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§ 4 Haftung der Personengesellschaften und ihrer Gesellschafter

I. Kaufmannseigenschaft der Personenhandelsgesellschaften

1. Kaufmannseigenschaft einer OHG

– die OHG selbst ist Kaufmann, vgl. § 6 Abs. 1 HGB


 kraft Betätigung §§ 123 Abs. 2/ 1 Abs. 1 HGB bei Betreiben eines Handelsgewerbes
 oder Eintragung § 123 Abs. 1 i.V.m.
 § 2 S. 1 bei Betreiben eines Kleingewerbes,
 bzw. § 3 Abs. 2 oder Abs. 3 einer Land-/Forstwirtschaft oder eines Nebengewerbes
 bzw. § 105 Abs. 2 HGB bei Vermögensverwaltung
– und nach h.M. sind auch die (persönlich haftenden) Gesellschafter der OHG Kaufleute, selbst dann, wenn sie
weder geschäftsführungs- noch vertretungsberechtigt sind!

2. Kaufmannseigenschaft einer KG

– auch die KG selbst ist Kaufmann, vgl. § 6 Abs. 1 HGB


 (kraft Betätigung §§ 123 Abs. 2/161 Abs. 2 HGB)
 bzw. Eintragung §§ 123 Abs. 1/161 Abs. 2 HGB
– aber hier sind nach h.M.
 nur die Komplementäre Kaufleute, selbst wenn sie weder geschäftsführungs- noch
vertretungsberechtigt sind,
 nicht hingegen die Kommanditisten, §§ 164, 170 HGB!

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Kaufmannseigenschaft der EWIV selbst § 1 Halbs. 2 EWIV-AG,


deren Mitglieder aber nicht unbedingt Art. 4 Abs. 1 EWIV-VO (da auch Nichtkaufleute möglich).

3. Aber keine Kaufmannseigenschaft

– bei der GbR,


– auch wenn deren Gesellschafter (aus anderem Rechtsgrund) Kaufleute sind!
---

Und ebenso keine Kaufmannseigenschaft bei der Partnerschaft gemäß § 1 Abs. 1 S. 2 PartGG,
deren Mitglieder nach § 1 Abs. 1 S. 2 PartGG Freiberufler sein müssen und damit keine Kaufleute sein können!

Alle Rechte bei: Dr. Gernot Wirth HdGesR FSS 2019


a) Handelsgewerbe als gemeinsamer Zweck für Personenhandelsgesellschaften OHG
und KG

= sog. besondere Zweckbestimmung der OHG/KG!

(1) Wenn der „wirtschaftliche“ Zweck ein Handelsgewerbe § 1 Abs. 2 HGB ist, dann kraft
Betätigung § 123 Abs. 2 HGB
– entweder OHG, wenn nur Vollhafter (Komplementäre)
– oder KG, wenn mindestens ein Vollhafter (Komplementär) und mindestens ein
Teilhafter (Kommanditist), § 161 Abs. 2 HGB.

§ 123 HGB:
(1) Die Wirksamkeit der offenen Handelsgesellschaft tritt im Verhältnis zu Dritten mit dem Zeitpunkt ein, in welchem die
Gesellschaft in das Handelsregister eingetragen wird.
(2) Beginnt die Gesellschaft ihre Geschäfte schon vor der Eintragung, so tritt die
Wirksamkeit mit dem Zeitpunkt des Geschäftsbeginns ein, soweit nicht aus § 2
(Anmerkung: oder § 3) oder § 105 Abs. 2 sich ein anderes ergibt.
(3) Eine Vereinbarung, dass die Gesellschaft erst mit einem späteren Zeitpunkt ihren
Anfang nehmen soll, ist Dritten gegenüber unwirksam.

§ 161 HGB:
(1) ...
(2) Soweit nicht in diesem Abschnitt ein anderes vorgeschrieben ist, finden auf die
Kommanditgesellschaft die für die offene Handelsgesellschaft geltenden Vorschriften
Anwendung.

(2) Wenn der „wirtschaftliche“ Zweck aber auf die


– gemeinsame Ausübung
 eines Kleingewerbes,
 einer Land-/Forstwirtschaft/eines Nebengewerbes
 (oder eigene Vermögensverwaltung)
gerichtet ist, dann ohne Eintragung ins Handelsregister GbR, § 705 BGB.
[ – Wird jedoch
 das Kleingewerbe eingetragen, § 2 S. 1/§ 105 Abs. 2 S. 2 HGB,
 die Land-/Forstwirtschaft/das Nebengewerbe eingetragen, § 3 Abs. 2 und 3 HGB,
 oder eigenes Vermögen verwaltet und das eingetragen, § 105 Abs. 2 1 HGB,
dann mit konstitutiver Wirkung § 123 Abs. 1 HGB OHG/oder KG (§ 161 Abs. 2 HGB). ]

§ 123 HGB:
(1) Die Wirksamkeit der offenen Handelsgesellschaft tritt im Verhältnis zu Dritten mit
dem Zeitpunkt ein, in welchem die Gesellschaft in das Handelsregister eingetragen
wird.

2
(2) Beginnt die Gesellschaft ihre Geschäfte schon vor der Eintragung, so tritt die Wirksamkeit mit dem Zeitpunkt des
Geschäftsbeginns ein, soweit nicht aus § 2 (Anmerkung: oder § 3) oder § 105 Abs. 2 sich ein anderes ergibt.
(3) Eine Vereinbarung, dass die Gesellschaft erst mit einem späteren Zeitpunkt ihren Anfang nehmen soll, ist Dritten
gegenüber unwirksam.

§ 105 HGB:
(1) Eine Gesellschaft, deren Zweck auf den Betrieb eines Handelsgewerbes unter gemeinschaftlicher
Firma gerichtet ist, ist eine offene Handelsgesellschaft, wenn bei keinem der Gesellschafter die Haftung
gegenüber den Gesellschaftsgläubigern beschränkt ist.
(2) 1Eine Gesellschaft, deren Gewerbebetrieb nicht schon nach § 1 Abs. 2 Handelsgewerbe ist oder die
nur eigenes Vermögen verwaltet, ist offene Handelsgesellschaft, wenn die Firma des Unternehmens in
das Handelsregister eingetragen ist.
2
§ 2 Satz 2 und 3 gilt entsprechend.
(3) Auf die offene Handelsgesellschaft finden, soweit nicht in diesem Abschnitt ein anderes
vorgeschrieben ist, die Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs über die Gesellschaft Anwendung.

§ 161 HGB:
(1) ...
(2) Soweit nicht in diesem Abschnitt ein anderes vorgeschrieben ist, finden auf die
Kommanditgesellschaft die für die offene Handelsgesellschaft geltenden Vorschriften
Anwendung.

---

– Und wenn der „wirtschaftliche“ Zweck auf eine gemeinsame Berufsausübung hinzielt, die
kein Gewerbe, sondern einen sog. freien Beruf darstellt,
 dann ohne Eintragung nur GbR § 705 BGB
 oder nach konstitutiver Eintragung ins Partnerschaftsregister Partnerschaft § 1 Abs.
1 S. 1 PartGG.

– Und wenn kein wirtschaftlicher, sondern ein sonstiger/ideeller Zweck vorliegt,


 dann stets GbR § 705 BGB
 und zwar, ohne dass eine Eintragung ins Handels- oder Partnerschaftsregister möglich
ist!

b) Bedeutung der Eintragung für die Entstehung der Personenhandelsgesellschaften


(sowie der Partnerschaft)

– Eine
 handelsgewerbetreibende (§ 1 Abs. 2 HGB) Gesellschaft
 ist kraft Betätigung OHG/(KG) §§ 123 Abs. 2/(161 Abs. 2) HGB und damit
Kaufmann § 6 Abs. 1 HGB
 und als solche daher nach § 29 HGB zur deklaratorischen Eintragung der Firma
verpflichtet,
§§ 106 Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 2 sowie § 19 Abs. 1 Nr. 2 HGB: OHG bzw. KG
(also Parallele zum Istkaufmann nach §§ 1 Abs. 2, 19 Abs. 1 Nr. 1 HGB: e.K.).

3
– Aber eine
 ein Kleingewerbe
 bzw. eine Land-/Forstwirtschaft/ein Nebengewerbe betreibende
 oder eine nur eigenes Vermögen verwaltende) Gesellschaft
wird erst Kaufmann und damit OHG/KG durch die konstitutive Eintragung der
Firma.
Sie kann daher, muss sich aber nicht entsprechend
 § 2 S. 2
 und auch § 3 Abs. 2 bzw. Abs. 3
 sowie § 105 Abs. 2 S. 1 HGB
als Unternehmer die Firma eintragen lassen und damit Kaufmann § 6 Abs. 1 HGB
werden
(also Parallele zum Kannkaufmann nach §§ 2 und 3 HGB und Erweiterung dazu durch § 105 Abs. 2 S.
1 HGB für Gesellschaften, die nur eigenes Vermögen verwalten).

– Die EWIV führt ebenfalls eine Firma § 2 Abs. 2 Nr. 1 EWIV-AG, welche zur Eintragung anzumelden ist.

Eine EWIV entsteht nach Art. 1 Abs. 2 EWIV-VO und § 1 Halbs. 1 a.E. EWIV-AG i.V.m. § 123 Abs. 1
HGB (nicht § 123 Abs. 2 HGB, vgl. Art. 1 Abs. 2 EWIV-VO!) als Vereinigung im Außenverhältnis dabei
stets erst mit der konstitutiven Eintragung im Handelsregister.

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– Und bei der Partnerschaft gilt § 2 Abs. 1 PartGG. Es ist der „Name“ der Partnerschaft gemäß § 4 Abs. 1
PartGG zur Eintragung anzumelden, für den gemäß § 2 Abs. 2 PartGG die Regeln über die Firma
grundsätzlich entsprechend gelten:

Eine Partnerschaft entsteht daher ebenso erst mit der konstitutiven Eintragung im Partnerschaftsregister,
§ 7 Abs. 1 PartGG.

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II. Haftung der Personengesellschaften für Gesellschaftsverbindlichkeiten

1. OHG und KG

Bei den Personenhandelsgesellschaften OHG/und KG haftet


– die Gesellschaft selbst als Rechtssubjekt, vgl. §§ 124 Abs. 1/und 161 Abs. 2 HGB
[ – und daneben haften die Gesellschafter der OHG/KG für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft unmittelbar
(untereinander) gesamtschuldnerisch akzessorisch mit nach §§ 128 S. 1/und 161 Abs. 2, 171/ 172 HGB ].

§ 124 HGB: Rechtliche Selbständigkeit/Haftung der Offenen Handelsgesellschaft


(1) Die offene Handelsgesellschaft kann unter ihrer Firma Rechte erwerben und
Verbindlichkeiten eingehen, Eigentum und andere dingliche Rechte an Grundstücken
erwerben, vor Gericht klagen und verklagt werden.
(2) ...

§ 161 HGB: Anwendbarkeit der OHG-Vorschriften auf die Kommanditgesellschaft


(1) Eine Gesellschaft, deren Zweck auf den Betrieb eines Handelsgewerbes unter
gemeinschaftlicher Firma gerichtet ist, ist eine Kommanditgesellschaft, wenn bei einem
oder bei einigen von den Gesellschaftern die Haftung gegenüber den
Gesellschaftsgläubigern auf den Betrag einer bestimmten Vermögenseinlage beschränkt ist
(Kommanditisten), während bei dem anderen Teil der Gesellschafter eine Beschränkung der
Haftung nicht stattfindet (persönlich haftende Gesellschafter).
(2) Soweit nicht in diesem Abschnitt ein anderes vorgeschrieben ist, finden auf die
Kommanditgesellschaft die für die offene Handelsgesellschaft geltenden Vorschriften
Anwendung.
(3) …

§ 124 i.V.m. § 161 Abs. 2 HGB: Rechtliche Selbständigkeit/Haftung der Offenen


Handelsgesellschaft Kommanditgesellschaft
(1) Die offene Handelsgesellschaft Kommanditgesellschaft kann unter ihrer Firma Rechte
erwerben und Verbindlichkeiten eingehen, Eigentum und andere dingliche Rechte an
Grundstücken erwerben, vor Gericht klagen und verklagt werden.
(2) ...

2. EWIV

Und bei der EWIV gilt


[ – Art. 24 Abs. 1 S. 1 EWIV-VO, wonach (eigentlich nur) die Mitglieder gesamtschuldnerisch haften, ]
– aber auch der Verweis in § 1 Halbs. 1 a.E. EWIV-AG auf § 124 Abs. 1 HGB, wonach
daneben die Vereinigung selbst als Rechtssubjekt (scilicet: Art. 1 Abs. 2 EWIV-VO)
haftet,

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§ 1 EWIV-AG: Anzuwendende Vorschriften
Soweit nicht die Verordnung (EWG) Nr. 2137/85 des Rates vom 25. Juli 1985 über die
Schaffung einer Europäischen wirtschaftlichen Interessenvereinigung (EWIV) - ABl. EG Nr.
L 199 S. 1 - (Verordnung) gilt, sind auf eine Europäische wirtschaftliche
Interessenvereinigung (EWIV) mit Sitz im Geltungsbereich dieses Gesetzes (Vereinigung)
die folgenden Vorschriften, im übrigen entsprechend die für eine offene
Handelsgesellschaft geltenden Vorschriften anzuwenden; die Vereinigung gilt als
Handelsgesellschaft im Sinne des Handelsgesetzbuchs.

§ 124 HGB i.V.m. § 1 EWIV-AG: Rechtliche Selbständigkeit/Haftung der Offenen


Handelsgesellschaft EWIV
(1) Die Offene Handelsgesellschaft EWIV kann unter ihrer Firma Rechte erwerben und
Verbindlichkeiten eingehen, Eigentum und andere dingliche Rechte an Grundstücken
erwerben, vor Gericht klagen und verklagt werden.
(2) ...

[ – und beachte zudem Art. 24 Abs. 2 EWIV-VO: die Vereinigung ist stets zuvor aufzufordern, also nur
subsidiäre Haftung der Mitglieder gemäß § 1 Halbs. 1 a.E. EWIV-AG und § 128 S. 1 HGB! ].

3. Partnerschaft

Auch bei der reinen Personengesellschaft Partnerschaft haftet


– die Gesellschaft (entgegen dem allgemeinen Verweis in § 1 Abs. 4 PartGG auf die GbR
§§ 705 bis 740 BGB!) wegen des besonderen Verweises in § 7 Abs. 2 PartGG auf § 124
Abs. 1 HGB selbst als Rechtssubjekt

§ 7 PartGG: Rechtliche Selbständigkeit/Haftung der Partnerschaft


(1) Die Partnerschaft wird im Verhältnis zu Dritten mit ihrer Eintragung in das
Partnerschaftsregister wirksam.
(2) § 124 des Handelsgesetzbuchs ist entsprechend anzuwenden.
(3) …
(4) …
(5) …

§ 124 HGB i.V.m. § 7 Abs. 2 PartGG: Rechtliche Selbständigkeit/Haftung der Offenen


Handelsgesellschaft Partnerschaft
(1) Die Offene Handelsgesellschaft Partnerschaft kann unter ihrer Firma ihrem Namen
Rechte erwerben und Verbindlichkeiten eingehen, Eigentum und andere dingliche Rechte an
Grundstücken erwerben, vor Gericht klagen und verklagt werden.
(2) ...

[ – und daneben die persönlich haftenden Partner für die Verbindlichkeiten der Partnerschaft gemäß § 8 Abs. 1
PartGG akzessorisch gesamtschuldnerisch mit. ]

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4. GbR

Aber keine Regelung wie § 124 Abs. 1 HGB im Recht der GbR (§§ 705 bis 740 BGB) und
auch kein Verweis dort auf diese Vorschrift:
[ – Daher früher sog. individualistische Theorie:
Die GbR ist kein Rechtssubjekt, arg. § 714 und § 718 Abs. 1 BGB sprechen von den Gesellschaftern und
nicht von der Gesellschaft.
Daher kann man nur/ muss man alle Gesellschafter verklagen, bevor dann in das Gesellschaftsvermögen
vollstreckt werden kann, vgl. § 736 Zivilprozessordnung (ZPO).

– Danach Theorie der Doppelverpflichtung:


Die GbR ist teilrechtsfähig, kann z.B. Gesellschafter sein (u.a. BGHZ 116, 86 aus dem Jahr 1991) und ist
wechsel- und scheckfähig (so BGHZ 136, 254 aus 1997).
Zumindest rechtsgeschäftlich wird daher auch die Gesellschaft neben den Gesellschaftern verpflichtet.
Die Gesellschaft haftet deshalb mit dem Gesellschaftsvermögen,
die Gesellschafter mit ihrem Privatvermögen, so seit BGHZ 74, 240 aus 1979. ]

– Heute Akzessorietätstheorie seit dem Urteil BGHZ 146, 341 (II ZR 331/00) vom
29.1.2001:

„Die (Außen-)Gesellschaft bürgerlichen Rechts besitzt Rechtsfähigkeit, soweit sie durch


Teilnahme am Rechtsverkehr eigene Rechte und Pflichten begründet.
In diesem Rahmen ist sie zugleich im Zivilprozess aktiv- und passiv parteifähig.
Soweit der Gesellschafter für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft bürgerlichen Rechts
persönlich haftet, entspricht das Verhältnis zwischen der Verbindlichkeit der Gesellschaft
und der Haftung des Gesellschafters derjenigen bei der OHG (Akzessorietät) – Fortführung
des Urteils BGHZ 142, 315 (II ZR 371/98) vom 27.9.1999.“

Auch eine (Außen-)GbR ist,


 obwohl Regelungen wie bei der OHG §§ 124 Abs. 1, 128 S. 1 HGB im Recht der GbR
gerade fehlen,
 dennoch heute soweit rechtlich verselbständigt, vgl. z.B.
 § 11 Abs. 2 Nr. 1 4. Alt. InsO (1999) eine GbR ist insolvenzfähig,
 § 162 Abs. 1 S. 2 HGB (2001) eine GbR kann Kommanditist einer KG sein
 usw.
 daher wird vor allem seit § 14 Abs. 2 BGB (2000) auch eine GbR als rechtsfähige
Personengesellschaft angesehen, die mit der Fähigkeit ausgestattet ist, Rechte zu
erwerben und Verbindlichkeiten einzugehen,
• dass auch eine GbR selbst als Rechtssubjekt entsprechend § 124 Abs. 1 HGB
haftet
[ • und daneben haften die Gesellschafter für die Verbindlichkeiten einer GbR entsprechend § 128 S. 1
HGB akzessorisch gesamtschuldnerisch mit ].

§ 124 HGB analog: Rechtliche Selbständigkeit/Haftung der Offenen


Handelsgesellschaft Gesellschaft bürgerlichen Rechts
(1) Die Offene Handelsgesellschaft Gesellschaft bürgerlichen Rechts kann unter
ihrer Firma ihrem Namen Rechte erwerben und Verbindlichkeiten eingehen,

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Eigentum und andere dingliche Rechte an Grundstücken erwerben, vor Gericht
klagen und verklagt werden.
(2) ...

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III. Haftung der Gesellschafter für Gesellschaftsverbindlichkeiten

1. Gesamtschuldnerische Haftung der persönlich haftenden Gesellschafter in den


Personenhandelsgesellschaften

a) Eine OHG, KG

haftet wegen §§ 124 Abs. 1 und 161 Abs. 2 HGB als Rechtssubjekt selbst für ihre
Verbindlichkeiten.

b) Daneben haften die (persönlich haftenden) Gesellschafter einer OHG/KG

– im Außenverhältnis den Gläubigern für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft akzessorisch


als Gesamtschuldner mit ihrem gesamten Vermögen mit, vgl. §§ 128 S. 1/und 161 Abs. 2
HGB.

§ 128 HGB: Persönliche Haftung der Gesellschafter einer OHG


1
Die Gesellschafter einer offenen Handelsgesellschaft haften für die Verbindlichkeiten
der Gesellschaft den Gläubigern als Gesamtschuldner persönlich.
2
Eine entgegenstehende Vereinbarung ist Dritten gegenüber unwirksam.

§ 161 HGB: Anwendbarkeit der OHG-Vorschriften auf die KG


(1) ...
(2) Soweit nicht in diesem Abschnitt ein anderes vorgeschrieben ist, finden auf die
Kommanditgesellschaft die für die offene Handelsgesellschaft geltenden Vorschriften
Anwendung.

§ 128 i.V.m. § 161 Abs. 2 HGB: Persönliche Haftung der Gesellschafter einer KG
1
Die Komplementäre einer Kommanditgesellschaft haften für die Verbindlichkeiten der
Gesellschaft den Gläubigern als Gesamtschuldner persönlich.
2
Eine entgegenstehende Vereinbarung ist Dritten gegenüber unwirksam.

) Exkurs: Das Wesen der gesamtschuldnerischen Haftung im Außenverhältnis § 421


BGB

§ 421 BGB: Gesamtschuldner


1
Schulden mehrere eine Leistung in der Weise, dass jeder die ganze Leistung zu bewirken
verpflichtet, der Gläubiger aber die Leistung nur einmal zu fordern berechtigt ist
(Gesamtschuldner), so kann der Gläubiger die Leistung nach seinem Belieben von jedem
der Schuldner ganz oder zu einem Teil fordern.
2
Bis zur Bewirkung der ganzen Leistung bleiben sämtliche Schuldner verpflichtet.

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Schulden mehrere eine teilbare Leistung in der Weise, dass jeder die ganze Leistung zu
bewirken verpflichtet, der Gläubiger aber die Leistung insgesamt nur einmal zu fordern
berechtigt ist (sog. Gesamtschuld oder gemeinschaftliche Schuld), so kann der Gläubiger
nach § 421 S. 1 BGB nach seinem Belieben von jedem Schuldner die Leistung ganz oder
zum Teil fordern.

Beispiel:
Hat Gläubiger G eine Forderung von 300,– € gegen die Gesamtschuldner X, Y und Z, kann
er von X 300,– € verlangen/ oder von Y und Z jeweils 150,– € usw.

Eine solche Gesamtschuld kann dabei entweder


 gesetzlich angeordnet (z.B. §§ 128 S. 1/161 Abs. 2 HGB)
 oder vereinbart sein (verpflichten sich mehrere durch Vertrag gemeinschaftlich zu
einer teilbaren Leistung, so haften sie nach § 427 BGB im Zweifel als
Gesamtschuldner; bei vertraglichen Schulden ist daher regelmäßig von einer
Gesamtschuld auszugehen).

) Ausgleichsansprüche der Gesamtschuldner im Innenverhältnis nach § 426 BGB

Bei der gesamtschuldnerischen Haftung


 ist das Außenverhältnis (gegenüber dem Gläubiger) nach § 421 BGB (dazu oben )
 und das Innenverhältnis (zwischen den Gesamtschuldnern) gemäß § 426 BGB (dazu
jetzt ) zu unterscheiden.

§ 426 BGB: Ausgleichungspflicht, Forderungsübergang


(1) 1Die Gesamtschuldner sind im Verhältnis zueinander zu gleichen Anteilen verpflichtet,
soweit nicht ein anderes bestimmt ist.
2
Kann von einem Gesamtschuldner der auf ihn entfallende Beitrag nicht erlangt werden, so
ist der Ausfall von den übrigen zur Ausgleichung verpflichteten Schuldnern zu tragen.
(2) 1Soweit ein Gesamtschuldner den Gläubiger befriedigt und von den übrigen Schuldnern
Ausgleichung verlangen kann, geht die Forderung des Gläubigers gegen die übrigen
Schuldner auf ihn über.
2

Gemäß § 426 Abs. 1 S. 1 BGB sind Gesamtschuldner im Verhältnis zueinander


grundsätzlich zu gleichen Anteilen verpflichtet, wenn nicht ein abweichender Maßstab
 vereinbart wird (z.B. im Gesellschaftsvertrag)
 oder gesetzlich bestimmt ist (vgl. etwa bei unterschiedlichem Mitverschulden § 254
BGB).

Damit im Innenverhältnis kein Gesamtschuldner mehr aufzubringen hat, als er aufbringen


soll, gewährt das Gesetz zwei Ausgleichsansprüche gegen die übrigen Gesamtschuldner:

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 Der originäre Gesamtschuldausgleich nach § 426 Abs. 1 S. 1 BGB entsteht bereits
mit Begründung des Schuldverhältnisses und gewährt einen Anspruch auf Befreiung.
Kann dabei der von einem Gesamtschuldner zu tragende Betrag nicht erlangt werden,
ist der Ausfall von den Übrigen zu tragen, § 426 Abs. 1 S. 2 BGB.
 Demgegenüber können beim derivativen Gesamtschuldausgleich nach § 426 Abs. 2
S. 1 BGB Regressansprüche gegen die übrigen Gesamtschuldner erst nach der
Befriedigung des Gläubigers geltend gemacht werden.

– Aber auch Verteidigungsmöglichkeiten der akzessorisch mithaftenden Gesellschafter


gemäß §§ 129/und 161 Abs. 2 HGB:

§ 129 HGB: Einwendungen des Gesellschafters (einer offenen Handelsgesellschaft)

(1) Wird ein Gesellschafter (einer offenen Handelsgesellschaft) wegen einer


Verbindlichkeit der Gesellschaft in Anspruch genommen, so kann er
Einwendungen, die nicht in seiner Person begründet sind,
nur insoweit geltend machen, als sie (also diese Einwendungen) von der Gesellschaft
erhoben werden können.
(2) Der Gesellschafter kann die Befriedigung des Gläubigers verweigern, solange der
Gesellschaft das Recht zusteht, das ihrer Verbindlichkeit zugrunde liegende Rechtsgeschäft
anzufechten.
(3) Die gleiche Befugnis hat der Gesellschafter, solange sich der Gläubiger die
Gesellschaft durch Aufrechnung gegen eine fällige Forderung der Gesellschaft
befriedigen kann.
(4) …

§ 161 HGB: Anwendbarkeit der OHG-Vorschriften auf die KG


(1) …
(2) Soweit nicht in diesem Abschnitt ein anderes vorgeschrieben ist, finden auf die
Kommanditgesellschaft die für die offene Handelsgesellschaft geltenden Vorschriften
Anwendung.

 § 129 Abs. 1/und 161 Abs. 2 HGB Verteidigung des Gesellschafter mit Einwendungen
des Gesellschafters oder der Gesellschaft
 ein Gesellschafter kann gemäß § 129 Abs. 1 1. Alt. /und 161 Abs. 2 HGB natürlich
alle Einwendungen gegen den Gläubiger geltend machen, die ihm in seiner Person
zustehen (sog. persönliche Einwendungen des Gesellschafters)
z.B. persönlicher Erlass § 397 BGB des Gläubigers gegen diesen Gesellschafter
oder Aufrechnung mit eigener(!) Forderung des Gesellschafters § 422 BGBetc.,

 und § 129 Abs. 1 2. Alt./und 161 Abs. 2 HGB, ein Gesellschafter kann auch alle
Einwendungen geltend machen, die der Gesellschaft gegen den Gläubiger zustehen,
z.B. Verjährung § 214 Abs. 1 BGB,
Erfüllung § 362 Abs. 1 BGB usw.

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 Und § 129 Abs. 2/sowie 161 Abs. 2 HGB Verteidigung des Gesellschafters mit der
Einrede der Anfechtbarkeit durch die Gesellschaft
 steht der Gesellschaft das Recht zu, gegenüber dem Gläubiger nach §§ 119 ff. BGB
anzufechten,
kann ein Gesellschafter dieses Gestaltungsrecht der Gesellschaft zwar nicht selbst
ausüben (§ 143 BGB) und somit nicht anstelle der Gesellschaft anfechten,
 der Gesellschafter darf dann jedoch solange die Leistung verweigern, wie die
Gesellschaft anfechten könnte.

 Sowie § 129 Abs. 3/und 161 Abs. 2 HGB Verteidigung des Gesellschafters mit der
Einrede der Aufrechenbarkeit durch die Gesellschaft
 steht dem Gläubiger der Gesellschaft das Recht zu, mit einer Forderung der
Gesellschaft (!) gegenüber dem Gläubiger nach §§ 387 ff. BGB aufzurechnen,
kann ein Gesellschafter auch dieses Gestaltungsrecht der Gesellschaft ebenfalls
nicht selbst ausüben (§ 388 BGB) und nicht anstelle der Gesellschaft aufrechnen,
 der Gesellschafter darf dann aber auch die Leistung verweigern, solange die
Gesellschaft aufrechnen könnte.

 Über die genannten Fälle der Anfechtung und Aufrechnung hinaus, gelten die § 129
Abs. 2 und Abs. 3 /sowie 161 Abs. 2 HGB analog bei sonstigen Gestaltungsrechten
der Gesellschaft wie

 Rücktritt §§ 346 ff. BGB,


 Minderung §§ 441, 638 BGB,
 Kündigung §§ 489 f., 542 ff., 620 ff. BGB
 etc.
Stehen der Gesellschaft also diese nicht genannten Gestaltungsrechte zu,
darf ein Gesellschafter sie zwar ebenfalls nicht selbst ausüben und er kann damit
nicht für die Gesellschaft zurücktreten, mindern oder kündigen,
er darf dann aber analog zu § 129 Abs. 2 und Abs. 3/sowie 161 Abs. 2 HGB auch
die Leistung verweigern, solange die Gesellschaft diese Gestaltungsrechte ausüben
könnte.

§ 129/161 Abs. 2 HGB: Einwendungen des Gesellschafters einer OHG/KG


(1) Wird ein Gesellschafter einer OHG/bzw. KG (§ 161 Abs. 2 HGB) wegen einer
Verbindlichkeit der Gesellschaft in Anspruch genommen, so kann er
Einwendungen, die nicht in seiner Person begründet sind,
nur insoweit geltend machen, als sie von der Gesellschaft erhoben werden können.
(2) Der Gesellschafter kann die Befriedigung des Gläubigers verweigern, solange der
Gesellschaft das Recht zusteht, das ihrer Verbindlichkeit zugrunde liegende
Rechtsgeschäft anzufechten.
(3) Die gleiche Befugnis hat der Gesellschafter, solange sich der Gläubiger die
OHG/KG durch Aufrechnung gegen eine fällige Forderung der Gesellschaft
befriedigen kann.

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(3a) Abs. 2 und 3 analog: Der Gesellschafter einer OHG/KG kann die Befriedigung
des Gläubigers auch verweigern, solange der OHG/KG das Recht zusteht, von dem
ihrer Verbindlichkeit zugrunde liegenden Rechtsgeschäft zurückzutreten, zu mindern
oder zu kündigen.

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2. Gesamtschuldnerische Haftung der Gesellschafter einer GbR

a) Eine GbR

haftet analog zu § 124 Abs. 1 HGB als Rechtssubjekt ebenfalls selbst für ihre
Verbindlichkeiten, vgl. BGHZ 146, 341 vom 29.1.2001 (s.o. II. 4).

b) Daneben haften die Gesellschafter einer GbR

– analog zu § 128 S. 1 HGB im Außenverhältnis den Gläubigern für die Verbindlichkeiten


der Gesellschaft akzessorisch mit.

– Aber auch mit den Verteidigungsmöglichkeiten analog zu § 129 HGB:

 also § 129 Abs. 1 1. Alt. HGB analog


bei Einwendungen, die dem Gesellschafter einer GbR in seiner Person gegen den
Gläubiger zustehen,
 § 129 Abs. 1 2. Alt. HGB analog
bei Einwendungen, die der GbR zustehen,
 § 129 Abs. 2 HGB analog,
wenn die GbR anfechten könnte,
 sowie § 129 Abs. 3 HGB analog,
wenn die GbR aufrechnen könnte
 und darüber hinaus sind § 129 Abs. 2 und Abs. 3 HGB doppelt analog bei sonstigen
Gestaltungsrechten einer GbR anzuwenden:
 einmal analog, da GbR statt OHG/KG
 und zum zweiten analog, da Rücktritt/Minderung/Kündigung statt
Anfechtung/Aufrechnung.

§ 129 HGB analog: Einwendungen des Gesellschafters einer OHG/KG/GbR


(1) Wird ein Gesellschafter einer GbR wegen einer Verbindlichkeit der Gesellschaft
in Anspruch genommen, so kann er
Einwendungen, die nicht in seiner Person begründet sind,
nur insoweit geltend machen, als sie von der Gesellschaft erhoben werden können.
(2) Der Gesellschafter kann die Befriedigung des Gläubigers verweigern, solange
der Gesellschaft das Recht zusteht, das ihrer Verbindlichkeit zugrunde liegende
Rechtsgeschäft anzufechten.
(3) Die gleiche Befugnis hat der Gesellschafter, solange sich der der Gläubiger die
GbR durch Aufrechnung gegen eine fällige Forderung der Gesellschaft befriedigen
kann.
(3a) Abs. 2 und 3 analog analog: Der Gesellschafter einer GbR kann die
Befriedigung des Gläubigers auch verweigern, solange der GbR das Recht zusteht,

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von dem ihrer Verbindlichkeit zugrunde liegenden Rechtsgeschäft zurückzutreten, zu
mindern oder zu kündigen.

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3. Haftung der Kommanditisten

Differenziere:
– Pflichteinlage laut Gesellschaftsvertrag (= Innenverhältnis),
z.B. Grundstück
– und Hafteinlage § 162 Abs. 1 S. 1 HGB (= Außenverhältnis), die als „Betrag der Einlage“
eines jedes Kommanditisten und damit als Geldbetrag im Handelsregister eingetragen
wird,
nur diese ist maßgebend für die persönliche (beschränkte) Haftung des Kommanditisten
gemäß §§ 172 Abs. 1 i.V.m. § 171 Abs. 1 HGB (dazu sogleich).

§ 162 HGB: Anmeldung zum Handelsregister


(1) 1Die Anmeldung der Gesellschaft hat außer den in § 106 Abs. 2 HGB vorgesehenen
Angaben die Bezeichnung der Kommanditisten und den Betrag der Einlage eines jeden von
ihnen zu enthalten.
2
Ist eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts Kommanditist, so sind auch deren Gesellschafter
entsprechend § 106 Abs. 2 HGB und spätere Änderungen in der Zusammensetzung der
Gesellschafter zur Eintragung anzumelden.
(2) Bei der Bekanntmachung der Eintragung der Gesellschaft sind keine Angaben zu den
Kommanditisten zu machen; die Vorschriften des § 15 HGB sind insoweit nicht
anzuwenden.
(3) Diese Vorschriften finden im Falle des Eintritts eines Kommanditisten in eine
bestehende Handelsgesellschaft und im Falle des Ausscheidens eines Kommanditisten aus
einer Kommanditgesellschaft entsprechende Anwendung.

a) Gründung einer KG

§ 176 HGB: Haftung der Kommanditisten vor Eintragung der KG


(1) 1 Hat die Gesellschaft ihre Geschäfte begonnen, bevor sie in das Handelsregister des
Gerichts, in dessen Bezirk sie ihren Sitz hat, eingetragen ist, so haftet jeder Kommanditist,
der dem Geschäftsbeginn zugestimmt hat, für die bis zur Eintragung begründeten
Verbindlichkeiten der Gesellschaft gleich einem persönlich haftenden Gesellschafter, es sei
denn, dass seine Beteiligung als Kommanditist dem Gläubiger bekannt war.
2
Diese Vorschrift kommt nicht zur Anwendung, soweit sich aus § 2 oder § 105 Abs. 2 HGB
ein anderes ergibt.
(2) …

α) Verbindlichkeiten die vor Eintragung der (handelsgewerbstreibenden) KG begründet


werden (§ 176 Abs. 1 S. 1 HGB)

(1) Voraussetzungen:
Beginnt eine Gesellschaft
(a) Handelsgeschäfte i.S.v. § 1 Abs. 2 HGB

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(b) unter Zustimmung aller Gesellschafter (scilicet: bei einer KG also auch der
Kommanditisten!),
ist sie damit schon vor Eintragung KG kraft Betätigung nach § 123 Abs. 2/§ 161 Abs. 2
HGB.
(2) Rechtsfolgen:
[ (a) Dann haftet diese KG als Rechtssubjekt selbst für ihre Verbindlichkeiten gemäß § 124 Abs. 1/§ 161 Abs. 2
HGB.

(b) Und Komplementäre haften persönlich unbeschränkt mit, § 128 S. 1/§ 161 Abs. 2 HGB. ]

(c) Aber auch Kommanditisten haften dann


– den Gläubigern persönlich unbeschränkt mit, § 176 Abs. 1 S. 1 Halbs. 1 HGB,
weil der Rechtsschein erzeugt wird, dass sie als Komplementär beteiligt sind (da ja keine
KG und damit auch keine Hafteinlage § 162 Abs. 1 S. 1 HGB eingetragen ist) und sie
daher unbeschränkt haften,
– es sei denn (dann haften Kommanditisten auch bei Gründung einer KG nur beschränkt,
§§ 171/172 HGB)
 dem Gläubiger ist die Beteiligung als Kommanditist(!) bekannt, § 176 Abs. 1 S. 1
Halbs. 2 HGB;
 dies gilt aber nicht –und damit dann doch wieder persönlich unbeschränkte Haftung–,
wenn ihm der Gesellschafter als solcher (und somit auch dessen Beteiligung als
Kommanditist) unbekannt ist!
– Beachte: Der Ausschluss dieser (ungewollten) unbeschränkten Haftung bei Gründung einer
KG ist möglich durch folgende aufschiebende Bedingung § 158 Abs. 1 BGB:
„Die Zustimmung zur Geschäftsaufnahme wird erst (ex nunc) mit der Eintragung der KG
wirksam!“

[ β) Annex: (1) Aber betreibt die Gesellschaft


(a) ein Kleingewerbe gemäß § 2 HGB
(b) oder eine Land-/Fortwirtschaft bzw. ein Nebengewerbe davon nach § 3 Abs. 2 oder Abs. 3 HGB,
(c) oder verwaltet sie nur eigenes Vermögen nach § 105 Abs. 2 HGB,
ist sie bis zur Eintragung GbR, vgl. § 123 Abs. 1/§161 Abs. 2 HGB.
(2) Kommanditisten haften in diesem Fall
(a) vor der Eintragung nicht gemäß § 176 Abs. 1 S. 1 HGB
[ (b) sondern nur analog § 128 S. 1 HGB, wenn sie dem Beginn (der GbR) zugestimmt hatten! ]

γ) Für Verbindlichkeiten die nach Eintragung der Hafteinlage (§ 162 Abs. 1 S. 1 HGB)
begründet werden, gelten dann die §§ 171/172 HGB:
– persönliche unmittelbare Haftung der Kommanditisten den Gläubigern gegenüber
– aber beschränkt i.H.d. restlichen (Haft-)Einlage [ dazu gleich unter c) γ) ].

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b) Eintritt als Kommanditist in eine entstehende KG

§ 28 HGB: Haftung der dadurch entstehenden OHG bzw. KG bei Eintritt als
Komplementär/Kommanditist in das Geschäft eines Einzelkaufmanns
(1) 1 Tritt jemand als persönlich haftender Gesellschafter oder als Kommanditist in das
Geschäft eines Einzelkaufmanns ein, so haftet die offene Handels-/Kommandit-Gesellschaft,
auch wenn sie die frühere Firma nicht fortführt, für alle im Betrieb des Geschäfts
entstandenen Verbindlichkeiten des früheren Geschäftsinhabers.
2
Die in dem Betrieb begründeten Forderungen gelten den Schuldnern gegenüber als auf die
Gesellschaft übergegangen.
(2) Eine abweichende Vereinbarung ist einem Dritten gegenüber nur wirksam, wenn sie in
das Handelsregister eingetragen und bekannt gemacht oder von einem Gesellschafter dem
Dritten mitgeteilt worden ist.
(3) …

§ 171 HGB: Haftung der Kommanditisten


(1) Der Kommanditist haftet den Gläubigern der Gesellschaft bis zur Höhe seiner Einlage
unmittelbar; die Haftung ist ausgeschlossen, soweit die Einlage geleistet ist.
(2) ...

§ 172 HGB: Umfang der Haftung der Kommanditisten


(1) Im Verhältnis zu den Gläubigern der Gesellschaft wird nach der Eintragung in das
Handelsregister die Einlage eines Kommanditisten durch den in der Eintragung angegebenen
Betrag bestimmt.
(2) bis (6) …

§ 176 HGB: Haftung der Kommanditisten vor Eintragung der KG/vor Eintragung seines
Eintritts in das Einzelhandelsgeschäft
(1) 1 Hat die Gesellschaft ihre Geschäfte begonnen, bevor sie in das Handelsregister des
Gerichts, in dessen Bezirk sie ihren Sitz hat, eingetragen ist, so haftet jeder Kommanditist,
der dem Geschäftsbeginn zugestimmt hat, für die bis zur Eintragung begründeten
Verbindlichkeiten der Gesellschaft gleich einem persönlich haftenden Gesellschafter, es sei
denn, dass seine Beteiligung als Kommanditist dem Gläubiger bekannt war.
2
Diese Vorschrift kommt nicht zur Anwendung, soweit sich aus § 2 oder § 105 Abs. 2 HGB
ein anderes ergibt.
(2) …

α) Da die entstandene KG gemäß § 28 Abs. 1 S. 1 HGB für die vor dem Eintritt
begründeten Altverbindlichkeiten des ehemaligen Einzelkaufmanns haftet,
– auch akzessorische Mit-Haftung des eingetretenen Kommanditisten dafür gemäß
§§ 171/172 HGB:
 also persönliche unmittelbare Haftung den Gläubigern gegenüber,
 jedoch beschränkt i.H.d. restlichen (Haft-)Einlage [ dazu gleich unter c) γ) ]
– aber abdingbar, § 28 Abs. 2 HGB.

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β) Für (Zwischen-)Verbindlichkeiten, die
– zwischen dem Eintritt
– und der Eintragung der Hafteinlage
begründet werden,
gilt jedoch § 176 Abs. 1 HGB:
 persönliche unmittelbare und unbeschränkte Haftung auch der Kommanditisten
gegenüber den Gläubigern,
weil der Rechtsschein erzeugt wird, dass jeder Gesellschafter als Komplementär
beteiligt ist (da ja keine Hafteinlage § 162 Abs. 1 S. 1 HGB eingetragen ist)
 es sei denn (dann haften Kommanditisten auch bei Eintritt in ein Einzelhandelsgeschäft
und einer dadurch entstehenden KG nur beschränkt, §§ 171/172 HGB)
 dem Gläubiger ist die Beteiligung als Kommanditist(!) bekannt, § 176 Abs. 1 S. 1
Halbs. 2 HGB;
 dies gilt aber nicht –und damit dann doch wieder persönlich unbeschränkte Haftung–,
wenn ihm der Gesellschafter als solcher (und somit auch dessen Beteiligung als
Kommanditist) unbekannt ist!
 Aber wieder Ausschluss möglich durch aufschiebende Bedingung § 158 Abs. 1 BGB:
„Der Eintritt wird erst (ex nunc) mit der Eintragung der Hafteinlage wirksam!“ [ dazu
gleich unter c) β) ].

γ) Und für Verbindlichkeiten die nach Eintragung der Hafteinlage (§ 162 Abs. 1 S. 1
HGB) begründet werden, gelten dann die §§ 171/172 HGB:
– persönliche unmittelbare Haftung den Gläubigern gegenüber
– aber beschränkt i.H.d. restlichen (Haft-)Einlage [ dazu gleich unter c) γ) ].

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c) Eintritt als Kommanditist in eine bestehende OHG oder KG

§ 173 HGB: Haftung bei Eintritt als Kommanditist in eine offene Handelsgesellschaft (die
dadurch zur Kommanditgesellschaft wird)/bei Eintritt als Kommanditist in eine
Kommanditgesellschaft
(1) Wer in eine bestehende Handelsgesellschaft als Kommanditist eintritt, haftet nach
Maßgabe der §§ 171 und 172 HGB bis zur Höhe seiner Einlage beschränkt für die vor
seinem Eintritt begründeten Verbindlichkeiten der Gesellschaft, ohne Unterschied, ob die
Firma eine Änderung erleidet oder nicht.
(2) Eine entgegenstehende Vereinbarung ist Dritten gegenüber unwirksam.

§ 171 HGB: Haftung der Kommanditisten


(1) Der Kommanditist haftet den Gläubigern der Gesellschaft bis zur Höhe seiner Einlage
unmittelbar; die Haftung ist ausgeschlossen, soweit die Einlage geleistet ist.
(2) ...

§ 172 HGB: Umfang der Haftung der Kommanditisten


(1) Im Verhältnis zu den Gläubigern der Gesellschaft wird nach der Eintragung in das
Handelsregister die Einlage eines Kommanditisten durch den in der Eintragung angegebenen
Betrag bestimmt.
(2) bis (6) …

§ 162 HGB: Anmeldungen zur Eintragung in das Handelsregister/Bekanntmachung der


Eintragungen
(1) Die Anmeldung der Gesellschaft hat außer den in § 106 Abs. 2 HGB vorgesehenen
Angaben die Bezeichnung der Kommanditisten und den Betrag der Einlage eines jeden von
ihnen zu enthalten.
(2) …

§ 176 HGB: Haftung der Kommanditisten vor Eintragung der KG/vor Eintragung seines
Eintritts
(1) 1 Hat die Gesellschaft ihre Geschäfte begonnen, bevor sie in das Handelsregister des
Gerichts, in dessen Bezirk sie ihren Sitz hat, eingetragen ist, so haftet jeder Kommanditist, der
dem Geschäftsbeginn zugestimmt hat, für die bis zur Eintragung begründeten
Verbindlichkeiten der Gesellschaft gleich einem persönlich haftenden Gesellschafter, es sei
denn, dass seine Beteiligung als Kommanditist dem Gläubiger bekannt war.
2
Diese Vorschrift kommt nicht zur Anwendung, soweit sich aus § 2 oder § 105 Abs. 2 HGB
ein anderes ergibt.
(2) Tritt ein Kommanditist in eine bestehende Handelsgesellschaft ein, so findet die Vorschrift
des Absatzes 1 Satz 1 für die in der Zeit zwischen seinem Eintritt und dessen Eintragung in
das Handelsregister begründeten Verbindlichkeiten der Gesellschaft entsprechende
Anwendung.

α) Für vor dem Eintritt begründete Altverbindlichkeiten der KG/früheren OHG

somit

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– gemäß § 173 Abs. 1 ( § 130 Abs. 1) HGB
 persönliche, akzessorische Mit-Haftung des eingetretenen Kommanditisten
 aber beschränkt bis zur Höhe seiner Einlage i.S.d. §§ 171/172 HGB
– und nicht abdingbar, § 173 Abs. 2 ( § 130 Abs. 2) HGB.
§ 130 HGB: Haftung des eintretenden persönlich haftenden Gesellschafters
(1) Wer in eine bestehende Gesellschaft eintritt, haftet gleich den anderen Gesellschaftern nach Maßgabe der
§§ 128 und 129 HGB für die vor seinem Eintritt begründeten Verbindlichkeiten der Gesellschaft, ohne
Unterschied, ob die Firma eine Änderung erleidet oder nicht.
(2) Eine entgegenstehende Vereinbarung ist Dritten gegenüber unwirksam.

β) Für (Zwischen-)Verbindlichkeiten,
– die zwischen dem Eintritt
– und der Eintragung der Hafteinlage
begründet werden,
gilt jedoch § 176 Abs. 2 HGB:
 Kommanditisten haften dann den Gläubigern persönlich unbeschränkt wegen des
Rechtsscheins, dass der Neue als Komplementär eintritt (da noch keine Hafteinlage
§ 162 Abs. 1 S. 1 HGB eingetragen ist),
 es sei denn (dann haften Kommanditisten auch in der Zwischenzeit nur beschränkt
§§ 171/172 HGB),
 dem Gläubiger ist die Beteiligung als Kommanditist(!) bekannt.
 dies gilt aber nicht –und damit dann doch wieder persönlich unbeschränkte Haftung–,
wenn ihm der Gesellschafter als solcher (und somit auch dessen Beteiligung als
Kommanditist) unbekannt ist!
Aber auch hier Ausschluss der unbeschränkten Haftung möglich durch
aufschiebende Bedingung § 158 Abs. 1 BGB:
„Der Eintritt wird erst (ex nunc) mit der Eintragung der Hafteinlage wirksam!“

γ) Und für Verbindlichkeiten, die nach Eintragung der Hafteinlage (§ 162 Abs. 1 S. 1
HGB) begründet werden, gelten dann die §§ 171/172 HGB:
– wenn die (Haft-)Einlage eingetragen, aber noch nicht (voll) geleistet ist,
– zwar
 persönliche unmittelbare akzessorische Mit-Haftung des Kommanditisten den
Gläubigern gegenüber gemäß § 161 Abs. 2 i.V.m. § 128 S. 1 HGB,
 aber beschränkt bis zur Höhe der restlichen (Haft-)Einlage gemäß §§ 172 Abs. 1/171
Abs. 1 HGB:

Beispiel:
Forderung 100
als Hafteinlage eingetragen 50
davon erbracht 40
dann Haftung auf restliche 10

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Variante:
Forderung 100
als Hafteinlage (Außenverhältnis) eingetragen 50
aber als Pflichteinlage (Innenverhältnis) Grundstück
eingebracht, dessen objektiver Wert bei Einbringung
beträgt jedoch nur 30
 dann zwar Pflichteinlage laut Gesellschaftsvertrag
erbracht,
 aber im Handelsregister eingetragene Hafteinlage
(§ 162 Abs. 1 S. 1 HGB: Betrag 50), dadurch
(Wert 30) noch nicht voll erbracht
somit Haftung auf Differenz von 20

Die Pflichteinlage wird also mit ihrem objektiven Wert (entscheidend ist Zeitpunkt der
Einbringung!) auf die Hafteinlage angerechnet!

d) Annex:

Natürlich haben auch Kommanditisten, die wegen


 Gründung einer KG (§ 176 Abs. 1 S. 1 HGB)
 Eintritt als Kommanditist in eine entstehende KG (§§ 28 Abs. 1, 176 Abs. 1 HGB)
 Eintritt als Kommanditist in eine bestehende OHG oder KG (§ 173 Abs. 1 oder § 176
Abs. 2 HGB)
 oder nach §§ 171/172 HGB haften
jeweils die Verteidigungsmöglichkeiten gemäß § 161 Abs. 2 i.V.m. 129 HGB:
 also § 161 Abs. 2 i.V.m. § 129 Abs. 1 1. Alt. HGB
Kommanditisten können also Einwendungen erheben, die ihnen persönlich gegenüber
dem Gläubiger zustehen,
 § 161 Abs. 2 i.V.m. § 129 Abs. 1 2. Alt. HGB
und Kommanditisten können Einwendungen erben, die der KG zustehen,
 § 161 Abs. 2 i.V.m. § 129 Abs. 2 HGB,
Kommanditisten können die Leistung verweigern, wenn und solange die KG
anfechten könnte,
 sowie § 161 Abs. 2 i.V.m. § 129 Abs. 3 HGB,
Kommanditisten können die Leistung ebenfalls verweigern, wenn und solange die KG
aufrechnen könnte
 und darüber hinaus sind § 161 Abs. 2 i.V.m. § 129 Abs. 2 und Abs. 3 HGB analog
bei sonstigen Gestaltungsrechten einer KG wie Rücktritt/Minderung/Kündigung auch
auf Kommanditisten anzuwenden. Sie können damit die Leistung auch verweigern,
wenn und solange die KG zurücktreten/mindern oder kündigen könnte

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