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Institut für Geschichte und Ethik der Medizin

Erklärung zum Thema „Plagiat“

Ein Plagiat liegt vor, wenn „Texte Dritter ganz oder teilweise, wörtlich oder nahezu wörtlich
übernommen und als eigene wissenschaftliche Leistung ausgegeben werden. Ein solches
Vorgehen widerspricht nicht nur guter wissenschaftlicher Praxis, es ist auch eine Form des
geistigen Diebstahls und damit eine Verletzung des Urheberrechts.“ (Resolution des
Deutschen Hochschulverbandes vom 17. Juli 2002)

NAME: Banachewitsch, Aleksandr

TEXT: Michael Stolberg: Aktive Sterbehilfe und Eugenik vor 1850

LEITFRAGE: Welche Haltung hatten Ärzte in Bezug auf lebensverkürzende Maßnahmen?

Wie war das ärztliche Selbstverständnis im Umgang mit Sterbenden?

Hiermit versichere ich, dass ich die vorliegenden „Reading Notes“ zum oben genannten Text
und der mir zugewiesenen Leitfrage selbstständig verfasst habe, dass ich keine anderen
Quellen und Hilfsmittel als die angegebenen benutzt habe und dass ich alle Stellen meines
Textes, die anderen Werken – auch elektronischen Medien wie dem Internet – dem Wortlaut
oder dem Sinn nach entnommen wurden, unter Angabe der Herkunft als Zitate oder
Entlehnungen kenntlich gemacht habe.

Datum, Ort
A. Banachewitsch Unterschrift
Michael Stolberg: Aktive Sterbehilfe und Eugenik vor 1850
PD Dr. Ignacio Czeguhn/ Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf/ Prof. Dr. Jürgen Weitzel
(Hrsg.):
Eugenik und Euthanesie 1850- 1945.
Frühformen, Ursachen, Entwicklungen, Folgen.
Baden- Baden 2009, 1. Auflage, Seite 9 -26

Banachewitsch, Aleksandr: 3488053

Welche Haltung hatten Ärzte in Bezug auf lebensverkürzende Maßnahmen? Wie war das
ärztliche Selbstverständnis im Umgang mit Sterbenden?

Einleitung

Der Beruf des Arztes entwickelte sich nicht nur in naturwissenschaftlichen Verständnis über
die letzten Jahrhunderte weiter, sondern entfaltete verschiedene Denk und Lösungsmodelle
mit der sich ebenfalls entwickelnden Gesellschaft und deren einhergehenden Problemen.

Bereits im Jahre 1806 erkannte der wohl damals bedeutendste Mediziner im


deutschsprachigen Raum, Christoph Wilhelm Hufeland, die Gefahr der ärztlichen Kunst: „So
seien die Folgen unabsehbar, und der Arzt werde der gefährlichste Mensch im Staate;“.
(Michael Stolberg, 2008, S.12)

Michael Stolberg geht mit Hilfe seines Aufsatzes, auf mögliche Grundlagen der aktiven
Sterbehilfe und Eugenik vor dem Jahre 1850 ein.
Der Aufsatz bietet Erklärungsansätze, wie bereits damals die Haltung der Ärzte auf
lebensverkürzende Maßnahmen war und von welchen Elementen das ärztliche
Selbstverständnis im Umgang mit sterbenden Patienten geprägt worden ist.

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Ärztliche Haltung in Bezug auf lebensverkürzende Maßnahmen
Geschichtliche Einordung

Der Begriff Euthanasia (übersetzt: „guter Tod“) wurde bereits in verschiedensten Werken der
Antike erwähnt und behandelt. Im Gegensatz zum abgeleiteten Verständnis aus dem 18 und
19. Jahrhundert, wurde der Begriff „Euthanasia“ in frühgeschichtlichen Aspekten mit dem
Sinn einer „geistigen, spirituellen Vorbereitung“ auf einen „guten Tod“ verwendet.
Im heutigen Zusammenhang könnte man diese Begrifflichkeit aus der Antike mit dem
heutigen Verständnis der Palliativmedizin erklären. (Michael Stolberg, 2008, S.9)

Entgegen der Erklärung des palliativ medizinischen Ansatzes, entsteht die anderweitige
Verwendung des Begriffes in Mitte des 19 Jahrhunderts. Dort wird erstmals im Jahre 1870 in
England, von einer „gezielten Beschleunigung des Todeseintritts bei Sterbenskranken“
gesprochen. Eine Auseinandersetzung mit der aktiven Sterbehilfe in anderen Ländern wie
auch Deutschland, wird nicht zuletzt, auch aufgrund der Rassenlehre und
nationalökonomischen Fragestellungen um das Jahre 1900 aktiv vorangetrieben. (Michael
Stolberg, 2008, S.10)

Zwar kann die Begrifflichkeit „aktive Sterbehilfe“ erst im späten 19. Jahrhundert
dokumentiert werden, doch findet der Begriff durch Christoph Wilhelm Hufeland bereits im
Jahre 1806 kritische, gar eine ablehnende Meinung. Hufeland verteidige die Position, dass ein
Arzt das Leben zu erhalten hat: „Er soll und darf nichts anders thun, als Leben erhalten; ob es
ein Glück oder Unglück sey, ob es Werth habe oder nicht, dies geht ihn nichts an …
(Michael Stolberg, 2008, S.12). Neben derartig ablehnenden Aussagen, gab es jedoch bereits
zu Beginn des 19 Jahrhunderts erste praktizierende Ärzte, welche sich im öffentlichen
Rahmen für eine aktive Sterbehilfe aussprachen.

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Grundsätze der ärztlichen Haltung.
Die Diskussion und Debatte um die aktive Sterbehilfe entstand nicht erst zu Zeiten der
Intensivmedizin. Das ethische Probleme bestand bereits damals, als keine geeignete
Maßnahmen zur Schmerzminderung oder palliativer Revisionseingriffe zur Verfügung
standen. Bereits zu früheren Zeiten separierten sich nun neben den zwei unterschiedlichen
Befürworter der Sterbehilfe, auch die Vertreter von Ärzten welche einer aktiven Sterbehilfe
bewusst entgegen standen.

Kritiker der aktiven Sterbehilfe

Vertreter welche sich gegen aktive Sterbehilfe positionierten, argumentierten unter anderem
mit Hilfe des hippokratischen Eides, dass solch ein Vorgehen nicht dem ärztlichen Handeln
entsprechen würde. Zwar sind die Gedanken um das Leid zu beenden nicht abzustreiten, doch
„formulierte der hippokratische Eid ein ausdrückliches Verbot der aktiven Sterbehilfe“
(Michael Stolberg, 2008, S.13)

Die Autoren Peter Memmius und Francois Ranchin berichteten über die akzeptierten
„Praktiken der aktive Sterbehilfe im alten Rom“, setzten diesem Gebrauch jedoch das
Grundverständnis der christlich geprägten Ärzte entgegen: „… aber zugleich, dass sich ein
christlicher Arzt solche barbarischen, heidnischen Bräuche nicht zum Vorbild nehmen dürfe.“
(Michael Stolberg, 2008, S.13).

Boudewijns verstehe zwar die Bitte der Leidenden „dem Ganzen eine Ende“ zu setzten, doch
beharre auch dieser der Meinung, dass der Mensch keine eigenständige Aussage darüber
treffen sollte, das Leben eigenständig oder fremdbestimmt zu beenden.

Caspar Questel betone in seinen Schriften, dass „…gelehrte Schrifttum lehnte solche
Praktiken einhellig ab. Leben und Tod betonte schon Questel, lägen allein in Gottes Hand“.
(Michael Stolberg, 2008, S.17)

Zwar sind die Argumentationen schlüssig und aus damaliger Sicht nachzuvollziehen, doch
würde diese Art der Argumentation nicht einen Stillstand der heutigen, modernen und

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aufgeklärten Medizin nach sich ziehen? Beispielsweise steht der hippokratische Eid
ausdrücklich gegen Schwangerschaftsabbrüchen. In einer modernen Gesellschaft, ob
medizinisch/ kriminologisch oder aus persönlichen Gründen wäre der
Schwangerschaftsabbruch als Verbot nicht tragbar.

Dem hingegen, wären auch gerade jetzt Elemente des hippokratischen Eides in unserer
kommerziell betriebenen Gesundheitswesen ein wichtiges Anliegen? Unnötige
Behandlungen, um beispielsweise Krankenhausaufenthalte gegenüber den Krankenkassen
finanziell tragbar zu gestalten? Chefärzte, welche mit ihrem Vertrag zu profitorientierten
Arbeiten gezwungen werden? Dennoch scheint der Hippokratische Eid zur Argumentation
überwiegend veraltet zu sein.

Eine Möglichkeit wäre, möglicherweise eine Neuauflage mit Anpassungen an unsere


moderne Gesellschaft. Den hippokratischen Eid jedoch als bedingungslose moralische
Grundlage festzuhalten, um die aktive Sterbehilfe zu verbieten, sehe ich zur heutigen Zeit als
ungeeignet an.

Befürworter der aktiven Sterbehilfe

Zwar spreche Boudewijns von einem Verbot der aktiven Sterbehilfe um das Leid eines
Menschen zu beenden, doch teile er im Gegensatz dazu mit „die Mitwelt vor Ihnen (den
Qualen des Patienten) zu schützen“. Er spreche davon „bewusst mit Kissen und Bettzeug“ die
sterbenden Menschen zu ersticken. (Michael Stolberg, 2008, S.14)

Im Gegensatz zu den Nicht-Befürworter der aktiven Sterbehilfe, fanden sich bei den
Befürwortern gleich zwei Unterschiedliche Haltungen ein. Die Befürworter unterschieden
sich hierbei im Grundsatz der Berechtigung zur aktiven Sterbehilfe:

Sterbehilfe um für den Kranken ein „rasches Ende“ zu ermöglichen (Michael Stolberg, 2008,
S.13), oder aktive Sterbehilfe um nicht „… die ungeheuren Qualen des Patienten zu
beenden, sondern nur um die Mitwelt vor ihnen zu schützen. (Michael Stolberg, 2008, S.14)

So wurde fälschlicherweise ein Tischgespräch von Martin Luther instrumentalisiert, welche

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bei Diskussion um die Legalisierung von aktiver Euthanasie erwähnt wird. Hier ging es
jedoch um das Töten eines „Wechselbalg“. (Die „Frucht“ einer Frau, nach der sexuellen
Vereinigung mit dem Teufel.) Unter anderem hat man mit dieser Deutung versucht, die
Tötung von behinderten Kindern zu argumentieren und zu fördern. (Michael Stolberg, 2008,
S.14)

Weiterhin wird als Befürworter Thomas Morus zitiert. In seinem Werk „Utopia“ wurden
Praktiken der aktiven Sterbehilfe angewandt. Jedoch halten viele Interpretationen des Werkes
entgegen, dass es sich bei dem Werk um ein fiktives „Gedankenspiel“ mit einer
aufklärerischen Funktion handeln würde. (Michael Stolberg, 2008, S.15)

Anhand der beschriebenen Quellen und deren Interpretation zur damaligen Zeit wird uns in
der heutigen Gesellschaft deutlich gemacht, dass eine kritische Hinterfragung von Thesen und
Meinungen immer gerechtfertigt sein sollte. Werden Thesen zusammenhanglos oder im nicht
ursprünglichen Gedanken verwendet, können diese zweckentfremdet zum eigenen
Machtmissbrauch und eigener Machtstärkung verwendet werden.

Ärztliches Selbstverständnis im Umgang mit Sterbenden

Wie bereits zuvor beschrieben, waren die Fragestellung des ärztlichen Handelns im Hinblick
auf sterbenden Patienten bereits im frühen Zeitalter ein wichtiges Thema. Wie im Aufsatz von
Herrn Stolberg ausgefüllt, war die Auffassung in welcher früher die Menschen „friedlich im
Kreis der Ihrigen gestorben“ seien, eine Verfehlung der echten Realität. (Michael Stolberg,
2008, S.12)

Die Fallberichte der damaligen Ärzte vermittelten „ein Bild des Grauens“. Unerträgliche,
tagelang persistierende Schmerzen führten dazu, Menschen mit dem Gedanken zu
beschäftigten „dem Ganzen ein rasches Ende“ zu setzen. (Michael Stolberg, 2008, S.13)

Wie bei den Diskussionen der aktiven und passiven Sterbehilfe, waren auch beim Umgang
mit Sterbenden die Handlungen meist durch christliche Traditionen und dem hippokratischen
Eid geprägt. Questel bekräftige das „Leben und Tod lägen allein in Gottes Hand.“ (Michael
Stolberg, 2008, S.17)

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Wann und wie der stattgefundene „Einstellungswandel“ in der Ärzteschaft wirklich
stattgefunden hat ist nur zur schwer zu belegen. Dass dieser stattgefunden hat, ist jedoch nicht
zu bestreiten. Beispielhaft ist hier die Verwendung des schmerzstillenden Opium zu
erwähnen. Die Übergänge zwischen „bloßer Schmerzstillung“ und der bewussten
„Lebensverkürzung“ seien bereits damals nahtlos gewesen. (Michael Stolberg, 2008, S.19)

Die Ärzte Mursinna und Karl Theodor Kortum äußerten sich erstmals mit eindeutigen
Berichten bei der Verwendung des Opiums: Während Mursinna bei der Behandlung eines
Krebsgeschwürs laut eigenen Angaben das Leiden „gemildert und Ende befördert hat“, so
beschreibt Kortum die moralisch gerechtfertigte Erlöschung einer „… schwachen
Lebensflamme … mit Hilfe einer besänftigen Opiumapplikation. (Michael Stolberg, 2008,
S.19)

Zwar war die Auffassung, sowie die Lehre der damaligen Ärzteschaft wesentlich durch
christliche Werte geprägt worden, doch scheint das bedingungslose Nicht-Eingreifen in
qualvolle Leidenszustände alles andere als christliche Nächstenliebe zu sein gewesen.

Die reine Passivität bei einem sterbenden Patienten, wären keinesfalls mit den heutigen
Wertvorstellung im Einklang zu bringen. Palliativmedizin, sowie das Recht auf
Schmerzfreiheit sind Bestandteil unseres heutigen Rechtsverständnis. Das Recht auf
Schmerzfreiheit sind aus dem Grundgesetz des Artikel 1 („Unantastbarkeit der Würde des
Menschen“) und Artikel 2 („Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit“) abzuleiten.
(Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, Recht auf Schmerztherapie: Rechtsanspruch und Realität
2010, 2010)

Abschließender Teil

Michael Stolberg ermöglicht mit seinem Aufsatz „Aktive Sterbehilfe und Eugenik vor 1850“,
die Grundlagen des damaligen ärztlichen Verständnis nachzuvollziehen und die verschieden
geprägten Einstellungen der Sterbehilfe näher zu bringen.

In diesem Aufsatz wird verdeutlicht, dass sich bereits damals erste medizinische Maßnahmen

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von den Leitgedanken der christlich geprägten Medizin lösten. Interessant und hilfreich wäre
dem Leser gewesen, wie sehr der tatsächliche Einfluss der Kirche in die damalige Medizin
wirklich war. Dem Text zu Folge wurden viele Maßnahmen und Grundgedanken durch die
christliche Lehre geprägt und waren zur jener Zeit nicht zu widersprechen.

Dennoch gelang es wissenschaftlich Gelehrten sich der Passivität bei sterbenden Patienten
entgegenzustellen und zugleich die ersten Grundzüge einer palliativen Medizin festzulegen.
Neben den verschiedenen Aspekten im Umgang mit lebensverkürzenden Maßnahmen und
dem ärztlichen Selbstverständnis mit sterbenden Patienten stellt der Text auch eine andere
wichtige These in den Vordergrund:

Sowohl jegliche Passivität und medizinische Intervention sollte an einem Individuum sachlich
begründet und womöglich auch in Frage gestellt werden.
Gerade in der heutigen Zeit befähigt unsere aufgeklärte Kultur und das Recht zur
Meinungsfreiheit jeden Arzt, fragwürde Maßnahmen am Patienten bewusst in Frage zu stellen
und in geneinsamer Abwägung zu unterlassen oder zu bekräftigen.

Literaturangabe

1. Universität Münster: Das „Hippokrates“- Semester.

https://medicampus.uni-muenster.de/ms_hippokrates.html [Abgerufen am 31.12.2018]

2. Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe: Recht auf Schmerztherapie: Rechtsanspruch und


Realität 2010 (2010),
https://dgschmerzmedizin.de/download/presse/2010/2010_PM_03_Recht_auf_Schmer
ztherapie.pdf abgerufen am 02.01.2018

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