • Verschließen des Rohres • Abstützen der Patronenhülse • Verriegeln (“Sperre legen”). In der umgekehrten Bewegungsrichtung: • Entriegeln, entspricht einem Aufheben der Sperre • Aufheben der Abstützung • Öffnen, d.h. beginnende Rückwärtsbewegung des Verschlusses. Als gefahrlos wird aus Gründen der Schützensicherheit das Öffnen erst angesehen, wenn das Geschoss die Rohrmündung verlassen hat und der Gasdruck auf ein für den Schützen unschädliches Maß abgesunken ist. Die Einleitung der Entriegelung erfolgt bei Automaten in der Regel unter Druck im Rohr.

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Verriegelte Verschlusssysteme und ihre konstruktive Ausbildung

Der Vollzug der Entriegelung darf erst erfolgen, wenn das gefahrlose Öffnen gewährleistet ist. Für die Dauer der Druckphase im Rohr darf der Verschluss keine Relativbewegung gegenüber dem Patronenlager erfahren. Damit ist auch die Hülse - abgesehen von dem Spiel das durch die zulässige Toleranz des Verschlussabstandes (VA) begründet ist - im Patronenlager festgelegt und hat jederzeit eine ausreichende Stützung. Die Ausführungsformen der verriegelten Verschlusssysteme sind sehr vielfältig. Nach der Entriegelungsbewegung können: • Längs• Quer- und • Drehverschlüsse unterschieden werden. Nach der Art, wie die mechanischen Elemente ausgebildet sind, die die Verriegelung bewirken, werden die Systeme in Bauarten unterteilt.

Bauart verriegelter Verschlüsse
• • • • • • • •

Kipprohrverschluss Kippverschluss Drehverschluss Blockverschluss Gelenkverschluss Stützrollenverschluss Stützklappenverschluss Riegelverschluss

Bild 13 Bauart verriegelter Verschlüsse

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Kipprohrverschluss

4.1.1 Kipprohrverschluss Der Stoßboden des Bodenstückes bildet den Verschluss. Das Rohr wird um einen Gelenkbolzen vor dem Stoßboden abgekippt. In der angekippten Lage sichert es der Verriegelungskeil in seiner Position. Anwendung: Handlader, z.B. Signalpistolen Jagdwaffen, wie Flinten und kombinierte Waffen Kipplaufrevolver und Kipplaufpistolen.

Bild 14 Kipprohrverschluss

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Kippverschluss

4.1.2 Kippverschluss Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten der Ausbildung von Kippverrschlüssen : (1) Das Rohr wird vor dem Verschlussblock in ein Widerlager abgesetzt und in dieser Lage gesperrt Anwendung: Automaten, vorzugsweise Selbstladepistolen. Unterscheidungen sind lediglich in der Ausbildung der Steuerflächen, die das Absetzen des Rohres steuern, zu finden. (1) Der Verschlussblock wird vor dem Rohrmundstück in ein Widerlager gedrückt und in dieser Lage gesperrt.

Bild 15 Kippverschluss

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Kippverschluss

Anwendung: Automaten, z.B. Selbstladeflinten- und- büchsen Sturmgewehre Selbstladegewehre. Die modernen Generationen der Selbstladepistolen ( z.B. SIG/Sauer P6, P226, P229 ; HK USP, P8, P10; Glock P9m, Mod. 17; Walther P88, P99) arbeiten mit diesem Verschlusssystem. Die Steuerung der Entriegelungsbewegung des Rohres erfolgt durch eine offene Kurve in Verbindung mit einem flächigen Steuerkeil, sodass der Senkrechtdruck nicht mehr über Linienberührung, sondern über Flächenpressung aufgenommen wird.

Bild 16 Kippverschluss der P 6

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Kippverschluss

Auch bei der zweiten Ausführung der Kippverschlüsse ist nach der Art, wie die Entriegelungsbewegung des abgekippten Verschlusses gesteuert wird, eine Unterscheidung möglich in Systeme mit Steuerung der Verschlussbewegung durch : • Gelenke • Kurven. Dabei kann das Antriebselement über oder unter dem Rohr liegen, mit dem die Entriegelungsbewegung steuernden Gleitstück eine Einheit bilden • einteiliger Verschlussaufbau oder vom Gleitstück getrennt sein • zweiteiliger Verschlussaufbau.

Bild 17 Kippverschluss des G 1

Das Gewehr G 1 ist ein typischer Vertreter eines Kipprohrverschlusses mit zweiteiligem Verschlussaufbau und über dem Rohr nach rückwärtswirkendem Gaskolben. Allen Kippverschlüssen gemeinsam ist die außermittige Abstützung des Verschlusses beim Schuss. Das dadurch hervorgerufene Moment muss vom Gehäuse aufgenommen werden und verursacht dort Biegespannungen, die sich als Schwingungen auf die Rohrlagerung und das Rohr fortpflanzen und damit insbesondere bei Gewehren Einfluss auf die Treffleistung haben.

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Drehverschluss

4.1.3 Drehverschluss Der Verschlusskörper wird in Spiralführungen im Rohrmundstück oder im Gehäuse durch Drehbewegung verschraubt und in dieser Lage gesperrt.

Bild 18 Drehverschluss

Anwendung: Handlader; Automaten; Jagdrepetierer und Geschütze Selbstladegewehre, Maschinenkarabiner, Maschinengewehre und Maschinenkanonen.

Drehverschlüsse sind in Verbindung mit der Krafteinleitung Gasdruck als Gaskolbenlader das Verschlusssystem aller modernen Sturmgewehre (wie z.B. AK 47, AK 74, Steyr AUG, G 36, G 37 ).

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Blockverschluss

4.1.4 Blockverschluss Der Verschlussblock wird vor das Rohrmundstück geführt und in dieser Lage gesperrt. Die Verschlussbewegung erfolgt dabei grundsätzlcih quer zur Patronenlagerachse. Die Steuerung der Verschlussbewegung kann auf verschiedene Art erfolgen, z.B. über Kurbeln, Kulissensteine, über die Bewegung des Abzugsbügels; von Hand oder automatisch. Anwendung: Handlader; Sport- und Jagdwaffen halbautomatische und automatische Geschütze.

Bild 19 Blockverschluss

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Gelenkverschluss

4.1.5 Gelenkverschluss Der Verschlusskörper wird durch ein Gelenk hinter dem Rohrmundstück abgestützt.

Bild 20 Gelenkverschluss

Die Sperrung erfolgt durch Überknickung und Auflagerung des Gelenkes. Anwendung: Automaten; Selbstladepistolen, Selbstladegewehre, Maschinengewehre.

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Stützrollenverschluss

4.1.6 Stützrollenverschluss Zwei walzenförmige Körper im Verschluss werden im Verriegelungsstück, das am Rohr befestigt ist, zwangsweise nach außen gedrückt und sperren in dieser Lage die Verschlussbewegung. Anwendung: Automaten; vorzugsweise Maschinengewehre und Maschinenkanonen.

Bild 21 Stützrollenverschluss

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Stützklappenverschluss

4.1.7 Stützklappenverschluss Im Verschlusskörper sind -wie bei einer Wippe- ein, zwei oder drei klappenförmige Verriegelungselemente angeordnet, die zwangsweise hinter Ausnehmungen geführt werden und in dieser Lage die Verschlussbewegung sperren. Anwendung: Handlader; Jagdrepetierer Automaten; Selbstladegewehre und Maschinenkanonen.

Bild 22 Stützklappenverschluss

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Riegelverschluss

4.1.8 Riegelverschluss Der am Rohr, Verschluss- oder Griffstück angelenkte Riegelkörper wird zwangsweise in Ausnehmungen am Verschluss oder in Widerlager im Gehäuse gesteuert und sperrt in dieser Lage die Verschlussbewegung. Anwendung: Automaten; Selbstladepistolen (z.B. P5), Selbstladegewehre, Maschinenkanonen.

Bild 23 Riegelverschluss

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Unverriegelte Verschlusssysteme, ihre verschließenden Kräfte und Bauarten

4.2 Unverriegelte Verschlusssysteme, ihre verschließenden Kräfte und Bauarten Beim unverriegelten System stützt der Verschluss die Patrone von hinten ab, ohne dass er in seiner stützenden Stellung eine absolute Festlegung erfährt. Der Verschluss und damit die Hülse bewegen sich unter Druck im Rohr nach rückwärts.

Bild 24 Grundproblem eines unverriegelten Verschlusses

Aus Gründen der Schützensicherheit muss die Austrittsgeschwindigkeit der Hülse aus dem Patronenlager und damit die Rücklaufgeschwindigkeit des Verschlusses soweit herabgesetzt werden, dass die Hülse, solange sich Druck im Rohr befindet, jederzeit eine ausreichende Abstützung erfährt, denn ungestützt kann sie dem Gasdruck nicht standhalten und platzt.

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Unverriegelte Verschlusssysteme, ihre verschließenden Kräfte und Bauarten

Der Verschlussbewegung wirken eine Reihe von Kräften entgegen: 1. Ausziehwiderstand der Hülse aus dem Patronenlager 2. Trägheitskraft der Verschlussmasse 3. Reibungswiderstand zwischen Verschluss und Gehäuse 4. Spannkraft von Schließ- und Schlagfedern. Diese Kräfte werden auch als verschließende Kräfte bezeichnet.

1 2 3 4

Ausziehwiderstand der Hülse aus dem Patronenlager Trägheitskraft der Verschlussmasse Reibungswiderstand zwischen Verschluss und Gehäuse Spannkraft von Schließ- und Schlagfedern.

Bild 25 Verschließende Kräfte am Verschluss

Die Unterscheidung der unverriegelten Verschlüsse in verschiedene Bauarten erfolgt danach, welche der verschließenden Kräfte in besonderem Maße dazu ausgenutzt werden, den Rücklauf des Verschlusses soweit zu verzögern, dass eine ausreichende Abstützung der Patronenhülse gewährleistet bleibt. Grundsätzlich werden folgende Bauarten unterschieden: • Massefederverschluss (Trägheitskraft einer Verschlussmasse mit Federkraftausnutzung) • gebremster Masseverschluss (Reibungskräfte oder der Verschlussbewegung entgegengesetzt wirkende Kraftgrößen) • übersetzter Masseverschluss (durch Getriebe verstärkte Trägheitskraft). Diese grundsätzliche Gliederung lässt sich wie im Bild 26 dargestellt weiter verfeinern.

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Unverriegelte Verschlusssysteme, ihre verschließenden Kräfte und Bauarten

Im Weiteren werden nur noch die in der aktuellen polizeilichen Ausstattung relevanten Systeme weiterverfolgt.

Bauarten unverriegelter Verschlüsse
Massefederverschluss

• mit Vorlaufzündung bei:
• feststehendem Schlagbolzen • gesteuertem Schlagbolzen • gesteuertem Schlagbolzen und verlängertem Sicherheitsweg

gebremster Masseverschluss

• Bremsweg durch:
• Kräftezerlegung über federbelastete Kugeln oder Keile • Reibung an Keilflächen • elastischen Stoß • Kniegelenke mit ungleichen Hebelarmen • Ableitung von Gaskräften • Erhöhung des Ausziehwiderstandes der Hülse • elestische Verformung des Patronenlagers

übersetzter Masseverschluss

• Übersetzung durch:
• • • • Rollen Hebel Walzen Klappen

Bild 26 Bauarten unverriegelter Verschlüsse

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Grundsätzliches zur Wirkung von Trägheitskräften

4.2.1 Grundsätzliches zur Wirkung von Trägheitskräften Die grundsätzlichen Aussagen zur Wirkung von Trägheitskräften auf einen Körper lassen sich beim Autofahren erklären. Anfahren Das Fahrzeug beschleunigt aus dem Stand mit der Beschleunigung a. Die auf den Fahrer wirkende Trägheitskraft T ist abhängig von der Masse (Körpergewicht) des Fahrers und der Größe der Beschleunigung. Sie wirkt der Beschleunigungsrichtung entgegengesetzt, d.h. sie drückt den Fahrer in den Sitz. Bremsen Beim Bremsen des Fahrzeuges ändert sich die Beschleunigungsrichtung, das Fahrzeug verzögert. Infolge dessen kehrt sich die auch die Wirkungsrichtung der Trägheitskraft um, und der Fahrer wird in Richtung Windschutzscheibe bewegt.

Bild 27 Grundsätzliches zur Wirkung von Trägheitskräften

An diesem Beispiel lassen sich die grundsätzlichen Aussagen zur Wirkung von Trägheitskräften ableiten: 1. Trägheitskräfte sind abhängig von der Masse Körpers und der auf diesen wirkenden Beschleunigung. Keine Masse * hohe Beschleunigung keine Trägheitskraft Große Masse * keine Beschleunikeine Trägheitskraft gung

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Überlegungen zur Sicherheit unverriegelter Verschlusssysteme

2. Die Wirkungsrichtung der Trägheitskraft ist der Beschleunigungsrichtung entgegengesetzt. 4.2.2 Überlegungen zur Sicherheit unverriegelter Verschlusssysteme Der maximal zulässige Rücklaufweg der druckbelasteten Hülse ist nicht allein von der Hülsenbodenstärke abhängig. Einen sehr großen Einfluss hat der sog. ungestützte Hülsenteil. Der ungestützte -auch freiliegende- Hülsenteil ist das Maß, um das die Hülse im Patronenlager ungestützt zurücksteht. Allgemein ist der ungestütze Hülsenteil nicht größer als die Hülsenbodenstärke. Treffen jedoch ungünstige Umstände zusammen, ist hier die Sicherheit gefährdet.

Bild 28 Abstimmung von Waffe und Munition

Jede Veränderung am Patronenlagereinlaufradius des Rohres oder im Wandstärkenverlauf der Hülse kann das System zur unsicheren Seite verschieben. Neben dem Patronenlagereinlauf kann ein zu weit ausgearbeiteter Aufstieg oder ein ungeeigneter Auszieherfreischnitt dazu führen, dass die ungestützte Hülsenzone zu groß wird und die Hülse die Gaskräfte nicht mehr aufnimmt und reißt.

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Gebremste Masseverschlüsse mit Bremsung durch Ableitung von Gaskräften

Bild 29 Ungestützte Hülsenzonen

4.2.3 Gebremste Masseverschlüsse mit Bremsung durch Ableitung von Gaskräften Eine interessante Möglichkeit, den Verschluss in seiner Rücklaufbewegung zu verzögern ist die, den Gasdruck zur Bremsung direkt oder indirekt auszunutzen. Der Vorteil der Gasdruckbremsung liegt darin, dass Patronen mit den verschiedenen Laborierungen bei einwandfreier Waffenfunktion verwendet werden können, denn eine schwach laborierte Patrone entwickelt weniger Gasdruck und somit eine geringere Verzögerung als eine stärker laborierte. Daraus ergeben sich fast ideale Anwendungsmöglichkeiten. Nachteilig wirkt sich sicherlich eine starke Verschmutzung über relativ große Flächen aus. Die Bremsung erfolgt dabei im Verhältnis der druckbeaufschlagten Bremskolbenfläche zur druckbeaufschlagten Stoßbodenfläche. Dabei kann der Gasdruck indirekt auf: • Bremskolben • Reibungselemente oder • direkt auf den Verschluss wirken.

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Gebremste Masseverschlüsse mit Bremsung durch Ableitung von Gaskräften

Bild 30 Bremsung durch Ableitung von Gaskräften an einem Gewehr

Bei derartigen Waffen wird das Rohr angebohrt, um einen Teil der Pulvergase in einen Bremszylinder zu leiten. Der mit dem Verschluss verbundene Bremskolben drückt oder zieht beim Schuss den Verschluss gegen das Rohrmundstück und verzögert so die Öffnungsbewegung. Beim Schuss treten die Pulvergase durch die Rohrbohrung und dringen in den Bremszylinder, wo sie den mit dem Verschluss fest verbundenen Bremskolben von rückwärts beaufschlagen. Der Verschluss wird dadurch in seiner Rückwärtsbewegung verzögert; gegenteiliges Prinzip wie beim Gasdrucklader. Sinkt der Gasdruck ab, so öffnet sich der Verschluss und beginnt seine weiteren Aufagen zu erledigen.

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Gebremste Masseverschlüsse mit Bremsung durch Ableitung von Gaskräften

Bild 31 Bremsung durch Ableitung von Gaskräften an einer SP

Am Verschluss ist vorn unten der Bremskolben angelenkt, der in einem unter dem Rohr liegenden Bremszylinder ragt. Das Rohr ist unmittelbar hinter dem Patronenlager angebohrt.

Bild 32 Schnitt durch die P 7

Beim Schuss treten die Pulvergase aus dem Rohr in den Bremszylinder und drücken den Verschluss nach vorn.

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Übersetzte Masseverschlüsse

Um eine sichere Funktion zu gewährleisten, ist die Querschnittsfläche des Bremskolbens kleiner als die des Rohres. Der Schnitt durch die P7 zeigt eine Waffe dieser Bauart, wie sie von der Fa. Heckler & Koch gefertigt wird. 4.2.4 Übersetzte Masseverschlüsse Prinzip des übersetzten Masseverschlusses Soll unter Wahrung der Vorteile eines Masseverschlusses, zur Gewichtserleichterung bei gleicher Mündungsleistung die Verschlussmasse verringert werden oder soll Munition mit größerer Mündungsleistung ohne die dafür notwendige Steigerung der Verschlussmasse verschossen werden, dann kann in beiden Fällen die zu geringe Trägheitskraft eines leichten Verschlusses durch andere verschließende Kräfte ersetzt werden. Aus der Impulsfunktion Impuls = Masse x = x G m lässt sich ableiten, dass (1) bei vorgegebenem Impuls eine Vergrößerung der Masse eine Verkleinerung der Verschlussgeschwindigkeit erbringt bei vorgegebenem Impuls die Vergrößerung der Verschlussgeschwindigkeit eine Verkleinerung der Masse nach sich zieht bei Vergrößerung eines Faktors im Produkt m x v ein höherer Impuls aufgenommen werden kann. Geschwindigkeit v

(2)

(3)

Von der Möglichkeit gem. (2) wird beim übersetzten Masseverschluss Gebrauch gemacht. Im Prinzip ist der übersetzte Masseverschluss nur ein besonderes Verfahren zur Ausnutzung von Trägheitskräften als verschließende Größe. Nur wird hier ein völlig anderer Weg eingeschlagen. Bisher wurde neben der Trägheit der Verschlussmasse eine der verschließenden Größen verstärkt und bei gegebener Verschlussmasse die maximal zulässige Rücklaufgeschwindigkeit des Verschlusses eingehalten. Bei einteiligen Verschlüssen ist mit der Erhöhung der Verschlussgeschwindigkeit gleichzeitig eine Herabsetzung des Sicherheitsfaktors verbunden, denn die Hülse wird unter Umständen unter Druck im Rohr bereits zu weit ausgezogen.

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Übersetzte Masseverschlüsse

Bei einer Lösung, die es erlaubt, das Verschlussgewicht entscheidend herabzusetzen, ohne dass die vorhandenen Vorteile eines Masseverschlusses verloren gehen, muss: • die Rückwärtsbewegung des Stoßbodens langsam (wegen der Gefahr des Aufplatzens der Hülse beim Ausziehen) • der Verschluss jedoch schneller zurücklaufen, um leichter werden zu können, ohne dass sich die notwendige Bewegungsenergie ändert. Beide Forderungen, langsame Bewegung des Stoßbodens und schnelle Bewegung des Verschlusses, können nur durch einen mehrteiligen Verschlussaufbau erfüllt werden.

Bild 33 Funktionsprinzip des übersetzten Masseverschlusses

Der Verschlusskopf übernimmt die stützende Funktion und erfüllt die Sicherheitsanforderungen bezüglich der Rücklaufgeschwindigkeit. Der Verschlussträger wird von einer im Verhältnis großen Masse gebildet, die mit erhöhter Geschwindigkeit läuft und dadurch große Trägheitskräfte hervorruft. Da der Antriebsimpuls jedoch nur auf den Verschlusskopf wirkt, muss für eine mechanische Ankopplung zwischen Verschlusskopf und Verschlussträger gesorgt sein. Diese Kopplung muss so beschaffen sein, dass nach einem bestimmten Rücklaufweg des Verschusskopfes der mit ihm mechanisch verbundene Verschlussträger ein Vielfaches dieses Weges zurückgelegt hat. Zwischen Verschlusskopf und Verschlussträger muss sich ein Beschleunigungssystem befinden, das die Überrsetzung unter Berücksichtigung der Gasdruckverhältnisse im Rohr sicherstellt.

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Übersetzte Masseverschlüsse

Der Begriff Übersetzung schließt ein, dass der Verschlussträger zu einer höheren Geschwindigkeit veranlasst wird und die dabei erzeugten Trägheitskräfte sich auf den stützenden Verschlusskopf übertragen.

Bild 34 Funktionsschema eines Selbstladegewehres mit übersetztem Masseverschluss und Winkel/-Rollengetriebe

Prinzipiell kann jede Art von mechanischem Getriebe diese Aufgabe übernehmen. Die Übersetzung kann dabei durch: • Rollen • Kurven oder • Hebel nach dem Hebelgesetz erfolgen.

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Übersetzte Masseverschlüsse

Bild 35 Funktionsschema einer Maschinenpistole mit übersetztem Masseverschluss und Winkel/-Rollengetriebe

Dabei findet immer eine Kräftezerlegung statt; ein Teil der Rückdruckkräfte wird direkt auf das Gehäuse übertragen und geht dem Verschlussantrieb verloren.

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Übersetzte Masseverschlüsse

Kinematik des übersetzten Masseverschlusses mit Winkel/ Rollengetriebe Grundsätzlich gelten die gleichen Überlegungen, wie sie für das Hebelgetriebe zutreffen, auch am Rollengetriebe. Um den Verschlussträger mit der gegenüber dem Stoßboden erhöhten Geschwindigkeit während des Rücklaufes anzutreiben, ist kein Hebel, sondern ein Winkelgetriebe symmetrisch zur Seelenachse mit zwei Rollen als Übertragungsglieder eingebaut. Die Übersetzung ist nur von zwei Winkeln abhängig, wenn der Winkel α zwechmäßigerweise mit 90 O gewählt wird.

Bild 36 Funktionsskizze eines Winkel-/Rollengetriebes

Dann ist das Verhältnis der zurückgelegten Wege und Geschwindigkeiten von Verschlusskopf und Verschlussträger gegenüber dem Gehäuse nur noch von den Winkeln β und γ abhängig. Im Verlauf des Rücklaufes, zeitlich etwa beim Austritt des Geschosses an der Mündung, verlassen die Rollen die geraden Flanken des Kurvenstückes und treten über die Rundungen aus dem Kurvenstück aus.

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Übersetzte Masseverschlüsse

In dieser Phase des Rücklaufes nimmt das Übersetzungsverhältnis vom Konstantwert i graduell gegen 1 ab. Während der letzten Phase des Verschlussvorlaufes, beim Verschließen, drückt der Verschlussträger über das Steuerstück den Verschlusskopf nach vorn. Dabei kommen die seitlich austretenden Verschlussrollen erneut in Eingriff. Der Verschlusskopf kommt am Patronenboden und die Verschlussrollen kommen an ihren Steuerflächen zur Anlage.

Übersetzte Massenverschlüsse mit Winkel/Rollengetriebe an polizeitypischen Waffen des Herstellers Heckler & Koch
SteuerSteuerstück ZeichTeile-Nr. nungswinkel β° winkel in ° --------------- --------------- -------------1013-02.01 45° 22,5° 25-200.011 100° 50° Kennzahl Kennzchn. keine keine Gerät P9S Übersetzung 1,1 3,88 2,00

95902000.011 95902000.02

120° 115°

60° 57,5°

95-200.11 94005200.01 9231/001200.03 92332000.03 94073200.03

110° 50° 36° 40° 40°

55° 25° 18° 20° 20°

G3A3 G3A4 G3SG1 keine MP5A2 MP5A3 MP5A4 MP5A5 MP5ÜB 5 MP5SD bisher MP5Action MP5SD1 MP5SD MP5SD2 MP5SD3 MP5SD4 MP5SD5 MP5SD6 16 MP5K MP5KA4 18 G3K 17 19 23T G8 G8A1 PSG1 bisher PSG1 neu

1,69 1,76

1,83 3,56 4,67 4,27 4,27

Bild 37 Tabelle der Kenndaten für die Übersetzung an HK-Waffen

Wegen dieser Übersetzung läuft der Verschlussträger mit dem Steuerstück i-mal schneller zurück als der Verschlusskopf; und zwar solange, wie sich die Rollen auf den schrägen Flächen von Kurven- und Steuerstück bewegen.

55

Übersetzte Masseverschlüsse

Heckler & Koch hat zudem für seine gesamte Palette der Schulterwaffen den Kurvenstückwinkel mit 50 O festgelegt, sodass die Übersetzung nur noch vom Steuerstückwinkel β abhängt. Das System kann damit allein durch Austausch des Steuerstückes an den jeweiligen Stoßbodenimpuls der zu verschießenden Patrone angepasst werden. Zusammenfassend ergeben sich aus den bisher dargestellten Zusammenhängen folgende Besonderheiten des Verschlusssystems der HK-Waffen. Die Vorteile des einfachen Masseverschlusses bleiben erhalten, insbesondere die Tatsache, dass für die Rücklaufgeschwindigkeit des Verschlusses nur die festgelegte Impulsteilung und die Fläche der Gasdruckkurve über der Zeit maßgebend ist. Dadurch wird eine sehr gute Anpassung an sämtliche Munitionsarten gleichen Kalibers, Geschossgewichtes und gleicher VO erreicht, ohne dass verstellbare Anpassungselemente eingebaut werden müssen, um die Form der Gasdruckkurve zu berücksichtigen. Die für die Patronenhülse zweckmäßigerweise niedrige Ausziehgeschwindigkeit ist physikalisch und konstruktiv gewährleistet und damit eine sehr sichere Abstützung des Verschlusses. Der Bewegungsablauf der Verschlussteile und des Gehäuses folgt dem zeitlichen Verlauf des Gasdruckes ohne irgendeine Verzögerung. Durch den gleichzeitigen spielfreien Beginn sämtlicher Bewegungen der Verschlussteile und des Gehäuses werden ruckartige und unkontrollierte Stöße vermieden. Der Verschluss führt beim Öffnen bzw. Schließen keinerlei drehende oder kippende Bewegung aus. Der zeitliche Verlauf der Rückdruckkraft ist ausgeglichen und ohne ausgeprägte Kraftspitzen. Dadurch, dass die Patronenhülse schiebt und nicht gezogen werden muss, ist die Auszieherbeanspruchung nur beim Auswerfen vorhanden. Diese Punkte sind für die gute Treffleistung der Systeme mitbestimmend. Es sei nochmals betont, dass es sich bei diesem Verschlusssystem um ein Getriebe mit Winkelübersetzung handelt, das einmal den Rücklauf des Verschlusskopfes zwecks sicherer Abstützung der Patronenhülse beträchtlich untersetzt und zum anderen den Stoßbodenimpuls auf Verschluss und Gehäuse so günstig verteilt, dass die Funktions-teile optimale Antriebsenergie erhalten.

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Übersetzte Masseverschlüsse

Problembereich übersetzter Masseverschlüsse Theoretisch ist durch geschickte Wahl der Übersetzung jede Munition und damit jeder Rückdruckimpuls in einem Waffensystem mit übersetztem Masseverschluss zu verwenden, denn nur die Übersetzung ist noch maßgeblich dafür, wie die Impulsteilung und die Wegübersetzung stattfinden. Diese Aussage stimmt in der Praxis jedoch nur für leistungsstarke Munition. Bei leistungsschwacher Munition besteht bedingt durch die Impulteilung die Gefahr, dass der Verschlussimpuls zu klein wird. Damit kommt man in den Bereich ungenügender Funktionsreserve. Dieser Problemkreis -Impulsteilung | Wahrung der Schützensicherheit und Gefahr ungenügender Funktionsreserve- beginnt bereits bei Munition im Kal. 9 mm x 19. Einerseits ist die Patrone 9 mm Luger eine leistungsstarke Munition bei Pistolen; andererseits ist sie unter Berücksichtigung der Impulsteilung eines übersetzten Masseverschlusses aber nicht mehr stark genug, um in einer Maschinenpistole in jedem Fall sichere Funktion zu gewährleisten. Ein zweiter Problemkreis ist darin zu sehen, dass diese Übersetzungen reversibel, d.h. in beide Richtungen arbeiten. Wenn sich Widerstände beim Verschlussrücklauf hinter der Übersetzung bilden oder beim Verschlussvorlauf vor der Übersetzung, dann besteht in einem solchen System die Gefahr, dass es stehen bleibt, da der Verschluss nicht genügend Antriebsenergie erhält. Dann ist die Bewegungsenergie des Verschlussrücklaufes nicht ausreichend, um einen sicheren Hülsenauswurf zu gewährleisten. Beim Verschlussvorlauf ist nicht mehr genügend Bewegungsenergie vorhanden, um ein sicheres Zuführen und Verschließen zu gewährleisten. Jede Hemmung, die beim Verschlussrücklauf hinter der Übersetzung in der Verschlussbahn wirksam wird, sperrt nicht nur im Verhältnis, in dem Reibungswiderstände auftreten, sondern diese Reibungswiderstände werden im Sinne der Übersetzung verstärkt und auf den Verschlusskopf übertragen, sodass sich die Hemmungen im Sinne der Übersetzung vervielfacht auswirken. Beim Vorlauf ist es umgekehrt. Liegt die Hemmung vor der Übersetzung, dann werden die Verschlussrollen durch das Steuerstück und den Verschlussträger an das Gehäuse gepresst und wirken wie eine Reibungsbremse. Ein weiterer Problemkreis besteht darin, dass die sichere Funktion des übersetzten Masseverschlusses an die funktionsgerechte Stellung der übersetzenden Elemente im Augenblick der Schussabgabe gebunden ist, denn sonst kommt es zu explosiosartigen Erscheinungen, d.h. es stellt sich das Problem, in der Benutzung der Waffe sicherzustellen, dass das Beschleunigungssystem bei Zündung in einer funktionsgerechten Stellung ist. Diese Stellung ist abhängig von dem Spiel zwischen den Übersetzungselementen, dem sog. Verschlussträgerabstand (nicht zu verwechseln mit dem Verschlussabstand).

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Übersetzte Masseverschlüsse

Der Verschlussträgerabstand ist das Spiel zwischen den Beschleunigungselementen an übersetzten Masseverschlüssen. Gemessen wird der Abstand zwischen dem Verschlusskopf und dem Verschlussträger, um festzustellen, wie weit der Verschlussträger nach vorn und die Rollen nach außen treten können. Ist das Maß zu groß, tritt das Steuerstück nicht mehr weit genug nach vorn, um die Verschlussrollen im Kurvenstück zur Anlage zu bringen.

Bild 38 Verschlussträgerabstand

Ist der Verschlussträgerabstand zu klein, werden die Rollen ebenfalls nicht mehr weit genug nach außen gedrückt. Beides , zu kleiner wie zu großer Verschlussträgerabstand, führt zu explosionsartigen Erscheinungen. Der Verschlussträgerabstand muss daher in funktionsgerechten Grenzen gehalten werden. Das Spiel im Beschleunigungssystem lässt sich messtechnisch durch Überprüfen des Verschlussträgerabstandes beherrschen.

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Übersetzte Masseverschlüsse

Wird mit diesen Waffen Dauerfeuer geschossen, stellt sich ein zusätzliches Problem. Beim Dauerfeuerschießen wird der Schlaghebel während des Verschlussvorlaufes ausgelöst und läuft nach. Fällt die Einleitung der Zündung mit dem auftretenden Verschlussrückprall zusammen, ist die Zündung eingeleitet zu einem Zeitpunkt, in dem sich das Beschleunigungssystem nicht in der funktionsgerechten Stellung befindet; der Verschluss läuft zu schnell und öffnet zu früh. Solche Systeme verlangen zwingend das Vorhandensein einer Rückprallsicherung. Die Rückprallsicherung kann als Nachschlagmasse ausgebildet sein, die sich beim Anlaufen des Verschlusskopfes am Rohrmundstück nach vorn bewegt und schiebend auf den Verschluss wirkt, um ihn in der funktionsgerechten Stellung zu halten.

Bild 39 Funktion einer Nachschlagmasse

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Übersetzte Masseverschlüsse

Beim Gewehr G3 und G8 wird zusätzlich zwischen Verschlussträger und Verschlusskopf eine unter Federdruck stehende Sperrklinke eingebaut, sodass beim Anlaufen des Verschlusskopfes am Rohrmundstück die Klinke sofort einrastet. Die Sperre greift mit Anzug ein und hält Verschlusskopf und Verschlussträger zusammen.

Bild 40 Schema einer Rückprallsicherung durch eine federbelastete Sperrklinke

Dabei werden die Verschlussrollen über das Steuerstück auf die Abstützflächen gepresst. Sperrklinke und Nachschlagmasse (Wolframgranulat) stellen an diesen Waffen eine doppelte Rückprallsicherung dar, mit der Folge, dass beim Öffnen des Verschlusses Reibungswiderstände entstehen, die mit überwunden werden müssen. In der Öffnungsphase wirken diese Reibungskräfte zusätzlich verzögernd auf den Verschluss.

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Übersetzte Masseverschlüsse

Druckausgleichsrillen sind bei diesen Waffen eine technische Notwendigkeit. Sie sind ein konstruktiver Kunstgriff, um Funktionsreserve freizustellen. Durch diese konstruktive Lösung wird eine der verschließenden Größen, der Ausziehwiderstand der Hülse aus dem Patronenlager, verkleinert. Dazu sind im Patronenlager Nuten eingebracht, die über den Hülsenmund hinausgehen, sodass der Gasdruck, der bei der Umsetzung der Treibladung entsteht, einerseits die Hülse an die Patronenlagerwandung anpresst, andererseits über die eingebrachten Kanäle von außen auf die Hülse einwirken kann. Als anpressende Kraft ist dann nur die Differenz zwischen Normalkraft und Ausgleichskraft wirksam.

Bild 41 Funktion der Druckausgleichs- oder Entlastungsrillen

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Übersetzte Masseverschlüsse

Der Reibungswiderstand Fw ist abhängig von der Größe der anpressenden Kraft und den herrsschenden Reibungsverhältnissen (ausgedrückt im Reibungsbeiwert µ). Damit ist eine Lösung gefunden, die auch vom Reinigungszustand der Druckausgleichsrillen und vom Hülsenmaterial abhängig ist. Das Hülsenmaterial muss so elastisch sein, dass es die Gaskräfte aufnimmt, ohne sich in die Rillen zu verformen, da sonst der Ausziehwiderstnd noch vergrößert wird. Aus der Druckausgleichs- (Entlastungs-) rille ist eine Belastungsrille geworden. Bei Verwendung geschulterter Hülsen muss die Waffe Entlastungsrillen haben, um einen Hülsenabriss beim Ausziehen der geliderten Hülse zu vermeiden. Bei Waffen mit zylindrischen Hülsen werden die Entlastungsrillen in der Regel erforderlich, um benötigte Funktionsreserve freizustellen. Druckausgleichsrillen haben in Bezug auf die Wärmeableitung noch eine Bedeutung. Bisher nicht widerlegt ist die Aussage, dass bei einem Patronenlager mit Druckausgleichsrillen die Wärmeableitung vom Patronenlager zum Rohr schlechter ist. Richtig ist sicherlich auch die Aussage, dass durch die Druckausgleichsrillen Funktions- und Sicherheitsprobleme nicht über das Verschlusssystem gelöst werden, sondern über das Hülsenmaterial.

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Einordnung von Waffen nach der Krafteinleitung

5. Einordnung von Waffen nach der Krafteinleitung Nach der Art, wie bei Automaten und Halbautomaten die zum Antrieb des Verschlusses erforderlichen Kräfte eingeleitet werden, lässt sich eine Einteilung geben in: Waffen mit Eigenantrieb als Systeme, die • durch Rückdruck angetrieben werden Rückdrucklader • durch Gasdruck angetrieben werden Gasdrucklader • durch Rückdruck und Gasdruck angetrieben werden Kombinierte Krafteinleitung.

Einordnung nach der Krafteinleitung und den Antriebselementen
• Rückdrucklader
Verschlusssystem: alle Verschlusssysteme möglich ° mit feststehendem Rohr ° mit beweglichem Rohr ° mit beweglichem Rohr und kurzem Rohrrücklauf ° mit Rohrbohrung ° ohne Rohrbohrung

• Gasdrucklader
Verschlusssystem: alle Verschlusssysteme möglich

• Antriebselement
° Gaskolben ° Gasröhrchen ° Gasdüse

• Lage
° über oder ° unter dem Rohr

• Arbeitsrichtung
° vorwärts oder ° rückwärts

• Kombinierte Krafteinleitung (Rück- und Gasdruck) Grundkombinationen Verschlusssystem:
alle Verschlusssysteme möglich

° Entriegeln u. Öffnen durch Rückdruck Antrieb durch Gasdruck ° Entriegeln und Öffnen durch Gasdruck Antrieb durch Rückdruck

Bild 42 Einordnung nach der Krafteinleitung und den Antriebselementen

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Krafteinleitung durch Rückdruckkräfte

5.1 Krafteinleitung durch Rückdruckkräfte Waffen, die durch Rückdruck angetrieben werden -Rückdrucklader- nutzen die direkt über den Hülsenboden auf den Stoßboden des Verschlusses wirkenden Gaskräfte zum Antrieb aus.

Bild 43 Funktionsschema eines Rückdruckladers

Besondere Antriebselemente sind nicht erforderlich. Eine Ausnutzung der Rückdruckkräfte zum Antrieb des Verschlusses kann nur erfolgen, solange das Geschoss das Rohr nach vorn verschließt Als Verschlusssystem kommt für den Rückdrucklader sowohl der verriegelte als auch der unverriegelte Vershluß infrage. Das ideale Verschlusssystem des Rückdruckladers ist der unverriegelte Verschluss. Dabei ist es von der Art des Verschlusssystems abhängig, ob die Waffe ein • bewegliches oder • feststehendes Rohr hat.

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Rückdrucklader mit beweglichem Rohr

Bild 44 Funktionsschema der Rückdruckantriebe

5.1.1 Rückdrucklader mit beweglichem Rohr Bei verriegeltem Verschlusssystem muss die Waffe ein bewegliches Rohr haben, weil einerseits der antreibende Rückdruck nur besteht, solange sich das Geschoss im Rohr befindet, andererseits der verriegelte Verschluss aber die absolute Abstützung der Patronenhülse verlangt und damit keine Relativbewegung des Verschlusses zum Patronenlager zulässt.

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Rückdrucklader mit beweglichem Rohr

Bild 45 Rückdrucklader mit beweglichem und mit feststehendem Rohr

Die Funktion dieser Systembauart soll exemplarisch am Beispiel der Pistole P6 erläutert werden.

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Rückdrucklader mit beweglichem Rohr

Bild 46 Funktionsschema Pistole P 6

Rohr und Verschluss bewegen sich schon während der Schussentwicklungsdauer gemeinsam nach rückwärts und setzen so die Rückdruckenergie sofort in Bewegungsenergie um. Die Entriegelung erfolgt durch geeignete Elemente -z.B.Entriegelungskurven, Entriegelungsbolzen- erst dann, wenn das Geschoss das Rohr verlassen hat und der Gasdruck auf ein für den Schützen unschädliches Maß abgesunken ist. Das Rohr wird entweder durch eine Vorholeinrichtung -MG 3- oder in der letzten Phase des Verschlussvorlaufes durch den Verschluss wieder in seine Ausgangsstellung gebracht. Aus diesem Zusammenhang wird deutlich, dass ein Rückdrucklader mit feststehendem Rohr niemals eine verriegelte Waffe sein kann.

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Rückdrucklader mit feststehendem Rohr

5.1.2 Rückdrucklader mit feststehendem Rohr Bei Rückdruckladern mit feststehendem Rohr stützt der Verschluss die Patrone ab, ohne dass eine starre Verbindung zwischen Rohr und Verschluss hergestellt wird. Sie haben einen unverriegelten Verschluss.

Bild 47 Rückdrucklader mit feststehendem Rohr

Beim Rückdrucklader mit unverriegeltem Verschluss muss sich die Hülse unter Druck im Rohr, und damit der Verschluss nach rückwärts bewegen. Aus Gründen der Schützensicherheit darf der Rücklaufweg unter Druck im Rohr aber nicht größer als der maximal zulässige Sicherheitsweg werden. Die sichere Abstützug der Patronenhülse durch das Patronenlager darf dabei nicht verloren gehen. Die überwiegende Mehrzahl der Selbstladepistolen, die ein feststehendes Rohr haben, sind mit einem unverriegelten Verschluss ausgebildet. Es gibt z. Zt. nur sehr wenige Selbstladepistolen, die durch Gasdruck angetrieben werden.

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Krafteinleitung durch Gasdruckkräfte

5.2 Krafteinleitung durch Gasdruckkräfte Als Gasdrucklader werden Automaten bezeichnet, bei denen die Gaskräfte vom Rohr abgeleitet und über besondere Antriebselemente als Antriebskraft auf den Verschluss übertragen werden.

Bild 48 Antrieb durch Gasdruckkräfte

Gasdrucklader besitzen immer ein verriegeltes Verschlusssystem; sie können mit oder ohne Rohrbohrung konstruiert sein. Wird der Gasdruck ausgenutzt solange sich das Geschoss im Rohr befindet, erfordert dies eine Rohrbohrung. Auf die Rohrbohrung kann verzichtet werden, wenn der Gasdruck erst zum Antrieb genutzt wird, nachdem das Geschoss das Rohr verlassen hat. Als Antriebselemente kommen infrage: ⇒ Gaskolben ⇒ Gasröhrchen ⇒ Gasdüsen.

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Gasdrucklader mit Rohrbohrung

5.2.1 Gasdrucklader mit Rohrbohrung Gasdrucklader mit Rohrbohrung entnehmen aus dem Rohr über eine Gasentnahmebohrung eine genau bemessene Gasmenge, die dann auf die Antriebselemente geleitet wird, die die Gaskräfte als Bewegungsimpuls auf den Verschluss übertragen.

Bild 49 Gasdrucklader mit Rohrbohrung

Rohranbohrungen stellen eine Drosselstelle dar, an der die Geschwindigkeit der Gase infolge verringerten Querschnittes stark ansteigt. Überhitzung des Rohrmaterials und Erosionen können die Folge sein. Ein Teil des Gasdruckes geht dabei immer dem Geschossantrieb verloren. Gaskolbenlader Antriebselement ist ein Gaskolben mit Kolbenstange und Rückholfeder, der die Gaskräfte auf den Verschluss überträgt. Das Gaskolben kann über oder unter dem Rohr angeordnet sein; seine Arbeitsrichtung nach vorn oder rückwärts gerichtet. Die Umlenkung der Gase erfolgt in einem Gasentnahmeblock. Gaskolbenlader sollten mit einem Gasregler ausgerüstet sein, um über eine regelbare Funktionsreserve zu verfügen. Damit kann die Funktionsreserve so eingestellt werden, dass die Waffe bei den jeweiligen Betriebsbedingungen nur den notwendigen Maximalbeanspruchungen unterliegt. Die Lage der Rohrbohrung ist abhängig von den Verriegelungswegen und der Munition. Sie bestimmt die Größe des zur Verfügung stehenden Antriebsdruckes. Bei gegebenen Konstruktionswerten eines Systems hat eine Bohrungsvergrößerung oder eine Vergrößerung der druckbelasteten Fläche des Antriebselementes eine Kadenzerhöhung zur Folge. Sollen die gegebenen Sicherheitsforderungen erfüllt werden, müssen die Verriegelungswege verlängert werden.

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Gasdrucklader mit Rohrbohrung

Bild 50 Lage der Rohrbohrung

Rohrbohrung, druckbelastete Kolbenfläche und Verriegelungswege müssen genau auf den auszunutzenden Impuls abgestimmt sein. Bei den reinen Gasdruckladern liegen die Rohranbohrungen im allgemeinen im letzten Rohrdrittel. Sie befinden sich damit nicht mehr im Bereich des Maximaldruckes und die thermischen Belastungen halten sich in beherrschbaren Grenzen. Bei den reinen Gasdruckladern sind die Rohranbohrungen daher im allgemeinen keine kritischen Stellen, die extremem Verschleiß unterliegen. Die Rohranbohrung sollte nicht auf einem Feld liegen. Üblicherweise wird die Gasdruckeinrichtung über dem Rohr angebracht und arbeitet nach rückwärts auf den Verschluss. Der Arbeitsweg beträgt dabei zwischen ca. 30 bis 70 mm. Vielfach wird auf eine gesonderte Rückholfeder für den Gaskolben verzichtet und diese Aufgabe auf die Schließfeder mitübertragen. Bei Anbringung der Gasdruckeinrichtung unter dem Rohr liegt der Gaskolben im Zuführweg der Magazinzuführung, sodass entweder die Gasdruckeinrichtung oder die Magazinzuführung zur Seite verlegt werden muss und damit Nachteile für die ruhige Waffenlage beim Schuss auftreten können. Diese Lösung kommt daher nur für schwere Kaliber, die lafettiert geschossen werden, infrage.

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Gasdrucklader mit Rohrbohrung

Vorwärtsgehende Arbeitsrichtung des Gaskolbens verlangt die Umsetzung der Vorwärtsbewegung des Gaskolbens in eine rückrärts gerichtete Antriebsbewegung für den Verschluss. Diese Systeme sind aufgrund ihrer Bauweise störanfällig und in der Kadenz begrenzt. Sie sind für moderne, leistungsstarke Waffen abzulehnen. Gasdrucklader mit Gasröhrchen Bei dieser Systemausbildung wird das Antriebselement nicht bewegt. Das feststehende Gasröhrchen leitet die Gase über eine Rohrbohrung auf eine Sackbohrung der äußeren Verschlusshülse ab.

Bild 51 Gasdrucklader mit Gasröhrchen

Die Gaskraft treibt die äußere Verschlusshülse nach rückwärts, dabei wälzt sich der Steuerbolzen des inneren Verschlusszylinders in einer Steuerkurve der äußeren Verschlusshülse ab.

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Gasdrucklader ohne Rohrbohrung

Der innere Verschlusszylinder wird mit seinen Verriegelungswarzen aus den Widerlagern herausgedreht und der Verschluss beginnt seinen Rücklauf. Nachteilig sind bei diesem System die in Richtung Schütze aus dem Gasröhrchen austretenden heißen Gase. Vorteilhaft ist die Tatsache, dass die beim Schuss bewegten Massen um den fehlenden Gaskolben kleiner gehalten werden können. An modernen Hochleistungsmaschinenkanonen wird dieser Vorteil durch Kombination von Gasröhrchen und Gasstößel genutzt. 5.2.2 Gasdrucklader ohne Rohrbohrung Aus dem Gasdruckdiagramm ist zu erkennen, dass die Gaskräfte an der Mündung immer kleiner sind als an einer beliebigen anderen Stelle der Rohrlänge. Hier sind folglich immer geringere Antriebskräfte zu erwarten als bei einem Gasdrucklader mit Rohrbohrung.Der Übertragungsweg ist größer, da die Übertragung von der Mündung über die ganze Rohrlänge nach rückwärts erfolgen muss. Infolgedessen wird die systembedingte Verzugszeit größer und damit die Kadenz niedriger sein als bei einem System, das als Gasdrucklader mit Rohrbohrung arbeitet. Dazu kommt, dass die bewegten Massen und als Folge die Trägheitskräfte größer sind.

Bild 52 Gasdrucklader ohne Rohrbohrung

Unter dem Gesichtspunkt der Schützensicherheit ist das System absolut sicher, denn die Einleitung der Verschlussbewegung erfolgt erst, wenn das Geschoss mit Sicherheit das Rohr verlassen hat. Hinsichtlich der Schützensicherheit ist ein solches System optimal; hinsichtlich der Kadenz, der Funktionssicherheit und der Treffleistung hat es seine Schwächen.

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Gasdrucklader ohne Rohrbohrung

Der Gasdrucklader ohne Rohrbohrung benötigt im Mündungsbereich Antriebselemente, die den Gasdruck aufnehmen und als Antriebsimpuls auf den Verschluss leiten. Für diese Art des Gasdruckladers kommt als Antriebselement u.a. die Gasdüse infrage. Gasdüsenlader Gasdüsenlader stauen die Gaskräfte in einer Gasdüse an der Mündung und leiten sie nach rückwärts auf den Verschluss um. Dabei können die umgelenkten Gase ⇒ auf einen Ringkolben arbeiten oder ⇒ direkt auf das Rohr wirken. Beim Gasdüsenlader mit feststehendem Rohr erfolgt die Kraftübertragung über einen Ringkolben und eine Übertragungsstange.

Bild 53 Gasdüsenlader mit feststehendem Rohr

Verschließt das Geschoss die Düsenbohrung, werden die Gaskräfte umgelenkt und wirken auf die Kolbenfläche des Ringkolbens, der das Rohr als Lauffläche benutzt. Hinter dem Kolben liegt als Übertragungsmechanismus eine Stange, durch die die Rücklaufbewegung des Kolbens auf den Verschluss übertragen wird. Beim Gasdüsenlader mit beweglichem Rohr wird das Rohr selbst als Antriebselement genutzt. Verschließt das Geschoss die Düsenbohrung, werden die Gase umgelenkt und wirken direkt auf das bewegliche Rohr, durch das die Kraftübertragung auf den Verschluss erfolgt.

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Gasdrucklader ohne Rohrbohrung

Bild 54 Gasdüsenlader mit beweglichem Rohr

Die erste Bauart hat sich als technisch unbedeutend herausgestellt. Die Nachteile in der Funktionssicherheit sind gegenüber den Vorteilen der Schützensicherheit zu groß, sodass sich das System nicht durchgesetzt hat. Die zweite Bauart wird in modernen Waffen vielfach in kombinierten Krafteinleitungen zur Unterstützung der Rückdruckkräfte genutzt.

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Kombinierte Krafteinleitung

5.3 Kombinierte Krafteinleitung Bei kombinierten Krafteinleitungen werden Rückdruckkräfte und aus dem Rohr abgeleitete oder an der Mündung frei werdende Gaskräfte gemeinsam zum Antrieb des Verschlusses ausgenutzt. Kombinierte Krafteinleitungen sind überall dort zu finden, wo eine Krafteinleitung nicht ausreicht, um eine einwandfreie Funktion sicherzustellen. Das ist in der Regel der Fall bei: ⇒ Waffen mit hoher Kadenz ⇒ Waffen mit geringer Mündungsleistung und damit auch geringem Rückdruck ⇒ Waffensystemen mit Zuführeinrichtungen, die mit großen Reibungswiderständen behaftet sind, z.B. Gurtzuführungen. Grundsätzlich ist jede Kombination denkbar. Es lassen sich aber zwei bevorzugte Grundkombinationen ableiten: • Entriegeln und Öffnen durch Rückdruckkräfte, unterstützender Antrieb durch Gasdruckkräfte (z.B. MG 3) • Entriegeln durch Gasdruckkräfte, Antrieb durch Rückdruckkräfte (z.B. MK 20-1).

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Bury, Ulrich / Molzahn, Wolfgang: Waffenrecht und Waffentechnik. Ein Lehr- und Lernbuch für Polizeibeamte in der Ausbildung, Jagdscheinanwärter, Waffenscheinantragsteller, 2., neu bearb. Aufl., 1994. Lorz, Jürgen / Gantschnigg, Martin (Hrsg.): Handbuch des Waffenrechts in Wort und Bild, 1987. Steindorf, Joachim: Waffenrecht, Waffengesetz mit Durchführungsverordnungen und Kriegswaffenkontrollgesetz und Nebenbestimmungen, 6., neubearbeitete Aufl., 1995.

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Abbildungsverzeichnis Bild 1 Merkmalgruppen zur Einordnung von Waffen Bild 2 Einordnung nach der Verschlussstellung Bild 3 Verschlussstellung Bild 4 Einordnung nach der Antriebsart Bild 5 Mehrladeeinrichtungen Bild 6 Unterbrechersteuerung Bild 7 Feuerwahlschalter Bild 8 Steuerung des Unterbrechers im Verschlussrücklauf Bild 9 Steuerung des Unterbrechers im Verschlussvorlauf Bild 10 Herstellen der erneuten Feuerbreitschaft Bild 11 Einordnung nach dem Verschlusssystem Bild 12 Verriegelter Verschluss Bild 13 Bauart verriegelter Verschlüsse Bild 14 Kipprohrverschluss Bild 15 Kippverschluss Bild 16 Kippverschluss der P 6 Bild 17 Kippverschluss des G 1 Bild 18 Drehverschluss Bild 19 Blockverschluss Bild 20 Gelenkverschluss Bild 21 Stützrollenverschluss Bild 22 Stützklappenverschluss Bild 23 Riegelverschluss Bild 24 Grundproblem eines unverriegelten Verschlusses Bild 25 Verschließende Kräfte am Verschluss Bild 26 Bauarten unverriegelter Verschlüsse Bild 27 Grundsätzliches zur Wirkung von Trägheitskräften Bild 28 Abstimmung von Waffe und Munition Bild 29 Ungestützte Hülsenzonen Bild 30 Bremsung durch Ableitung von Gaskräften an einem Gewehr Bild 31 Bremsung durch Ableitung von Gaskräften an einer SP Bild 32 Schnitt durch die P 7 Bild 33 Funktionsprinzip des übersetzten Masseverschlusses Bild 34 Funktionsschema eines Selbstladegewehres mit übersetztem Masseverschluss und Winkel/-Rollengetriebe Bild 35 Funktionsschema einer Maschinenpistole mit übersetztem Masseverschluss und Winkel/-Rollengetriebe Bild 36 Funktionsskizze eines Winkel-/Rollengetriebes Bild 37 Tabelle der Kenndaten für die Übersetzung an HK-Waffen 13 14 15 18 19 21 23 24 25 26 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 49 51 52 53 54 55

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Abbildungsverzeichnis

Bild 38 Verschlussträgerabstand Bild 39 Funktion einer Nachschlagmasse Bild 40 Schema einer Rückprallsicherung durch eine federbelastete Sperrklinke Bild 41 Funktion der Druckausgleichs- oder Entlastungsrillen Bild 42 Einordnung nach der Krafteinleitung und den Antriebselementen Bild 43 Funktionsschema eines Rückdruckladers Bild 44 Funktionsschema der Rückdruckantriebe Bild 45 Rückdrucklader mit beweglichem und mit feststehendem Rohr Bild 46 Funktionsschema Pistole P 6 Bild 47 Rückdrucklader mit feststehendem Rohr Bild 48 Antrieb durch Gasdruckkräfte Bild 49 Gasdrucklader mit Rohrbohrung Bild 50 Lage der Rohrbohrung Bild 51 Gasdrucklader mit Gasröhrchen Bild 52 Gasdrucklader ohne Rohrbohrung Bild 53 Gasdüsenlader mit feststehendem Rohr Bild 54 Gasdüsenlader mit beweglichem Rohr

58 59 60 61 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75

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Bisher in dieser Schriftenreihe erschienene Bände Band 1: Martin H.W. Möllers (Hrsg.) Deutsche und Polen, Nachbarn in Europa Politische und rechtliche Aspekte zu grenzpolizeilichen Einsätzen
Robert Chr. van Ooyen: Die deutsch-polnischen Beziehungen: Vom Zweiten Weltkrieg über den Warschauer Vertrag zum Nachbar- und Freundschaftsvertrag von 1991 Martin H.W. Möllers: Polens Beziehungen zur Europäischen Union Hans-Detlef Matzat: Auswirkungen deutsch-polnischer Beziehungen auf grenzpolizeiliche Aufgaben, untersucht an ausgewählten völkerrechtlichen Verträgen Hans-Georg Lison / Sven Jahn: Lage der 3. Dienstgruppe der Grenzschutzstelle Sassnitz am 0615161095 - Beispiel einer Klausur im Fach Einsatzlehre des Studienbereichs Polizeiführungswissenschaften Peter-Michael Kessow: Grenzüberschreitende Gewalt von Fußballanhängern Martin Kastner: Rechtliche Grundlagen für das Ergreifen entwichener Gefangener durch den Bundesgrenzschutz (1. Teil) Martin H.W. Möllers: Wirtschaftskriminalität und illegale Einwnderung - Gegenmaßnahmen in der Praxis. Eine nächtliche Streifenfahrt mit Beamten des BGS an der deutsch-polnischen Grenze

Band 2: Dietrich Heesen / Hans-Georg Lison / Martin H.W. Möllers (Hrsg.) Der Bundesgrenzschutz im Spanungsfeld gesellschaftlicher Enwicklungen
Peter-Michael Kessow: Zielsetzung, Projektverlauf und Entstehungsprozess eines Leitbildes für Zusammenarbeit, Führung und Aufgabenerfüllung im Bundesgrenzschutz Dieter Kluge: Qualifikationsanforderungen an Mitarbeiter und Vorgesetzte in Gruppen Peter-Michael Kessow: Brennpunkt Hauptbahnhof Dietrich Heesen: Schwarz-Rot-Gold - Zur Geschichte der deutschen Flagge Martin Kastner: Rechtliche Grundlagen für das Ergreifen entwichener Gefangener durch den Bundesgrenzschutz (2. Teil) Thomas Kiefer: Der landesrechtliche Lauschangriff auf dem verfassungsrechtlichen Prüfstand Georg Mantel / Günter Wieschendorf: Schusswaffe als Drohmittel Erhard Huzel: Zur rechtlichen Problematik der Verhütung von Straftaten und der Vorsorge für die künftige Verfolgung von Straftaten - unter besonderer Berücksichtigung der Aufgaben des Bundesgrenzschutzes Martin H.W. Möllers: Der Euro - Chancen, Nutzen und Gefahren einer gemeinsamen europäischen Währung Jürgen Saligmann: Gewaltenteilung - Historie und neuzeitliche Bezüge Robert Chr. van Ooyen: Von Nürnberg nach Den Haag: Etappen auf dem Weg zu einem ständigen Internationalen Strafgerichtshof im Spannungsfeld von Politik und Recht (Teil 1) Ingrid Zellner: Ursachen des Untergangs der Sowjetunion und seine Folgen für den Bundesgrenzschutz Thomas Spohrer: Wie kundenfreundlich ist der Bundesgrenzschutz? Ergebnisse einer Passagierbefragung auf dem Frankfurter Flughafen

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Bisher in dieser Schriftenreihe erschienene Bände

Band 3: Peter-Michael Kessow (Hrsg.) Der Bundesgrenzschutz - Besondere Aufgaben und Verwendungen
Robert Chr. van Ooyen: Von Nürnberg nach Den Haag: Etappen auf dem Weg zu einem ständigen Internationalen Strafgerichtshof im Spannungsfeld von Politik und Recht (Teil 2) Boris Stoffel: Nukleartransporte in der Bundesrepublik Deutschland - Stellt der Einsatz von Castor-Behältern eine gesundheitliche Gefahr für die eingesetzten PVB dar? Jürgen Hoffmann: Entspricht die Energiepolitik der Bundesrepublik Deutschland den gesellschaftlichen und politischen Anforderungen? Welche Rolle spielt die Polizei in diesem Zusammenhang? Rüdiger Lebkücher: Kfz-Verschiebungen über die Grenze - Lösungsansätze zur Optimierung der Kriminalitätsbekämpfung durch den Bundesgrenzschutz insbesondere zur Qualifizierung der PVB und Problematik der „Erstbearbeitung des Bundesgrenzschutzes“ in Eilzuständigkeit mit anschließender Abgabe an die Länderpolizeien Martin Arens: Auslandsverwendungen des BGS Thomas Hermsen: Die Einbindung des Bundesgrenzschutzes in die Bekämpfung der Geldwäsche Marco Kaisen: Verbrechensbekämpfung im BGS: Informationsgewinnung und Recherche eines Ermittlungsbeamten im verdeckten Einsatz Klaus-Uwe Gockel: Theorie und Praxis hinsichtlich der Verwirklichung des Opferschutzgedankens nach geltendem Recht Michael Mehling: Zusammenarbeit von Staatsanwaltschaft und Bundesgrenzschutz in Theorie und Praxis Joachim Gutknecht: Rechtliche Probleme bei Verwendungen des Bundesgrenzschutzes

Band 4: Wolfgang Pietzner Waffenlehre 1. Ausgabe: - Grundlagen der Systemlehre
Merkmalgruppen zur Einordnung von Waffen Einordnung von Waffen nach der Verschlussstellung Einordnung von Waffen nach der Antriebsart Einordnung von Waffen nach dem Verschlusssystem Einordnung von Waffen nach der Krafteinleitung

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