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Ghazw

Ghazw (arabisch ‫ﻏﺰو‬, DMG ġazw) bezeichnet die in den kamel-haltenden beduinischen Gesellschaften Arabiens und der Sahara
lange übliche Handlungsweise von Stämmen, zur Erzielung von Beute überfallartige Raubzüge auf andere Stämme zu unternehmen.
Ein einzelner Raubzug wird als Ghazwa (‫ ﻏﺰوة‬/ ġazwa) bezeichnet. Davon ist das deutsche Wort Razzia abgeleitet. Der Begriff
wurde später auch zur Bezeichnung der Eroberungsfeldzüge der Muslime im Rahmen der
islamischen Expansionverwendet.

Inhaltsverzeichnis
Bedeutung in der beduinischen Gesellschaft
Bedeutung im Islam
Literatur
Einzelnachweise

Bedeutung in der beduinischen Gesellschaft


Der Ghazw wurde in der beduinischen Gesellschaft ausschließlich gegen solche tribalen Gruppen durchgeführt, die in keinem
Verwandtschaftsverhältnis zum eigenen Stammesverband standen. Wichtigstes Ziel beim Überfall auf andere nomadische Stämme
war der Erwerb von Kamelen. Wenn beim Ghazw sesshafte Stämme überfallen wurden, wurde diesen meist eine Steuer oder ein
Schutzgeld, chuwwa („Bruderschaftszahlung“) genannt, auferlegt. Angeführt wurden die Raubzüge üblicherweise von einem ʿaqīd,
der meist mit dem Scheich, also dem Oberhaupt des Stammes, identisch war. Mit der Ghazw-Praxis war ein ausgefeiltes System der
Verteilung von Beute (Ghanīma und Anfāl) verbunden. In vielen Fällen folgte auf die Ghazwa eine Gegen-Ghazwa des angegriffenen
Stammes. Wenn bei einer Ghazwa Blut vergossen wurde, galt das Prinzip der Wiedervergeltung (Qisās): entweder wurde Blutrache
geübt oder es musste ein Blutgeld entrichtet werden. T.M. Johnstone deutet den Ghazw als ein wichtiges Mittel zur Neuverteilung
wirtschaftlicher Ressourcen in den beduinischen Gesellschaften, wenn die ökonomische Beziehungen zwischen den Stämmen durch
Naturkatastrophen aus dem Gleichgewicht geraten waren.

In der vorislamischen arabischen Gesellschaft galten Ghazw-Kriegszüge als Heldentaten und wurden in der Dichtung besungen. In
den heiligen Monaten der Wallfahrt galt aber eine Friedenspflicht. Die Berichte und Gedichte über die Kriegszüge der altarabischen
Stämme wurden gesammelt und später unter dem T
itel Ayyām al-ʿArab („Die Kampftage der Araber“) schriftlich festgehalten.

Bedeutung im Islam
Nachdem der Prophet Mohammed im Jahre 622 nach Medina ausgewandert war, führte er ebenfalls nach Art des Ghazw Raubzüge
durch. Diese werden in der islamischen Literatur als die Maghāzī bezeichnet, ein Begriff, der von der gleichen arabischen
Wortwurzel abgeleitet ist wie Ghazw. Nach der Chronologie von al-Wāqidī schickte Mohammed schon sieben Monate nach seiner
Ankunft eine Gruppe von Kriegern unter Führung seines Onkels Hamza aus, um die aus Syrien heimkehrende mekkanische
Handelskarawane mitAbū Dschahl an der Spitze zu überfallen. Dies war der Anfang einer kriegerischen Auseinandersetzung mit den
Mekkanern, die bis zum Jahre 630 andauerte. Im Rahmen der Entwicklung des Dschihad-Konzepts wurde die Ghazw-Tätigkeit der
Muslime religiös überhöht und zu einem Einsatz f„ür die Sache Gottes“ stilisiert.

Nach dem Tode des Propheten wurde der Ghazw in Form der Futūh fortgesetzt. In Überlieferungen über den Propheten und seine
Gefährten wurde die Verdienstlichkeit der Ghazw-Tätigkeit hervorgehoben. Ghazw galt nun als eine Aktivität, die auch auf dem
Meer ausgeführt werden konnte. So wird der Prophet in einem Hadith, den Ibn al-Mubārak (st. 797) in seinem „Dschihad-Buch“
(Kitāb al-Ǧihād) überliefert, mit den Worten zitiert: „Wer nicht die Gelegenheit hatte, mit mir den Ghazw durchzuführen, der soll
( an lam yudrik al-ġazw maʿī fa-ʿalai-hi bi-ġazwi l-baḥr).[1]
den Ghazw auf dem Meer durchführen“ m

Herrscher und andere Personen, die sich beim islamischen Ghazw hervorgetan hatten, wurden später mit dem Ehrentitel Ghāzī
versehen, der das Partizip Aktiv zu demVerbalsubstantiv Ghazw darstellt.

Literatur
T.M. Johnstone: Art. "Ghazw" in The Encyclopaedia of Islam. New EditionBd. II, S. 1055–1056a.
Asʿad AbuKhalil: Art. Ghazw, in John L. Esposito (ed.):The Oxford Encyclopedia of the Islamic World.6 Bde. Oxford
2009. Bd. II, S. 321a–322a.
Reuven Firestone: Jihad. The Origin of Holy War in Islam. New York u. a. 1999. S. 34–36.

Einzelnachweise
1. Vgl. ʿAbdallāh ibn al-Mubārak:Kitāb al-Ǧihād. Ṣaidā: al-Maktaba al-ʿaṣrīya 1988. S. 96.

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Diese Seite wurde zuletzt am 23. April 2018 um 16:11 Uhr bearbeitet.

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