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Auch die Chemie muss stimmen: zur Funktionssicherheit von Dichtungswerkstoffen

Das optimale Zusammenspiel von Anwendungsparametern, Werkstoff und Produktdesign ist die Basis für die sichere Funktion von Dichtungslösungen. Besonders medienverträgliche Werkstoffe wie H-ECOPUR® oder fluorierte Hochtemperatur-Compounds haben sich in ver- schiedenen Anwendungsfeldern industrieller Antriebstechnik besonders bewährt.

Von Thomas Deigner, SKF Economos Deutschland GmbH

Dichtungswerkstoffe können zwar grundsätzlich auf einzelne Beständigkeiten gegenüber den auf sie einwirkenden Medien getestet werden. In der Praxis sind jedoch nicht immer alle Umgebungsmedien im Voraus bekannt. Neben den üblichen Betriebsstoffen sind dies Korro- sionschutzzusätze oder zur Reinigung verwendete Chemikalien, die in unterschiedlichen Konzentrationen zum Einsatz kommen.

Dem Entwickler bietet sich eine breite Auswahl an Materialien, die sich bereits in spezifi- schen Anwendungsumfeldern bewährt haben und somit zusätzliche Funktionssicherheit für Unvorhergesehenes bieten können. Für die Bearbeitung steht das besonders flexible SKF SEAL JET Fertigungsverfahren zur Verfügung, mit dem Dichtelemente aus einem Stück bis 4.000 mm Durchmesser hergestellt werden können.

Medienverträglichkeit entscheidend

Anwendungen in der Fluidtechnik wie Pressen, Kolbenpumpen, Zylinder, Ventile usw. werfen immer die Frage nach der Medienverträglichkeit der jeweils verwendeten Dichtungswerkstof- fe auf. Neben mineralölbasierten Fluids kommen hier entsprechende Emulsionen und Druck- flüssigkeiten auf HFA-, HFB- und HFC-Basis zum Einsatz.

Für die praktische Umsetzung bei wasserbasierenden Druckflüssigkeiten und Prozessabsi- cherung eignet sich H-ECOPUR®. Dieser Werkstoff verfügt über eine hohe Verschleiß- und Reißfestigkeit sowie über einen niedrigen Druckverformungsrest. Anders als die üblicher- weise in Dichtungsanwendungen verwendeten Werkstoffe auf Polyurethanbasis, die haupt- sächlich auf mineralölbasierte Fluide ausgelegt sind, widersteht H-ECOPUR® bei Tempera- turen bis 70 °C der durch das Kondenswasser drohenden Hydrolyse.

Kühl- und Schmiermedien haben großen Einfluss auf die Auswahl geeigneter Dichtungs- werkstoffe. Als gängige Medien kommen Emulsionen wie Hycut ET, Blasocut 2000 oder Castrol in verschiedenen Konzentrationen zum Einsatz. Die Vielzahl der im internationalen Markt eingesetzten Medien und der verwendeten Konzentrationen machen das Ganze eini- germaßen unübersichtlich.

Angelehnt an die VDI-Richtlinie 3035 erfordert der Einsatz in mineralölfreien oder mineralöl- armen Kühlschmierstoffen, z. B. esterbasischen Produkten, zumeist Sonderwerkstoffe auf

der Basis von Fluorkautschuk (FPM) oder Perfluorkautschuk (FFKM) bzw. hydriertem Nitril-

kautschuk (HNBR). Fluorierte Werkstoffe wie FPM weisen jedoch unbefriedigende Abrieb-

und Druckfestigkeit, Reib- und Gleiteigenschaften auf.

PTFE und PTFE-Compounds bringen Nachteile bei der Montage mit sich, da PTFE nicht elastisch gedehnt werden kann und deshalb nicht in die geschlossenen Nuten einschnappt. Bei vollautomatischen Handlingprozessen ist darauf zu achten, dass die PTFE-Dichtung nicht bereits bei der Montage beschädigt wird.

ECOPUR-Werkstoffe haben standardmäßig eine Härte von 95 Shore A, sind aber für höhere Drücke und größere radiale Extrusionsspalten auch in der X-ECOPUR-Familie mit ca. 60

Shore D verfügbar. Werkstoffabhängig stehen große Dichtungsdurchmesser mit 400 bis 600

mm

zur Verfügung.

Für

den Einsatz in der Lebensmittel verarbeitenden Industrie kommt ein neuer Dichtungs-

werkstoff auf PU-Basis infrage: ECOPUR® 95A-bl FG erfüllt die strengen Anforderungen der EU-Richtlinie EC 1935/2004 und ist darüber hinaus auch FDA-konform. Damit eignet sich dieser Werkstoff besonders für die Herstellung von Abstreifern, Rotations-, Kolben- und Stangendichtungen. ECOPUR ® 95A-bl FG verfügt über eine hohe Verschleiß- und Reißfes- tigkeit sowie über einen niedrigen Druckverformungsrest. Darüber hinaus deckt ECOPUR ® 95A-bl FG das Temperaturspektrum von -50°C bis +110°C ab.

Gedreht oder gespritzt

Aufgrund seiner flexiblen SKF SEAL JET -Fertigungstechnik kann SKF Economos Dichtele- mente in solchen Abmessungen in den gewünschten medienbeständigen Werkstoffen und auch bei kleineren Mengen für Standard- oder anwendungsspezifische Dichtungsprofile zur Verfügung stellen. Ein Dichtabstreifer aus H-ECOPUR ® für Stangendurchmesser von 416,5

mm ist auf diese Weise innerhalb von nur wenigen Arbeitstagen verfügbar. Dabei entfallen

die bei konventionellen Fertigungsmethoden anfallenden Werkzeugkosten und langen Lie-

ferzeiten.

Fazit

Langjähriger, bewährter Einsatz, Medienbeständigkeit, hohe Abriebfestigkeit und Montage- freundlichkeit machen die Compounds der ECOPUR®-Familie zu überlegenen Werkstoffen für ein breites Anwendungsspektrum. Und Dank des flexiblen SKF SEAL JET Fertigungsver- fahrens von SKF Economos sind Dichtelemente schnell und ohne Werkzeugkosten realisier- bar. Mengenteile können aus dem selben Compound mit Spritzgießtechnik gefertigt werden.

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Dipl. Ing. (FH) Thomas Deigner Geschäftsführer der Economos Deutschland GmbH Bietigheim-Bissingen Tel.: 07142 593-0 E-Mail: seals.bietigheim@skf.com

Bild 0: Titelbild Kolbendichtung aus H-ECOPUR ®

Bild 0: Titelbild Kolbendichtung aus H-ECOPUR ® Kasten Bild 1: Produktlösung im Profil R15 in

Kasten

Bild 1: Produktlösung im Profil R15 in anwendungsspezifi- schen Werkstoffen, abgestimmt auf die Umgebungsmedien und -temperaturen.

abgestimmt auf die Umgebungsmedien und -temperaturen. Werkstoffbeschreibung H-ECOPUR ® H-ECOPUR ® ist

Werkstoffbeschreibung H-ECOPUR ®

H-ECOPUR ® ist ein von Economos entwickeltes thermoplastisches Po- lyurethanelastomer. Zu den charakteristischen Eigenschaften des vielseiti- gen Standard-Dichtungswerkstoffes gehören:

n

hohe Reißfestigkeit und Druckfestigkeit

n

geringer Druckverformungsrest und hohe Kriechfestigkeit

n

hohe Verschleißfestigkeit und ausgezeichnete Reibungseigenschaften

n

hohe Chemikalien- und Hydrolysebeständigkeit

n

Beständigkeit gegenüber hochenergetischer Strahlung

n

geringe Gasdurchlässigkeit

H-ECOPUR ® ist gegenüber Mineralölen resistent sowie gegenüber einer

Vielzahl weiterer Medien wie:

n

Wasser und Meerwasser

n

HFA, HFB, HFD-U, HETG und HEES

n

Alkoholen wie bspw. Ethanol

n

Schmierstoffen und Ölen auf Silikonbasis

n

biologisch abbaubaren Druckflüssigkeiten

n

Sauergas bis 5 %

Der Werkstoff ist in einer Vielzahl von Profilen verfügbar und kann darüber hinaus auch im Spritzguss-Verfahren für Serien und Großserien verarbeitet werden.

Bild 2:

Reinigungsprozess und Verträglichkeiten der unterschiedlichen Elastomer-Werkstoffe

der unterschiedlichen Elastomer-Werkstoffe Diagramm H-ECOPUR ® im Vergleich zu Elastomeren

Diagramm H-ECOPUR ® im Vergleich zu Elastomeren

Quellverhalten verschiedener Dichtungswerkstoffe in Seewasser bei 110°C [x-Achse:] Quellrate [%]

[y-Achse:] Einwirkungsdauer [Stunden]

verschiedener Dichtungswerkstoffe in Seewasser bei 110°C [x-Achse:] Quellrate [%] [y-Achse:] Einwirkungsdauer [Stunden]

Bild 3:

Formdichtung mit Verdrehsicherung aus ECOPUR_9SA-bl-FG gemäß den neuen EU- Richtlinien und FDA Konformität

gemäß den neuen EU- Richtlinien und FDA Konformität Bild 4: Faltenbalg mit Dicht- und Spannflansch aus

Bild 4: Faltenbalg mit Dicht- und Spannflansch aus öl- und

wasserbeständigem H-ECOPUR ®

und FDA Konformität Bild 4: Faltenbalg mit Dicht- und Spannflansch aus öl- und wasserbeständigem H-ECOPUR ®