OCja panis dans Ja serie

:
CharIes Grivd
LE FANTASTIQUE (11198,3)
Hermann H. Wetzel (cd.)
PIER PAOLOPASOLINI b1l914)
Jcan-Louis Cornillc
L'''MOURDES LETTRES OU LE CONTRAT DECHIRE{jlt9ls)
Roif' Kloepfer I Möller (Cds.)
NARRATIVITÄT IN DEN MEDIEN (411985)
Goorg Mug (cd.)
EIN ANTIPHILOSOPHISCHES EXIJERIMENTIM IR.
F.-J. TERRASSE DESBILLONS (S/l9MIl)')
Rolf Kloepfer I Wolfgang Scherer
CHARLES TRENET: VElaAUUERUNG UNO TECHNISCHE MEDIEN
1M CHANSON. EIN ESSAI<6lt 986)
E. Müller (cd.)
TEXTE ETMEOIALITE (,11917)
ISSN: 0176 - uz6 811988
ISNB: 3 -   - 01 - S
MannheimEtr Analytika
Mannheim-Analytiques
.. ,.\:.. "
..., .....
Chartas Grivel (ed.)
APPAREILS ET MACHINES A REPRESENTATION
8/1988
"
MAN A
Mannhcim-Analytiquel
litterature, Culture, Socitte
Palait deux lois I'an
Mannheimer Analytib
Literatur, Kultur, Geselbchaft
Erscheint zweimal im Jahr
TABLEDES. MATIERES
Ch. Grivcl, 3'Inuoduls aUJemachlnes 11
Responsables I
Charles Grivel
Roll Kloepfer
Redaction:
Les scctlons de litterature
(Romanistik I et Romanistik 110
du Departement de de
l'Universitt de Mannheim
Redaktion:
Die literaturwissenschaftlichen Insti-
tute des romanischen Seminars
(Romanistik I und Romanistik 111)
derUniversitlt Manriheim
VVE
M. Wetzet, Photo-Graphie. Von der des 8uchstabenzur
Schrift des Lichts•••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••·•••••••••••••••• ••••••••••
H. v. Amelunxen, Die Erfindung derPhotographIe aus dem GeIste
des Äthers. Zu "louIs Lambert" VOll Balzac••••••••••••••••••••••••••••••••••••••
Ch. Grivel,· La Bouche cornuedu phonogtaphe•••••••••••••• ••••••••••••••••••
G. lcautier; La Radio ä lampes •••••••
F. Kittler,. Rockmusik - Ein UlBbrauc::h von Heeresgerit•••••••••••...•.•••
19
35
SI
77
87
Hubertus von· Amelunxen
Inse Beisel
Olarles Grivel
Roll Kloepler
Hanne .Landbeck
Geora Maaa
R. Capurro, La Chose ä penser..••.•.••.•• ••·••: •••..••••.•.•••..••••••...••••••••:••
J. Mede, und ZeItgeIst..••.•••...••..••.•••.•....••••••••••.•••••.•
J. Feuling, Das Motorrad. Obskures Objekt meiner BegIerde•••••••.••••
Ch. Grivel, UacMnede corps, ""ac::hlnede poche•••••••••••••••••••••••••••••
103
111
159
173
191 H.M. Finter, Dante: Les Uachlnes du BIen et du Ual•••••••••••••••••• •••
J.-P. Oubost, Loyola und Co: EInige Bemerlcungenzur jesuItischen
Medlengesellschaft..•• ••••.•••••••.••••••••••.•••••••••••••••••..••••••••••.•••••••••.••••
V. 8orsö..80rgareUo, Plrandellos "Umorlsmo-: Das Phantasma zwI-
schen "Macchlnetta della Loglca" und Uaschlnenmythos••••••••••••••••••
Lehrstuhl· Romanistilc I
Schloß
0-6800 Mannheim 1
Kontalctadresse:
Administration, secretariat I Verwaltuna. Sekretariat: Josee Sc::hröder
...•   de lapublication (pour toute correspondance):
Ce YOIume r......le Ie texte, remani6, cIe Ja plupart .,. InterventionI
danale ca.e· cl'un coIloque itin6rant, Interdl.ciplinaireetinter-
univerlitaire,orplli.' I'lnitiatlve • 0Iar1cs Gri!el, durant le sematre
d'6t6 .916, aux UoiverJit6. cIe Mannheim, e.B•.et Duuei-
dorf, .I)tpartemcnts ......... et Iitt6ratuta ,romane. et/ou de Germanis-
tique.
Que. Gilbert L6,utier,acteut et auteur, lelparticipanb, aiMi que Joha.-
KOstcr,Oorothca Kern etSabine Schipke, .aont· mi.au point le manuscrit,
ici remerci6,.
,Copyright 1.9.': tes editeurs
ISBN:,) - 92..608 - 07 - S
ISSN: 0176 - 8h988
"C'cstaveclaMANN!dAqu'oncoupe la
tate.     ·esttrbsure et. ne
fait.p<>int languir unpatient que .le peu
d'.dresse d'un •executeur .expose quel-
ayant
d'avoir dutronc:."
tabat
Voyage •en It alie .
.. .•. Pans.t73°
. I
.."
Appareib et machincs i representation
Jochen Mecke
ZEll'MASCHINE, UND'ZEn'GEIST
Horloge! dleu slnlstre,effrayant, Impasslble
Ooot le dolf}t nous menace et nous dlt:' "Souvlens-toi!
Les', vlbrarites Douleurs dans ton coeur pleln d'effrol
Seplanteront blentöt c.omme dans une clble;
Trols, mllleslxcent fols par' la Seconde
Chuchote:, Souvlefu-tol!-Raplde avec sa volx
o""seete, Malntenant, dlt: Je stils Autrefois,
Et 1'al pompeta vJeavec ma trompe immonde!
Souviens-tol que le Temps est un joueur·avlde
Qul gagne sans tdcher;.i tout coup!, c'est la 101
Le Jour decroil: la ilult augmente: souvlens-toi!
Le gouffrea tou/outs solf; la clepsydre se video
(Baudelaire, UHorloge)
0.. Technik und Transzendentalphilosophie der '. Zeit
111
Was in Baudelaires   Gedicht h968: 94) als technische
Repr:isentation der Zeit nicht nur, großgeschriebenwird. sondern alsa':Jtono-'
mes Subjekt der Geschichte d:imonische Dimensionen angenommen hat. ist
ca. achtzig Jahre frUher in Kants ' Krit Ik der' reinen', Vernunftzun:ichst blOße
Form unserer Anschauung. In transzendentalphilosophischer Sicht ist Zeit kein
rein empirischer Begriff, SOt1dern "notwendige Vorstellung die allen Anschau-
ungen zugrundeliegt",sie ist. die lIsubjektive Bedingung, unter der aUe An-
schauungen in uns stattfinden können11 (Kant 1781: A 33f.). "Zeit ist die Form
des inneren Sinnes und bestimmt das Verhlttnis der Vorstellungen in unserem
inneren Zustande" (Kant 1781:850). Sie ist die formale Bedingung apriori
aller Ecscheinungen überhaupt. Als das, Ilblos Subjective der Form' der inneren
Anschauung. sofern wir' von uns selbst affiziert werdenlI, h793?:I8} ist sie
verantwortlich dafUr, daß der Geist sich nicht selbst als das erkennen kann,
was er ist, sondern immer nur lUb .,ecie temporis.· Zeit enthält nur "die Art
wie wir uns selbst erscheinen, nicht wie wir sind",h793?:I8} heißt es in einer
'4

113 J. Mae, Zeitmaschine und Zeitpist
Appareils et machines , represcntation 113
nach der Veröffentlichung der ZweitauOage der Kritik der reInen Vernunft -
verfaSten Notiz Kants
l
• Doch damit nicht genug. In derselben Notiz .-den
inneren Sinn schiebt Kant die Selbsterkenntnis noch um einen weiteren Grad
auf. Dieser weitere· differentielle Aufschub hingt mit der UnerketdNrkeit
derZeit selbst zusaml1JCß: -Wir können uns nlmlich nur die Zeit' vorstellen,
indem wir uns durch· die Beschreibung des Raumes und Auffassuns des
Mannigfaltigen seiner Vorstellung afficieren(und) durch das intellektuelle
Bewußtsein· stellen wir uns .selbst vor, aber wir erkennen uns IU·nicht, weder
.wie wir erscheinen noch· wie wir sind" (Kant. 1793:18). Ursache fUr die
Selbsterkenntnis· aufschiebende Wirkung derZeit ist ihre eigene PJuchtigkeit
und . Unerkennbarkeit. Wird. die form der Anschauung zum. Objekt·· der
Wahrnehmung, versuchen wir -also, etwas . Uber ,die Zeit selbst so
sehen wir uns gezwunaen, den Mangel an Gestalt durch Aftalcsienzu ersetzen
«18': 8 so). Die KantischeMarginaiiekUnnte im Rahmen einet De-
konstruktion offeplegen, .was Transzenclentalphilosophie· vetdrlngt:· Zeit1ich-
keit als innerer .Sion ·verflüchtigt das Sub,ielct·zul'. geisterhaften .EtscheiftUAl,
zum das der Geist von
Scbema der Einbildungskraft 9fOduziert ... w..tekts, rlumliche Pro-
jektionen von zeitlichen Erscheinunaen des Selbst. Zeitlichkeit trdbt den Keil
differentiellen Aufschubs ..zwischen •die verschiedcnenlnstan%Cß des. Subjekts
•Synthesis•. Geist wird zum Ge!st,wie· er sich· selbst inder
Form der Zeit erscheint. Ceist wird Zeit-Geist.
Die vorliegende Arbeit wiUjedod. nicht versuchen, den zeitlichen PmeS
des$ubjektsdekonstruktiv als -Subjekt imprQzeS" sondern
die Grundlagen· desttanszendentalphilosaphischen Zeitbepiffs selbst· spe-
zifisches Element einer besonderen diskursiven formation (foucault 1969:53)
zu relativieren und gqenandere Diskurse kontrastiv abzuseczen.Diezwei
Thesen der zur Zeit, daß Zeit ·.1. notwendige aprio-
rische Form unserer AnschaUung sei und 2. 'die newtonsche Gestalt einer irre-
versibren, ins Unendliche fortlaufenden Linie .gleichförmiger Punkte annehmen
.U..., h.h ·keincuhieezsale 81tltipdt, saidewS'ind Eteihclltceillcsspezt..
fischen Diskurses, an dessen Formation und Ablösung technis<:he Innovationen
ma8gcblichbeteiligt waren. Die Bestimmung der. Zeit als apriorische Form
der Anschauung hingt e"l mit der· EntWicklung bestimmter Zeit maschinen
zusammen, die zur des transzendcntalphilosophischen
-.--Ir 1 ••
Diskurses ·&kr Zeit gehören. Auch der von Kant konstatieree :Cestaltmangel
der Zeit und dessen Kompensation durch·· Analogien ist· Merkmal eines be-
stimmten -Diskurses, im Hinblick auf den es ebenso zu relativieren iSt wie die
Reduktion des Plurals möglicher. Analogien auf den Singular der anein als
gUltig angesehenen NewtonIschen Zeidorm. .
Bei genauerem . Hinsehen wird deutlich, sich bei der Festlegung
in6slicher Analogien, durch die wir Gestalten der Zeit ausbildin, bereits von .
einer . einzigen Zeitvorstellung leiten lä8t: von -der newtonschenKonzepti()n
der •• absoluten· Zeit und ihrer technisch perfekten Reprlsentationals
gJeic;hml8ig .. verlaufende; unendliche, beliebig teilbare Bewegung im absoluten
Raomdurch<fje .neuen Pendeluhre.n.Die .von dertranszendenta-
len Ästhetik vorgenommene, ihr selbst jedoch. unbewu8te . ReduktiQftcter ver-
scf1iedenenZeidormen auf eine einzige hat ihren Grund in der allgemeinen
Verbreitung einer einzigen Repräsentation von Zeit, die, einmal zur zweiten
Natur geworden, .als selbstverständlich erschien. Die kantische der
oder. "Analogien"· aufeineeinzige.lä8t. ver-
ItIUten, .'. daß •. Zeitbegriffmehr von der jeweiligen . Re,.
pr:lsentationder Zeitbeeinflu8t sind,als. dieKdt ik der teinen VcrnuMtdies.
wahrhaben· möchte.
den nicht-empirischen ·Oarakter der Zeit, und damit. auch
fUr die historische Wandelbarkeit des Zeitbegriffs liegt in derrepräsentatio-
nalen Spezifik der Zeit. Denn im eigentlichen Sinne 'lä8t siCh von Zeit-
wahrnehmung nicht sprechen, da wir keinen besonderen Zeit-Sinn besitzen.
Als. definieren Psychologen eine . unmittelbare Reaktion- auf
eine .. gegen,wlirtige Reizung. Die Voraussetzung der "Präsenz" gilt nach wahr-
nehmungspsychologischen Kriterien fOr die Zeit allerdings nur fOr Zeitspannen
einer Hundertstel und zwei Sekunden, wobei die unteren Schwellen-
werte je nach gerei%tem Sinnesorgan variieren.Z die unterhalb dieser
Schwelle Iic.gCn werden simultan und nicht mehr als Dauer wahrgenomm.en,
, ... . I
bei Intervallen, die den Wert von zwei .' Sekunden Ubersteigen,spricht .. man
'nicht mehr' von "ZeitwahrnehmungU, sondern· von "Zeitschä.tzuttg"· (fraisse
1966:   Behandlung des
lehrt zweierlei: I. Zeitlichkeit ist keineswegs eine Selbstverstlindlichkeit un-
serer Wahrnehmung, sie ist. nicht immer. gegeben, zumindest nicht in der
form linearer Anordnung einzelner· Momente. z. Von einer "Wahrnehmung"
J. Mecke, Zeitmaschine W1d Zeitseist Appareils etmachines i reprcsentation
I1S
der .Zeit IIßt sich, wenn oberhaupt, nur im metaphocischen Sinne reden. Denn
Zeit als Werden und Versehen kann per definitionem nicht
gegeben sein, sondern liegt nur in form der Erinnerung und des Gedlchtnisses
dem Bewußtsein vor. Sowohl im Kurzieit- als auch im Lanszeitpdlchtnis
liegt Zeit daher nicht alsunmittea.e Gcgebcllheit des Be......... vOr, sie
ist keine selbstgegebene, selbstprlsente "donnee immediate de Ja conseience"
(Berpon i 921), sondern Reprisentation, . Umfqcmuna und
Verrl\.ndichuna der Zeitlichkeit durch das Bewußtsein. Daß ZeitliChkeit auf .
der der Reprlsentation angesiedelt ist, macht sie zu einem
semiotischen Phlnomen par excellence, dessen Gegebenheit vonclen
verschiedenen Arten seiner Reprlsentationgestaltet wird. Dies
transzcndentalphilosophisc:he Betrachtungsweise der Zeit keineswqs auf,
sondern.. relativiert lediglich deren Geltq. Zwar ist Zeit ""ter. bestimmten
·Vorausset%Ungen .form der Anschauung, wie das Mediul1l der Wahrnehm....
jedoth konkret lestaltet unterliegt dem Einflu8 historischer,
wandelbarer ReprJsentationsformen. Denn nicht nur die Objekte der
Wahmebmunc vetlndern sich itn Lauf der Geschichte, sondern auch die··Form
der ObjektWahrnehmu"lselbst:
Innerhalb groBer geschichtlicher Zeltriume verindert sich· mit der ge-
samten o.selltswelse der menschlichen Kollektiva auch die Art und
Welse Ihr« Sinneswahrnehmung. Oie Art und Welse, In der sich die
mettschlIche Sinneswahrnehmung organisiert, ... das Medium, In dem sie
«fol9t. -, Ist nur natürlich, sondern auch geschichtlich bedingt.
(8enjanain ·'936: '7). . .
Zeit ab Form der. Anschauung ist selbst Wandel ausgesetzt.
ti.h. Zeit ist kein "transzendentales", sondern ein "historisches Apriori" .unJe-
[er Wahrnehmung. Sie ist . Teil jener sich wandelnden ErrnÖglichongsbedincun...
gen von Sichtweisen, die Michel Foucault als "diskursive formation" h969:
51) bezeichnet hat.
Nicht-Prxsenz erfordert ReprXsentation, aus der konstitütivenAbwesenheit
einer originalen, unverfXlschten th-Zeit, ergibt sich die Notwendiglc.eit ihrer
plastif,dlGß P,n
t
'U"91 ur ···.1... ··Y.bLleit:
Geschichtlichem Wandel unterworfen ist jedoch nieht nur die Gestalt, die
Zeitlichkeit als apriorische Form der Anschauung annimmt, sondecnauch die
transzencientalphilosophische Bestimmung von Zeit als apriorische Fonnder
Anschauung selbst. Der abstrakte und absolute, Zeitbegriff der •Transzenden-
. des komplexen Zusammenspiels von .Tech-
talphilosophie ist selbst ein. Effekt von Zeitmaschine und .leitgeist, dessen
nlk und ZivilisatIon (Mumford   den sollen.
im· folgenden SkiZZiert wer
wichtigste Etappen
Handelns. Uhaeit als Mimesis
I. Zeit· als aposteriorische form m
dct Zeit da' GlItter.
Zeitauffassungen keine universale
Da8 technolenetische .S.I'.... auf die FrUhgeschichte der ,
tön n zeigt ean . ... . ,
GUI.tilieit beanspruchen ne. uw-I'hkeite.n der Zeitreprxsen.t.a.tlon
, technischen mva>IC •
ZeitmessuoS.: Die ersten . . O. "'. .. .. ein senkrec.'htstehender
J
h erfunden: er
wurden vor ca. 5
000
. aren ... .. ·d· G öOe· des .von ihm. geworfenen
Z
' . h Richtung un r . . .... ,
Stab, ..e.rlaubte. es,.· elt nac . .. ·00.· . Uhren nutzten unte.r.sch.iedllche
.•. . . 0' ....liter erfu enen .
Scha .. ttens zu m
e
.ssen.• le ·.·f de. Z it ik ... on.isierend darstellte:
V eh h den Ablau . r e
Energiequellen, dercne raue. "nd W· . _ Sa.nd- und Fcueiuhren von
I
'. m 1800 v. ehr. Sl'-' , da I
Be.··reits a.us. det .elt u .. . .. .,... ·T··.· h 'ker warenschofl •. mas
. k . b knnt Gnechlsche .. ec nl
relatiV hoh.. er Genauig. elt e. a ·d'''d··en Uhren mit La.nJZ ... · . cttmeßge-
, •. dlgerUe lenen, .. ,
·inderLaSe, die als Kurzzeltm .... . J.. hmund.ert v. ehr•.konstru.l.er-
'nXebioslm drltten
a
räten zu koppeln. Eme vo \ • ·'h Uhr zeigte bereits die Lage der Ge-
te hydraulisch betriebene asttonO"'lSC e · d' Stunden d.urch hydr.a.u.lis.ch
,., und. verkündete le
stirne und. die. J.ahreszelten .an ....•'di·'. . technischen·.. M....öI.Hc.. hk.eiten
11·· Neben eseR . '
produzierten Nachtlga engenng. .... J hr und Tag zu' bestXtigen,
,. r kauf die· Zeitemtellung von a, ..' d
sch.e.• int auch e
l
.
n
BlC.. .. 'Z'tau.ff.assung. unter.schle:
, . k . von der heutigen CI
sich die damalige aum. . " . . Cbrbeginnt das Jahr am
. • ··f von Julius Cäsar 4S v".·. • . .'
Nach ·der Kalenderre ocm. . .·lt wobei aUe vier Jahre elO
.' zwölf Monate ,untertcl ,
ersten Januar. und Ist 10 •.. d' Abweichungen von Mond- und Son-
11.1. ... · zusätzlich .ein
ge
. schaltet wird, T. d'e von den allwöchentli-
- 0 M at hat dreißig age, I
nenjahr auszugleichen. er ,on ,.. de Zwar sind die Tage selbst
. ... h . unterteilt wer .. n. d
ehen Markt- und Gerlc tsugen . 't' ihrer Linge variieren e
'n" nach Jahreszel In
nicht in I je bis auf dieses Detailstimmen die grundle-
TemnN"Slst:unden
3
unterteilt, doch. . d uns heute vertrauten
y--- , I' hen Ordnung mit er
g
enden Eige.nschaf.ten der zelt IC .. f .d" technischen Einrichtu.ngen
f) 0' . Ut auch Ur le .
Uberein (Attali· 19
b
:. 4
8
f •• les g L._ 'u damals in der Lage, jede
. E" Uhren waren I
zur Anzeige der Zelt: IOlge . l' ...._ durch einen Tromme -
, . . und jede Vterte
Stunde durch einen Glockenton .. .
schlag mitzuteilen.
'.
116
. J. Mede, Zeitmuchinc und Zeitseist
ellenYOm menschlichen' Handeln abhSnglgen Erzeugung (Steuerung}. In mehr
öder' weniger regeimiBIgen Abständen sieh' der KaIser Im Haus des
K-'enders ein, 'um durch rltuellehwegungen In. den /ewefllge.n 3ahreszelten
angepassten.KIeIdet'n den Lau' der Sonne zu ImitIeren und dadurch eine neue
, '-Itcesze't zu .'''nen.So wlcd etwa"" .Frühjahr der Ostsektor des Hauses
-In grüner KleIdung bschrltten,lm Herbst .rIet' Westtell Im gelben Gewand etc.
(Granet 1914:16 f.)'
Minnet' machen also" nicht' nur "Geschichte,' sondern auch. die Zeit, ,in der
diese' yerlJuft. Dabei haben die Herrscf!endeninnerhalb bestimmter Grenzen
VerfUsunsssewalt Ober die' Einrichtung derZeit. Sie können eine oder
Nicht-Zeit' .m Jahr,esende in Lauf der Normalzeit einschalten, deren'
Dauer sondern der ledigliCh der Wert von einem Monat ZUge..; .
ordnet' wird, ußleachtet. der Tatsaehe, daß' die tatslc:hliche Zeitspanne erheb-
lich von diesem Wert abweichen kann. Die Vn-Zeit oc!Cr negative Zeit wiegt
d,abeidie,esamteNorma(zett·· an. Bedeutung. auf. Auch die '. JgyptiscberiPha:"
raontJn unctder rÖfhischePontlfex Maximus hatten die Macht, Zeitspannen zu
verllnsetnoder zu·.verkUrzen.' Auf diese .. -"eisekonnte der Pharao die Zeiten
der E:nte.festc und
Feind verlängern verkUrzenodetFälligkeitstermine und ,in-
direkt .aufschieben, eine .Maeht, die später im Mittelalter von· der
PQlizei, den Schöffen,e,rneutausgeubtwurde.. Uhrenund Kalender waren also
niCht· nur InItI'umente der:' ZeitmellUß&sondern.auch
die hietarchische EinteitußI·· der .Gesellsclta.ftchronokratisch untermauerten.
Diese Funktion wurde allerdings nur    
sdmitten ausgeubt, das kOnkrete Zeiterlebe" selbst hatten sie keinen Ein-
flu8. Im Gro8en und Ganzen gitt, daßZeitmensc;hlichem Handeln und Wahr-
nehmen nicht als apriorische Kategorie gegenübertritt, .. sondern nur ab
des ei,enen, Handelns erscheint. Zeit wird selebt, kaum
,wahrgenon1men, sie- durchwirkt und geht aus c:J1esem hervor. Da-
her entzieht sich 'Zeit auch der tJglichen ist Erds-
'nU-Zeit, die nur bei beispielsweise bei den. die Zy-
klen skandierenden und erneuernden Festent ins Bewußtsein .tritt, anSOnsten
jedoch unbestimmt und unbedeutend bleibt (LeGoff 1984: 35). Ausdruck dieses
spezifischen VerhJltnisses ·.von unbestimmter Zeit und menschlichem Handeln
ist 'die .Tatsache, da&, sofern sich die Notwendigkeit der odetZeit-
messung ergibt, .diese oftmals in Kategorien yorge-
nommen wird, zu deren Normierung sich Gebete'besonders eigneten: Die zum
Kochen eines Eis benötigte Zeit wird mit einem laut gesprochenen Ave Maria .
Die aufselUhrten Ubeceinstimmun,en ergeben jedoch ein trUgerisches Bild,
da sie IediSlich das technisch Mösliche rqistrieren.4 Doch weder die
'misdtCn noch die' itnialen Bedinaunaen leben AnlaS zur Umsetzunavon tech-
nischen Möglichkeiten. in ,esellsChaftliche Praxis. In aararisch orpnisierten
Gesellschaften sind Uhren reine......liCJIlle der Zeitmesur, sie' prociJzie-
ren keine Zeit, sondembilden deren Verlauf ledi,lich ikonisierendnach. tJh,;.
ren errnösUchen es dem, der' es wUnscht, Zeit abzulesen oder zu' hc.traa, ohne
die Zeit jedoch in irsendeincrWeise danach auszurichten. DleZeitder
bildete ledisJich, die Zeit mimetisch ab, wie sie YOn den Gattern dnse-
nchtcc war und sich in den Zyklen des Tases und Jahres manifestierte.
Unefc. ist Attribut der Götter, Uhrzeit deren ..... t.tnd
leei.... das Produb menschlichen Geistes. . "
EirilMiek .. auf den antiken Allt.. macht die 'Differenzen deutlkh: TfOb
Technik bedienten sich' der griechische, und römische Bur,er
des._ WeBen· A.e festgestelltenStancies der Sonne,. um Verähredun-
Fn zu, treffen,Wcbei aus hcutiler Sicht völlig untureichende
K....hnuna
en
•wie ·post" lIIer, frischer
AidltillderZcie,soniIem'ZeitistdntGnbeter.AIpeb der
.von ..•       ·.. U J)•. Zeit' ist'
im des lfancIehI, deren Dauer undGestalt
."sich '.' Tltiakeiten .des Menschearichtet, Uft1,elcehrt.Ss"ibt
keine .hiervon......clöste. (absofute) und .·Form.Zeit ist
konkret,. mit deR. Handlunsen zuSammcmpwachsenist, .. ihnen
dqrchwidttwird, sie eXistiert nur im und durch""'ln und nkht'alsdessen
Zeitistnicbtapriorischc, 1On(tern.... ---Uche'fotftt da
........ . ......•... ,
In dieser dislcur,sive'n' For ationsind Uhren. nicht' Zeitmaschinen sondern
. tedislich Gedte ... ZCi CJhne 'irgendeinen Einflu8 auf
ndlmuns oder Gestaltun,. Produziert wurde Zeit durch die kcn'lcreteTJtiskeit
selbst. davon, da8 die damaliJen Uhren keinen Einfluß auf' die Le-
ben$ptaxishatten, . war die Art der Zeitmessuns in speZifischer Weise theo-
  .... '.1..... . ..' . .' ........
- . "". G,. .'Ulbill. •••Iich· wad dies anl' drinestsdtewr-Mrng
t'a.., dem Haus des . " .
aleses ''''«eck'ge Ceblude, dessen .Boden dIe· Erde und dessen Dach dIe' Ce-
stlene darstellte, dIente nIcht alleIn de.,r Zertmessung, sQndern' auch Ihrer rltu-
Apparcib et machines ;i 117
41
118
J. Necke, Zeitmaschine und Zeitgeist
Appareils et mac:hines a representation
a"Beseben, die Dauer von wird in Credos gemessen, als Raummaß
dient da. Tasewmusw•. (Attali 1913:118).
Aus diesen GrUnden gilt fUr diese. Epoche, was Paul Ricoeur in transzen-
denulphilosophischer Hypostasieruns zum Schematismus der
jeglicherZeitgestaltung ."erheben will: daS die· ErZ1ihlung von Zeit sich am
Schema menschlichen Handelns orientiert (Ricoeur 15'83: Slf.), d.h. daß die'
Prlsuppositionen des Handel"., wie z.8. IntentionaliUt, Gerichtetheit, Motiva-
tion, Sukzession der Akte etc.in die Zeitgestaltung mit einfließen. FUr' die .
Literatur dieser Itonlcreten Zeit der· Mimesis des HancIeits gilt sicherlich der
hermeneutische Einwand gesen die ZeitanaJysen der morphologischen Schule
GUnther MUllers: Die uhrzeitliche Erstreckung ist hier tatslchlicheine der
Literatur exteriore Größe, Zeitmaß ist lediglich die eigene Tltigkeit in Form
beispielsweise des lauten Rezitierens von Gedichten (Jauss 1955: 16)•. Die
spezifische .Form dieser Zeitlichkeit hat 8ernhardGroethuysen phlnomenolo-
psch beschrieben: Es ist eine Zeit der konkreten Umwandlung der Zukunft in
eine Vergansenheit, die das Ich sich aktiv aneignet. Das Prlsenz dieser Zeit-
lichkeit,. sein "es geschieht" ist nicht denkbar ohne ein vorhergehendes '1iat"
und ein· anschließendes "factum est" (Groethuysen 1935: 153). Geschehen ist
die folge· der UbedUhtung eines lies geschehe"· in ein "es geschah".
Wenn in den voranaehenden Abschnitten von als aposteriorischer Form
des Handelris. die Rede wat, Ist damit bereits eine Lebensform impliziert, fUr
das 'oben beschriebene Zeiterleben nicht zutrifft: Diekonlcrete Zeitform
hatte keine GUitigkeit fUr die Nicht-Handelnden, d.h. fUr jene IIl
e
isure dass"
, (Veblen
18
99) der Antike, die auf die' eine oder andere Weise von der aktiven
Teilnahme an gesellschaftlicher Arbeit. ausgenommen war. FUr sie. existiert
die Symbiose von Zeit und Tltigkeit nicht, Zeit löst sich hier erstmals vom
konkreten, menschlichen Handeln wie eine Folie ab und wird zu dessen
abaaktcr Form, zum Objekt .rWahrnehmung. FrÜheste Klagen
Ober die abstrakte, menschlichen BedUrfnisscn als selbstlindige Entitlit
gesenUbertretende Zeit sind bereits aus· den Komödien des Plautus bekannt,
hier aller3ings meist aus dem Munde   MU8igglinger: . . "",,"
DaS dIe Götter doch den verdammen möchten, der zuerst dIe Stunden
erfand und dIe Sonnenuhr konstruierte, dIe mir Armen nun stückweise
den Tag verkürzt. Frülier war der Bauch meine Uhr. unter allen dIe
beste und rIchtigste. Oberall mahnte dIese zum Essen, auBer wo nichts
zu essen. war. Jetzt aber wIrd auch das, was da Ist, nlf:ht gegessen
wenn es der Sonnenuhr gefällt. (JUnger 1954: Ilg) ,
. Das in der Klage des MUßigglingers ausgesprochene Verhliltnis zur Zeit
dUrfte auch dem. Zeitbewußtsein einer zweiten Klasse professioneller MU8ig-
glinger entsprochen haben: Vornehmen Römern wurde die Beobachtung der
Zeit zu einem derart drlingenden BedUrfnis, daß sie .sich spezielle Stunden-
sklaven hielten, deren ausschließliche Aufgabe eS war, die von der Wasseruhr
. auf dem Marktplatz angezeigte Uhrzeit mitzuteilen (JUnger 1954: 121). Ne-
ben dem Adel gab es nur eine Gruppe, fUr die Zeit gleichfalls nicht konkreter.
Aspekt des Handelns, sondern abstrakte Form der Anschauung war : Die
Soldaten der. Antike waren wohl die einzige Berufsgruppe, fUr die sich das
Verhliltnis von Zeit und Handeln, wie es in agrarischen Gesellschaften üblich
war, umgekehrt hatte:· Nicht Handeln formte die konkrete Zeit, in. der es
stattfand, sondern die abstrakte, von den zur Verfügung stehenden. feuer-,
Wasser- und Sanduhren abgelesene Zeit kontrollierte die mens.chlichen
rlitigkeiten. In systematischer Weise autonom wird die Uhrzeit Schließlich,
als die Wanderorden im 6. Jahrhundert begannen, sich zum Schutze vor
Wandalen und revoltierenden Sklaven in festungsartig ummauerten Klöstern
niederzulassen und dort ein lcasernenähnl iches Leben im Dienste Gottes zu
fUhren•. ·Zeit wird zumerstenmal .kostbar .. hier allerdings nicht im streng
ökonomischen· Sinne, sondern eingebunden in einen .religiösen Diskurs:
Reglezvotre temps, ne reservez pas un instant que .vous ne pretiez, au
dei avec une sainte usure. A. chaque moment, si court $ at-
fache une goutte de Sang tres precleux que le averse.
vous racheter... le temps, 11 vaut le prix votre an:e, le prix de I e-
ternite, bien plus: le pTlx de Dleu lui-meme, que I du, temps
vous fera gagner ou perdre (Ordensengel zit. nach Attah 19b: 69).
Daß diese Neubewertung der Zeit um Gottes und ihrer selbst Willen nicht
ohne .• disziplinarische Maßnahmen durchgesetzt werden konnte,· zeigen die in .
verschiedenen Ordensc:egeln vorgesehenen harten Strafen fUr ZUspätkommen,
zu langsame Verrichtung der Arbeit und dergleichen. Zeitverschwendungen
mehr. Isolierung von der der Mönche, öffentliche
Schuldbekenntnisse, Bußgebete und Schläge gehören zum Ublichen
MaOnahmenkatalog, um dem neuen Zeitregime Wirkung zu verleihen.
Zunlchst wird Zeit nur in den Klöstern zum Objekt einer genauen
r Reglementierung (LeGoff Ig84: 35). Als Karl. der den Klerus 78g
der religiösen Erziehung beauftragt, sind die Grundlagen fUr die
Generalisierung des neuen Zeit modells gelegt: Zeit wird nun nicht .Hinger
durch menschliches Handeln geformt, sondern tritt diesem als selbständige
la
. J. Necke, Zeitmaschine und ZeitFist
Durch die mechanische. Koppelung .der Räderuhren .mit den Glocken _von
und Rathaustürmentveiß ab sofort jeder Bürger, was die Stunde. ge-
schlagen hat... Der .im gleichen Zeitraum entstehende Handelskapitalismus
macht es notwendig,Freiräume fUr .Kapitalumsätze zu schaffen. Die Siche-
rung der .freien Zirkulation der Waren .wird den Schöffen, der .Stad'PO
lizei
des
Mittelalters übertragen. Sie setzen die Zeiten fUr Messen und Märkte ebenso
fest, .wie die Zeiten des Karnevals, in denen sich die aufgestauten Energien
verdrängter Körperlichkeit entfalten konnten, um die Werthierarchien der
Gesellschaft umzukehren, die "hohen" Werte zu erniedrigen und, mit neuem
Sinn erfUllt,· zu regenerieren. Das . soziale Leben des späten Mittelalters
organisiert sich nachdem Modell der Räderuhren als Hemmung und
Verausgabung HnatUrlicher" Energie,· in Normalzeit und Ausnahmezustände des
Karnevals. Obwohl die Räderuhren zu Beginn noch an Pr:izision zu wUnschen
übrig ließen und zumeist mit Hilfe von Wasseruhren von einem Uhrwerker
eigens geregelt werden mußten, legten sie doch das Modell der
Gleichförmigkeit der produzierten Zeit naheund begünstigten auf diese Weise
rakter. Zeit ist nicht mehr Attribut oder Produkt Gottes, sondern wird mit
dem spltmittelalterlichen Nominalismus zum Ausdruck eines Konzepts. Die
,Zeit Gottes hat sich zur Zeit des Geistes gewandelt, welcher sie mit Hilfe
der selbstgeschaffenen Instrumente einrichten, teilen und messen kann. Zeit
ist so sehr Produkt des Geistes, daß die Frage nach ihrer Existenz au8erhalb
des sie produzierenden Bewußtseins verneint werden kann:
Zelt Ist nichts'· anderes als ein 'ens In anima', ein Gebilde unserer Vor-
stellung Telle der Zelt haben keinen positiven Grund (ratlonem posltl-
vamJ In der Seele, die alle Teile gleichzeitig 'In aetu' auffaßt
und In Ihnen Sukzession, Vor- und NachzeitigkeIt konzipIert (Petrus Au-
rcolus in: Maier 1950:. 187)·
Die Konstruktion mechanischer Messung objektiver. Zeittr.gt
paradoxerweise bei zur. Selbstentdeckung des Geistes als der
Zeit und fuhrt zur philosophischen Subjcktivierung der Zelt. Mit der
Erfindung der Räderuhren emanzipiert sich jedoch nicht .allein der
menschliche Geist von Gott, Sondern auch die . neu geschaffene Zeit vom
menschlichen Handeln selbst, wodurch. sich Zeitwahrnehmung und. Verhalten
derfortscbritdichenBUrger der neuen HandclsstKdte grundlegend :indern. Die
philosophische Subjektivierung der Zeit geht mit deren_bier Objekti-
vicruna und Sanktionicrung einher.
w.... und abstrakte form geaenüber. Zeit wird zum Apriori der
Anschauuns, des Twu und des Handelns.
2. Zeit als apciDIbchc Form von HandeIII und AnKhauunI- tJhRn als Zcilma-
Khincn. Pt.iIGIaphiKhc Sub,iCktiYicrunl ca Zeit.
Die Ausbreitu.. des in den Klöstern herrschcndcn Zeitverhaltens wird be-
gleitet von einer qualitativen ·Verlnderung· des Zeitbegriffs, die mindestens
ebenso bedeutend und folgenreich war· wie die. kopernikanische "ende. Um
1300 h&t die. Zeit auf zu fließen Oder zu verrinnen. Wasser und Sand .werden
durch eine neue Energicquclle·· ersetzt, die Gravitation eines Gewichts, wobei
das -folior', ein als ·Hemmung dienender, in das Steigrad eingreifender Bal-
ken fUr die Gleichftkmickeit der BewegungsabIKufe sorgt. Die auf diese
"eiseabscbildeteZeit ist beliebig teilbar· in uncndJich kleine, gleichförmige
Momente. DieRIdcc'uken des 14- Jahrhunderts bilden nicht mehr die Zeit
der Gestirne und mimetisch .ab, sondern sie produzieren .selbst eine
homGiene, unenclich teilbare Dauer, die aus einander tquivalenten Momenten
besteht. G'rundlegende Zeiteinheit ist· nieht .mehr der von Gott· eingerichtete
natürliche "echsel von Tag und Nacht, sondern. ein völlig Ic:Unstlichcs
Produkt: die vom Tageszyklus abgelöste und vom Mcnschen mit Hilfe seiner
neuen Zeitmaschine produzierteXquinottialslundc, diematbematisch· Fnau
dem vierundzwanzigsten Teil des Tages entspricht. Obwohl tf.amit zu
Zeitmuchinenwerden, Uberwiegt im 140 Jahrhundert ein anderes Moment:
die .Produktion einer .gleichförmigen Zeit durch Zeit maschinen fuhrt zur
Selbstentdeckung des Geistes. als. Produzent der neqcn Maschinen und damit
auch der Zeit. Heide_ers in den letzten Kapiteln von Sein und Zelt entwik-
kelte existentialontolocische Analyse des vulgKren Zeitbcgriffs kommt hier zu
ihrem vollen Recht: Die Entdeckung mechanischer Uhren erfolgt aus einer
.. existentiellen .... des Daseins, aus der mit dem frUhen Handclskapi-
talismus (s.u.) entstehenden Haltung des Bemrgcns:
MI' der -Tee"cht·'e.de',' ,'we''«o'. de
r
.J4lelt   __
gebenden Daseins Ist auch schon so etwas wie die Uhr entdeckt C-,J
OIe mIt der taktIschen Geworfenhelt schon je entdeckte 'natürliche'
Uhr motIviert erst und e.·rmiigllcllt ZUg,.elch Herstellung und Gebrauch
von noch handlIcheren Uhren (Heidegger 41)f.).
Mit der Stiftung. einer neuen Ur-Zeit verliert Zeit ihren essentiellen Cha-
Appareils et machines a representation
121
J. Mede, und Zeitgeist
Appareils et machines a representation IZ]
die EinfUhrung der Xquinoktialstunden um 1]7S, cLh. die noch heute geltende
Einteilung des Tages in 2.4- gleichlanse Stunden, die in 60 Minuten unterteilt
waren, wobei jede Minute wiederum aus sechzig Sekunden besteht. Die
technische Innovation ist jedoch auch hier nicht ällein verantwortlich fUr die
Verlnderuns von Zeitwahrnehmung und Zeitverhalten.
Die Entstehung einer abltrakten. aus aIeichf&m.,. Momenten
Zeit vollzieht sich im Rahmen einer umfassenden sozialen Revolution, in de-
ren Verlauf, die agrarische durch eine kommerzielle RationaJitlt abgelöst
wircL Inder agrarischen Ökonomie hatte .Zeit keinen Wert. Sie stellt nicht
den Rahmen der Produktion dar, sondern ist in diese integriert., Da die Re.,.
sourcen -absolut begrenzt sind und sich deren Produktion in, zyklischer Folge
beStindiB erneuert, kann Zukunft nur in. der Wiederholung der Verganaenheit
bestehen. ,Der zur Erreichung der Reproduktion der Familie notwendige Ar-
beitsaufwand wird daher auch nicht in Relation Zum erhaltenen Ernteertrag
.eschen· Zeit und, Arbeit haben keinen abstrakten "Wert" im heutigen ,SiM.
Die Einskht in den Wert der Zeit vollZieht sich erst mit der Entstehu,. der
zunlchst von den stldtischen ZUnftenunterbundenen Konkurrenz .als
ErkeMtnis, da8 bei knappen Ressourcen Gewinne .nur durch Verzicht bzw.
Einsparung (z.B. von Investitionen in die Arbeitszeit) möglich sind. Auf diese
Weise wird Zeit zum Wert, Zeit und Geld werden zu vergleichbaren Größen
(Hohn 1914: 94). Lange vor der fUt ,die bUrgerliche Gesellschaft
Charakteris.tischen Formulierung Benjamin FrankU"s "Time is money· war
, bereits ein Fundament der abstrakten Zeit gelegt: ihre
FundsrtzlicheKommensurabilitlt mit Geld uber den WertbegriU, die sie zu
einem standardisierten Objekt des Tausches macht.'Zeit löst sich mehr. und
mehr von. individueller Bestimmung und wird zur abstrakten Form, zum
der durch das eigene Handeln aufzufUlien ist. Durch die .Verwer-
tung" der Zeit wird die Kontingenz der Zukunft entdeckt, die als qualitativ
verschiedene Zeitdimension das zyklische Modell der agrarischen Ökonomie
ablöst. Zeit wird knapp, ihre· Vergeudung kann sich der Kaufmann im
C;; •••••••_nD .UCili "teht ii1thr
Neben der Erfindung der Schlaguhren und der EntdeCkung des frUhen Han-
delskapitaJismus war als drittes Moment die Entwicklung des Buchdrucks ent-
scheidend fUr die Revolution der ZeitauffassunlZ. Denn durch
Druckkunst verliert Schrift den Charakter der Einmaligkeit des individuell
Beschriebenen Buchstabens. Das, Prinzip des gutenhergschen Buchdruc.ks
steht in der Wiederholung standardisierter Typen, durch deren Kombanation
die Buchseiten geschaffen werden ,(Mac, Luban 1968: 160). Aus der Vernetzung
von Rlderuhren, Druckkunst und der vom Handelskapitalismus ebenfalls be-
wirkten Geldtenaissance wird die lineare, abstrakte, aus gleichförmigen und
gegeneinander austauschbaren Momenten bestehende DauerfUr den mittelal-
terlichen Stadtmenschen verbindlich. Zeit wird nicht mehr durch das Handeln
geformt, sondern· durch die, mechanischen Uhren im diskursiven des
Handelskapitalismus produziert und gestaltet. Im Rahmen der hier
zeichneten diskursiven Formation werden Uhren tatsächlich zum ersten Mal .
zu Zeit-MaJehinenim engeren Sinne des Wortes, d.h. sie, messen nicht nur
vor egehene Zeit, sondern produzieren etwas' Neues: die gleichförmige. von
g, , fl 'ndd·Ot
subjektiven Einstellungen völlig losgelöste lineare Ab 0 ge sta ar er
Momente. Uhren und nicht mehr menschliches Handeln zum dominan-
ten ,Instrument der Zeitgestaltung. Statt der vor der Renaissance gUltigen
Ereigni$-Zeit, die im allgemeinen im Hintcrgrundmenschlichen HandeIns
das tlgliche"Lebennun von einem
das die im FluB der Zeitströrnenden Tätigkeiteneinflingt und ordnet. Zelt,
ehemals Folie menschlichen HandeIns, löst sich von der Praxis und nun
. .   0" R hmen innerhalb dessen s. ich gesellschaftliches einen clgenst.n Igen a " , .
Handeln. vollzieht. Zeitpunkte werden nicht länger allein zu besti.mmten Er-
eignissen, sondern permanent festgelegt. Motor dieser
Zeit. waren die Regionen Europas, in denen sich der frUhe
mus atserstes durchsetzte. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts fanden
. sich die neuen mechanischen Uhren in den Stadtlandschaften. die an der Spit-
ze ökonomischer Entwicklungen stehen: Norditalien, Katalanien, Nordfrank-
reich, SUdengland, Flandern und Deutschland (LeGoff 1984: 36). .
Es nimmt daher nicht Wunder, daB sich bereits in der Vorgeschichte des
französischen Romans eine radikale Kritik des abstrakten neuen Zeitbegriffs
und seiner Herrschaft Uber das Leben findet:
eU ions de ce monde, tout est compasse, limite et
;:i:,zrc;arqU;eu::s,r decrete qUe/a
i
ne    
drant aulcun maIS se/on les occas ons ,.., '..
disposees: car (disoit Gargantua) la plus
du qu'j/ sceust estoit de compter les heures - que en e
J. Mecke, Zeitmaschine und Zeitlcist
Appareils et machines a representation us
Ylent-lll - et la plus grande resverle du monde estoU soy gouverner au
=·,SOft d'une cloche, et non au dlctede bon sens et entendement hus:
l,of.)
Die in Rabelais'Cal'gantua IS3S formulierte Kritik an der TotaliclC der
a1ler,Erfahcuna und dieser als starre Form und
Behllter yoraqebenen Zeit (tout est compasse, limite et reille par heures),
wodurch der Mensch zum Teil des Rlderwerkes der Uhren wird (soy
pvemerau sond'une cloc:he) zeichnet sich vor der positiven Folie der
Zeit als .. Form des Handelns ab (selon· !es occasions et les opportunitez ·se-
roient toutes !es oeuvres disposees).
Die zitierte ist· in.. doppelter Hinsicht charakteristisch: I. Offenbar
lI8t sich die Kritik an· der der abstrakten Zeit bereits in der
ersten HIlftc des 16. Jahrhunderts im Rahmen einer Utopie ausüben;
denn Garaantua aibt seine· Empfehlunaen nicht etwa fUr die a1ltllliche Pra-
xis, sandern fUr die Ordensrqel der IIAbbaye de Theleme
lt
, eine Utopie der
sinnenfrohen Entfaltuni aller PKhiakeiten des· Menschen, die als humanisti-
schesManifest das zweite Buch der Pentalosie abschließt. 2. Diese Vertrei-
buna. der Ohr um der hcien Entwickluns des Geistes· Willen ist allerdinas erst
der AbschiuS einer Ia"lCII Entwicklu"l des Garpncua. die selbst unter der
Xcide der Uhrzeit stand.' Der Bildungswq, der   nun lurradikalen Ableh-
ßUI'II. der Uhren fuhrt, war selbst von der neuen mechanischen· Uhr und der
durch sie,produzierten Zeit bestimmt. Auf. GeheiS seines LehrersPonocrates
I1lk der junae.· PariserStucient Garcantuaeinen lenaucn Talesplan ein. Die
Ireifen ineinander wie die Rlderder mechanischen
Uhrwerke. Vom Aufstehen um vier Uhr Uberdie BibellektUre und die
folgende VerrichtU"l der körperlichen Notdurft, Studium· und Sport· sind alle
Momente uhrzeitlich so genau -fixiert, daß Gargantua wenn schon nicht - wie
spltere Zeitgenossen - keine Minute, so immerhin keine Stunde verliert:
"Comment Gargantua feut par Ponocrates en teile discipline qulil ne
peCdOit heure du jour" bS3S: 106) lautet der Titel eines
KaPitels.
Die. im Gargantua zu. findende zwiespältige Einstellung der neuen abstrak-
ten Zeit erkl:irt sich· aufgrund der historischen Nahtstelle, an der
sich die Renaissance befindet. Die Pentalogie alsUterarisches Werk der fran-
zösischen Renaissance sitzt zwischen zwei StUhlen: Auf der einen Seite muß
sie die Herrschaft der Zeit maschine Ober den Zeitgeist im Sinne des huma-
nistischen Diskurses vehement kritisieren,· auf ider anderen Seite teilt sie als
Manifest der Bewegung des aufstrebenden BUrgertums die Emphase der Kauf-
leute fUr den entstehenden Handelskapitalismus, dessen Rationalitlit Zeit und
Geld zu kompatiblen Größen gemacht hatte, eine. diskursive Operation, die
sich auch aqf Bildungsideal und pldagogische Praxis auswirkte. Der Titel des
%). Kapitels enthlilt ein weiteres Schlusselwort der Epoche: Mit der neuen
abstrakten .Zeitform entstehen auch im pädagogischen Bereich neue Verhal-
tensweisen. Menschliches Handeln und kindliche Entwicklung werden nach
dem Muster der. RKderuhrenorganisiert. Disziplin entsteht aus der zeitliehen
Disziplinierungvon Körper und Geist. Gargantuas Tagesplan stimmt in vielen
Punkten mit demjenigen der SchUler des Montaigu-Gymnasiums Uberein, das
fUhrende Humanisten wie Erasmus zu seinen SchUlern zählte.
6
Uhren produzieren also nicht nur eine gleichförmige und lineare Zeit. des
Alltags, sondern veranlassen die Menschen der Renaissance, ihren Tagesablauf
nach demVorbiJd ihrer RegeimKOigkeit einzurichten. OaO die Renaisunce die
Zeit entdeckt, die vielbeschworeoe"Renaissance Discovcry of Time"
(Quinones 1972), ist daher nicht aus der Geschichte des Geistes abzuleiten,
sondern aus dessen Interaktion mit der Zeitmaschine des 14. Jahrhunderts.
Es blieb einem SchUler des Montaigu-Kollegs vorbehalten, aus derneuen
conditio aus der neuen E.xistenzweise des Menschen inder Zeit die
K\Xtsequenzen ·zu ziehen. mit dem. Gang der Uhren. schdtthaltende
Mensch kann nicht .mehr .als gleichbleibendes Sein,. als Substanz
aufgefaOt werden. Es ist nicht mehr .Wesen, dem im Laufe der Zeit unter-
schiedliche Akzidentien zukommen, sondern wird selbst zum Ubergang, zum
Werden und Vergehen.
La constance meme n'est autre chose qu'un bran/e plus langu/ssant.:Je
ne puls assurermon obJet. 11 va .trouble et chance/ant, d'une Ivresse
naturelle. :Je Ie prends en ce point comme 11 ·est, en I'instant que Je
m'amuse a lu/.Je ne pe"'s Pas ,'eue. Je pelns le ,...ssage: non un pas-
sage. d'ägeen un auue, ou comme dl. t le peuple, de sept en sept. ans,
mals de Jour eil Jour,. en minute hS88: I ]%7).
Was Montaigne im dritten Buch seines Werkes formuliert, könnte als Motto
fUr die von ihm angestellten Selbstbeobachtungen dienen, wobei die Form des
Essais dem neutn Zeit-Verhältnis in idealer Weise entspricht. Die essayisti-
J. Mecke, Zeitmaschineund Zeitleist
sehe 'Form wei8 sich keinerlei thematischen oder focmalen Zwlnlen
pflichtetals der Maxime" dem FluS der Gedanken zu folien: IIJe m'qart,
mais plutat par Dcence quepar melarde.[;.;J J'aime l'allure poetique a
sauts,eta pmbades
ll
(IS'.: 111, 40d. Bei Montailße wird die Entdeckuna der
Zeit ,als pundlqendes Merkmal menschlichen. Daseins emphatisch als Befrei-
.. aus. der ZwanpJacke mittelalterlicher Substanz- oder YlesenJandvopolo-
lie pfeicrt. Zwar ist dabei die Zeit als abstraktes Prinzip zwischendie'er:"
schicdcnenStadien des Ich letreten, IIA chaque minute, iI mc semble que je
m'tchappell bSII: I,'So), doch wird diese FlUchtilkeit als Befreiuns von kon-
ventionellen Z..... und Vcrpflicht....en.lur inNamanen Konsistenz und Ko-
hlren empfunden: "lI.n'" a Point de, fin 11 nos inquisi-
,tion".s. Nott,e, fi,n cst e,n,' ,I'auere moncfc, '." .',C',es,t SII,·Re, de", racour, "cissement d'cllAr , it
nd iI ,"." ."...
qua, " se contcnte,ou de ,luscte. Nulespdt .nereux ne s'anete en sqi: 11
peetend, toujours et va, outre ses forces
ll
bs••: BI" 4-19). "enn, zeitlicher "an-
del ,undU-qa,. das ,Irundleaenclc Charakteristikum des Menschen sind, mu8
.,.Bild; das Literatur von ihm zeichnen. kam,. peichfalIJ einen. Zeitkern ent-
halten. .·Die .einhcitdes in die Vielheit des
-.,t: liLa. vie est un ,mouvement mat&tiel et c:orporel,ae:tioa
impatiaite <Je .. prqxecssence" ce jem.emploi ,a ",la scrvirseJon
eJlell(tSO, 01: J91). -Mai I cettc heure ct moi tantat • bien deux"(l S••, 111:
,,... ,.dcrnsoist, kann die,. SelbstvCl;wirklic:hurt8" des sich, bestlnd.
und   Ichs nicht in detAusbilduna •• eines zeitlos
cl.h.in dem, den Laut der
Zeit .inss
y
r
'ufiuhalten. A.,thentisch wJrd .s es,
.. ' des .,zeitlichen Wandels' lichseibstauf Dauer lleich"  
,JOndernwenn esinde,': La.. ist, die kurze Dauer dcsLcbens in Intensitlt
umzuw..rn. ,Unendliche Dauer, und ,Unsterbiichkeiterscheinen unter diesem
,_.s Bedrohu.,.: -am'linez combien serait une' vie pcrdurable
InOinssupportable I l'homme, ttplus penible, quentest. la vie que je Ibi ai
donnee Ce;] .L'utilite de vivre, ntest pas enespace, elle est en usaa
e
:,' tel a
vecu blstemps qui a peu vecu bS88: I:S3).Zeitwird bei Montaigne zum
namrlisbco IU,mCRl Me Mopse '."" Veftl"'••  
damit Intensitn ermöglicht, jenseits der ZwKnae Scholastischer
Wesensanthropologien. ' ' ",'
. EntwidteltMontailne die positiven Konsequenzen und ,'Möglichkeiten, die
slchfur den ,Menschen ,aus den neuen Uhren und der von ihnen eingerichteten
Appareils et machines a representation
Zeit ergeben,   sich mit dem Anfang der Subjektphilosophie bei Des-'
cartes bereits die Kehrseite der Medaille ab.
7
In seiner theoretischen PhiloSOPhie löst Descartes den unteilbaren. ZeitfluR
der Wasseruhren, die einer Modcllierung Bergson'scher Dauer sehr nahe kom-
men, in eine Sukzession isolierter Momente auf, wie sie durch diedisltontinu-
ierlicheBewegunl des in das' Steigrad der RKderuhren eingreifenden tlFoliots"
modelliert werden, und' entdeckt dadurch' eine der Zeit zugrundelieRende
Kontißlenz: U'fout letemps dc ma v;ie, peutetre divise en une infinite de
parties, chacune. desquellesne depend en aucune fa9>n des autres"
Ohne AbhKngiRkeit der Momente voneinander wird aUerdinRs auch die
Sukzession zum Problem. Zwischen den Zeitpunkten, droht .. analog zur durch
die Hemmung erzeugten Pause der Bewegunades Steigrades- das Nichts, die
Ausl8schUßI,der Existenz. uDe ce que je suis maintenant, il. Re s'ensuit pas
qUeje doivei.treencore aPfel" (1641: 133). Gerade
einzell\en'Nomentc, , ihre ,wUrde die Viirkl,ichkeit" in
Etscheinunaen, "den '•• sie.wahrnehmendcn Geist in Geister .,IIEten
eUet, siquelqu'Ut1, "Iorsque jcveUle, m'apparaissait toutsoudainet. dilpa-
faissait de mfme,. comme font, .Ies ,images que je .oisen C.;:) ce, ne
seraitpassans raison   un spectreouunfant&neforme
dans mon cerveau, et sembJaWe aceux qui     forment quand jcdorsC.;]··
(16
4
1:.195). Die nach ., der form der Uhren konstruiertcuitli-
ehe Form .deserkennendenBewußtseins alsmecbanische Abfolge
anenhlngender Momentedcrealisiert(.ieist und macht die
Annahme eines höheren Wesens zwingend   für dcnstön.tngs-
freien lauf. und die l<ontinuit1it der Zeit sorgt. Die GarantiefUrtiascinwand-
, freie Funktionieren der Lebensuhr kann nur dc:robcrsteUhrmacher persönlich
geben. ," Nur Gott selbst gibt Descartes die' Gewißheit, d.aß auf' einen 'Augen-
blick der folgen wird,daOdieMechanikdes Uhrwerkes so Mut funk-
tioniert,da8 sich das Steigrad des Lebens nach der durch die Hemmung ein-
gerichteten Pause weiterdreht.
DarUbcrhinaus schreibt Descaetes in den Meditations meta-
phorischfcst, was inden Schulen, Kasernen und Klöstern beginnt Praxis zu
werden: Die Diszipliniervna der Körper gemäß der geregelten' Funktionsweise
der Uhren. Descartes' Vergleich legt den Grundstein fUr, eine Disziplin, die
u8

J. Mecke, Zeit maschine und Zeitgeist
Appareils et machine, a
sich in der folgezeit nicht mehr damit begnUgen wird, die T:itiglceiten des
Menschen im Ablauf eines Tages festzulegen, sondern in einer Vorwegnahme
des Taylorismus mehr· und mehr dazu Ubergeht, die einzelne Handlung selbst
in zeitliche Schemata zu zwIngen. Ermöclicht wurde die Disziplinieru.
durch einen diäunllntqiKhen Schachz..: Die von der Renaissance wieder-
entdeckte· K&pcrlichkeit wird vom Geist getrennt und das Funktionieren der
K&pcr rein mechanistischen Prinzipien unterworfen, die Descartesin Pas-
slons de '-a",e entwickelt. Der Geist als Residuum des· Menschlichen
ausdrÜCklich auS dem Bereich des Mechanischen ausgenommen: ._
Pour donc cet examen, h! remarque kl, premlerement qu111
y. a une grande d'lference entre I'esprlt et le. corps, en ce· que Ie
corps, de Ja nature est tou}ours divisible, et que· I'esprlt est .. entlere-
ment Indlvlslble. h6••: .19)
AJsbelic;big teilbares Objekt ist der menschliche Körper mit •einer· Uhr
die, einmal vom Uhrmacher erbaut, nach ihren eigenen mecha-
nischen Ge_tzen unabhlngig von einem sie lenkenden Geid funktionieren
kann.
EtcOnJme unehorlQge,composee de roues et de contrepo.ds, n'observe
'r: moIns routes les .Iols de Ia nature, Ior$flu'elle edmal
are! et qu elle montre pas bien Jes heures, que Iorsqu'elle satlsfalt
eAtieremenf au .deslt' de I'ouvrler; .de •mime .uss', sl}e consldere le
cr:rps de .' homme comme une ,"-chlne- tellement baU. et composee
d de nerls, «museies C.d qu'encore IJlenqu'lI n'y e(it en lul
CCIII U   pas de se mouvolr en toutes /es memes 'a-
gons qu".. 'alt. prese'!t. Iorsqu'lI ne se meut point par·" dlredlon de
r. ont .. e, nl parcon.s.equent Pi. I'alde de/'esprlt. mab seu/ement par
v' sposltlonde se.· organes (16.1: .81). .
Die durch die Trennuna von Leib und Seele möglich gewordene, rein· me-
chanistische Erkllrurtgde' Körpers stellt die diskursive Voraussetzung ... (Ur
seine .. Disziplinierung ···und die Gestaltung seiner Bewgungsabl:iufe nach dem
Muster derzurselben Zeit entstehenden Automaten. dar. Wie die moderne
Zeit in .unendlich kleine, einzelne Momente zerlegt werden kann, so wird
auch die menschliche .Bewegung in kleinste Teile zerlegt, um auch noch die
geringste Zeitspanne auss(:höpfen zuköonen. Dank ihrer·· Trennung vom Geist
werden mensctJliche Körper nach dem Uhrenmuster gedrillt, das Gewicht der
PasslOnE" Whd dUtEnd.! Ils AemrnunRen  
nen kontrolliert. Die Geburt des· neuen Menschen aus der Zeit maschine macht
ihn zum. der" und zur Marionette von Politik
Mkonomie und KriegsfUhrung(Foucault 1975: 154). Die Automatisierung
Körpers, die zeitliche Aufgliederung und Bestimmung seiner Bewegungs-
abllufe in immer kleinere Abschnitte bereitet seine. Ausbeutung als nun nicht
mehr metaphorisch zu Maschine in Armee und Fabrik vor
(foucault I91S: • SSf.). Freiheit des Geistes !Jnd der Körper
bedingen einander, bis sich schließlich der Geist durch völliRe Loslösung von
seinem Körper zum reinen· Geist, zum irrealen· Plural .der Ceister
verflüchtigt. Denn nicht nur der einzelne Körper funktioniert wie eine
Maschine, sondern auch das Zusammenspiel verschiedener disziplinierter
Körper in der gesamten. Armee. Dieset rigorosen zeitlichen Disziplin seiner
aus tIhommes-machines" bestehenden, bald ganz Europa als Vorbild dienenden
-armee-mllchine" hatte der freileist Friedrich 11. seine militärischen I\dolge
zu. verdanken. Auf dieser CrundlaRe war es LaMettrie, seines Zeichens
Mit.lie
d
der . preußischen Akademie, ein .flUChtig gcwordenen
Geist einzusparen und den lesamten Menschen mit Hilfe der
Maschinenmetapher zu erfdären.
1. Zcitals FOnnundObJekt der. Anschauung. Matchiaellc p1Oduktion von
Zeit. Zeit der Zei""aschiften. Techno-(jcnese. des Zeitaeistes.
Theorie und Technik, mechanistische Metaphern und PerfektionieruORvoo
Maschinen beschleunigen gcscnseitiR ihre Entwicklung. DescartestMedltations
metaplrySlques folgt· eine ErfindunR auf dem Fuße, die' eine neue technische
Umwllzung auslösen sollte: HtJyghensEntdeckung der regulierenden "'irkung
des Pcndclsh6S6) und die bald darauf folgende Erfindung der AnkerbemmUna
durch den Engländer "'illiam element (1611) ermöglichen die Herstellung
mechanischer Uhren von bisher nie dagewesenc:r Prizislon. Die neuen Uhren
emanzipieren sich. vom Menschen, denn sie werden von den bei allen 'bisheri-
gen .. Uhren notwendigen, regelmäßigen RegutierunRen einen Uhrwerker
Mit der vier Jahre später ebenfalls von HUYRhens gemachten Er-
findung (t67S) wandern die Minutenzeiger auch auf -
Taschen- und Sackuhren. Ankerhemmung und Spiralfeder knUpfen das den All-
tag umspannende Netz feinmaschiger. Das Bewußtsein wird sensibilisiert fUr
die von. der objektiven Uhrzeit abweichende Zeitwahrnehmung. Die
psycholoci
sche
Subjektivierung der Zeit hängt mit der VerbrdtunR der neuen
Anker-, Pendcl- und Taschenuhren mit Spiralfederaufzug zusammen. Die indi-
J. Mecke, Zeitmaschine und Zeitgeist Appareils et machincs , representation-
131
viduclJe Tasr.hcnuhr macht zunlchst deutlich, daß jeder, der sicbesitzt, Ober
seine -cisenc Zeit verfUgt. Zeit ist nicht mehr in der Hand   sondern
in den Wohnhlusern und Taschen fast allcr BUrgcr, die Chrono-Diktatur von
Staat und Kirche vcrwandelt sich in cineChrono-Aristokratie. Dic _lfÖICrc
Verbrcituns und Omniprlsenz der Uhrcn sctzt subjektiven Zeiteindruckund
objektivc Zeit bestlndig miteinander in Bcziehuns. Aus diesem Kontrast
entsteh! die subjektive, innere Dauer als psychologischc Größe. Lockes,
empirische Psychologic kann··JO die Entstehuns der Zcit im Essay concernlng
human understandIng auf - den menschlichcn Geist allcin zurUckfUhren: Dic
ldecder subjektiven Dauer wird durch dic Reflexion auf die Abfolsc der
-Yorstclluf18C" geWonnen.- Dal Bewußtsein von dieser Dauer iit gebunden.n
dieTltigltcit .1 Geistes. Hört dicse wlhrend desttaumloscn Sc:hlafcsauf,
oder konzentricrt. sich .• dasBcwußtscin· auf eincn einzigen Gcsenst.nd,so
erscheint ihm die Zeit in der Wahrnchmuna kUrzcrab sie eisentlich ist
(Locke 1690: .12).. Im Unterschied zur ·subjektiven Dauer ("duratlon")
reserviert Locke den Ausdruck-timc· fUr die
ThlsCons(deTat'on ofOuratlon, asset out byeertaln Periods, attd
marked by eerta'n -. Measures or •. Epoclts, Is that, ,. thlnle, ·whkh m.ost
,woperlywe ca" Time h69O; 117). ._ ... -
Dabei wendet er sich ausdrucklich ·gclcndie _ von rlumlich
Z,it und subjektiver. Dauer, die allein au. der· Reflexion auf
"cchsel und Abfolcc der Ideen im Geist entsteht (Lockc i:6g0:
Aus der vonLockc erfaßtcnSpannung von subjektiverDaucr und objektiver
dererst;eZcit-Rotnander sein romankri-
tisches Potential: Sternesl7S9: - 1761 veröffentlichter Roman Ufe attd Opl-
nlons of Trlstram Shandytreibt .ein Spiel mit der Chronologie, umspielt sie
irOl)is<:h humorvoll, um' aus der ZerstörunB linearer Uhr-Zeit, aus der Gqen-
Ilufigkeit von sUbjektiver Daucr und ChronolClKie eine spezifische, fiktive
,Zeit der Srzlhlungzu schaffen. Die Lebensgeschichte Tristrams wird immer
wieder dufch das Spiel der AssoziatiOnen, das durchpseudolcausale Argumente
"pr.. r 1...I'Si'iuiliul wlid,· UlitElbiutlieft mtI t1JfCfternanBergewrmerr:- ,'"
Lebensabschnitte und Daten werden je nach den spontanen SprUngender Ein-
bildungskraft und Erinnerun. des Erzlhlers· durcheinandergewIrbelt, die L1inge
der Kapitel variiert von zahlreichen Seiten Uber wenige Slitze oder einer ein-
zigen Frage bis zu ihrer ".reductio ad nihilum"in Form, einer geschwlrzten
Druckseite. Stcrncs Erzlhlung reproduzicrt den von- der Uhrzeit
abwcichcnden, rein assoziativen Gesetzen folgenden "train of ideas", aus
dessen Reflexion dic Vorstellung subjektiver Dauer entsteht (lOckc 1690:
112). Der Zusammenhang zwischen subjektiver und objektiver Zeit wird dabei
von Stcrne in den Anfangskapiteln sinnfällig gcmacht:
Shandy motiviert seine Lebens- und ErzlhJweise durch die unglUcklichen
Umstlnde seiner Zcugung, wobei· sich in der Figur des Vaters ein typischer
Antipode Tristrams zeigt: G.ewOhnt, seinalltlgliches Leben wie ein
einzurichten, pllegt Shandy das Aufziehen .der großen, Hausuhr ·mlt ·der
"Erlcdigunggcwisser anderer Familienangelegcnheitcn
fl
zu kombinieren. Mit
der ··'entwaffnenden Klartextes legt Sterne die diskürsive
formation aus Ökonomie, Rationalitlt und Technik frei:
Myfather, YOel must know, who was orlglnally a Turleey merchalltC·;]
was I belleye, one 01 the most regular men In eyerythlng he, dld,
whether·. 'twas matter ofbuslness,or matter of amusement. As a small
speclmen 01 exactness 01 hls, to whleh he was In fruth a
slave, _ he had made It • TU'« for many y.ars ofhls "fe, - on the first
'Sunday nlght .ofeyer, monCII. throughout the who/eyear. - aS
r
e!!ta'n
as eyerySvnday mlght come·- to .wlnd up a large house-oclock L··:.!.wlth
Ms   some,whereb!tween",tyand slxty yearsof
r,? he h-" "leew,Ise· ..g'rad.U4.lIy br.oughe some. other IItt.'e. famlly
.ge, I··U ., -" Id It' to
eoncernments to the. same period, In order, as he wouo ,en say
my unele Toby, to getthem aUout of the way at ane time, and no
more plagued and pestered wlth· tltem the rest 01 the months h7S9.) 391
Die folgcn ,dieser GcwOhnheit. werden mit dem' Instrumentarium Locke'-·'
scher Assoziatioospsychotogie trefflich analysiert: Sic fuhrt zu einer
unnaturlichenldcenassoziatioo beiMrs Shandy, die ihren Mann 'bei der,
Erlediaung seiner "family concernments" mit der Frage unterbricht "Pray my
dCar have you not forgOtto wind up the dock?" h7S9: 3S)· Der
Analyse· folgt eine Demonstration. cartesianischer . Physik:
Durch dicse Unterbrechung werden die .Animalgeisterzerstreut, 'deren-
Aufgabe .es ist,· den Homunculus zum Ort seiner Empflngniszu -begleiten, so
daß Tristrams Vater mit .Recht behaupten kann: "My Triseram's misfortuncs
began nine "enonths before hecame to the world
tl
h7S9:37).
Der Roman konfiguriert· in den Eillieitungskapiteln metonymisch, Was die
Entstehung seiner. Form ermÖglicht hat: die Geburt der .. psychologischen,
subjektiven Roman-Zeit aus der Spannung zur uhrzeitlichen linearität.
.'
J. Mecke, Zeitmaschine und Zeitgeist
Appareils et machines a 13]
Die neuen Zeitmaschinen fUhren nicht nur zur Entstehung subjektiver
Dauer, sondern liefern der rationalistischen Philosophie durch ihre große Pri-
zision und Autonomie eine neue universale Hintergrundsmetapher
8
, ein
abJOlutes Modell, d.h. sowohl' ein theoretischer Erkläru.. als auch
ein Vorbild furdie Praxis. Bereits bei Descartes und Geulincx wird das
Zusammenwirken von Körper und Geist, Leib und Seele mit der Metapher
zweier Uhren .erkalet. Mit Hilfe des neuen Wunderwerks der Prlzision und
Autonqmie entwickelt Leibnizan der Schwelle zum 17. Jahrhundert den·
Crundaedanlcen seines Systems. In einem 1696 veröffentlichten Brief wird das
Uhren,leichnis nicht nur zur Metapher. fUr das Verhältnis von Leib und Seele,
sondern zur. Hinterpundametapher seiner Besamten kosmolosie. Wie sehon
.Descades'und die. Okkasionalisten vor ihm, verBleicht Leibniz Körper und
. mit Iwei Uhren. Wlhrcnd die JCwdmliche Philosophie eine
"echselwirk... VOll Geist und KÖrper vermutet, die· wie .Zwci Pendeluhren
am $CIben .HoIzbalkcn befestiat sind,· deren GleichsehlaB durch die
.IJbettr.... der Sdtwiftaunlen erreicht wird,. und wlhrend der
annimmt,da8 Gott als transzendentaler Uhrwerker.als
-Deus ex ·machin.- b696= .,,) die beiden Uhren Körper und Gcist·bcstlnditl
aufeinander abstimmen muI, acht Leibniz in seiner Theorie' der
'.' Harmonie 'davon aus, da8 Körper. und Geist wie alle
Substanzen UI»erha..,tVOII vornherein so Yollkommen .childet oocIreauliert
sind, da8,sie, indem· sie nur ihren ·eiaenen ,Gesetzen. foJaen, sich miteinander
im Gleichklana 'befinden.'Bci Gottschcdwird die Pr.zision der neuen
Pendeluhren zur Hinterarundsmetapher fUt Geschichte, Staat, "Isthetische
VOllkommenheit und die .klappernde Rhetorik der streng logischen Darstelluns
seines 10 -
Handwerker des 18. Jahrhunderts setzten die Träume des Rationalismus in
Form von Mensehen-Automaten als zur Anschauungaewordenemechanisti-
schePhiJoJOPhiein die Wirklichkeit um. Die Menschwerdung der Automaten
verlluft parallel zur Automatisierung Tätigkeiten. Mensch und.
Automat werden' durch die   .. ...
kompatibel gemacht. '
Von .nun· an "btdie Uhrentechnik an der Spitze der Entwicklung industriel-
ler Maschinen und neuer Produktionstechniken zu finden. Zeitmaschine und
Zeit der Maschinen stehen in einem unauflöslichen Zusammenhang gegenseiti-
aer Bedingung: 1772 verwirklicht ein französischer Uhrmacher, woran
Voltaire zwei Jahre zuvor kläglich gescheitert war: In Beaucourt, in der Nähe
von ,'Nontbeliard, grUndete er eine Uhrenmanufaktur, die selbst . nach dem
Vorbild des Uhrwerks funktioniert: Die ca. 100 Bauern' und Handwerker, die
bei ihm zu Angestellten und Lohnentpfängern werden, fertigen nach dem Ma-
nufakturprinzip keine ganzen StUcke, mehr, sondern in sich beständia wieder-
holenden Produktionsabläufen standardisierte Uhrenteile. Auf diese· Weise
konnte die fUt diedainaliJe Zeit einzigartise StÜCkzahl von 100.000 Uhren
mit Ankerhemmung pro Jahr erreicht, werden. Die Erfindung der . Pendeluhr
erlaubte die pdizi,e feststellung der zur Produktion eines Objekts verbrauch-
ten Zeit und damit die Standardisierung von Produktionskosten, die wiederum
die Voraussetzuna darstellten fUr die Automatisierung der .
. Insofernist Lewis Mumford wenn er in seinem BUch Teehnlcs
and Clvlllzationdie These aufstellt, fticht die Dampfmaschine. sondern die
Uhtsei die MalChineder incbuiellenRevolution (Mumford 1934: I .... D'ie
mit der· SerienproduktionermtilUchte •Preissenkung macht· den Uhrensektor zu
einern der ersten Experimentierfclder des modernen Kapitalismus. Der Wert
einer Ware liegt dank dieser Veränderungen nicht mehr in ihrer Oualitlt oder
Seltenheit, sondern in der QuantitätderbellÖtigten Arbeitszeit, die von nun
an im Zentrum der Aufmerksamkeit steht. Abgesehen 'von 'fIaffen, sind 'Uhren
die, •. ersten. Serienprodukte des. prQtoindustriellen Zeitalters.Daf\k ,der. neuen
Pendel- und Taschenuhren entdeckt ,bereits der FrUhkapitalis.mus die 'technik
der Prod9ktionder Nachfrage durch das· Angebot (Attali 1982:· 178f.1. Die
neuen verbreiten sich dank sinkender Preise an der SChwelle zum
19. Jahrhundert in fast allen Haushalten. In Bezug auf das neue Industriezeit-
alter sind Uhren, die schon die Ilbergabe der Macht von den Klöstern an die
Sttdte(Rathausuhren) im Mittelalter eingeläutet hatten, wiederunt Indizien
, eines Machtwechsels. Die Rädcruhren 'auf den RathaustUrrnen werden durch
die Pendeluhren in den Fabriken und in den Bahnhöfen abgelöst. 1797 wird
(zum zweiten Mal) die Dampf.maschine erfunden: diesmal allerdings von
James Watt unter Mithilfe eines Uhrmachers und im Rahmen einer
ten diskursiven Formation, in der Tempo von unschätzbarem Wert war, und
Zeit folglich durch höheren Energieaufwand gespart werden mußte.
Zeit als abstrakte fOrm der Anschauung zieht eine Veränderung
temporalen Verhaltens mit sich. Als autonome Form wird sie zunehmend
selbst zum' Objekt der Betrachtung. Da sie menschliches Handeln in
zunehmendem Maße organisiert,. Tltigkeiten auslöst und beendet, rUckt sie
selbst In *5 eeheloU,' des ."telusu. Be.   ..
abstraktes 'Verhlltnis zur Zeit. Damit sind •bereits' die Grundlagen fUr ,eine
"Kehre" der 'existentialontoJogischen Ableitung der Uhrzeit- aus der
existentiellen Haltung 'des BeJOrBcos und Rechnens mit Zeit geschaffen. Die'
Existentialontogenese der Uhrzeit aus der Zeitlichkeit des Daseins schlägt um
Die ,durch die Industrialisierung im Takt der Anker- und Pendeluhren
beschleunigten gesellschaftlichen Umwlilzungen schaffen bei gleichzeitiger
Verllngerungder Lebenserwartung Clmhof 198,: 1,8) dieVoraussetzunI fUr
. die EntstChung .......iIchen, 8cwu8beins. Die Beschleunigung des technischen,
wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels reduziel't die Dauer der
einander ablösenden Epochen erstmals auf eine Zeitspanne, die geringer ist,
als die der zu erwartenden Lebenszeit. Es, wird dem Einzelnen möglich, Ober
denciseoen, begrenzten Zeithorizoot. zu schauen und die aktuelle Epoche
einer vergangenen kootrastiv gegenUberzustelien. Solange die Lebenszeit des
Einzelnen im Verhlltni. zur Epochenzeit ,nicht lang genug ist, um den histori-
schen ,Wandel zu erfahren, bleibt Geschichte abstraktes Objekt, rein
theoretischer Betrachtung. Die Beschleunigung historischer Abllufe'
erRIÖIlicht es, Geschichte anschaulich, eigener Erfahrung und erster Hand
zu, erleben. Nicht nut Zeit, sondern auch ihre geschichtliche Gestalt wird nun
zum Objekt einer Anschauuog, die; den Geist veranlaBt, sich selbst als Geist
der ,Zeit zu verstehen. ,Eseotsteht ,das spezifische Apriori des Erlebens YOO
"GeschiChte: 'die vorausgesetzte Asymetrie zwischen Ge,enwart und Zukunft,
die' Erwartuog,daß die Zukunft radikal anders seink6note als die Gegenwart.
Zeital. relative, kOnkrete 'und sieh dem Handeln jeweils elastisch anpassende
Foliefaat' sich von der Praxis ,eIOst und ist zur ltancn, abIInktcnund·......
,eworden, zum 8ehllter, innerhalb dessen sich das menschliche
Tun abspielt. 10 der Kant'schen TranszeodentalphilOsophie 'findet ' dieser
Tatbestand einer neuen diskursiven Formation zum ersten Mal seinen ad-
lquaten, Ausdruck inder Erhebung der abstrakten Zeit zum Apriori.
Haodeln vollzieht sieh nicht mehr als Durchdringung und Gestaltung von Zeit,
sondern es' ,eschieht ',in der Zeit.
in die durch Zeit maschinen eingeleitete und durch diskursive BrUche begleite-
te Technogenese des Daseins•
Im Extremfall Zeit nicht mehr handelnd gestaltet, angeeignet und zur
eigenen, individuellen Zeit gemacht, sondern wird zum Zeitstrom, der an
seinem Beobachter ,vorbeifließt, ohne daß dieser in ihn eingreift. Der bloBe
Beobachter einer Zeit, die nicht mehr die eigene ist, hat das BedUrfnis, sich
bestlndig 'ihres Verlaufs zu, versichern.
135
Eine mögliche Strategie gegen die Allianz von Ökonomie und Zeit maschine
entwickelt Diderots ehemaliger Freund und Mitstreiter Jean Jacques
Rousseau. Nachdem eine verhaßte, den Tag bis ins kleinste Detail bestim-
mende Arbeit äls Kassierer durch eine Krankheit unterbrochen wird, die ihn
fast das Leben kostet, beschließt er, alle Zukunftspläne aufzugeben und von
nun an statt unter dem Joch des Zeitplans einfach in den Tag zu leben. Dem
Diderot deckt diesen Zusammenhang zwischen Nicht-Handeln und Zeitbe-
obachtungitl der Figur des "Maare" aus Jacques le FatalIste auf: Dessen
Verhlltnis zur Zeit beschrSinkt sich auf regelmlißige Blicke auf seine Ta-
schenuhr. Die Haltung desuMaare" entspricht zwar nicht einem philosophisch
fundierten Fatalismus, dessen Theorie sein Diener Jacques vehement vertritt,
um ihn in der Praxis umso mehr abzulehnen, sondern einer Art "phlnomenolo.
gischen, fatalismus". FUr ihn ist Zeit reiner FluB. Die Zeit, die (Ur
handelnden Diener als Sequenz von Absicht - Ausfuhrung - VC)lIendung, mithin
als ocganischesGanzes miteinander, durch die eigene TSitigkeit verbundener
Momente erscheint, 'btfUe •den passiven Maare reines Geschehen (;Iassen),
eine AbfolSe von . Zeitpunkten, "in ,der alles leschieht und die von, nichts
handelt" ,weil in ihr nicht "ehandeltwird. Er istunbeweslicher. Beobachte.r
einer beweglichen Zeit, deren' adlquate Reprlisentation fUr ihn die· Uhr ist.
Uhren sind deshalb für den Maare mehr als bloßeZeitmcsser; denn sie
daß die Zeit lortschreitet, sie . produzieren seine ,Zeit.
Fatalist ist Jacques' Herr also nicht nur, weil er im Gegensatz zu den
ethischen Implikationen philosophie, nicht handelt, sondern vor" allem
aufgrund seines rein abstrakten Verhältnisses zur Zeit, dessen
unmittelbar aus den neuen :..Zeitmaschinen und dem ökonomischen. DiSkurs, an
dendiese eingebunden sind, folgt.
Appareits et machines a representation
.,
!
,
t,
J. Mecke, Zeitmaschine und Zeitgeist

134

..
1)6
J. Mecke,Zeitmaschine und Zeitgeist
Appareils et machines j representation
137
neuenZeit-Verhiltnis "ird ··durch den Verkauf der Uhr Ausdruck verliehen:
·C·;] je vendis ma montre, cn me disant avec une joie incroyable: Gr'ce. au
ciel, je n'aurais plus bcsoin de savoir I'heure qu'il est" h7ba 11, 6)f.). Der
Zentreuna und Selbstcntfremdunc des· Geistes durch die Uhrzeit sucht er
durch die Konzentration. auf den Auacnblick cntgqeniu"kkcn. J>abeiwird
.der· .immanente A9nb1ick zumGepnpoa der Zeitauffass.... Er· ist nicht
,m* im Hinblick auf die Erkenntnis einer' Wahrheit (Descartes) oder .auf die
Offenbar.... Gottes "ertvoll, sOndern sein "ert besteht allein in der in ihm
realisierten. Sammi..... des Geistes, die das Heraustreten aus der .linearen Zeit
und cIas vÖI1i1e Auflehen in der Gqenwart ermöglicht. Die dialektische
iJe...... z"ischen subjektiver und objektiver Zeit tritt in dcn auto-
biclraPhischen Sdtciften Rouaeaus besonders deutlich. hervor. DieYOn der
Renaissance einceleitete .und unter Z-eitökonomischen Z"lnsen des Handcls-
kapitalismus durcbsefUhrte chronoloaische ,ResJementierung des Lebens
bedeutete •fUrden FrUhakolOlen Rousseau eineltftCrtrlllid1c EinJehrlnkUßI.
Mit ...... der Uhrverbindct er.symfdbch die A&Iehftunc der
Zeidoftomie .&ukunfbbezoaenerPlanUncunddes mit ihf lekoppelten
Zeic'.mcs.$ubjettive' Zeit.' •.• fUr .ihn'lucht meht alsinncte Dauer, sondern
als Moment edahrbar. In, den ReverIes dupromeneur $Ollt."'e steht der als
Gltlckerlebte ..,. Aupnblick reinet IImpfindunaim Gegensatz .
.....·...,...·Zeit.. Dabei kommt·. zu eincmneuen Gqen$atz
.".... .,ujeltphiloaqphisch&tt und individualpsycholoaischer Zeitlichkeit..
l)JeErRanaens.:haften •. philo$Oplrischer Sub)cktivierunadcr.• Zeit werden von
unter· dem . der psychoJoaischen . Subjektiviecuftl
IMerer. Dauerschliclltwea· ••dehnt.
In der z"eitcnPromenade "ird dieser Moment in Pormeines die Grenzen
der. ·lndividualitlt .. IpI'Cf1ICnden. Erlebnisses edahren. .Geist ist so. sehr
Zeit-Geist leWorden,· daS aluelserfUllte·. AUlenblicke 'nur au8crhaJb seiner
Herrschaft erlebt· "erden. Paradigmatisch ist dafür das Erlebnis nachdem
Sturz, von '_.., _
La nult s'ava",*lt.   .le deI, quelques etolles, et unpeu de.
verdUl'e. Cette ptemlue sensatIon lut un moment. dellcleux.3e ne me
sent"ls enCoce que par M. 3e nalssals dans cet Instant a·1a vler:••7
TOUC ent_ au moment,..esent 'Je ne ine souvenals de rlen; Je-n'avals
nulle· notion dlstlncte. de moll Indlvldu, pas Ia·· molndre Idee de ce qul
venalt de m'arrlver: Je ne savals nl qUlj'etalsnlou J'etals;/e ne
se'!tals nl mal, nl cralnte, nl Inquletude C.:.! Je. sentab dans tout mon
elre un calme ravlssant auque/, chaque lols que)e me le rappelle, Je
ne trouve tlen de comparable dans toute .I'actJvlte des plalslrs. connus.
h7bb: Uf.) ,
Der Moment absoluten GIUcks innerer Ruhe verwirklicht sich auf einer
prlthetischen, vorsubjcktiven Stufe, ohne Erinnerußl ":'" Er"artung
Auflehen im Erleben des Augenblicks. Innere HarmOnie und In
reiner .ra.enzerlahren, ohne Uberschreitung des Zeitpunktes Im Hmbllck auf
VerganJenheitund Zukunft. In der Zeitreflexion ,der fUnften wird "
der Ausenblick dem kontinuierlichen. Fluß des Lebens einerseits
den intensiv erlebten Momenten der Erfullung der Begierde. andererseits
"unschund. Etinnerung sind fUr die Zeitlichkeit. der
menschlichen· Existenz und damit fUr dessen Manael an Sclbstprlsenz verant-
ortlidl ......oqjoursen aYant ou·· en .arriere de ftOUS, elles (i.e. les affections)
:...:>lc .....
d
qui .'est plus"" pri:vl_t "avenltqul SOUVCrK ",dDlt
&pe, ........--, .. .... • .. . tta h ..
pointltre: il·n'y a den· Ii de. solide a quoile. coeur se pulsse. a.. cer
(171.: .17). Aus diesem Grund .• kann c aucb. die Erfullung der. BegJCrrden .• und
Wu-hc nLlt .IIUchtil. seineDcr .intensiv gelebte Moment der. ErfUllunghat nur
den· AnscheinderZeitlO$i&keit,decm erta:lgtin sich bereits, den Bezusauf .
, VerPntlenheit .'•.-cl da .er .uns nicht-edulke Momente. bedauern und
kUtUtiae ... ScfUllunaenwUnschen b8t.Ocr.· Mom.ent der" Bcfritdi,unader
Beliereien ist daher nicht zeitlos, son4crn seinerseits durch den Bezug auf das
Andereftuehti.er Zeitpunkt, "un etat tusitif ifait relretter
eMseavant, oudesircr quelquechose apres" h712b:871.
von .. Zeitpu-*ten(mQments) fuhren lediglich Zur Perpctuieru"i
Erstrecku«t&4caSub]ekts, .• wjhl'enddas..• höchste GIUck sich nur; verWirkli-
chen 118t,wenn jesJiche Uberschreitungdes Zeitpunktes
zendenz) .und .lJodzontaler(Erinncrung,. 8clehren) Dimension verhindcrt, w1r.d
ulld das Besamte Sein sich in einem der zeitlichen Zerstreuung entge,enarbel-.
tenden Auacnblick versammelt:
s'u oU I'.fine trouve. une assiette assez, ",Our s'Y
reposer tout entlere   avolr besolnde rappeller le n! d
bersur I'avenir: ou le temps ne solt rlen poue elle, ou le peesen.
touJours sans neanmolns marquer sa dueee aucune trace
successlon, .sans aucun autre sentiment deprivatIOn. nl de joulssance.
de laisir nl de pelne, de desir nl de cralnte qüe celul seu'. notre
et que ce sentiment seul PUls se la rempllttout ent,ere h7h
b: 87).
Die Erfullung dieses Augenblicks wird nicht durch den Bezug auf das An-
Appareils cl machines a representation
143
integriert .ist. Handeln Ibs fl " , de • , se t ver Uchtlgt Sich zu einer abstrakten Funktion,
, ren Subjekt nicht mehr die ausfUhrende Kx..-r-Masch" ----'- di
Ta I Z' " -.,... ane, e von
yon eltspezlabsten ,emessene Zeit ist Arbe't de "
die 'h im t L' • I er wer n zu Marionetten
sie ad der Uhren bewqen. '
Taylon von ihm selbst wiede
be't, " ra"'5"'......·"'... Gesprlch mit dem ersten Ar-
.. der nach den neuen Prinzipien funktionieren
HinSicht aufschlußreich: durfte, ist in dieser
Wenn Sie eine erste Kralt sind d
was diesel' Mann Ihnen sagt und' ann werden SIe morgen genau tun,
sagt, Sie' sollen einen RoIt;,sen,,:war vonfhmocgens bIs abends/ Wennf!r
dann heben SIe Ihn auf und ' rren au eben und damit weItergehen,
sollen sich niedersetzen und ge:.: damIt we/ter/ Wenn er sagt, Sie
tun SIe ordentlIch den .anze:.
u
dann setzen 'SIe sich hin. Das
Wlderrede/ (TaylorI9u: g4af.). Tag uber/ Und was dazukommt, keine
Es sollte dabei nicht der tI h ode E' " '
der " ' . ' usc e ,Indruck entstehen, der Zeitspezialist,
ist :e.::e sei das ,Wirkliche Subjekt derTltigkeiten. Tatslchlich
b' '" LI' Uhrender eines Procramms" das selbsttltig jede Handlung
IS Ins, IL einste' Detail r-elt De 'G'
V
' ' ,. • , r eist, auf diese Weise j,.';';liche
erantwortung für seinen KH.ftA " ,.,.-a', r
" t 1 B _.,...r entbunden, kann wlhrend des Acbeitens,.zum
neu ca en eobachter einer H ndI
, d' -'_L_' , a uns werden, die nicht mehr ihm gehört' Er
Wir, UiUlCr folaetichtig von Taylor als h 'de •
und ' , , ", e er r Sache hinderlich betrachtet
so. weat wie m6a1ich' aUSßCschlossen:
EIn' Mann, der sich In dem Be I .
wohl fühlt, mua natürlIch ' , ru eines Roheisenverlegers auf Dauer
tlgseln. tlel stehen und recht, glelchgü/-
elftJet zu einer Arbeit ' e gentel' Mann, Ist deshalb ganz unge-
Arbeiter, der sIch ambest;:'h zerreibender "Elnlörmlgkelt. 'Der
die theoretIsche Seite dIeser eIgnet, Ist deshalb nicht, Imstande,
zu verstehen (Tayloc 1911:6Z).
Dank der neuen Zeitmethode ' r
zeitiaer Stei e de' , ' ge logt es Taylor, die Arbeitszeit bei gleich-
.;. __L cl g rung r TageslelStuna zu verkUrzen,die Produktionskosten zu
XfllLen, e Anzahl der Arbe't
de,r verbl 'bende • I er von 400 auf 140 zu verrinaern und den Lohn
CI n Arbeiter" bis zu 6011 tdI
Xr&fater &m neuen System und seinen  
SIe (sc. dIe Arlielter: dIe nach fl,
bildeten dIe beste C:uppe von T Tay'or'schen System arbeitete'"
gesehen habe. SIe betrachten dlekh Jemalsbelsammen
Lehrer als Ihre besten Fre ,re Vorgesetzten, Ihre Meister und
um Ihr bISchen Lohn beln unde, nicht als rücksichtslose P/acker, die sIe
den und halfen höhere Li,.en wollten, sondern dIe Ihnen ratend be/stan-
, ne zu verdienen (Taylor 1911: 7S).
Ungeachtet dieser Einwltlde wurde der Tayloris
mus
zum weltumspannenden
.ystemUbergreifenden System, als ,der von den Prinzipien der 'Zeitbestimmten
Arbeit begeisterte Lenin Taylorseinen' Arbeitern und Bauern unter ,dem
Namen Stachanov wärmstens empfattl. In den. U.S.A. wurde der Taylorismus
bald eine wesentlich effizientere Methode abgelöst, die nicht mehr
menschlicher Transmissionsriemen zwischen Zeitschema 'und ausführenden
Körpern bedurfte. Fords von Taylor selbst bewunderte des Fließ-
bandes sparte die unökonomischen Zeitwissenschaftler ein und koppelte die
arbeitenden Körper direkt an die im Zeittakt arbeitenden Maschinen. Der
Grundgedanke seiner Organisation des Produk'tionsablaufs war dabei von
geradezu verblüffender Schlichtheit: Warum sollten Menschen zwischen
Körper- undProduktionsmaschinen geschaltet werden, wo' doch Maschinen
selbst als Zeitproduzenten die denkbar besten Zeit-Spezialisten waren?
Spätestens jetzt kann, was ,bei de La Mettrie noch reine Begri(fsmetapher
war, bereits als Synekdoche verstanden werden, allerdings nicht mehr der
Maschine fUr den Menschen, sondern des Menschen fUr die Maschine, deren
Teil und Anhängsel er geworden ist, Es dürfte kein bloßer Zufall, sondern der
Effekt einer produktiven Analogie oder Bisoziation sein, daß Ford die Idee
Bisher stand die "Persönlichkeit" an erster Stelle, In Zukunft wird die
Organisation und das System an erste Stelle treten (Taylor 1911: 4)·
Inder Tat sollte sich der ganze Betrieb, des höchsten Mana-
gementS den wissenschaftlichen Gesetzen der zeitlichen Organisation fUgen,
so daß die "Persönlichlceit" tatsichlich nur noch wie ein Zitat verganaener
Zeiten anmutete. Diese GrundeinsteIlung fUhrte dazu, daß sich Taylor unter
den damaligen Subjekten der Geschichte, den selbstherrlich und patenla-
Iistisch regierenden Kapitalisten viele Feinde schuf., DarUberhinaus ver-
schweigt Taylorauch die Effizienz seiner eigenen Arbeit: So standen in einer
spjter von ihm übernommenen Fabrik 4sArbeiter einer P6alanx von aB An-
gestellten gegenUber, die mit nichts anderembeschlftigt waren, als
Arbeit nach wissenschaftlichen Prinzipien zu am.lysieren und organisieren.
Was dic entlassenen 3
60
Arbeiter Uber die neue Methode dachten,
verschweigt Taylor. Der Erfinder des Zeitsystems verschweigt auch seine
ungeachtet der guten Resultate erfolgte Entlassung bei der Bethelem Steel
Company. Der Grund lag in den Prinzipien seiner Betriebsfuhrung selbst, die
er in der Einleitung seines Hauptwerks unmißverständlich deutlich machte:
'J. Mecke, Zeitmaschine'und Zeit,eist 142
1,.0
J. Mecke, Zeitmaschine und Zeitgeist
Appareils et machines a representation
Vermögen Schritt zu halten, wird dem "Mythos Maschine" aufgebürdet.
abgetan, wlhrend der Provinzalltag in allen unscheinbaren Details ausgebrei-
tet wird. Der reiBende Zeitstrom des geschichtsorientierten. Romans wandelt
sich zum ZIllen und trIgen Zeitfluß alltlglichen Einerleis. Aus der Konfron-
tation des medialen Zeitbehllters mit den splrlichen Ereignissen entsteht fUr
den Leser ein rezeptionslsthetisches Pendant zur unerfullten Zeit des IIEnnui"
EmmaBovarys. Die subjektive Verzerrung der Dauer hllt in den Roman
Einz...
In dieser Sensibilitlt flauberts den Bedingungen seines Mediums gegenlJber
liegt auch clerGrund fUr den ersten Versuch des modernen Romans, Zeit als
Medium der Erdhlung zu tlberwinden. Lange bevor die Bilder laufen lernten
und Literatur im "Zeichendes films" (Hauser 1953: 10Q1) stand und im
Simultangedicht mit neuen formen experimentierte, entwickelt Flaubett eine
probate narrative Technilc zur Verwirklichung von Simultanitlt. In der
Marlttsune. in Madame Bovary werden drei Handlungsebenen Sf?
ineinander verflochten,. daß ihre Gleichzeitigkeit nicht, wie 'in der bisherigen
Romantechnilc, durch. Zeitadverbien und Tempora intellelctuell rekonstruiert
werden muß, sondern vom Rezipienten· konkret durch die Lelcture erfahren
werden kann. Flauberts Simultantedrik antizipiert .das Dispositiv einer
Wahrnehmunssform, die sich in den Großstldten des ausgehenden 19.
mit des Tempos herausbilden wird.
4- als Penn der Zeit. Zeitpmduktion cIurdl Litera...
Mit clerBeschleunigung der Zeit durch neue, teChnische Errungenschaften,
wie Tdegraphie, Telephon, Automobil, Rotationspresse und in
der Bevölkerungsexplosion .in den Gr08stlfdten wird der Mensch als Subjekt
seiner Geschichte mehr und mehr entmachtet. Der Wunsch, auf der Höhe der
eigenen Zeit zu bleiben, wird zur Utopie. Da die Beschleunigung Zeit
durch Maschinen produziert wurde,. nimmt es nicht Wunder, daß die
Kompensation dieser. Beschleunilung .. gleichtalls XO!!   '"
wird. Die von Wells in seinem Roman The Tlme-Machlne (1895) entworfene
ZeitlTlaschine die Reise in der als vierte
Dimension Zeit durch ein im Vergleich zur normalen Geschwin-
digkeit gesteigertes Tempo. Was der menschliche Geist nicht mehr zu leisten
vermag, mit der Geschwindigkeit der Zeit durch Erweiterung seiner
Mit der fortschreitenden technischen Entwicklung wird Zeit selbst mehr
Jjnd mehr als Subjekt der Geschichte angesehen. Dies gilt sowohl für die
gröBeren geschichtlichen Zeitabschnitte als auch fUr die kürzeren
Zeitspannen, die den im 19- Jahrhundert, dem Zeitalter der industriellen
Revolution entstehenden Alltag einteilen.
Da Zeit Geld geworden ist, gilt es, die Arbeitszeit der Werktltigen
möglichst extensiv und intensiv zu nutzen. Dies wird in der Entstehungszeit
der Fabriken durch die ausschließliche Zeit-Kontrolle durch den Arbeitgeber
möglich. Manipulationen der Werlcsuhren zur' heimlichen Verlängerung der
Arbeits- und zur Verkürzung der Freizeit sind an der Tagesordnung. Entspre-
chendist' es Arbeitnehmern verboten, eigene Uhren in den Fabriken zu
tragen, die die Kontrolle der Fabrikuhren ermöglichen würden. Diese Methode
ist jedoch nur von geringer Effizienz und spätestens mit der Herstellung der
berUhmtenlngersoll-Taschenuhr, die von jedem Arbeiter für einen Dollar
erstanden werden konnte, nicht mehr praktizicrbar. Zur gleichen Zeit weist
ein junger Incenieur bei der Bethlehem· Steel Company einen
zukunftsträc'htigeren Weg: Frederick VI. Taylor sah das HauptUbel
betrieblicher Produktion im zu groBen Einfluß der Arbeiter auf die Her-
stellungszeit der Produkte. Seine Abhilfe bestand inder Zerlegung von Ar-
beitsvorgängen .in kleinne Segmente, die zeitlichgenau· vermessen wurden,
um dann falsche und zeitraubende Bewegungen auszuschalten und die Bewe-
gungsabläufe auf die effizientesten festzulegen h911: 126). Zeit ist hier
nicht mehr abstrakte Form, innerhalb derer sich das menschliche Handeln
vollzieht, sie kontrolliert nicht mehr bloß die Tätigkeiten, sondern bestimmt
sie selbst. Zeit durchdringt den menschlichen Körper, bestimmt jede einzelne
seiner Funktionen und macht die Bewegungsabläufe zur reinen Funktion der
Zeit. Das Verhältnis von Zeit und Handlung, das für die . Zeit vor der
Renaissance charakteristisch war, kehrt sich um: Zeit wird nicht mehr den
Formen menschlichen .Handelns entsprechend gestaltet, sondern dieses
Handeln nimmt(Jie Form der mechanischen Uhrzeit ingenau abgezirkelten
normierten und standardisierten Bewegungen der Arbeitsmaschine an. Hand-
lungen werden eine Form der Uhrzeit, der sie ausführende Mensch zu einem
Anhängsel der Maschine, zur 'Maschine, die in eine größere Maschine
Was die entlassenen 360 Arbeiter Uber die neue Methode dachten,
verschweilt Taylor. Der Erfinder des Zeitsystems verschweigt auch seine
unceachtet der guten Resultate erfolgte Entlassunc bei der Bethelelll Steel
Company. Der Grund lag in den Prinzipien seiner BetriebsfUhrung selbst, die
er in der Einleitunl seines Hauptwerks unmißverstlndlich deutlich machte:
..
.J. Mecke, leitmaschine W1d ,leitleist
integriert. ist.' Handel 1bs f. .
" " n se t ver IUdatiat sich zu einer abstrakten Funktion,
deren Subjekt nicht mehr die ausfUhrendc KHro-r-Masch" --_.1- di
T Iors l
.' Ine, _.lUI;rn e von
ay eatspezialistcn lem l " . "
. esscne elt 1St. Arbeiter werden zu Marionetten,
die Sich im Takt der Uhren bcwqen.
,
I
!
Appareils et machines j representation
143
Taylors von ihm selbst . d-- .
be
" de " wle_&&ccebenesGesprlch mit dem ersten Ar-
Iter, r nach den neu p..., f .
. . en nnzlplen unktionieren durfte, ist in dieser
HlnslchtaufschluSreich:
Wenn SIe eine el'ste KI'aftl d. .
was, diesel' Mann Ihnen t sn, dann werden Sie morgen genau tun,
sagt, SIe sollen eInen unct,:wal' von lnOI'gens bis abends! Wenn er
dann heben Sie Ihn auf, lenrren und damIt weltel'gehen,
sollen sich nltldel'setzen, und" gehen damit weItet'! Wenn ersagt,Sle
tun SIe . Ol'dentllch den und dann setzen Sie sIch hIn. Oas
Wldel'rede! (Tayloc 1911: g:iL;:n Tag ubec! Und was dazukornmt, keine
Es sollte dabei nicht der es L_ •
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·.'f " ' ,U5CIICnde Eandruclc entstehen,. der leit-zialist
• r e ehle eR .1
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" t" I_i 'J.ch el t" SCI S warkl,iche,Sub,'!ie,lct derTlti8keiten., Tatslchlich
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.'. , ....ruo;r eanes resramms,das sclbattltis jcdeHandi
bis ms Iclelnste Deta'l 'I' ,uns
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, ' , ' ' ' I rege t.Der ,Geist, auf diese Wei,seiPglicher
erantwartuns ,fue sei K"-- ,,-
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D--.I.._ ", nen -.-rentbunden,kann wlhrend des Arbeitens zum
neutra en ucuuachter, ., Hand!' .
wird daherf' '. .elner"" ung werden, die nicht mehr ihm gehört. Er
und
, ," • von Taylor als eher der Sache hinderlich betrachtet
so welt WIC mtf8Iich aCD8Cschlosscn:
Eilt Malln,.,. Jkh In de Be
wohl fOhlt, muI natU,.,.' m, • ruf eines RoheIsenverlegersauf Oauer
tlg '.,'''' Eilt auf! ewec:
h
geIstIg sehl' tief .stehen und recht glelchgUI-
eignet zu ,eIner 9Arbeiter, intelligenter Mann Ist deshalb g.nz •• unge-
"'I'beltel', 'der sich am' 't von zerl'elbenc:lel' Einförmigkeit. Der
dIe theoretIsche SeIte :f
sten
  eIgnet, Ist deshalb nicht Imstande,
esel' Mt elt zu verstehen (Taylor Isn1:62).
Dank der neucn Zeitmethodc r, ' .
ze"t. • St· ", .'., se Ingt es Taylor,die Arbeitszeit beilleich-
I 18er e1lerq der Tasesleistung ,zu verkUrzen die, Produktionsk t
senken, cIc Anzahl der Arbe" ,", ',,' os en zu
de , rbI
" I.ter von 400 auf ,140 zu verringern und den Lohn
r ve eibcnc:len Acbe"t bi
Arbeiter dem neuen ., .. ler '. s zu erhöhen. Daher
System und seinen Exekutocen 8
e
lenUber: ' ,
SIe (sc. dIe Arbeltel' dl h
bildeten dIe beste C:uP';: ::: Tdem.. Taylol"schenSystem arbeIteten)
gesehen habe. SIe betl' eh age/ohnel'R, die kh jemals beisammen
Leltl'er als Ihre besten F, a ten lhl'e Vorgesetzten, Ihre Melstel' und
um 1Itl' bISchen Lohn nicht als rücksIchtslose Placker, dIe sie
den und halfen höhere i..!J.en wollten, sondern dIe Ihnen ratend belstan-
• ne zu verdIenen (Taylor 1911: 75).
BIsher stand dIe "Persönlichkeit" an erster Stelle, In Zukunft wird die
Organisation und das System an erste Stelle treten (Taylor 1911: ,d.
In der Tat, sollte sich der ganze Betrieb, einschließlich des höchsten Mana-
gementS den wissenschaftlichen Gesetzen der zeitlichen Organisation fUgen,
so daß die ·Persönlichkeit" tatslchlichnur noch wie ein Zitat vergangener
Zeiten anmutete. Diese GrundeinsteIlung fUhrtedazu, daß sich Taylor unter
den damaligen Subjekten der Geschichte, den selbstherrlich und paterna-
listisch regierenden' Kapitalisten viele feinde schuf. DarUberhinaus ver-
schweigt Taylor auch die Effizienz seiner eigenen Arbeit: So' standen in einer
splter von ihm Ubernommenen fabrik 45 Arbeiter einer ,. Phalanx von 28 An-
gestellten gegenüber, die mit niChts anderern· beschäftigt waren, .als deren
Arbcitnach Prinzipien zu, analysieren und organisieren.
Ungeachtet dieser Einwlndc' wurde der Taylorismus zumweliurnspannenden
systemtlbergreifenden .System, als der von· den Prinzipien der zeitbestimmten
"Arbeit be8eisterte Lenin Taylor seinen Arbeitern und Bauern unter dem
Namen Stachanov wlrmstens empfahl. In den U.S.A. wurde der Taylorismus
bald durch eine wesentlich' effizientere Methode abgelöst,,' di,e nicht, mehr
menschlicher Transmissionsriemen zwischen Zeitschema und ausführenden
Körpern bedurfte. FocdsvOn Taylor selbst, bewunderte Entwicklung des fließ-
bandes sparte die unökonomischenZeitwissenschaftier ein und koppelte' die
arbeitenden, Körper dirckt an die im Zeittakt arbeitenden Maschinen. Der
Grundgedanke seiner Organisation des Produ'ktionsablaufswar dabei von
geradezuverblUffender Schlichtheit: Warum sollten Menschen zwischen
Körper- und Produktionsmaschil'len geschaltet werden, wo doch Maschinen
selbst als Zeitproduzenten die denkbar besten waren?
Spltestens jetzt kann, was bei de' La Mettrie noch reine Begriffsmetapher
war, bereits als Synekdoche verstanden werden, allerdings nicht mehr der
Maschine fUr den Menschen, sondern des Menschen für die Maschine, deren
Teil und Anhängsel er geworden ist. Es dürfte kein bloßer Zufall, sondernder
Effekt einer produktiven Analogie oder Bisoziationsein, daß Ford die Idee

Appareils et machines ärepresentation
145
J. -Mecke, Zeitmaschine und Zeitgeist
FlieBba.u&-oduktion . Z . .• genau zu jener elt gekommen ist, als er bei einem
Juweher damit beschlftigt war, Uhren zu reparieren. Dort entwickelte er ein
fUr die Produktion und den Vertrieb von 2000 Uhren pro Tag, die
FheBband zu' P' einem reis von .Jo cent hergestellt und fUr einen Dollar
verkauft werden sollten. Zur Aufgabe ,des Projekts, das schon relativ konkre-
te. Formen ansenommen hatte, sah Ford sich gezwungen, da er nicht an eine
universelle Notwendigkeit zum Kauf von Uhren glaubte. Dies war, wie sich
fUn! Jahre ",ter herausstellen sollte, ein Die neuen, durch präzise
Uhren Produlttionsbedingungen' und die immer schneller
.TranspOrtmittel, die .lIsemeineHast als Folge der Knappheit von
Zelt machten eslebcnsnotwendig,immer die genaue Uhrzeit zu wissen. 1894
verkauften die BrUder I soll' de . . .. . . "ler In n Verel!1lgten Staaten bereits eine
Taschenuhren zu' einem Preis von einem Dollar, der sie fUr jeden
Arbeiter erschwinglich machte.
Mit der Verbreitung .der Insersoll-Taschenuhren hört die Uhr auf,. Insignium
der Macht zu sein und witdzum Symbol der Unterwerfung aller unter die
Macht der Zeit. Die Rede von der ChIonakratle bekom·t h' . . .. m ler eanen neuen
Sinn. Gemeint ist nicht mehr die Herrschaft derjenigen, die Zeit haben und
Uber diejenigen, die sie nicht ha,ben, sondern die Herrschaft
eines Ch.ronos, der unterschiedslos Körper· und Geist durchdringt. Mit dem
Erwerb einer I"lersoll-Uhr rUckt die Zeit der M·· h' de M . ., . asc Inen menschen zu
Leibe: Dem Arbeiter wird durch den Kauf nicht mehr die Möglichkeit der
Kontrolle Ober se' Z· . . . . '
. .. ane elt elngerlumt, sondern er entspricht damil dem neuen
Ideal der Arbe' t .- h' I smasc Ine, die auch in ihrer Frei-Zeit dem Diktat' des
ist und· dessen neue Kardinaltugenden Schnelligkeit,
PUnkthchkeltund Effizienz nun auch in seiner Frei-Zeit übt.
Mit den Zeitmaschinen des 19. und 20. Jahrhunderts wird dem Bewußtsein
mehr abverlangt, als dieses zur Verarbeitung des Tempos leisten kann. Der
und .. ununterbrochene Wechsel ,uBerer      
Immer wieder einstellende sich aufdrängenderImpres-
sIonenlI, die lIrasche Zusammendrlngung wechselnder Bilder" (Simmel· 1903"
188) nicht nur zum Zusammenbruch der bUrgerlichen Welt, sonden.
Zeitwahrnehmung. Die Simultangedichte Apollinaires und der
Relhungsstal der Expressionisten sind jedoch nicht nur formale KonkretiOJl der
mit 'der Beschleunigung des Gr08stadttempos einhergehenden Dissoziation der
Subjekte (Vietta 1975:3
2
), sondCrn gleichzeitig Versuch ihrer
,durch' die Ausbildung einer neuen Bewußtseinsform, die in der Lage ist, durch
die Simultanität des Disparaten die Beschleunigung der aufeinanderfolgenden
Impressionen zu verarbeiten. Zur gleichen Zeit der Roman nicht nur -
wie in WeUsBuch • Zeitmaschinen zu entwerfen, sonder analog zu den mo-
dernen Zeitmaschinen eine eigene spezifische Zeit zu produzieren. In Prousts
A Ja Recherche du temps perdu h9i3ff.) wird die Beherrschung der Zeit
allerdings nicht durch die ,', Gestaltung einer Handlung, sondern durch die
"memoire involontaire" geleitet , die in einer simultanen Zusammenschau im
Augenblick des "temps pur" zwei Momente zur Deckung bringt und in deren
Ubereinstimmung eine von der linearen Zeit abweichende, spezifische Zeit
kOnstruiert. Proust thematisiert explizit, was Joyce zum Kompositionsprinzip
seines 'Romans, gemacht hat: die Simulunschreibweise des Ulysses (1922)
erlaubt es, Motivgeflechte in verschiedenen, zeitlich voneinander entfernten
Punkten des Buches gleichzeitig zu behandeln. Deren rezeptionsästhetisches
Pendant, besteht darin, daß sich die Erkenntnis der Motivkomplexe nicht
sukzessiv, im Laufe der LektUre, sondern im Nu, d.h. im Modus der fUr die
Moderne, charakteristischen plötzlichkeit vollzieht. Es ist verschiedentlich be-
merkt worden,daß der Ulysses nicht erst bei der zweiten, sondern auch
schon bei der ersten LektUre nicht nur in der Kapitel, sondern auch
in beliebiger Reihenfolge gelesen werden kant).Die vom Roman modellierte
Zeit ,ist nicht mehrirreversibel,sondern folgt den Org,anisationsmustern
reversibler Zeit von Motivgestalten, ,deren geschichtliche Komportente zudem
noch durch den Bezug zum Ulysses' Homers als / von vorneherein bekannt
vorausgesetzt werden kann. Mit diesef Technik, deren zeitlicher Modus auch
mit der kitmotivischen Kompositionsweise eines "musikalisch ideellen
Ideenkamplexes'l im, Zauberberg Thomas Manns ubereinstimmt, produziert der
Roman nicht nur seine ,eigene spezifische Zeit, sondern setzt sich selbst in
den Stand, Zeit erneut beherrschbar zu machen. Insofern bedingen sich die
sogenannte II
r
äumliche Form
ll
(Frank 1945) und die Bevorzugung der Zeit als
das Thema des modernen Romans gegenseitig. Zeit-Darstellung setzt einen
Standpunkt voraus, von dem aus sich ihr Fluß betrachten und gestalten läßt.
Die narrative Zeitmaschine muß selbst uber einen sicheren Standpunkt
verfUgen, umfunktionieren zu können, die Darstellung der Bewegung setzt
relative Ruhe voraus.
J. Mecke, Zeitmaschine und· Zeitgeist
Appareils et machines a representation
147
Die auf diese "eise dargestellte Zeit kann dabei völlig entanchropomorphi-
siettwerden: radikal hat dies Virginia "oolf im zweiten Kapitel ihres
Romans To the IIghthouse (1927) demonstriert. In dem Kapitel "Time passes"
wird das reine Verrinnen der Zeit am Verfall eines Ferienhauses der Familie
Ramsay, ohne Handlung, jeglichen Bezug auf menschliches Handeln ver-
anschaulicht. Der NZirleel der Mimesis der Zeit" wird damit durchbrochen.
11
Dem' Verrinnen der Zeit stehen die wenigen "moments of vision" von Mrs.
Ramsay und Lily Briscoc gegenUbcr, die durch Schaffung perfekter sozialer
bzw••sthetischer Harmonie einen zeitenthobcnen· Augenblick in der doppelten
Bedeutung des englischen Wortes ,Nto reaUze" verwirklichen und erleben.
Bereits in Mn. Dalloway (1925) wird der spezifischen subjektiven Daucr
mit den Glocleenschllgen von Big Ben kontrapunktisch die Zeit der Uhren ge-
genübergesetzt, die den Dcwußtseinsstrom   Dort ist die Uhrzeit
vor allem romantechnisches Instrument zur Profilierung des Bewußtseins-
stromsder Figuren. Erst in Faulleners The Sound and the FurY (1929) wird die
Uhrzeit zu einer wahren Obsession, die den Bewußsseinsstrom niCht nur skan-
diert, sondern bestimmt.
Wie ein Motto seines Lebens und Sterbens leitet der Gedanke an die Macht
der Uhren den Bewu8tseinsstrom Quentins im zweiten Teil des Buches ein:
"Vlhen the shadow of the sash appcared on the curtain, it was between seven
and eight o'clocle and then I was in time again hearing the watch" (1929:92).
Uhren sind im Roman etas "Mausoleum" menschlichen und WUn-
schens, verantwortlich- fUr die "reductio ad absurdum" der menschlichen
Erfahrung. Quentin erhilt seine Taschenuhr nebst Zeitphilosophie von seinem
Vater, nicht um die Zeit zu besiegen, sondern um sie abund zu zu vergessen:
"It was Crandfather's and when Father gavelt to me he sald, QuenUn,
I glve you· the mausoleum of all hope and desire. It 's rather
eJCcrutiaUngly apt that you will use It to galn the reducto absurdum of
. all human eJCperlence, whlch can. fit your IndivIdual needs nobetter
than ltfltted hls orMs father's.l glvelt to "ot may
: 'i1icm"ea tim!,· lJut '"at }'C5u mJgnt rotget··..U nowand > then Ior a
moment and not spend all your breath trylng to conquer It
U
(1929:93).
Denn der Versuch, Zeit zu besiegen ist vergebene LiebesmUhe, der die
Figuren nicht einmal mehr den Reiz des Absurden abgewinnen können,. denn
"00 battle is ever won, he said. They are not even fought. The ficldonly
reveals to man his own folly and dispair, andvictory is an illusion of
philosophen and fools" h929: 93). Mit jenen VerrOckten ist niemand
geringerer gemeint als die Autoren der Moderne, deren Helden Zeit zu Uber-
winden glaubten: Marecls zeitenthobener Moment des "temps pur", Stephen
Heros "epiphanies", die· "moments of vision" Lily Briscocs, Mrs. Ramsays und
Mn Dalloways, Hans Castorps "nunc stans" usw. gehören endgUltig der Ver-
gangenheit an•. Uhrzeit und Lebenszeit stehen in unUberwindlichem GeRensatz
zueinander. Uhren ticken die Lebenszeit weg, wandeln sie in reine
Chronolosie um: "Bccause Father said docks slay time. He said. time is dead
as Iong as it's being c1ickcd of by little whecls; only when the. dock stops
docs time come to life" h929: 102 S). Uhren zerstören die Hoffnung auf die
messianische Zeit der Erlösung: "Christ was not crucified: he was warn away
by aminute dicking of Iitde whecls h929: 94). Uhren verzehren auch das
Bewußtsein Ouentins. Bcstlindig fragt er sich nach der Uhrzeit: "And so as
soon as I couldn't sec it, I began to wonder what time it was". Die
Tlttigkeit des Bewußtseins reduziert sich auf das mit dem Blick auf die Uhr
identische "Jetzt-Sagen", das Heideggersexistentialontologische Analyse als
fUr den vulgliren Zeitbegriffcharakteristisch herauSRcarbcitet" hatte
(Heidea
er
1927: 4
2If
.): "Facher said· that the· constant spcculation regarding
the position of mechanical hands on an arbitrary dial which is a symptom of
mind-function. Excrement Facher sais· Iike sweating (I 929: Cl4-). Und, in der
Tat ist Ouentin der Blick auf die Uhr zur zweiten Natur das
andauernde Nachsinnen den Stand der Uhrzeiger wird zum Zeichen eines
zwar tlttigen .aber verdinglichten Bewußtseins. Uhrzcidichkeit beherrscht
Quentins Denken und Empfinden so sehr, daß er versucht, sich durch die
Zerstörung seiner Uhr zu befrden:
"1 went into to. the dresser, and took upthe watch, w;th the face stili
down. 1 tapped the cristal on the corner of the dresser and caught the
fragmentsof glass In my hand and put them Into the ashtray and
h'Vlsted the hand offand put them in the tray" h 929: 9
8
)
Doch der Versuch der symbolischen Zerstörung der Uhrzeit scheitert: "The
watch ticked on" h9
2
9: 98). WasOuentin durch das Zerbrechen der Zeiger
symbolisch zerstört hat, ist nicht die Gewalt der Uhrzeit selbst, sondern
lediglich die· Möglichkeit ih(er Repräsentation, mit der· die Geschichte der
Zeitbeherrschung durch den menschlichen Geist ihren Anfang nahm. Oie zer-
Appareils et machines a reprcsentation
149
J. Mecke, Zeitmaschine und Zeitgeist
brochcne Uhr zeigt keine Zeit mehr an, dafUr bestimmt ihr Ticken jedoch
umso mehr Art und Rhythmus von Ouentins Gedanken. Die Uhr ohne Zeiger
wird zur Chiffre der Tatsache, daß Ouentin die Zeit nicht mehr vor Augen
hat,· diese fUr ihn kein Objekt der Anschauung mehr ist, sondern zum Motor '
dieser Anschauung selbst avanciert. Die Zeitmaschine wird zum Prinzip des
"train of ideas". Das Ticken der Uhr ist jene materielle Basis des Sinns, Jener'
Schall, der von dem Leben noch Ubrig bleibt, das das von Shakespeare
entnommene Motto von The Sound and the Fury als "eines Toren fabel"
bezeichnet, die jedwcden Sinnes bar ist.' Von der sinnstiftenden Handlung, von
subjektiver Zeit bleibt allein deren materiale Basis: "andthen I could heu
my watch tickiflR away in my pocket and after awhile ··1 had all the other
sounds shut away only the watch in my poc1'.et"h929: 102}. Die Figuren von
The Sound and the Fury egal ob sie - wie Jason IV und Ouentin -richtig
IIticken" oder nicht. wie der geistig behinderte Benjy sind kehle Subjekte,
sondern selbst Verkörperungen der Zeit. Jeder Versuch, Zeit zu zerstören ist
deshalb notwendig Sclbstzer.störung, auf die Zerstörung der Uhr folgt
Quentins SeJbstmord, d.h. die AuslÖ$chung des "train of ideas", den sie
antreibt.
s. Zekrcploduktion und Batlchwinden der Zeit. Von der Zeit des
Enllehw.... zum Vencbwinden der Zeit.
In der SplUphase des Kapitalismus wird die von Maschinen proCluzierte Zeit
auch von Maschinen konsumiert. Alte und Medien verbrauchen genau
jene Zeit, die durch maschinelle Zeitprodulction zusltzlich als Freizeit er-
schlossen wurde. Allein das Fernsehen verbraucht nach einer Statistik 40\
der. sogenannten ft'ci-Zeit, der Rest Reht zum Großteil auf das Konto von
Transportmitteln (Servan-Schreiber Ig83: 37). Die Zirkulation der Zeit wird'
nicht mehr vorn Menschen gelenlct, sondern durch ihn hindurch von
Zei*ps:oclnkaie... • .....   '-oun
eC
·-2n die
Zeitmaschine den Takt nicht nur fUe die Produktion von GUtern, sondern auch
fUr deren Konsum in der freizeit an. Im Maschinentakt drängen Waren auf
den Markt, bis die Freizeit nicht mehr ausreicht, sie zu konsumieren. Das
Verh:dtnis zwischenZeit und sie' ausfUllender Tätigkeit hat sich nicht nur im
Berufs-, sondern auch im Privatleben in ihr Gegenteil. verkehrt. Den
anwachsenden Butter-, Wein-, Video-, Fernseh-' und Computerbergkann der
Konsument schließlich nicht mehr bewältiRen. Durch die telekommunikative
Herstellung des "elektronischen Dorfes" (Mac Luhan) ist er an allen Orten
gleichzeitig und doch nirgends wirklich. Das Tempo wird derart beschleunigt,
daß Ereignisse und Dinge nicht mehr in der Zeit erscheinen und festgehalten
werden' können, sondern in ihr entschwinden. Dank der Generalisierung der
Uhrzeit, die nun aUch die freizeit nach dem Muster der Maschinenzeit
funktionieren läßt, erfahren auch die Kalenderfeste eine Umdeutung. Sie sind
nicht mehr Zeitpunkte, an denen sich die archaische der Erne.uerung
in festen Zu .Ehren' der Götter oder im Karneval entladen kann, sondern
schlichte Notwendigkeiten, die sich aus der Maschinenzeit selbst erReben. Sie
sprengen nicht dieZeitökonornie, sondern sind - das Beispiel Weihnachten und
der. neuen Sonnenwendenfe;ste von Sommer- bzw.Winterschlußverkauf zeigen
dies Ubcrdeutlich unabdingbare ökonomische Notwendigkeiten zur
zusltzlichen .Ankurbelung und Beschleunigung Zeit der Konsums, die im
Gegensatz zu ihren Vorgängern keine Ruhepausen mehr kennt und keiner
Regelung mehr bedarf. Die maschinell in großer OuantiUt produzierten
Waren. versetzen. die Mitglieder der dass" in eine unaufhörliche Eile.
Die. Vergangenheit scheint die Zukunft. zu Uberholen, wem:' WUnsche noch, vor
ihrer. Entstehung befriedigt werden können, so daß gar kein GefUhl mehr fUr
die zeitliche Dauer des Erwartens entstehen kann. Die gewöhnliche
Teleologie des Begehrens wird umgekehrt: die KonsumgUterwerden nicht
geschaffen, weil sich WUnsehe. auf sie beziehen, sondern die WUnsche werden
geschaffen, weil Maschinen .existieren, die zur Au(rechtcrhaltung der
kapitalistischen Ökonomie .. beständig Konsumgüter scha(feo. Die Verkürzung
bzw. Aufhebung der RUclckoppdung zwischen Begehren und Befriedigung
verktirzt die für die Entstehung des subjektiven . gleichfalls
notwendige konstitutive Dauer des Wartens oder Handelns (Anders 1980:
346f.). Die Dauer der. existentiellen Sorge schmilzt' auf Bruchteile der Zeit
zusammen. Die von modernen Haushalts-, Büro-, Transport- etc. Maschinen
produzierte. Zeit läßt die' Dauer der· subjektiven Zeit gegen Null tendieren u.nd
die Uhrzeit als universelle und einzig gültige Zeit erscheinen. Zulunft Wird
nicht mehr durch Handeln und Erwarten als gegenwärtig angeeignet
und in Vergangenheit uberfUhrt, wie. dies fUr die Zeit des Handelns der Fall
war, sondern löst sich in eine diskontinuierliche Folge von Zeitpunkten auf,
die gegenwärtig nur noch im Sinne der Gleichzeitigkeit mit dem Bewußtsein
ISO J. Mecke, Zeitmaschine und Zeitgeist
Appareils et machines a representation
151
sind. Das Subjekt der Zeit zerbricht mit der eigenen Unfähigkeit, Zeit zu
8estalten.
untereinander die Einbildungskraft zur Ausbildung vermeintlicher Identität
anrest • Möglich ist die Erfahrung von Identität nur dann, wenn die verschie-
denen Objekte oder Zustände der Geister so langsam aufeinapderfolgen, daß
sie ihnlich erscheinen und die Einbildungskraft so leicht von einem Objekt
zum anderen gleiten kann, daB diese. von ihr in eins gebildet werden
"Therelation facilitates the transition of the mindfrom Öße object to
another and !endcrs its passa8eas smoothas if it contc:mplated one
continued ··objeet
ll
h740: 254). Ilberträgt. man diese idealistische Reflexion
auf diesozialpsychologische •Ebene, - Zeit istfUr Hume nur als Attribut des
Geistes 8egeben - so wird deutlich" daß die Identität des Geistes eine
Erscheinung ist, die ,nur unter bestimmten diskursiven, historischen Bedingun-
gen 8csebcnseinkann: dann   wenn die so lanpam
aufeinanderfolgen, daß dieVerindcrungen sichfur· den Geist in· bunt'wahr-
. nehmbarer "eise vollziehen, da. die einzelnen Zustände einander zu ihnlich
sind.. Im Zeitalter.· der Medien· folgen die 'einzelnenZustinde, bzw. die
einzelnen Objekte mit solcher Geschwindigkeit aufeinander, daB ihte Diffe-
renzen. zu groß. werden (Simmel) und das· Bewußtsein die Vielfalt nicht mehr
ein-bilden kann. Diezeitbesessenen Autoren· des französischen Romans .der
fUnfziget''Jahre. ze{chnen diesen ZuSammenhang· zwischen beschleunigtem
Tempo der auf den' Einzelnen einstUtmenden Perzeptionen und der Autlösung
geistiger ldentitit nach. Geist wird des gesteigerten
pos in einem neuenSinne zum In· temporaler Schizophrenie. wird
er zur ephemeren Schaumkrone. vOn Z,eitströnlungen, in deren Fluß er ent-
steht und sieh wieder   ohne das Gefühl e}ner verbindenden und
verbindlichen Identität zu haben. Zeit wird 'zum Subjekt.s Handdnssc.st
und entzieht sich damit. als potentieller Gegenstand der Darstellung.
Die Auflösung und Verflüchtigung des Geistes im Sä-urebad detZeit,· die
Reduzierung der Ausbildung von ldentitäten auf immer kUrzereZeitab..
schnitte, jedoch im Gegenzug die wahnlehmbare Dauer im ExtremfaU
gegen Null und auf. eincnZeitpunkt .;ehrumpfen, da kein ·umfa$Sendes
Bewußtsein mehr existiert. Die Zerstreuung des Geistes. d,urch die Zeit
schlägt 'um in die Auflösung der Zeit selbst. Was die idealistische Philosophie
nur in Form eines Paradoxes erfassen kann
u
, gelingt dem Roman. in ._
anschaulicher Konkretion'einer spezifischen Modcllierung: Die durch Wechsel
der Personalpronomina und Perspektiven sinnfällig gemachte Zerstreuung der
J. Necke, Zeitmaschine und Zeitgeist
Appareils et machines ä representation 153
ldentitlt von Personen gleichen Namens, korrespondiert mit der Wiederholung
der "eichen   die nicht mehr, wie bei Proust oder Virginia WooIf,
allein .b obsession.le Wiederkehr des Gleichen in der Erinnerung
interpretiert werden können, da sie den Personen' selbst nicht mehr bewußt
sind. Am weitesten vorangetrieben hat diese Technik Samuel Beckett,dessen
Romanfiguren von den zahlreichen Wiederholungen nichts mehr wissen, weil
ihr EriMerungsvermögen nicht über den zeitlichen Horizont ihres
ldentitltsbewußtseins' hinausgeht. Dementsprechend geht Bcckett das
Verhlltnis zwischen ldentitlt und Differenz von der Seite der Differenz an:
behllt er im Gegensatz zu· anderen Autoren des "nouveau
roman" die grammatische Form der ersten bzw. dritten Person· bei, um nun
im .Geaenzug den Narnen der Fisuren zum Zeichen einer aufgespaltenen
ldentitlt zu verindern. Da .im Bewußtseinsstrom der Romane Becketts
Gedanken die Grenze der Personen Uberschreiten, entsteht beim Leser der
Verdacht
l3
,es handle sich bei MoIloy,Moran, Malone etc. um f1uchtise /
Ecscheinuncen, die von ein- und demselben ,Bewußtseinsstrom getragen
werden.
Die' durch die Handlung nicht mehr gestaltete Zeit, die Zeit der immer
schon apriori befriedigten WUnsche weckt den Meta.;l'unsch nach totaler
Aufzeichnung, mit der .auch die Zeit das. Paradigma der Produktion
In dem Maße, indem Handeln, Erinnern,· Erzählen die fähigkeit verlieren,
ihre·· eigene Zeit zu produzieren, wichst das Bedürfnis. nach ihrer'
Reproduktion,- Das ,Begehren. nach Speicherung der Zeit gibt sich'dabeinicht
mehr mit .Momentaufnahmen 'zufrieden (Photographie), begnUgt !sich nicht
mehr mit der Aufzeichnung visueller (Stummfilm) und auditiver (Tonband,
Phonosraph) Dimensionen und bescheidet sich auch nicht mit der zwar
totalen, Jedoch flUChtiger Momente (Television).
GesenUber diescnGerlten der Zeitspeicherung ist die Reproduktion von Zeit
rnit den Videorecordern in eine neue, qualitativ verschiedene Phase getreten:
«"«T,lab"" zeiL "on 'lAd tUE jedcrlll'QCl .in.
Vollstlndigkeit aufgezeichnet •. Nicht nur Kunst,- auch Zeit selbst ist in
das Zeitalter totaler technischer Rcpmduziclbarlteit eingetreten. Mediale
Zeitm.schinen reproduzieren eine bereits von Zeitmaschil)en produzierte Zeit.
Sie sind nicht mehr - wie noch der eine eigene, spezifische Zeit
produzierende Roman -: Konkurrenzunternehmen moderner Zeitmaschinen,
sondern deren Epigraph. Perfekter Ausdruck dieser Zusammenhänge sind Andy
I'amob Echt-Zeit-filme. Durch die Reproduktion der Zeit wird auch dem
Augenblick die Aura des Einmaligen und Unwiederbringlichen genommen.
Wenn verschiedene Moden, GeistesströmUligen mit solcher Geschwindigkeit
aufeinander folsen, daß der Geist des Einzelnen nicht mehr in d,er Lage ist,
die zeitliche Sukzession aufzulösen, ist eine Grundbedingung der Entstehung
historischen Bewußtseins nicht gegeben: Die Kontrastierungeiner
Epoche mit der Anderen und damit die Ausbildung einer eigenen zeitlichen
IdentiUt. nicht mehr länger der Geist einer Epoche, sondern
flUchtige Erscheinung, bloßes Oberfl1ichengekdiusel rapider Strömungen der
Zeit. Die. lichtgeschwinde Aufhebung des heute GUltigenim Morgen, die
Beschleunigung der AblösuOgsprozesse. verschiedener Avantgarden lißt keine
Zeit mehr. fUr die Ausbildung einer stabilen kulturellen Identität von Epochen.
Das Tempo der EntWicklung läßt dem Zeitgeist keine Zeit mehr,· zu sich
selbst zu kommen. Der Verlust von Epochenidentitäten bedroht aber auch die
eigene Identitlt: Es lohnt sich nicht mehr, .im Wirbel der Zeiten Dauerhaftes
auszubilden. Der Zeitgeist erhält die   die er in der
l<ulturhat, wenn die forderung' aufgestellt w.ird "You need ZErrGEIST": Er
wird zumVielienreiter auf verschiedenen Zeitströmungen: In Paris waren
seine Namen inden letzten DelcadenLegion: MauismusiLeninismus,
MaQismus, Strukturalisrnus, Semiologie, Poststruleturalismus und neuerdings
Katholizismus und neuer Humanismus waren die Gewänder, in die ersieh in
den letzten zwanzig Jahren kleidete. Vielleicht, so fragt man sich
unwillkUrlich, um Geburt aus der Zeitmaschine zu bemänteln?
Anmemungen
(r) D-ie nicht genau datierbare Reflexion "Vom inneren Sinn" ist indem von
ReinhardBrandt und lIerner Stark herausgegebenen ersten Band der Kant-
Forschungen abgedruckt h987: 18';'21).
b) Bei auditiven Reizenbetr/,igt der untere Schwellenwert des zeitlichen
Auflösungsvermögens 4/roootel Sekunden, bei kutanen Reizen l/rootel bei
visuellen Reizen 3/Iootel Sekunden, Unterhalb dieser Werte werden 'zwCi
unterschiedliche Reize von der Wahrnehmung zli einem einzigen Sinnesreiz
zusammengefaßt. Bei Reizen, die in einem Abstand von mehr als zwei bis
drei Sek.und.en aufe.inanderfolgen, . sind wir· nicht mehr in der Lage, zwei
unterschiedliche Reize zu einer Gestalt zusammenzuschließen (Fraisse 1966:
dieser Grenze wird die Daucr von Reizfolgen ziemlich genau
Clppel .1,87: 6d, da wir in der Lage sind, beide Reize simultan
ißt zu behalten uod. zu einem einzigen Bewußtseinsinhalt
assco. Dieses Vermögen, zeitliche Folgen von weniger als drei
Im prlsent zu halten, macht sich die
bec UOIzunutze, sie dichte Gestalten schafft, die
. j zu· einer BewuBtselnselnheit, den sogenannten Mikrostruktur-
.. t' carlert (Bierwisch 1971: 548). Es scheint, daß die
  In ganz unterschiedlichen Sprachen diesen
a t e n a s beachtet (pöppel/Turner 1913: 277ff.).
.Te:tporalst,:,,*n sind der. zwölfte. Teil des "hellen" Sonnentages von
• nena aa"l· So!a!'e'!untergang, deren Linge im Sommer gr68er und im
T
Wlntcundr, wie bei einer immerwährenden
aa-, . . tl elChe invariabel.
kAue." der.. Einfluß technischer Innovationen auf Lebensformen und
..S urse 1St kel.ne konstante geschichtliche Gröle, sondern gehÖrt zu den
h;jt?fidfe
ü
Variablen., Der_echsel von Wasser- zu' Rldetuhren kann nicht
a ein e .mwandlung von kanonischen Stunden zurmodcrnen 'Zeitauffassung
Im vierzehnten ist eine rein technogenetische ErkHirung
-."h" t oh.ne BerUckslchtlgung der. Randb.edinsungen, u.nter denen sich
. tec nt.che Verlnderungen vollziehen (vgl. Le Goff 1914: 2').
...   den Grad der Unabhängigkeit von menschlicher
...el a s ntersctJeldungskriterium zwischen L.--·--"und
Werkzeuaeb" t. "h H ndh . . .     .
.' TS'" le .en •SIC., zur ·a, a'bung an, Maschinen. nei en zur autoc:nati-
slertco
hli
  Maschinen die Ersetzung
;enr .c cd' Tätigkeit. und zur Entmachtung' des Menschen bereits inhärent.
zeuge. Jenen zu etwas, Maschinen werden bedient. Daher ist auch erst
M::mt=C:rflnd,;,ng" der Pendeluhr, CI6s6) eine echte Zeit maschine im. Sinne
, ,M " denn erst dadutchwurdedie Emanzipation der Uhren
vom.. ensen, der sie als Uhrwerker regelte,. möglich. Der von Cünther
  der des •Zustand der dritten
"SUIC. en RevolutIon, 10 der Maschinen den Menschen als Subjekt der Ge-
  abgelöst "und Mit-Geschichtlichkeit verurteilthabeci h980: 273)
ut .' reits In der Maschine enthalten, wird jedoch, erst in einem
heRst.I!".mten ,DlskuflS, (Ur, den t... Möglichkeiten die Verpflic;htung'ihrer
ea ISlerung entha ten, aktuah'lert.
UmnciiE's Uhr morgens .um fUnf Uhr erste Lektion, Messe,.· Erho-
  . :.n, dann von Jcht. bIS zehn Uhr zweite Lektion von elf bis zwölf
IS ushslonodu Argumentation, Essen, Wiederholung usw. bi; zum Zubettgehcn
um ac t er. neun Uhr "abends (Attali 1,82:123).
. Wahrheit· als absolutes Sein geschieht selbst
d:' ß elt osiakelt: ,   im Augenblick simultan erreicht. Aller.,;
ngs . mu scartes, den Preis fUr diese Zeitlosigkeit in form einer Spaltu
zahl'.". Bit. ,eiU!!bühl ZSirliCftteif aus  
Ausbildung von Geistern, die Descartes in den' drei berühmten Träumen vom
10. N,?vember. 161' plagen. Georges Poulet hat in einer äu$lährlichen .Inter-
v,:," Biosraphen Uberlieferten Träume die Wiederkehr
s aQ"ffr phalosophlschen Erkenntnisverdrlngtenzeitlichen Ichs in Form
I ren der Spaltung, Angst und Bedrohung gedeutet (Poulet I'S2:
(8) Mechanische Uhren werden zur diskursiven Hintergrundsmetapher, die als
verdeckte oder offene Leitvorstellung dient und zwischen den einzelnen
Elementen geheime BezUge entwickelt (Ygl. Blumenber 1983: 390)·
(,) Leibniz Theorie entspricht dem 250 Jahre später im Zeitalter der dritten
industriellen Revolution verwirklichten Zustand der Harmonie der Maschinen,
als deren Anhängsel Menschen-AutQmaten funktionieren. Allerdings mit dem
Unterschied, daß diese Harmonie nicht prlbtabiliert, sondern Ergebnis eines
Integrationsprozesses ist, in dessen Verlauf immer mehr Einzelmaschinen zu
einer groBen Gesamtmaschine zusammengefaßt werden, wobei .sich Maschinen
höherer Ordnung ausbilden. Das Telos dieser Entwicklung dUrfte die
Einrichtung. einer Zentralmaschine sein, mit der alle anderen Maschinen
vernetzt . sind, / so daa die Welt tatslch.lich funktionieren wUrde, wie im
rationalistischen Traum: wie eine gigantische Räder- oder Pendeluhr, die so
prlziselluft, daß sie keines Uhrwerkcrs mehr bedarf.
hol ItWeil. die eine große Maschine ist, so hat sie in. so w.eit mit einer
Uhr eine sro8eAhnlichkeit r:..7Wie nun inder Uhr alle Stellungen der
Rlder ufld des Zeigers. YOO-der inneren Einrichtung, figur, Größe und
Zusammensetzung aller ihrer Theile, doch aber nach den Gesetzen der
Bewegung erfolgen, so ,tragen sich auch in der Welt alle zu"
(Gottsched 1762: 2S0).
(11) Paul Ricoeur hat die literarische und geschichtliche Zeitgestaltung als
Moment eines hermeneutischen Zirkels von der Präformierung der Zeit durch
Kategorien menschlichen· Handelns (Mimesis I) Uber die literarische Synthese
der verschiedenen Momente durch die Handlung (z.B. eines RQßlans) (Mimesis
11) '. bis zur. Wieder-und Neu&estaltungder Zeiterfahrung . (Mimesis 111)
analysiert (1983: 87ff.).·' Literarische Ze.tgestaltung bewegt sich mithin in
einem Zirkel 'anthropomorpher Uber Zeit, die· nach Ansicht
Ricocurs nUf. unter Preisgabe des Asthetischen •. durchbrochen werden k6nnen:
"Ce .qui est resisnifie par le redt c'est' ce qui a dCjä ete presignific. au
niveau de I'agir humain" CI9I3: 122). Gerade, dieses Vorverst1.indnis der' Zeit
als Folie menschlichen Handelns sprengt Virginia Woolf in. dem genannten
Kapitel.
(u)Dieses Paradoxon hat Jorre Luis Borges in einem brillanten Essay mit
einem ebenso paradoxen Titt entwickelt: In Nueva refutatcion deI tlempo
zieht Bora
es
die.' Konsequenz aus dem idealistischen Dislcurs: Wenn sich die
Permanenz . von Subjekt und Objekt im fluß der Zeit auflöst, welche
tigung kann es dann noch' geben, die Kontinuität der Zeit anzunehmen?
(Borges 194
6
: 38,). Natürlich unterschlägt Borges etwa bei Beckeley das dem
Itesse est percipi"' komplement1l:re "esse est percipere", das' fUr· dengötdichen
Geist gilt, dessen BewußtseinskontinuiUt '. auch die Kontinuität der Zeit
garantiert, "de,sungeachtet stellt sich das Problem fur eine .Philosophie .. des
Subjekts, der das Paradoxon zum Problem wird. In einer sozialpsychologischen
Argumentation gibt es hingegen die "objektive" Zeit der Beschleunigung ,von
Verlnderung und Entwicklung, die als Maß und Ursache fUr den Zusammen-
bruch der subjektiven, psychologischen Zeit dienen kann.
h 3) Die Identität von Molloy und Moran kann nicht mit Sicherheit festge-
stellt werden, wUrde jedoch, abgesehen von verschiedenen Indizien, aus der
Dynamik der Erzählung folgen. Das Erinneru,ngsvermögen Molloys weist im
Laufe der Erzählung immer mehr Lucken auf, so daß der Zeitpunkt vorstell-
bar ist, an dem die zeitliche Kontinuität endgültig zerreißt und die Differenz
in der Identität in eine bloße Differenz umschlägt, die Molloy und Moran
voneinander trennt. ' ,

154
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