Sie sind auf Seite 1von 13

Schunk Carbon Technology

Herstellung und Eigenschaften


von Kohlenstoffwerkstoffen
für mechanische Anwendungen

schunk-carbontechnology.com
HERSTELLUNG UND EIGENSCHAFTEN VON KOHLENSTOFFWERKSTOFFEN

Schunk Carbon Technology:


Weltweit erfolgreich. Immer an Ihrer Seite.
Schunk Carbon Technology ist weltweit führend in der Entwicklung,
Fertigung und Anwendung von Carbon- und Keramiklösungen. Wie kein
anderer vereint Schunk Carbon Technology dabei Innovationskraft und
technologisches Know-how mit außergewöhnlicher Serviceorientierung
zu einem im Markt einzigartigen Leistungsspektrum.

Mit Schunk Carbon Technology finden Sie einen Partner, der Ihnen alle technologischen
Möglichkeiten eines weltweit aktiven Unternehmens bietet und Ihre Ideen pragmatisch und
ganz auf Ihre Anforderungen zugeschnitten in die Tat umsetzt – für industrielle Volumen-
märkte genauso wie für hoch spezialisierte Nischenmärkte.

Eine Division der Schunk Group

Wegbereitend, ideenreich, partner-


schaftlich – damit hat sich die Schunk
Group seit 1913 als global agierender
Technologiekonzern einen Namen
gemacht.

Wegbereitend, weil wir für unsere Kunden


Brücken bauen, damit sie mit innovativen
Technologien bessere Produkte entwickeln
und neue Märkte erobern können.

Ideenreich, weil Innovationen ein wesentlicher


Bestandteil unserer Unternehmenskultur sind.

Partnerschaftlich, weil Kundenorientierung von


jedem Mitarbeiter der Schunk Group gelebt wird.

Mit über 8000 Mitarbeitern in 29 Ländern


entwickelt die Schunk Group auf dieser Basis
maßgeschneiderte Hightech-Produkte und
Anlagen in den Bereichen Kohlenstofftechnik
und Keramik, Umweltsimulation und Klima-
technik, Sintermetall und Ultraschallschweißen.
Und zwar in zahlreichen Schlüsselindustrien: von
Automotive sowie Bahn-, Flugzeug- und Schiffs-
technik über Solar- und Windenergie bis hin zu
chemischer Industrie und Maschinenbau.

02 02
HERSTELLUNG UND EIGENSCHAFTEN VON KOHLENSTOFFWERKSTOFFEN

Kohlenstoff

Das chemische Element Kohlenstoff kommt in seinen beiden wichtigsten geordneten Gitter-
strukturen Diamant und Graphit vor. Die Eigenschaften der beiden Modifikationen könnten
kaum unterschiedlicher sein. Während Diamant der härteste natürliche Stoff und ein Isolator ist,
gehört Graphit eher zu den weicheren Stoffen und ist elektrisch leitend.

Kohlenstoffatom Die außergewöhnliche Gitterstruktur von Graphit, ein


Schichtgitter, sorgt für die guten Gleiteigenschaften.
Während die Atome in einer Ebene durch kovalente
Bindungen sehr stark miteinander verbunden sind, wirken
zwischen den einzelnen Ebenen lediglich Van-der-Waals
Van-der-Waals-Kraft Kräfte. Bei mechanischer Belastung fangen die Ebenen an
(schwache Bindungskraft)
aufeinander zu gleiten.

Kovalente Bindung
(starke Bindungskraft)

03
HERSTELLUNG UND EIGENSCHAFTEN VON KOHLENSTOFFWERKSTOFFEN

Technische Kohlenstoffwerkstoffe

In tribologischen Anwendungen sind im Wesentlichen die beiden Werkstoffgruppen der


Kohlenstoffgraphite und Elektrographite weit verbreitet und oftmals die einzige technische
Lösung. Neben den hervorragenden Gleiteigenschaften sind es vor allem die mechanischen
Eigenschaften, die diese keramischen Werkstoffe auszeichnen.

Kohlenstoffgraphit- und Graphitwerkstoffe werden im All- Auf der Seite der Karbidkeramiken sei hier noch kurz auf die
gemeinen in polygranularer und/oder polykristalliner Form mit Graphit gefüllten SiC-Werkstoffe verwiesen. Eine
hergestellt. Dies bedeutet, dass die Rohstoffkörner solcher Besonderheit ist hier sicherlich der Siliziumkarbid-
Kohlenstoffwerkstoffe aus kleinsten Kristalliten verschie- Graphit-Verbundwerkstoff SiC30 von Schunk.
dener Orientierung zusammengesetzt sind. Aufgrund dieser
mikrokristallinen Struktur weist der makroskopische Körper Weitere technische Kohlenstoffprodukte werden unter
oft nicht die typischen anisotropen Kristalleigenschaften Verwendung von Kohlenstoff- oder Graphitfasern herge-
des Graphiteinkristalls auf. Die extreme Anisotropie der stellt. Diese Fasern werden zum Beispiel durch thermische
elektrischen Leitfähigkeit oder des Wärmeausdehnungsko- Behandlung von Polymerfasern – meist aus Polyacrylnitril
effizienten ist bei polykristallinen Werkstoffen gewollt kaum (PAN) – hergestellt. Kohlenstofffasern dienen zur Verstär-
vorhanden oder zumindest stark abgeschwächt. kung von Polymeren (CFK), Kohlenstoff (CFC, C/C), Keramik
(CMC) und Metallen. Diese Verbundwerkstoffe werden vor
Die geringe Anisotropie der Eigenschaften, die bei polykris- allem dort eingesetzt, wo hohe Steifigkeit und Festigkeit
tallinen Kohlenstoffwerkstoffen trotzdem auftritt, ist vor- bei geringem Gewicht eine entscheidende Rolle spielen. Be-
wiegend durch das Pressverfahren bedingt. So haben zum kannte Anwendungsgebiete für CFK sind Sportartikel oder
Beispiel isostatisch gepresste Kohlenstoffwerkstoffe keine Bauteile für die Luft- und Raumfahrt, die keine hohe Tempe-
oder nur eine sehr geringe Anisotropie, während ein- oder raturbelastung erfahren. Für Hochtemperaturanwendungen,
zweiseitig hydraulisch gepresste Werkstoffe eine etwas z. B. in der Halbleitertechnik oder im Ofenbau, werden C/C-
stärker ausgeprägte Anisotropie aufweisen. Werkstoffe eingesetzt. Als nicht sprödbrechende, hochfeste
Keramik sind diese Werkstoffe auch zunehmend interessant
Kunstharzgebundene Kohlenstoffgraphite ergänzen die für den Einsatz in tribologisch belasteten Bauteilen.
Werkstoffpalette für tribologische Anwendungen auf der
Polymerseite. Diese Werkstoffe zeichnen sich durch ihre Des Weiteren gibt es noch Diamant- und diamantähnliche
kostengünstige Herstellung in hohen Stückzahlen und die (DLC)-Beschichtungen, die auch im tribologischen Bereich
Realisierung von komplexen Formen aus. an Bedeutung gewinnen. Die sehr aufwendigen Diamantbe-
schichtungen widerstehen widrigsten Bedingungen, auch
kurzzeitigem Trockenlauf, und sind in einzelnen Anwen-
dungen alternativlos, wo SiC- und SiC-C-Verbundwerkstoffe
nicht eingesetzt werden können.

04
HERSTELLUNG UND EIGENSCHAFTEN VON KOHLENSTOFFWERKSTOFFEN

Herstellung von Kohlenstoffgraphit- und


Graphitwerkstoffen
Die Herstellung der Werkstoffe erfolgt nach Fertigungsmethoden, die an klassische keramische
Technologien angelehnt sind. Dies geschieht bei Schunk in teilweise vollautomatischen
Prozessen, online überwacht.

Materialaufbereitung und Mischen Graphitieren

Der Schmelzpunkt von Kohlenstoff liegt bei einem Druck Kohlenstoffgraphite sind in Teilen amorph, wenig graphi-
von 100 bar bei über 4000 °C. Bei niedrigeren Drücken tisch. Um Graphitwerkstoffe herzustellen, werden Kohlen-
sublimiert Kohlenstoff. Technische Kohlenstoffe können stoffgraphite bei Temperaturen bis 3000 °C graphitiert.
also nicht durch einfache Sinterprozesse hergestellt wer- Bei Schunk erfolgt dies vorwiegend nach dem Acheson-
den. Daher erfolgt die Herstellung von Kohlenstoffgraphit- Verfahren. Hierbei wird das zu graphitierende Material zwi-
und Graphitwerkstoffen über ein Füller/Binder-System. schen zwei Ofenelektroden gepackt und ist als Widerstand
Rohstoffe wie Petrolkokse, Pechkokse, Ruße und Graphite im Sekundärkreis eines Transformators angeordnet. Das
werden auf definierte Korngrößenverteilungen gemahlen. Material wird also durch Widerstandserhitzung auf die Gra-
Diese Füllstoffe werden anschließend bevorzugt auf Dop- phitierungstemperatur gebracht. Hierbei bilden sich durch
pelschneckenextrudern bei erhöhter Temperatur mit einem Rekristallisation größere graphitische Bereiche aus.
thermoplastischen Bindemittel gemischt. Hierfür kommen Solche Elektrographite weisen im Allgemeinen gute Gleit-
sowohl Peche auf Steinkohlenteer- oder Petrolpechbasis als eigenschaften auf, besitzen einen niedrigen elektrischen
auch Kunstharze in Betracht. Die Mischung wird anschlie- Widerstand, eine hohe Wärmeleitfähigkeit sowie eine
ßend für den Formgebungsprozess zu Pulver gemahlen. gegenüber Kohlenstoffgraphiten verbesserte Korrosions-
beständigkeit.
Formgebung
Imprägnieren
Die pressfertigen Mischungen werden unidirektional in
Gesenkpressen oder in isostatischen Pressen zu soge- Die Porosität von Kohlenstoffgraphit- und Graphitwerk-
nannten grünen Körpern geformt. stoffen kann je nach Werkstoff in einem weiten Bereich
variieren.
Karbonisieren Durch Imprägnierprozesse kann die Porosität reduziert oder
sogar eliminiert werden. In vielen tribologischen Anwendun-
Die grünen Körper werden nun karbonisiert. Dazu werden je gen ist Undurchlässigkeit gegenüber Fluiden erforderlich;
nach Werkstoff, Abmessungen und den gewünschten Werk- dabei werden über das Imprägniermedium auch gezielt
stoffeigenschaften unterschiedliche Öfen mit bestimmten weitere Materialeigenschaften beeinflusst.
Aufheizraten, Maximaltemperaturen und Ofenatmosphären Bei Schunk erfolgt das Imprägnieren in der Regel über ein
verwendet. Vakuum-Druck-Verfahren. Imprägniert werden kann mit
Während des Karbonisierungsvorganges erfolgt die Pyroly- unterschiedlichen Kunstharzen, Metallen wie Antimon oder
se, d.h. Zersetzung des Bindemittels in flüchtige Bestand- Kupfer und mit anorganischen Salzen. Auch eine Nachver-
teile und Kohlenstoff. Die flüchtigen Bestandteile erzeugen dichtung mit Kohlenstoff ist möglich.
ein offenes Porengefüge. Der Binder bleibt im Formkörper
als so genannter Binderkoks zurück und sorgt für hohe
Festigkeit und Härte.
Man bezeichnet diese Werkstoffe als Kohlenstoffe oder
Kohlenstoffgraphite, manchmal auch Hartkohlen genannt.

05
HERSTELLUNG UND EIGENSCHAFTEN VON KOHLENSTOFFWERKSTOFFEN

Bindemittel Rohstoffe Brechen Mahlen Sieben

Mischen

Mahlen Homogenisieren

ISO-Pressen Gesenkpressen

Karbonisierung

Prüfen Sonderbehandl. Graphititieren Imprägnieren

Kohlenstoff-
graphit-
Halbzeug Bearbeiten Prüfen Bearbeitete
Kohlenstoff-
graphit
und Graphit-
bauteile

06
HERSTELLUNG UND EIGENSCHAFTEN VON KOHLENSTOFFWERKSTOFFEN

Eigenschaften von Kohlenstoffgraphit- und


Graphitwerkstoffen

Porosität

Die herstellungsbedingt entstandene Porosität von Koh-


lenstoffgraphit- und Graphitwerkstoffen führt zu einer
gewissen Permeabilität für Fluide. Für einige Verwendungs-
zwecke stören die im Material vorhandenen Poren nicht. Für
Dichtungselemente wie z. B. Gleitringe für Gleitringdichtun-
gen sind dagegen porige Werkstoffe ungeeignet.
Die offene Porosität von Kohlenstoffgraphit und Graphit-
werkstoffen kann durch Imprägnierungen verringert bzw. Schliffbilder von einem unimprägnierten und einem
ganz verschlossen werden (siehe vorheriges Kapitel imprägnierten Werkstoff
„Imprägnieren“).

Rohdichte Temperaturbeständigkeit

Wegen der vorhandenen Poren ist es üblich, die scheinbare In sauerstoffhaltiger Atmosphäre wird Kohlenstoff bei
Dichte oder Rohdichte anzugeben. Sie kann je nach Porosi- hohen Temperaturen oxidiert.
tät und Imprägnierung von 1,5 bis 3,3 g/cm³ betragen. Diese Oxidation tritt bei Kohlenstoffgraphitwerkstoffen an
Kohlenstoffbauteile sind ausgesprochen leicht. Luft ab etwa 350 °C und bei Elektrographiten ab 500 °C auf.
Durch spezielle Nachbehandlungen lässt sich die Tempe-
raturbeständigkeit von Elektrographiten in oxidierender
Atmosphäre auf über 600 °C steigern.
Chemische Beständigkeit In nicht oxidierender Atmosphäre wird die Temperatur-
beständigkeit von Kohlenstoffgraphit und Graphit durch die
Kohlenstoffgraphit- und Graphitwerkstoffe sind aufgrund Behandlungstemperatur beim Herstellprozess bestimmt und
ihrer ausgezeichneten chemischen Resistenz in die Gruppe liegt damit bei etwa 1000 °C bzw. > 2500 °C.
der korrosionsfesten Werkstoffe einzureihen. Bei kunstharz- und metallimprägnierten Werkstoffen ist
Einzelheiten entnehmen Sie bitte unserer Broschüre 39.12 die Temperaturbeständigkeit durch die Zersetzungs- bzw.
zur chemischen Beständigkeit. Schmelztemperatur der verwendeten Imprägniermittel
begrenzt. Die Temperatureinsatzgrenze kunstharzimpräg-
nierter Werkstoffe liegt je nach verwendetem Harz >200 °C.

07
HERSTELLUNG UND EIGENSCHAFTEN VON KOHLENSTOFFWERKSTOFFEN

Festigkeit Härte

Kohlenstoffgraphit- und Graphitwerkstoffe weisen eine Schunk ermittelt für seine Kohlenstoffwerkstoffe die Härten
vergleichsweise geringe Zug- und Biegefestigkeit, dagegen HR5/40, HR5/100 und HR5/150. Hierbei wird eine 5-mm-
aber eine hohe Druckfestigkeit auf. Im Gegensatz zu Kunst- Stahlkugel mit 98 N Vorlast und 294 N, 883 N bzw. 1373
stoffen oder metallischen Werkstoffen nimmt die Festigkeit N Zusatzlast in den zu prüfenden Körper gedrückt. Nach
mit steigender Temperatur nicht ab. Abnehmen der Zusatzlast ist die bleibende Eindringtiefe ein
Bei der Konstruktion mit Kohlenstoffgraphit- und Graphit- Maß für die Härte HR5/40, HR5/100 bzw. HR5/150 (dimen-
werkstoffen muss keramiktypisch eine gewisse Sprödigkeit sionslos), die an der B-Skala von Rockwellhärteprüfgeräten
berücksichtigt werden. Wegen dieser größeren Sprödigkeit abgelesen wird.
im Vergleich zu gebräuchlichen metallischen Werkstoffen ist Um einen Vergleich mit Härtewerten anderer Werkstoffe zu
die Festigkeit von diesen Werkstoffen nicht durch Angaben ermöglichen, haben wir in unserer Broschüre „Kenndaten –
von Zugfestigkeits- und Dehnungswerten zu charakterisie- Standardwerkstoffe“ (30.14) zusätzlich zur Rockwellhärte
ren. Es ist vielmehr üblich, die Biege- und Druckfestigkeit (HR) die Brinellhärte angegeben. Zur ständigen Qualitäts-
sowie den Elastizitätsmodul als Kenngrößen anzugeben. überwachung ziehen wir das Härtemessverfahren nach
Kohlenstoffgraphit ist hinsichtlich der Festigkeit den Elek- Brinell nicht heran, da dieses nur statthaft ist, wenn die
trographiten überlegen. Elektrographit hingegen besitzt Oberfläche des porigen Materials poliert wird.
eine etwas geringere Sprödigkeit. Dynamische Härtemessverfahren sind nach unserer Erfah-
Durch Imprägnierungen mit Kunstharzen oder Metallen rung wegen der Struktur des Materials weniger gut geeig-
können die Festigkeiten, E-Moduln und Härten wesentlich net. Außerdem ist die Angabe von Shore-Härtewerten allein
erhöht werden. wegen der stark vom jeweils benutzen Gerät abhängigen
Messwerte problematisch.

Werkstoffe Wärmeleitfähigkeit bei


Wärmeleitfähigkeit
+20 °C W/m*K

Elektrographit 40-130 In Tabelle 1 sind die typischen Wärmeleitfähigkeiten von

Kohlenstoffgraphit 8-17
Kohlenstoffgraphit und Elektrographit im Vergleich zu
einigen weiteren gebräuchlichen Werkstoffen zusammen-
Chrom-Nickel-Stahl 18/8 15
gestellt. Kohlenstoffgraphite erreichen die Leitfähigkeit
Grauguss 45-60
rostfreier Stähle, Elektrographite zeichnen sich durch noch
Kupfer 395 wesentlich höhere Wärmeleitfähigkeiten aus.
Bronze SnBz 12 38

Chromstahlguss 19

Sinterkeramik (Al2O3) 21 Wärmeausdehnungskoeffizient

Siliziumkarbid 80-130
Eine weitere wichtige Eigenschaft, die bei der Konstruktion
mit Kohlenstoffwerkstoffen unbedingt berücksichtigt wer-
Tabelle 1: Wärmeleitfähigkeit den muss, ist der im Vergleich zu Metallen niedrige Wärme-
ausdehnungskoeffizient. Mit Werten von 2 bis 6 *10-6/K ist
dieser um Faktoren kleiner als der von Metallen.

08
HERSTELLUNG UND EIGENSCHAFTEN VON KOHLENSTOFFWERKSTOFFEN

Temperaturwechselbeständigkeit schmiermittel. Bereits ohne zusätzliche flüssige Schmier-


mittel ist daher der Reibungskoeffizient zwischen Kohlen-
Die Thermoschockbeständigkeit ist für Kohlenstoffgra- stoffwerkstoffen und deren Reibpartnern bei einwandfreier
phit- und insbesondere auch für Elektrographitwerkstoffe Gleitflächenbeschaffenheit vergleichsweise klein.
hervorragend. Sie kann als Quotient aus dem Produkt von Allgemein gültige Angaben über den Reibungskoeffizienten
Festigkeit und Wärmeleitfähigkeit und dem Produkt von lassen sich infolge stark unterschiedlicher Betriebsbedin-
E-Modul und thermischem Ausdehnungskoeffizienten defi- gungen nicht machen. Im Trockenlauf ist gegen Grauguss
niert werden. oder Stahl mit einem Reibungskoeffizienten in der Größen-
ordnung von µ=0,1 bis 0,3 zu rechnen. In Gegenwart von
Gleiteigenschaften Flüssigkeiten oder Dämpfen, wobei die Art der Flüssigkeiten
bzw. Dämpfe von untergeordneter Bedeutung ist, wird der
Graphit, ob Naturgraphit oder Elektrographit, besitzt auf Reibbeiwert bedeutend herabgesetzt, im Mischreibungs-
Grund seiner besonderen Kristallstruktur selbstschmierende bereich auf µ < 0,1. Anhaltspunkte über den Verlauf des
Eigenschaften. Da bei der Herstellung von Kohlenstoff- Reibungskoeffizienten zwischen Kohlenstoffgraphit und
graphitwerkstoffen für Lager und Dichtungselemente Grauguss bzw. Stahl bei Trockenlauf geben die nachfolgen-
ebenfalls stets Graphit als Komponente verwendet wird, den vier Diagramme.
bestehen neben den Elektrographitwerkstoffen auch diese
Werkstoffe zu einem bedeutenden Teil aus dem Trocken-

Prüfbedingungen: Prüfbedingungen:
Spurlager Spurlager
Reibungskoeffizient µ

Reibungskoeffizient µ

Kohlenstoffwerkstoff: FH44Y Kohlenstoffwerkstoff: FH44Y


Kohlenstoffringdurchmesser: 80,5/57,5 0,6 Kohlenstoffringdurchmesser: 80,5/57,5
0,3
Kohlenstoffgleitfläche: 25 cm2 Kohlenstoffgleitfläche: 25 cm2
Gegenlaufmaterial: Gusseisen (feingeschlichtet) 0,5 Gegenlaufmaterial: Gusseisen (feingeschlichtet)
Temperatur der Gleitfläche: ~ 100 °C Temperatur der Gleitfläche: ~ 100 °C
Spezifische Belastung: 1N/mm2 0,4 Spezifische Belastung: 1N/mm2
0,2
Mittlere Geschwindigkeit: 0,8 m/s
0,3

0,1 0,2

0,1

10 20 30 40 50 60 70 min. 90 Laufzeit 1 2 3 4 5 6 7 8 m/s 10


Mittlere Gleitgeschwindigkeit

Diagramm 1:
Veränderung des Reibungskoeffizienten μ beim Einlauf Diagramm 2:
Reibungskoeffizient μ in Abhängigkeit von der mittleren
Geschwindigkeit

09
HERSTELLUNG UND EIGENSCHAFTEN VON KOHLENSTOFFWERKSTOFFEN

Prüfbedingungen: Prüfbedingungen:
Reibungskoeffizient µ

Reibungskoeffizient µ
Spurlager Kohlenstoffgleitring
0,6 Kohlenstoffwerkstoff: FH44Y 0,6 Kohlenstoffwerkstoff: FH44Z2
Kohlenstoffringdurchmesser: 80,5/57,5 Kohlenstoffringdurchmesser: 180/200 x 20mm
0,5 Kohlenstoffgleitfläche: 25 cm2 0,5 Gegenlaufmaterial: Stahl St60
Gegenlaufmaterial: Gusseisen (feingeschlichtet) Rauhtiefe Gegenlauffläche Rt < 1μm
0,4 Temperatur der Gleitfläche: ~ 100 °C 0,4 v= 5,7 m/s
Mittlere Geschwindigkeit: 0,8 m/s v= 8,6 m/s
0,3 0,3

0,2 0,2

0,1 0,1

0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 0,7 0,8 N/mm2 1,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 0,7 0,8 N/mm2 1,0
Spez. Belastung Spez. Belastung

Diagramm 3: Diagramm 4:
Reibungskoeffizient μ in Abhängigkeit von der spezifischen Reibungskoeffizient μ in Abhängigkeit von der spezifischen
Belastung Belastung der Gleitpaarung FH44Z2 - Stahl

Aus: Techn. Hochschule Darmstadt, Dissertation von H.


Hartmann: „Über den Temperaturverlauf und die Einsatz-
grenzen von trockenlaufenden Graphit-Dichtringen“.

Das erste Diagramm, in welchem der Reibungskoeffizient Im Diagramm 4 ist die Abhängigkeit des Reibungskoeffizi-
über der Einlaufzeit aufgetragen ist, zeigt, dass dieser bei enten von der spezifischen Belastung bei zwei konstanten
fortschreitendem Einlauf und einer damit verbundenen zu- Gleitgeschwindigkeiten am Beispiel des kunstharzimpräg-
nehmenden Glättung der Gleitfläche abnimmt, um sich dann nierten Kohlenstoffgraphitwerkstoffs –FH44Z2– aufgezeigt.
auf einem niedrigen Niveau zu stabilisieren. Besonders ist, dass Kohlenstoffwerkstoffe bei geringen
Reibungskoeffizienten auch ausgezeichnete Verschleiß-
Von weitaus größerer Bedeutung ist allerdings, dass der festigkeiten aufweisen.
Reibungskoeffizient von der Gleitgeschwindigkeit und der
spezifischen Belastung abhängt. Diagramm 2 und 3 zeigen
diese Abhängigkeit für den Kohlenstoffgraphitwerkstoff
–FH44Y–.

10
HERSTELLUNG UND EIGENSCHAFTEN VON KOHLENSTOFFWERKSTOFFEN

Konstruktionshinweise für Maschinenelemente aus


Feinstkornkohlenstoffwerkstoffen
Da sämtliche Gleitelemente von Schunk Carbon Technology nach Kundenzeichnung und/oder
Kundenspezifikation hergestellt werden, ist der Konstrukteur bzgl. Ausführungsform,
Abmessungen und Werkstoff nicht an Normen oder Standardausführungen gebunden.

Bei der Gestaltung von Gleitlagern und Dichtungselementen Kohlenstoffformkörper sind beim Einpressen oder Ein-
sind die bereits beschriebenen Eigenschaften von Kohlen- schrumpfen in Metallfassungen oder direkt in die Gehäuse
stoffgraphit- und Graphitwerkstoffen zu beachten. Es ist möglichst auf der ganzen Länge zu fassen und damit zu
daher sinnvoll, bereits in der Konstruktionsphase für neue unterstützen. Bei freitragendem Einbau sind entsprechend
Bauteile Kontakt zu uns aufzunehmen, um nicht realisierba- große Wandstärken vorzusehen.
re oder ungünstige Ausführungen zu vermeiden.
Die Geometrien werden in der Regel aus gepressten
Halbzeugen gespant. Hierbei kommen nahezu alle Span-
verfahren zum Einsatz: u. a. Sägen, Wasserstrahlschneiden,
Drehen, Fräsen, Bohren, Schleifen, Hohnen, Läppen und
Polieren.
L≤2D Aufteilung in meh-
Die Wandstärke sollte möglichst nicht unter 3 mm liegen. rere Teile, um Quer-
Bei Rundkörpern ist je nach Größe der Bauteile die Wand- D schnittsänderungen
stärke mit 10–20 % des Innendurchmessers festzulegen. s und Überlänge zu
Die Länge der Bauteile kann bis zu dem Doppelten des L L ≥ 3 mm
s ≥ 3 mm
vermeiden
Außendurchmessers betragen. Darüberhinaus muss ge-
gebenenfalls eine Aufteilung in zwei oder drei Teilstücke
vorgenommen werden. Tiefe und enge Bohrungen sollten
vermieden werden.
Verdrehsicherung
In der Regel kann bei einteilig bearbeiteten Formteilen eine
mit glattem Stift im
Innendurchmesser-Toleranz von IT7 und eine Außendurch- unbelasteten Teil
messer-Toleranz von IT6 eingehalten werden. eines Kohlenstoff-
Wegen der Bruchgefahr empfiehlt es sich, auf große Quer- körpers
schnittsänderungen zu verzichten. Als Alternative bietet
sich eine Aufteilung in mehrere Teile von unterschiedlicher
Wandstärke an.
Scharfe Kanten sollten gebrochen werden.
Wenn Bauteile aus Kohlenstoffgraphit oder Graphitwerk- Übergänge
stoffen in metallischen Gehäusen montiert oder gegen abgerundet, Kanten
Verdrehen gesichert werden müssen, scheiden Schrauben gebrochen
und Keile aufgrund der Kerbwirkung aus.
Die erste Wahl sollte eine Press- oder Schrumpfverbindung
sein. Falls dies nicht ausreicht, kann auch mit Verstiftungen
gearbeitet werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass dies in Kohlenstoffform-
körper in Metall-
einem unbelasteten Bereich geschieht und das Kohlenstoff-
buchse oder direkt
bauteil keine Zugbelastung durch die thermische Aus- ins Gehäuse ein-
dehnung des Stiftes erfährt. geschrumpft bzw.
eingepresst

11
HERSTELLUNG UND EIGENSCHAFTEN VON KOHLENSTOFFWERKSTOFFEN

Kunstharzgebundene Carbonwerkstoffe

Bei diesen Werkstoffen handelt es sich um kohlenstoff- und/oder graphitgefülltes Phenolharz.


Unterschiedliche Rezepturen und Füllgrade tragen den unterschiedlichen Anforderungen in der
jeweiligen Anwendung Rechnung.

Ein großer Vorteil dieser Werkstoffe liegt in der Möglichkeit Die kleinste Wandstärke wird in erster Linie durch den
der Kunststoffformgebungsverfahren, welche eine kosten- Werkzeugbau bestimmt und kann bei bis zu 0,5 mm liegen.
günstige Herstellung in hohen Stückzahlen ermöglichen. Die max. Wandstärke eines Bauteils sollte 10 mm nicht
Neben dem Spritzgussformgebungsverfahren werden bei überschreiten, da sonst durch längere Aushärtezeiten dieser
Schunk für diese Werkstoffe auch das Spritzprägen und das duromeren Werkstoffe im beheizten Pressgesenk eine ratio-
unidirektionale Pressen in temperierten Gesenken ange- nelle Fertigung nicht mehr gegeben ist.
wandt. Da im Spritzguss die Werkzeugkosten beträchtlich Für ein im Werkzeug liegendes Maß kann eine Toleranz von
sind, kommen als Einsatzgebiete Lager, Dichtungsringe und IT9 bis IT10 als Anhaltswert genannt werden. Für Maße in
Pumpenteile in Frage, die wie z. B. in der Automobilindustrie der Trennebene des Werkszeuges kann eine Toleranz von
in hohen Stückzahlen benötigt werden. ≈ 0,1 mm eingehalten werden. Bei allen Toleranzen gilt,
Anwendungsbeispiele: Autokühlwasserpumpen, Kraft- dass sie abhängig sind von zahlreichen Parametern wie
stoffpumpen, Vakuumpumpen für die Zentralverriegelung, Werkstoff, Geometrie des Bauteils, Anzahl der Werkzeug-
Kompressoren für Komfortsitze, Haushaltswasserpumpen, kavitäten oder thermischen Nachbehandlungen. Die end-
Ölbrennerpumpen, Waschmaschinenpumpen etc. gültige Toleranzfestlegung sollte hier nach ersten Ferti-
Hinzuweisen ist hier auf die Temperaturbeständigkeit bis gungsversuchen mit statistischer Auswertung erfolgen.
180 °C und den Temperaturausdehnungskoeffizienten, der Für die Einhaltung von funktionswichtigen Toleranzen
in der Größenordnung von metallischen Werkstoffen liegt. werden Prozessregelungsverfahren als Qualitätssicherungs-
Dadurch ist es möglich, metallische Einlegeteile oder den maßnahme eingesetzt.
Werkstoff selbst als Einlegeteil zu umspritzen. Es wurden
auch bereits Anwendungen bis 250 °C realisiert, selbst die
Herstellung von All-Carbon-Werkstoffen ist möglich.

12
30.20d/2018

Schunk Kohlenstofftechnik GmbH


Rodheimer Straße 59
35452 Heuchelheim ¬ Deutschland
Tel +49 641 6080
Fax +49 641 6080 1223
E-Mail info@schunk-group.com
schunk-carbontechnology.com
Alle Angaben stehen unter dem Vorbehalt technischer Änderungen. Texte und Bilder unterliegen dem Urheberrecht.
Eine Nutzung der Inhalte ist nur nach schriftlicher Zustimmung der Schunk GmbH gestattet.