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Karneval in Mechernich

1. Die Entstehung des Karnevals in der Region um Mechernich

2. Die ersten „Gehversuche“ in Mechernich bis 1930

3. Der Karneval in Mechernich im Nationalsozialismus bis 1945

4. Der Karneval in Mechernich in der Nachkriegszeit bis 1960

5. Die Gründung des Festausschuss Mechernicher Karneval 1960 e.V.

6. Die erste Vereinsstruktur entsteht

7. Das Vereinsleben beginnt

8. Der Festausschuss entwickelt sich

9. Resümee zur Gründung und Fortbestehen

10. Gruppen und Personen im Mechernicher Karneval

11. Anekdoten
Die Entstehung des Karnevals in der Region um Mechernich
Der Kölner Karneval wurde auf Anregung Heinrich von Wittgenstein 1823 mit einem
„Festordnenden Komitee", ein organisatorischer Rahmen und eine breite Basis
gegeben. Obwohl die neuen Herren im Rheinland, die Preußen, jeder
Vereinsgründung äußerst mißtrauisch gegenüber waren und eine Genehmigung
kaum erteilten, standen sie aus wirtschaftlichen Gründen dem neuen „Festordnenden
Komitee" eher wohlwollend gegenüber. Denn bis 1821 war eine Lustbarkeitsabgabe
für alle Maskierten erhoben worden, die der Armenverwaltung zugute gekommen
war. Mit der zunehmenden Unlust des Maskentragens und der Abschaffung der
Lustbarkeitsabgabe geriet die Armenverwaltung in Finanznöten. Die Situation mißfiel
den städtischen Oberschichten. Sie setzten sich in Berlin für die Wiedereinführung
der Abgabe ein, die am 16. Februar 1823 genehmigt wurde.
Das „Festordnende Komitee" verordnete dem bisher mehr spontanen Karneval feste
Regeln für die Abläufe des Karnevalstreibens, wie Sitzungen, Rosenmontagszug
usw., die zum größten Teil noch heute Gültigkeit haben. Diese neue Art Karneval zu
feiern verbreitete sich über Köln hinaus. Doch ehe dieser junge Karneval bei uns in
der Nordeifel Fuß fassen konnte, vergingen noch viele Jahre. Vorerst feierte man bei
uns noch nach alten Gewohnheiten. Schon zu Weiberfastnacht begann das tolle
Treiben. Dann bestanden die Frauen auf ihrem althergebrachten Recht, allein
ausgehen zu dürfen. In den unmöglichsten Möhnekostümen zogen sie von Haus zu
Haus, nicht um etwas zu heischen, man hatte eher den Eindruck, Einblick in die
Häuser zu halten, in die sie normalerweise nicht kamen. Im Laufe der Jahre
veränderte sich das Verhalten der Möhnegruppen. Sie zogen jetzt nicht mehr von
Haus zu Haus, sondern von Gaststätte zu Gaststätte. Dieser Brauch hat sich in
Mechernich bis in die fünfziger Jahre dieses Jahrhunderts erhalten. Am
Karnevalsdienstag zogen maskierte Kinder, in Mechernich teilweise noch heute, von
Haus zu Haus und bitten um Gaben, wo sie ihre Lieder singen:

Rappele, rappele Ringelche


he komme paar ärme Kengdeche loß se net ze
lang stoon
denn se mösse wegge joon.
E Stöckelche Weck, e Stöckelche Speck, alles,
wat de leeve Jott ze messe hät.

Oder

Faste Fastelovend,
he köt de Fastelovend.
Setz däm Mann ne Stohl da,
op jede Stohl e Kässe,
Appelche, Bierche, Nößje,
eiße kleene Köngde jäen.
He wonnt en joot Mähn,
die os noch jet jövve kann.
E Stöckelche Weck, e Stöckelche Speck, alles,
wat de leeve Jott ze messe hät.

Die ersten zaghaften Versuche, Karnevalsgesellschaften nach Kölner Vorbild zu


gründen, fanden ab 1845 in Euskirchen statt. Bei uns im Altkreis Schleiden machte
erstmals die Karnevalsgesellschaft „Dat se Männ" aus Kronenburg 1861 in einer
Zeitungsanzeige auf sich aufmerksam. Ihr folgten 1867 in Gemünd „Gemünder
Klüngel", 1879 in Kalenberg „Nasse Fööß", 1881 und 1883 in Gemünd „Stoff de
Meng" und 1883 die Schleidener Karnevalsgesellschaft. Die ersten
Karnevalsumzüge sind uns 1861 aus Kronenburg und 1879 aus Kalenberg
überliefert. Die genannten Karnevalsgesellschaften hatten nicht lange Bestand. Der
Blankenheimer Karneval richtete sich in seiner Organisation nicht nach dem Kölner
Modell aus, sondern hielt weiterhin an seinem alten Brauchtum fest. Wie die
Anzeigen in der Lokalpresse belegen, fanden in Mechernich schon ab den 60er
Jahren des vorigen Jahrhunderts zu Karneval Maskenbälle in den Gaststätten statt.
Auch war schon das Fischessen nach Karneval, „Häringsessen", wie es damals
genannt wurde, bekannt, das geschäftstüchtige Wirte organisierten.
Quelle: Festheft 40jähriges Vereinsjubiläum, Anton Könen, Mechernich
Die ersten „Gehversuche“ in Mechernich bis 1930
Die erste Nachricht über einen Verein oder eine Gesellschaft aus Mechernich, der
zur Karnevalszeit aktiv war, ist uns aus dem Jahre 1904 überliefert. Es war der
„Humoristen Klub Edelweiß", der in einer Zeitungsanzeige auf sich aufmerksam
macht und Frohsinn zu Karneval verspricht und auch Gastauftritte in umliegenden
Orten anpreist. Dieser Klub darf als Vorgänger der folgenden „Großen Mechernicher
Karnevalsgesellschaft" angesehen werden. Wann die genaue Gründung und die
Namensänderung erfolgte, kann durch fehlende Belege nicht aufgehellt werden. Es
war damals nicht unüblich, daß die Mitglieder einer Karnevalsvereinigung ihrer
Gesellschaft im nächsten Jahr einen neuen Namen verpaßten. So nannte sich z.B.
die „Große Mechernicher Karnevalsgesellschaft" 1934 „ Bleiberger", führte aber
schon 1935 den ursprünglichen Namen wieder ein.
Daß die „Große Mechernicher Karnevalsgesellschaft" es schon vor 1914 verstand
Karneval zu feiern geht aus dem folgende Artikel der Mechernicher Zeitung vom 28.
Februar 1914 hervor:
Die Große Mechernicher
Karnevalsgesellschaft, der das Verdienst
zukommt, einen großen Fremdenstrom
angezogen zu haben, hat mit ihren
Leistungen sich überboten. Die Motive zu
ihrem großen Maskenzuge, welche teils
historischen Ursprungs sind, hatten
bewundernswerte Verkörperung erlangt. Die
Ritterburg entsprach in ihrem Aufbau den in
dem nahen Feytale noch vorhandenen
Originalen, den die begleitenden Ritter,
Edelleute usw. noch figürlicher machten. Der
Wagen Zigeunerlager in der Filzkuhl rief
schaurig-romantische Erinnerungen an diese
Stätte wach, wozu die Fußgruppe Zigeuner-
und innen nicht wenig beitrug. Die Zukunft
Mechernichs wurde durch die Infanterie-
Kaserne, belebt von ihren Insassen in
Drillichanzügen, dargestellt und war wie alle
Wagen, mit großer Geschicklichkeit
aufgebaut. Die folgenden Wagen wiesen alle
ideelle Auffassung des Darzustellenden auf; aber alles wurde überboten von dem
Prunkwagen des Prinzen Karneval, der selbst auf luftiger Höhe seinen schön
trapierten Thron aufgeschlagen und in farbenprächtigem Gewande das
hanswurstliche Zepter führte. Mit vollen Händen teilte er seine süßen Gaben aus und
wurde deshalb umlagert von einer Menge, die immer mehr anschwoll je länger der
Zug sich auf den Straßen bewegte und mit Recht hieß es bei Nr. 20 viel Volk. Die
Rundfahrt verlief ohne Zwischenfall und hat den Beweis geliefert, daß mit nicht allzu
großen Mitteln sich etwas schönes hervorzaubern läßt und es kann der Großen
Mechernicher Karnevalsgesellschaft das Prognostikum gestellt werden, daß sie unter
bewährter Führung nächstes Jahr noch größere Leistungen wird bieten können.
Alaaf Mechernich!

Trotz dieser lobenden Erwähnung in der Lokalpresse darf man nicht vergessen, daß
die damalige Obrigkeit dem Karnevalstreiben trotzdem mißtrauisch gegenüberstand.
So wurden die Polizeibeamten vor dem 1. Weltkrieg (1914) angewiesen, ein scharfes
Auge während der Fastnachtstage darauf zu richten, daß die verbotenen Schiebe-
und Wackeltänze in den hiesigen Lokalen nicht stattfinden. Nicht nur die Wirte,
sondern auch die Vereinsvorstände wurden bei Übertretung des Verbots zur
Rechenschaft gezogen.
Mit Beginn des 1. Weltkrieges (1914-1918) wurde behördlicherseits jeglichem
Karnevalstreiben Einhalt geboten. Trotzdem war man bei der Regierung nicht sicher,
ob sich bei der bekannten rheinischen Frohnatur der Karnevalsvirus doch noch
entzünden könnte. Zur Vorsicht erließ der Kommandierende General des VIII.
Armeekorps, von Ploetz, dem unser Gebiet unterstand, für den Zeitraum vom 11. bis
17. Februar 1915 ein weiteres Verbot gegen das Karnevalstreiben. Danach war in
diesen Tagen sogar der Ausschank von Branntwein (Spirituosen) jeglicher Art in
allen Wirtschaftsbetrieben untersagt.
Nach Beendigung des 1. Weltkrieges (11. November 1918) und der Besetzung der
linksrheinischen Gebiete durch Engländer, Franzosen und Amerikaner stand dem
überwiegenden Teil der Bevölkerung durch Trauer um den Verlust von Angehörigen
und der zunehmenden Verteuerung der Lebenshaltungskosten nicht der Sinn nach
Karnevalstreiben. Außerdem hätten die Alliierten drei Monate nach der Besetzung
unseres Gebietes aus Sicherheitsgründen einen organisierten Karneval für 1919
nicht gestattet.
1920 erließ der Oberpräsident der Rheinprovinz über die Regierungspräsidenten
eine Verordnung, jede karnevalistische Feier einzuschränken. Es ist anzunehmen,
daß die Verordnung von den Besatzungsbehörden ausging, denn im unbesetzten
Gebiet, nicht weit von Mechernich, in Honnef, Königswinter usw. reihte sich ein
Karnevalstreiben an das andere, wie die Presse berichtete.
Bis 1925 erfolgten dann Jahr für Jahr neue Anordnungen der Bezirksregierungen
oder der preußischen Staatsregierung (1922), die das Karnevalstreiben weiterhin
einschränkten oder verboten. Auch die katholische Kirche sparte nicht mit
Mahnungen. Kardinal und Erzbischof Schulte, Köln, begann 1924 sein in dem
kirchlichenAnzeiger veröffentlichten Mahnbrief mit dem Satz: „Es berühren mich
schmerzlich die Mitteilungen von vielfältigen Bestrebungen, den Karneval, der seit
zehn Jahren unter dem Ernst der Lebensnot zu Grabe getragen, wieder aufleben zu
lassen."
Erst 1926 versuchte man wieder, zaghaft an das seit 1914 erloschene
Karnevalstreiben anzuknüpfen. So auch in Mechernich. Wenn auch der
Sitzungskarneval und der Umzug fehlte, so zeigte sich in den Sälen und Gaststätten
wieder Karnevalstrubel. 1929 zog wieder ein Karnevalszug durch die Straßen von
Mechernich. Mit der zunehmenden wirtschaftlichen Notlage kam dieser Neuanfang
wieder zum Erliegen. Daran änderte auch nichts die einberufene Versammlung der
„Großen Mechemicher" am 19. Februar 1930 im Lokal Traber. Denn in einer Zeit, wo
die Anzahl der Arbeitslosen am Bleiberg immer größer wurde, wo das Leben
eigentlich keine Freude mehr machte und der Sinn des Sprüchleins „Es ist eine Lust
zu leben!" ins Gegenteil verkehrt und nur noch ironisch aufzufassen war, hatte der
Karneval nur wenige Anhänger.
Quelle: Festheft 40jähriges Vereinsjubiläum, Anton Könen, Mechernich
Der Karneval in Mechernich im Nationalsozialismus bis 1945
Wie in vielen anderen Orten auch, waren es ausgerechnet die Nationalsozialisten,
die 1934 in Mechernich nach dem Motto „Lachende Menschen fragen nicht viel" den
Karneval wieder belebten. Am 14. Januar 1934 fand wieder eine Gala-Sitzung der
„Großen Mechemicher" statt und mit tatkräftiger Unterstützung der Ortsvereine
konnte wieder ein Karnevalszug durch die Straßen von Mechernich ziehen. Sechs
Wagen und viele Fußgruppen erfreuten die Narren am Straßenrand.
Aufgrund der Rückgliederung des Saargebietes an das damalige Deutsche Reich
stand 1935 der Rosenmontagszug in Mechernich unter dem Motto: „Ajuja - de
Saarländer sen do." Der 1. Fußballklub 21 aus Roggendorf/Mechernich stellte die
Prinzengarde „Rot-Weiß" und der Vorsitzende des Fußballklubs 21, Otto Schlemmer,
herrschte als Prinz Otto I., über die Mechernicher Narren.
Aus dem gleichen Jahr ist uns erstmals eine Schlüsselübergabe auf der
Rathaustreppe zwischen der „Großen Mechernicher" und Bürgermeister Zander
bildlich und schriftlich überliefert.

In den Jahren 1936 bis 1939 hatte die TuS die Organisation des Mechernicher
Karnevals übernommen. Sie verlegte auch erstmals den Rosenmontagszug auf den
Karnevalssonntag. Warum die „Große Mechernicher" in diesen Jahren nicht als
Ausrichter in Erscheinung trat, sondern in eine Statistenrolle gedrängt wurde, konnte
nicht aufgehellt werden. Unerwartet und etwas ganz Neues war 1936 der Auftritt
einer weiblichen Prinzengarde, die von den Damen der TuS gestellt wurde. 1938
stellte die TuS mit ihrem Vorsitzenden Peter Schümchen den Karnevalsprinzen. Im
Saal Mahlberg, Bahnstraße, heute Standort Apotheke Sauerbier, wurde die von der
TuS organisierte Sitzung abgehalten. Hier trat auch zum ersten Mal der
Jungkarnevalist Toni Hack, später als Mitglied der „Bleiklötz" bekannt, als
Büttenredner auf.
Bemerkenswert ist, wie man in den dreißiger Jahren das Wurfmaterial für den
Karnevalszug aufbereitete. Um die Anschaffungskosten so niedrig wie möglich zu
halten, wurden die Bonbons ohne Umhüllung eingekauft. Dazu erwarb man ein paar
Bogen Spezialpapier und dann ging es nach Weihnachten im Haus von Martin
Conrads los. Die Papierbogen wurden in kleine Streifen geschnitten und um die
Bonbons gewickelt. Der Zeitzeuge Günter Conrads kann sich noch gut daran
erinnern, wie sie als Kinder Abend für Abend mithelfen mußten, die Bonbons
einzuwickeln.
Die herausragenste Persönlichkeit als Büttenredner im Mechernicher Karneval
während der dreißiger Jahre war der Heimatdichter Severin Kirfel. Mit Beginn des 2.
Weltkrieges (1.9.1939) erloschen sämtliche Karnevalsdarbietungen für fast zehn
Jahre.

Nach Beendigung des 2. Weltkrieges (8.5.1945) stand dem überwiegenden Teil der
Menschen nicht der Sinn nach Karneval. Die Bevölkerung durchlebte schon seit
Jahren eine Fastenzeit, intensiver als es je eine kirchliche Fastenverordnung getan
hätte.
Quelle: Festheft 40jähriges Vereinsjubiläum, Anton Könen, Mechernich
Der Karneval in Mechernich in der Nachkriegszeit bis 1960

Ab 1946 begann sich hier und da der Karnevalsbazillus wieder zu regen. Wenn auch
noch nicht in organisierter Form, so feierte man trotz oder gerade weil es den
Menschen noch nicht gut ging, wieder Karneval. Die Jugend forderte ihr Recht auf
Lebensfreude über alle Bedenken und Einwände hinweg. Der Karneval war zwar
nicht so groß und prunkvoll wie in der heutigen Zeit, aber die Menschen konnten sich
damals auch an einfachen Dingen erfreuen. Man sang das schöne Lied: „Et Päckche
us Amerika, dat j ed Wauch köt von Ohm an Tant" und trank seinen geliebten „Knolly
Brandy" (selbst gebrannt aus Zuckerrüben), diesen treuen, aber traurigen Begleiter
jener Zeit.
Ende November 1946 organisierte der durch Kriegswirren von Köln nach Mechernich
verzogene Hans Baer im Kinosaal Stahl, Bergstraße, eine Karnevalssitzung mit
Kölner Kräften. Die Kölner brachten Elfenrat und Sitzungspräsident selber mit. Unter
den Auftretenden auch die berühmten „4 Botze", die aber nur mit 3 Botzen
(Mitgliedern) anwesend waren, da die vierte Botz sich noch in Kriegsgefangenschaft
befand. Als einziger Mechernicher wirkte bei der Sitzung Kasimir Schnöder mit.
1947 brachte die TuS mit einer Aktion Karnevalsstimmung nach Mechernich. Die
Damenhandballmannschaft und die Fußballspieler begaben sich nach Satzvey, wo
sie den Zug in Richtung Mechernich bestiegen. Inzwischen bunt kostümiert, wurden
sie am Mechernicher Bahnhof herzlich empfangen und in einem kleinen
Karnevalszug zum Eifelstadion geleitet, wo weitere humorvolle sportliche Einlagen
geboten wurden.
Unter Federführung der Motorsportfreunde im ADAC, Mechernich, wurde 1948 im
erhaltenen kleinen Saal Hotel Bleiberg, Friedrich-Wilhelm-Straße, eine
karnevalistische Sitzung abgehalten. Diesmal waren die „4 Botze" wieder vollzählig
beim Auftritt. Bei dieser Veranstaltung wurde für das Gesangsduo Gebrüder Hack,
begleitet von Rainer Sahnon, durch Musikdirektor Heinrich Weiler, Dirigent des MGV
Mechemich, der Künstlername„Bleiklötz" aus der Taufe gehoben.
Nach der Währungsreform (20.6.1948) und der damit verbundenen Normalisierung
des täglichen Lebens, begann sich auch in Mechernich der organisierte Karneval neu
zu formieren. Die „Große Mechernicher Karnevalsgesellschaft", 1. Vorsitzender Dr.
Sprothen, trat wieder mit ihren Veranstaltungen, diesmal optisch verstärkt durch ihre
„Blau-Weiße Garde", vor das närrische Publikum.
In der Session 1949/1950 stellte sie mit ihrem Präsidenten Werner Kirfel als Werner
I. den ersten Karnevalsprinzen nach dem 2. Weltkrieg. Ihm folgten in der
Prinzenwürde Josef Kleemann und 1954 als letzter Karnevalsprinz der „Großen
Mechernicher", Hubert 1. (Hubert Schomer). Im gleichen Jahr wurde erstmals ein
Kinderprinz, Heiner 1. (Heiner Birken), proklamiert.
Am 12. November 1949 erklang in der Prunksitzung zum ersten Mal der von
Musikdirektor Heinrich Weiler, Kommern, Dirigent des Mechernicher
Männergesangvereins, komponierte Büttenmarsch der „Großen Mechernicher."
1950 auf Rosenmontag veranstaltete man die erste Kindersitzung in Mechernich.
Präsident Werner Kirfel stellte im gleichen Jahr sein Amt wegen Wohnungswechsel
zur Verfügung. Nachfolger wurde Karl-Heinz Pfeil, der 1952 wegen berufsbedingter
Versetzung sein Amt ebenfalls zur Verfügung stellte. Ihm folgten im Amt Franz
Wilhelm 1952/53 und ab 1953 Theo Koch.

Der damalige Amtsbürgermeister Heinrich Vimich wurde 1951 zum Ehrenpräsident


der Gesellschaft ernannt, da er ihr seit 1912 angehörte.
Ab 1952 wurde der Karnevalsumzug neben Spenden überwiegend durch den
Verkauf der Fastelovendszeidong „Närrischer Bleiberg" finanziert.
Während der Wiederbelebung der Gesellschaft nach dem 2. Weltkrieg trat eine neue
Generation von Büttenrednern/Innen erfolgreich vor die närrische Zuhörerschaft. Es
waren, um nur einige zu nennen, Jakob Linden, Karl-Heinz Pfeil, Theo Koch, Hubert
Schomer, Heinz Mayer, Willi Schmitz und als weibliche Büttenrednerin Frau A. Pfeil.
Ein besonderes Glanzstück aber waren die „Bleiklötz", die Brüder Toni und Josef
Hack als Gesangsparodisten, die man am 10. Januar 1954 sogar nach Köln, ins
Hotel Atlantic verpflichtete.
Die Kommandanten der „Blau-Weißen Garde" waren Arthur Schneider, Mathias
Krämer und Peter Strunk.
Nach der Session 1954 stellte die „Große Mechernicher Karnvalsgesellschaft" ihren
Betrieb ein. In das jetzt während der Karnevalszeit entstandene Vakuum stießen die
Mechernicher Vereine TuS, MGV und Feuerwehr vor. Mit Hilfe der Büttenredner der
ehemaligen „Großen Mechernicher" und zum Teil auch mit deren ehemaligem
Elferrat zogen sie jetzt karnevalistische Veranstaltungen auf. TuS und MGV hatten
damit bereits 1951 begonnen.
Wer nicht bei den genannten Vereinen mitfeierte gehörte zum führerlosen Narrenvolk
von Mechernich, das seinen privaten Karneval aufzog. Mechernichs lustige Damen

gingen trotzdem wie eh und jeh ihrem Urinstinkt nach. Ihr persönlicher Freiheitsdrang
ist so ausgeprägt, daß man sie kaum organisieren kann, da sie kaum eine Führung
dulden und jede nach dem ungeschminkten Gesetz der weiblichen Demokratie
immer nur das macht was sie will. Tagsüber sieht man sie noch als fleißige
Hausfrauen, Mütter und Großmütter, aber abends steigt dann der Auftakt zu einer
karnevalistischen Wallfahrt durch sämtliche Lokale, um da hängen zu bleiben, wo es
am fröhlichsten zugeht. Bei solchen Müttern ist es dann auch nicht verwunderlich,
wenn schon die Kinder, kaum daß sie laufen können, das gleiche Fieber bekommen.
Sie sind somit die Garanten des närrischen Treibens der Zukunft. Da diese Art, die
närrische Zeit in Mechernich zu gestalten auf die Dauer nicht tragbar und für das
karnevalistische Brauchtum nicht förderlich war, mußte etwas geschehen. Aber es
sollte noch sechs Jahre dauern, bis es soweit war.
Quelle: Festheft 40jähriges Vereinsjubiläum, Anton Könen, Mechernich
Die Gründung des Festausschuss Mechernicher Karneval 1960 e.V.

„Festausschuß Mechernicher Karneval" gegründet, schrieb die Eifeler Volkszeitung


am 27. Januar 1960 und die Kölnische Rundschau schrieb am gleichen Tag
skeptisch: „Lohnt sich der Versuch?" Vor der ersten Sitzung der neuen Gesellschaft
schrieb der Kölner Stadt Anzeiger am 10. Februar 1960: „Ein Arzt kuriert
Mechernicher Karneval." Was war die Ursache?
Doktor Egon Wegmann, der sich 1957 in
Mechernich als Hals-Nasen-Ohrenarzt
niedergelassen hatte, war erstaunt, daß im
größten Ort des damaligen Kreis Schleiden außer
Vereinskarneval keine karnevalistischen Zeichen
gesetzt wurden. Er, der selbst während seiner
Studenten- und Ärztezeit in Bonn als Organisator
karnevalistischer Geselligkeit aktiv gewesen war
und manchen großen Abend aufgezogen hatte,
konnte das nicht verstehen. Nach dem Motto „Hier
muß etwas geschehen" schritt er zur Tat.
Nach Vorgesprächen mit ehemaligen Mitgliedern
der „Großen Mechernicher Karnevalsgesellschaft",
interessierten närrischen Bürgern und dem
Weckruf an alle Ortsvereine, mitzumachen, wurde
am Samstag, den 23. Januar 1960 zu einer
Versammlung ins Hotel Greve eingeladen. Die
Einladung erging an etwa 100 Personen in
Mechernich. 40 der Eingeladenen fanden sich
dann im Hotel Greve zusammen. Unter ihnen
Pfarrer Nailis und Kaplan Baumann sowie
Bürgermeister Peter Lauterbach. Amtsdirektor Brendt ließ sich entschuldigen. Von
den Vereinen waren anwesend die Vorsitzenden oder Vorstandsmitglieder:
die TuS, des Kirchenchores, der Kriegerkameradschaft, des MGV, der Feuerwehr,
der KAB, des VDK, der VDH, Kolpingsfamilie und der Barbarabruderschaft.
Nicht anwesend war der Eifelverein und die Vereinigung der Berg- und Hüttenleute,
die später beitrat und Peter Krupp als Vertreter entsandte. Leider hatte die
Lehrerschaft von der Einladung keinen Gebrauch gemacht.
Mit der Leitung der Versammlung wurde Heinz Mayer, ehemaliger Büttenredner der
„Großen Mechernicher" beauftragt. Mit ihm stand, wie der damalige Chronist
berichtete, der richtige Mann an der richtigen Stelle, gegen den ein Berliner in seinem
Redefloß wie ein Stotterer wirkte. Kurzum Heinz Mayer verstand es, die Anwesenden
für Mechernichs Karneval zu begeistern. Überzeugend hob er hervor, daß es für
Mechernich doch möglich sein müsse, nach althergebrachter Tradition wieder einen
„Fastelovend" mit Veranstaltungen auf die Beine zu bringen. Nach seiner Meinung
müsse man versuchen, die Bevölkerung wieder für die närrische Idee zu begeistern,
was aber nur möglich wäre, wenn es gelänge, alle unter einen Hut zu bringen.
Im weiteren Verlauf seiner Rede machte Heinz Mayer den Vorschlag, die neu zu
gründende Gesellschaft „Festausschuß Mechernicher Karneval" zu nennen. Für
Kenner des rheinischen Karnevals eine etwas kuriose Bezeichnung für eine
karnevalistische Gesellschaft. Unter einem Festausschuß versteht man vorwiegend
eine Dachorganisation für alle am Ort ansässigen Karnevalsvereine und -
Gesellschaften, um Veranstaltungen und Karnevalsumzüge in geordnete Bahnen zu
lenken. In Mechernich gab es aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal eine
Karnevalsgesellschaft. Warum wählte man diese Bezeichnung?
Da die Neuformierung des organisierten Karnevals, mitten in der Session, mit
erheblichen Risiken verbunden war, sollten alle Ortsvereine mit Verantwortung
tragen. Das war eine ganz neue Form des Fastelovends für Mechernich. Der
Vorstand des geplanten Festausschusses sollte sich nach den Vorstellungen der
Gründerväter aus Mitgliedern der Ortsvereine zusammensetzen. Durch die
Mitwirkung der Ortsvereine hatte der Name „Festausschuß Mechernicher Karneval"
eine gewisse Berechtigung. Obwohl im späteren Laufe der Jahre der Einfluß und die
Mitwirkung der Ortsvereine auf Null gesunken ist und der Festausschuß sich zu
einem selbstständigen Verein entwickelt hat, ist der Gesellschaftsname geblieben.
Nachdem nun der Grundstock für die Neubelebung des Mechernicher Karnevals
gelegt war, beschloß man, sich am 26. Januar 1960 wieder im Hotel Greve zu
treffen, um das noch lockere Narrenaufgebot zusammen zu fügen.
Quelle: Festheft 40jähriges Vereinsjubiläum, Anton Könen, Mechernich
Die erste Vereinsstruktur entsteht
Unter Vorsitz von Bürgermeister Peter Lauterbach schritt man zur Wahl eines
Vorstandes. Zum ersten Vorsitzenden und Repräsentant wurde einstimmig Dr. Egon
Wegmann gewählt. Zweiter Vorsitzender wurde Heinz Mayer, der gleichzeitig zum
Präsidenten des Elferates gewählt wurde. Er hatte damit eine schwere Aufgabe
übernommen, denn er mußte in Zukunft immer das sagen, was die anderen gerne
hören möchten.
Obwohl der neugegründete Festausschuß Mechernicher Karneval noch keine
Schätze finanzieller Art aufzuweisen hatte, wurde Nikolaus Kämmerling zum
Schatzmeister und Heinrich Winzen zu seinem Stellvertreter gewählt. Schriftführer
wurde Richard Husch und sein Stellvertreter Wilhelm Wolber. In den technischen
Ausschuß wählte man Josef Kündgen, Erich Fischer und Hubert Tümmler, als
Beisitzer Horst Kluge, Johann Michels und Servatius Stoffels.
Die Ortsvereine entsandten folgende Vertreter in den Festausschuß:

TuS Mechernich Albert Reuter


MGV Mechernich Heinrich Winzer
Kirchenchor Mechernich Erich Winzen
St.Barbara Bruderschaft Mechernich Georg Tillenburg
Freiwillige Feuerwehr Mechernich Hans Kreitz
Arbeiterverein Mechernich Josef Schnichels
VDK Mechernich Klemens Schröder
Heimkehrerverband Mechernich Johann Kuck
Kolpingsfamilie Mechernich Franz-Josef Boeder

Die noch fehlenden Vertreter der anderen Ortsvereine wurden dem Festausschuß
nachträglich gemeldet.
An Hand der aufgeführten Namensliste ist zu ersehen, daß einige Vereinsvertreter
auch im Vorstand des Festausschusses vertreten waren, was sich in der Wahl zum
Elferrat wiederholte.
In den Elferrat wurden gewählt:
1. Dr. Egon Wegmann
2. Heinz Mayer
3. Wilhelm Wolber
4. Horst Kluge
5. Johann Michels
6. Servatius Stoffels
7. Hubert Schmitz
8. Franz Schäfer
9. Josef Schommer
10. Theo Sechtem
11. Peter Mauel
12. Albert Reuter
13. Leo Flink
14. Rolf Buchheld
15. Johann Kuck
16. Franz-Josef Boeder
17. Karl-Heinz Sanden
Der Leser wird sich beim Betrachten der Namensliste verwundert fragen, warum 17
Mitglieder, wo doch die Bezeichnung Elferrat (11) die Anzahl der Mitglieder schon
genau festlegt. In diesem Fall hatte man mit Absicht eine so starke Besetzung
gewählt, um vorsorglich eine beruhigende Reservebank zur Verfügung zu haben. Als
Betreuer des Elfenrates wurde Josef Kündgen nominiert, womit die Betreuung in
guten Händen lag.
Für den großen „Rat", das ist die Bezeichnung für
die aktiv mitarbeitenden Karnevalisten, sagten
etwa 30 Männer ihre Mitarbeit zu. Das
vorbereitende Gremium für alle Veranstaltungen
ist der „kleine Rat“
Nach den Wahlgängen bedankte sich Dr. Egon
Wegmann für das entgegengebrachte Vertrauen
zur Wahl zum 1. Vorsitzenden und gab der
Hoffnung Ausdruck, daß die Anfangsbegeisterung
beständigen Charakter haben möge.
Nach der Wortübergabe an Heinz Mayer
überraschte dieser die Anwesenden mit der
Mitteilung, daß man trotz der schon
fortgeschrittenen Karnevalssession für den 18.
Februar 1960 die erste Galasitzung des neuen
Festausschusses geplant habe. Das war nicht nur
eine Meisterleistung der Organisation in dieser
äußerst kurzen Zeit, sondern auch eine Sensation
für die Versammlung. Gute Beziehungen zu den
Spitzenkräften des rheinischen Humors und das
Ausweichen auf den ungünstigen Donnerstag,
wegen der schon bestehenden Auftrittstermine
der Spitzenkräfte, machten diese kurzfristig
angesagte Galasitzung möglich. Die Saalfrage
war dank des Entgegenkommens von Peter Stahl
(Kinosaal) schnell geklärt. Mit allgemeiner Zustimmung setzte man den Eintrittspreis
auf 2,50 DM fest.
Man hatte mit Absicht diesen niedrigen Eintrittspreis für den Anfang festgesetzt, der
sicher ein Risiko in Gegenüberstellung zu den bevorstehenden Auslagen war, aber
man sagte sich, daß ein volles Haus mit niedrigen Eintrittspreisen immer noch besser
sei als ein leeres. Hinzu kam noch, daß sich eine größere Anzahl Mechernicher
Geschäftsleute anboten, zur Unkostendeckung Werbeanzeigen anzubieten. Dadurch
konnte der Festausschuß sogar ein Programm in Druck geben, daß als
Postwurfsendung in alle Haushaltungen versandt wurde und die Bevölkerung mit den
Einzelheiten der Galasitzung vertraut machte.
Das Zustandekommen der neuen Planung, war in erster Linie allen anwesenden
Vereinsvertretern zu verdanken, die großes Verständnis zeigten. Unter den
Anwesenden wurde nun im Interesse des Mechernicher Karnevals einstimmig
folgender Beschluß gefaßt: „ Um im Interesse der Allgemeinheit des Ortes, einen
reibungslosen Ablauf von Veranstaltungen zu gewährleisten, werden alle Vereine
ersucht in der Karnevalssession keine konkurrierende Nebenveranstaltungen
abzuhalten. Das bezieht sich aber nicht auf interne Vereinszusammenkünfte unter
Ausschluß der Öffentlichkeit."
Quelle: Festheft 40jähriges Vereinsjubiläum, Anton Könen, Mechernich
Das Vereinsleben beginnt
Mit diesem für den neuen „Festausschuß Mechernicher Karneval" geschlossenen
Nicht-Angriffspakt für die Zeit vom 11.11. bis zum Aschermittwoch bot er Zeit und
Raum für eine freie Entfaltung des Narrenregimes.
Die erste Sitzung des neugegründeten Festausschusses Mechernicher Karneval im
Kinosaal Peter Stahl übertraf selbst die Erwartungen der kühnsten Optimisten der
närrischen Zunft. Obwohl der Beginn der Veranstaltung auf 20,11 Uhr festgelegt war,
stauten sich schon um 19,00 Uhr die Besucher an der Kinokasse. Mechernich glich
zu dieser Zeit einer Sternwanderung von jahrelang entwöhnten Narrenanhängern in
Richtung Kinosaal. Selbst von auswärts kamen sie mit Omnibussen. Jeder Besucher
erhielt beim Eintritt zur eigenen Kostümierung ein buntes Papierhütchen als Dank
des Festausschusses für seinen Besuch.
Wer aber glaubte, an diesem Abend an der Kasse noch eine Eintrittskarte zu
erhalten, der mußte enttäuscht feststellen, daß da nichts mehr zu holen war. Die
Eintrittskarten waren schon im Vorverkauf restlos ausverkauft gewesen.
Vorsorglich hatte der Gastwirt Peter Ruroth, der parallellaufend mit der Sitzung den
Lokalbetrieb aufrecht hielt, im Lokal eine Lautsprecheranlage installiert, an der man
den Verlauf der Sitzung verfolgen konnte, wenn man sie schon nicht sehen konnte.
Begleitet von den Klängen der Bergkapelle unter Leitung von Peter Krupp (in den
folgenden Jahren irrtümlich als Hauskapelle bezeichnet), glich der Einmarsch des
Elfenrates an diesem Abend dem Einzug der Gladiatoren im alten Rom. Die
Bühnenseite des Saales war mit dem großen Mechernicher Ortswappen
geschmückt, unter dem der Elfenrat mit seinem Präsidenten Heinz Mayer Platz
nahm. Der 1. Vorsitzende des Festausschusses, Dr. Egon Wegmann, fand zu Beginn
der Sitzung herzliche Worte der Begrüßung für die Anwesenden, er hob besonders
die Anwesenheit der Pfarrgeistlichkeit und Behördenvertreter hervor. Dann übergab
er das Zepter an den Präsidenten des Elfenrates. Der versprach allen für den Abend
viel Freude. Unter seiner bewährten Regie rollte dann Schlag auf Schlag ein
Programm ab, das kein Auge trocken ließ. Als erster Büttenredner und Eisbrecher
erschien Gerd Wiesner (Horrem) als „ne verdötschte Reisende." Ihm folgte Matthias
Breuer (Strempt) als „ne Jeflappte." Kaum hatte Herold Henny Vollmer ihn
hinausgeleitet, erschienen die „Blötschköpp", von Funk und Fernsehen als Carl-Trio
bekannt. Ihre Darbietung wurde mit einer Rakete belohnt.
Ihnen folgte die Ehrengarde der Euskirchener Narrenzunft, die mit ihrem Tanzkorps
auftrat. Die schmucken Gardisten in ihren Uniformen und das Tanzmariechen Verena
Franz mit Tanzoffizier Helmut Wiesbaum sorgten für ein farbenprächtiges Bild. Die
Garde löste mit ihrem Degentanz ein begeistertes Echo aus. Die Ehrengarde wurde
mit einem begeisterten Klatschmarsch verabschiedet.
Es folgte Franz Unrein (Köln) als „Schütze Bumm", der schon in seiner Ausrüstung
die Narren zum Lachen anregte. Auch Toni Geller (Köln) als „Weltverbesserer" hatte
die Lacher auf seiner Seite. Ihm folgten Helmut Wiesbaum und Reinhild Haustein
(Euskirchen) als zwei „alte Kameraden", die unter den Klängen des Liedes einen
urkomischen Marsch auf das Parkett legten.
Dann kamen als einheimische Kräfte die Gebrüder Hack, die „Bleiklötz", die mit Anni
Vimich als Begleitung eine begeisternde Parodie nach der anderen brachten. Sie
mußten sich durch den starken Beifall immer wieder zu Zugaben bereitfinden.
Ihnen folgte das Tanzkorps der Erfttalgesellschaft Euskirchen. Nachdem die
Kommandantin die weibliche Garde dem Präsidenten gemeldet hatte, zeigten die
acht jungen Damen was sie konnten. In farbenprächtigen Kostümen wirbelten sie
über die Bühne. Ihnen folgte der Tanzoffizier mit seinem Mariechen. Fast orkanartig
rauschte im Saal der Beifall auf, als die Vorführung endete. Dem Tanzkorps folgten
„Dill und Dopp" (Siegburg), die mit ihren Parodien wieder Beifall hervorriefen. Ihre
Einfälle glänzten durch eine hervorragende Mimik.
Zum Schluß erschien Willi Dederichs (Zülpich) mit einer sehr spritzigen Rede. Seine
Reise- und Militärerlebnisse waren köstlich. Auch ihn zwang das Publikum zu einer
Zugabe, was bei Rednern nicht üblich ist. Anschließend bedankte sich Dr. Wegmann
herzlich für die Aufmerksamkeit der Zuhörer, die durch ihren Beifall gezeigt hätten,
daß ihnen die Sitzung gefallen habe. Präsident Heinz Mayer, erfreut über den Erfolg
der ersten Sitzung, teilte noch mit, daß der Festausschuß am Kamevalssonntag, 28.
Februar 1960, eine große Kindersitzung veranstalten wolle, dem sich ein Kinderzug
anschließen soll. Er bat für diese Kindersitzung um eine Spendensammlung, die rund
160,- DM erbrachte.
Quelle: Festheft 40jähriges Vereinsjubiläum, Anton Könen, Mechernich
Der Festausschuss entwickelt sich

Zu der Kindersitzung konnte man den Festausschuß Mechernicher Karneval nur


gratulieren. Etwa 500 Schulkinder begeisterten sich im Kinosaal Stahl an den
Darbietungen ihrer Mitschüler/Innen. Die kleinen Künstler und auch diejenigen,

die sich mit der Einstudierung Mühe gegeben hatten, wurden für ihre Arbeit reichlich
belohnt. Der Elferrat des Festausschusses mit seinem Präsidenten Heinz Mayer und
der 1. Vorsitzende Dr. Wegmann waren zu der Kindersitzung erschienen. Beide
wechselten sich in der Ansage ab.

Zwei Stunden lang rollte ein Programm ab, das die kleinen Besucher zu
Beifallsstürmen hinriss. In bunter Folge wechselten Büttenreden, Gesangsvorträge
und tänzerische Darbietungen einander ab. Die Kinder gaben ihr Bestes. Ein Trunk
Apfelsaft, ein Orden und für manchen ein schönes Geschenk belohnten sie für ihre
Mühen. Die Zuhörer sparten nicht mit Beifall. Vom Festausschuß erhielt jedes Kind
noch eine Tüte mit Bonbons.
Es mögen über 2000 Erwachsene gewesen sein, die sich nach der Kindersitzung am
Rathausplatz und in den Straßen aufstellten, um den Kinderzug zu sehen. Bei
herrlichem Frühlingswetter ging der Zug um 15 Uhr vom Rathausplatz ab und zog
über die Bergstraße, Arenbergerstraße, Bahnstraße, Turmhofstraße, Rathergasse,
Weierstraße wieder zum Rathausplatz. Als Motto hatte man „ Wir fördern nicht mehr
Silber und Blei, wir fördern die Narretei" gewählt.
Der erste Wagen „Alle unter einem Hut" deutete an, daß bei einem richtigen
Fastelovend alle mitmachen müßten. Ihm folgte eine Fußgruppe in bunten
Kostümen. Die zweite Gruppe stellte eine Hexenküche dar, gefolgt vom
Mechernicher Sportverein und dem Elfenrat. Eine große Fußgruppe, die von einem
Modell der „Kanone von morgen" angeführt wurde, schloß sich an. Besonders
originell wiesen die Kinder auf die in Mechernich fehlende Badeanstalt hin, die sie
durch eine Badewanne zu ersetzen wußten.
Quelle: Festheft 40jähriges Vereinsjubiläum, Anton Könen, Mechernich
Resümee zur Gründung und Fortbestehen
Mit Absicht wurde die Berichterstattung so ausführlich über den ersten Lebensmonat
des Säuglings Festausschuß gewählt. Der neue „Festausschuß Mechernicher
Karneval" hatte seine Bewährungsprobe bestanden und hat gezeigt, wenn alle
(Vereine) unter einem Hut, diesmal war es die Narrenkappe, zusammen arbeiten,
läßt sich viel erreichen. Daß die Bevölkerung Mechernichs in den Festausschuß alle
ihre Hoffnungen setzte, zeigte ein unerwarteter Spendenerfolg. Dieses Geld, so Dr.
Wegmann zur Presse, sei als Grundkapital zur Programmgestaltung der Session
1960/61 reserviert.
Wie rasant die Neugründung sich vollzogen hatte, ist auch daraus ersichtlich, daß
man erst in der Mitgliedsversammlung am 21. Mai 1960 im Lokal Nolden,
Heerstraße, Zeit fand, eine Vereinssatzung zu verabschieden. Nunmehr stand einer
Eintragung in das Vereinsregister nichts mehr im Wege.
Der Präsident des Elferates, Heinz Mayer, gab dann einen Rückblick auf die dem
Festausschuß nur zur Verfügung gestandene Zeit von fünf Wochen in der
vergangenen Session. Besonderer Dank galt Erich Fischer, Johann Michels und
Theo Sechtem für ihren Einsatz, der zum Erfolg der Kindersitzung und des
Kinderzuges geführt hatte, sowie den unsichtbaren Helfern, Erich Fischer, Leo Flink,
Richard Husch, Nikolaus Kämmerling, Josef Kündgen, Bernd Richarz, Karl-Heinz
Sanden, Peter Salmon, Josef Schommer und Hubert Tümmler, ohne die keine
Veranstaltung möglich wäre.
Von einigen Mitgliedern wurde angeregt, auch den einheimischen Karnevalskräften
eine Chance zu geben und sie in die kommenden Veranstaltungen mit
einzugliedern. In dem folgenden offenen Brief (Sessionsheft 1960/61) wirbt der
Festausschuß um die Mechernicher Karnevalisten:
An die einheimischen Karnevalisten!
Der Festausschuß möchte den rheinischen Karneval als Volksbrauchtum fördern,
wobei uns der heimische Karneval ein besonderes Herzensanliegen ist. Wir wissen,
daß in unserem Ort Karnevalisten beheimatet sind, die in der Vergangenheit mit
großartigen Leistungen viele Menschen erfreut haben. Leider stehen heute noch
viele abseits, und wir möchten Sie, die örtlichen Karnevalisten bitten, helft durch
Euer Mitwirken mit im Karneval, daß uns das „ Lokalkolorit" erhalten bleibt. Wir
freuen uns über jeden, der mit guten Leistungen als Redner oder Sänger den
Mechernicher Karneval fördert und sagen schon heute herzlich willkommen.
Mechernich Alaaf
Festausschuß Mechernicher Karneval
Der Vorstand
Zusätzlich zu dem offenen Brief hatte man nach Aussage von Heinz Mayer auch
etwa 30 Altkarnevalisten zu einer Besprechung eingeladen, aber nur sieben
Personen waren erschienen. Warum standen Mechernichs Karnevalisten, im
Gegensatz zur übrigen Bevölkerung, dem Festausschuß so distanziert gegenüber?
Hatte es bei den Verantwortlichen am richtigen Fingerspitzengefühl in Bezug auf die
Altkarnevalisten gefehlt, oder war man sofort in die Vollen gegangen und hatte von
Anfang an nur auf die Karnevalisten aus den rheinischen Hochburgen gesetzt? Diese
Frage stellt sich dem Bearbeiter, wenn man die Vorankündigungen zu den Sitzungen
1960 und der Session 1960/61 liest. Sie strotzen nur so von Namen rheinischer
Spitzenkräfte des Karnevals, aber kein Mechernicher Karnevalist wird im Programm
angekündigt.
Diese Bemühen, den einheimischen Karnevalsfreunden nur das beste an Rednern
und Sängern, das durch Funk und Fernsehen bekannt war, anzubieten, sollte sich in
den späteren Jahren als eine starke finanzielle Belastung für den Festausschuß
erweisen.
Aber was noch schlimmer war, durch diese auswärtigen Verpflichtungen ging der
„Lokalkolorit" verloren, der früher eine der Attraktionen im Mechernicher
Sitzungskarneval gewesen war. Welche Quellen blieben da ungenutzt. In den letzten
Jahren hätte in einigen Sessionen allein das Verhalten des Stadtrats und der
Verwaltung ausgereicht und genügend Munition geliefert, ohne noch auf die kleinen
Episoden des alltäglichen Lebens zurückzugreifen.
Quelle: Festheft 40jähriges Vereinsjubiläum, Anton Könen, Mechernich
Gruppen und Personen im Mechernicher Karneval
In diesem Abschnitt der Chronik wird über Gruppen und Personen berichtet, die über
Jahrzehnte im Sitzungs- und Straßenkarneval aktiv waren, oder kometenhaft am
närrischen Himmel emporstiegen und den Mechernicher Karneval über die Ortsgrenze
hinaus bekannt machten wie

Stump on Stümpche
Innerhalb weniger Monate wurden sie im
rheinischen Karneval ein Begriff. In der Maske
von „Stump on Stümpche" hatten die beiden
Mechernicher, Eugen Kratz und Karl-Heinz
Papenkort, Mitglieder des Festausschusses, in
der Session 1974/75 einen kometenhaften
Aufstieg. Ihre Erfolgsbilanz: vier
Rundfunksendungen und ein Auftritt in der
großen Fernsehsitzung des Festkomitees Kölner
Karneval.

Dr. Egon Wegmann, 1. Vorsitzender des


Festausschusses, der die beiden
Nachwuchskarnevalisten aus den Kindersitzungen vergangener Jahre kannte, kam
1973 auf die Idee, die beiden bei einer Sitzung in die Bütt zu schicken. Dieser erste
Auftritt war ein großer Erfolg für die beiden. So zogen sie ein Jahr später über die
Dörfer, wo sie begeistert gefeiert wurden. Im Oktober 1974 stellten sie sich in
Siegburg vor und konnten einen beachtlichen Erfolg verbuchen. Nun wollten sie es
genau wissen und stellten sich bei einem Vorstellabend in Köln den Kritikern. Hans
Lindemann vom Kölner Festkomitee wurde dort auf sie aufmerksam. Ihren ersten
Auftritt in Köln, der Hochburg des Karnevals, hatten sie bei der Karnevalsgesellschaft
„Lyskircher Jonge." Danach häuften sich die Angebote. Auch für Rundfunk und
Fernsehen waren „Stump on Stümpche" jetzt begehrte Büttenredner. Ihre Fahrerin,
Carla Traber, fuhr sie von Auftritt zu Auftritt. Etliche tausend Kilometer legten die drei
zurück, wobei ein Mercedes drauf ging. Die Texte für ihre Zwiegespräche schrieben
Eugen Kratz und Karl-Heinz Papenkort selbst. Wenn ihnen etwas einfiel machten sie
sich sofort Notizen, ob auf einer Streichholzschachtel, einem Bierdeckel oder sogar
auf Klopapier. Immer waren sie auf der Suche nach neuen Witzen und Ideen. 1978
kam dann das Aus für das erfolgreiche Mechemicher Duo. Ein Gehirntumor, der bei
Eugen Kratz (Stump) operativ entfernt werden mußte, ließ es auch nach der Genesung
nicht mehr zu, daß er Angebote im Karneval annehmen konnte.

Herold Henny Vollmer


Trotz seines hohen Alters von 82 Jahren war Henny Vollmer, ältester Herold
Deutschlands, mit Leib und Seele Karnevalist. Wenn der 11. im 11. sich näherte,
verspürte er ein gewisses Kribbeln. Dann holte er, der gebürtige Hamburger, den die
Liebe nach Mechernich verschlug, sein Heroldskostüm aus dem Schrank. Zwei davon
hatte er in seiner Laufbahn schon verschlissen. Seit 1952 war der rüstige Rentner
ununterbrochen Herold bei Mechemicher Sitzungen. Seine Karriere begann bei
Karnevalssitzungen der Feuerwehr. Als 1960 der Festausschuß Mechernicher
Karneval gegründet wurde, zählte Henny Vollmer zu den Mitgründern. Er war eines
der ersten Mitglieder im Großen Rat, dem er bis zu seinem Tode als Dienstältester
angehörte. Im Verlauf seiner Herold-Laufbahn hat Henny Vollmer bekannte
Karnevalisten wie Kurt Lauterbach, die Bläck-Fööss, die Höhner, der Prawda-Reporter,
der Trötemann, das Rumpelstilzchen oder auch das Colonia Duett auf das närrische
Podium geleitet. Kiloweise hat er Orden gesammelt. Etwa 160 Stück sind es
geworden. Die Anzahl der Bützchen, die er von Tanzmariechen bekommen hat, habe
er nicht gezählt, erklärte er immer wieder lachend.

100 Jahre wie sein Vater oder sogar 105 Jahre wie sein Onkel wollte er werden, aber
ein Höherer hat ihm den Heroldsstab aus der Hand genommen. Er wird wohl nicht nur
bei den Mechernicher Karnevalisten in liebenswerter Erinnerung bleiben.

Erich Fischer
Der Frankfurter Vollblutkarnevalist kam 1958 aus beruflichen Gründen nach
Mechernich. Die närrische Begeisterung wurde ihm von seinem Vater in die Wiege
gelegt, der 1902 die Karnevalsgesellschaft „Frankfurt 02" gründete. Nach dem 2.
Weltkrieg stieg Erich Fischer schnell auf der Karriereleiter hoch. Er wurde in den
Großen Rat des Frankfurter Karnevals berufen, dem 36 Vereine angehörten. Von
1954 bis zu seinem Umzug im Jahre 1958 war er Zugleiter der großen Frankfurter
Karnevalszüge. Im Zug liefen jedes Jahr etwa acht Wagen mit, deren Figuren Erich
Fischer entworfen hatte. Die Malerei war sein Hobby und er wäre gerne
Bühnenbildner geworden. Doch weil seinen Eltern damals die finanziellen Mittel für
eine derartige Ausbildung fehlten, wurde er Elektriker. Als Erich Fischer nach
Mechernich zog, war ihm der Ruf als Vollblutkarnevalist vorausgeeilt. Deshalb war es
auch nicht verwunderlich, daß er zu den Mitbegründern des Festausschusses im
Jahre 1960 gehörte. Der damalige Chronist schrieb: „Fischer besitzt schon soviel
Orden, daß er die noch undekorierten Herren des Festausschusses alle mit
genügend Orden versorgen könnte."
Er organisierte die ersten Kinderzüge sowie die ersten Kindersitzungen. Alle
Bühnenbilder der Prunk-Sitzungen stammten aus seiner Feder sowie unzählige
Entwürfe von Karnevalswagen. Der Gründungsorden des Festausschusses
Mechernicher Karneval und sämtliche Zeichnungen und Fotomontagen in den
Sessionsheften waren auch sein Werk. Große Erfolge verzeichnete Erich Fischer auch
mit dem Mechernicher Herrenballett, das damals von Mitgliedern der Euskirchener
Narrenzunft trainiert wurde. Als Gegenleistung gestaltete er drei Jahre lang das
Bühnenbild für die Sitzungen der Narrenzunft. Auch zeichnete er für Karnevalisten in
den Außenorten. Höhepunkt seiner karnevalistischen Laufbahn war seine Berufung
nach Köln. Seit 1982 entwarf und gestaltete er für den Klub der Kölner Karnevalisten
(KKK) im Satory-Saal das Bühnenbild. 1984 wurde das Bühnenbild „Ene Besuch ein
Zoo", das 24 mal acht Meter groß war, von ihm für den KKK in monatelanger Arbeit
geschaffen. Der wertvollste Orden, der ihm verliehen wurde, war der
„Flammenorden", die zweithöchste Auszeichnung der Karnevalisten in Hessen. Auch
ihm hat unser Schöpfer allzu früh den Pinsel aus der Hand genommen.

Gruppe Hack
Über 25 Jahre Zugteilnahme und jedes Jahr ein neues Motto mit neuen Kostümen,
sind es wert, daß man sich ihrer erinnert. Oft noch während des Kamevalszuges
wurde bei Sofie und Toni Hack, den Gründern der Gruppe, schon die neue Motividee
für den nächsten Karnevalszug geboren. Dann ging es nach Karneval in der Gruppe,
die sich aus Karnevalsbegeisterten aus Mechernich, Gehn, Harzheim, Hostel und
Godesberg zusammensetzte, an die Planung. Ob nun als Kosaken, Römer,
Holländer, Schwarzwälder, Mexikaner, Märchenfiguren, um nur einige zu nennen,
immer wieder war die Gruppe in ihrer geschlossenen Kostümierung ein Farbtupfer im
Mechernicher Karnevalszug. Schon seit Beginn der Kinderkarnevalszügen war die
Gruppe dabei. In den ersten Jahren bestand der Motivwagen/wägelchen noch aus
einem vierrädigen Handwagen, der von Muskelkraft gezogen wurde. Später war es
dann eine mit zwei Pferden bespannte Kutsche. In den Anfangsjahren, als die Gruppe
nur aus ein paar Personen bestand, mußte man sich mit der Gestaltung des
Motivwägelchen bescheiden geben und das nehmen, was Haus und Haushalt
hergab. So wurde zum Beispiel bei der Darstellung „Die Sootmarine von der Ley", die
eigene „Zenkbött" als Schiffsersatz auf den Handwagen montiert. Freitags hatte
Familie Hack noch in der „Zenkbött" ihr wöchentliches Baderitual vorgenommen und
samstags bohrte Kurt Schlimper dann ein Loch in den Boden der Wanne, wo der
Mast mit den Segeln eingelassen wurde. So etwas ist nur möglich, wenn die Spaß an
der Freud alle etwaigen Bedenken überwiegt. Sofie Hack betätigte sich auch noch als
Zuschneiderin für die gesamte Gruppe und nähte den größten Teil der Kostüme selbst.
Aus gesundheitlichen Gründen der Initiatoren mußte nach über 25 Jahren die Gruppe
ihre Teilnahme am Karnevalszug einstellen.

Die Mechernicher Clowns


Die Clowns sind seit über 35 Jahren fester Bestandteil des Mechernicher Karnevals,
und das bereits in der dritten Generation. Anfang der 60er Jahre begann es damit,
daß die Erwachsenen der Familien Bernd Richartz und Toni Poth als Clowns am
Karnevalszug teilnahmen. Später wurde die Gruppe größer, als auch die Kinder
beider Familien im Zug mitgingen. Bereits 1968 gab es im Karnevalszug eine
Prinzengarde. Die Clowns marschierten als „Prinzengarde 1. Knubbel" vor dem Wagen
des ersten Mechernicher Prinzen des Festausschusses „Manfred I.“ (Ohles). Im
Laufe der Jahre vergrößerte sich die Clown-Gruppe im Zug durch Freunde, Bekannte
und nicht zuletzt durch Familienzuwachs (Schwieger- sowie Enkelkinder von Maria
und Bernd Richartz). Außer der Teilnahme am Karnevalszug waren die Clowns, zuerst
ebenfalls nur die Erwachsenen, auch frühzeitig in den Kindersitzungen des FMK
vertreten. Über lange Jahre brachten Bernd Richartz und Toni Poth mit ihren Kindern
den großen und kleinen Besuchern „Spaß an Freud." Seit Anfang der 80er Jahren
bilden die Familien Ansgar Richartz, Jochen Gerlitz und Hermann Schäfer den harten
Kern der Clowns.

Nach wie vor bereiten sie den Besuchern der Kindersitzung Spaß und bringen sie
zum Lachen. Besonders die Kleinen freuen sich jedesmal über den Auftritt der
Clowns. Durch Auftritte in auswärtigen Kindersitzungen sind die Clowns auch über
die Grenzen Mechernichs hinaus bekannt. Auch die Teilnahme am Karnevalszug in
Mechernich und seit vielen Jahren auch in Kommern läßt die Tradition der Clowns
weiterleben! Freunde und Bekannte gehen immer wieder gerne mit. Von den
„Urclowns" war außerdem bis vor ein paar Jahren noch Bernd Richartz alljährlich im
Umzug anzutreffen als der Mann mit dem „Blömche."

Die Rentnerband
Zu den unsichtbaren aber tatkräftigen „Heinzelmännchen" im Festausschuß gehörte
die „Rentnerband", die jahrzehntelang Bestand hatte. Wer oder was war die
Rentnerband? Bei der Rentnerband handelte es sich, wie der Namen es schon
andeutete, überwiegend um Männer im rentenfähigen Alter. Den Namen hatte ihr der
damalige Zugleiter Karl-Heinz Schwinning verpaßt. Korrekt wäre die Bezeichnung
„Wagenbaugruppe" gewesen, denn sie waren es, die Prinzen-, Komitee- und
Prunkwagen für den Karnevalszug bauten. In den Anfangsjahren wurden die Wagen
in einer Halle auf dem Gelände der Landwirtschaftlichen Produktenhandlung von Paul
Esser (Strühpauls), heute Standort Extra-Markt, gebaut. Je nach Witterung war der
Aufenthalt dort nicht immer angenehm. Die Rentnerband war dann froh, als sie Ende
der sechsziger Jahre in das neu erbaute Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr
übersiedeln konnte. Jetziger Standort der Wagenbauer ist der Bauhof der Stadt
Mechernich. Aber auch dort können Wagen nur bis zu einer Höhe von 3,70 Meter
gebaut werden. Neben der Arbeit ist beim Wagenbau der Humor Trumpf. Während der
Herrichtung der Wagen erlebt man häufig mehr Spaß, als wenn man selbst am Zug
teilnehmen würde. Einen Nachteil hatten die Mitglieder der Gruppe doch, sie waren
extrem gesundheitsgefährdet, besonders was die Leber anbetraf. Denn mancher
Auftraggeber eines Wagens stiftete für die ehrenamtliche Arbeit soviel „Schabau",
dass, wenn man ihn alle getrunken hätte, man lebensgefährlich erkrankt wäre. In
einem solchen Falle wurde mit dem Rest vom „Schabau" die Farbe verdünnt. Man
wollte ja die Wagenübergabe noch sehend miterleben. Im Jahre 1980 gehörten der
Rentnerband Henny Vollmer, Servatius Stoffels, Peter Steffens, Hubert Scheidweiler,
Ewald Hansen, Heinz Engel, Ernst van Bonn, Peter Bädorf, Bert Hochgürtel und
Frank Steinhausen sowie ihr Chef Karl-Heinz Schwinning an. Da durch den
natürlichen Abgang der Bestand der Rentnerband nicht mehr gewährleistet war, hat
der Festausschuß eine neue Wagenbau-Arbeitsgruppe gebildet.
Anekdoten
Im folgenden einige Karnevalsanekdoten aus Mechernich und dem Rheinland aus
vergangenen Zeiten. Da das höchste Brauchtumsgut, das Karnevalisten zu pflegen
haben die Mundart ist, werden die Anekdoten auch in ihr wiedergegeben.

Häresetzong Anno 1909 en Kölle!


Sonndaach Nommedaach halleve vier. En däm Saal onge de Deck en Wollek von Zij
arrequalm, su deck, dat me die schön Dekoratiuen net miete seen kann. Dä jrueße
Saal ös bös op de letzte Plaaz von Männ möt Kamevalsmötze om Kopp, die vell
drönke on Skat spölle, besatz. Die Kapell kann me av on zo dörch dat Jeschrei küre.
E paar Häre us Frankfurt, die vell vom Kölsche Fasteleer jehuet hatte on dat ens
mötmaache welle, kreje am Engk vom Saal noch ne Setzplaaz. Die Frankfurter sen
jespannt op dat, wat op se zokomme deet. Noh ihre Meenong mässen et Kanone
vom Karneval sen die optrödde, denn wie könnt me sös Jecke dozo brenge sich at
stondelang vüehär en dä Qualm op e eng Plääzje neddezelooße.
Öm vier Uhr blose Fanfare von de Jalerie, on dä kleene Root marschiert möt de
Funke on Packe op de Bühn. Emjliche Moment joon övve de Bühn die elektrische
Birre aan, wat e schön Beld ös. Dä Präsident eröffnet de Setzong möt nein Leed, dat
se all zesamme sänge. Wä non meent, jetz jengk et richtisch möt däm kölsche
Humor loß, hat sich vedoon. Dä Präsident steht wedde op on bejrößt janz manierlich
de Iehrejäß, mieschtens hüdere Offiziere, die sich füe de Bejrößong och enzel
bedanke.
Endlich, öm halleve fönf klömmt de ieschte Redner en de Bött. Wat dä ze beede hät,
hät möt Humor on och möt Satire nüüß ze doon. Trotzdäm klatsche die Männ on hä
kret vom Präsident ne Orde on de Iehremötz. Dä Nächste ös och net beißte. Die
Frankfurter sen at am övveläje, op se sich net et Entrettsjeld wedde jövve solle
looße. Ävve se han noch ömme de Hoffnong, dat noch jet schönes komme könnt.
Zeiesch deet de Präsident ävve noch jeschäffliche Saache von de Jesellschaff
vüedraare.
Noh nein Marsch ös et do, dat jrueße Ereichnes. Dä Dichte Heinrich Heine steht op
de Bühn. En ne vedammt joode Maske fängk hä aan ze kalle. Senge Vüedraach ös
joot. Hä vesteht et politische on kommunale Vüefäll jekonnt onge die Männ em Saal
ze streue. Ävve dä Vüedraach hät ene Fääle, hä jeet däm jrüeßte Deel von denne
Männ övve de Horizont. Ob die at su voll sen ode et werkleck net bejriefe ös ejaal,
dat Spöll em Saal jeet jetz loß. Zeiesch falle aan e paar Desche wie op Kommando
de Wengflasche öm. Die wolle dä Mann dörchfalle looße. Eene rööf Bravo on
schwupp fange die aan dä Desche e Konzäet möt Wengjlase aan. Weil dä Mann ze
jrueße Aanspröch aan dat Jehien von dä Männ jestallt hät wiet hä nedder jeschreit.
Plötzlech e neu Jebröll, eene von dä Iehrejäß, ne hüdere Offizier deet sich
veabschiede on jeet us däm Saal. Dotösche hat sich dä Redner at klamm heemlech
dovon jemaat.
Enzwesche sen zwei neue Redner op de Bühn, die et net schaffe, dat me se en däm
Radau vestoon kann. Och de Präsident kann denne Zwei net mich hellepe, hä hät de
Kontroll övve seng Untertane veloore. Do, plötzlech en däm Radau hüet me en
jewaltij e Stemm von de Jalerie eraff, die endlich Rauh velangk. Ävve jetz föölt sich
de Präsident op de Schlips jetrodde. Hä hät he et Kommando on sös keene on
velangk, dat dä sich zeeje soll, dä do jeroofe hat. Do steht ne decke jrueße Mann von
de Jalerie op on määt nom Präsident hen en j ekonnte Vebeuj ong. Dat woor däm
zevell, möt vo Woot zeddrije Stemm schreit dä noh de Jalerie: „En Sau bliev en Sau
och wenn se ne Zylende om Kopp hät." Do feng dä Radau op e neues aan. Die
Männ reefe: Raus! Bravo! Musik! Die Frankfurter däte stracks de Saal velooße, se
hatte jenooch jeseen on jehuet. Drusse op de Strooß koom enne dä Sproch vom
Kölsche Fasteleer en de Senn: „Allen wohl und niemand weh."
Dat Stöckelche hat ne Här Fokke us Kölle en de Frankfurter Zeidong jeschrevve. De
Öskerchene Vollekszeidong hat nüüß ihres ze doon dat affzedrocke on meent dozo,
die Öskerchene sollte leeve de ejene Setzonge besööke anstatt noh Kölle en de
Setzonge ze fahre. Se hätte jo jetz jelösse wie et do zojengk.

Dat Problem
Vüe de ieschte Setzong am 18. Februar 1960 joof et e Problem. Woe postiere me de
Kapell hen? Op de Bühn woor jrad Plaaz füe de Elleveroot on die do optrödde däte.
Vüe de Bühn, dat jengk och net, denn dann moot me Setzplätz opfere on dat woore
wennije Ennahme.
Eene, wär weeß noch wär dat woor, koom op dä jeneale Enfall me baue füe de
Kapell e Jeröß aan de Deck. Dann setze die övve däm janze Spöll, nömme keene
Plaaz fott on han ne joode Övvebleck. Dat et do ovve op de „Lööv" ärch eng zo jengk
weeß däjenije dä dat Stöckelche schriee noch joot. Hä hät selleve do ovve möt Musik
jemaat.
Övve en Leede klomm me möt de Enstromente, nem Kaaste Bier on ne Fläsch
Schabau op die „Lööv". Dann wuur de Leede fott jetrocke, die sös sture dät. Do sooß
dann de Kapell wie en nem Knengchesstall enjesperrt. Wal woor ävve wenn me ens
moot? Füe dat jrueße Jeschäff dät dä selleve Sproch jelde wie op de Ärbeed: „Dä
Mensch hät usj esch.... noh de Ärbeed ze komme." Wär ävve dat kleene Jeschäff net
ophaale konnt, jede hät en angere Bloos, füe dä hat me en usjedeente 20 Liter
Buure-Mellechkann op de „Lööv" henjestallt.
Wenn de Setzong ze Engk woor, koom eene vom technische Personal, noom die
Mellechkann on maat se drusse en de Sood löddich. Op se ens janz voll jewoore ös,
weeß me höck net mich.

Dat zweite Jesiet


Fröhde woore de Löck möt däm Spaß net veschmeulich. Et koom enne net flöck zo
ärch. Besondesch zo Fastelovend jengk öt männechmool ärch rüh zo. Wenn die
jrueße Labbesse dörch et Dörep trooke, hat wennistens eene ne Schwäzsack. Dat
woor e Säckelche us jrovvem Lenge, e su jrueß wie en viereckij e Ponkstüüt. Dodren
woor Schwäz, wie de Aanstriche se broot.
Dat Säckelche bonge se aan ne Steckei. Dä Spaß beston doren, denne Löck,
besondesch denne Mädche, dä Schwäzsack op de Hängk, en et Jesiet ode sös
eijens hen zo haue. Dä Jetroffene broot dann keen Maske mich.
No woor do dat Triin. Et woor net jrad et schönste, ävve och kee Freese. Dat stonn
aan de strooß, öm sich dat Spöll aanzeseen. Wie no die Hubjecke eraankoome,
jengk dä möt däm Schwäzsack op Triin zo. Dat reteriert höngeröcks on feel övve ne
Säjebock, dä do stonn. Dat looch Triin om Rögge on de Been luete en de Hemmei.
Höck wöör dat net schlämm, domols woor et ävve janz schlämm, denn Triin hat keen
Botz aan.
On dä Hubjeck möt däm Schwäzsack woor net foul on troof Triin op dat „zweite
Jesiet." Triin sprong op on trook flöck de Röck eraaf bös op de Schob.