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Fakultät für Betriebswirtschaft

Munich School of Management

Wirtschaftsinformatik
Vorlesung 3: Netze und das Internet

Dr. Christian Matt


Institut für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien
www.wim.bwl.lmu.de
München, Sommersemester 2015
W IRTSCHAFTSINFORMATIK IM SS15

Quizfrage im Zusammenhang mit letzter Vorlesung

• Wie heißt das mit 33,9 Petaflops leistungsstärkste Rechnersystem der Welt?
[Petaflops = Billiarde (10 hoch 15) Gleitkommaoperationen (Addition/Multiplikation) pro Sekunde]

a) Sequoia (US)
b) Tianhe-2 (CN)
c) SuperMUC (DE)
d) Piz Daint (CH)

Quelle: http://top500.org/list/2014/06/ 1
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Agenda

• Problemstellung

• Lösungen auf der technischen Ebene

• Das Internet

• Architektur verteilter Software

Relevante Pflichtliteratur:
Mertens et al. (2012): Grundzüge der Wirtschaftsinformatik, S. 27-36.
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Computer Networking

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Die Komplexität moderner Telekommunikationssysteme

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Rechnernetze

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Ziele von Rechnernetzen

Datenverbund
Paralleler Zugriff auf im Netz verfügbare
Daten durch mehrere Rechner/Anwender.

Ermöglicht Kommunikation der Rechner


Kommunikationsverbund
im Netzwerk.

Gemeinsame Nutzung eines Programms


Programmverbund
durch alle im Netz eingebundenen Rechner.

Zur besseren Kapazitätsauslastung oder


Lastverbund / Leistungsverbund
zur parallelen Bearbeitung einer Aufgabe.

Gemeinsamer Zugriff auf im Netz enthaltene


Geräteverbund / Sicherheitsverbund Ressourcen bzw. Mehrfachzugriff auf
kritische Daten.

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Grundmodell der Telekommunikation

Sender Empfänger

Nachricht
Technisches
Medium

Räumliche Distanz

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Das ISO-OSI-Modell für die Telekommunikation

Kommunikationssystem

W1 „Schichtbündel“ 3 W2

Ü1 „Schichtenbündel“ 2 Ü2

T1 „Schichtbündel“ 1 T2

(1) Vorbemerkung: Eigentlich umfasst das ISO-OSI-Modell sieben Schichten. Wir fassen diese in drei
„Bündeln“ zusammen
(2) Jeder Teilnehmer einer Schicht empfindet die Kommunikation als horizontal
(3) Die Kommunikation verläuft mit Ausnahme der untersten Schicht vertikal
(4) Jede Schicht stellt der darüber liegenden Schicht ihre Dienste zur Verfügung
(5) Die drei schichtenspezifischen Kommunikationsprotokolle sind unabhängig voneinander. D.h., das Thema,
über das die beiden Wissenschaftler (W) diskutieren, ist für das Funktionieren der Kommunikation
belanglos. Die Übersetzer (Ü) können die gemeinsame Sprache, in die bzw. aus der übersetzt wird,
wechseln. Die Techniker (T) können andere Übertragungsverfahren wählen. Das Protokoll kann also
gewechselt werden, ohne dass dies die anderen Schichten beeinflusst
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Agenda

• Problemstellung

• Lösungen auf der technischen Ebene

• Das Internet

• Architektur verteilter Software

Relevante Pflichtliteratur:
Mertens et al. (2012): Grundzüge der Wirtschaftsinformatik, S. 27-36.
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Netztopologien

Bus Stern Ring


Alle Geräte sind an einem Ein zentraler Teilnehmer, an Jeweils zwei Teilnehmer
Hauptkabel (Bus) angeschlossen den alle anderen Teilnehmer sind über eine
mit einer Zweipunktverbindung Zweipunktverbindung so
angeschlossen sind. miteinander verbunden,
dass ein Ring entsteht.

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Kommunikationsrechner

Lokales Lokales
1 Netz A Netz B
1 Netzwerkintern:
Hubs / Switches
3
2 Zwischen lokalen
Netzen:
Fremdes Netz Bridges

3 Zwischen
verschiedenen Netzen:
Router

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Netzklassen
• Lokale Netze (Local Area Networks, LANs)
• Befinden sich mehrere vernetzte Rechner in einem Büro, einem Haus oder auf einem
Betriebsgelände, so spricht man von einem lokalen Netzwerk.
• Üblicherweise sind LANs kabelgebunden.
• Nicht kabelgebundene LANs (Wireless Local Area Networks, WLANs) sind i.d.R. an
kabelgebundene LANs angeschlossen.

• Weitverkehrsnetze (Wide Area Networks, WANs)


• WANs werden zur Verbindung von weit auseinander liegenden lokalen Rechnern oder
Netzwerken verwendet.

• Intranet/Extranet
• Intranet: Nicht öffentliches Rechnernetz mit beschränktem Nutzerkreis (z.B. Mitarbeiter)
• Extranet: Eine bestimmte Gruppe externer Nutzer (z.B. Partnerfirmen, Kunden) hat von
außen einen gesicherten Zugang auf das Intranet bzw. Teile davon

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Netzklassen (nach Ausdehnung)

Entfernung zwischen Gemeinsamer Bereich der


Beispiel
Prozessoren Prozessoren
0,1 m Platine Datenflussmaschine
1m System Multicomputer
10 m Raum
100 m Gebäude Lokales Netz (LAN)
1 km Gelände
10 km Stadt Stadtnetz (MAN)
100 km Land
Fernnetz (WAN)
1000 km Kontinent
10000 km Planet Netzverbund

Quelle: Mertens et al. (2012): Grundzüge der Wirtschaftsinformatik, S. 29f. 13


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Übertragungsgeschwindigkeit („Bandbreite“)
• Die Geschwindigkeit von Datenübertragungswegen wird in bit pro Sekunde angegeben.

Festnetze Integrated
Digital
Telefonnetz Services Kabelnetz
Subscriber Glasfaser
(V.90) Digital Network (EuroDOCSIS)
Line (DSL)
(ISDN)

Übertragungs- 64 bzw. 128 384 Kbit/s bis 120 bis 200 bis zu 100
56 Kbit/s
geschwindigkeit Kbit/s 25 Mbit/s Mbit/s Gbit/s

Funknetze General Packet


Digital Video
Wireless Local
Long Term Broadcasting-
Radio Service UMTS Area Network
Evolution (LTE) Terrestrial
(GPRS) (WLAN)
(DVB-T)

Übertragungs- 384 Kbit/s bis bis zu 100 2 bis


115 Kbit/s 2 bis 3 MBit/s
geschwindigkeit 14,4 Mbit/s MBit/s 600 Mbit/s

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Verbreitung von Breitband-Internet

Quelle: http://www.stateoftheinternet.com/resources-report-state-of-the-internet.html 15
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Agenda

• Problemstellung

• Lösungen auf der technischen Ebene

• Das Internet

• Architektur verteilter Software

Relevante Pflichtliteratur:
Mertens et al. (2012): Grundzüge der Wirtschaftsinformatik, S. 27-36.
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Das Internet als Netz der Netze

• „Das Internet“ ist eigentlich ein zentrales Protokoll zur Inter-Netz-Verbindung


verschiedenster Teilnetze:

Quelle: Tanenbaum (2003): Computernetzwerke, S. 475 17


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Number of Internet Hosts (1981-2009)


800,000,000

681,064,561
700,000,000

600,000,000
Number of internet hosts

500,000,000

400,000,000

300,000,000

200,000,000

100,000,000

0
81 82 83 84 85 86 87 88 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09
Year
Internet Hosts = Geräte mit eigener IP Adresse (Netzknoten, Computer, Netzdrucker, etc.)
Quelle: Eigene Darstellung basierend auf www.isc.org 18
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Datenaufkommen im Internet
• Monatliches Datenaufkommen (Schätzung von 2012)

• Zum Vergleich:
• 5 Megabyte: Die gesammelten Werke von Shakespeare
• 20 Gigabyte: Eine Sammlung aller Werke von Beethoven
• 10 Terabyte: Alle gedruckten Titel der U.S. Library of Congress
• 200 Petabyte: Alle jemals gedruckten Informationen
• 2 Exabyte: Alle Daten, die im Jahr 1999 erzeugt wurden
• 5 Exabyte: Alle jemals von der Menschheit gesprochenen Wörter

Quellen: http://www.cisco.com/c/en/us/solutions/collateral/service-provider/visual-networking-index-vni/VNI_Hyperconnectivity_WP.pdf;
http://groups.ischool.berkeley.edu/archive/how-much-info-2003/printable_report.pdf 19
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Verortung des Internets

• Wesentliche technische Komponenten der „Revolution Internet“


• IP – zum Verbinden beliebiger Netztechnologien
• TCP – zum Verdecken der Beschränkungen von IP
• HTTP – zum Abruf von Dateien von einem Server
• Webbrowser, die einfachen Zugriff auf unterschiedlichste Server ermöglichen

Web-Browser
Schichtenbündel 3

SMTP FTP DNS HTTP …

UDP TCP
Schichtenbündel 2
IP

… … ISDN GSM UMTS LAN WLAN …


Schichtenbündel 1
Kupferkabel Glasfaser Luft

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Das zentrale Internetprotokoll: TCP/IP

• Das Internetprotokoll TCP/IP ist der zentrale „Klebstoff“ zwischen den Anwendung
Teilnetzen
Transport
Internet
• Anwendung: Internetanwendungen wie Telnet, FTP, SMTP, HTTP
Host-zu-Netz
• Transport: Transmission Control Protocol (TCP)
• Für zuverlässige, verbindungsorientierte Ende-zu-Ende-Übertragung
• Fügt Prozessadressierung hinzu und sichert die Datenübertragung

• Internet/Vermittlung: Internet Protocol (IP)


• Zum Zustellen von Paketen  Adressierung und Routing
• Leitet Datenpakete durch das Netzwerk zum Empfänger

• Host-zu-Netz (Bitübertragungs-/Sicherungsschicht)
• Wird von TCP/IP nicht betrachtet
• Kann durch andere Protokolle (Ethernet, WLAN, etc.) ausgefüllt werden

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TCP/IP: Vereinfachtes Anwendungsbeispiel E-Mail

WI-Student1 WI-Student2
@campus.lmu.de @campus.lmu.de

Quelle: Mertens et al. (2012): Grundzüge der Wirtschaftsinformatik, S. 31. 22


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Weitere wichtige Internet-Dienste und -Protokolle

Email World Wide Web (WWW) Voice-over-IP

Simple Mail Hypertext Transfer Protocol (http) zur Nutzt ebenfalls Internet
Transfer Protocol Übertragung von Webseiten in Webbrowser Protocol (IP)
(SMTP)
File Transfer Protocol (FTP) zur
Dateiübertragung

DNS (Domain Name Service) zur Umsetzung


von Domainnamen in IP-Adressen

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Agenda

• Problemstellung

• Lösungen auf der technischen Ebene

• Das Internet

• Architektur verteilter Software

Relevante Pflichtliteratur:
Mertens et al. (2012): Grundzüge der Wirtschaftsinformatik, S. 27-36.
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Ansatz

Teil 1 Verteiltes Softwaresystem Teil 2


einer Software einer Software

Kommunikationssystem

W1 Schichtenbündel 3 W2

Ü1 Schichtbündel 2 Ü2

T1 Schichtbündel 1 T2

Kernfrage: Wie interagieren die auf mehrere


Rechner verteilten Komponenten miteinander?

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Client-Server-Architektur

Server

Anfrage Antwort

Antwort Anfrage

Client Client

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Client-Server-Architektur am Beispiel einer Internet-Anwendung


Server Client

Präsentation
(Darstellung)

Applikation
(Verarbeitung)

Daten
(Datenbank)

WWW-Server Internet-User

• Server ist die umgangssprachliche Abkürzung für einen Host, d.h. für einen Computer
in einem Netzwerk, auf dem ein oder mehrere Server betrieben werden.
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Client-Server-Architektur

• Vorteile = Client
• Filterung der Daten im Netzwerk  = Server
höhere Sicherheit
• Zentrale Verwaltung von Daten, Rechten
und Sicherheitseinstellungen
• Schnelle Fehlerbehebung
• Schneller Austausch von Clients möglich
• Nachteile
• Teuer in der Anschaffung
• Server muss die Anforderungen aller
Clients erfüllen
• Bei Serverausfall: Verzögerungen im Netz
oder Netzzusammenbruch
• Schwerfällig bei mobilen Anwendungen
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Peer-To-Peer-Architektur

• Vorteile = Client
• Jeder Client verfügt über Daten und
Ressourcen
• Bessere Ressourcen
• Vollständiger Systemabsturz nahezu
unmöglich
• Nachteile
• Sicherheitsprobleme
• Keine Sicherheit der permanenten
Datenverfügbarkeit
• Keine Sicherheit der Aktualität der Daten
• Clients nur schwer administrierbar

Quelle: in Anlehnung an Minar/Hedlund (2001): A Network of Peers: Peer-to-Peer Models Through the History of the Internet, S. 3-20. 29
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Hybride Architektur

• Vorteile = Client
• Gute Kontrollmöglichkeit = Server
• Verteilung von Bandbreite
• Zentrale Anmeldung der Clients
notwendig
 Clients administrierbar
• Nachteile
• Bei Serverausfall bricht das Netz
zusammen

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Cloud Computing: Einstieg

• Link zum Film:


http://www.youtube.com/watch?v=xJCOzUk76GQ
• Ausführlich (für zu Hause):
http://www.youtube.com/watch?v=GctHV_AlZHw

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Cloud Computing: Definition

• Software und Daten werden nicht mehr lokal bearbeitet und gespeichert,
sondern auf einer externen Infrastruktur

• Ausgelagerte Daten und Anwendungen befinden sich „in der Wolke“


• Rechenzentren im Internet mit freien Speicher- und Rechenressourcen
• Wo genau „in der Wolke“ oft nicht genau feststellbar

• Technische Treiber
• Überschuss an Rechen- und Speicherleistung in vielen Rechenzentren
• Immer mehr (mobile und z.T. leistungsschwächere) Endgeräte
• Breitbandige Internetverbindungen
• Verschlüsselte Verbindungen
• Zugriff über Standardanwendung (i.d.R. Webbrowser)

• Für Unternehmen: IT-Leistungen als Service über Internet, Abrechnung nach Nutzung

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Cloud Computing: SWOT-Analyse

Strengths Weaknesses
(Stärken) (Schwächen)

Opportunities Threads
(Chancen) (Risiken)

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Cloud Computing
Strengths (Stärken) Weaknesses (Schwächen)
• Standortunabhängigkeit (Nutzung von • Abhängigkeit von zuverlässiger, schneller
überall und mit jedem Endgerät) Internetanbindung

• Kostenvorteile durch Umwandlung von fixen • Abhängigkeit von Service Levels des Cloud
in variable Kosten (Server und Software „as Service Providers
a service“ statt Eigenbetrieb,
nutzungsbasierte Abrechnung) • Kontrollverlust über Daten auf fremden
Servern
• Geringere Hardwarekosten, da Software
nicht auf Rechner installiert werden muss • Datenschutz- und Datensicherheitsprobleme
(z.B. Hacker-Angriffe)
• Flexibel (falls Bedarf an Speicher- oder
Rechenkapazität schwankt) • Hohe Wechselkosten, falls geringe
Interoperabilität zwischen Cloud Service
• Geringerer Personal- und Anbieter (Gefahr von Lock-Ins)
Verwaltungsaufwand (für Installation,
Betrieb, Updates, Fehlerbehebung , • Was passiert mit Daten bei Insolvenz des
Backups, etc.) Cloud Service Providers?
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Cloud Computing
Opportunities (Chancen) Threads (Risiken)
• IT-Unternehmen mit großen Rechenzentren • Traditionelle HW-Hersteller (PCs und Server
können diese besser auslasten (z.B. wie z.B. HP, Dell, …)
Amazon, IBM, Google)
• Traditionelle SW-Hersteller (Betriebssysteme
• Mögliche Verschiebung der Dominanz im IT- und Office-Produkte wie z.B. Microsoft)
Markt „in das Netz“ (zu den Cloud Service
Providern wie z.B. Google)

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