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Steht Deutsch auf der Liste bedroh- morgen spricht, wird einen Satz von
ter Idiome? Dieter E. Zimmers Be- Lichtenberg oder Heine oder Scho-
fund: »Niemand kann sagen, ob der penhauer oder Nietzsche oder Brecht
Punkt, an dem es für einige europä- oder Enzensberger vielleicht noch
ische Sprachen keine Rettung mehr ungefähr verstehen, aber er wird
gibt, bereits erreicht ist und wann er nicht mehr in der Lage sein, zu erken-
erreicht ist. Niemand kann aber auch nen, daß er gut war und was an ihm
sagen, er sei noch nicht erreicht; erst gut war, wird es weniger können als
recht nicht, er werde nie erreicht.« wir angesichts eines Satzes von Walt-
»Sicher wird auch das Deutsch von her von der Vogelweide.«
morgen, das sich heute an vielen Stel- In der »Berichtigung«, einem schar-
len ankündigt, eine Sprache sein, in fen und glänzenden Essay, geht es
der sich das Nötige ausdrücken läßt. um pc, ›politische Korrektheit‹: ihre
Auch werden die Kids, die eines nicht ursprünglich konstruktiven Motive,
fernen Tages genau dieses pidgini- die heute zu fundamentalistischen
sierte Deutsch für das einzig richti- Sprachdiktaten und Denkverboten,
ge halten und vielleicht auf ihre Wei- zu einer linguistischen Polizeiord-
se kreolisieren. Vielleicht wird es, nung geworden sind.
wenn sich seine Worte und Weisen Weiter geht es um den internatio-
eine gewisse Geschichte erworben nalen Status der deutschen Sprache,
haben, dann sogar eine Literatur er- um Grammatik, um Zweisprachig-
möglichen, falls so etwas wie Litera- keit, um Schriftzeichen im Internet,
tur überhaupt noch gefragt sein soll- um den PC als Übersetzungsautoma-
te. Aber es wird die Brücken zu dem ten und um Übersetzen als darstel-
Deutsch von gestern und heute abge- lende Kunst.
brochen haben. Wer das Deutsch von

Dieter E. Zimmer

Deutsch und anders
Die Sprache im Modernisierungsfieber

Rowohlt

age Januar 1997
Copyright © 1997 by Rowohlt Verlag GmbH,
Reinbek bei Hamburg
Der Beitrag von Urs Widmer
ist mit freundlicher Genehmigung
des Autors abgedruckt.
Alle Rechte vorbehalten
Umschlag- und Einbandgestaltung
Büro Hamburg/Susanne Schmitt
Satz aus der Sabon (Linotronic 500)
Gesamtherstellung Clausen & Bosse, Leck
Printed in Germany
ISBN 3 498 07661 2

Inhalt

Neuanglodeutsch. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
Über die Pidginisierung der Sprache
Hundert Computerbegriffe in zehn Sprachen . . 108

Die Berichtigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 127
Über die Sprachreform im Zeichen der
Politischen Korrektheit

Eine Neue Herzlichkeit . . . . . . . . . . . . . . . . 225
Über den Wandel der sprachlichen Manieren

Zwischen Sie und Du . . . . . . . . . . . . . . . . . 241
Über eine bleibende Verlegenheit

Abschied von Illusionen . . . . . . . . . . . . . . . . 251
Über den internationalen Status der
deutschen Sprache

Die Mythen des Bilingualismus . . . . . . . . . . . 269
Über Mehrsprachigkeit

Schrift gegen Bild . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 283
Über das Lesen in einer Zeit des Sehens

Papier und Elektrizität. . . . . . . . . . . . . . . . . 307
Über die Bibliothek der Zukunft

Grammatik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 317
Über Fehler und wie man sie garantiert
nicht vermeidet
Falsche Sätze – Gebrauchsanweisungen . . . . . 336

Schone Gruse aus dem Netz . . . . . . . . . . . . . 343
Über die rechte Schreibung in der E-Mail
Verlustbilanz – Zeichensatznormen . . . . . . . 370

Ausstellung ist verpestet. . . . . . . . . . . . . . . . 375
Über den PC als Übersetzerlehrling
Drei Versuche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 389

Übersetzen als darstellende Kunst . . . . . . . . . . 399
Über eine mißverstandene Berufstätigkeit
Urs Widmer, Kettenübersetzung . . . . . . . . . 436

Jahrhundertwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 451
Über die miniaturisierte Reform der deutschen
Rechtschreibung

Die Abschaff ung des Eszett . . . . . . . . . . . . . . 459
Über einen entbehrlichen Buchstaben

Aus dem Kauderwelschen . . . . . . . . . . . . . . . 467
Über Sprachennamen

Glossar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 473
Bibliographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 477

Neuanglodeutsch
Über die Pidginisierung der Sprache

Ist die deutsche Sprache fremdenfeindlich ? Seit Hun-
derten von Jahren wird sie purgiert, gereinigt, sind aus-
ländische Wörter nicht willkommen, werden »Fremd-
wörter« vertrieben, oder sollen sie vertrieben werden.
Aber das ist die nur die eine Seite. Auf der anderen
werden seit Hunderten von Jahren »Fremdwörter« von
überall her herbeigerufen, bewundert und gehätschelt,
haben sie sich in großer Zahl und dauerhaft angesie-
delt.
Beides ist richtig. Die deutsche Sprache war abwech-
selnd fremdenfeindlich und fremdenfreundlich und
zuweilen beides zugleich. Sprachliche Xenophobie wie
Xenophilie haben eine lange Tradition. Sie haben sich
gegenseitig bedingt und angefeuert. Was sich aus dem
Streit der Gegensätze ergab, war dann der Status quo ei-
ner maßvollen mittleren Position. Sie blieb prekär, weil
eigentlich keine der Parteien sie gewollt hatte.
Unsere heutigen Schwierigkeiten, ein »mittleres«, ver-
mittelndes Verhältnis zu den in unsere Sprache zahl-
reicher denn je einströmenden ausländischen Wörtern
zu finden, sind ein Reflex auf eben den xenophobischen
Strang der deutschen Sprachgeschichte, von dem wir,
wenn auch zu Unrecht, meinen, er hätte im Nazistaat
seinen Höhepunkt erlebt. Verdient es irgend etwas Deut-

sches, in seiner Eigenart bewahrt zu werden ? Zum Bei-
spiel die Sprache ? Schon die Frage setzte heute jeden,
der sie stellt, dem Vorwurf der Deutschtümelei, der
Deutschdümmelei aus.
Das Thema existiert darum einfach nicht. Die Sprach-
wissenschaften haben ohnehin längst allem »Normati-
ven« abgeschworen und die bloße Beschreibung des Vor-
gefundenen zum Programm erhoben : Das Volk spricht,
die Wissenschaft beobachtet es beim Sprechen und er-
klärt dann, wie es spricht. Wie es sprechen sollte, will sie
unter keinen Umständen mehr sagen, (»der duden be-
hauptet, er is keine entsheidungsinstanz sondern sreibt
nur wi di bevölkerung sreibt. di bevölkerung wider-
um behauptet, si sreibt nur wi der duden sreibt. und ni-
mand is imstande, ein machtwort zu sprechen« – so faß-
te der Schriftsteller Zé do Rock, der sich selber eine ›Ul-
tra-doitsh‹ genannte Rechtschreibung zurechtgelegt hat,
die Situation zusammen.) Es gibt zwar allerlei Akademi-
en und Vereinigungen, die sich mit Sprachfragen befas-
sen, aber keine, die sich des Themas annehmen wollte
und dann mit unverdächtiger Autorität sprechen könn-
te. Die Medien fürchten verständlicherweise den Natio-
nalismusverdacht besonders, und man weiß ja auch nie,
wen man eigentlich hereinließe, wenn man die Tür öff-
nete – weiß es besonders dann nicht, wenn man selber
kein Urteil hat, wie zum Beispiel in diesen undurchsich-
tigen Sprachdingen, wo jeder etwas anderes behauptet
und keiner je recht zu haben scheint.
Es muß jedoch sein – wenn auch hoffentlich auf eine
Art, die den Verdacht deutschtümelnder Borniertheit

im Keim erstickt (unter anderem durch die ungenierte
Verwendung von »Fremdwörtern«). Die Sprachentwick-
lung nämlich hat eine Richtung eingeschlagen, die den
Fortbestand nicht nur des Deutschen, sondern etlicher
europäischer Sprachen in Frage stellt. »Über Sprachver-
derb wurde von jeher gejammert, die Sprache aber hat
alles immer ganz gut verkraftet, und auch jetzt wird sie
es wieder tun« – nur zu gerne würde man sich mit die-
ser gefaßten Zuversicht zufriedengeben. Aber das Tem-
po der Sprachentwicklung, die sich vor unseren Augen
vollzieht, macht solche abwartende Lässigkeit zumindest
riskant. Schneller als erwartet könnte es zu spät sein.

Es wäre ungerecht und geradezu falsch, der ganzen Ver-
deutschungsbewegung der letzten Jahrhunderte frem-
denfeindliche und nationalistische Motive zu unter-
stellen. Solange Deutschland ein Konglomerat teilwei-
se untereinander verfeindeter Fürstentümer war und
keine Nation, konnte es einen sprachlichen Nationalis-
mus sowieso noch nicht geben. Die meisten »Sprachrei-
niger« wurden von keiner Feindseligkeit gegen Nicht-
deutsches getrieben und erst recht nicht von dem Glau-
ben, daß die deutsche Sprache anderen überlegen sei.
Im Gegenteil, ihr Hauptmotiv war ein Gefühl der Un-
terlegenheit : Sie sahen, daß die deutsche Sprache für
vieles, worüber sich die Gebildeten der Nachbarländer
unterhielten, keine eigenen Worte hatte und sich mit
teils mißverstandenen und verballhornten fremden
Wörtern behelfen mußte. Auch aus dem ungefügen
Deutsch, meinten sie, sollte eine anständige Literatur-

Das ande- re Hauptmotiv lautete : Verständlichkeit. was einmal erst er- dacht und durchgesetzt werden mußte. Die Verdeut- scher stießen sich daran. trennen. die das. ei- nem Mitglied der 1617 in Weimar nach dem Vorbild der italienischen Accademia della crusca gegründeten Fruchtbringenden Gesellschaft) – bis heute dienen sie als abschreckende Beispiele dafür. die nur ein kleiner Teil der Bevölkerung auf Anhieb rich- tig sprechen und richtig verstehen und richtig gebrau- chen konnte. wie viele dieser gewoll- ten und gekünstelten Verdeutschungen sehr wohl Fuß gefaßt haben. Dann aber ist man überrascht. nur ebensogut. Es scheint uns ganz unvorstellbar. daß die fremden Wörter. Sprachbarrieren entstehen ließen. erwartet einen manche Überraschung. Aber jedenfalls glaubten sie. Von ei- nem demokratischen Impetus vor der Zeit zu sprechen. die Menschen zu verbinden und nicht zu. Zunächst erschrickt man über die Wunderlichkeit vieler ihrer Er- findungen : Gesichtserker für Nase. und schon darum haben sie nicht den leichtfertigen Spott der Nachfahren verdient. nun als ih- ren selbstverständlichen Besitz betrachten. Sie haben es geschafft. daß eine Sprache dazu dasein sollte. so daß schon lange niemand mehr etwas Gewolltes oder Gekünsteltes an ihnen findet. Jungfernzwinger für Kloster (beide vorgeschlagen von Philipp von Zesen. Nicht besser als andere Sprachen soll- te es sein. wie aussichtslos und lä- cherlich die ganze Verdeutscherei ist und immer war. Wenn man sich heute alte Verdeutschungsglossare an- sieht.sprache werden. daß es diese Wörter nicht schon  . wäre übertrieben.

das gleich- zeitig »erklären« und »verdeutschen« sollte. Fall-  . Auch hier wieder wirken manche bizarr. der den Tageleuchter (für ›Fenster‹) und den Reitpuffer (für ›Pistole‹) erfand. erfand auch das Gotteshaus (für ›Tempel‹). Wörter wie Zufall (im 14. Jahrhun- dert). Barschenkler für ›Sansculotte‹. Im ersten modernen Fremdwörterbuch. hauptsächlich für die damals modischen Gallizismen. 18. Jahrhundert). Streitgespräch für ›Debatte‹. 17. Jahrhundert). dieses nicht. 17. etwa Feinge- fühl für ›Takt‹. Jahrhun- dert). Aber warum hat sich Campes einer Vorschlag für die Guillotine. Andere dagegen wir- ken heute ganz und gar selbstverständlich. jene sind es geblieben. und im Au- genblick ihrer Erfindung waren alle drei Wörter gleich artifiziell . etwa Druffel für ›groupe‹. Haarkräusler für den ›Friseur‹. Minderheit für ›minorité‹. Brüderlichkeit für ›fraternité‹. stellte der Braunschweiger Schriftsteller und Sprachforscher Joa- chim Heinrich Campe im Jahre 1801 systematisch frem- de und eigene Verdeutschungsvorschläge zusammen. Lügenzicht für das (damals noch französisch ausgesprochene) ›Demen- ti‹. Der gleiche Philipp von Zesen.immer gegeben haben soll und jemand sie sich eigens einfallen lassen mußte. wa- rum das eine verworfen und das andere akzeptiert wur- de. Jahrhundert (für lateinisch ›saeculum‹. Dies ist die dritte Überraschung und die heilsamste : Es läßt sich den Wörtern partout nicht ansehen. 18. Tatsache (für englisch ›matter of fact‹. Jahr- hundert für lateinisch ›accidens‹ gebildet). Geschmack (für italienisch ›gusto‹. Abteil (für französisch ›coupé‹. Gewissens- biß (für lateinisch ›conscientiae morsus‹. 19. Jahrhun- dert).

Einfallsreich- tum und Gewissenhaftigkeit Leute wie Campe auf ein- zelne bescheidene Wörter verwendet haben. die wir nicht übersehen – man kann auch sagen : der Zufall. wieviel Scharfsinn.beil. Gelehrtenver- ein wäre etwas umständlicher und eine Silbe länger als ›Aka-demie‹ gewesen – aber ist Übungskunst umständ- licher als Gymnastik. des- sen wörtliche Übersetzung es ist ? Ist nicht Weingeist so- gar kürzer als ›Alkohol) ? Ist Hochholz schwieriger als ›Hautbois‹ oder dessen orthographische Assimilierung als ›Oboe‹ ? Ist Bankbruch ungenauer oder schwerer zu schreiben als ›Banquerott‹ ? Über Annahme oder Ab- lehnung eines Vorschlags entscheiden offenbar Grün- de. angenommen und auch sein Hochschüler (für ›Student‹). Sobald der Zufall ein Wort über die gewis- se Schwelle geführt hat. aber nicht sein Hoch- lehrer (für ›Professor‹) ? Ist Mischklump oder Wust etwa unanschaulicher als ›Chaos‹ ? Allerdings. Wenn man sieht. unsern heutigen Umgang mit ih- nen leichtfertig und verantwortungslos zu finden. Hochschule. Artifi- zielle von ihm ab. durchgesetzt. fällt alles Angestrengte. sein anderer – Köpframme – nicht ? Warum seine eine Eindeutschung von ›république‹. und in kurzer Zeit steht es da als das immer schon Richtige. wird man kaum umhinkönnen. Anderswo länger als ›Alibi‹. ›Iro- nie‹ – was wäre das auf deutsch ? Scheinunwissenheit. wie von anderen vorgeschla- gen – war da Campes Schalksernst nicht ein wirklicher  . aber sein nachgereichter besserer Vorschlag Ge- meinstaat nicht ? Warum wurde seine Eindeutschung von ›Universität‹. Frei- staat. Spottlob. Hechelscherz.

sondern in der Folge auch durchaus akzeptiert wurden. verschleißen sich und müssen erneuert werden. die Möbel wie den Hausrat. Daß zwei Drittel von Cam- pes verdeutschten Fremdwörtern heute. Von all den Wörtern. immer noch lebendig sind. das Fremdwort und die Verdeutschung. In vie- len. sehr vielen Fällen jedenfalls nahm die Sprache bei- des an und behielt beides bei. ob die deutsche Sprache insge- samt fremdenfreundlicher oder fremdenfeindlicher war: Sie war fremdenfreundlicher. das Quar- tier wie das Viertel. ist indirekt eine Antwort auf die Frage. und die meisten von ihnen nicht. sondern weil sie sich schlicht überlebt haben – eine deutliche Warnung. schöpferischsten und auf breite Zustimmung gestützten Verdeutschungsaktionen nicht hoch einzuschätzen. Das Überleben so vieler fremder Wörter. Wörter.Fund ? Und dennoch hat es ihm nichts genützt. die jedem von ihnen ein dauerhaftes Daseinsrecht verleihen. besonders vielgebrauchte. deren Verdeutschung Campe empfahl. für die deut- sche Entsprechungen nicht nur angeboten. ist höchstens ein Drittel verschwunden. So waren selbst diese großen und planvollen Verdeut- schungsanstrengungen ein Erfolg und ein Mißerfolg  . weil eine Verdeutschung an ihre Stel- le getreten wäre. die Absurdität wie den Widersinn. nach zweihun- dert Jahren. die Erfolgsaussich- ten selbst der umfassendsten. beweist den nicht erst in unserer Zeit immens hohen Wörterbedarf einer entwickelten Sprache. Offenbar kann eine Spra- che nie genug Wörter bekommen. Anfängliche Synonyme geben die Möglichkeit zu feinen Nuancierungen der Bedeutung.

wenn der Führer ihn in Werbeminister umtauft«. von der ab alle Leisetreterei in dieser höchsten Frage deutschen Volkstums endlich aufhören und der rücksichtslose Ruf erschallen muß : ›Sprich deutsch !‹« (Eduard Engel. ihnen auch nur die eigenen reichlich benutzten Fremdwörter auszureden (Autorität. Ihre Absicht. und die dachten in dieser Sache ganz anders. Propaganda). Entsprechend suchte sich der Verein dem Nazi- staat anzudienen. fanatisch. daß Du ein Deutscher bist !« Sein Ziel : nichts.  . Er organisier- te sich zuletzt 1885 im Allgemeinen Deutschen Sprach- verein. schrieb einer zuversichtlich.zugleich. Goebbels lächelte nicht. Dennoch bereicher- ten sie die deutsche Sprache um vieles. von dem er sich die Erfüllung sei- ner linguistischen Germanenschwärmerei versprach. »… unser Goebbels (wird) noch einmal so freundlich lä- cheln. auch wenn Du die deutsche Sprache sprichst. die Fremdwörter auszumerzen. einem deutschnationalem Club unter dem Mot- to : »Gedenke. daß sie von den Nazis sein könnte : »Die weltgeschichtliche Stunde hat geschlagen. was immer noch unverzichtbar ist. Auch die Gleichung »Eindeutschung gleich Deutschtü- melei gleich Nazidenken« ist nicht haltbar. Mission. erreichten sie ganz und gar nicht. 1917). Der Sprach- purismus ist um Jahrhunderte älter als die Nazis. Aber vergebens bemühte er sich. mit einem Fremdwort zu sagen. Garant. was sich auch mit einem deutschen Ausdruck sagen läßt. Die Sprache sei- nes militantesten Fremdwortjägers klirrt in der Tat so martialisch.

es war Hitler selber. mit der Nazifizierung Deutschlands sei nun endlich ihre Stunde gekommen. Die führen- den Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Sprachver- eins hielten sich für Nationalsozialisten und glaubten. die we- der in die heutige Zeit passen. Es war ein Fall von enttäuschtem Liebeswerben. noch etwas Bestimm- tes vorstellen … Das ist wahrer Unfug …« 1937 rüg- te Goebbels offiziell die Deutschtümelei der Puristen. und 1940 dann schaffte Hitler nicht nur die Fraktur ab – ein Führererlaß ordnete kurzerhand an : »Der Führer wünscht nicht derartige gewaltsame Eindeutschungen …« (Nachzulesen ist der Fall in einem immer noch fri- schen Grundtext der sich vom Nationalsozialismus er- holenden Germanistik. das die Fremdworthatz ab- blies .  . Sie hatten ganz anderes im Sinn als ein Volk nur germa- nische Wortstämme benutzender Untertanen. Schon in ›Mein Kampf‹ hatte Hitler die rückwärtsgewandten »Rauschebärte« mit Verachtung gestraft : »Wenn irgend etwas unvölkisch ist. daß sich Nazitum und Sprachpurismus nicht teilweise durchaus aus dem gleichen Geiste nährten. Peter v. Womit nicht gesagt sein soll. Polenz’ ›Sprachpuris- mus und Nationalsozialismus‹.) Es war also gar nicht das zur Demokratie bekehr- te Nachkriegsdeutschland. dann ist es dieses Herumwerfen mit besonders altgermanischen Ausdrücken. Die Nazis dachten gar nicht daran. sich ihre Lieblings- fremdwörter anschwärzen und verbieten zu lassen.

Autoshuttle. Eilzüge. couvert durch Umschlag. Waggon und Perron und Coupé und Billet. die Eisenbahn und die Post. besonders diese. Park & Ride. CityExpress oder RegionalEx- press . Den Gründer des Weltpostvereins dürften dabei kaum Xenophobie und bornierter Natio- nalismus geleitet haben. Personen. unterteilt in FD-Züge. Sie betrafen das Militärwesen.oder Bummel- züge. nach der Dichte der Stopps. al- les bedient von allerlei Teams. Heute heißen diese vier Zugarten : InterCityEx- press. InterRegio. CityNightLine. was nebenbei auch die Bummelzüge zu Expressen aufwertet. Die meisten dieser Lehnschöp- fungen haben sich durchgesetzt und offensichtlich kei- nen sprachlichen oder politischen Schaden gestiftet. InterCity. Was im neunzehnten Jahrhundert aus dem Französischen ins Deutsche her- übergeholt wurde. PostGepäck Set. Service-Point. Heute ist die Deutsche Bahn dabei. 1874 ließ der Generalpostmeister Heinrich von Stephan nicht weniger als 760 französi- sche Wörter durch deutsche ersetzen : mandat durch Postanweisung.Die einzigen offiziellen. remboursement durch Nachnahme. Früher waren die Züge. die Verdeutschung wieder rückgängig zu machen.  . Die Deutsche Bahn könnte geltend machen. Ticket-Counter. D- oder Schnellzüge. rekom- mandieren durch einschreiben. staatlichen Verdeutschungs- aktionen fanden im neunzehnten Jahrhundert statt. die es in diesem Sin- ne im Englischen nicht gibt. poste restante durch postlagernd. BahnCard First Teen. wird heute ebenso offiziell und systematisch aus dem Deutschen in eine Art Englisch befördert : Ticket. retour-recipissé durch Rückschein.

einzig Wörter germanischer Herkunft als deutsch anzuerkennen : eine Ethnisierung der Sprache. und sie wa- ren dort schon seit althochdeutscher Zeit heimisch. Kammer (›came- ra‹). Wörter wie Fenster (aus ›fenestra‹). InterCity-Night klingt einfach schneller und komfortabler als Schlafwagenzug. so wurde es vielfach als verdeutschungsbe- dürftig angesehen. sosehr es sich in dieser Zeit auch ak- klimatisiert hatte : war es nicht garantiert germanischer Herkunft.daß sie dem internationalen Verkehr diene und dar- um kosmopolitisch radebrechen müsse. der sie am Ende geradewegs in die (uner- wünschten) Dienste der nun tatsächlich fremdenfeind- lichen völkischen Gesinnung führte. und doch. die Germa- nen als eine reine arische Rasse zu etablieren. Pfeiler (›pila- rium‹). Ziegel (›tegula‹). Das aber war gewiß nicht der Grund. Mit dem Vordringen der römischen Steinbauweise waren beispielsweise auch deren lateini- sche Begriffe nach Mitteleuropa gelangt. Mauer (›murus‹). In mehr als ei- nem halben Jahrtausend waren daraus jedermann ge- läufige und formal durch und durch deutsche Wörter  . Keller (›cellarium‹). So lan- ge sich ein Wort auch bereits im deutschen Sprachge- biet aufgehalten. Und doch. Pforte (›porta‹). so war sie doch von Anfang an von einem fatalen Feh- ler befallen. Es ver- kauft sich besser. die genauso verfehlt war wie der Versuch. manchmal kurios –. Der Fehler be- stand darin. So harmlos sich die ganze Ver- deutschungsbewegung in der Rückschau ausnimmt – manchmal »fruchtbringend«.

Ein Wort germanischer Herkunft ist für den deutschen Mut- tersprachler keineswegs von vornherein durchsichtiger als ein nichtgermanisches . für den wäre es ebenso nichtssa- gend gewesen wie ›chemin de fer‹. Wer nur die seltsa- me Lehnschöpfung Eisenbahn gehabt hätte. Die »diachronische« Betrachtungsweise triumphierte in solchen Fällen über die »synchronische« : Nicht. die fälschlich nichtgermanischer Herkunft verdächtigt wurde . Dennoch betrachteten manche Puristen sie als fremd und verdeutschungsbedürftig. Auch die Annahme. oft ist es genau umgekehrt. daß ein Wort germanischer Her- kunft allemal das verständlichere wäre und darum den Vorzug verdiente. als es ein Kontrolleur gewesen wäre. war ein folgenschwerer Irrtum. um auf das neue Fahrzeug zu schließen. interessierte. Daß das neue Wort gar nicht verstanden wurde. war das nicht verständlicher. ob das Wort zu der betreffenden Zeit den Wortbildungs- regeln des Deutschen entsprach und auf seine Benut- zer so deutsch wie nur etwas wirkte. tat- sächlich rührt ihre Verwandtschaft mit dem lateini- schen ›nasus‹ schon aus indogermanischer Zeit. son- dern woher es früher einmal in die deutsche Sprache gelangt war. nicht aber eine Vorstellung von der Sache selbst. Als die Bahn sich im neunzehnten Jahrhundert auf das alte Wort Schaffner besann.geworden. Der Fehler war ebendieser zwanghafte Blick zurück in das manchmal täuschende Dunkel der Wortgeschichte. zeigt die Sinnverschiebung vom Weg zum Vehikel – anfangs konnte man nur ›auf  . wie eben auch das Kloster (›claustrum‹) und die Nase.

manchmal führt sie es in die Irre. und keines ist schlechter. Ein Wort wird nämlich nicht erst verstanden. wenn man seine Etymologie versteht. aus den »Verdeutschungswörterbüchern« des neunzehnten Jahrhunderts hervorgegangen. Manchmal erleichtert sie das Raten. verändern beim Gebrauch ihre Gestalt und ihre Bedeutung. Wer das Kunstwort damals verstand. mit denen die Sprecher zu hantieren belieben. und er hatte schwerwiegende Folgen. wie man sich heute wundern würde. welchen Be- griff.der Eisenbahn‹ fahren. weil es irgendwann einmal aus der Frem- de kam. Fremd- wörterbücher. Wer dem eigenen Wortschatz das Wort unwirsch hinzufügt. Das war der Fehler des Purismus. welche Sinnstelle es abdeckt. Wörter kommen über die Sprachgrenzen. manchmal bleibt sie völlig undurchsichtig. Seine Herkunft spielt dabei keine Rolle. wenn man lernt. Die versteht man sehr oft nicht im mindesten. wenn jemand ›mit der Autobahn‹ führe. es könnte auch beliebig anders lauten. dann aber bald nur noch ›mit‹ ihr. Vermutlich in keinem anderen Sprachgebiet gibt es so viele »Fremdwörterbücher« wie im deutschen. fast archäologischer Arbeit freilegen. wofür es in der Gegenwart verwendet wird. ›unwillig‹) gar nichts . Die Bedeutung ei- nes Wortes lernt man einzig und allein. muß sich so gewundert haben. hat von seiner germa- nischen Herkunft (›unwert‹. und es müssen erst Sprachwis- senschaftler kommen und sie in mühsamer historischer. ver-  . wer- den zu konventionellen Symbolen für die Begriffe.

die in den Gründerjahren in die deutschen Industriegebiete strömten. bis heute in Aus- ländergettos festgehalten. Es ist oft gerätselt worden. die viel zu deutsche Apfelsine (ent- standen aus dem niederländischen ›appelsina‹. So werden sie von einer Auflage zur nächsten fremd gehalten. warum das wohl größte Wörterbuch der deutschen Gemeinsprache. Ihren Hauptinhalt bildet. Es ist. »undeutsch« eben. sozusagen in den Fabriken des großmütigen Gastlandes arbeiten dürfen. es bleibt ein Fremd- wort. so sehr. etwa die schon im achtzehnten Jahr- hundert aus dem Niederländischen entlehnte Pampel- muse (das niederländische ›pompel-moes‹ ging seiner- seits auf ein tamilisches ›bambolmas‹ zurück) : vor dem Sprachtribunal hilft es ihm nicht. daß sie ihm heute das Fremdwort Grapefruit (›Kreepfrut‹) vorzieht.zeichnen nicht etwa nur die eigentlichen fremden Wör- ter. Beugung und Schreibung dem Deutschen mehr oder weniger. an ›Pampe‹ und ›Mus‹ denken läßt – so wie die Obstsafthersteller eines Tages beschlossen. Dabei kommt es der Sprach- gemeinschaft bereits viel zu deutsch vor. das nicht. Einen Anspruch auf Naturalisati- on gibt es nicht. Auch wenn viele irgendwann in die allgemeinen Wörterbücher eingelassen werden. die einmal auch nur ein französier- ter holländischer ›Oranienapfel‹ war. Faktische Assi- milation zählt wenig. ›Apfel aus China‹) durch die edler. was die Sprachwissen- schaft Lehnwörter nennt : in Lautung. weil exotischer klingende Orange zu ersetzen. oft voll- ständig angeglichene Wörter. der ›Brock-  . Fremd bleibt fremd. als würden zum Beispiel die Polen. schön durchsichtig.

das der ›Webster III‹ auch all das enthält. der ›Webster III‹. und zwar nicht als Flüchtlinge. was in Deutschland in »Fremdwörterbücher« verwiesen würde oder gar in »Fachwörterbücher«. Wenn dies jahrhunderte- lang so war. und sosehr sich auch manche über den Zustrom echauffieren. die meisten werden aufge- nommen und mit der Zeit assimiliert. 220 000 Stichwörter enthält. Der Unterschied dürfte sich vielmehr vor allem daraus erklären.haus Wahrig). zum andern. daraus. daß etwas in der Ver-  . das Wort ›pork‹ für des- sen Fleisch). Wörter kommen über die Sprachgrenzen herein. zum einen. das größte englische Wörterbuch. weil es für etliche Begriffe im Englischen ein ger- manisches und ein romanisches Wort gibt (zum Bei- spiel neben ›pig‹. Aber über doppelt so viele sind es auf keinen Fall. weil sich Englisch weniger auf Kompositbildungen verläßt als Deutsch und dar- um mehr Morpheme lebendig halten mußte. warum sollte es dann nicht jetzt und in al- ler Zukunft wieder so sein ? Es ist immer riskant. die Spra- che ist daran offensichtlich nicht zugrunde gegangen. ›Schwein‹. die nichts anderes als Fremdwör- terbücher für Fachsprachen sind. aber 460 000. sondern als geladene Gäste. hat davon sogar profitiert. einige werden abgewiesen. Sollte der Wortschatz des Englischen tatsächlich mehr als doppelt so groß sein wie der deutsche ? Wahrschein- lich ist er wirklich etwas größer als der deutsche. »Fremdwörter« sind im Englischen einfach nicht im gleichen Maß aus dem allgemeinen Sprachschatz ausgegrenzt.

Auch an der Richtung dieses Stroms wird sich in absehbarer Zeit nichts ändern : Es wird sich weiter um eine Angli- sierung handeln. wenn die näch- ste an der Reihe war. daß wir es mit immer mehr neuen. mit der wachsenden welt- weiten Verflechtung aller Lebensbereiche wird er wei- ter anschwellen. Der Adel und das Militär des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts riefen Fran- zösisch zu Hilfe. Kaufleute und Musiker Italienisch. In mehrerlei Hinsicht ist die Si- tuation heute eine andere.gangenheit gutgegangen ist. Die Erwartung. zu schließen. und so könnten auch die Fol- gen andere sein. Erstens : In der Vergangenheit war der Einstrom frem- der Wörter und Wendungen jeweils zeitlich begrenzt. bis- lang namenlosen Dingen zu tun bekommen. Entsprang er einer Mode. im Gegenteil. die Wissenschaften Latein und Griechisch. Auf einigen Gebieten (beim Militär und der Post) wurden die Fremdwörter durch  . Außerdem wird die Beschleunigung der technischen und wissenschaft lichen Entwicklung dazu führen. so war der Bedarf irgendwann gesättigt. Diente er der Abdeckung neuer Begriffsfelder. die zu- nächst einmal ihren fremden Namen mitbringen. so versiegte er. Seefahrer und später Sportsleute Englisch. es werde auch in Zukunft gutgehen. daß der Vorgang sich auch diesmal selber limitieren werde. relativ isolierte Spre- cherkreise beschränkt. Der heutige Zustrom aber wird nicht eines baldigen Ta- ges versiegen . Zweitens : In der Vergangenheit war der Gebrauch der fremden Wörter auf bestimmte. dürfte also eine Täuschung sein.

Da einige eine besondere Domä-  . daß nie- mand mehr um sie herumkommt. / Eurer Gunst Meriten / ma- chen zu Falliten / meine Patienz. vielleicht aber aus französisch ›être. Die heutige Anglisierung scheint auf den ersten Blick ebenfalls auf einzelne sachliche oder soziale Bezirke be- schränkt. blieb eine Schichtensprache. Beim zweiten Blick aber sieht man. Sofern sie sich aber nützlich machten. Auch das fremdwortreichste Deutsch. wurden sie eingebür- gert – aus Fremdwörtern wurden Lehnwörter. das französierende Deutsch der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts. Lud- wig Reiners. peut-être‹). machte aus dem hauchzarten ›bleu mou- rant‹ ein bedudeltes blümerant. und im Laufe der Zeit konnten manchmal nur noch studierte Etymologen denen die fremde Herkunft ansehen. aus der tête (Kopf) den Deez. / Phönix meiner Ame. die Masse jedoch drückte sich weiterhin anders aus. weil sie nämlich Dinge und Vorgänge benannten. zitiert das folgende hübsche Gedicht aus der Zeit nach dem Drei- ßigjährigen Krieg : »Reverierte Dame. kommt. die des Adels und der bürgerlichen Oberschicht. für die das Deutsche keine ebenso handlichen Begriffe bereitstellte.planvolle Verdeutschungen wieder beseitigt. die meisten in mehreren. tat sie ihm anverwandeln- de Gewalt an. / gebt mir Audienz. geziert. und wenn sie einen Gallizismus übernahm. In mindestens einem dieser Lebensbereiche hält sich jeder einmal auf . das je gesprochen wur- de. der Verfasser der ›Stilkunst‹.« Das Volk. aus dem Kramzeug der ›quincailleries‹ die Kinkerlitzchen. An der Basis war man eben nicht so etepetete (was vielleicht aus niederdeutsch ›ete‹.

die sich internatio- naler Konkurrenz stellen. also vor allem die Naturwis- senschaften . sondern ebenfalls die Schnittstelle zum Benutzer) . In der Pipeline ist das Upgrade eines Kali- brationskits für Proofscreenmonitore und als Highlight ein Digitizer für CAD-Applikationen (ein Computerma- gazin). sie werden für sie zum Maßstab des Angemessenen – und wenn die Jugendlichen eines Tages zu Konservativen geworden sind. Das ergibt dann solche Sätze : Bei den gemateten Hefe- stämmen wurde die Genedisruption über einen Southern- blot und der Expressionslevel des getaggten Proteins in einem Westernblot gecheckt (Diskussion unter Moleku- larbiologen). verinnerlichen die Heranwachsen- den von vornherein ihre Sprachregeln . Diese Lebens- bereiche sind : die Wissenschaften.ne der Jugend sind. Mode. In diesen Bereichen ist heu- te ein großer Teil. die stark trendbestimmten Bereiche Wer- bung. der Computerbereich (und zwar nicht nur der benutzerabgewandte Bezirk der Informatiker unter sich. in den extremeren Fällen schon die Mehrzahl aller sinntragenden Wörter (im Unterschied zu den Funktionswörtern) englisch. viele Zonen der Wirtschaft . werden sie das anglisierte Deutsch für das einzig normale halten und ebenso halsstarrig verteidigen wie frühere Konservative das ›th‹ und heutige Konservative das angeblich griechische ›ph‹ oder ›rh‹. Popmusik. Miles & More führt ein flexibleres Upgrade-Ver- fahren ein : Mit dem neuen Standby oneway Upgrade- Voucher kann direkt beim Check-in das Ticket aufge- wertet werden (Lufthansa). der Bereich Reise/Verkehr/Tourismus . Praktische Erfahrungen im  .

daß es so steht.Total Quality Management undI oder Business Process Re-engineering haben unsere Senior Berater/innen als ex- terne Consultants oder in einem in-house-Team erwor- ben (eine Stellenanzeige »der Wirtschaft«). das future- Denken haben muß. der seine Fans unter weißen Unterschichtkids hat und zunehmend in die Charts gelangt (frei nach einem Nachrichtenmagazin). Die deutsche Sprache lie- fert solchen Sätzen nur noch das Füllmaterial. lese etwa folgendes Bekenntnis der Hamburger Modeschöpferin Jil Sander im Magazin der ›Frankfurter Allgemeinen‹. Deutsch hat sich auf diesen Gebieten verabschiedet und seinen Platz einem oft miserablen Englisch überlassen. diesem ausgeflippten Sound-Mix aus Heavy Metal und Rap. die Idee. Aber die audience hat das al-  . die hand-tailored- Geschichte mit neuen Technologien zu verbinden. Ich habe verstanden. Nahezu jedes Inhaltswort ist in diesen Sätzen ein englisches. Wer nicht wahrhaben will. welches die Interviewerin mit den in den Sanderschen Ateliers arbeitenden »Menschen vieler Nationalitäten« entschuldigt : Mein Leben ist eine giving-story. Der letzte Gig der Band zeigt einmal mehr. Und für den Erfolg war mein coordinated concept entschei- dend. daß der Trend zum Crossover geht. Meine Idee war. Der Shooting- star unter den Designern bekam Standing ovations für die supercoolen Outfits mit den trendigen Tops im Re- lax-Look (ein Modemagazin). daß man contemporary sein muß. Und das Vertrackte ist : »deutscher« ließe sich das gleiche auch gar nicht sagen. daß man viele Teile einer collection mit- einander combinen kann.

Antiviren Tool. Fashion-  . dem nur entginge. Branchenmix. EasyFit Zuschlag. Austro-Burger. Aquarobic. Clinique-ServiceTelefon. ausgespart. BahnCard. Antiklau-Code. FlexTime. CitiFonds. um die Allgegenwart des Phänomens zu belegen. Busineß-Look. Bugfix für Windows Setup. Anti-Streß-Hit. Double Matte. nicht weniger als hundert. CD- ROM Fan. Dabei bleiben Firmenna- men und Messen. Euro Tee-Park. Hervorstechendstes Kennzeichen des öffentlichen Neudeutsch.les von Anfang an auch supported. diese refined Qua- litäten mit spirit eben auch appreciaten. Car HiFi. Copy-Collage. keine Zeitungen und Prospekte läse. EuroCrash-Test Partner. sind heute jene unzählig überall aus dem Boden schießenden Pseudowörter. Man muß Sinn haben für das effortless. searcht nicht bei Jil Sander. Conveni- ence Produkt. die durch das hastige Zusammenleimen irgendwelchen Wörterbruchs oft englischer. Astrolook. Der problembewußte Mensch von heute kann diese Sachen. OrgaComp). niemals das Haus verließe. Allerdings geht unser voice auch auf bestimmte Zielgruppen. Body-Bewußtsein. um die Zahl mühelos zu vervielfachen – der Methode ist nämlich Maxi-Kreativ Power zu eigen : Airpaß. Erotik ClipArt. Bike Fit Aktion. Es müssen viele Beispiele sein. Barcode Por- table. Family & Friends Tarif. Autocad-Applik. Jeder brauchte sich am nächsten Kiosk nur ein paar bunte Zeitschriften zu kaufen. das magic meines Stils. Dauer-Talker. Europol. wer keine Einkäufe machte. die schon lange vorwiegend auf diese Weise gebildet wurden (Eurofly. oft aber auch nur vage internationaler Provenienz gebildet wurden. Wer Lady- isches will.

Promotion-Aktion. noch fünf obendrauf : Aids Gala. Tune-Up-Modul. Öko-Audit. InterRegio.Mix. Power Logistics. Mini-Abo Service. Multi-Layer- Chassis. seine heitere Geistesgegenwart. trocken hardboiled Schreibe. Fast-food-Info. Multimedia Toolkit. Megastau. Intelligent-Techno-Szene. Tuningtips. Pop Chor Night. Multivisions DiaShow. Reiseshop. Punk- Opa. Onko-Lunch. Funny-Land. Ski-Kids Corner. Inten- siv Crash Kurs. Top- frisch Discount. StartSet. Spezial Akne-Programm. Kilo-Pack. Maso-Freak. Sind es nicht wen- dige und witzige und vor allem weltoffene Bildungen. Politthriller. Kreativ-Guru. Mediamix. Trend-Guide. zumindest etliche davon. Moisture On-Call. Sound-Porti. Technic Center. Suspense Gourmet. Ghetto-Kid. Hipness-Skala. Hair und Make-up-Artist. TV Gameshow-Hop- per. TripHop-Sound. Pull-Down Menü. Prêt-à-porter Showdown. die die Lebendigkeit des Deut- schen bezeugen. Video Chip. Sick Building Syndrom. Office Paket. Infopool. Trucker Fe- stival. OsterlntensivWorkshop. Fun und Break- fast Szene. Kult-Bube. derlei Neuprägungen schnöde als »Wörterbruch« abzutun. Sommer Oldies Gala. Sixties Legende. New-Age-Einkaufscenter. Metroliner. Manche finden es ungerecht. Micro- Mini. Gogo-Boots. sei-  . Instant-Fick. Telelearning. Open-air Gefühl. FlyDrive-Kunde. High-Tech Profi. Pro- mi-Paradies. Quickpick. Media Box. Service total. Low Cost Produkt. Online-Chats. (inter)aktive NC-Zapper. softes Power-Elixier. High-end Moni. Repro Center. Megastore. Neo- Comic. InterKombiEx- press. Öko-Set. Trial-and-Error Odyssee. Damit es jeder glaubt. Vit-Cash. Sleep-Kick-Taste. Lifestyle-Debut.

Wer meint. wo welche Sprache aufhört und welche anfängt oder um welche es sich überhaupt handeln soll. sind also noch auf lange Zeit für jede Litera- tur ungeeignet. Sie tragen ihre nackte. haben kei- ne Geschichte und keine Aura außer der ihrer blanken Neuheit. die einander nichts zu sagen ha- ben. neue Wörter für neue Sachen zu prägen. teils nur halb verstanden. Wortbruchstücke. wie wir selber gerne sein möchten ? Es läßt sich dar- über kaum streiten. oft wenig einnehmende Bedeutung. Aber einzuräumen ist : ge- legentlich geht es nicht ohne . irgend- wo ohne Rücksicht auf ihre Herkunft zusammengerafft. ohne Rücksicht auf die Wortbildungsregeln ihrer Hei- matsprache oder des Deutschen zu Wortbastarden ko- puliert. Entzücken steht gegen Schaudern. Alle geben sie zu verstehen : nur schnell. Jedoch handelt es sich tatsächlich überwiegend um »Bruch« im buchstäblichen Sinn : verstümmelte Wör- ter. daß auch einer Sprache eine gewisse Würde zu- kommen dürfe und daß diese nicht ohne eine gewisse Achtung vor ihren Wörtern und Regeln zu haben ist. wird sie zeitlebens für das Normale halten. zwei spontane Reflexe.ne quicke Anpassungsfähigkeit ? Sind sie nicht genau. manchmal kaum aussprechbar. und wer damit aufwächst. Geradezu von einer »lexikalischen  . sondern aller europäischen Sprachen außer der englischen vermerkt. schnell ! Nach Ge- brauch darf man sie gerne wegwerfen. »Trümmerspra- che« kaum herumkommen. Oft wurde die eigentümliche Unfähigkeit nicht nur des Deutschen. es sei denn zu satirischen Zwecken. wird um die Diagnose »Sprachschutt«. da man nicht weiß.

fit. anti. tele. als wäre hier eine neue. techno. Dafür aber wetteifern sie geradezu in der Neuprägung von Pseudowörtern der beschriebenen Art. top.Menopause« der nichtenglischen Sprachen war die Rede. und alles andere würde  . Die Diagnose trifft nur bedingt zu. euro. Ihre Wörter beste- hen vorwiegend aus eingeschrumpften und um-stands- los aneinandergekitteten Elementen der drei großen eu- ropäischen Wissenschaftssprachen. so daß er sich immer noch recht und schlecht den Grammati- ken der alten Einzelsprachen anbequemen muß. Elementen wie maxi. audio. »Richtige« Wörter zwar bilden sie kaum noch. internationale Sprache im Entstehen. Latein und Englisch. Wenn nur nicht die Verben so viele Schwierigkei- ten machten. neo. und ein recht ansehnlicher Wortschatz ist inzwischen beisammen – es fehlen ihm leider nur noch eine Grammatik und die Funktionswörter für das Arrangement grammatischer Beziehungen. mix. öko. verlangen sie in jeder Sprache nach dem Sprachgefühl ihrer Sprecher eine andere Markierung mindestens nach Numerus und Tempus : teleshops ? teleshopt ? teleshopped ? teleshopte ? teleshopó? teleshopait ? Wäre diese Verbenhürde eines Tages genommen. daß einfach immer die englischen Fle- xionsendungen gelten sollen. mini. Griechisch. Es ist fast. Shop. mega. hätte man sich zum Beispiel »euro- paweit« geeinigt. info. Center. multi. Szene. mikro. Unbescheiden wie sie sind. makro. re. so ließen sich mit diesem Lexikon sofort voll- ständige Prädikationen bilden. pro. Studio. Young- Miss multi teleshop … sexy dress minicost – fast geht es schon. super. weil sie so nett anspruchs- los sind. Park. video.

ein handelndes We- sen. Schon bei der Abfertigung an der Grenze – also bei der Entscheidung darüber. man kann nicht erst lange überlegen. Sie konnten sich Zeit lassen. in der ein Wort eingeführt wird. ist in der Regel auch schon die endgültige. wenn sie einem nicht einfällt. die da auf dem Schreibtisch liegt. »Die Sprache hat …«. Drittens : In der Vergangenheit stießen die Wortim- porte auf eine uneinheitliche und teilweise ungeregelte Sprache. OKEuroSpeak wäre da. Die Sprache trifft ihre Entscheidungen sofort . kultiviertesten Angehörigen des Gemeinwesens ? Sind es im Gegenteil die Bedenken-  . ob es etwa schon eine deut- sche Entsprechung zu diesem oder jenem neuen Begriff gibt. ob ein fremdes Wort hereingelassen wird oder nicht – muß es schnell gehen : Die fremdsprachliche Pressemeldung. Und die Form. bis sie irgendwo eine Heim- statt gefunden hatten. das da ent- scheidet. ob man ihn. wört- lich oder frei übersetzen soll oder auch gar nicht. als von der Sprache zu sprechen. »Die Sprache tut …« – wir kön- nen gar nicht anders. ob und in welcher Form sie aufgenommen wurden. muß schnell für deut- sche Hörer und Leser aufbereitet werden. Heute bleibt keine Zeit für einen langen Assimilationsprozeß.sich finden. die neue Sprache würde produktiv. Korrekturmöglichkeiten gibt es dann kaum noch. was sie zu tun und zu lassen hat ? Wer treibt die Sprachentwicklung voran ? Ist es eine vornehme Eli- te der sprachmächtigsten. Es mußte sich nicht auf der Stelle entscheiden. Wer aber ist das Subjekt der Sprache. als sei sie ein lebender Organismus. es gäbe kein Halten mehr.

Glied für Glied). Unverfrorensten ? Sind es die Sachverständi- gen der Akademien oder Institute oder Verlage ? Ist es irgendein gewähltes Parlament ? Sind es Delegierte der »gesellschaft lich relevanten Kräfte« ? Ist es schlicht die Gesamtheit ihrer Sprecher ? So daß alles. Sie schreiben ihre Ent- scheidungen sogleich schwarz auf weiß fest – die Sprach- wissenschaft ler können sie hinterher nur noch zusam- menklauben. daß nichts davon zutrifft. ist es doch sozusagen der Geist der Sprache. Volkes Wille ? Oder gibt es gar keinen Verantwortlichen. Das Subjekt der Sprache muß man heute nicht lange suchen. was »die Spra- che tut«. wie auch immer man es persönlich findet. weil sie Schritt halten müssen mit allem Neuen auf der Welt. Die Medien verschleißen die  . Sie ent- scheiden. dann muß eben schnell ein Nonproliferationsvertrag gebildet werden (eine so- genannte Lehnübersetzung.losesten. wenn nicht doch jemandem schnell noch etwas Besseres einfällt wie in diesem Fall. Niemand kommandiert die Spra- che. zeigt man auch schon auf. Wenn das Neue ein non-proliferation treaty ist. Und die Medien haben nicht nur darum einen großen Fremdwortbedarf. aber sie verändert sich auch nicht von allein . Es sind die professionellen Vermitt- ler. Sie erfinden die Neuerungen. ob fremde Wörter in Umlauf gebracht werden sollen und in welcher Gestalt. und da- bei bleibt es. die Medien. sie gehört allen. aber nicht alle sind an ihrer Entwicklung gleich beteiligt. der da entscheidet ? Wenn man so fragt. wo ein Kol- lege das Wort gerade noch rechtzeitig in Atomwaffen- sperrvertrag abänderte. je- denfalls demokratisch legitimiert wäre.

Irgendwie muß man den Scanner ja nennen . nicht gerade in Andorra. Torwächter gibt es doch auch noch.Wörter auch schnell und haben einen großen Bedarf an frischen fremden. noch ein bißchen zu lang allerdings. nun. Goalkeeper oder so ähnlich. eher in der Heimat des Fußballs – richtig. die ein Ausweis der Überlegenheit ist. zum Torwart jedesmal Torwart zu sagen – Torhüter. Keeper also oder Goaler oder netter Goalie. sehe ich vier Motive am Werk.  . Tormann. Erstens : Das wichtigste Motiv ist die blanke Notwen- digkeit. der weitgehend ein Import aus dem Englischen ist. Beim heutigen Fremdwortimport. weil es die leise ironische Distanz ermöglicht. Zwei sind eher sachlicher Natur. wie heißt der Kerl denn anderswo. und sie bringen erst einmal ihren Namen mit. man könnte ja auch Schlußmann sagen oder Mann zwischen den Pfosten. weil es ihnen widerstrebt. *Abtastgerät ? *Abtaster ? Was tut ein Scanner * Das Sternchen steht immer vor konstruierten. Das ausländische Wort ist sogar be- sonders willkommen. aber auch das wird langweilig. auch seine Erfinder mußten gerade erst ein Wort für ihn mit- erfinden. es muß nicht einmal das Tor darin vorkommen. Das heißt : etwaige Beschwerden haben Adressaten. Es kommen neue Sachen. zwei eher emotionaler. was immer das bedeuten mag. nicht gefun- denen Beispielen. dassel- be immer mit dem gleichen Wort zu benennen. Wie langweilig. der genau so neu ist wie sie selber.

Drittens : Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist Amerika die Leitkultur. Punkt. Die Achtundsechziger. jung. denen das imperialistische Amerika politisch verhaßt war. ei- nen Nimbus. skandieren. Zweitens : Die meist kurzen. Selbst Konservative. wie die Deutschen sagen. nicht selten anschaulich wirkenden englischen Wör- ter sind oft weniger umständlich. Amerikanische Wörter haben von vorn- herein eine gewisse Aura. dynamisch. ihm rechtzeitig die Bedeutung zu geben. die vor noch nicht langer Zeit über seine angebliche Kultur- losigkeit die Nase rümpften. aber hat es versäumt. die sie attraktiv macht. und magisch teilen seine Wörter diese Qualitäten den Dingen mit. ›sei- nen Blick prüfend und gleichmäßig über einen Gegen- stand hin und her schweifen lassen‹. die im Englischen nun wie gerufen kommt. Warum also nicht scannen und Scanner ? Es ist so ein- leuchtend wie praktisch. flott. Das macht sie attraktiv. gibt es gar kein deutsches Wort. die sie bezeichnen. relativ affi xfrei- en. Als Leitkultur wirkt es modern. To scan. sind zupackender als etwaige deutsche Entsprechungen. das heißt unter anderem. obwohl das eigentlich ›Geruchssinn‹ heißt und tatsäch- lich ein ›Air‹ gemeint ist. sexy. was er tut. wie ein Radar- schirm. Campus ist kürzer als Hochschulgelände. auch sein Wortschatz. müssen einräumen. knappen. daß es die Maßstäbe setzt. manchmal unwiderstehlich. Deutsch besitzt das gleiche Wort. einen »Flair«. Stress ist kürzer als Anstrengung.denn ? Tastet er ab ? Für das. vital. blieben doch unrettbar die »Kinder von Marx und Coca-Cola«. Sie haben Appeal und verlei-  .

wie es sich anfühlt. das keine genaue Entsprechung im Deutschen hat und darum von vornherein willkom- men sei). eine Unterhose zu tragen oder einen Slip. Weekend für ›Wo- chenende‹ und Hunderte mehr. nämlich mit einem Fremdwort. was ein an- deres Ratgeberbuch schon im Titel ultimative Idioms nennt. sondern als Tribut an sie – mit seiner Hilfe soll man alles auch aparter sagen können. Die treffende alte Be- zeichnung ›Dauerlauf‹ hätte in Deutschland niemanden zu einer so ausdauernden und eintönigen Kraftanstren- gung motiviert . Viele Begriffe. Referendum für ›Volksbegehren). und genau dar- um ist er auch nicht zu bremsen. Mehr als irgendeine Notwendigkeit oder Vorteilhaftigkeit eng- lischer Bezeichnungen ist dies das Hauptmotiv hinter dem Sprachwandel hin zum Englischen. Shop für ›Laden‹. Das zur Fortbewe- gung bestimmte Metallgestell mit zwei Rädern hatte längst einen Namen. Es liefert. der weder umständlich noch in  .hen Appeal (ein Wort. und man fühlt den Appeal auf seiner Haut. Zweihundert Jahre lang listeten Fremdwörterbücher Fremdwörter auf. für die es eingeführte und in kei- ner Weise anstößige deutsche Wörter gab. Jogging schaffte es. Man muß nur einmal ausprobieren. erklärten sie. seit 1992. gibt es ein umgekehrtes Fremdwörterbuch (von Heinz Laudel) : ›Zu jedem [deutschen] Begriff das passende Fremdwort‹ – nicht etwa als Satire auf die Fremdwort- manie der Deutschen. Joint ven- ture für ›Gemeinschaftsunternehmen‹. wurden den- noch von englischen überrannt und besetzt : Editorial für ›Leitartikel‹. Highlight für ›Höhepunkt‹. übersetzten sie .

Ein Bike sei aber doch etwas anderes. Das Wunder an prompter Hilfe. Die Verständlichkeit der deutschen Bezeichnung spricht manchmal geradezu ge- gen sie : Hobby ist nicht nur kürzer und flotter als ›Stek- kenpferd‹. trotzdem ist es natürlich nichts anderes. Den schönen Schein könnte man sofort zerstieben las- sen. gar wörtlich. daß ein ›hobby-horse‹ nichts anderes ist als ein Steckenpferd. wenn man sie ins Deutsche übersetzte. eines. Wer schweißüberströmt auf Schotterwegen berganstrampelt. Seine Renaissance aber erlebte es unter dem Namen Bike. will wenigstens ein schickes Wort für sein Sportgerät. Wenn das Englische den profanen Dingen jenen ge- wissen Appeal verleiht. mit dessen Hilfe er sich in die Marlboro-Welt des Abenteuers versetzt vorkommen darf. den sie unter ihrem normalen deutschen Namen nicht hätten. es wirft auch nicht die Frage auf. ›heißer  . Als *›Berg- rad‹ hätte das Gestell nicht Karriere gemacht . würde man von einer ›Telefonberatung‹ gar nicht erst erwarten . obwohl das eine unverkrampf- te und vollständige Übersetzung dargestellt hätte. das einem eine Hotline verspricht. irgendeiner Weise verschmockt und altmodisch war : ›Fahrrad‹ oder ›Rad‹. so wirken sie damit na- türlich auch an der Konstruktion einer Scheinwelt mit. was eigent- lich eine Liebhaberei mit einem Steckenpferd zu tun hat. die wörtliche Übersetzung. und dieses habe es vorher nicht gegeben ? Aber beim Import des Mountain Bike kam niemand auf die Idee. nämlich eine Kurzform von Mountain Bike. es vielleicht *›Bergrad‹ zu nennen. denn den wenigsten ist bewußt. beide kommoder als das Schwei- zer ›Velo(ziped)‹.

weil es so gebrochen ist. die anderen. gibt es eines. Die Scham. Wenn der schicke Trash Look zum ›Müllaussehen‹ würde. ein Deutscher zu sein. ver- löre sich sofort manches von seinem Charme. würde ihn zwar niemand mehr kau- fen wollen. in unpersönlicher Form schon gar nicht. aber immerhin sähe jeder sofort. und zwar schon  . worum es sich handelt. Käme der Double Color Everlasting Lipstick als ›zweifarbiger Dau- erlippenstift‹ daher. das spezi- fisch für Deutschland ist – die deutsche Identitätskrise. ist sie dagegen eine Grundtatsache ihres Lebens. daß ihnen schon die bloße Konstatierung des Bruchs als ein Ruf zurück zu einem ungebrochenen Nationa- lismus erscheint. Die Übersetzung ins Deutsche hat oft et- was Entlarvendes – sie führt schnurstracks zurück auf den Boden der Tatsachen. war für uns nicht. was sie heute ist. Es ist dies ein sensibler Punkt. Für viele Angehörige meiner Generation. stünde aber allzu sichtbar als Großsprecherei da und wäre darum erst recht kein Werbeargument. sondern täglich gelebte Realität.Draht‹. eine im Vollbewußtsein der eigenen Rechtschaffenheit vorgetragene Gedenktagsflos- kel. um sie beim neutralsten denkbaren Wort zu nennen. über den sich schlecht sprechen läßt. Manche bestreiten. Darum wird sie in der Wa- renwelt auch so konsequent gemieden. die in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zu politischem Be- wußtsein erwachte. daß es sie überhaupt gibt – die ei- nen. weil ihr Identitätsbewußtsein als Deutsche immer ungebrochen war . Viertens : Während die ersten drei Motive mehr oder minder für alle Welt gelten.

Das »typisch Deutsche« war das Ungute schlechthin. und wir verstanden und billigten es. We-  . bevor der Däne vorgab. wenn uns dort jemand für eine Weile das Deutsche nicht anmerkte oder es wenig- stens nicht so laut sagte. der. Sie sehen in einem gegebenenfalls nur den Deutschen mit der son- derbaren und wahrscheinlich typisch deutschen Marot- te. die Niederländer. sich nur darum drücken will. was sie sind. vielleicht schlim- mer noch den Deutschen. sind ohne akrobatische Skrupel ein- fach. die Dänen. und daß einige es noch als eine Empfehlung empfinden moch- ten. Wir wären gerne etwas ande- res gewesen. irgendwie keiner sein zu wollen. »typisch deutsch«. kein Wort Deutsch zu sprechen. als gehöre man im Grunde gar nicht dazu. und bringen kein Verständnis für die Subtilität jener inneren Distanzierung auf. die deutsche Geschichte auf sich zu nehmen. wenn man so tut. daß man seiner Herkunft nicht davonlaufen kann und gerade dann ganz besonders deutsch wirkt. Ei- nes unserer vernichtendsten Urteile lautete. daß es wirklich keine war. und lautet teilweise immer noch. bevor die amerikanischen Juden den gemein- samen Essenstisch stumm verließen – genau das hatten wir erwartet. Nicht alle von uns haben irgendwann ein- gesehen. Wir waren sehr gerne anderswo und froh.bevor jener Holländer die Frage nach der Lage der Ju- gendherberge nicht beantwortete und wortlos davon- ging. bestärkte uns darin. die Ju- den. Das Wort ›deutsch‹ war in Deutschland für unsereinen keine Empfehlung. indem er sich als unbe- stimmter Kosmopolit ausgibt. Die anderen nämlich. auch wenn wir darunter litten.

Solange wir es tun. dem im Laufe der Jahrhunderte eine Menge Ausdruckskraft zugewachsen ist und in dem gute Literatur geschrieben wurde . Von der einen Seite kommt der vorschnelle Applaus übriggebliebener Nationalisten. Es ist uns nahezu unvorstellbar geworden. in seinem Cha- rakter bewahrt zu werden. frei von Hy- bris und Chauvinismus . daß die Wert- schätzung für andere Sprachen sogar wachsen könnte. oder  . daß man das Eigene schätzen könnte. ohne das Fremde zu verachten . es wert ist.nige von uns haben sich zu der Einsicht durchgerun- gen. ob irgend etwas typisch Deutsches. zum Beispiel die deutsche Sprache. wenn wir uns nicht von einem Extrem ins andere stürzen. die sich endlich einmal einen Bundesgenossen erhof- fen. von der anderen aufgebrachter Protest gegen die Wiederbelebung muffiger nationalistischer Regungen – und beide Seiten haben gemein. daß man die deutsche Sprache lieben könnte. sondern sich nur gegenseitig im Vi- sier haben. daß es eine völlig unbegeisterte Zustimmung zur eigenen kulturel- len »Identität« (die von der Sprache mehr als von allem anderen konstituiert wird) geben könnte. wenn man auch der eigenen solche Wertschätzung zu- kommen ließe . daß sie das Argument gar nicht ansehen. ohne sie für besser als irgendeine andere zu hal- ten – als ein kollektives Werkzeug. läßt sich öffentlich nur sehr schwer verhandeln. daß sich deutscher Selbsthaß und deutsche Selbst- überhebung auf unheimliche Weise gegenseitig bedingt und hochgeschaukelt haben . und daß wir auch unsern Nachbarn leichter erträglich sind.

so englisch oder was auch immer man sich gibt. daß aus solchen Dokumenten die ganze Wahr- heit spräche oder daß auch nur alle Unterzeichner es ernst gemeint hätten. manchmal auch »Zeitgeist« genannt. die sich auf den er- sten Blick wie ein matter rechtsradikaler Versuch in po- lemischer Ironie las. der die grobe poli- tische Inkorrektheit beginge. Hier war nicht von irgendwelchen Maß- nahmen die Rede. das wir bisher allenfalls hassen konnten. Ende der siebziger Jahre hing auf einem TU NIX-Kongreß in der Technischen Universität Berlin unter den Transparenten auch eines mit der Aufschrift »I hate my german language« – ›ger- man‹ klein geschrieben und sicher ›dschörmen‹ ausge- sprochen. seiner Li- teratur. Freu- dig entledigt es sich nicht nur seiner Musik. beglaubigt durch einen Haufen Unterschriften aus dem eher linken Lager. sondern von kollektiven Gefühls- strömungen. nämlich als Freuden- ruf über das Ende Deutschlands : »Kulturell ist Deutsch- land eine Kolonie der USA und der Dritten Welt.« Nicht. Im Juli 1995 ließ eine »Berliner Initiative End Germany !« anläßlich des Volksfests der Reichstagsver- packung eine Resolution drucken. in dem man wohl oder übel selber denkt und dem man niemals entkommen kann.einfach als das Medium. als das Gegenteil zu erkennen gab. für den Erhalt des Deut-  . Dennoch zeigt es ein Klima an – und womit jeder zu rechnen hätte. begrüßen das Ende Deutschlands. Sel- ten artikulieren sie sich offen. dann aber. die Unterzeichneten. Aber niemand wollte doch je Deutsch abschaffen ! ? Schon recht. seines Films – nun auch seiner Sprache … Wir.

un- angenehme Entscheidungsfrage. Englisch ist heute die Lingua Franca der Welt und da- mit die Hauptquelle für die neuen Wörter in vielen an- deren Sprachen. Darum soll es nicht wahr sein. das der Welt den Walk- man beschert hat. sondern geradezu süch- tig nach ihnen wird . ob der Punkt. Er zwänge einen ja.schen an der deutschen Sprache zu plädieren. er werde nie erreicht. in dem eine Sprache nicht nur keine Resistenz gegen Fremdwörter entwickelt. von dem noch nicht einmal Ameri-  . stellt sich gestern. Japan exportiert vieles. Niemand kann aber auch sagen. oder seine eigene Sprache tatsächlich zum Teufel zu wünschen. heute oder morgen eine kleine. was man unter einem Nationalisten zu verste- hen beliebt. er sei noch nicht erreicht . wenn sie einen etwas internationa- leren Anstrich bekommt – bloß keine Panik. Wenn er jedoch erreichbar ist. harte. in dem an so etwas wie eine deutsche Sprachpolitik überhaupt nicht zu den- ken ist. Darum ist es auch nicht die reine. wenn heute das Argument lautet : Es wer- de der deutschen Sprache schon nicht zu bleibendem Schaden gereichen. die nur na- tionalistische Ressentiments wecken würde ! Niemand kann sagen. ein Klima. Es ist ein Klima. an dem es für einige euro- päische Sprachen keine Rettung mehr gibt. entweder selber das zu werden. bereits er- reicht ist und wann er erreicht ist. erst recht nicht. daß es einen solchen Punkt überhaupt ge- ben kann. und strickt sich für den Export sein eigenes »Amerikanisch«. aber von seiner Sprache nur ganz wenig. abgeklärte Weltklugkeit.

ein Amalgam aus drei verschiedenen Sprachschichten : Westgermanisch.kaner wissen. macht heu- te seine strotzende Gesundheit aus. was es nicht gibt. nüchterne. eben weil es im Englischen kaum Fremdwörter in unserem Sinn gibt. die Vereinigten Staaten als Führungsmacht verdrängt und dem Globus eine unvorhersehbare neue Weltsprache opportun er- scheinen läßt. bis – vielleicht – eines Ta- ges Spanisch doch zur verbreitetsten Sprache der Verei- nigten Staaten wird oder bis ein anderes Land. weil es ja unrein ist. des ›Merriam-Webster‹. und nun sind sie nicht mehr fremd. vermut- lich am ehesten ein großes asiatisches. es gibt ja nichts. denn es ist eine ausdrucksvol- le. in der hervorragende Literatur geschrieben und der moderne Parlamentarismus konzipiert wurde. flexible. Dazu. zählt nicht viel mehr  . eine würdi- ge zudem. Der Fremd- wörter-Anhang des verbreitetsten amerikanischen Wör- terbuchs. Es gibt sie. Daß es keine englischen Fremdwörterbücher gebe. Englisch wird die Hauptquelle bleiben. Im übrigen aber ist das heutige Englisch fremdwort- feindlicher als jede andere europäische Sprache. aber sie spielen eine viel geringere Rolle als im Deut- schen. kann sich die Welt nur gratulieren. die gelun- gene Einschmelzung heterogener Elemente. Die fremden Wörter wurden einge- bürgert. daß es einstweilen das Englische ist. Gerade das aber. Deutsche Puristen haben über das Englische lange die Nase gerümpft. Normannisch und Latein. wie der Plural zu lauten hätte. ist zwar nicht richtig . zum Spiel einladende und damit ungemein innovationsfreundliche Sprache.

Welt- anschauung (Plural the weltanschauungs). weltschmerz. Deutsch eignete sich wenig. Vermutlich taugt Englisch überhaupt nur darum zur Weltsprache. etwa auf wieder- sehen. So wurde den Deutschschülern dreierlei auf einmal klargemacht : daß das heutige Deutschland erstens das Gegenteil von nationalistisch ist. galgenhumor. lautete Mülldeponie. so berichtete der Amerikaner Mark Ril- la. Englisch und allerlei anderes gleich mitzulernen hätte. nicht nur wegen seiner umständlichen Grammatik. Die Unterrichtswerke.als ein paar hundert Wörter und Wendungen vor al- lem französischer und lateinischer Herkunft. wie ihre Aspiranten vielleicht befürchtet hatten. der sich um das heutige Deutsch be- mühte. sondern weil ein Ausländer. selbstkri- tischen Ton gestimmt. daß sie wenig geeig- net seien. weil es sich diesen relativ geschlossenen Charakter bewahrt. Das erste deutsche Wort. wunderbar. schrieb er. zweitens in der Selbstkritik gleich- wohl allen anderen Nationen voraus – und daß drittens die deutsche Sprache gar nicht so deutsch ist. Begründung : unverständlich und da- mit unzumutbar. aus denen Ausländer derzeit Deutsch lernen. schadenfreude. Dazu paßt ein Stoßseufzer des ungarischen Germanisten Csaba Föl- des. darunter auch eine knappe Handvoll deutsche. seien auf einen so düsteren. das zweite Recycling. Etwaige fremdsprachige Einsprengsel wer- den in Amerika von Lektoren und Redakteuren rigo- ros wegredigiert. »im Ausland Interesse und Sympathie für die  . das in einem Sprachkurs des New Yorker Goethe-Instituts an die Tafel geschrie- ben wurde. kindergarten.

So tragen Mädchen nun ein Body (statt ein ›bodysuit‹ oder ›tank‹). wird Know-how genannt. die Subtilität einer Sympathiewer- bung richtig zu würdigen.‹. Zum anderen verfremdet unsere eigentüm- liche Aussprache das Englische bis zur Unkenntlich- keit. etwa wenn sie Curry (phonetisch ’kΛri) zu ›Kör- ri‹ macht. Gleich- wohl seien sie in Deutschland gerade wegen »Vernach- lässigung der Realität« beanstandet worden. Geschlechtsver- kehr mit Vierzehn und Aids« nicht vor.deutsche Sprache und damit auch für die deutschspra- chigen Staaten zu wecken und zu vertiefen«. ein ›Chief Executi- ve Officer‹. denn bisher kämen in ihnen »Rollstuhlfahrer. Arbeitslosigkeit. Gewalt in der Schule und Leistungsdruck … Rauchen mit Zwölf. ist ein ›C. so wie in deutschen Gymnasien zu Anfang dieses Jahrhunderts. alko- holkranke Väter oder gar Mütter« sowie »Gewalt gegen Ausländer. O. Mongoloiden. spare ribs zu ›Sperr-Rips‹. den air- bag (wegen der deutschen Auslautverhärtung) zu ›Ehr-  . Offenbar fällt es dem Ausland schwer. sondern Befremden wie ein dazu noch ungekonnter Anbiederungsversuch. eine ›pinball machine‹ zu einem Flipper und ein ›cellular phone‹ zu einem Handy (als Substan- tiv gibt es das Wort im Englischen sowenig wie den Smoking). bei uns zu einem Manager oder Topmana- ger geworden. die vor allem auf Selbstan- schwärzung setzt. E. Unsere eigentümlich anglisierten europäischen Spra- chen erregen bei englischen Muttersprachlern denn auch keineswegs Entzücken. was in Amerika ›expertise‹ heißt. Erstens nämlich unterlaufen bei der Einfuhr natürlich Fehler.

(aus purem Unglauben) zum ›Swietschört‹. wow !. Schon die Aussprache verrät meist. sich ausgerechnet darauf verlegen. ihre Sprache mit aller- lei amerikanischen Slang-Brocken aufzupeppen : hi !. daß er eben nicht dazugehört. wie der Satz *Spitzchefs in fracks and madles in leibs. vielmehr entnehmen sie ihm. müßte sehr genau wissen. kaum in Mexiko eingetroffen. sondern mehr Kenntnisse als die Standardsprache. all may quassels auf uns wirken würde. daß sie einen komischen Auslän- der vor sich haben. was er in seiner anbiedern- den Art am wenigsten sein will – jemand. dem Süßhemd. und als solche erforderte er nicht weniger. und das lieben ist anglisiertes Deutsch. Slang ist ja nicht einfach eine Primi- tivsprache. Ein ›wau‹ teilt den Eingebore- nen nicht mit. die besonders »leicht« wäre. Wer Slang gebraucht. Er ist eine Son- dersprache. Auf Engländer muß er wirken. die nur dürftiges Englisch sprechen. Besonders groß ist die Peinlichkeit im übrigen. in welchem Milieu und in welcher Situation ein bestimmter Slang- Ausdruck angebracht ist. Zwar hört man fuck nicht in der Art kontinentaler Englischlehrer der Jahrhundertwen-  . die sich. alle spielen Flipper und lieben Handys – alles Englisch in diesem Satz ist nichtexistent. wenn Ausländer.beck‹ oder das sweatshirt. der nicht dazugehört. daß hier einer ganz wie sie ist . Leiseste Irrtümer weisen ihn erbarmungslos als das aus. einen großen Sombrero auf- setzen und sich unter dessen breiter Krempe mexika- nisch vorkommen. Mana- ger im Smoking und Teens im Body. fuck ! Sie sind wie die Touristen. das Schweißhemd.

Ein »Grunddeutsch« dagegen kann es nicht geben. ist darum kein Unsinn. Das englische ›vital‹  . die falschen Freunde un- ter seinen Wörtern nicht erkannt. man könne sich also einfach bedienen. Englisch gilt als einfache Sprache. als ›föck‹. daß sich Englisch als eine nur noch wenig flektierende Sprache auf einem niedrigen Niveau leichter erlernen läßt als Deutsch. seiner überaus reichen und un- vorhersagbaren Idiomatik. seiner diffizilen und unbe- rechenbaren Aussprache genauso schwer wie jede an- dere Sprache. werden die ›faux amis‹.de ausgesprochen. Man- che Sprecher scheinen in dem Irrtum befangen. Es müßte ein rundheraus falsches Deutsch sein. So werden englische Wörter immer wieder gröblich mißverstan- den. stellt sich aber doch nirgends in Gegensatz zu ihm. aber als ›fack‹ (statt pho- netisch fΛk) ist es verräterisch falsch genug. Es ist zwar kein Eng- lisch. 1930 von dem Cambridger Sprach- wissenschaftler Charles Kay Odgen als Welthilfssprache erdacht. Englisch sei eine Art deutscher Dialekt mit mehr oder weniger den gleichen Wörtern. Das notori- sche Basic English. daß Englisch dem Deutschen so nahe verwandt ist. Der Ruf einer leichten Sprache verführt jedoch zum leichtfertigen Umgang mit ihr. Auf hö- herem Niveau ist Englisch mit seinem großen und fein nuancierten Wortschatz. weil sich mit seinen 850 Wörtern und einer Handvoll syntaktischer Verknüpfun- gen tatsächlich einiges sagen läßt. Deutsch als schwie- rige. die nur etwas anders gesprochen und geschrieben werden als ihre deutschen Gegenstük- ke. Daran ist richtig. Für deutsche Muttersprachler kommt hinzu.

also gar nicht mehr als das erkannt. hat das richtige Wort durchaus unge- wollt gebraucht. In einigen Fäl- len wurden brauchbare deutsche Worte von gleich ge- schriebenen englischen bereits überlagert und außer Kraft gesetzt : ausgepowert (›in die Armut getrieben‹) und modeln (›formen‹) werden heute nicht mehr ver- standen. Ebenso ist ›familiar‹ nicht familiär. sondern ›vertraut‹. und das verbreitete vitale Interesse entstammt der Unkenntnis. Wenn sie durch häufigen Ge- brauch Allgemeingut geworden ist. zunächst aus reiner Unkenntnis. das sich mit einem Fatalen Feh- ler verabschiedet. wenn Deutsch und Englisch hybridisiert werden. könnte sie eines Ta- ges die alte deutsche Bedeutung ersetzen – dann wäre Deutsch um ein schönes Wort ärmer. pulen lädt zur Verwechslung mit poolen ein und ist darum nicht mehr sicher. Beim deut- schen fatal tritt.ist eben nicht das gleiche wie das deutsche vital . beginnen wegen der Nähe beider Sprachen die Bedeutungen vieler Wörter aufzuweichen. ›peinlich‹ die englische Be- deutung ›unbehebbar‹. was es ist. ›Eventually‹ heißt nicht eventuell. Das Computerprogramm. aber unbehebbare Fehler haben na- türlich etwas Fatales. ›fatal‹ nicht fatal. ›unbehebbar‹. ausbooten wird wie booten ausgesprochen ('bu:tәn). Sagen wollte es verhängnisvoll«. ›töd- lich‹. Das heißt. Auf jeden Fall schleichen sich wegen der Nähe bei- der Sprachen neben den offenen Anglizismen reichlich heimliche ein und bringen die innere Anglisierung des  . dieses ›lebenskräftig‹. zu der Bedeutung ›mißlich‹. jenes bedeutet ›lebenswichtig‹.

heute aber fast nur noch ›beherrschen) . heute heißt es auch noch ›funktionieren‹. Kontrollieren bedeutete ›prüfen‹. sondern auch ›ansprechen‹. Früher konnte man nur einen Brief adressieren. Es ist gar nicht lange her. nämlich ›eine Lizenz nehmen‹ : Die Fir-  . Lizenzieren hieß früher allein ›eine Li- zenz erteilen‹ : Die Firma A lizenzierte den Gebrauch ih- res Verfahrens durch die Firma B . ›erforschen‹ an. Das Verb konfrontie- ren hieß bis vor zehn. wg. Sprachwis- senschaft ler nennen sie Lehnbedeutungen beziehungs- weise Lehnfügungen. heute auch ein Thema oder eine Speicherstelle im Computer. heute heißt es auch das Gegenteil. läge falsch : Unter dem Einfluß von to learn nimmt ler- nen heute auch die Bedeutung ›in Erfahrung bringen‹.Deutschen voran. so daß es zu Sätzen kommt wie einige Befehle arbeiten nur mit bestimmten Datentypen oder gar Uri- nal arbeitet ohne Wasserspülung. Sie sehen aus wie alte deutsche Wör- ter und Wendungen. heute ist es auch transitiv und be- deutet ›gegenübertreten‹ (er konfrontierte seinen Schöp- fer). wäre vor zwanzig Jahren völlig anders verstanden worden (›den Liftpaß vorzei- gen‹). denn das Wort bedeutet nun nicht mehr nur ›mit einer Adresse versehen). zwanzig Jahren einzig soviel wie gegenüberstellen) . das Schild. da bedeutete arbeiten einfach ›arbeiten‹. wurden aber nach englischem Vor- bild entweder umgedeutet oder neugebildet. ›überwachen‹ (an der Grenze wurden sie kontrolliert). englisch to work. Wer bei dem Satz die Forscher lernten den Infekti- onsweg an eine Schar büffelnder Wissenschaftler dächte. Kontrolliert fahren !. das die Skifahrer er- mahnt.

heute ist es das. wurde ultimativ dienstverpflichtet (der Premier brachte das ultimative Opfer). heute bedeutet es auch. heute auch noch ›an örtliche Verhältnisse anpassen‹ oder einfach ›übersetzen‹ . sondern auch noch ›einsehen‹. was man mit einer Textverarbeitung schreibt (Müssen Sie schnell noch ein Dokument finden … – ge-  . Selbst so elementare Verben wie lieben und hassen haben un- ter dem Einfluß des Englischen eine Bedeutungsver- schiebung erfahren . waren es einmal die Namen star- ker Gefühlsbewegungen. heute sind Aktivitäten beliebige Be- schäftigungen oder Handlungen.ma B lizenzierte das Verfahren der Firma A – ein Fall. mit der Folge. arbeitet nicht etwa in einem Fundbüro. heute ist sie auch der Zielort. Ein Dokument war früher eine Urkunde . in dem die Bedeutungsverschiebung zu rechtlich relevan- ten Mißverständnissen führen könnte. wer in der Softwarelokalisierung tätig ist. die Regierung. ›letzt-‹. Realisieren bedeutet nicht mehr nur ›verwirklichen‹. ›Spitzen-‹) gesucht wurde. der Endzweck . ›Aktivität)‹ meinte seit dem achtzehnten Jahrhundert so- viel wie ›Tatkraft‹ . Administration war früher rar und hieß nur ›Verwaltung‹ . Eine Destination war die Bestimmung. daß dem Deutschen Wörter für diese starken Gefühlsbewegungen abhan- den kommen. Lokalisieren be- deutete früher ›auffinden‹. Als dann ein Wort für das englische ultimate (›höchst-‹. was in Amerika die ›administration‹ ist. so bedeuten sie (neuer Kryp- toanglizismus : so meinen sie) heute nur noch ›mögen‹ und ›nicht mögen‹. Das Adjektiv ultimativ bedeutete immer nur ›in Form eines Ultimatums‹ : ›Die Besetzer wurden ultimativ aufgefordert …‹.

wo Analysten und Banker ihre Aktivitäten entfalten). weil sie im Englischen eine Ent- sprechung haben. er hat Momentum. heute ist auch das Betriebssystem eine Plattform. ist die alte Bedeu- tung abgeschafft. Integrität war einmal ›Anständigkeit‹. ›Stelle. Zuweilen werden ganz und gar verschollene deutsche Wörter ausgegraben. Drogen waren Naturstoffe. heute sind sie Rauschgift.meint ist nicht die Versicherungspolice). ein Entwurf. und zunehmend werden Nachschlagewerke (englisch refe- rence works) ebenfalls einfach als Referenzen bezeich- net. bei der positive Auskünfte über eine Person eingeholt werden können‹) mußte sich schon immer die Verwechslung mit Reverenz (›Ehrerbietung)) gefallen lassen . heu- te ist jede wissenschaft liche Untersuchung eine Studie. heute wird das Wort für jede Wahlmöglichkeit verwendet. ›Stelle‹ in den Vordergrund gerückt. das Wahlrecht zwischen zwei Staatsangehörigkeiten . Eine Studie war eine Vorarbeit. aus denen Gewürze und Medikamente her- gestellt wurden . Beim Platz ist unter englischem Einfluß die allgemeinere Ne- benbedeutung ›Ort‹. und da man einen Kräutertee nun nicht mehr ohne grobes Mißver- ständnis als Droge bezeichnen kann. heute ist sie auch ›Vollständigkeit‹. so daß es nunmehr auch in Plätzen wie Sarajevo heißt oder Börsenplätze existieren (die Orte.  . Eine Plattform war eine Fläche oder das Grundsatzprogramm einer Partei . Ein Friedensprozeß hat heute nicht einfach Schwung. heute wird ihm auch noch die Bedeu- tung von englisch reference (›Verweis‹) aufgebürdet. Das Wort Referenz (›Empfehlung‹. Eine Option war ein befristetes Kaufvorrecht.

Mehr und mehr (statt ›immer mehr‹). In 1996 oder sogar in ’96 (statt ›1996‹ oder ›im Jahr 1996‹). ›Offensichtlich- keit‹. über die Ostsee zu laufen – ganz als stünden an deren Ufern sonst die Menschen und  . Es wurde zweihundert mal mehr Strahlung frei- gesetzt (daß es einmal ›zweihundertmal soviel‹ hieß. Das macht keinen Unterschied. wie das gemacht wird (statt ›Ahnung‹). sondern das zur Entscheidung einer wissenschaft- lichen Frage herangezogene Beweismaterial. daß ein Nach- richtensprecher verkünden kann. Ich erinne- re das nicht (statt ›mich – an‹). Für ein Jahr (statt ›ein Jahr lang‹). Das macht keinen Sinn. es sei bei der Kälte kein Problem mehr. Einmal mehr (statt ›noch ein- mal‹). Sex haben. Eine gute Zeit haben.Kontrollierte Studien wären vor fünfundzwanzig Jah- ren noch auf völliges Unverständnis gestoßen. ist fast schon vergessen). In Schlaf fallen. Claudia Schiffer sagt von sich. Ich habe keine Idee. Das ist kritisch für seine Arbeit (früher hätte es ›entscheidend‹ geheißen). was sie einmal war. Nicht anders sieht es in der Idiomatik aus. Und diese ist nicht. wenn sie zum Ausdruck bringen will. Ich bin im öffentlichen Auge. Wir sehen uns ! Kein Problem ! Dies ist inzwischen so sehr zu einem Synonym für ›leicht‹ geworden. Um auf der sicheren Seite zu sein. Das Phänomen ist bis heute nicht voll verstanden (frü- her konnte etwas nur verstanden werden. daß sie im Blick der Öffentlichkeit steht. Spaß haben. In Deutsch (statt ›auf‹). nicht aber verstanden sein). Nicht wirklich (›not really‹ – früher hätte es nur ›eigentlich nicht‹ heißen können). ist die Evidenz. Was in Studien gesammelt und gesichtet wird.

Natürlich wirkt Sinn machen auf den. aber erst hätte ›beherrschen‹ verbogen wer- den müssen. Im Fall Droge und lieben und hassen kommen der deutschen Sprache die alten Wortbedeutungen ab- handen. aber nun nicht mehr zu ändern. Irgendwie sind kontrollierte Studien zwar schon ›beherrschte Untersu- chungen‹. Es gibt keinen Grund. Meist läßt sich weder eine Steigerung noch eine Schrumpfung der Ausdrucksgenauigkeit konstatieren. die es immer gegeben hat.grübelten über das Problem der pedestrischen Meeres- überquerung nach. Lehnbedeutungen und Lehn- fügungen. zunächst und vielleicht zeit- lebens schlicht falsch. und natürlich war es ursprüng- lich die ignorante wörtliche Entsprechung eines eili- gen Übersetzers und nimmt sich darum noch immer ein bißchen dümmlich aus. der Sinn ergeben gelernt hat. Man muß jede einzeln ansehen : Er- weitert oder beschränkt sie die Ausdrucksgenauigkeit des Deutschen ? Die Bedeutungserweiterung von kon- trollieren zum Beispiel ist unverzichtbar . beherrschen hätte den Sinn nicht völlig abgedeckt. Sinn machen ist genau dasselbe wie Sinn ergeben. Für den Begriff eine gute Zeit haben hatte Deutsch keine Wen- dung (›viel Spaß‹ oder ›viel Vergnügen‹ ist nicht ganz das gleiche) . Aber bald wird es das nicht mehr tun. in Bausch und Bo- gen zu verwerfen. und das ist bedauerlich. das macht keinen Unterschied ist nichts anderes als das ist kein Unterschied. der Import nimmt ihm nichts. und so kann es nun intakt bleiben. und eines Tages wird es wohl nur noch so hei-  . er gibt ihm etwas.

wel- ches Wort an einer Sinnstelle eigentlich zu stehen hät- te. daß unsere Gesprächs- partner uns richtig versteht. eins so willkürlich wie das andere. Wer sich dagegen stemmen wollte. welche am Ende auf eine Bedeutungsverschiebung hinauslaufen mag. wenn wir das Wort Routi- ne benutzen. und weil wir nicht mehr sicher sein können. Früher bedeutete es soviel wie ›gewohnheits. stünde längst auf verlorenem Posten. Es ist im Grunde egal. daß jetzt das Unterprogramm Hardwareprü- fung läuft ? Es läßt sich nicht mehr sagen. benutzen wir es im Zweifelsfall lieber gar nicht. und »an sich« ist es weder häßli- cher noch unlogischer. durch keinen besonderen Störfall veranlaßte Überprüfung gemeint – oder nur. daß Bedeutungserweiterun- gen oder -verschiebungen und alternative idiomati- sche Wendungen das Lexikon einer Sprache zunächst einmal aufweichen : Man weiß nicht mehr genau.ßen können. Und wenn nun am Computerbildschirm die Meldung Rou- tineprüfung der Hardwarekomponenten erscheint : ist dann eine regelmäßig wiederkehrende. Ein Beispiel ist das Wort Routine. ›take care of yourself !‹ ist eine außer- ordentlich geglückte Lehnübertragung. für die der an- onyme Finder eine Medaille der Gesellschaft für deut- sche Sprache bekommen sollte. heute kommt die Bedeutung ›Unterprozedur eines Computerprogramms‹ hinzu. Aber warum denn auch ? Es schadet ja nicht. das heute gerade eine Bedeutungserweiterung erfährt.oder re- gelmäßige Verrichtung‹ . Und paß auf dich auf ! für ›watch yourself !‹. Solche Wörter ungefestigter Bedeutung erzeugen  . Man muß nur sehen.

Rudi’s Fundgrube.  . Ausgangspunkt war wohl das Gefühl. Die Titanic hat in der Ausbrei- tungsphase mehrmals gesammelt : Anne’s Lädchen. Communications Congress. das es ohne sein -’s viel- leicht nicht gehabt hätte. als er das Schild für Rolli’s Piz- za Drive in Auftrag gab. entsteht der Eindruck. ver- sucht er die ältlichen Reize des ›c‹ bis zur Erschöpfung in Anspruch zu nehmen. jünger. Die andere Eigenheit ist der sächsische Genitiv. der sich dann selbständig gemacht hat. daß alles so oder auch anders sein könnte. Ganz nebenher sind zwei andere Eigenheiten des Eng- lischen ins Deutsche eingedrungen. Club. Con- cert Casse. Cassette. Comfort. und wenn sie groß genug ist. Ossi’s Grill. daß es den richtigen Sprachgebrauch gar nicht mehr gibt. Jörg’s Backstube. Die eine ist eine ge- wisse Rehabilitierung des Buchstabens ›c‹. Wenn es so einfach ist. dynamischer und so weiter wirk- ten : McDonald’s hatte etwas. und »anders« heißt unter den gegebenen Umständen : wie im Englischen. wird sich Rolli gedacht haben. Focus. der als selb- ständiger Buchstabe schon so gut wie ausgestorben war : Büroelectronic. Delicatessen. Contactlinsen. Casino. Caviar. Dino’s Geträn- kemarkt und so fort. Wenn ein Gemischtwarenladen namens Conny’s Container heute Cnallhart calkulierte Preise für Colorfilme anbietet.eine Zone sprachlicher Unsicherheit. daß Ladenschilder in Amerika irgend- wie moderner. Cabaret. Warum der Apostroph in Amerika da steht. aber heute lohnte sich kein Sam- meln mehr. denn der sächsische Genitiv in Geschäfts- namen ist überall – er ist schlechthin zum Standard geworden. Cir- cus.

Wir verstehen nicht. daß die unpersönlichste Eßkette sich mit seiner Hilfe den Anschein gibt. »Ich steige nicht auf die Barrikaden«. daß es vielen von ih- nen geradezu recht zu sein scheint.scheint keinem so recht klar gewesen zu sein. In Frankreich scheint weitgehender Konsens zu beste- hen. der Appeal. daß die Sprache genauso bewahrenswert ist wie Kathedralen oder Käsesorten. der von dem Apostroph an sich aus- ging. daß seine Intellektuellen gegen sol- ches Treiben nicht Sturm laufen. es gril- le dort das gastliche schottische Brüderpaar McDonald noch höchstpersönlich. (Für den Eigentümer dürften die Leute aber auch in Amerika eher Donald Duck hal- ten. mißbilligendes Kopfschüt- teln und immer wieder die Diagnose »Kulturchauvi- nismus«. In Deutschland erntet es dafür nur milden Spott. »Der Kampf der Sprachen  . Bea’s Blue Jean’s). daß es schon irgendein ›s‹ sein sollte. Also hat wohl auch niemand gemerkt. die Aura. wie das offizielle Frank- reich sich so restaurativ verhalten kann. So wurde er auch hingequetscht. Immer- hin scheint noch Klarheit darüber zu herrschen. Wir verstehen aber noch weniger. wo er nur ein Fu- gen-s abtrennen konnte (Museum’s Café) oder gar vor dem Plural-s (Mac’s Snack’s. als ihn ein deutscher Interviewer 1994 erwartungsvoll nach seiner Meinung zur ›Loi Toubon‹ befragte. sagte der Sprachwissenschaftler Clau- de Hagège vom Collège de France. Oder ? Die Zeitschrift mit dem sowieso blödsinnigen Titel ›in’side online‹ weist dem Strich schon neue Wege.) Das Wichtige war allein jenes gewisse Etwas.

Behördenanweisungen. saucipain für hot-dog.« Jene ›Loi Toubon‹. stylique für design. war eine Fort- schreibung und Erweiterung des als zu vage und lasch empfundenen Sprachgesetzes aus dem Jahre 1975. Aufschriften. Rundfunk. resto-vite für fast food.und andere Verträge. daß Medien. der Hybridisierung von Fran- zösisch und Englisch. Kongreßprogramme. erfüllt es vielleicht gar einen Zweck.und Fernsehwerbung – alles soll künftig in unkontaminiertem Französisch daher- kommen. Bei Zuwi- derhandlungen drohen bis zu 20 000 Francs Buße. remue-méninges für brainstorming. soll sie das öffentliche Französisch von dem verläster- ten Franglais freihalten. Schilder. Stellenanzeigen.spielt sich zwar auf ganz anderen Feldern ab als auf je- nen der Justiz und der Gesetze. zumindest auch auf Französisch. Rechnungen. Wenn das Gesetz dazu beiträgt. aber auch die Wirtschaft und besonders die Werbung die Sprache wieder bewußter verwenden und nicht völlige Anarchie herrschen las- sen. Im Juni 1994 mit den Stimmen sogar der Kommunisten verabschiedet und Meinungsumfra- gen zufolge von fast 80 Prozent der Franzosen begrüßt. Produktinforma- tionen. der ›Loi Bas-Lauriol‹. für die fortan französische Neuprägungen obligatorisch sein sollten. Arbeits. etwa jeu décisif für tie-break. benannt nach dem damaligen gaul- listischen Kulturminister Jacques Toubon. Daß dem einzelnen Bürger bestimmte Wörter verboten und bestimmte andere auf-  . Die potentiell folgenreichsten Passagen allerdings erklärte der Conseil Constitutionnel sogleich für verfassungs- widrig : die Hinweise auf die 3600 Anglizismen.

für Gebrauchsanweisungen. In Ländern. In Deutschland wurde oft falsch dar- über berichtet. Vermutlich sind mit Strafen bewehrte Gesetze untaug- liche Mittel für derartige Zwecke. wertete der Verfassungsrat als Verletzung der persönlichen Ausdrucksfreiheit. Dem Staat aber beließ er das Recht. Nichts dergleichen tut es . Dienstleistungs. August 1994 in Kraft. sondern weil es in der Académie fran-  . So wurde behauptet. daß auf Kongressen in Frankreich. So trat das Gesetz (offiziell ›Gesetz über den Gebrauch der französischen Sprache‹ zwar mit einigen wesentlichen Abstrichen. es schreibt nur vor. Garantieerklärun- gen. es versuche sich an dem so chauvinistischen wie aussichtslosen Unterfan- gen. aber dennoch am 4. die es in der Tat gewesen wäre. Französisch zuge- lassen sein muß und daß die schrift lichen Tagungsun- terlagen zumindest französische Zusammenfassungen enthalten sollten. an denen auch Franzosen teilnehmen. auf wissenschaft lichen und anderen in Frankreich stattfindenden internationalen Kongressen und Tagun- gen Englisch zu verbieten.genötigt werden sollten. wären sie es auf jeden Fall. in denen man sie weniger als symbolische Fingerzeige auffaßte denn als wörtlich durchzusetzende Vorschriften. Wenn Frankreich das Franglais tat- sächlich eingedämmt hat. dann nicht dank seinen beiden Sprachgesetzen.oder Warenangebote und Rech- nungen sowie in seinem eigenen Bereich – also etwa bei Verträgen mit der öffentlichen Hand oder bei der Ver- wendung von Markennamen durch öffentliche Institu- tionen – die Verwendung französischer Wörter vorzu- schreiben.

Industrie und Wirtschaft haben von sich aus ein großes Interesse. Die europäischen Sprachen geben dem Druck der An- glizismen nämlich nicht alle gleich bereitwillig nach. und weil seit Anfang der siebziger Jahre Terminologie- kommissionen aus den einzelnen Wirtschaftsbereichen unter der Aufsicht einer dem Erziehungsministerium unterstellten Délégation générale à la langue française bemüht waren. diese terminologische Anstrengung hätte das heutige Französisch vergewaltigt. das für den staatlichen und den schulischen Bereich verbindlich ist. So hat sich auch ohne Zwangsmaßnahmen ergeben. wie in Deutschland die Ortho- graphie des ›Duden‹. Dennoch ist schon das blo- ße sofortige Vorhandensein sozusagen amtlicher Wör- ter wirksam.çaise eine immer noch angesehene Institution hat. neue Fachwörter sofort ins Französische übersetzen. Seine insgesamt etwa 3600 Ter- mini sind keine geradezu üppig zu nennende Ernte für das über zwanzigjährige Wirken von vierhundert Ex- perten in einundzwanzig Fachkommissionen und an- gesichts einer Sprache. was gutes und richtiges Französisch ist . Zusammen ergaben diese Übersetzungen 1994 das ›Dictionnaire des termes officiels de la langue française‹.  . daß zum Beispiel das heu- tige Computerfranzösisch von Anglizismen weitaus we- niger durchsetzt ist als das Computerdeutsch. ihre Terminologie einheitlich und widerspruchsfrei zu halten. die zu definieren sucht. in der Jahr für Jahr etwa fünf- tausend Wörter neu auftauchen und ebenso viele wie- der verschwinden : Niemand wird behaupten können.

wörtliche Übersetzun- gen (Benutzerschnittstelle für user interface oder her- unterladen für download). geht er in dem Maße. Die hundert ausgewählten Begriffe sind  . Obwohl ein Fachjar- gon. Es handelt sich auch um keine bloße Mode. aber es ist ein gutes Beispiel. gänzlich unassimilierte englische Wort war oder irgendein wenigstens minimaler sprachlicher Einbürgerungsversuch stattgefunden hatte. Es zählte nur. für die keine Sprache Namen hatte und die alle einen Namen benötigen. wieviel Widerstand sie leisten. Der Computerjargon ist nur ein Beispiel. habe ich verglichen. in dem der Computer zum Teil des Alltags wird. wie neun europäische Sprachen hundert der gebräuchlichsten Computerbegriffe akkommo- diert haben. Alle Sprachen sind hier dem glei- chen Druck ausgesetzt. unveränderte. deutsch Lichtmarke für cursor) sinngemäße Übertra- gungen (Speicher für memory). für die die einzelnen Sprachen auf irgendeine Weise eigene Entsprechungen gefunden haben. semantische Besetzungen ähnlicher einheimischer Wörter (Treiber für driver) oder auch nur die orthographische und phonetische Zurechtstutzung des Fremdworts in Richtung auf die Zielsprache (Mausklick). sondern um eine neue Welt voller neuer Dinge. Jede hat dabei als legitim gegolten : Neuprägungen (wie französisch logiciel für software. zu großen Teilen in die Alltags- sprache über. Für alle Sprachen kommt der Druck aus der gleichen Richtung. ob es das nackte. und dann eine Art Naturalisierungsquo- te errechnet : nämlich den Anteil jener ursprünglich durchweg englischen Begriffe.Um zu testen.

die ständig auch dem normalen Anwender begegnen und mit denen er selber hantieren muß. die Werbeleute – müssen nicht nur selber zweisprachig sein. und wo ein Begriff in der Zielsprache unterlegen wirkt – trockener. Niederländisch 68. wie sonst nur noch der Jargon des internationalen Verkehrswesens und zunehmend der der Naturwissenschaften : Die ihn prägen – die Autoren und Übersetzer der Handbücher. Polnisch 82. Dänisch 52. Schwe- disch 69. Dänisch und Deutsch den am stärksten an- glisierten. Französisch. sie arbeiten auch zwei- sprachig. sobald er über sein Arbeitsgerät sprechen will. wird das englische Wort lieber doch gleich so be- lassen.keine Sache nur von Informatikern . zu welchem Pro- zentsatz in diesen Sprachen das englische Wort durch ein irgendwie assimiliertes vertreten ist : Finnisch zu 93 Pro- zent. wie man die- sen oder jenen Begriff in der anderen Sprache sinnvoll und geschickt wiedergeben könnte. Spanisch 80. umständli- cher. hat er das Nachse- hen. Wer will. daß Finnisch. Polnisch und Spa- nisch haben also den am wenigsten anglisierten Com- puterjargon. Deutsch 57. es sind solche. Italienisch 65. Bei diesem unablässigen Wech- sel können sie nicht lange nachgrübeln. Dieser Jargon entsteht un- ter sozusagen verschärften Bedingungen. wie es ist. sie müssen auf fer- tige Begriffe zurückgreifen. Das Ergebnis ? Die Zahlen geben an. Finnisch. Französisch 86. mag daraus ableiten.  . nämlich weniger leicht einbindbar in wechselnde Satzzusammenhänge –. ständig aus der einen Sprache in die andere und zurück wechselnd. ungelenker. die Fachjournalisten.

daß viele ihn noch lange nicht  . Polen und Finnen selber finden den Compu- terjargon ihrer Sprachen meist alles andere als »intakt«. hängt zwei- fellos damit zusammen. besonders das Finnische. im Unterschied zu den mainframes. den sich jedermann leisten könnte. auch wenn sie oft nur illusionär ist. daß eng ver- wandte Sprachen auf das Problem höchst unterschied- lich reagieren können. denn auch er strotzt von Lehnwörtern aus dem Engli- schen. Das Wort Personal Computer ist übrigens ein Beispiel für die Art von Verlegenheiten. meinte sie den Kleinrechner. Aber damit diese überhaupt importiert werden können. die durch eine halb- herzige Assimilation entstehen. Die Affinität zwischen dem Engli- schen und Deutschen steht der Assimilation entgegen.Französisch. Zeichen dafür. Daß Finnisch und Polnisch in dieser Aufstellung so weit oben rangieren. müssen sie orthographisch und morphologisch angeglichen werden. Auch fällt der Abstand zwischen Schwe- disch und Dänisch auf. den Großrechnern. Als Ed Roberts’ Firma MITS in Amerika 1975 den ersten Bausatz für einen per- sonal computer lancierte. Polnisch und Spanisch die intaktesten eu- ropäischen Sprachen sind und Dänisch und Deutsch die kaputtesten. die nur in großen Firmen und Institutionen zu finden waren . das zu einer typologisch verschiedenen Sprachgruppe gehört. der Zugang zu ihnen war ein kostbares und streng rationiertes Gut. Damals war der Gedanke an einen Computer für jeder- mann so ungewöhnlich. daß beide dem vor allem aus germanischen und romanischen Sprachen amalgamier- ten Englisch sehr fremd sind.

wie er war. Durch einen günstigen Zufall hät- te auch er sich zu PC abkürzen lassen. das sich nicht recht flektieren läßt und das etwas ganz anderes zu be- deuten scheint. Wie hätte per- sonal computer damals übersetzt werden müssen. der gemeint war. Also mußten sich die Deutschen die Zunge daran zerbrechen . wie es gesprochen werden müßte. in dieser oder jener Gegend habe jeder sein persönli- ches Schwimmbad. Privat lautet in solchen Fällen das deutsche Wort. Während der mehr oder weniger stark anglisier-  . Dieser aber scheint nun etwas ganz anderes zu sein. und fürs erste weiß nun niemand mehr. in gewisser Hinsicht also das genaue Gegenteil des privaten eige- nen Rechners. Und das Fiasko reißt die Wörter ›privat‹ und ›persönlich‹ mit ins Verderben. das niemand so sprechen kann oder mag. das in seiner Heimat anders geschrieben wird. als es bedeutet. ob an einer bestimmten Sinnstelle privat. ein Rechner fürs Personal nämlich. Überflüssigerweise entsteht ein neues deutsches Adjek- tiv. Er wurde aber gar nicht übersetzt. Ausgeschrieben aber wurde er bald Personalcomputer und teilweise dann auch so ge- sprochen. als personal computer. persönlich oder personal das richtige wäre. das personal lautet (personale Briefbögen).recht ernst nahmen – so als propagierte heute jemand das Kleinkraft werk für jede Wohnung. heraus kam so etwas wie ein pörßenell Kompjuter. war also der Privatcomputer. späte- stens 1981. So steht das Deutsche heute mit einem Wort da. sondern so importiert. als IBM seinen Kleinrechner auf den Markt brachte ? Persönlicher Computer ? Man sagt ja auch nicht. Was damals in die Welt kam.

wie es sich auf keiner Schule lernen läßt : Netspeak. abgesehen von einigem letzten Widerstand aus Frankreich und Frankokanada. host. Womit der nichtenglische Benutzer in den Netzen ständig kon- frontiert ist und worein er sich irgendwann selber ein- klinken muß. server. Kaum eine Datenbank. deren Inhalte anders als auf Englisch gespeichert sind. gateway. bei denen so gut wie keine Sprache mehr auch nur den schüchter- nen Versuch unternimmt. sondern ein ganz besonderes Englisch. und selbstverständlich ist auch die Zugriffssprache fast immer allein Englisch. chat. ihnen eigene Entsprechungen an die Seite zu stellen. Kaum ein Diskussionsforum. web – das sind inzwischen Weltwörter. link. in dem andere Sprachen gesprochen werden. ist nicht einfach nur Englisch.te Computerjargon die innere Anglisierung der nich- tenglischen Sprachen schon seit Jahrzehnten langsam. home page. und so werden die Schlüsselbegriffe fast nir- gends mehr übersetzt : browser. Die gesamte Metakommunikation des Internet – also die Kommunikation über die Techniken der Kommu- nikation – vollzieht sich ebenfalls fast ausschließlich auf Englisch. on line. Die Lingua Franca der Netze ist Englisch. client. url. cyberspace. modem. erfährt dieser Prozeß seit Be- ginn der neunziger Jahre durch die rapide fortschrei- tende weltweite Vernetzung eine mächtige Beschleuni- gung. aber sicher vorantreibt. Und da die sogenannten Sonderzeichen der na- tionalen Alphabete in den Netzen vielen Fährnissen aus- gesetzt sind. bestimmt durch den flap-  . sind die nichtenglischen Sprachen selbst bei der privaten elektronischen Post stark gehandicapt.

Wie viele fremde Wörter verträgt eine Sprache ? Wie viele hat denn das Deutsche ? Das aktuellste große deutsche Wörterbuch. In weitestem Sinn gezählt. BTW (by the way). und da sie nicht nur ein weiteres Fachgebiet sind. Die neuen Medien kom- men also durchaus englisch daher . aber für Uneingeweihte zunächst ein- mal nur unverständlichen Akronyme wie B/C (becau- se).und Sonderspra- chen aus . LOL (laughed out loud). die sich nirgendwo sonst finden. etwa den »Emoticons« genannten. Von ihnen sind  . und die teils witzigen. noch dauerhafter und noch irreversibler sein als beim bloßen Computerjargon. gibt es deren etwa 2000. Zu etwa 60 Prozent besteht jeder Text aus Funktionswörtern. sondern eben Medien und als Medien allgemeine Multiplikatoren. dürfte die Aus- wirkung auf die nichtenglischen Sprachen noch stärker. der acht- bändige ›Große Duden‹. Beide Wörterbücher beschränken sich auf die Gemeinsprache. Diese Zahl aber täuscht doppelt. schließen also Fach. aus Schrift- zeichen gefügten Signalen für Gemütszustände. Davon stehen etwa 48 000 auch im ›Fremdwörter- Duden‹. TIA (thanks in advance).sigen Jargon amerikanischer Informatikstudenten und eine Reihe von Eigenheiten. Somit wären 24 Prozent der allgemein ge- brauchten deutschen Wörter irgendwie »fremd«. CU (see you). beide stammen aus der gleichen Redaktion und zählen ihre Stichwörter nach ähnlichen Gesichts- punkten. etwa :-) als Symbol für gute und :-( für schlechte Laune . enthält etwa 200 000 Stichwör- ter.

Wie viele Fremdwörter also verträgt die Sprache ? Manchen Sprechern erscheint ein einziges schon zu- viel – sie vertragen gar keine . das Objektivität beanspruchen kann. nämlich genau belegte dreibändige ›Anglizismen-Wörterbuch‹ von Broder Carstensen und Ulrich Busse. der Orga- nismus Sprache – wie viele verträgt er ? Offenbar viele. wäre sie an sich immer noch nicht alarmierend. viele von ihnen unvollständig oder gar nicht eingebürgert. So daß also ein normal fremdwortreicher Text nur zu 10 Pro- zent aus Fremdwörtern bestünde. Das vorzügliche. deren etwa 4500 enthalten. wenn das höchst komplexe. solange ›vertragen‹ nicht näher definiert ist. Wann also wäre der Organis- mus Sprache beschädigt ? Auf der Ebene ihres Wort- schatzes wäre es nie anders als subjektiv zu entscheiden. Eine Sprache ist dann beschädigt. Und die meisten von diesen sind Fremdwörter nur noch im Sinne der Puri- sten. Aber es gibt durchaus ein Kriterium. tat- sächlich sind sie längst assimilierte Lehnwörter. wenn es fertig ist. wird. sehr viele. einzigartige Regelsystem.nur ganz wenige »fremd« (per oder via etwa). Ist also das Regelgefüge des Deutschen durch den Zustrom fremder Wörter und Wendungen in die- sem Sinne gefährdet ?  . in Frage gestellt ist und sich aufzulösen beginnt. andere können gar nicht genug davon bekommen. das sie darstellt. Selbst wenn sich die Zahl seit seiner Konzipierung vervielfacht haben sollte. die den germanischen Ahnenpaß verlangen . in das nur englische Fremdwörter aus der Nachkriegszeit aufgenommen wurden. Es läßt sich nicht sagen. Aber die Sprache.

Was macht ihn zu ei- nem unverkennbar deutschen Satz ? Daß er. erweitert sich. Den- noch sieht jeder sofort : Der Satz ist eindeutig deutsch. beginnt der zunächst frei mit allen experimentierende Säugling ihre Menge einzuengen. bestimmte Regeln einhält. wie jeder weiß. und zwar richtiges. aber es sind zum Teil ganz andere. es ist Fosch. eingeschlossen die Nasa- le. das Deutsche selten akzentfrei über die Lippen bringen  . worth oder thrill auszuspre- chen. von denen einige nur in französischen Lehnwörtern vorkommen). auf ver- schiedenen Ebenen. Tückischerweise ist es gerade das Wort German.und Schriftgestalt verändert sich. Die menschlichen Sprechorgane könnten unzählige unter- scheidbare Laute (Phoneme) hervorbringen. Noch ehe er zu sprechen anfängt. Auf der untersten Ebene ist eine Sprache ein be- stimmtes charakteristisches Repertoire von Lauten. Das deutsche Lexikon enthält keines der Inhaltsworte in dem Satz »Strumm. der Raben war ech gühl«. zufälligste und in- stabilste Teil einer Sprache. ihre Bedeutung verschiebt. ist nur der äußerlichste. der versucht. und eine unbekannt große Zahl von ihnen wird in den Sprachen des Globus verwendet. was die Linguisten das Lexikon nennen. bis nur noch die in seiner Muttersprache üblichen dreizehn bis fünfund- siebzig Phoneme übrigbleiben. er könnte gar nichts anderes sein. verengt. Englisch besitzt 40 Pho- neme (25 Vokale und 15 Konsonanten). grammatikalisches Deutsch.Das. Wörter kommen und ge- hen. der Wort- schatz also. Deutsch 55 (25 Vokale und 30 Konsonanten. aber die Sprache selber bleibt davon unberührt. ihre Laut.

ehe er es auch nur zu Ende gebracht hat. welches seine Mutterspra- che war. diesem sei- nem Repertoire wenigstens noch ein paar weitere Laute hinzuzufügen. so brächte man allerlei Geräusche hervor. zweibuchstabige russische Wort щи (›scht- schi‹. Sprachartikulation erfordert eine sehr schnelle und äußerst präzise koordinierte Bewegung einer ganzen Reihe von Muskeln. wirkt das schlichte. welche Lau- te wie zusammentreten können. wird es ihn viel Mühe kosten. Wenn der Mensch Fremdspra- chen lernt. ›Kohlsuppe‹) auf Deutsche wie Engländer wie ein schikanöser Zungenbrecher. aber keine Sprache. »aus- atmen«). das da- mit festgelegte Phoneminventar ist später nur noch in Grenzen modifizierbar. Ungültige. Sie muß völlig automatisch vor sich gehen. obwohl ihre einzelnen Laute im Deutschen durchaus vorhanden sind.und das so den Deutschen schon verrät. »Zunge soundso weit einrollen«. Müßte man sie sich einzeln bewußt befehlen (»Oberlippe soundso weit anheben«. um ein gültiges Mor- phem zu ergeben. Die entsprechenden neuralen Verschal- tungen bilden sich in der frühesten Kindheit . Die Lautfolge ›wtnegw‹ ist kein gül- tiges deutsches Morphem. das heißt von den Morphembildungsregeln der betreffenden Sprache nicht vorgesehene Morpheme sind meist schwer auszusprechen.  . Obwohl alle seine Phoneme zum deut- schen wie zum englischen Inventar gehören. Auf der zweiten Ebene regelt eine Sprache. »Stimmritze soundso weit offen«. Seine Ausspracheschwierigkeiten werden bis ans Lebensende verraten.

»Der gühles Strumm war ist ech Fosch Raben es« kann kein richtiger deutscher Satz sein. als ›ch‹ gleich ›tsch‹. wie jeder auf der Stelle und ohne nachzudenken erkennt. obwohl alle seine Elemente. die be- stimmen. der Morphologie bestimmt – *›igkeitfä- hun‹ ist. ›ä‹. die des Englischen regelt die Laut-Buchstaben-Beziehung ganz anders. Normalerweise heißen sie im Deutschen nicht so. ›-keit‹. sie müs- sen nur anders zusammengesetzt werden. in der deutschen Sprache exi- stieren und zur Wortbildung benutzt werden . ›i‹. Viertens wird eine Sprache von ihren Regeln der Wortbildung. sondern aus der Ge- schichte – es sind geschichtlich entwickelte Konventio- nen und darum durch neue Konventionen ersetzbar. ›u‹) am Gaumen (palatal) zu sprechen ist . ›ü‹) am Gaumensegel (velar). daß ein ›ch‹ also nach bestimmten Vokalen (›e‹. Die dritte Regelebene ist die der Beziehungen zwi- schen Lauten und Buchstaben. der Stamm ›fäh‹ und die Affi xe ›un-‹. Ihre Regeln ergeben sich nicht aus der Neurophysiologie. nach ande- ren (›o‹. wie aus Wörtern Sätze zu bilden sind. ›ö‹. Die Konvention des Deutschen regelt zum Beispiel. aber hier sollen die Regeln dieser fünf Ebenen kurz als der »Code« einer Sprache bezeichnet werden – und da die-  . das ›ch‹ in ›ach‹ und das in ›ich‹. kein morphologisch mögliches deutsches Wort. Fünftens besteht eine Sprache aus der ihr eigenen Syn- tax : einem hochkomplexen Gefüge von Regeln. mit denselben Schriftzeichen wiedergege- ben werden. daß zwei völlig verschiedene Phoneme. ›-ig‹. egal wogegen man die Jo- ker seiner Inhaltswörter austauscht.

hat der Sprache die Regeln entnommen.und der Zeitenbildung verinner- licht ist. wenn auch so gut wie nie ins Bewußtsein drin- gender Regelapparat. wir versuchen es auf seine Regeln zu reduzieren. ohne sich je darüber Rechenschaft geben zu können. Das zweijährige Kind. den wir auf diese Weise erwer- ben. die uns erst zum Verstehen und zur Bildung von Sprache befähigt. Wie lernt man den Tiefencode der Mutter- sprache ? Indem man aus der Sprache. die man sprechen hört und später dann auch liest. um diese dann auf die ei- gene Sprachproduktion anzuwenden. deren Gel- tungsbereich jedoch durch weitere Extrapolationen ein- geschränkt werden wird. daß Plu- rale durch Anhängen eines -s gebildet werden und das Imperfekt nach dem Schema der schwachen Konjuga- tion – eine nicht unrichtige Extrapolation. Regeln extrahiert. die »Folie sprachlicher Richtigkeit«. die wir dann imitierend wiederholen. die sie beherrschen. Was auch immer wir zu hören bekommen. Es ist ein gewal- tiger.ser Code keinem ihrer Sprecher je zur Gänze so be- wußt wird. das die Onkels und liegte sagt. Beobachtungen dieser Art beweisen. da nur ein paar Sprachwissenschaft ler mehr als eine Handvoll seiner Regeln angeben könnten. daß wir beim Spracherwerb nicht einzelne Anwendungsfälle ler- nen. sie aufs Spiel zu setzen. Es ist gefährlich. un- bewußt. soll er hier »Tiefenco- de« heißen.  . bis irgendwann der gesamte Tiefencode der Plural. daß er ihn ausformulieren könnte. sondern daß wir die gehörte und gelesene Sprache tatsächlich nach den Regeln abhorchen.

das Fremde in seiner Gestalt zu achten – die Menschen könnten nicht anders. Umgekehrt heißt das : Ein fremdes Wort erhält seine Bewegungsfreiheit nur in dem Maße. an den sich ein unruhiges und veränderliches Lexikon heftet. in dem sich ein frem- des Wort diesem Tiefencode einfügt.Eine Sprache – das ist ein ganz bestimmter stabiler Tie- fencode. welche es sein sollte. aber un- abänderlichen artikulatorischen Beschränkungen des menschlichen Sprechapparats bedeutet das meist. auf einer anderen nie. manchmal gelingt die Anpassung trotz allen Verände- rungen nicht. Sie bringen einfach die fremde Phonetik nicht zuwege. Mitten in ei- nem deutschen Satz ein Wort wie synthesizer oder thril-  . und nicht alle diese Stufen sind fakultativ. als ihm in dieser Hinsicht Gewalt anzutun. und den ständigen schnellen Wechsel zwischen verschiedenen Phonetiken erst recht nicht. Jedes ausländische Wort muß zunächst einmal sprech- bar werden. und wegen der bedauerlichen. Manche Wörter schaffen es auf einer Ebene sofort. wie es sich dem Tiefencode der Zielsprache anpaßt. ein Fremdwort zu sein. Die Einbürgerung ist also meist ein gradueller. In dem Maße. nämlich stufenweiser Pro- zeß. Manchmal ist dazu kaum eine Veränderung nötig . Da sich die Einbürgerung auf mehreren Ebenen vollzieht. hört es auf. kann sie mehr oder weniger weit ge- hen – und ist darum auch nur selten in einem einmali- gen Akt vollzogen. wenn sie im gegebenen Falle überhaupt wissen. daß es seine mitgebrachte Lautgestalt in Richtung des Laut- systems des Ziellandes verschieben muß. Auch wenn sie entschlossen wären.

ist klar – aber wie hätte es weiterzuge- hen ? Selbst wer die in Frage kommenden Phonetiken und Laut-Buchstaben-Beziehungen beherrschte. und wenn es eines werden soll. Es läßt sich nicht klar erken- nen. fällt selbst vie- len jener schwer. Lautet es Peking oder Beijing ? Geduldig sprechen wir nach. könn- te es nicht aussprechen. Wie nahe es der originalen Aussprache (phonetisch beıˈdƺɪŋ) ist. wie es auszusprechen wäre.  . In dem unaus- bleiblichen deutschen ›läborätöhri‹ würde kein Englän- der mehr sein ›laboratory‹ ausmachen. das die meisten ja irgendwie zu kennen glauben. ›nokomént‹. wissen sie die Aussprache durchaus nicht immer. Die große amerikanische Stadt Chica- go (phonetisch [∫ıˡkʌ:gʊ) muß sich immer wieder die deutsche Aussprache ›Tschiekago‹ oder gar ›Tschiekej- go‹ gefallen lassen – Tschiekago am Mitschigensee.ler einigermaßen richtig auszusprechen. wir ahnen es nicht einmal. die es in einem englischen Satz ohne weiteres über die Lippen brächten. muß es sich verändern. Für die unsere artikulatorischen Möglichkeiten eigentlich nicht übersteigende Wendung no comment ist aus pu- rem Unwissen eine falsche Aussprache geradezu zur deutschen Norm geworden. es ist darum kein ver- wendbares Wort. Ganz ratlos sind wir bei Sprachen. Und wo wäre in einem Wort wie Hardlinerinnen wohl die Grenze zwischen englischer und deutscher Aussprache zu ziehen ? Daß Lifestyle-Debut-Plan am Anfang englisch ausgesprochen werden müßte. Selbst bei Importen aus dem Englischen. die wir gar nicht kennen. was die jeweilig empfohlene Umschrift uns nahelegt.

Bei der phonetischen Einbürgerung fremdsprachli- cher Wörter begegnet wieder das gleiche merkwürdi- ge Phänomen wie bei der Annahme oder Abweisung von Verdeutschungsvorschlägen : Manchmal wird sie willig und prompt vorgenommen. der das Globe Theatre wie ›Glohbeteahter‹ spräche. Sport. daß für sie weder die englischen noch die deut- schen Laut-Buchstaben-Beziehungen gelten. zwischen ›Jatz‹ und ›Dshähs‹. Puzzle. so lächerlich. Kein Mensch würde zum computer je ›Komputer‹ sagen. ›Schäss‹. Anfangs wurde Globetrotter sicher versuchsweise mit ›-ou-‹ und englischen ›-r-‹s ausgesprochen. und achtzig Jahre haben nicht gereicht. kein Mensch  . Dem Spon- sor dagegen wurde schon bei der Einreise das phoneti- sche Einbürgerungszertifi kat überreicht. wie sich andererseits auch jemand mach- te. Ihre Schriftgestalt ist un- verändert geblieben. warum »die Sprache« sich so oder so entschieden hat. gälte als affektiert und machte sich lächerlich. sondern gar keine : Man kann nur Wort für Wort lernen. Gully. mit der Folge. Bunker. gesprochen werden sie mit Lauten ausschließlich aus dem deutschen Repertoire. Knickerbocker. Joker. Po- ker. wie es zu lauten hat. Das Wort Jazz hat von Anfang an zwischen phonetischer Einbürgerung und Nichteinbürgerung ge- schwankt. zu einer Entscheidung zu kommen – die Unentschiedenheit hat sogar noch eine dritte Variante hervorgebracht. manchmal nie. und wer noch heute die englische Aussprache nachzuahmen suchte. Phonetisch eingebürgert wurden zum Beispiel Bulldo- zer. Reporter. und oft ist nicht festzustellen. irgendwann dann aber nicht mehr. Moderator.

die ih- ren Sinn modifizieren – eine der großen Stärken der deutschen Sprache. Nicht. aber wie wäre cool zu sub- stantivieren ? *Coolheit ? *Coolnis ? Die *Coole ? Kaum je läßt sich einem fremden Verbum ein Präfi x verpas- sen. eng- lische Wörter müßten zulassen. und das heißt. Das Adjektiv fit brachte seine Substantivie- rung gleich mit. auch nicht so recht brauchbar. nicht gleichberechtigt. Das heißt. Ausgepowered und einchecken wurden akzeptiert. Manchmal geht es. aus ei- nem Bodyguard würde nie und nimmer eine *Body- guardin. Zum Beispiel müßten männliche Substantive sich zu weiblichen movieren lassen. manchmal nicht. Um sich in der Umgebung der deutschen Sprache frei bewegen zu können. hat ihn je englisch ausgesprochen. So gesetzlos geht es zu in den interkulturellen Beziehungen. Fitness. daß damit der deutschen Sprache viel fehlte oder den frem- den Wörtern ein Tort getan wäre – aber sie sind ein- fach nicht frei. aber *mißmatcben ? *entcrinceln ? *besightseen ? *vertal- ken ? Wahrscheinlich wäre es nie möglich. Aus den Users werden bei Bedarf Userinnen . müß- ten Verben allerlei Präfi xe annehmen können. *hinhitchhiken könnte zur Not gerade noch hingehen. müßten sich fremde Wörter vor allem den Regeln der deutschen Syntax zur Verfügung stellen. müßten sich fremdsprachi- ge Wörter des weiteren den deutschen Wortbildungs- regeln unterwerfen.  . Um in einem deutschen Satz verwendet zu werden. was sie von Hause aus nur in beschränktem Umfang können : sich flektieren lassen.

daß es aber gerade an- ders heißen müsse. Ehedem erging es dem Wort Agitprop ähnlich. ob es Sin- gular oder Plural. Wiederum : einige schaffen es. Auch die Entscheidung. also von vornherein kosmopolitisches und auch prompt von allen Sprachen übernommenes Kunst- wort wie Multimedia kann sich im Deutschen dennoch nicht frei bewegen. Maskulinum oder Femininum oder Neutrum. Es heißt : die Notebooks. aber nicht die Users. sondern die User. daß Plu- ral gleich Singular sein soll. gar ein easyeres ? Kann er ein groovyer Typ. so etwas wie »auf dieser Disk finden sich zwei von den Multimedia« zu sagen. Ein zu internationaler Verwendung gebildetes. Wiederum scheint die pure Willkür zu herrschen. Kein Pro- blem sind sie alle in prädikativer und damit unflek- tierter Stellung : ihr Leben ist easy. da sie ja von ›(De-)Mo- dulatoren‹ abgeleitet sind ? Was immer einer schreibt : unweigerlich belehrt ihn jemand. Heißt es aber die Modems oder die Modeme ? Und warum eigentlich nicht der Modem und die Modemen. Aber kann man ein easyes Leben führen. Solche Unsicherheiten be- hindern die Bewegungsfreiheit eines Wortes stark. ist eine. Also traut sich noch nicht einmal. sie eine sexye Frau  . Ein richtiges Adjek- tiv sollte sich jedoch auch attributiv gebrauchen las- sen. Ein cooler (oder coolerer) Typ und ein softes (oder softeres) Waschmittel : »kein Problem«. wer es in seiner Machart durchschaut. an- dere nie. Adjektive müßten sich ebenfalls flektieren und dazu noch steigern lassen. weil niemand sicher ist. ja ob es überhaupt ein Substantiv ist. Substantive müßten mindestens ein Genus und ei- nen Plural erhalten.

so wenn to stop zu stop- pen wird oder to handle zu handeln (weiter ›händeln‹ gesprochen. stehen sie damit da wie am Pran- ger. An- dere verweigern jede Anpassung. outen bewegen sich fast auf Anhieb frei in der deutschen Syntax. Sie müßten sich auch schrift lich konjugieren lassen. als hätten sie sich immer im deutschen Sprachgebiet aufgehalten. Noch schwerer wird die Einbettung in die deutsche Syntax den Verben. Verben wie testen. aber wenn ein noch *hip(p)erer kommen sollte. und wenn ih- nen in einer Notsituation einmal ein Konjugationsaf- fi x angeheftet wird. und zwar ganz im Wortsinn. tu- nen. Wieder das gleiche : Manche las- sen es sich ohne weiteres gefallen. es sieht einfach un- möglich aus. Die flektierten und ge- steigerten Formen von oversized weigert sich die Ma- schine zu schreiben. ja wirken schon bei der Einreise so. wohl weil sie zufällig fast den deutschen Regeln der Morphembildung und der Laut- Buchstaben-Beziehung entsprechen und auch der Aus- sprache keine nennenswerten Schwierigkeiten bereiten. clonen. ist er nicht mehr nennbar. Wie auch immer man es macht. Manche lassen sich mit Mühe und Not ein paar Konjugationsendungen anhängen. Andere scheinen ein für allemal unkonjugierbar zu sein.sein ? Und wenn eine noch sexyere kommt ? Bei ande- ren streikt das Deutsche ganz und gar. Andere erreichen diese Freiheit durch eine minimale Änderung der Schreibweise. Den hipsten DJ gibt es noch. aber nicht geschrieben). Das wurde gecaptured ? gecapturt ? – Disablet diese Funktion doch ? disabelt sie ? – Du bouncest auf der Matte ? bounct ? – Sie  .

 . matchen. disablen. biken. performen. wenn man sich aus dieser Verlegenheit zu einem re- zyklieren retten kann. bouncen. fighten. outplacen. pipen. outen. die in den letzten zehn. gleichwohl bleibt es beim Bon. cruisen. hiken. browsen. coachen. decoden. plotten. capturen. Aber der Fall sei selten und darum des Aufhebens nicht wert ? Hier sind hundert englische Verben. beamen. outtimen. lasern. boosten. mappen.sightseete ? sight-saw ? sightsah ? – Wir haben das Mate- rial recycled ? recycelt ? gerecycelt ? regecycelt ? – Wer hat das gelayouted ? gelay-outet ? outgelayed ? outgelayt ? out- layed ? – Du hast das backuped ? backupt ? gebackupt ? upgebackt ? aufgebacken ? Welche Erleichterung gerade- zu. downloaden. overrulen. phonen. layouten. crinceln. dimmen. blotten. Wenn solche Verben unangetastet bleiben. boarden. chatten. Das Konjugationsproblem stellt sich für jedes von ihnen . clonen. desi- gnen. enco- den. zwanzig Jahren ins Deutsche impor- tiert wurden. lassen sie sich nicht konjugieren . backupen. handlen. piercen. hitchhi- ken. mobben. bei einigen ist es leicht zu lösen. tnaten. bei an- deren gar nicht : appreciaten. connecten. publishen. multitasken. modeln. debug-gen. featuren. canceln. outsourcen. mailen. leasen. (e)mailen. labein. hypen. und wenn man sie konjugiert. klicken. powern. crosslinken. patchen. pushen. lin- ken. finishen. combinen. sind sie keine englischen Verben mehr. posten. promoten. Das ausnahmsweise von einem französischen Wort ab- geleitete deutsche Verb bongen ließe sich ohne diese ri- gorose Eindeutschung überhaupt nicht schreiben – in der Form *›bonen‹ wäre es nicht zu erkennen gewesen .

trampen. searchen. sightseen. recyclen. splitten. upgraden. testen. und solche. deren eines Element als Präpositi- on identifiziert werden kann (backupen. managen. die in Aussprache und Schreibung den deutschen Regeln voll entsprechen. scannen. zoomen. aber gebounct ? Oder das wird outgesourct ? Die Folge ist.putten. das sich nicht gleich einrichtet. daß selbst volkstümlich- sten und seit Jahrzehnten eingebürgerten Verben. whirlen. mit größerer Vorsicht importier- ten Verben wie boomen. jetten. rou- ten. Das zeigt sich an älteren. rendern. scratchen. Bouncen geht noch. uploaden. skaten. Andernfalls wird der Tisch getilt. lif- ten. tar-getten. richtet sich nie ein. die uneingeschränkte Bewegungsfreiheit vorenthalten bleibt. upgraden). screenen. steht in der Gebrauchsanweisung eines Computerspiels. fixen. kidnappen. tilten. warpen. daß sie weder den deutschen noch den englischen Regeln für die Beziehungen von Lauten und Buchstaben mehr entspricht. strippen. jobben.  . dopen. Das Problem löst sich auch nicht durch Abwarten – indem man den englischen Verben nur genug Zeit läßt. Das Verb. splicen. poolen. raven. stylen. knocken. samplen. scrol- len. daß hier nun gar keine erkennbare Regel mehr gilt. bei denen die deutsche Flexion die Aussprache so verändert. foulen. sprayen. swit- chen. Besonders gehandikapt sind zusam- mengesetzte Verben. swappen. streichen. Supporten. wobbeln. triggern. sich in unserer Sprache häuslich einzurichten. toppen. joggen. saven. timen. mixen. dealen. zippen. relaxen. shif-ten. talken. sponsorn. taggen. releasen. surfen. steppen. chartern. zappen. Zeichen dafür. sniffen.

Depesche. daß ich gera-  . ist eine Angleichung an die deutsche Schreibweise (also an die im Deutschen gültigen Re- geln für die Laut-Buchstaben-Beziehungen) etwas. analog zu Keksen. Nicht. Ranküne. Die Maxime scheint zu lauten : Jedes Wort soll genau so bleiben. Möbel. erstmals *hitschhei- ken oder *Kammbeck zu schreiben. Klub. Fälle wie Sponser oder antörnen sind selte- ne Ausnahmen. Streik finden heute so gut wie gar nicht mehr statt. Während sich bei Aussprache. Auch wenn die or- thographische Assimilation in der Regel alle anderen Assimilationsprobleme mit einem Schlag behöbe . *Kornflekse zu machen. Es wird ih- nen nur noch höchst selten gewährt. Niemand würde es mehr über sich bringen. auch wenn die eingedeutschte Form wahrscheinlich nach der anfänglichen Schrecksekunde genauso selbstverständ- lich wäre wie die originale : sie findet nicht mehr statt. Schock. der das fremde Wort am stärksten zu verändern scheint und der darum am schwersten fällt. das ihnen gewährt werden kann oder nicht. Bei ihrem Neuimport blieb sie strikt Boutique. Es kostete zu große Überwindung. Orthographische Einbürgerungsakte wie Bluse. Keks. Wortbildung und Fle- xion ein gewisses Maß an Assimiliation nicht vermei- den läßt. Das französische bouquet wurde noch zum Bukett. Büro. Aus der boutique wurde schon im acht- zehnten Jahrhundert die Budike und driftete als solche semantisch davon. wenn die fremden Wörter nicht unverwend- bar bleiben sollen. Fortune. Die orthographi- sche Assimilation ist der Eingriff. etwa aus cornflakes. bis sie eine Kneipe war. wie es in seiner Ursprungssprache aussah.

an der die Fachleute fünfzehn Jahre lang beraten und gefeilt hatten. sondern lediglich neben den originalen Schreibungen zu erlauben.de diese rigorosen Eindeutschungen empfehlen möchte . das volle Bürgerrecht zu erhalten ? Ist es im Gegenteil das alte Minderwertigkeitsgefühl. die uns ein- flüstert. Man spüre nur einmal dem nach. jede Ver- deutschung tue den fremden Wörtern ein Unrecht an ? Der Respekt vor dem Fremden in seiner Fremdartig- keit also ? Nach meinen Erfahrungen ist es etwas ande- res. Die kleine Orthographiereform. daß selbst sie in kürzester Zeit akzeptiert wären. man wüßte es nicht. Wir wollen einander vorführen. die sich noch nie an der Sinfonie gestoßen hatten. ausländische Wörter verdienten es nicht. Leute. ich wähle sie im Gegenteil gerade darum. Sie hatte vorgesehen. daß wir genau wissen. Eindeutschen hieße aber : sich dem Ver- dacht aussetzen. riefen im Chor : Filosofie nie ! Der Plan mußte gestrichen werden. das uns sagt. Was liegt da vor ? Welche kollektive Schrulle hindert uns ? Ist es die alte nationale Arroganz. Lehnwörtern also. Profaneres : die deutsche Oberlehrerhaftigkeit. be- hutsame deutsche Schreibungen freizustellen – wohl- gemerkt : nicht vorzuschreiben. was sich in einem selber dagegen  . Keine ihrer anderen Änderungen stieß auf ebenso massiven Wider- stand. bei einer Anzahl von längst eingeführten »Fremdwörtern«. weil sie auch mir besonders weh täten – und weil ich vermute. wäre im letzten Augenblick an dieser Frage fast noch geschei- tert. wie ein Wort an seinem Herkunftsort gesprochen und ge- schrieben wird.

desto besser. und nationale Wörter werden ihr geopfert. sondern Projekt . Der Grund : Bewertung ist zwar eine richtige Übersetzung. Es sei doch nur begrüßenswert. deckt sich aber nicht voll mit dem Bedeu- tungsumfang von evaluation. nicht mehr das Wort Vorhaben zu verwenden. es wäre grundfalsch. dem Computerwesen – überall die gleichen. das gleiche be- deutenden Wörter in Gebrauch sind. sondern Evaluation zu schreiben.sträubt. den deutschen Laut-Buchstaben-Code etwa auf das Wörtchen User anzuwenden und es entweder *Juser zu schreiben oder ohne das Anlaut-J zu sprechen. Auch in der Schlußdebatte um die Orthographiere- form hieß es wieder. nicht mehr Bewertung. Es bildet sich also langsam ein Vorrat gemeinsamer Begriffe. sondern auch die Methodik der Bewertung mit einschließt. Dem Übersetzungsdienst der Europä- ischen Kommission wurde eines Tages vorgeschrieben. Vorhaben ist zwar ebenfalls eine rich- tige Übersetzung. eignet sich aber nicht wie projet zur Bildung von Komposita (projektorientiert wirkt eindeu- tiger und müheloser als *vorhabengerichtet). In der Tat. Es ist die Furcht vor dem höhnischen »Der weiß noch nicht mal …« der anderen – und damit letztlich doch man- gelndes Selbstbewußtsein. es bildet sich langsam eine internationa- le Terminologie heraus. wenn zumindest in den starkem internationalem Ver- kehr ausgesetzten Sachgebieten – der Touristik. Er  . die nicht nur ein Wert- urteil ist. in einer Zeit allgemeiner Internationalisierung fremden Wörtern Eindeutschungen zuzumuten – je internationaler die Sprache.

Die entstehenden Internationalismen wer- den durch ihren fortgesetzten internationalen Gebrauch wahrscheinlich auf einen Bedeutungskern festgelegt. Die internationale Geschäftigkeit braucht Wörter. denn es wäre nicht mehr so deutlich sein Wort. In dem Augenblick. Die Angleichung macht lediglich klar. wie seine Wörter in anderen Sprachen malträtiert werden. nicht erst über die Schreibung *geskretscht – die wäre eher geeig- net. gleich flektiert werden. dann erschräke er schon über die Aussprache und die Flexionsform gescratcht. rundherum aber werden sie in jeder Spra- che ihre eigenen Wege gehen. es wird in ein anderes Flexionssystem eingebunden. es wird al- lein darum schon zum Teil auch anders geschrieben. darüber zu erschrecken. den Schreck zu mildern. die über- all das gleiche bedeuten. Außerdem beginnt es in diesem Augenblick eine neue. gleich geschrieben. ist es schon nicht mehr genau das gleiche – es wird anders gesprochen. unabhängige Wortgeschichte. in dem ein Wort in eine ande- re Sprache aufgenommen wird. daß überall die gleiche Definition gelten soll. Wenn ein Engländer noch die Fähigkeit hätte. in deren Verlauf es sich auch in seiner Bedeutung von seinem Ursprung fort- entwickelt. nicht Wörter. die in ihrer Ge- stalt identisch sind. ja werden erst bei einer solchen Anpassung wirklich benutzbar. daß diese Wörter über- all gleich gesprochen. der stabil bleibt . Sie dürfen sich den jeweiligen Sprachen ruhig anpassen.setzt jedoch keineswegs voraus. Und : Nie würde seine orthographische Assimilie-  .

Auf jeder ihrer Ebenen ist eine Sprache vieldeutig : vie- le Krakel und Kringel einer durchschnittlichen Hand- schrift könnten für mehrere Buchstaben stehen. wo er ›Informaciones‹ oder ›Infor- matie‹ heißt. die meisten Wörter ha- ben mehrere verschiedene Bedeutungen. besser : der an einer Sprache teilnimmt. die er hört und selber verwendet. Solche praktischen Gründe sind aber vermutlich auch nur vorgeschützt. die nicht so deutsch aussehen. wie sie richtig gebildet und erweitert und verkoppelt und zu richtigen Sätzen zusammengestellt werden können. hat dieses elementare Sprachgefühl. daß da Wörter sind. bedeuten. und er hat es sich scheinbar ohne jede Anstrengung erworben. Wir mei- nen. der eine Sprache spricht. so wie projet und project und Projekt sich ohne weiteres ineinander erkennen lassen. In Wahrheit sind wir froh. Den Auskunftsschalter findet der Neu- ankömmling auch. auch viele Sät-  . In manchen Fällen würde die orthographische Assimilation den Ge- brauch indessen wesentlich erleichtern. Er muß sicher sein. viele gesprochene Laute könnten auch andere sein und dann ganz andere Wörter ergeben. Tatsächlich aber braucht jeder. wie ihr denkt. was die Wörter. Auch wer Sprachgefühl im höheren Sinn nicht eigentlich besitzt. Er muß wissen.rung die Verständigung über die Sprachgrenzen hin- weg erschweren. es bedeutete den anderen : Wir sind hier gar nicht so deutsch. ein enormes ele- mentares Sprachgefühl (Linguisten nennen es Sprach- kompetenz). Das Wort ›Sprachgefühl ist normalerweise dem Ge- hör für die feinen Nuancen des Ausdrucks vorbehalten.

scheint uns jeder Satz völlig durchsichtig. wenn unser Sprachapparat es geschafft hat. Wenn er säuberlich aufgeschrieben vor uns liegt. sobald der Satz beginnt. Fruit flies like a banana. aufeinander abfärbenden Sprach- lauten. wenn wir dann noch über den letzten nach- dächten. Das Englische ist aus strukturellen Gründen – weil es die syntaktischen Beziehungen der Wörter relativ selten mit Hilfe von Endungen klarstellt und weil ihm die Großschreibung der Substantive fehlt – besonders reich an solchen Vieldeutigkeiten : Time flies like an arrow. der sich mit linguistischen Mitteln nicht auf- klären läßt und erst verstehbar wird. was wir über Biester und Werkstätten wis- sen. ist er es meist ganz und gar nicht. in der er unser Ohr erreicht. dem Satzanalysemodul in unserm Kopf. und er muß schnell zu einem Schluß kommen. wahrscheinlich gar nicht mehr hören würden. Bis zu diesem Moment ist er verwirrend viel- deutig. ihn zu verstehen. sie muß den gesproche-  . Die Klarheit stellt sich immer erst hinterher ein. zum Beispiel diesen : erbekante wasserfer mistat- te. ze sind noch mehrdeutig. wenn wir schleu- nigst alles. und oft sind diese Mehrdeu- tigkeiten durch eine allein linguistische Analyse nicht auflösbar. zu Rate ziehen. ist ein Strom von inein- ander verfließenden. Sie muß beginnen. Was unser Ohr erreicht. Die Analyse erfolgt nicht hinterher. beginnt schon der nächste. Das heißt. den wir erst recht nicht mehr verstehen. In der Form. Das Biest hat die Monsterwerkstatt gebaut ist ein Satz. denn sobald der Satz fertig ist. So etwas legen wir unserem inneren Parser vor. und sie muß ihn bis ans Ende begleiten.

aber im Hinterkopf behalten. sonst hätte es der Erbe kannte heißen müssen. Jede dieser Arbeitshypothesen versucht voraus- blickend Sätze zu entwerfen. erfer gibt es gar nicht. Also er bekannte was erfer Mist … Nein. um dann jene zu verwerfen. Erbekante ? Ein solches zu- sammengesetztes Substantiv steht nicht im inneren Le- xikon. Dazu muß dem Sprach-  . bis wir zwischen ihnen entscheiden können. Aber ist bekannte Adjektiv oder Verb ? Wahrschein- lich Verb. während wir zuhören. verwerfen eine nach der anderen wieder. also er vermißt. Hat der Sprecher es vielleicht ad hoc gebildet ? Unwahrscheinlich. was wir tatsächlich hören. und Mist würde dieser Sprecher vermutlich nicht in den Mund nehmen. Erbekante : Erbe kannte ? Ist nur wahrscheinlich.nen Worten ständig voraus zu sein versuchen. womit das naheliegende Wasser ausscheidet. die nicht zu dem passen. Hoffent- lich – aber vielleicht lautete es doch für Mist – also im Kopf behalten. aber als Möglichkeit merken. merken uns andere. Also wohl eher er bekannte. und wenn der Sprecher am Ende des Satzes angekommen ist. wird uns hoffentlich nur noch eine Hypothese übriggeblieben sein. muß von jedem Punkt aus verschiedene mögliche Fortsetzungen vorwegnehmen. vielleicht macht das Folgende es ja doch sinnvoll. ob der nächste Satz diese Hypothese be- stätigt. So bilden wir. eine Hypothese nach der anderen. denn es ergibt keinen Sinn. die erstens grammatika- lisch und zweitens sinnvoll sind. sonst nämlich müßte jetzt eine sehr eigenarti- ge syntaktische Konstruktion folgen : er bekannte Was- ser … wohl nicht. wenn der Satz sich als einer im Telegrammstil erweist .

Man »versteht nicht recht«. daß das Gegenüber grammatikalische und sinn- volle Sätze äußern werde. daß wir nicht mehr kommunikationsfähig sind. Sie erscheint uns so selbstver- ständlich. würde er wahrscheinlich eine Ambulanz rufen. etwa leicht Stei- ne aufwärts oft fallen. Sprache hören oder lesen. der diese Voraussetzung auch nur leicht verletzt. mehrschichti-  . wird einem klar.apparat ein Referenzsystem verfügbar sein. könn- te man dem Sprecher überhaupt nicht mehr verstehend entgegenkommen. Er hätte nämlich so rasch wie richtig diagnosti- ziert. Zunächst würde unser Gesprächs- partner uns fassungslos ansehen. er habe sich verhört. was er zu hören meinte. man fügte in ein normales Gespräch unvermittelt einen Satz ein. wäre die Auflösung weit fortgeschritten. man kann ja gar nicht mehr recht verstehen. welche Sätze unter welchen Umständen grammatikalisch und sinnvoll wären. wird einem der Entwurf der begleitenden Verständnishypothesen schwer werden . das ihm auf Anhieb sagt. im Glauben. er werde grammatikalische und sinnvolle Sätze äußern. Sobald er sicher wäre. ob der Sprecher sich an die stillschweigende Voraussetzung aller sprach- lichen Verständigung hält. rasche. daß sie uns in der Regel überhaupt nicht be- wußt wird. daß wir allen Ernstes gesagt haben. wenn man sich versuchsweise vorstellt. Wenn man nicht mehr sicher sein kann. wenn sich also die »Folie sprachlicher Richtigkeit« aufgelöst hat. Wie unverrückbar sie gilt. daß er sich nicht ver- hört hat. Die stillschwei- gende Voraussetzung aller sprachlichen Verständigung ist die. Sprache sprechen oder schreiben setzt eine unablässige.

sie »desambiguiert«. die all die sich in einem fort anbietenden falschen Möglichkeiten aus- schließt. was man an Sprache zu hören oder zu lesen bekommt.und Synthesearbeit voraus. Diese Arbeit läßt sich nur auf jener »Folie sprachlicher Richtigkeit« verrichten. die Re- geln des Spiels nach seinem Gusto abzuändern. Die Folie sprachlicher Richtigkeit stattet einen mit jenem elementaren Sprachgefühl aus. aber bald verstünde niemand mehr den andern. wie ein »richtiger« Satz auszusehen hat. läßt sich Sprache mit der nötigen Leichtigkeit verwenden. Es ist notwendig konservativ. so würde zwar  . Wenn jeder frei wäre. das einem Sicher- heit im Umgang mit der eigenen Sprache verschafft. wäre das möglicherweise ein Zeugnis für seine Kreativität und Flexibilität. Es hält an den gelernten Re- geln fest. Sie erst macht das Mehrdeutige eindeutig. weil es ohne sie verloren wäre. Nur wo diese Bezugsebene des Sprach- richtigen. wird nur gegen große Wi- derstände aufgegeben und durch anderes ersetzt. des Grammatikalischen vorhanden ist. die anderen ver- ständlich sind. in der gebotenen Geschwindigkeit ent- schlüsseln und selber Sätze bilden will.ge Analyse. es dient aber auch einem sinnvollen Zweck : dem Kommunikationsschutz. Das hat seinen Grund in den neurobiologischen Modalitä- ten der sprachlichen Informationsverarbeitung im Ge- hirn. Man muß wissen. für welche Bedeutung ein Wort »richtig« ver- wendet wird. Würde zum Beispiel der antiautoritäre Traum wahr und die Orthographie freigegeben. wenn man das. Was einmal als richtig verinnerlicht wurde. wie ein Wort »richtig« gesprochen und geschrie- ben wird.

wir könnten aber handschriftliche Texte nicht mehr lesen und hätten auch bei gedruckten um so größere Schwierigkeiten. Könnte jedes Wort egal wie geschrieben werden. die allmählich hinzukommen. neue Be- deutungen. Im Bereich der In- haltswörter sind Innovationen (neue Wörter. je frei- er sich ihre Autoren von den früheren Normen mach- ten. so wüßten wir nie. Denn Lesen ist eine Aufwärts. »abwärts« wissen oder ahnen wir.niemand mehr einen Fehler machen.und eine Abwärts- bewegung zugleich : »Aufwärts« erfassen wir einzelne Buchstaben. bald aber als eine unerträgliche Be- hinderung. die aus bisher mühelosen Sprachakten eine ständige Denksportaufgabe machte. Sprachliche Normen sind darum keine überflüssige Willkür. der jedes Zeichen erst eindeutig identifiziert haben muß. was wir zu er- warten haben. Jede Deregulation wür- de zu einer Sprachanarchie führen. ehe er überlegen kann. die sich abschütteln ließe. welches Wort sich in einem bestimmten Krakel versteckt. Unangekündigte fremdsprachliche Einspreng- sel oder unvertraute Eigennamen in handschrift lichen Texten lassen uns ratlos – keine Erwartung kommt hier der Entzifferung entgegen. welches Wort an der betreffenden Sinnstelle zu erwarten ist – und das hilft uns über undeutlich oder mehrdeutig ge- schriebene oder sogar fehlende Schriftzeichen spielend hinweg. und wären in die Lage dessen zurück- geworfen. ohne die früheren ungültig zu machen) noch am ehesten gedul-  . die im ersten Au- genblick vielleicht als Befreiung von lästigen Zwängen empfunden würde. Sie machen Spra- che überhaupt erst möglich.

Um die Überschrift Inforecherche to- tal im Onlinedienst für Homenutzer lesen.det – auf dieser Ebene ist der Sprache eine gewisse Be- weglichkeit und Erfinderischkeit (sie) erlaubt. fremdsprachli- che Wörter und Wendungen entweder zupackend und überzeugend zu übertragen oder sie wenigstens den in- ländischen Sprachgesetzen ein Stück weit anzupassen. solche Texte setzen die Bereit- schaft und Fähigkeit zu ständigen. Der gesamte Tiefencode dagegen ist die Or- thodoxie selbst und gegen auch nur leichte Veränderun- gen außerordentlich resistent. dreimal mitten im Wort. Das macht sie zum ei- nen schwerer verständlich. aussprechen und verstehen zu können. welcher Code überhaupt gefragt ist. Ist total deutsch oder englisch zu sprechen ? Soll es ein Adjektiv oder ein Adverb sein ? Wer beide Sprachen beherrscht und seine Kenntnisse  . obschon jede Art von Neuerung auch hier zunächst als kleiner Schock wirkt und so lange um Akzeptanz ringen muß wie die- ses Wort. und es will es auch gar nicht mehr sein. auch den unerwar- tetsten Codesprüngen voraus. und das mit Grund. Kein einziger dieser Wechsel kündigt sich an oder ist zu erwarten. Nichtassimilierte fremde Wör- ter und Wendungen jedoch nötigen zu einem Wechsel des Tiefencodes. und sie macht von dieser Freiheit Gebrauch. Es ist dazu kaum noch imstande. muß man sechsmal zwi- schen drei Codes wechseln. Das heißt. Deutsch hat seine Assimilationskraft weitgehend ein- gebüßt. Es ist kaum noch imstande. Zum anderen kann man gar nicht immer wissen.

wird solche Codesprünge meistern. einen polemischen. es schwindet die selbstverständliche Sicherheit beim Zu- griff auf die Worte und beim Arrangement von Satz- strukturen. die das heu- tige anglisierte Deutsch sprechen –. Das Phänomen hat einen Namen. wo welche zu gelten hätte. Was richtig und was falsch wäre. sondern mehrere. die sich nach der Mitte des sieb- zehnten Jahrhunderts erst in Kanton und dann in an- deren südchinesischen Häfen herausbildete. keinen wissen- schaft lichen. Wer sie nicht beide wirklich be- herrscht – und das ist die Mehrheit jener. ist nicht mehr gewiß. ohne daß eine der beiden Spra- chen Schaden nimmt. Langsam wird zweifelhaft. Dann ist die Sprache tatsächlich ir- reparabel beschädigt. Das erste Pidgin im heutigen Sinn war die Hybridsprache. welcher Tiefen- code eigentlich gilt. Es gibt für ihn nicht mehr die eine Fo- lie sprachlicher Richtigkeit. wo Chine-  . und oft ist nicht auszumachen. wenn Sprecher verschiedenster sprachlicher Her- kunft und ohne gemeinsame Sprache miteinander zu tun bekommen und sich auf Biegen und Brechen ver- ständigen müssen. er kann die beiden Tiefencodes nicht mehr sauber trennen und faßt die ständigen unbere- chenbaren Codesprünge zu dem schwirrenden Gefühl zusammen : In diesem Text kann es mit deutschen oder irgendwie englischen oder auch noch ganz anderen Din- gen zugehen. Er lautet Pidginisie- rung. die sich ad hoc bilden. bei dem kommt es zu Interferenzen . Pidgins sind die Behelfssprachen.durch ständigen Gebrauch lebendig erhält. ohne daß einer wirklich die Sprache des anderen lernt.

sen und Engländer miteinander Handel trieben. Pidgins
sind mündliche Sprachen und haben keine schriftliche
Überlieferung. Sie werden so ausgesprochen, wie sie dem
jeweiligen Sprecher von der Zunge gehen – das Wort
pidgin selbst ist die lautlich anglisierte Form des Wor-
tes, zu dem die Chinesen das englische business ver-
ballhornt hatten. Ihr Vokabular ist klein und instabil
– im Falle des China-Pidgin waren es nur 700 Wörter,
in diesem Fall, aber nicht notwendig überwiegend aus
der einen der beteiligten Sprachen, mit der Folge, daß
jedes von ihnen eine Vielzahl von Bedeutungen über-
nehmen mußte, also höchst unscharf definiert war. Fehlt
ein Wort für den Begriff, der ausgedrückt werden soll,
so muß er mit den vorhandenen Wörtern umständ-
lich umschrieben werden – ›Blitz‹ im Melanesien-Pid-
gin war ›leit bilong klaut‹, ›Licht von Wolke‹ (›light be-
longing to the cloud‹). Die Grammatik des Pidgin ist
nur rudimentär – für die Kennzeichnung grammati-
scher Kategorien stehen keine Flexionsaffi xe zur Verfü-
gung, grammatische Unterschiede können allein durch
Wortstellung und Betonung ausgedrückt werden. Ein
Satz im China-Pidgin lautete etwa : »Mei no heb ket-
schi basket«, »Ich habe den Korb nicht mitgebracht«,
entstanden aus den englischen Wörtern ›me/I‹, ›not‹,
›have‹, ›catch‹, ›basket‹. Pidgins sind keine leistungsfä-
higen, zeitbeständigen Sprachen, sondern ein Notbe-
helf für den Augenblick ; das China-Pidgin starb Ende
des neunzehnten Jahrhunderts aus, weil es seinen Spre-
chern zu primitiv war. Instruktiv aber ist, was aus ei-
nem Pidgin wird, wenn Kinder keine andere sprachli-



che Umwelt als dieses vorfinden. Sie übernehmen dann
nicht einfach das Pidgin ihrer Eltern. In ihrem Mund
verfestigt es sich, es »kreolisiert«. Das Kreol, spontan
geschaffen von den Kindern des Pidgin, besitzt dann
eine feste Aussprache, einen festen Wortschatz, eigene
feste grammatische Regeln, die dem Pidgin noch ab-
gingen – einen eigenen vollen Tiefencode also. Er ist
ein Beweis dafür, daß der Zustand sprachlicher Regel-
losigkeit nicht ertragen wird.
Die Gefahr ist also nicht der Zustrom von fremden
Wörtern und Wendungen als solcher. Es ist die Pid-
ginisierung durch die unablässigen unberechenbaren
Codesprünge, zu denen die vielen nichtassimilierten
fremdsprachigen Wörter und Wendungen des Neu-
anglodeutsch zwingen, und die von ihnen bewirkte
Aufweichung des Regelsystems, der »Folie sprachlicher
Richtigkeit«. Die Pidginisierung ist besonders gefährlich,
wenn sie das »Entwicklungsfenster« betrifft, in dem sich
der elementare menschliche Spracherwerb vollzieht. In
dieser Zeitspanne wird der Tiefencode festgelegt, den
einer sein Leben lang beherrschen und an dem sich nur
noch wenig ändern lassen wird : bis etwa zum zehn-
ten Lebensjahr für die mündliche, bis zum vierzehnten
für die geschriebene Sprache. Die Bereiche Pop, Sport,
aber auch Computer sind besonders stark durchsetzt
von unassimiliertem Englisch, und gleichzeitig sind sie
Bereiche, in denen sich heute nahezu alle Kinder auf-
halten. Es ist zu erwarten, daß diese das Erwachsenen-
alter mit einem irreversibel lädierten Sprachgefühl er-
reichen, wenn nicht starke Gegenkräfte – etwa ein be-



sonders sprachbewußtes Elternhaus – wirksam werden.
Und wenn die Mehrheit ihrer Sprecher eine Sprache
nicht mehr wirklich beherrscht, ist es um sie gesche-
hen. Daraus folgt : Die zur Assimilation unfähige Spra-
che ist eine tote Sprache.
Als 1964 in Frankreich Étiemble gegen die um sich
greifende französisch-englische Mischsprache Front
machte, die er auf den Namen ›Franglais‹ taufte, tat er
es ausdrücklich nur darum, weil die französische Spra-
che die Kraft zur Absorption des Fremden zu verlieren
schien, nicht aber im Namen der Reinheit des Franzö-
sischen.
Der Sprachwissenschaftler Giancarlo Oli kam für das
Italienische zur gleichen Diagnose : »Das Italienische
hat die in seinem Genom (das heißt im reinen Floren-
tinisch) angelegte Immunabwehr eingebüßt, die es in
all den vergangenen Jahrhunderten befähigte, auslän-
dische Entlehnungen einzubürgern« (und etwa ›jacket‹
zu ›giacchetta‹, ›pudding‹ zu ›budino‹, ›beefsteak‹ zu
›bistecca‹ zu machen). Darum gewönnen völlig sprach-
fremde Wörter heute die Oberhand, die Anpassung an
neue Gegebenheiten bleibe nichtitalienischen Wörtern
überlassen, das Italienische verliere mithin seine Be-
ziehung zur kontemporanen Wirklichkeit – es sei eine
»zum Tode verurteilte Sprache«.
»Immunabwehr« war keine geglückte Metapher. Es
ginge ja gerade nicht um Abwehr, sondern um eine
vollständigere Aufnahme, um Einverleibung, so wie
sie Goethe vorschwebte : »Die Gewalt einer Sprache ist
nicht, daß sie das Fremde abweist, sondern daß sie es



verschlingt. Ich verfluche allen negativen Purismus, daß
man ein Wort nicht brauchen soll, in welchem eine and-
re Sprache Vieles oder Zarteres gefaßt hat. Meine Sache
ist der affirmative Purismus, der produktiv ist und nur
davon ausgeht : Wo müssen wir umschreiben, und der
Nachbar hat ein entscheidendes Wort ? Der pedantische
Purismus ist ein absurdes Ablehnen weiterer Ausbrei-
tung des Sinnes und Geistes (z. B. das englische Wort
grief)« (›Maximen und Reflexionen‹, 1016–1019). Aber
Oli hat genau den Punkt getroffen : Nicht der reichliche
Einstrom fremder Wörter ist es, der verschiedene eu-
ropäische Sprachen heute bedroht, sondern ihre Unfä-
higkeit und Unwilligkeit, die eingereisten Fremden zu
assimilieren und ihnen damit volle Bewegungsfreiheit
in ihren eigenen Regelsystemen zu verschaffen.

Dies ist also keine Polemik gegen Fremdwörter, vor-
gebracht im Namen irgendeiner Deutschtümelei. Es
ist ein Plädoyer für ein flexibles, aufnahmefähiges
Deutsch, das aber seine Eigenart behauptete.
Das Plädoyer beruht auf einem dreiteiligen Argument.
Eins : Jede Sprachkompetenz setzt voraus, daß man sich
sicher im Regelsystem einer Sprache bewegt, ihrem Tie-
fencode. Zwei: Die große Zahl unassimilierter englischer
Wörter nötigt heute auf einigen Gebieten zu einem stän-
digen unberechenbaren Wechsel des Tiefencodes. Drei :
Diese unablässigen Wechsel führen zu starken Interfe-
renzen zwischen dem Deutschen und dem Englischen,
die in ihrer Menge die Folie des sprachlich Richtigen
aufweichen, die die Referenzebene ist, welche eine Spra-



che erst möglich macht. Eine starke Beschädigung die-
ser Folie vermindert die Sprachkompetenz des einzel-
nen, und in ihrer Gesamtheit verwüstet sie die deut-
sche Sprache.
Ein lebendiges Deutsch wird auch viele Fremdwör-
ter aufnehmen können. Ein totes Deutsch wird keinem
eine neue Heimat sein können.

Ist das nun Schwarzseherei ? Werden die Sprachen nicht
auch diese Masseninvasion überstehen ? Wird sich ihr
jeweiliger Tiefencode nicht aufs neue als beständig er-
weisen ?
Vor mir liegt ein Softwarehandbuch. Es hat nichts
Bemerkenswertes an sich, außer vielleicht, daß es über-
haupt existiert – amerikanische Firmen, die ein kleines
Dienstprogramm auf den deutschen Markt bringen, ma-
chen sich nicht immer die Mühe, das Programm selbst
und das dazugehörige Handbuch übersetzen (lokalisie-
ren) zu lassen. Für dieses zeichnet sogar ein deutscher
Übersetzer mit seinem Namen.
Und man kann noch nicht einmal sagen, daß seine
Übersetzung in einem konventionellen Sinn schlecht
wäre (auch wenn sie einem das seltene Vernügen ver-
schafft, einen Satz wie das ist jedem seine eigene Ent-
scheidung gedruckt zu sehen). Ihr Deutsch wirkt nur
noch etwas eigen. Es könnte aber das Deutsch von mor-
gen sein.
Sein Deutsch von morgen hat der Übersetzer nicht
selber erfunden. In der heutigen Computerliteratur stößt
man überall auf Neuerungen gleichen Kalibers. Dieses



ansonsten nicht weiter bemerkenswerte Handbuch wird
hier nur darum bemüht, weil es demonstrativ verdichtet,
was bereits vielerorts zu hören und zu lesen ist.
Und dies sind die zehn wichtigsten Neuerungen.
1. Englisches wird manchmal übersetzt, manchmal
englisch belassen. Wann das eine geschieht und wann
das andere, entscheidet das Los. Keinesfalls wird dabei
berücksichtigt, wieviel Widerstand ein englischer Be-
griff seiner Übersetzung entgegenbringt. Daß sich zum
Beispiel Backup & Restore-wunderbar leicht übersetzen
ließe (Sichern & Wiederherstellen), heißt nicht, daß es
auch übersetzt wird. Dafür plagt man sich mit hoff-
nungslosen Fällen, wie SmartDecoy (das hier zu »Kö-
der« Kopie wird).
2. Wo ein übersetzungsbedürftiges und der Überset-
zung für wert befundenes englisches Wort ein irgend-
wie ähnliches deutsches Gegenstück hat, okkupiert es
dessen Bedeutung, auch wenn die Leute zunächst ein-
mal gar nichts mehr verstehen : Das Restaurieren einer
Sicherheitskopie geschieht automatisch. Was verschlägt
es, daß deutsch restaurieren nicht das gleiche bedeutet
wie englisch ›to restore‹ ? Das wird es bald schon tun ;
Wörter wie kontrollieren und realisieren und viele ande-
re sind ihm vorangegangen. Tatsächlich ist es keine von
vornherein verwerfliche Art, im zunehmenden Weltver-
kehr die Begriffssysteme verschiedener Sprachen kom-
patibler zu machen. Aber es lockert den Bedeutungs-
code einer Sprache. Ihre eigenen Begriffe beginnen zu
verschwimmen.
3. Deutsch hat die Eigenschaft, Wortstämme vie-



ler Art zu neuen Begriffen zusammenzusetzen. Dabei
entstehen oft vielbespöttelt lange Wörter vom Typ Do-
naudampfschiffahrtskapitänswitwenversicberungsgesell-
schaftshauptgebäudeseiteneingangstür. Es gab bisher nur
zwei Arten, solche Komposita zu schreiben : zusammen
oder mit Bindestrich(en). Diesem Zustand macht das
Deutsch von morgen ein Ende. Es schreibt wie das Eng-
lische die einzelnen Elemente getrennt : Shell Verweis,
Windows Anfänger, Support Datei. Dabei beschränktes
sich keineswegs auf solche Fälle, in denen englische Ele-
mente in die Zusammensetzung, die nun keine mehr
ist, aufgenommen werden. Auch wo sämtliche Elemente
der deutschen Sprache entstammen, wird es so gemacht :
Notizblock Anwendung, Raster Schriftart, System Säube-
rung Eigenschaft (was immer diese ist). Wer es einmal
begriffen hat, merkt bald, daß Hilfe Sekretär kein Hilfe-
ruf (künftig : Hilfe Ruf) sein soll, weil ein Sekretär naht.
Selbst der Sinn der Welche : Box erschließt sich irgend-
wann. Das Fugen-s, das in vielen deutschen Wortverbin-
dungen die Elemente miteinander verkittet, verhindert
solche Trennungen keineswegs, auch wenn dadurch, daß
jenseits der Fuge nun gar nichts mehr steht, ein neuer
Genitiv entstanden zu sein scheint : Eliminations Pro-
zeß, Technische Unterstützungs Abteilung – anscheinend
die Abteilung für die Verabreichung des Unterstützungs.
Nur manchmal taucht noch eine vage Erinnerung an
die alte Art und Weise auf ; dann wird, wiederum nach
dem Zufallsprinzip, ein Bindestrich irgendwohin ge-
setzt : Datei-Löscb Sekretär. Und wer meint, das sei nun
doch nur eine Eigenheit dieses einen Übersetzers, der



werfe einen Blick in ein beliebiges Computermagazin
oder auch auf die Schilder und Plakate in der nächsten
Einkaufsstraße. In den letzten Jahren sind die Dämme
gebrochen. Gereinigt wird vom Stadt Reinigungsamt.
Im Café wirkt die Konditorei Brigade. Und zwischen
dem Sonnen Studio und der Folklore Boutique leuch-
tet der neue Stern am Pianisten Himmel. (Wer kennte
nicht den neubesternten Klavierspieler Starry Himmel ?)
Tatsächlich mag die deutsche Art der Substantivkoppe-
lung nicht die eleganteste gewesen sein. Dennoch war
sie nicht sinnlos. Sie schuf Klarheit, und ihre Auflösung
jetzt schafft Unklarheiten zuhauf.
4. Eine geradezu liebenswerte Neuerung, von der der
›Duden‹ noch nichts ahnt, ist die Sitte, Komposita über-
sichtlicher zu machen, indem man einzelne Elemente im
Wortlnnern großschreibt. Im Handbuch zum Deutsch
von morgen ist sie nur durch den DoppelFinder ver-
treten. Sie hat aber auch gar keinen Pusch mehr nö-
tig. Selbst in quasi amtlichen Drucksachen findet sie
sich zuhauf : HiFi, LandesBank, InterCity-Treff, InHaus-
Post, TeleBanking, PrickNadelTest, ProfiPartner, Wirt-
schaftsWoche, und weil es so apart wirkt sogar im Titel
DieWoche. Im Laufe der neunziger Jahre hat die Bin-
nenmajuskel die Bindestrichkoppelung zunehmend er-
setzt, so daß diese nachgerade zum Aussterben verur-
teilt scheint. Die Fluggesellschaft, die heute ihre saiso-
nalen Sondertarife bewirbt, nennt sie selbstverständlich
nicht etwa Sommer-Spezial-Angebote, sondern Super-
SommerSpecials. Aber das Neue ist in diesem Fall nur
das Alte. In den Briefen des Dichters Wilhelm Waiblin-



ger, Hölderlins Jugendfreund, finden sich beispielsweise :
HerrGott, FlammenSchrift, MorgenZeitung, Oberfinanz-
Rath oder auch eine BuchhändlerCanaille. Doch nicht
aus der Klassik hat das heutige Deutsch diese Neuerung
bezogen. Auch sie kommt aus dem Englischen. Sie ver-
dankt sich nämlich dem Umstand, daß der Computer
bei manchen internen Befehlen keine Leerzeichen dul-
det und Groß- wie Kleinbuchstaben als den gleichen
Wert liest. Der String screen save time out wäre we-
gen der Leerzeichen unverdaulich. Geschrieben wer-
den muß er screensavetimeout. ScreenSaveTimeOut ist
für den Computer genau dasselbe – und für den Men-
schen denn doch sehr viel lesbarer. So kam sogar das
der Kleinschreibung ergebene Englisch in den letzten
Jahren vermehrt zu Majuskeln – nebenbei ein Argument
für die Beibehaltung der Großschreibung im Deutschen:
Sie erleichtert das Lesen.
5. Das Deutsch von morgen besitzt den sächsischen
Genitiv, nicht nur bei Eigennamen (Norton’s), auch bei
anderen Substantiven (Manager’s). Schon heute ist er aus
dem Straßenbild nicht mehr wegzudenken. Dort war er
zunächst nur ein Signal für Internationalität, also eine
Art, Aufmerksamkeit zu erregen. Im Deutsch von mor-
gen entfällt das Motiv der Werbewirksamkeit ; er wird
Routine, kann aber ebensogut auch fehlen – die Geni-
tivschreibung ist nicht mehr geregelt.
6. Kommas werden im Deutsch von morgen ebenfalls
nach dem Zufallsprinzip über den Text verstreut (Für,
in der Shell installierte Objekte …). Das leidige Problem
der Silbentrennung wird ein für allemal radikal gelöst.



Das Handbuch hat sich für die eine mögliche Radikal- lösung entschieden : Es trennt Wörter am Zeilenende gar nicht mehr. wird das Deutsch von morgen hier erste Einbrüche erzielen. das ist so. und zwar um Redewendungen. Kreb-stiere. Die deutsche Idiomatik wird stark angereichert. die geradewegs und aufs wörtlichste aus dem Englischen übersetzt wurden : dan- ke für diese Anweisungen statt ›dank dieser Anweisun- gen‹. die Wortbildung und die Idiomatik beschränkt und die Syntax unangetastet gelassen hat. Auch hier setzt das Deutsch von morgen je- doch nur fort. was ihm das Deutsch von heute längst vorgemacht hat. egal wie tief die Einschnitte am flat- ternden rechten Rand auch werden (oder wie weit bei Blocksatz die Wortzwischenräume). 7. In ganz eilig aus dem Englischen übersetzten Tex- ten wird gelegentlich die deutsche Form der Steigerung gegen die englische vertauscht : das ist mehr interessant. daß …‹ und so weiter. Während sich die Anglisierung des Deutschen im allgemeinen auf den Wortschatz. am meisten nützlich ist ein Bike. wenn es in 1996 oder in Deutsch oder in Schlaf fallen sagt. Besonders anfällig für die Auflösung grammatischer Regeln ist zunächst die Zone der Adjek- tive. Die andere radi- kale Lösung scheint zur Zeit jedoch die größeren Aus- sichten zu haben : die Wörter an beliebigen Stellen zu zerhacken. ist das nicht so ? 8. Waldst-erben). da … statt ›das liegt daran. wann auch immer die Zeile gerade voll ist (Bluter-güsse. Und wie die Nebenein- anderstellung flexionsloser Wortstämme im Englischen zuweilen die Grenze zwischen Adjektiv und Substan-  .

wo sie zufällig mög- lich wäre (der originale Name).tiv verwischt (man merkt nur : das hintere Substantiv wird von dem vorderen Element näher bestimmt). Scheinadjektive lassen sich meist nicht flek- tieren (der *standarde Treiber ist unmöglich). So entsteht eine Klasse von Adjektiven  . Im poetischen Deutsch früherer Zeiten konnte das rote Röslein ohne weiteres zum Röslein rot werden. Das heißt. Ist ein spezial Akne Programm ein Spezialpro- gramm für die Aknebehandlung oder ein Behandlungs- programm für eine spezielle Akne ? Der Status dieses spezial ist nicht mehr auszumachen. Es ist in solchen Fällen nicht mehr klar. so daß die Flexion auch dort unterbleibt. In gänzlich unpoetischen Fügungen wie Ski total oder Ur- laub exklusiv kehrt die Nachstellung des unflektierten Adjektivs heute zurück. Damit gilt der bisherige deutsche Code nicht mehr unbedingt : Wie im Engli- schen bleiben Adjektive hin und wieder flexionslos : mit voll Power – wohl weil es dem importierten ›full power‹ näher ist als ›mit voller Power‹. ob es sich überhaupt noch um Adjektive han- delt oder ob diese zu Adverbien mutiert sind. Fragt die dahinterstehende Sprachlogik : ›Was für einen Skilauf willst du ? Einen totalen ?‹ Oder fragt sie vielmehr : ›Wie willst du Ski laufen ?‹ ›Total ?‹ Es ist nicht mehr sicher auszumachen. der standard Treiber. ge- schieht es auch im Deutsch von morgen : der original Programmdateiname. die Entkoppelung von Komposita läßt Scheinadjektive entstehen. Auch die trocken hard- boiled Schreibe (die im ›Spiegel‹ zu lesen war) ist solch ein Fall. und darum ist es auch der Sinn der ganzen Fügung nicht.

Sie ist auch dann nicht mehr an- gebracht.  . (Der Comic ist) Spitze. Nun kommen weitere des Wegs. wann. vor ein Substantiv ge- stellt und dabei dann auch gleich klein geschrieben : Ein klasse Film. orange. traut er sich andererseits auch nicht. wenn ein prädikativ gebrauchtes und damit flexionsloses (Pseudo-) Adjektiv in die attributive Stel- lung gerückt wird. pink etwa. Ein spitze Comic. Es sind vor allem drei Fälle : (Der Film ist) Klasse. (Das Heft ist) Scheiße. Also läßt er es unflektiert : Er kratzte sich mit der pink Klaue … Es war ein flaches. ein Scheißheft. rosa bereitet – sollen sie flek- tiert werden oder nicht ? Ein orange Ballon ? Ein oran- ger Ballon ? Ein orangener Ballon ? Mit Anstand konnte man sich der Verlegenheit nur entziehen. Alle drei Substantive werden offenbar für prä- dikativ gebrauchte Adjektive gehalten und darum häu- fig. im Prozeß ihrer Deregulation. indem man ih- nen ein ›-färben‹ oder ›-farbig‹ anhängte.von unsicherem Status. Es wie ein deutsches Adjektiv zu flek- tieren. begegnet immer mehr solchen unflektierten Adjektiven. bei denen eine Flexion nicht mehr angebracht ist. Sie scheinen also bisweilen erlaubt zu sein – nur könnte niemand mehr angeben. wenn er pink weder bieder übersetzen noch mit einem ›-farben‹ beschweren will. Ver- legenheit haben schon immer einige importierte Farb- adjektive wie lila. wie es früher einzig hätte heißen können. Die Ad- jektivflexion. Ein scheiße Heft – wohl- gemerkt nicht ein *scheißes Heft und auch nicht. Man versteht den Überset- zer des Science-fiction-Autors William Gibson. natürlich weiter unflektiert. pink Oktagon … Wer heute Deutsch hört und liest.

spielende Kinder« hier zu das »Vorsicht. zum Beispiel im Internet auf den Gruß :  . und der rei- nen attributiven Ergänzung eines Begriffs. auf die umstandslose englische Art zu konstruieren : der Kohl- Besuch statt Kohls Besuch. wird plötzlich klar. der Handke-Roman statt Handkes Roman. Aber das sei nun wirklich eine private Marotte dieses einen Übersetzers ? Keineswegs. der Müller gehört . was da gemeint sein könnte : der Geschicktes Entfernen Abschnitt. einen feinen Unterschied zu machen zwischen einem neuen zusammengesetzten Sammelbegriff für eine Sa- che. den Mül- ler trägt. die Schmidt-Villa statt die Villa von Familie Schmidt. spie- lende Kinder«-Schild umgebaut wird und zudem alle hilfreichen Satzzeichen entfallen. Erst versteht man gar nichts mehr. Aber das Handbuch zum Deutsch von mor- gen dehnt diese Sitte nun auch auf vielgliedrige Phra- sen aus. die Alle Löschvorgänge bestätigen Checkbox. gar der Wählen Sie das zu deinstallierende Programm Dialog. Müllers Hut war der besondere Hut. Das Handbuch zum Deutsch von morgen hat die bereits weitverbreitete Sitte aufgegriffen. der Druckereinrichtung Sende Header Dialog. das. daß der Typ das Schild »Vorsicht. 9. was im herkömmlichen Deutsch nur durch den Genitiv oder eine Präposition ausgedrückt werden konnte. der Mül- ler-Hut dagegen war ein Hut vom Typ jenes. Die ältere deutsche Art bot ein Mittel. Vielerorts stößt man auf Ähnliches. Wenn man sich dann aber klargemacht hat. die in der Mehrzahl auftreten kann. Diese feine Unterscheidungsmöglichkeit hat Deutsch unter dem Einfluß des Englischen längst auf- gegeben.

wird leider nicht deutlich . der dieses Machwerk in den Druck be- förderte. 10. wie niemandem. Die Funktion des Übersetzers über- nimmt der Treiber. übernommen. wird schon nichts mehr daran auffallen. Ob der Waise (Die Definition eines »Waisen« ist … zu lang.Willkommen bei der besetztes haus Alt Stralau 46 Home Page Wir bleiben alle. als wenn zwei Personen verschiedene Sprachen sprechen. sondern um strukturelle Veränderungen der Sprache. Irgendwo in dem Handbuch heißt es : »Betrachten Sie es so. bei den Neuerungen dieses Textes han- delt es sich nicht um die Privatangelegenheit eines ein- zelnen. die einen Übersetzer beschäftigen. die derlei lesen. der ihre Worte übersetzt. Es handelt sich zum Teil auch nicht um bloße lexikalische Neuerungen. das heißt : Ist »der Waise« schnell.« Hier hat umgekehrt der Ü. Ge- legentlich führt zwar auch sie zu Großen Verständnis Problemen : Entspricht das Schnelle Waisen Finden dem Geschicktes Waisen Löschen. Er treibt dem Deutsch von morgen entgegen. die sich noch irgendwie unter dem Begriff ›Fremdwort) subsumieren ließen. oder wird er schnell gefunden ? Das Deutsch von morgen wird keineswegs ein einfacheres. Manchen. Zwar dürften  . An- deren werden sich die Haare sträuben. die Funktion des T. die konsequente Großschreibung von Adjektiven in titelartigen Zeilen ist es bestimmt. um hier zitiert zu werden) ebenfalls futuri- stisch gemeint ist oder antiantisexistisch. Wohlgemerkt. klareres sein. etwas daran aufgefallen zu sein scheint.

aber sie liefen wohl alle auf ein ästhetisches Urteil hinaus : Wie unschön ! Tatsächlich hat sich eine Sprache im Zustand der De- regulation auch um die Fähigkeit gebracht. Aber wie alle ästhetischen Urteile wäre auch dieses subjek- tiv.  . vielleicht gerade darum. jedem Satz muß sich der Leser fragen. ein gefälligerer als die Einhaltung irgendwelcher altüber- lieferter Normen ? Ob schön oder unschön : gegen solche Texte spricht vor allem.sie drastischere Ausdrücke wählen. weil es so »unschön« wirkt. weniger deutsch ? Und ist das nicht ein gefälliger Anblick. Was der eine unschön findet. Bei jedem Wort. die den Eindruck der Unschönheit weckt : der unberechenbare dauernde Co- dewechsel und der Eindruck allgemeiner sprachlicher Regellosigkeit. und sofort wird vieles klar. gefällt dem anderen um so mehr. welcher Tie- fencode hier gelten soll : der deutsche ? der englische ? keiner von beiden. weder zu beweisen noch zu widerlegen. schön zu wirken – der Eindruck der Sprachschönheit setzt eine überlegene Beherrschung ihrer Regeln voraus. Vermutlich ist es ge- nau diese Schwerverständlichkeit. auch das totale Chaos ? Am besten übersetzt man sich in Gedanken erst einmal alles zurück ins Engli- sche. daß sie nur mit Mühe und Phantasie über- haupt verständlich sind. daß die deutsche Sprache nicht stagniert ? Daß sie sich dem Wandel der Zeiten anpaßt ? Daß sie internationaler wird. Zeigen solche Texte nicht immerhin. weil ein solcher Text alles erwarten läßt. jeder Phra- se.

dann so- gar eine Literatur ermöglichen. sieht die Welt als ein bro- delndes Meer von einigen tausend Sprachen. auf der »korrekten« Beherrschung eines einzelnen Sprach- zustands nimmt sich unter diesem Blick unaufgeklärt. Jedes Beharren auf einer einzelnen Sprache. die heute ihre Trial-und-Error Odysseen beim Zappen von Quizshow zu Talkshow erleben.Sicher wird auch das Deutsch von morgen. die Sprachen im Kon- takt miteinander erforschen. durchdringen und manchmal auch kannibalisieren. Sub specie aeternitatis mögen sich alle Sorgen um den Bestand einer bestimmten Sprache kleinlich und kurz- sichtig ausnehmen. die sich im Laufe dieser Kontakte gegenseitig anstecken. reaktionär und geradezu lächerlich aus : als nichts an- deres denn ein Symbol für die Machtansprüche einer bestimmten Sprechergemeinschaft auf Kosten jener. jede mit ungezählten Varietäten und in Berührung mit anderen. das sich heu- te an vielen Stellen ankündigt. falls so etwas wie Lite- ratur noch gefragt sein sollte. eines nicht fernen Tags genau dieses pidginisierte Deutsch für das einzig richtige halten und vielleicht auf ihre Weise kreolisie- ren. in der sich das Nötige ausdrücken läßt. denn auch wenn ein bestimmter Sprachzustand noch so zäh  . eine Fiktion – niemand beherrscht seine Sprache je voll- ständig. die nicht zu ihr gehören. Vielleicht wird es. Wer die Brennweite so weit einstellt. wenn sich seine Worte und Wei- sen eine gewisse Geschichte erworben haben. wie manche Linguisten es tun. Der »ideale Sprecher« der Grammatiktheorie : ein Konstrukt. und als letztlich vergeblich. eine Sprache sein. Auch werden die Kids.

möglichst vollständig über einen bestimmten Code zu verfügen. sie geradezu willkommen heißt. der allen Kontakt- phänomenen wie Entlehnungen. der für sie dann der korrekte ist. Interfe- renzen. Ich meine je- doch. daß es ein verbreitetes und nicht verwerfliches Be- dürfnis vieler Menschen ist. das heißt sprachliche Mittel.verteidigt wird. ist ihm nur eines gewiß : die Verände- rung. daß die Erosion ihres Tiefencodes beginnt. jedenfalls unideales Gemisch ein. wird einen Satz von Lichtenberg oder Heine oder Schopenhauer oder Nietzsche oder Brecht oder Enzensberger vielleicht  . Läßt eine Sprache so große Veränderungen zu. Mischungen. Für die Oxforder Linguistin Suzanne Romaine zum Beispiel scheint schon der Begriff »die Sprache« irregeleitet – in Wirklichkeit besäßen alle immer nur »Sprache«. und daß eine bestimmte Sprache für ihre Sprechergemeinschaft genauso-sehr ein Kulturbesitz werden kann wie etwa eine bestimmte Rechtskultur. Codewechseln mit grenzenloser Duldsamkeit zusieht. und die gingen für jeden einzelnen ein anderes und zudem in ständi- ger Wandlung begriffenes. Jenes Deutsch von morgen wird die Brücken zu dem Deutsch von gestern und heute abgebrochen ha- ben. sein idealer Sprecher zu sein . Es ist dies natürlich ein Blick. auch wenn kein einziger von sich be- haupten kann. den zu verteidigen nicht weniger legitim ist als die Verteidigung kleiner Mino- ritätensprachen. Wer das Deutsch von morgen spricht. so ist zumindest ein Effekt unausbleiblich : Die Sprachzustände der Ver- gangenheit werden fremd und schließlich unverständ- lich.

Es sei lie- ber einem Ausländer überlassen. Es müßte ganz und gar keinen Einreisestopp für fremde Wörter geben. verwahrlosen zu lassen. Das hieß wohl : ein Volk habe eigentlich nicht das Recht. Was geschehen müßte.noch ungefähr verstehen. alles nur soweit und mit dem einzigen Ziel. daß er gut war und was an ihm gut war. zu erkennen. so daß insge- samt der deutsche Code gefestigt würde und überall als unbezweifelte »Folie sprachlicher Richtigkeit« be- stehenbliebe. sofort als Deutschtümelei ausge-  . Dieser Wille ist nicht vorhanden und würde. Sie müßten auch nicht allesamt brachial eingedeutscht wer- den. Hier eine Übersetzung. sondern »weil die deutsche Sprache … so viele Schätze menschlicher Zivilisation in sich birgt« (der Amerikaner Mark Rilla). das zum Welt- kulturerbe gehört. das Deutsche an der deutschen Sprache zu erhalten. dort eine lautli- che oder orthographische Anpassung. um das Deutsch von morgen abzuwenden. etwas. die zugereisten Wörter in sämtlichen grammatischen Zusammenhängen frei ge- brauchen zu können – schon das würde viel bewirken. liegt auf der Hand. warum das schade wäre – nicht weil die deutsche Sprache besser wäre als andere. Es setzte jedoch den gemeinsamen Willen voraus. wenn er sich ir- gendwo regen sollte. Es müßte in den von der Anglisierung betroffenen gemeinsprachlichen Bereichen nur die Menge und Tie- fe der Codesprünge vermindert werden. zu sagen. aber er wird nicht mehr in der Lage sein. wird es weniger können als wir angesichts ei- nes Satzes von Walther von der Vogelweide.

pfiffen. Polen. Franzosen. eines Tages Engländer. die später in unserm Land le- ben. Finnen und Spanier um ihren Eigensinn beneiden. Also werden die. Und die Klügsten werden ihre Kinder von Anfang an Englisch lernen lassen. . damit diese später wenigstens eine der geschichtlichen europäischen Sprachen von Grund auf und richtig beherrschen.

Hundert Computerbegriffe in zehn europäischen Sprachen .

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durch Übersetzung oder durch auch nur minimale orthographische Angleichung an die eigenen Laut-Buchstaben-Beziehungen der Ziel- sprache. wurden diese jeweils nur einmal gezählt.Es wurde für die einzelnen Sprachen einerseits ausge- zählt. die Entschei- dung oft also noch nicht gefallen ist. in keiner Weise assimilierte Über- nahmen aus dem Englischen darstellen. Wenn sie besonders hoch ist (im Spanischen. wie viele dieser Begriffe mit einem oder mehreren Wörtern ausgedrückt werden. Da in allen Sprachen für manche Begriffe sowohl unassimilierte wie assimilierte Wör- ter zur Verfügung stehen. Je höher die Prozentzahl. auch die Kunstwörter (modem. daß hier noch in vielen Fällen assimilierte und unassimilierte Wörter koexistieren. desto weniger anglisiert ist der Computer- jargon der betreffenden Sprache. Kein einziges der im Englischen gebrauchten Wörter ist nichtenglischen Ur- sprungs . für welchen Teil der jeweiligen Gesamtmenge assimilierte Wörter zur Verfügung stehen. Wo mehrere unassimilierte oder assimilierte Wörter nebeneinander bestehen. multimedia) sind nach angloamerikanischen Regeln gebildet. die in ir- gendeiner Weise an die Zielsprache angepaßt wurden : durch Lehnschöpfung. ist die Gesamtzahl der Wör- ter überall höher als hundert. be- deutet das. Italienischen und Deutschen). Die Prozentzahl gibt an. . die unveränderte. Andererseits wurde ausgezählt. für wie viele der hundert ausgewählten Compu- terbegriffe ein oder mehrere Wörter gebräuchlich sind.

multireligiösen – Gemeinwesen die ein- zelnen Gruppen zueinander einnehmen ? Wie können und sollen sie ihr Zusammenleben organisieren? Welche Meinungen übereinander und welche Wörter füreinan- der dürfen geäußert werden und welche nicht ?  . eine Art zu sprechen. und zwar ganz zentral. Die sprachlichen Verän- derungen. multisprachlichen. multirassischen. ist nicht nur ein sprachliches Phänomen. Sie ist nicht auf Amerika beschränkt. multisexu- alorientierten. PK. Es ist dabei aber auch. multiethni- schen. die die PK bewirkt hat und in aller Welt weiter bewirkt. eine Stimmung. Politische Korrektheit. zuweilen gerade- zu ein Lebensstil. in Amerika zum Teil so- gar der Ausfluß etlicher ausdrücklicher und sanktions- bewehrter Sprachregelungen. eine Haltung. und sie ist nichts Marginales. Welche Haltung sollen in einem heterogenen – multikulturellen. eine Denk- weise. denen sich niemand entziehen kann.Die Berichtigung Über die Sprachreform im Zeichen der Politischen Korrektheit Das. lassen sich jedoch nur auf dem Hinter- grund der ganzen Denkweise verstehen (und kritisie- ren). Im Gegenteil. heißt. was heute auch in Deutschland Political Correct- ness. PC. der sie zu Diensten steht. Es ist ein Bündel politi- scher und weltanschaulicher Meinungen. sie wirft einige der letzten Fra- gen des gesellschaft lichen Zusammenlebens auf.

die sowieso nicht leicht zu erörtern wären. Unterdrückung oder gar Sklaverei war. ein tabuisiertes Wort gebraucht hatten. Daher die schrillen Töne im Streit um die Politi- sche Korrektheit. Hochschullehrer wurden an den Pranger gestellt. in dem es gefährlich ist. Diffamie- rung. Sachlich und nüchtern jedenfalls wird es dabei nicht zugehen kön- nen. bestimmte Ideen und bestimmte Wörter laut zu sagen : Ideen und Wörter. weil sie eine tabuisierte Idee vertreten. Jour- nalisten und Fernsehkommentatoren wurden genötigt. auch physisch bedroht und tätlich angegriffen. unbestreitbaren Ausbeutung. Schon ein blo- ßes Wort kann ihn herunterreißen. mußten Lehrveranstaltungen absetzen. eines tabuisierten  . beleidigt und gedemütigt. Sie wurde als ein schützender Ver- band über lauter wunde Punkte gelegt. erschweren die Gereiztheit auf Seiten der Nachkommen der Opfer und das schlechte Gewissen auf Seiten der Nachkom- men der Täter jede Diskussion noch mehr. hier und da. Professoren. da für jeden einzelnen zuviel vom Ausgang die- ser Erörterung abhängt. verloren Forschungsmittel oder ihre Stellung. sich wegen einer tabuisierten Idee. von denen sich eine der Opfergruppen herabge- setzt fühlt oder fühlen könnte. Wenn dazu die Geschichte der Beziehungen zwischen den betreffenden Gruppen eine der manifesten. Das Zusammenspiel von gereizten Forderungen und schlechtem Gewissen hat an den amerikanischen Hoch- schulen und zum Teil auch in den Medien in den letz- ten fünfundzwanzig Jahren nach und nach ein Klima entstehen lassen. Studenten. am Reden gehindert. Es sind Fragen.

ja eines matten Witzes öffentlich zu entschuldi- gen. Jedenfalls aber hat in einigen die öffentliche Meinung bestimmenden Mi- lieus vielfach ein unduldsames Eiferertum um sich ge- griffen. »Denkverbote«. schreibt Jonathan Rauch.) Die Unduldsamkeit scheut nicht die Lächerlichkeit. wäre ihm ver- mutlich eine Belobigung zuteil geworden. auf dem Campus das falsche T-Shirt zu tragen. »Tugenddiktatur«. Ausgerechnet die politischen Erben des free speech mo- vement bestehen darauf. zu dramatische Worte. »Gedankenpoli- zei« – das sind dramatische. (»Habe meine Lek- tion gelernt«. In  . Buße zu leisten.Wortes. Hätten sich auf dem Hemd zwei Jungen oder zwei Mädchen geküßt. die die Wis- senschaft selbst bedrohe. Es kann Folgen haben. Da sich darauf ein Junge und ein Mädchen küßten. daß der freien Rede Grenzen gezogen werden sollten. versteht sich – anderen das Leben schwermacht und ein Kli- ma der Einschüchterung und Beklommenheit erzeugt. lautete die Überschrift eines Artikels. wurde ein Professor an einer der großen Westküstenuniversitäten von einigen Stu- dentinnen wegen »sexueller Belästigung« (sexual ha- rassment) angezeigt und mußte ein Disziplinarverfah- ren über sich ergehen lassen. in dem ein Student in Michigan sich gezwungenermaßen für ein Scherzgedicht über einen homosexuellen Sport- ler entschuldigte. zu widerrufen. denn zu einem totalitären Staat sind die Vereinigten Staaten bei allem nicht geworden. das – zum Besten des großen ganzen. Dreieinhalb Jahrhunderte nach Galilei sei eine neue antikritische Ideologie auf dem Vormarsch.

gab es den Gesinnungsdruck einer radikalen politischen Bewe- gung. Und wenn der Staat die Bestrafung nicht übernehmen kann.seinem Buch ›Kindly Inquisitors‹ (1993) heißt es : »In Amerika … und anderswo wird das alte Prinzip der Inquisition wiederbelebt : daß Menschen. Aber da er keinen zusammenfassenden Namen hatte. sollten private Institutionen und Interessengruppen es tun. macht in der Tat einen Unterschied. daß der Sprache durchaus eine gewisse Macht eigen sein kann. Ehe der Begriff der Political Correctness da war. Komplexe Sachverhalte zu ei- nem Begriff zusammenzufassen. das das Denken in eine bestimmte Rich- tung lenkt und ihm andere Wege abschneidet. prägnant benannte Begriffe machen die- se Sachverhalte allgemein verhandelbar. die falsche und schädliche Ansichten hegen. was für einen Namen eine Sache hat – aber ob sie überhaupt einen Namen hat. den er dann bezeichnen sollte. und geschickt benannte Begriffe tragen bereits ein polemisches Mo- ment in sich. dann sollten sie im- merhin ihrer Arbeitsstelle verlustig gehen. Wenn man sie schon nicht ins Gefängnis werfen kann. seit langem. zu Entschul- digungen und zum Widerruf gezwungen werden. organisier- ten Beschimpfungskampagnen ausgesetzt. zum Wohle der Ge- sellschaft bestraft werden sollten. Nicht sosehr darauf kommt es an. erleichtert das Den- ken ungemein . fehl- te es ihm gewissermaßen an voller Realität – das Phä-  . eine auf Gedanken Jagd machende Bürgerwehr.« Der Begriff der Political Correctness selber ist eins der seltenen Beispiel dafür.

I’m afraid aus einer amerikanischen politischen Diskussion jener Tage wäre mit Du hast eben nicht das richtige Bewußtsein. werden sie zur materiellen Gewalt. Direkt oder indirekt ging es wohl zurück auf einige Mao-Sprüche aus dem Jahr 1963.« So lebte der Begriff. bald positiv. zeigte. Der früheste Beleg für die Ver- wendung in einem positiven Sinn stammt aus dem Jahre 1970. Die Plötzlichkeit. dem sein polemisches Potential zu Anfang nicht anzu- sehen war.« Im Diskurs der deutschen Linken meinte Linientreue und dann bei den Neu-Linken richtiges Bewußtsein das gleiche. etwa dem : »Sobald die richtigen [correct] Ideen … von den Massen beherrscht werden. Der Satz You are not politically correct. Genos- se zutreffend übersetzt. zu finden in seinem Rotem Buch.nomen war allgegenwärtig und in Ermangelung eines Namens doch nicht benennbar. Wörtlich übersetzt : »Jemand kann nicht zugleich politisch korrekt und Chauvinist sein. wie sehr er entbehrt wor- den war. bald ironisierend kritisch gebraucht. kein gehässiges Wort. Am Ende dürfte die bloße Existenz eines Na- mens einiges dazu beigetragen hat. mit der er sich nach zwei fast gleichzeitigen Titelgeschich- ten der Magazine ›Newsweek‹ und ›New York‹ im Janu- ar 1991 durchsetzte. Es war ein milde ironisches. die Auswüchse der PC zu überwinden. als linker Insider-Kommentar zum  . Wer könnte sich schon durch das Attribut korrekt angegriffen fühlen ? Mit dem Wort politically correct hatten sich in den sechziger Jahren junge Lin- ke ironisch von der sturen Parteilinie mancher Funk- tionäre distanziert.

den sich die Parteien hin und her reich- ten und der dann auch in andere Länder mit anderen sozialen Gemengelagen exportiert wurde. Daß er so rasch um sich griff. bemüht zu erklären. daß nun ein amorpher und sozusagen schwei- fender Radikalismus einen Namen hatte. die es am richtigen Bewußt- sein. hatten sich gern als Schwimmer gegen ei- nen übermächtigen Strom gesehen. fiel alles nur mögliche unter das Ru-  . Er traf sie sozusagen in ihrer Par- tisanenehre. Die. daß dieser sich als ein ungewollt listiger Name erwies. zur Abwechslung einmal viele PCler in der De- fensive zu sehen. Die Gegenseite hatte plötzlich die Genug- tuung. an der political correctness fehlen lassen. Es lag wahr- scheinlich auch daran. Der Name jetzt machte darauf aufmerksam. daß ihr Partisanentum hier zu einer neuen Ortho- doxie geworden war. welche vielfältigen Drangsalierungen an den Hoch- schulen auf Leute warten. als Partisanen. als das Wort zu einem giftigen Kampfbegriff geworden war. Später. daß sie nur das politisch Notwendige. verschwamm seine Bedeutung.relativen Wert der Gesinnungstreue viele Jahre still vor sich hin – bis John Taylors Titelgeschichte im Stadtma- gazin ›New York‹ ihn der Linken entwand und plötzlich die ganze Nation in Balkenlettern vor die Frage stell- te : Are You Politically Correct ? Also : Hast du auch das richtige Bewußtsein ? Um dann im Innern zu beschrei- ben. Anständige und Richtige täten. aber so politisch korrekt gar nicht wären. lag jedoch nicht nur daran. die nun die politisch Korrek- ten hießen. daß der Strom zumindest im Hochschulmilieu längst in ihre Richtung floß.

die Köpfe ein für allemal mit diesem oder jenem Inhalt zu füllen. So gesehen. sie wurden und werden victimized (›viktimisiert‹. männliche und weibliche Ho- mosexuelle – und Frauen. Indianer. konkrete antidiskriminatorische Maßnahmen). Die eine Forderung war die nach der quotierten Berücksich- tigung bei der Stellen.brum pc. diskri- miniert. Es ist eine lockere Koalition von Minderheiten. stigmatisiert. Zunächst aber war die Bedeutung völlig klar.  . Gemein haben sie nur. Politically correct : im Kern wa- ren das die Forderungen einiger militanter Minderheiten. auch wenn diese nicht gerade Minderheitenstatus beanspruchen können. ausgegrenzt. die sich da zusammengefunden hat. Sie alle wur- den einmal oder werden immer noch diffamiert. daß sie sich in erster Linie als Opfer verstehen : Schwar- ze. die um ein Ende ihrer Diskriminierung kämpften. zu Op- fern gemacht). die Pflichtlektüreliste der Anfangsseme- ster. die von zwei merkwürdigen Voraussetzun- gen ausging : daß Studenten höchstens das vorgeschrie- bene Dutzend Bücher lesen und sonst keine . Hispanics. deklassiert. erbitterten »Kanon«-Diskussion : Welche Lektüre soll Studienanfängern vorgeschrieben werden ? Es war eine Diskussion. Die andere war die nach einer Revision der Lehrpläne. auch sein Gegenteil. degra- diert. wirklich als ein Instrument aus. marginalisiert. und daß sie sich die Gedankenwelt dieser verordneten Bücher umstandslos zu eigen machen. Diese führte zu einer an vielen Stellen aufflammenden. oppressed (unterdrückt) – kurz. nahm sich der »Kanon«.und Mittelvergabe (affirmative action.

Diese Koalition hat sich einen Kompositfeind erschaf- fen. die immer wieder um Aufnahme nachgesucht haben. Doch nur Aids genießt den Vorzugsstatus. blieben ausgeschlossen : in Amerika die Creationisten. westliche Kultur muß weg«. Goethe. die sich – subjektiv mit Recht – ebenfalls über Diskriminierung und Zurücksetzung beschweren könnten. die der gleichen Verfolgung ausgesetzt sei wie die Juden im Nazistaat.«) Zwei Gruppen. Herzinfarkt und an- deren Krankheiten als an Aids. meck meck. Raucher. auch und besonders den toten. (Der konservative Hochschulkritiker Roger Kimball merkte einmal bissig an : »Viel mehr Menschen sterben jedes Jahr an Brustkrebs. politisch korrekt zu sein … vor al- lem wegen des Aktivismus. Pädophile. Er ist der Täter. patriarchalischen) Mann. der sie eint : den weißen (eurozentrischen) heterose- xuellen (phallokratischen. daß diese Rufe an einer Elitestätte westlicher Kultur ertönten. Psoriatiker oder User von OS/2. auch wenn diese sich in ihren Veröffentlichun- gen gern als eine Minderheit darstellen. Das stand hinter den Sprechchören an der Stanford-Univer- sität : »Hey hey. wenn man sich vor Augen hält. der sie alle zu Opfern gemacht hat und dessen Macht nun gebrochen werden soll. Das Frap- pierende daran war vor allem. daß andere. Western culture’s got to go« – »He he.  . Daß es sich um eine Koalition weniger ausgewählter Opfergruppen handelt. den es unter Homosexuellen ausgelöst hat. als Verkörperung einer als unterdrückend empfundenen europäischen Kulturhe- gemonie. ho ho. in Deutschland die Scien- tologen. Darwin. entschieden nicht dazugehören : etwa Juden. wird klar.

Politisch korrektes Denken beruht auf einer Verab- solutierung. Bei allem. Sie ist etwas grobschlächtig Kollektives – das ausdrückliche und vernehmbare Bekenntnis zur eige- nen Gruppe. Die Gruppe. in dem solche ei- nerseits völlig richtigen. zuallererst und vielleicht als einziges zu fragen. schreibt. in dem sich der einzelne von allen anderen unter- scheidet. tut. Die political correctness ist das Klima. stellt sie doch das einzig Interessante an ihm dar. die den Menschen definieren soll – und wenn sie ihn nicht geradezu erschöpfend definiert. die dem Menschen im politisch korrekten Denken seine Identität verschafft. vielleicht waren sie sogar »Phallokraten« . Diese vielbeschworene. vielgesuchte Identität ist in sei- nem Verständnis gar nicht das ganz persönliche We- sen. will damit nicht sagen. was einer sagt. Er will vielmehr sagen. er habe seine Identität gefunden. sich offen zu seiner Homosexualität zu  . Picasso – zweifellos waren sie weiße Europäer und männlichen Geschlechts. Der Homosexuelle. läßt sich wohl kaum behaupten. aber daß ihre Leistungen damit ausrei- chend oder auch nur in irgendeiner relevanten Weise charakterisiert wären. ist es. der er zugehört. daß er irgendwelche ganz persönlichen Eigenheiten in sich entdeckt habe. der von sich sagt. andererseits völlig leeren An- schuldigungen gedeihen. ob er einer der anerkannten Opfergruppen oder der einen Tätergruppe angehört – das macht den Kern politisch korrekten Denkens aus. Die Gruppenzugehörigkeit ist es. sozusagen einer Fundamentalisierung der Gruppenzugehörigkeit. daß er be- schlossen habe.Tolstoj.

Ein weißer heterosexueller Mann machte sich lächerlich. privilegieren letzt- lich die Individuen. die das Individuum über die Gruppe stellen. ja sogar unabhängig von der Menschheit : Erklärt er damit nicht nur seine eigene Denkweise für universal ? Will er sie damit an-  . man bekennt sich einfach nicht zu ihr. Der Anspruch. gruppenüber- greifende menschliche Eigenschaften und Werte. er habe nun endlich seine Identität gefunden – nicht weil nicht auch er eine persönliche und eine kollektive Identität hätte. Argumente. von der irgendein Aufhebens gemacht werden sollte – für die Politische Korrektheit hat sie geradezu etwas Ehrenrühriges.bekennen. die der größten und herrschenden Gruppe angehören. In einem Memorandum an die Mitglieder eines Diversity Education Committee schrieb eine Studentin in Penn- sylvania von ihrer »tiefen Achtung für das Individuum und [ihrem] Wunsch. welches vielen als rassistisch gilt. die Freiheiten aller Mitglieder der Gesellschaft zu schützen«. die Regeln der Logik gäl- ten für die gesamte Menschheit. Der Kom- mentar lautete : »Das ist heute ein zu meidendes Wort. seine Kulturhegemonie durchzuset- zen. Sie bekam das Papier zurück.« Diese Verabsolutierung der Gruppenzugehörigkeit macht die PC mißtrauisch gegen jeden Universalis- mus. Man ist genug gestraft damit. daß man sie hat. es gebe universale. wenn er von sich sagte. Wenn er etwa behauptet. Das Wort ›Individuum‹ war unterstrichen. sondern weil eine kollektive Identität wie die seine nicht von der Art ist. könnte ja selber nur ein weiterer Trick des weißen heterosexu- ellen Mannes sein.

multikultu- relles Miteinander der verschiedenen Gruppen aus zu sein schien. soll den Anderssprachigen oktroyiert werden und diese ihrer eigenen Sprache berauben. in die ständige Gefahr. Ein offensichtliches Beispiel ist die Sprachenpolitik. Die Politische Korrekt- heit jedoch nimmt von vornherein und fast automatisch für die Partikularsprachen und gegen die verbindende Gemeinsprache Partei. wenn alle seine Bürger durch eine gemein- same Sprache verbunden sind. Das galt schon für den autoritären Staat. Es lag von jeher auf der Hand. wenn sie es nicht schon getan hat. Um so mehr ist ein demokrati- sches Gemeinwesen darauf angewiesen. wo in einem Staat die einzelnen Sprachen ihre eigenen geschlossenen Verbreitungsgebiete haben wie in Belgien oder Kanada oder der Schweiz oder in Spanien. die nicht logisch denken und vielleicht auch gar nicht logisch denken wollen ? Dieser inhären- te Antiuniversalismus bringt eine Denkströmung. Dort. in dem von oben nach unten befoh- len wurde. geht es ohne gemein- same Sprache gar nicht mehr. sind die Konflikte groß genug. Sie ist ja die dominante Sprache der Herrschenden.deren Gruppen aufnötigen ? Diskriminiert er auf diese Weise nicht jene. daß sich jeder jedem verständlich machen kann. in einen feindseli- gen Gruppenseparatismus umzuschlagen. Wo die Sprecher der einzelnen Sprachen durchmischt zusammen wohnen. daß es für einen Staat von Vorteil ist. die im Ansatz auf ein fröhlich pluralistisches. Der Hispanic im vorwie- gend englischsprachigen Nordamerika habe ein Recht  . Unten sollten die Befehle schließlich über- all verstanden werden.

einen der größten denkbaren Verluste erleidet. Diese Parteinahme für die »kleinen«. ihm das Englisch der Herrschenden auf- zuzwingen. lebens- wichtiger Besitz. daß der. Andererseits aber ist auch dies wahr : daß der Staat. es werden sich nur die getreuen Sprecher der Ne- bensprachen selber in ihren jeweiligen Gettos verbar- rikadieren und von seinen wichtigen Angelegenheiten ausschließen. wie es schade um jede aussterbende Art in der Natur ist. Es ist schade um jede Sprache. Wer Kritik an der Political Correctness anmeldet. der in lauter isolierte Sprachen zerfällt. der auch nur teilweise auf sie verzichten soll. und der Nachteil ver- stärkt meist die anderen Nachteile. die irgend- wo in Bedrängnis gerät und vielleicht sogar untergeht. unter- drückten. Und die eigene Sprache ist ein so intimer. Im Nachteil gegenüber den Sprechern der do- minanten Sprache ist er sowieso. in seinem gesamten Alltag Spanisch zu sprechen. Na- türlich wird er deswegen nicht wirklich zugrunde ge- hen . Er solle stolz auf sein Spanisch sein und jeden Versuch zurückweisen. stigmatisierten Nebensprachen eines Landes hat tatsächlich etwas ungemein Sympathisches und Ver- führerisches. wenn den Rassisten und Sexisten endlich Einhalt geboten wird ? Sie gehö- ren wohl selber zu diesem Gesindel ?« Wenn zur Ab- wechslung einmal die ewigen Unterdrücker (oppressors) ein wenig drangsaliert werden – um so besser ! Wie es  . an Sprachlosigkeit zugrunde gehen muß. die mit dem Minder- heitenstatus verbunden sind.darauf. dem antwortet aus deren Lager meist eine Gegenfra- ge : »Was ist denn schlimm daran.

Genau dies macht das selbst das gutwilligste Inqui- sitionsklima so gefährlich : daß es unweigerlich mit der Wahrheit kurzen Prozeß macht. dessen Forschungsergebnisse jedoch. Die Wahrheit könnte einigen wenigen auserwählten Individuen von einem überirdischen Wesen offenbart worden sein. die Wahrheit durch scharfes und tiefes Nachdenken zu fin- den .ein Flugblatt in den frühen siebziger Jahren formulier- te : »Was sind ein paar Prügel gegen den Genozid. was als wahr gelten soll. Die Freiheit. und alle sind irgendwo und irgendwann ausprobiert worden. Über die Wahr-  . darüber zu entscheiden. Es könnte einigen wenigen Weisen überlassen werden. ist schließlich kein widerrufbares Zugeständnis der Gesellschaft an die selbstsüchtigen Ausdruckswünsche einzelner Indi- viduen. Ein Gemeinwe- sen hätte viele Möglichkeiten. von ei- ner der Opfergruppen als irgendwie kränkend empfun- den wurden. beim Weitersagen von der Entrüstung bis zur Unkenntlichkeit vergröbert. Dies ist keine Sonntagsredenfloskel. und die anderen übernehmen sie. sondern eine Tat- sache. aus dem die liberale (das heißt freiheitlich verfaßte) säkulare Gesellschaft ihre Kräfte bezieht. Sie ist der Nährboden. wie Jonathan Rauch gezeigt hat. seine Mei- nung ohne Prügelandrohung zu sagen. der kei- neswegs irgendeinen Genozid vorbereitet hatte. und die Gesellschaft hält diese Offenbarungen dann für letz- te Wahrheiten. die niemand in Frage stellen darf. den dieser Mann vorbereitet hat ?« Es galt einem in seinem Fach hochangesehenen Psychologieprofessor.

den die Wis- senschaft ihnen vormacht. Also gibt es auch keine letzten Autoritäten : Kein Papst. die kei- ne Ausnahme zulassen. die sich ein paar Spezialisten nach den der Allgemeinheit verschlos- senen Regeln ihrer Kunst ausgedacht haben. bis eine überzeugendere Idee sie überwunden (oder absorbiert) hat. der keinem bestimmten Ziel zu- strebt und an keinem Ende ankommt. kein Philosophenkönig. Dieser Prozeß wird von einigen einfachen Regeln gesteuert. Jede Idee gilt nur so lange. kein Parlament. was ein paar auserwählte Autoritäten in kanonischen Texten festgehalten haben. kein Diktator. auch kein Nobelpreisträger hat in dieser immerwäh- renden Debatte je das letzte Wort. Sie schaffen Ruhe im Land. Jede Idee muß sich jederzeit der Kritik stel- len. was für wahr gehalten werden will. Über die Wahrheit könnte auch das Los entscheiden. Die Wissenschaft ist nicht. Also gibt es in der Wissenschaft keine absoluten Wahrheiten : Alles.heit könnte abgestimmt werden : Wahr ist dann. muß auf den Tisch und stellt sich einer allgemeinen Debatte. was die Mehrheit für wahr hält. Die Wissen- schaft ist überhaupt kein bestimmter Wissensbestand. Sie lauten : Jede Idee ist will- kommen. Alle diese Methoden heben den Konflikt zwischen vielen subjektiven Wahrheiten durch einen Machtspruch auf.  . Schon gar nicht ist sie das. und zwar ein offener Prozeß. Sie sind nur nicht produktiv. kein Seher. wofür viele sie immer noch halten : eine Ansammlung von Theorien. Sie ist ein Prozeß der Erkenntnisgewinnung. Seit dreihundert Jahren ge- hen einige Kulturen einen anderen Weg.

der sich jede Idee stellen muß. was dieser syte- matischen Falsifizierungsanstrengung widerstanden hat. an die sie fest glauben (die können auch Wissenschaft ler haben) oder weil es eine irrationale Wahrheit ist (sie ist gelegentlich durchaus ra- tional). Er ist eine Geisteshaltung. wenn andere sie geltend machen. in einer Bemühung um Gegengründe. Sie besteht. son- dern ebenso nach allem. was für seine Idee spricht. Was alle Wis- senschaften über die Verschiedenheit ihrer Gegenstän- de und Untersuchungsverfahren hinweg eint. sondern weil es eine letzte und absolute Wahr- heit ist. ist diese universale Methode der Bewahrheitung. Das genaue Gegenteil der wissenschaftlichen Haltung ist jeder Fundamentalismus – nicht weil Fundamenta- listen eine Wahrheit haben. Die Kritik. was Karl Popper Falsifizierung genannt hat : um eine sy- stematische Suche nach Fehlern im zugrunde gelegten Datenmaterial und in den daraus gezogenen Schlüssen. Als vorläufig richtig wird akzeptiert. Da jeder Wissenschaft ler mit ihr zu rechnen hat. kurz ge- sagt. was gegen sie spricht. die Möglichkeit ins Auge  . also um das. die Gegengründe nicht nur selber nicht sucht. Tut er es nicht selber. tut er im eigenen Interesse gut daran. schon selber nicht nur nach allem zu suchen. Der Fundamentalismus ist keine bestimmte religiöse oder weltanschauliche Glau- bensdenomination. sondern auch dann nicht zur Kenntnis nimmt. so werden es andere tun. Fundamentalisten sind im doppelten Sinn unbeirrbar : »nicht bereit. hat so ratio- nal zu sein wie menschenmöglich. vielleicht eine Charaktereigenschaft : lauter Antworten zu wissen und nie Fragen.

daß er der Verschiedenheit menschlicher Ideen angemessen ist.zu fassen. und zwar in zweierlei Hin- sicht. die in den Prozeß eingespeist werden. und daß die auf diesem Weg gewonne- nen Erkenntnisse nicht ganz falsch gewesen sein kön- nen. Dieser Weg hat nichts an sich. das störende  . Alle Argumente erhalten in dieser Debatte eine Chance. brauchen sich die An- hänger verschiedener Theorien nicht die Köpfe blutig zu schlagen. sogar die tatsächlich oder scheinbar abstrusen (denn niemand kann schon vorher entscheiden. Wo die Verschiedenheit beschnitten wird. so wie die Evolution einer Spezies auf ihrer genetischen Viel- falt aufbaut. Zum anderen hat er Konflikte entschärft: Anders als die Anhänger verschiedener Reli- gionen in ihren Glaubenskriegen. daß sie im Irrtum sein könnten« (Rauch). Seine Legitimati- on ist eine rein pragmatische: daß er sich als beispiel- los produktiv erwiesen hat. wie wirksam und schnell sie die gesamten menschlichen Lebensumstände verändert ha- ben und weiter verändern. wird der ganze Prozeß gestört. Der Fortgang der Erkenntnisgewinnung lebt von der Verschiedenheit der Ansichten. Die Wissenschaft mit ih- ren scheinbar laxen. auch die sonderbaren (die vielleicht einmal nicht mehr sonderbar erscheinen). außer vielleicht. zeigt sich daran. Zum einen hat er die Erkenntnis wie kein anderer vorangetrieben. was prinzipiell für ihn spräche. scheinbar alles zulassenden Rah- menrichtlinien hat das Wunder bewirkt. Statt dessen führen sie eine unausgesetzte De- batte. Der Stil der Wissenschaft dagegen ist unbegrenzte Skepsis : Alles mag sich als falsch erweisen. ob ein Argument abstrus ist).

Argumente werden aus- schließlich kritisiert – und »kritisiert« heißt: nicht laut- stark verurteilt. die Aussichten. und hoffentlich siegt das besser begründete. Sexisten und anderen Reaktionären auf Widerspruch gestoßen. daß jemals irgendein richtiges Argument übrigbleibt. noch viel geringer sind. Insofern stellt jede Nötigung. daß dort. wo der freie Wettbewerb der Argumente behindert wird. daß es tatsächlich siegt.Faktum menschlicher Meinungsverschiedenheiten pro- duktiv zu machen. die Geschäftsgrundlage der Wissenschaft in Frage. man schreit sie auch nicht nieder oder belegt sie mit anderen Strafen. wo der Anspruch auf ihre Gleichberechtigung leicht in Verklärung um-  . Damit treten sie in Wettbewerb miteinander. gibt es keine Garantie. muß ihren (bisher verkannten) Wert betonen. Wer aber den Wert einer Gruppe betont. Dafür. be- gibt sich in jenes riskante Gefi lde. Und darum ist die Political Cor- rectness in Amerika nicht nur bei Rassisten. Erstens : Wer die Diskriminierung einer Opfergrup- pe beheben will. – Simpler gesagt: Argumente verprü- gelt man nicht. sie schafft auch welche. Zu ihrem eigenen Erstaunen sahen sich die zu erwar- tenden Konservativen mit vielen Liberalen und (von je- her universalistischen) Linken im Widerspruch zumin- dest gegen ihre Auswüchse geeint. sondern rational gewogen. Daß alle Argumente ohne Gefahr für Kopf und Kragen vorgebracht werden können. ist ihr Lebenselixier. auch die von morali- schem Pathos getragene. Für das Verfahren spricht nur. Denn die radikale Aufwertung des Gruppendenkens löst nicht nur gesell- schaft liche Probleme.

« Auf der anderen Seite aber lautet das egalitäre Grunddogma der Politischen Korrektheit. daß die ver- schiedenen Gruppen besser miteinander auskommen. Stimpson zur Jahrestagung 1990 der Modern Language Association. heißt es gegen Ende dunkel. die uns zu erneuern versprachen. daß alle Menschen. sondern durchaus auch in ihren ih- nen von der Natur verliehenen Anlagen.… versen einzelnen Unterschiede hat sie zu Der Differenz aufgewertet. Wir buchstabierten die Unterschiede. mit Großmut und Tapferkeit die Unter- schiede zwischen Texten und zwischen unseresgleichen wahrzunehmen. Und die gespaltenen Sympathien – einer- seits für die an vielen Fronten fortschreitende Reeth- nisierung der Welt. Die di. The Difference : das ist ihr geradezu eine mythische Qualität.  . Die Verklärung irgen- deiner Gruppe führt vor allem nicht dazu. denn der Opferstatus hat noch keine Gruppe je von den üblichen menschlichen Schwächen befreit. Wir merzten die schädigenden Unter- schiede aus. der Eröffnungsrede der Literaturwissenschaftlerin Catharine R. Sie spaltet. aber lyrisch : »Wir hatten die Freiheit. alle Menschengruppen im Grunde gleich seien – gleich nicht nur im Sinne der Chancengleichheit. In einem der vieldis- kutierten Grundtexte der PC.schlägt. andererseits für die Überwindung ethnischer und anderer Barrieren – führen in vielen konkreten Konfliktlagen zur Lähmung. Das ist dann nicht nur eine unrealistische Hal- tung. die notwendig zu Enttäuschungen führt. Zweitens : Auf der einen Seite betont die Political (Cor- rectness die Verschiedenheit der Menschen und Kultu- ren.

als ein paar Professoren in Ameri- ka und England die alte Theorie. Unterschiede. was aus der Kultur wird. Eth- nizität. Obwohl die ketzerischen Ideen von damals heute in Fachkreisen kaum noch angezweifelt werden. Nation. Aus gutem Grund fragen viele unserer zentralen Forschungsanstrengun- gen heute. Sexualorientierung. Institution. Klasse. sondern zwi- schen Gruppen : »Die üppig produktive Werkstatt der Geschichte hat die Hohlformen der Gruppenzugehö- rigkeit ausgestanzt und aufgestapelt : Alter. weil verschiedene Um- welten sie in verschiedene Richtungen gedrängt haben . die  . nicht über Unterschiede zwischen Individuen. alle ihre Fähigkeiten voll zu entwickeln. Religion. Stamm. Noch einmal Catharine Stimpson. Bestehende Un- gleichheiten wären also nur ein gesellschaft lich produ- zierter Schein. ist für die Political Correctness jegliche Verhaltensgene- tik tabu geblieben. Wenn Unterschiede zwischen den Menschen bestehen. Geschlecht. Rasse. dann nur. und weil die einen die anderen daran gehindert haben. mit besserem Datenmaterial untermauerten. wenn solche Diffe- renzierung für einige wenige Macht und für viele Un- terwerfung bedeutet. ja ! Aber um genetische Unterschiede durfte es sich auf keinen Fall handeln.« Dies gibt sich als die bare Selbstverständlichkeit. Die inquisitorischen Umgangsformen der Political Correctness wurden in den frühen siebziger Jahren er- probt und eingeübt. Rang. daß die bestehenden Unterschiede in der meßbaren Intelligenz und in an- deren Fähigkeiten zu einem erheblichen Teil aus gene- tischen Unterschieden zu erklären seien.

die beim Wort zu nehmen und dann empirisch nach- zuprüfen wäre – und im Zuge dieser Nachprüfung hät- te sie sich konkurrierenden Hypothesen zu stellen. ist jedoch tatsächlich eine Hypothese. Es könnte sein. daß bei jedem der aufgezähl- ten Unterschiede Geschichte und Natur auf eine andere Weise zusammenwirken . daß man es eben nicht vorher weiß und darum auch nicht das eine oder andere der möglichen Ergebnisse von vorn- herein als das einzig richtige hinstellen kann. Es könnte schließlich sein. sondern mit Lyrik. nicht mit den Fäu- sten. Es könnte auch sein. ob Frauen im Grunde genau wie Männer sind. Wer es dennoch tut. Political Correctness hat auch in diesem Fall der Wahrheit kurzen Prozeß gemacht. Er kann niemals zu einem zutreffenden Modell der ob- jektiven Wirklichkeit kommen. will es wohl auch gar nicht.wissend umraunt werden kann und keiner weiteren Be- gründung bedarf. dann bekämen Wissenschaft- ler vieler Disziplinen Arbeit. aber von den Männern gehindert wurden. Der Punkt ist. ist sich zum Beispiel der Fe- minismus nicht über die Grundfrage klargeworden. daß sie bestätigt wird : daß Gruppenun- terschiede ausschließlich von der Geschichte geschaf- fen werden. oder ob sie »von Natur aus« glücklicherweise ge- rade ganz anders als Männer sind und diese Andersar-  . verläßt den Boden der Wissenschaft. daß sie sich als falsch erweist : daß einige der aufgezählten Unterschiede bio- logischer Art sind und keine Produkte der Geschichte. sich voll zu entfal- ten . Und weil er stichhaltige Antworten zur Genese von Unterschieden nicht sucht.

wenn es zu den Besonderheiten der ge- förderten fremden Kultur gehört. Ihre Sympathie stößt dabei jedoch immer wieder auf Kulturen. Ehebrecherinnen zu steinigen ? Kleinen Mädchen die Klitoris herauszu- schneiden ? Homosexualität als Verbrechen zu verfol- gen ? Andersgläubige auszupeitschen ? Offen Antisemi- tismus oder anderen Rassenhaß zu proklamieren ? Ist das fremdes Kulturgut. die nicht weiß. für das sie außerhalb die- ser auf wenig Verständnis zählen kann ? Und der Gip- fel der Zumutung : ist ihr liberalistisches Geltenlassen  . alle Kulturen seien gleich gut. an- tiethnozentrisch. antisexistisch. Drittens : Das politisch korrekte Denken ist in seinem guten Kern antirassistisch. Es hat den Feind der Opfergruppen identifiziert. nicht europäisch. die ganz entschieden nicht der Meinung sind. für die es vielmehr nur eine einzige gute gibt. nicht hete- rosexuell. Klar. daß alle Kulturen gleich gut seien und die nichtweißen noch besser. antisexistisch. Was also.tigkeit kultivieren sollten. und es ist von vornherein all jenen Kulturen und Subkulturen gewogen. die eigene. antihomophobisch sind. das Respekt verdient ? Oder muß sich die allumfassende Gutwilligkeit der PC dann doch selber Grenzen setzen ? Muß sie sich gar selber als ein ziemlich spezielles Produkt eben der verhaßten euro- zen-trischen Kultur erkennen. daß er sich in Wider- sprüche verwickelt. Ihre Prämisse. den weißen (europiden) heterosexuellen Mann. nicht männlich sind. trifft auf fundamentalisti- sche Kulturen. die selber durchaus nicht antirassistisch. antieurozen- trisch.

So wird etwas sprachlich wegdefi niert : Was eine Opfergruppe selber tut. was da kreucht und fleucht. Viertens : Diskriminieren bedeutete ursprünglich »un-  . wa- ren von der Kundgebung Frauen ausgeschlossen. da es ja irgendwie im Rahmen der Eman- zipationskämpfe der Schwarzen geschieht ? Als Farrak- han im Oktober 1995 zum ›Million Men March‹ nach Washington aufrief (etwa eine halbe Million kam). hätte sie so- fort die gesamte Political Correctness auf dem Hals ge- habt – wahrscheinlich hätte sie den Sturm nicht über- lebt. Vermutlich führt sie zu jener schizoiden Reaktion. kann niemals Rassismus sein. Dürfen also die einstigen Opfer von weißem Ras- sismus heute selber Rassisten sein ? Ja. und eine ganz besonders raffinierte ? Die Nachfolgerin der ›Black Muslim‹-Bewegung. genau das dürfen sie. etwa auch wie- der nur eine Form von westlichem Kulturimperialismus. ist dann oft die Antwort. die jedes Inquisiti- onsklima heranzüchtet : Öffentlich nickt man vage zu- stimmend mit dem Kopf .von allem. ist notorisch für ihren unverhohlenen Antisemitismus. wieviel Anklang diese Logik gefunden hat. jedenfalls solan- ge es nichtweiß und nichtwestlich ist. das sollen sie sogar. Wenn ihre Agitatoren Stimmung gegen die Jewniver- sities oder Jew York machen – ist auch das noch poli- tisch korrekt. denn »Rassismus gibt es immer nur gegenüber Untergeord- neten« (Paula Rothenberg). die von Louis Farrakhan angeführte ›Nation of Islam‹. innerlich hält man sie für baren Nonsens. Es ist nicht bekannt. Hätte eine weiße Organisation dergleichen getan.

Interessant für die Menschen ist er nicht als egali- tär-demokratische Leibesertüchtigung für alle . Korrekt ? Einige Lebensbereiche beruhen nun aber auf dem Ver- mögen. stigmati-  . ob die einen besser sind als die anderen : ob sie schnel- ler laufen. Die Differenzen dürfen. besitzt die Fähigkeit. ja sollen konsta- tiert werden . härter schlagen. sondern Grup- pen (Clubs. die Besseren von den Schlechteren zu unter- scheiden. alle Grup- pen. daß sie die bessere ist. son- dern auch zu bewerten. wenn ihre Mannschaft ge- zeigt hat. in dem sich herausstellt. In der Wissenschaftssprache bedeutet es das immer noch. alle Religionen. alle Personen sind zwar verschieden. höher springen. und gan- ze Länder und Kontinente geraten in einen allgemein gebilligten Freudentaumel. Die Grundüberzeugung der Political Correctness ist ega- litär. ausgenommen die weißen heterosexuellen Männer. aber mit ihrer Konstatierung darf nie ein Werturteil verbunden sein. ganze Länder) an. Interessant wird Sport erst als ein Wettbewerb. die schlechter sind als alle anderen. antielitär : Alle Kulturen. Ortschaften.terscheiden«. Zu den Schlechteren zu gehören ist indessen kränkend. Es ist geradezu der Sinn des Spiels. wenn man so will. Wer ›Diskriminationsvermögen‹ be- sitzt. Am offensichtlichsten ist es im Sport. Unterschiede nicht nur zu konstatieren. Zu diesem Wettbewerb treten nicht nur einzelne. öfter eine Lederkugel in einen Holzrahmen schießen. gemein- same Radtouren einer Freundesschar werden gewöhn- lich nicht im Fernsehen übertragen. aber keine ist irgendwie schlechter als die andere. Unterschiede zu erkennen. Verlierer sind.

gibt es Kunst. die sie nicht erbringen können. eben weil sie sie selber nicht zuwege brächten. Kunst ist ihrem Wesen nach elitär. Dieser ihr Aspekt ist der Politischen Korrektheit nicht geheuer. Da beißt die Maus keinen Faden ab. spie- len.siert : eben als die Schlechteren. Da die Psyche der meisten Menschen jedoch nicht nur aus Neid besteht. Eben weil nicht alle gleich gut singen. Auch die Künste und Wissenschaften je- doch beruhen darauf. und sie wollten sich messen und haben diese Feststellung damit sogar selber heraus- gefordert. schreiben können. desto größer ist auch ihr Reiz für die anderen. Aber auf diesem ihrem Parcours sind sie die Schlechteren. Auch diese Einsicht kann etwas Kränkendes haben. Je schwerer eine Leistung aussieht. zeichnen. überwiegt in der Regel ihre Freude an Dingen. Kunst : das ist die Einsicht der meisten. Sie geht ihm aus dem Weg. Während sich das politisch korrekte Denken mit der Tatsache körperlicher Qualitätsunterschiede offenbar abgefunden hat. daß sie deswegen noch lange nicht die schlech- teren Menschen sind. An der sogenannten Kunst interessiert sie dafür. und sie prämiiert die Besseren. tanzen. daß es sich um Gruppenäußerungen handelt. sind sie ihm in den geistigeren Zonen unerträglich. Sie macht Qualitäts- unterschiede. daß nicht alles gleich gut ist. Sie können sich damit trösten. In den »Ka- non« sollen nicht die besten und noch nicht einmal vie- le gleich gute Bücher aufgenommen werden . die ganze  . die sie selber nicht zuwege brächten. daß sie es selber nicht so gut könn- ten. indem sie die (so- wieso unbequem schwierige) Qualitätsfrage wegdrückt. Das heißt.

Aber indem sie die Quali- tätsfrage dabei ausblendet. ist möglich. wo Qualitätsun- terschiede anerkannt werden. die Aufmerksam- keit auf eine Gruppe zu lenken . degradiert sie die Literatur zu einer bloßen Wortmeldung : Hier sind wir. die Interessen der Gruppen zum Maßstab aller Dinge macht. nicht weil das Buch aus ihrer Gruppe  . berichtigt werden müssen. heißt es. Afroamerikaner sollen auf den Leselisten Bücher von Afroamerikanern vorfinden. Das verabsolutierte Gruppendenken. Schwule von Schwulen. uns gibt es auch noch ! Wenn aber Literatur und die anderen Künste nur noch als kollektive Wortmeldungen wahr- genommen werden. Latinos von Latinos. Es gibt viel effektivere Methoden.Frage »besser« oder »schlechter« erscheint als abwegig und irgendwie unanständig und eine neuerliche Zumu- tung des weißen heterosexuellen Mannes. Frauen von Frauen. sind sie überhaupt nicht mehr nö- tig. Es werde. ihr Selbstgefühl heben. den ganzen Umstand der Kunst braucht es dazu nicht. verkürzt die Literatur auch dort. Der korrekte »Kanon« wäre der. Daß es das tut. weil ihre Gruppe nicht übergan- gen werden sollte. sofern sie eine blinde Vorein- genommenheit zugunsten der westlichen Kultur atmen. Wenn sie dabei aber das Gefühl beschleichen sollte. Lesben von Lesben. die auch konsensfähig wäre : daß die einzelnen Kulturen einer multikulturellen Gesellschaft möglichst viel übereinander erfahren sollten – und daß die vorhandenen Kanons. das die Gruppe. daß sie auf der Liste nur stehen. Einerseits meldet die PC damit eine völlig richti- ge Forderung an. in dem die Opfergruppen vertreten sind.

Wissenschaft ist schon darum nicht egalitär. mit die- sen fremden Welten auseinanderzusetzen. die bei der Lektüre umstandslos in die Köpfe ein- gefüllt werden. Genau darum überleben sie den Moment auch nicht. Wieder liegt das Mißverständnis zugrunde. Literatur ist auch nicht primär Psychotherapie. daß es aus ei- ner bestimmten Gruppe kommt. Kaum ein anderes Buch dürfte seine Le- ser so stark gegen allen Faschismus immunisieren wie Hitlers ›Mein Kampf‹. ein Mittel zur Erzeugung von Selbstge- fühl. Alle Literatur ist aber in Wahrheit eine Einladung an den selber abwägenden und urteilenden – den »kritischen« – Leser. ein schlech- tes Argument wird nicht besser dadurch. weil die meisten Menschen sie  . jede richtige Lektüre schult ihn. Selbstgefühl erzeugt sie nur dort. zumindest an Universitäten ist sie kaum angebracht. daß Litera- tur nichts anderes wäre als ein Container von Meinun- gen. Wer dafür sorgen will. wo sie dazu anstiftet. wo an ihr nur noch interessiert. ob die korrekten Gruppen die momentan korrekten poli- tischen Inhalte vortragen. sich selbständig. Qualitätsmaßstäbe durch Gruppenzeugnisse zu erset- zen.ebenso gut ist. daß nur korrekte Bücher gelesen werden. Literatur ist eine Begegnung mit fremden Vorstel- lungswelten . Diesen Zweck erfüllen die Flugblätter der entsprechenden Organisationen allemal effektiver als Romane. dürfte es ihrem Selbstgefühl eher schaden. Genausowenig kann es sich die Wissenschaft leisten. eben kritisch. hat eine sehr geringe Meinung vom menschli- chen Verstand . Noch mehr verkürzt wird sie. Nicht jedes Argument ist gleich gut . Dramen oder Gedichte.

Ihre Gegenstände kön- nen mit den Zeitströmungen wechseln. die alle Ideen ohne Rücksicht auf ihre Herkunft nach den gleichen Regeln der Prüfung un- terwirft. profun- des Verständnis bringt immer nur eine Handvoll über der ganzen Welt verstreuter Fachkollegen auf. ideologie.und modeanfälligen Geschichts-. die Universi-  . die vordem niemand zutage förderte ? Das tun sie. aber keine Wissenschaft. Sobald sie das Ziel der Objektivität fallen ließe und glaubte. female science – fördern sie nicht alle hochinter- essante Ergebnisse zutage ? Dringend nötige sogar. wo sie sich der gleichen universalistischen Methode unterwerfen. Sie richten den wissenschaft lichen Blick auf andere.nicht verstehen und nicht verstehen können . gay sci- ence. vorher vernachlässigte Gegenstände. hätte sie sich aufgegeben. daß jeder einzelne und jede Gruppe ihre eigene Wahrheit hätten. Wenn es nicht der gleiche Blick ist. die ihn lehren und anwenden. dann ist es sonst etwas. Wissen- schaft ist auch universalistisch. solange sie an ihrem universalistischen Objektivismus als Ziel fest- hält : als eine Methode. In den »weichen«. Black science. können sogar die abwegigsten Vorurteile über die Welt und übereinander hegen – als eine Methode der Erkenntnisgewinnung funktioniert sie nur. subjektivistischen. ihre Vertreter können in den verschiedensten Loyalitäten befangen sein. aber es bleibt der gleiche wissenschaftliche Blick.und Sozialwissen- schaften mag man sich eine Weile über ihre universa- listische Natur hinwegtäuschen. Aber sie tun es nur dort. Kultur. Und wenn dieser wissenschaft liche Blick und die Insti- tutionen.

der über »richtige oder »falsch« befindet. kann sie sich nicht darauf berufen. den Naturwissenschaften kann die Täuschung keinen Augenblick lang bestehen. und wenn es sie als Frau kränkt.  . so ist das ihr Pech. Mann oder Frau. auf den Kopf stellen wür- den. So erbar- mungslos geht es in der Wissenschaft zu. so war es nur ein Fehler. fragen lassen. Wenn eine Molekularbiologin bei ihren Experimenten Meßergeb- nisse bekommt. In den »harten«. müßten sie ihre Labors anderntags schließen. daß sie ei- nen Fehler gemacht hat. ob sie richtig gemessen hat. Feminist oder Nichtfe- minist. ursprünglich von to- ten weißen heterosexuellen Männern geschaffen wurden. dann hilft es auch nichts. die alles. was über jenen Ausschnitt der Natur bisher bekannt ist. bleibt für alle der glei- che. daß es separate weibliche oder schwarze oder schwule Wahrheiten gäbe. Hat sie es. Wenn die Naturwissenschaft ler zu der Überzeu- gung kämen. Frauen oder Schwarze oder Schwule mögen andere Gegenstände für interessant halten und ihre Ar- beit auf unterschiedliche Weise tun : Der Test.täten westlichen Zuschnitts also. und nur so- lange es so erbarmungslos darin zugeht. als Gruppe eher unparteiische und objektive Resulta- te hervorbringen als Männer (oder Nichtfeministen)« (so die Feministin Sandra Harding). Hat sie es nicht. daß es sich in ihrem Fall eben um female science handele und daß »Frauen (oder Feministen. bleibt sie Wis- senschaft. Sie muß sich wie jeder andere. dann wurden sie es eben. ob männlich oder weiblich). so kann sie sich freuen. denn sie hat eine große Entdeckung gemacht.

Wer sich in dem ei- nen Fall engagiert. einen liberalen Veteranen des Antirassismus. das möglicherweise irgendeiner anerkannten Opfergruppe nicht gefällt. weil jemand in seinem Standardwerk das Wort Indian und Oriental entdeckt hat . von denen sie nicht besucht werden wollte . die keinen Zusammenhalt haben. in Harvard wird eine Rufmordkampa- gne gegen einen Professor für ethnische Studien organi- siert. muß sich öffent- lich entschuldigen und an einer Sensibilisierungs-Ver- anstaltung teilnehmen. Solche Vorfälle scheinen wenig miteinander zu tun zu haben. weil er. In Connecti- cut wird eine Studentin relegiert. weil ein Schild an ihrer Zimmertür Homos zu jenen Personen zählte. wie absolut sich jemand das Gruppenden- ken zu eigen gemacht hat. er muß schließlich seine ganze Lehrveranstaltung absetzen. tut es nicht automatisch auch in dem anderen – vielleicht steht er dort sogar auf der entgegen- gesetzten Seite. in Pennsylvania wird ein Juradozent für ein Jahr beurlaubt. die Sensibi- lisierung genannt wird. Vielleicht ist es dieser ? Man zeige der Probandin oder dem Probanden ein wissen- schaft liches Ergebnis. Dennoch haben sie etwas gemein : die Fundamentalisierung des Gruppendenkens. während der Begabungsschwer-  . und zwar in betont anti- rassistischem Zusammenhang. Zum Beispiel : daß mathematische Hochbegabung bei Männern häu- figer ist als bei Frauen. An der Oberfläche scheint Political Correctness aus ei- ner Agenda heterogener und variabler Anliegen zu be- stehen. Gibt es eine Art Lackmustest für Politische Korrektheit ? Er müßte den Kern treffen und also eruieren. Schwarze als Ex-Sklaven bezeichnet hat .

ist sie damit niemandem geraubt. daß sie sie überneh- men. Die westliche Kultur entstamme nämlich der ägyptischen Kultur.punkt des weiblichen Geschlechts im sprachlichen Be- reich liegt. son- dern um eine empirische Frage : Welche Hautfarbe hat- ten die alten Ägypter ? Da sie schon lange nicht mehr unter uns weilen. Und dann beobachte man die Reaktion : Tritt ein Blick des Entsetzens in die Augen ? Wenn dann noch der Kommentar kommt : Das sei wieder einmal typisch männliche Pseudowissenschaft. und die sei eine schwarze gewesen. daß nicht das weiße Europa die Wiege der westlichen Kultur war. Frauen hätten so etwas nie und nimmer herausgefunden – dann darf man wohl die sichere Diagnose stellen : pc. zuerst vertreten in einem Buch des senegalesischen Schriftstellers Cheikh Anta Diop (›The African Origin of Civilization‹). aber wenn sie Fremden so zusagt. sondern das schwarze Afrika. Eine Hauptthese der sogenannten Schwarzen oder Afrozentrischen Wissenschaft. So wurde die These seitdem immer wieder popularisiert : Weiße hätten Schwarzen in Ägypten ihre Kultur geraubt – und dann der Sphinx die Nase abgeschlagen. kann man es nicht sicher wissen.) Es handelt sich da nicht um eine Glaubenssache. daß es zwischen dem weiblichen und dem männlichen Begabungsprofil also einige statistische Un- terschiede gibt (nachgerade eine wissenschaftliche Bin- senweisheit). Man  . (Kann eine Kultur überhaupt geraubt werden ? Eine Kultur kann unterdrückt oder ge- fördert oder oktroyiert oder auch übernommen werden. damit ihre negroiden Züge nicht mehr auszumachen wären. besagt.

Halb zog sie ihn. Die meisten (oder waren es alle ?) sagten. Augenzeugen ist nicht immer zu trauen. Und das ist ein Ergebnis des inquisitorischen Gesin- nungsdrucks. Sie selber haben sich in ihrer Kunst jedoch dargestellt. Die Mehrheit der Ägyptologen hat daraus den Schluß gezogen. im Süden auch dunklere. Scherereien aus dem Weg zu gehen und sich nicht  . und sicher sagt er nicht wissentlich die Unwahrheit. teils weiß. insbesondere die Bewohner des Südens auch teils dunkelbraun. das auf Dauer gefährlicher ist als die spek- takulären Fälle von Zensur : daß ganze Fachbereiche sich daran gewöhnen. halb sank er hin. daß sie sie für falsch hielten – daß sie aber aber um Himmels willen nicht beim Namen genannt werden wollten. Weiße Berichterstatter haben sie teils ge- weißt. und zwar teils rötlichbraun. da sie sonst Scherereien bekämen. was sie von der These eines schwarzen Ägyptens hiel- ten. Zum einen sind die Wün- sche ja verständlich und nicht unberechtigt. teils ockergelb. Den Widerspruch mag unabsichtlich jene Zeitung ge- klärt haben. die eine telefonische Rundfrage bei ame- rikanischen Ägyptologen veranstaltete und sie fragte. fünf gerade sein zu lassen.kann es nur aus den erhaltenen Zeugnissen zu erschlie- ßen versuchen. Dennoch schreibt der Schwarze Wissenschaft ler Molefi Kete Asante. Zum an- deren hat man ein ebenso verständliches Interesse dar- an. daß Ägypten ein schwarzafrikanisches Land war. es wer- de heute überhaupt nicht mehr bestritten. teils geschwärzt . daß im alten Ägypten of- fenbar Menschen verschiedener Hautfarbe zusammen- lebten.

andere aber bei jeder Ge- legenheit. daß man sich zu bestimmten Fragen klugerweise überhaupt nicht äußert. So lernt ein ganzes Fach nach und nach. daß man ihn vielleicht sogar aus dem Fachverband ausschließen und damit wissenschaft lich zur Unperson machen kann. gar nicht erst in Angriff zu nehmen. daß bestimmte Fra- gen besser ausgeklammert bleiben. daß man ihren Arbeiten Formfehler ankreiden muß. die ein- hellige Meinung der Experten sei die und die. Forschungspro- jekte. um in Ruhe den üb- rigen nachgehen zu können. daß es besser ist. daß bestimmte Autoren besser nicht zitiert werden. die man jedem anderen achselzuckend durchgehen ließe.etwa von Flugblättern oder Sprechchören als Rassist oder Sexist anspucken zu lassen. Und die Medien können melden. Niemand hat etwas Unredli- ches getan. die ja gar nicht die ihren sind. daß man besser durch irgendein Denkopfer die Harmlosigkeit der eigenen Position demonstriert – und im weiten Umkreis sehen alle betreten weg. kippt. ohne jemals nachzuprüfen. um nicht selber noch in Sachen hineingezogen zu werden. bei denen das Falsche herauskommen könnte.  . es wurde nur die Form der Bewahrheitung still und unauff ällig ein wenig verändert – aber schon neigt sich die Wahrheit ein wenig. daß man scheinbar kompromittierende Zitate eines in Verruf geratenen Kollegen unentwegt voneinander ab- schreiben darf. ob sie des- sen Meinung richtig spiegeln. daß bestimmte Kollegen besser nicht beru- fen oder zu den Fachtagungen eingeladen werden. biegt sich. verbiegt sich. zumindest ist ihm nichts Unredliches nach- zuweisen.

was den Opfergruppen in der Vergangenheit an- getan wurde. Es geht um an sich neutrale Wörter. waren meist auch sprachliche Verletzun- gen (hurtful speech. ob es nach allgemeinem Sprachverständ- nis objektiv verletzend ist – und auch nicht daran. sondern sich nicht verletzt zu füh- len. Es soll sich allein am Gefühl des Verletzten entscheiden. Ob ein Wort verletzend ist. die indessen jemand als verletzend empfindet. Das Kriterium also hat sich verschoben. Wenn die Ansprüche der Political Correctness so stark auf die Sprache durchschlugen. zum Beispiel kursierten allerlei Schmähworte für sie. Ihretwegen müßten nicht ganze Sprachfelder umgepflügt werden. auch nicht durch Worte – ein entscheidender Un- terschied. Daß es ein Recht darauf gibt. Der Hauptgrund aber dürfte gewesen sein : daß sich die Überzeugung durchsetzte. entscheidet sich nicht daran. Um sie brauchte kein Aufhebens gemacht zu werden. Ist es nicht logisch und nur gerecht ? Unter allem. hate speech) . sich nicht verletzt zu fühlen. ob es in verletzender Absicht gebraucht wurde. Gesten oder Taten – sind überall verpönt und verboten. Beleidigungen – ob mit Worten. Wer ein Ende der Diskri- minierungen will.  . ist unstrittig. muß der nicht auch ein Ende die- ser Schmähungen wollen ? – Schmähung aber ist gar nicht der Punkt. dann sicher auch des- halb. Es geht aber gar nicht um die mit Absicht oder im Affekt gebrauchten Schimpfwörter. jeder einzelne und jede Gruppe habe ein Recht darauf. Wohlgemerkt : nicht ein Recht darauf. nicht be- schimpft zu werden. weil sprachliche Reformen allemal die billigsten sind. nicht verletzt zu werden.

sie können sogar rundheraus irren. und das ist richtig so : Ei- ner soll dem anderen keinen Schaden zufügen. daß der sich mit einem Arschloch oder einer Ohrfeige oder ei- ner Strafanzeige revanchiert. Es gibt keine Berufung gegen sie. Wenn jemand einen ande- ren Kanake nennt. habe ich kein Schmähwort benutzt und wollte wahrscheinlich auch keines benutzen. Ob jemand schuldig ist oder nicht. daß ich ein hassenswerter Rassist sei. Wenn ich jedoch einen Schwarzen Neger nenne. ob er objektiv geschmäht wurde oder ob ich ihn schmähen wollte. Im Fall der sogenannten hate speech. auch nicht durch Worte. so hat er objektiv ein Schimpfwort gebraucht und muß sich darauf gefaßt machen. also unabhängig vom Bedeu- tungsgehalt des Wortes oder von meiner Absicht. füh- le er sich geschmäht. Nun können Gefühle objektiv angemessen sein. Der Wahr- heitsbeweis ist sein Gefühl. Aber subjektiv sind Gefühle immer wahr. Unschuldsbeweise läßt ein Gefühl nicht zu. wenn er oder jemand in seinem Namen sagt : Gleich. liegt allein im Belieben des Verletzten. ist von vornherein verurteilt. Das aber hilft mir nicht. auch wenn tatsächlich nichts gestohlen wurde. Damit sind sie auch unwiderlegbar. aber auch unangemessen . Wer ein Gefühl verletzt. Nirgend- wo ist die Rechtsordnung auf das bloße subjektive Ge- fühl des Geschädigten abgestellt. wurde  . Niemand dürfte ei- nen anderen zum Dieb erklären und ihn wegen Dieb- stahls bestrafen lassen. Es läßt sich noch nicht einmal ein echtes von einem nur behaupte- ten Gefühl unterscheiden. nur weil er sich bestohlen fühlt. der ›Haßsprache‹. und aus seinem verletzten Gefühl folge.

Das Bemühen. daß er sich verletzt fühlen könnte. ein paar anstoßnehmende Aktivisten könnten sich prophylaktisch im Namen einer Opfer- gruppe verletzt fühlen. wenn sie zum politischen Pro- gramm erhoben wird und sich in Interessenvertretun- gen organisiert. Angehörige dieser oder jener Opfer- gruppe könnten sich verletzt fühlen. sie angemessen oder un- angemessen zu finden. Und es ist nicht einmal notwendig. Es reicht die blo- ße Befürchtung. Gegen Unsen- sibilität gibt es Umerziehungskurse. ja für jede Gesellschaft lebensnotwen- dige Prinzip außer Kraft gesetzt. eine Art Zwangs- nachhilfeunterricht in PC. sexuelle) Sensibilisierung. Auf den ersten Blick erscheint die Forderung nur allzu billig : Niemand soll einen anderen verletzen.dieses gesunde. daß jemand sich subjektiv wirklich verletzt fühlt. setzt sofort ein Wettbewerb ein. heißt (rassi- sche. ethnische. den Opfergruppen jedes mögliche Ge- fühl sprachlicher Verletztheit zu ersparen. Es reicht. Es reicht. also ihr Gefühl der Verletzt- heit in Bargeld verwandeln wollten. daß ein paar Aktivi- sten behaupten. Aber so- bald man seelische Verletzungen – Verletzungen durch Worte – körperlichen Verletzungen gleichstellt. Wenn Sensibilität aber nicht mehr nur eine persönliche Eigenschaft ist. also eine Art Rechtsanspruch auf seelische Unversehrtheit ein-  . In Amerika fanden bereits Prozesse statt. in denen sich einzelne Schaden- ersatz für den ihnen angeblich verbal angetanen seeli- schen Schmerz erstreiten. bei dem jeder den anderen an Sensibilität zu übertreffen sucht. der gegenüber andere die Freiheit behalten.

und manche Ergebnisse des Wissenschaftsprozes- ses haben das Zeug. was an ihre Stigmatisierung erinnern könnte. Theorien ihnen zugemutet werden können und welche zu verbieten sind – das heißt. Galilei und Darwin haben viele Gläubige tief verletzt. selbst die scho- nend vorgetragene. heute verletzt viele die Ausdehnung der Evolutionstheorie auf die Psy- che und den Geist des Menschen. Wie weit das gehen kann. zeigt sie ihren Pferdefuß. er selber müßte dann festlegen. nicht recht zu bekommen ist krän- kend. so zumindest aus der Sprache alles zu tilgen. Natürlich kön- nen nicht nur einzelne Wörter verletzen. macht der Leitfaden klar. der 1990 am Smith College in Northamp-  . Kritik verletzt. welche Worte. In der Wissenschaft geht es überhaupt außerordentlich verletzend zu – ihr Lebenselixier ist Kritik. und es handelte sich um wirkliche. sondern auch Sätze und Meinungen und wissenschaft liche Theorien. wann eine seelische Verlet- zung vorliegt. die aner- kannten Opfergruppen sprachlich aufzuwerten und wenn schon nicht aus dem Leben. Meinungen. müßten alle Debatten ein Ende haben . Ein Rechtsanspruch auf seelische Unversehrtheit brächte alle Wissenschaft zum Erliegen. PC also ist unter anderem das Bemühen. und sobald allein der angeblich Verletzte und sei- ne Fürsprecher definieren.führt. das Prinzip der seelischen Unversehrtheit wäre auch das Ende der liberalen Gesellschaft. auch in der Allgemeinheit Verstö- rung und Kränkung zu bewirken. Wollte der Staat seinen Bürgern die seeli- sche Unversehrtheit garantieren. nicht nur um von den Kirchen behauptete Verletzungen .

fügte er einige durchaus neue hinzu : ageism ( »die Un- terdrückung der Jungen und Alten durch jene mittleren Alters«). Massachusetts. Alte sind senior citizens. Zu Tabus erklärte er nicht nur die Standard-Ismen. daß es Menschen verschiedener geistiger Ausstattung gibt. Also vermeide man (wie es eine an der Universität Missouri erarbeitete Sprachregelung für Journalisten empfahl) nicht nur das Wort alt. zumindest jeden. lookism (»die Konstruktion eines Schönheits- standards«) und. Worte wie dumm sind sowieso längst  . der auf gutes Aussehen hinweist und so die weniger gut Aussehenden verletzen könnte. Ethnozentrismus (»Unterdrückung anderer Kulturen«). Man ver- meide jeden Hinweis auf das Aussehen. Eine herrschende Stimmung aufgreifend.ton. sondern alle Hinweise auf das Alter. vor allem. Sexismus (die Dis- kriminierung von Frauen). die man hier erwartet : Rassismus (»Unterdrückung anderer Gruppen«). der Vorschlag »Juniorengel« war dagegen nur einer der sati- rischen Scherze. der daran erinnert. zu denen diese Kunst der schonungs- vollen Umschreibung geradezu herausfordert. Und man vermeide vor allem jeden Elitismus. ableism (Elitismus). den Beelzebub schlechthin. näm- lich »die Unterdrückung der Andersbefähigten durch die zeitweilig Befähigten«. ›Seniorbürger‹ . Heterosexismus (die Diskri- minierung von Homosexuellen). den Studienanfängerinnen in die Hand gegeben wurde (er wurde schon im Jahr darauf wieder zurückgezogen). »Klassismus« (»Unter- drückung der Arbeiterklasse« – wohl um auch den üb- riggebliebenen Marxisten einen Platz innerhalb der PC einzuräumen).

Könnte verletzend wirken. die nach traditionellem Verständ- nis eher die Helleren sind. die- se zu den disabled (Entfähigten) und diese schließlich zu den Andersbefähigten (differently abled) oder kör- perlich Herausgeforderten (physically challenged). um klarzustel- len. Sie wohnen in keinem Slum. gay (schwul). Im gleichen »Wörterbuch zu vermeidender Wörter und Wendungen« steht auch fol- gender Eintrag : »Mann. so wie sich die Schwarzen in den siebziger Jahren plötzlich selber stolz  . sondern einem kulturell deprivierten Milieu. diese zu den underpriviliged (Unterprivilegierten) und diese schließlich zu den disadvantaged (Benach- teiligten). in der sprachlich berichtig- ten Welt durch Verschweigen gestraft werden.tabu . diese zu den deprived (Deprivier- ten). daß hier die etwaige Dummheit allein in den Köpfen jener anzutreffen ist. Der : Hinweis auf das vorwie- gend weiße Establishment. Die männlichen Homosexuellen machten sich ein Spottwort zu eigen. der weiße heterosexuelle Mann. war je- doch ebenfalls nur ein Scherz. und wem auch das noch zu verletzend scheint. Ähnliche sprachliche Rücksicht wurde dem Sachver- halt der Armut zuteil.« Anscheinend soll der Unterdrücker par excellence. Die poor (Armen) wurden zu den needy (Bedürftigen). Daß Kleine vertikal Herausgeforderte heißen sollen. doch auch Umschreibungen wie minderbegabt sind noch zu deutlich – andersbefähigt also . Ähnlich wurden Kranke und Invaliden zu den handicapped (Behinderten). Auch die Bezeichnungen der Opfergruppen selbst wur- den renoviert. sage von den zeit- weilig Befähigten andersbefähigt genannt.

Die Feministinnen bescherten der englischen Spra- che das praktische. wo ein Pronomen auf eine solche geschlechtsneutra- le Gruppe Bezug nimmt : The student came in. wur- de es zu einem starken Signal. und Miss (Ehefrau und unverheira- tete Frau) enthebt. Manche Autoren lassen Maskulinum und Femininum sorgfältig ausgewogen abwechseln.black nannten. die der Sprache kei- nerlei Gewalt antut. feminine Formen in Verkehr zu bringen. die meisten aber – student. Seitdem taucht an dieser Stelle auch in mancher wissenschaft lichen Literatur das Fe- mininum auf. jemand benutzte eins der an- deren alten Schimpfwörter. Wer an solchen Stellen grundsätzlich immer nur she schreibt.. teacher. Aber da es die Norm verletzt. wenn es sich um eine unpersönliche Aussage handelt : the teacher who receives the information … Ist das männlich oder weib- lich zu lesen ? Hier protestierten Feministinnen schon in den siebziger Jahren : Es müsse doch nicht immer nur maskulin weitergehen. ja unentbehrliche Ms. so ist der Fall klar : Es ist das natür- liche Geschlecht gefordert. fairy oder queer etwa. scientist – mei- nen Frauen und Männer gleicherweise. Das Problem taucht nur dort auf. Auch das ist eine harmlose Korrektur. and (he oder she) asked … Handelt es sich um eine bestimmte bekannte Person. neue. der gilt heute  . Das Motionsproblem besteht im Eng- lischen nicht in der gleichen Schärfe wie im Deutschen : Einige Bezeichnungen zwar werden moviert (waiter/wai- tress). Aber was. Aber wehe. das den Brief- schreiber heute der unmöglichen und entwürdigenden Wahl zwischen Mrs. Also konnte gar keine Versuchung aufkommen.

die aus Gruppenbezeichnungen jeden Hinweis auf die Jugendlichkeit tilgen will. nämlich Arbeitsimmigranten aus Me- xiko). bei einem Mann einen anbiederischen Zungenschlag. müßte konsequenter- weise zu *Kindergartenfrauen und weiter zu *Personen- gartendamen führen. In einem Artikel mit dem Titel »Wie man seine Aus- druckskraft vermindert« hat der Fernsehkritiker Wal- ter Goodman in der ›New York Times Book Review‹ auf den eigentümlichen Umstand aufmerksam gemacht. Aus den Indians (übrigens die Selbst- bezeichnung der meisten) wurden Native Americans – und plötzlich standen alle anderen Amerikaner da. Die Orientals wurden zu den Asian-American. Aber heute soll es nun nur noch highschool women geben. denn amerikanische Män- ner nannten und nennen Frauen bis ins reife Alter ger- ne und eher liebevoll als despektierlich girl (bei entspre- chendem Alter nicht zu übersetzen mit Mädchen.als ausgemacht pc. wurden zu undocumented residents (ausweislo- sen Bewohnern). Die illegal aliens (die illegalen Ausländer. die meisten von ihnen Hispanics. Eine rundheraus lächerliche Neuerung war es dage- gen. ›Oberschulfrau- en‹. wohl weil es in ihren Ohren fast wie eine sexuelle Belästigung klang. als Feministinnen auch das Wort girl auszumer- zen suchten. hat es einen kämpferischen. Eine Logik.  . als wären sie im Ausland geboren. Wenn eine Frau es tut. son- dern mit junge Frau – und mit den Jahren wandert der Ton im Deutschen hinüber zu jung). weil sie ihn offenbar für stigmatisierend hält.

den ich nennen sollte. Asian American (›Asienamerika- ner‹) statt Orientale. Länger ist korrekter – das scheint die eine Regel zu sein . und sowieso bedeuten die neuen genau das gleiche. eventuell jemanden verletzen ? Habe ich jemanden. das mir auf der Zunge liegt. Könnte das Wort. senior citizen (›Seniorbürger‹) statt elderly (›Älterer‹). sprachliche Rücksichtnahme walten zu lassen : Selbstkasteiung zum Zwecke schein- hafter sozialer Gerechtigkeit. Aber sie sind länger. steht dahin – denn wo es emotionale Vorbehalte und Abnei- gungen gegen bestimmte Gruppen gibt. Vielleicht wird die schiere Länge als Si- gnal dafür aufgefaßt. An den Verhältnissen selbst ändert der Austausch von Wörtern nichts. Und ob er zumindest die Domäne der Sprache etwas freundlicher und gerechter gestaltet. Auf jeden Fall aber machen die politisch korrekten Sprachregelungen das Sprechen zu einem ständigen Ei- ertanz. blassere Wort. weil auch er einer Opfergruppe ange-  . die andere lautet natür- lich : Im Zweifelsfall nehme man das allgemeinere. haften sich diese alsbald auch an neue Wörter. jüdische Person statt Jude.daß längere Bezeichnungen sich irgendwie korrekter machen als kürzere. Die Entwicklungsreihe von negroes zu Negroes zu non-whites zu colored (heute : persons of color) zu blacks zu minority (group) zu dem heute kor- rekten African Americans ist ein Beispiel. so daß ein ständiger Aus- tausch nötig wird. daß der Sprecher oder Schreiber es sich etwas kosten läßt. ab- straktere. person with disabilities (›Person mit Entfähigungen‹) statt In- valide – keine der alten Bezeichnungen war verletzend.

nicht ausdrücklich mitgenannt und damit ausge- grenzt ? Im Falle des letzten Satzes also zum Beispiel die Frauen. ›taub‹. Aber PC ist nicht nur ein amerikanisches Phänomen.hört. Aus Japan wird von einer ähnlichen linguistischen Säu- berung berichtet : daß in seinen Fernsehanstalten und Nachrichtenagenturen Listen mit Unworten kursieren . und sei es das Stereotyp. ›stumm‹. irgendein Ste- reotyp zu befestigen. daß ein Science-fiction-Au- tor. daß die Wörter für ›blind‹. nicht einmal in unverfänglichen Redensarten wie »die Uhr spielt verrückt« . das Schreiben überhaupt einstell- te – »danpitsu«. Es hat sie nicht. ›verrückt‹ nicht mehr öffentlich gebraucht werden dür- fen. die das Erlernen eines multikulturellen Zusammenlebens notwendig beglei- ten. was er vielleicht gern wäre. muß Amerika der ganzen Menschheit vorangehen. aber nicht ist ? Ist es geeignet. indem ich ›er‹ gesagt habe ? Steckt in dem ge- wählten Wort etymologisch oder pseudoetymologisch eine Anspielung auf eine nicht erwünschte Gruppe ? Könnte es jemanden an das erinnern. in dessen einem Roman Epileptikern Fahrverbot erteilt wird und der damit den Epileptikerverband ge- gen sich aufbrachte. daß Alte alt und Dicke dick sind ? In den Kämpfen und Krämpfen. Ist somit auch das Phänomen PC Deutsch- land erspart geblieben ? Ist es nichts als paranoide Ein-  . Hätte Deutschland ähnliche soziale Konflikte wie die Vereinigten Staaten. ›dumm‹. eine Art von schriftstellerischem Ha- rakiri. es ginge daran zugrunde.

bildung, wenn auch hierzulande einige über ein inqui-
sitorisches geistiges Klima Klage führen ? Zum Beispiel
der Historiker Christian Meier : »[Es] entsteht ein be-
merkenswerter Meinungsdruck. Wer die Probleme an-
ders sieht, sehr viel größer und schwieriger, wer fürch-
tet, daß die massierte Gutwilligkeit dabei ist, sich an-
gesichts einer ihr zunehmend weniger entsprechenden
Realität zu verschleißen, sieht sich zwar nicht geradezu
Denkverboten, aber doch allen möglichen Drohungen,
wenn nicht gar Verleumdungen preisgegeben, wie etwa
Botho Strauß sie inzwischen so vielfältig hat erfahren
müssen, wie früher schon Martin Walser ; zuallermin-
dest ist man der Verständnislosig-keit ausgesetzt. Man
erscheint als Pessimist, als Miesmacher, wenn nicht als
Nationalist oder gar Faschist …« Sieht Meier Gespen-
ster ? Gibt es in Deutschland das Analogon zur ameri-
kanischen Political Correctness überhaupt ?
Es gibt sie nicht, wird dem Miesmacher entgegenge-
halten. Als 1993 ein Autor (zufällig war ich es selber)
in der Wochenzeitung ›Die Zeit‹ das amerikanische PC-
Phänomen erstmals versuchsweise auf deutsche Zustän-
de projizierte, wurde er sogleich scharf zurechtgewiesen,
sinngemäß : Erstens gebe es das hier gar nicht, zweitens
bestehe es völlig zu Recht.
Die Politische Korrektheit ist keine irgendwo kodifi-
zierte Lehre. Es läßt sich nirgendwo nachlesen, was in ih-
rem Sinn korrekt sein soll. Sie enthält kein festes Reper-
toire an Thesen. Sie ist vielmehr ständig in Fluß. Sie ist
nicht festzunageln. Sie hinterläßt keine Signaturen, son-
dern nur Folgen. Sie läßt sich darum auch kaum schwarz



auf weiß nachweisen. Sie läßt sich nur spüren. Wer, wie
Konrad Adam in einem Leitartikel der ›Frankfurter All-
gemeinen‹ in Deutschland überall dreiste »Sprachanwei-
ser« am Werk sieht, die definieren, was politisch korrekt
und was unkorrekt ist, um dann alles Unkorrekte »anzu-
prangern«, verkennt das Phänomen völlig – er übertreibt
es, und gerade darum unterschätzt er es. Diese »Anwei-
ser« gibt es nicht. Niemand schreibt anderen etwas vor.
Die deutsche PK hat überhaupt kein Subjekt, an das sich
halten könnte, wer mit ihr nicht einverstanden ist. Sie
ist etwas viel Ätherischeres, das gerade darum eine sol-
che Durchdringungskraft besitzt : ein spontanes Einver-
ständnis der Gutwilligen. Sie müssen gar nichts defi-
nieren und erst recht nichts dekretieren. Welche neue
Frage auch immer auftaucht, sie wissen wunderbarer-
weise, was davon zu halten ist, und müssen sich darüber
gar nicht erst einig werden, sie wissen es von vornher-
ein. Diese untereinander Einigen weisen sich durch die
Verwendung einer Reihe von Begriffen aus, die sie ihrer
Rede als Erkennungsmarken anstecken. Man kann ih-
ren Kreisen beitreten, man kann es aber auch lassen, und
meistens geschähe einem nichts – nur daß man sich sel-
ber aus dem Kreis der Gutmenschen ausgeschlossen hät-
te, von ihnen fortan scheel angesehen würde und irgend-
wann sein Fett bekäme. PK ist nämlich so etwas wie eine
kollektive Stimmung, ein starker, steter Wind aus poli-
tischen und sozialen Grundsatzgefühlen, der ursprüng-
lich von links kam, aber längst die ganze Landschaft be-
streicht und in das alte Links-rechts-Schema überhaupt
nicht mehr einzupassen ist. Daß eine bestimmte Brise



bläst, merkt natürlich nie, wer sich mit ihr bewegt. Ist
sie darum unfaßbar ?
Ich zähle hier, mehr oder weniger aufs Geratewohl,
ein Bäckerdutzend einzelner dezidierter Meinungen auf,
die in den letzten Jahren in jedem Audimax, auf jedem
Kirchentag, bei jedem Treffen einer Bürgerinitiative ton-
angebend waren, von jedem Teilnehmer erwartet wur-
den und nicht erst begründet werden mußten – und sage
prophylaktisch dazu, daß ich sie persönlich für legitim
und ehrenwert und auch nicht für durchweg falsch halte,
nur keine von ihnen für selbstverständlich gewiß.
Wenn es schon deutsche Soldaten geben muß, sollen
sie wenigstens nicht ins Ausland entsandt werden. Keim-
bahntherapie darf unter keinen Umständen erlaubt wer-
den. Schon das Wort ›Elite‹ läßt einem die Haare zu
Berge stehen. Nationalsozialismus und Kommunismus
dürfen niemals miteinander verglichen werden. Auslän-
der, die in Deutschland Zuflucht suchen, sollen nicht ab-
gewiesen und nicht abgeschoben werden. Verkehr ent-
steht durch Verkehrsermöglichung ; um den Verkehr zu
reduzieren, müßten nur Straßen und Pisten »zurück-
gebaut«, jedenfalls nicht weiter ausgebaut werden. Alle
Unterschiede zwischen den Menschen sind kulturbedingt
und könnten durch entsprechende Erziehung eingeeb-
net werden. Naturheilmittel sind allemal besser als syn-
thetische Medikamente. Volkszählungen sind des Teu-
fels. Ölplattformen dürfen nur an Land und nicht auf
See entsorgt werden. An allen Übeln der farbigen Welt
ist der weiße Norden schuld. Wenn es nur wenige Phy-
sikerinnen gibt, dann allein darum, weil die Männer



sie aus diesem Beruf ferngehalten haben. Gentechnisch
faulresistent gemachte Tomaten sind gesundheitsschäd-
lich und ekelhaft.
Auf den ersten Blick nimmt sich das als ein chao-
tisches Sammelsurium aus. Die dreizehn Meinungen
scheinen nicht das geringste miteinander zu tun zu ha-
ben. Möglicherweise ist es so : daß der Zufall – eine
eindrucksvolle Fernsehsendung hier, eine eindrucks-
volle Rede auf einer Demo da – aus allen Richtungen
einen Haufen Meinungen zusammenweht, die vielen
auf Anhieb einleuchten, weil überhaupt keine Alterna-
tiven dazu denkbar sind, und die dann zusammenkle-
ben und meist gemeinsam vorkommen. Nun setze man
aber das Gedankenexperiment fort und stelle sich vor,
auf einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung sei ir-
gendeine Auswahl aus diesen Meinungen vorgetragen
worden, und jetzt trete jemand ans Saalmikrofon und
behauptete für jede das genaue Gegenteil. Sollen sie die
Ölplattform doch versenken. Die Dritte Welt hat sich
ihre Schwierigkeiten selbst eingebrockt. Wir brauchen
eine Elite. Der Zustrom von Ausländern muß gedros-
selt werden … und so weiter. (Und noch einmal sage ich
vorbeugend, daß das, jedenfalls in dieser Form, nicht
meine Meinungen wären.) Was würden die anderen von
ihm denken ? Was würden sie ihm bald entrüstet ins
Gesicht sagen ? Genau : Faschist!
Viele jener Meinungen haben, bald direkt, bald indi-
rekt, einen Fluchtpunkt. Er heißt Faschismus. Ins Aus-
land sollen keine deutschen Soldaten entsandt werden,
weil Hitlers Wehrmacht leider im Ausland war. Keim-



bahntherapie darf nicht sein, weil sie auf einen Züch-
tungsversuch hinausliefe, wie ihn sich schon die Nazis
vorgenommen hatten. Schon das Wort ›Elite‹ läßt einem
die Haare zu Berge stehen, weil es an die ›Herrenras-
se‹ der Nazis erinnert. Die Politische Korrektheit wacht
also darüber, daß nicht faschistisches Gedankengut in
irgendeiner neuen Verkleidung wiederauflebt. Der anti-
faschistische Impetus ist es, der die meisten jener drei-
zehn Meinungen verbindet. Nicht oder nur auf Umwe-
gen diesem Fluchtpunkt zuzuordnen sind jene Meinun-
gen, die aus der Ökologiedebatte stammen und deren
Fluchtpunkt etwa lautet : Natur ist gut, Menschenwerk
ist schlecht. Damit ist aber nicht nur ein gewisser in-
nerer Zusammenhang jener Meinungen demonstriert,
sondern auch die Nähe zu dem amerikanischen PC-Phä-
nomen. Sexist, Rassist, Faschist! – als das wird gebrand-
markt, wer sich nicht politically correct verhält. Aller-
dings, ›Faschist‹ klingt in Amerika etwas anders. Au-
ßer im Gedächtnis der Juden ist hier der ›Faschist‹ ein
mythischer Übeltäter, der weit weg und in ferner Ver-
gangenheit Monstrositäten begangen hat, so etwas wie
Dracula. In Deutschland hat das Wort aus offensichtli-
chen Gründen eine unmittelbarere, drohendere Bedeu-
tung, und die Brandmarkung als Faschist oder Nazi ist
eine viel härtere Sanktion.
Soweit scheint alles völlig in Ordnung. Faschistische
Ideen haben sich auf die denkbar schmerzhafteste Weise
selber hinlänglich widerlegt. Sie fehlen im dissonanten
Konzert der Meinungen nicht. Sie sind nicht nötig, um
irgendeinen Erkenntnisprozeß voranzutreiben. Die All-



gemeinheit kann auf sie verzichten. Die Meinungsfrei-
heit deckt keine Aufforderungen zu Verbrechen. Glück-
liches Land, das so viele argwöhnische Wächter hat !
Oder etwa nicht ?
Die Faschismusprophylaxe ist ein guter und mora-
lischer Zweck, aber auch die besten Zwecke rechtfer-
tigen keine Wiedergeburt der Inquisition. Dies dar-
um, weil auch »Faschismus« kein zweifelsfrei erkenn-
bares objektives Merkmal ist. Wer bei einem anderen
Faschismus diagnostiziert, kann sich täuschen. Selbst
wenn jemand von sich selber sagt, er sei Faschist, kann
er im Irrtum sein. Ein subjektiver Verdacht kann nie-
mals auch schon das endgültige Urteil darstellen. Wie
es gegen den Pornographieverdacht eines Zensors eine
Berufung geben muß, so hätte es sie auch gegen den
Faschismusverdacht zu geben. Wenn es sie nicht gibt,
werden unter den leichthin als »faschistisch« abgewürg-
ten Ideen auch fruchtbare und notwendige sein – oder
schlicht richtige.
Noch schärfer nämlich stellt sich das Problem, wenn
die »Ideen« keine bloßen Meinungen irgendwo im letzt-
lich unnachprüfbaren Gewölle sozialer Werthaltungen
sind, sondern wissenschaft liche Erkenntnisse, die nach
den anerkannten Regeln der Kunst aus empirischen
Beobachtungen abgeleitet wurden – wenn also ein be-
gründeter Verdacht besteht, daß die »Ideen« schlechthin
richtig sind. Der Volksmund nennt bestätigte objektive
Sachverhalte kurzerhand – und etwas voreilig – »Tat-
sachen«. Können derartige Tatsachen faschistisch sein ?
Das nicht, wird man sagen, aber es disqualifiziert eine



solche Tatsache durchaus, wenn sie den Nazis mögli-
cherweise willkommen gewesen wäre. Den Nazis viel-
leicht willkommen gewesen wären die wissenschaft li-
chen Erkenntnisse über die Erblichkeit der gemessenen
Intelligenz, die sich Ende der sechziger Jahre angehäuft
hatten ; vielleicht auch nicht, aber es ist nicht auszu-
schließen. Prompt wurden die Psychologen, die diese
Tatsachen eruiert und gemeldet hatten, als Faschisten
beschimpft und auf vielfache Weise inquisitorisch schi-
kaniert ; der ganze Forschungszweig ist seitdem in Ver-
ruf, in Deutschland noch mehr als in Amerika, und
kann nur unter vielfachen Behinderungen weiterver-
folgt werden. Einer, der ihn entgegen der Parteilinie so-
gar in der DDR vertreten hatte, Volkmar Weiss in Leip-
zig, schrieb nach seinen ersten Erfahrungen im vereinig-
ten freien Deutschland 1996 einen Offenen Brief an die
Gesellschaft für Anthropologie, die ihm die Mitglied-
schaft verweigert hatte: »Seit 1968 haben die Prediger der
Gleichheit den Marsch durch die Institutionen angetre-
ten und versuchen nun ihre Meinung durchzudrücken,
auch mit Mitteln der simplen Einschüchterung und der
Repression, von der Einflußnahme auf Berufungsver-
fahren … ganz abgesehen, und auch dort mit Erfolg, wo
man eigentlich zuallerletzt Resonanz erwarten dürfte.
Denn die Humangenetik und die Differentielle Psycho-
logie sind die Wissenschaften von der Ungleichheit par
excellence. Nicht der Ungleichheit vor dem Recht, son-
dern der biologischen. Und was ist physische Anthro-
pologie, wenn sie sich nicht mehr mit biologischer Un-
gleichheit befassen darf ? … Wenn die Menschen schon



äußerlich verschieden sind … und alles eine genetische
Komponente haben kann, dann Unterschiede in der In-
telligenz auf keinen Fall. Für die Prediger der Gleich-
heit ist das das absolute Tabu …«
Eine wissenschaftliche Erkenntnis aber verschwindet
nicht durch Zensurmaßnahmen, und seien diese noch
so moralisch motiviert. Eine wissenschaftliche Erkennt-
nis verschwindet nur, wenn sie widerlegt wird. Was an
ihr richtig ist, bleibt es auch, wenn es mit vernichten-
den Epitheta wie faschistisch bedacht wurde. Wegzen-
sierte wissenschaftliche Erkenntnisse, führen nur zu ei-
ner Realitätsspaltung : Auf der einen Seite gibt es dann
die Erkenntnisse, die man laut aussprechen darf, auf
der anderen die, die sich die Informierten still denken,
ein im Untergrund wucherndes und dort nicht rich-
tiger werdendes Geheimwissen. Und die Gesellschaft
läuft Gefahr, sich ein schimärisches Wirklichkeitsmo-
dell zu eigen zu machen.
Nach meinem Geschmack tut die Frage, was wohl
die Nazis zu dem oder jenem gesagt hätten, diesen so-
wieso viel zuviel Ehre an. Daß die Nazis Schiller und
Schäferhunde mochten, kann kein Grund sein, Schil-
ler und Schäferhunde zu hassen. Wenn das Nazitum et-
was gut und richtig fand, wird es allein dadurch noch
nicht schlecht und falsch ; was das Nazitum schlecht
fand, wird allein darum noch nicht automatisch gut.
Das Nazitum war ein barbarisches Wahnsystem, das
den Staat ursurpiert hatte. Es ist konsequenterweise an
seiner Wahnhaftigkeit zugrunde gegangen. Es verdient
nicht, nach seinem Untergang zum Schiedsrichter dar-



über eingesetzt zu werden, was als richtig und als falsch
gelten soll.
Das politisch korrekte Denken ist ein grundsätzlich
kämpferisches Denken und damit strikt dualistisch, ja
eschatologisch : letztes Heil gegen letztes Unheil. Es sieht
die Welt in einem krassen Schwarz-Weiß, nicht in ver-
fließenden Farben. Das Zwar-Aber, das Teils-Teils, das
Einerseits-Andererseits, die die Wissenschaft zum Prin-
zip erhoben haben, sind seine Sache nicht ; es ist ihm
zutiefst unsympathisch. Was nicht gut ist, ist schlecht
und muß bekämpft werden. Dem relativistischen Ge-
danken, daß sich vieles unter verschiedenen, durchaus
nicht von vornherein verwerflichen Aspekten sehen läßt
und damit gut und schlecht zugleich sein könnte, mag
es nicht näher treten. Seine eschatologische Militanz ist
ein Erbe aus den linksradikalen Oppositionsbewegun-
gen der sechziger und siebziger Jahre : Hört die Signa-
le ! Auf zum letzten Gefecht ! Erkämpft das Menschen-
recht ! Demgemäß schätzt es Kritik, Nonkonformismus,
Widerstand. Es nennt den und nur den einen bewußten
Menschen, der in seinem Sinn kritisch ist – und rele-
giert alle, die die speziellen Inhalte dieser Kritik nicht
teilen, auf die Stufe dumpfer Umnachteter. So vollführt
es nach wie vor die Protestgesten von gestern – und hat
nicht bemerkt, daß sich die Zeiten geändert haben. Kri-
tik war einmal gefährlich. Der Nonkonformist, der das
Bestehende, die Gesellschaft, die herrschenden Verhält-
nisse in Frage stellte (hinterfragte), nahm ein Risiko auf
sich. Er schadete zumindest seiner Karriere ; manchmal
drohten ihm Berufsverbote oder das Gefängnis ; in tota-



Auch wo der Skandal in seinem einsti- gen negativen Sinn fortlebt. der sie übt . wor- über sich die Gesellschaft mehr oder weniger unisono entrüstete. sie wurde zu einer Ehrenplakette. »… während sich das kritische  . Kri- tik stigmatisiert den nicht mehr. man übertreibt. Nach einer Weile passiert das Unvermeidliche : Der hyperbolische Ausdruck sinkt ab und eignet sich zu keiner Übertreibung mehr. (Erst greift man. die jedoch weiter den Heldennimbus von einst in Anspruch nimmt. Er hatte etwas von einem Helden oder Märtyrer. der Nachteile gewär- tigen mußte und das in Kauf nahm. Heute ist Skandal ein beliebtes Werbeargu- ment – dieser Film ist ein Skandal heißt.) Aus dem kritischen Intellektuellen von einst. daß sie ein die Allgemeinheit schockierendes Vorkommnis sei. aus dem Dissidententum eine neue Orthodoxie. daß seine Ver- leiher sich Chancen ausrechnen. Aus dem Nonkonformismus von da- mals ist seinerseits Konformismus geworden. die Preiserhöhung ist ein Skandal heißt nicht mehr. ist die heutige Fi- gur des Querdenkers geworden. litären Verhältnissen setzte er sein Leben aufs Spiel. zum hyperbolischen Ausdruck – kurz. ihn zum Kassenschla- ger zu machen. dem sein Querdenken vielfältig honoriert wird. Ein Skandal war einmal. sondern nur noch : Meiner Meinung nach ist sie miß- billigenswert. um den eigenen Worten Nachdruck zu verleihen. der sich indessen weiter für Nonkonformismus hält . die deren öffentliche Mei- nung bestimmen. ist er blasser geworden . jedenf alls unter den »Sinnproduzenten« der westlichen Gesellschaften. Aber nun hat jenes kritische Bewußtsein längst auf breiter Front gesiegt.

ist nicht so sehr die Fähigkeit des einzelnen zur Kritik. ist geradezu karriereschädlich geworden. menschenverachtend. Die Stammtisch-Ge-  . Denken in allen Schichten und Lebensbereichen als in- tellektuelle Norm etablierte. Die nun sind allerdings kein bloßes polemisches Phantom. in der Heldenpose erstarrte Durch- schnittlichkeit. sondern vor allem deren äußerer Gestus – eine unver- bindliche Attitüde. Insofern sind alle drei Wörter tautologisch. eine Meinung – zum Beispiel etliche der in diesem Kapitel vertretenen Meinungen zur Sprache der Pießie – könnte den Beifall der falschen. In diesem Sinn hat sich das kritische Bewußtsein zu Tode gesiegt. geriet es zum ›Querdenker- tum‹ unserer Tage. lautet derzeit : Stammtisch. wogegen die Pießie sich richtet. Alle besagen : Du solltest dich schämen ! Hinter dem Wart Stammtisch steckt die Hypothese. die Rangordnung der kritischen Geister fest- zulegen« (Martin Hecht). Was wahrscheinlich keiner revolutio- nären Bewegung erspart bleibt. ist politische Korrektheit ein Paradox. Was sich bis heute durchgesetzt hat. faschistisch. sondern existieren wirklich. sind möglicherweise sogar zahlreich – in der pluralistischen Gesellschaft gibt es ja immer ge- genläufige Tendenzen und Stimmungen –. ist auch hier eingetre- ten : eine gewisse Verspießerung. Kein Querdenker zu sein. zur Norm geron- nene Normverletzung. deren Wert heute vornehmlich dar- in besteht. nämlich der mehr oder weni- ger faschistisch denkenden Leute finden. Die Steigerungsreihe für das. zum Mainstream gewordenes Außenseitertum. aber sie be- stimmen die öffentliche Meinung keineswegs.

wie von einigen extremisti- schen Frauengruppen behauptet. und auch zwischen den Tischen gibt es Sitzplätze. und es sitzen daran die richtigen Leute und äußern die richtigen Meinungen in den richtigen Worten. Sie ist hier- zulande nicht omnipräsent und in der gleichen Weise  . sondern der verachtete Bodensatz. Er wäre schnell eines Besseren belehrt. der hierzulande ausgesetzt ist. Ihre Stamm- tische heißen nicht Stammtische. aber wenn an keinem. Die Basis verkehrt in anderen Gaststätten. da Erinnerungen ihrem Wesen nach Konstrukte sind. wer die Mei- nung zu vertreten wagt.nossen sind jedenfalls anonymes Volk. und es gibt ihre Sprache. es fließt dort auch mehr Chianti als Bier. daß es einen bis zu Tätlichkei- ten gehenden Gesinnungsdruck gegen inkorrekte Ide- en auch in Deutschland gibt. nicht die hoch- geschätzte Basis also. Und an welchen Tischen will man nun mitre- den und gelobt werden : an diesen ? an jenen ? an allen ? an keinem ? (Was mich selber angeht. brauchte sich nur für die Verfemung der das Dogma der totalen Kulturdetermi- niertheit in Frage stellenden »Biologisten« an den deut- schen Hochschulen zu interessieren oder für die rabiate Verfolgung. Es gibt die Sache. der inzestuöse sexuelle Miß- brauch kleiner Mädchen durch ihren Vater oder einen »Onkel« sei nicht so häufig. würde ich sagen : am liebsten natürlich an allen. und die Erinnerung daran immer nur ein unverläßliches Beweismittel.) Wer daran zweifelt. wäre auch das recht – der hypothetische Applaus aus dieser oder jener Richtung kann nicht zum Oberzen- sor des Denkens gemacht werden.

Günter Bertram. als er eine Gästegruppe mit »Meine Damen und Her- ren. Zitiert wurde der Fall eines Gha- naers. es selbst sei keineswegs pejorativ und bedeute nur. Nicht umsonst wurden so- gar die Negerküsse abgeschafft. Das sei alles nur reaktionäre Paranoia ? 1995 veröf- fentlichte ein Hamburger Richter. also wenn die Gerichte Fälle verhandeln müssen. so wie Bundespräsident Lübke es verwendete. Auch die türkische Seite beschwerte sich : Das Gericht gewährleiste ihr aus  . jeder könn- te alles sagen. wenn auch lebensfernen Meinung. in irgend- einem Hörsaal verwendete jemand das Wort Neger. Es sind Fäl- le. vereinfachende manichäische Formel »Ausländer gleich Opfer« in Frage stellt. in der ›Neuen Juristischen Wochenschrift‹ einen kurzen Artikel über die schwierigen Probleme. wenn Ausländer Straftaten an Ausländern bege- hen. schon das Wort schmeckt wie Mäusespeck.zwingend wie in Amerika . liebe Neger« begrüßte. in denen die Komplexität des Lebens die bequeme. Wer aber meint. Schwarzer. der in Deutschland eine Türkenfamilie mit einer Baseballkeule zusammengeschlagen hatte. in der schließlich nicht falschen. vor allem gibt es keine ex- pliziten Sprachregelungen. die die Schwarzen bei den Kindern früherer Zeiten so beliebt gemacht hat- ten wie der Sarotti-Mohr. Beim heutigen Schokoladen- schaumkuß können sie sich nur noch schütteln. Vor Gericht beschwerte sich der Ghanaer. die sich erge- ben. was auch die meisten korrekteren Wörter bedeuten. braucht sich nur vorzustellen. in denen Opfer wie Täter Ausländer sind. er werde schon wieder we- gen seiner Hautfarbe diskriminiert.

Du sollst ausländische Mitbürger nie einfach Ausländer nennen (Bertram hatte die Formel auslän- dische Mitbürger als zwar sympathisch. Du sollst das Wort Viktimisierung nie in Anführungszeichen setzen. und zwar als ein Mit- telding zwischen Freisler und Deckert.« Die sprachliche Etikette muß also peinlich genau be- achtet werden. ein anderer einen Leserbrief – und was weiter ? Dem Richter ist ja nichts weiter passiert. Du sollst die multikulturelle Ge- sellschaft nie zu Multikultur abkürzen. selbst wenn du einen Türken zitierst. mußte sich vor keiner Disziplinar-  . Nach »Freisler« klinge er zwar nicht ganz. gegen die multikulturelle Gesellschaft (›Multikultur‹) bewußt Stimmung gemacht werden. Du sollst unter keinen Umstän- den das Wort Neger gebrauchen. sonst schürst du Ressentiments gegen sie. wirst du an den Pranger gestellt. Die Wortwahl jedenfalls passe genau »in das Menschenbild eines Richters. aber doch nach »Deckert«. Und wenn du dich nicht daran hältst.türkenfeindlichen Motiven nur unzureichenden Schutz gegen den »Terror eines Negers«. Hier soll gegen Ausländer. der den deutschen Stammtisch aufwiegele. der im gleichen Aufsatz einen Schwarzafrikaner als ›Neger‹ bezeichnet und dem die Rede von ›ausländischen Mitbürgern‹ ge- gen den Strich geht. Er wurde nicht versetzt. Prompt kam auf den Aufsatz der »energische Ein- spruch« eines anderen Juristen : Er sei ein fremdenfeind- licher Akt. aber eigentlich paradox bezeichnet). Nun kann man sagen : Da hat ein Jurist einen Ar- tikel geschrieben. wie Bertram es einmal ge- tan hatte.

die jene Wörter hervorgebracht hat und hier nun neue des gleichen Schlags hervorbringt. Importiert wurde die Denkwei- se. So  . kam ihm sogar eine Reihe weite- rer Leserbriefe zu Hilfe. die Entlarvung hätte nicht in einem Le- serbrief an die Berufszeitschrift stattgefunden.kammer verantworten. Es handelt sich auch nicht bloß um den Import einiger Wörter. die deutsche PK ist bisher weniger rigoros als die amerikanische PC. Einzuräumen ist auch. Insgesamt ahmt Deutsch die sprachlichen Renovie- rungen des politisch korrekten amerikanischen Englisch getreulich nach. mußte sich nicht öffentlich ent- schuldigen. werden einige als Zuwachs. mußte keinen Sensibilisierungslehrgang ab- solvieren. sondern in einem Groschenblatt oder frontal ! vor einem Fern- sehtribunal – den »Freisler« oder »Deckert« dort wäre dieser Richter nicht wieder losgeworden. an- dere als Einbuße eingestuft werden müssen und viele als weder-noch. Die Sache hatte keinerlei Folgen. Man muß sich nur vorstellen. Trotz- dem manövriert sie hart an der Grenze. In der Tat. Wie in Ame- rika sind die Neuerungen auch in Deutschland nicht durchweg unbegründet und an einigen Stellen sogar willkommen. ob sie die Ausdrucksgenauigkeit des Deutschen erhöhen oder senken. Anders als in anderen gesellschaft lichen Bereichen. dem Journa- lismus zum Beispiel. daß die deutsche Sprache (so- fern man sie als ein handelndes Subjekt betrachten darf) bei der Übernahme nicht mit dem gleichen sophisti- schen Puritanismus vorgeht wie die amerikanische. Wenn man sie vernünftigerweise daran mißt.

hat sie sich bisher mit dem Wort Behinderte begnügt. Auch die Autonomen laufen in sprachlicher Tarn- kleidung herum. Das werden sie ja wohl noch dürfen ! Das Milieu. wenden sich Aus- stellungen an bewußte und lesbische Frauen (denn be- wußt bedeutet etwas anderes. Endlösung. und auch arm darf in Deutschland noch gesagt werden. Auf der einen Seite verbreiten der Verteidigungsfall. Überhaupt möbelt jeder seine kleine Welt oder irgen- deine ihm liebe oder unliebe Verhaltensweise gern zu einer ganzen eigenen Kultur auf. als es zu bedeuten vor- gibt). blond oder weißhäutig oder matronenhaft oder Siesta oder Mädchen und vieles andere ebenfalls. Man denke nur an das Wort der Nazis für den staatlich-in- dustriellen Massenmord. Was tun sie manchmal ? Sie gehen auf die Straße. die Verschlankung. Dennoch wurden viele Benennungen politisch kor- rekt umfrisiert. Auf der anderen Seite nennen sich po- litisch radikale Chemiker kritische Chemiker (und de- gradieren so nebenbei die politisch weniger radikalen Kollegen zu unkritischen Subjekten). der Kompressions- griff oder der finale Rettungsschuß ihren harmlos-sach- lichen Nimbus. »Selbständige betreten die Straße« – unver- fänglicher geht es kaum. in der vermutlich statt  . die Freisetzung. bis hin zu Horst Eber- hard Richters Rivalitätskultur. In diesem Ver- schönerungsstreben sind sich alle politischen Lager ei- nig. in dessen Namen sie dieses Recht in Anspruch nehmen. Deutsch gibt sich dafür um so williger her. heißt dann Gegenkultur. als die beschönigende Umschreibung – der Euphe- mismus – hierzulande eine lange Tradition hat.

sondern von Kunden oder Klienten. Aus dem Eigenheim wurde die Residenz. so doch zu- mindest das Sprachgebaren des Kulturfreunds. die Wohn- kultur eine geschmackvolle und teure Möblierung. welche Bedeutung das Wort Kultur in solchen Ver- bindungen noch hat. wurden wenig- stens zu Fältchen verharmlost (wie wäre es mit *Lächel- spur ?). Sozialarbeiter sprechen auch nicht mehr von Bedürftigen. auf fruchtbaren Boden fallen). die Eßkultur ein zivilisierter Umgang mit der Serviette – aber was wäre die Bierkultur ? Worin gar besteht die Kultur der Verleumdungskultur ? Kultur ist hier über- haupt kein Wort mit einer bestimmten Bedeutung.Versöhnungsarbeit oder Weltgebetstagsarbeit Rivalitäts- arbeit geleistet wird (denn wo man an den Adel durch Arbeit glaubt. ein Gebiß heißt die dritten Zähne. In dieser schönen neuen Welt haben erst die Minder- bemittelten. und Runzeln oder Falten. aus  . gefolgt von Mitscherlichs Trauerarbeit und irgend jemandes Stolz- arbeit und vieler anderer hochabstrakter Arbeit. die Beliebiges als ›irgendwie gut‹ ausweist oder wenn nichts Bestimmtes. dann die Sozialschwachen die Armen ab- gedrängt. Selbstverständlich tragen diese Senioren keine Perücke. zu erken- nen. daß sich sein Inhalt dabei erst verdünnte und dann völlig verdünnisierte. es ist eine bloße Markierung. Es ist nicht leicht. Die Alten und erst recht die Greise wurden durch Senioren ersetzt. Der Kulturbegriff wurde dermaßen erweitert. mußte Freuds Traumarbeit. für die ein Ersatz nicht leicht zu finden ist. sondern höchstens eine Zweitfrisur. Eine Streitkultur ist allen- falls noch eine kultivierte Art des Streitens.

Verrückte gibt es nicht mehr . aber korrekter ist psychisch Kranker oder Psychiatriepatient. ist ein Wunder – aber Heilanstalt klänge wahrschein- lich zu psychiatrisch .oder Freizeitpark. als sollte die Gesundheit der Bevölkerung um- geschichtet werden. Die Umbenennung des Leichenackers in Fried- hof reicht weit zurück. anläßlich irgendeiner Gebühre- nerhöhung oder Leistungseinschränkung werden sie sich aber sicher noch in Gesundheitszentren umben- ennen. war damals aber nicht euphemistisch gemeint. sondern bedeutete schlicht ›eingefriedeter. Der Bahnhof wird zum Mobilitätszentrum gemacht. wird sie unter dem Namen ReiseFrische wiedereröffnet. und da offenbar nahezu alles zu ei- nem Park umgewidmet werden kann. das deutlichste heute sind Geistesgestörte. Die Reform der Krankenbehandlung (oder vielmehr ihrer Finanzierung) heißt Gesundheits- reform. Kaum ein Wort hat im Laufe der Zeiten wohl so  . aus dem Rummelplatz der Vergnügungs. aus dem Gewer- begebiet der Technologiepark. Daß es noch Krankenhäuser gibt. ob es sich um Psychiater oder ihre Patienten handelt. Wahnsinnige. war das Schild Park und Reitplatz unausbleiblich. aus der Müllhalde der Entsorgungspark. bis ins Mittelalter. »Im Kulturmobilitätszentrum muß ich mal schnell auf die Reisefrische !« Irre. eingezäunter Raum‹ – der ›Frie- de‹ darin war erst eine spätere (irrige) Volksetymolo- gie. und wenn die Toi- lette im Kasseler Kulturbahnhof renoviert wird.dem Altersheim die Seniorenresidenz. und ganz kor- rekt ist Person mit Psychiatrieerfahrung – womit erfolg- reich kaschiert wäre.

einem Rundum-Sorglos-Pakete anzudienen. bei dem einige sprachliche Leuchtbojen auf ei- nem Ozean stereotypisierter Gutwilligkeit schwimmen. (Justiz-)Voll- zugsanstalten die Gefängnisse. Entsorger die Müll- männer und Straßenfeger (so wie im Englischen refu- se collectors. ›Staubmän- ner‹). daß soviel Zurückhaltung auf der anderen Seite einem besonders drastischen Wort zur Verbreitung verhilft. Dort herrschen chronisch Betroffenheit alias Wut und Trauer alias (wenn gerade kein Schuldiger auszumachen ist) Bestürzung und Trauer. Berater die Verkäufer. Da mag auch die Wahrsagerin nicht zurückstehen und firmiert als AstroForce. Restaurantfachleute die Kell- ner. Alkoholkranke die Alkoholiker und Säufer. ›Abfallsammler‹. Gebäuder- einiger die Fensterputzer. Außendienstler die Reisenden. Vollzugsbeamte die Ge- fängniswärter.viele beschönigende Umschreibungen erfahren wie das Verb ›sterben‹.  . Repräsentanten oder Referenten die Vertreter. und allerlei Partner ma- chen sich anheischig. Straftäter die Verbrecher (kein Wunder. Dort bleibt man sensibel und verletzbar. Rettungsmehrzweckstöcke die Gummiknüppel. Steigerungsform fassungslo- se Betroffenheit. Knast). Die amerikanische FC-Sprache hatte es auch darum so leicht. Prozeßkostenhilfe das Armenrecht. Im Zuge sprachlicher Umgestaltung der Welt haben ersetzt : Sonderschulen die Hilfsschulen. Dro- genabhängige oder Suchtkranke die Rauschgiftsüchtigen. die dustmen. weil sie sich nahtlos in die deutsche Betroffen- heitssprache fügte – jenen schwammigen und vage wun- den Stil.

hat keinen Lebenslauf. bringt sich ein in diverse Diskur- se und Projekte (zum Beispiel ein Projektcafé mit Roll- stuhltanz). daß die Bäume immer grün blei- ben. sondern irgendein Wunsch.  . ›Hoffnung‹. stolz erklär- te sich eine Illustrierte selber zu Deutschlands verletz- lichster (und erwies sich ein paar Wochen später als auf ganz unmetaphorische Weise verletzlich. jedenfalls mit System erdachter Gesell- schaftsentwurf mehr. als sei man unausgesetzt in Lebensgefahr (vielmehr : als werde ei- nem von … ja. In diesen Zielgruppen läßt man sich ein auf alles. als sie näm- lich ihr Erscheinen einstellen mußte). sondern be- zahlbaren Wohnraum in einer bewohnbaren Stadt. ohne daß irgend jemand je auch nur ein Wort davon aufschreiben muß. sondern grundsätzlich eine Biographie. Dort geht man aufeinander zu. ›Forderungen‹. von wem ? … von »der Gesellschaft« bös- willigerweise eine Existenz am Rande des Todes zuge- mutet). sondern überlebt grundsätzlich nur. lebt nicht. wer psychotherapeutische Erfahrung sein eigen nennt.was aber beileibe nicht dasselbe ist wie ›leicht gekränkt‹. sondern eine Phantasie. Verletzlich wurde zu einem Kompliment . sucht keine billige Wohnung. hat nicht etwa Phantasie. was wichtig ist und – Tribut an die aktuelle Fun-Kultur – er- freulicherweise manchmal sogar spannend. In dieser wehen Sprache hat man gewohnheitsmäßig Träume oder eine Utopie . Ich habe so eine Utopie. der einem zufällig gerade durch den Kopf fährt. Der Vor- teil dieser Wörter gegenüber anderen möglichen wie ›Überlegungen‹. Denn die Utopie ist heute kein mehr oder weni- ger kompletter. ›Wünsche‹.

Opfer sollten geschickter mit den Tätern umgehen. sondern ›zwar habe ich Angst. Man geht mit seinem Schicksal um. kalt von außen betrachtet‹. gar mit sich selbst als Person. dürfen die Seelsorger nicht feh- len. seinen Ängsten (die nur noch im Plural vorkommen). aus dem Erwünschten werde sowieso nie etwas. die Verbalphrase et- was länger und darum scheinbar gewichtiger zu gestal- ten. Wie gehen Sie mit Ihrem Alter um ? Mit einer solchen Katastrophe können sie noch nicht umgehen. aber gleichzeitig bin ich auch ein anderer. der den. eine Art und Weise. also welche Sinnstelle es in den Sätzen ein- nimmt. Man könnte sagen : keine – es sei das reine Nichts. die es ziert.›Gesellschaftstheorie‹ besteht darin. Umgehen heißt : sich wie einen Fremden managen . seiner Sensibilität. Ich gehe mit meinen Ängsten um heißt nicht nur ›ich habe Angst‹. Wo alle mit etwas umgehen. Alle naselang findet im Radio und überhaupt bei jeder öffentlichen Äußerung etwas statt. so wie in der Amtssprache zur Durchführung brin- gen die wichtigtuerisch aufgeplusterte Form von durch- führen ist. seiner Vergangen- heit. Der Künstler geht mit Wahrnehmung um. das Umgang heißt. Schwer zu sagen. Das trifft es fast. daß sie gleich das zartbittere Gefühl ausdrücken. was dieses umgehen bedeutet. sich selber überlegen sein. Die Vorzugsbeschäftigung des Betroffenheitskünders  . Denn eine Restbedeutung haftet dem umgehen meist durchaus an : eine gewisse Distanzierung von der eigenen Person. der da Angst hat. aber nicht ganz. und so gehen die Kleriker offensiv mit dem Mitglie- derschwund um.

daß türken als neuere Kurzform von einen Türken bauen irgend etwas mit der Türkei zu tun hat. einer gemeinschaftstiften- den Allzweckbeschimpfung dort. das von Menschen mit leicht erhöhter Stimme gesprochen – die ganze Menschheit als wehlei- dige Opfergruppe. der Journalist. Das stärkere Wort Misanthrop. die jedenfalls den vermeintlich geschützten Gruppen wenig nützt : Darf man einen Türken noch einen Türken nennen ? Darf man die ausländische Herkunft überhaupt noch erwähnen ? Daß etwas getürkt sei. der das Wort verwen- det. ein misanthropischer Spiel- plan steht einem Theater gut an. ein menschenverachten- der machte seinem Intendanten den Garaus. wo es zu faschistisch trotz aller Ausweitung dieses Begriffs nicht ganz langt. Die Legierung dieser Sprache mit den Pendants et- licher amerikanischer PC-Wörter hat vielleicht auch in Deutschland dem öffentlichen Reden einen etwas freundlicheren Anstrich gegeben. ist unausweichlich irgendeine men- schenverachtende Praxis. Menschenfeind. ist dagegen nach wie vor eher ehrend . Überhaupt wächst dem bloßen Wort Mensch zuweilen ein eigenar- tig tränenfeuchtes Tremolo zu : in diesem von Menschen bewohnten Haus. Menschenverachtend ist zu ei- ner Art Kennwort geworden. wird prompt abgestraft – auch wenn bisher nicht einmal erwiesen ist. und dabei ist jede bestimmte Bedeutung verdunstet. und wogegen er seine Zeichen (auch : Signale) setzt.ist die Zeichensetzung. Wie in Amerika hat sie aber auch eine Unsicherheit erzeugt. darf man jedenfalls nicht mehr sagen . Daß Böhmen sich von böhmischen Dörfern  .

›Mos- lem‹ war keineswegs beleidigend. Hatte das Wort ›Moslem‹ etwas Beleidigendes ? Wie angeblich ›Mohammedaner‹ beleidigend war. Auch lädt das politisch korrekte Sprechen zur Ver-  . die den Deut- schen in Böhmen fremdartig klangen und unverständ- lich waren«). man muß nachschlagen. Also sollen die Leute ruhig auch von polnischer Wirtschaft sprechen ? Nein. besagend. Polnische Wirtschaft ist eine despektierli- che Meinungsäußerung über die Polen. Genau dazwischen liegt die Demar- kationslinie. Die böhmischen Dörfer stehen mit keinem realen Böhmen in erkennbarem Zusammen- hang . daß Türken getürkt seien oder sich besonders gut aufs Türken verstehen. der vor lauter Korrekt- heitsehrgeiz das ›s‹ in Muslim weich ausspricht – dann nämlich bedeutet das Wort ›umnachtet‹.und Bohémiens gekränkt fühlen. was sie einmal besagen sollten (»Die Wendung meinte ursprünglich die slawi- schen Namen vieler Dörfer in Böhmen. zusammenhängt. sondern eine leicht eingedeutschte Fassung desselben arabischen Wortes. Das Verb türken hingegen bedeutet nicht. das ›der sich Gott Unterwerfende‹ bedeutet und mit dem auch Islam. weil es den Glauben am Propheten und nicht an Gott festmachte ? Oder warum drängt heute alles auf Muslim ? Nein. Aber un- gewollt beleidigend ist nun der. ›grausam‹. ›Unterwerfung‹. Die Redens- art gehört in das Repertoire nationaler Stereotype. daß bei denen alles drunter und drüber gehe. wurde bisher nicht kol- portiert . aber sie könnten ja noch. so wie spanischer Stolz oder schottischer Geiz oder galli- scher Esprit. das sollen sie nicht.

die einmal starke Gefühlsbewegungen aus- drücken sollten. verwa- schene Sprache. über das Französische mit der Bedeutung ›ursprungsnah‹ ins Deutsche gelangt. denn im laufenden inneren Monolog macht man nor- malerweise keine Umstände. Wer mit seiner Be- troffenheit umgeht. was er denn konkret gelernt hat. indem er ein Zeichen setzt und et- was bewegt – was tut der eigentlich ? Jeder darf sich al- les darunter vorstellen. Wenn einem jemand mit bedeutungs- vollem Augenaufschlag anvertraut. daß er es weiter denkt. Wörter und Wendungen. die oft nur noch dem Ausweis der richtigen Gesinnung dienen und die Gefühlsbewegung selber Lügen strafen.logenheit ein. denkt sich aber natürlich sein Teil. Ursprünglich einmal war primitiv ein unschuldiges Wort : eine adjektivische Ableitung von lateinisch pri- mus. denkt doch weiter Türke. und er weiß. und alle wissen. wie von höchster Stelle empfohlen. Wie das politically correct Englisch erkauft das poli- tisch korrekte Deutsch die relative Verfreundlichung des Alltags mit einem starken Verlust an Konkretheit. Wer. ›erster‹. nur noch Mitbürger türkischer Herkunft sagt (Mitbürge- rin und Mitbürger natürlich). Es ist eine diplomatische. erstarren zu Formeln. Die ganze Verlegenheit des Vorhabens zeigt sich an der Ersetzung von primitiv durch einfach strukturiert. Denn floskel- hafter Gefühlsausdruck weckt den Verdacht. bläßliche. mit mir selber als Person umzugehen. ich habe endlich ge- lernt. daß alle es wissen. wird man sich vergeblich fragen. oder auch nichts. So sprach man  . an Deutlichkeit. daß da- hinter auch nur floskelhafte Gefühle stehen.

weil man sich schließlich nicht jede Bezeichnung des Unterschieds rücksichtsvoll ver- bieten kann. nicht um die betreffenden Menschen zu diffamieren und zu diskriminieren. solche Menschen primitiv zu nennen. statt von pri- mitiven Völkern lieber von Naturvölkern zu sprechen. ›geistig unterentwickelt‹.von ›primitiven Kulturen‹ und meinte schlicht Kultu- ren vor der Überwältigung durch die westliche Zivilisa- tion. die einen Gegensatz zwischen Na- tur. und die Beseitigung der hergebrachten Bezeichnung ändert daran nichts. geriet wohl nur darum nicht auch ihrerseits in Verruf. denen daran gelegen ist.und Kulturvölkern zu postulieren und damit den sogenannten Naturvölkern ungerechterweise jede Kul- tur abzusprechen scheint. um sie zu entlasten. Schon vor Jahrzehnten empfahl der ›Duden‹ darum. daß intellektuell und emotional rela- tiv unterentwickelte Menschen keine bloße Erfindung jener sind. Das dumme ist nur. sie ins Spiel zu bringen. die den- noch politisch korrigiert wurden. Aber anders als vielen anderen Wörtern. Da das zum Schimpfwort wurde. Aber auch einzelnen möchte man natür- lich gern ersparen. Vor Gerichten und Sozialgerichten kann es notwendig wer- den. sie sprachlich oder sonstwie zu stigmatisieren. Die schlichte Den- kungsart läßt sich nicht einmal immer ignorieren. kann es in einem amtlichen Schriftstück selbstverständlich nicht  . Früher hätten sich Gutachter nicht geniert. son- dern im Gegenteil. Diese Bezeichnung. primitiv genannt zu werden. wuchs dem Adjektiv primitiv unübersehbar eine eindeutig schmähende Be- deutung zu : ›roh‹. Unerfreulicherweise gibt es sie tatsächlich.

Es ist nur eine Frage der Zeit. die den Wortaustausch inspirierte.. und die Um- schreibenden können sich ihres sozialen Zartgefühls er- freuen. zumindest im Singu- lar. ein primitiver Kerl ist. kurz. was da so höflich verklausuliert über ihn gesagt wird. Seit 1979 bestehen einige ihrer Vertreter – nur in Deutschland – darauf. brutaler. Ein Einzelner aber kann nicht Roma ›und‹ Sinti sein. was gemeint ist : daß A. ohne es zu sagen ? Heute ist der Euphemismus einfach strukturiert im Schwange : Α. Sollte das Wort primitiv den Primitivling ge- kränkt haben. Dennoch weiß natürlich jeder auf der Stelle. hat die Tabuisierung des Worts Zigeuner die betreffende Bevölkerungsgruppe prak- tisch der Nennbarkeit entzogen. scheint lediglich die zu sein. Die Hoffnung. daß er nun nicht mehr genau versteht.mehr erscheinen. Während politische Korrektheit im Fall Afroameri- kaner einen begrüßenswerten Zuwachs an sprachlicher Genauigkeit brachte. so kränkt das Wort einfach strukturiert den Einfachstrukturierten ebenso. nur ›oder‹. ein dummer. Wie aber soll  . der seine Frau täglich ver- prügelte. daß seine Umständlichkeit seine Ver- wendbarkeit einschränkt. ist ein einfach strukturierter Mensch. und einfach strukturiert hat primitiv in jeder Beziehung be- erbt . roher. So wäre das anstößige Wort erfolgreich umgangen. daß Zigeuner durch Roma und Sinti ersetzt werden müßte. höchstens. er wird auch unverändert beim Namen genannt. nur einem anderen. Was also ist gewonnen ? Der unerfreuliche Tatbestand besteht unverändert weiter. Aber wie läßt sich der gleiche Sach- verhalt anders ausdrücken ? Wie kann man etwas sagen.

die früher Zigeuner hießen. sondern in unbekannt großer Zahl ermordet wurden. daß das Wort »jahrhundertelang zur Stigmatisierung gebraucht wurde«. Die Volksetymologien. die weiblichen Formen lauten »Romni« und »Sintiza«. Was aber sprach denn gegen Zigeuner ? Angeblich. die das Grimmsche Wörterbuch verzeichnet. besagen alle nur soviel wie »Zieh einher«. von der scheinkorrekten Bezeichnung ausge- grenzt – und die Furcht vor bewußten oder unbewuß- ten Ausgrenzungen ist doch gerade eine der Triebkräfte hinter der politisch korrekten Sprachrevision.ein Außenstehender wissen.) Schließlich fühlen sich ande- re Gruppen des gleichen Volkes. (Man kann es nicht. Daß manchen Seßhaften die unstete Lebensweise selbst unsympathisch ist. Es bedeutet keines- falls »Ziehgauner« und wurde auch nicht so verstanden. Zudem weiß fast niemand. ob er es mit einem aus der Gruppe der (seit Generationen in Deutschland ansäs- sigen und auch Cinti geschriebenen) Sinti oder aus der der (meist in diesem Jahrhundert aus dem Balkan zu- gewanderten) Roma zu tun hat ? Er weiß es in der Re- gel nicht. Auch die Ableitung zigeunern bedeutet nur ›unstet umherwan- dern‹. jahrhundertelang geringgeachtet und dann in Deutschland nicht nur stigmatisiert. Aber das Wort als solches war nicht pejorativ. es heißt »ein Sinto« und »ein Rom«. die weder Roma noch Sinti sind. Nur zu wahr.) Und sind es auch Femi- nina ? (Sie sind es nicht . in Anspielung auf die fahrende Lebensweise. also ob man »ein Sin- ti« überhaupt sagen kann. daß die. ob die beiden Na- men Plural oder Singular sind. liegt nicht an den Worten für  .

im Deutschen gab es schon sehr bald Zigeuner her. um 1500 in Mitteleur- opa eintrafen. und mutmaß- lich wurde das Wort von ihr auf die rätselhaften Islam- Flüchtlinge aus Kleinasien übertragen.und Schreibregeln der Landessprache an . Jedes- mal paßte es sich dabei den Laut. kann also auch nicht durch einen Wortaustausch behoben werden. Das gleiche Wort (phonetisch ›tsigan‹) bürgerte sich in vie- len osteuropäischen Sprachen ein. Erstens müßte es sich  . Es müßten nur zwei Bedingungen erfüllt sein. Seine Abschaffung macht frü- here Schmähungen nicht ungeschehen und verhindert keine für die Zukunft. die Zigeuner von ›um- herziehen) ableiten. Andere bezeichneten sie irrtümlich als Egypter – ein Name. das spanische gitano. spräche natür- lich nichts gegen eine Umbenennung. Auch die Volksetymologien. Secanen nannten sich selber die Nachkommen jener nordwestindischen Volksgruppe. Da manchen ehemaligen Zigeunern das Wort aber einfach nicht mehr zu gefallen scheint. aber auch im Fran- zösischen (tzigane) und Portugiesischen (cigano). ist dunkel. Die gängigste Erklärung leitet es aus dem byzantinischen Griechisch ab : atbinganoi oder dann tsinganoi wurden die unberührbaren Anhänger einer phrygischen Ketzersekte genannt. seit sechs- hundert Jahren auf der Flucht. Den Namen Secanen hatten sie vom Balkan mitgebracht.sie. der schließlich das englische gypsy. Es war jeden- falls kein Schmähwort. sind wie so viele andere natürlich falsch. das französische gitan ergab. Woher ›tsigan‹ stammte und was es bedeutete. die.

jede Gruppe. Zweitens müß- te es ein Wort sein. ein Baske Baske . egal ob sie aus der Geschichte ge- schöpft oder künstlich neu gebildet wird. Wer das richtig findet. keine politisch korrekte Umbenennung zu wünschen. Es ist ein großes Glück. daß sie wie jedes für die Praxis bestimmte Prinzip nicht verabsolutiert wer- den darf. meine aber. die mehr oder weniger widerwillig einem größeren Gan-  . Ich sel- ber finde sie richtig. daß die Juden das Selbstbe- wußtsein hatten. kann auf Zigeuner und sei- ne Entsprechungen in den anderen europäischen Spra- chen nicht verzichtet werden. erklärt sie zu einem Prinzip aller Sprachmodernisierung. sondern Katalane . Solange ein solches Wort aussteht. die in ihrem Fall nur in einer akkuraten und erschöpfenden Definition hätte bestehen können.den Eigenbezeich- nungen anzugleichen. die alle Angehörigen für sich akzeptierten. Aber offenbar war ihnen klar. Deren Länge hätte wahrscheinlich auch sie zu Unnenn- baren gemacht. die Fremd. Numerus – durchsichtig ist. so daß es sich in ver- schiedenen Zielsprachen frei verwenden ließe. Statt dessen wollten sie einfach weiter Juden sein – obwohl sie viel mehr noch als die Zigeu- ner mit dem Wort stigmatisiert worden waren. Ein Katalane nennt sich selber nicht Spanier. Es besteht die Tendenz.um eine Bezeichnung handeln. also eine echte und umfassende Eigenbezeichnung. daß das nicht im mindesten die Schuld des Wortes. sondern die der Antisemiten war und sie unter jeder beliebigen anderen Bezeichnung ebenso stigmatisiert worden wären. dessen grammatischer Status – Ge- nus.

Es wäre un- praktikabel. Trotzdem ist eine Bezeichnung für den Angehörigen des größe- ren ganzen unverzichtbar. Die Im- plikation war natürlich. aber unliebsames Wort wird in ironisieren- de Anführungszeichen gesteckt oder mit einem distan- zierenden »sogenannt« versehen. Wer weiß. daß es besser gar nicht versucht wird. Ein harmloses. in solchen Fällen die Fremd. in diesem Fall eine mit der Bedeutung »Bürger des Staates Spanien«. daß das politisch kor- rekte Sprechen auch auf Tiere ausgedehnt werden soll. wird sich nicht gern von dem Namen für dieses größere Ganze mitmeinen lassen. wie im Fall der Roma und Sinti ? So wird das »Prinzip« nie mehr sein können als eine Daumenregel. Schon war in einer Rundfunksendung von der soge- nannten Aggressivität der Eisbären die Rede.der Eigenbe- zeichnung anzugleichen. Der nächste Schritt  . stigmatisiert. Das muß an den Grenzen der Sprachkenntnisse und der menschlichen Zungenfer- tigkeit so jämmerlich scheitern. So fängt es an. Im Falle Moslem/Muslim geht die Forderung im Grunde noch weiter : die Fremdbe- zeichnung sollte auch genauso ausgesprochen werden wie die Eigenbezeichnung. manchmal anwendbar. daß nur der Mensch sie mit einem sol- chen Attribut belegt. wie Breslauer oder Mailän- der oder Puertoricaner in ihren Landessprachen hei- ßen ? Wer wüßte sie auch richtig auszusprechen ? Und was gar.zen angehört. wenn die betreffende Gruppe sich gar nicht einig ist. daß Eisbären nicht wirklich aggressiv sind. wie ihre Eigenbezeichnung lauten sollte. manchmal nicht. Es gibt erste Anzeichen dafür.

einige willkommen. oder bei der deutschen Vorlie- be für internationale Wortstummel auf -i und -o viel- leicht *PaziTeddy. sondern die Abänderung einiger sprachlicher Regeln. aus der Bedeutung des Wortes Frau stillschweigend den Hinweis auf den Zivilstand zu streichen. ande- re schwer zu verkraften. weil das Gegenstück dazu fehlte. Sollte das Schule machen. Es mußte der Sprache damit keine Gewalt angetan werden . Pauschale Beifallsbekundungen oder Verdammun- gen helfen hier überhaupt nicht weiter. sogar offiziell. das Männlein. Begrüßenswert und gänzlich unproblematisch ist  . ist dann der. wo es neben der señorita den señorito gibt. es reich- te. Es sind die Änderungen. Das Fräu- lein war schon darum ein Beleg für sexistische Asym- metrie. Feministischer Druck hat dem Deutschen eine Reihe von Änderungen beschert. anders als zum Beispiel im Spanischen. Die einzelnen Neuerungen wollen differenzierend betrachtet sein. werden wir irgendwann den Esel in ein andersbefähigtes Grautier und das Schwein in ein sauberkeitsmäßig herausgefor- dertes Borstentier umgetauft wiederfinden. hin- ter denen die artikuliertesten Interessen stehen und die die weitaus tiefsten Eingriffe in die Sprache mit sich bringen – nicht nur den Austausch einzelner Wörter. Bei der Anrede muß heute erfreulicherweise nicht mehr zwischen Frau und Fräulein gewählt werden – Frau ist immer richtig. das der unerwünschten Bedeutung angestrengt entgegenwirkt : *Friedbär böte sich an. es durch ein anderes zu ersetzen.

Vor allem ver- schwindet damit die zudringliche und verkindlichen- de Vertraulichkeit des Vornamens.auch. ließ es doch immer auch an den Klatsch auf Berliner Hinterhöfen denken ( »die Schlatzke hat heute den Müll danebengekippt«). Es gibt keinen Grund. wo sie aus irgend- einem Grunde fehlten. zum Schiedsmann eine Schiedsmännin gebildet. man wird sie Männin heißen. wenn von Frauen die Rede ist : Huber wie Becker. eine große Zahl maskuliner Substantive ließ die Movierung schon immer zu (Bauer/Bäuerin und analog Ingenieur/Ingenieurin. das so vornehm wie ordinär war. war nur recht und billig.« Auf diese Weise wurde früh zum Landsmann eine Landsmännin. ist er wahrscheinlich wirklich Sexist. obwohl Ingénieuse auch denkbar gewesen wäre). Meist war das problemlos möglich .  . mußten solche kreiert werden. Graf wie Stich. Nicht nur. In anderen Fällen reichte ein einfacher Tausch von ›-mann‹ gegen ›-frau‹ (Kauffrau). Solche Mo- vierungen auch dort vorzunehmen. Allerdings hatte schon Luther ›Mann‹ selbst moviert : »Das ist doch Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch . daß – zum Beispiel in der Sportberichterstat- tung – immer öfter der nackte Nachname gebraucht wird. Wenn ein Schulleiter heute eine Lehrerin immer noch als Kollege oder Lehrer tituliert. Wo weibliche Titel und Berufsbezeichnungen fehlten. und es verschwindet das gräßliche die der Diven (die Duse. daß Frauen auf diese Weise genau wie Männer behandelt werden. darum daß sie vom Manne genommen ist. warum sich eine Notarin als Notar an- reden lassen müßte. die Callas).

in welchen Zu-  . wie es die feministischen Sprachreformerinnen fordern. man komme über die Etymologie an die wahrere Bedeutung der Wörter her- an. Frau Staatssekretärin. als beanspruchten sie in ihrer Tätigkeit. die die Sprache nicht nur benut- zen. Es könnte ja so wirken. Auch viele Trägerinnen dieser Ti- tel sind nicht dafür zu haben. wo es vorher nur das Maskulin gab. hat sie die Doktorprüfung be- standen ! Darum ist auch nach Jahrzehnten des Zwei- fels nicht entschieden. Dennoch gerät man schon bei den Titeln in eine sprachliche Problemzone. daß das wahre Wesen der Verzweiflung im Zweifeln bestehe und das wahre Wesen des Zweifels in der Ungewißheit ange- sichts einer zweifachen Möglichkeit – so daß Verzweif- lung letztlich nichts anderes als Gespaltenheit sei (was sie natürlich nicht ist). Wer die Bedeutung eines abstrakten Wortes lernt. Unter den wenigen. Die Einführung femininer Formen dort. Frau Professorin. der gerade- zu frauenfeindlich wirken kann : Dieses Amt wird von einer Frau ausgeübt. im Glauben. Dann schreibt man bedeutungsschwer ›Ver-zweif- lung‹ oder ›Zwei-fel‹. Frau Ministerin. ist nicht selten die Meinung anzutreffen. sondern gelegentlich über sie nachdenken. lernt sie nicht aus der Wortgeschichte . Es ist prätentiöser Nonsens. Frau Doktorin heißen soll. ob es nun Frau Präsidentin. er lernt. macht Frauen in der Tat so sichtbar. seht her und wundert euch ! Ob- wohl sie eine Frau ist. was sie keines- wegs wollen. Es schafft aber sozusa- gen auch einen Überschuß an Sichtbarkeit. einen Weiblichkeitsbonus. so im Rückblick auf die Wortgeschichte bewiesen zu haben.

Ein Standardargument für die Richtigkeit einer ›radikalen‹ Gesinnung lautet : ›radikal‹. ändert nichts daran. daß darin ›reiten‹ (im Sin- ne von ›sich fortwegen‹) steckt und ›bereit‹ irgendwann einmal die Reisefertigkeit ausdrückte. daß das Wort ursprüng- lich ›Dulder‹ bedeutete. es de- monstriert nur. die nicht nur am Symptom kuriere. Wer aus einem Wort wie ›fertig‹ seinen Ursprung heraushört. kommt seinem aktu- ellen Sinn kein Stück näher.sammenhängen das Wort aktuell gebraucht wird und welche Sinnstelle dieses Zusammenhangs es vertritt. und wo sie noch durch- schimmert. der von einem Arzt behandelt wird . Wurzel – und daraus ersehe man ja. Und daß ›bereit‹ und ›fertig‹ etymologisch einmal bedeutungsgleich waren. Es fügt der aktuellen Bedeutung eines Worts wie ›Bereitschaft‹ nichts hinzu und nimmt ihr nichts weg. daß eine radikale Gesinnung eine sei. Die Wortgeschichte ist aus dem Bewußtsein der Spre- cher meist völlig verschwunden. das komme von radix. von ›Kikeriki‹ bis ›Donnergrollen‹. daß die Wege der Sprache krumm und unberechenbar sind. versieht sie die aktuelle Bedeutung höch- stens mit einem gewissen Assoziationshof. die den Begriffen nach rein lingui- stischen Regeln angeheftet werden. nicht aber mit ihrem wahren Kern. daß sie es heute nicht mehr sind . die sie meinen. ist nicht mehr als eine hübsche sprachgeschichtliche Arabeske. nämlich ›fährtig‹ im Sinne von fahrbereit. sondern an die Wur-  . Sie sind willkürliche Marken. Überhaupt stehen die Wörter in keinem tieferen inneren Zusammenhang mit den Sa- chen. abgesehen von den wenigen laut- malerischen. Ein ›Patient‹ ist jemand.

Die Logik dahinter kann  . so hatten sie überdies eine völlig falsche Etymologie am Wickel.zel des Übels gehe. gegen unsinnige Etymologien einzuschrei- ten. daß die betreffende Gesinnung irgendeine Wurzel rich- tig identifiziert hat. Aber nicht irgend jemand. ob in ihnen nicht ein historischer Rest mitklingt. Wenn sie sich an dem his (›sein‹) in history störten und statt dessen herstory (›ihre Story‹) vorschlugen. indem sie sie zu womyn machten – als bedeu- tete woman seiner Herkunft wegen heute irgend etwas anderes als ›Frau‹. das aber nicht von ›Sohn‹. Man könnte meinen. Sei- ne Lächerlichkeit tötet ein neues Wort auch nicht. In Deutschland führte die glei- che naive Androphobie zu Vorschlägen wie Efrauzipa- tion oder verschwestern (für versöhnen. sondern von ›Sühne‹ kommt). Ver- schwesterung und Efrauzipation zwar haben sich bisher nicht durchgesetzt. solche Korrekturvorschläge seien von männli- chen Chauvinisten erfunden worden. Aber natürlich garantiert sie nicht im geringsten. der den Frauen einmal abträglich war. Hier und da hat sich auch die feministische Sprach- korrektur auf die Etymologie verlegt. sondern eine Staatsministerin (von Rheinland-Pfalz in diesem Fall) übernimmt offiziell und feierlich die Schirmfrau- schaft über eine Ausstellung. Die Etymologie scheint das Wort zu adeln. um den Feminis- mus lächerlich zu machen. Von hier ist es nur ein Schritt zu den unsinnigen Be- mühungen. Sie horcht die Wörter darauf ab. Sie sind es aber nicht. Amerikanische Feministinnen wollten den man aus woman (etymologisch soviel wie ›Weibmensch‹) ver- treiben.

sondern der Akt des Herrschens. die mit ihrer Bedeutung kaum nach außen verweisen. Nach der Logik der Ministerin müß- te damit Schluß sein : Das Verbum ›herrschen‹ dürfte nur noch gebraucht werden. ›Herrschen‹ bedeutete und bedeutet mitnichten so etwas wie ›dem Mann unterwerfen‹. ehrwürdig‹ bedeutete. ist an- stößig. ›Herr‹ und ›Herrin‹ sind ›verehrte Ältere‹. Bei- des geht auf eine altgermanische Form zurück. die so- viel wie ›grau(haarig). Die Verwandlung der Schirmherrschaft in eine Schirmfrauschaft war eine Exorzierung der Grauhaarigkeit. so wäre … nun ja. *›frauschen‹ oder *›damschen‹ zu verwenden. und eine Herrschaft ist keine Herrenriege.  . wird ausgemerzt und durch ›Frau‹ ersetzt. Das wäre dann der kuriose einzige Fall. wenn das dazugehörige Subjekt maskulin ist . die irgendwie. Hält man sie unter die etymologische Lupe. Etymologisch hängt die Wurzel von ›herrschen‹ vielmehr mit ›hehr‹ zusammen.nur gelautet haben : Jede Silbe. ist es feminin. so ent- deckt man allerdings in vielen Wörtern männliche For- men. alt. sie können sich auch beherrschen oder ande- re anherrschen. Sie ist nicht einmal bis zur Analyse des ganzen Wortes vorgedrungen und schon gar nicht zu dessen Etymo- logie. Das Wort heißt ›Herrschaft‹ (übrigens ›die‹). Auch Frauen können und konnten herr- schen . an Männer erinnern könnte. sogar und gerade in manchen Funktionswörtern. zu Recht oder zu Unrecht. nicht das Pen- dant zur ›Frauenschaft‹ der Nazis. in dem ein und der- selben Tätigkeit zwei verschiedene geschlechtsspezifi- sche Tätigkeitswörter zuzuordnen wären.

So- gar Mensch wäre unter etymologischem Gesichtswin- kel zu beanstanden.  . Wohlweislich ist es bisher unterblie- ben – nicht nur. denn das Wort bedeutete einmal nichts anderes als ›der Männische‹. kaum austauschen . obwohl ›er‹ in ihm steckt . unentbehrlich ist. Obwohl in jemand wie in niemand etymologisch ein ›Mann‹ steckt. Das Fragepronomen wer fragt nach Männern wie Frauen. meinen sie immer auch Frauen . daß sie sich praktisch jeder Reformierbarkeit entziehen. das ohne Rücksicht auf das Geschlecht die gesamte Gattang meint. das französi- sche homme ist es wie die anderen Abkömmlinge des lateinischen homo. die analoge weibli- che Form müßte etwa ›wihr‹ lauten. existiert aber nicht. müßte ihm eigentlich eine ›Weibsche‹ an die Sei- te gestellt werden. Gleichwohl meint es längst jedes Wesen der Gattung Homo. Rom in der Sprache der einst Zigeuner ge- nannten Volksgruppen ist solch ein Fall. Sollte feministischer Reformsinn sie ausgra- ben. anders als Inhaltswörter. das noch durchsichtigere jedermann tut es ebenfalls. weil es die Frauen lächerlich mach- te. Sie las- sen sich.sondern nur die syntaktischen Beziehungen zwischen den Inhaltswörtern eines Satzes klarstellen und damit so tief im Gefüge der Sprache verankert sind. an ihnen etwas zu verändern wäre so schwer wie ein Umschreiben der Grammatik. Als ein Relikt patriarchalischer Verhältnisse sind in vielen Sprachen die Wörter für ›Mann‹ und ›Mensch‹ identisch. und dem all- gemeinen Sprachbewußtsein ist die Etymologie völlig entfallen. sondern weil ein Wort.

Als aber Mißtrauen wach wurde und be- fand. Jedoch bedeutete es von Anfang an nicht ›Männer‹. Auch Englisch hat für beides nur ein Wort. denn das Wort ist eine Adjektivbildung zu lateinisch humus. sondern irgendein Mensch‹ oder ›Leu- te‹. ist es. läge indessen falsch.) Mit zwei verschiedenen Wörtern für das Gat- tungswesen und die Angehörigen des männlichen Ge- schlechts ist Deutsch also sogar eine ungewöhnlich un- sexistische Sprache. als bei Menschen zu- erst an Männer gedacht wurde. wie sein franzö- sisches Gegenstück on (von homme). es grenze die Frauen aus. Der Sprachgebrauch überschrieb sozusagen die Ety- mologie und setzte eine Konvention eigener Kraft an ihre Stelle. Wenn es ihm nicht gelingt. man. (Wer auch in human einen Mann entdeckte. Aus einer Zeit stammend. und wahrscheinlich wird es das nie. um ihm eine po- litisch korrekte geschlechtsindifferente Sammelbezeich- nung gegenüberstellen zu können. Es ist nicht besonders lang und umständlich. tatsächlich sexi- stischen Ursprungs. also in nahezu einer Generation. und es stellt sprachlich Gerechtigkeit her. wurde dem man ein frau beigesellt. über die Sondersprache der Feministin- nen hinauszudringen und Bestandteil der Allgemein-  . Den- noch ist es in den etwa zwanzig Jahren seiner Existenz. und muß sich heute mit human abmühen. Eigentlich ist nichts dagegen zu sagen. Erd- boden. es verge- waltigt die Regeln der Wortbildung und Orthographie nicht. nicht durchgedrun- gen. Dennoch wurde auch ein deutsches Funktionswort zum Ziel feministischer Sprachkritik : das Pronomen man.

sprache zu werden. folgenreichen sprachreformerischen Aberglauben. ausdrücklich mit aufgeführt zu wer- den. und man sähe. daß frau. daß die Paarformel Kinder ausgrenzt. kämen die Senioren und fühlten sich ausgegrenzt. so dürfte das weniger an der Reni- tenz der Männer als daran liegen. In diesem Fall freilich wäre kein Halten mehr. Dann würden frau und man beim Buchstaben genommen. damit ausgegrenzt. wenn das Gruppendenken auf ganzer Linie triumphierte und Frauen und Männer endgültig als Angehörige verschiedener Spezies betrachtet würden. stigmatisiert. weil die Logik. margina- lisiert. gäbe es kein geschlechtsneutrales Kol- lektivpronomen mehr. daß jemand vergessen wurde. den Bedeutungsumfang von man reduzieren müßte : Man dürfte dann nur noch ›Männer‹ bedeuten. erschöpfende Auf- zählungen nötig macht und immer die Gefahr besteht. (Konfrontiert mit dem Vor-  . Und sobald die Dreierformel man. die in einem Sammelbegriff nicht aus- drücklich genannt werden. führte unter anderem zur Ersetzung der Brüderlichkeit durch die Geschwisterlichkeit. in Amerika verliefen manche gemeinsa- men Aktionen der Opfergruppen auch darum mühsam. nach der eine nicht ausdrücklich mit- genannte Gruppe ausgegrenzt ist. Wenn aber man nur noch ›Män- ner‹ bedeutete. Und dann könnte jede Gruppe verlangen. daß Gruppen. Es heißt. um wirk- lich notwendig zu erscheinen. Der naive Etymologietest zusammen mit dem ande- ren. unsichtbar gemacht werden. frau und kind die- se Ungerechtigkeit behoben hätte. Das aber wäre nur dann ent- behrlich.

nicht ahnend. sagte das Wort so wenig. Campe zur Verdeutschung von fraternité geprägt: das war indessen eine Eigenschaft. Etymo- logisch war sie eine bloße Metapher : Geht miteinander um wie Brüder – nicht wie nur Brüder miteinander um- gehen oder wie alle Brüder miteinander umgehen. Daß Frauen zu diesem Verhalten unfähig seien. zur Sonne. Sie war etwas durchaus Geschlechtsunspezifisches. fürsorglich. die schließlich bereits etwas ganz anderes bedeutet. Brüderlichkeit durch Menschlichkeit zu ersetzen.) Brüderlichkeit. daß jemand einen ironischen Vorschlag beim Wort nehmen würde. von J. son- dern wie zum Beispiel Brüder im seltenen Idealfall mit- einander umgehen. H. verglichen mit dem ei-  .schlag. hat- te ich die Geschwisterlichkeit in meinem Buch ›Redens Arten‹ 1986 selber erfunden. Und jetzt ? Wird geselligen Zechern die Verschwi- sterung abverlangt ? Soll die Sprachkorrektur. wie es Väter und Söhne und sonstige Verwandtschaftsgra- de und alle anderen Nichtbrüder ausgrenzte. auch rückwirkend gelten ? Geschwister. um dem falschen Bewußtsein kein Einfallstor zu bieten. Die Ab- schaffung dieser Metapher ist also die pure Andropho- bie : Männliches Verhalten soll nie etwas Vorbildliches haben können. aber auch die Muttersprache und der Mutterboden oder die Tochterfirma zu kassie- ren. die niemals nur Brüdern und damit Männern vorbehalten war. das gleiche wie die (jüngere) Solidarität (die wörtlich etwa soviel wie ›Gesamtheitlichkeit‹ bedeutet). Mit ähnlicher Logik wären das Vater- haus und das Vaterland. zur Frei- heit ? Alle Menschen werden Geschwister ? Solches aber sind Bagatellen.

den die feministischen Wün- sche nach Sichtbarmachung der Frauen der Sprache be- schert haben : den generisch – das heißt als Gattungs- bezeichnungen – gebrauchten Substantiven. daß grammatisch feminine Formen benutzt werden. Wer sich daran stieße. sollte die Gastin einem allgemeinen Bedürfnis entgegenkommen. müssen natürlich beide Geschlechter genannt wer- den. wird sie sich ohne weitere Folgen für das Sprachsystem. brauchte es nur zu mo- vieren . Wo von Grup- pen die Rede ist. nen großen Problemfall. sofern die Geschlechtszugehörigkeit von irgend- einem Interesse ist : Seit dem Beginn der Koedukation hat diese Schule Schülerinnen und Schüler – kein Ge- schlecht kann in solchen Sätzen das andere mitmei- nen. Wenn von indi- viduellen Frauen die Rede ist. Mitbürger – grammatisch ist das ein Maskulinum. also ohne die Änderung irgendeiner Regel durchsetzen. Gast dagegen gibt es bisher nur als Masku- linum. wo immer sie vorhanden sind oder ohne Krampf gebildet werden können. und wer eines wegließe. Mitglied oder Kind als Neutra machen beide Geschlechter gleich un- sichtbar und scheinen darum wahrscheinlich allseits akzeptabel. Eine einzelne Frau muß sich nicht als lieber Mit- bürger anreden lassen. hätte nicht sosehr gegen  . In einigen Fällen allerdings gibt es keine geschlechtsspezifischen Formen. Kann und soll es Frauen »mitmeinen« ? Grenzt es sie aus ? Das Problem besteht nur im Plural. Nicht alle Plurale sind problematisch. Alles andere wäre tatsächlich beleidi- gend. zu denen Frauen und Männer gehö- ren. versteht es sich von selbst.

Haarfarbe. daß in einem Nichtraucherabteil auch Frauen nicht rauchen sollen. daß Kundenwünsche auch zählen. bei de- nen die Geschlechtszugehörigkeit sowenig interessiert wie andere Merkmale (Alter. un- abhängig von ihrem grammatischen Geschlecht. daß der Bürgersteig auch für Frauen da ist. so wie auch Kater Katzen sind . Größe. Gesund- heitszustand und so weiter). weibliche Formen wurden aus ihr abgeleitet und sind daher die längeren. Die allgemeine Übereinkunft lautete also : Generisch gebrauchte Substantive meinen beide Geschlechter. Nie- mals war in der Sprachgemeinschaft irgendein Zwei- fel daran aufgekommen. deren Geschlechtszusammensetzung in diesem Zusammenhang völlig gleichgültig ist ? Für Sam- melbezeichnungen einzelner Personengruppen.die sprachliche Gleichstellung der Geschlechter versto- ßen als einen mißverständlichen und darum schlech- ten Satz gebildet. daß ein Führerschein auch für Frauen gilt. galt von alters her eine ein- fache linguistische Regel. Es war selbstverständlich. Aus sprachhistorischen Gründen ist die- se Form meist von maskulinem grammatischem Ge- schlecht .  . Aber was. Auch Hündinnen sind selbst- verständlich Hunde. wenn sich der Plural auf eine Menschen- gruppe bezieht. daß ein Geiselnehmer auch Männer als Geiseln nimmt. daß ein Personenzug auch Männer be- fördert. daß zwischen natürlichem und grammatischem Ge- schlecht nur ein lockerer und oft gar kein erkennbarer Zusammenhang besteht. wenn sie von Frauen vor- getragen werden. Sie lautete : Man nehme die Grundform.

das Weib und das Mäd- chen aber nicht. und ihrer Weiblichkeit tut es keinen Abbruch. Persönlichkei- ten. Das Problem kam erst auf. wie der Mond ein Mann ist. Die Frau ist Femininum. Von der Stunde an schossen die Paarformeln ins Kraut : Bürge- rinnen und Bürger.und Servicekräfte sind Feminina. Auch eine männliche Führungskraft mußte sich mit dem Femininum abfi nden.in beiden Fällen ist das jeweils andere Geschlecht im Sammelbegriff stillschweigend mitgemeint. In dem Augenblick. Kapazitäten. war die alte Übereinkunft aufgekündigt. Füh- rungs. die nichts Her- absetzendes hatten. Autoritäten. denn zwar sind die meisten Grundformen maskulin. Er und sie stünden sofort als SexistIn da. Fach-. Seelen. Personen. Die Sonne ist sowenig eine Frau. Waisen. als Sprachreformerinnen zu dem Schluß kamen. als sich eine naive Gleich- setzung von natürlichem und grammatischem Ge- schlecht mit einer geschärften Ausgrenzungsfurcht kreuzte. von denen sich gleichwohl nie ein Mann ausgegrenzt gefühlt hat. in den romanischen Sprachen war das Verhältnis genau umgekehrt. der Sonn und die Mon- din. Studentinnen und Studenten … Kei- ne Politikerin und kein Politiker kann heute auf sie ver- zichten. auch wenn Mythologisierungen bisweilen von dem zufälli- gen grammatischen Geschlecht in der jeweiligen Spra- che ausgingen . Die universalistische Geschlechtsneutralität der alten gene-  . Es handelt sich um linguistische Zufälle. aber keineswegs alle : Geiseln. die grammatisch maskulinen Formen schlössen böswillig oder gedankenlos die Frau- en aus. Koryphäen.

die Toilette zur To. den Solidaritätszuschlag zum Soli. ist zweifellos ein Souve- nir aus Zeiten. Jede gewach- sene Sprache trägt ihre Geschichte mit sich herum und konserviert in vieler Hinsicht das Denken vergangener Zeiten – man denke nur an die allgegenwärtige feuda- le und militärische Metaphorik (unbotmäßig. Die Qualifikation macht sie zur Quali. in denen Männer sich für das primäre Geschlecht hielten. Es ist also nicht abzustreiten. redundant. überflüssige und so- gar weniger überflüssige. zeitverschwenderisch. Solche Ungerechtigkeiten lassen sich jedoch nur sehr schwer rückgängig zu machen. eine Lan- ze einlegen). aber schwach schlägt es dennoch durch : Zu Sätzen wie Diese Univer- sität hat zehntausend Studenten assoziieren viele wahr- scheinlich zunächst männliche Studierende. unele- gant. Überall stößt und schleift die Sprache Längen ab. Abschiede von der Sprachgeschichte sind schwer durchzusetzen. unschön. In diesem Fall ist der Preis die Einbuße an Ökono- mie. Inmitten dieser allgemeinen  . die der Sprache auferlegt wird. ein sexistisches Relikt. Es kann der Sprache sonst gar nichts kurz genug sein. Auch ist zwar das grammatische Geschlecht im allgemeinen Bewußt- sein nicht mit dem natürlichen identisch. daß die alte Übereinkunft Männer bevorzugte. den Professor zum Prof. Daß die männliche Form die Grundform ist und die weibliche aus ihr abgeleitet wird wie nach biblischer Überlieferung Eva aus Adam. Längen wirken umständlich. pedantisch. Sie haben auch ihren Preis.rischen Substantive befriedigt das Denken in Opfergrup- pen nicht mehr.

Entwicklung zum hastigen Telegrammstil stehen nun
fremd die endlosen Paarformeln : Professorinnen und
Professoren, Rundfunkhörerinnen und Rundfunkhörer,
Existenzgründerinnen und Existenzgründer, Clownin-
nen und Clowns, und weil das inzwischen schon auto-
matisch hervorsprudelt, seit einiger Zeit sogar Mitglie-
der und Mitgliederinnen, Reisende und Reisendinnen. Im
Radio habe ich es tatsächlich einmal gehört : Schweste-
rinnen. Nur noch in einem Fall darf auf die Paarformel
verzichtet werden : wenn die fragliche Bezeichnung für
etwas negativ Bewertetes steht. Da bleibt es durchaus
den Männern überlassen, Frauen mitzumeinen. Nie-
mand jedenfalls hat bisher darauf bestanden, daß es
paritätisch Alkoholikerinnen und Alkoholiker, Trickbe-
trügerinnen und Trickbetrüger, Mörderinnen und Mör-
der, Strohfrauen und Strohmänner heißen müßte. Also
hat auch noch niemand Schillers Lied von der Glok-
ke »gleichstellungsgerecht« umgedichtet : »Freiheit und
Gleichheit ! hört man schallen, Die ruhge Bürgerin und
der ruhge Bürger greift zur Wehr, Die Straßen füllen
sich, die Hallen, und Würgerinnen- und Würgerban-
den ziehn umher. Da werden Weiber …« Nein, pejora-
tiv, zumal es auch noch ein Neutrum ist : »Da werden
Damen zu Hyänen …« Auch typisch, daß »die Hyä-
ne«, dieses unsympathische Tier, nun gerade feminin ist.
Vielleicht ebenfalls zu korrigieren : »Da wird die Dame
zum Hyänen …«
Es handelt sich also um den Konflikt zweier konkur-
rierender Werte : Sichtbarmachung der Frauen auf der
einen, Sprachökonomie auf der anderen Seite. Die po-



litische Korrektheit hat sich mit einer Emphase für die
Sichtbarmachung der Frauen entschieden, als wäre sie
ganz umsonst zu haben.
Immer mehr Rechtsvorschriften ordnen die Paarfor-
meln für den gesamten staatlichen Bereich zwingend an.
Das Land Rheinland-Pfalz hat 1995 eine Verwaltungs-
vorschrift zur »Geschlechtsgerechten Amts- und Rechts-
sprache« erlassen, die immer dann, wenn man sich nicht
mit einer geschlechtsneutralen Formulierung um das
Problem herumdrücken kann, Paarformeln vorschreibt,
allerdings nur homöopathisch dosiert, nämlich dann,
wenn in einem Satz nicht mehr als zwei davon vorkom-
men müssen – die Verwaltungsvorschrift für Sätze mit
mehr als zwei generischen Substantiven steht noch aus.
(Die neutralen Formulierungen, etwa Passivkonstruk-
tionen, machen das Amtsdeutsch meist noch amtsdeut-
scher.) Von einer solchen weisen Mengenbeschränkung
hat das Land Nordrhein-Westfalen Abstand genommen.
Dort ist das Dienstverhältnis an den Universitäten fol-
gendermaßen geregelt : »Dienstvorgesetzter der Rekto-
rin oder des Rektors, der Kanzlerin oder des Kanzlers
und der Professorinnen und Professoren ist das Mini-
sterium. Dienstvorgesetzte oder Dienstvorgesetzter der
Hochschuldozentinnen und Hochschuldozenten, der
wissenschaft lichen Assistentinnen und Assistenten …«
Genug ? Nein, meine Damen, meine Herren, das haben
wir uns eingebrockt, da müssen wir nun durch. »… der
Oberassistentinnen und Assistenten, der Oberingeni-
eurinnen und Oberingenieure, der wissenschaft lichen
und künstlerischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter



… ist die Rektorin oder der Rektor. Dienstvorgesetzte
oder Dienstvorgesetzter anderer Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter ist die Kanzlerin oder der Kanzler.« Und
das ist nur erst der Paragraph 63. Erstellt wurden er
und seine Gesellinnen und Gesellen gemäß den Wei-
sungen einer interministeriellen Arbeitsgruppe unter
dem Motto : »Eine gleichstellungsgerechte Gesellschaft
erfordert auch eine gleichstellungsgerechte Rechtsspra-
che.« Und was auf dem Weg zu diesem hehren sprach-
lichen Ziel ist am »erfolgversprechendsten« und mithin
am Gleichstellung bewirkendsten ? Die »Verwendung
von geschlechtsneutralen Umformulierungen ; Paarfor-
meln« (mit den Frauen grundsätzlich voran, alte Ka-
valiersschule).
Das Land Nordrhein-Westfalen begründet seine
Sprachregelung psychologisch, wenn auch nur in Form
einer vagen psychologischen Spekulation : »Eine psycho-
logisch wirksame Benachteiligung von Frauen durch
Verwendung des ge-nerischen Maskulinums kann nicht
ausgeschlossen werden.« Nicht : »ist nachgewiesen wor-
den«, nicht einmal : »ist wahrscheinlich«, nur »kann
nicht ausgeschlossen werden«. Welche Folge kann je-
mals ganz ausgeschlossen werden ? Mit der dünnsten
aller möglichen Begründungen hat sich der Staat hier
also auf das allerschlüpfrigste Terrain begeben : Er hat
ein einklagbares Recht auf seelische Unversehrtheit an-
erkannt.
Um das zwar einem guten Zweck dienende, aber
redundant Weitschweifige zu kürzen und Papier und
Druckerschwärze zu sparen, verfiel ›die tageszeitung‹,



zunächst scherzeshalber, Anfang der achtziger Jahre
auf die Binnen-Innen : SchülerInnen, KäuferInnen und
so fort. Obwohl dieses Binnen-I Karriere machte und
sich inzwischen sogar in Texten findet, denen jede Iro-
nie fernliegt, hat es sich in über einem Dutzend Jah-
re nicht wirklich Akzeptanz verschaffen können. Der
Grund dürfte weniger der Großbuchstabe im Wortin-
nern sein, den die offizielle deutsche Orthographie bis-
her nicht zuläßt, als vielmehr der Verstoß gegen eine
noch elementarere Sprachregel : daß sich Geschriebenes
und Gesprochenes eins zu eins entsprechen sollen. Jeder
gesprochene Laut soll in der Schrift abgebildet werden,
besagt das allgemeine Sprachverständnis, und jeder in
der Schrift abgebildete Laut soll gesprochen werden. Bei
Bildungen vom Typ LehrerInnen ist aber nicht zu spre-
chen, was dasteht – dabei kämen nur Lehrerinnen her-
aus. LehrerInnen steht vielmehr für Lehrer und Lehre-
rinnen, ist also eine Abkürzung : Sie erspart die schrift-
liche Wiederholung des maskulinen Grundworts, aus
dem das Femininum durch Motion entstanden ist. Ab-
kürzungen sind natürlich erlaubt ; nur müssen sie ein-
deutig auflösbar sein. Wäre die Abkürzungsregel (XIn-
nen = X + Xinnen ; I = + X) immer anwendbar, so hät-
ten sich die Binnen-lnnen möglicherweise durchsetzen
können. Sie ist es jedoch nicht. Bei Bildungen wie Stu-
dentInnen ist etwas ganz unter den Tisch gefallen, das
Plural -en der männlichen Studierenden. Ein Satz wie
Die SekretärInnen machen Überstunden läßt sich auf
Anhieb nicht mehr vorlesen ; man müßte sich vorher
auf die Auflösung der Abkürzung vorbereiten. Die Ein-



fachheit täuscht also. Die Rückverwandlung der Abkür-
zungsform in Rede bringt den Sprecher notwendiger-
weise ins Stocken.
Paarformeln sind natürlich in hohem Grade politically
correct ; nur eben immer ein bißchen lang. Das Stadtpar-
lament im schweizerischen Wädenswil ging vor einigen
Jahren den kürzeren Weg. Es beschloß, daß in der örtli-
chen Verfassung ausschließlich grammatische Femini-
na Gattungsbegriffe sein dürften. Also hätte es in Wä-
denswil nur noch Einwohnerinnen unter der Ägide einer
männlichen Stadtpräsidentin gegeben ; sollten die Män-
ner ruhig einmal sehen, wie »psychologisch wirksam« es
ist, wenn sich ein Geschlecht vom anderen mitmeinen
lassen muß. Hätte … denn irgendwie funktionierte es
nicht. Die neue Regel, daß fortan als geschlechtsneutrale
Sammelbegriffe die längeren, abgeleiteten, grammatisch
femininen Formen verwendet werden sollen, war näm-
lich außerhalb Wädenswils unbekannt geblieben. Also
verstand man die Wädenswiler Sprache dort einfach
falsch. So schaffte die Gemeinde ihre Neuerung schon
ein paar Monate später kleinlaut lieber wieder ab.
Die Paarformeln werden nicht so bald wieder abge-
schafft werden. In voller Länge und gleichstellungsge-
rechter Paarigkeit wird es weiter heißen und heißen
müssen : »Die Grundordnung kann vorsehen, daß die
Dekanin oder der Dekan nach Ablauf ihrer oder seiner
Amtszeit Prodekanin oder Prodekan wird …« Womit
nebenbei auch festgestellt ist, daß auf dem Umweg über
Dekanatsamt Geschlechtsumwandlungen möglich sind.
Denn der scheinbare Zuwachs an Genauigkeit wird so-



fort wieder aufgefressen : Wo die Sprache umständli-
cher wird, wird sie auch mißverständlicher, und um
Mißverständnissen vorzubeugen, müßte sie wiederum
noch umständlicher werden.
Allerdings, den bewußten Frauen würde ein Opfer
zugemutet, wenn sie sich von grammatisch maskulinen
Formen mitmeinen lassen sollen. Es wäre sogar ein dop-
peltes Opfer. Nicht nur, daß sie für die kürzere Grund-
form optieren müßten, auch wenn diese meist gram-
matisch maskulin ist – sie müßten erst einmal aner-
kennen, daß die Geschlechtszugehörigkeit nicht alles
ist und auch nicht unentwegt betont werden muß ; also
letztlich, daß das, was Frauen und Männern gemeinsam
ist, ihre Unterschiede und Konflikte überwiegt. Diesem
Doppelopfer gegenüber steht das Opfer an Sprachöko-
nomie, das die gesamte Sprachgemeinschaft zu bringen
hätte, Frauen eingeschlossen, wenn niefrau den Paar-
formeln Einhalt gebietet.

Niemand erzwingt die politische Berichtigung der
Sprache. Keine Instanz schreibt sie vor. Der ›Duden‹
empfiehlt sie noch nicht einmal. Was sie bewirkt, ist
jener Wind der stereotypisierten Gutwilligkeit, der
durch die Gesellschaft weht. Wer ihn ignorierte, be-
zeugte damit, daß er entweder einfach nicht auf dem
laufenden ist (also von gestern) oder keine Sensibilität
besitzt für die Kränkungen, die mit Sprache zugefügt
werden können. Als unsensibel möchte niemand daste-
hen. Es wäre ja stammtischhaft, beinahe menschenver-
achtend, vielleicht sogar faschistisch.



Die Befürchtung, als unsensibel zu gelten, ist hoch-
wirksam. Unwillkürlich zuckt zusammen, wer auf den
Mauern eines verfallenen alten Gebäudes die verwasche-
ne Aufschrift ›Greisenasyl‹ erblickt, in Fraktur. Das Lied
von den ›Zehn kleinen Negerlein‹ soll man seinen Kin-
dern auf keinen Fall mehr vorsingen ; aber kann man ih-
nen noch die Nikolas-Episode aus dem ›Struwwelpeter‹
vorlesen ? Zwar ist sie unmißverständlich antirassistisch
– aber »kohlpechrabenschwarzer Mohr« ? Schwärzt das
die Afroafrikaner nicht an ? Hätte der Autor es nicht
anders ausdrücken müssen ? Und was soll ein Überset-
zer tun, wenn er einen älteren Text vor sich hat, in dem
noch völlig ungeniert die unberichtigte Sprache verwen-
det wird ? Soll er ihn auf den aktuellen Stand bringen ?
Mark Twain schreibt ohne Skrupel »Mohammedaner«
und »Neger« – soll man daraus Muslim und Afroame-
rikaner machen ? Wäre es nicht geradezu falsch, solche
Wörter zu aktualisieren, da in der Entstehungszeit des
Textes die aktuellen Bezeichnungen ja noch gar nicht da
waren ? Wäre eine solche Aktualisierung nicht eine zu
Recht verrufene »Kulturübersetzung«, so als würde Goe-
the zeitlich angepaßt : »Es schlug mein Herz, geschwind
aufs Moped …« ? Aber werden gerade die besten, die auf-
merksamsten Leser nicht doch zusammenzucken, wenn
ihr Blick auf ›Mohammedaner‹ und ›Neger‹ fällt ? Wer-
den sie bereit sein, die historische Rechtfertigung gel-
ten zu lassen ? Darf man lebende Menschen mit solchen
Wörtern kränken, nur weil Frühere nichts Kränken-
des in ihnen sahen ? Bei Mark Twain, der doch sowe-
nig Rassist war, wie ein Mensch nur zu werden hoffen



kann, kommt sogar öfter das Wort ›Nigger‹ vor, ein-
fach weil seine Figuren es manchmal gebrauchen, wie
ihre Entsprechungen in der Realität es gebraucht hätten.
Darf das stehen bleiben ? Obwohl es eindeutig ein grobes
Schmähwort ist ? Müssen nicht wenigstens solche ras-
sistischen Beschimpfungen heute wegzensiert werden ?
In Amerika war man hier und da dieser Meinung und
strich Mark Twain von der Leseliste ; wahrscheinlich
wird es irgendwann bereinigte Ausgaben geben.
Aus Amerika ist aber auch die Reaktion eines schwar-
zen Harvard-Studenten überliefert, als ein weißer Kom-
militone forderte, Schwarze müßten durch Sprachre-
gelungen vor »Haßsprache« geschützt werden, da sie
sonst von den Universitäten vertrieben würden : Solche
Schutzmaßnahmen seien geradezu anmaßend. Er sei in
seinem Leben vielen Formen des Rassismus ausgesetzt
gewesen und nie davongelaufen. Ob gemeint sei, daß
er seine Bücher packen und nach Hause gehen würde,
weil jemand in seiner Gegenwart rassistische Sprache
gebraucht ? »Diese Annahme ist rassistischer und belei-
digender, als mich Nigger zu nennen.«

Wenn die politische Korrektur der Sprache auf der irri-
gen Meinung beruht, durch bloße Namengebung ließen
sich die Verhältnisse und sogar die Gefühle der Men-
schen reformieren, so ist sie vermutlich Teil eines noch
größeren, eines säkularen Aberglaubens : der Mensch,
das Bewußtsein des Menschen sei Sprache und sonst
nichts. »Sprache, wie die Liebe und der Tod, ändert und
bestätigt uns, haftet an uns und erforscht uns … und



macht uns zu denen, die wir sind«, wie kürzlich ein Li-
teraturwissenschaftler schrieb. Von woher ist diese Idee
in das zeitgenössische Denken eingedrungen, um sich
dort zu einem Standardtopos aufzublähen ? Vielleicht
aus der hermeneutischen Umdeutung der Psychoana-
lyse, die aus dieser, als sie als Unterabteilung der Me-
dizin keinen Erfolg und keine Zukunft hatte, eine Gei-
steswissenschaft zu machen trachtete, welche der nor-
malen naturwissenschaft lichen Art der Bestätigung
und Widerlegung enthoben wäre. Allen Ernstes ha-
ben psychoanalytische Hermeneutiker behauptet, daß
der Mensch seine erzählte Lebensgeschichte »sei«, daß
der Therapeut ihn also nur dazu bringen müsse, sei-
ne Lebensgeschichte anders zu erzählen, und daß eine
psychische Störung dann geheilt wäre, wenn der Pa-
tient sein Leben umformuliert habe. Wenn man eine
Krankheit für das »Symbol« eines seelischen Konflikts
hält, ist es nur folgerichtig, Heilung auf der rein sym-
bolisch-sprachlichen Ebene zu suchen. Vermutlich wa-
ren es tiefe anthropologische Mißverständnisse dieser
Art, die der Psychoanalyse zu dem Ruf verholfen haben,
eine tiefe Anthropologie zu haben oder zu sein.
Wer den Menschen für ein durch und durch ver-
sprachlichtes Wesen hält, muß sich von Korrekturen
an der Sprache wahre Wunder versprechen. Scheinbar
nimmt er sie überaus ernst. In Wahrheit verkennt er
sie. Eine blinde Liebe ist ihrem Gegenstand selten för-
derlich.
Die politische Berichtigung der Sprache wird von der
Hoffnung befeuert, eine korrigierte Sprache würde ir-



die nicht mehr Alte heißen. aber doch auf beiden Seiten schärfer eingestellt. aber es blieben ihnen all die abträglichen Vorstellungen erspart. Es ist nicht sicher. vielleicht wirkt. Wer sei- ne Sprache politisch berichtigt. die in die berichtigte Sprache hineinwachsen und deren Ausdrücke von vornherein für die einzig richtigen hal- ten. gibt nicht nur zu erken- nen. sondern ging diesem voraus . die sich bisher an das Wort alt geheftet hatten.gendwie auch das Bewußtsein der Menschen korrigie- ren : Die Alten. zumindest ein wenig. auch die Sprache ins Bewußtsein zurück. sondern seine Ursache. damit auch genau jenes Bewußtsein erwerben. Die wirkliche Testfrage wäre darum. daß er sich ein neues Bewußtsein zu eigen gemacht hat. ob Menschen. Mit dem unbeschriebenen Blatt eines neuen Wortes erhielten sie sozusagen eine neue Chance. es ist aber auch nicht ganz ausgeschlos- sen. das niemanden mehr stigmatisiert und diskriminiert und so fort.  . Das Aufkommen der Bezeichnung pc hat vielleicht nicht gerade das Bewußtsein der Menschen verändert. um das sie sich kristallisiert hatten. Indessen war dieser nicht die Folge seines Sprachwandels. er hat möglicherweise wirklich einen Bewußtseins- wandel hinter sich. Vielleicht ist es ja so – vielleicht bestimmt nicht nur das Bewußtsein die Sprache. war nicht sein Ergebnis. Und da die alten Vorstellungen das Wort einbüßten. würden da- durch zwar nicht verjüngt. das den Initiatoren der Sprachberichtigung einmal vorge- schwebt hatte – ein Bewußtsein. wären sie sozusagen ihres Trägermediums beraubt und müß- ten verkümmern und schließlich verschwinden.

. daß sich das überhaupt nicht mehr er- kennen ließe. Das Fatale ist. wäre jeder sprachlichen Sichtbarkeit entzogen. daß die Leute nun wirklich keine anstößigen Gedan- ken mehr hegen. alle irgendwie kränkenden Wör- ter aus dem Verkehr zu ziehen. Und der Preis der Verfreundlichung des Alltags wäre die Große Allgemei- ne Verschleierung. Wenn die politische Korrektur der Spra- che ihr Ziel erreichte. könnte der berühmte Beobachter vom andern Stern nur noch jubeln : Tadelloses Bewußtsein in die- sem Land ! Allerdings hätte er keinerlei Gewähr dafür. Was sie wirklich meinen. und wenn sich die gan- ze Sprechergemeinschaft unisono an die neue Etikette hielte.

.

keine Angst vor mir haben. Im Moment der Annäherung und der Abwendung ist ein Signal fällig. daß sie die Aufnahme und Beendigung jedes mitmensch- lichen Kontakts selber abzufedern haben.  . ich komme und ich gehe. die ich – wiewohl nicht ganz im Ernst – die Neue Herzlich- keit nennen will. ohne dir feind zu sein. welche sprachlichen Manieren vor etwa 1970 hierzulande gang und gäbe waren. wenn man sich erinnert. Herzlichkeit ? Gehen wir nicht unverändert ziem- lich rüde miteinander um ? Hat nicht gerade gestern der Herr in der Hotline … ? Man wird sich der Neu- en Herzlichkeit in der Tat nur bewußt. Du mußt. dir nichts über sie herfällt. und sei es der vertrauteste. daß irgend- ein Artgenosse. Zur Abfederung des Aufpralls gibt es eine Pufferzone. Sie dulden es nicht. das den anderen in Sicherheit wiegt. Ebenso selbstverständlich ist es ihnen. Sie besteht aus ritualisierten Gesten und sprachlichen Formeln. – Menschen sind sehr eigene Wesen. mit selbst dem harmlosesten Ansinnen mir nichts. Offenbar besteht immer die Möglichkeit. daß es sich auch ganz anders verhal- ten könnte.Eine Neue Herzlichkeit Über den Wandel der sprachlichen Manieren Sacht und heimlich hat sich im letzten Vierteljahrhun- dert eine Sprechweise ins Deutsche eingeschlichen. sagt es.

Und auch das schien wohl immer noch zuviel. Wie gehts. Die Beschwichtigungs- formel Ich bitte Euch um Entschuldigung (also die Bitte. aus Entschuldigung ein Tschuljung. Über dem Brief Sehr geehrter Herr …. aus Auf Wie- dersehen wurde Wie … mit einem undeutlichen Konso- nantengemurmel (d-s-n) hintendran. die man ihm gegenüber auf sich geladen hat. So behalfen wir uns. basta. daß der andere die Schuld. Aus Guten Tag machte die Sprachgemeinschaft ein sparsames Tach. Aber irgendwann kam uns das denn wohl doch et- was schroff vor. Jedenfalls wurde das Kürzegebot lang- sam unterhöhlt und schließlich aufgehoben. Die Tendenz ging hin zum Einsil- bigen. Von der Begrüßungsformel Einen gu- ten Tag wünsche ich Euch war mit der Zeit gerade noch Guten Tag übriggeblieben. eigentlich zu den irgendwie freundlich oder we- nigstens unfeindlich gemeinten Grunzlauten ohne se- mantischen Inhalt. Vormals war in Deutschland das ungeschriebene Ge- setz in dieser Zone das gleiche wie in alten Telefonzellen : Fasse dich kurz. die gar nichts mehr bedeuteten. von einem nehmen möge) wurde zu einem baren Entschuldigung. Tach. son- dern nur noch etwas besagten. Der Satz Seid Gott befohlen bis aufs Wiedersehen war schon im achtzehnten Jahrhundert auf ein in sei- ner Grammatik überhaupt nicht mehr durchschaubares Auf Wiedersehen geschrumpft. danke. bittesehr – das war auch schon fast das gesamte Inventar. nur durch die Akkusativen- dung als Teil von etwas weniger Lakonischem ausgewie- sen. drunter Hochachtungsvoll. Wiedersehn. und zwar so wenig wie nur irgend noch vertretbar. Tschuljung. Wir wur-  .

Schmidt. gemessen an dem Inhalt des Schreibens. auf die nettere Formel zurückzugreifen. gez. und achtet Sie entsprechend »hoch«. Die entsprechende Eingangsfloskel Sehr geehrte(r)- führt ein zäheres Leben. Es ist ja sicher  . das es beschloß : Da Sie unsere Rechnung immer noch nicht be- glichen haben. Als erstes wurde wohl das Hochachtungsvoll ausgemu- stert. und verabschiedete sich nun- mehr Mit freundlichen Grüßen. Aber schon – amerikanische Sitte – beglückwünscht mich der Hersteller meines neu- en Staubsaugers gedrucktermaßen als seinen lieben Kun- den zur Wahl seines Produkts. das jedem. und bald moch- te sogar das Finanzamt nicht mehr zurückstehen (»Wir sind schließlich auch Menschen«). Wir begannen unsere Herzen an un- sere Heckscheiben zu kleben (I < Wanne-Eickel). der bei uns be- schäftigte Herr Schmidt. hält Sie im Auftrag unserer Organi- sation für einen schrecklichen Schlamper. wenn nicht für einen Betrüger. haha. Der Versicherungsvertreter. Wir drückten uns ausführlicher aus. und wildfremde Men- schen. der einen Kunden keilen wollte. he- ben ihre Briefe mit Lieber Herr … an. der sich seines ursprünglichen Sinns bewußt blieb. der aber gerade nicht da ist und sich um derlei Pipifax sowieso nicht persönlich zu kümmern braucht. die vorher auf gute Bekannte beschränkt gewesen war. die nur ein paar Auskünfte von mir wollen.den vielsilbiger. entschied sich plötzlich. der Lotterieeinnehmer tat es ihm in seinen Werbebriefen nach. Das hieß. sowieso oft wie purer Hohn vorkommen mußte. fordern wir Sie letztmalig auf … Hoch- achtungsvoll.

Gern gesche- hen. Um sich sozusagen für den Dank eines anderen zu bedanken. Diese vorbeugende Liebe fremder Mitmenschen dringt bereits in die Schlußformeln vor und ersetzt dort die immer noch distanzierte Wohlgesonnenheit der freundlichen Grüße durch die warme Umarmung lieber Grüße. manch- mal auch Hi statt Hallo – reine Amerikanismen natür- lich und nicht eigentlich herzlich. Keine Ursache (letzteres wohl eine Verdeutschung des französischen ›pas de quoi‹. vor allem spontane Erweiterun- gen : Aber ist doch gern geschehen – Aber bitte. sich als so unlieb zu erwei- sen. Der so Angeredete bringt es nur noch schwer übers Herz. werden sich die Partisanen der Herz- lichkeit nach unverbrauchten Wendungen. Die Neue Herzlichkeit hat diesem für deutsche Verhältnisse ansehnlichen Inventar noch einiges hinzugefügt. Es besaß mehrere fertige Formeln : Bitte.auch wirkungsvoller. Die Jüngeren entziehen sich heute gerne der Wahl zwischen dem steifen Sehr geehrte … und dem denn doch arg intimen Liebe … und greifen statt dessen zu Hallo Frau Hase oder Hallo Heidrun Hase.  . ›nichts wofür [Sie mir danken müßten]‹). vor allem aber das nette. aber umstandslos zu- traulich gleichwohl. immer wie- der herzerfreuende Da nicht für. Wenn eines Tages auch die Wasserwerke die verschicken. nach schär- ferem Zeug umsehen müssen. ist doch selbstverständlich. war das Deutsche ungewöhnlich gesprächig. daß er die erbetenen Literaturangaben nicht her- aussucht. Vielleicht beehren sie uns dann mit heißen Küssen.

Er bittet um Verständnis. und wir verstehen prompt. Verstehen sollen wir. Jedenfalls wird unser Verständnis heute auf Schritt und Tritt strapaziert : von Bauarbeiten. die Zwänge. Wenn uns in einem normalen Lokal die Kellnerin den Tomatensaft übers Hemd schüttet. so kommt der Geschäftsführer und ersucht vornehm um unser Verständnis. wir müssen hier noch eine Weile herumkurven und können dum- merweise wieder mal nicht pünktlich landen. Was sollen wir verstehen ? Daß nicht mehrere Fluggeräte gleichzeitig auf der gleichen Lan- debahn niedergehen können ? Kaum. dürfen wir auf ein normales und spon- tanes Hach. aber wer auf sich hält und Kunden beschwichtigen will. Das Tschuljung ! lebt auf der Straße fort. das tut mir schrecklich leid rechnen . Undenkbar. »Sie wis- sen. was an der Sache zu verstehen ist : daß es hier plempernde Kellner gibt. Preiserhöhungen. wird sich mit ihm nicht mehr begnügen. Ver- spätungen.« Aber alle diese Formeln haben den Hang. daß der Flugkapi- tän seinen Passagieren mitteilt : Tschuljung. pas- siert das gleiche in einem würdevolleren Etablissement. Defekten. Die Neue Herzlichkeit legt ihm eine ausführlichere Formel in den Mund : Wir bit- ten um Ihr Verständnis. sich selbständig zu machen. dem Wechsel von Schlie- ßungszeiten – alle banalen Mißhelligkeiten flehen uns an : Verstehn Sie doch ! Ist ja nicht gegen Sie gerichtet ! Ist überhaupt nicht persönlich gemeint ! Wir können da auch nichts für ! Die Macht des Schicksals !  . daß solche Mißhelligkeiten nicht seine persönliche Schuld sind und auch nicht die seiner Firma.

mit deren leidigen Einzelheiten wir Sie nicht behelligen möchten. daß es uns in unserer maßlosen Einfalt nicht ge- lungen ist …« Etc. Leute. Im Speisewagen ist die Mikrowelle kaputt. sagt dann aber trotz- dem zuversichtlich. vermutlich verlegen. Aus technischen Gründen ist es Ihrem Mitropa-Team heute leider nicht möglich. Im archa- ischen Salonstil könnte es heißen : »Hochverehrte Herr- schaften. Leider gibt es heute darum nur Kaltes. und damit euch das Kommen leichter fällt. Zu unserem unendlichen Bedauern ist heute aus Gründen. Tonfall »das kriegen wir schon hin« : Wir bitten um Aufmerksamkeit für eine Durchsage. In- zwischen seid ihr trotzdem eingeladen. eine Durchsage  . willkommen. es zu beheben. Natürlich setzen wir alles daran. wollte die Ansagerstimme wohl folgendes zum Ausdruck bringen : »Bitte alle mal herhören.« Oder in amerikanischer Hemdsärmeligkeit : »Heda. Wir bitten Sie ergebenst.« Der nämliche Sachverhalt lie- ße sich auf mannigfache Weise formulieren. Ihnen warme Speisen zu servieren. gibt es solange zehn Prozent auf alle kalten Speisen. die Zubereitung warmer Ge- richte nicht möglich. Tut uns leid. Im Stil des alten Deutschland hätte es dagegen barsch geheißen … Nein.« Oder im devoten Pseudo-Orientstil : »Als Ihre unwürdigen Diener müssen wir tief zerknirscht zu- geben. unse- rem gastlichen rollenden Lokal dennoch gewogen zu bleiben. Neutral und geradeher- aus gesagt. aber wir haben heute im Spei- sewagen ein Problem beim Heißmachen von dem Es- sen. Die Lautsprecheranlage im InterCity räuspert sich mehrmals. Wir bitten um Ihr Verständnis. Wenn ihr also was sparen wollt.

Statt dessen ertönt es zeitgemäß : Wir bitten um Aufmerksamkeit für eine Durchsage. Alles dies bekommt man nicht zu hören. sondern einer von angelsächsischem Sportsgeist erfüllten. ›Ihrem‹. darauf mit Bleistift : »Heute kein warmes Essen«. Aus technischen Gründen ist es Ihrem Mit- ropa-Team heute leider nicht möglich. Beim Import nach Deutschland hat sich indessen ein erpresserisches Element eingeschli-  . Zeitgemäß daran ist die betonte Persönlichkeit (›wir‹. Wir bitten um Ihr Verständnis. ›Ihr‹). Ihr Ver- ständnis zu schätzen). für den sich diese Wackeren heldenhaft schlagen werden. Ihre Geduld. Ihnen warme Spei- sen zu servieren. also zum Beispiel meines : Als potentieller Gast avanciere ich unfreiwillig zu einer Art Sponsor. ›wir‹. von sich als einer zu kämpferischem Tun zusammengeschweiß- ten Mannschaft sprechen. leider jede Voraussetzung fehlt. Dort lautet die entsprechende Formel We ap- preciate your cooperation oder patience oder understan- ding (Wir wissen Ihre Mitarbeit. in die hier al- les mündet. einem Team. ›Ihnen‹.hätte es natürlich gar nicht gegeben. Es ist überdies Ihr Team. obwohl von niemandem Bestimmtem an niemanden Bestimmten gerichtet. Statt dessen hätte am Durchgang zum Speisewagen ein Zettel gehangen. die im Spei- sewagen ihren schwankenden Dienst tun. daß diese drei verdrossenen Gestalten. selbst mit den Tücken der Küchengerätschaften – die indes- sen äußerst vage als »technische Gründe« umschrieben werden. so daß der Bitte um Verständnis. Fer- ner. Die Verständnisbitte kommt wahrscheinlich auch aus Amerika. und nicht nur schlicht ei- ner Mannschaft.

mit einem das ist nett oder gar das ist aber lieb von Ihnen quittiert hat. Die Firma.chen. will sagen. bittet auf der Anzeigetafel im Tal um Verständnis. Die Neue Herzlichkeit ist nicht auf einige wenige iso- lierte Formeln beschränkt. sondern versichert freudestrahlend : Da bedanke ich mich aber. dem man eine aus sei- ner Zeitung gerutschte Werbebeilage aufhebt. Sie weht allüberall. hätte ich mich selber zum Dummkopf gestempelt. sie er-  . daß ich verstanden habe. von der Mittagspause an einen schönen Abend und ab Donnerstagmittag ein schönes Wochenende. da wünscht sie einem morgens noch einen schö- nen Tag. In dem bewußten Supermarkt brummelt die Kassiererin nur geistesabwesend den Preis . Der Herr. sagt nicht etwa bloß danke oder danke sehr. und wenn man den Umstand. daß sie einem tatsächlich ei- nen Fünfzigmarkschein wechselt. Wollte ich bei meinem Ärger bleiben. welche momentan wegen Ne- bels alle stillstehen. aber in dem andren. ob ich zu ver- stehen überhaupt willens und fähig bin. tut sie es sogar in Form eines eigens für den Anlaß gebildeten vollständigen Satzes : Dann wünsche ich Ihnen noch ein schönes Wochenende. der rein gar nichts begreift. tut aber ein übriges : Die Luftseilbahnen wünschen Ihnen einen guten Aufenthalt im Dorf. dem netten. Ehe mein Gegenüber auch nur weiß. Dem Bahnreisenden selbst der zweiten Klasse schallt alsbald schmeichelnd ein anderer vollständiger Satz ins Ohr : Wir begrüßen Sie im Intercity-Zug und wünschen Ihnen eine gute Reise. bedankt er sich auch schon dafür. das in diesem Fall auch nicht schwer- fällt. die die Skilifte betreibt.

geradezu ein banges und doch auch frohes Zie- hen. Kein kal- tes Amt . Wo früher kurz und bündig Rau- chen verboten stand.warten. auf »lieb« gestyltes Plakat : Liebe Raucherin Lieber Raucher Bitte rauchen Sie nicht … Der Radioansager (der Moderator oder Mäßiger) wünscht dem Schlagersänger (dem In- terpreten oder Deuter). Woher stammen die Sprachmuster der Neuen Herz- lichkeit ? Den meisten ist ihre Herkunft noch gut anzu-  . wörtlich mit folgendem Satz beantworten : Wir beim Postgiroamt haben alle die ganz ganz sehnsüchtige Hoff- nung … (daß es in Zukunft schneller geht). Wen er meint ? Natürlich Sie und Sie und ganz besonders Sie. aber herzlich auf die Schulter : Machen Sie noch was aus Ih- rem Tag. buntes. wir hoffen. hängt ein großes. den er gerade nach seinem Pu- del befragt hat. sondern jeder von uns spürt höchstpersönlich den Funken der Hoffnung in seinem Herzen. denn kein einziger schert da aus. noch weiter viel Erfolg und alles Gute und Schöne im Leben und haut dann seinem ihm un- bekannten und unsichtbaren Publikum krachend. das er als Sehnsucht identifiziert und vor dem er wieder (ganz. wir. daß man dann wenigstens in den Gasthäusern Geld ausgeben wird. ganz) klein wird. Und neulich hörte ich einen Sprecher des Postgiroamtes die Beschwerde. Das ganze Postgiroamt eine Kinderschar in Erwartung des Christkinds. ein Team. ein hervorragendes Team sogar. wie es im Radio früher einmal hieß. daß die Bearbeitungszeiten zu lang seien. wie Ämter so zu hoffen pflegten (»Wir hoffen auf baldige Erledigung«). und zwar nicht.

der dem Rundfunkredakteur gleich einige unerfreuliche Auskünfte über den Verlauf der multiplen Sklerose geben wird. Kulturtatsachen nicht. Sie an diesem schönen Abend hier in dieser herrlichen Halle in dieser wunderschönen Stadt begrüßen zu können … Sie sind ein einfach großartiges Publikum … Die andere ergiebige Quelle sind das. den man in England zum Frühstück trinkt (eine Kultur- tatsache). und dann mit strahlender Stimme ins Unbekannte hinein zu grüßen : Einen wunderschönen Abend wünsche ich allseits ? Es ist klar : Hier stand die Anbiederungssuada der Show- master Pate : Ich freue mich von ganzem Herzen. daß ein guter Übersetzer einerseits lucky dog (eine Sprachtatsa- che) nicht mit glücklicher Hund übersetzen wird. Sie führt dazu. erst zu sagen : Einen gu- ten Abend. Ein guter Übersetzer würde für eine konventionel- le Grußformel wie sincerely ihr Analogon in der Ziel- sprache nehmen. Karl Friedrich Muckelmeier. was man ei- gentlich für Fehlübersetzungen halten müßte. er nimmt sie allesamt wörtlich und schreibt umstandslos ihre wörtliche Übersetzung  . Eigent- lich besagt die geltende Regel der Übersetzungskunst ja vernünftigerweise : Sprachtatsachen werden über- setzt. Ein weniger guter bemerkt Formeln und konventionelle Metaphern und stehende Redensar- ten gar nicht als solche . daß er andererseits den Tee. Wie kommt ein gesetzter Medi- zinprofessor dazu. nicht in Kaffee verwandeln wird. hochachtungsvoll oder mit freundli- chem Gruß etwa.sehen : das Fernsehen. sein deut- sches Analogem. son- dern mit Glückspilz .

Es kommt ihm gar nicht in den Sinn. daß Sie da sind. Sie hatten einen guten Aufenthalt. how are you today ? erst lange das angemessene deutsche Pen- dant zu suchen (Guten Tag.hin. daß Sie gekommen sind. Und so manche andere Formel verdanken wir ihm ebenfalls : Schön. Danke für das Kompliment (früher lächelte einer da nur stolz-bescheiden-verlegen). Sie zu sehen. die vielleicht eine gewisse Weisheit für sich haben. Sie sehen heute abend großartig aus. vielleicht mit der Ergänzung Wie geht es denn ?). Oder noch verräterischer : Nett. Er übersetzt schnurstracks wört- lich : Hallo. Denn manchmal ist eine Sprachtatsa- che gleichzeitig eine Kulturtatsache – und verdient es  . Passen Sie gut auf sich auf (das amerikanische take [good] care of yourself) ! Danke. daß das einstige te- lefonische hallo. das mehr ein Ruf zum Testen etwaiger akustischer Leitungsverluste war als ein Gruß. Geradezu verübeln sollte man den Übersetzern die Wörtlichkeit in diesem Fall nicht. Wie ist alles ? Ich hoffe. Ahnungslos treffen sie Entscheidungen. Haben Sie eine gute Zeit (wo früher allenfalls Viel Ver- gnügen gesagt worden wäre). daß Sie meinen Mann treffen (denn die Verben sehen und tref- fen machen unter diesem Einfluß eine erhebliche Bedeu- tungsverschiebung durch). inzwi- schen auch im Deutschen zum wohlgelittenen Substi- tut für Guten Tag avanciert ist. Wir sehen uns dann. Ich möchte. für die kon- ventionelle mündliche Begrüßungsformel hello. wie geht es Ihnen heute ? Sein unermüdli- ches und alles durchdringendes Wirken – vor allem bei der deutschen Synchronisierung zahlloser amerikani- scher Fernsehserien – führte dazu.

Natürlich ist es der Verkäuferin ver- ständlicherweise völlig egal. Aber sie hat sich auf eine Stellenanzeige hin um ihren Job beworben. Wenn in manchen Sprachen Kin- der ihre Eltern siezen oder in Amerika Studenten den Herrn Professor mit dem Vornamen anreden. so ver- steckte eine Übersetzung in die entsprechenden deut- schen Usancen etwas durchaus Interessantes. vor der Übertragung geschützt zu werden. macht der bloße verbale Anstrich das Zusammenleben tatsächlich etwas freundlicher. auch wenn es in der Zielsprache zunächst wun- derlich klingen mag. das einen großen Teil jener amerikanischen Herzlichkeit inspiriert. als wären es deine besten Freunde . Dabei läßt sich das Motiv. daß in Deutschland die angelsächsische Sprachetikette eingezogen ist. letztlich nicht verbergen : Es soll etwas verkauft werden. Geradezu in Orgien der Herzlichkeit ergeht sich der Flugverkehr in den Momenten des Abschieds. das jeder für seine Mitmenschen empfindet. die die schroffe germani- sche Lakonie von früher heute alt aussehen läßt. wie ich den Abend ver- bringe. Soft selling. daß ich den Laden mög- lichst schnell und protestlos räume. nicht unbedingt erhöht. dann kommen sie vielleicht wieder. lä- chelnd verkaufen. und ihr Filialleiter hat es ihr noch einmal ein- geschärft : Sei immer lieb zu allen Kunden. So kommt es. Und obwohl Sprache noch nicht das Leben selbst ist und die Neue Herzlichkeit der Sprache das Maß der Herzlich- keit.als solche durchaus. die als einzige Fachkenntnis die Fähigkeit des Lächelns ver- langte. natürlich will sie nur. wenn es sonst nichts weiter zu tun gibt und auch die Stewar-  .

es wundere ihn immer wieder. daß jeder Mensch ein Leben zu leben hat. Es ist die Weise eines Landes.dessen schon gefesselt auf ihren Hockern hocken : Wir danken. so aus Verkaufs- gründen. wenn man ihm für eine Gefälligkeit dankt. in der herzlichen amerika- nischen Sprachetikette nur ein verlogenes Spiel zur Pro- fitmaximierung zu sehen. Wenn sie so zu reden angehalten ist. daß Sie beute Sun Air geflogen sind. Ihre Crew wünscht Ihnen einen angenehmen Aufenthalt … »Meiner« Crew ist nichts so gleichgültig wie mein Aufenthalt . Sie demnächst wieder an Bord ei- nes unserer Jets begrüßen zu können. sondern aus der Erkenntnis heraus. daß ameri- kanische Telefonistinnen. weil wenig sich von selbst versteht. wenn man ihnen eine Num- mer angibt. in dem Menschen aus sehr vielen Kulturen miteinan- der auskommen müssen. von ihr aus könnte ich mich aufhalten. nicht aus Herablassung. (Ein französischer Dichter. ›Thank you‹ sagen und daß ein Amerikaner. Thornton Wilder schrieb die amerika- nische Etikette der Erfahrung der Einsamkeit inmit- ten der »menschlichen Vielfalt und Massenhaftigkeit« zu : »… der Amerikaner [ist] ›freundlich‹ – nicht aus Güte. bei dem ihm niemand hilft. alles will klar und unmißverständ- lich gesagt sein. und wir würden uns freuen. er- zählte mir. Dennoch wäre es falsch. nicht aus Selbstüberheb- lichkeit. wo der Pfeffer wächst. Saint-John Perse. mit ›You are welcome‹ antwortet …) Diese amerikanische Freund-  . Ihre Verschiedenheit verlangt dem einzelnen große Deutlichkeit ab – ein bloßes ir- gendwie höfliches Murmeln reicht nicht.

Im Sozialismus wurde zwar unent- wegt von der Solidarität der Menschen und der Freund- schaft der Völker gedröhnt. Zu offensichtlich ist der Widerspruch zwischen dem Behaupteten. Trotzdem entwertet sich der Jargon auf diesen Maschi- nenbriefen selber. die im Namen einer Dienststelle von ganzem. zu- mindest unter Fremden. Aber viel- leicht erreichen uns eines Tages auch Maschinenbrie- fe. Man könnte sagen : Ob der Amtsleiter seine Unter- gebenen per Ukas anweist. mache keinen großen Unterschied. künftig jedermann freund- lich zu grüßen. ihrem lieben Mitbürger.« Inzwischen beherrscht selbst der Computer. den Jargon der Neuen Herzlich- keit. daß das Leben eines ein- zelnen Menschen schwierig sei und daß die gegenseiti- ge Anpassung jedem von uns nütze.lichkeit ist nicht ›politesse‹. den fälligen Monatsbei- trag erflehen. oder die Formel gleich in den Compu- ter einspeichern läßt. wenn er Serienbriefe verfertigt. der persönlich gemeinten Herzlichkeit. herzlich ruppig zu. daß Frischfisch heute wieder nicht »im Angebot« sei ? Und sich eilfertig die neuen Manieren anzueignen : mußte das den Leu-  . Wie auch sollte die Verkäuferin der hundertsten Fragerin auf freundliche Weise auseinandersetzen. Darin auch unterschied sich der Ostdeutsche um die Zeit der Vereinigung vom Westdeutschen. nicht bewußte Tugend – sie geht von der Annahme aus. aber im Alltag ging es. gan- zem Herzen und voller tiefempfundener Sehnsucht von mir. und der herzlosen Erstellung. Das Sprach- repertoire der Neuen Herzlichkeit war im Osten noch nicht angekommen.

so als sollten sie nun plötzlich alle so kariert daherreden wie in ›Dallas‹ ? Als mir zum ersten Mal ein Taxifahrer in Leipzig mit dem Wechselgeld einen schönen Tag noch heraus- gab. wußte ich darum. . daß die Einheit nun doch dabei war.ten nicht übertrieben vorkommen. Wirklichkeit zu werden.

.

ein Umbruch vollzogen. vielmehr spielt sich das ganze mitmenschliche Leben auf einer gleitenden Skala von Vertrautheit ab. keine Instanz. daß es die Qualität der Vertrautheit nur in binärer Form gibt. Im Deutschen jedoch hat sich vor unseren Augen. Im neunten Jahrhundert trat das hochgestellten  . regelt es sich scheinbar ganz von allein. kein ›Duden‹. Bis zum Beginn des Mittelalters war es im Deutschen die einzige An- rede. und oft gilt sie fürs Leben. wenn man seinen Mitmenschen anredet. parallel zum Aufkommen der Neuen Herzlichkeit. wie sich eine Anredekonven- tion einmal geregelt hat. Obwohl niemand es einem vorschreibt. Er hat eine Unsicherheit erzeugt. und dauernd ver- schiebt sich vieles auf ihr. nichts und niemand auf der Welt schreibt einem vor.Zwischen Sie und Du Über eine bleibende Verlegenheit Kein Kaiser. Und so. ist es aufs feinste und strengste geregelt. bleibt sie normalerweise sta- bil über die Jahrhunderte hinweg. Nichts im Leben legt ei- nem nahe. vertraut oder unvertraut . Am Anfang war das allgemeine Du. Dennoch kommt im Deut- schen niemand je um die Entscheidung herum : du oder Sie. welchen Grad von Vertrautheit man walten lassen muß. die noch lange nicht ausge- standen ist und den mitmenschlichen Umgang nicht leichter macht.

dieses als respektvolle Anrede an Fremde. (Der Plural. zu einer distanzierenden An- rede an Untergeordnete absank (Er kann mich mal …) und als zu unhöflich im neunzehnten Jahrhundert dann ganz von der Bildfläche verschwand. soll genau das Gegenteil sein. wird aber gern mißverstanden. als wäre er mehrere abwe-  . der es ihnen erspart. der Bescheiden- heit. das aber bald seinen Ehrerbie- tungscharakter einbüßte. zunächst für Höhergestellte bestimmt (Verzeih sie mir meine Zudringlichkeit). aber bald machte es sich selbständig. Dann trat eine weite- re Differenzierung hinzu : das Er beziehungsweise Sie. die sicher vom Aufkommen einer neuen Höflichkeits- form gefördert wurde. dem Plural-Sie.) Bis zum siebzehn- ten Jahrhundert blieb es beim Nebeneinander von Du und Ihr : jenes die Anrede unter Vertrauten.Personen vorbehaltene Ihr dazu. Auch die römischen Kaiser sprachen von sich im Plural. dem Pluralis maiestatis. eine Entwicklung. Die dahinterstecken- de Logik muß etwa gelautet haben : Mehrere sind bes- ser als einer. als sei der Höhergestellte mehrere Personen in einer – Qualität ausgedrückt durch Quantität. ein Pluralis modestiae. Ursprünglich handelte es sich um den pronominalen Bezug auf pluralische Anredefor- meln wie ›Euer Gnaden‹ oder ›Euer Hochwürden‹ und wurde darum auch groß geschrieben (So Euer Gnaden geruhen … werden Sie in mir einen treuergebenen Die- ner finden …). die dann auch das alte Ihr verdrängte. also tun wir so. in dem Autoren zuweilen von sich selber reden. mit einem ›Ich‹ aufzutrump- fen. und niemandem mehr kam es seltsam vor : daß man seinen Gesprächspartner anredete.

So daß im neunzehnten Jahrhundert nur noch zwei Anreden übrig waren : das Du für ver- traute und das Sie für fremde Menschen. duzten auch sie die Studierenden und ließen sich oft von ih- nen gerne duzen. der die Distanz zwischen Lernenden und Lehrenden ostenta- tiv aufheben sollte und allen.und schrankenlosen Gesellschaft der Zu- kunft nicht dazugehören würden. Aus einer Entschei- dung zwischen Distanz und Intimität wurde eine zwi- schen Wir und Ihr. Nur im Proletariat und dann in der Arbei- terbewegung blieb Du die Regelanrede unter gleichge- stellten Erwachsenen. Ein Du am unrechten Ort war eine Zudringlichkeit oder gar Beleidigung. daß sie auf der richtigen Seite standen. Das Du. Jede Anrede eine Entscheidung zwischen intimem Duzen und di- stanzbezeugendem Siezen. bedeutete. jetzt wurde er zu einem im weiten Sinn politischen. daß sie in der klassen. das Deutsche bis heu- te zuweilen für ihnen persönlich unbekannte Auslän- der übrig haben. die persönliche Vertrautheit . in der Studentenschaft. Du sagte man nun im Zentrum des antibürgerlichen Protests. die sich ihm verweigerten oder von ihm ausgeschlossen blieben. Früher war der Maßstab ein per- sönlicher gewesen. und da die Lehrenden beweisen wollten. Es war ein radikaler Bruch.sende Personen. auch wo sie nicht persönlich mit- einander bekannt waren. Dieses proletarische Du setzte in den späten sechziger Jahren zum Angriff auf das »bürgerliche« Sie an : Alle Menschen werden Genossen und sagen Du. ist von dieser Sorte : ein Ausdruck der Verachtung. Es riß einseitig die Distanz ein. Die Du-  .

der das antibürgerliche Du verdächtigt. ›Sie‹ hieß : du bist Franquist und damit von gestern. allgemeines kolle- giales Du im Entstehen scheint. Sonst aber kehren Lehrende und Lernende im Umgang miteinander wieder zum alten Sie zurück. Dem Usted widerfuhr Ende der siebziger Jahre das Schlimmste. in dem die Anrede ganz ähnlich ge- regelt gewesen war. Indessen. wo man weiter Sie zueinander sagte. fast vollständig und anscheinend endgültig durch ein demokratisches allgemeines tu. die Bewegung entwickelte nicht genug Schwung. In akademischen Ar- beitsgruppen eint es häufig. und das Du blieb auf seinem Vor- marsch stecken. nah- men sie es oft mit in ihre Arbeitsgruppen. für ehrlicher und entdecken seine Vorzüge. Im Deutschen hätte es genauso kommen können. nur noch eine Halluzination auszudrücken : »Die Preisgabe des Du wäre heute nicht nur eine längst  . Das Spanische. etwa der Bremer Soziologe Gerhard Amendt. ersetzte nach dem Ende des Fran- quismus das alte Usted (›Sie‹) sehr rasch. wenn auch bedauernd. nach wie vor Professoren und Diplomanden. Selbst Acht- undsechziger halten es heute.Sager bekundeten mit dem Anredepronomen. was einer Höflichkeitsbezeugung widerfahren kann : daß der so Angeredete sich gerade- zu beleidigt fühlen mochte. und wenn deren Absolventen dann Arbeit fanden. so daß heute neben dem alten intimen ein neues. über alle Statusunterschie- de hinweg. daß sie einig seien in ihrer Ablehnung der sogenannten bür- gerlichen Gesellschaft. Zum allgemeinen Usus wurde es unter Studenten und in anderen Ausbildungseinrichtungen.

sagte nicht »Ihre Leistungen sind mangel- haft«. Erst ye. Aber der Schein trügt. behauptet eine Gleichheit. Trotzdem ist bei der Anre- de oft eine nicht minder heikle Entscheidung zu fällen. erst zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts ging das though endgültig unter. die schon lange mit einem einzigen Anrede- pronomen auskommt. Es wäre ebenso das Ende einer halluzinierten Rea- lität von Gleichen. die die distanzierte Be- trachtung der Probleme erschwert … Das Du erlaubt es nicht. die es nicht gibt. Es war ein sehr langwieriger Ablösungsvorgang : Erst im sieb- zehnten Jahrhundert wurde das you zur Regel. allen die obligate Einheitsnote zuzuteilen. Leistungen differenziert zu benoten. der genauen Entsprechung zum deutschen ›ihr‹ (zweite Person Plural). Es macht aus jeder Vier gleich eine per- sönliche Kränkung. der es nicht über sich bringt. Zwar herrscht seitdem das allgemeine you. Es hat sich im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert aus dem ye entwickelt. you. Die Herolde des Du verweisen gern auf die anglopho- ne Welt.fällige Anpassung an die veränderten Außenverhältnis- se.« Das Anre- depronomen. sondern »Du hast versagt«. dann you traten schon in mit- telenglischer Zeit in Konkurrenz zu thou (›du‹). son- dern zwischen Vorname und Nachname (und im briti- schen Englisch bei der Anrede von Mann zu Mann zu-  . nicht zwischen verschiedenen Anredepronomina. heißt das. die in Wirklichkeit große Nachtei- le für die strukturell Untergeordneten hat … Das Du kreiert eine persönliche Nähe. der also unterscheidende Urteile fällt und sie per Du mit- teilen wollte. Der Dozent.

sätzlich zwischen Mister und dem nackten Nachnamen. bis der Höhergestellte ihn von der Pflicht dazu dispensiert hat. Besonders leicht geschieht es dem Fremden. müßte man die neue Anredesituation umgehend quittie- ren. Sie erfordert eine Menge Finger- spitzengefühl und einen genauen Blick für die Umstän- de der Situation. persönlichen Freunden. Aber was stellt einen Dispens dar ? Was. gleichgestellten Kollegen : immer der Vorname. in denen der  . daß er einen seinerseits beim Vornamen nennt. verpaßt den Augenblick – und bleibt hinfort der einzige Mister un- ter lauter Toms und Jims. Eine Wahl ist zu treffen. man sei gerade dispensiert worden. wenn der Vorgesetzte nicht ausdrücklich und vernehm- lich Call me Tom ! sagt ? Oder wenn man es zufällig über- hört ? Stellt dann die Tatsache. ist die Entscheidung klar : immer Titel und Nachname. schon eine Dispensation dar ? Wenn man meint. Kindern. etwa vor Gericht. aber zwingende Regel lautet : Der Untergeordnete verwendet Titel und Nach- namen. Aber bis wann ist jemand ein Kind ? Bis fünfzehn ? Bis achtzehn ? Wann replizieren Jugendliche mit dem Vornamen ? Und wie vor allem reden Vorgesetzte und Untergebene ein- ander an ? Die ungeschriebene. nach der Sitte der Public Schools). etwa weil man ihn bei der Vorstellung nicht verstanden hat ? Es sind entscheidende Momente. der aus Kulturen kommt. In förmlichen Situationen. von der die künftige eigene Position in der Ar- beitsgruppe abhängt. wenn man den nicht weiß. Wer die Signale mißdeutet. Aber was. Ge- genüber Verwandten. indem man selber den Vorgesetzten mit dem Vor- namen anredet.

Vorname nicht so locker sitzt. und wer im Verkehr mit den anglophonen Kollegen you und den Vornamen gebraucht. der sich nicht gemein zu machen wünscht. Die Institutsleiterin und ihre Studentin. und da sich derlei Mißverständnisse meist nicht thematisieren lassen. denn Sie plus Vorname (Reden Sie nicht so kariert. Die deutsche Wahl zwischen Du und Sie ist dagegen ein leichtes. vor allem die Na- turwissenschaft ist international. bleibt es dabei und er ein Außenseiter. Die Wissenschaft. Seine höfliche Geste wird als Unhöf- lichkeit verstanden. Die neue Grenze wäre vielleicht schon schärfer gezogen. geht er auf ihr unausgesprochenes Angebot des Vor- namens nicht ein – und stempelt sich damit ungewollt als der arrogante Außenseiter. die auf der Tagung in Woods Hole von dem berühmten Kollegen aus Mexiko-Stadt mit Hilde und Heike angeredet werden. Die vom amerikanischen Vorbild inspirierte Präferenz für den Vornamen zieht das Du nach sich. werden auch daheim nicht wie- der in ein förmliches Frau (Professor) … verfallen. Und es ist nicht die Wissenschafts-»Szene« allein. erhielte nicht das Du durch die interkulturellen Kontakte mit dem Englischen zuneh- mend Verstärkung. wird zu Hause nicht auf Sie plus Titel und Nachname umschalten. In der digitalen Welt kommuniziert man zumeist auf eng-  . aber jenes hat Einbrüche erzielt und ist weit in die Ar- beitswelt vorgedrungen. Der Großangriff des Du auf das Sie ist gescheitert. Um es den neuen Kolle- gen gegenüber ja nicht an Höflichkeit fehlen zu lassen. Karl !) blieb im Deutschen bisher eine hanseatische Seltenheit.

Beziehungsweise : Ich bin die Heidrun. viel- leicht schafft es auf stillere und nachhaltigere Art die Internationale der Computer. sobald man im Netz zufäl- lig einmal für einen Augenblick nur unter Deutschen ist. sagt man sich. Typ 2 : Jetzt spricht Heidrun Hase. eher verkürzt auf ein lapidares Hase. Das deutsche Sie hat also den großen Angriff. überstanden. wenn auch angeschlagen. Was die sozialistische Revolution nicht geschafft hat. Wenn das hier der allgemeine Umgangston ist. unnahbarste. Typ 1: Jetzt spricht Frau Professor Hase. Ein Seitenstück der Anredekonvention ist die Vor- stellungskonvention. beharrt nicht unbe-  . kann man kaum wieder in die Sie- Konvention zurückfallen.lisch. Typ 3 : Jetzt ist die Heidrun dran. Typ 1 ist der förmlichste. Beziehungsweise : Ich bin Heidrun Hase oder Mein Name ist Heidrun Hase. ist nach wie vor offen. Titel entfällt. Er steht unverbindlich in der Mitte. Beziehungs- weise : Mein Name ist Hase. steifste. Typ 2 glänzt ge- rade durch den Mangel an politischer Markierung. und das heißt denn auch. daß man in der E-Mail und in den Diskussionsgruppen von wildfremden Men- schen ohne Umstände per you und Vorname angere- det wird. aber ob es sich lang- fristig wirklich behauptet. nur selten mit Titel versteift zu Mein Name ist Professor Hase. Er ist politisch klar markiert : »reaktionär«. Wie stellt man einen anderen vor ? Wie stellt man sich selber anderen vor ? Es gibt zur Zeit drei Typen.

Vielmehr will sie sagen : Ich bin jene Heidrun. noch nicht einmal. Die Heidrun aber will nicht erklären. Typ 3 dagegen ist politisch wieder genau fi xiert : pc.dingt auf dem Alten. sind nicht die Heidruns dieser Welt oder im Saal. weil er für Ihren Zustellbereich zuständig ist. die verkör- perte Äquidistanz. Bekannten. Sprachlich interessant ist an diesem Typ we- niger die Verwendung des Vornamens. aus der sie der bestimmte Artikel heraus- hebt. Interessant ist der bestimmte Artikel. Der aussondernde be- stimmte Artikel verlangt eigentlich nach einer Ergän- zung : diejenige. der möglicher- weise unter Mithilfe der süddeutschen Dialekte in die Standardsprache eingesickert ist : die Heidrun. etwa wenn ein Seminar über Heil- kräuter oder Bergbuddhismus zum ersten Mal zusam- menkommt und sich die Teilnehmer reihum vorstellen. ist für alles offen und auf nichts ganz festgelegt : das Weltkind in der Mitten. die allen. vielleicht Freunden nur das Normale wäre. das es mit niemandem von vornherein verderben will. stürzt sich aber auch nicht hem- mungslos ins Neue. Sagt er Ich bin der Briefträger. die unter pro- spektiven Kollegen. sondern un- ter allen alten Fritzen dieser Welt der bewußte. welche … Aber welche was ? Sagt ei- ner Ich bin Briefträger. sondern die. so meint er : jener einzi- ge unter allen Briefträgern der Welt. so macht er eine Berufsangabe. daß sie die einzige Heidrun unter den Versammelten sei. Die Be- zugsmenge. der be- rühmte.  . auf den Sie war- ten. Der Alte Fritz ist nicht irgendein alter Fritz. Nicht ir- gendeine Heidrun. daß sie die berühmte Heidrun. das sprachliche Gegenstück zu Jeans mit Schlips.

zuweilen neue Distanzen. Das Die hat Appellcharakter.die sie kennen. wenn sie den Namen Heidrun hören. hinauskomplimentiert. als erste in den Sinn kommt. die sich ausbreitende Wärme auf der Stelle entwichen. in dem die Heidrun. der Thorsten. Hase ! Ein ei- siger Luftzug wäre hereingeweht. die Bea und der Jens gerade ihre Bekanntschaft anbahnen. Es sagt : Ich möchte zu euch gehören. und dort säße er nun. . Reihum wieder- holt und zur Floskel erstarrt. platzte ein Neuankömmling. die eine von euch ist. ob weiblich oder männ- lich. das Wir- Gefühl einer Gruppe zu bestätigen. der andere. die prototypische Heidrun sozusagen. kurz. Unversehens finden sich andere marginali- siert. ausgegrenzt. kurz. kennenlernen solltet. dient es dazu. mit einem kurzen und knappen Dr. in einen Raum. Man stelle sich vor. der Feind. Denn wie im Fall der Anredekonventionen schafft der Versuch. eure prototypische Heidrun. die ihr. soweit ihr mich noch nicht kennt. Distanzen zu überwinden.

›Liebigs Annalen‹ und ›Chemische Berich- ten nur noch englischsprachige Beiträge zuzulassen. die jedem entstehen. die für ihn eine fremde ist. Besonders bei den an- organischen Chemikern war die Erregung groß. stimmte die Chemie nicht mehr. In den im deutschen Sprachraum herausgegebenen chemischen Fachzeit- schriften für eine internationale Leserschaft tauchte Englisch erst nach dem Zweiten Weltkrieg auf. und die Diskussion schwappte sogar auf die Leserbriefseiten der Tagespresse über. von der »Ausrottung« der Sprache Lessings und Liebigs. Auch die manifesten Nachteile wurden aufgeführt. Die Rede war von der »Preisga- be eines Stücks nationaler Identität«. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker aber blieb fest : Ab Anfang 1997 wird es in beiden Zeit- schriften keine deutschsprachigen Aufsätze und Mel- dungen mehr geben. der nur noch in einer Sprache publizieren kann. Die Gesellschaft hat Gründe. eine Boykottbewegung begann sich zu formieren. aber seit- her befindet sich Deutsch dort auf einem stetigen Rück-  .Abschied von Illusionen Über den internationalen Status der deutschen Sprache Als die Gesellschaft Deutscher Chemiker im Sommer 1994 beschloß. von der »Tendenz zum kulturellen Einheitsbrei«. in zwei ihrer traditionsreichsten Zeit- schriften.

Für das berufliche Fortkommen jedes ein- zelnen Wissenschaft lers überall auf der Welt ist es von entscheidender Wichtigkeit. Jene beiden Chemiezeitschriften etwa gehen zu 80 Prozent ins nicht- deutschsprachige Ausland.zug und nähert sich ohnehin der Nullgrenze. daß er zitiert wird. Der impact ist keine esoterische.9-mal. Auf Englisch publi- zierte Studien. wie oft und von wem er zi- tiert wird. finden ein sechsmal so hohes Echo wie deutsche. 1962 war ein Viertel der Beiträge auf Englisch abgefaßt. daß er publiziert. von allen weltlichen Interessen abgehobene Größe – sonst würde kaum soviel Aufwand getrieben. russische 0.6-mal. ihn laufend zu ermitteln. Deutschsprachige Beiträge finden dort nur wenige Leser. Für die Herausgeber und Verlage naturwissenschaft- licher Fachjournale ist der Fall somit klar. 1987 waren es 72 Prozent. wie oft bestimmte wissenschaft liche Aufsätze im Durch- schnitt zitiert werden – sozusagen die Resonanz. um 1975 wurde die 50-Prozent-Marke passiert. Eng- lischsprachige Aufsätze werden durchschnittlich 3.5-mal. wo er pu- bliziert. Sie lassen sich vor der Veröffentlichung auch nicht der internationalen peer re-  . Weltweit sind heute über 80 Prozent aller Che- miepublikationen in Englisch und nur noch knapp zwei Prozent in Deutsch. heißt das. mit der ein Forschungsergebnis weltweit rechnen kann. fran- zösische und japanische 0. Selbst neun von zehn deutschspra- chigen Chemikern publizieren (auch) auf Englisch.7- mal zitiert. Der vom Institute for Scientific Information (ISI) in Philadelphia ermittelte sogenannte Impact Factor mißt. deutsche 0.

Der Wettbewerb ist hart und unbarmherzig. die den Vorteil haben. sondern auch noch des Deut- schen mächtig sind. und für die Zeitschriften ist Englisch schlicht eine Überle- bensfrage. ist fast wie nicht vorhanden. Stimmen aus dem Chor des Protests : »Gute Arbei- ten werden auch in Deutsch zur Kenntnis genommen«. für ihre nichtdeutschen Abnehmer uninteressant zu werden – und bei der nächsten Sparrunde aus dem Anschaf- fungsetat dieser oder jener Bibliothek gestrichen zu wer- den. Sonderbar. daß Englisch ihre Muttersprache ist. veröffentlichen sie ihre großen wichtigen Sachen ger- ne auf Englisch und nur die zweite Wahl auf Deutsch. Auch denen. kapselt die Forschung gegen die nur zum kleinsten Teil deutschsprachige Fachöffentlichkeit ab. »Täte nicht auch Amerikanern und Briten ein wenig Fremdsprachenkenntnis gut ?« Sie verkennen die Lage. auf die sie sich doch in jedem Augenblick – nehmend wie gebend – bezieht. die die Qualität der Journale garan- tiert. daß einige Wissenschaft ler dar- in nicht die Spiegelung ihres eigenen Überlebensinter- esses sahen. Da das den meisten Wissenschaft lern klar ist. täten Fremdsprachenkenntnisse  . Was sie dem Diskurs ihrer internationalen Fachöffentlichkeit vorenthalten. etwa durch eine dieser nicht geläufige Sprache. denn selten finden sich genügend Fachleute. die nicht nur »ebenbürtig«. richtiger : Nichteng- lisch. Die im deutschen Sprachraum verlegten internationa- len Fachzeitschriften laufen damit doppelte Gefahr. view unterwerfen. »Deutsch wird zumindest in Europa zur zweiten Lingua Franca«. Die Publikationssprache Deutsch.

wird er nicht unbedingt gerade Deutsch ler- nen. das uns doch eine »kleine« Sprache zu sein scheint. die mit ihm in Elternhaus oder Schule groß geworden sind. die er auf seinen Reisen am besten gebrauchen kann oder deren Kultur- raum ihm schlicht am sympathischsten ist.08 Milliar- den). genau an zwölfter Stelle . wenn man die sechs bis acht Millionen der über die Welt verstreuten deutschspra- chigen Minderheiten dazuzählt. dann folgen Englisch (594 Millionen). wird er. Hindu- stani (412).bis fünftausend Sprachen dieser Welt ist Deutsch in der Tat eine der »größten«. und wenn der eine oder andere einzelne sich ihr anschlie- ßen sollte. denn gute Arbeit wird immer auch anderswo geleistet. Es ist auch nirgends dabei. die in seiner Nachbarschaft gesprochen wird. mit den etwa 90 Millionen Menschen des deutschen Sprachraums. Nach einer UNESCO-Statistik für 1989 steht es. wenn er sich der Mühe denn schon unterzieht. wenn er überzeugt sein sollte. Wichtigeres vorzuhaben und keine Minute dafür erübrigen zu können –. Spanisch (311). Russisch (285). ist es immer noch die zwölfte. übrigens auch dann nicht. zur Lingua Franca zu werden. Da die Fremdsprachenkapazität gering ist – die meisten glau- ben. und selbst Portugiesisch. An der ersten steht Chinesisch (1. Unter den drei. eher die Sprache wählen. hat dank Brasilien nahezu doppelt so vie-  . daß deutsche Kollegen gute Arbeit leisten. Deutsch hat da keine besonders guten Karten.sicher gut – aber solcherlei Einsicht treibt die Belegschaft keines einzigen Labors in den nächsten Crashkurs.

Die Organe der Europäischen Union – die betont kei- ne internationale. und das heißt : Deutschland darf sich auf eige- ne Kosten Übersetzungen von allem anfertigen lassen. In der internationalen Politik spielt Deutsch eine ge- wisse. Die »Größe« des Deutschen ist also nur sehr relativ. der 1992 das höchst lesenswerte Stan- dardwerk zu diesen Fragen veröffentlicht hat. das war in den letz- ten fünfhundert Jahren Französisch. sondern eine übernationale Einrich- tung ist – halten es anders. dem nur im sieb- zehnten Jahrhundert Latein Konkurrenz machte. In den folgenden Jahren kamen noch Spanisch. Russisch. Im Europaparlament werden alle Reden und alle Pa-  . Die Vorzugs- sprache der Diplomatie war es nie . wenn man die Zahl der Sprecher mit ihrer Kaufk raft multipliziert. Seit 1974 ist Deutsch »Übersetzungs. Die Nato und die OECD halten es genauso. Auf einen der ersten Plätze rückt es erst.le Sprecher wie Deutsch. aber keine besonders große Rolle. Seit etwa 1900 hat es im übrigen seine führende Rolle an Englisch abgegeben. Chinesisch und Arabisch hinzu. Der Duisburger Soziolinguist Ulrich Ammon. errech- nete ihm unter dieser Bedingung den dritten Platz. Im Europarat mit seinen 39 Mitgliedsstaaten sind die alleinigen Arbeitssprachen Englisch und Französisch. waren ihre (von allen Mitgliedern getragenen) Arbeits- sprachen dieselben wie die des Völkerbunds : Englisch und Französisch. Als 1945 die Vereinten Nationen gegründet wurden. und es macht ihnen die Sa- che nicht leichter.und Dokumentations- sprache«.

die inzwischen über eine Million Sei- ten pro Jahr zu bewältigen haben. Der Übersetzungsdienst der Europäischen Kommis- sion ist der größte der Welt : etwa 1200 Übersetzer und Terminolo-gen. und ihre Dienste läßt sich das Parlament mehr als ein Drittel seines ganzen Haushalts kosten. jeder Bürger Europas soll sich in ihr an sie wenden können. 800 Dolmet- scher und Übersetzer. Zwar gilt das Ideal  . Auch die Kommis- sion kostet dieser Apparat etwa ein Drittel ihres Ver- waltungsbudgets. und sämtliche Vorlagen an die ande- ren Organe der EU müssen in alle ihre elf Amtssprachen übersetzt werden. Die Freiberuflichen zählen mittlerweile auch bereits nach Tausenden.piere (460 000 Seiten im Jahr) aus den Mitgliedsstaaten (15) in alle Amtssprachen (11) übersetzt. Jeder Mitgliedsstaat verkehrt mit der EU in seiner Sprache. Bei jeder Sitzung des Ministerrats der EU drängen sich 33 Simultandolmetscher in den Kabinen. Insgesamt beschäftigen die europäischen Organe etwa 2400 beamtete Übersetzer und etwa 650 beamtete Dol- metscher. Etwa 15 Prozent des Gesamt- personals der EU sind mit dem Übersetzen und Dol- metschen beschäftigt. ist jedoch für den internen Gebrauch bestimmt. Für 1997 wird mit 537 Millionen Mark gerechnet. das die Beamtenschaft der Kommission eo reichlich beschriftet. 45 pro Sprache. Dazu kommen die sogenann- ten logistischen Kräfte. Der größere Teil des Papiers. und vor dessen Übersetzung in sämtliche Amtssprachen mußte die Eurokratie von Anfang an passen. sind damit be- schäftigt.

der Allsprachigkeit : Alle Amtssprachen sollten gleich- berechtigte Arbeitssprachen sein. Die Asymmetrie spiegelt sich in den Zahlen.3 Prozent der ins Französische und nur 11 Prozent der ins Englische übersetzten Texte aus dem Deutschen. Deutsch hatte als Arbeitssprache immer ein deutlich geringeres Ge- wicht als die anderen beiden. zu 37. Selbst zwischen ihnen herrscht keineswegs Gleichheit. Die interne Verständigung geschieht zwangsläufig in jenen Sprachen. seit es. die den meisten Be- amten als Muttersprache oder als erste Fremdsprache am besten vertraut sind. Luxemburg und Straßburg war Französisch unter ihnen von Anfang an dominant. der ihr nicht mindestens in diesen drei Sprachen vorliegt. In der anderen Rich- tung kamen nur 15. nach der Vereinigung Deutschlands und dem Beitritt Österreichs zur »größten« Sprache in der EU ge- worden ist.5 Prozent engli- sche Ausgangstexte . die de facto die Arbeitssprachen sind. Der Alltag aber sieht ganz anders aus. Die Kommission berät und beschließt über keinen Vorgang.oder Verständigungssprachen.5 Prozent. was die Anzahl seiner Sprecher angeht. und daran hat sich we- nig geändert. Die deutschsprachigen Länder wären schlecht bera- ten. auf alle anderen Sprachen zusam- men entfielen nur 6. wenn sie – so wie Frankreich das für seine Sprache  . Englisch und Deutsch. Die deutschen Übersetzer der Kommission übersetzten 1991 zu 56 Prozent französische. Vor allem wegen der (teilweise) frankophonen Standor- te Brüssel. Dreien kommt dieser Status zu : Französisch. Es sind die sogenannten Um- gangs.

Aber es wird den Sprachdiensten im- mer schwerer. die Zahl der Arbeitsspra- chen zu reduzieren. geändert werden. die in den anderen Ländern von so gut wie niemandem verstanden und gesprochen wird. Vor der Erweiterung von 1995 waren es 72 Sprachpaare. wer- den die anderen es auch nicht tun.tat und tut – ihren Ehrgeiz in eine Verstärkung des Ge- wichts ihrer Sprache setzten. sondern um die jeweilige Zahl aller Amtssprachen. aber leider noch nicht fertig ist und vielleicht auch nie fertig wird und werden kann – das vielleicht auch gar nicht fertig werden muß. mit ihr nicht um eins steigt. daß die Zahl der Sprachpaare. Mit Finnisch und Schwedisch wurden es 110. Kämen nur noch fünf weitere hinzu. Etwa ein Dutzend Länder begehren die Mitgliedschaft. Da immer mehr Worte gesprochen. »Bürgernähe«. Schon jetzt ist das Sprachproblem Sand im Getriebe des Einigungswerks. Zwar das Ziel ist hochsinnig : Wah- rung der kulturellen und damit auch sprachlichen Viel- falt. weil die Betroffenen das betreffende Papier längst in einer der beiden Hauptarbeitssprachen gelesen haben und es nie wieder von irgend jemandem gelesen werden wird. das eigentlich zu übersetzen wäre. gibt es im- mer mehr. Und es wartet auch  . wenn Deutschland nicht verzichtet. geschrieben. Die meisten brächten eine neue Amtssprache mit ein. Und jede neu hinzukommende Sprache bedeutet. so ergäben sich rund 300. Eines Tages – wenn das Ende der Fahnenstange erreicht ist – werden sie ihre Kraft daran wenden müssen. die hin und her zu übersetzen wären. Schritt zu halten. Deutsch wird dann die Schlüssel- rolle zufallen .

Morgen werden mehr Europabürger Gali- zisch sprechen (2. werden so- viel helfen wie solche Appelle immer : nichts. Die seltenen Sprachpaare (Finnisch–Portugiesisch. Möchte die ETA dann vielleicht Baskisch nach Brüssel bomben? Irgendwann geht es einfach nicht mehr.« Und jeden Tag höher türmen sich die zwar drögen. klarer. der in Brüssel resi- dierende Generaldirektor des Übersetzungsdienstes der Europäischen Kommission.4 Millionen) als Slowenisch (1. vor Paarungen wie Dänisch–Ungarisch müßte das Personalbüro wahrscheinlich ganz kapitulieren. wie mehr wir müssen schreiben ein- facher. weil das schon heute nur mit Müh und Not und nur für die Abschlußdokumente aufrechterhalte- ne Prinzip »Alle Sprachen in alle« dann die Geschäf- te doch zu sehr aufhielte und wahrscheinlich auch all- seits für unbezahlbar befunden würde. Nieder- ländisch–Schwedisch) sind bereits heute kaum besetz- bar . Einem Reporter sagte Eduard Brackeniers. die der Überset- zungsdienst zu babyionisieren hat. weniger. bitte weniger Worte zu machen.7 Millionen) oder Dänisch (5. Appelle.so manche Minoritätensprache. Innerhalb der heutigen EU wird bereits mehr Katalanisch gesprochen (7.2 Millionen). aber wegen der involvierten In- teressen empfindlichen Schriftstücke. Nicht nur. Bei den seltenen Sprachkombinationen behilft man sich oft mit sogenannten Relaissprachen : Aus einer »kleinen« wird zunächst in eine der zentralen Verstän-  . Es werden sich einfach nicht mehr die nötigen Übersetzer finden.3 Mil- lionen) als Finnisch (4. sehr richtig : »Wie mehr wir Sprachen haben.9 Mil- lionen).

insbesondere angesichts einer histori- schen Entwicklung in der Gegenwart. Für jede Fehlermöglichkeit. an dem wächst das Problem der EU über den Kopf. Das erübrigt viele der seltenen Kombinationen und ist damit eine beträchtliche Vereinfachung. der vorgebeugt wurde. Der Mo- ment.« Es nützt indessen rein gar nichts. Erleichterung kann allein eine gewisse sprachli- che Standardisierung bringen. Es wird kommen der Tag. etwa bei den vielen Aus- schreibungen für Bau.und Dienstleistungen. tun sich zig neue auf. Vom Com- puter ist kein Palliativ mehr zu erwarten. es wenigstens für ein paar Sprachpaare (vor allem Französisch–Englisch) und nur auf dem Ge- biet Verwaltungssprache der EU fit zu machen. Seit- dem sind in Luxemburg einige Dutzend Linguisten da- mit beschäftigt. ist dennoch bisher nicht abzusehen.digungssprachen übersetzt – also Englisch oder Fran- zösisch – und aus dieser weiter in die anderen kleinen. an dem man die Maschine mit den Texten allein lassen könnte. aber es verdop- pelt das Fehlerrisiko und kann darum nur ein Notbehelf sein. »ist höchst unrealistisch und so- gar gefährlich. »Die eventuelle Einführung einer Lingua Franca«. Systran. die Augen vor dem mißlichen Umstand zu ver- schließen. daß das Fehlen einer Lingua Franca (oder zweier) die Europabehörden schon heute stark behin- dert und sie irgendwann in die allergrößten Schwie-  . 1976 kaufte die EG die Nutzungsrechte an dem damals fortgeschrit- tensten Maschinenübersetzungssystem. bei der kulturel- le und sprachliche Identitäten allerhöchste und immer stärkere Priorität genießen. schrieb Brackeniers.

hundert Jahre Referatenorgane durchzuzählen. Russische oder baltische oder tschechische Gelehrte sprachen nicht nur Deutsch. »daß sich Europa nur auf der Verschie- denheit und auf der Achtung vor der Verschiedenheit aufbauen läßt. Aber am großen in- ternen überstaatlichen Palaver können nicht alle Spra- chen gleichberechtigt teilnehmen. Danach lagen international Französisch und Deutsch bis etwa 1910 gleichauf : Etwa 25 Prozent der Publika- tionen entfielen auf jede . Englisch war. sondern oft auch untereinander . Minoru Tsunoda. wenn sie mit Deutschen zu tun hatten. Aber das war einmal und wird nie wieder sein. mit etwa 35 Pro-  . Mittelosteuropa. »Es trifft zu«. was er will .rigkeiten bringen wird. die sich beizeiten darauf einstellen. Bis in die dreißiger Jahre mußten sogar amerikanische Chemiker Deutsch können. Ihr Fall wird immer unmiß- verständlicher demonstrieren. auch mit den europäischen Organen muß er in seiner Sprache verkehren können. wenn man von einem al- len gemeinsamen Prinzip ausgeht. doch muß man auch hinzufügen. Ein Japaner. teilweise publizierten sie auf Deutsch. die von den mei- sten geteilt werden. vor allem in dem Raum. der heute MOE heißt. der sprachlichen wie der kulturellen ….« Zu dieser gemeinsa- men Basis gehören auch die Sprachen. Es sind die weiseren Länder. In der Wissenschaft war Deutsch wirklich einmal eine Art Lingua Franca. hat sich 1983 die Mühe ge- macht. daß die Achtung der Unterschiede nur möglich ist. was eine Lingua Franca wert ist. Zu Hause mag jeder sprechen. schrieb der katalanische Linguist Miguel Siguan.

der klinischen und der Veterinärmedizin). ein nicht nur marginales Handi- kap dar und wäre die Quelle endloser Mißverständnisse. bis jenes um 1980 bei etwa drei Prozent angekommen war und dieses bei 74 Prozent. aber auch damals schon die meistverwendete Spra- che. Bei vielen der zentralen Begriffe lauern die ›faux amis‹. Wörter. wo sie sich nur an eine inländische Fachöffentlichkeit wenden oder wo die Sprache nicht nur Medium. seitdem fiel es im gleichen Tempo zurück. Jura. stark pra- xisbezogenen Disziplinen veröffentlichen deutschspra- chige Naturwissenschaft ler mehr auf Deutsch als auf Englisch (so in der Geo.zent. in einer Fremd- sprache zu publizieren. die  .und der Forstwissenschaft. 1980 lag es bei vier Prozent. sondern Teil des Gegen- stands ist (in dieser Reihenfolge : Literaturwissenschaft. In welche Fachgebiete das Englische heute am weite- sten vorgedrungen ist. Geschichte). Geistes. die falschen Freunde in anderen Sprachen. Aus der deutschen Biologie und Teilen der Chemie ist Deutsch als Publikationssprache fast gänz- lich verschwunden. In diesen Bereichen stellte der Zwang. Am weite- sten ist der Prozeß in den Grundlagenwissenschaften gediehen. hat vor einigen Jahren die Sprach- wissenschaft lerin Sabine Skudlik ermittelt. Theologie. nur mit einer Zeitverzögerung von zehn Jahren : Bis etwa 1920 stieg es noch leicht an. Pädagogik.und So- zialwissenschaft ler tun es überall dort. Nach 1910 begann Französisch kontinuierlich ab- zusinken und Englisch anzusteigen. Dem Deutschen erging es genau wie dem Französischen. Nur noch in wenigen.

während das Wesen der deutschen Geisteswissenschaften einem nicht Deutsch sprechenden Kollegen nur sehr schwer klarzumachen ist. selbst ein index ist eigentlich kein Index. federal bedeutet in England und in Amerika etwas Verschiedenes.dasselbe zu bedeuten scheinen. character nur selten mit Charakter. der bei einem er- fahrenen Übersetzer nicht eine Warnlampe aufleuch- ten ließe. sich im internatio- nalen Diskurs an die taufrischen. Kognition oder Motivation oder Signifikanz. psychic ist etwas ganz ande- res als psychisch. und humanities sind nie und nimmer Humanismus. cons- ciousness nicht immer mit Bewußtsein. Kaum ein Begriff. Als Lingua Franca dagegen hat Deutsch in der Wis- senschaft ganz und gar abgedankt. Science ist nur bedingt Wissen- schaft. bis Neuprägungen und Bedeutungsverschiebungen ein ge- gen Mißverständnisse gefeites internationales Begriffs- system geschaffen haben. academic läßt sich nicht immer mit akademisch übersetzen. Sogar in den un- mittelbaren Nachbarländern wie Dänemark oder Hol-  . mental ist nur unge- fähr dasselbe wie mental. geschichtlich relativ unbeschwerten Kunstwörter zu halten. Es wird lange dauern. son- dern ein Register. Man versteht den Hang. aber auch Geisteswissenschaft trifft die Sache nicht genau. während reference keine Referenz (also keine Empfehlung) ist. faculty so gut wie nie mit Fakultät. sondern ein Verweis oder eine Quellenangabe. eher Kulturwissenschaft. methodic ist eher systematisch als me- thodisch. deren Bedeutungsum- fang jedoch ein anderer ist und deren Bedeutungskern an anderer Stelle liegt.

Von einer guten Behaup- tung des Deutschen kann also die Rede sein. nach dem Zusammenbruch des Ostreiches würde dort ein großer Nachfrageboom für deutschen Sprachunterricht ausbrechen.4 – tatsächlich. von ei- nem Boom ganz und gar nicht. die das Auswärtige Amt gesammelt hat. 1994 11. alt oder neu. Viele haben erwartet. ist Englisch. aber wie Ulrich Ammon herausgefunden hat.land wählen Forscher heute durchweg Englisch. das meiste ist in Englisch.5 Millionen Schüler Deutsch. und so bekä- me Deutsch im letzten Augenblick vielleicht doch noch einmal eine Chance. daß der Hang zum Englischen allgemein ist : Ob sie aus Ja- pan. ist es auf eine. Aber er verblaßt gegenüber dem An- stieg des Englischen : aus 18. ein leichter Anstieg.2 in Rußland. leistungsfähig oder nicht – zeigt denn auch. 1982 lernten hier 10. davon 9.6 Millionen im Jahre 1992 wurden 1994 21. geradezu dramatische Weise Sache der Älteren . nicht Deutsch. sind ernüchternd. Jeder Blick in die naturwissenschaft lichen Fachzeit- schriften anderer Länder – groß oder klein. Was auch hier heute boomt. sind sie in Scharen zum Englischen übergelaufen. 1992 waren es 11 Millionen. Zwar wird hier teilweise wieder Deutsch ver- wendet. Die Zahlen. nicht zu Deutsch. Und es ist nicht Engländern und Nordamerikanern  .2 Millionen. wie er schreibt. Kroatien oder Rußland kommen. wo die Jüngeren nicht beim Russischen als Lingua Franca geblieben sind. Auch der Umbruch in Mittelosteuropa ändert daran nichts.

Wenn auf internationalen Tagungen auch Ungarn und Inder miteinander ins Gespräch kommen. es ist auch der andere Stil der anglophonen Welt. die heute manche besonders unter den Älteren abschreckt . Meist sind sie über den ganzen Globus verteilt. Englisch- sprachige Publikationen von deutschen Wissenschaft- lern fallen zuweilen nicht nur durch ein mehr als be-  . die als einzige ganz durchschauen. sondern weil Englisch und nur Eng- lisch die Sprache ist. dann auf Englisch. sondern ihr mit Gra- zie entgegenzugehen. Was sie ver- bindet. ist heute Englisch unter unseren Augen zur neuen Lingua Franca der Wis- senschaft geworden. sondern als ein- malige und unverdiente Chance zu begreifen. Es hat ein paar Dutzend bis ein paar Hundert Be- wohner. Aber je- der Fachwissenschaftler gehört in der Tat einem Dorf an. die in der gesamten Welt der Wis- senschaft wenn nicht durchweg flüssig gesprochen und geschrieben. ist Englisch. vor die- ser Tatsache nicht davonzulaufen. so doch zumindest verstanden wird. was sie überhaupt erst kommunikationsfähig macht. Mit Latein hatte die aufkeimende Wissenschaft ein- mal eine gemeinsame und sie einende Sprache. und mit denen er sich täglich durch gegenseitige Vor- träge und per E-Mail auseinandersetzen muß. Ohne daß es sich danach gedrängt hätte. Es ist indessen nicht nur die fremde Sprache. Das prophezeite »globale Dorf« ist bisher nicht entstan- den und wird wahrscheinlich nie entstehen.zuliebe in Englisch. das endlich nicht mehr als kulturelle Bedrohung. Es käme darauf an. was er tut.

helfsmäßiges Englisch. Rüpelhaftigkeit andererseits peinlich auf. die da besagt : Du sollst nicht weitschwei- figer sein als unbedingt nötig . wird sich schwer bestreiten lassen. Der Englischunterricht hätte sehr früh einzusetzen. klar und höflich wie nur mög- lich. Da sie unter dem glei- chen Druck stehen. daß sämtliche anglophonen Autoren sich daran hielten . und ihr Hauptvorteil besteht darin. Die Ant- wort kann nicht der verbitterte Rückzug in den Bunker des Deutschen sein. Nicht. daß ihnen das we- nigstens klar ist. sondern auch durch Gewunden- heit einerseits. hätten exzellente Englischkenntnisse nachzuweisen. Heute ist hauptsächlich die Zeitschriftenliteratur vom Hang zum Englischen betroffen. sich an eine Etikette zu gewöhnen. Monographien. Eines Tages werden auch Dissertationen auf Eng-  . Es wird manchen offenbar schwer. Selbst Anglisten müssen ihre Manuskripte von Muttersprachlern durchsehen lassen. Eine Fremdsprache mag man mehr oder weniger gut beherrschen. nicht nur in heimischen Gefilden. Studienanfänger. werden sie fol- gen. sondern überall verstanden zu werden. besonders in den Natur- wissenschaften. auch leidenschaftliche Gegnerschaft rechtfertigt niemals eine Injurie – sei also immer so kurz. am besten komplementiert durch län- gere Aufenthalte im englischen Sprachgebiet. einfach. imposante Dunkelheiten sind schlicht unwissenschaftlich . aber daß es als Ideal nicht übel ist. Sie kann nur lauten : konsequente Zweisprachigkeit. Nachschlagewer- ke und Lehrbücher noch kaum. publikationsreif schreibt man sie so gut wie nie. An der Lage gibt es nichts mehr zu deuteln.

wer den aussichtslosen Versuch macht. Aber die deutsche Sprache ? Aus manchen Fächern hat sie sich praktisch bereits verabschiedet. die bereits seine Struk- turen anzufressen beginnt. die deutschen Wissenschaft lern Texte in publikationsreifem Englisch abverlangen. wer zum Beispiel das Seine dazu beitrüge. Die Wissenschaft wird nicht dar- unter leiden. Dem Deutschen. sofern sie nur konsequent auf ihren doppelsprachigen Beruf vorbereitet wurden. hilft nicht. Eines Tages wird sogar die Unterrichtssprache zumindest in den Grundlagen- fächern Englisch sein. der nicht mehr geographisch. werden deren Handikap verringern und ihnen mit kompetenten an- glophonen Redaktionsdiensten zur Seite stehen müs- sen. sich auf der interna- tionalen Bühne darin einzuigeln. Den nichtenglischen Sprachen fehlen schlicht immer mehr die Wörter für neue wissenschaft- liche Begriffe . dort aber richtig – nicht in Paderborn Pid- gin-Deutsch (»Dschörmen«) und in Princeton Pidgin- Englisch (»Ämäriken« ). das als die Umgangssprache zu Hau- se natürlich seinen Ort behalten wird. Eine neue Verantwortung kommt aber auch auf  . und die Wissenschaft ler persönlich wer- den es auch nicht. sie werden auch gar nicht mehr gesucht. wer ihr zu Hause zu Hilfe käme. sondern inhaltlich be- stimmt ist. Der deutschen Spra- che hülfe nur. die unnötige in- nere Anglisierung zu bremsen. Die Verlage. Jede Sprache an ihrem Ort.lisch geschrieben werden dürfen. Er wird zunehmen. Man hat treffend von ihrem lexikalischen »Ausbaurück- stand« gesprochen. in anderen wird sie es tun.

die von Fall zu Fall deren lexikalischen Aus- baurückständen abhelfen müssen. Der sprachliche Teil ihrer Aufgabe wird mehr sein müssen als eine leidige Pflicht.alle jene zu. sondern müssen erfinden. Sie dürfen nicht nur übersetzen. was in keinem Wörterbuch steht : nachhal- tige Entwicklung – zwar nicht ganz dasselbe. Sprachphantasie. so wie jener an- onyme Kollege. Sprachmut. Sprachwitz. aber gleich einprägsam. deren man sich möglichst nebenher und ohne Anstrengung und Risiko entledigt – eine Herausforderung. für die man von alledem gar nicht genug haben kann : Sprachver- stand. Sie sind es. . dem für sustainable development als er- stem einfiel. die Inhalte der unumkehrbar anglophonen internationalen Wissenschaft an kleinere und größere Öffentlichkeiten ihrer eigenen Länder vermitteln.

handelte es sich in der Mehrheit um ame- rikanische Einwandererkinder.  . Aber die Befunde wa- ren klar und hielten sich hartnäckig. aber nicht nur. Bei den Kindern. zersplittern ihre geisti- gen Ressourcen . sprachlich seien sie retardiert. die denn auch beide gezogen wurden : Entweder waren diese Einwandererkinder von vorn- herein unintelligenter. Bis in die sechziger Jahre herrschte nahezu Einigkeit darüber. Zwei Sprachen. meinte man. oder ihr Bilingualismus hatte ihre Intelligenz beeinträchtigt. dann plötzlich wur- de es zu einem höchst erstrebenswerten Schicksal. daß zweisprachige Kinder in ihren Schullei- stungen regelmäßig hinter ihren einsprachigen Alters- genossen zurückblieben. daß Bilingualismus irgend- wie dumm mache.Die Mythen des Bilingualismus Über Mehrsprachigkeit Bilingualismus. unter diesem Namen firmiert jede Form von Mehrsprachigkeit in der Wissenschaft. und diese hat in ihrer Einstellung zu dem Phänomen eine erstaunliche Kehrtwendung vollzogen. Jahrzehntelang war der Bilingualismus in Verruf . Die Öffentlichkeit ent- nahm aus alledem einfach. mit zwei oder mehr Sprachen aufzuwachsen. und zwar bis zu drei Jahre. die die Forscher dabei im Sinn hatten und deren IQ sie maßen und verglichen. vor allem. und das ließ nur zwei Schlüsse zu.

zweisprachige Kinder. er nützte sogar . Bilingualismus hatte zwar regelmäßig mit einem niedrigeren Intelligenzquotienten korreliert – aber daß er ihn verursacht hatte. Die als zweisprachig eingestuften Einwanderer- kinder hatten einfach nicht genug Englisch gesprochen. Wo die früheren Untersuchungen von »Bilingualismus«  . gelegentlich hatte ein südeuropäischer Familienname ausgereicht. Wie konnte das sein ? Wie konnten Wissenschaft ler plötzlich das genaue Gegenteil dessen verkünden. Damals veröffent- lichten zwei kanadische Linguisten. so schien es nun. daß das Fach vorher geirrt hatte. Seine Rehabilitation setzte 1962 ein. Bilingualismus. Zu ihrer eigenen Überraschung stellte sie die früheren Be- funde total auf den Kopf. war ein voreiliger Schluß ge- wesen. Im Gegenteil. inwiefern sie überhaupt zweisprachig gewesen waren . Elizabeth Peal und Wallace Lambert. was ihr Fach jahrzehntelang für die bedauerliche Wahrheit gehalten hatte ? Hatte man geirrt ? Irrte man jetzt ? Nach und nach wurde klar. indem er die geistige Flexibilität erhöhte. um in den Tests so gut abzuschneiden wie die Kinder eingesessener Familien. ein Kind in die Gruppe der Bilingualen einzustufen. Es war fraglich. Von einem Rückstand konn- te keine Rede sein. schadete nicht nur nicht. waren ihren einsprachigen Altersge- nossen in puncto IQ sogar überlegen. Es war einem klassischen Korrelationsirr- tum aufgesessen. und warum. wahrscheinlich. eine umfangreiche Studie an franzö- sisch-englisch aufwachsenden Kindern in Montreal. schlossen Peal und Lambert.

Ihre etwaigen Folgen lassen sich auf diese Wei- se natürlich nie und nimmer dingfest machen. in welchem Grade überhaupt Bilingualität vorliegt . wurde zwar wieder mit Fragezeichen versehen – aber jedenfalls richtete sie keinen Schaden an. So wurde die Mehrsprachigkeit von ihrem schlechten Ruf schließlich befreit. Genau so machte man es in den Jahren darauf. Er- höht der ständige Sprachwechsel die geistige Flexibili- tät ? Verlassen sich die Zweisprachigen bei der Bewälti- gung geistiger Aufgaben mehr auf den effizienten Mo- dus Sprache ? Oder sind sie den Einsprachigen in dem überlegen. und dabei bestätigte sich Peals und Lamberts Befund noch und noch. Mittlerweile glaubt man auch zu wissen. und zumin- dest sprachlich waren die zweisprachigen Kindern ih- ren einsprachigen Altersgenossen voraus. wie sich die sprachliche Überlegenheit der Bilingualen erklärt.sprachen. was die Wissenschaft »metalinguistisches Be- wußtsein« nennt ? Erstmais hatte das einer der Pioniere der Bilingualismusforschung konstatiert. hatten sie also einfach gemeint : Unterschich- tenkind mit mangelhaften Englischkenntnissen. als er in den dreißiger Jah- ren die zweisprachige Entwicklung seiner Tochter beob-  . der Deutsch- amerikaner Werner Leopold. wenn auch nicht immer in gleicher Höhe. und dann müßten bilinguale Kin- der mit monolingualen Kindern gleicher Intelligenz und gleicher sozialer Herkunft verglichen werden. Daß die Bilingualität die Intelligenz geradezu erhöhe. Die Bi- lingualität selbst hatte gar nicht mit auf der Agenda ge- standen. Dazu müßte bestimmt werden.

Immer war man davon ausgegangen. das ihnen ihren Vorsprung verschafft. der beständigen muttersprachglei- chen Beherrschung zweier Idiome. sondern die Regel. jedenfalls wenn man ihn im weitesten Sinn definiert. Während die Zweisprachigkeit ihren schlechten Ruf abstreifte. nicht im engen idealen Sinn. die Kinder plötzlich in anderssprachige Um- gebungen versetzen. Wie es der Bi- lingualismusforscher François Grosjean 1983 formulier- te : »Bilingualismus gibt es in fast jedem Land der Welt. Es ist schwer. eine wirklich einsprachige Gesellschaft zu fin-  . Ganz von al- lein kommen sie zu Ferdinand de Saussures Grunder- kenntnis : Wörter sind »arbiträr«. Aber die meisten Menschen dieser Erde wachsen in Kontakt mit mehreren Sprachen auf. und daß alle die Wanderungsbewe- gungen. daß normalerwei- se ein Kind in eine einzige Sprache hineinwachse. daß es genau dieses metalinguistische Bewußtsein der Zweisprachigen und nichts anderes ist. kam er zu dem Ergebnis. Sache und Wort für dasselbe zu halten. wurde klar : Bilingualismus ist auf der Welt gar nicht die Ausnahme. Sie gewinnen eine gewisse Distanz zu ihrer Sprache.achtete und protokollierte: Zweisprachige Kinder neigen weniger dazu. in allen Gesellschaftsklassen und Altersgruppen. im weiten Sinn ist es fast jeder. als gelegent- liche Verwendung von mehr als einer Sprache. sei- ne Muttersprache. Als Kenji Hakuta 1987 die verschiedenen Möglichkeiten evaluierte. Im engen Sinn bi- lingual ist fast niemand . daß Wörter auswechselbare Symbole sind. ih- ren Sprachen. Früher und gründlicher wird ihnen klar. diese einzig gesunde Entwicklung stören.

wurden Minoritätenkinder an vielen Schulen vieler Länder nicht mehr nur in der dominanten Standard- sprache unterrichtet. in jeder Beziehung von Vor- teil ist. »Bilin- guale Erziehung« wurde vielerorts zum großen neuen Programm. die großen Triumphmeldungen. Seit- dem sind diesem zuvor eher esoterischen Fach ganze Zeitschriften und Buchreihen reserviert. scheint zwar festzustehen –  .« Seit den sechziger Jahren hat sich so eine dreifache Einsicht durchgesetzt : ein gewisser Bilingualismus ist allgegenwärtig. ist trotz vielen Detailwissens alles in allem nicht viel klarer als vorher. Und während die Idee der Mehrsprachigkeit und die bilinguale Erziehung einen Boom erlebten. Hier und dort wurden auch die Kinder der Sprachmehrheit dazu gebracht. Mino- ritätensprachen zu lernen. sondern teilweise auch in ihren eigenen Muttersprachen. wo er sich denn eingestellt hat. Daß Bilingualismus. Um ihre frühere Benachteiligung aufzuhe- ben. und seine nega- tive Bewertung in den frühen Jahren hat Unterschich- tenkinder benachteiligt. sind bisher ausgeblieben. er ist grundsätzlich gut. kognitiv wie sozial. In vielen Ländern führte sie zu einem radikalen Wandel in der Sprachpolitik. die zu irgendeiner Art von Bilingualismus führten.den … Keine Sprachgruppe war je von anderen Sprach- gruppen isoliert. die den ganzen Enthusiasmus beglaubigt hätten. und die Sprachgeschichte strotzt von Beispielen für Sprachkontakte. Wie das Gehirn mit mehreren Sprachen fertig wird. begründende und rechtfertigende Bilingualismusforschung mit. Indessen. boomte die begleitende.

Was zwar alles richtig sein mag. daß sich bei nicht wenigen bilingual unterrichteten Kindern ein Zustand eingestellt hatte. Sofort wurde eingewendet. Immerhin. drittens müßte. daß das diesen Kindern gegenüber unfair sei : Erstens lasse sich der Grad der Sprachbeherrschung objektiv kaum mes- sen. zweitens sei das Ideal der vollkommenen Sprachbe- herrschung sowieso eine Fiktion. Aus Holland kam Ende der achtziger Jahre (in Form eines Aufsatzes von Ton Vallen und Sjef Stijnen. diese zentralen Fragen möglichst ungeklärt zu lassen. Beherrschung zweier Sprachen addiere. soweit es einen ungerechten persön- lichen Vorwurf von diesen Kindern abwenden möchte. näm- lich das gesamte kommunikative Geschick dieser Kin- der. unter welchen Umständen und mit welchen Methoden er sich am besten erreichen ließe und ob es überhaupt realistisch ist. da ihre Klärung das große Projekt möglicher- weise gefährdet hätte. wenn auch unvollständigere. ein Teil des Forschungsaufwands sei darauf gerichtet ge- wesen. zu dem sich eben die. der eine  . etwas ganz anderes gemessen werden. Ein Zyniker könnte den Eindruck gewinnen.aber nicht. indessen nicht den Verdacht aus der Welt räumt. daß ein vollständig funktionsfähiges Auto zwei kaputten doch irgendwie vorzuziehen ist. Sie beherrschten keine der bei- den Sprachen ganz. denn niemand beherr- sche auch nur eine Sprache vollständig. Halbsprachigkeit. ihn für ein allgemeines Ziel zu halten. aus Skandinavien wurde gemeldet. wenn schon. den die Forscher kurz ent- schlossen und undiplomatisch Semilingualismus nann- ten.

aber auch nicht genützt. Wenn jene nicht allzu zahlreichen heroischen Studi-  . schwächeren und damit bedrohten Sprachen. recht verhalten und kleinlaut. in ihren Schulleistungen im Durchschnitt hin- ter ihren einsprachig-niederländischen Altersgenossen deutlich zurückblieben. die sich in einer Sprachumgebung finden. indem er ihnen öffent- liche Anerkennung zollt und sie in der nachwachsen- den Generation übt . daß die Niederländischkenntnisse am Ende nicht bes- ser waren als in den verschrieenen »Submersions«-Pro- grammen. nützt wahrscheinlich den kleineren. Und »nicht besser« hieß : daß die Minoritätenkinder. wenn Minoritätenkinder einen Teil des Unterrichts in ihrer Muttersprache erhielten. Der bilinguale Aufwand hatte ihnen zwar nicht geschadet. alle Studien stimmten darin überein. in der sie mit ihrer Erstsprache nichts anfangen können.Dekade intensiver niederländischer Bilingualismusfor- schung resümierte) die Nachricht. ihm aber auch nicht weiter förderlich sei. daß es den Erwerb des Niederländischen zwar nicht beeinträchtige. bei denen die Kinder ohne sprachliche Unter- stützung in einsprachigen Klassen »eingetaucht«. langsam zur Zweitsprache überzuleiten (Transition) oder die Erstsprache voll zu bewahren (Erhalt). Bilingualer Unterricht. Aber Bilingualität stellt er nicht besser und nicht schlechter her als monolingualer Unterricht. Egal nach welcher Methode die bilinguale Erziehung vonstatten gehe und ob sie dazu bestimmt sei. je- denfalls nicht direkt. heißt das wohl. mit und ohne zweisprachigen Un- terricht. er unterstützt die Kinder mora- lisch. sozu- sagen versenkt werden.

vielleicht gar auf sie herabsehen. bald vielleicht sogar eine dritte. daß es ih- nen vielleicht etwas leichter fällt. Geschick und Willensstärke sei- tens der Eltern. Er ist immer in Bewegung und droht stän- dig. wenn es ihn überhaupt je geben sollte : daß ein Kind sozusagen in zwei gleichberechtigte Sprachen hin- einwächst und dann beide sein Leben lang als seine Mut- tersprachen spricht. Bald ist die eine dominant. später im Leben auf sie zurückzukommen. Der ideale Bilingualismus ist etwas außerordentlich Seltenes. sich ganz zu verabschieden. ihr Kind zweisprachig zu machen. bald die andere. wenn sich das Kind Kontaktperso- nen zuwendet. eines deutlich gemacht ha- ben. die ihm seine zweite Sprache nicht ab- verlangen und sie nicht unterstützen. höchstens. Es braucht immens viel Geduld. dann dies : Der doppelte Spracherwerb ist kein Kin- derspiel. sobald man ein Kind nur irgend- wann. Er ergibt sich – anders als der Erstspracherwerb – nicht quasi von selbst. Dann läßt es diese erbarmungslos fal- len. Auch von Anfang an zweisprachig aufgewachsene Kinder können jede die- ser Sprachen vollständig verlernen . in denen Linguisten den Spracherwerb ihrer eigenen oder fremder Leute Kinder über viele Jahre hin genau beobachten und analysieren. Und alles war vergebens. Bilingualismus ist überhaupt nichts Statisches. Jede nicht ständig und gern geübte Sprache verblaßt und verschwindet schließlich. In einer der neueren Untersuchungen verfolgte Su- sanne Döpke die Sprachentwicklung bei sechs Kindern  . en. wenn irgendwann die Motivation nicht mehr stimmt. irgendwie beiden Sprachen aussetzt.

beide Sprachen hatten ein hohes Prestige. Zwar kommt kaum ein Mensch sein Leben lang al- lein mit seiner Muttersprache aus. deren Vertreter am besten auf das Kind einzugehen verstanden. Er meinte. seit seine bilingualen Erziehungsanstrengungen bei der zweiten Tochter auf Renitenz gestoßen waren. daß die ganze Menschheit nur mit gutem Willen und etwas Nachhilfe mehrsprachig werden könnte. Sprachbegabung. Daran hatte schon Werner Leopold nicht mehr geglaubt. daß nicht die schiere Men- ge des Inputs zählte. Klar war ebenfalls. wenn also jeder Elternteil jederzeit rigoros auf seiner Sprache bestand. Und am Ende der Untersuchung ließ sich auch durchaus erkennen. Aber von den sechs Kindern wurden trotz der günstigen Vor- bedingungen nur zwei bilingual – und auch die waren ein paar Jahre später ganz zur Mehrheitssprache über- gelaufen und hatten ihr Deutsch fallenlassen.in Australien. die nötige Zeit und Zuwen- dung zu investieren. Sie wollte herausfinden. sondern seine emotionale Qualität : Jene Sprache hatte die größere Chance. Tem-  . welche Umstände der Zweisprachigkeit förderlich sind. was heute wenig populär ist : daß der Erfolg auch sehr von persönlichen Variablen abhänge. Aber die Hoffnung. nähren solche Beobachtungen ganz und gar nicht. wie sie nur sein können : Die Eltern waren entschlossen. die nach dem bewährten Prinzip »Ein El- ternteil – eine Sprache« sowohl englisch als auch deutsch aufwuchsen. Die Voraussetzun- gen schienen so günstig. was den Erfolg am meisten unter- stützte : wenn die Eltern das Prinzip »Ein Elternteil – eine Sprache« in aller Konsequenz praktizierten.

perament, Motivation – daß also Bilingualität nicht je-
dermanns Sache sei. Wenn aber die zweisprachige Er-
ziehung selbst dort nur bedingte Chancen hat, wo alle
Signale auf Erfolg stehen : wo Mittelschichtkindern von
hingebungsvollen Eltern, oft selber Linguisten, das zwei-
te Idiom mit List und Liebe schmackhaft gemacht wird,
wenn also oft sogar versagt, was manche Soziolingu-
isten mit leiser Verachtung »Elite-Bilingualismus« nen-
nen, im Unterschied zum normalen Bilingualismus, der
eins der weiteren Probleme der Unterprivilegierten ist,
welche sich in fremder Sprachumgebung durchschlagen
müssen – wie soll dann in den verschiedenen Sprach-
minoritäten der multikulturellen Gesellschaften je all-
gemeine Mehrsprachigkeit ausbrechen können ?
Widerlegt ist bis heute nicht die zwanzig Jahre alte
Interdependenzhypothese des Kanadiers Jim Cummins :
daß sich die Zweitsprache nur auf der Grundlage einer
intakten Erstsprache entwickeln kann, und daß dann
auch die Erstsprache von der Zweitsprache profitiert.
Sie bedeutete : Wer, aus welchen Gründen auch immer,
im richtigen Entwicklungsstadium nicht zu einer in-
takten Erstsprache gekommen ist, läuft Gefahr, im Se-
milingualismus steckenzubleiben, auch wenn er dann
eine zweite Sprache dazulernen sollte und könnte. Wie
ebenfalls Cummins beobachtete, behilft sich das bilin-
guale Kind im Alltag möglicherweise ganz flüssig und
geschickt, aber die abstrakteren Dimensionen der Spra-
che bleiben ihm verschlossen, und damit ist sein Schei-
tern programmiert, wo es auf abstraktes sprachliches
Denken ankommt.



Wo immer Bilingualismus angestrebt wird, bleiben
in der Praxis die beiden Sprachen normalerweise strikt
getrennt. Entweder wird zu Hause die eine gesprochen
und draußen und in der Schule die andere, oder je-
dem Elternteil ist eine andere vorbehalten. So, hofft man,
werde es dem Kind leichter gemacht, die beiden Spra-
chen sauber auseinanderzuhalten ; so ergibt es sich auch
meist von allein. Aus der Zeit, als Bilingualismus eher
ein Fluch als ein Segen schien, ist der Verdacht geblie-
ben, die beiden Sprachen könnten sich gegenseitig stö-
ren, das Kind hätte am Ende weder die eine noch die
andere richtig gelernt. Viele lassen ihn von vornherein
nicht gelten. Für sie geht er von einem irrealen und eli-
tären Ideal von Sprachreinheit aus, das sich niemand
gefallen lassen müsse.
Aber stören sich die beiden Sprachen tatsächlich ?
Kommt es zu Interferenzen ? Für diese Frage ist nicht
die Sozio-, sondern die Psycholinguistik zuständig, und
sie hat im letzten Vierteljahrhundert manche Anstren-
gung unternommen, zu eruieren, wie das Gehirn die
beiden Sprachen ablegt, getrennt oder zusammen – ob
zum Beispiel die Begriffe beider Sprachen in einem ein-
zigen Lexikon enthalten sind oder in zweien, oder ob
sie manchmal einem gemeinsamen, manchmal einem
speziellen Lexikon angehören. Heute scheint letzteres
das wahrscheinlichste, aber die Ergebnisse waren bisher
nicht schlüssig und werden es wohl auch so lange nicht
sein, bis die Beziehung zwischen Denken und Sprache
genauer aufgeklärt ist – und die ist eins der allerschwie-
rigsten psychologischen Probleme.



Der äußere Verlauf dagegen scheint klar. Am deutlich-
sten hat ihn 1983 Traute Taeschner beschrieben, die zu-
sammen mit ihrem Mann zwei Töchter italienisch und
deutsch aufzog. Ihr stellte sich die Entwicklung in drei
Phasen dar. In der ersten ist der Wortschatz der Kinder
nicht nach Sprachen getrennt. Für die Dinge ihrer Um-
welt lernen sie jeweils nur ein Wort; Äquivalente in der
anderen Sprache gibt es kaum. Benutzt werden die Wör-
ter, als entstammten sie einer einzigen Sprache, durch-
einander also. Die Frage der Grammatik stellt sich noch
nicht, denn es ist das Stadium der Ein- und Zwei-Wort-
Sätze, in dem die Kindersprache noch ihre eigene uni-
versale Grammatik besitzt. Die zweite Phase dann, in der
die ersten rudimentären Sätze auftauchen, ist die der star-
ken Interferenzen. Den Kindern wird klar, daß die Eltern
verschiedene Sprachen sprechen, und daß das nun auch
von ihnen verlangt wird. Phonetisch (also in der Ausspra-
che) färben die beiden Sprachen so gut wie nie aufeinan-
der ab, wohl aber morphologisch (in der Wortbildung),
syntaktisch (in Wortstellung und Satzbau) und seman-
tisch – die in der einen Sprache erworbenen Bedeutun-
gen werden manchmal in die andere Sprache mit hin-
übergenommen. »Ti ricordi Giulias Geburtstag mit zwei
candelen? Io trinko, io esso. Ich weiß schon cucire.« (Er-
innerst du dich an Giulias Geburtstag mit zwei Kerzen?
Ich trinke, ich esse. Ich kann schon kochen.) Eine Hy-
bridsprache scheint im Entstehen begriffen. Aber dann
kommt es ganz anders. In der folgenden dritten Phase
klären sich die Verhältnisse, und zwar vollständig. Auch
andere Untersuchungen ergaben das gleiche Bild: Am



Ende der Ein- und Zwei-Wort-Phase, also etwa mit zwei
Jahren, wird den Kindern klar, daß sie zwei verschiedene
Lexika haben, sie beginnen beide Sprachen zu trennen,
und mit etwa drei Jahren ist die Trennung abgeschlos-
sen: Nunmehr wissen sie genau, wann und wem gegen-
über welche angebracht ist, wechseln zwischen ihnen nur
dann hin und her, wenn sie jemand vor sich haben, der
so bilingual ist wie sie selber, und selbst in ihrem inne-
ren Monolog wechseln sie so gut wie nie.
Es scheint also, daß die Kinder spontan, von sich aus
auf eine saubere Trennung beider Sprachen hinsteu-
ern. Dafür spricht auch, daß in den wenigen Studien,
die sich mit dem Spracherwerb unter vermengenden
Umständen befaßt haben, am Ende meist ebenfalls die
Trennung stand, wenn auch zuweilen später und unter
größeren Schwierigkeiten. Und dafür spricht ebenfalls,
daß manche zweisprachigen Kinder geradezu aller-
gisch auf die mutwillige Vermischung der beiden Spra-
chen reagieren.
Neueste Forschungsergebnisse, von Johanne Paradis
aus Kanada, stellen für die Grammatik die »Einheits-
sprachenhypothese« ganz in Frage, also die Annahme,
daß sich zuerst eine einzige Grammatik bilde, die sich
dann nach und nach teile. Sie untersuchte unter ande-
rem, wie sich bei französisch-englisch aufwachsenden
Kindern die Verneinung einstellte. Beide Sprachen ver-
neinen einen Satz auf völlig verschiedene Weise : je ne
veux pas, I don’t want to. Dennoch gab es keinerlei In-
terferenzen ; jede Art der Verneinung blieb auf die Spra-
che beschränkt, der sie entstammte.



Für den, der es dazu bringt, so scheint es, ist Bilin-
gualität darum eine rundum gute Sache. Sie schadet
ihm in keiner Hinsicht, sie verstärkt sein Gespür für
den formalen Charakter der Sprache, sie führt keines-
wegs zur Vermengung der Sprachen, sie nützt ihm in
vielen Situationen, sie gibt ihm Heimatrecht in verschie-
denen Kulturen, sie stärkt die Verbindung zu den eige-
nen Wurzeln, sie kann eine Quelle beständigen Glücks
sein. Aber wahrscheinlich jagte einer Illusion nach, wer
sie von jedem erwartete.
Wir neigen dazu, jenen mit mißtrauischem Neid zu
begegnen, die die Gelegenheit hatten, mit mehr als ei-
ner Sprache groß zu werden, so als wäre ihnen ohne ihr
Zutun ein für allemal ein mirakulöser Zustand zuteil
geworden, der den meisten für immer verschlossen ist :
die Bilingualität. »Die« Mehrsprachigkeit aber ist etwas,
das es in der Wirklichkeit nicht gibt. Es gibt sie nur in
verschiedenen Graden und Formen, und bei jedem ein-
zelnen ist sie unablässig im Fluß, braucht sie, um er-
reicht und erhalten zu werden, unausgesetzte Anstren-
gung. »Mehrsprachigkeit«, schrieb Mario Wandruszka,
»ist kein verläßlicher endgültiger Besitz, sondern ein
ständiges Lernen und Verlernen.«

Schrift gegen Bild
Über das Lesen in einer Zeit des Sehens

Manchmal wird man Zeuge eines bitteren rituellen Dis-
puts, der immer gleich verläuft, wenn auch mit jeweils
anderen Worten. In der Regel entzündet er sich an ir-
gendeiner aktuellen Nachricht: ein Autor in Finanznö-
ten, ein Verlag verkauft, eine Buchhandlung geschlossen.
Eröffnet wird er von dem Kulturpessimisten, der wie alle
Pessimisten immer als erster ausspielt. Er sagt etwa dies:
»Da sehen wir es wieder einmal. Die Leute lesen immer
weniger. Kein Wunder, sie hocken ja auch nur noch vor
der Glotze. Das Buch – das ist eine aussterbende Gat-
tung. Das Gutenberg-Zeitalter nähert sich dem Ende. Es
geht bergab mit uns. Wir amüsieren uns zu Tode.«
Die Diagnose ruft prompten Widerspruch auf den
Plan. Er lautet ungefähr : »Stimmt das denn eigentlich :
daß die Leute immer weniger lesen ? Eher lesen sie doch
mehr als früher. Es ist auch gar kein Wunder, denn sie
haben schließlich immer mehr Muße fürs Lesen als in
der angeblich so guten alten Zeit, und das allgemeine
Bildungsniveau ist ebenfalls stark gestiegen und steigt
weiter. Man sehe sich doch nur einmal auf der Buch-
messe um : jedes Jahr mehr Bücher, viel zu viele. Die
werden doch nicht gedruckt, um dann ungelesen her-
umzuliegen. Das Fernsehen hält nicht vom Lesen ab, es
regt zum Lesen an.«



Und man sitzt daneben und findet wieder einmal
beide Meinungen auf den ersten Blick ganz plausibel.
Schließlich lassen sich für jede von ihnen leicht über-
zeugende Indizien beibringen. Positive Beispiele sind
ja immer zu finden : für die Wirksamkeit eines Medi-
kaments, für die Richtigkeit einer astrologischen Pro-
phezeiung, auch für die Stichhaltigkeit einer schnei-
denden sozialen Großtheorie. Aber positive Beispiele
beweisen nichts, solange nicht auch systematisch nach
negativen Beispielen gesucht wird. Eine Theorie kann
erst dann als richtig zu gelten beginnen, wenn sie die
Gegenprobe überstanden hat : den Versuch ihrer Fal-
sifikation. Was also hat die Medien- und die Lesefor-
schung zu jenem Disput zu sagen, abgesehen vom al-
lezeit Selbstverständlichen, nämlich daß man so naive
Fragen eigentlich nicht stellen dürfe ?
Es soll hier nicht um Kulturphilosophie gehen. Ob die
Gesellschaft visueller oder kommunikativer oder oraler
oder analer wird, sei den Hochseilartisten dieser oder
jener Hermeneutik überlassen. Ob gut oder schlecht ist,
was da ist, soll erst recht unerörtert bleiben. Es geht viel-
mehr allein um das bodennahe Fragenbündel : Wird
tatsächlich immer weniger gelesen ? Wird insbesonde-
re weniger gelesen als vor der Einführung des großen
Konkurrenzmediums, des Fernsehens ? Und wenn die
sogenannten Printmedien insgesamt keine Einbußen
verzeichnen sollten : werden dann vielleicht doch zu-
mindest Bücher weniger gelesen ? Wird insbesondere
»Literatur« weniger gelesen, die Schöne ?
Jedes Kind glaubt heute zu wissen, daß Umfrageer-



gebnissen nicht zu trauen sei. Erhebungen vom Umfra-
getyp sind aber das einzige Werkzeug, das die Medien-
forschung bei jenen Fragen einsetzen kann. Und man
darf es schon zugeben, selbst eine fragwürdige Umfrage
ist immer noch glaubwürdiger als die pure, auf nichts
als das momentane Ressentiment sich stützende Ver-
mutung. Auch wenn man sie hinterm Komma besser
nicht bei der Zahl nimmt, so geben sie, da die Fehler
von Mal zu Mal etwa die gleichen bleiben, über lang-
fristige Trends sogar recht gut Auskunft.
Eine vielleicht nicht endgültige, aber brauchbare Ant-
wort gäbe also eine Langzeitstudie irgendwo, die vor
dem Siegeszug des Fernsehens eingesetzt und einem
repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung über die
Jahre und Jahrzehnte hin die gleichen Fragen zur relati-
ven »Nutzung« der verschiedenen Medien gestellt hätte.
Eine solche Studie gibt es leider in Deutschland nicht.
Auch im übrigen Europa sucht man vergeblich nach ihr,
und selbst in den Vereinigten Staaten und Kanada hat
die empirische Medienforschung erst später begonnen,
als der mutmaßliche Konkurrenzkampf zwischen Le-
sen und Fernsehen längst entschieden war. Dennoch
ist jene Zeit nicht ganz undokumentiert verronnen. In
Japan fragt eine große Tageszeitung, ›Mainichi Shim-
bun‹, seit 1947 unverwandt nach der Nutzung der ver-
schiedenen Medien. Die Zeitreihe, für die Zahlen vor-
liegen, geht über alle Jahre hinweg, als das Fernsehen
zaghaft auftauchte und sich dann relativ schnell und to-
tal durchsetzte – und als die anderen Medien sich wohl
oder übel auf seine Existenz einrichten mußten.



Japan ist weit weg, aber unvergleichbar ist sein Fall
nicht. Es war eine traditionelle Gesellschaft, die zur glei-
chen Zeit wie alle übrigen einen Modernisierungsschub
durchmachte. Er fiel dort rascher und heftiger aus als
anderswo. Die japanische Kultur war sehr stark vom Le-
sen geprägt, und die Fernsehleidenschaft der heutigen
Japaner ist Legende. Wenn das Fernsehen die traditio-
nelle Schriftmedien an den Rand drängt, dann müß-
te diese Verdrängung in Japan besonders deutlich ge-
worden sein. Insofern müßte das japanische Beispiel die
weltweite Entwicklung nicht nur widerspiegeln, sondern
sogar überzeichnen.
Dies ist der Verlauf über das entscheidende Viertel
Jahrhundert, wie er sich aus der Erhebung von ›Maini-
chi‹ ergibt (siehe Seite 229).
Das Fernsehen tritt in der zweiten Hälfte der fünfzi-
ger Jahre auf den Plan und setzt sich wie in Deutsch-
land bis Mitte der sechziger Jahre durch. Ab etwa
1962 beansprucht es im täglichen Zeitbudget un-
ter allen Medien den größten Anteil für sich, mehr
als alle anderen zusammen. Seine Expansion
setzt sich jedoch nicht unbegrenzt fort. Ende der sech-
ziger Jahre kommt sie zum Stillstand, und in der Folge
gibt es sogar einen leichten Rückgang. Die Zuwächse des
Fernsehens gehen in der ganzen Zeitspanne eindeutig
niemals auf Kosten der Druckmedien : Für Zeitungen
und Zeitschriften erübrigten die Japaner am Ende die-
ses entscheidenden Vierteljahrhunderts noch genauso-
viel Zeit wie am Anfang und für Bücher sogar 63 Pro-
zent mehr (44 Minuten, wo es vorher nur 27 waren). Das



.

Natürlich kann man sich fragen. war der Hörfunk. daß das Fernsehen die Printmedi- en keineswegs verdrängt hat. nicht aus den Ver- lusten des Hörfunks. Nach »Bücherlesen« fragt es leider erst seit 1980. Der Zugewinn des Fernsehens speiste sich zum größe- ren Teil aus dem Mehr an Freizeit. Genug. auch über die Ein- führung der Privatprogramme hin aber blieb der durch-  . wäre ihnen das Fernsehen nicht dazwischengekommen. vielleicht auch nicht – das Fernsehen ist schließ- lich nicht der einzige Konkurrent um freie Minuten. Die längste deutsche Zeitreihe ergibt sich aus Klaus Bergs Langzeitprojekt »Massenkommunikation«. und die Muße hätte sich möglicherweise ganz andere Betä- tigungsfelder gesucht. Er verlor genau in den Jahren. in denen das Fernsehen gewann. zwölf Jahre nach der Einführung des Fernsehens. 1974 waren es 95 Prozent. Dennoch ist der Zuwachs beim Fern- sehen größer als die Einbuße beim Hörfunk : weil die Ja- paner insgesamt mehr Zeit für die Medien aufbrachten. das Zeit an das Fernsehen abgab. und begann sich erst um 1970 wieder zu fangen. 1964 hatten in Deutschland 55 Prozent aller Haushal- te einen Fernsehapparat. Über diese zehn Jahre der Expansion hin. wie die anderen Medien zugelegt hätten. Aber dieses nachträgliche speku- lative ›Wenn‹ ist sowieso immer eins der kraft losesten Argumente.einzige Medium. war fast der Zustand der »Vollversorgung« erreicht. daß sie sich im Gegenteil sogar größeren Zuspruchs erfreuen als vor seiner Ein- führung. Vielleicht hät- ten sie. Es setzte 1964 ein.

1979 waren es noch 40 Prozent. 1991 schließlich 37. sank er in diesem Zeitraum sogar von 44 auf 35 Prozent. die schon früh erreicht war. und je mehr ferngese- hen wird. der Berg- Studie zufolge. Es ist in der Tat viel – aber offenbar gibt es eine Sättigungs- grenze. wäh- rend sich die Befragten fürs Bücherlesen tatsächlich ei- nen Hauch weniger Zeit nahmen. sie hätten im letzten Jahr seltener als einmal im Monat oder nie in einem Buch gelesen . 1970 waren es 30 Prozent. der Fernsehkonsum nahezu gleich. Welche Entwicklung aber hat sie genommen ? In der kurzen Spanne zwischen 1980 und 1990 blieb. Gemessen an der insgesamt zur Verfügung stehenden Freizeit. 1968 gaben 29 Prozent der Befragten an. mehrmals pro Woche oder sogar täglich ein Buch (das heißt : in einem Buch) gelesen zu haben. Umgekehrt erklärten 42 Prozent der Befragten im Jah- re 1968. 1976 dann 34 Prozent. um so mehr wird ferngesehen. weder in Japan noch hierzulande. Den wesentlich längeren Überblick vermittelt aber »Allensbach«. Insofern entspre- chen die deutschen Zahlen durchaus den japanischen und bestätigen die Vergleichbarkeit des japanischen Bei- spiels. desto weniger wird gelesen« ist darum nicht richtig. Die simple Gleichung »Je größer das TV-Angebot.schnittliche Fernsehkonsum zwischen 1964 und 1990 nahezu konstant : Er steigerte sich nur von 2 Stunden 29 Minuten auf 2 Stunden 49 Minuten. 1976 dann 35 und 1991 schließlich 34. Denn welche Entwicklung die Leserate seit 1964 auch immer genom- men hat : am wachsenden Fernsehkonsum lag es nicht. In den letzten zwanzig Jahren wäre danach in Deutsch-  .

(1967 ist das einzige Jahr.land die Zahl der Vielleser stetig angestiegen. Bü- cher 192. das in jedem Punkt einen direkten Ver- gleich zwischen dem japanischen und dem deutschen Medienbudget erlaubt. die Deutschen 45. trotz gleichzeitiger Ausweitung des Fernsehangebots ! Auch das entspricht dem Beispiel Japan. Ein anderes Allensbacher Fragenbündel erlaubt es. die den einzelnen Medien reservierte Zeit über einen Zeitraum von zwanzig Jahren ins Auge zu fassen. Hörfunk 316. Radio hörten die Japaner täglich 30 Mi- nuten. hätte die Zahl der Wenig-oder-nie-Leser stetig abgenommen. die Deutschen 83. 1967 : Fernsehen 578 Minuten pro Woche. Vor dem Fernseher verbrach- ten zu dieser Zeit die Japaner täglich 136 Minuten. Zeitungen und Zeitschriften 360. Zeitung und Zeitschriften la-  .

blieb aber seit 1983 stabil. Die Printmedien aber befanden sich in diesem Zeitraum tatsächlich auf dem Rückzug.) 1987 sah das Wochenbudget in Deutschland so aus : Fernsehen 797 Minuten. Bücher 204. Bücher die Japaner 33. aber diese ebenfalls. am stärksten bei Zeitschriften.und Fernsehgesellschaft SRG) ergeben ein etwas anderes Bild. Nach ihnen ist beim Fernsehen die Nutzungsdauer (also die Zahl der täg- lich vorm Fernseher verbrachten Minuten) auch in der Deutschschweiz zwischen 1975 und 1988 nahezu kon- stant geblieben : Aus 75 Minuten wurden 79 (ein Plus von bloßen 5 Prozent). dann bei Büchern. während Zeitungen hinzugewannen und Bücher auf dem glei- chen Niveau verblieben.sen die Japaner 33 Minuten. und der gestiegene Fernseh. die Deutschen 27. aber nicht für alle. sondern sehr viel mehr fürs Fernsehen und ein wenig mehr für die Buchlektü- re. Genauer : Zwischen 1983 und 1988 halbier- te sich die Nutzungsdauer bei Zeitschriften. Insgesamt hatten die Japaner also mehr Zeit als die Deutschen für die Me- dien übrig. am wenigsten bei Zeitungen. Danach haben in diesen zwanzig Jahren alle Medien zugelegt.und Radiokonsum hatte dem Buch und der Zeitung keine Leser abgejagt. die audiovisuellen stärker als die Printmedien. Untersuchungen aus der Schweiz (in diesem Fall der Schweizerischen Radio. die Lesezeit schrumpfte zunächst um 26 Prozent (von 50 auf 37 Minuten). Zei- tungen und Zeitschriften 406. Zwischen 1975 und 1988 scheinen sich in der deut- schen Schweiz die Printmedien unterm Strich also tat-  . die Deutschen 51. Radio 607.

stetig gestiegen. so daß die bloße Zahl der Titel wenig besagt. am stärk- sten Zeitschriften. lautet der Einwand : aber bekanntlich wurden in dieser Zeit die Auflagen immer niedriger. Die Zahl der produzierten Titel : von 1951 bis 1980 war sie. und erst seit 1991 wurden wieder die von 1980 erreicht. dann Bücher. die Entwicklung bis 1951 zurückzuverfolgen. Da in der ganzen Zeit der TV-Konsum aber etwa der gleiche blieb. fiele es auch hier schwer. In den Anfangsjahren konnte jedes Taschenbuch  . Manche dieser Zahlen belegen. Die aus dem westdeutschen Buchhandel erlau- ben es. am wenigsten Zeitun- gen. Tatsächlich sind die Auflagen bei Taschenbüchern stark zurückge- gangen. So ist es angezeigt. für diesen Rückgang das Fernsehen verantwortlich zu machen. von einem kleinen Einbruch Anfang der siebziger Jahre abgesehen. Star- ke Schlüsse erlauben sie alle nicht – und zwar in keiner Richtung. daß es sich tapfer geschlagen hat. Mag ja sein. Besonders steil war der Anstieg in den drei Jahren vor 1980. ganz andere Zahlen zu Hilfe zu rufen. bei denen sie sich nun einzupendeln scheinen. und mehr als das. von etwa 14 000 auf 67 000. Dann aber fielen die Zahlen zurück.sächlich auf dem Rückzug befunden zu haben. während der Anteil der Taschenbücher selber stark zunahm (von 1961 bis 1985 um nahezu das Drei- fache). daß das gedruckte Wort leichte Einbußen hinnehmen mußte – andere. Die Lektüre hat offenbar noch andere Konkurrenz. Es sei denn den einen : daß jedenfalls nicht dem Fernsehen die Schuld an etwaigen Einbußen der Druckmedien zugeschoben werden kann.

bis 1985 wurde sie auf 57 623 zurückgenommen – und erst 1993 wurde die Zahl von 1980 langsam wieder erreicht. und das ist stetig gestiegen. wenn das Jahresplus um die jeweilige Inflationsrate be- richtigt wird. Prompt kam die Reaktion : Die Titelprodukti- on wurde gedrosselt. während die Umsätze besonders stark anstiegen. Gleichzeitig dürfte die Auflagenkluft zwischen den we- nigen Bestsellern und den vielen gewöhnlichen Büchern immer weiter.noch auf mindestens 30 000 Leser zählen. im Fernsehen nicht das Konkurrenzmedium zu sehen. Zum Beispiel  . Einen einzigen Knick gab es in diesem Aufwärtstrend : Zwischen 1980 und 1985 stagnierte der Umsatz. Hinge- gen korreliert das Lesequantum sehr stark mit dem Bil- dungsniveau. als sich das Fernsehen ausbreitete : noch ein Grund. Heute kann sein Verlag zufrieden sein. Ein aussagekräftigerer Indikator als die schiere Titel- produktion ist darum die Umsatzentwicklung im Sor- timentsbuchhandel. Offenbar hatte der Buchmarkt mit den Wachstumsam- bitionen mancher Verlage nicht Schritt gehalten und die- se alsbald unsanft korrigiert . wenn es 8000 Käufer findet. Auch der Umsatz aber ist seit 1951 Jahr für Jahr immer nur gestiegen. in der nächsten Expansi- onsphase verfuhren sie dann vorsichtiger. Zwischen 1975 und 1980 war die jähr- liche Titelzahl von 43 649 auf 67 176 angeschwollen . Diese Umsatzzuwächse aber waren besonders hoch (um die 10 Prozent) gerade in den Jahren. und zwar selbst dann. Auch ohne Fernsehen hätten die Leute ihr Mehr an Freizeit wahr- scheinlich nicht aufs Bücherlesen verwendet. immer hirnrissiger geworden sein.

1975 waren es 1. diese aber nicht un- bedingt auch gelesen.) Aber daß das kurzlebigere Buch auch das ungelese- nere ist. Man könnte es. Das Buch hat ja das gleiche Schick- sal wie die Armbanduhr durchgemacht. (Und das Antiquariat bedankt sich. ist natürlich keineswegs gesagt. die Leute hätten zwar immer mehr Bücher gekauft (und in den Bibliotheken ausgeliehen).2 Prozent. die ein Leben lang im Bücherschrank einstaubten. der meist nicht lange hält : ex und hopp. wenn er es nicht auch lesen wollte ? Jedenfalls dürfte es kein leichtes  . Einst – in jener guten alten Zeit – war es ein dauerhafter Wert- gegenstand. Er könnte – zwar ins Blaue hinein. eine Kiste mit irgendwelchen alten Bü- chern wird man kaum noch los.studierten 1950 gerade 0. genau umgekehrt sehen : Die Ungelesenen waren jene wertvollen Klassikerbände. wenn jemand es schnöde für einen Ent- sorgungsbetrieb hält – es tätigt seine Ankäufe nur noch sehr wählerisch. der im Bücherschrank hinter Glas aufbe- wahrt und von Generation auf Generation vererbt wur- de.24 Prozent der westdeutschen Bevölkerung. Heute ist es ein Gebrauchsgegenstand. Warum sollte sich heute jemand ein Buch kaufen. 1990 2. Angesichts dieser Zahlen bleibt dem Buchpessimisten nur ein Argument. Ganz abwegig wäre solcher Ver- dacht nicht einmal. aber darum auch fast unwiderleglich – behaupten.6 Pro- zent – in vierzig Nachkriegsjahren eine Verzehnfachung des Studentenanteils. selbst wenn man kein Geld dafür will. obzwar ebenso spekulativ.

die ständig und erheblich gestiegenen Titel. man kann nicht sagen. Vom Mehr an Freizeit hat un- ter den Medien in Deutschland vielmehr vor allem der Hörfunk profitiert. wer da mehr oder weniger liest und was er mehr oder weniger liest ? Allerdings. besonders weniger Bücher.sein. so bleibt der buchpessimistischen These nicht viel Luft. Nirgends ist es so. und das wahrscheinlich vor allem darum. Durchschnittszahlen verbergen manchmal das We- sentliche. daß junge Leute – die vermeint- liche Fernsehjugend – weniger lesen. und die grauen Pauschalbefunde kommen zu etwas mehr Farbe. und vor- schnell tröstliche Schlüsse sind besonders fatal. Gibt die Medienforschung auch Auskunft dar- über. In allen Ländern nimmt die Leserate vielmehr mit zunehmendem Al- ter ab (mit einer einzigen. Und wenn die fürs Fernsehen reser- vierte Zeit grosso modo gleich geblieben ist. die zur Mediennutzung wie die aus dem Buchhandel. Aber wenn man die beiden deutschen Zahlenstränge zusam- men nimmt.bis 19-jährigen den Druckmedi-  . seltsamen Ausnahme : Groß- britannien). Nein. Vorschnelle Schlüsse zieht man besser nicht. Mit »dem Buch« scheint es einstweilen doch noch nicht zu Ende zu gehen. Zum Beispiel Deutschland im Jahre 1990 : da widmeten die 14. sie tut es. daß im- mer weniger gelesen würde.und Umsatzzahlen mit der These vom Rückgang des Buches und des Lesens überhaupt zu vereinbaren. weil soviel freie Zeit heute wohl oder übel im Auto verbracht wird. scheint das Fernsehen überhaupt nicht der Hauptkonkurrent um die freie Zeit zu sein.

Besonders deutlich zeigen es ein paar Zahlen wieder-  . dem Fernsehen 132. Besonders stark fällt diese altersbe- dingte Abnahme beim Buch ins Gewicht. die nun endlich die immer ersehn- te freie Zeit haben und sie nach alter Art der Lektüre widmen. ist leider völlig falsch. das oft oder so- gar täglich etwas liest. daß aus den Dritteln an den Enden Viertel werden.bis 29-jährigen lauteten : 61 und 113 (mehr Lesen. unter den 40.bis 49-jährigen waren es nur noch 30 Prozent und bei den über 70-jährigen gar nur 21.) Und durchweg gilt die Regel : Vielleser sehen weniger fern.bis 59-jährigen : 55 und 135 (weniger Lesen. 52 Prozent al- ler 14. mehr TV). Am meisten liest nach wie vor die Jugend.en an jedem Werktag 57 Minuten. daß die modernen Indu- striegesellschaften in puncto Lesen ungefähr gedrittelt sind : Einem Drittel der Bevölkerung. Überall zeigte sich auch. Das Bild von den lesen- den Seniorbürgern. Womit ein anderes liebes Vorurteil schlichtweg platzt : Bücherlesen ist entschie- den nicht eine Sache der Generationen. das so gut wie nie liest. Aber wieder verschweigt eine solche an und für sich richtige Pauschalaussage etwas ganz Entscheidendes : daß es sich da mitnichten um ein symmetrisches Verhältnis handelt. weniger Fernsehen also). Die entsprechenden Zahlen für die 20. Wenigleser mehr. (Das mittlere Drittel der Lauen dehnt sich hier und da auch so weit aus.bis 19-jährigen bekannten sich als regelmäßige Bücherleser (»mehrmals die Woche«). die noch ohne Fernsehen groß geworden sind. steht ein anderes Drittel gegen- über. Für die 50.

Sie unterscheiden drei Bildungsniveaus : tief. sondern eine. mittel und hoch. der wenig liest und fast nur fernsieht. In der Gruppe »Tief« lesen nur 11 Prozent jeden Tag. Anders gesagt (und andere Zahlen be- stätigen diesen Sachverhalt noch und noch) : Es gibt eine Bevölkerungsgruppe. die viel liest und dazu eine Menge fernsieht und überhaupt viele Medien nutzt. einen Menschenschlag. Es ist dies ein anderer Blick auf ein Phänomen. ohne die sich die Informationsflut nicht ver- stehen läßt. bei der es genau umgekehrt wäre. der Wissenskluft in den Bevölkerun- gen der westlichen Welt.um aus der deutschen Schweiz. Je höher Bildungsniveau und Sozialstatus sind. in der Gruppe »Hoch« dagegen 38 Prozent. desto mehr werden zusätzlich zu den anderen auch jene Medi- en genutzt. in der Gruppe »Hoch« aber … Eben nicht. Vielleser also sind durch- weg besser informiert als die vorwiegend unterhaltungs- orientierten Wenigleser und Nur-Fernseher. Die einschlägige Theorie besagt folgendes.und Informationsstand der Bevölkerung leider ganz und gar nicht gleichmäßig. das in der Medienforschung seit über zwanzig Jahren ver- merkt wurde und eine Menge meist bestätigendes Kopf- zerbrechen hervorgerufen hat : das des wachsenden »in- formation gap«. die Druckmedien. In der Gruppe »Tief« se- hen 67 Prozent täglich fern. Fernsehen selbst – die Information durch Bilder – führt nicht ge-  . Ihm steht aber nicht eine andere Gruppe gegenüber. Das immer größere Angebot immer allgemeiner zugänglicher Mas- senmedien erhöht den Wissens. In dieser Gruppe sind es immerhin auch noch 49 Prozent.

sogar eher immer mehr gelesen. bei Frauen ist es durchweg größer als bei Männern. unter den weniger Gebildeten aber deutlich zunahm. mit steigendem Bildungs- niveau und steigendem Einkommen nimmt es zu . Aber nur im Durch- schnitt. Es wird nicht »immer weniger gelesen«. In Zahlen (die aus der Allensbacher Werbeträger- Analyse 1994 stammen) : In den alten Bundesländern bekennen 30 Prozent der erwachsenen Bevölkerung ein großes Interesse an Büchern. im Durchschnitt. vierzehn bis neunundvierzig Jahre alt.nerell dazu. es werden auch nicht »immer weniger Bücher gelesen«. Der typische Buchleser also ist eine Leserin. wo die Fernsehinformation durch Lektüre und damit durch eigene neugierige Gedanken- arbeit vertieft wird. Die Ausgangsfrage läßt sich also zumindest mit einem resümierenden Verdacht beantworten. Mit steigendem Alter nimmt hier wie dort das Interesse ab. daß die Leute besser Bescheid wissen. mit Abitur oder Hochschul-  . 29 Prozent das Gegenteil : keines. Ein erheblicher Teil der Bevölkerung partizi- piert nicht oder nur wenig an dieser allgemeinen Lite- rarisierung. Es wird. 33 Prozent aber ein großes. In den neuen Bundesländern steht das Buch et- was besser da : Nur 22 Prozent haben kein Interesse. daß das Bücherlesen in den unteren Bildungsschichten seit 1972 weniger zunahm als unter Akademikern und Ab- iturienten – und daß andererseits der Fernsehkonsum nur bei den Hochgebildeten etwa gleich blieb. Aus Österreich ist zu erfahren. Es führt nur dort dazu.

gleichsam als Puffer zwischen ihnen steht eine größere Gruppe der Gelegenheitsbuchleser. zusammenhanglosen Häppchen darbietet wie ihr Vorzugsmedium. Der typische Buchnichtleser ist ein Mann über fünfzig. um so weniger Arbeit wird es für sie geben. sondern Zusammen- hänge zu verstehen versucht – und die die qualifizier- ten Jobs besetzen wird. Die gleichen und großen Informationschan- cen der Mediendemokratie führen also wahrscheinlich nicht zur gleichen Informiertheit. die die Welt in ebenso bunten. Die eine Klasse sieht fern und hört Ra- dio und liest Zeitungen und Zeitschriften und Bücher und navigiert in den Datennetzen und nutzt die neu- en computergebundenen Informationsangebote. »dem Lesen«. Beide Gruppen sind etwa gleich stark . Seit den achtziger Jahren sehen viele »dem Buch«. die sich nicht mit dem momentanen Reiz der effektvollen Bilder begnügt. und je stärker der all- gemeine Bedarf an unqualifizierter Arbeit (»in der Pro- duktion«) abnimmt. Qualifi- zierte Arbeit ist ihr verschlossen. Die andere Klasse sitzt vorm Fernseher und greift daneben höchstens zu jener Pres- se.abschluß und einem Haushaltseinkommen von über 5000 Mark (3500 in den neuen Bundesländern). Sie besagen nämlich folgendes : Die kom- mende Informationsgesellschaft wird eine Zweiklassen- gesellschaft sein. Sie befördern viel- mehr die Ungleichheit. mit Volksschulabschluß und einem Haushaltseinkommen unter 4000 Mark. Es ist jene Klasse. der auf der Schriftlichkeit beruhenden  . Eigentlich sollten solche Befunde die Alarmsirenen heulen lassen.

Textverarbeitungssysteme machen jeder- mann zu einem Ghostwriter. Ende von Literatur.« Sein amerikanischer Kollege Barry Sanders gibt das gleiche zu verstehen : »Gott ist tot. die … Welt des Gutenberg-Zeitalters. wohl aber eine Welt. In der weiten. in deren Ausmalung sich Grauen und Faszination ununterscheidbar mischen. liest man etwa bei dem Literaturwissenschaftler Fried- rich Kittler. nicht dazu bestimmt. Der Autor hat das Zeitliche gesegnet. werde heute »in eine Allmacht von Schalt- kreisen« überführt : »Computer schreiben selber. der Germanist Wolfgang Frühwald.abendländischen Kultur einen neuen Feind heranwach- sen : den Computer. irgendeine Zukunft vorherzusagen. einem ›Geisterschreiber‹. Junge Leu- te streifen durch die Straßen wie in Trauer. Die geschriebene Seite wird de- konstruiert.« Es sind alles dies weniger Prognosen als lyrisch-apo- kalyptische Szenarien. Sie sind ganz in Schwarz gekleidet …« Und selbst der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Es ist fast schon zum Gemeinplatz geworden. und damit hat die Technik wie ein Vampir aus Ver- drahtung und Schaltelementen dem Leben das inner- ste Wesen ausgesaugt. sieht eine »elektronische Sintflut« hereinbrechen : »Nicht die Welt geht unter. pauschalen Form – der Computer werde demnächst der  . Sehen Sie sich um. sondern dem Leser (der insofern noch vorausgesetzt wird) ange- nehme Schauer über den Rücken zu jagen. einfach mit dem Kontrollbefehl write … Sät- ze [wurden] ebenso grenzenlos manipulierbar wie Zah- len. Das »uralte Speichermonopol von Schrift«. ohne Sekretärin. die ja aus Sätzen gemacht ist.

Bilder betrachten.Schrift kultur ein Ende machen – sind sie mit Sicherheit falsch. um sich an ihren mög- licherweisen richtigen Kern heranzutasten. mit deren Unterstützung man vieles kann : rechnen. Buch führen. für die leider eine deutsche Entspre- chung fehlt). Einige dieser »multimedialen« Verrichtungen beruhen auf Schrift. er setzt schrift lich versierte Be- nutzer voraus und übt sie weiter im Medium der Schrift. Der Kauf eines Wintermantels war indessen auch vor der Ära des Computers kein besonders alphabetisches Un- terfangen (›Alphabetismus‹ im Sinne von ›literacy‹ : ›Be- lesenheit‹. flippern. Faxe ver- senden. fernsehen. Mu- sik hören. schreiben. Zeitung lesen. selbst als Eieruhr läßt er sich verwenden. rein visuellen Applikationen gibt es manche. andere nicht. sondern mit Bildschirm und Tastatur. Man muß differenzieren. Schach und Scrabble spielen. Unter den schriftlosen. Geld überweisen. Die typische Com- putertätigkeit jedoch ist das alles keineswegs. Flüge buchen. Insofern ist der Computer nicht der Feind der Schrift- lichkeit. nur nicht mit Papier und Stift. ›literarische Bildung‹ – es ist eins jener eng- lischen Abstrakta. entalpha- betisiert die Welt also mitnichten. im Gegenteil. Auch im »Multimediazeitalter« wird sie vielmehr auf nichts an- derem als Lesen und Schreiben beruhen. Es ist wahr. einkaufen. »der Computer« entwickelt sich zu einer Art Universalmaschine. Die mit dem Computer verbrachte Zeit wird in der Re-  . Daß manches davon heute per Computer geschieht und künftig wahrscheinlich mehr. die neu und ohne Computer unmöglich sind : Fraktale lassen sich ohne Computer nicht erzeugen.

müssen wohl aus ande- ren Gründen Trauer angelegt haben. sondern daß eine unter- entwickelte Sprachlichkeit vom Gebrauch des Compu- ters ausschließt. sondern kommt ihr zum größeren Teil zugute. und folglich brauchten die Ju- gendlichen heute auch keine großen Lernanstrengun- gen mehr zu unternehmen. die da durch die Prozessoren und Leitungen schie- ßen. der zumindest eine brauchbare Hypothese abgibt. die zur Vernachlässigung der Sprachlichkeit an- gehalten werden. Die »Da- ten«. Wer annimmt. und die schwarzgekleideten Jugendlichen. vor den kommenden Anforderungen von vorn- herein zu kapitulieren. In einem engeren Sinn enthält das Szenario vom Ende des Gutenberg-Zeitalters jedoch einen Verdacht. gar das stilistisch schöne Schreiben wird da-  . Für die Kinder von heute. indem sie einige einlädt. »Das richtige. wird diese später in der Tat keine gro- ße Rolle mehr spielen – und genau darum werden sie die Verlierer von morgen sein.gel nicht der Schriftlichkeit entzogen. sind zum allergrößten Teil kodierte Sprache. wäre einer völlig falschen Prognose aufge- sessen. Die Prophezeiung wird die Zweiklassengesellschaft befördern. aber einer wirkungsvollen. die Sanders be- obachtet zu haben behauptet. sich in diesen Gefilden zu bewähren. insbe- sondere der Schrift entfremdet. und die weltweite Ver- netzung der Computer ändert daran nichts. im Multimediazeitalter werde Lektüre und überhaupt Sprache keine besonde- re Rolle mehr spielen. Das soziale Pro- blem ist nämlich genau das umgekehrte : nicht daß der Computer die Menschen ihrer Sprachlichkeit.

wenn sie vom »Buch« sprechen hö- ren. Wenn Teens und Twens (besonders weibliche) zu den stärksten Bücherlesern gehören. Manche denken. in der die »schöne Sprache« verkümmert und auch als Ziel überhaupt nicht mehr begriffen wird. die rasche Extraktion der gesuchten Information – wie etwas gesagt ist. weil es nicht auf Stil und Lektüre. Essayistik. Auf das Was kommt es an. Am Bildschirm informiert man sich. vor allem an die Literatur : an Romane. Zwar lesen sie auch noch in ihrer Freizeit mehr als Ältere. Gedichte.bei [in den »Beziehungsgeflechten der Datennetze«] un- willkürlich eine Kunst von gestern. daß seine Zeit durchaus noch nicht abge- laufen ist und vorläufig auch nicht abzulaufen scheint.und Lehr- und Fachbücher aller Art. aber es könnte eine andere Art von Schrift lichkeit sein. Aber das Gros ihrer Lek- türe gilt der Schule und dem Beruf.  . Bisher hieß es immer : »das Buch«. so nämlich nicht nur. Und so mag der Computer langfristig zwar die Schrift- lichkeit der Gesellschaft unterstreichen und befördern. »Dem Buch« wur- de attestiert. wird dabei unwich- tig. Unverkennbar in der Tat : am Bildschirm wird fast nie in einem traditionel- len Sinn gelesen. sondern auf rasche Information an- kommt« (Wolfgang Frühwald). Die Bücher. mit denen sie am meisten zu tun haben. weil sie noch jung und neugierig sind. Für sie sieht das Bild weni- ger rosig aus. die ästhetische Dimension von Sprache geht verloren. Erzählun- gen. Mit dem Berufsein- tritt findet diese Lesewut ein ziemlich jähes Ende. Auf die Sprachgestalt achtet man dabei kaum. sind Schul.

9 auf 24. Von der Literarisierung einer größeren Bevölkerungsschicht kann man möglicherweise spre- chen – von einer Belletrisierung nicht. bei den absoluten Titelzahlen verzeichnet sogar die Belletristik einen deutlichen Anstieg – von 2810 Titeln (1951) bis 10 051 (1975) und weiter bis 13 015 (1994) ging es fast immer nur bergauf. Der Anteil der Belletristik (aus statistischen Gründen enthält er auch die Sprach- und Literaturwissenschaft) ist bis in die frühen siebziger Jahre kräftig mitgestiegen. aber stetig ge- sunken. der Umsatz). auf 18. Seitdem aber bleiben weitere Zuwächse aus. was Nazizeit. die »das Buch« seit Anfang der fünfziger Jahre zu verzeichnen hat (die Titelzahl. Eigentlich war sie es schon im  . Leicht rückläufig aber ist der Anteil der Belletristik an den Büchern ins- gesamt. und sonderbarerweise wurde es in seiner Tragweite noch gar nicht recht zur Kennt- nis genommen.und Fachbücher gehen. Seitdem ist er leicht. vor allem aufs Konto der Schul. vermutlich nicht zufällig die Zeit. Er stieg langfristig nur in der Spanne von 1951 bis 1964 (und zwar von 19.4 Prozent im Jahre 1994. daß die stetigen Zuwächse. und der Com- puter gibt dieser Entwicklung weiteren Auftrieb. in der eine neue deutsche Literatur auf den Plan trat und auch aus dem Ausland noch vieles zu importieren war. Etwas aber ist seit jenen frühen Nachkriegsjahren dra- matisch anders geworden. Immerhin. Die gute alte Lesezeit ist wirklich un- wiederbringlich dahin. Das aber heißt. Kein Drama – aber doch ein Zeichen der Zeit. Krieg und Nachkrieg ferngehalten hatten.8 Prozent) : die bel- letristische Ära der Bundesrepublik.

ausgehenden neunzehnten Jahrhundert. aus dem Lite- ratur heute fordernd auf ihn einstürmt. was es zu lesen gab – aber jeder konnte immer- hin noch wissen. daß andere dassel- be gelesen haben. wird nicht nur relativ zur Menge des Les- baren immer weniger – es wird auch immer zufälliger. Der Raum. Wer seine Lektüre erwähnt. tendenziell. bewältigen. Es ist vor allem ein Orientierungsproblem. einen gemeinsamen Fundus. wenn auch mit wachsender Mühe. Potentiell ist heute fast alles verfügbar. Die gebildete Öffentlichkeit hatte. alles könnte gelesen werden. Heute dagegen muß auch der besessenste Leser von vornherein kapitulieren. kann immer weniger darauf zählen. Es gab so etwas wie einen ständig sich ergänzenden Kanon. Immer irrationalere Macht kommt allem zu. hat sich über jede Rezeptionskapazität hinaus erweitert. Die Überschneidungen mit den Bibliotheken der ande- ren werden immer geringer. aber bis in die fünfziger Jahre konnte sich noch eine Art Schein ihrer selbst erhalten. Jeder hat seine eigene Bibliothek im Kopf. und immer win- ziger wird der Ausschnitt dessen. was andere Zeiten und ande- re Kulturen je an Literatur hervorgebracht haben. Nicht daß jeder Gebildete alles gelesen hatte. die ihm nur noch ein resigniertes Ach- selzucken abgewinnen kann. und der ließ sich. was seine Entscheidungen zu lenken sucht : hier die Werbekampa-  . was er eigentlich hätte gelesen haben sollen. Was der einzelne liest. was einer dann tat- sächlich liest. Nicht nur angesichts der nack- ten Titelzahl. Al- les will.

daß selbst ein Shakespeare daherkom- men könnte. aber sicher sein konnte. ginge er auf alle Zeiten unbekannt und ungelesen davon. Schon heute.gne eines Verlags. über kurz oder lang in sein Recht eingesetzt zu werden. . dort ein nachrichtenwirksamer Au- torenlebenslauf oder auch nur ein paar lobende Worte in einer Talkshow. Es war in dieser Hinsicht wirklich noch eine gute Zeit : als ein epochales Werk der Literatur vielleicht für eine Weile verkannt wurde. und wenn das Literarische Quartett ihn zu- fällig übersähe oder gerade schlechte Laune hätte. aber morgen erst recht muß man es jedoch für möglich halten.

beengten und verschlis- senen Quartieren in der Stadtmitte um.  . rief die Berliner Humboldt-Universität im Herbst 1995 Exper- ten aus dem ganzen Land zu Vorträgen und Diskussion zusammen. Wenn Sparmaßnahmen es nicht im letzten Augenblick noch verhindern. muß die Univer- sität also unter anderem in allen Einzelheiten planen. diese hier muß noch etwas Zusätzliches leisten : die dann räumlich auseinandergerissene Uni- versität verklammern und dazu die Teiluniversität mit den in Adlershof ebenfalls angesiedelten nichtuniversi- tären Forschungsinstituten und Firmen. in einen vom Grundstein auf neu zu bauenden Campus draußen auf dem brachen Gelände eines ehemaligen Flughafens im Stadtteil Adlershof. Und wie auch immer sie dann aussieht. In einer Zeit rasanter Veränderun- gen. eine wissenschaft liche Bi- bliothek (oder was immer aus dieser bis dahin gewor- den sein wird) auszusehen hat. wie in den Jahren 2003 ff. – Für die Humboldt-Universität ist es eine dringende Frage. deren Ziel alles andere als klar ist. ziehen zwischen 1997 und 2003 ihre naturwissenschaft lichen Fachbe- reiche aus ihren verstreuten.Papier und Elektrizität Über die Bibliothek der Zukunft Wie sieht die Bibliothek der Zukunft aus ? Gibt es in die- ser Zukunft überhaupt noch Bibliotheken ? Um ihre ei- genen Vorstellungen in diesem Punkt zu klären.

Das aber wäre das einzi- ge. weder die der Vergan- genheit noch die der Zukunft. daß es im nächsten Jahrtau- send überhaupt keine funktionsfähigen wissenschaft- lichen Bibliotheken mehr gibt. auch wenn sie dann anders aussieht als die heutige und also auch anders heißen sollte. Die Bücher sollten in offenen. Da das sich ständig vermehrende Papierquan- tum ein ständig größeres Lagerungsproblem darstellt. jedem Benutzer jederzeit zugänglichen Regalen stehen. Im vorliegenden Kapitel sollen die in manchem über- einstimmenden.und Kommunikationszentrum« beispielsweise. In dieser künftigen Ex-Bibliothek werden auch noch Bücher und Zeitschriften aufbewahrt und gelesen. was die Bibliothek der Zukunft verhindern könnte. in anderem inkongruenten Äußerun- gen jenes Expertengesprächs übereinander projiziert werden. worüber sich die Fachleute einig zu sein schei- nen. Gesucht wird noch ein passendes Akro- nym. da ein »KZ« oder »ZK« im Namen keine Empfeh- lung wäre. und so ein Bild der Bibliothek der Zukunft zu er- haschen. die konventionellen Bibliotheken so weit herunterzusparen. bei- des aber möglichst nicht getrennt. Denn es wird sich keinesfalls nur um Alt-  . wird wenig benutzte Literatur gleichwohl in schwerer zugänglichen Kompaktmagazinen untergebracht wer- den müssen. Wird es sie jemals geben ? Vielleicht schafft es die Po- litik in diesen Jahren. »Informations. Es muß darum Büchermagazine und Leseplätze geben. Sonst wird es sie geben. um auf diese Weise ins Blickfeld zu bekom- men.

Selbst die üppigst bemessene Bibliothek wäre dieser Masse nicht gewachsen. Allerdings wird nicht die absolute Menge. denn es handelt sich um ein exponentielles Wachstum. Auch der papierene Teil der künfti- gen Ex-Bibliothek wird weiter wachsen. Darum muß sie engstens mit einem Rechenzentrum verkoppelt werden – dessen Hauptauf- gabe heute. sondern seit Sumer im Gange ist : daß Text sich in einem anderen. unmateriellen Aggregatzustand aufbewahren. daß im Bereich der Schrift- lichkeit zur Zeit die dramatischste Umwälzung nicht seit Gutenberg. schiere Rechen-  . in einer Zeit verteilter Computerleistung. Nämlich : seit hundert Jahren verdoppelt sich der schrift liche Output in den Natur- wissenschaften alle zehn Jahre.bestände handeln. als man meint. weitergeben und erschließen läßt. Die Wissenschaft würde an ihrer eigenen Produktivität ersticken. Irgendwann ließe es sich nicht mehr bezahlen und aufstellen. wenn alles auf gebunde- nem oder geleimtem Papier stünde. eine Überlebenschance. Zudem ließe sich in diesem sich hochtürmenden Informations- massiv nichts mehr auffinden. Es ist das Gegenteil. Es trifft sich also günstig. Dies indessen ist keine Bedrohung für das Gemein- schaftsunternehmen Wissenschaft. und dieses Irgendwann käme schneller. aber die Zuwachsrate An- fang des nächsten Jahrtausends möglicherweise etwas zu sinken beginnen. Die Bibliothek der Zukunft wird zu einem großen und sich rasch ausweitenden Teil eine elektronische sein. allgemein etwa alle fünf- zehn Jahre. im übrigen nicht mehr darin besteht. dem elektronisch-digitalen.

kapazitäten zur Verfügung zu stellen. Die digitale Revolution der Schrift lichkeit bringt es mit sich. einer mühsamen. Die technischen Konkretisierungen der elektroni- schen Literatur sind einem rapiden Wandel unterwor- fen. Ein mindestens ebenso großes Problem. daß der rechtliche Rahmen für die Verbreitung und Nutzung von elektronischem Material bestimmt werden muß. und irgend jemand muß sie tragen. sonst werden sie nicht oder jedenfalls nicht dauerhaft erbracht. Einerseits drängt alles auf leichten. und zwar ein weltweites. zu- sätzliche Räumlichkeiten und zusätzliche Sachmittel auf die Beine stellen. allgemeinen Zugang – alles. Sie sollen nicht das gleiche wie bisher auf teilweise andere Art machen. erschiene als geradezu wissenschaftsfeindlich. So wird die Bibliothek der Zukunft eine multimediale sein – und  . auf die gleiche Weise konserviert und trans- portiert werden können wie reiner Text. sondern Netze zu managen. sondern mehr. Auch von den Bibliotheken kann niemand verlangen. daß sie ihre digitalen Angebote ohne zusätzliches Personal. Sie verhindern Fle- xibilität. Darum lautet das oberste Gebot : Flexibi- lität. was ihn bremste. bis in die Raumaufteilung hinein ! Die heutigen Planungs. freien. Die Bibliothek der Zukunft muß sich ihm anpas- sen können. bloß des Vorhan- denen und bisher schon Bewährten.und Bewilligungsverfahren tendieren zu ei- ner Fortschreibung. das stehende wie das bewegte. besteht darin. daß auch Ton und Bild. Andererseits verursachen auch elektronische Leistungen Kosten.

Sie leitet sich nicht aus irgendwelchen  . fluktuierenden. Die Bibliothek der Zukunft wird aber auch die unruhige plastische Phase davor in bestimm- ten Zeitschnitten »spiegeln« und archivieren müssen. Wie und wann und wo letztere zu geschehen hätte. sondern in »Bestandseinheiten« oder »Medieneinheiten«. auf Papier. So daß insgesamt drei Aufgaben auf sie warten. die die Verantwortung für ihre Urtei- le übernehmen. De facto ist sie es bereits längere Zeit nicht mehr . unter anderem. kein bloßes »Bücherbehältnis«. Es zeichnet sich ab. Es hat sich rasch geklärt. deren Existenzform nur elektronisch ist. die großen Bibliotheken zählen ihren Besitz schon seit Jahrzehnten nicht mehr in Büchern. die Ver- mittlung in die elektronische Datenwelt. Erst was sich in dieser brodelnden Phase bewiesen und gesetzt hat. gelesen wird auf Papier. In den fünfzehn Jahren der Textver- arbeitung am Computer hat sich die Faustregel heraus- gebildet : Am Bildschirm wird nachgeschlagen. drei Jahre währenden vorläufigen. ist noch ganz und gar unklar. zwei davon neu : die Archivierung des Gedruckten. daß die wissenschaft liche Pu- blikation künftig in zwei Phasen existieren wird : einer zwei. wird dann in eine dauerhaftere. Klar ist nur : sie wird sein müssen. Referiert heißt : begutachtet und gutgeheißen von Fachleuten. Zunächst war völlig offen. ob und in welchem Maß der Bildschirm als Lesegerät akzeptiert werde.auch darum keine Bibliothek im Wortsinn. aber nicht nur. »on-line« – und die ausschnittsweise Spiegelung und Konservierung der gärenden elektronischen Information. »referierte« und zitier- fähige Phase überführt.

ungeheure Textmengen – ganze Bibliotheken – schnell und zuverlässig nach bestimmten Details zu durchsu- chen. faltbar. Die Hauptvorteile elektronischer Veröffentlichungen dagegen sind : die Geschwindigkeit (nicht so sehr die Verbindungsgeschwindigkeiten onli- ne als die Publikationsbeschleunigung durch die Um- gehung von Druck und Versand) und die Möglichkeit. desto weniger mag man es am Bildschirm lesen . bei kompakter der Hälfte. kommen den Le- sern in der Papierform mehr entgegen als in der elek- tronischen. Darum werden Nachschlagewerke aller Art zu- nehmend auch oder nur noch in elektronischer Form angeboten werden. heftbar. weich.Prinzipien ab. wenn er so dünn. die genau studiert. beschreibbar wäre wie ein Fo-  . die bei stark aufgelok- kerter Typographie etwa zwanzig Bildschirmfüllungen entsprechen. Der Computerbildschirm würde als universales Schriftmedium wohl erst akzeptiert. ob man den betreffenden Text im Netz je wiederfindet. Je länger etwas ist. Die äußerste Grenze liegt bei etwa zweitau- send Wörtern. sondern resümiert einfach. jenseits des Limits liest man es dort höchstens unter Zwang – etwa wenn der Drucker gerade defekt oder man nicht sicher ist. was den mei- sten erfahrungsgemäß am liebsten ist : Längere Texte. eventuell sogar annotiert und mar- kiert werden sollen und in denen bei der Lektüre hin und zurück geblättert werden muß. Monographien und wohl sogar die gründlicheren Zeitschriften (im Unterschied zu Infor- mationsblättern) aber nach wie vor als Druckwerke. An dieser Zweiteilung dürfte sich so bald auch nichts än- dern. sechs Druckseiten.

wird es ihnen verstärkt auf die sozusagen sensu- ellen Qualitäten des gedruckten Textes ankommen . sich in die Tasche stecken oder mit in die Bade- wanne nehmen ließe – kurz. auch der Bi- bliotheken. Sie braucht Drucker und Scanner. um elektronische Dokumente in papierene zu verwandeln und umgekehrt. andererseits Bildschir- marbeitsplätze. Über die Telefondose und den Rechner auf seinem Arbeitstisch (der unter Umständen zu Hause oder in jedem Hotelzimmer stehen kann) kann sich – potentiell – jeder Wissenschaft ler jederzeit mit jedem anderen Wissenschaftler der Welt und jeder Datenbank in Verbindung setzen. Gerade weil die Leser für das gründliche Studium von längeren Texten samt ihren multimedialen Zutaten auf unabsehbare Zeit das Papier dem Bildschirm vorziehen werden. wenn er zu einer Art elek- tronischen Papiers würde. Sie braucht also mehr als ei- nerseits Magazine und Lesepulte.lium. Ebenso könnte er seine eigenen Kommunikationen an die Allgemeinheit auf seinen ei- genen Server legen. die endlosen Papierschlangen hämmernder Matrixdrucker wären keine Alternative zum Bildschirm. Die künftige Ex-Bibliothek wird darum eine Schnitt- stelle zwischen den Aggregatzuständen der verschiede- nen Medien sein müssen. Einerseits wohnt der heutigen Entwicklung ein star- ker Sog zur Auflösung aller Zentren inne. Und ihre Druckmöglichkeiten müssen hohen Qualitätsansprüchen genügen. sich das gesuchte Informationsklümp-  . und schon wären sie weltweit ver- fügbar. Eigentlich bestünde für niemanden mehr eine Notwendigkeit.

wo wenigstens ein Grundbestand an häufig benutzter Literatur in Buchform vorhanden ist. leider un- vollständig. in Augenschein genommen hatte. Eben die Virtualität der großen virtuellen Bibliothek wird den Zukunftstraum nachhal- tig stören : Computer und ihre Peripheriegeräte werden von Krankheiten befallen. den sich  . sie jedesmal aus den Netzen von sonstwo herbeizuschaffen und eigens in die Papierform zu überführen. Zweitens : Die Konvertierung der verschiedenen Aggregatzustände ineinander setzt einen jeweils aktuellen Maschinenpark voraus. Darum werden Orte gebraucht. Netzadressen ändern sich. es werden Orte nötig sein. Zu einem Teil ist das Virtuelle also immer auch das Unerreichba- re und wird es bleiben. Erstens : Das Digitale ist seiner Natur nach veränderlich und flüchtig . einzelne Doku- mente werden auf andere Server verlegt und sind nicht mehr ohne weiteres auffindbar. Es wäre nämlich viel zu umständlich und einfach auch viel zu teuer. und man kann nie sicher sein. Andererseits jedoch sind der Aufsplitterung prakti- sche Grenzen gesetzt. und der Eingang ist überall. in den Leitungsnetzen kommt es schon jetzt zu un- zumutbaren Staus – das ganze Netz ist in unablässiger Bewegung.chen aus einem bestimmten Gebäude namens ÜB oder IKZ abzuholen. Die ganze Welt wird zu einer riesigen virtuellen Bibliothek. am Abend wiederzufinden. Server müssen gewartet wer- den oder geben ihren Geist ganz auf. Dem Sog zur Dezentralisierung wirken noch drei wei- tere Umstände entgegen. was man noch am Morgen. wo es archiviert und systematisch erschlos- sen und konserviert wird.

. Der Beruf des Bibliothekars wird sich zum Bibliothe- kar-Informatiker-Dokumentaristen hin verändern und dann auf neue Weise differenzieren müssen. daß er sich selber aus dem Prozeß der Wissenschaft aus- schließt. Die Benut- zer werden ebenfalls anders sein müssen. Es wird also auch in Zukunft so etwas wie wissen- schaft liche Bibliotheken geben. Studenten schon gar nicht. In diesen Gebäuden werden auch in Zukunft Bücher und Zeit- schriften gesammelt und gelesen.nicht jeder Einzelne in voller Vielfalt anschaffen kann. wenn er sich nicht auf sie einstellt. die Bibliothek der Zu- kunft in Anspruch zu nehmen – nur die Tatsache. Zusätzlich aber sind diese Zentren Schnittstellen zu der universalen virtu- ellen Bibliothek und damit im Innern etwas ganz an- deres als die traditionelle Universitätsbibliothek. das unmöglich jeder Einzelne für sich erwerben kann und das irgendwo ge- bündelt werden muß. macht sie sich über- flüssig. Und nichts wird ihn zwingen. und sie werden die Ge- stalt von Gebäuden auf den Campus haben. und manch einer auch unter den Wissenschaft lern wird es mit Sor- ge sehen und der traditionellen Bibliothek nachtrauern. Wenn diese die Umstellung nicht schafft. Dann fließen die Informationsströme eines bal- digen Tages an ihr vorbei. Drittens : Das Navigieren im immer unüberschaubareren Informationsozean schließ- lich verlangt ein Expertenwissen.

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welch ein überaus komplexes und emp- findliches Gespinst eine natürliche Sprache darstellt. Die linguistischen Fähigkeiten selbst der so überaus funktionsreichen Textverarbeitungen sind eher ärm- lich. schwerer wiegt. zwar mancher- lei linguistische Hilfe verheißt. rücken Programmierer ihr mit ein paar Hauruck-Al- gorithmen zuleibe – und da sie auch selber der Spra- che eigentümlich hilflos gegenüberstehen. werden es notwendigerweise auch noch sehr lan- ge bleiben. daß aber meist verraten und verkauft ist. Das hält manche Softwarehäuser nicht von bombastischen Versprechungen ab. daß der Computer selber. Sie scheinen die Sprache nämlich chronisch zu unterschätzen und zu verkennen.Grammatik Über Fehler und wie man sie garantiert nicht vermeidet Das Computerwesen mag sich durch manches aus- zeichnen – ein geschärfter Sinn für Sprache und lingui- stische Probleme ist nicht darunter. der schließlich für immer mehr Menschen zum Hauptwerkzeug fürs Schreiben und Redigieren und Veröffentlichen wird. Leider schlägt sich diese sprachliche Fehlsichtigkeit nicht nur im krampfi- gen Deutsch vieler seiner eigenen Verlautbarungen nie- der. Ahnungslos. Handbüchern zum Beispiel . Glauben sie selber daran ? Es ist zu befürchten. sind sie au-  . wer sich naiverweise auf sie verläßt.

Es ist keine unmögli- che. welches die Trennregeln exekutiert. an dem sie das Trennen ganz dem Computer überlassen können. Ein Beispiel sind die Trennprogramme. Wenn aber selbst professionelle Redakti- onssysteme in dieser Hinsicht weit hinter den besseren Textverarbeitungen für den Privatgebrauch zurückblei- ben. sich über die Ergebnisse ihrer Mühen ge- bührend zu wundern. Er trägt nur nicht sehr weit. aber eine mühsame Kleinarbeit. Der Tag. Auch wenn die Softwarehäuser die häufigsten Ausnahmen aufgenom- men haben : seine Benutzer müßten die Ausnahmeli- sten für ihre eigenen Zwecke ständig selber ergänzen. Von ihnen müßten möglichst viele einzeln erfaßt und in Ausnahmelisten aufgenommen werden. Die paar Regeln. Wörter rich- tig trennen : das ist eine der wenigen linguistischen Auf- gaben.ßerstande. in denen er nicht oder falsch griffe. Trennprogramme brauch- ten also eigentlich unausgesetzte »Pflege«. ist fern. Trennprogramme sind darum nie fertig. denn groß ist die Zahl der Fälle. ein Pro- gramm zu schreiben. Damit eine Software die Wörter richtig trennt. wären schnell in einen Algo- rithmus verwandelt. genügt es nämlich nicht. denen der Computer durchaus einigermaßen ge- wachsen wäre. läßt das nur einen Schluß zu : Die betreffenden Firmen nehmen das Problem nicht ernst. die das Programm dann bei jeder Trennung zuerst abfragt. die die Auswer- tung großer. verschiedenartiger Textmengen voraussetzt. die die Worttrennung in einer Spra- che wie Deutsch regieren. und da nie-  . ehe der Algorithmus sein Werk tut. sie nehmen es vielleicht gar nicht wahr.

entweder im geprüften Text oder in der Liste (auch das kommt vor – in einer habe ich einmal das Horroskop entdeckt). Da keine der existierenden Listen auch nur annähernd umfangreich genug ist. was er da vor sich hat : eine Wörterliste. daß deutsche Wör- ter im Durchschnitt wesentlich länger sind als englische. wie sie gebildet wurden. die um ein Vielfaches umfangreicher wären als die fürs Englische : die vielen Flexionsformen und die vielen. das er selber geschrieben hat. Einen begrenzten Nutzef- fekt können sie haben. verglichen wird. daß bisweilen selbst die häufigsten Ausnahmen (Par-odie) nicht verzeichnet oder sogar die Algorithmen zu dürf- tig sind (Gartenza-un). gibt jeder Spellchecker dauernd falschen Alarm – einige öfter als richtigen. mit der jedes Wort. Das kann dann immer zweierlei be- deuten : Das Wort wurde tatsächlich falsch geschrieben. Der Spellchecker meldet nie etwas anderes als »steht nicht in meiner Liste«. Schon bei den Rechtschreibkontrollen beginnt dann aber die reine Hochstapelei. Zeitschriften und Büchern immer noch das of- fensichtlichste Anzeichen dafür. um die zweite Möglichkeit hinreichend unwahrscheinlich zu machen.  . solange dem Anwender klar ist. Die Arten von Trennfehlern zeigen an. zum Teil ad hoc gebildeten Wortzusam- mensetzungen. die kein Wörterbuchautor je vorherse- hen kann und die oft so schnell wieder zerfallen. sind Trennfehler in Zei- tungen. Dazu kommt. daß hier der Computer gewaltet hat. fehlt aber in der Liste. Zwei Eigenheiten des Deutschen er- forderten Listen.mand die auf sich nehmen will. oder es wurde ganz richtig geschrieben.

so läßt es prompt Fälle wie Stan- dart unbeanstandet : das ja eine Zusammensetzung aus Stand und Art sein könnte. daß ein Wort aus dem schmalen Fundus einer solchen Liste das eigentlich gemeinte. Die Wahrscheinlichkeit nämlich. Gro- ße Wörterlisten wiederum brauchen viel Speicherplatz. daß deutsche Spellchecker sehr viel längere Wörterlisten benötigen als englische. das vom Spellchecker geprüft wer- den soll. sinkt die Ar- beitsgeschwindigkeit.Alles zusammen macht. Wenn aber für jedes Wort. aber auch mäßig nützlichen Rechtschreibprüf- programme »Korrekturvorschläge« machen. Textverarbeitungen wie Microsofts ›Word‹ lassen ihre mäßigen. die mit dem unerkannten ein paar Buchstaben gemein haben. Nur Flexionsformen sind so regelmäßig. selber Wörter nach bestimmten Re- geln zu bilden. Es ist linguistischer Unfug schon vom Ansatz her. die ihnen unbekannt (näm- lich in ihren Listen nicht verzeichnet) ist. Darum sind deutsche Spellchecker in der Regel einfach schlechter als englische : langsamer und sehr viel öfter im Unrecht. daß  . Das Problem läßt sich leider auch nicht umgehen. Wo sie auf eine Zeichenfolge stoßen. kann nur zum Teil oder gar nicht in den Arbeitsspeicher geladen werden. Was viel Speicherplatz braucht. so daß sie nicht einzeln aufgelistet wer- den müßten. Be- handelt es aber alle ihm anvertrauten Lexeme als kom- ponierbare Elemente. offerieren sie dem arglosen User eine Auswahl alternativer Wörter. nur versehentlich falsch geschriebene ist. indem dem Computer an- heimgegeben wird. daß ein gutes Programm ihnen gewachsen wäre. ein Festplattenzugriff nötig ist.

wie wir ihn kennen. Wieder liest er Dann. traute seinen Augen nicht.also Prasser oder Pariser schreiben wollte. man stellte die ›AutoKor- rektur‹ ganz ab oder löschte alle ihre aufdringlichen Verbesserungsvorschläge einzeln. Obwohl er diesmal ganz sicher ist. das zu einer Art Standard der Textverarbeitung geworden ist. Wieso steht Dann da – hat er nicht DNA geschrieben ? Er wiederholt die Eingabe. korrigiert ›Word‹ sie augen- blicks und vollautomatisch. DNA geschrieben zu haben. und Hermann Kant macht sich mit Grund ein ganzes Buch lang über die absurden Alternativen lustig. steht Dann auf dem Bildschirm. (So wie er … aus Cursor Kurswert machen wollte.) Wann immer man sie auf die von den Programmierern vorhergese- hene Weise falsch schreibt. Er be- ginnt an einen Spuk zu glauben und schreibt es ganz langsam noch einmal : DNA. von diesem Spellchecker das Wort Spellchecker nicht durch- leuchten zu lassen . DNA läßt sich mit ›Word‹ überhaupt nicht schreiben. man braucht etwa nur (c) zu schreiben.)« Die Version 7 von ›Word‹. Wer ungewarnt mit ›Word‹ etwa DNA schreiben möchte. wer Parser getippt hat. ist von vornherein nahe null. die ihm sein ›Word‹ unverdrossen anträgt : »… man tut wohl gut daran. hat etwa vierhundert solcher vertippten Wörter in eine Funktion namens ›Au- toKorrektur‹ eingebaut. und schon steht das Symbol © an  . könnte er dessen Ersetzung durch Speichellecker empfehlen. dreist. dort heißt es ›Blitzkorrektur‹. es sei denn. (›WordPerfect hat etwas ganz Ähnliches . Nicht daß sie als sol- che unnütz wäre. Mit ihrer Hilfe lassen sich Sonderzei- chen praktisch per Kürzel abrufen .

Wer dazu gezwungen ist.Ort und Stelle. auf die diese ›AutoKor- rektur‹ eingerichtet ist. Daß ausgerechnet die in der Liste enthaltene Schreibung Nihcte diejenige ist welche. Der Gipfel linguistischer Großsprecherei ist indessen ein von der amerikanischen Firma Reference Soft wa- re entwickeltes Programm namens ›Grammatik‹. und 99. verringert die Wahrscheinlichkeit noch einmal um ei- nige Größenordnungen. die nur zuschanden werden kann. das ihm völlig unbekannte Wort Synonym zu tippen. soll den amerikanischen Benutzern wahrschein- lich Zuverlässigkeit und gelehrte Pedanterie suggerie-  . Aber die bloße Idee einer automatischen Tippfehlerkorrektur beim Schreiben verrät wieder ein- mal jene optimistische Naivität in linguistischen Dingen. wird es auch nicht ausgerechnet Sünonüm schreiben. hat keine besonders große Wahr- scheinlichkeit für sich . die doch ei- gentlich auch Mathematiker sein sollten. Und sollten solche Wörter dann doch einmal vorkommen. Daß ausgerechnet das Wort Nichte unter all den Wörtern vorkommt. sie falsch zu schreiben. das in seiner Windows-Version 6 und einer deutschen Be- arbeitung als Zugabe zu ›WordPerfect‹ unter die Leu- te gebracht wird.99 Prozent der wirklich falsch geschriebenen Wör- ter würde die Funktion nie bemerken – eine seltsame Fehlkalkulation bei Computerlinguisten. im stark frequentierten deut- schen Grundwortschatz muß es nicht stehen. werden also nie gebraucht . Daß ihm ein deutsches Wort als Titel dient. die einer jemals schreibt. so gäbe es Dutzende von Ar- ten. Die al- lermeisten Falschschreibungen. auch nicht das Wort Synonym.

Sätze wie Sie wurde dann und dann geboren … paßten ihr grundsätzlich nicht . Wie fehlerhaft aber ist eigentlich das geschriebene und in die Öffentlichkeit entlassene Deutsch ? Strotzt es von Fehlern ? Sind sie eher selten ? Und welche Arten von Fehlern kommen in der Praxis tatsächlich vor ? Noch ehe ein Programm wie ›Grammatik‹ in Angriff genommen wird. die es angesichts der flexionsarmen englischen Sprache leichter hatte. sie vermöge Rechtschreib-.ren. Daran sollte man sie unbedingt hindern. Viel- leicht ist ja ein Wunder geschehen. das da lautet. Schon die englische Fassung. die ein Computerprogramm ausfindig machen kann. Der Eindruck trügt. wenn in ihnen Grammatikfehler entdeckt wurden«. Die tatsächlich vorkom- menden Fehler sind ja nicht unbedingt die gleichen. nervte ihre wagemutigen Be- nutzer aber durch ständige schematische Warnungen vor zu langen Sätzen und allen Passivkonstruktionen. in dem trotz seiner ärmlichen Lei- stungen eine Menge Programmierarbeit steckt. Die deutsche nun … ›WordPerfect‹ verspricht. Aber stellen wir uns erst einmal dumm. bestimmte Arten von Fehlern zu erken-  . Interpunktions. Der Programmierer kann es mit relativ geringem Aufwand dazu bringen. sie kön- ne »ganze Sätze für Sie umschreiben. sollte eine Fehleranalyse stattfinden. sie wollte alles aktivisch (Ihre Mutter gebar sie …). Nehmen wir sie beim Wort. und zwar gewaltig.und Gramma- tikfehler sowie stilistische Mängel zu erkennen und ei- nem Vorschläge für ihre Verbesserung zu machen. bemerkte die meisten wirklichen Fehler nicht.

so selten. sondern in veröffentlichter Sprache. Es waren also nicht Fehler. die mir in Zeitungen. daß sich der Aufwand einer automatischen Auffindung wahrscheinlich von vornher- ein nicht lohnt. daß sie in der Praxis kaum gemacht werden. aber wirklich und unstrittig falsche sind eine Rarität. und schließlich ›Grammatik‹ zur Prüfung vorgelegt. Es sind jene. Die erste Beobachtung beim Sammeln war. die sich in irgendeiner Hinsicht besser formulieren ließen. Ich habe ein paar Wochen lang alle falschen Sätze notiert. allen Beiwerks entkleidet. gibt es zuhauf. um dem Programm zu ersparen. Sätze. In vielen Pu- blikationen gibt es so gut wie keine derben Fehler die- ser Art . und zwar nicht in impro- visierter mündlicher Rede. die läßlicher beurteilt sein will. daß in der geschriebenen Sprache grammatisch eindeutig falsche Sätze selten sind. Dann erkennt das Programm brav Fehler. Leicht also kann die ganze Anstrengung an den wirklichen Bedürfnissen vorbeigehen. in einigen dagegen häufen sie sich. der Computer erkennte sie nie. Gebrauchsanweisungen. während es die tatsächlich vorkom- menden außer acht läßt. Magazinen. in denen der Autor Sprachschwierigkeiten hatte oder  . die tatsächlich gemacht wurden. Rundfunk.nen . Prospekten. die nur den Nachteil haben. sich im Dickicht unübersicht- licher Satzkonstruktionen zu verirren. sondern solche. die nach den Vorstellungen eines hoffnungsvollen Softwa- rehauses gemacht werden könnten.und Fernsehsen- dungen begegnet sind. bei anderen könnte der Aufwand noch so groß sein. Diese Sätze habe ich skelettiert.

Km Ende blieben. die glimpflich verliefen – Da wird ihnen harter Tobak um die Ohren geschlagen. genau hundert falsche Sät- ze übrig (sie stehen auf Seite ##267 bis 270). haben aber aus irgendei- nem Grund nicht aufgepaßt. Auch sie zwar sind eindeutig schad- haft. ist dermaßen defekt. unter den vielen unberechtigten die paar berechtig- ten Beanstandungen zu entdecken. Nur etwa sechzig Prozent der Fehler ge- hen auf Unsicherheit oder die schiere sprachliche Igno- ranz zurück. Sie erlau- ben die Frage. nur um der runden Zahl willen. Sätze wie Drei Bankkunden wurden als Geiseln festgenommen – Es gab nur wenige Unfälle. welche Arten von Fehlern eigentlich ge- macht werden. die es nötig hätten. aber mit linguistischen Mitteln allein ließe sie sich nur schwer dingfest machen.  . Am Ende der Suche waren etwa zweihundert falsche Sätze zusammengekommen. Weitere zwanzig Prozent könnten ebenfalls Flüchtigkeitsfehler sein – es ist nicht zu entscheiden. die einem Programm wie ›Grammatik‹ von vornherein zu hoch gewesen wären. daß sie nicht mit ihm umzugehen wüßten – sie wären gar nicht imstan- de. Die meisten Schreibenden also brauchen gar kein Hilfsmittel. ihm über seine Schwächen hinweg- zuhelfen. Welche ? Etwa zwanzig Prozent dieser Fehler sind mit ziem- licher Sicherheit bloße Flüchtigkeitsfehler : Die Schrei- ber hätten es besser gewußt. Ich strich jene. Und das Sprachgefühl der wenigen. und ihre Schadhaftigkeit ist nicht bloße Ansichts- sache.geistesabwesend zu Werke ging und kein Lektor oder Redakteur da war.

die sich ihrer reichlich bedienen. Verben und Adjektiven. daß … nein. Ihr Gebrauch ist zwar genau festgelegt. aber die Logik dieser Zuweisungen ist oft nicht einsichtig. bis das Kind das gesamte Präpositionensystem beherrscht. In allen Sprachen. Es überrascht nicht. die Kinder am spätesten lernen. Die häufigste Fehlerklasse sind Präpositionsfehler. Präpositionen stellen also offenbar eine Zone besonde- rer Unsicherheit dar. Beim Lernen einer Fremdsprache sind Präpositionenfehler besonders häufig. wie in An- lehnung ans Englische heute bisweilen gesagt wird. Unter den großen Wortklassen sind sie jene. hat keinerlei höhere Logik für sich. sind sie ein heikles The- ma. Präpositionen fällt der Ausdruck vie- ler sprachlicher Feinheiten zu. sondern daß viele. und die Verwendung der Präpositionen ist ein gutes Indiz für die Beherrschung einer Fremdsprache überhaupt. Nun haftet der Verwendung bestimmter Präpositionen in festen Fügungen immer etwas Willkürliches an. nicht dafür. nach Substantiven. ist ein untrügli- ches Zeichen dafür. Firm in solchen willkürlichen Set- zungen einer Sprache wird man nur durch vieles und ständiges Lesen – und durch die aktive Benutzung der so erworbenen Schriftsprache. und es dauert Jahre. Daß es bestehen aus heißt und nicht bestehen in. Daß die Regulation auf diesem Gebiet heute zusammenbricht. Falsch gebraucht wird vor allem die Präposition über : Er vergewissert sich über die Chan- cen – Die Parteien verhandeln um einen neuen Vertrag. Es hätte auch genauso- gut umgekehrt sein können und wäre dann weder bes- ser noch schlechter. die heute  . daß heu- te weniger gelesen wird.

sind die Hauptquellen der Kon- gruenzfehler einfach Unaufmerksamkeit und Flüchtig- keit : Einem Abschluß steht noch viele Hindernisse entge- gen – Diese Komödie ist in seiner Ausstattung eine neue Dimension des Monumentalfilms. Die andere große Schadensklasse sind eigentlich eine Unterklasse syntaktischer Konstruktionsfehler : schad- hafte Kongruenzen. diese nur aus der Lek- türe zu gewinnende Sprachsicherheit nicht mehr besit- zen. wenn man mit den Gedanken bereits anderswo ist – und niemand ei- nen beizeiten zurückruft. die die nämli- che Unsicherheit bezeugen : Es ging ihnen um den persön- lichen Erfolg und um ihre einmal ausgesprochene Theorie beweisen zu können – Die Meinungsverschiedenheiten sind zu groß. der aufpaßt. je Die Hindernisse steht dem Abschluß entgegen oder Der Komödie sagen und schrei- ben. und daß die Kontrollstationen – die professionel- len Lektorate und Korrektorate – ausgedünnt oder ganz abgebaut wurden. Wahrscheinlich wür- de niemand. Die zweitgrößte Schadensklasse sind alle erdenkli- chen syntaktischen Konstruktionsfehler. Aber während die Mehrzahl der allgemeinen Syntaxfehler vermutlich auf echte Unsi- cherheit zurückgeht.für die Öffentlichkeit schreiben. die früher ein Text bis zu seiner Ver- öffentlichung zu durchlaufen hatte. Auch relativ häufig sind schlichte Wortverwechslun-  . Dergleichen unterläuft einem nur. damit eine Einigung in Sicht wäre – Abge- sehen ihres Artikels hat sich niemand zu dem Problem geäußert – Da wird sich gefreut – Solche Maßnahmen werden unzulässig bezeichnet.

oder Stilkontrolle. etwa wenn Referenz und Re- verenz. haben ihren Grund zum Teil ebenfalls in sprachlichen Defiziten. der früher alles nachträgliche Korrigieren erschwerte . lassen sich Texte ganz besonders leicht umschreiben – es fehlt der materielle Widerstand der nur mühsam löschbaren Schrift auf dem Papier und der diversen Schreibgeräte vom Federkiel bis zur Schreibmaschine. entgeht es natürlich jeder Rechtschreib. In ihrer virtuellen Ge- stalt. waren Korrekturen ganz unmöglich. Kasus. Grat und Grad verwechselt werden. Kapazität und Kalamität verwech- selte.und Konjugationsfehler. Wie die Kongruenzfehler rücken diese Gruppen da- mit in die Nähe jener Fehlerklasse. Die Text- verarbeitung am Computer verlegt diesen point of no  . zum Teil aber auch in bloßer Flüchtigkeit : Es könnte ihr einen Hunderter kosten – Das Gremium hat alle Möglichkeiten reiflich abgewogen. die ungeniert insol- vent und insolent. als er sie im ›Zauberberg‹ seiner notorischen Frau Stöhr anhängte. zu denen die Arbeit am Bildschirm einlädt. war einmal die Reinschrift ge- macht. die der Bildschirm anzeigt. Wortverwechs- lungen entspringen überwiegend echten sprachlichen Unsicherheiten – »Bildungsschnitzer« nannte Thomas Mann sie rundheraus. Wortverwechslungen kommen oft in der Gestalt von Rechtschreibfehlern. Sofern das falsche Wort richtig geschrieben ist. die typisch ist für computergeschriebene Texte : Redigierfehler.gen : Ein solches Erlebnis hat nicht desgleichen auf der Welt. die auch nicht zu den Seltenheiten gehören.

Die einzelnen Fehlerklassen sind einer Computerana- lyse in sehr unterschiedlichem Maße zugänglich. kann sich hier bis ganz zuletzt austoben wie noch nie seit der Erfindung der Schrift. Und seltsamerweise wird das am Bildschirm oft nicht bemerkt. liest man bisweilen hinweg – vielleicht weil es am Bildschirm schwerer ist. Wer sich darüber im klaren ist. Bei vielen Korrektu- ren in den Compuskripten wäre einerseits etwas Neues hinzuschreiben. jeden-  . also auf Papier nachzuprüfen. Hin und wieder geschieht eines davon oder beides nur unvollständig. so daß mit- ten in einer neuen Formulierung dann die Reste einer früheren stehenbleiben. wird nicht darauf verzichten.return auf den allerletzten Augenblick. sich sich solch eine Pretiose zu beschaffen – Die Rechnungen erhalten den Kunden am Ende jedes Monats zugeschickt – Es gab die Zusicherung eines Abzugs die schweren Waffen abzuziehen – Diese Er- gänzung läßt uns die Erreichung des Ziels erreichen. Um Nichtkongruenzen zu entdecken. al- les Geschriebene noch einmal in einem anderen Ag- gregatzustand. bleiben leicht Sätze stehen wie : Ihm war gelungen. Falsch geschriebene Wörter zwar fallen dort nicht weniger auf als auf dem Papier. ehe er es in die Öffentlichkeit entläßt. Wenn diese verfremden- de Gegenkontrolle ausfällt. wäre kein übermäßi- ger computerlinguistischer Aufwand vonnöten. Wer also sein Geschriebenes gerne korrigiert und noch einmal korri- giert. andererseits etwas nunmehr überflüs- sig Gewordenes zu löschen. oder auch über fälsch- lich verdoppelte. aber über funktionslose. Sätze oder länge- re Satzteile als Ganzes im Blick zu behalten.

aber irgendwo defekte Sätze. dürfte jedes Programm dieser Art bemerken.und Konjugationsfehler erforderten Syntaxfehler dagegen eine volle Grammatikanalyse des ganzen Satzes. Welche Defekte hat ›Grammatik‹ entdeckt ? Einigermaßen zuverlässig reagierte das Programm nur.falls solange die aufeinander bezogenen Wörter in ei- ner der typischen Wortstellungen dicht nebeneinander stehen. Daß mit dem Satz Mehreres Fehlern fällt keiner Lesers auf etwas faul ist. Numerus-. und richtig rät ›Grammatik‹. in seinen Wörterbüchern müßte nur verzeichnet sein. Überraschen- derweise erkennt ›Grammatik‹ in dieser Kategorie kei- nen einzigen. Mit Ausnahme einiger schlichter Kasus-. Genus. Adjektiv und ein unmittelbar fol-  . Dergleichen kann man einem solchen Hilfsprogramm von vornherein nicht zutrauen. Wie hat sich ›Grammatik‹ geschlagen. da nach mehrere ein Plural folgen muß. so verbietet sich das Aufkratzen oder Sie suchte halt bei einem Stu- dienfreund – hundert einfache. wenn Artikel. entgeht dem Programm allerdings). Auch Präpositions- fehler wären dem Computer ohne allzu großen Auf- wand zugänglich . die Fle- xionsformen von Mehreres Fehlern und keiner Lesers zu überprüfen (daß auch die Verbform nicht kongru- ent sein kann. in welchen formelhaften Wendungen welche Präpositionen zu stehen haben. als es mit den hundert falschen Sätzen konfrontiert wurde ? Es wa- ren Sätze wie Der Schein trug oder Die Dritte Weltpo- litik erleidet Schiffbruch oder Es wurde keine Genehmi- gung nachgesucht oder Hat man die Vorsichtsmaßnah- men vergessen und die Mücken zugestochen.

Sonst hagelte es immer wieder Ver- schlimmbesserungen. fünfzig ? ›Grammatik‹ mo- nierte ganze neunzehn Mal. Es ist ein gramma- tisches und stilistisches Sabotageinstrument.oder Verbalphrasen) und funktionslose Satzglieder bemerkte es nie. näm- lich zwölf dieser neunzehn Beanstandungen falsch wa- ren . Damit war es auch außerstande. welches die allerwenigsten Fehler findet und mehr Fehler erzeugt als beseitigt. daß die meisten. Wieviel Prozent der Fehler hat ›Grammatik‹ aufge- spürt ? Die Hälfte wenigstens. und daß bei acht dieser zwölf falschen Alarmmel- dungen die Vorschläge von ›Grammatik‹ eindeutig zu Verschlimmbesserungen geführt hätten. Die entstellte Eselsbrücke über das Brauchen (Wer brauchen ohne zu gebraucht. braucht brauchen überhaupt nicht brauchen) korrigierte es in Wer brauche ohne zu gebraucht … Selbst weit klaffende Lücken (fehlende Nominal. daß die Konferenz dort zu veranstaltet wurde).  . Das aber war noch gar nicht das trostloseste. ist natürlich alles andere als eine Hilfe. Trostloser war.gendes Substantiv in Genus oder Numerus nicht zu- einander paßten (Eine großes Bestand …) und wenn der Komparativ nicht mit als. sondern mit wie konstruiert war (größer wie …). die für Compuskripte typischsten Fehler zu entdecken : die unvollständige Löschung von Wörtern und Wortgruppen. Aus dem Satz Bei Havarien ist es schwer. welche bei einer Umformu- lierung ungültig geworden waren (Es war falsch. Sechs von hun- dert Fehlern aufgespürt und acht neu hineingeschrie- ben – ein Hilfsprogramm. die Menschen handzuhaben wollte es … zu handzuhaben machen.

[Kongruenz von »des« und »Telephonunterredung« prüfen !] Druk- ken in Hong Kong. Stellen Sie die Gerte des Singweisengriffers zur EIN-Stellung. so hätte er die in eckigen Klam- mern stehenden Empfehlungen erhalten : Der Singwei- sengriffer [unbekanntes Wort !] (Freigestellte). mit denen es zu tun bekam. Tatsächlich würden sie etwaigen Sprachun- sinn jedoch nur noch potenzieren. Stellen Sie die Gerte des Singweisengriffers zurück zur AUS-Stellung zu nehmen die Telephonunterredung zurück. Und damit wäre die ganze Liebesmüh dann sowieso verloren. [»Hing Kong«. ihren fremdsprachigen Hervorbringungen mit Hilfe eines solchen Programms den letzten Schliff zu geben. je kaputter die Sätze waren. Eine nette Singweise wirde [»wird« !] verbeugen den ande- ren Teil auf denn Telephon von hörender Ihrer geheimer [Flexionsform überprüfen !] Unterredung. weil sie nämlich nur selten grammatische Fehler machen . und wer grobe gramma- tische Fehler macht. Anders ist es bei Ausländern : Sie könnten tatsächlich versucht sein. Muttersprachler brauchen ja ei- gentlich kein ›Grammatik‹. »Hong King« oder »Hing King« !] Und nun stellen wir uns nicht mehr dumm und sa- gen : Wie sollte ›Grammatik‹ solche Fehler auch erken-  . Vielleicht wurden ihm zu feine Unterscheidungen ab- verlangt ? Die Leistungen von ›Grammatik‹ gerieten um so kläglicher. Hätte zum Beispiel ihr chinesischer Autor die folgen- de deutschsprachige Gebrauchsanleitung mit ›Gramma- tik‹ überprüfen lassen. wüßte auch mit den richtigen Rat- schlägen eines solchen Programms nichts anzufangen.

Ein auch nur einigermaßen tauglicher Par- ser wäre ein Riesenprogramm.nen können ? Eine wirkliche Grammatikprüfung. und versteht von Gramma- tik darum so gut wie nichts. nach denen die Morpheme einer Sprache zu Wörtern und die Wör- ter zu erlaubten (»grammatikalischen«) Sätzen zusam- mentreten dürfen. hier und da Hunderten von »Labels« oder »Marken« versehen sein. aus denen hervorginge. Das Programm kann nicht mehr. der kaum den Namen verdient. der dem ganzen grammatischen Spektrum einer natürlichen Sprache ge- wachsen wäre. erforderte zwei- erlei. Einen Parser. also der unflektierten Grund- formen . die Wörter müßten mit Dutzenden. als ein paar alleroberflächlichste Nichtkongruen- zen aufzuspüren. Zum andern benötigte sie ein »Le- xikon«. die Mehrzahl in Ermangelung jeder wirklichen Grammatik zu Unrecht. gibt es bisher nirgends . Zum einen einen sogenannten Parser. also eine Wörterliste – und zwar nicht nur eine Liste der nackten Lexeme. welche syntaktischen und idio- matischen Bezüge sie zulassen. Mit diesem Werkzeug müßte es jeden Satz restlos zergliedern. einfach weil seine Miniatur- grammatik nach Es ein Verb im Singular erwartet. ob irgendein Wort falsch ist oder an der falschen Stelle steht. ein Unter- programm also. etwa wenn es Es wur- den mehr offene Stellen gemeldet zu Es wurde mehr offene Stellen gemeldet verbessert.  . alle beherrschen sie nur einen Ausschnitt aus der Grammatik. ›Grammatik‹ hat nur einen rudimentären Parser. das über die Regeln verfügt. ehe es angeben könnte. die Wortbildung und Satzbau untersuchte. nicht ein kleines Acces- soire wie ›Grammatik‹.

wenn es noch nicht einmal Faustus kennt ? Ein existentes Wort ist Sams jedenfalls nicht. nämlich lauter viel zu lange Sätze. heruntersetzen. ›Grammatik‹ ist höchstens eine beständige Quelle der Heiterkeit. um hohe Literatur auf Biegen und Brechen zu verbessern . Woher mag ›Gramma- tik‹ dann dieses Sams haben ? Verfügt es etwa über eine Kompositaanalyse. Man kann in seiner Statistikfunk- tion die Zahl der Wörter. Man kann ›Grammatik‹ aber auch ver- wenden. Wann hat man sonst je das Vergnügen. in dem eines Computers schon gar nicht. Kurz. die es in einem Satz klaglos duldet (voreingestellt sind 30). Robert Musil zu Robert Music gemacht zu sehen ? (Warum Mu- sic und nicht Musik?) Und den Anfang seines ›Man- nes ohne Eigenschaften‹ zu Über dem Atlantik urteilte [statt befand] sich ein barometrisches Minimum redi- giert ? Und Thomas Manns ›Doktor Faustus‹ in ›Dok- tor Festwiese‹ umgetauft ? Und Kafkas Gregor Samsa in Gregor Sams ? Sams ! Das Sams ist zwar der Name eines Kinderbuchhelden. und man wird dabei sogar ins Grübeln ge- raten. die das erste Morphem in Samstag abgetrennt und zu einem selbständigen Wort erhoben hat ? Und das ist hier nun ermächtigt. daß ›Grammatik‹ ihm prompt ein miserables Deutsch nachweist. also kommt es auch in keinem Wörterbuch vor.  . In dem Satz Der Mon und der Donners sind zwei Sams kennt es alles und heißt es gut. die Sät- ze eines ungeliebten Autors einfüttern und sich so die Genugtuung verschaffen. frei zu vagabun- dieren ? Es sieht so aus. aber woher sollte ›Gramma- tik‹ den kennen. das auf viele durch- aus existente Wörter verzichtet.

irgendein User (›Grammatik‹ schlägt vor : Drogenkonsument) – also ir- gendein Konsument der Droge ›Grammatik‹ erwartete von einem solchen Programm ernstlich auch nur die mindeste sprachliche Hilfe.Aber warum ist ihm dann der Diens entgangen ? Man- che werden finden. Er hat es nur dann. . der Spaß habe längst aufgehört. wenn man sich vorstellt.

Falscher Kasus Herr Borchers Äußerung läßt keinen anderen Schluß zu. Die Gala klingt durch ein großes Finale aus. Der Vergleich wird dem Land teuer zu stehen kommen. Sie sind zuversichtlich über die Friedensaussichten. Der Einsatz ist mit dem Bundestagsbeschluß gedeckt. Sie werden geradestehen müssen mit diesen Taten. Es besteht keine Aussicht mehr für eine Lösung. Die Spieler sind vor Verletzungen nicht gefeit. Sie sind dankbar über seine Gastlichkeit.Falsche Sätze – Gebrauchsanweisungen Hundert falsche Sätze In eckigen Klammern : Hinweise der »Tiefenprüfung« von ›Grammatik‹ Falsche Präposition Unsere Außendienstvertreter kennen sich über die Kun- denwünsche aus. Die Frau war sich nicht über die Vaterschaft des Kindes si- cher. Die Mehrheit der Stimmen wurde auf den anderen Kandida- ten abgegeben. [»Borchers« ist unbekanntes Wort !] Gebühren werden entsprechend dieser Angaben eingezogen. Die Spur führt auf ein Versteck.  . [»geben« !] Der Kanzler zog die Bilanz über die deutsche Einheit. Er lieferte eine Analyse über dieses schwierige Buch. Tatsachen über Deutschland gibt es nicht. Sie engagierte sich immer um mehr Aufk lärung.

Die Eskapade hätte ihm nahezu das Leben gekostet. Es handelt sich um einen besonders aggressiven Virus. Es werden verschiedene Sachverständigen zusammengeru- fen. Es gilt. Er wohnte gegenüber des Tatortes. Die Mitglieder machten keinen Hehl aus ihrer Abneigung. die Position jedes Gliedmaßes zu ermitteln. Eingedenk dem Motto des Vereins. [»noch ein- mal« !] Während drei Wochen konnten sie nicht fernsehen. Seine Arroganz wurzelt in der Abscheu gegen den Kunstbe- trieb. Falsche Konjugation Der Schein trug. Die Gelehrtenwelt sekundiert die frommen Sprüche. Sie hing die Wäsche erst später auf. Unter dem Icon stand : Lese mich ! [»Ikon« !] Da ich Autogramme sammel. Man sollte diesem Jahrestag gedenken. wenn sie nicht ihren Teil abbekämen. Es bedurfte eine große Anstrengung. Solch ein Auftritt war der langgehegte Wunsch des Autoren. bitte ich. Falsches Genus Weltweit nimmt die Diabetes zu. erhoben sie sich von den Plätzen. Ihren Namen auf die beigefügte Karte zu schreiben. Es wäre eine Schande. Falsche Deklination Hier finden Sie Klassisches für den Herren. Die Sendung lehrt ihnen alle möglichen Verführungstech- niken.  .Nördlich Berlin gibt es Sand und nochmal Sand. An die Wunder des Spiritismusses glauben nur noch weni- ge.

Besonders heimtückisch erweisen sich eine Marquise und ihr Hausgigolo. daß der Flug noch nicht eingetrof- fen wäre. Hat man die Vorsichtsmaßnahmen vergessen und die Mük- ken zugestochen. Sie meinten. daß der Fall bisher nicht geprüft sein würde. [Verbum wird nicht passiv mit persönlichem Subjekt verwendet !] Der Preis vergleich braucht nicht in andere Kriterien einge- bunden sein. Vergewaltiger werden als weniger für ihr Verbrechen verant- wortlich gehalten. [»und zu handzuhaben« !] Die Stadt schaffte ein Jahrhundertwerk. die Menschen zu steuern und handzuhaben. verbietet sich das Aufk ratzen.Die Sekretärin zeihte ihn der sexuellen Belästigung. Bei Havarien ist es schwer. es geltete noch die alte Verordnung. Es wurde durchgegeben. Sein Interesse für das Malen entdeckte er schon als Kind  . [»geltete« groß !] Mehrere Gouverneure hatten schon abgewunken. Das Gremium kam zu dem Schluß. Es wird nichts verschenkt. [»Erweise« !] Es wurde keine Genehmigung nachgesucht. Der Finanzsenator wog die Wähler in Sicherheit. ehe die Stromversorgung nicht wiederhergestellt ist. Es wird keinen Frieden geben. was sich nicht zu Geld machen läßt. Syntaktische Konstruktionsfehler Das Wohnmobil wird gepackt. daß der Entwurf den Vorstellungen noch nicht entsprechen würde. um sich in Schweden einzu- nisten. Der Mietvertrag muß zugestimmt werden. Auf den Stuhl muß sich gesetzt und eingeseift werden. Konjunktivfehler Der Sprecher räumte ein.

[Flexions- formen von »wesentliche« überprüfen !] Kultivierte Damen begleiten Herren zu Aktivitäten wie Ge- schäftsessen und -abschlüsse. Menschen berichten von ihren faszinierende Erlebnisse. ob ein Partner vorhanden ist. und studierte es dann. Vergessen Sie die Einzelheiten um den König Artus und den Rittern der Tafelrunde. hat keinen Ein- fluß. Die Tatsache. [»Ein« !] Sie halten die wesentliche Teile der Anmeldung des Investi- tionsvorhabens der Universität in den Händen. Alle kommen. daß er im näch- sten Winterurlaub wieder dasselbe bestellte. Die Bilder werden schön oder unschön eingestuft.  . gemeinsame Projekte in Bearbeitung. um ihnen ihre Referenz zu erweisen. Die Firma hat sich auf die Erstellung von Spezial-Effekte- Programme spezialisiert. Der Film und die Romanvorlage sorgte für Diskussionen. [»Sorgten« !] Eine überzeugende Bilder-Sprache wird mit Elementen des modernen Erzählfilm verknüpft. Derzeit sind noch keine konkrete. [Flexionsform von »Er- zählfi lm« überprüfen !] Wortverwechslung Das Gericht hatte es ihm dermaßen angetan. [Flexionsform von »Malen« über- prüfen !] Sein zugenommenes Körpergewicht ist ihnen ein Dorn im Auge. Der Stellenwert Ägyptens als sicherheitspolitischer Faktor kann gar nicht überschätzt werden. Inkongruenz Eine Bestand an Bausubstanz besteht für kein Institut. [ »Arturs« !] Attraktivität und Information ist das erste Entscheidungs- prinzip.

[Verb nicht mit »haben« konstruieren !] Die ökonomischen und ökologischen Zusammenhänge hän- gen zusammen. Wörtlich übersetztes Englisch In 1995 weist die Kurve einmal mehr aufwärts. Sie sucht halt bei einem Studienfreund ihres Mannes. als/wie Wie er das Auto kommen sah. war es schon zu spät. Diese Arbeiten lernen uns Neues zum Tierschutz. derer sich die Forscher rühmen könnten. das/dass Gehen Sie sicher. deren/derer Erfolge. Der Staatsanwalt hat dem Antrag entgegengetreten. gibt es nicht. Die Sendung nähert sich dem Ende zu. Seine einzigartigen Filme wurden auch immer hochgelobt- Solche Nachrichten sind nicht mitteilungsfähig. daß sie sie schon einmal gesehen war.Das Lösegeld wurde nur anscheinend übergeben. das die Ansprüche erfüllt werden. [»wurde« !] Damals war die Inflationsrate doppelt so hoch als heute. [»kom- me sah« !] Ihr Hunger war größer wie ihr Ekel. [Komparativ mit »als« gebrauchen !] Es wurden mehr offene Stellen gemeldet wie im Vorjahr. Die neue Version befindet sich auf einem Standard. das der Name auf »Neuer Nutzer« steht. Redigierfehler Sie hatte vergessen. In der Pressemitteilung kündigten wir als Termin den kom- menden November mit.  . Die gekonnte Gradwanderung macht den Film zu einem rührenden Märchen.

um die Menschheit vor der Vernichtung und für volle Action zu sorgen.Daß sich auch Kriegsverbrecher darunter sind. läßt er nicht gelten. die Sie mögen. Halten die [»der« !] Knopf drücken bis der gewünschte Datum [Kongruenz von »ge- wünschte« und »Datum« überprüfen !] gereicht hat und er- lösen ihn umgehend. dann [»Dann«] stellen die [»der«] knöpf [»Knopf« !] nach Richtung der Nummerwendung fest. hat Nummer dann errichtet. Vier Gebrauchsanweisungen aus der Fremde In eckigen Klammern : Hinweise der »Tiefenprüfung« von ›Grammatik. Dritt : Wenden die Wendung zu rechtige [»richtige« !] Nummer. Das dritte Stossen [unbekanntes Wort !] des B-Knopfes [unbekanntes Wort !] wird Datum zeigen. Zweite : Knopf nach hinten drücken und die zu festlegende rote karte heraus- holen. Oder errichten Sie Ihre ei- nige geheime Nummer. Vierte : Drücken die Knopf zum ersten Platz. Nimmer diesen Monitor legen wo [vor »wo« ein Komma !] der Schnur von Personen darauf Spazierengehen grausam behandelt wird. Die Weisen wie folgen : Erst : Wen- den die Nummer zum öffnenden Platz. Die Handkoffer Schlüssel Nummer errichten wir 0-0-0. Der Abstand ist am wenigsten groß als in anderen Parteien. [Flexionsformen von »der« und »Menschheit« überprüfen !] Diverses Die Dritte Weltpolitik des Westens muß Schiffbruch erlei- den. Datum wird ein Zählen jede Sekunde erhöhen. Das ist der richtige. Sie können diese Nummer bleiben. Dann drücken den A-Knopf [»KNOPF« !].  . dann stehen die klar Karte zurück.

dann wird sie von der Wärme sich Inflatio- nen bekommen. Das wichtige Bewegen-Braten [»Bewegen braten«] Kochen Gerät in chinesischer Kochkunst. Das beste Oel [»Öl« !] ist Erdnussoel. wird die [»der«] Puff Unterlage sich langsam puffen. Entrollen die [»der« !] Puff Unterlage und liegen auf ihr. Erdnussoel in hocher [»hoher« !] Temperatur macht kein Rauchen und andere Sache. .Wenn das Wetter kalt ist.

wird ihm schlagartig klar. hat also sei- nen Schreibtisch zu Hause aufgeräumt. Nämlich dieses Sendschrei- ben : Der B=DF l=E4=DFt gr=FC=DFen und m=F6chte. sich daran für seine neue Tätigkeit in Positur gebracht. auch nicht das deutsche ß und die Umlaute. Wie kommt der geradezu konspirative Code in die unschuldige E-Post ? Der Grund heißt ASCII. Tatsächlich. jemand weiht gerade seinen neu- en. Zeichenspezialitäten einzelner Länder ge- hören nicht dazu. den elektronischen selbstverständlich. zeitgemäß mobilen Arbeitsplatz ein.Schone Gruse aus dem Netz Über die rechte Schreibung in der E-Mail Angenommen. damit rechnen. Wenn nicht. schreitet zur Tat und öffnet seinen Briefkasten. und zwar t=4glich mindestens f=FCnfmal=F6ffnen. In den Datennetzen werden nur solche Schriftzeichen hin und her befördert. Darum muß. daß moderne B=FCrokommunikation selbst dann ihre T=FCcken hat. wenn die ganze Appa- ratur sonst einwandfrei läuft. so dämmert es auf der Stelle. daß sie  . da–DF Sie Ihren Briefkasten regelm=E4=DFig. dort wartet schon Post von seiner Firma auf ihn. und er findet nichts weiter dabei.=20 Viel Gl=FCck !=20 Ist er vertraut mit E-Mail. die zu dem als ASCII bekannten Zeichen- satz gehören. wer sie dennoch in seine elek- tronische Post hineinschreibt.

weil die Beschränkung auf puren ASCII allen Sprachen. mehr nicht. zu die die deutschsprachigen Staaten sich anschicken. Sie verwirklicht. vom E-Mail-Versand schlechthin ausgeschlossen. Auf den ersten Blick scheint die Verballhornung der elektronisch versandten Texte keines Aufhebens wert : ein kleiner Schönheitsfehler. weil es letztlich unlösbar ist . es kann höchstens umschifft werden. in den Netzen ein schweres Handikap auferlegt. Während die mühsame kleine Orthographiereform. deren Schriften der ASCII- Norm nicht entsprechen. was schon viele Sprach- wissenschaftler des neunzehnten Jahrhunderts erträum- ten. nach hundert Jahren einige mißliche Folgen der Ein- heitsrechtschreibung von 1901 korrigieren soll. dem Computer die für den Umgang mit Sprache nöti- gen Fertigkeiten vorzuenthalten. die Kleinschreibung. wenn etwas Geschriebenes intakt bleiben muß. Wer es für tri- vial hält. Unerheblich ist es nicht. hält wahrscheinlich alle sprachlichen Fragen für nebensächlich – und trägt so das Seine dazu bei. macht sich unterderhand bereits eine zweite deutsche Ortho- graphie breit.unterwegs abhanden kommen oder durch andere er- setzt werden. Selbst die an Sonderzeichen rei- chen Sprachen mit lateinischen Alphabeten bleiben dann. der zum Druck bestimmt ist.  . Trivial ist das Problem nicht. Kein französischer oder spanischer oder deutscher Text. Tatsächlich jedoch ist das Problem weder unerheblich noch trivi- al. läßt sich per E-Mail verschik- ken oder in Newsgroups ans Schwarze Ε-Brett heften. und zwar nicht die gemäßigte.

) Nicht nur Post und Diskussionsbeiträge werden in den Netzen ausgetauscht. so ergab eine Untersuchung. die das Geschriebene bis zur Unverständlich- keit entstellen. sondern die radikale. (Unverändert fast 70 Pro- zent seiner Zeit verbringt der Topmanager jedoch nach wie vor mit persönlichen Gesprächen und Kontakten – und straft damit jene Propheten Lügen. Große internationale Firmen wickeln ihren internen Schrift verkehr fast zur Gänze in Gestalt von E- Mail ab. Schon 1971 begann ein be- sessener Amerikaner – Michael S. Hart am Illinois Be- nedictine College –. Bis zum Jahr 2001 wollte er der Welt ein elektronisches Archiv von zehntausend Werken zur Verfügung stellen. ohne das die Schweiz schon immer auskommt. kosten- los abzurufen von jedem Computer der Welt : das »Pro- ject Gutenberg«. Sie rechnet mit Entglei- sungen. In den Chefetagen deutscher Firmen. die derzeit Literatur zu Ε-Texten  . und zwar gut. Literatur zu digitalisieren. die wohl oder übel den internationalen Textaustausch im Internet re- giert – und also nicht die einer kleinen fernen Sonder- welt. Im Herbst 1995 versandten und empfingen über neununddreißig Mil- lionen Menschen an ihren Computern auf der ganzen Welt E-Mail. Es ist die Orthographie. überall. dem ö ein oe. die erste und bisher umfangreichste der Unternehmungen. wird inzwischen mehr E-Mail ge- schrieben als papierene Post. Sie verschmäht das lästige ß. die ihn längst völlig der unpersönlich-elektronischen Kommunikati- on verfallen wähnen. dem ü ein ue. Sie ist mitten unter uns. Sie macht fast wie in alten Handschriften aus dem ä ein ae.

Französisch wäre auch nicht besser dran : Alle sei- ne vielen diakritischen Zeichen. Die Ε-Texte des Project Guten- berg sind allesamt »in plain vanilla ASCII« geschrie- ben. konnt ich doch den Ausgang finden. Zwar nicht auf Tausende. würden wegrasiert.machen. wie fuhlt ich mich be- gluckt ! Und T-Online führe kakophonisch fort : Dort erblick ich schvne H|gel. Warum ? »Programm auf Programm. daß das Gutenberg- Projekt bisher in keiner anderen Sprache eine Paralle- le hat. nach den H|geln zvg ich hin. Französischer oder spanischer oder italienischer oder deutscher Literatur aber wäre das schlichte ASCII nicht gewachsen. hdtt ich Fl|gel. Für englisch- sprachige Literatur kein Problem. ach. und das mag einer der Gründe dafür sein. aber doch auf einige hundert (gemeinfreie) englischsprachige Ε-Texte kann heute jeder zugreifen. und desgleichen all die Hardware. Aber die Ε-Texte des Project Gutenberg werden sie überleben. über seinen Online-Dienst dem Netz deutsche Literatur zur Verfügung zu stellen. Wären sie nicht in ›Schlichtem-Vanille-ASCII‹ geschrieben. so entließe CompuServe es so in die Welt : Ach. etwa Schillers Sehnsuchtsgedicht. auf der sie laufen. aus die- ses Tales Grunden. ewig jung und ewig gr|n ! Hdtt ich Schwingen. und Baudelaires ›Herbst- lied‹ ginge aus den Online-Diensten in dieser Gestalt  . schrieb Hart. Betriebssystem auf Betriebssystem werden den Weg des Dinosauriers gehen. die Akzente und die Cedille. in Anspielung auf den aller- schlichtesten aller Eiskrems. Käme jemand heute auf die kuriose Idee. wie Hart es nennt. so würden sie mit ihnen aussterben«. die der kalte Nebel druckt.

1964. Computer existierten nur in Ge- stalt von Großrechnern und in wenigen verstreuten Ex- emplaren. daß ASCII ihre Sprachen nur verstümmelt wiedergeben kann. gestaltet sich wegen der undurchschaubar verwandelten Sonderzeichen in vielen Namen und Ti- teln oft überaus frustrierend. sind in den Netzen empfind- lich benachteiligt.ins Netz : Bientot nous plongerons dans les froides tene- bres . Wenn Europäer merken. reagieren sie oft leicht beleidigt. wurde der Welt am 17. in der ASCII-Ta- belle enthalten zu sein. welches dank seiner Dezentralität Chancen hätte. daß es einmal so etwas wie Textverarbeitung und E-Mail geben würde. vive clarte de nos etes trop courts ! j’entends deja tomber avec des chocs funebres … Schon die Netzsuche in all den Bibliothekskatalogen. selbst einen Atomschlag zu überstehen.A. Adieu. Alle Sprachen mit Schrift- zeichen. 1969 wurde in Los Angeles der erste  . Es ist jedoch völlig irrelevant. Niemand konnte in jenen mythischen Urzeiten des Computers vorausse- hen. daß man ein paar die- ser Rechner miteinander zu einem militärischen Kom- mandonetzwerk verbinden könnte. daß es neben ihnen auf der Welt auch noch andere Völkerschaften gibt. die nicht das Glück haben. die da nun wunderbarerweise auf dem eigenen Schreib- tisch stehen. Standard Code for Information Interchange).S. so als hätten die Amerikaner wieder einmal vergessen. damals auch noch USASCII genannt (U. Erst später. Juni 1963 beschert. kam die Rand Corporation im Auftrag des Pentagon darauf. Vielleicht hatten sie es wirk- lich. ASCII.

aber schnell zur beliebtesten Netzanwendung avancierte. Ebenfalls 1972 erfand Ray Tomlinson von der Firma BBN (derselbe. als das Arpanet in Amerika schon 40 Knoten umfaßte und weniger vom Militär als von Universitä- ten genutzt wurde. 1972. (Ursprünglich war es für das Betriebssystem CP/ M bestimmt. das den Grundstock des späteren Internet bilden soll- te. Dann aber hielt es nicht Schritt mit neuen Konkurrenten – 1983 brachte Microsoft sein ›Word‹ auf den Markt. 1975 brachte Ed Roberts den ersten Bausatz für einen Jedermann-Computer auf den Markt. und nicht zuletzt darum konnte es sich für einige Jahre als Standard etablieren. ›Wordstar‹ schaffte den Sprung hinüber zu DOS und war Anfang der achtziger Jahre das einzi- ge Textprogramm. be- siegt von Microsofts DOS.Knoten dieses Netzes (Arpanet) in Betrieb genommen. mit dem IBM seinen PC aus- gestattet hatte. visierte man seine weltweite Ausdeh- nung an. dessen Abkömm-  . Textverarbeitung wurde jedoch erst zur ver- breitetsten Computeranwendung. 1976 schrieb Michael Shrayer mit ›Elec- tric Pencil‹ das erste Textprogramm für solche Kleinst- computer. das Mitte der achtziger Jahre ausstarb. die sie bis heute geblieben ist. als IBM 1981 seinen »Personal Computer« eingeführt hatte – und das erste ernst zu nehmende Textprogramm dafür war das 1979 von Rob Barnaby und James C. das »kommerzielle à« @ in den Netzadressen ersann) die E- Mail. Fox geschriebene ›Word- star‹. die das Netz anfangs seinem Zweck – remote com- putings Fern-EDV – zu entfremden schien. den Altair 8800. der auch den Klammeraffen. daß es sowohl für CP / M als auch für MS-DOS gab.

Solche Defini- tionen sind die Sache jener Expertenkommissionen der einschlägigen Industrie. wiewohl lo- gisch aufgebauter ›Control‹-Befehle – wer den Umgang mit ›Wordstar‹ gemeistert hatte. In Amerika hieß sie  . Die Normung eines Zei- chensatzes scheint keine große Affaire zu sein.) Anfang der sechziger Jahre aber stand all das noch in den Sternen.linge heute den Maßstab setzen –. verschwand von der Bildfläche und wurde zu einer nicht unangenehmen Er- innerung an einen Haufen komplizierter. welche Zeichen er enthalten soll und in welcher Reihenfolge sie stehen. Aber wenn die Hersteller bereits unterschiedliche Zeichensätze verwenden. daß der Computer keine Schrecken mehr für ihn bereithielt. kein Bogen Papier in einen Umschlag passen wür- de : der Normenausschüsse. Es ging nur darum. Um 1960 wurden die Großrechner fast ausschließlich per Lochkarte mit Daten gefüttert. Die Norm darf nicht die einen be- günstigen und die anderen benachteiligen. die unbemerkt und anonym im Hintergrund der Industriegesellschaft wirken und ohne deren stille Arbeit keine Mutter auf eine Schrau- be. so daß jedem eine eindeutigeNummer zugewiesen wird. wird die Normung zu einer heiklen diplo- matischen Aufgabe. konnte sich nicht zu Unrecht einbilden. die keinen gemeinsamen Nenner haben und von denen jeder auf die eigenen Maschinen zuge- schnitten ist. Es muß nur bestimmt werden. einen einheitlichen Zeichencode für den Datenaustausch zwischen den wenigen Großrechnern zu definieren.

also 32 mögli- che Kombinationen von Loch und Nichtloch pro Reihe. Das ergab 2 hoch 5. Beim Baudot-Code standen diese Mu- ster in Fünferreihen nebeneinander. die beim Versand automatisch durch ein Lesegerät liefen. Für die Fernübermittlung von grafischen Zei- chen wurden nicht Lochkarten. sondern Lochstreifen verwendet. Diese Computer sollten nun Daten austau- schen. gleichsam den Informationsatomen. ge- messen in Bit. Ihr Umfang ent- sprach der sogenannten Wortlänge der jeweiligen Ma- schine. Telegramme und später Fernschreiben wurden zunächst auf Lochstrei- fen geschrieben. Jeweils eine senk- rechte Fünferreihe symbolisierte ein Zeichen. das Internationale Telegraphenalphabet Nr. Auf ihnen galt damals weltweit ein ganz an- derer Code. Die Zeichen waren also binär verschlüsselt : Der Fern-  . der bis auf das Jahr 1895 zurückging und auf dem inzwischen der gesamte inter- nationale Fernschreibdienst beruhte.in Erinnerung an ihren Erfinder Hollerith-Karte (aus Herman Holleriths Firma war die IBM hervorgegangen). indem je- des Loch einer solchen Fünferkolonne ausgestanzt sein konnte oder nicht. codiert. Für die Eingabe von Text und Zahlen mittels Lochkarte waren über zwei Dutzend unvereinbarer Zeichencodes in Gebrauch . also gab es Zeichencodes von 5 bis 32 Bit. ihrer kleinsten addressierbaren Speichereinheit : Für jedes darstellbare (»grafische«) Zeichen stand ein Computer-»Wort« zur Verfügung. Jedes Schriftzeichen war auf dem Lochstreifen durch ein bestimmtes Lochmuster reprä- sentiert. kurz Baudot-Code genannt. lagen zwischen 5 und 32 Bit . 2. allein IBM hatte mehrere. Die Wortlängen.

Potential oder Nichtpotential. zu seiner Zeit nannte man ihn noch einen Fünfschrittcode. der für Lochstreifen konzipiert war. Lange vor der Zeit des Bit war der Baudot-Code somit ein 5-Bit-Code . fand er also auf der einen Seite einen zwar weltweit eingeführten. auf der anderen Seite die verschiedenen Lochkarten-Codes der Computerhersteller. Da die 6 restlichen Plätze für die nötigen Steuer- zeichen und auch nur die allerunentbehrlichsten weite- ren darstellbaren Zeichen nie ausgereicht hätten. Als dem amerikanischen Normenverband in den Jahren 1958/59 das heikle Problem zugeschoben wur- de. geladen oder ungeladen. deren jeder entweder 0 oder 1 ist. Loch oder Nichtloch. 1 oder 0. 26 sei- ner 32 Zeichen wurden für die Großbuchstaben benö- tigt. Der Baudot-Code war also auf insgesamt 64 Positionen begrenzt – entschieden zu wenige für die Texteingabe in die Großrechner. Auch der Computer handelt letztlich nur mit zwei elektrischen Zuständen. waren auf einer zweiten Ebene – ein Umschaltzeichen vorweg – noch die Zahlen 0 bis 9 und spärliche 11 Satzzeichen untergebracht. Jede solche »unauflösliche Grundeinheit der In- formation« heißt ein Bit. ausgedrückt als binäre Muster von Nullen und Einsen. und übersetzte sie in die Sprache der Elektrizität. die sich weder untereinander noch  . schreiber hatte es nur mit zwei Zuständen zu tun. Alle Information reduziert er auf Zahlen. Was auf dem Lochstreifen durch fünf Lochplätze repräsentiert war. läßt sich im Rechner durch Fünfergruppen von elektri- schen Pulsen ausdrücken. aber in seinem Umfang ungenügenden Code vor.

erst seit der Entwicklung des Mikrocomputers den Ton angaben. deren Computer mit längeren »Wörtern« ar- beiteten. dem ›American Standard Code for Information Interchange) (der offizielle Name war X 3. der sich ein paar Jahre spä- ter in ANSI umbenannte. der den Computer-Hersteller Univac in dem zuständigen Unter- ausschuß vertrat. und sie machte gegenüber dem Baudot-Code immerhin Platz für die doppelte Zeichenmenge. Meistens erklären Normenausschüsse nur zur Norm. nur daß man das achte Bit einstweilen noch brach liegen ließ. mußte einen ganz neuen Code erfinden. was sowieso schon praktiziert wird. die jenen Herstellern entgegengekom- men wäre. für die Ingenieure auch in jenen Tagen schon eine magischere Zahl als die krumme Sieben. das schien eine für alle akzeptable Größe. so daß es zum Beispiel als Prüfbit Verwendung fand. 128. »Die von Hollerith kreierten gelochten Karten müs- sen mit Baudots gelochten Papierstreifen kommunizie- ren«. weit- sichtigen Schritt nach vorn : Er ging von 5 auf 7 Bit. einem Byte.mit dem Verteidigungsministerium einig werden konn- ten. war die Acht. Der Amerikani- sche Normenverband ASA. Obwohl Compu- ter mit einer Wortlänge von 8 Bit. Eigentlich waren mit den 7 Bit denn auch von Anfang an ausdrücklich 8 gemeint. als eine Potenz von 2. so beschrieb das Problem R. Bemer.  . Hier war nichts Vorhandenes verwendbar. 7 Bit. tat er 1963 also gleich einen großen. Mit seinem ASCII. Eine höhere Bit-Zahl. die aber trotzdem genug Möglichkeiten ließ.4). Also mußte es schon eine möglichst niedrige Bit- Zahl sein. W. hätte die mit den kürzeren in Verlegenheit ge- bracht.

Die ECMA konnte gar nicht daran denken. deckte sich im wesentli- chen mit dem amerikanischen ASCII. vor allem mit den 26 Kleinbuch- staben (weshalb diese bis heute hinter den Großbuch- staben rangieren). Schade. daß der Ur-ASCII von den verfügbaren 128 Plätzen nur 99 belegte : 64 grafische Zeichen (Buchsta- ben. Codeumschaltung) – so viele. Aber da- mals – anderthalb Jahrzehnte vor der Textverarbeitung – kam niemand auf die Idee. und er war so klug. da sollte sich |edes Land eben ein paar Zeichen für sei-  . daß eines Tages so vie- le Zeichen und sogar noch viele mehr erwünscht sein würden. Schon ein 7-Bit-Code schien damals derma- ßen üppig. Was er 1964 (als ECMA-6) % verabschiedete. »Klingel« oder »Esca- pe«. weil der Code immer noch vor allem dem tickernden Fernschreiber zugedacht war. all die Sonderzeichen auch nur der großen eu- ropäischen Verkehrssprachen auf den 128 Plätzen ihres 7-Bit-Code unterzubringen. Sonst hätten sie das achte Bit von Anfang an mit herangezogen. belegte aber auch die restlichen Plätze. daß die Weitsicht der Normer von der ASA keine Fernsicht war. Kleinbuchstaben enthielt er. Für die Zwecke der Daten- eingabe schien es damals auch überhaupt nicht nötig . Zur gleichen Zeit beriet in der Normenkapitale Genf der Verband europäischer Computerhersteller (ECMA) über eine neue Zeichentabelle. und wir hätten es heu- te mit einem umfangreicheren ASCII zu tun. Zahlsymbole. noch nicht. kei- ne abweichende in die Welt zu setzen. genau wie Baudots al- tes Telegraphenalphabet. ein paar Satzzeichen) und 35 Steu- erzeichen (wie »Wagenrücklauf«.

»Es ist nicht wahrscheinlich«. Zehn Plätze wurden für solche Bedürfnisse reserviert. aber sogar rechner- intern. Bei seiner Entwicklung hatten die Amerikaner auch durchaus an den Rest der Welt gedacht. 1968 übernahm das ANSI die Zeichentabelle ECMA-6. zur Texteingabe in die Computer. Sie wur- de (als ISO 646) schließlich 1974 zur weltweiten Norm gemacht. und seitdem ist ASCII nur noch ihr Spitzname. ist also eine Weltnorm und historisch eine Verschmelzung von USASCII und ECMA-6 – und damit eine zur Hälfte europäische Sa- che. daß sie sich schnell fast überall durchsetzte – als zusätzli- ches. und in diesem Fall wird die ASA ei- nige Veränderungen vornehmen müssen.ne Bedürfnisse zurechtdefinieren. Satzzeichen und sonstige Symbole) innerhalb der Tabelle geschlossene Blöcke bildeten und darum leicht gemeinsam mani-  . »daß der Code in genau seiner jetzigen Form international übernom- men wird. Jedoch haben sich die Vereinigten Staaten große Mühe gegeben. und das ANSI (der Nachfolger der ASA) übernahm die in Europa veränderte Fassung. größeres internationales Telegraphenalphabet.« Genau dies trat wenig später ein : Die ECMA veränderte den ASCII. Wahrscheinlich wird sich ein eng verwandter Code als internationale Norm durchsetzen. Die ASCII-Tabelle erwies sich als so gut aufgebaut. internationalen Bedürfnissen ent- gegenzukommen und vorauszuplanen. Zahlen. Ihre Hauptvorteile waren : daß die einzelnen Zeichenklassen (Buchstaben. schrieb Bemer 1963. Was heute ASCII heißt.

auf dem IBM-Großrechner lange eigensinnig beharr- ten : EBCDIC (Extended Binary Coded Decimal Inter-  . Sogar das amerikanische Verteidigungsministerium. Mac. das Ordnungs- prinzip hieß : Löcher sparen. Es ist fast so unreformierbar wie der gene- tische Code des Lebens. Windows. und daß die Zahlen wie die Buchstaben in aufsteigender Reihe wohlgeordnet ne- beneinander standen und dem Computer so alle Sor- tieraufgaben leichtmachten. Darum wird es so bald auch nicht gegen einen anderen. DOS. Τ und das Leer- zeichen. gleich für welches Sy- stem und in welcher Programmiersprache. Es steckt mittlerweile zu tief im Com- puter drin. das seltene U brauchte drei. umfangreicheren Code aus- getauscht werden.) In der Computerwelt. Sie hat- te nichts Geringeres als ein gemeinsames Alphabet ge- prägt. hatte die ASA mit ihrem ASCII geradezu ein Wunder vollbracht. Entsprechend lieb ist ASCII den Computermenschen geworden. um die Stanzmaschine zu schonen – die häufigsten Zeichen. verzichtete zugunsten von ASCII bald auf seinen eigenen Code (Fieldata). Linux. Ob Unix. begnügten sich mit einem einzigen Loch. wird seit- dem in ASCII geschrieben. OS/2 – ASCII verstehen sie (fast) alle. (Beim Baudot-Code stan- den noch alle Zeichen durcheinander .puliert werden konnten . das in dem Ausschuß kräf- tig mitgewirkt hatte. das über alle Grenzen und Plattformen hinweg Gültigkeit gewinnen sollte. und entsprechend unbeliebt ist der Gegenco- de. in der zunächst nichts mit nichts kompatibel zu sein scheint. Alle Software zum Beispiel. Ε.

Und :-Q ein Rau- cher. ( :-) einer mit Glatze. wer ein Glossar zu Rate zieht. sein Gegenteil :-( auch.-) ein Augenzwinkern. bald jenes Satzzeichen fehlt. Hacker erfanden sich allerlei Kosenamen für einzelne Zeichen : Das ! ist in Amerika ein bang. Über EBCDIC weiß Douglas Sweeneys Teufelslexi- kon im Internet zu sagen : »Ein angeblicher Zeichensatz bei Dinosauriern von IBM. das ~ein squiggle. ge- rät man schon ins Schwanken. in England ein shriek. Aber 8-) ? Ein (lächelnder) Brillenträger. Er existiert in mindestens sechs sich gegenseitig ausschließenden Fassungen. das in mo- dernen Programmiersprachen eine Rolle spielt … Hak- ker erbleichen schon beim ›Namen‹ EBCDIC und halten es für die Verkörperung des rundheraus Bösen. all die ASCII- Grimassen vom Typ des Smiley. es ist ein Ausdruck der Mißbilligung. und das . das sich noch nicht einmal aussprechen läßt. Ihre Zuneigung inspi- rierte im Stadium der Langeweile die ASCII-Art.« ASCII dagegen ist dann das rundheraus Gute. die man sich heute megabyteweise aus dem Netz herun- terladen kann und die weniger eine Kunst ist als eine Knobelei : Läßt sich mit den paar armseligen ASCII-Zei- chen nicht vielleicht doch ein betrunkener Hund dar- stellen ? Oder sogar ein verliebter Uhu ? Und als Un- ter-Art brachte sie die Emoticons hervor. change Code). das @ ein Strudel. denn ihrer Vielfalt ist heute nur noch gewachsen. :-{}  . Ja. de- nen bald dies. Mit einem :-| konfrontiert. :-{) einer mit Schnauzer. auch sie stille kleine Triumphe über die Grenzen des Amerikanischen Stan- dardcodes für den Informationsaustausch. Das Lächeln :-) erkennt jeder auf der Stelle.

$-) ein Yuppie. Als Anfang der achtziger Jahre Computer nicht mehr nur programmiert und mit Daten gefüttert wurden. machte sich das Fehlen nationaler Sonderzeichen in den nichtenglischsprachigen Ländern schon bald höchst un- angenehm bemerkbar. genug also zum Beispiel. Wie ihm abzuhelfen wäre. Die Hinzunahme des brachliegenden ach- ten Bit würde die Zahl der im Code unterzubringen- den Schriftzeichen noch einmal verdoppeln. Eine Ecke mit zehn Plätzen ist in ISO 646 für nationa- le Sonderzeichen reserviert . wurden die durch die Verwen- dung eines vollen Byte erschlossenen zusätzlichen 128 Plätze sehr verschieden besetzt. die mit diesem Programm geschriebene Texte auf allen an- deren Plattformen alptraumhaft entstellte. In der Praxis ist sie jedoch so gut wie bedeutungslos. um den deutschen Sonderwünschen Rechnung zu tragen. Die deutsche Fassung enthält denn auch alle Umlaute und das leidige ß. IBM warte- te für das Betriebssystem DOS in den achtziger Jah- ren mit einer Reihe sogenannter Codepages auf. denn im internationalen Datenverkehr – also etwa in der E-Mail – kann immer nur die Inter- nationale Referenzversion auf Verständnis hoffen. war sofort klar. von denen jede die mit dem achten Bit gewonnenen Mög-  . Mit Schaudern etwa denken ältere Computerschreiber an die eigenwillige Ausdeutung des achten Bit bei ›Wordstar‹ zurück. sondern die Textverarbeitung rasch an Boden gewann. Aber wäh- rend die große Stärke von ASCII seine Eindeutigkeit und Universalität ist. eine mit Lippenstift. und %-\ signali- siert Katerstimmung.

Jedes Com- putersystem verfuhr mit dem achten Bit auf seine Art. Der Computerdoktor Peter Norton nannte das System dieser nicht miteinander kombinier- baren Codeseiten schlicht einen Alptraum. denn für die Bedürfnisse aller Sprachen. für Anglo-Ameri- ka und Westeuropa bestimmt. und jedes glaubte. selbst  . die am Com- puter geschrieben. und die wurde weltweit ge- normt. die tückischste. wenn er es einem anderen System zu lesen gäbe . gedruckt werden. nur daß sie auf einem höheren Niveau stattfinden. die den Alkoholspiegel mit einem Schlag um das Zehn- fache erhöhte. dargestellt. Wer etwa unter Windows das Promillezei- chen ‰ schriebe.lichkeiten an die Bedürfnisse einzelner Sprachen oder Sprachgruppen anpaßte . war die mit der krum- men Nummer 437. Es ist die Zeichentabelle namens ISO 8859 aus dem Jahre 1986. müßte sich auf allerlei Umdeutungen gefaßt machen. über die sich Sysops (system operators) die Haare zerraufen. Atari-Benutzer denken gern an die nächtlichen Ringkämpfe mit dem Pesetazeichen Pt zurück. weil leicht zu übersehende wäre seine Verwandlung zum Prozentzeichen %. seinen Benutzern ein paar ganz eige- ne Zeichen schuldig zu sein. Ganz verzichtet auch heute keines auf sol- che Extratouren. die nirgendwo sonst eine Entsprechung fanden. die erste. Es sind dies jene marginalen Inkompa- tibilitäten. Genau genommen handelt es sich nicht nur um eine Tabelle. sondern bisher um deren zehn. In diesem Durcheinander bildete sich gleichwohl eine große Schnittmenge heraus. das ihr Drucker ungebeten zu Papier zu brin- gen beliebte.

das nur mit in Latin-3 steckt. Latin-2 erbarmt sich der osteuropä- ischen. der die westeuropäischen Schriftspra- chen abdeckt und sich in Westeuropa auch weitgehend durchgesetzt hat. durch die Verwendung  . der bisher nur bei Windows NT schüchterne Verwendung findet. In der Regel erlauben sie. die unterschied- lichen Erweiterungen der ASCII-Tabelle ebenfalls als ASCII zu bezeichnen. weitere unter anderem des Arabischen. unverfälschtes ASCII.aller alphabetischen Schriften oder auch nur der alpha- betischen Schriften mit lateinischen Buchstaben. Maltesisch nicht. schafft der 1992 von der Internationalen Normenorganisation ISO ver- abschiedete Unicode. die unwiederbringlich dahin ist. Indem er für jedes Zei- chen zwei Byte in Anspruch nimmt. auf die sie gemünzt sind. Darum ist es irreführend und falsch. Der untere Teil al- ler dieser Tabellen ist der gleiche : pures. Im oberen aber stimmen sie nur teilweise überein. meist einfach Latin-1 genannt. Mehrere konkurrierende Nor- men besorgen für den elektronischen Transportweg die Übersetzung von Zehntausenden chinesischer und japa- nischer Logogramme in ASCII. reich- ten bloße 128 zusätzliche Positionen längst nicht aus. So gibt es einen Zeichensatz ISO 8859-1. Am Computer lassen sich mittlerweile so gut wie alle Zeichen schreiben. Hebräischen und Kyrillischen. Griechi- schen. Was es gibt. ist im- mer nur ASCII plus eine von vielen verschiedenen Er- weiterungen. zusätzlich zu den besonderen Sprachen. die großen westeu- ropäischen Verkehrssprachen zu schreiben – Deutsch ja. Es suggeriert eine Einheitlichkeit.

müssen sie also. müssen die Clients. ein Zeichen nur zu definieren. wenn seine Zahl auf- gerufen wird. wie dieser Zahlenstrom zu interpretieren ist . das Dollarzeichen $. ist zunächst einmal Text. wissen. Es muß im System auch phy- sisch vorhanden sein. was diese be- deuten ? Allerdings – aber gerade weil es eintönige Strö- me von Nullen und Einsen sind. Alle Da- ten werden in kleinen Standardpäckchen von etwa 1500 Byte auf die Reise geschickt und suchen sich von Kno- ten zu Knoten allein ihren Weg zum Ziel. die zehn Zahlsymbole 0 bis 9.von 16 Bit – zwei Byte also – Platz für 65 469 Zeichen. wissen. Warum aber eigentlich ? Sind nicht letztlich sämtliche Computerdaten Folgen von Nullen und Einsen. um jedesmal. genug sogar für 27 000 chinesische Logogramme – ein wirklich universaler Code für die elektronische Vernet- zung der ganzen Welt. ob sie eine 7 schreiben oder 7 hinzuzählen oder den sieb- ten Pixel auf schwarz setzen sollen. weil von vornher- ein feststeht : alles. wo sie wieder zusammengesetzt werden. und ist es den Leitungen und Modems nicht egal. die in die Netze ge- schickt werden. 33 Satzzeichen und ein paar Rari- täten wie der Klammeraffe @. am Bildschirm oder vom Drucker darge- stellt zu werden. Der allgemeine Da- tenverkehr im Netz funktioniert nur. ist jedoch nach wie vor das gute alte 7-Bit-ASCII : das lateinische Alphabet in klein und in groß. was kommt. wenn etwa eine 7 eintrifft. Damit sie ihn finden. die Empfängersy- steme.) Was sich seinen Weg durch die Netze sucht. und Text heißt im Netz immer nur 7-Bit-ASCII. das Doppelkreuz # und der Asterisk *. trägt  . (Natürlich genügt es nicht.

und sofort bräche der gesamte Netzverkehr zusammen. wie es heißt und wo es herkommt und wo es hinwill und was es enthält. wie sie sich in  . eine beliebige Nicht-ASCII- Datei (sie heißt »Binärdatei«. den alle Computer. daß ab dem sound- sovielten ein neuer Code gelte. viele Mailprogramme nehmen keine binären Anhänge entgegen. mit allen Sonderzeichen. also ASCII-Datei) sozusagen in eine ASCII-Hülle zu verpacken. Da das Internet keine zentrale Verwaltung besitzt. Es geschieht. Dennoch lassen sich natürlich alle Arten von Daten durch die Netze verschicken : Programme. Dieser Vorspann ist in reinem ASCII abgefaßt. wenn er das Werkzeug hat. der angibt.jedes Päckchen vor sich einen Header. das sie richtig versteht. kann auch niemand seine Spielre- geln ändern und etwa dekretieren. Gültigkeit kann nur der Code haben. Immer muß alles durch den ASCII-Engpaß geschleust werden. indem man sie als Anhang einer E-Mail versendet. verstehen. Wenn irgendein Ab- sender mit einigen Empfängern auch nur die mindeste Änderung verabredete. Allerdings. durch die eine Mail »ge- routet« werden könnte. Werden sie entgegengenommen. einen Vorspann. fände kein Päckchen mehr sei- nen Weg. Grafi ken. Eine Möglichkeit ist die. Klänge und auch Texte mit allen erdenklichen Son- derzeichen. obwohl sie letztlich nicht binärer ist als eine Text-. so kann der Empfänger nur dann etwas mit ihnen anfangen. Kommt zum Beispiel ein Anhang im Format des Textprogramms ›WordPerfect‹. Es geht nur nicht direkt.

der E- Mail zu Sonderzeichen zu verhelfen. um den Anhang zu entziffern. Gar keine Schwie- rigkeit mit ihnen dagegen scheint das bunte laute World Wide Web zu haben : Dort erscheinen anstandslos auch ein Haufen Sonderzeichen auf dem Bildschirm. Auch sieht man sofort den Pferdefuß : Damit ein Zeichen vom Empfänger rich- tig verstanden wird. Selbst wenn der Empfänger bereit wäre.4V-H]FYE($=R_-]E – und damit der Empfänger irgend etwas damit anfangen kann. Die Wörter Schöne Grüße etwa ergäben uu-bersetzt . käme im osteuropäischen Latin-2 als Š an. so braucht er ›WordPer- fect‹. daß das Web eigentlich nichts anderes ist als das Ensemble jener Computer im Netz. Das verbreitetste Verfahren dazu kommt aus der Unix-Welt. das schlecht zum flot- ten Hin und Her der E-Mail paßt. was es versendet.›WordPerfect‹ schreiben lassen. die die Programmiersprache HTML sprechen oder verstehen. Es kommt daher. aus dem westeuropäischen Zeichensatz Latin-1 versandt. HTML übersetzt alles. heißt UU-Kodierung und besteht darin. ehe sie auf die Reise geschickt wird. Die andere Methode ist die. welche sie verwendet haben ? Beide Methoden sind also weit davon entfernt. eine Binärdatei mit Haut und Haar in reines ASCII zu übersetzen. auf eigene Art  . Das Copyrightsymbol ©. Ein etwas mühsames Exerzitium. muß er den gleichen Zeichensatz verwenden wie der Versender. sämtlichen Daten irgendeine Kombina- tion von ASCII-Zeichen zuzuweisen. muß er sie erst rückübersetzen (»uu-dekodieren«). sich auf die wechselnden Zeichentabellen der Absender einzustellen – wie soll er wissen.

zum Beispiel der Zeichensatz Latin-1. Auch das taugt nicht für E-Mail und Newsgroups. so weiß er daraus Schöne Grüße zu machen. Genau so etwas gibt es.  . das da kodiert wurde. Da- mit es dazu imstande ist. und Empfänger wie Absender müßten automatisch alarmiert werden. müßte gleichzeitig im Vor- spann der Mail vermerkt sein. Mehrzweckerweiterun- gen der Internet-Post) und wurde 1992 von Nathaniel S. und das Mail-Programm des Emp- fängers müßte sie automatisch zurückübersetzen.&zlig . daß jetzt etwas auf die- se Art Kodiertes kommt und was es ist. wie es trotz der ASCII-Beschränkung ge- hen könnte. ob der Client den Zeichensatz hat. der Empfänger (wahrscheinlich Mitglied im bisher MIME-losen Online- Dienst CompuServe) verstand aber bloß ASCII. wenn der erfor- derliche Zeichensatz nicht vorhanden ist. Und genau MIME hat die E-Mail vom Bo=DF so zugerichtet : Der Versender (wahrscheinlich hatte er einen direkten Netzzugang und verwendete ein E-Mail- Programm wie ›Eudora‹) sprach MIME.ne Gr&uuml . der einen korrekten Empfang gewährleistet .in reines ASCII. die es zurückübersetzt. Alle Sonderzeichen müßten vom Mailprogramm auf eine unverwechselbare Art automatisch in 7-Bit-ASCII übersetzt werden. Es heißt MIME (Multipur- pose Internet Mail Extensions. Bei jeder eingehenden Mail müßte automatisch geprüft werden. Kommen etwa Sch&ouml . und der sogenannte Browser ist die Software am Empfängerende.e an. Borenstein den das Netz regierenden Normen hinzu- gefügt. Aber es zeigt.

muß dessen Mail-Programm diese Ankündi- gung verstehen und die Kodierung rückgängig machen können. wenn zudem Versender wie Empfän- ger sich an einen gemeinsamen Normzeichensatz hal- ten. der beiderseits des Nordatlantik derzeit nur Latin-1  . Es ist ein offener Stan- dard : erstens eine besondere Methode. zweitens eine stan- dardisierte Ankündigung im Header der E-Mail. oder vielmehr zwei. so daß man getrost auch unbekannten E-Post-Partnern MIME-Kodiertes zuschicken kann. oder wenn immer mehr Online-Dienste MIME als Wächter an ihrem Gate- way zum Internet aufstellen und immer mehr Com- puter im Netz MIME beherrschen. daß jetzt etwas gemäß MIME Kodiertes komme und was das ist – zwei Extrazeilen. MIME funktioniert also nur. Damit es richtig beim Empfänger an- kommt. Dateien vieler Art – auch Programm-. wenn das System des Emp- fängers über den gleichen Zeichensatz gebietet.und Klangdateien oder auch Spreadsheets – für den Weg durchs Netz durch die Umsetzung in ASCII zu präparieren. wenn es an beiden Enden des elektronischen Postwegs installiert ist – und im Falle von Grafikzeichen. der dann auch bald wieder zu klein wäre. MIME – und gerade das macht seine Stärke aus – ist nicht etwa ein neuer. Wenn entweder HTML auf ganzer Linie siegt und auch außerhalb des Web die Mailer mit den netzgeeigneten Kodierungsfähigkeiten dieser Sprache ausgestattet werden. größerer Zeichensatz. char- set=›0-8859-1‹«. So daß es immerhin einen leisen Hoffnungsschim- mer gibt. Grafik.0 Content-Type : text/plain . die dann zum Beispiel lau- ten : »Mime-Version : 1.

ist klar . und Sprachen haben Grenzen. schreibt man seine Mail jedenfalls besser gleich selber in reinem ASCII nieder. solche Umschreibung der unsendbaren Zeichen sei die Lösung überhaupt und zumindest die deutsche Sprache damit aus dem Schneider.sein kann. Muell. Französisch hat siebzehn da- von. aber nicht jedes ss darf in ein ß zurückverwandelt werden. die zudem nicht in Latin-1 enthalten sind. dann werden auch alle Schönen Grüße wohl- behalten das Netz passieren. oft sehr enge sogar. sonst bekommt der Empfänger faßen und laßen zu le- sen. Deutsch mit seinen bloßen sie- ben Sonderzeichen macht es einem ja noch leicht : ö zu oe. Die ASCII-Klemme ist natürlich Teil eines sehr viel größeren Problems. sondern nur in Latin-2. und die lassen sich nicht so einfach in wohlgefäl- liges ASCII auflösen. Der eine Globus der Datenbahnen zersplittert  . Polnisch hat an die vierzig diakri- tische Zeichen. und aus intellektuell und virtuell würde eine au- tomatische Rückverwandlung prompt intellektüll und νirtüll machen. ß zu ss und so fort. freute sich zu früh. denn dann brauchte nur jeder ei- nen kleinen Zusatz zu seinem Mailprogramm. der die nötigen Transformationen an hinausgehender wie an eintreffender Mail automatisch vornimmt. Wer aber meinte. Das Internet kennt keine Gren- zen und ist auf weltweite Kommunikation angelegt . Bis sich MIME oder HTML durchgesetzt haben. diese Kommunikation aber ist vorwiegend sprachli- cher Art. Daß jedes ß zu ss werden müßte.

sterben gelegent- lich. sollte es Europa sein Enye ñ opfern. eine Hy- bridform der heutigen Sprachen. Von den drei. dazu kom- men ungezählte Regionalsprachen ohne amtlichen Sta- tus. daß das auf Interna- tionalismen doch so erpichte Deutschland auch nur auf  . daß weder das eine noch das andere eintreten wird. Bei der »Nationalisierung« des ASCII- Zeichensatzes verzichteten Frankreichs Fachleute aus- drücklich auf das oe-collé. aber nicht nur gegenüber den Dialekten un- überwindbar sind). Sprachen wandeln sich. Als Spanien in die Europäische Union aufgenommen wurde. mischen sich. aber sie führen auch ein ganz außerordentlich zä- hes Leben. da sie vielfältig in- einander verfließen und die Abgrenzungsprobleme be- sonders. und das gilt sogar für ihre Schriftzeichen. sind mindestens 88 Amtssprachen. die auf der Welt gesprochen werden (genau- er läßt sich die Zahl nicht angeben. zu der alle etwas bei- steuern und in der sich die ganze Menschheit wieder- findet ? Oder was ? Es gehört nicht viel Kühnheit zu der Prophezeiung. Es dachte gar nicht daran und feierte seine Erhaltung wie einen nationalen Sieg. gesprochen in den gut 190 Staaten der Welt .bei näherem Hinsehen. das œ – das dennoch weiter verwendet wurde und sich dann auch im Zeichensatz Latin-1 wiederfand. Unvorstellbar. Wie soll die Vernetzung die Verständnisbarrieren zwischen ihnen überwinden ? Werden die · Einzelspra- chen schließlich aussterben und nur noch eine einzi- ge und allen gemeine Weltsprache übriglassen ? Oder wird eine ganz neue Interlingua entstehen.bis fünftausend Sprachen.

kyrillische wären immer noch nicht vertreten. Selbst wenn sämtliche lateinischen Schriften auf sämtliche Sonderzeichen verzichteten und sich wie Englisch und Holländisch mit den 26 Buchstaben des Grundalpha- bets begnügten. bestünde das Dilemma weiter. obwohl ihm die Schweiz vormacht.Linke Tabellenhälfte : ASCII – Die darstellbaren Zeichen aus der Zeichentabelle »ASCII« (ISO 646) Beide Hälften : Latin-1 – Die darstellbaren Zeichen aus der Zei- chentabelle »Latin-1« (ISO 8859-1) SP : Space (Leerschritt. sie könnte sich nur selber aufgeben. he- bräische. Nationale Opfer wären jedoch auch völlig unnütz.  . Selbst generationenlange Unter- drückung schafft eine Sprache nicht aus der Welt . denn den ASCII-Engpaß beseitigten sie alle nicht. daß es auch ohne geht. sein ß verzichtete. griechische. denn andere Alphabete wie das arabische. Zwischenraum) DEL : Delete (Löschen).

und er kann sie nicht nur darstellen. Sobald eine Bot- schaft über die Grenzen dieser Sprachdomänen hinaus  . da sie im Prinzip nur ein Zeichen pro Sprachlaut zur Verfügung stellen müssen. und während die Alphabetschrif- ten mit verhältnismäßig wenigen Zeichen auskommen.hinter ihnen warteten das Armenische und das Javani- sche und zig andere. und es muß auch gar nicht geschehen. Die weltweite Vernetzung wird also am Ende weder zum großen Sprachensterben noch zur Verschmelzung und Hybridisierung der Sprachen führen. im Prinzip sogar schon heute. Der Unicode definiert bereits heute einen gro- ßen Teil der in Frage kommenden Schriftzeichen. auch in den elektronischen Verkehrsmit- teln. Im linguistischen Nahverkehr wird man in den regional gültigen Verkehrssprachen mit den dazugehö- rigen Zeichensätzen kommunizieren. Die verschiedenen Schrift- systeme sind schon in ihrer Anlage völlig unvereinbar und ließen sich auch durch noch so aufopferungsvolle Kompromisse nicht vereinheitlichen . vor allem die 27 000 bis 50 000 chinesischen Wortsymbole. blieben auch die umfangrei- cheren syllabischen Schriften wie das japanische Kana zu berücksichtigen und jenseits der syllabischen die lo- gographischen Schriften. Es wird Platz für alle sein. denn der Computer kann alle Zeichen darstellen. einen gemeinsa- men Zeichensatz kann es nicht geben. sondern – über die ASCII-Brücke – auch mit anderen Computern austau- schen. Es wird also nicht geschehen. und der offene MIME-Standard wie HTML wären auch dem Unicode gewachsen. egal wie groß er sein dürfte.

verstanden werden will. wird man tun müssen. weil es mit den nackten 26 Buchstaben des ASCII auskommt. . und das nicht nur. was man auch ganz ohne elektronische Vernetzung tun müßte : auf die Lingua Franca zurückgreifen. zu der das Eng- lische geworden ist.

AOL / Bertelsmann : Interner Mail-Verkehr auf der Grundlage von Latin-1 . ß in ss usw. Dann wird etwa ä zu d. wird rich- tig verstanden und in Latin-1 zurückübersetzt.  . andere diakritische Zeichen werden wegrasiert (é wird e). die im ΜΙΜΕ-Standard kodiert ist. ist ein nach dem ΜΙΜΕ-Standard kodiertes ›Carriage Return‹. es gibt also (fast) keine Verluste – »Schöne Grüße« bleiben »Schöne Grü- ße«. Aus AOL ins Internet versandte »Schöne Grüße« kommen bei allen Empfängern als »Schoene Gruesse« an. werden die Sonderzeichen unter Umständen ohne Warnung ganz unterdrückt oder durch Leerzeichen ersetzt. und »Schöne Grüße« kom- men als »Schvne Gr | _e« an. »Schöne Grüße« erreichen ihn dann als »Sch=F6ne Gr=FC=DFe«. Ins Internet hinausgehende E-Mail wird relativ sinnvoll in 7- Bit-ASCII übersetzt : ä in ae. muß immer damit rechnen. wenn dessen Client-Programm ebenfalls MIME versteht. daß sie nicht richtig ankommen. ein »Aperçu« als »Apercu«. Beim Empfänger kommen sie jedoch nur richtig an. Je nachdem. alle westeuropäischen Sonderzeichen bleiben richtig erhalten. ö zu v. Mögli- cherweise wird auch das achte Bit einfach ignoriert und das 7-Bit-Muster des betreffenden Zeichens gelesen. das an unvermuteten Stellen. Abhilfe schafft nur ein ΜΙΜΕ- fähiges Mail-Programm wie ›Eudora‹. . welchen Mai- ler er selber und welchen Client der Empfänger benutzt und welche Routers und Gateways die Post unterwegs passiert. Einge- hende E-Mail. ›Windows Messaging‹ : Alle Zeichen von Latin-1 können dann kodiert gesendet werden. ß zu _. manchmal am Ende je- der Zeile auftritt. die nicht in der 7-Bit- ASCII Tabelle enthalten sind. ein »Aperçu« als »Aper=E7u«. bedeutet also ›Neuer Absatz‹. ü zu |. ›Netscape‹. Sonst erhält er sie in entstellter. nämlich kodierter Form.Verlustbilanz Direkter Netzzugang : Wer Zeichen in seiner Mail verwendet. Das rätselhaf- te =20.

CompuServe : Interner Mail-Verkehr auf der Grundlage von Latin-1 . ß zu _. alle westeuropäischen Sonderzeichen bleiben erhalten. CompuServe erprobt zur Zeit (Sommer 1996) MIME. ß in s. »Schöne Grüße« kommen bei allen Empfängern außerhalb CompuServe als »Schone Gruse« an. Etwa aus ›Eudora‹ eintreffen- de »Schöne Grüße« kommen beim Empfänger darum als »Sch=F6ne Gr=FC=DFe« an. MIME wird nicht dekodiert. sondern entsteht einfach dadurch. daß der  . »Schöne Grüße« kom- men bei allen Empfängern außerhalb T-Online als »Schvne Gr|_e« an. alle westeuropäischen Sonderzeichen bleiben erhalten. é zu i usw. é in e usw. Baudot-Code T-Online : Interner Mail-Verkehr auf der Grundlage von Latin-1 . ein »Aperçu« als »Apergu«. ein »Aperçu« als »Apercu«. Diese Entstellung geht nicht auf ein absurdes Umsetzungsverfahren der Deutschen Telekom zurück. Ins In- ternet hinausgehende E-Mail wird wenig sinnvoll in 7-Bit- ASCII übersetzt : ä in a. Am Gate- way zum Internet auch kein MIME für eingehende E-Mail . Ins Inter- net hinausgehende E-Mail wird mit Gewalt zu 7-Bit-ASCII gemacht : ä zu d.

ECMA-6. re- vidiert 1983 und 1991) und gleichzeitig deutsche Norm (DIN 66003). Gleichzeitig beriet seit i960 in Europa ein Komitee der ECMA. er hatte nur Großbuch- staben. beschlossen vom Unterkomitee X3 der ASA. Diese Tabelle wurde 1968 vom ANSI als X 3.. Am Gateway vom Internet ist für eingehende E-Mail zwar MIME installiert.i des CCITT in der ITU). das am 30.4 übernommen und zum amerikanischen Normzei- chensatz. ΜΙΜΕ-kodierte Mail wird aber nicht in La- tin-1 zurückübersetzt. von dem auch das Baud seinen Namen hat. Von den 128 Positionen benutzte er nur 100 . fügte aber auf den unbesetzten Positionen die 26 Kleinbuch- staben hinzu. »Aperçu« als »Apercu«. 1974 wurde sie internationale Norm (ISO 646.Gateway von T-Online ins Internet das achte Bit ignoriert. Der Baudot-Gode. Auf 5 Schritten beruhender. Juni 1963. April 1965 eine Normzeicheritabel- le beschloß. entstand 1895.1929 löste er in weiterent- wickelter Form das Internationale Telegraphenalphabet Nr. 1 ab (Recommendation F.3) von ISO und CCITT/ITU zum Internationalen Telegraphen-  . Genormte Zeichensätze Baudot-Code : offiziell International Telegraph Alphabet no. Sie entsprach im wesentlichen ASCII. am 17. der Vorgängerin des ANSI. Etwa aus ›Eudora‹ mit MIME eintreffende »Schöne Grüße« kommen beim Empfänger in T-Online als »Schoene Gruesse« an. international bis heu- te verwendeter Zeichensatz für den Fernschreibverkehr. 1968 wurde sie auf gemeinsame Empfehlung (V. 2 (ITA-2). sondern (einigermaßen sinnvoll) in 7- Bit-ASCII. 10 Positionen sollten nationalen Sonderzeichen zur Verfügung stehen. Er enthält folgende darstellbare Zeichen : ABCDEFGHIJKLMNOPQR- STUVWX ΥΖ ? :38().9θΐ4’57 = 2/6 + ASCII (USASCII) : Genormter amerikanischer 7-Bit-Zeichen- satz für den Fernschreibverkehr und den Datenaustausch zwischen Computern. benannt nach dem französischen Fernmelde- ingenieur Emile Baudot (1*845-1903).

die die hinzugewonnenen Plätze für den amerikanischen Datenverkehr nutzte. ergänzt (ISO 8859-1 bis 10) – die Nummer 2 (Latin-2) deckt die mittelosteuropäischen ab. der die Schriftzeichen aller Verkehrssprachen der Welt aufnehmen soll : alphabetische wie syllabische und logographische Schriften. Erweiterungen zu ASCII : Durch Hinzunahme eines achten Bit zu einem 7-Bit-Code wie ASCII ergeben sich 128 weite- re Positionen in der Zei-chentabelle. die Zeichen aber in anderer Reihenfolge anordnet. das ITA-2 nicht ablöste. Im  . Im März 1985 beschloß die ECMA einen 8-Bit-Code mit 256 Zeichen. Bisher wird er nur in Windows NT verwendet. 19 81 führte IBM für DOS-Rech- ner die Codepage 437 ein. die Konversion EBCDIC ◁▷ ASCII ist eine heikle Sa- che. Er wurde 1986 von der ISO zur Weltnorm ge- macht (ISO 8859-1. die sich mit Latin-1 im Zeichenvor- rat deckt. aber nicht mit ASCII kompati- bel ist . Meist wird mit DOS dagegen die Co- depage 850 verwendet. genannt Latin-1) und ab 1987 nach und nach durch neun weitere Zeichensätze. die Nummer 10. der alle westeuropäischen Sprachen abdeckte (ECMA-94). Die IBM-Codepage 819 für DOS ist identisch mit Latin-1. Für seine Mikrocomputer verwendete ab Anfang der achtziger Jahre dann auch IBM ASCII. ›Windows‹ enthält sämtliche Zeichen aus Latin-1 und noch einige mehr.alphabet Nr. auch Latin-6 genannt. sondern bei Bedarf ergänzt. aber auch die großen westeuropäischen Verkehrssprachen berücksichtig- te. der im Um- fang etwa ASCII entspricht. Unicode (UCS) : Seit 1987 ursprünglich von den Firmen App- le und Xerox entwickelter Code. Die deutsche Entsprechung zu ISO 8859-1 ist DIN 66303 (November 1986). Wegen der Vorherr- schaft von IBM-Rechnern im BITNET spielt dort bis heute EBCDIC eine Rolle. EBCDIC : Anfang der sechziger Jahre ein- geführter Zeichencode für IBM-Großrechner. zum Teil auch für nichtlateinische Alphabete. ist für Lappisch und die Eskimosprachen bestimmt. Diese werden heute auf verschiedene Weise genutzt. 5 (ITA-5). Er beruht auf 16 Bit (2 Byte) und stellt damit 65469 Positionen zur Ver- fügung.

Genf ITU : International Communication Union. Bei der Kodierung werden jeweils drei Nicht-ASCII-Bytes in vier ASCII-Zeichen umge- setzt . überholt durch RFC-1521/ 1522/1563). von der Internet Engineering Task Force veröffentliche Spezifikationen für den Datenver- kehr im Internet UCS : Universal Multiple-Octet Coded Character Set . vorausgesetzt. die Dateien werden also etwa ein Drittel länger. Grafiken. Text- dateien mit Sonderzeichen) als E-Mail zu verschicken (RFC- 1341/1342. auch Nicht-ASCII-Dateien (Program- me. an beiden Enden ist MIME installiert. Spreadsheets. ASA : American Standards Association.und Videodateien. Es wer- den nur jene 65 ASCII-Zeichen verwendet. die es möglich macht. New York ASCII : American Standard Code for Information Interchange CCITT : Comité Consultatif International de Téléphones et Télégraphes. Die Daten werden beim Versand automatisch kodiert und beim Emp- fang ebenso automatisch wieder dekodiert. Genf MIME : Multipurpose Internet Mail Extensions RFC : Request for Comments.Juni 1992 wurde er zur internationalen Norm gemacht (ISO/ IEC 10 646-1). Audio. New York DIN : Deutsches Institut für Normung. die in allen natio- nalen Ausdeutungen von ISO 646 identisch und auch in EB- CDIC vorhanden sind (Base64 ASCII). Genf ISO : International Organization for Standardization. Berlin EBCDIC : Extended Binary Coded Decimal Interchange Code ECMA : European Computer Manufacturers Association. MIME : Eine von Nathaniel S. Genf IEC : International Electrotechnical Commission. Genf ANSI : American National Standards Institute. Borenstein von der Firma Bell- core 1992 lancierte Norm für den E-Mail-Verkehr im Internet.

und ohne einen zur Zeit nicht einmal vorstellbaren technologi- schen Durchbruch im Science-fiction-Stil wird sie nie gelingen. als ein Algorithmus nach dem andern an ihr scheiterte. Der Computer tut willig al- les. Nicht. um ihm den Trick beizubringen – mit dem Ergeb- nis. Aber es muß ihm erst einmal aufgetragen werden.Ausstellung ist verpestet Über den PC als Übersetzerlehrling Es ist ein halbes Jahrhundert her. Ihre ganze Komplexität kam erst in den Jahren ans Licht. und er tut es schneller und zuverlässiger als das menschliche Gehirn. den der Com- puter knacken könne wie andere Codes auch . Seitdem wurden viel Mühe und Scharfsinn aufgebo- ten. daß heute feststeht : MÜ (Maschinenübersetzung) geht nicht. Sie ist mehr als ein Geheimcode – eine sehr viel härtere Nuß. daß dem Computer damals zuviel zugetraut wurde. Eine natürliche Sprache sei doch eine Art Geheimcode. es müs- se nur immer ein Wort durch das richtige andere er- setzt werden. was man ihm aufträgt. Es wurde nur der menschlichen Sprache viel zu- wenig zugetraut. ausdrücklich und  . daß der Computer- pionier Warren Weaver seinen Kollegen Mut zusprach : Aus dem Rechner ließe sich bestimmt auch eine Ma- schine zur Sprachübersetzung machen. heute nicht und morgen nicht.

aber die ihrer Bildung zugrundeliegen- den Regeln und Informationen sind es ja wohl nicht. ob  . Abkürzungswege gibt es nur wenige . Wendung für Wendung her- angezüchtet werden – und je mehr sie lernt. daß sie auf drei ver- schiedenen. Ist es grundsätzlich ausgeschlossen ? Zwar ist die Zahl der möglichen Wörter und Sätze und ihrer Bedeutun- gen unendlich. ist die Tatsache. ineinander verschachtelten Ebenen durch- strukturiert ist. Das genau ist der Haken : Es ist nicht gelungen. Der Computer muß am Ende eine Zei- chenfolge in eine andere übersetzen. letztlich müßte alles Denken simuliert werden. Keine auch nur denkbare Regel verriete ihm je.Schritt für Schritt. Aber Sprache ist kein Modul ganz für sich. auch nicht im Gehirn. was sich irgendwann erfinden ließe. und das macht die Zahl der nötigen Rechenschritte ungeheuer groß . die (nichtnumerische) menschliche Sprachak- tivität auch nur annähernd vollständig in eine noch so große Zahl eindeutiger Rechenschritte aufzulösen. Allenfalls könnte sie langsam. ob und wann er h-o-w in q-u-é verwandeln muß. Sie ist tief in alles menschliche Wissen und Denken eingebettet. how are you ? in qué tal ? zum Beispiel. eine nach der an- dern müssen die Regeln und die herangezogenen Infor- mationen dem Gehirn abgewonnen und der Überset- zungsmaschine vermittelt werden. sonst gäbe es Sprache nicht. um so grö- ßer werden auch ihre Fehlermöglichkeiten. Sie ist darum auch nichts. ganz langsam in schier endloser Kleinarbeit Wort für Wort. Auf der Zeichenebene käme er nicht weit. Was der Algorithmisierung der Sprache ganz beson- ders im Wege steht.

sondern muß die Wörter in den Zeichen erkennen. es ist »unidiomatic«. Nach für jede Sprache besonderen Regeln treten auf der unteren Ebene die für bestimmte Laute stehen- den Zeichen der alphabetischen Schriften zu Wörtern zusammen. die neuronalen Netze.und wann einer der drei Strings wegfällt oder ob q-u- é für h-o-w steht oder für h-o-w. wenn er übersetzen soll. wie einem Englischlehrer so gern bescheinigen. Nach ganz anderen Regeln werden auf ei- ner höheren Ebene die Wörter zu Sätzen kombiniert. in gewissem Umfang selber zu lernen imstande sind. solange er sie nicht im Satzzusammenhang sieht. die der Wörter und die der Sätze. die sich teilweise über die anderen Regeln hinwegsetzt : Ein Satz mag zwar in jeder Hinsicht richtig sein. geknackt wären. Er muß. Und auch die Wörter brächten ihn nicht viel weiter. Und wenn beide Codes. Daß ein A viele Formen haben kann. An diesen drei ineinander verschlungenen Codes dürfte auch das dem Gehirn abgesehene Wundermittel der Informatik scheitern.-a-r-e oder für was sonst. richtige Sätze kon- struieren können. die jene Regelmäßigkeiten. die man dem Computer nur schwer einzeln vorbuchstabieren kann. oder umgekehrt gesagt : daß viele verschie-  . aber man sagt einfach so nicht. Er darf nicht auf der Ebene der einzelnen Zei- chen bleiben. käme als dritter Code die Idio- matik im weitesten Sinn hinzu. bei der Analyse und der Synthese also. und dabei werden wiederum die Wörter selber verän- dert. sowohl wenn er einen ihm vorgeleg- ten Satz untersucht als auch bei seinem Nachbau in ei- ner anderen Sprache.

wenn er sie nicht für A.den aussehende Zeichengestalten als A zu interpretieren sind – das läßt sich dem Computer mit Hilfe neurona- ler Netze vermitteln. Aber eine  . was ein A ist und wor- an es jedes mögliche A als ein solches erkennen kann. das man ihm vorsetzte. Er stellt also zwischen vielen verschiedenen Mustern und einem bestimmten Buchstaben eine Be- ziehung her. über. aus denen sich dann die richtige Lösung extrahieren ließe. Dank diesen Korrekturen verändert er die Gewichtung zwischen den neurongleichen Prozessoren des Netzes und abstrahiert aus allen ihm vorgelegten akzidentel- len Schriftformen sozusagen die idealen. Der Aufwand beim Aufbau eines maschinellen Über- setzungssystems steigt exponentiell. In mensch- lichen Begriffen ausgedrückt : Ineinander verschachtel- te Codes kann er nicht durchschauen.oder untergeordneten Ebene zu suchen ist. ihm eindeutig vorzudefinieren. prototypischen Buchstaben. könnte er die Regularitäten nicht erkennen. Es wäre ihm auf diese Weise nicht beizubringen. Wenn er die vorgelegten Muster erst in einen oder zwei Geheimco- des übersetzen müßte. Da es schwer bis unmöglich wäre. Es ist eine direkte Beziehung. legt man ihm viele Arten von A vor und korrigiert ihn. In dem Sprachmaterial. Dem doppelt und dreifach durchstrukturierten Code der Sprache wäre er nicht gewachsen. wäre er verloren. daß die Lösung für ein bestimmtes Problem auf einer ganz anderen. sondern für etwas anderes hält. Die häufig vorkom- menden Wörter und Satzbaupläne (»Phrasenstruktu- ren«) aus den Kernbereichen der Sprachen sind dem Computer noch relativ schnell beigebracht.

Ein Satz ist mehr als die Summe seiner Wörter. sein. dies ist nicht im minde- sten zu entnehmen. der Compu-  . drucken. also muß zu der morphologischen Analyse die syntaktische treten. läßt sich auf der Wortebene gar nicht entscheiden. Zunächst sieht er nur Zeichen – und muß herausfinden. Es war mehr als naiv. Erst der Computer hat so richtig klar werden lassen. Je weiter man sich vom Zentrum ent- fernt. indem man einfach jedes Wort der Quellsprache durch ein entspre- chendes Wort der Zielsprache ersetzt. fein. welches Wort in den Zeichen steckt. je weiter in seine dünneren Außenbezirke man ge- rät. Papier. alt. die sich aus ihnen bauen lassen. Je größer das System dabei wird. Gesetzt den Fall. desto schwerer läßt sich auch erkennen. Er muß Schritt für Schritt das Vieldeutige eindeutig machen. um falschen Re- aktionen vorzubeugen. was sich den Sätzen entnehmen lie- ße.Sprache ist wie ein sich nach außen immer weiter ver- dünnender Stern. wie abenteuerlich. Eins-zu-eins-Ent- sprechungen zwischen zwei Sprachen gibt es nicht. Fälle zu- nehmenden Seltenheitsgrades mit abzudecken. zwei Sprachen ließen sich jemals ineinander übersetzen. desto mehr muß unternommen werden. sondern erst auf der des Satzes . wie es auf eine Erweiterung reagiert – und desto größerer Aufwand ist vonnöten. Den Wörtern Buch. Und sowieso ist die Wortebene nur der Anfang. Ist fehlerfreierem eine Ab- leitung zu Fehler oder Freier oder Ei oder frei ? Welche ? Ob Weise Substantiv oder Verb ist. verzweiflungsvoll vieldeutig eine Sprache auf jeder ihrer Ebenen ist. anzunehmen.

Der Mensch ist dazu scheinbar spie- lend in der Lage. Er kannte es ? Er wußte es ? Er brauchte mehr als semantische Kenntnisse. Auch der menschliche Übersetzer. wenn er den Satz ver- ließe und »wüßte«. und also auch nicht.ter ermittelt dabei. um dies zu entschei- den. Sie sind es. der Humantrans- lator. zum Beispiel nicht. nämlich wenn der Computer zu dem Schluß kommen sollte. Er weiß nicht nur. Wel- che Weisen gemeint sind. Es ist die Übertragung der hinter den Zei- chen. daß weise Menschen nicht sing- bar sind. auch nur eine Bagatelle wie he knew it zu übersetzen. Er übersetzt weder Zeichen noch Wörter und noch nicht einmal Sätze. der semantischen. die der Com- puter nur richtig auflösen könnte. Wörtern und Sätzen stehenden Bedeutungen. wüßte er noch immer nicht. die in der Zielsprache mit deren eigenen Mitteln abzubilden wären. Und alle linguistischen Analysen zusammen helfen ihm nicht. verwandelt beim Übersetzen eine Zeichenkette in eine andere. unter Beachtung welcher morpholo- gischen und syntaktischen und semantischen Regeln. Ganz abgesehen von der Anapher it. worauf in den voraufgehenden oder folgenden Sätzen sich dieses it bezieht. Dennoch ist sein Tun so nicht gerade er- hellend beschrieben. was sich über einzelne Dinge sinnvoll sa- gen läßt. Es ergibt sich bestenfalls auf der nächsthöheren Ebene. wie etwas gesagt werden kann – mit welchen Wörtern und Wendungen. Übersetzen ist et- was anderes. daß Weisen nur ein Akkusativobjekt sein kann : Fragt die Weisen – Singt die Weisen. wie sie übersetzt werden müßten. Er weiß auch. weil er »versteht«. was der im Meer der Viel-  .

und dennoch sind nicht alle bloßer Unfug. ›vollauto- matische Qualitätsübersetzung‹ : die unüberwachte. Aber weit. wenn- gleich grammatisch richtig hinsetzt : Die Zeitberechnung von den Bohrern schlägt vor. Zwar ist ein Ding der Unmöglichkeit. indem er dem unentbehr- lichen Humantranslator einen Teil der Arbeit abnimmt. die in einer lebendigen Sprache möglich sind. und je mehr Amtssprachen hinzu-  . recht und schlecht simulieren. ist er nie gewachsen. Nicht dem literarischen. eine eindeu- tige und einheitliche Terminologie in gerade Sätze zu verstricken (auch dabei können Sprachwitz und Phan- tasie nicht schaden). nur dem Fachübersetzer. sondern vor allem darin. auch dem simpelsten nicht.deutigkeiten ertrunkene Computer bedenkenlos. Porzellan möchte Schutz Teng-hui drohen (The timing of the drills suggests China wants to threaten Lee Teng-hui). Dennoch gibt es Übersetzungsprogramme mittler- weile sogar für den PC. und allen Wör- tern und Satzkonstruktionen. Mit keinem Text. Bei den europäischen Behörden ist ein großer Teil des Beamtenapparats nur mit dem Dolmetschen und Über- setzen beschäftigt. die ihm eingetrichtert worden sind. was bei Computerlinguisten FAHQT heißt. Der Computer »weiß« nichts. in jeder Hinsicht richtige Übersetzung beliebiger Texte. Er kann allenfalls kleine Bruchstücke menschli- chen »Weltwissens«. Feinheiten des Ausdrucks nachzuspüren. des- sen Kunst nicht darin besteht. weit unterhalb der mythischen FAHQT könnte er sich in Grenzen nützlich machen. kann der Computer je allein gelassen werden .

dann wirkt das Kauderwelsch. wo schon geringe Produktivitätssteigerungen zu Bu- che schlagen – nicht als eine Wunderarznei. So gut wie kein Industrieprodukt läßt sich exportie- ren. um so erdrückender wird die Übersetzungs- last. sondern nur als ein Werkzeug mehr. Bald glaubt man’s . Das ganze Projekt MÜ wäre längst abgeblasen. daß es auf diesem riesigen Markt Fuß fassen kön- ne. und Foul ist fair – was war das wohl einmal ? Es war Shakespeares berühmte Zeile Fair is foul. um sich die zunächst unglaublich wirkenden Klopse der MÜ vorzuführen. Die Heiter- keit hält jedoch nicht lange an. daß auf der Welt jähr- lich heute über zwei Milliarden Seiten dieser schmuck- losen Gebrauchsprosa übersetzt werden müssen. Aber woher sollte der Com- puter auch wissen. Es wurde geschätzt. gerade weil sie so gefährlich glatt wirkt – obwohl sie unabsichtlich sogar einen Reim liefert ? Die Messe ist schlecht. wenn ihm nicht umfängliche Dokumentationen in den Sprachen der Importländer mit auf den Weg gege- ben werden. and foul is fair. Der Com- puter hat sie sogar einigermaßen richtig übersetzt.  . daß er es hier mit einem ganz an- deren fair zu tun hat als dem. Ausstellung ist verpestet. die raf- finiertere automatische Übersetzung sogar im Grunde die schlechtere. und das Foul ist gerecht. auf das seine Program- mierer zuerst verfallen waren ? Ist die bessere. das jede MÜ produziert. bestünde nicht eine gewisse Hoff- nung. und die Menge wächst stetig. und trotzdem stimmt nichts. kommen. Die existierenden Programme sind vorzüglich geeig- net. nur noch öde.

Leider ist es genau umgekehrt : Je primitiver das Programm. Es stört einen nur bei der Niederschrift der eigenen Übersetzung. um sich statt dessen als Werkzeug für den menschlichen Übersetzer zu emp- fehlen. aber äußerlich gefälligere ›SchWINn Translator Pro‹ ist er nicht mehr als eine Textverschrottungsma- schine. Sind die Übersetzungsprogramme sonst noch zu et- was gut ? Sie wären um so besser. was man brauchte. Als Option bieten einem beide an. sondern ersetzen. manchmal Wortgruppe durch Wortgruppe. der Mensch brauche nur Programm Soundso zu erwerben und sei auf der Stelle aller Übersetzungssorgen ledig. Wenn sie oder ein ahnungsloser Laudator in einem Computermagazin versprechen. daß es sich um eine plumpe Irreführung handelt. je weniger sie sich als Übersetzungsprogramme gerierten. so muß man gar nicht erst hinsehen. Beide übersetzen nicht. brauchte also die Dienste des Programms nicht mehr. Seine Wörter- listen nämlich sind so spärlich und lückenhaft bestückt. wenn man es sich auf der Stelle zurückübersetzt : payment may be made by check. Die Methode entzieht selbst einfachste Sätze jedem Ver- ständnis : Bezahlung kann sein gemacht von kontrollieren. Wort durch Wort. Das ist nur zu retten. Dazu aber müßte man den betreffenden Satz be- reits selber übersetzt haben. um zu wissen. Als »Übersetzungsprogramm mit großem Leistungs- umfang« stellt sich der ›FB-Translator‹ vor. um so voller nehmen seine Distributoren den Mund. daß meist nicht dabei ist. Wie der ähn- liche. Selbst für  . sich die richtigen Wör- ter aus den angezeigten Vorschlägen selber herbeizuk- licken.

das Programm seinen Zwecken ein Stück weit gefügig zu machen. als daß der Übersetzer etwas da- von hätte. und die Bedienung ist viel zu schwerfällig. Nicht ganz so low-end sind die diversen Program- me der amerikanischen Firma Globalink. desto. Die Firma ließ es fallen. und für eine rasche und oberflächliche Syntaxanalyse ist ihnen so etwas wie ein Parser aufgesetzt. mach- te es sich für Siemens nicht bezahlt. Da deren Zahl sich in Grenzen hält. also kann man auch kein dem in seine Übersetzung schreiben.the werden nur sechs Möglichkeiten geboten. Auch der »manuelle« Gebrauch beider Programme also bringt dem Übersetzer nur das Gegen- teil von Hilfe : eine geradezu groteske Behinderung. kostete minde- stens 60 000 Mark und brauchte eine einmonatige Ein- arbeitungszeit : etwas für die Übersetzungsbüros einiger Großkunden. High-end und vom feinsten dagegen sind der von IBM entwickelte ›Personal Translator‹ (PT) und der von Siemens entwickelte ›Ti‹. wenn an der betref- fenden Stelle dem nötig wäre ? Das ist nicht vorgesehen . setzte eine Sun-Workstation voraus. Aber das Ergebnis ist fast durchweg grammatischer Schrott (Der Briefträger nur Ringe zweimal). das. umso – und was. und bei Langenscheidt versucht es nun für ein  . der. den. die. wie man überhaupt nur die wenigsten Wör- ter hineinschreiben oder an der Darstellung etwas ver- ändern könnte. Ihre Lexika sind gar nicht so klein. ›Ti‹ hieß bis 1995 noch ›Me- tal‹. die das Programm durchaus mit Erfolg einsetzen. deren Sprachshredderdienste man auch im Internet in An- spruch nehmen kann.

Man verübelt es ihm nicht. und je länger das dazugehörige Lexikon. daß Welten zwi-  . sein Glück auf dem weiten allgemeinen Markt. und in beiden stecken viele Jahre sachverständiger Ent- wicklungsarbeit. auf das sie anzuwenden sind. desto mehr Möglichkeiten hat der Rechner schließlich durchzuprüfen. jeden Satz bis zu seiner letzten Komponente zu analysieren. Je um- fangreicher die Regeln in einem Parser. bei- de haben mächtige Parser. Bei längeren Sätzen rechnen sich ihre Parser tot. aber immerhin richtig übersetzt heraus. Trotzdem kommt bei beiden nur aus- nahmsweise einmal wenigstens ein kürzerer Satz zwar anspruchslos. denn die Kapitulation ist in diesem Fall nicht nur die ehrlichere. Beide Programme haben eindrucksvolle. bei Sätzen ab vierzig Wör- tern – und das ist noch nicht wirklich lang – schafft er es in der voreingestellten Zeit von fünfhundert Sekun- den immer öfter gar nicht und kapituliert. Bei Sätzen von etwa fünfundzwanzig Wörtern an dauert es schon bedenklich lange. bis er zu einem Ergebnis kommt . nach wähl- baren Sachgebieten aufgeschlüsselte Wörterbücher. Nur wer linguistisch einigermaßen gewitzt ist.Hundertstel seines ehemaligen Preises. sondern auch die effizientere Methode – es würde den Humantranslator viel mehr Zeit kosten. für 300 bis 600 Mark. als ihn von Grund auf selber neu zu übersetzen. nur er weiß zu würdigen. erkennt hinter den meist auch hier rundheraus falschen und oft schlechterdings unverständlichen Sätzen die große An- strengung . den von der vielen sinnblinden Rechnerei völlig durcheinandergebrachten Satz wieder zu entwir- ren. die wacker versuchen.

eigentlich. Eine sprach- lich simple. mit der sie fertig zu werden versprechen. die draußen auf der freien Wildbahn des Lebens vorkom- men. check mit Überprüfung zu übersetzen. geben ihren Benutzern aber einige realistische Rat- schläge. ja. wohl. aber in ihren Konsequenzen entscheidende Aufforderung wie die. So müßten die meisten Texte. als sich fremd- sprachige Schriftstücke so grob in die eigene Sprache übersetzen zu lassen. Auch wenn man nichts weiter von ihnen will. ehe man ihnen solche Texte unbeaufsich- tigt auch nur zum Zwecke eines groben Vorverständnis-  . kann fatal falsch herauskommen : Zahlung kann von Überprüfung auf jeder Bank gemacht werden (›PT‹) oder Zahlung kann geleistet von Überprüfung gezogen auf jeder Bank (›Ti‹) – man müßte schon wissen. die durchaus auf eine Einschränkung hinaus- laufen : Kurze Sätze ! Keine Schachtelkonstruktionen ! Keine langen Attribute ! Keine Füllwörter (doch. einen Betrag per Scheck zu be- zahlen. ob man sie wirklich übersetzt haben will) – selbst bei solchem Mi- nimalanspruch kann man ihren Ergebnissen also nur mit nimmermüdem Mißtrauen begegnen. praktisch) ! Alles dies bringt sie von vornher- ein in Verlegenheit. vollständige Sätze zu bauen. für sie erst mundgerecht aufbereitet werden. zwar nicht ausdrücklich ein. daß man wenigstens ihren Sinn erahnen kann (um dann zu entscheiden. die keinerlei oder wie die von Glo- balink nur halbherzige Versuche machen.schen ihren Ergebnissen und denen der primitiveren Programme stehen. daß beide Programme dazu neigen. Beide Programme schränken die Sprache.

und nicht an ihnen sollten sie gemessen werden. Selbst die allerhäufigsten erkennt er nicht – etwa wenn er by the way (das so häufig vorkommt. etwa immer neuen Aktualisie- rungen der gleichen Manuale. Terminologi- en. früher einmal gefundene Lösungen in einem Archiv auf Abruf bereit. oder nur nebenbei. Die in diese Programme ein- gefütterten Texte sollten also vorher den sprachlichen Fähigkeiten der Maschine angepaßt werden .in die Human- sprache übersetzt werden. sie sind nicht viel weniger dürftig als die der low-end- Programme. Hier stehen ihm. Beide Programme haben eine seltsame Schwäche bei idiomatischen Wendungen. daß es in der E-Mail oft abgekürzt wird. Es sind auf den Fachübersetzer zugeschnittene. der Parser zeichnet sich durch eine besonders tüchtige  . Die Programme sind nämlich gar keine Übersetzungs- automaten. Der gewaltige computerlinguistische Aufwand ver- bessert die Übersetzungsleistungen also gar nicht gewal- tig . und ihre Resultate müssen durchweg aus der MÜ. wenn er es mit vielen gleicharti- gen Texten zu tun hat. vor allem der ›PT‹. Hier kann er sich sein A und Ο anlegen.ses anvertrauen könnte. anpassungsbedürf- tige. aber auch anpassungsbereite Arbeitsplattformen. Aber sie sind hier gar nicht das Entschei- dende. Bei ›Ti‹ ist Langenscheidts ›Handwörterbuch Englisch‹ – das dem Übersetzer mehr hilft als das ehrgeizigste Überset- zungsprogrammm – mit in die Oberfläche eingebunden. Sie visieren ein beschei- deneres und darum realistischeres Ziel an. BTW) mit durch den Weg übersetzt und no matter what mit keine Angelegenheit was.

Kompositaanalyse aus. Insofern ist ›Ti‹ Spitze – für den Laien eine Art High-Tech-Adventure zum Thema Sprache. und der Einbau eigener Wör- terbücher in die Hierarchie seiner Lexika ist sinnvoller gelöst. . für den Pro- fi die ultimative Nichtübersetzungsmaschine. der Editor versteht wesentlich mehr als bloßes ASCII.

(3) Literarischer Text : Sebastian Knight was born on the thir- ty-first of December. happened to show me in Paris the diary she had kept in the past. Tina Bennis argued that confisca- tion of the car under a Michigan law violated her constitutio- nal right to due process and represented an unconstitutional taking of her property. dollars and do not include shipping or insurance. Two to three days transit time to Europe and three to four days transit time to Australia. dollars. There are no minimum orders. Please refe- rence your order. So uneventful had those years been (apparently) that the collecting of daily details (which is always a poor method of self-preservation) barely surpassed a short description of the day’s weather . We offer volume discounts. We ship door to door via DHL or other car- rier of your choice. (2) Pressemeldung : In a landmark case. in a 5-4 opinion. At issue was whe- ther an innocent owner’s property can be seized if it is used in the commission of a crime. upheld the forfeiture. 1899. New Zealand and the Far East.  . But the court.S.S.Drei Versuche (1) Geschäftsmitteilung : All prices are in U. a sharply divided Su- preme Court ruled yesterday against a woman who protested when local authorities seized a car she co-owned with her hus- band after he had sex in it with a prostitute. An old Russian lady who has for some obscure reason begged me not to divulge her name. and it is curious to note in this respect that the personal diaries of sovereigns no matter what troubles beset their realms are mainly concerned with the same subject. Prices are subject to change wi- thout notice. in the former capital of my country. or mo- ney may be transferred directly to our account. Payment may be made by check drawn on any bank in the United States and payable in U.

in ein 5–4 Meinung.S.1. es ist nicht Mindestmaß Bestellungen. Dollars. 1994. Entwickler : Markus Schwinn. E/D. 1899. Mannheim. ein scharf teilte höchst Hof be- herrschte gestern gegen ein Frau wer aufbegehrt wenn Orts- behörde angepackt ein Auto sie co-besaß mit ihr Ehemann nach er hatte Geschlecht darin mit ein Dirne. oder Geld mag sein transferierte direkt zu unser Konto. (3) Sebastian Ritter war geboren auf dem dreißig-erste von Dezember. Tina Bennis argumentierte diese Konfiszierung von der Auto unter ein Michigan Gesetz übertrat ihr gesetz- mäßig recht zu fällig Vorgang und repräsentierte ein verfas- sungswidrig Aufnahme von ihr Eigentum. neu Zealand als auch die fern östlich. zugestoßen Schau mich in Paris der Tagebuch sie hatte behielt in der Vergangenheit also ereignislos hatte solch Jahre gewesen (scheinbar) diese der ansammelnd von täglich Einzelheiten (welcher ist immer ein arm Methode von selber-Konservierung) knapp überbot ein Kurzbeschreibung von der day’s Wetter . und es ist neugierig beachten in dieser Hinsicht diese der persönlich Tagebücher von souveräne macht nichts was Mühen bedrängen ihr Reiche sind vorwiegend zuständig mit dasselbe unterworfen. unsereins anbieten Name eines Datenträ- gers Skonti.S. aber der Hof.95 DM (1) all Preise sind in U. Preise un- terliegst Änderung fristlos Bezahlung mag sein gemacht von prüfen gezeichnet eingeschaltet irgendeine Bank im gemein- schaftlich Beschaffenheiten und fällig in U. bitte Emp- fehlung euer Ordnung.  . fortgeschrittene Technik Streitfrage war ob ein unschuldig owner’s Eigentum kann sein angepackt wenn es ist gebraucht im Auftrag einer Verbrechen.SchWINn Translator Pro 1. unsereins Schiff Tür zu Tür via DHL oder andere Spediteur von euer Wahl. 39. gehalten der Verwirkung. zwei zu drei Tage Durch- gangszeit nach Europa und drei zu vier Tage Durchgangszeit zu Australien. im ehemalig Hauptstadt meines Land. D/E. (2) in ein Grenzstein Fall.0. Top Ware. Dollars und kein einschließen Versand oder Versicherung. ein alt russisch Dame wer hat für irgendein dunkel Vernunft bettel- te mich nicht zu enthüllen ihr Name. Windows ab 3.

D/E. ge- halten der Verlust. Manuelle Wortauswahl :  . Bitte Erwähnung euer Ordnung. Da sind nicht Minimum Bestellungen. An ausgeben wurde ob ein unschuldig Besitzers Eigentum sein können belegt ob’s ist gebraucht im Auftrag eines Verbrechen. Ein alt Russe Dame welcher hat für manche dunkel Vernunft bettelte mich nicht zu enthüllen ihr Name. DOS ab 3. Dollar. im ehemalige Hauptstadt von mein Land. neu Zealand als auch die Fernen Osten. Tina Bennis argumentierte damit Konfiszierung von der Auto un- ter ein Michigan Gesetz übertrat ihr Verfassungs-Recht auf fällig Vorgang und vertrat ein verfassungswidrig nehmend von ihr Eigentum. Bezahlung kann sein gemacht von kontrollieren gezeichnet eingeschaltet irgendei- ne Bank im vereinigte Staaten und fällig in U. Sontra. oder Geld kann sein überführte direkt zu unser abrechnen. widerfuhr zei- gen mich in Paris der Tagebuch sie hatte behielt früher. Wir anbieten Band Skonti. E/D.FB-Translator PA. und es ist neugierig zu Anmerkung in diesem Ehrerbietung daß sich der persönlich Tagebücher von Souveräne ganz gleichgültig was Schwierig- keiten bedrängen ihre Reiche bist sein vorwiegend befaßt mit dasselbe unterwerfen. ein scharf teilte besser Gericht herrschte gestern gegen ein Frau welcher reklamierte sobald Ortsbehörde belegt ein Auto sie co-owned mit ihr Ehemann hinter er hatte Geschlecht darin mit ein Dirne. 1994.3. Entwickler : Frank Brall. (2) In ein Grenzstein Fall. Zwei zu drei Tage Übergang Zeit nach Europa und drei zu vier Tage Übergang Zeit zu Australien.S. Pearl Agency. Buggingen. Preise können ohne Ankündigung geändert werden. Aber der Gericht. Wir versenden Tür zu Tür über DHL oder andere Betreiber deiner Wahl. So ereignislos hatte jene Jahre gewesen (scheinbar) daß sich der sammelnd von täglich Einzelheiten (welche ist immer ein arm Methode von self-preservation) bloß überbot ein Kurz- beschreibung von der day’s Wetter . Dollar und tun nicht einbe- ziehen Versendung oder Versicherung. 1899. (3) Sebastian Ritter wurde geboren auf dem thirty-first von Dezember.S. in ein 5–4 Meinung. 69 DM (1) Alle Preise bist sein in U.

(i) Alle Preise sind in U. oder Geld kann sein überführte direkt nach unser Rechnung. in einem 5–4 Meinung. (3) Sebastian Ritter wurde geboren auf dem thirty-first von Dezember. Tina Bennis argumentierte daß Beschlagnahme von der Auto unter einem Michigan Gesetz übertrat ihr verfassungs- mäßig Recht auf pflichtgemäßen Prozeß und repräsentierte eine verfassungswidrige Einnahme von ihrem Eigentum. im ehemalige Hauptstadt von mein Land. Dollar und tun nicht einschließen Versendung oder Versicherung. Eine alte Russin Dame welche hat für irgendein unklarem Grund bettelte mich nicht zu enthüllen ihr Name. 1899. Zwei bis drei Tage Übergang Zeit nach Europa und drei bis vier Tage Übergang Zeit bis Australien.S. Es gibt keine Mindest Bestellungen. (2) In einem Grenzstein Fall.  . Dollar. Preise können ohne An- kündigung geändert werden. neu Ze- aland und die Ferner Osten. Bezahlung kann sein gemacht by Scheck gezeichnet auf irgendeine Bank im vereinigte Staaten und zahlbar in U. ein scharf gegliedert besser Ge- richt herrschte gestern gegen eine Frau welche reklamierte als ortsbehörden angepackt ein Auto sie co-owned mit ihr Ehe- mann nachdem er hatte Sex darin mit eine Dirne. Bitte Verweis euer uftrag. und es ist neugierig zu beachten in diesem Respekt daß sich der persönlichen Tagebücher von Souveränen ganz gleichgültig was Schwierigkeiten bedrängen ihre Reiche sind vorwiegend befaßt mit demselben Sachgebiet. wider- fuhr zeigen mir in Paris das Tagebuch sie hatte gehalten In der Vergangenheit.S. Wir bieten Umfangs Skonti. Aber das Gericht. An Ausga- be war ob eines schuldlosen Eigentümers Eigentum werden kann angepackt wenn’s ist benutzt im Auftrag eines Verbre- chen. So ereignislos hatte jene Jahre gewesen (scheinbar) daß sich der sammelnd von alltäglichen Einzel- heiten (welche ist immer eine arm Methode von self-preser- vation) kaum überbot eine Kurzbeschreibung von der day’s Wetter . gehalten die Verlust. Wir versenden Tür zu Tür über DHL oder andere Frachtführer deiner Wahl.

Plus. Wir bieten Band-Preisnachlaße an.und Lu- xus-Versionen als Power Translator bis 700 DM (1) Alle Preise sind in U. die protestiert hat.German Assistant für Windows. Es gibt keine Minimum-Ordnungen. 1994. wenn hiesige Verwaltung hat ein Auto ge- packt. bemerken in diesem Respekt  . MicroTac/Globalink. Tina Bennis hat jene Beschlagnah- mung vom Auto unter einem Michigan gestritten. und drei zu vier Tag-Transit stoppen nach Australien. ist mich zeigen passiert in Paris das Tagebuch damit sie hatte in der Vergangenheit behalten. damit sie hat co. und schließt Schiffahrt nicht ein oder Versicherung. (2) In einem Orientierungspunkt-Fall hat ein scharf oberst Gerichtshof geteilt. So ereignislose hatte jene Jah- re. Zahlung mag durch Scheck ge- macht werden gezogene auf irgendeiner Bank in den Vereinig- ten Staaten und zahlbare in U. Eine alte russische Dame.S. wenn es in der Kommission von einem Verbrechen benutzt wird. Aber das Gericht. in einem 5–4 Meinung. nachdem er Geschlecht in ihm mit einem Prostituierte hatte. (3) Sebastian adelt geboren wurde auf dem dreißig-erst von Dezember. Gesetz hat ihr verfassungsmäßige richtige gebrochen zu fälligem Prozeß und hat dargestellt ein verfassungswidrige nimmt von ihrem Besitz. Wir versenden Tür zu Tür über DHL oder ande- rer Bote von Ihr auserlesene. ausplaudern ihren Namen.S. und es ist neugierig. Windows ab 3. die für einigen obskuren Grund hat. Neue Eifer-und und der Weite Osten. in der ehemaligen Hauptstadt von meinem Land. hat mich nicht gebettelt.1. hat regiert gestern gegen eine Frau. ist (anscheinend) daß der sammelt von täglichen Details (der ist immer eine arme Methode von Selbst-Bewahrung) knapp hat übertroffen eine kurze Beschreibung vom Wetter des Tages . oder Geld mag direkt zu unserem Konto übergeben werden. Virginia. Dollar. Bitte Erwähnung Ihr Ordnung. Bei An- gelegenheit war ob der Besitz eines unschuldigen Besitzers kann gepackt werden. 99 DM. Dollar. hat die Ver- wirkung auf gerechterhalten. Preise sind Thema. verän- dern ohne Benachrichtigung. Zwei zu drei Tag-Transit stop- pen nach Europa. 1899.mit ihr Ehemann besessen. Fair- fax.

Eine alte russische Dame. Stutt- gart. wird hauptsächlich mit dem gleichen Thema angegangen. Gebühr verarbeitet und stellte ein Unconstitutional als dar. bat mich. Neuseeland und dem Fernen Osten. München / Klett-Cotta. sie CO besaß mit ihrem Mann. die aus irgendeinem obskuren Grund hat. Personal Translator plus (PT) 2. v. das sie in der Vergan-  . Preise sind abhängig zu wechseln ohne Mitteilung. die protestierte. Es gibt keine Minimalbestellungen. wenn es gebraucht in der Kommission eines Verbrechens ist. Rheinbaben &c Busch. als Ortsbehörden einen Wagen ergriffen. Wir liefern Tür zu Tür über DHL oder anderem Träger Ihrer Wahlmöglichkeit aus.der die persönlichen Tagebuche von Herrschern egal beun- ruhigt was ihre Reiche bedrängt hat. ob die Eigenschaft ei- nes unschuldigen Eigentümers ergriffen werden kann. Zahlung kann von Überprüfung auf jeder Bank in den Vereinigten Staaten gezeichneter und zahlbarer in USA Dollar gemacht werden. nicht ihren Namen zu eröffnen. IBM. daß Confiscation vom Wagen unter einem Michigan Gesetz ihr Constitutional Recht verletzte. zeigte mich zufällig in Paris das Tagebuch. 198 DM. Zwei bis drei Tage Durch- gang mißt zu Europa und drei bis vier Tagen Durchgangzeit nach Australien. Wir bieten Mengenrabatte an. Bitte verweisen Sie auf Ihre Bestellung. Windows ab 3. oder Geld kann direkt auf unser Konto überwiesen werden. nachdem er Geschlecht darin mit einer Prosti- tuierte hatte. (3) Sebastian Ritter wurde auf der dreißig geboren-erst vom Dezember. Tina Bennis behauptete. An Angelegenheit war. Plus-Version (mit Übersetzungsarchiv) 498 DM (1) Alle Preise sind in USA Dollar und umfaßt nicht auslie- fern oder Versicherung. McCord. Entwickler : M. 1995/96. von ih- rer Eigenschaft zu nehmen.0.1. (2) In einem Meilensteinfall beherrschte ein scharf getrenn- tes oberstes Gericht gestern gegen eine Frau. Aber das Gericht wahrte in einer 5–4 Meinung die Einbuße. 1899 in der früheren Hauptstadt meines Landes.

Zwei to drei Tage Laufzeit nach Europa und drei to vier Tage Lauf- zeit nach Australien. Preise sind ohne Ankündigung änderungsgefährdet. Plus-Version (mit Handwörterbuch) 398 DM. Neuseeland und dem Osten. (2) In einem Marksteinfall ein genau aufgeteiltes höchstes Gericht geherrscht gestern gegen eine Frau die protestierte Gemeinden griffen ein Auto sie gesellschaftsbesessene bei ih- rem Ehemann nachdem er hatte Geschlecht bei einer Dirne. nein. wichtig sind. was Schwierigkeiten suchen heim ihre Reiche kümmern sich hauptsächlich um dasselbe Thema.-amerikanische $ oder Geld kann übertrete direkt zu unserem Konto.  . 298 DM.-amerikanische $ und umfassen Schiff- fahrt oder die Versicherung nicht. in einer 5–4 Meinung. Entwickler : Siemens. daß das Sich Ansammeln von täglichen Details (das immer eine arme Methode für Selbst Preservati- on ist) kaum eine kurze Beschreibung vom Wetter des Tags übertraf .genheit gehalten hatte. Zur Debatte war ob eines unschuldigen Besitzers Grundbe- sitz kann gegriffen wenn es benutzt in der Kommission ei- nes Verbrechens. Außer des Gerichts. daß die persönlichen Tagebucher von Herrschern. daß Konfis- zierung des Autos unter einem Michigan-Gesetz ihr verfas- sungsmässiges Recht zum fälligen Prozeß verletzte und ein verfassungswidriges Nehm ihres Grundbesitzes darstellte. Tina.S. So ereignislos waren jene Jahre (an- scheinend) gewesen.11. Bennis. Pro-Version (mit Übersetzungs- archiv) 598 DM Wörterbuch : »Politik« (1) Preise sind in U. Langenscheidt. in dieser Hinsicht zu beach- ten.S. Ti (ehemals METAL). 1996. Es gibt keine minimalen Ordnungen. Windows ab 3. das behauptet wird. Wir bieten Mengenrabat- te an. Und es ist neugierig. München. aufrechter- halten der Verlust. Zahlung kann geleistet von Überprüfung gezogen auf jeder Bank in den Vereinig- te Staaten und bezahlbar in U. Beziehen Sie sich bitte auf Ihre Ordnung. Wir versenden die Tür mittels DHLs oder eines anderen Trägers von Ihrer Wahl zur Tür.

das sie hatte. erbat. in der früheren Hauptstadt meines Lands. die Vergangenheit innen ließ. ge- schehenen. Versand nach Europa drei Tage. daß die Beschlagnahmung des Wagens aufgrund eines Gesetzes des Staates Michigan ihr verfassungsgemä- ßes Recht auf ein ordentliches Verfahren verletze und eine  . Bitte auf die Bestellung verweisen. als die Ortsbehörden ein Auto beschlagnahmten. Neuseeland und in den Fernen Osten drei bis vier Tage. Humanübersetzung : (1) Alle Preise sind in US-Dollar und schließen Versand und Versicherung nicht ein. um mir in Paris zu zeigen. ob das Eigentum eines unschuldi- gen Besitzers beschlagnahmt werden kann. wenn es zum Be- gehen eines Verbrechens benutzt wurde. die aus irgendeinem obskuren Grund gehabt hat. So ereignislos haben diese Jahre gewesen (angeblich) das das Sammeln täglichen Details (das ist immer eine arme Methode Selbsterhaltung) kaum übertreffen eine kurze Beschreibung vom des Tags Wet- ter . Die Bezahlung kann durch einen auf eine Bank in den Vereinigten Staaten ausgestellten Scheck oder durch Überweisung auf unser Konto erfolgen. Eine alte russische Dame. Wir bieten Mengenrabatt. das ihr zusammen mit ihrem Ehemann gehörte. (2) In einem wegweisenden Urteil entschied gestern ein in sich höchst uneiniger Oberster Gerichtshof gegen eine Frau. ich ihren Namen nicht aufzudecken. daß das Tagebuch.(3) Sebastian-Ritter war auf dem dreißigersten von Dezember 1899 geboren. Zur Debatte stand. und es ist neugierig zur Anmerkung respektieren das die persönlichen Tagebücher von Souveränen egal was Mü- hen überhäufen ihre Reiche machen hauptsächlich bei dem gleichen Thema. Wir versenden Haus zu Haus per DHL oder einen anderen Kurierdienst Ihrer Wahl. Tina Bennis mach- te geltend. nach Australien. nachdem dieser darin Sex mit einer Prostituierten hatte. die Einspruch erhoben hatte. Es gibt kei- ne Mindestbestellung. Die Preise können sich ohne Voran- kündigung ändern.

verfassungswidrige Beschlagnahme ihres Eigentums darstel- le. zeigte mir in Paris zufällig einmal das Tagebuch. daß sich auch die persönlichen Aufzeichnungen von Staatenlen- kern. So ereignislos waren jene Jahre (dem Anschein nach) verlaufen. vorzugsweise an denselben Gegenstand halten. Eine alte russi- sche Dame. das sie in vergangenen Zeiten geführt hatte. . und es ist merkwürdig. ihren Namen nicht zu nennen. Mit 5 gegen 4 Stimmen bestätigte das Gericht jedoch die Konfiskation. daß die Sammlung täglichen Einerleis (die immer eine arm- selige Art der Selbstbewahrung ist) kaum mehr enthielt als kurze Wetterbeschreibungen . die mich aus einem dunklen Grunde bat. Dezember 1899 in der ehe- maligen Hauptstadt meiner Heimat geboren. (3) Sebastian Knight wurde am 31. welche Bedrängnisse ihre Reiche sonst auch heimsuchen.

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was man für das Normale halten möch- te : daß sich Literaturkritiker auf Original und Überset- zung stürzten und selber zu entscheiden suchten. stand schon die Spärlichkeit der Kommentare. ob der ungewöhnliche Protest begründet war ? Aber nicht doch. Der Verlag beantwortete das An- sinnen zunächst mit einer Schadensersatzdrohung. die sonst im verborgenen wirkt. enthielt sich weitgehend jedes Urteils in der Sache und erörterte lieber die moralische Frage. Was aber an Stimmen laut wurde.Übersetzen als darstellende Kunst Über eine mißverstandene Berufstätigkeit Eine Berufsgruppe. in dem sie die Arbeit eines Kollegen (Hanswil- helm Haefs) gnadenlos verrissen und den Verlag (Knaus/ Bertelsmann) aufforderten. Elf von ihnen. In einem seltsamen Mißverhältnis zu dem Schreck. hatte Ende 1992 so etwas wie einen Eklat : die litera- rischen Übersetzer. Der Verle- ger Andreas Meyer verewigte sich im ›Börsenblatt‹ mit folgender hyperbolischer Zuschrift : »Es geht nicht um  . die er jedoch nicht wahrmachte. entschlossen sich zu einem beispiellos unkolle- gialen Schritt. Sie schrieben einen Offenen Brief an die Medien. einen Kollegen anzuschwärzen. das betreffende Buch (Law- rence Norfolks Roman ›Lemprière’s Wörterbuch‹) neu übersetzen zu lassen. darunter hervorra- gende. den jener Brief in der Szene ausgelöst hatte. Trat dann ein. ob es sich gehöre.

wären da nicht gelegentliche Fehler von der Art gewesen. Eine Handlung aus Notwehr wäre eben nicht von der »gleichen Kriminalität« wie eine mut- willige Intrigantenattacke auf einen »mißliebigen Ein- zelgänger«.  . sondern um eine unfaßliche. Wer den Protest der Elf für grundlos und dar- um empörend hielt. so können wir alles vergessen. eben- so skandalöse wie ekelhafte. dessen Produkt zuweilen klang wie ein umgekehrter Fil- ser-Brief . was zum Funktionieren eines halbwegs gesitteten gesellschaft li- chen Organismus im Laufe der Geschichte entstanden ist. Jene Elf hatten ihrem Brief eine seitenlange Liste mit Beispielen beigelegt. die ein Computer nicht macht. Dann sind wir wieder im Dschungel gelandet. hätte also schon erklären müssen. daß der Übersetzer einem Prinzip der Wortwörtlichkeit anhing. daß man stellenweise auf ein Übersetzungs- programm der schlichteren Art getippt hätte. sondern allenfalls die Vorarbeit dazu . etwa neck mit Nacken wieder- zugeben. Wenn wir es hinnehmen. daß die Zusammenrottung von In- triganten ungehindert über einen mißliebigen Einzel- gänger herfällt. ist dieser Vorgang sittlich doch von gleicher Kriminalität wie die Verfol- gung Rushdies …« Ohne Urteil in der Sache aber gibt es hier wenig zu verhandeln. Alle zusammen deuteten sie in eine Richtung : daß diese Übersetzung gar kei- ne war. die über den Angegriffenen hinaus die Freiheit der Litera- tur und damit – soweit vorhanden – die Freiheitlich- keit in unserer Gesellschaft schlechthin bedroht. Gra- duell gewiß von anderem Gewicht. mafiose Verleumdung.irgendeinen Streit.

auch wenn der Regenschirm ihn selber mitbeschirmte) : Die angeb- lichen Fehler und Stilblüten seien gar keine. und so fort. Vielmehr handele es sich um wohlüberlegte und gewollte sprachli- che Abweichungen vom platten Normaldeutsch. daß und seit wann und warum Bei der Nennung des Schweins ex- plodiert der Platz auch nur eine mögliche Übersetzung ist für At the mention of pork the place [eine Schenke] erupts oder Sie ging an ihm vorüber für It [ein Segel- schiff ] passed him . die eine Ahnung von der Fremdheit des Originals vermittelten : »… [der Übersetzer gab]. Ein Übersetzer mag. Wenn der Standard heute alles in allem gar nicht übel ist.«  . Niemand tat es. eigenwilligeren Form gegenüber der umgangssprachlich geläufigen den Vorzug. aus Zeitnot oder Unvermögen oder gar aus Prinzip.daß to cut short mit kurz abschneiden durchaus tref- fend übersetzt ist. Die Ver- antwortung für das. eng angelehnt an das Original. was gedruckt in die Öffentlichkeit entlassen wird. daß center of gravity auf Deutsch zu Recht Mittelpunkt des Schwergewichtes heißt. Zumindest hätte er gel- tend machen müssen. In die- sem Fall aber tat der zuständige Lektor (Karl Heinz Bit- tel) im ›Börsenblatt‹ folgendes kund und zu wissen (und menschlich war es natürlich ein schöner Zug. manches hinschreiben. einer entlegeneren. die da in anonymer Fron Reparaturarbeit leisten. trägt der Verlag. so ist das nicht zuletzt jenen sachverständigen Lektoren zu verdanken. von anderen Qualitäten aufgewogene Ausrutscher waren. daß dies nur gelegentliche. daß er sei- nen Mitarbeiter nicht im Regen stehenließ.

»daß die Übersetzung … ganz erstaunlich gut ist. Einige sekundierten. So hebt er die ›Eigentümlichkeit‹ und ›Eigenwilligkeit‹ von Norfolks Wahrnehmung des Geschichtlichen hervor. daß es beim Übersetzen keinerlei »effekti- ve Prozedur« gebe und geben könne und daß eine ver- fremdende Übersetzung. in die  . son- dern in der Nachbildung der Differenzstrukturen der von Norfolk entworfenen Welt …« Auff älligerweise enthielt dieses sozusagen überset- zungswissenschaft liche Gutachten – ein Beispiel für die Blindheit gegenüber dem Offensichtlichsten. Profes- sor in Paderborn und Autor eines vortrefflichen kleinen Standardwerks über die ›Literarische Übersetzung‹. bot in der ›Süddeutschen Zeitung‹ eine ganze Seite abge- hobener Theorie und historischer Reminiszenzen von Gottsched bis George Steiner auf. um dem Leser klar- zumachen. unter diesen Umstän- den noch die ehrlichste und beste sei. Sie liege hier vor : »[Der Übersetzer] knüpft mit seiner Aufmerksamkeit für das Fremdartige und Verschiedene an die Tradition der sprachbewegenden Übersetzung an. Niemand widersprach. die die Distanz der Quell. die sich in der Sprachgestalt auspräge … [Er] hat seine Aufgabe nicht im ›Dienst am schönen Deutsch‹ gesehen. Auch die Li- teraturwissenschaft stimmte zu : Friedmar Apel.zur Zielsprache offensichtlich mache. Der Kri- tiker Rolf Vollmann war schon vorher zu dem Schluß gekommen. sie gehört zu jenen wenigen Übersetzungen. durch die die eigene Sprache um das reicher gemacht wird. was der Autor in seiner Sprache schon vorgefun- den oder auf seine Art auch erneuert hat«.

sich Experten manchmal verlieren – kein einziges kon- kretes Beispiel aus dem fraglichen Roman. daß Übersetzungen eben ein-  . nicht nur das in seiner Heimatspra- che fremd Wirkende befremdend wiederzugeben. Hätte es das ganze Kartenhaus sofort zum Einsturz gebracht ? Jeden- falls hätte sich der Leser fragen können. die nur zur Ödnis eines platten Deutsch führen konnte. Offenbar hat- te doch Norfolk nicht eine gewollt oder ungewollt dif- ferente. sondern auch als Beckmesser. son- dern alles – vielleicht um mit jedem Wort klarzuma- chen. worin eigent- lich die »Differenzstruktur« der Romanphrase and set sail for England besteht. die die Übersetzung und setz- ten Segel für England gerechtfertigt hätte. einer Theorie. schloß wahrscheinlich aus der Uneinigkeit der Fachleute wieder einmal. sondern nur eine Übersetzung vor sich habe ? Wäre die aller- wörtlichste Übersetzung also schon die allerbeste ? Lie- ße sich dann aber eine bessere von einer schlechteren Übersetzung überhaupt noch unterscheiden ? Nach einer Reihe solcher Interventionen standen die elf Briefschreiber nicht nur als üble Intriganten da. daß der Leser leider nicht das Original. die aus niederem Konkurrenzneid einen mißliebigen. Die an- geblich hanebüchene Übersetzung hingegen war aus der Debatte als sprachlich innovatives Meisterwerk hervor- gegangen. wak- keren Einzelgänger denunziert hatten. sondern eine durch und durch konventionel- le Wendung verwendet. das den Streit verfolgt hatte. die einer grundfalschen Übersetzungstheo- rie das Wort zu reden versuchten. Und das Publikum. Sollte es also die Aufgabe des Übersetzers sein.

Hatte ich unwillkürlich ein übersetzerisches Meister- werk plattgemacht ? Was berechtigte mich zu der An- nahme.fach nicht zu beurteilen seien – der eine sage so. Der Zufall wollte. als Herausgeber der Nabokov-Ausgabe des Rowohlt Verlags. oder auch nur so akzeptabel wie seine ? Zu der Zeit mußte ich gerade mit einem anderen Übersetzer über die Änderungen diskutieren. sondern sogar vor- bildlich übersetzt ist. eine Überset- zung desselben Kollegen redigieren mußte. »Alle haben mal wieder recht«. und irgendwie habe bestimmt jeder ein wenig recht. Hätte es auch mich treffen können ? fragte ich mich zunächst. die ich  . der seit über drei- ßig Jahren ebenfalls übersetzt. und obendrein würde ich jetzt noch als Sprachinnovator gefeiert. schrieb ein Buch- händler zusammenfassend an das ›Börsenblatt‹. kam mir alles nur zu bekannt vor – Gleichartiges hatte ich in monate- langer Strafarbeit gerade selber mühsam wegredigiert. Le Mara’s steps sound dully as steady thuds at his back – wenn das mit Le Maras Schritte dröhnen dumpf als stetige Bumser in seinem Rücken nicht nur richtig. Aber bald sah ich mei- ne Arbeit durch den Disput auf eine ganz andere und viel beunruhigendere Art in Frage gestellt. der an- dere so. dann hätte es allerdings immer viel schneller gehen können. Ich selber hatte das Scharmützel mit wachsender Be- klemmung verfolgt. daß ich kurz vorher. Was die In- trigantenclique da angeprangert hatte. als jemand. daß meine Art des Übersetzens richtiger sei als seine. der nicht frev- lerisch dem Fremden die Distanz genommen hat.

Er bestand auf seiner Übersetzung. sich mit einem geblasenen Dek- kel zu blamieren. Ich verfremde den Fall hier so. das. Wenn ich ›platzte der Kragen‹ sagen möchte. will ich den springenden Punkt an einem Beispiel abhandeln. einem einfachen englischen Satz. Praktisch hieß sie : Setze ich meine Änderung auch gegen seinen Willen durch ? Dahinter aber stand die andere : Was ermächtigt mich. Er jedenfalls sage ›blies seinen Deckel‹.in seinem Manuskript vorzunehmen für nötig befun- den hatte. daß sich nie- mand in ihm wiedererkennen kann. daß ich ihn davor bewahrt hatte. he blew his top. es sei das ein klarer Fall. für die angemessenere Über- setzung zu halten ? Mir gehört die Sprache sowenig wie ihm. Und ich hatte gemeint. in denen dann in der Tat alle Kat- zen grau sind. und der Übersetzer müß- te mir nun vielleicht sogar dankbar sein. das Übliche eben. seine aber nicht. Verkennung einer Redensart. allzu wörtliche Übersetzung. Aber nein. und da sich der Diskurs über Übersetzungen gerne in den Nebeln des Allgemeinen verliert. Punkt. Der Übersetzer hatte ihn folgenderma- ßen übersetzt : Als die Debatte fortschritt. Gibt es auch nichtsubjektive Gründe dafür. Ich hatte daraus gemacht : Im Fortgang der Debatte platzte ihm der Kragen. Er habe die Redensart keineswegs verkannt. blies er sei- nen Deckel. daß meine Übersetzung die richtigere ist ? So beginnt das Argumentieren. »was ich sage«. der so gelautet haben könnte : As the debate progressed. so sei das meine Sache. Womit ich nun vor einer Frage stand. Ich bestünde gar nicht  . der Übersetzer war nicht dankbar.

Ihre Stilhöhe. durchaus bewußt werde (›seine Schädeldecke absprengen‹). es sei schlicht unsin- nig. denn eine stehen- de Redensart sei auch blew his top im Englischen. aber kein derber oder ordinärer. denn seinen Deckel blasen führe vor. habe er ein Element der Verfremdung eingeführt. aber er nehme es hin. ›die Geduld ver- lieren‹ bedeuten. der sie benutzt oder hört. wie die fremde Sprache denke. ›Scheitel·. das dem Original durchaus abging. Es gehe weder eine wörtliche noch eine über- tragene Bedeutung daraus hervor . Seinen Deckel blasen sei hingegen keine stehende Re- densart. habe auch keine Distanz zur englischen Standardspra- che markiert. denn der Autor. was er wolle. Indem der Übersetzer die Re- densart wörtlich wiedergab. auf dem platzenden Kragen. schließlich sei er ja der Übersetzer und als solcher mit dem Buch vermutlich intimer vertraut als ich – nur müßte es ›wütend werden‹. und man könne allenfalls aus dem Zusammenhang ahnen. der jedem. und es sollte möglichst eine stehende deutsche Redensart dieses Sinnes sein. sondern sich distanzlos einer englischen Standardformel bedient. – Mag sein. – Aber die fremde Sprache denke gar nicht ›Dek- kel‹. – Das könne schon sein. Es sei sprachlich nullachtfünfzehn. sagte ich . ihr Register sei Slang. er könne wählen. und in dieser Hinsicht also ungenau übersetzt. und sie denke  . aber ein ordinäres platzte ihm der Kragen klammere sich zu eng an die deutsche Umgangssprache. der blew his top hinschrieb. Au- ßer ihrem übertragenen Sinn habe sie einen wörtlichen. – Genau das sol- le es sein. sondern ›Schädeldecke‹. was es hier bedeuten soll.

Jedes von ihnen hatte eine bestimmte Erwartung an die Übersetzung enthal- ten. Wenn es das vordringli- che Ziel sei. ihm das Übersetztsein Satz für Satz aufs neue ins Bewußtsein zu rufen – woran wäre dann eine bessere von einer schlechteren Übersetzung zu unterscheiden. daß er eine Übersetzung und nicht das Original vor sich habe. Es schien ein hoffnungsloser Wortwechsel. auch nicht. hatte sich doch gezeigt. aber diese Bedeutungen schwängen in der fremden Sprache durchaus mit. es hatte zwar kei- ner den anderen überzeugt. was Deutsch mit dem Verb ›blasen‹ wieder- gibt ! – Möglich. Immerhin. son- dern Unsinn – keine Kombination von Wörtern wür- de nur dadurch geadelt. daß sich das Urteil über Über-  . die noch nie da waren und ohne seinen Einsatz wahrschein- lich nie dasein würden. der Leser sei über diesen Umstand nicht schon durch die Titelseite ausreichend informiert und es kom- me vor allem darauf an. so dürfe er es auf eigene Rech- nung gerne tun. eine gute von der bloßen Stümperei ? – Die gute Übersetzung bereichere die deutsche Sprache. aber es waren auf beiden Sei- ten Argumente benutzt worden. und indem er aus ihnen eine artifizielle deutsche Redensart bilde. daß noch niemand sie benutzt habe und je benutzen werde. den Leser mit Sätzen zu konfrontieren. mache er dem Leser klar. – Angenommen. Auch wenn aus diesen Argumenten keine überall und ein für allemal gültige »Prozedur« zu gewinnen war. nur solle er es bitte nicht als Überset- zung verkaufen. das sei richtig. – Seine Übersetzung aber sei keine Bereicherung. nur durch ein Machtwort zu beenden.

Wenn aber schon die professionelle Literaturkritik diesen Ein- druck entstehen läßt. Der Stand der Debatte in Sachen ›Lemprière’s Wörterbuch‹ schien diese Zuversicht Lügen zu strafen. die Anstoß an ihr genommen hatten. Auch Hingestümpertes bemerkt sie kaum je. Der gewöhn- lichste und trivialste aller Übersetzungsfehler. stand als große überset- zerische Tat da . der Sprache.setzungen nicht im Zwielicht eines grenzenlosen Relati- vismus verlieren muß. beschäftigt sich die Literaturkritik überhaupt nur ungern . und auf explizite Erwartungen lassen sich ra- tional begründbare Übersetzungsmethoden bauen. Mit dem eigent- lichen Element der sogenannten Schönen Literatur. wo Krummes gerade und Gerades krumm ist. sondern auch noch gegen eine ständige depressive Verstimmung. Es war wie in der verkehrten Welt. eine un- reflektierte Wortwörtlichkeit. viel lieber hält sie sich an Thema oder Bot- schaft eines Buches oder gar an den Lebenslauf und die Gruppenzugehörigkeit seines Autors. wie muß es dann erst um das all- gemeine Publikum bestellt sein ? Die Folge ist. als Banausen. rühmt es vielleicht sogar noch ob seiner Sprachkraft. und jene. Die Literaturkritik beurteilt Übersetzungen nur noch ganz selten. Erwartungen lassen sich explizit machen. Der Übersetzer hierzulande bewegt sich in einem zunehmend schalltoten Raum. die sich  . Ihre selte- nen Urteile teilt sie häufig zufällig und leichthin aus. daß lite- rarische Übersetzer heute nicht nur gegen die Wider- spenstigkeit eines Textes und die Zahlungsunwilligkeit eines Verlags anarbeiten müssen.

auf die Frage eine Antwort zu geben. Als Mitüber- setzer eines Buches. daß man in diesen Fällen so gut wie alle Rezensionen zu sehen bekommt. in anderen so gut wie nie. Durch Zufall bin ich in der Lage. Kopien von sämtlichen Rezensionen zu. die am Zustande- kommen eines Buches beteiligt waren – Autoren. Her- ausgebern. Manche Verlage haben tüchtige Presseabteilungen und schicken allen. ungewöhnlich viele – lange Abhandlungen. Von diesen über hundert Rezensionen ka- men im Text selber vier auf die Übersetzung zu spre-  . um auch weiterhin in den Genuß kostenloser Rezensionsexemplare zu kom- men. Redakteuren und auch Übersetzern -. selbst in den kleinsten und entlegensten Blät- tern. das ganze Spektrum. in einigen Zeitungen etwas häufiger. war ich Adressat solcher Zu- sendungen. manch- mal ja. die nicht bloß aus gele- gentlichen Eindrücken stammt und darum auch nicht nur Mutmaßung ist. Werden Übersetzungen rezensiert ? Wie oft werden sie mitrezensiert ? Wie gründlich und verständig werden sie rezensiert ? Als normaler Leser der Rezensionsteile hat man seine Eindrücke und weiß : meistens nein. die irgendwo erschie- nen sind.auf die Formel bringen läßt : Wozu bloß all das Kopf- zerbrechen ? Es bemerkt den Unterschied ja doch nie- mand mehr. kann man sagen. kurze Hinweise. Und da jede Redaktion dem Verlag prompt jeden erschienenen Artikel zuschickt. das sofort auf die Bestsellerliste ge- riet und darum ungewöhnlich häufig besprochen wur- de (nicht etwa umgekehrt). In den drei Monaten nach dem Erscheinen erschienen über hundert Besprechungen.

sich jeden- falls dazu äußern . jedesmal rasch irgendeinen beliebigen Eindruck aus dem Ärmel zu schütteln und zu einem gravitätischen Urteil ein- zufrieren. Ist sie zu beanstanden ? Als Über- setzer. daß der Verlag eine davon zurückziehen mußte. meine ich. als wenn die Kritik sich bemüßigt fühlte. Zwei meldeten darüber hinaus eine Art Urteil an. und wer will. Zwei von ihnen beschränkten sich auf die karge Aussage. und wo in Erinnerung sein könnte. Aber um das persönliche Wohlbefinden der Übersetzer geht es überhaupt nicht – Literaturkritik ist  . Sie fin- det noch nicht einmal dort statt. Eine argumentierende Übersetzungskritik findet überhaupt nicht statt. Wenn man diesen Fall schnöde verallgemeinern will. indem sie irgendein Adverb wie »gut übersetzt«. durchaus gelegentlich ein Auge auf die Sprachgestalt des betreffenden Buches haben. Allemal ist Schweigen bes- ser. Wo Null das Normale ist. kann man also rundher- aus sagen : Übersetzungskritik gibt es in weniger als ei- nem Prozent aller Rezensionen. daß die Texte übersetzt waren. daß den Kri- tikern überhaupt nicht aufgefallen zu sein scheint. wie in diesem Fall. kann man damit schon leben . wo die Kritiker. »kom- petent übersetzt« dazusetzten.chen. heben sich gelegentliche Ausnahmen wie die kompetent argumentierenden Übersetzungskritiken von Paul In- gendaay als reine Wunder ab. kann das sogar für ein Kompliment halten. Soundso habe dieses Buch ins Deutsche über- setzt. daß frühere deutsche Übersetzungen desselben Autors einmal so heftig umstritten waren. das Schweigen im Walde bedeutet indirekt ja. So ist die Lage.

wenn der Hospitant Soundso die Sache auch für die Hälfte macht. Es geht darum. die sich weder herbeikalkulieren noch herbeikonstruieren läßt. gibt sie das Original auf der Be- deutungsebene vollständig und zutreffend wieder ? Im- mer ? Oft ? Selten ? Und wenn sie das nicht tut : Warum tut sie es nicht ? Weil der Übersetzer den Text mißver- standen hat. Warum soll ein Verlag dann noch Geld ausgeben. wenigstens gelegentlich. Obwohl auch der Übersetzer im- mer wieder auf eine Inspiration angewiesen ist. Zum Bei- spiel : Ist sie »richtig«. keinen objektiven. die man an jede Übersetzung richten kann. Wenn in der Leseröffentlichkeit. Dabei läßt sich über Übersetzungen und ihre Quali- tät sehr wohl rational reden. um eine nicht so gelungene Übersetzung instand setzen zu lassen ? Warum soll er überhaupt einen der aus seiner Sicht schrecklich teuren erfahrenen Übersetzer unter Vertrag nehmen.  . Zwar gibt es kein Urmeter. nur um der Ehre willen oder weil er sonst nichts zu tun hat ? Ein Echo. aber es gibt eine Reihe von vernünftigen Fragen. so wird diese Mißachtung über kurz oder lang auf die Qualität durchschlagen. daß dieses Schwei- gen auf Dauer das Niveau der Übersetzungen in Frage stellt. die totale Echolosigkeit führt zur Verwahrlosung. die die Rezen- senten vertreten.keine Psychotherapie. würde einen gewissen Ehrgeiz wachhalten . niemand mehr auf die Übersetzungen achtet. allgemeingültigen Qualitätsmaß- stab. oder weil er aus anderen Rücksichten auf semantische Genauigkeit verzichtet hat ? Waren sie es wert ? Und so weiter.

die alle Aufmerksamkeit verdient ? Ist Übersetzen denn eine Kunst. der Schauspieler eine von jemand anders geschaffene Figur darstellt. Das Rathaus von Schilda war gewiß ein innovati- ver Bau. der ebenfalls aufgrund fremder Vorgaben und Nor- men eine Gestalt bis in ihr letztes Detail zu schaffen hat. Trotzdem. was ein an- derer gestaltet hat. ist die Übersetzung nichts Mechanisches. wie die des Architekten. und zwar in einem recht wörtlichen Sinn. insbesonde-  . seine Gebautheit ins Bewußtsein rief. sondern nur Annähe- rungen an sie. nicht nur ein dienen- des Handwerk ? Übersetzen ist eine andere Kunst als Schreiben. Der Übersetzer stellt mit seinen sprachlichen Mitteln dar. Seine Dar- stellung soll richtig sein. der es betrat. der brillant die Problematik allen Bauens of- fenbarte und jedem. aber eine Kunst ist es : eine der darstellenden Künste. Reicht das nicht ? Sind sie größenwahnsinnig geworden ? Ist es nicht die Kunst des Autors. Im Deutschen wird der Musiker. aber da es auf diesem Gebiet keine absolute Richtigkeit gibt. bleibt ihm dennoch eine große Freiheit. so wie der Sänger eine von einem anderen komponierte Arie. besser oder schlechter sin- gen kann. wenn er richtig singt. daß ihr Name meist mit auf der Titelseite genannt wird. genau wie dem Sänger. in seinem Urteil darüber schwankte nie jemand.ist seine Arbeit ein Handwerk. Haben die Übersetzer soviel Aufmerksamkeit ver- dient ? Sie haben doch nun schon durchgesetzt. der auch nicht falsch singen sollte und selbst dann. nur we- nig kleiner gedruckt als der des Autors.

Interpreter ist das englische Wort für ›Dolmetscher‹. daß man Wort für Wort. Dazu ist es nö- tig. Übersetzen ist eine Interpre- tationskunst. Übersetzungskri- tik setzt erstens voraus.re der Sänger. So wie wir eine Arie niemals an sich hören können. bei denen erfahrungsgemäß oft eine größere Mühe gewaltet hat als weiter drinnen. auch ein Urteil nicht. sondern die Übersetzung. können wir auch dem fremdsprachigen Text nicht anders als in bestimmten Interpretationen begegnen. daß der Kritiker Text und Ori- ginal verglichen hat. auch ›Interpret‹ genannt. die Interpretation. Dennoch ist es mitnichten der Übersetzer. Satz für Satz im Zusammenhang vergleicht. Wohl kann ein erfahrener Leser einer Übersetzung gewisse typische Fehler und auch ge- wisse idiosynkratische Stärken ohne einen solchen Ver- gleich ansehen.  . Das sei aber viel verlangt ? So schikanös ist das Leben. daß man beide Sprachen beherrscht. so daß man selbst hier auf den Vergleich nicht verzichten sollte. Sagen wir : wenigstens fünf ganze Seiten in einem Roman. Nichts gibt es um- sonst. Die Interpretation ist keine Zutat. daß man sich das Original beschafft. Allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. und dabei weder die erste noch die letzte. und sie sind möglich. Bei den meisten springt jedoch nichts dieser Art ins Auge . Urteile wären nötig. und wo es das tut. Er interpretiert die Musik eines anderen. sondern immer nur in bestimmten In- terpretationen. der Auf- merksamkeit verdiente. kann man sich auch täuschen. Ohne sie bliebe der Text für uns nichtexistent.

die es einem erlaubten. wer eine Übersetzung beurteilen will : die Erfahrung.  . handelt es sich um die Einsicht in den approximativen Charakter jeder Übersetzung. Zwar muß man. daß der nur so oder so lauten könne. Drittens sollte der Kritiker wenigstens einmal in sei- nem Leben einen anspruchsvolleren Text selber über- setzt haben. daß man Übersetzungen aus Sprachen. ein Buch zu besprechen. wirklich nicht selber Kunstschütze sein. sollte ihn anstandshalber für sich behalten. Trotzdem ist es nur ein Verdacht. ob man es nicht doch einmal Umstände gäbe. ob man nicht vielleicht doch. Übersetzungen kann nur kritisieren. ausnahmsweise einmal … kommt mir vor wie die Frage. Nein. Natürlich machen sie einem einen Eindruck. Der Fremdspra- chenunterricht in den Schulen vermittelt die Einsicht in die approximative Natur des Übersetzens eben nicht. Wer ihm nicht nachgehen. zumindest hier und da. Aber anders läßt sich eine Grunderfahrung kaum erwerben. der auch durchaus zutreffend sein kann. Anders gesagt. grundsätzlich nicht beurtei- len kann . die haben muß. Die Frage. ob ein anderer ins Schwarze getroffen hat. die man selber nicht spricht. um zu sehen. und daß Übersetzungen aus seltenen Spra- chen praktisch nie ein kritisches Echo finden werden. darf man nicht. begrün- den sie einen Verdacht. mit Karl May zu spre- chen. Das bedeutet. daß sich alles Gedachte auf vielerlei Wei- sen ausdrücken läßt. wer nicht selber bei jedem Satz ganz genau zu wissen meint. von denen keine von vornherein falsch oder richtig ist. ihn nicht begründen kann. das man nicht gelesen hat.

und die Übung besteht darin. es eigens hinzuschreiben. Weiß es jeder ? Beim Übersetzen wird ein Text von einer Sprache in eine an- dere überführt – eine triviale Definition. und auch später die Verbindung nicht hergestellt hat. als er mit dessen Übersetzung be- gann – und daß er ihn auch später nie als ein Ganzes gelesen hat. die Satzteile. Daß ihm eine Stelle einfach nicht gefällt. wenn er zur Not auch erklären kann.  . Mitteilensreif wird sie erst. die daraus entstehen. aber selbst Übersetzer scheinen es manchmal nicht zu wis- sen : Übersetzt werden Sätze. Jeder weiß. mag eine unerschütterliche Tatsache sein. was Übersetzen ist. völlig rich- tig und völlig leer zugleich. darunter die Klatsche mit der rich- tigen Übersetzung. warum. und übersetzen lassen sie sich nur im Zusammenhang des Ganzen. als er einen Satz so oder so übersetzte. wenn er einen Text übersetzt ? Werden die Wörter. Aber welche Aspekte eines Textes werden überführt ? Und was tut der Übersetzer. die verraten. daß der Übersetzer den Satz nicht zu Ende gelesen hatte. die Sätze. mit Hilfe von Wörterbuch und Grammatik das Rätsel auf die einzig richtige Art zu lösen. die Absätze oder das Ganze über- setzt ? Man geniert sich. Es gibt andere Fehler. was von einer Übersetzung im all- gemeinen und was von ihr im besonderen Fall zu ver- langen ist. Der Kritiker sollte sich viertens einige Gedanken dar- über gemacht haben. daß er eine Stelle weiter hinten im Buch nicht kannte.Dort liegt auf dem Tisch der durch und durch rätsel- hafte fremde Text. Es gibt Feh- ler.

Ein und derselbe Gedanke kann verschiedene sprachliche For- men annehmen. ihn an andere weiterzureichen. so zerfiele er mit dieser. indem er zu einem Satz wird. Die einfachste Operation jen- seits der bloßen Vergegenwärtigung eines Begriffs. Wie hätte man sich den vor. Nur darum ist Übersetzen möglich. Er kann auch in verschiedenen Sprachen realisiert wer- den. In der Proposition treten zwei Begriffe zusammen. Sie besteht darin. Ein Satz ist das Vehikel für einen Ge- danken. so wie niemand sagen kann. Die sprachliche Gestalt eines Gedankens ist nur seine flüchtige Form. und wenn es denkt. eindrucks- voll genug war. die es vornehmen kann. wenn er Sprache bildet. das Gehirn. daß dem Begriff für ein  . operiert es mit diesen Begriffen. Was tut der Übersetzer. Immerhin nei- gen Übersetzer weniger als andere Menschen zu dem Mißverständnis. hat sich Begriffe gebildet. die ihn alle gleichermaßen ausdrücken. ist die Bildung einer sogenann- ten Proposition. aber er ist in einer unsprachlichen Form schon vor dem Satz da. dazu bestimmt. aber nicht dieser Gedanke selbst.und nachsprachlichen Gedanken vorzustellen ? Das Geistorgan. Der Wortlaut des gehörten oder gelesenen Satzes wird in der Regel schon nach wenigen Sekunden vergessen – aber wenn der Gedanke. Hätte der Ge- danke keine Existenz hinter seiner sprachlichen Form. wenn er einen Satz in sei- nem Kopf aus einer Sprache in die andere transformiert? Meist wüßte er es nicht zu sagen. Ein Gedanke vollendet sich. den er ausdrückte. lebt dieser lange fort. was er tut. daß Gedanken und Sprache ein und dasselbe seien.

Buch wirdgelesen – Buch istdick – Zeit istheute. zusammen bilden sie seinen propositionalen Gehalt. wenn er einen Satz übersetzt ? Er »versteht« ihn. das dick ist – Der Typ schmökert heute in dem Wälzer … Vermutlich sind es solche Propositionen. Der gleiche propositionale Gehalt läßt sich in verschiedenen Sät- zen zum Ausdruck bringen : Heute liest der Mann das dicke Buch – Das dicke Buch wird heute von dem Mann gelesen – Liest der Mann heute das dicke Buch ? – Der Mann liest am heutigen Tag ein Buch. der eine einzige Proposition ausdrückt . mit denen das Gehirn operiert. Der Satz Der Mann liest heute das dicke Buch enthält die Propositionen : Mann liest . Jeder Satz läßt sich in eine Reihe solcher elementaren Propositionen auflösen .Objekt oder ein Geschehen ein zweiter Begriff für eine Eigenschaft oder eine (aktive oder passive) Handlung zugewiesen wird : Buch / dick. ehe es sie in Sätze verwandelt und nachdem es sie aus gehörten oder gelesenen Sätzen entnommen hat. In dieser Phase existiert der Gedanke sozusagen  . Buch / ge- lesen werden. Der einfach- ste Satz ist der. er enthält ein Subjekt und ein Prädikat. der in seiner Sprachgestalt steckt. das heißt. Mann / lesen. ist jede Proposition eine Prädikation : Von irgend etwas wird irgend etwas ausgesagt. Sobald sie Sprache wird. in dem alle Propositionen untergebracht sind. Was also tut der Übersetzer. er nimmt seine Sprachgestalt in sich auf und erzeugt in seinem Kopf den propositionalen Gehalt. Die Versprachlichung eines propositionalen Gehalts besteht in der Wahl von Wörtern für die Begriffe und der grammatikalischen Konstruktion eines Satzes.

›wünschte‹. Daß das Gehirn es so und nicht anders macht. der sich also offensichtlich in Sprache ausdrücken läßt. ›von‹. in dem ein Gedanke kurz vor seiner Versprachlichung steht. Immer wieder kann er an sich beobachten. Und dann konstruiert er für den propositionalen Gehalt eine neue Sprachgestalt in der Zielsprache. sie liegt ihm fast schon auf der Zunge. in dem das Gehirn sich einen reinen. sprachfrei. Man kann es in sich selber erzeugen. Wie nennt sich ein Instrument zum Freihandmessen von Win- keln für die Bestimmung von Ort und Zeit auf See ? Wer die Definition hört. ›alle‹. ›Bande‹. ist der Moment. ›Er‹. den er eben einem Satz entnommen hat. ›Teil‹. Dieser quälende Moment. He wanted by all means to be part of the gang. dann sucht er sein inneres Lexikon nach dem Wort dafür ab : Sixtant ! Der Übersetzer tut das gleiche. sprachfreien propositionalen Gehalt mit größtmögli- cher Schärfe vergegenwärtigt und nach dem Ausdruck sucht. an sich. er muß weitersuchen. indem man sich Definitionen bekannter. vergegenwärtigt sich die Be- deutung . aber nicht allzu bekannter Dinge vorlesen läßt. so heißt es nicht. ›der‹. aber nicht nur für einzelne Begriffe. wie er einen Gedanken denkt. heißt es nicht … nein. ›durch‹. es wird sie geben. Linguisten sprechen vom »Zungenspitzenphänomen«. ›Mittel‹. sondern für gan- ze Sätze. dessen neue Sprachgestalt aber noch nicht da ist – er weiß. ›sein‹. weiß der Übersetzer genauer als jeder andere. Leicht geglättet und angepaßt er- gibt das : Er wollte mit allen Mitteln Teil der Bande sein. der ihn decken würde. und viele eilige Übersetzer gä-  . ›zu‹. Wörtlich ist es richtig.

schließt er voreilig. ›Teil sein‹ ? ›Mitglied sein‹ ? ›An- gehören‹ ? Nein. es gebe solche speziell deutschen Mittel gar nicht . vielleicht muß dann sogar Gang stehenblei- ben. Die weitere Frage aber wäre : Mit welchen sprachlichen Mit- teln drückt die Zielsprache. Man darf sich nicht sagen. Gebraucht wird eine »Folie sprachli- cher Richtigkeit«.ben sich damit zufrieden und ließen es so stehen. Aus der Tatsache. und sei es. Wie kann ein Übersetzer sich von ei- ner solchen Selbstverständlichkeit je dispensiert glau- ben ? Es geschieht immer dann. aber erst. um bewußt einen Abstand von ihr erzeugen zu können (der in diesem Fall aller- dings nicht gefragt wäre). was man nicht verstanden hat. die englischen seien von vornherein genauso richtig. die in- dessen sogar manchen Übersetzern unbekannt zu sein scheinen. sich den propositionalen Ge- halt jedes Satzes bis in seinen letzten Winkel klarzuma- chen. Und gang ? Das läßt sich anhand dieses einen Satzes nicht entscheiden. Dann verzichtet er von vornherein darauf. Deutsch in diesem Fall. es wäre »unidiomatisch« . wenn die anderen Möglichkeiten durch- probiert sind. Erstens : Man kann nichts übersetzen. sondern nur im Zusam- menhang . ›Mit allen Mitteln‹ kann man schlecht dazugehören. dazugehören. Am wichtigsten ist die Ver- balphrase to be part. wenn er sich mit ver- frühten Tiefenvermutungen trägt. das aus ? Dazu muß man sich dieser Mittel sicher sein. daß er unverständlich sein  . also unbedingt. daß er ihn nicht sofort verstan- den hat. Daraus nun folgen zwei Binsenwahrheiten.

die sich in den Schlammpfüt- zen zerfleischen … Die »Tiefe«. das nur eines ist und sein soll : ebenfalls unverständlich. aber doch durch und durch verstehbar ist : … wo wohnst du wohl inmitten die- ser wilden Hatz aus Knäueln gesträubter Wirbelsäulen aus teuflischen Blicken aus blutgierigen Reißzähnen aus der Spur fliehenden schwanzeingekniffenen Gekläffs aus dem Gemetzel von Hunden. also so tief. fin- det einen Satz vor. sich die Bedeutung der Wörter und Phrasen ei- nes Satzes zu vergegenwärtigen. die Stelle im Original nachzuschlagen. die Poesie eines solchen Satzes beruht jedenfalls nicht auf seiner Wirrnis und Undurchdringlichkeit. Die Pseudopoesie des Undurch- dringlichen war die Zugabe des Übersetzers. wenn sich der Über-  . wo könntest du wohnen in diesem Knotenknäuel aus teuf- lisch gereckten Stachelblicken blutrünstiger Hauer einer Zeterspur flüchtigen Gebells mit eingezogenem Schwanz des Gemetzels von Hunden. der wegen der fehlenden Satzzeichen in der Tat nicht leicht zu verstehen. denn das kann er unter diesen Umständen gar nicht.sollte. So gerät der Leser denn in einem Roman von Gabriel Garcia Marquez etwa an Sprachgebilde wie dieses : … er fragte sich entsetzt. daß er sich profaner Verstehbarkeit entzieht. sondern produ- ziert aufs Geratewohl etwas. die sich in den Schlammpfüt- zen zähnefletschend zerfleischen … Tief ? Wer sich die Mühe macht. Dann übersetzt er ihn nicht. Zweitens : Beim Übersetzen ist es niemals damit ge- tan. Ständig muß die zwei- te Frage lauten : Welche konventionellen Mittel besitzt die Zielsprache. diesen Gedanken auszudrücken ? Die Frage ist auch dann unerläßlich.

wenn ihm das Wort zum ersten Mal begegnete und er nicht wüßte. die falschen Freunde. die Originalitätsvermutung : Der Übersetzer versteht zwar und möglicherweise so- gar richtig. Er muß nämlich erkennen. sich also der Standardsprache fernhal- ten will. Oder der Übersetzer fällt sogar auf die so- genannten »faux amis« herein. Dann muß er sich diese Frage erst recht vor- legen. Wer ahnte auch nur. daß sie eine wörtliche Übersetzung aus dem Englischen ist ? Eine bloß eingebildete Buchung ? Ein erfundenes Indianerwohngebiet ? Der Anlaß für den vermutlich häufigsten aller Über- setzungsfehler ist ein plebejischer Verwandter der vor- nehmen Tiefenvermutung. Also sucht er nicht erst nach einer konventionellen Ent- sprechung in der Zielsprache. in welchem Abstand zur Standardsprache das Original formuliert ist. Ein Wert an sich ist Verfremdung nicht – sonst wäre jedes beliebige Gestammel eine legitime Überset- zung. was eine mentale Reservation sein soll.  .setzer zu einer »sprachbewegenden« Übersetzung (Apel) entschlossen hat. Die wörtliche Übersetzung macht es in der Regel dem Übersetzer leichter und dem Leser schwerer. sondern übersetzt wört- lich. In beiden Sprachen braucht er also den Standard als Folie für etwaige Verfremdun- gen. verkennt jedoch die Konventionalität eines Ausdrucks und hält ihn für eine originelle Schöpfung. um in seiner Übersetzung dann einen ähnlichen Abstand nachbilden zu können. So entstehen dann Sätze wie setzten Segel für Eng- land (set sail for England) oder Sein Gegenspieler ging ungesehen und ungehört (his adversary went unseen and unheard).

aber etwas anderes bedeutet. Was ist the eventual abolition of psychothe- rapy ? Jedenfalls nicht die etwaige Abschaffung der Psy- chotherapie. um einen nicht erkannten falschen Freund recht und schlecht in einem Satz unterzubrin- gen : Er ging zu einem Mann. Es gibt indessen Fälle. Das ist eine konservative Schätzung ? Ein weiterer falscher Freund : conservative heißt hier nicht. sondern etwa vorsichtig. der be- reit war. in denen zumindest eine ge- wisse Wörtlichkeit angebracht ist. sondern die wörtliche. Die Regel aller- dings kann sie nie und nimmer sein . son- dern schließlich. was es zu heißen scheint. Sie erfordert eine größere Lesemühe. Auch lassen sich die zugrundeliegenden Gedanken einer wörtlichen Über- setzung meist durchaus entnehmen. Dann tre- ten in Romanen lauter Charaktere auf und nicht ›Figu- ren‹ oder ›Protagonisten‹. Der falsche Freund hier ist das englische Wort character – der deutsche Charak- ter wäre im Englischen unter anderem personality. Manchmal werden akrobatische Sinn- verrenkungen nötig. als  . weil der Übersetzer physician (›Arzt‹) und physicist (›Physiker‹) verwechselt hatte. das hier eben nicht eventuell bedeutet. nicht die »nor- male« Übersetzung hat sich zu rechtfertigen. der ihn abhorchte – und der ganze Umstand nur. das einem in der Zielsprache äußerlich ähnlich sieht. das prompt wieder ein falscher Freund und mit Persönlich- keit oft falsch übersetzt ist. sich seine Leiden anzuhören statt Er ging zu ei- nem Arzt. Der falsche Freund ist das englische Wort eventual. Physiker von Beruf.die im Englischen besonders häufig sind : ein Wort der Quellsprache.

und dieser er- höhte Verständniswiderstand. Alle Tests. Was an einem Text übersetzt wird. um das gleiche auszudrük- ken . wenn man sich wo immer  . sind also zunächst die ihm zugrundeliegenden Gedanken. werden an- dere viele Wörter brauchen. und so fort. wofür eine Sprache Partizipialkonstruktionen ver- wendet. aber nur. Wo eine Sprache eine Bedeutung in ein einziges Wort faßt wie die deutsche den Begriff ›Schadenfreude‹ oder die englische den Begriff ›serendipity‹. Je verwandter die Sprachen. den sie notwendigerwei- se mit sich bringt. Eine Über- setzung. stellt eine Verfälschung dar. die die Sprachwissenschaft für die Qualität von Über- setzungen entwickelt hat. Die Frage. ist auf dieser Ebene eindeutig zu beantworten : ja. werden andere Relativsätze brauchen. nur nicht notwendig mit den gleichen sprachlichen Mitteln. Bedeutungen lassen sich aus jeder Sprache in jede andere übersetzen. Zum Beispiel wird ein Text in eine andere Sprache und dann aus dieser wieder zurückübersetzt. verdient den Namen nicht. prüfen die semantische Ebe- ne. Ist etwas von seiner Bedeutung verlorengegangen ? Etwas hinzu- gekommen ? Hat er seine Bedeutung verändert ? Jede Bedeutung läßt sich in jeder Sprache formulie- ren. Obwohl wörtlich richtig. der propositio- nale Gehalt seiner Sätze : seine Bedeutung. desto ähnlicher wer- den normalerweise auch die sprachlichen Mittel sein dürfen. ob denn Übersetzen überhaupt mög- lich sei.sie das Original seinen Lesern zumutete. ist die wörtliche Übersetzung darum in der Regel falsch. die sie nicht möglichst vollständig erfassen und wiedergeben will.

dem Hof von Assoziatio- nen welchen viele Wörter um sich tragen. und auch das kann eine durchaus kreative Aufgabe sein. kann es dennoch auf die Lautwerte ankommen). Die Kunst der technischen Übersetzung besteht in der Wahrung einer eindeuti- gen und einheitlichen Terminologie und der Fähigkeit. nötig von den sprachlichen Mitteln der Quellsprache – ihren zu Wörtern geronnenen Begriffen. ändert diesen Widerstand. ihren histo- rischen. ihrer Syn- tax – trennt. Wer zum Beispiel lange Peri- oden zu einem Stakkato zerlegt oder Nullachtfünfzehn- Wörter verwendet. Reim oder Alliteration vorliegen. Mehr gäbe möglicherweise Anlaß zu Mißverständnissen und würde darum sogar stören. Bei Texten. Alles dies zusammen gibt je- dem Text. übersichtliche Sätze zu konstruieren. dem Klang (auch wo nicht gerade Metrum. die er seinen Lesern zumutet. gerade. regionalen oder sozialen Obertönen. wo der Autor seltene und erlesene gebraucht hat. In einer Gebrauchsanleitung oder der Dokumen- tation einer technischen Anlage braucht nichts ande- res übersetzt zu werden als die reine Bedeutung. die dem Text innere sprachli- che Spannung verleihen. Bei literarischen Texten jedoch hat der Übersetzer vielen anderen Dimensionen Rechnung zu tragen : dem Satzbau. die ganz in ihrer Funktion aufgehen. was man seinen spezifischen Widerstands- wert nennen könnte : die Verständnisanstrengungen. der Stil- höhe irgendwo zwischen Kanzel und Gosse und allen Wechseln des Registers.  . kann es mit dieser semantischen Ebene sein Bewenden ha- ben.

Der Übersetzer (und sein Kritiker) muß abwägen. Wenn es bei literarischen Übersetzungen also zu- weilen auch zwingende Gründe gibt. Jede solche Übersetzung ist notwendig ein Kompromiß. Allen diesen Dimensionen gleichermaßen kann eine literarische Übersetzung kaum je gerecht werden . die niemals ohne Not preisgegeben wer- den darf. aber keine Überset- zung geliefert. bleibt sie den- noch die Basis. und ihr Kritiker hätte zu prüfen. das klinge in diesem Fall  . und wenn er tausendmal meinen sollte. der den Übersetzer ermäch- tigte. daraus ›Sonnenuntergang‹ zu machen. wel- cher Aspekt eines Textes am vollständigsten erhalten werden sollte und bei welchen Aspekten Einbußen am ehesten in Kauf zu nehmen sind. Grundsätzlich und ein für allemal ist es nicht entscheidbar – jeder Text ver- langt eine neue Abwägung. vor allem kann eine semantisch genaue Übersetzung höch- stens durch glücklichen Zufall auch klanglich genau sein. sonst hätte er ei- nen neuen Vierzeiler komponiert. Auf der semantischen Ebene brauchte er nicht mehr als ein allgemeines Lob des Alkohols zu erhalten. Wer Odgen Nashs Vierzei- ler »Candy / is dandy / but liquor / is quicker« ins Deut- sche übersetzen wollte. gibt es kei- nen Grund auf der Welt. Wenn der Autor ›Sonnenaufgang‹ geschrieben hat. Eine semantisch unnötig falsche Übersetzung mag sogar schön sein. falsch bleibt sie dennoch. ob es ein fauler war. Ganz verlassen dürfte er sie dennoch nicht. hätte vor allem die vier extrem kurzen Zeilen und ihr Reimschema zu rekonstruieren. auf der semanti- schen Ebene Kompromisse zu schließen.

) Sprache jedoch ist auf eine noch viel radikalere und unredu- zierbarere Weise unscharf. in zwei Sprachen für ei- nen Gedanken formuliert. daß sie sich vollständig decken ? Man kann zwar ohne Wenn und Aber sagen. daß es sich ursprünglich um zwei verschiedene Wörter handelte.besser oder Sonnenuntergänge wirkten poetischer. (Die eine dieser Mehrdeutigkeiten ist die Homonymie : Daß das Wort ›Ton‹ zum einen ›Klang‹. die sich zufällig konver- gent entwickelt haben. daß eine bestimmte Stelle falsch übersetzt ist. zum andern ›Lehm‹ bedeutet. sondern wie in der Musik von einer Improvisation über ein Thema von … Aber kann es semantische Richtigkeit überhaupt ge- ben ? Decken sich zwei Sätze. eine Stelle sei rich- tig übersetzt. jemals vollständig ? Woran ließe sich erkennen. Die andere ist die Polysemie : Das Wort ›Muschel· hat mit der Zeit auch die übertragene Bedeutung ›Telefonmikrofon‹ angenommen. sondern an der Un- schärfe aller Sprache. sollte nicht von einer Übersetzung sprechen. wie der Computer es gerne hätte : aus einer bestimmten Zahl von sowohl ausrei-  . und er kommt vor. die Com- puterlinguisten so zu schaffen machen. Das liegt nicht am Übersetzer. geht darauf zurück. Wer eine freie Paraphrase für wünschenswert oder nö- tig hält. Der Mensch bildet Begrif- fe meistens eben nicht so. Wo der Fehler vorkommt. Aber nie kann man ohne Wenn und Aber sagen. sind dabei die äußerlichsten Fälle von Unschärfe. Die Mehrdeutigkeiten. hat der Über- setzer wahrscheinlich nur dawn und dusk verwechselt.

sondern aus Perga- ment besteht ? Wir könnten sagen : ja. um die sich ein nicht genau bestimmbarer Hof von Nebenbedeutungen lagert. Auch Baumrinde. viele sehr emotio- nal und subjektiv.chenden wie notwendigen Merkmalen. Es gibt eine Zwischenzone. in der man etwas vielleicht noch ›Buch‹ nennen möchte. wo für statistische Zwecke eine erforderlich wird. Also wäre ein Stapel von gleich großen beschriebenen und verleimten Eichenbor- kestücken ein Buch ? Offenbar hört die Sache für unser Gefühl irgendwann auf. ein Buch zu sein. wenn er durch eine Liste von Merkmalen ausreichend und vollständig definiert. Und in zwei verschie- denen Sprachen gibt es kaum jemals eine genaue Ent- sprechung zwischen zwei solchen Wolken. vielleicht aber auch schon anders. Zwi- schen einem ›Buch‹ und einer ›Broschüre‹ etwa gibt es keine objektive Grenze . Begriffe überlappen teilweise. und so fort. wir nehmen Per- gament auf in die Definition. heißt das. hat seine se- mantische Mitte meist nicht an den nämlichen Stellen  . muß sie willkürlich festgelegt werden (48 Seiten). Jedes Wort. wenn es nicht aus Papier. das heißt gegen Nachbarbegriffe abgegrenzt wäre : Papier / Stapel gleichgroßer Blätter / geleimt oder gebunden / bedruckt. Bleibt ein so definiertes Buch ein Buch. auf die die Maya ihre Texte schrieben ? Wir könnten auch die Baumrinde noch aufnehmen. Sie sind nicht scharf gegeneinander abgrenzbar. Sie haben eine Kern- bedeutung. Der Compu- ter könnte einen Begriff wie ›Buch‹ am leichtesten und sichersten gebrauchen. umgibt eine ganze Wolke von Bedeutungen. Was Wör- terbücher als Entsprechungen anbieten.

Darum eben gibt es keine Eins-zu-eins-Übersetzung. das Adverb und das Adjektiv. Wie also wäre a cloyingly rhetorical no- vel zu übersetzen ? Falsch wäre ein abstoßend schwülsti- ger Roman nicht . Science ist ›Wissenschaft‹ und ist es doch nicht. Das ist nicht akademisch. ›widerlich‹. wer es nur im Lexikon nach- schlägt . ›unmäßig‹. Schon darum auch ist jede Übersetzung in gewisser Weise eine Interpretation. ein widerlich euphemistischer Roman  . ›abstoßend‹ übersetzen – genau das ist es. man müßte es in vielen Zusammenhängen ge- hört und gelesen haben. sollte man meinen. ›phrasenhaft‹. cloyingly und rhetorical. everybody was reading a certain cloyingly rhetorical anti-war novel – ein ganz leichter Satz. Rhetorical heißt natürlich ›rhetorisch‹. Cloyingly ließe sich mit ›unan- genehm‹. aber manchmal sind leichte Sätze die schwierigsten. sondern für den Übersetzer alltäglichster Alltag. ›eine eigentlich nicht unangenehme Eigenschaft (wie Süße) bis zum Überdruß entwickeln‹ – seinen vollen Sinn kann nicht erfassen. hat aber im deutschen Kon- text dennoch auf eine schwer faßbare Weise einen an- deren semantischen Wert. ›ekelhaft‹. aber auch ›schönrednerisch‹. ob eine Übersetzung ganz und gar richtig ist. ›schwülstig‹ und so weiter. To cloy heißt unter anderem ›bis obenhin vollstopfen‹. Darum läßt sich auch nicht sicher sagen. At that time.im Bedeutungskontinuum und um sich einen anderen Hof von Nebenbedeutungen und Assoziationen. und Naturwis- senschaft ist zwar ›science‹. was einem die Wörterbü- cher vorschlagen. Die Schwierigkeit berei- ten in diesem Fall zwei semantisch schillernde Wörter.

wenn wir Sprache hören oder lesen. wa- rum es keine übersetzenden Wunderkinder gibt. erklärt im übrigen. Es sind aber drei ganz verschiedene Dinge. so daß er die eine oder andere Möglichkeit mit einiger Wahrscheinlichkeit ausschlie- ßen kann. was der Autor ge- meint hat. Wir alle müssen. Er kann es dabei nur machen wie wir alle : Er muß jedes Indiz auswerten. wenn er verstanden hat. Solche Fragen aber hat der Übersetzer auf Schritt und Tritt zu lösen. was er über seinen Autor weiß. vielleicht sogar rekonstruieren. um dessen Sätze überhaupt erst übersetzbar zu machen.wäre es auch nicht . gleich wieder vergißt. aber er kann es nicht dabei belassen. aus dem bloßen Sprachtatbestand abzuleiten. Nie- mand kann sich hinsetzen. ständig desambiguieren. Die übersetzerische Schwierigkeit besteht dar- in. dessen er nur habhaft werden kann. welchen Roman dieser hier im Sinn hatte. daß er sich ein paar Hypothesen bildet und sie. Der Übersetzer muß es auch . daß es überhaupt keine Möglichkeit gibt. Der Tonfall läßt sich nicht zu Rate zie- hen. Daß der Übersetzer sein ganzes Wissen über einen Autor zu Rate ziehen muß. Er kann aus allem. In der Computerlinguistik heißt das »desambiguieren«. Dem Übersetzer ist vielleicht auch der ganze Denkstil seines Autors vertraut. aber vielleicht bringt der Kontext einen Aufschluß. ein Buch aufschlagen und ohne weitere Vorbereitung mit seiner Übersetzung be-  . er muß sich für eine entscheiden und sie auf Dauer fest- schreiben. und ein unangenehm phrasenhaf- ter Roman ließe sich aus der kleinen Bedeutungswolke auch noch ableiten.

Er ist einem falschen Freund aufgesessen. und der bestätigt sich. so meldet sich bei dem aufmerksamen Zuhörer sofort Bumser- verdacht. Mehr gibt es  . Übersetzen setzt Erfahrung voraus. Ein Klops ist ein Schnitzer.ginnen. daß auf einem englischen Flughafen Gra- naten in einem Warenhaus explodiert sind. auf dieser Ebene ist Übersetzungskritik etwas sehr Schwieriges. der sich seine Gedanken nicht gemacht hat. Dank dieser Erfahrung kann sich der Übersetzer viel- leicht am Ende sehr wohl entscheiden. daß er diesen einfachen Satz richtig übersetzt hat. Übersetzer untereinan- der benutzen das unzarte Wort ›Klops‹. daß ein normaler Rezensent damit wohl wirklich überfordert ist. ein Patzer. Der Übersetzer wußte einfach nicht. Bei manchen Übersetzungen allerdings erübrigt sich derlei höhere Mathematik. Zwar wird es immer wieder so gemacht. Wenn in den Fernsehnachrichten davon die Rede ist. so wird er nur die Achseln zucken können. aber man merkt es dem Ergebnis sofort an. so schwie- rig. ein eindeutiger Fehler ohne Wenn und Aber. Das heißt. und behauptete. sagen wir mit Norfolks Übersetzer : ein Bumser. sondern ein Lagerhaus. Wenn ein Kritiker käme. Ande- rerseits ist er gar nicht leicht zu erschüttern. Aber er hat nie- mals eine Gewähr dafür. daß ein warehouse mitnichten ein Warenhaus ist. wenn er zur BBC um- schaltet und dort die gleiche Meldung auf Englisch hört. er fände hier ekelerregend bom- bastisch die richtigere Übersetzung. daß er sich richtig entschieden.

Der Text strotzt von ihnen. die Antwort ich denke. Echte Sprachschöpfungen des Autors sind vor lauter Bizarrerien dann gar nicht mehr erkennbar. und der Kritiker braucht nicht lange zu suchen – im nächsten Satz schon wird er wahrscheinlich wie- der fündig. Natürlich unterblie- ben sie besser. Darum reicht es auch nicht. sind jedenfalls selten. sie wird bekommt. wenn der Kritiker dem Übersetzer zwei oder drei sol- che Schnitzer um die Ohren schlägt. Nun ist keine Übersetzung je ganz frei von solchen Schnitzern. die auf Unvermögen beruhen. Ein Fall wird dar- aus erst. ver- unklärt den Text in seiner semantischen Dimension und verschiebt gleichzeitig Tonlage und Widerstands- wert. wenn die Schnitzerquote ein erträgliches Maß überschreitet. dazu nicht zu sagen. Wer konventionelle Redensarten wörtlich über- setzt. denn nicht nur der Irrtum über eine Wortbedeutung führt zu einem Bumser. Wie viele dürfen sein? Theoretisch läßt es sich nicht sagen. auch die beste nicht. Und wenn im folgenden Spielfilm der Gangster auf die Frage. Jene aber. ob die Kasse heute unbe- wacht bleibt. son- dern auch die Verkennung einer idiomatischen Wen- dung. Denn die Schnitzer. die sich dem momentanen Blackout eines ansonsten guten Übersetzers verdanken. als wären es kostbare originale Prägungen.  . kommen niemals allein. so ist das ebenfalls einer. praktisch aber stellt sich die Frage kaum. aber einer hin und wieder schadet einem Text weniger als ein fortgesetzt falsches Gehör für seine Tonlage oder eine chronische Schwierigkeit beim Um- gang mit dem Konjunktiv.

Beim Gros aller Übersetzungen aber – mehr oder weniger zeitgenössischen Texten aus ver- wandten Sprachen und nahen Kulturen – gibt es kei- nerlei Sondergründe. eventuell sogar durch die weitgehende Übernahme seiner syntaktischen Konstruktion – die »sprachbewe- gende« Übersetzung.Was hier der »Widerstandswert« eines Textes genannt wurde. und zwar durch Wörtlich- keit. Es mag Texte geben. an dem sich vorführen läßt. die durchaus vorkommen und Fürsprecher finden. Der Text soll auf den Leser in der neuen Sprache annähernd so wirken. Am ei- nen Extrem ist es die versimpelnde Übersetzung. Es kann außer Kraft gesetzt werden. Ein Postulat ist kein Naturgesetz. in die Schule der Geläufigkeit genommen werden dürfen . die versimpelt. Daß es nicht trivial ist. Es ist kein Po-  . nämlich zwei Typen von Übersetzungen. am anderen der Typ. die die Übersetzungstheorie manchmal »Wirkungs- äquivalenz« nennt. die das Postulat der Wirkungs- äquivalenz außer Kraft setzen könnten. wie er mutmaß- lich auf die Leser in seiner Sprachheimat gewirkt hat: Er soll ähnliche Gedanken und Gefühle in ihnen evo- zieren. die einen spröden Text »flüssig« macht. So lautet das Grundpostulat. wenn Gründe dafür sprechen. die am interessantesten als ethnographisches Doku- ment sind. was es aus- schließt. und ande- re. wie eine andere Sprache verfährt. der unter Berufung auf eine Theorie Schleiermachers den fremden Text fremdartiger wirken lassen will als in seiner Herkunftssprache. zeigt sich an dem. läuft auf das gleiche hinaus wie jene Qualität. normalisiert.

die der Dolmetsch zwischen ihnen am wenigsten verwischen darf. Sie ist es jedoch nicht. wie es die Sprache des Originals in ihrem eigenen Bezugs- system war. daß das Russische und einige ro- manische Sprachen eine Vorliebe für Diminutivendun- gen haben . aber  . Wer damit anfängt. folgt nicht aus sprachlichen Rücksichten. und die fremden Kulturtatsachen wirken in ihrer neuen sprachlichen Um- gebung notwendig anders als in ihrer sprachlichen Hei- mat. Daß Israelis wie Araber mit ihren Wörtern für ›Frieden‹ grüßen . und am Ende wäre die ganze Welt eine deutsche Wohnküche. Das Postulat der Wirkungsäquivalenz hat eine Zone. aus fish’n chips ›Bockwurst und Pommes‹ zu machen.stulat. in die es nicht hineinreicht: Sprachtatsachen werden übersetzt. daß das Englische vorwiegend mit Sexualbe- griffen flucht. das Deutsche dagegen mit Fäkalbegriffen . Auf den ersten Blick wirkt die Abgrenzung von Sprach- und Kulturtatsachen eindeutig. sondern aus dem Respekt vor der Unterschiedlichkeit mensch- licher Lebenswelten. daß das Deutsch der Über- setzung genau so platt oder nichtplatt sein sollte. Kulturtatsachen aber nicht. daß eine Sprache ein reicheres und genaueres Voka- bular für jene Dinge hat. Es besagt vielmehr. Daß Kulturtatsachen nicht übersetzt werden soll- ten. Viele Sprachtatsachen sind nämlich gleichzeitig Kultur- tatsachen. mach- te bald auch aus football ›Fußball‹ und aus der Moschee eine Kirche. das notwendig zu einem platten Deutsch führen muß. die in ihrer Kultur im Vor- dergrund stehen – das alles sind Sprachtatsachen.

Oder we- nigstens meinte er. Als es im Jahr darauf zu dem legendären Zusammenstoß mit sei- nem ehemaligen Freund. der als Übersetzer und Übersetz- ter zwischen drei Sprachen lebte und Gelegenheit hatte. lächerliche. hat die Klasse der Schnitzer – er nannte sie ›howlers‹ – von allen an- deren Fragwürdigkeiten des heiklen Geschäfts abgeson- dert und wiederholt dem Spott preisgegeben. Dem Übersetzer bleibt also ein großer Ermessensspielraum. hielt dieser ihm vor. über seine eigene Puschkin-Über- setzung kam. muß die Zielsprache bewegt werden. er schien sie als solche nicht einmal wahrgenommen zu haben. sondern unbestreitbare.es sind ebenfalls Kulturtatsachen. Vladimir Nabokov. sie ihm preisgegeben zu haben . und als solche soll- ten sie auch in der Übersetzung aufscheinen. daß manche partout nicht lachen wollten. grobe. er habe der früheren Übersetzung kleinlich nur ein paar Germanismen und Ungeschicklichkeiten angekreidet. Und was er aufge- listet hatte. In der Rezension einer englischen Nachdichtung des ›Eu- gen Onegin‹ stellte er einmal einen systematischen Ka- talog haarsträubender ›howlers‹ zusammen.  . Er kann im großen und ganzen Wirkungsäquivalenz anstreben und im kleinen dennoch viel überlegte und begründete sprachliche Fremdheit hereinlassen. Von Germanismen aber hatte Nabokov kein Wort gesagt. dem Kritiker und Schriftstel- ler Edmund Wilson. Wilson hatte sich offensichtlich nicht an ihnen gestoßen . haarsträu- bende Fehler. verstörte ihn. viel über das Übersetzen nachzudenken. waren keine läßlichen Ungeschicklichkeiten. Damit sie aufscheinen.

wird einige Zeit vorhalten und der Literatur und ih- ren Lesern einige Übersetzungskatastrophen ersparen. Kann aber jemand Literaturkritiker sein. nach- dem ein anderer sie ihm vorgewiesen hat ? Was liebt er denn dann eigentlich ? Genau dieses würgende Ge- fühl. gleich gut oder gleich schlecht sind. das Na- bokov damals beschlich. blieb die Debatte denn auch nicht an dem Punkt stehen. Weil es viele andere Übersetzer beschlich. wenn ihm nicht auff ällt. zu bewundern. ei- nen Text zu schätzen. für die sie die Verantwortung tragen. der durch jenen Protestbrief in den Literaturbetrieb fuhr. zu lieben. daß der von ›howlers‹ entstellt ist. . Der Schreck. Möchte man hoffen. daß krumm und gerade für das gleiche gehalten werden. In Deutschland ließ der Fall ›Lempriere’s Wörterbuch‹ es nicht nur bei mir aufkommen. auf den sie in den ersten Wochen so zielstrebig zugesteuert war. in einer verkehrten Welt zu leben. Ein vor sich hin dümpelnder Betrieb braucht gelegentlich einen großen Schreck. Am Ende war sogar die Unkollegialität ganz an ihrem An- fang legitimiert. wo sich gar ein Chor von Gra- tulanten aufstellt und vergnügt »fair is foul and foul is fair« anstimmt – genau dieses Gefühl war es. wo niemand sich mehr daran stößt. Sie hat schließlich einiges geradegerückt und einige Vorstellungen geschärft. was sie da eigentlich tun : ob wirklich alle Übersetzungen. damit viele sich fragen. ohne sol- che Fehler zu erkennen ? Kann jemand behaupten. und wenn diese ihn selbst dann nicht irritieren.

Im Prin- zip hätte von seiner »Bedeutung« oder »Information« noch viel mehr am Ende der Reise ankommen können. Übersetzen ist möglich. der wiederum dem seinen – und wenn der Satz auf diese Weise die Runde gemacht hat und wieder an seinem Ausgangsort ankommt.Kettenübersetzung Stille Post Es war als eine Art Spiel gedacht. Die Arven und die  . Nach diesem unbeabsichtig- ten Experiment zu urteilen. Widmers Experiment jedoch ging anders aus. Jeder kennt das Spiel »Stille Post« : Einer flü- stert dem Nachbarn einen Satz ins Ohr. als Urs Widmer einem kurzen literarischen Text die konsekutive Reise durch fünf Sprachen zumutete. der dem seinen. dann aus dem Japanischen ins Französische. allen Amtssprachen der Vereinten Na- tionen (bis auf Arabisch). ist er meist nicht wiederzuerkennen. wären nur einige der Übersetzer genauer gewesen. der er in der Realität der Übersetzerdyaden nicht ausgesetzt gewesen wäre. aber es war auch ein wirkliches Experiment. ist die Bedeutung des Textes über alle Metamorpho- sen hinweg mehr oder weniger erhalten geblieben. / Ich sitze / und weine. wäre Übersetzen schlicht un- möglich. Sein Ausgang erlaubt zwei Schlüsse. Was würde von Widmers kurzer Geschichte bei der Rückübersetzung ins Deutsche noch vorhanden sein ? Goethes »Über allen Gipfeln / ist Ruh« soll zu Beginn des Jahrhunderts ins Ja- panische übersetzt worden sein. 1. In der Kette regiert immer das schwächste Glied – aber obwohl dem Text mit der Ketten- übersetzung eine Strapaze zugemutet wurde. um als »Japanisches Nachtlied« wieder im Deutschen einzutreffen : Stille ist im Pavillon aus Jade / Krä- hen fliegen stumm / Zu beschneiten Kirschbäumen im Mond- licht.

wenn man unter Stil die Bedeutungsnuancen jen- seits der nackten Information versteht. So wird aus einem Motel eine Art Truckerherberge und schließlich ein Landgasthaus – vermeidbare. in diesem Fall kumulierende Ungenauigkeiten. Die Register der Sprache (etwa der Wechsel von »historisch« und »modern«).Fichten kamen nur darum abhanden. Was bei der Übersetzung leicht verlorengehen kann. Aber es müßte nicht verloren- gehen. wie einige Kettenglieder klarmachen. Groß ist auch ständig die Versuchung. »Kulturtatsachen« zu über- setzen. Ironien. gibt es einen Brauch. den die Bewohner seit Menschengedenken und länger kennen. Wortspiele. weil manche Über- setzer sich über derlei Details erhaben dünken. immer im Morgengrauen von Matthäi am letz- ten (irgendwann im Juni) brechen die geschlechtsreif ge- wordenen Männer und Frauen auf (Kinder beinah noch)  . eindeutig falsifiziert.Z. Übersetzen ist eben eine darstellen- de Kunst. syntaktische Spannungen – alles das ist in hohem Maß gefährdet. der die Bedeutung uneingeschränkt respektiert und außerdem soviel Stil wie möglich in seine Sprache hinüberrettet. 2. einer Handvoll Stadel hoch oben zwischen den letzten Arven. Davon aber abgesehen wurde die Vermutung. D. Urs Widmer Erste Liebe (Ursprungsfassung) In einem Weiler in der Schweiz. jede Sprache »denke« so verschieden von den übrigen. Ein gu- ter Übersetzer ist der. nämlich. daß alles Übersetzen von vornherein ver- geblich ist. ist der Stil.E. Nicht jede Übersetzung ist gleich gut oder schlecht.

und treffen im Bergdorf ein. abge- magert und gereift. daß sich einer oder eine hinter einen Felsbrocken duckt. Schnee- wirbel. an Gletscher- mühlen vorbei und über rotglühendes Firneis. Sandstürme umbrausen sie. hören immer öfter den Klang un- bekannter Sprachen. Wie sie die Meere überqueren. die Frauen von Osten) den Ort auf der andern Erdsei- te. Man bricht nur noch pro forma auf. und gehen los. übers Ziel hinaus und kommen ungeliebt um. Glück. Je- der umarmt die. alle gemeinsam auf den Rückweg. aber es ist auch blind. Die Verliebten treffen sich in einem Motel im Tal unten. erreichen sie (die Männer von Westen her. lachend und plappernd. Die einen gehen zuerst steil bergan. Sie benötigen keinen Schlaf. die Mädchen nach Westen. aber ih-  . die andern müssen als erstes jäh bergab ins noch tiefdunkle Tal. – Heute ist dieser Brauch allerdings am Aussterben. Sie genießen ihr erstes Mal immer noch. Kein Hindernis kann sie hemmen. nach einem halben Jahr. Das Schicksal ist unerbittlich. wenn sich gerade der nächste Pulk mündig Gewordener bereit macht. der als erster vor ihr am Horizont auftaucht. keine Nahrung. am Ziel vorbei. Stauborkane. erwachsen geworden. – Manche schießen auch. Jede umfängt den. Jedenfalls. und dort ist es den jungen Menschen endlich erlaubt. das die aufmerksamsten Ethnologen bis jetzt nicht lösen konnten. – Die Liebenden machen sich. jedes Gesträuch. ist ein Rätsel. auf die er als erste stößt. Sie sind nun al- ler Sprachen der Welt mächtig und gelten als verheiratet. der tolpatschige Heinrich oder die kreuz- blöde Lise. wenn just der oder die Fal- sche auftaucht. Sie gehen stur geradeaus. keine zwei Wanderstunden weit weg. wie wir es nicht kennen. – Es kommt allerdings schon vor. Bald jubelt je- der Busch. Ärmste unter den Armen. der ihrer Heimat am entferntesten ist (die Ethnologen haben die Spur der Gehenden längst verloren). die Burschen nach Osten. Sie durch- wandern weite Ebenen. sich zu lieben.

sondern kehren zurück. ohne geliebt worden zu sein. Erstere hat sich bei Sáenz zu am Ende von San Mateo gewandelt. Die Ärmsten unter den Armen kommen so- mit nicht mehr ungeliebt um. Zu den gängigen Reiseerlebnissen- würde ich das Entstehen von granero aus Stadel zählen. die jun- gen Frauen und Männer jenes Dorfs aus ein paar Hütten hoch oben in den letzten Fichten irgendwo in der Schweiz. Spanisch En un caserío de Suiza. Das Wort stur läuft der spanischen Menta- lität zuwider. Es wird Konse- quenzen haben.. der bedeu- tet. entre los últimos cembros.rer Leidenschaft fehlt etwas. wurde daher zu mit Entschlossenheit. Die Wie- derholungen des gleichen Wortes sind alle in ihrer ursprüng-  . Kommentar Da der Übersetzer Miguel Sáenz gut eine andere Kultur ne- ben der seinen gelten lassen kann. hat der Text seine Reise ziemlich unversehrt überstanden. hay una costumbre que sus habitantes conocen desde tiempo inmemorial y antes aún: siempre al amanecer de las postrimerías de San Mateo (al- gún día de junio). als wäre er ein Kalenderdatum) und des Verbs umkommen. Problematisch wird es bei den Übersetzungen der sprichwörtlichen Redensart Mat- thäi am letzten (Widmer benutzt den Ausdruck.. los muchachos . un puñado de graneros muy arri- ba. während letzteres zu zurückkehren geworden ist. von der die Uralten berichten. los hombres y mujeres que llegan a la pu- bertad (casi unos niños aún) emprenden el camino y se van. verglichen mit der. was im spa- nischen Kulturraum soviel bedeutet wie am Ende des Festes von San Mateo (Apostel). daß jemand am Ende seiner Kräfte ist. Auch haben sie keine fremden Sprachen mehr im Kopf. keine Bilder von Steppen und Sandorkanen mehr. Der spanische Ausdruck birgt das Wort Korn.

ohne daß damit die literarische Sprache  . Susanne Beerli Chinesisch Kommentar Professor Liu Xiaopei hat sich interpretatorische Freiheiten herausgenommen. womit die Geschichte einen neuen Rhyth- mus bekommen hat. die sich Übersetzer bei uns nicht leisten können. nicht angekommen sind die Alliterationen – was wohl zu den Strapazen einer solchen Reise gehört. Zudem hat er den Text in fünf Ab- schnitte gegliedert. daß man einen volks- kundlichen Text erwartet. Den Titel hat er so verändert.lichen Form in Spanien angelangt .

am Ziel vorbei. die auf- tauchte.verschwunden wäre. – on a morning. oder sie verpaßten die erste Person. Trotz allem ist an vielen Stellen die Zweideutigkeit erhalten geblie- ben. For a long long time there has been a custom in this village. ohne je von einem anderen Menschen geliebt zu werden. one after another. wie wenig genau es wohl einige Übersetzer mitunter nehmen. set off. as dawn begins to light the skies. Das liest sich dann : Manche. including among them some who are no more than children. die – da sie nicht wörtlich übersetzt werden dür- fen – den Übersetzern am meisten zu schaffen machen.und italienischsprachige aus der Brat- pfanne ins Feuer und tauschen frankophone ein einäugiges gegen ein blindes Pferd : Es sind solche idiomatisch genannte Wendungen. Die Sprache läßt noch vieles in der Schwebe. on a long journey … Kommentar Wo deutschsprachige Menschen vom Regen in die Traufe geraten. die Kläglichsten. was bei ei- ner Rückübersetzung in eine europäische Spracheeindeutiger formuliert werden muß. Vollends mißverstanden hat Professor Liu die Textstelle : Manche schießen auch. very like the feast day of St Matthew – all the boys and girls of the village who are in the flower of their youth. und mußtenfolglich unverrichteter Dinge umkehren. übers Ziel hinaus und kommen ungeliebt um. sie fanden den falschen Partner. that is to say. Der  . sondern eher. fallen englisch. Ärmste unter den Armen. André Kunz Englisch There is a village in Switzerland which lies nearly lost to view among pine forests high in the mountains – it is one of the nation’s few breadbaskets. Einige der wichtigsten Mißverständnisse erhellen (in diesem Falle) leider weniger die Art. Zu Beginn wird aus einer Handvoll Stadel : Einer der wenigen Kornspeicher im ganzen Land. one all its inhabitants know well. Every year on a morning in June. wie Chine- sisch als Sprache funktioniert.

Wo die Paare sich im Deutschen. das Schweben zwischen Legenden- ton und umgangssprachlichen Wörtern wie kreuzblöde. Verloren ist Urs Wid- mers freundliche Ironie. Spanischen und Chinesischen auch körperlich liebten. dürfen sie sich im Eng- lischen nur noch verlieben. Vom literarischen Tonfall ist im englischen Text nichts mehr spürbar. ent- steht daraus ohne vorherige Abmachung (without prior arran- gement). deren zweiter auch noch die letzten Fichten fällt und somit kreuzblöd lautet : Dies sind die jungen Männer und Frauen aus Dörfern hoch in den Ber- gen der Schweiz. Thomas Bodmer  . was im übertragenen Sinn Kornkammer bedeutet. Und wird die chinesische Wendung für zufällig wörtlich übersetzt. Für diese Etappe haben Urs Widmers Lie- bende von einem einäugigen Chinesen auf eine blinde Eng- länderin umgesattelt.Widmersche Stadel hat sich über eine spanische Scheune in einen chinesischen Kornspeicher verwandelt. Janice Wickeri hat aus ihm einen englischen Brotkorb (breadbasket) gemacht. Der letz- te Satz wird in zwei Sätze aufgeteilt. das hier unbeholfen mit ungelenk wiedergegeben wird.

Wo sich bei Wid-  . ja sogar vom Übersetzer da- zuerfundenes blankes Eis. steigen die Mädchen im Gegensatz zu den Jungen sofort in stille Täler hinunter. werden sie bei Ukow metaphysisch von Liebe überkommen und überhaupt traditioneller in ihrem Verhalten : Wenn die Burschen Berggipfel bezwingen. Statt des Manns erscheint die Frau auf der anderen Seite der Erde am Hori- zont und öffnet dem Burschen ihre Arme. Dadurch iro- nisiert und russifiziert er gleichzeitig den Text : Das nüchterne Widmersche ihrer Leidenschaft fehlt etwas baut er zur pathe- tischen Frage aus : Ist es nicht offensichtlich. daß etwas unwie- derbringlich in der Vergangenheit entschwindet ? Wo Männer und Frauen sich im Englischen individualistisch verlieben.Russisch Kommentar Der Übersetzer Dimitri Ukow greift den Stil der sentimenta- len Literatur des achtzehnten Jahrhunderts auf.

ce village a préservé une coutume ancestrale. sondern liest sich wie ein französi- scher Text. in Prisenmenge. Auf den Zei- len. Irena Brëznà Französisch Dans les hautes montagnes de la Suisse. muß er als Diener die Treue wählen. Slobodan hält etwas auf sich. ergreift nun nur noch die Frau. und er liebt das Französische. nachdem sie eine Ewigkeit gewartet hatte. Aber zwischen den Zeilen. So wird es der Autor gemeint haben. ja sogar die Melodie des fremden Textes in seinem neuen Gewand sind diesem Übersetzer das oberste Gesetz. ein bißchen Ironie in den Text zu- rück. ohne Umstände und Ver- zug. Die Lesbarkeit. il vit un village presque égaré : l’un de ces vil- lages qui. au milieu des forêts de conifères. die Flucht. bekanntlich) und im Ausrufezeichen klingt etwas vom Ton des Originaltexts nach. wird er sich gesagt haben. spürt der vorletzte Übersetzer. Pendant très longtemps. qui reste encore familière à tous ses habitants. nicht für das Original (das für ihn die russische  . à l’aube d’une … Kommentar Das Mißtrauen des Übersetzers Despot Slobodan seiner Vor- lage gegenüber hat sich ausbezahlt. da lebt seine Freiheit weiter. Die jungen Frau- en bekommen bei ihm wieder gleiches Recht wie die jun- gen Männer : Décamper heißt abhauen. est aveugle et impitoyable ! Im on le sait ! (wie man weiß. Sein Text äfft das Russische nicht nach.mer einer oder eine hinter einen Felsbrocken duckt. on le sait. Und es ist nicht nur bei der Wortwahl geblieben. assurent la nourriture du pays. aujourd’hui encore. Sans demander son reste macht sich Elisabeth davon. Slobodan entscheidet sich für die Leserinnen und Leser. Une fois par année. Holen wir den Text in unser Jahrhundert zurück. Wenn er zwischen Freiheit und Treue zu wäh- len hat. Er führt. Le destin.

flott und entschlossen voran. irgendwo (die Gelehrten haben den Ort nie genau bestimmen können) am andern Ende der Welt wieder zusammen. und das junge Mädchen empfing ihn sei-  . Gletscher und Wächten überwinden. machten sich alle Knaben und Mädchen aus dem Dorf. kein Sturm. In diesem Dorf hat sich während langer Zeit ein alter Brauch erhalten. Er will es nicht nur wiedergeben. ohne an Schlaf oder Ruhe zu denken. wo- bei die Burschen nach Osten. Martin Schaub Erste Liebe (Zweite Fassung) Hoch oben in den Schweizer Alpen. zu einem langen Bummel auf. in der Dämmerung eines Junimorgens – sagen wir zu Sankt Matthäus –. und desto mehr mußten sie sich mit unbekannten Sprachen und Dia- lekten herumschlagen. die bereits in der Blüte der Jugend standen genauso wie die kaum der Kindheit ent- wachsenen Jugendlichen. der all seinen Bewohnern noch bekannt ist. keine Lawine. Einmal im Jahr.Übersetzung gewesen ist). Je weiter sie sich von ihrer Heimat entfernten. desto wei- ter drangen sie ins Land der großen Ebenen vor. liegt ein fast weltvergessenes Dorf : eines dieser Dörfer. So schritten sie. abgemagert und gereift. sondern nahebringen. un- sere jungen Schweizer Bergler trafen. das ihm von der andern Seite des Horizonts her vor Augen kam. und nichts konnte sie aufhal- ten. aber wie auch immer. Die Mädchen dagegen stiegen in die stillen. die Mädchen nach Westen auf- brachen. wie sie Meere und Ozeane überqueren konnten. noch in den nächtli- chen Nebeln liegenden Täler hinunter. Steilpfade. die das Land noch heute mit Nahrung versorgen. Die Knaben mußten den Hang in Angriff nehmen. So entdeckten sie endlich die Liebe: Der junge Mann küßte das erste Mädchen. diejenigen. Gipfel. Unsere Zeitgenossen können nicht verstehen. mitten in den Nadelwäl- dern. weder Schneematsch noch blankes Eis.

die großen Ebenen. diese erste. sie durchaus häßlich finden. der eine Elisabe- th daherkommen sah. ins Tal hinunter und treffen sich bloß in irgendeinem Landgasthaus. aber in Wirklichkeit steigen sie. aber kann man von dieser Liebe in so feierlichem Ton erzählen. Das Schicksal ist bekanntlich blind und unbarmherzig ! Es gab welche. Und dann.und klanglos aus dem Staub. und welche Won- nen sie erwarteten … Aber es konnte alles auch ganz anders sein. die beschlossen. die Bäume wuchsen. und jedermann aner- kannte sie als Frau und Mann … In unserer Zeit ist dieser Brauch auf jeden Fall im Ver- schwinden begriffen. unrettbar in der Vergangen- heit zu versinken ? Unsere jungen Zeitgenossen kennen die Sanddünen. die sie gefunden hatten und sich liebten. daß etwas im Begriff ist. wie glücklich sie sein konnten. echte Begegnung zu übergehen. Und da kamen sie nun also in ihr Heimatdorf zurück.nerseits mit offenen Armen. die hoch oben in den Schweizer Alpen lebt. diese Jungen … So ist die heutige Jugend. schlugen als fröhlich plaudernde Paare den Rückweg ein. ge- nau in dem Moment. mit niemandem leben zu können oder nach Hause zurückzukeh- ren. ohne sich weit von zu Hause zu entfernen. die Lawinen nicht mehr. und sich schließlich dazu verurteilt sahen. Und Worte reichen nicht aus. die Freuden der ersten Liebe. Sie kennen nicht einmal mehr die Fremdsprachen. Natürlich genießen auch sie. Sie hatten viel gelernt – zahl- reiche Fremdsprachen insbesondere –. wie ihre Vorgänger. Zum Beispiel konnte ein gewisser Heinz. um zu beschreiben. oder dann fand letztere den Jungen nicht recht nach ihrem Geschmack und machte sich sang. Aus dem Französischen Yla Margrit von Dach  . verwandelte sich plötzlich alles und blühte auf: Das Gras reifte. als hegten sie ernsthafte Vorsät- ze. da sich eine neue Generation junger Leu- te zum Aufbruch anschickte. ohne die Liebe gefunden zu haben … Die andern dage- gen. Heutzutage tun die vom Liebesfieber gepackten jungen Leute so. das versteht sich von selbst. wie man die Legenden aus alten Zeiten erzählt ? Und sieht man nicht.

Décamper sans demander son reste wird zwar nicht ge- nau übersetzt. ohne daß viele Einzelheiten geopfert werden. zum Landgasthaus (mit Bad – Dusche – WC. kommt er ins Unkenntliche verändert zu seinem Er- finder zurück.und klanglos. braucht sie Heimat und Heimatdorf. als wir den Plan faßten.Kommentar Die letzte Übersetzerin. Yla Margrit von Dach. Frotteewäsche und Minibar) gewor- den. einen Text auf eine Über- setzungsreise rund um die Erde zu schicken. Obwohl ich keine hinterhältigen Fallen aufstellen woll- te. Der Text wird in der letzten Übersetzung schlank und knapp. England. die den Text sozusagen wieder heimführt. habe ich doch ein paar Knacknüsse eingebaut : die Stadel  . Ich wollte einen schönen Text schreiben. Vor allem ist bei der Schlußläuferin das Motel. Spa- nien. Aber in der letzten Etappe der Übersetzerstafette schlie- ßen die Männer die jungen Frauen nicht mehr in die Arme (embrasser). Frankreich and back home. Martin Schaub Urs Widmer Reise um die Erde in sieben Texten – Ein Kommentar Jeder kennt das Spiel. kennt sein Herkunftsland nicht bloß vom Hörensagen. Rußland. den man auch ohne das Spiel gern läse : einen literarischen. Die coutume ancestrale (der von den Vorfahrenher stammende Brauch) ist jetzt nur noch alt. das in der französischen Version noch immer eine et- was schäbige auberge routière war. einen. aber immerhin mit zwei sinnlichen stehenden Wendungen : sang. sondern sie küssen sie (embrasser). Schweiz. aus dem Staub machen wie- dergegeben. Natürlich habe ich an dieses Kindervergnügen gedacht. Wo der französische Übersetzer con- trée natale (Gegend der Geburt) und village natal (Geburtsort) sagte. bei dem wir uns tuschelnd einen Satz sagen. China. Wenn ihn sich fünf oder sieben Menschen zugeflüstert haben.

Der Chinese hat es in eine meterlange Formel verwandelt. und die lassen wir den besten Übersetzern zukommen. daß ich mein Motel gerne dafür hergebe. Wie auch anders. Müßten – schon der Spanier sah den Doppelsinn nicht. eben am andern Ufer angekommen. na. was sich wie eine Mischung aus einer Fingerübung des jungen Gustav Schwab und ei- nem Beitrag für ein Lexikon der Volksbräuche liest ? Ich kann sie schlecht beschreiben. (Daß das Motel verschwand. der ist von mir : dann wäre ich entsetzt. Jetzt fühle ich mich wie der Reiter über den Bodensee. den ich vorzu- weisen hätte : wenn ich sagen müßte. nein. und da mein Original am Leben geblieben ist. einer Französin und einer Deutschen). bin ich entzückt. meine Geschichte. was ich einst geschrie- ben hatte. Das nächste Mal jedenfalls werden wir etwas ganz Mieses nehmen. Da habe ich noch einmal Glück gehabt ! Möglich wäre so was nämlich schon. und die elende Prosa kommt wie ein sechsfach geküßter Frosch zurück. in den schönsten Prin- zen verwandelt. Sie wissen schon. daß die Rückübersetzung vom Französischen ins Deutsche den Text eher wieder besser macht. Ich hatte an diese Möglichkeit gar nicht gedacht. ja. einer Chinesin. die in seinen Tuscheschnörkeln so hinreißend aussieht. Zum Beispiel finde ich. der zu uns zurückgekommen ist.) Doppel- deutige Begriffe wie Matthäi am letzten sind dagegen kei- ne Fallen. et- was von. den allerallerbesten Übersetzerinnen (einer Spanierin. daß sich meine unschuldige kleine Ge- schichte in etwas verwandelt hat. besser als das wäre. Wenn es kein Spiel wäre : wenn der deutsche Text. Was ist geschehen. einer Russin. der einzige wäre. einer Engländerin. Sie ist ihre eige-  .und die Arven und die Fichten (die dann auch prompt einem Waldsterben zum Opfer fielen). Das wäre ja noch schöner. Sie sind zwar schwer zu übertragen. die Gletschermühlen und das Firneis. wenn das. hat mich hingegen eher verwundert. gehören aber zum poetischen Alltag und müssen von einem literarischen Übersetzer bewältigt werden. eine äußerst lausige Prosa halt. was zu uns zu- rückgefunden hat. Da wir aber ein Spiel spielen.

einen schmerzhaften Anteil. Daß manche in die Fallen tappen. Er hat.ne Beschreibung. daß die Spra- che selber die Information ist. moralin- triefendes Etwas verwandelt. was ich einst geschrieben  . auch wenn wir bei der Lektüre lächeln. weil die verzweifelten Übersetzer in das längst sinnlos Gewordene doch noch einen Sinn hineinbrin- gen wollen. auch wenn mein Text etwas ganz anderes erzählt. Ein Brauch« ist na- türlich ein leichter Text. Aber er ist kein Scherz : denn die erste Liebe ist kein Scherz. der größte Schaden. Mindestens bin ich si- cher. daß es ihr um ein Haar gelingt. von dem man nicht mehr weiß. und damit der Text. daß wir sogar in der Liebe – was ha- ben wir Schöneres ? – Verluste hinnehmen. diese jungen … So ist die heutige Jugend. vom anteilnehmenden Gefühl des Lesers trennt. weil er uns nämlich erzählt. oder sie ist nichts. »Erste Liebe. die großen Ebenen. die längst verschüttgegangene Ironie wieder zum Leben zu erwecken : Unsere jungen Zeit- genossen kennen die Sanddünen. was es überhaupt soll. ist der völlige Verlust sei- ner liebevollen Ironie. Das ist nicht. die ihnen ihre Idiosynkrasien oder ihre Kultur oder beides zusammen stel- len. daß jeder neue Übersetzungsschritt die Fehler aufs komischste ausbaut. Daß der englische Text se- xuelle Konnotationen meidet. die La- winen nicht mehr. Der Vorgang zeigt uns. so daß im russischen Text die Frauen schicksalsergeben auf den ihnen zugedachten Mann warten. die hoch oben in den Schweizer Alpen lebt. die wir erst noch für Gewinne halten : indem wir auf den entbehrungsreichen Marsch auf die andere Erdseite verzichten – weg von den Blik- ken der Dorfbewohner – und uns mit dem nächstgelegenen Motel zufriedengeben. Da spielt dann eigentlich auch keine Rol- le mehr. die so absurd ist. daß sie vom Beginn bis zum Ende von einer schweben- den Ironie getragen wird. Er hat sich in ein bierernstes. so wie sie dasteht. Ja. Sie kennen nicht einmal die Fremdsprachen. Und daß irgendwann einmal eine Moral in den Text hineingelangt. Kein Klotz. Dann kann der Text uns die vermeintlich tollsten Dinge er- zählen : er ist tot. den die lange Reise meinem Text zugefügt hat. Sie reißt uns mit sich. ist alles verloren. Wenn sich die Sprache.

was ich schreiben wollte ! Denn stimmt es nicht. nicht wahr. hoch in den Alpen. Ganz und gar nicht. Aber je öfter ich es durchlese : Es ist vielleicht das.hatte. daß diese Jungen. nicht einmal mehr die Fremdsprachen kennen ? Geschweige denn die Sanddünen ? Die großen Ebenen ? Und die Lawinen ? Urs Widmer .

Im- mer wieder wurde die große Vereinfachung aufgescho- ben. dessen Verlag damit eine Goldmine zufiel. und die schließlich beschlossene Miniaturreform bringt sie auch nur sehr bedingt. blieb darüber auf der Strecke. nationale und internatio- nale. Ganz zuletzt wurde sogar noch das Bundesverfas- sungsgericht bemüht. was offiziell »Gemeinsame Absichtserklä- rung zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung« heißt. der deutschen Sprache auch eine einfachere. Mehrmals stand es auf Messers Schnei- de. Juli 1996 in Wien unter- schrieben die vier deutschsprachigen Staaten dann aber doch. entwarfen neu.  . Das Ziel so manchen deut- schen Sprachwissenschaft lers. nahmen zurück. Ungezählte Arbeitsgruppen. in sich logischere Rechtschrei- bung zu verschaffen. Ein echtes Jahrhundertwerk : die letzte und bis- her einzige Regelung der deutschen Rechtschreibung fand im Jahre 1901 statt. Damals ging es darum. berieten seitdem. dem ganzen deutschen Sprachraum eine einheitliche Recht- schreibung zu verschaffen. schlugen vor. Am 1.Jahrhundertwerk Über die miniaturisierte Reform der deutschen Rechtschreibung Vor genau 41 Jahren stellten die Länderkultusminister der deutschen Rechtschreibung eine Reform in Aus- sicht und vertrauten ihre Aktualisierung bis dahin dem ›Duden‹ an.

nun könnten alle mit der übriggebliebenen Neure- gelung leben. Erstens : Nützt sie jemandem ? Die Antwort ist klar. aber dreien muss sie sich stellen. die eher eine Unfugbereinigungsaktion ist als eine Reform. Den anderen erscheint schon die ge- ringste Änderung am Status quo unerträglich. Den Erstklässlern. die ab April 1998 nach den neuen Regeln unterrichtet werden müssen. dass man meinen soll- te. so lei- denschaftlich. Die einen wünschten sich eine viel radikalere Reform. manchmal schlecht geflickt von ei- nem privaten Verlag. kein Mensch beherrscht sie alle. »Kultur- zerstörung«. Das werden sie am Ende natürlich auch. Auf der einen Seite hält der Bürger sie für die nebensächlichste und langweiligste Angelegenheit der Welt. Einer Reform dieser Art kann man viele Fragen stel- len. Aber Rechtschreibung ist ein eigen Ding. die den Wildwuchs der Schreibweisen in ein logisches System zwänge – oder als allerradikalste Reform die völlige Freigabe. seitdem manchmal recht. wird Rechtschrei- bung etwas leichter fallen. Auf der anderen versetzt ihn kaum etwas so prompt. mit der man sich so ungern befasst wie mit der Steuererklärung. Dann werden es nur noch etwa 230 sein und die wird auch nicht jeder beherrschen – aber der Gewinn wird  . Im langen Hin und Her wurden alle grundstürzen- den Ambitionen so abgeschliffen. Derzeit gelten etwa 300 Re- geln und Unterregeln . obwohl die geltende Orthographie sichtbar kein erhabenes kollektives Kulturwerk aus Urväterzei- ten ist. manchmal auch so irrational in Wallung. sondern ein Beamtenstreich von 1901.

Schlimmstenfalls sehen sie sich für den Rest des Lebens von »falsch« Ge- schriebenem umgeben. ist der. Ihre vorsichtigen Retuschen werden keinen vorreforma- torischen Text plötzlich alt aussehen lassen. und es ist ein leichtes.größer ausfallen. denn in etlichen Fällen wird man so und so schreiben dürfen. Die auff ällige Zone einer Schreibregelung ist die der Wortschreibungen. dass sie eine Zeitlang verunsichert sind. Selber auf die neue Art schrei- ben muss niemand. würden die tra- ditionell geschriebenen Texte für die meisten Chinesen unlesbar . die alte oder auf ganz eigene Art – wenn er das will. die eigenen Behörden und die Schulen. Drittens: Stellt die Reform einen Traditionsbruch dar? Wenn China eines Tages von seinen Logogrammen zum lateinischen Alphabet übergehen sollte. Zweitens : Schadet sie jemandem ? Der größte Schaden. nicht im entferntesten. Hier schockiert jede Neuerung erst einmal. die ein für alle- mal die alten Regeln verinnerlicht haben. und dank der leichten Syste- matisierung wird man wesentlich öfter intuitiv recht- schreiben. Jeder darf also auch in Zukunft schreiben. trotzdem könnten die Vorteile diesen Nachteil aufwiegen. wie er will. Die deutsche Rechtschreibreform ist keine Zäsur dieser dramatischen Art. den die Älteren davontragen können. auf die neue. Man wird sie kaum bemerken. Der Staat erlässt die Norm nur für seinen Zuständigkeitsbereich. ein paar solche Neuerun- gen zu isolieren und kompromittierende Sätze daraus zu konstruieren – einer der Reformentwürfe ist wohl am  .

Zeichensetzung. Dann ist die unerläßliche Anpassung der Ortho- graphie an die Sprachentwicklung weder mehr Sache eines Buchverlags noch jedesmal gleich wieder eine gro- ße Staatsaff äre. Sie reformiert die Regeln. Die Gemeinschaft der Schrei- benden hat sich. Silbentrennung. die kaum je einer betritt – Groß. Auffallen wird am ehesten noch das häufigere ss. die nur einen mäßigen Vorteil bringt. dieses geradezu beleidigende Dickicht zu durchdringen. dem wird seine Vereinfachung nur willkommen sein. die dem Sprach- stand von 1901 galten. dass in den Zeitungen der deutschen Schweiz das ß ganz fehlt ? Ihre Wirksamkeit entfaltet die Reform hauptsächlich in jenen verborgeneren Zonen. wenn sie in Kraft tritt. Wer jedoch je versucht hat. Getrennt.und Zusam- menschreibung. hinter dem Rücken des ›Duden‹. hier und da ganz anders entschieden.und Kleinschreibung. dieses jeder Vernunft spottende. Bei der Wortschreibung aber hält sich die beschlossene Form sehr zurück. nicht einfach überflüssig ? Ihr wichtigster Teil hat bisher keinerlei Aufmerksamkeit gefunden : Künf- tig wird eine im Institut für deutsche Sprache beheima- tete zwischenstaatliche Kommission für die gelegentli- che Revision der deutschen Rechtschreibung zuständig sein. Zum Teil ist ja schon diese Reform überholt. wo vordem ß war – aber wer nimmt auch nur zur Kenntnis. Ist aber eine Reform.Keiser im Bot gescheitert. Zum Beispiel schlägt die Neuregelung bei Wortzusammensetzungen dem Bindestrich endlich eine verdiente Bresche – nur dass Komposita heute mit Vorliebe entweder gar nicht mehr  .

Aber Orthographie muss leider sein. Der heterogene Sprachansturm einer verschrift lichten Welt strapaziert die Analysefähigkei- ten des Gehirns : Es muss. bei dem jedes Häkchen mehrdeutig ist. wenn es eine eindeutige Bezugsebene hat. und folglich niemand mehr ei- nen Fehler machen kann. und Handschrift liches. Freigabe der Orthographie bedeutete. beruht auf einer Selbsttäu- schung.oder durch Binnenmajuskeln gekoppelt werden. ob die Reform nicht überflüssig sei. BahnCard First Teen. nämlich wenn der ›Duden‹ in den Köp- fen verblaßt ist und alles überall beliebig geschrieben würde. etwa im Neuanglodeutsch der Bahn : PostGepäck Set. Genau darum verteidigen selbst große Freun-  . mit dem eine herrschsüchtige Kaste ein viel zu fügsames Volk fol- tert. Das wird ihm leichter. in der jeder schreibt. wie er will. will indessen meist auf etwas anderes hinaus : nämlich ob Rechtschreibung überhaupt von Staats wegen geregelt werden muss. Die Frage. Sie entsprechen vielmehr einem allgemeinen Be- dürfnis. der Schönen An- archie – »Freie Schrift für freie Bürger !« –. unausgesetzt und schnell- stens. Ignorieren lassen sich solche Entwicklungen nur um den Preis. Der Traum von der Großen Deregulation. zunächst Vieldeutiges eindeutig machen. dass alles Lesen schwerer würde. Es ist eine bleibende Aufgabe : im Chaos der lebendigen Sprache die ihr zu- träglichste Regel aufzuspüren und zu definieren. Schreibregeln sind kein Diktat. Ohne sie wäre alle schriftliche Kommunikation stark erschwert. ließe sich irgendwann gar nicht mehr entziffern. dass am Ende niemand mehr in ir- gendeinem ›Duden‹ nachschlägt.

Sie sind kein Willkürakt. Regeln sind nötig. und die neuen sind etwas besser als die alten. auch keine fünf Milliarden. Sie haben die neue Schreibung gar nicht bemerkt ? Hier wurden näm- lich nicht zu polemischem Zweck allerlei schockieren- de Neuerungen zusammengesucht. de des Fortschritts ihre gewohnte Orthographie so zäh. Dieser Text wurde erst hinterher der neuen Orthographie angepasst. Sie kosten. sondern fast nichts. und in diesen heiklen Berei- chen kennt sich kaum einer aus.  . sondern wurden lange zwischen Politik und Wissenschaft ver- handelt und in der Öffentlichkeit diskutiert. werden. Nicht jedem gefällt jede neue Schrei- bung. wenige auch nur bemerken – sie betreffen die Fragen »groß oder klein ?« und »ge- trennt oder zusammen ?«. so daß die neue Form von vornherein so richtig aussehen wird wie die alte. Der Schmerz wird sich auch hier in Grenzen halten. die obligate Entrüstung zu dämpfen. zu- weilen sogar gut. und manches Missfallen lässt sich begründen. abgesehen vom ss. bis irgendwo in einem Text ein- mal ein Wort wie behände auftaucht. Wenn aber Regeln sein müssen und sich nicht von selbst finden : wer wenn nicht der Staat sollte mit seinem Bei- spiel vorangehen ? Darum empfiehlt es sich. Die Veränderun- gen hingegen. Änderungen bei der Wortschreibung bringt die Reform nur wenige. Oder hat es sehr wehgetan ? Ach so. und es kann lange dauern. die die Reform in größerer Zahl bringt. dank der vorgesehenen Allmählichkeit ihrer Einfüh- rung bis zum Jahre 2005. So ist das soziale Leben. und da gab es nur ganz wenig zu ändern.

er sei ganz sicher gewesen.ja oft nur legalisieren wird. was viele auch schon vor- her geschrieben haben. Wer etwa möchte von sich be- haupten. daß weh getan bis- her getrennt geschrieben werden sollte ? Die Schreibweise Orthografie wird. . fakultativ. übri- gens auch erlaubt sein.

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die über die Recht- schreibreform nachgrübelte. steht in der Zeitung. wo es nun schon einmal da ist. dürften sich die Deutschen doch nicht »um ein Stück Kulturgut bringen lassen«. Bei jener Tagung sei über die Rechtschreib- reform und das Eszett geredet worden. so wie mit dem Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald. Ein Antrag auf seine Eliminierung sei durchgefallen. Dar- um unterbreite ich hier den mit mir selbst abgestimm- ten Vorschlag : Ja. sei er einmal der Überschrift Busse für Walesa begegnet. Aber so eine lebhafte Debatte bringt einen auf Ide- en. Einer der Versammelten habe ge- warnt : In der Schweiz. Drohte die denn ? Auch jene Expertenkommission. Normalerweise hätte ich mich. und ein schauderhaftes Mißverständnis habe gedroht. wenn ich an dem Laden ÜBERGRÖßEN FÜR HERREN  . hatte sich doch für seinen Erhalt ausgesprochen. Auch eine Sprachwissenschaftlerin habe gewarnt : Wo alle an- deren Staaten ihre Sonderzeichen mit Klauen und Zäh- nen verteidigen. wo es das Eszett nicht gibt.Die Abschaffung des Eszett Über einen entbehrlichen Buchstaben Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat getagt. Aber ein Kulturgut. ohne Murren mit dem Eszett abgefun- den. auratisch ? Mit Klauen und Zähnen ? Das schreit geradezu nach Widerspruch. Und diese Be- trachtungsweise habe schließlich obsiegt. schaffen wir das Eszett ab ! Jedesmal.

Darum heißt es ja Es-Zett. sondern der Zufall. stört es mich. Er : Sicher finden Sie es sehr schön. Er : Übrigens. warum das Eszett ein unverzicht- bares Kulturgut ist. – Aber das könne man so nun wirklich nicht sagen ? Also gut. Sie : Die Brezel dahinten soll ein Zett vorstellen.vorbeikomme. Der lange senkrechte Strich vorne ist ein Es. ft oder ck zum Beispiel. Da waltet schließlich nicht die Logik. das al- lerdings etwas verrutscht ist. welche beiden Buchstaben sind denn da eigentlich liiert ? Ein 1 und ein B ? Es läßt sich gar nicht erkennen. so als Buchstabe. Sie : Das ist das gute alte deutsche Es. zwei zusammengewachsene Drucktypen – Schönheit kann man von so etwas nicht verlangen. daß man so eine Ligatur zu einem eige- nen Buchstaben ernennt ? Das ft ist im Deutschen doch auch kein eigener Buchstabe geworden. schön ? Es war eben einmal eine Ligatur. Er : So ein Es habe ich aber noch nie gesehen. Zertifikat »Deutsch als Fremdsprache« in der Ta- sche. Es ist Unfug. klarzumachen. Er : Ligaturen gibt es in der Typographie überall. Ver- suche man doch einmal. Aber überall lassen sie sich ohne weiteres wieder auseinandernehmen. Wa- rum so inkonsequent ? Sie : In der Sprache geht es nie konsequent zu.  . Sie : Naja. Es gab näm- lich einmal zwei Es in der deutschen Schrift. Aßtraum. einem wohlwollenden Auslän- der. ein schmales langes und ein kleines rundes. Wo gibt es denn das.

Fraktur. Er : Und wie war später die Regel ? Wann mußte das lange genommen werden und wann das runde ? Sie : Das war gar nicht so einfach. Als alles noch mit der Hand geschrieben wur- de. Geschrieben. wie man wollte. Es sagt einem : Ich bin zwei Buchstaben. Fülle. Er : War das eine Strafe nach einem verlorenen Krieg ? Oder bloß Unentschiedenheit ? Sie : Reichtum. Luxus war es. Es war ursprünglich einfach ein mächtig in die Länge gestrecktes run- des s. Am Silbenanfang das lange. Er : Jetzt ist das lange Es aber eingespart.Er : Die Deutschen haben früher zwei Sorten von Es gesprochen ? Sie : Gesprochen nicht. Erst später dann auch rund. Vor einem t oder ch oder hinter einem p am Silbenanfang dito. Am Wortende oder vor einer Wortfuge das run- de. Er : Das Eszett ist also einer von diesen gelben Öltanks : Ich bin zwei Öltanks. Wenn es doppelt war auch. Sie : Es wurde nur als einer gesprochen. Die Regeln gingen über einige Seiten. war das lange s leichter. Go- tisch. die nun schon lange so gut wie nicht mehr geschrieben und gedruckt wer- den. Manchmal konnte man es auch schreiben. So wurde es dann ja sicher auch ge- sprochen : die Stras-Ze. Schwabacher. Sie : Es kam in den alten deutschen Schriften vor. Genaugenom-  . Zur Zeit Karls des Großen haben sie es immer lang geschrieben. das den Schreibern die Mühe dieser beiden schwierigen Rundbögen abnahm.

wie man Scylla zu sprechen hat. Darum haben sie unser schönes inßalata zu Salat gemacht. Er : Und warum existiert das Eszett nur klein ? Sie : Weil der Laut. Er : Ach so. Klar ? Er : Wieso dann aber z. für den es steht. wenn man in einer Schrift nicht klarmachen kann. Die Deutschen können ein stimmloses Es am Wortanfang nicht ausspre- chen. Es heißt eben Salat und nicht ßalat. daß der Es-Laut am Silbenanfang stimmlos gesprochen werden will. als wäre der erste Buch- stabe doppelt. der. wenn wir wollen. Oder an ein Szintigramm.  . den es nicht mehr gibt. wenn ein zweites s gemeint war ? Warum sz und nicht ss ? Sie : Das muß wohl ein Irrtum gewesen sein. Ss wird ja offenbar grundsätzlich nie geschrieben. men wurde der zweite niemals gesprochen. Gesprochen wird es. Wenn der ›Duden‹ erklärt. Sie : Das können wir sehr wohl. Er : Da schreiben Sie das Eszett also nicht als ein ei- gentümliches Zeichen. sondern als zwei Buchsta- ben. von denen der zweite aber eigentlich gar kein Zett meint. muß er ßzüla schreiben. aber da- für wird der erste seit langem nicht mehr geschrie- ben. nie am Wortanfang vorkommt. Ein großes Eszett könnten Sie also doch gut gebrauchen. sondern ein zweites Es. Es ist doch wirklich ein Manko. Den- ken Sie an die Szene. Oder das Szepter. ein Sprechfehler. Sie sollten der Kulturgutkonferenz der Länder die Vergröße- rung des Eszett zur Majuskel vorschlagen.

Außerdem wür- de die Umstellung Milliarden kosten. wie das Deutsche seine Umlaute hat. das Eszett steht oder stand für einen ganz beson- deren Laut. warum eigentlich nicht ? Ah. Es ist sozusagen ein uneigentlicher Buchstabe. Oder Busse Sc Bahnen. Die Masse.  . Er : Und warum nicht immer ? Sie : Ja. daß ein Außländer dießeß feine Liß- peln gar nicht hört ? Sie : Ach was. Das Es- zett bedeutet gar nicht. ich hab’s. Normalerweise schreiben wir es doppelt.Sie : Die sähe ja noch scheußlicher aus. der sich mit keinem Buchstaben des normalen Alphabets wiedergeben läßt. aber die Maße. für den das Eszett steht. allerlei Häkchen und Striche. Ich nehme an. Das ß war wohl ein ganz spezieller Laut. Er : Aber irgendeinen Sinn muß das gute Stück doch haben oder einmal gehabt haben. Sogar die Engländer haben ihre praktische alte Dornrune þ aufgegeben und schreiben ihren gefürchteten Lis- pellaut th. Die ande- ren europäischen Sprachen haben zwar alle ihre ei- genen diakritischen Zeichen. der gar nicht sich selber meint. sondern einen anderen. das a und ç und è und ή und ø und so wei- ter. Es heißt einfach : der Vokal davor wird lang gesprochen. aber sie haben keine Extrabuchstaben wie das ß. Sonst würde man Sätze wie tu Busse ! ja völ- lig falsch verstehen. Der Laut. Einfach ein stimm- loses Es. um es vom stimmhaften s zu unterscheiden. ss. so deutsch. ist überhaupt nichts Besonderes. daß hier ein besonderer Laut gesprochen wird.

Ausgerechnet bei der Miss aber versagt euer Re- spekt. Der ›Duden‹ empfiehlt es nicht. bitte sehr. sondern immer ß. Er : Und warum das ? Sie : Wir reformieren doch nicht die Inkonsequenz weg. Aber nach der Recht- schreibreform wird das einfacher. obwohl das a einmal kurz und ein- mal lang ist und kein Konsonant folgt. aber das ist ein Mißgriff. zweimal kurzes a. weil das eigentliche Kulturgut die Inkonse- quenz ist und das ß nur ein Symbol dafür ? Sie : Wenn Sie es unbedingt so auslegen wollen. Sie : Noch eine Zusatzregel : Am Wortende steht nie ss. das auch noch. aber die Sprosse. Dann schreibt man wirklich du hasst. Aus ihr macht ihr eine Miß. Er : Bei der Rechtschreibreform streicht ihr es nicht ganz. beide Male kurz. Er : Und nicht mehr du hast ? Sie : Doch. Nach einem kurzen Vokal wird es künftig auch dort zu ss. aber ein- mal ß. Er : Sonst tastet ihr ausländische Wörter fast nie an. Oder der Sproß. wie beide ei- gentlich geschrieben werden müßten ? Sie : Eine Zusatzregel. Sie : Wegen des kurzen i wahrscheinlich. Weil vor einem Konsonant ein ss immer zu einem ß wird.Er : Und warum schreibt ihr dann du haßt und du hast.  . Hass und Spross. einmal ss. aber nie du hasst. Er : Ihr schreibt aber auch der Haß und der Spaß – bei- de Male Eszett.

und der eigentlich zwei Buchstaben ist. mal als griechisches ß. wie gesagt. steht man jedesmal wieder vor der Entscheidungsfrage : Strasse oder Strasze ? Keiner weiß. Bei der E-Mail. da man nicht weiß. Die Schweiz. den es groß lei- der nicht gibt. in der sich meist kein ß verwenden läßt. und sie leidet darob nicht Mangel. von denen aber der zweite nie gesprochen wurde und der erste nicht mehr geschrieben wird und der eigentlich gar kein Buchstabe für irgendeinen besonderen deutschen Laut ist. Manchmal bekommt man eine Ahnung seiner Ratlosigkeit. Und wir ? PC- Schreiber ärgern sich schon lange mit dem ß herum. sondern das Dehnungszeichen für den da- vor. wenn  . Und den Fremden stürzt es unweigerlich in Zweifel. in welcher Gestalt es den Empfänger erreicht. das sie manchmal als großes B. kommt ganz ohne das Eszett aus. wo er das ß im Tele- fonbuch und in ähnlichen Listen suchen soll. welcher aber manchmal auch ohne ß dahinter gedehnt wird und manchmal auch mit ihm nicht. Er : Ja. Das deutsche Eszett ist ein nicht gerade schöner Buchstabe. manchmal aber auch nicht. und im übrigen wird er jetzt manchmal wegrefor- miert. mal als Pesetazeichen Pt überrascht. obwohl es ihn geben sollte. Alles klar.Er : Wieso heißt es dann nicht dass Gass und der Greiß ? Sie : Hm. warum ? Sie : Credo quia absurdum ! Er : Dann fasse ich zusammen.

und zwar ss ! . HeiBenbüttel Meißen FaBstraBe« trotzdem eintrifft. Verteidigen wir also dieses Kulturgut nicht mit un- seren Klauen und Zähnen.ein Brief mit den Anschrift »Fa. Bringen wir es Europa dar. Man setze ein Zeichen ! Man setze zwei Zeichen.

Damals – es war die hohe Zeit des Literaturimports – muß sich der eine oder an- dere Übersetzer und Verleger gesagt haben : Ach was. Erstens hätte es ja vielleicht doch irgendwie kolonialistisch ge-  . Es war Renommisterei unter dem Deckmantel be- scheidener Gewissenhaftigkeit. Auch ihre Heimat war Amerika. dem Land. wo bekanntlich mit dem Kaugummi gesprochen wird. Seitdem werden US- amerikanische Bücher bei uns in der Regel Aus dem Amerikanischen übersetzt. Sollte man die nun also ebenfalls »aus dem Amerikanischen« übersetzen ? Oder »aus dem Lateinamerikanischen« ? Da man nun schon das »Amerikanische« hatte. schienen »Spanisch« oder »Portugiesisch« jedenfalls nicht gut genug. Er kann sogar Amerikanisch.Aus dem Kauderwelschen Über Sprachennamen Als der Unfug ausbrach. »Amerikanisches Englisch« klingt aber ziemlich umständlich. Sagen wir also kur- zerhand : »Aus dem Amerikanischen von …« Nebenbei wird dem Leser auf diese Weise fein zu verstehen ge- geben. Dann kam die Welle der lateinamerikanischen Auto- ren. daß der Übersetzer nicht nur Englisch kann. Englisch ! Der Autor schreibt in den Vereinigten Staa- ten. wurde er verschlafen. und das sollte man gefälligst auch dem Leser nahebringen. und jetzt ist er nicht mehr zu stoppen.

daß es sich zu einer eigenständigen Sprache entwickeln würde. In der Schule hatte er kein Fach. Ein Buch kann man Aus dem kolumbianischen Spanisch so wenig übersetzen wie ins Altbundesländische Deutsch.klungen. Eine namens Amerikanisch oder Brasilianisch oder auch Pe- ruanisches Spanisch aber ist nicht darunter. aus der hier übersetzt wurde. dessen Bürger der übersetzte Autor ist oder in dem er einst seine Muttersprache gelernt hat. Der Übersetzervermerk soll ja nicht den Staat nennen. zweitens die zusätzlichen Sprachkenntnisse unterschlagen. Der Nachfahr seines Wörterbuchs. Der amerikanische Lexi- kograph Noah Webster prophezeite dem Idiom seiner Heimat schon zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts. Also nahm man die Pedanterie in Kauf und schrieb : Aus dem kolum- bianischen Spanisch. das ›Ameri- can‹ hieß . Er wird einen erst perplex ansehen und dann nicht »Oh.bis fünftausend Sprachen auf der Welt. Aus dem brasilianischen Portugie- sisch oder dann doch kurz und bündig Aus dem Bra- silianischen. Es gibt drei. der heutige  . was er spricht. Die Übung hatte nur einen kleinen Schönheitsfehler. in de- nen solche Sprachen unbekannt sind. sondern die Sprache. er hatte Englisch. American« antworten. zumindest auf die Kenner jener Länder. *Aus dem Uruguayischen oder *Aus dem Hon- duranischen allerdings hätte nun doch etwas lächerlich gewirkt. Man frage einmal einen Nordamerikaner. so gut. Es hat die Prophezeiung bisher nicht wahr ge- macht. of course«. die der Übersetzer eingebracht haben mochte. sondern »English. So weit.

daß es vom britischen Englisch verschieden. eine Sprache namens ›Ame- rican‹ kennt er nicht. und das.große ›Webster‹. verzeichnet so ziemlich alles Gebräuch- liche und Ungebräuchliche . ob man zwei Sprachen oder höchstens zwei Dialekte ein und derselben Sprache vor sich hat. Briten und Amerikaner müssen keinen Dolmetsch  . Die einen großen Ermessensspielraum lassende Daumenregel dafür. Es gibt nur ein ›Americanese‹. nur ein ›American English‹. aber das ist ein Spottwort für ein beson- ders stark mit Amerikanismen durchsetztes Englisch. so erklärt er. was erst ineinander übersetzt werden muß. wenn man be- tonen will. In Deutschland aber wissen wir das natürlich wieder einmal besser. handelt es sich um eine einzige Sprache. lautet : Wenn sich ihre Sprecher ohne Zuhilfenahme eines Übersetzers ge- genseitig verständlich machen können. aber eben doch keine eigene Sprache ist. bezeichnet ihr Name doch mitnich- ten diesen Staat. ei- gener Lautung. keine Sprachbezeichnung. Sprachgrenzen stimmen selten mit Landesgren- zen überein. wird nur so genannt. und wenn sich auch Sprachen oft nach dem Staat nennen. Sie rechtfertigen allenfalls die Bezeichnung Dialekt. Regionale Abweichungen machen noch keine eigene Sprache. eigener Grammatik und eigener Idio- matik. Scharfe Grenzen gibt es nicht. nämlich ein gemeinschaft liches System von Sprachgewohnheiten mit eigenem Wortschatz. und manchmal nicht einmal die. der ihr Hauptverbreitungsgebiet ist oder einmal war. sondern eben eine bestimmte sprach- liche Einheit. Verschiedene Sprachen sind.

keine eigene Sprache. sein Wortschatz ist mit wenigen Ausnahmen der gleiche. der britisches Standardenglisch spricht . Aus den regionalen dialektoiden Varietäten des Spanischen und Portugiesischen. eine deutlich verschiedene Idiomatik. wenn sie miteinander sprechen wollen. werden eines Tages viel- leicht richtige Dialekte und in fünfhundert Jahren so-  . die sich in Latein- amerika herausgebildet haben. Ein Neuengländer hätte nicht die geringste Mühe. ist es ein Dialekt. In Québec wird Französisch geschrieben. Das sogenannte Amerikanische weist eine Reihe von uneinheitlichen lautlichen Abweichungen vom briti- schen Englisch auf. um das Amerikanische auch nur als einen eigenen Dialekt zu identifizieren. lie- ße sich den meisten Texten nur anhand ihrer Sprache nicht entnehmen. wo die gesprochene Sprache stärker von der Standardform abweicht. In England gibt es Dialekte und Soziolekte. aus dem Cockney … ist uns bisher aber erspart geblieben. die Verständi- gung mit einem Texaner würde ihm schwer. einige orthographische Besonder- heiten. wie das Schwyzer- dütsch es tut.einschalten. in Latein- amerika Spanisch und Portugiesisch. aber eine eigene Grammatik hat es nicht. sich mit einem Briten zu verständigen. ob sie in England oder Amerika ge- schrieben wurden. in Österreich und einem Teil der Schweiz Deutsch . Die Un- terschiede zum britischen Englisch reichen kaum. und wenn man alle äußeren Hinweise auf ihre Herkunft verwischte. die sich vom Standardenglisch stärker unterscheiden als das Ameri- kanische . in den Vereinig- ten Staaten Englisch.

sind sie ›Kastilisch‹. Und wenn man wirklich genau sein und im Überset- zervermerk alle regionalen Abtönungen der Sprache des übersetzten Autors aufzählen wollte. Ludwig Harig würde dann aus dem Saarländischen übersetzt werden müssen – oder besser aus dem rheinpfälzischen Mitteldeutsch ? Und Joyce ? Aus dem ostirischen Englisch. Wenn García Márquez ein neues Buch aus sei- nem Computer gleichzeitig an Druckereien in Mexi- ko-Stadt. nämlich frü- here Sprachzustände bewahrendes Kastilisch als das in Spanien gesprochene – ganz besonders spanisch sozu- sagen. Bogotá. ist darum hier meist nur großspreche- rischer Schein. die im allgemeinen bekanntlich nicht schaden kann. wie die Eigenbezeichnung lautet. . wie es in Paris. Heute jedenfalls sind sie es nicht. Es gibt weder eine Sprache namens Pa- raguayisch noch ein speziell paraguayisches Spanisch.gar eigene Sprachen. Buenos Aires und Madrid versendet. Triest und Zü- rich erinnert und neuerfunden wurde. Genauigkeit. er profitiert davon. würde die Sache lang und komisch. der es erst einmal aus einem kolumbianischen in ein mexikanisches oder spanisches Spanisch überträgt . Dann wohl bes- ser kurz aus dem Joyceanischen. daß überall eine Sprache gesprochen wird. ist kein Übersetzer nötig. und in einigen Fällen sogar ein reineres.

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über). das Daten von anderen Computern im Netz entgegennimmt. das der eigenen Sprache weitgehend angepaßt wurde. die Cedille ¸ (frz. Es zeigt an. was dieser Code kodiert. Kurzwort. Beispiele : Akzent. diakritisches Zeichen : Unterscheidungszeichen innerhalb eines Alphabets. Eine Schrift ist ein Code. Ein Zeichencode wie ASCII wiederum ko- diert eine Schrift. In der englischen Linguistik wird die Sprache selbst ein Code genannt . der Gra- vis ` (it. der Zirkumflex ˆ (port. für die er bestimmt ist. die die Schwingungen der Schallwelle durch eine »analoge« Schwingung abbildet. Aperçu). dem Wechsel der Zustände 0 (ungeladen) und 1 (geladen). das Trema ¨ (dt. der eine Lautspra- che kodiert. Code : Zeichensystem .oder Nachsilbe. »Fremdwort« im Gegensatz zum »Lehnwort«. ist die gesamte Erfahrungswelt des Menschen. Client : ein Computer oder Computerprogramm. indem er jedem ihrer Zeichen eine Ent- sprechung in der »Sprache« der Maschine zuweist. daß ein Buchstabe auf be- sondere Weise ausgesprochen wird. die Tilde ~ (span. été). αñο). Beispiel : Im Unterschied zur Tonspur der Schallplatte. Entlehnung : Übernahme eines fremdsprachlichen Aus- drucks in seiner unveränderten Gestalt. h.  . d.Glossar Affix : Vor. Regel für die Übertragung einer Gruppe von Signalen in eine andere. Betonungszeichen wie der Akut (frz. nämlich eine Abfolge von »Gruben« und Erhöhun- gen. das aus den Anfangsbuch- staben einer Bezeichnung gebildet wurde. eta). ανό). Der Computer arbeitet mit einem binären elektri- schen Signal. Beispiel : FAQ aus Frequently Asked Question. Akronym : Initialwort. binär : aus nicht mehr als zwei wiederkehrenden Elemen- ten bestehend. wird sie in der Tonspur der CD durch ein binäres Signal abgebil- det.

hefti. keine. höchst. ›geheftet‹. Lehnübertragung). Beispiel : reali- sieren (ursprünglich ›verwirklichen‹. ging-. Lehnschöpfung : unabhängige Nachbildung der Bedeutung eines fremdsprachlichen Wortes mit den Mitteln der ei- genen Sprache. Vorliegen eines Wortes mit mehreren Bedeutungen. Inhaltswort : ein Wort. gehst. sondern die syntaktischen Bezie- hungen der Inhaltswörter eines Satzes klarstellt. ›Griff‹. Beispiel : Schaumwein (für französisch champagne). Beispiel : Wort. Lehnübersetzung (bzw. das lexikalische Bedeutung trägt. Verbs oder Adjektivs. Adjektive. Funktionswort : ein Wort.  . haft. Artikel. Lehnbildung : unter dem Einfluß einer Fremdsprache neu- entstandenes Wort der eigenen Sprache. Zahlwörter. Beispiel : Wort. Lehnbedeutung : Abwandlung der Bedeutung eines Wortes unter dem Einfluß einer fremden Sprache. Adverbien. hoch. Lehn- wort. Beispiele : ein. Es gibt minde- stens vier Arten von Lehnbildung : Entlehnung. das primär keine eigene lexikali- sche Bedeutung trägt. Präpositionen. Verben. höher. unter dem Einfluß von englisch to realize ›sich klarwerden‹). Homonymie : Mehrdeutigkeit . Wörter . Beispiel : heimgehen für ›sterben‹. Lehn- schöpfung. Substantive. lexikalisch. tragen. Konjunktionen. im Unterschied zum Funktionswort. daß unterschiedliche Wörter im Laufe ihrer Geschichte zu- fällig in Aussprache und Schreibung zusammengefallen sind. Wor- tes. Grammatik : im traditionellen Sinn die morphologischen und syntaktischen Regularitäten einer Sprache. Flexion : Beugung eines Substantivs. die darauf zurückgehen. grammatikalisch : grammatisch wohlgeformt. im Deutschen durch Abwandlung des Stammes oder Anhängen bestimmter Endungen.Euphemismus : beschönigende Umschreibung. Beispiel : Heft aus ahd. Pronomen. geh-. sondern. und aus ahd. ›gefesselt‹.

bis zum 16. in der Sprachwissen- schaft der Wortschatz einer Sprache. Bei- spiel : Kamerad (aus französisch camerade). Die freiere Lehnübersetzung heißt Lehnübertragung. Lingua Franca : im engen Sinn das von arabischen Elemen- ten durchsetzte korrupte Italienisch.Lehnübersetzung : wörtliche Übersetzung eines fremd- sprachlichen Begriffs. Flexion und Schrift- bild der Muttersprache weitgehend angeglichen hat. Jahrhundert in den Hafenstädten des östlichen Mit- telmeers als Verkehrssprache diente. Das Morphem ist etwas Abtrak- teres als eine Silbe. das gleichsam neutrale Terrain. und bedeutet auch nicht ›freie Sprache‹. Lemma. Plural Lemmata : Stichwort in einem Lexikon oder Wörterbuch. Morphem : kleinstes bedeutungstragendes Element einer Sprache. das vom 13. sondern Italienisch. Beispiel : Elfenbeinturm (aus fran- zösisch tour d’ivoire). Ein Morphem kann aus mehreren Sil- ben bestehen (Beispiel : morgen). Beispiel : Tragweite (aus französisch portée). (›Lingua Franca‹ ist nicht Latein. Im weiten Sinn jede zur internationalen Verständigung benutzte Sprache. so wie sie normalerweise im Lexikon steht. das sich in Lautung. sondern.) Logogramm : Schriftzeichen (Graphem). das elektronische Post (E- Mail) empfängt und versendet. der Wort- stamm. sondern ›Fränkisch‹ – ›Franken‹ war der Spitzname aller Westeuropäer. ohne seine Bedeutung einzubüßen. auf dem sich Sprecher der verschiedensten Sprachen treffen. das sich nicht weiter zerlegen läßt. auch wenn sie für keinen von ihnen die Muttersprache ist. wie in der chinesi- schen Schrift. Lehnwort : ein ursprünglich aus einer Fremdsprache stam- mendes Wort. eine Silbe kann mehre-  . Lexem : die unflektierte Grundform eines Wortes. ein ganzes Wort. Mailer : ein Computerprogramm. das nicht einen Laut symbolisiert wie die Zeichen des Alphabets und auch nicht eine ganze Silbe. Lexikon : allgemein Nachschlagewerk.

Motion : Bildung eines femininen Substantivs durch Ablei- tung von einem maskulinen. Beispiel : Fuchs. von dem andere Computer im Netz Daten beziehen. die Wortklassen charakterisieren. im Gegensatz zum Dialekt. daß sich seine Bedeutungen im Laufe der Geschichte stark dif- ferenziert haben. Morphologie : Oberbegriff für Wortbildung und Formenleh- re (Flexion). silb). der eine regionale Untersprache ist. sowie die im Deutschen 16 Beugungs- endungen (Flexionsmorpheme) wie -est. die darauf zurückgehen. String : jede Kette darstellbarer Zeichen im Computer. re Morpheme enthalten (Beispiel : schreibst). Soziolekt : schichtspezifische Untersprache. Vorliegen eines Wortes in meh- reren Bedeutungen. Beispiel : Mutter und Mutter (›Schrau- benmutter‹). . die den Begriffsin- halt tragen (sinn. Füchsin. Server : ein vernetzter Computer. Suffix : Nachsilbe. und Wortbildungsmorpheme – Suffi xe wie -heit oder -ung oder -lich. Beispiel : Autor-in. Polysemie : Mehrdeutigkeit . Es gibt zwei Morphemklassen : Basismorpheme. -en.

S. Christiane : »Tomatine statt ketchup. Broder/Ulrich Busse : »Anglizismen-Wörter- buch«. die zwischen 1991 und 1996 für die Wochenzeitung Die Zeit geschrieben wurden. Fachbereich Sprachen. Zeitschrift für Kulturaustausch (Stuttgart).Die meisten Kapitel dieses Bandes hatten Vorläufer. Fischer) 1972 Beinke. die manchen Kollegen wenig lieb waren. sind in der Bibliographie mitverzeichnet. Jürgen Trabant/Dirk Naguschew- ski). die wichtigsten wurden völlig neu ge- schrieben. Ein Weg zum reinen Französisch ?«. Hermann : Deutsch für Deutsche : Dialekte Sprach- barrieren Sondersprachen. Anke : Die Rolle des Übersetzers in der Softwareloka- lisierung am Beispiel der englisch-deutschen Übersetzung der Online-Hilfen von Microsoft Word und Excel 7. Fachhochschule Köln. Berlin (Akademie Verlag) Ι995Λ 79-90 Büchel. Teil B. einen oder mehrere. Die Ζeit-Veröffentlichungen. 4. obwohl er in einigen Fällen zu Schlüssen kam. 1995. München (TR-Verlagsunion/ S. in Artikeln. Berlin (de Gruyter) 1993 ff. Ulrich : »Eine Gefahr für die deutsche Sprache ? Neue Medien und Sprachverbreitung«. 3 Bde. Bibliographie Neuanglodeutsch Ammon. In : Die Herausforderung durch die fremde Sprache (Hg. einige stark .  . die- se Themen kontinuierlich zu verfolgen. Für dieses Buch wurden alle Artikel bearbeitet und erweitert. Der Au- tor dankt der Redaktion der Zeit für die Möglichkeit. Köln 1996 Campe. Braunschweig (Schulbuchhandlung) 1801 Carstensen. auf die sie sich be- ziehen. 569–575 Bausinger.0. Joachim Heinrich : Wörterbuch zur Erklärung und Verdeutschung der unserer Sprache aufgedrungenen frem- den Ausdrücke. Di- plomarbeit.

S. Ilse : »Englisch im deutschen Wortschatz«. S. Rilla. Csaba : »Zum Deutschlandbild der DaF-Lehrwerke : von der Schönfärberei zum Frustexport ? Ein Diskussi- onsbeitrag«. Ludwig : Stilkunst. Gustav : »Die Couch. 15–37 Reiners. München (Beck) 1943 ff. 32(1). Juli 1994. Berlin (de Gruy- ter). Linguistischen Kolloquiums.E. Moderna Sprâk (Saltsjö-Duvnäs). Wiesbaden (Bechtold) o. S. 1986. s. 1913-1988 Sörensen.). S. Berlin (Volk und Wissen) 1995  .J. 70.2. Ewald : Französisch im Berliner Jargon. 1976. 30–32 Hagège. S. Die Zeit (Ham- burg). Poznan 1991. Deutsch als Fremdsprache (München). 29 Schulz. Hitler und das Fremd- wort – Sprachpurismus gestern und heute«. 19.: »Sprachpurismus und Nationalsozialismus: Die ›Fremdwort‹-Frage gestern und heute«. Frankfurt (Suhrkamp) 1967 Prince. 21 Demmin. August : Verdeutschungs-Wörterbuch. Etiemble : Parlez-vous franglais ? Paris (Gallimard) 1964 Földes. Actes du 2e colloque du Groupe d’études sur le plurilinguisme européen (G. Mark : »Goethes Mülldeponie«. In : La Repubblica (Milano). Berlin (Stapp) 1977 Korlén. Laudel. S. Violaine : »La pidginisation du français par le jargon américain de l’informatique«. 15. 1995. In : Jozef Darski/Zyg- munt Vetulani (Hg. Claude : »Mariannes Sprachpolizei«. 329–342. In: Germanistik – eine deutsche Wissenschaft.de Luca. Hamburg (Xenos) 1992 Pogarell. Reiner : »Der deutsche Purismus . Frankfurter Allgemei- ne Zeitung (Frankfurt/Main). 93–102 Polenz. Hans : Deutsches Fremdwörterbuch.P. aktuelle anwen- dungsbezogene Fragestellungen«. Tübingen (Niemeyer) 1993.E. 16.) : Sprache – Kommunikation – Infor- matik : Akten des 26. Université des Sciences Humaines de Strasbourg. Maria Novella : »›L’italiano condannato a morto‹«. Peter v. 7 Bände. Heinz : »Wort & Fremdwort – Zu jedem Begriff das passende Fremdwort«. 29. 1995. Februar 1996. 26 Harndt.

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geboren 1934 in Berlin. studierte Germani- stik und Anglistik in Deutschland und den USA und lebt seit 1959 als Redakteur der »Zeit« in Hamburg. sagte Bartleby« (1979) »Der Mythos der Gleichheit« (1980) »Die Vernunft der Gefühle« (1981) »Schlafen und träumen« (1984/86) »Tiefenschwindel« (1986) »Redens Arten« (1986) »So kommt der Mensch zur Sprache« (1986) »Experimente des Lebens« (1989) »Die Elektrifizierung der Sprache« (1990) . Weitere Veröffentlichungen: »Ich möchte lieber nicht.Dieter E. Zimmer.