Sie sind auf Seite 1von 3

Donald Francis Tovey (1931)

Dem Aufbau von Toveys Vervollständigung mangelt es - neben dem Fehlen einer Exposition des
Hauptthemas - an formaler Prägnanz: Der Eintritt des Hauptthemas entbehrt jeder cadential
Vorbereitung und geschieht sogleich in Umkehrung, wirkt nach der vorangegangenen Umkehrung mit
drei Themen smit lediglich wie eine Ergänzung. Überhaupt nehmen die Umkehrungen einen völlig
unangemessenen Raum ein. Diejenige Kombination aller vier Themen, die diesen Abschnitt eigentlich
eröffnen müsste, bringt Tovey erst am Ende, wo das 1. Thema derimal nacheinander im Bass auftritt. Die
Länge der Zwischentakte bewegt sich eher im unteren Bereich und wird nur vor der Vereinigung der vier
Themen und dem letzten Durchgang gesteigert. Eine Ausweichung in den Parallelbereich fehlt ganz.
Diese Vervollständigung erfüllt die wenigsten der o.a. Vorgaben und ist trotz der Durchgänge aller vier
Themen viel zu kurz, um ernsthaft diskutiert zu werden.

In addition to the lack of an exposition of the main theme, there is a lack of formal conciseness in the
composition of Tovey's completion: the entry of the main theme lacks any cadential preparation and is
immediately inverted, after the previous inversion with three themes. In general, the inversions take a
completely inadequate place. The combination of all four themes, which should actually open up this
section, Tovey brings only at the end, where the first theme occurs in succession in the bass. The length
of the intermediate bars moves rather in the lower area and is only increased before the four themes
are combined in the last passage. An evasion into the parallel region is completely absent. This
completion fulfills the fewest of the above and is, despite having all four subjects appear, much too
short to be seriously discussed.

Zoltán Göncz (2006)

Seine 2006 publizierte "Rekonstruktion" schuf Zoltán Göncz, geboren 1968, nach eigenem Bekunden
"zwischen 1990 und 1992" und damit zählt diese Vervollständigung zu seinen 'Jugendwerken.' Dass der
Terminus "rekunstrution" fasch ist, wurde bereits eingangs erwähnt - er geht nicht nur fehl, sondern
wirkt angesichts des Ergebnisses auch als vermessen. Oberflächlich betrachtet erwecken Gönczs
Permutationen einen gut organisierten und vielfältigen Eindruck, doch zum einen ist der Verzicht auf
eine Exposition des Hauptthemas unentschuldbar. Zum andern klaffen die mechanische
"Permutationsmatrix" der ersten Durchführung aller vier Themen und die nicht mehr stringente zweite
auseinander. Und warum Göncz den doppelten Kontrapunkt der zwölfte beim 1. Thema weitgehend
ignoriert, ihn je einmal in Tenor und Alt (t. 285 und 334) anwendet, sonst jedoch nicht, bleibt sein
Geheimnis. Schon dadurch entstehen also die erörterten Satzfehler, umso mehr an den Stellen, wo sich
sein Bemühen auf möglichst komplizierte Kombinationen mit zusätzlicher Engführung richtet, im
vorderen Abschnitt des 3. und 1. Themas, in Schlussabschnitt des Hauptthemas und seiner Umkehrung.
Statt überbordender Kombinatorik wäre eine Entlastung des Satzverlaufs durch eine ruhige und fur
Abwechslung sorgende alleinige Exposition des Hauptthemas die bessere Wahl gewesen.

Die Länge der Zwischenspiele wäre akzeptable, würde Göncz nicht die erste Durchführung der vier
Themen mechanisch abspulen mit nur je einem Codetta-Takt zwischen den vier Durchgängen. Mit dem 2.
Thema allein konnte Bach dieses Verhahren wirkungsvoll einsetzen. da sich die Stimmenzahl steigert
und die Umgebung variabel bleibt, doch mit vier gleichmässig permutierten Themen kann sich der Satz
nicht aus der Umklammerung der Themen lösen und fällt buchstäblich in Erstarrung. Die Länge der
Zwischenspiele wäre akzeptable, würde Göncz nicht die erste Durchführung der vier Themen
mechanisch abspulen mit nur je einem Codetta-Takt zwischen den vier Durchgängen. Mit dem 2. Thema
allein konnte Bach dieses Verhahren wirkungsvoll einsetzen. da sich die Stimmenzahl steigert und die
Umgebung variabel bleibt, doch mit vier gleichmässig permutierten Themen kann sich der Satz nicht aus
der Umklammerung der Themen lösen und fällt buchstäblich in Erstarrung. Von dem übrigen
Zwischenspielen sind zwei aus dem Fragment übernommen (T. 305-309 enspricht 142-146, T. 317-319
greift T. 163-165 transponiert auf), so dass Göncz' Potential hierin begrenzt erscheint, zumal im zweiten
Fall mit unzulänglicher Einleitung. Da keine eigene Exposition des Hauptthemas existiert, wird obendrein
das Hauptmotiv aus dem Ende des 2. Themas nicht ausgesezt und läuft daher in den Zwischentakten bis
zum Ende durch. Auch leidet die formale Anlage unter dem Fehlen einschnittbildender Kadenzen: Dem
zweiten Grossabschnitt schaltet Göncz lediglich einen phrygischen Halbschluss vor, und selbst dem
finalen elftaktigen Orgelpunkt verweigert er einen wirkungsvollen kadenziellen Eintritt. Was wir bei
Billeter als zu viel des Guten registrieren, kommt bei Göncz definitiv ku kurz.

Zoltán Göncz (2006)

Zoltán Göncz, born in 1968, published his "reconstruction" in 2006, but wrote it, according to his own
statement "between 1990 and 1992" and thus this completion belongs to his 'Jugendwerken.' The fact
that the term "rekunstrution" is fascinating, has already been mentioned at the outset - it not only goes
wrong, but also acts as a measured result of the result. On the surface, Göncz's permutations give a
well-organized and varied impression, but the renouncement of an exposition of the main theme is
inexcusable. On the other hand, the mechanical "permutation matrix" of the first execution of all four
subjects and the no longer stringed second diverge. And why Göncz largely ignores the double
counterpoint of the twelfth in the first subject, applies it once in tenor and alto (t. 285 and 334), but
otherwise it does not remain his secret. This is the reason why the sentence errors discussed arise the
more so in the places where their efforts are directed to as complicated combinations as possible with
additional narrowness, in the anterior section of the 3rd and the 1st subject, in the final section of the
main theme and its reversal. Instead of overburdening combinatorics, a more straightforward exposure
to the main theme would have been the easiest way to relieve the movement of the sentence.

The length of the interludes would be acceptable, Göncz would not mechanically unwind the first
execution of the four subjects with only one Codetta clock between the four passes. With Bach's second
theme alone, Bach could effectively use this process. As the number of voices increases and the
environment remains variable, but with four equally permuted topics the sentence can not be solved
from the encapsulation of the themes and literally falls into confusion.

Dabei ist der Weg, den eine Vervollständigung zu gehen hat, bei angemessener Würdigung der im
Fragment und im Gesamtwerk vorhandenen Fakten vorgezeichnet und sei der Übersicht halber in zwölf
Stichpunkten noch einmal zusammengefasst:
1. Die Fuge besitzt im vollendeten Zustand 372 Takte, der Ergänzung 133 Takte, die sich angemessen auf
die drei verbleibenden Abschnitte verteilen, wobei der letzte Teil mit allen vier Themen deutlich uber 50
Takte erhalten sollte.

2. Der Aufbau der Fuge ist regelmässig, verlangt also a) die Durchfuhrung der drei von Bach exponierten
Themen in vier Durchgängen, b) die alleinige Exposition des Hauptthemas inklusive Engfuhrung und
Umkehrung sowie, c) die vollstandige Durchfuhrung aller vier Themen in mindestens vier, eher funf
Durchgängen.

In the process, the path which a completion is to take is shown with an appropriate appraisal of the facts
present in the fragment and in the overall structure, and is summarized again in twelve points for the
sake of clarity:

1. The fugue, in its completed state, has 372 bars, the supplement 133 bars, which are appropriately
distributed over the remaining three sections, the last part with all four themes being clearly over 50
measures.

2. The structure of the fugue is regular, so it requires a) the execution of the three topics exposed by
Bach in four passages, b) the sole exposition of the main subject, inclination and reversal as well as c)
the complete implementation of all four subjects in at least four, Rather five passes.