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Kommunikation

Steuerung durch Rollen und soziale Beziehungen

Ausbildungsstätte:

TRUMPF GmbH+Co. KG

Hausarbeit

vorgelegt am 25. März 2015

Fakultät Wirtschaft

Studiengang Wirtschaftsinformatik

Kurs WWI2013A

von

Florian Reuss

DHBW Stuttgart:

Merkel/Heizmann

Inhaltsverzeichnis

ii

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

iii

1 Einführung

1

2 Abgrenzung

2

3 Kommunikationstheoretische Modelle

 

4

3.1 Organon-Modell nach Bühler

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3.2 Watzlawick’s Axiome 1

 

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3.3 Vier-Seiten-Modell 2 .

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4 Soziologische Modelle

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4.1 Homo sociologicus

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4.2 Interaction order 3

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4.3 Früher symbolischer Interaktionismus

 

9

5 Querschnitt

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Quellenverzeichnisse

12

1 Watzlawick, P./Beavin, J. H./Jackson, D. D. (2000) 2 Thun, F. S. v. (1988) 3 Lenz, K. (1991)

Abbildungsverzeichnis

2.1

Kommunikationsformen

 

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2.2

Sender-Empfänger-Modell

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3.1

Organon-Modell

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Vier-Seiten-Modell

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1 Einführung

Die vorliegende Arbeit versucht, das komplexe Wirkungsgefüge zwischen Kommunikation und sozialen Komponenten, namentlich Beziehungen und Rollen, zu beleuchten. Da alle drei Begrif- fe jedoch sehr facettenreich und vielfach miteinander verzahnt sind, ist die Betrachtung ihrer Relation zueinander als hinreichend komplex anzusehen.

Ziel ist es daher, hier einen Überblick in die gängigen, für die Kommunikation relevanten Mo- delle und ihre Begrifflichkeiten zu geben. Zu Beginn soll der Kommunikationsbegriff näher ein- gegrenzt werden, um einen klareren Betrachtungsgegenstand zu erhalten, anhand dessen einige kommunikationstheoretische sowie soziologische Modelle betrachtet werden. Es sei jedoch ange- merkt, dass die meisten der vorgestellten Modelle selbst in ihrer Ausführlichkeit sehr komplex sind, teils auch soziologische Schulen begründen, und daher dem Zwecke der Übersicht dienend, nicht tiefer in die einzelnen Gedankenhorizonte eingestiegen werden kann. Dem Leser sei also die Verwendung der Primärliteratur, welche am Ende der Arbeit gelistet ist, angeraten.

2 Abgrenzung

Im Folgenden soll abgegrenzt werden, mit welchen Erscheinungsformen von Kommunikation sich diese Arbeit auseinander setzt. Eine Übersicht findet sich in Abb. 2.1.

auseinander setzt. Eine Übersicht findet sich in Abb. 2.1. Abbildung 2.1: Kommunikationsformen Kommunikation (von lat.

Abbildung 2.1: Kommunikationsformen

Kommunikation (von lat. communicatio "Mitteilung") ist in ihrer allgemeinsten Form definiert als Austausch von Informationen. Nach dem Sender-Empfänger-Modell (Abb. 2.2) findet Kommu- nikation immer zwischen mindestens zwei Kommunikationspartnern statt, welche als Sender und Empfänger bezeichnet werden. Die Kommunikation beginnt mit der, Verschlüsselung genannten, Übertragung von Information auf ein Medium (lat. "Mitte") von Seiten des Senders. Die nun, unter Umständen gebündelt, vorliegenden Einzelinformationen (Nachricht) werden anschließend vom Empfänger entschlüsselt, beziehungsweise interpretiert.

Diesem klassischen Sender-Empfänger-Modell folgend, kann der Oberbegriff Kommunikation in viele Unteraspekte gegliedert werden. Zunächst einmal unterscheiden wir nach der Natur der Kommunikationspartner (Sender und Empfänger). Ist mindestens ein Tier beteiligt, wird der Begriff Tierkommunikation verwendet, kommunizieren zwei Maschinen miteinander, der Begriff maschinelle Kommunikation. Diese Arbeit beschäftigt sich exklusiv mit der zwischenmenschli- chen oder auch interpersonellen Kommunikation.

Für die weitere Untergliederung betrachtet man die Wahl des Mediums. Bei der interpersonellen Kommunikation treten hier grundlegend zwei Arten von Medien auf: Werden Informationen in

2 Abgrenzung

3

2 Abgrenzung 3 Abbildung 2.2: Sender-Empfänger-Modell einer Sprache verschlüsselt, spricht man von verbaler, in

Abbildung 2.2: Sender-Empfänger-Modell

einer Sprache verschlüsselt, spricht man von verbaler, in allen anderen Fällen von nonverbaler

Kommunikation. Für die Betrachtung von Kommunikation im Hinblick auf Beziehungen und

soziale Rollen sind beide Arten von Bedeutung, wobei anzumerken ist, dass sich ein Großteil

der beziehungsrelevanten Kommunikation im nonverbalen Bereich abspielt (siehe Kapitel 3.2).

Die wichtigsten nonverbalen Kommunikationsformen sind:

Vokal oder paraverbal: Inhaltsunabhängige Aspekte der Lautsprache, wie Sprechtempo,

Melodie und Rhythmus

Proxemisch: Situationsabhängige räumliche Beziehung der Kommunikationspartner zu-

einander, allem voran die räumliche Distanz

Haptisch: Kommunikation über die haptische Wahrnehmung

Gestisch: Einsatz von Gesten - meist als Ergänzung zur verbalen Kommunikation

Mimisch: Sichtbare Bewegungen der Gesichtsoberfläche

Olfaktorisch: Unbewusste Kommunikation mittels des Geruchssinnes (Beispiel: Pheromo-

ne)

Die verbale Kommunikation kann auf Basis des physikalischen Mediums (Träger) in drei Formen

unterteilt werden:

Träger Erzeuger

Lautsprache

Gebärdensprache Licht Schriftsprache Licht

Schall

Zunge Gliedmaßen Papier, Bildschirmelemente, etc.

Wir wollen uns zunächst der verbalen Kommunikation zuwenden, um die gewonnenen Erkennt-

nisse anschließend auf den nonverbalen Bereich auszudehnen. Hierzu betrachten wir drei kom-

munikationstheoretische Modelle.

3 Kommunikationstheoretische Modelle

3.1 Organon-Modell nach Bühler

Modelle 3.1 Organon-Modell nach Bühler Abbildung 3.1: Organon-Modell nach K. Bühler 4 Das

Abbildung 3.1: Organon-Modell nach K. Bühler 4

Das Organon-Modell des deutschen Sprachtheoretikers K. Bühler (Abb. 3.1) stellt einen er- weiterten Blick auf das Sender-Empfänger-Modell dar. Betrachtet wird hier das Medium des sprachlichen Zeichens über welches (mindestens) ein Sender, (mindestens) ein Empfänger und Objekte miteinander in Bezug treten. Diese Objekte sind Anlass der Kommunikation, doch hin- zu kommen drei weitere Funktionen: Richtet sich der Sinnbezug des Zeichens auf den Sender selbst, spricht Bühler von Ausdruck ; den auf den Empfänger zielenden Sinnbezug bezeichnet er als Appell. Die Darstellung bezieht sich auf die Gegenstände und Sachverhalte. Die Intention des Senders entscheidet nun über die Gewichtung der drei Aspekte. Der Beziehungsaspekt tritt bei Bühler tendenziell in den Hintergrund, er ist nur im Sinne einer Bipolarität von Appell und Ausdruck sichtbar.

3.2 Watzlawick’s Axiome 5

P. Watzlawick definierte fünf allgemeine Annahmen für die interpersonelle Kommunikation:

4 in Bühler, K. (1965), S. 28 5 Watzlawick, P./Beavin, J. H./Jackson, D. D. (2000)

3 Kommunikationstheoretische Modelle

5

Dieses Axiom sollte im Hinblick auf Analysen

von Zusammenhängen zwischen Kommunikation und Beziehung stets im Hinterkopf behalten werden: Nicht nur verbale, sondern auch nonverbale (unbewusste) Kommunikation trägt einen großen Teil zum Beziehungsaspekt bei, da sie mehr als achtzig Prozent der Reaktionen des Gegenübers auslöst.(vgl. Molcho, P. S. (2002) )

”Man kann nicht nicht kommunizieren [

].”

”Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobei letzterer den ersten bestimmt.” Jede Kommunikation enthält zusätzlich zur reinen Informationen, noch die

Metainformation, wie der Sender seine Nachricht verstanden haben will, wie er die Beziehung zum Empfänger sieht: den Beziehungsaspekt. Der Sender definiert eine emotionale Beziehung und weist so hin, wie der Inhalt zu interpretieren ist. Eine rein inhaltliche Kommunikation ist nie möglich.

Auf das dritte und vierte Axiom wird hier nicht näher eingegangen.

”Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komple- mentär, je nachdem ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichgewicht oder Unter- schiedlichkeit beruht.” Ist das Verhalten der Kommunizierenden spiegelbildlich oder besteht zumindest die Möglichkeit dazu und strebt ihre Kommunikation nach Gleichheit und Verminde- rung von Unterschieden, so bezeichnet man sie als symmetrisch. Ergänzen ihre Kommunikations- verhaltensmuster einander, wird von komplementärer Kommunikation gesprochen. Eine Partei nimmt hierbei die superiore, die Andere die infernale Position ein. In der Theatertheorie wird hier von Status gesprochen, wobei Status immer ein relativer Begriff ist, welcher niemals absolut angewandt werden kann. Ein Status(-verhältnis) existiert zudem immer unbewusst, was zugleich bedeutet, dass zwei Menschen nie auf natürliche Weise ein und denselben Status besitzen kön- nen (vgl. Johnstone, K. (2011) ). Auf Basis dieses hergestellten Statusverhältnisses wird es erst möglich, Kommunikation aufzubauen.

3.3 Vier-Seiten-Modell 6

F. Schulz von Thun vereint nun die Erkenntnisse aus dem Organon-Modell und Watzlawicks zweitem Axiom und konkludiert: Ein und dieselbe Nachricht enthält stets viele Botschaften gleichzeitig. Er unterscheidet hierzu wesentlich ”vier seelisch bedeutsame Seiten” an einer Nach- richt, welche in den Kommunikationsquadranten 3.2 bezeichnet sind. In dieser Ausführung soll ausschließlich auf die Beziehungsseite näher eingegangen werden. Mit jeder Nachricht, und damit nach Watzlawicks erstem Axiom kontinuierlich, drückt der Sen- der eine bestimmte Art von Beziehung zum Sender aus. Diese Beziehungsbotschaften treten in zwei Arten auf:

6 Thun, F. S. v. (1988)

3 Kommunikationstheoretische Modelle

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3 Kommunikationstheoretische Modelle 6 Abbildung 3.2: Kommunikationsquadranten • "Was ich von dir halte"

Abbildung 3.2: Kommunikationsquadranten

"Was ich von dir halte" Beispiel: Sachinhaltsseite: ”Das ist ja ein schönes Wetter draußen, wie gemacht zum Spa- zieren gehen!” - Sicht: ”Ich halte dich für jemanden, der gerne spazieren geht.” - Rolle:

”Du bist mein Spazierpartner.” Der Sender drückt in einer Du-Botschaft aus, wie er den Sender sieht. Diese dient der Rollendefinition des Empfängers und damit meist auch des Senders.

"Wie wir zueinander stehen" Beispiel: "Wenn jemand einen anderen fragt ’Na und wie geht es in der Ehe?’ - dann enthält diese Sach-Frage implizit auch eine Beziehungsbotschaft: ’Wir stehen so zueinander, daß solche (intimen) Fragen durchaus möglich sind.’" Der Sender bringt in einer Wir-Botschaft zum Ausdruck, wie er die Beziehung zwischen den Kommunikationspartnern sieht. Diese dient der Beziehungsdefinition zwischen Sender und Empfänger.

In Du- und Wir-Botschaften manifestiert sich also die Beziehung der Kommunizierenden zu- einander. In der Praxis sehen wir, dass dieser Prozess selten reibungslos vonstatten geht. Zu Kommunikationsproblemen kann es nicht nur kommen, wenn die Nachrichtenübermittlung quasi- extern, also beim Vorgang des Ver- und Entschlüsselns, gestört wird. Selbst wenn wir von einer reibungslosen Übermittlung ausgehen, kann es vorkommen, dass Nachrichten sich in den vier Seiten widersprechen. Beispiel: Der Sender sagt ”Ich mag dich", distanziert sich aber auf fünf Meter zum Empfänger mit verschränkten Armen. Der Widerspruch zwischen der Sachinhaltsseite und der Beziehungsseite der Nachricht erzeugt Unsicherheit beim Empfänger. Wir bezeichnen solche Nachrichten als inkongruent. Tritt der Fall ein, dass Nachrichten sowohl kongruent als auch in ihrer Intention und Interpretation übereinstimmend sind, kommt es dennoch vor, dass der Empfänger nicht mit der Beziehungsdefinition des Senders übereinstimmt. Beispielsweise könnte es bei der oben aufgeführten Ehe-Frage vorkommen, "daß der Empfänger mit dieser Beziehungsdefinition nicht einverstanden ist, die Frage für deplaciert und zudringlich hält."Die Beziehungsbotschaften manifestieren also nicht nur die bestehende Beziehungssituation, sondern dienen stets auch zu ihrer Redefinition und Approximation der beiden Sichtweisen aneinander. Schulz von Thun beschreibt diesen ständigen Prozess als "Tauziehen um die Definition ihrer

3 Kommunikationstheoretische Modelle

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Beziehung". Ähnliche Effekte lassen sich auch in Bezug auf die Rollendefinition beobachten. Beschränken sich Probleme hinsichtlich Beziehungsdefinitionen meistens auf Differenzen in der Eigen- und Fremd- sicht, so treten hier oft zusätzliche Spannungen auf. In den meisten Fällen hat der Empfänger noch ein Wunschsicht (”Diese Rolle hätte ich gerne”) und aufgrund der Definition der Rolle über eine Gesellschaft kommt noch eine Gesellschaftssicht hinzu. Diese Spannungen in vier Feldern führen leichter zu kritischen Problemen. Beispiel: Sie sind im Gespräch mit ihrem Vorgesetzten und weisen ihm die Rolle des unverständigen Naiven zu (Fremdsicht), ihr Chef sieht sich aber als kompetente Führungsperson (Eigensicht), würde gerne noch mehr Durchsetzungskraft besitzen (Wunschsicht) wird aber von der Belegschaft nicht als Leitgeber akzeptiert (Gesellschaftssicht). Wir sehen also: Kommunikation und Rollenverteilung bedingen sich gegenseitig. Wir wollen das abstrakte Konstrukt Rolle näher betrachten, um daraus Erkenntnisse über die soziologische Seite der Kommunikation zu ziehen.

4 Soziologische Modelle

4.1 Homo sociologicus

Der deutsche Soziologe R. Dahrendorf definiert den Begriff der sozialen Rolle wie folgt:

”Soziale Rollen sind Bündel von Erwartungen, die sich in einer gegebenen Gesellschaft an das Verhalten der Träger von Positionen knüpfen.” 7 Mit Position ist hier die Verortung eines einzel- nen Menschen in einem ”Bezugsfeld” 8 , also der Gesellschaft, gemeint. Diese Position kann sich

auf materiellen (zum Beispiel im Fall des Oligarchen) oder immateriellen (zum Beispiel im Fall des Politikers oder des Lehrers) Unterschieden begründen. An die Träger bestimmter sozialer Positionen stellt die Gesellschaft nun bestimmte, teils normative, teils empirische Erwartungen. Diese können sich entweder an ihr Verhalten (Rollenverhalten) oder ihre Eigenschaften, wie Aus- sehen und Charakter (Rollenattribute) richten. Soziale Rollen sind aber letztlich unabhängig vom tatsächlichen Verhalten und den Attributen des Homo sociologicus; sie betreffen ausschließlich die Erwartungen, welche an ihn gestellt werden. Und dennoch sind sie ein integraler Bestandteil der Kommunikation: Soziale Rollen wirken vor definierend und schaffen eine Basis, einen Status quo für die weitergehende Kommunikation. Sie geben "die Art der Beziehungen zwischen Trägern von Positionen" 9 an. Verletzt die Kommunikation die Rolle, hat dies Konflikte zur Folge.

4.2 Interaction order 10

Das Werk des US-amerikanischen Soziologen E. Goffman versucht eine Einordnung von Kom-

munikation in einen größeren soziologischen Kontext. Goffman beschränkt sich hier aber auf die

Betrachtung von Situationen, in denen "die Einzelnen (

) und

nahe genug auch, um wahrgenommen zu werden als solche, die fühlen, daß sie wahrgenommen werden" 11 . In solchen Situationen gibt man unvermeidbar Informationen über sich preis, was Watzlawicks erstes Axiom (siehe Kapitel 3.2) bestätigt. Daher ist jeder Anwesende bestrebt, den Informationsabfluss gering zu halten und versucht, die Wahrnehmung der Anderen von sich

deutlich das Gefühl haben, daß sie

einander nahe genug sind, um sich gegenseitig wahrzunehmen bei allem, was sie tun (

)

zu beeinflussen. Dies nennt Goffman impression management oder proverbialisch ausgedrückt:

"Wir alle spielen Theater" 12 . Wendet man das Organon-Modell (s. 3.1) auf Goffmans Aussagen an, könnte man zu dem Schluss kommen: Für ihn hat die Appellseite der Kommunikation die

7 Dahrendorf, R. (1974), S. 33 8 Dahrendorf, R. (1974), S. 32 9 Dahrendorf, R. (1974), S. 32 10 Lenz, K. (1991) 11 Goffman, E. (1971), S. 28 12 Goffman, E. (1969)

4 Soziologische Modelle

9

größte Priorität, da zunächst jegliche Kommunikation ein Versuch ist, den Anderen in seinem Handeln und seiner Sicht (im eigenen Sinne) positiv zu manipulieren. Die ganze Kommunikation geschieht eingebettet in eine ”soziale Darstellungsform, mit deren Hilfe die Gesellschaftsmitglieder sich gegenseitig anzeigen, in welchen erkennbaren, weil typisierbaren Handlungszusammenhän- gen sie sich gemeinsam mit ihren jeweiligen Interaktionspartnern zu befinden glauben”. 13 Das Konzept nennt er Rahmen, beziehungsweise "frame". Diese sind immer zu Beginn schon kulturell vorgegeben, was Johnstones These zum Status bekräftigt, dass die sozialen Status im Kontext Basis für jede Kommunikation sind. Des weiteren regeln sie Erwartungen an die Kommunikati- onsteilnehmer, sowie an den Ablauf der Kommunikationssituation.

4.3 Früher symbolischer Interaktionismus

Der US-amerikanische Sozialpsychologe G. H. Mead gilt als Begründer der frühen Form des sym- bolischen Interaktionismus. Es kann im Rahmen dieser Arbeit jedoch nur auf einen sehr geringen, den kommunikationsnahsten, Teil seiner mikrosoziologischen Arbeit eingegangen werden:

Mead unterscheidet prinzipiell zwischen verbaler und nonverbaler Kommunikation: Die nonver- bale Kommunikation ist zumeist instinktiver Natur und löst auch instinktive Reaktionen beim Gegenüber aus. Die verbale Kommunikation hingegen dient im Wesentlichen der Identitätsgenese:

Der Kommunizierende begreift seine Kommunikation als Handlung mit einer sozialen Komponen- te in einem sozialen Kontext (Gesellschaft). 14 Über diese gelangt er zu seinem Selbstverhältnis, denn ”es sind (nur) die anderen, die uns sagen (können), wer wir sind.” 15

Über seine itenditätsstiftende Komponente hinaus, besitzt das vokale Symbol eine direkte (inter- pretatorische) Bedeutung. Diese kann es erst in Verbindung mit einer sozialen Handlung erlangen, ja die Bedeutung liegt gar im sozialen Prozess selbst. Die Sprache bleibt Mittler, Träger eines si- gnifikanten Symbols, das im Handlungskontext von allen Gesellschaftsgliedern gleich interpretiert wird. Mead drückt die soziale Bedeutungskomponente der Sprache folgendermaßen aus:

”Die Bedeutung dessen, was wir sagen, ist die Tendenz, darauf zu reagieren. Man bittet jemanden, einem Besucher einen Stuhl zu bringen. Man lässt im anderen die Tendenz aufkommen, den Stuhl zu holen, aber wenn er zu langsam handelt, holt man den Stuhl selbst. Die Antwort auf die vokale Geste ist das Tun einer bestimmten Sache, und man lässt in sich selbst dieselbe Tendenz aufkommen. Man antwortet sich immer selbst, so wie andere Leute antworten. Man nimmt an, dass diese Antwort zu einem gewissen Grad identisch [mit der eigenen] ist. Es ist Handlung auf einer gemeinsamen Basis” 16 .

Grundlage des Rollenprozesses der Kommunikation ist also nicht primär die Bedeutung der signi- fikanten Symbole, sondern die Verhaltenserwartungen (Fremdsicht) an meine Kommunikations- partner. Diese setze ich in Beziehung zu den Erwartungen an mein eigenes Verhalten (Wunsch- /Fremdsicht). Doch auch mein eigenes Rollenverhalten entstammt letztlich dem gesellschaftlichen

13 Soeffner, H.-G. (1986), S. 76 14 vgl. Engelhardt, P. D. M. v. (2010) 15 Jörissen, B. (2010), S. 93 16 Mead, G. H. (1995), S. 106 in Jörissen, B. (2010), S. 95

4 Soziologische Modelle

10

Prozess. Nach Mead beeinflusst uns unsere eigene Kommunikation und verändert stetig unsere Rolle im Gefüge:

”Wir lösen ständig, insbesondere durch vokale Gesten, in uns selbst jene Reaktionen aus, die wir auch in anderen Personen auslösen, und nehmen damit die Haltungen anderer Personen in unser eigenes Verhalten herein.” 17

Weitere Einflüsse auf unser Rollenverhalten ergeben sich aus dem individuellen (rollenunabhän- gigen) Teil unseres Ichs, der die Rolle um spontane, impulsive Reaktionen ergänzt. Der dauernd ablaufende Rollenprozess ist also ein komplexes Wirkungsgefüge aus dem individuellen Ich und der eigenen Rolle in der Wechselwirkung mit Anderen.

17 Mead, G. H. (1995), S. 108 in Jörissen, B. (2010), S. 94

5 Querschnitt

Betrachten wir alle behandelten Modelle im Querschnitt, so können wir final folgende Erkennt- nisse ableiten:

Wenn wir von Kommunikation sprechen, so umfasst dieser Begriff eine Vielzahl von verschie- densten Subkategorien, meist meinen wir aber die zwischenmenschliche Kommunikation. Diese Form der Kommunikation hat zwei grundsätzlich verschiedene Ausprägungen: Die verbale sowie die nonverbale Kommunikation.

In der Natur der nonverbalen Kommunikation liegt es, dass sie zumeist ein Austausch von in- stinktivem Verhalten ist und sowohl Aktion als auch Reaktion meist intuitiv vonstatten gehen. Dies hat zur Folge, dass Kommunikation unvermeidbar wird es ist demnach nicht möglich

nicht zu kommunizieren Stets gibt das Individuum Informationen über sich preis das In-

dividuum ist bestrebt, diesen Abfluss möglichst gering zu halten und sein Bild bei den Anderen, und damit die Gesellschaftssicht auf seine Rolle und die Beziehung, positiv zu manipulieren. Die- se Appellfunktion kann auch von der vokalen Kommunikation übernommen werden, welche aber meist dem Ausdruck eines interpretierbaren Inhalts dient. Dieser Inhalt ist dem sprachlichen Zeichen jedoch nicht inhärent, sondern wird erst durch soziale Handlungen und den gesellschaft- lichen Rahmen (Rollenverhältnis) bestimmt. Die Erwartungen, die durch diesen Rahmen und auch durch das Statusverhältnis zweier Kommunizierender geschaffen werden, bestimmen die Kommunikation mit. Gleichzeitig enthält jede Nachricht auch Beziehungsinformationen, darüber ”was ich von dir halte” und ”wie wir zueinander stehen”, sowie einen Teil, welcher zur Identitäts- genese beiträgt. Denn: ”Es sind nur die Anderen, welche uns sagen können,w er wir sind.” Diese Du- und Wir-Botschaften dienen der (Re-)Definition und Approximation von Beziehungen und Rollenverhältnissen. Rollen und Kommunikation beeinflussen sich reziprok.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

Die Kommunikation ist für die zwischenmenschlichen Beziehungen, was der Humus für die Blu- me ist: Die Grundlage auf der sie gedeiht und das Konglomerat, welches von ihren Wurzeln tief durchdrungen wird. Die Kommunikation ermöglicht es uns erst, Beziehungen zu definieren und Beziehungen haben weitreichende Auswirkungen auf unsere Art zu kommunizieren. Durch ein Netz von Kommunikation und damit von Beziehungen entsteht eine Gesellschaft mit ihren einzelnen sozialen Rollen.

Quellenverzeichnisse

Literaturverzeichnis

Bühler, K. (1965): Sprachtheorie. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart. Dahrendorf, R. (1974): Homo Sociologicus. Ein Versuch zur Geschichte, Bedeutung und Kritik der Kategorie der sozialen Rolle. Westdeutscher Verlag, Opladen. Goffman, E. (1969): Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag. Texte und Studien zur Soziologie. Piper München. – (1971): Verhalten in sozialen Situationen. Strukturen und Regeln der Interaktion im öffentli- chen Raum. Bertelsmann-Fachverlag Gütersloh. Johnstone, K. (2011): Theaterspiele. Alexander Verlag Berlin. Jörissen, B. (2010): „George Herbert Mead: Geist, Identität und Gesellschaft aus der Perspek- tive des Sozialbehaviorismus“. German. In: Schlüsselwerke der Identitätsforschung. Hrsg. von Jörissen, B./Zirfas, J. VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 87–108. isbn: 978-3-531-15806-8. url: http://dx.doi.org/10.1007/978-3-531-92196-9_6. Lenz, K. (1991): „Erving Goffman - Ein soziologischer Klassiker der zweiten Generation.“ In:

Verlag Paul Haupt Bern und Stuttgart. Kap. Erving Goffman Werk und Rezeption, S. 32–36. Mead, G. H. (1995): Geist, Identität und Gesellschaft aus der Sicht des Sozialbehaviorismus. 10. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 455 S. isbn: 3-518-27628-X. Molcho, P. S. (2002): Alles über Körpersprache. Sich selbst und andere besser verstehen. Mosaik. Soeffner, H.-G. (1986): Handlung — Szene — Inszenierung. Thun, F. S. v. (1988): Miteinander reden: Störungen und Klärungen - Psychologie der zwi- schenmenschlichen Kommunikation. Rowohlt. Watzlawick, P./Beavin, J. H./Jackson, D. D. (2000): Menschliche Kommunikation: For- men, Störungen, Paradoxien. Huber Hans.

Verzeichnis der Internet- und Intranetquellen

Engelhardt, P. D. M. v. (2010): Georg Herbert Mead: Symbolischer Interaktionismus. url:

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