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FÜR DIE PRAXIS Installationstechnik

Elektroinstallation und EMV lage Verantwortung trägt, die Frage stellen, ob


sich die einzelnen Komponenten der Anlage
eventuell gegenseitig negativ beeinflussen
H. Schmolke, Köln können.
Für den Errichter einer elektrischen Anlage
Oberflächlich betrachtet kann man den Eindruck gewinnen, als sei die bedeutet dies, dass Störfelder auf die Vertei-
Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) zu einem modernen Schlagwort lungen einwirken oder Streuströme in der
geworden. Alle reden davon, aber nur wenige „Eingeweihte“ wissen wirklich Anlage über Schirme fließen und so Störungen
verursachen können. Mit anderen Worten: Er
Bescheid. Im Beitrag wird dargelegt, was sich bei der Elektroinstallation in
muss heutzutage wesentlich umfassender
der letzten Zeit verändert hat und worauf unbedingt zu achten ist, damit denken und handeln.
eine Installationsanlage sicher funktioniert.
2.2 Ein leider typisches Beispiel
In einem Labor werden zahlreiche Monitore
Höhere Anforderungen Ob ihm damit letztendlich geholfen ist, sei da- betrieben, auf denen Messergebnisse über-
1 an Installationsanlagen
hingestellt. Fest steht, dass es um Funktions-
fähigkeit und somit letztlich auch um Sicher-
wacht werden. Eines Tages fangen die Monito-
re an zu flimmern; senkrechte Linien machen
Für das Errichten elektrischer Anlagen war es heit geht. Dabei wird vorausgesetzt, dass „einen Bauchtanz“ und Zahlen sind nur mit
früher notwendig, den Querschnitt und die • auf ein Gerät (System/Anlage) stets Ein- Mühe korrekt abzulesen – für die Mitarbeiter
Länge einer Zuleitung zum elektrischen Be- flüsse von außen wirken und ein untragbarer Zustand. Außerdem vermute-
triebsmittel sowie die Überstrom-Schutzein- • von diesem Gerät (System/Anlage) stets te man Fehlmessungen, da von der Einwirkung
richtung auszuwählen, die Zahl der Stromkrei- Einflüsse ausgehen, die andere Geräte eines zu starken elektromagnetischen Feldes
se im Gebäude festzulegen usw. Künftig reicht (Systeme/Anlagen) in der Umgebung beein- ausgegangen werden musste.
dieses nicht mehr aus, es hat sich vieles ver- flussen. Die letztgenannte Vermutung traf zu. Im darun-
ändert. Heute gibt es kaum einen Verbrau- Diese Einflüsse können ter liegenden Geschoss war ein Sammel-
cher, der nicht elektronische Bauteile enthält. • Ströme sein, die über Schutzleiter, fremde schienensystem für hohe Ströme verlegt
Datenleitungen für PC- und Telekommunika- leitfähige Teile sowie über Kabelschirme worden. Unglücklicherweise handelte es sich
tionsvernetzung, für Gebäudesystemtechnik fließen, oder dabei um ein sogenanntes 4-Leiter-System,
und Gefahrenmeldeanlagen u.v.m. durchzie- • Spannungen bzw. Überspannungen, wel- also um drei aktive Leiter und einen PEN –
hen die Gebäude. Motoren werden über Um- che die betriebsmäßig anstehende Span- eine für die EMV besonders ungünstige Form
richter gesteuert und Leuchtstofflampen über nung überlagern, oder der elektrischen Energieverteilung.
EVG mit Hochfrequenz betrieben. • Oberschwingungsströme, die irgendwo in Bei diesem Beispielen drängt sich die Frage
Ein Umdenken in der Elektroinstallation ist so- der elektrischen Anlage entstehen und auf, ob hier fachtechnisch korrekt gearbeitet
mit unbedingt notwendig. Das zeigt auch die sämtliche elektrische Betriebsmittel ein- wurde. Die Firma, die das Stromschienensys-
veränderte gesetzliche Situation. Auch bei der schließlich des einspeisenden Transforma- tem errichtete (und natürlich auch der Planer)
Elektroinstallation ist das Gesetz zur Elektro- tors belasten. kann nach Abschluss der Arbeiten behaupten:
Magnetischen-Verträglichkeit zu berücksichti- „Alles fertig – die Schiene passt; sie hält allen
gen. Leider haben bisher viel zu wenige davon 2.1 Funktionssicherheit Belastungen stand; sie verursacht keinen zu
Kenntnis genommen. Mit anderen Worten: Nach dem EMV-Gesetz (EMVG) muss eine hohen Spannungsfall und ist in Bezug auf den
Ohne Einbeziehung der EMV in die Elektro- elektrische Anlage als Ganzes die vorgese- Strom genau dimensioniert.“
installation geht es gar nicht mehr – es sei hene Funktion erfüllen, zu der sie errichtet wur- Diese Einstellung ist längst nicht mehr zeitge-
denn, man plant und errichtet ausschließlich de. Allerdings ist dies bei einer elektrischen mäß. Sie widerspricht auch zutiefst dem zuvor
kleine Einfamilienhäuser mit einem extrem Anlage nicht immer leicht zu bestimmen. In erwähnten EMV-Gesetz. Die elektrische An-
geringen Anteil an Gebäudetechnik. einer komplexen Anlage gibt es zahlreiche Ein- lage muss immerhin in ihrer Gesamtheit funk-
zelfunktionen, die jede für sich sowie im Paral- tionieren. Und dies gilt auch, wenn zu ihr ganz
lelbetrieb sichergestellt werden müssen: verschiedene Einrichtungen und Geräte ge-
Probleme • die Beleuchtungsanlage, evtl. zusätzlich die hören. Das komplette Gebäude mit all seinen
2 im Bereich der EMV Sicherheitsbeleuchtungsanlage usw., Gewerken – von der Starkstromanlage bis hin
• die Heizung-, Klima- und Lüftungssteuerung zur komplexen Steuerung – müssen zufrieden-
Dem Neueinsteiger auf dem Gebiet der EMV sowie damit verbundene Antriebe, stellend funktionieren.
wird die bekannte Definition vorgelegt: • die Brandmeldeanlage,
Unter Elektromagnetische Verträglichkeit • die Aufzugssteuerung mit der Antriebsma-
(EMV) versteht man die Fähigkeit eines schine, Nachteile des TN-C-Systems
Geräts, eines Systems oder einer Anlage, in • die Maschinensteuerungen in gewerblichen 3 bezüglich der EMV
seiner/ihrer bestimmungsgemäßen Umge- und industriellen Anlagen usw.
bung zufriedenstellend zu funktionieren, Dazu kommen die informationstechnischen Im TN-C-System übernimmt der vierte Leiter
ohne dabei diese Umgebung durch selbst er- Einrichtungen wie vernetzte PCs und eventuell (PEN) eine Doppelfunktion, die
zeugte elektro-magnetische Störungen unzu- die Gebäudesystemtechnik oder Gebäudeleit- • des Schutzleiters (PE) und
lässig zu beeinflussen. technik. All dies muss nebeneinander funktio- • des Neutralleiters (N).
nieren. Dies ist in einer Hinsicht möglich, da beide Lei-
Dabei reicht es nicht, wenn der Errichter dar- ter am Sternpunkt des einspeisenden Trans-
Autor auf achtet, dass die einzelnen Bestandteile formators geerdet sind und so keine nennens-
Dipl.-Ing. Herbert Schmolke ist Mitarbeiter entsprechend gekennzeichnet sind (beispiels- werte Spannung gegen Erde führen. Einge-
bei VdS Schadenverhütung in Köln und dort
weise durch ein CE-Kennzeichen) und ent- spart wird somit der fünfte Leiter.
zuständig für die Anerkennung von Elektro-
fachleuten sowie für die DKE Gremienarbeit
sprechend den Regeln der Technik sowie den Allerdings gibt es ebenso gute Gründe, dies
im Auftrag der Versicherungswirtschaft. Herstellerangaben errichtet wurden. Vielmehr möglichst zu vermeiden: Auch wenn der Neu-
muss sich derjenige, der für die Gesamtan- tralleiter keine hohe Spannung gegen Erde

302 Elektropraktiker, Berlin 58 (2004) 4


TN-C-System L TN-S-System L
N
PEN Betriebsmittel 1 PE Betriebsmittel 1

Daten-,
Daten-, Signal-
Signal- leitung
∆U

leitung

∆U
Betriebsmittel 2 Betriebsmittel 2

a) b)

➊ Betriebsbedingte „Neutralleiterströme“ in einem TN-S-System und in einem TN-


C-System (Darstellung nach DIN VDE 0100-540)
a) der Spannungsfall ∆U bewirkt einen gefährlich hohen Schirmstrom auf der Datenleitung
b) der Spannungsfall beträgt ∆U = 0 V

aufweist, fließt in ihm ein häufig nicht zu ver- Der Einzelleiter ist also in Bezug auf die EMV
nachlässigender Betriebsstrom. Der PE-Leiter der schlechteste Fall – das magnetische Feld
sollte dagegen möglichst stromlos sein. nimmt mit wachsendem Abstand nur relativ
Die unterschiedlichen Verhältnisse im TN-C- langsam ab. Ein Einzelleiter wäre beispiels-
und TN-S-System sind im Bild ➊ darstellt (ent- weise die Wasserleitung aus Bild ➊ (links).
halten im Anhang zur Norm DIN VDE 0100- Hier fließt der Strom ausschließlich in eine
540 zur Verdeutlichung dieser Problematik). Richtung. In der Praxis wurde in einem Hei-
Es handelt sich um ein mehrgeschossiges zungsrohr ein Strom von einigen 10 A gemes-
Gebäude, auf dem in jeder Etage ein Etagen- sen, der schwere Störungen auf benachbarten
verteiler errichtet wurde, der die jeweilige Eta- Bildschirmen verursachte.
ge mit elektrischer Energie versorgt. Daneben
gibt es ein PC-Netz, das über geschirmte Daten- 3.2 Einfluss der Streuströme
leitungen miteinander verbunden ist. Die PCs Die Ströme, die nicht über den PEN-Leiter flie-
besitzen einen PE-Leiteranschluss (Schutz- ßen, werden auch Streuströme genannt.
klasse I). Die Etagenverteiler werden im linken Diese fließen irgendwo über mehr oder weniger
Teil des Bildes über ein 4-Leiter-Kabel (L1, L2, zufällig vorhandene Parallelwege, über fremde,
L3, PEN) untereinander verbunden. leitfähige Teile, Kabelschirme und über Teile
Der betriebsbedingte Strom über den Neutral- des Gebäude-Potentialausgleichs. Dabei sind
bzw. PEN-Leiter wird sich nach dem Kirchhoff- sie unter Umständen brandgefährlich, da sie
schen Gesetz aufteilen unkontrolliert im Gebäude über irgendwelche
• in einen Strom über den PEN sowie Anlagenteile fließen. Aus diesem Grund ist ein
• einen Strom über die parallelen Wege, die PEN-Leiter auch in feuergefährdeten Betriebs-
durch dass leitfähige Wasserrohr und die stätten nach DIN VDE 0100-482 verboten.
Datenschirme zur Verfügung stehen. Außerdem sind die Streuströme extrem un-
günstig für die EMV in einem Gebäude. Wer
3.1 Magnetisches Feld bei der Planung einer elektrischen Anlage ein
Jeder elektrische Strom erzeugt ein magneti- TN-C-System wählt, handelt im Grunde stets
sches Feld. Die Stärke dieses Feldes ist von gegen das EMV-Gesetz, da er davon ausgehen
der geometrischen Anordnung der beteiligten muss, dass im Gebäude empfindlliche Geräte
stromführenden Leiter abhängig. Ein Transfor- und Systeme betrieben werden müssen.
mator führt zwar in der Regel hohe Ströme, Dieser störende Einfluss der Streuströme ist
aber sein magnetisches Feld nimmt mit zuneh- dabei nicht unerheblich.
mender Entfernung schneller ab als dies bei
einem Kabel der Fall ist. Bild ➋ zeigt die Zu- 3.3 Einfluss des PEN-Leiterstroms
sammenhänge. Bei einem Transformator oder Durch die Aufteilung des Stroms in Streu-
einer Spule nimmt die magnetische Fluss- ströme und den PEN-Leiterstrom ist die
dichte B ungefähr proportional 1/r3 ab. Bei Summe der Ströme im Kabel, das die Etagen-
einem Kabel, in dem Hin- und Rückleiter wir- verteiler mit Elektroenergie versorgt (Steigelei-
ken, nimmt die Flussdichte im Verhältnis 1/r2 tung), nicht mehr null!
ab und bei einem Einzelleiter im Verhältnis In einer üblichen Mehraderleitung, in der sämt-
1/r. liche Außenleiter und der Neutralleiter eines

Elektropraktiker, Berlin 58 (2004) 4 303


FÜR DIE PRAXIS Installationstechnik

10
µT
➋ Magnetische
L1
1 1/r Einzelleiter
Flussdichte (B) in Ab- L2
hängigkeit von der je- L3
0,1 weiligen Anordnung N
B 1/r2 Hin- und
10–2
Rückleiter sowie vom Abstand PEN
PEN
1/r3 (r) zwischen dem
10–3 Spule Messort und dem
Transformator- Parallelweg für den betriebs- NHV mit
10–4
stromdurchflossenen abgang bedingten Rückstrom über Erde symbolischer
2 7 12 17 22 27 32 37 42 47 Leiter (I = 30 A) (symbolische bzw. Potentialausgleich und Darstellung der
Darstellung fremde leitfähige Teile Sammelschiene
der Sekundär-
seite)

Verteilungstransformator Hauptverteilung Unterverteilungen 䉱 ➌ Ungünstige Installation


5 Vom Transformator aus wird in der Regel ein TN-C-
L1
L1 System errichtet und erst ab der NHV ein TN-S-Sys-
L2
L2 L3 5 tem. Parallel zum PEN-Leiter gibt es stets auch
L3 N irgendwelche fremde leitfähige Teile, die einen
PE 5
parallelen Weg für den PEN-Leiter-Strom bilden.
L1 5
PEN L2
L3 5
PE
N
PE 5 䉳 ➍ Günstige Installation
Die Erdverbindung einer elektrischen Anlage mit ein-
Massestrukturen
speisendem Transformator und PEN-Leiter erfolgt
PAS zwischen Transformator und NHV
PAS Potentialausgleichschiene
ZEP zentraler Erdverbindungspunkt

Stromkreises vereinigt sind, ist die Strom- währleisten soll, kein PEN-Leiter errichtet wer- sowie Potentialausgleichsverbindungen
summe hingegen null. Das bedeutet, es ent- den darf. Auch die VDE-Normen der Reihe (Streustrom).
wickelt sich kaum ein magnetisches Feld um 0800 setzen, um Störungen in fernmelde- Der Streustrom und der Summenstrom im Zu-
diese Leitung herum. bzw. informationstechnischen Einrichtungen leitungskabel zwischen Transformator und
Da die Summe der Streuströme jedoch nach zu vermeiden, stets ein TN-S-System voraus. NHV verursachen magnetische Störfelder. In
Bild ➊ (links) in der Steigeleitung fehlen, ist der Praxis verursachte bereits dieses „kurze
die Summe der Ströme nun nicht mehr null. 4.1 Auswahl der Potentialausgleichs- Stück“ zwischen Transformator und NHV er-
In diesem Zusammenhang spricht man vom leitungen und der Leitungswege hebliche Probleme in Bezug auf die EMV.
sogenannten „Differenzstrom“ oder „Sum- Jeder Leiter, der von einem Wechselstrom
menstrom“. Dieser ist so groß wie die Summe durchflossen wird, besitzt diesem gegenüber 4.2.2 Gegenmaßnahmen
der Ströme, die über andere Wege als den einen mehr oder weniger großen ohmschen Die erste Möglichkeit besteht darin, bereits ab
PEN-Leiter abfließen. Dadurch wirkt das 4-Lei- sowie induktiven Widerstand. Die Größe des dem Transformator ein TN-S-System aufzu-
ter-Kabel (nach Bild ➊ die Steigeleitung) Gesamtwiderstands (Scheinwiderstands) ist bauen. In diesem Fall bleiben die betriebsbe-
selbst wie ein Einleiterkabel, in dem der dabei abhängig dingten Ströme im Neutralleiter und der
Summenstrom fließt. • vom Querschnitt des Leiters, Schutzleiter kann so oft wie möglich mit dem
• von seiner Läng und Erdpotential bzw. mit dem Potentialausgleich
• von der Querschnittsform. im Gebäude verbunden werden.
Ausführung eines EMV- Daher ist es wichtig, dass Potentialaus- Ist dies jedoch nicht möglich, so bleibt nur die
4 gerechten Potentialausgleichs gleichsleiter im Querschnitt nicht zu knapp im Bild ➍ dargestellte Lösung: Der Sternpunkt
bemessen werden und bezüglich ihrer Länge des Transformators wird nicht direkt geerdet.
Ein PEN-Leiter sollte im Gebäude möglichst so kurz wir nur irgend möglich ausfallen. Dabei Statt dessen wird der PEN-Leiter isoliert bis zur
vermieden werden1). Dies bedingt, dass so sind flache Leiter runden vorzuziehen. NHV geführt. Erst dort erfolgt die Erdung. Auch
früh wie möglich ein TN-S-System errichtet hier kann kein Betriebsstrom außerhalb des
wird (wenn möglich bereits ab dem einspei- 4.2 Verbindung des PEN der Einspei- PEN-Leiters fließen, da dieser ausschließlich
senden Transformator). sung und Hauptpotentialausgleich an einer einzigen zentralen Stelle (nämlich in
In der gültigen Norm DIN VDE 0100-540 wird 4.2.1 Störungsursachen der NHV) mit der Erde und somit mit dem
die Forderung nach einem TN-S-System nicht Bereits ein Kabel oder eine Leitung zwischen gesamten Potentialausgleich in Verbindung
erhoben (auch nicht ab der Einspeisung ins dem einspeisenden Transformator und der steht. Diesen Punkt in der NHV, wo der PEN-
Gebäude). Es besteht lediglich die Empfeh- Niederspannungs-Hauptverteilung (NHV) kann Leiter des einspeisenden Versorgungsnetzes
lung, auf den PEN-Leiter zu verzichten, wenn für erhebliche Störungen sorgen, denn diese zum ersten und einzigen Mal mit dem Erd-
im Gebäude informationstechnische Einrich- Zuleitung wird in der Regel als TN-C-System er- potential in Verbindung tritt, nennt man den
tungen installiert werden sollen. Allerdings richtet. Im Bild ➌ ist die Situation prinzipiell „Zentralen Erdverbindungspunkt“ (ZEP).
wird sich dies zukünftig ändern, zumal Normen dargestellt. Vom Transformator aus wird ein Sind mehr als eine einspeisende Spannungs-
herauskommen werden, die hier eine zuneh- TN-C-System verlegt. Der betriebsbedingte quelle beteiligt, gibt es nicht einmal mehr die
mend „deutlichere Sprache sprechen“. So Strom im Neutralleiter, der von den Verbrau- beiden zuvor beschriebenen alternativen Pro-
weist die DIN VDE 0100-444 „Schutz gegen chern zurück zur Spannungsquelle (Transfor-
elektromagnetische Störungen (EMI) in Anla- mator) fließt, wird sich in der NHV aufteilen in 1) Eine Ausnahme wird im Abschnitt 4.2 genannt
gen von Gebäuden“ deutlich auf, dass in einer einen Strom
– dort geht es um einen isoliert geführten PEN
elektrischen Anlage, die ein Mindestmaß an • im PEN-Leiter sowie zwischen dem einspeisenden Transformator
Elektromagnetischer Verträglichkeit (EMV) ge- • in fremden leitfähigen Teilen im Gebäude und der NS-Hauptverteilung.

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Transformator Transformator
PEN L1 L2 L3 L1 L2 L3 PEN
isoliert!

isoliert!
PEN
PE

nur eine zentrale PEN-Schiene


Erdverbindungs- vom Erdpotential
stelle im System getrennt
zulässig (ZEP) aufgebaut!

L1
L2
L3
N
PE
Erdung des Systems – die PE-Schiene in der NHV, der Schutzleiter und
auch das Potentialausgleichssystem im Gebäude sollten so häufig wie
möglich mit dem Erdpotential in Verbindung gebracht werden

➎ Mehrfacheinspeisung mit zwei einspeisenden Transformatoren


Wichtig ist der Zentrale Erdverbindungspunkt (ZEP) – nur mit dieser Möglichkeit ist eine für
die EMV freundliche Elektroinstallation bei Mehrfacheinspeisungen zu erreichen.

blemlösungen (5-Leiter-System ab Transfor- potential und dem Potentialausgleich auf-


mator oder isolierter PEN), sondern nur noch weist.)
eine: Hier muss der PEN-Leiter vom Transfor- • An der PEN-Leiter-Schiene werden sämtliche
mator an isoliert geführt werden (Bild ➎). Neutralleiter der abgehenden Stromkreise
Der Grund liegt in der Tatsache begründet, aufgelegt.
dass auch dann, wenn ab den Transformato- • In der NHV wird an der PEN-Leiter-Schiene
ren ein 5-Leiter-System aufgebaut wird, stets die einzige Verbindung zwischen PEN und
zwei Verbindungen zwischen dem Potential- dem Erdpotential (über die PE-Schiene) vor-
ausgleich im Gebäude und dem ankommen- genommen (ZEP).
den PEN bestehen (eine pro Transformator).
Unweigerlich wird der über die Neutralleiter 4.3 Vermaschung des
fließende betriebsbedingte Rückstrom auch Potentialausgleichs
über den „Parallelweg“, bestehend aus Neu- Auch die Vermaschung des Potentialaus-
tralleiter und PE des jeweils anderen Transfor- gleichs bestimmt, wie störungsarm ein Poten-
mators, fließen. Hier bleibt also nur die tialausgleichssystem in einer Anlage wirkt. In
Möglichkeit, die PEN-Leiter isoliert zur NHV zu komplexen Gebäuden, in denen die EMV eine
führen, und dort die einzige Verbindung zum mitentscheidende Rolle spielt, sollte der
Potentialausgleich und zum Erdpotential vor- Potentialsausgleich stets maschenförmig auf-
zunehmen. gebaut sein. Das bedeutet, dass
• metallene Kabelträgersysteme,
4.2.3 Grundsätzliche Forderungen • Stahlarmierungen in Wänden und Decken,
Für eine EMV-freundliche Einspeisung sowie • Gehäuse der metallenen Schaltanlagen
für die Anbindung des Potentialausgleichs im bzw. Verteiler,
Gebäude an den Schutzleiter der Einspeisung • Gebäudekonstruktionsteile wie Träger, Auf-
gelten folgende Regeln: zugsschienen und dergleichen,
• Die PEN-Leiter der einspeisenden Transfor- • größere metallene Gehäuse und Konstruk-
matoren dürfen nicht mit Erdpotential in tionsteile von Einrichtungen usw.
Berührung kommen. Sie werden isoliert bis an möglichst vielen Stellen (also mehrfach,
in die NHV verlegt und dort auf die PEN-Lei- mindestens jedoch an beiden Enden) in den
ter-Schiene aufgelegt. Potentialausgleich einbezogen werden. Wich-
(Bei einer Einspeisung mit einem einzigen tig ist dabei, so viele Verbindungspunkte zum
Transformator kann vom Transformator aus Potentialausgleich zu schaffen wie möglich.
alternativ ein 5-Leiter-System aufgebaut Parallel verlaufende metallene Kabelrinnen
werden.) beispielsweise sollten in regelmäßigen Abstän-
• Die PEN-Leiter-Schiene in der NHV muss den untereinander verbunden werden.
isoliert vom Schaltschrankgehäuse bzw. Die Anbindung an das Gebäude-Potentialaus-
vom Erdpotential aufgebaut sein. gleichs-System kann über Erdungsfestpunkte
(Nicht die PEN-Schiene ist zu isolieren, son- in der Wand, die mit dem Erdungssystem bzw.
dern ihre Montage ist so auszuführen, dass dem Fundamenterder verbunden sind, stattfin-
sie keine leitfähige Verbindung mit dem Erd- den. Ebenso möglich ist die Anbindung über

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Hannover Messe, Halle 9, Stand F01
Installationstechnik

mit dem Fundamenterder verbundene An- 5.1 Forderungen der Versicherungen


schlussfahnen, die innen aus der Wand auf Besonders im Bereich Blitz- und Überspan-
etwa 30 cm Höhe an eine Potentialausgleichs- nungsschutz zeichnet sich in den letzten
schiene angeschlossen werden. Jahren eine Entwicklung ab, die dringend nach
Auch die neue DIN V VDE V 0185-4, Abschnitt einer Lösung verlangt. Pro Jahr laufen bei
8.2, beschreibt einen solchen vermaschten größeren Versicherungsunternehmen einige
Potentialausgleich, der die Grundvorausset- 10 000 Schadenfälle an. Rechnet man die
zung für einen sicher funktionierenden Schutz Schäden, die durch andere Probleme mit der
vor Überspannungen und elektromagnetischen EMV entstehen (Brände, Zerstörungen und
Störfeldern, die durch Blitzströme hervorge- Funktionsausfall), so ist diese Zahl noch weit-
rufen werden, darstellt. In dieser Norm wird er aus größer.
„Potentialausgleich-Netzwerk“ genannt. Die- Hinzu kommt der Umstand, dass vorhandene
ses Potentialausgleichs-Netzwerk hat die Auf- Maßnahmen, z. B. im Bereich Blitz- und Über-
gabe, Potentialdifferenzen zwischen Geräten spannungsschutz, häufig nicht wirken oder
zu vermeiden und das magnetische Feld, das das Risiko sogar erhöhen, weil diese Maßnah-
von einem Blitz ausgeht, zu reduzieren. men nicht fachgerecht geplant und errichtet
wurden – hier wird eine sinnvolle Technologie
4.4 Führung von Kabeln/Leitungen in in Frage gestellt.
Bezug auf den Potentialausgleich Aus diesem Grund hat auch die Versicherungs-
Der Schutzleiter (PE) sowie Schirme von wirtschaft Richtlinien für eine „störungsarme
Kabeln und Leitungen sollten stets möglichst Elektroinstallation“ herausgegeben, in denen
nahe entlang des Potentialausgleichssystems entsprechende Anforderungen beschrieben
geführt werden. Aus diesem Grund ist die Ver- werden (VdS 2349 „Störungsarme Elektro-
legung von Kabeln und Leitungen auf oder in installation“).
metallenen Tragesystemen von großer Bedeu- Der Wunsch der Versicherungen, eine Liste
tung. von Fachleuten zu erhalten, die sich mit der
Ist dieses nicht möglich, hat in vielen Fällen Problematik der EMV auskennen, ist verständ-
bereits das Mitführen eines separaten Poten- lich! In der Regel will der Versicherer seinen
tialausgleichsleiters parallel zu den Kabeln Kunden, der beispielsweise immer wieder
und Leitungen für eine gewisse Reduzierung Schadenfälle in diesem Bereich zu verzeich-
von Störeinflüssen gesorgt. Dieser Leiter nen hat, nicht verlieren, sondern beraten.
muss mindestens beidseitig mit dem Poten-
tialausgleichssystem verbunden werden. 5.2 EMV-Sachkundiger
Dies gilt im Übrigen auch für die Leitungsfüh- Durch den Gesamtverband der Deutschen Ver-
rung in einer Verteilung. Die Verteilung selbst sicherungswirtschaft (GDV) bzw. durch VdS
sollte ein metallenes Gehäuse (einschließlich Schadenverhütung in Köln wurde ein neues
Türen, Rückwände usw.) besitzen, das mög- Anerkennungsverfahren ins Leben gerufen. Es
lichst oft mit dem Schutzleiter verbunden wird. handelt sich um den sogenannten „Sachkun-
Kabelschirme können so auch in der Vertei- digen für Blitz- und Überspannungsschutz so-
lung möglichst nahe am Potentialausgleich wie EMV-gerechte elektrische Anlagen“ – kurz
geführt werden. „EMV-Sachkundige“ genannt. Elektrofachkräf-
te sollen hier auf dieses „Umdenken“ einge-
stimmt und fachlich dazu in die Lage versetzt
Notwendige werden. Dies geschieht durch zwei einwöchige
5 Konsequenzen Ausbildungslehrgänge, die beide mit einer Prü-
fung abgeschlossen werden müssen.
Die Anzahl der Beispiele, die deutlich machen, Experten und Expertenverbände (wie ABB/
dass beim Planen und Errichten elektrischer VDE, VDB, DEMVT, RAL), Herstellerfirmen
Anlagen umfassender vorzugehen ist, könnte (Dehn + Söhne, Phoenix Contact, OBO Better-
endlos erweitert werden. Allein der Bereich des mann) sowie der ZVEH haben an dieser Quali-
Überspannungsschutzes, der überhaupt nicht fizierungsmaßnahme mitgearbeitet. Die an-
angesprochen wurde, erfordert einen nicht erkennende Stelle ist der VdS Schadenver-
gerade kleinen Maßnahmenkatalog, den es hütung in Köln .
einzuhalten gilt, um die empfindliche Technik Der EMV-Sachkundige ist zum einen die „Blitz-
vor den Einwirkungen von nahen und fernen schutzfachkraft“, die nach DIN V VDE V 0185
Blitzeinschlägen sowie den Folgewirkungen für die Planung, Errichtung und Prüfung von
von Schalthandlungen zu schützen. Blitz- und Überspannungsmaßnahmen gefor-
Wichtig ist jedoch ein grundsätzliches Umden- dert wird. Zum andern ist er die Fachkraft, die
ken, vor allem beim Betreiber. Tritt er als Auf- ausreichende Kenntnisse besitzt, um die elek-
traggeber auf, so muss er bereit sein, für fach- trische Anlage so zu planen und zu errichten,
technisch korrekte und zeitgemäße Lösungen dass diese für die EMV keine Probleme verur-
einen entsprechenden Preis zu bezahlen. sacht.
Aber auch bei Planern und Errichtern muss ein
Umdenken stattfinden. Wer so plant bzw. er- Weiterführende Informationen zu dieser Aus-
richtet, wie er es in den sechziger oder siebzi- bildung und Anerkennung:
ger Jahren des vorigen Jahrhunderts gewohnt • im Internet über www.vds.de bzw.
war, handelt leichtsinnig. • per Mail: hschmolke@vds.de. ■

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