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Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenver-
zeichnis Leipzig 1971. Online-Version vom 17.06.2020.

vorüber, adv. und präpos., mit dem ton auf der zusammengeschrieben wird, ist eigentlich vor
zweiten silbe, s. fürüber teil 4, 1, 1, sp. 924; abdu- etwas über, wobei über allein schon das vorbei,
cere in diversum a nido entwärisz, vorüber, vor die stellung zu dem bezeichnet, an dem die
beseytz ausz dem nest treyben oder jagen Fri- bewegung vorüber geht; vgl. das von Adelung
sius dict. (1556) 4a; adversus, gegenüber, gerad aus J. E. Schlegel angeführte zitat: ja wär der
vor über 43a; e regione dargegen über, grad vor thränen erster ausbruch über. — vor kann von
über 456a; hiernach bei Maaler 477a; e regione über durch das zugehörige wort getrennt sein,
gestracks vor uber Calepinus dict. XI ling. was Adelung miszbilligt, obgleich es mehrfach
(1598) 491b; fürüber et vorüber, praeter Stieler (mit fur) in Luthers bibelübersetzung vorkommt:
1374; vorbey, vorüber (fürüber), di passaggio, gerad vor der stadt über Maaler 477a (hier im
passando d'appresso Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) sinne von gegenüber); also czogen sy vor Erf-
1217b; vorüber, adversus, e regione Dentzler fort uber und legerten sich by Vargela Stolle
clavis ling. lat. (1716) 338b; vorüber, vide fürüber, thür. chron. 26 lit. ver.;
mit beispielen nur für fürüber Steinbach 2, 887; wenn er jetzt den furchtbarbrausenden sturmwind
sehnsuchtsvoll, hinsinkenden arms, gleich kühlen-
vorüber Adelung; Campe; vgl. mnld. voreover
den westen,
Verwijs-Verdam 9, 1050. — da vorüber meis-
vor sich über zu führen am traurigen bach arbeitet
tens mit verben verbunden, auch mit ihnen in Klopstock Messias 2, 378;
der schrift zusammengerückt werden kann, ohne lasz den trüben trauergedanken, doch schnell und
dasz jedoch wirkliche zusammensetzungen ent- geflügelt,
stehen (Campe zählt deren 143 auf), folgen hier 9, 231.
vor dir über, o sohn
zunächst nur allgemeine bemerkungen, während 2) in räumlicher bedeutung, 'vor einem andern
die belege bei den verben stehen, auch wenn vor- dinge über, d. i. an dem vordern theile hin und
über nicht mit dem verb. zusammengeschrieben weg; wo es in der edlern schreibart gern für das
ist. vorüber verbindet sich in unerschöpflicher im täglichen umgange gewöhnlichere vorbey
fülle mit verben, die entweder selbst eine bewe- gebraucht wird' Adelung. ein versuch, die
gung im raume oder einen verlauf in der zeit anwendungen von vorüber und von vorbei aus-
bezeichnen, ferner aber auch mit solchen, die eine einanderzuhalten, wird z. b. gemacht bei Maasz-
derartige vorstellung irgendwie zulassen. kühnere Eberhard synonymik (1818) 6, 159; aber beide
bildungen s. unter 9. einige beispiele der verbin- können in bezug auf einen ruhenden oder beweg-
dung mit verben müssen hier schon vorweg ten gegenstand (oder person) sowohl bewegung
genommen werden. von einer seite zur andern als von hinten nach
1) vorüber, das in älterer sprache oft noch nicht vorn oder von vorn nach hinten bezeichnen.
a) mit dem dativ, vorüber kann vor- oder nach- c) gewöhnlicher aber als der unter a und b belegte
stehen: und so durchschweifte er lange die schö- gebrauch des vorüber als präp. ist es, dasz zu
nen thäler um Lucca, den prächtigen landhäu- vorüber noch eine präposition tritt, die sich eng
sern, cascaden und grotten wechselnd vorüber mit dem gegenstande oder der person verbindet,
Eichendorff (1864) 3, 127; während vorüber nunmehr adverb. ist. Adelung
[Bd. 26, Sp. 1804]
will besonders vor einsetzen: wie bitter ist der
(seelen,) die ich, dem himmel vorüber! hierher zur
tod dann, wenn er vor dem unglücklichen vor-
bevölkerung
sandte übergeht; vgl.(er) aber leufft auff Seehausen, vor
Klopstock Messias 2, 542; der stadt vorüber, nach Vielbaum Entzelt alt-
dasz ich, deinem antlitz vorüber, im thore des märk. chron. (1579) 47 Bohm; andere präpositio-
todes nen: dasz Flaccus, um nicht von Sulla erdrückt
deiner feinde hochdrohende häupter zu tausenden
zu werden, an ihm vorüber nach Asien abge-
schlage (später: vor deinem antlitz vorbey) 5, 34; zogen sei Mommsen röm. gesch. (1854) 2, 317;
spazier ein stündchen lang dem spiegelglas vor-
(wenige,) die, waren sie an ihm vorüber, nicht
über
... über ihn triumphierten O. Ludwig (1891) 2,
Göthe Faust 743;
wir schweben auf blumen, 310;
wir tanzen auf wolken der andre hatte seinen sitz
vorüber dem mond vorüber bei Sankt Veits kapelle

Tieck (1828) 7, 233. Usteri (1831) 1, 62;


seltsam gestückelt durch der latten band
vgl. unter 9.
siehst du vorüber an der kerkerwand
b) die verbindung mit dem akk. miszbilligt Ade-
manch riesenhafte schattenbildung fliehen
lung: 'in allen diesen fällen empfindet schon das A. v. Droste-Hülshoff 2 (1878) 247.
ohr den übellaut, der aus verfehlung der rechten, — bei einsam gelegenen ... gehöften vorüber
dem vor gebührenden endung entstehet'. hinge- Göthe 25, 3 W. — den gipfel hinunter, durch
gen, einen vorübergehen, d. i. ihn übergehen, die trümmerrunse gerade unter meinem stand-
würde dem sprachgebrauche nach richtiger in der punkte vorüber H. v. Barth Kalkalpen (1874)
vierten endung stehen können, wenn es nur 273.
gebräuchlich wäre'; ha würger! du kannst nur 3) in zeitlichem sinne, 'aus der gegenwart dahin
die glücklichen tödten, die lebenssatten gehst und fort, ein verflieszen, verflossensein,
du vorüber Schiller räuber 5, 2; er zog nun verschwinden aus unserm empfindungskreise
die stadt im bogen weit vorüber Jean Paul I bezeichnend' Hübner zeitungslex. (1824) 4, 845a;
6, 419 akad.-ausg.; von Campofiore kamen sie, praeteritum vorüber Schöpper synon. 46a neu-
die Engelsburg ... vorüber, nach dem Petersplatz druck: ich lebte einige tage lang in aller ruhe
Ranke päbste 1, 485; und hielt das ungewitter für gänzlich vorüber
denn nur ein leises wehn, die erblassenden wan-
Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 1, 378. — in ande-
gen vorüber,
fühlt er noch rem sinne, nd. dat jar vorover, das jahr hindurch
Pyrker (1855) 1, 14. quelle im jb. f. nd. sprachf. 46, 20a; vgl. vorüber-
vgl. unter 9. bringen unter 8.
4) zu nachdrucksvollem, alleinstehendem auf einer blumenbank dem guten, blinden alten
vorüber, Oberon
vorüber ist je nach dem zusammenhange eine
Wieland (1794) 22, 292.
zeitliche oder räumliche vorstellung leicht zu
7) im nd. erscheint das wort im sinne von 'vorn-
ergänzen:
umsonst! vorüber ist vorüber! über' vöröwer Mensing schlesw.-holst. wb. 5,
den kranken rettet ihr nicht mehr 476; förafer ten Doornkaat-Koolman 1, 537a;
Lenau 502 Barthel; förāwer Schmidt-Petersen nordfries. 45a; so
vorüber der tag und sein schall auch in Aachen Rovenhagen 158; s. vorüber-
Geibel 1, 143 Cotta; biegen, -bücken unter 8.
vorüber, ihr schafe, vorüber!
8) in der zusammenrückung mit verben ist die
dem schäfer ist gar so weh
verbindung meistens eine sehr lose, vorüber kann
Göthe 1, 85 W.;
dabei zu anderen satzteilen in engere beziehung
neblich trüber
himmel an mir vorüber treten. auch wenn vorüber unmittelbar vor dem
Schiller 1, 275 G.; verbum steht, wird es häufig nicht mit ihm
was niedrig lag, scheint aufzustehn, zusammengeschrieben. — vorüberbeben, 'bebend
und, was erhaben, sich zu bücken. vorüber gehen' Campe:
vorüber nun (der schein des mondes wandert) gern weilt ich, grazie, wo du den hügel
A. v. Droste-Hülshoff 2 (1878) 46. hinabgeschwebt,
(vorüber) G. Hauptmann d. weber (1892) 115, leicht, wie ein rosenblatt auf zephyrs flügel
vorüber bebt
bühnenanweisung für einen hinter der szene sin-
Matthisson ged. (1821) 182;
gend vorübergehenden.
[Bd. 26, Sp. 1805] was sich begeben,
vorüber bebt es meinem innern leben
5) substantiviert: an jedes kreuz am wege ...
Ad. Frey ges. dicht. (1899) 176.
richtete sie im schnellsten vorüber eine bitte um
— -begeben, sieh Campe. — -bewegen Campe:
beistand Gutzkow d. zauberer v. Rom (1858) 3,
die französische bühne ist gleichsam ein rah-
379; die blumen und blüten wandten sich weit
men, innerhalb dessen sich vor dem auge des
und breit von der sonne ab und dem wanderer
zuschauers eine reihe von tableaux vorüberbe-
zu, und alle zweige seines vorübers gerieten
wegt schr. d. Götheges. 6, 142. — -biegen, vor-
ohne wind in bewegung Hans Grimm volk ohne
über hier im sinne von vornüber (s. unter 7):
raum (1928) 1, 125; beachte die verschiedene
die arme frau sasz neben mir auf dem canapee
anwendung in beiden stellen. geistig: das bestän-
vorübergebogen Möser (1842) 3, 35; bei jeder
dige anschauen des eiligen vorüber in mir Jean
lebhaften bewegung, wenn sie sich vorüberbog,
Paul 48, 302 H.
machte sie den schönsten busen sichtbarer
6) veraltet ist der gebrauch im sinne von gegen-
Tieck (1828) 16, 398. — -blitzen, sich blitzartig,
über, vgl. oben vor 1 Frisius, Calepinus, Dentz-
aufblitzend vorüberbewegen: (sie) hatte durch
ler, Maaler unter 1 und fürüber 1 b, teil 4, 1,
eine lücke der nebelwolken einen glänzend
1, sp. 925. (der gänge) auszgehen, welches ich
geschirrten rappen vorüberblitzen sehen C. F.
dem ligenden allzeit vor über z sein gesagt
Meyer Jürg Jenatsch (1901) 314. — übertragen:
habe Bech bergwerckbuch d. Agricola (1621) 57.
nun sasz von ohngefähr, da alles diesz geschah, scenen von reiner, unvermischter wonne, die
in blendendem glanze schnell vor meinem geist steinige waldbäche brausen vorüber Scheffel
vorüberblizen Wieland I 3, 30 akad.-ausg.; wie (1907) 1, 115;
schon einmal ihr (der frau v. Stein) licht an uns an des flusses rand,
der an dem dorf vorüber brauste
rasch vorübergeblitzt war Bielschowsky Goe-
Pfeffel poet. versuche (1812) 10, 187.
the (1898) 1, 267. — part. präs.: wovon bisher nur
im bilde: es ist ein gewaltiger strom des lebens,
vorüberblitzende ahnungen seine einbildungen
der hier vorüberbraust M. v. Ebner-Eschen-
... berührt hatten Wieland Agathon (1766) 2, 61;
bach (1893) 4, 83. — besondere wendung: in seine
aus den augen, von stirn und mund jezuweilen
ohren, vor denen die blutströme des herzens
der wohlbekannte zug vorüberblitzend Tieck
vorüberbrausten Jean Paul 7/10, 385 H. — vgl.
(1828) 4, 414. — -blühen, vorüber zeitlich (oben
noch zur übertragenen anwendung des wortes,
3): (natur,) die doch gleichmütig an unserem
wobei auch zeitlicher verlauf mit einbegriffen
leben vorüber blüht Watzlik d. pfarrer v. Dorn-
werden kann: der sturm in Oswalds seele war
loh (1930) 56. — -brausen, 'brausend, mit gebraus
vorübergebraust Spielhagen (1877) 1, 88. — die
sich vorüber bewegen' Campe; in räumlichem
letzten fünfundzwanzig jahre, die wir haben
sinne von personen und menschenmassen:
vorüberflieszen, oder vielmehr vorüberbrausen
(zufluchtstätte,) an der selbst Alexanders zug
sehen E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deut-
spurlos vorübergebraust war Mommsen röm.
schen (1845) 2, 82; ruhig und besonnen hat er
gesch. (1854) 1, 666; bis der böse schwarm der
den wilden zeitenlauf an sich vorüberbrausen
dränger vorübergebraust war Häuszer dt.
lassen Görres (1854) 2, 61;
gesch. (1854) 2, 40; bevor ich mein ziel erreichte
lenz und winter, wie nacht und tag,
brausten noch mehrere österreichische schwa-
zeitenwechsel vorüberbrausend
dronen ... an mir vorüber Hindenburg aus m. Rückert (1867) 1, 254.
leben (1920) 23; — -bringen Campe: bei den hochzeiten wird das
was bleibt dem sclaven übrig, wenn der könig
neuvermählte paar auf der strasze umherge-
in pracht und herrlichkeit vorüberbraust,
als sich zu sagen: er musz dran, wie ich führt, um sie auch an einem groszen steine vor-
Hebbel w. 2, 251 W. überzubringen, dem sie grosze ehrerbietung
tiere: sie sprang wieder mitten in den hafer hin- bezeugen Ritter erdkde (1822) 11, 304. — für-
ein, indessen die hunde an uns vorüberbraus- überbringen fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926: finde du
ten G. Keller (1889) 1, 195. — wilde jagd: sich nur selbst mittel und weg, wie du gemelte tag
niederwerfen und schweigend, mit nach dem fürüber bringest Spee güld. tugendb. (1649) 230;
boden gekehrten gesichte verharren, bis es vgl. zu dem sinn von fürüber oben 3 am ende.
[Bd. 26, Sp. 1806] — -bruddeln, brodelnd vorüberflieszen: den glet-
vorübergebraust sei Gräsze jägerbrevier (1861) scherbach, der unmittelbar am hause vorüber-
2, 137. — gefährte, dampfschiff: die blinkenden bruddelte Andrae Roman aus längst vergange-
equipagen mit strahlenden damen brausten vor- nen tagen (1899) 140; vgl.brudeln teil 2, sp. 417.
über Laube (1875) 8, 82; (hügel,) an welchen — -bücken; da bückte ich mich mit halben leibe
heute das dampfschiff vorüberbraust Moltke vorüber (vornüber, s. oben 7) Gerstenberg Ugo-
ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 114. — gewässer: lino 235 dt. nat.-lit. — -dämmern, undeutlich vor-
überziehen: (Agnes) liesz noch in späten träu- übereilen Sonnenfels ges. schr. (1783) 3, 272.
men die gestrigen theestunden an sich vorüber b) in eigentlichem sinne, von wirklicher bewe-
dämmern Holtei erz. schr. (1861) 2, 87. — -den- gung: nicht um sich her sehende,
ken, mit den gedanken übergehen: vorübereilende, anmaszliche fremde
getroffen von des hasses kalten dolchen, [Bd. 26, Sp. 1807]

an denen gerne wir vorüberdenken Göthe 46, 64 W.; vgl. 49, 361; an Climene hastig
Lenau neuere ged. (1838) 202. vorübereilend Laube (1875) 2, 257; ein diener,
— -donnern: der mit einem präsentierbrett an ihm vorüber-
ob feind oder freund in raschem gemeng eilte Spielhagen (1877) 1, 190; der landrath ...
an einem vorüberdonnre
grüszte ihn, rasch vorübereilend Holtei erz.
Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 4, 547. schr. (1861) 17, 90;
— -drängen Campe; refl., übertragen: fröhliche (Hektor) eilte vorüber (παρήιξεν), entbrannt, auf
gedanken, die sich in bunter menge an seiner das schnellste die Griechen
seele vorüberdrängten Hauff (1890) 1, 190. — abzutreiben (Il. 5, 690)
intrans., in eigentlichem sinne: Vincke sah an Bürger 229b Bohtz;
zwanzig personen herumstehen und vorüber- ich reichte dir die hand, ich reichte dir sie fle-
drängen Varnhagen v. Ense tageb. (1861) 4, 92. hend, du eiltest nur schneller vorüber Göthe
— -drehen: wenn sie sich an dem traurigen 12, 71 W. freier: ich bin wirklich in Wilna ...
waldhornbläser vorüberdrehte G. Keller (1889) nicht als ein vorübereilender, sondern als einer,
4, 148. — -dringen Campe. — -dröhnen: als er der hier hütten bauen und wohnen bleiben will
(der eisenbahnzug) vorübergedröhnt war, wur- G. Forster (1843) 7, 291. — von tieren: deszhalb
den die schranken geöffnet Gutzkow ritter v. im frühjahr bey uns von diesen vorübereilen-
geiste (1850) 5, 373. — -drücken, refl. , übertra- den gästen (schnepfen) wenige zu erwarten sind
gen: wie denn viele sehr kirchlich gesinnte ... in Göthe III 12, 189 W.; (die) vorübereilende tur-
der ausübung dieser gebote oft gar schwerhö- teltaube Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 6,
rig an ihnen sich vorüberdrücken Rank erinn. 241. — unbelebtes in der natur: wie der grosze
(1896) 69 bibl. dt. schriftsteller aus Böhmen. — feuerreiche strom (Rhein) dort den kleinern
-dürfen, bei Campe zusammengeschrieben und (Nahe) hineinschlingt und stolzer vorüber eilt
als 'niedrig' bezeichnet. maler Müller (1811) 1, 186;
vorübereilen Campe, auszerordentlich häufig. womit ein flusz die wiese theilet
und vor der stadt vorübereilet
a) mit dem dat. (s. oben 2 a): wenn wir dicke,
J. G. Jacobi (1807) 1, 40.
schwere wolken ... dem monde vorübereilen ...
im bilde: wie man so viel mühe und arbeit an
sehen Ph. O. Runge hinterl. schr. (1840) 1, 15;
(er) eilet der tanzenden menge ein paar bruchstücke (des grafen Rudolf) wen-
scheu vorüber zum wald den könne, die in ihrem (Gervinus) werk wie
Hegner ges. schr. 5 (1830) 193. ein tropfen in dem breiten strome vorüber eilen
mit dem akkus. (2 b): jetzt hat der mond schon briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Ger-
... den Jordan vorübergeeilt allg. dt. bibl. anhang vinus 2, 64. — (heisze luftsäulen) verscheuchen
zu 53—86, 2445; ich musz die traurige scene vor- das vorübereilende gewölk A. v. Humboldt
ansichten d. natur (1808) 1, 5; lende mienen zu suchen und zu studieren Lava-
wind und ströme, ter physiogn. fragm. (1775) 4, 474; (schriftstel-
donner und hagel
ler,) denen an lebendiger darstellung der vor-
rauschen ihren weg
übereilenden sitten ... alles gelegen ist G. Fors-
und ergreifen,
vorüber eilend, ter (1843) 6, 5; das vorübereilende des tages im
einen um den andern zusammenhang aufzufassen Göthe 42, 1, 52 W.;
Göthe 2, 84 W. (dasz) liebe eine vorübereilende grille sei Lenz
c) vorüber zeitlich, s. oben 3, das verbum wird 3, 160 Tieck; ausdruck schnell vorübereilender
zunächst auf die zeit und ihre teile bezogen; dabei gemüthsaffekte Hegel (1832) 10, 2, 224; nur für
kann die vorstellung der örtlichen bewegung ein- sie (die menschheit), nicht für das vorüberei-
wirken: mein leben, alles was ich bin, was ich lende ... geschlecht Schopenhauer 1, 16 Gr.
werden soll, liegt auf dem flügel dieses vorüber- f) sehr häufig ist die verbindung im vorüber-
eilenden augenblicks Klinger (1809) 8, 75; der eilen, die sowohl im eigentlichen wie im über-
vorübereilenden guten stunde D. Fr. Strausz tragenen sinne gebraucht wird: als was sie im
(1876) 1, 7; vorübereilen in mir gewahren konnten fürst
unwiederbringlich versinkt die ungenossene Pückler briefw. u. tageb. (1873) 1, 148; ein hel-
stunde,
les licht in der hand tragend, welches im vor-
kommt, eilet vorüber, und ist schon nicht mehr
übereilen einen
Dusch verm. w. (1754) 567; [Bd. 26, Sp. 1808]
so eilt traurig die zeit mit schwerem schritte vor-
baum nach dem andern beglänzte und wieder
über
im dunkeln liesz G. Keller (1889) 2, 113;
Zachariä poet. schr. (1763) 4, 75;
im vorübereilen grüszen
und mit der eile des sturms eilet vorüber der
sich mit blicken voll von schmerz,
augenblick
die sich fest und ewig schlieszen
Klopstock oden 1, 204 M.-P. möchten an das treue herz
d) in mannigfaltigem übertragenem gebrauch, Uhland ged. 1, 8 E. Schm.-H.;
wobei bald der örtliche, bald der zeitliche sinn noch senkt mit starker hand den mächtgen speer
mehr deutlich werden kann: wir eilen (am eitlen) nachlässig stolz er im vorübereilen

vorüber Herder 23, 45 S.; wenn ihre (der bered- A. v. Droste-Hülshoff (1878) 2, 205.
samkeit und des witzes) wirkungen nicht blosz vorüberfahren; da teil 4, 1, 1, sp. 926 fürüber-
im mündlichen gespräch flüchtig vorüber eilen fahren nicht aus schriftstellern belegt ist, sind
Fr. Schlegel (1846) 1, 9; im folgenden solche belege mit aufgenommen;
(unwissenheit) giebt dem, wobey der blick sonst praenavigo fürschiffen, fürüber fahren Calepi-
leicht nus dict. XI ling. (1598) 1135b; für- et vorüber
der neuheit falschen reiz vorübereilet,
gefahren, ich fahre vorüber Steinbach 1, 404;
J. A. Schlegel verm. ged. (1787) 1, 161. vorüberfahren Campe.
e) besonders ist der übertragene gebrauch des a) mit dem akkus., s. oben 2 b: als ich in einer
part. präs. zu beachten, wobei das flüchtige dem schönen morgenstunde den letzten aufenthalt
beständigen gegenübergestellt werden kann: laszt seines (Petrarkas) irdischen daseins vorüberfuhr
mich euch bitten ... noch mehr als vorüberei- Herder 17, 272 S.
b) gewöhnlich wird das wort im entwickelten einen schlitten, dort unten fährt noch einer vor-
nhd., auch wenn keine nähere bestimmung dabei- über Göthe 24, 333 W.; um dort mit den vor-
steht, von der bewegung in gefährten aller art überfahrenden handelsschiffen in handel einzu-
gebraucht: wenn am morgen der todtengreber gehen Ritter erdkde (1822) 1, 307; der vorüber-
mit dem karn fürüberfuhr Hertzog d. schiltwa- fahrende reisewagen mit seinen launenhaften ...
che K.; da er (der kutscher) vorm galgen vorüber passagieren Grabbe 4, 271 Bl.; sechs schuiten,
fuhr Lehman floril. polit. (1662) 1, 354; ein vor- welche täglich von Harlem nach Amsterdam
überfahrender arzt liesz ... den wagen halten E. vorüberfuhren Immermann 2, 99 B.; Emilie rief
T. A. Hoffmann 12, 69 Gr.; dasz ich ihn schon eine vorüberfahrende droschke an Holtei erz.
früherhin auf den kornsäcken reitend an schr. (1861) 25, 33;
unserm chausseehause hatte vorüberfahren bis ein wagen,
der rasselnd noch vorüberfuhr, mich schreckte
sehen Gaudy (1844) 3, 147; wenn Melanie auf
Hölderlin 2, 10 Litzmann.
der rückreise vorüberfährt Gutzkow ritter v.
donnern und dröhnen eines vorüberfahrenden
geiste (1850) 1, 41;
bemerkst du wol die holden grüsze, eisenbahnzuges Alverdes Reinhold (1931) 77.
bei
wenn du, monarch, vorüberfährst? e) substantivisch, besonders häufig in der verbin-
Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) dung im vorbeifahren: (bei abtritten am wasser)
4, 6; ist auch überausz sittlich und höflich anzuse-
wenn er nett angeputzt, nebst seinem schellen- hen, wann im fürüber fahren der ehrlichen leut
pferd, das wasser neben den häusern auffplumpffet
vor der geliebten hausz fein offt vorüberfährt
und den fürüber reysenden ein freudzeichen
Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) neben einem guten nasengeschmack gibt Gua-
1, 562. rinonius grewel d. verwüstung (1610) 655; (das
c) auf dem wasser: der vatter Emiliani ... des kap) zeichnete sich durch 6 hervorragende spit-
nachts bey gtem winde neben der insulen zen beim vorüberfahren aus Ritter erdkde
Echinides füruber fhr Heyden Plinius (1565) (1822) 4, 450; da sie ihn beim vorüberfahren im
308; (der landgraf ist) vor einer vornemen teut- postwagen gesehen Laube (1875) 8, 85; sie sah
schen statt ... zu wasser vorüber gefahren Leh- das beständige vorüberfahren der wallfahrer in
man floril. polit. (1662) 3, 366; wir fuhren bei kähnen A. v. Droste-Hülshoff br. an L.
verschiedenen kleinen buchten vorüber G. Schücking (1893) 315; da und dort wohnte eine
Forster (1843) 2, 7; wer bei nacht auf dem hübsche tochter oder zwei, von
flusse vorüberfährt A. v. Humboldt ansichten [Bd. 26, Sp. 1809]

d. natur (1808) 1, 26; (als sie) vor Boulogne vor- denen etwas zu erblicken wir im vorüberfahren
überfuhren und auf der höhe von Calais anlang- uns bemühten G. Keller (1889) 2, 35; die sek-
ten Ranke (1867) 14, 318; tionen, die sich an den einen wegrand gedrängt
indesz ein fischer mit dem nachen hatten während des vorüberfahrens (einer bat-
vorüberfährt
terie), ziehen sich wieder mehr auseinander D.
Pfeffel poet. versuche (1812) 4, 174. v. Liliencron w. 1, 43.
d) subjekt kann auch das gefährt sein: ich hole f) von jeder heftigen bewegung, so von plötzlich
und hastig vorübereilenden personen oder tieren; geitz Wieland Agathon (1766) 2, 88; in diesem
ein reiter: aber Galaor wischet auff die seiten groszen streite fahren tausend reizende bilder
neben ausz, also dasz der ander mit grausamer schnell in mir vorüber Winckelmann bei Justi
stercke fürüber fuhr Amadis 365 lit. ver.; (Mephi- Winckelmann 2, 2, 425.
stopheles als zauberpferd trägt Faust durch die h) von der intransitiven bedeutung ausgehend in
lüfte) und dieweil sie (die stadt Augsburg) D. aktiver vorstellung: mit der hand an etwas,
Faustus auch gesehen, ist er fürüber gefahren jemandem mit dem besen an der nase vorüber-
volksb. v. dr. Faust 63 ndr. — im bilde: wolan, fahren u. ä.; als ich mit dem stahl ihm beim
diese humeln las ich schnurren und für über auge vorüberfuhr Meissner Alcibiades (1781) 2,
faren Luther 19, 643 W. — von wind und sturm; 92.
auch im bilde: der überwinder der welt huldigte i) wie fahren entwickelt auch vorüberfahren
dem dichter, weil er fühlte, dasz ohne diesen einen transitiven gebrauch: 'zu wagen, in einem
sein ungeheures dasein nur wie ein sturmwind wagen vorüberschaffen' Campe.
vorüberfahren würde Göthe 21, 130 W.; vorüberfegen, intrans., übertragen von heftiger
gleich wie der wind fürüber fehrt, bewegung: der schwarzen, weiszrandigen
das glück der menschen sich verkehrt
sturmwolke nachgebildet, die vor dem monde
Ringwaldt evang. (1581) a 2a; vorüber fegt Laistner nebelsagen (1879) 195;
drauszen mag ein linder west
dann ist es vorbei, vorübergefegt, das schiff
oder sturm vorüberfahren
arbeitet wieder ächzend Plüschow segelfahrt
Lenau 39 Barthel;
doch als das grosze wetter (die freiheitskriege) ins wunderland 33;
eilfertig, ohne spur, da sah er Roland im vorüberfegen
wie windeshauch durch blätter, Regis Bojardos verl. Roland (1840) 195.
dahier vorüberfuhr — -flackern: zumeist weibersünden sind es, die
Rückert (1867) 1, 142. wir an uns vorüberflackern gesehen Rosegger
g) und so in mannigfaltigem, freiem und über- I 6, 413. — -flammen: man wird dich einen
tragenem gebrauch; im eigentlichen sinne: da er meteor nennen — vorüberflammend und in
nemlich etliche mal nach einander in seiner stu- höchster pracht zerstiebend W. v. Polenz ges.
ben einen seltzamen schatten an der wand vor- w. 9, 245. — -flattern Campe.
über fahren gesehen Widmann Fausts leben 78 a) im eigentlichen sinne, bewegung durch flügel:
Keller; frei: dem spötter selbst fährt wohl zu zei- nur ein paar fledermäuse flatterten vorüber
ten der schatten dieses nichts an der stirne vor- Hebel 1, 74 Behaghel; dann haschen sie nach
über Klinger (1809) 12, 39. — mit deutlicher einem vorüberflatternden schmetterlinge Stif-
betonung des zeitlichen verlaufs: schnell fährts ter (1904) 3, 261;
(das leben) vorüber Herder 12, 78 S.; mit schwerem fittich flattert es vorüber
der frühling, der vorüberfuhr, A. v. Droste-Hülshoff 2 (1878) 244.
und der aus zukunft winket
b) freier, dann auch von anderer bewegung: bei
Rückert (1867) 2, 559. solchem schnellen vorüberflattern desz sehr
geistige vorgänge: leidenschaften, launen, vor- tuncklen gewölcks Er. Francisci d. eröffnete
überfahrende anstösze von lächerlichem ehr- lusthaus (1676) 626; als ich diese possierlichen
gespenster (englische studenten) an mir vorüber- geyern Niebuhr röm. gesch. (1811) 1, 154;
flattern sah G. Forster (1843) 3, 430; soll der in ketten denen nachgehn,
[Bd. 26, Sp. 1810] welchen er, kühner, vorüber flöge?
weil die lüftchen, eure buhler, Klopstock oden 1, 106 M.-P.;
scheu an euch vorüberflattern fliegen die tauben der saat in gleichem momento
W. Müller ged. 73 Hatfield. vorüber
c) in übertragener anwendung; es kann dabei das Göthe 1, 337 W.;
flüchtige, unbeständige bezeichnet werden, ferner aus den farbigen scheiben des fensters
flog ein leuchtender strahl der abendsonn ihm
das vorübereilen, insofern es ein nichtbeachten
vorüber
ist. natürlich ist auch neutrale anwendung
Pyrker (1855) 1, 13.
gebräuchlich: der ewige alte geiste der mensch-
mit dem akkus., vgl. oben 2 b:
heit und der vorüberflatternde zeitgeist E. M.
und, wie ein vogel, der husar
Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen (1845) 4, 37; das haus vorüberflog
die tage flatterten oder krochen vorüber Laube grafen zu Stolberg (1820) 1, 43;
(1875) 8, 138; ein märchen, das die wirklich- ich fliege pracht und hof vorüber
keit ... vorüberflatternd erheitert O. Ludwig Schiller 3, 164 G.;
(1891) 6, 86; so flog er vorüber den schimmernden prunk
die asche meiner hoffnungen, die kränze in die einsame halle
geliebter todten flattern mir vorüber Hölderlin 1, 85 Litzmann.
Lenau 18 Barthel. b) bewegung durch die luft, zunächst von vögeln,
von personen: hie solte der trotzige helt antwor- schmetterlingen u. s. w.: (schlangen) das gevögel,
ten, so fladdert er fur uber und alfenzt die weil wie hoch und schnell es auch fürüber fleugt, an
ein anders Luther 26, 376 W.; das bewegen der sich ziehen und verschlücken Heyden Plinius
menschen stellte ihm ihr vorüberflattern, ihr (1565) 105; vom jauchzen der versammelten
fliehen in die gräber dar Jean Paul 7/10, 413 Griechen waren die vorüber fliegenden vögel
H.; betäubt zur erden gefallen A. v. Haller Fabius
wo tausend blind vorüberflattern, u. Cato (1774) 157; ein anderes vorüberfliegen-
weilet voll seele sein helles auge
des (insekt) im gewandten fluge erhaschen Nau-
Heydenreich ged. 1 (1793) 118. mann naturgesch. d. vögel (1822) 2, 1, 355; eine
vorüberfliegen, fürüberfliegen (teil 4, 1, 1, sp. mücke, die eben an ihm vorüber flog Storm
926 ohne beleg), pretervolare voruberfliegen Die- (1899) 1, 76; vielleicht fliegt zu unserer unter-
fenbach gloss. 458b; praetervolo fürüberfliegen haltung eine fledermaus vorüber M. v. Ebner-
Calepinus dict. XI ling. (1598) 1145b; volare oltra Eschenbach (1893) 4, 379;
furuber fliegen Hulsius (1618) 2, 439a; vorüber indes thet es sich gantz begeben,
fliegen, praeter vehi Reyher thesaurus (1686) o das etlich krench füruber flogen,
3b; Campe. thet ein mörder zum andern sagen:
das sind gewisz Ibici krench
a) mit dem dat. verbunden, wobei der dativ mit
Eyering proverb. copia (1601) 2, 208;
zur örtlichen vorstellung gehört, nicht ein dat.
der vogel flog vorüber nur,
commodi ist (vgl. oben 2 a): mit dem aufgang
und niemand ist, der seine spur
der sonne ... flog ihm vorüber ein zug von zwölf
hett irgends wargenommen Königsb. dichterkr. gen oft von dem, was der reisende oder sich
154 ndr.; schnell bewegende erblickt, an sich vorbeiziehen
wie oft am abend sahn wir kleine vögel läszt: schlösser und wälder flogen bey unsern
vorüberfliegen, hörten ihren sang
nasen vorüber Babo schauspiele (1793) 3; die
Rückert (1867) 10, 406. aussichten, die in entgegengesetzter richtung
von dem geflügelten Amor: Amor hatt ihn, da vor unserm auge vorüber flogen G. Forster
er einmal vorüberflog ... verwundet Geszner (1843) 3, 353; zuweilen blitzte der mond oder
schr. (1777) 1, 170; vgl.: das vorüberfliegende licht eines bauernhauses
und schonend fliege dir stets Cytherens vogel vor-
durch den wagen Eichendorff (1864) 2, 578;
über
oft schleudert ein orkan sie (die skiläufer), als in
Matthisson (1825) 1, 72.
schwindel vor sich her,
[Bd. 26, Sp. 1811]
am vorüberfliegenden felsengestad hinab
c) in mannigfaltigster anwendung zur bezeich-
Klopstock oden 1, 218 M.-P.
nung einer sehr schnellen bewegung, in der luft
von den gefährten ausgesagt: eine fremde gon-
und auf der erde, von menschen, z. b. gehenden
del ... rauschte hastig heran und flog eben so
oder reitenden, in wagen, schlitten, schiffen, im
schnell vorüber Gaudy (1844) 13, 121; wagen,
eisenbahnzuge fahrenden, natürlich auch von tie-
die wie der blitz an uns vorüberflogen Rank
ren, ferner von gefährten aller art; von allen
erinn. (1896) 160 bibl. dt. schriftst. aus Böhmen;
gegenständen, die in der luft sich schnell vorüber
die insassen mit einbezogen: zwei, drei schlit-
bewegen (z. b. ball, speer, kugel) u. s. w.: vorüber-
ten flogen vorüber, grüszten und sangen Fon-
fliegend (im schiffe) befreundete man sich mit
tane I 1, 7.
der schönen reihe merkwürdig hingelagerter ...
d) freier dann von wahrnehmbarer bewegung,
ansichten Göthe 24, 362 W.; er erblickte mich,
auch im bilde: vorm vorüberfliegenden wölk-
als er (zu rosz) vorüberflog Schiller Fiesko 2,
chen Lavater physiogn. fragm. (1775) 2, 3; in
11; er wird eine grosze freude haben, dich im
seiner jugend, wo seine lebenshimmel nur noch
vorüberfliegen zu sehen br. von u. an Herwegh
vorüberfliegende wolken trugen Grabbe 4, 216
(1896) 79;
Bl.; drauszen flogen schwarze wolkentrümmer
zuerst flogs vorüber auf schwarzem rosz
und dann auf dem braunen pferde ... an einem fieberblassen mond vorüber Holtei
E. M. Arndt w. 6, 237 R.-M.; erz. schr. (1861) 6, 198. — es war nur ein vor-
müszige kutscher, überfliegender schatten Caroline 2, 171 Waitz;
vorüberfliegend Helios,
Rückert (1867) 2, 399. wenn er am scheitel mir vorüberfleucht

tanz: ein paar nach dem andern flog an dem H. v. Kleist 2, 83 E. Schm.;
vorüber fliegt des baches welle,
fenster vorüber Eichendorff (1864) 2, 68. — in
zweimal berührt sie keine hand
gewagter wendung vom auge eines mit der bahn
Tiedge (1823) 3, 144.
reisenden: rechts und links hat man die bahn
in kühnen bildern: alles, was ich noch auftrei-
mit bäumen bepflanzt, wodurch für das vor-
ben konnte, um womöglich einen runden kreis
überfliegende auge ein wahrhaft krankhafter
so vorüberfliegender deutscher poesien (volks-
reiz entsteht Gutzkow (1872) 11, 103. — dage-
lieder) aufstellen zu können Brentano in: schr.
d. Götheges. 14, 79. — vom blick: sein blick flog schneller als die gegenstände
selber dich vorüberfliehn
scheu an der schlanken gestalt vorüber O. Lud-
Göthe 3, 80 W.
wig (1891) 1, 232. — an den ohren vorüber, nicht
b) von der eigentlichen bedeutung der flucht
haftend: (musik) schwebt auf den lüften und
besiegter aus nimmt das wort die bedeutung des
fliegt auch mit den lüften vorüber Herder 12,
schnellen vorübereilens an und wird in mannig-
248 S.; (worte,) die an den ohren ... ohne wir-
faltigster weise im sinnlichen und übertragenen
kung vorüberflogen Klinger (1809) 8, 319; es
sinne gebraucht: ein träger spiegel der vorüber-
kribbelt von namen, welche als wesenlose sche-
fliehenden gestalten Fichte (1845) 2, 196;
men vor den ohren der schüler vorüberfliegen
sie flieht jugendlich leicht, mit schlüpfendem
Lagarde dt. schr. (1886) 241.
fusze, vorüber
e) von zeitlichen vorstellungen: jahre des glücks Klopstock oden 1, 36 M.-P.;
und der ruhe flogen schnell ... vorüber Klinger sah mann und rosz vorüberfliehn
(1809) 8, 235; eine viertelstunde, die wie eine Hölty ged. 15 Halm;
minute vorüberflog Heinse 5, 7 Sch.; im vor- der wald nur grüszt, wo sie vorüberflohen,
überfliegen eines tages K. A. v. Müller aufs. kein wort die feierliche stille brach

u. vortr. (1926) 57; Eichendorff (1864) 3, 553.


und äonen mögen nur c) gegenstände: (ich sehe) durch die stürmen-
über mir vorüber fliegen den, vorüberfliehenden wolken einzelne sterne
Schubart ged. (1825) 1, 206; Göthe 19, 187 W.; sonnenstrahl, der im vor-
jahrhunderte sind vorüber geflogen
überfliehen auf seine luke leuchtet Bettine dies
Schiller 11, 358 G. buch gehört d. könig (1843) 1, 103;
[Bd. 26, Sp. 1812]
o welt voll schande! schaudernd erblickten dich
f) innere vorgänge: vorüberfliegende gedanken
die andern sterne, wenn du vorüberflohst
Herder 28, 293 S.; die vorüberfliegende emp- Kretschmann (1784) 2, 79;
findung Thümmel reise (1791) 10, 63; nach vor- (mond) eile nicht vorüberfliehend
überfliegender friedenshoffnung Göthe 35, 53 mit der sichel scharf und blank
W.; herr über ihre vielleicht nur zuweilen vor- Brentano (1852) 3, 92.
überfliegenden leidenschaften Heinse 5, 275 d) scheinbare bewegung: das reiche gelände
Sch.; bilder der phantasie, die blitzschnell an uns flieht vorüber (den schiffenden) Göthe 25, 234
vorüberfliegen Schopenhauer 1, 77 Gr. W.;
vorüberfliehen: fürüberfliehen (fehlt teil 4, 1, 1, lachend fliehen an mir die reichen ufer vorüber

sp. 926), wüschen, praetervolare Decimator Schiller 11, 77 G


thes. (1608); vorüberfliehen Campe. e) zeitlich vorgestellt, wobei auch flüchtigkeit,
a) mit dem dat. (s. oben 2 a): vergänglichkeit betont werden kann: nur eine
heiter wie frühlingstag schwand ihm das leben, rasche kühne hand ergreift die vorüberflie-
floh ihm vorüber im hesperusglanz hende gelegenheit J. J. Engel (1801) 4, 21; die
Schiller 1, 107 G. tage des hierseins dieses ... fürsten flohen
mit dem akkus. (s. oben 2 b): schnell vorüber Göthe IV 22, 193 W.; (sie) liesz
lasz den anfang mit dem ende
in dieser verblendung den zeitpunkt vorüber-
sich in eins zusammenziehn!
fliehen Holtei erz. schr. (1861) 5, 77; in den schr. (1823) 4, 255; die nördlich der groszen
vorüberfliehenden ereignissen des tages das Antillen vorübergeflossenen äquatorialen was-
dauernde ... zu erfassen Gervinus gesch. d. dt. ser v. Alten hdb. f. heer u. flotte (1909) 1, 598;
dicht. (1853) 1, 212; wo die Lauter hell und lauter
(sieht er) ewig jung die erde blühen, meinem zaun vorüberflieszt
indesz vom menschen bis zum wurm Rückert (1867) 2, 530.
die lebenden vorüberfliehen b) übertragen, zeitlich vergehen: alles, was zeit-
Gotter (1787) 1, 463; lich ist, fleuszt augenblicklich vorüber Stieler
alles ist vorüberfliehend
515; es sind nunmehr fast 19. jahr vorüberge-
Tiedge (1823) 2, 83. flossen Chr. Weise d. polit. redner (1677) 986;
f) innerer vorgang: mehr braucht es nicht, um die hohe minute ist vorübergeflossen Jean Paul
ohnmächtige nerven zu einem schnell vorüber- 1, 346 H.; so liesz ich denn die zeit vorüber-
fliehenden entzücken zu kitzeln G. Forster flieszen Tieck (1828) 2, 269; (ein feststehendes,)
(1843) 3, 496; ohne sich festhalten zu lassen, an welchem die zeit mit ihrem inhalt vorüber-
flohen tausend gestalten seiner seele mit blit- flösse Schopenhauer 4, 120 Gr.;
zesschnelle vorüber Tieck (1828) 8, 15,; vorüber- (tag,) der mir, weil ich allein war,
fliehend wie in einem fiebertraum O. Ludwig öd und traurig vorüber flosz
(1891) 1, 307; Klopstock oden 1, 56 M.-P.;
vergönne, dasz wir frey und kühn fünf und zwanzig lenze, o du lieber,
dir unsers zweifels grund bekennen, flossen mir an deiner seite süsz,
und uns von herzen glücklich nennen, wie ein krystallbach vorüber
da wir ihn sehn vorüber fliehn Schubart ged. (1825) 2, 208.
Gottsched ged. (1751) 1, 156. wie schnell flieszt nicht unser leben vorüber
vorüberflieszen; fürüberflieszen ist teil 4, 1, 1, Adelung umst. lehrgebäude d. dt. spr. 2, 593;
sp. 926 nur lexikalisch belegt; praeterfluo, prae- (die) das dasein als ein unaufhaltsames vorüber-
terlabor ich flies für über Er. Alberus (1540) flieszen erkannten W. v. Scholz erz. (1924) 48;
gg 1a; scorrere vicino füruber flieszen Hulsius gespielin meiner jugend, die in Augustens schoos
(1618) 2, 360b; fürüber- oder vorüberflieszen in weisheit und gesängen mir halb vorüberflosz

Stieler 514; ebenso Steinbach 1, 470; vorüber- Dusch verm. w. (1754) 11.
flieszen Campe. c) innerer vorgang: weil sie (böse gedanken) so
[Bd. 26, Sp. 1813] gar leicht und fürüber flieszen Nigrinus von
a) in eigentlichem sinne von flüssigem: die Oder zäuberern, hexen (1592) 446; der ganze gleitende
fliszt bey Breszlau vorüber Steinbach a. a. o.; widerschein des jugendmorgens flosz an ihm
meine brüder gehen verechtlich fur mir uber, glimmend vorüber Jean Paul (1826) 10, 47.
wie eine bach, wie die wasserströme furuber- vorüberflirren, im eigentlichen sinne und über-
flieszen Hiob 6, 15; der flusz macht ein angeneh- tragen: vergangene nacht im palais ist es auch
mes geräusch im vorüberflieszen Hirschfeld mir wie ein blitz vor den augen vorübergeflirrt
theorie d. gartenkunst (1779) 5, 324; als wenn Laube (1875) 15, 219;
er die vorüberflieszenden wassertropfen (eines lasz nur den tollen spuk der zeit vorüberflirren
stromes) selbst zählte F. Th. v. Schubert verm. Rückert (1867) 8, 98.
mit dem akkus., s. oben 2 b: lebenden wesen: dasz man ihn gefesselt vor dem
denn wie ein blitzstrahl flirrte michs vorüber hause seines vaters, seiner braut vorüberführte
Grillparzer Sappho 5, 6. J. J. Engel (1801) 8, 48; ein haufe heiden führte
— -flitzen, von schnellster bewegung, auch über- fünfhundert christliche gefangene unter geisel-
tragen: als alles vorübergeflitzt war, wartete ich schlägen vorüber J. Grimm kl. schr. 7, 185; (er)
noch einige augenblicke D. v. Liliencron (1896) sah, wie sie von Lys am arme vorübergeführt
2, 206; das war eine scheene zeit! ... wenn so wurde G. Keller (1889) 2, 196; (er) führte ... das
was blosz nich so voriberflitzte G. Hauptmann St. Arnaudsche paar an buden und sommerhäu-
Rose Bernd (1904) 82. — -flöszen Campe. — sern vorüber Fontane I 4, 253. — (er) führt das
-flüchten, auf der flucht vorübereilen Campe; weisze rosz an ihnen vorüber Brentano (1852)
auch übertragen (vgl. vorüberfliehen): mit dem 6, 85.
grauen einer reinen seele, die rasch am gräsz- b) dann aber in allgemeiner anwendung:
lichen vorüberflüchtet Bielschowski Goethe allein der schnelle flusz, der mich vorüber führet,
(1898) 1, 425; macht, dasz mein fusz kein land berühret
es prallt das mondlicht scheu von ihm zurück, Gottsched neueste ged. (1750) 74;
und scheu der wind an ihm vorüberflüchtet (ich) trete manchmal hier ab, wenn mich mein
Lenau 105 Barthel. beruf vorüberführet Brentano Godwi (1801) 2,
— -fluten Campe; im eigentlichen sinne: der 386; wenn mich meine abendspaziergänge hier
strom fluthete brausend an den hohen ufern vorüberführten Smidt mittheil. aus d. tagebuche
der insel vorüber Droysen gesch. Alexanders d. eines nord. seemanns (1830) 15. — wenn sie
Gr. (1833) 391; (der Inn) fluthet hier schon in (gerüche) rasch an der schleimhaut vorüberge-
mächtigem zuge vorüber Steub drei sommer in führt werden Sömmerring vom baue d. menschl.
Tirol (1895) 1, 21. — übertragen: äuszerungen körpers (1839) 5, 617; nach vorüberführen des
der vorüberflutenden menge Fontane I 1, 532; armes Avé-Lallemand dt. gaunerthum (1858) 2,
jäh trifft mein blick die menschen all,
187. — (sausewind,) der staub und mücken ...
die vorüberfluthen in wirrem schall
vorüberführt Görres ges. br. (1858) 3, 158;
Arent, Conradi, Henckell mod. dichter-
zu diesem ziel hinauf hast du,
charakt. (1885) 8. mein herr! und mein gott!
— -fördern: die sonnen- und sternenwagen för- bey mehr als einem grabe mich,
dern tage und tage, jahre und jahrhunderte vor- mit mächtigem arme, vorübergeführt

über Rosegger II 5, 10. — -frachten: welche Klopstock oden 2, 3 M.-P.;


auch diese donnerschwere wolke,
(stämme) aus den wäldern hier vorübergefrach-
die über mir schwarz drohend niederhieng,
tet werden Dittrich bemerk. auf einer reise
sie führte mir ein engel still vorüber
durch d. grafsch. Glatz (1816) 226. Schiller 14, 96 G.
vorüberführen, s.fürüberführen teil 4, 1, 1, sp. c) sehr häufig von weg und sinnverwandten wör-
926; vorübergeführt, ich führe vorüber, praeter- tern: hinter dem garten führte ein pfad ... an
duco Steinbach 1, 392; vorüberführen Campe. einem kreuz vorüber fürst Pückler briefw. u.
[Bd. 26, Sp. 1814]
tageb. (1873) 1, 151; in einem wirthshaus bei
a) im eigentlichen sinne von führen, bewegung
Cannstadt, wo die strasze vorüberführt Ranke
im raume, zunächst im subjekt und objekt vom
(1867) 27, 108; die strasze ... senkt sich, an alten vorüberführt Hegel (1832) 9, 352; der dichter
grabmälern vorüberführend Moltke ges. schr. führt geistig bewegte bilderzüge in meinem
u. denkw. (1892) 1, 162. — das (tal) gegen W. innern vorüber Vischer ästhetik (1846) 3, 1, 10;
... führt ... an mehreren chinesischen posten ... erscheinungen, an denen uns der vorige
vorüber Ritter erdkde (1822) 2, 176; der abschnitt vorüberführte Jhering geist d. röm.
haupteingang des hauses, der an der küche vor- rechts 2, 2, 323;
[Bd. 26, Sp. 1815]
überführte Stifter (1904) 2, 264; (korridor,) der
auch die traurigen bilder der zeit, sie führ ich vor-
an den zimmern ... Erichsons vorüberführte
über
Fontane I 1, 57. — mit objekt, wobei aber weg Göthe 1, 294 W.;
auch die handlung bezeichnen kann: sein weg noch einmal laszt des dichters phantasie
führt ihn am roten engel vorüber O. Ludwig die düstre zeit an euch vorüberführen
(1891) 1, 260; mein weg zur arbeit führte mich Schiller 12, 8 G.
alltäglich an diesem hause vorüber G. Keller in tönen: dasz ihm (dem zuhörer) dasselbe
(1889) 1, 159; (andante aus einer oper) ... wie in neuer beleuch-
ich selbst, als mich in später dämmrung einst tung vorübergeführt wird O. Jahn Mozart
der weg an diesem baum vorüberführte,
(1856) 4, 175. — vom bildenden künstler: in sei-
hab ein gespenstisch weib hier sitzen sehn
nem (Mantegnas) triumphzuge Cäsars, wo er
Schiller jungfrau v. Orleans prol. 2.
alles, was ein groszes talent vermochte, in
im bilde: hier führt unser weg noch an einer
höchster fülle vorüber führt Göthe 49, 259 W.;
bedenklichen stelle unseres modernen politi-
der künstler, der im gegebenen raume eine
schen lebens vorüber Lagarde dt. schr. (1886)
reihe gestalten scharfgezeichnet und farbenhell
159.
vorüberführt Scheffel (1907) 1, 99.
d) im verlauf der zeit zur wahrnehmung brin-
f) als subjektiver vorgang: (hoffnung,) die selbst
gen: die einzelnen menschlichen gestalten, die
dem unglücklichsten schmeichelnde bilder der
das leben, die gesellschaft, die geschäfte an uns
zukunft in täuschendem traume vorüberführt
vorüberführen Ad. Müller verm. schr. (1812) 2,
fürst Pückler briefw. u. tageb. (1873) 1, 435;
5;
wenn aber der zug seiner gedanken die erleb-
wo die erschrockne natur mit abgewendetem ant-
litz nisse in dem mietshause ... vor seiner seele vor-
die wonne des frühlings vorübergeführt überführte W. Weigand d. löffelstelze (1819)
Dusch verm. w. (1754) 395; 216.
vorüber führt ein herrliches geschick g) besondere anwendung: der druck der nächsten
erhabne helden, hochverehrte frauen
hefte wird denn auch die laufende zeit nicht
Göthe 4, 9 W. unangenehm und ungenutzt vorüber führen
e) von der darstellung durch das wort, wobei das Göthe IV 37, 196 W.; auch in der folgenden stelle
nacheinander durch das verbum bezeichnet wird: hat vorüberführen diesen sinn: am heutigen
man verzeihe diese flüchtigen, fast frevelhaft morgen wurden in ihm alle die gefühle mächtig
eilenden worte, womit wir einen so verdienten rege, welche jene vergangenheit vorüberführ-
mann vorüberführen Göthe II 7, 184 W.; das ten, wo er mit seinem geliebten, unvergeszli-
sind die bilder, welche die geschichte uns hier
chen freunde Friedrich v. Schiller die schönsten a) die vorstellung des vorbei liegt in -über
tage verlebt I 42, 2, 75. — der bruder wollte (vgl.übergehen), das tritt besonders hervor, wenn
mir nichts entdecken, damit ich mich nicht die beiden bestandteile getrennt werden: ich hab
kränkte, er gedachte es noch vorüberzuführen vor dich ubergegangen Luther 10, 3, 418 W.
Stifter (1904) 4, 1, 124. (vgl. Hes. 16, 6); byn ich offt ... vor deym hause
vorübergaloppieren: junge mädchen ... galop- ubergangen Hutten 2, 186 B.; es kans keyn
pirten fröhlich vorüber Ritter erdkde (1822) 2, weib lassen, wenn sie vor einem spiegel über-
780. — -gaukeln Campe; sich unstät oder spie- gehet, sie msz yhn heszlich ansehen Agricola
lend, tändelnd vorüberbewegen; selten von per- sprichw. (1534) A a 1b; Jehovah ging vor seinem
sonen: bursch und dirne traten paarweise zur antlitz über Herder 12, 36 S.; so oft sie vor mir
tarantella an und gaukelten in zierlichen wen- überging maler Müller (1811) 1, 261; er (Tell)
dungen aneinander vorüber Gaudy (1844) 15, ging vor dem hut über br. Grimm dt. sagen
16. — in allgemeiner und freier anwendung, auch (1891) 2, 125.
von inneren vorgängen. leicht verbinðet sich mit b) die verbindung mit dem bloszen dat. (und
dem wort die vorstellung des flüchtigen oder täu- akk.) ist auszerordentlich häufig (s. oben 2 b und
schenden eindrucks: wie die schatten des ver- 2 c): ich gehe einem grabe vorüber Herder 15,
gangenen lebens seiner erstaunten seele vor- 210 S.; wie könnt er wohl einem sarkophag und
übergaukeln Thümmel reise 6, 75; unendliche einem leichensteine aus Neros zeit vorüber-
zeiten gaukelten mit mannichfaltigen verände- gehn? Thümmel reise 6, 190; wenn er ... der
rungen vor meinen augen (im traume) vorüber quelle vorübergeht Tieck (1828) 6, 217; dem lei-
Novalis 4, 62 Minor; denden
lasz der gegenwart erscheinung [Bd. 26, Sp. 1816]

ruhig dir vorübergaukeln wesen ... vorüberzugehen Immermann 2, 80 B.;


Platen 1, 410 R. ihren (der malerei) rohen anfängen ... haben wir
(in der tanzmusik von Strausz): fröhliches und hier vorüberzugehen R. Wagner schr. u. dicht.
behagliches, zärtliches und sentimentales, der- (1897) 3, 141;
bes und komisches, wehmüthiges und ausgelas- auch ist Gabriel traurig und mit verhülltem
gesichte
senes gaukelt in bunter abwechslung vorüber
mir vorübergegangen
Böhme gesch. d. tanzes (1886) 272. — in beson-
Klopstock Mess. 3, 407;
derer wendung: von dem finsteren ernste des
gehts mädchen mir vorüber,
nachdenkens ... ahnt man nichts mehr, wenn rufts laut in mir, du bist ein mann
der genialische magister (D. Fr. Strausz) an uns Schiller 1, 267 G.;
vorübergaukelt Nietzsche (1895) 1, 248. wo blutig die geschichte
vorübergehen, vgl.fürübergehen teil 4, 1, 1, sp. böser zeiten ihr (einer fichte) vorüber ging

926; transire fürubergehen nomencl. lat. germ. Tiedge (1823) 2, 64;


und wem sie vorüber gingen,
(1634) 137; en passant im vorüber gehen Apinus
dem lachten sinnen und herz
gloss. nov. (1728) 396; für- et vorübergangen,
Eichendorff (1864) 1, 380;
ich gehe fürüber; du gehst allezeit bey mir vor-
ich. könnt dir nimmermehr
über Steinbach 1, 551; vorübergehen Campe. vorübergehn
Storm (1899) 1, 154. Weidner t. nation weish. 3 (1653) 86; wenn du
c) bei der verbindung mit dem akk. tritt besonders wirst vorübergehen, so klopffe hir an A. Gry-
die vorstellung des übersehens, übergehens, nicht phius Horrib. 64 ndr.; die schnell vorübergegan-
beachtens hervor, auch in übertragener bedeu- gene gestalt der amazone Göthe 23, 244 W.;
tung, wo von einer wirklichen bewegung nicht das volk lacht auf, die trommel wird gerührt,
mehr die rede ist: ein gemählde gehe ich viel- sie gehen vorüber Schiller 14, 291 G.; die Wal-
leicht vorüber und sehe es nicht Herder 27, 194 purgis ... grüszte, indem wir vorübergingen
S.; Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 55;
sie gingen die Römerin langsam vorübergehende elegants schielen herauf E. T.
und in gedanken vertieft vorüber
A. Hoffmann 1, 201 Gr.; so suchte ich weg-
Klopstock Mess. 15, 719; zublicken und ging stumm vorüber G. Keller
wie ich ihn (den spiegel) vorübergehe
(1899) 1, 155;
Grillparzer 4, 28 Cotta.
und Atreus sohn ging freudigen herzens vorüber
phraseologie der tugend gehe mein cabinetchen Bürger 216a B. (παρχετο Il. 4, 272);
vorüber Lavater handbibl. (1790) 2, 163; warum dasz kein vorübergehender wandrer (ὁδίτης)
gingen wir die höfe der guten und gerechten heimlich zu rauben käme
fürsten ... vorüber Klinger (1809) 3, 274; warum Voss Od. 13, 123 B.;
gehe ich die frischen, grünenden bäume vor- hast du das mädchen gesehn
über und bleibe stehen vor dem blitzgetroffe- flüchtig vorübergehn?

nen? Grillparzer 15, 18 Cotta; Göthe 3, 149 W.


wollt ich allein (von allen dichtern) dich (mond) e) das part. präs. substantiviert: zweige und äste
stumm vorüber gehn ..., welche die vorübergehenden abbrechen
Bürger 55a Bohtz; Butschky Pathmos (1677) 305; wo kein vorüber-
nachtviole, dich geht man am blendenden tage
gehender spricht: 'segen gottes auf euch' Her-
vorüber
der 12, 220 S.; den vorübergehenden zum ekel
Göthe 1, 346 W.
und abscheu Klinger (1809) 3, 288; dann fech-
übertragen: durft ich ... einen so erprobten
ten sie aus dem hinterhalt, werfen speere auf
freund vorübergehen? Klinger (1809) 1, 426;
die vorübergehenden Ritter erdkde (1822) 5,
beinahe möchte ich mich meiner dienstfertig-
374; (harrt ängstlich,) ob von den tausend vor-
keit schämen, wenn Genuas edelste zierden sie
übergehenden einer seinen blick darauf werfe
vorübergehen Schiller Fiesko 2, 17;
G. Keller (1889) 3, 38.
laszt uns ihn nicht vorübergehn (let us not leave
f) mit näherer, durch eine präpos. angeknüpf-
him out)Shakespeare Julius Caesar 2, 1;
ter bestimmung, besonders häufig wird an
(ein anderer) füge die hier vorübergegangenen
gebraucht: an dem wächter vorübergehend
stücke bey Herder 20, 351 S.
Stainhöwel de claris mulieribus 108 Dr.;
d) im eigentlichen örtlichen sinne, schrittweise
[Bd. 26, Sp. 1817]
sich an etwas vorbeibewegen, daher zunächst von so gingen wir an tulpenbeeten vorüber Göthe
menschen, seltener von tieren; alleinstehend: 25, 46 W.; ein bauer, der am schloszhofe vor-
(Karl V.) verschlosz die fenster, wo er schöne überging Immermann 2, 57 B.; um auf der
weibspersohnen sah vorübergehen Zinkgref-
strasze an mir vorüberzugehen und stumm zu Fontane I 4, 237. — Göthe braucht es von rei-
grüszen M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 108; senden, die aufenthalt nehmen, im gegensatze zu
und geht in entferneten altern einheimischen: dasz demoiselle Sontag nun auch
ein wandrer am steine vorüber
klang- und tonspendend bey uns vorüber
Denis lieder Sineds d. barden (1772) 170; gegangen IV 41, 144 W.; vorübergehenden
wenn du willst vorübergehn
freunden und bleibenden einheimischen 42, 73;
an einem rosenstocke
vgl. I 24, 125.
Rückert (1867) 3, 51.
i) übertragen auf die strasze: aus manchen der
das ich in mir selbst von hertzen lache, wo ich
vorübergehenden hauptstrasze allzu fernen
dergleichen einen sehe bey mir vorüber gehen
orten Göthe 24, 330 W.; auf der strasze, die
Moscherosch gesichte (1650) 2, 146; welche fast
nahe an dem hause vorübergeht Stifter (1904)
alle stunden ... bey dem hause vorüber giengen
5, 1, 20; von der vorübergehenden strasze her
Riemer d. polit. maulaffe (1675) 27. — sie lächelt
Fontane I 5, 117;
freundlich, wenn ich zögernd neben ihr vor-
eben ging
übergehe S. Geszner (1778) 2, 9. — wie Simeon
die strasze eines heiligen grab vorüber
der stylite, der sich auf seine saule sezt und die Herder 18, 258 S.
narren unter sich vorübergehen läszt Schubart gewagter: (berge,) neben welchen die chinesi-
br. 1, 83 Strausz. — die gieng vor eines beckers schen poststationen vorübergehen Ritter
hausz vorüber Ruoff hebammenb. (1580) 243; erdkde (1822) 2, 355.
als die beiden ... dicht vor dem fürsten vorüber- k) das verbum wird dann prägnant in dem sinne
gingen E. T. A. Hoffmann 16, 41 Gr. gebraucht, dasz das vorübergehen zugleich ein
g) von gott: nichtbeachten ist, oder dasz der vorübergehende
ging nicht des herrschers herrlichkeit sichtbar vor
keinen eindruck empfängt u. ä. zunächst kann
uns vorüber?
laszt uns anbetend ihr von ferne nachsehn! die eigentliche vorstellung der örtlichen bewe-
Klopstock oden 1, 147 M.-P. gung vorliegen oder deutlich vorschweben, dann
von tieren: so mag der wurm den vorübergehen- aber wird das verb. in diesem sinne ganz frei
den elephanten dann auch ausmessen Klinger gebraucht: (froschgequak) man musz hören und
(1809) 3, 49; während das tier, mit vollem vorüber gehen Lehman floril. polit. (1662) 2, 724;
geweih, ruhig an ihm vorüberging fürst Pück- gehn bey ihm vorüber, wie der priester und
ler briefw. u. tageb. (1873) 1, 138. levite bey dem halbermordeten im evangelio
h) freiere anwendung auf andere art von bewe- Miller pred. fürs landvolk (1776) 2, 70; ich hatte
gung, oder unbestimmt: lust verschiedenes zu kaufen ... allein ich erin-
säume nicht, nerte mich an deine reisetugenden, und so ging
und lasz uns insgesamt, die wir dein glücke lieben, ich vorüber Göthe IV 33, 13 W.; sie dankten
durch kein vorübergehn auf schneller post betrü-
gott, dasz die fränkischen kriegsleute an ihrem
ben
sumpf vorübergingen W. Alexis d. hosen d.
Günther ged. (1735) 758.
herrn v. Bredow (1846) 1, 100;
unpersönlich: in immer rascherem fluge ging es
vorübergehen und nicht ansprechen,
an ... Magdeburg und seinem dome vorüber möchte manchem dasz hertz brechen
Lehman floril. polit. (1662) 3, 99; (deutlicher: nur im vorübergehen); dann wird im
unser vater gebot vorübergehen wie en passant übertragen
seinem verderber
gebraucht, wo an eine bewegung im raume nicht
vor unsrer hütte vorüberzugehn
mehr gedacht wird; immer im eigentlichen sinne,
Klopstock oden 1, 137 M.-P.;
wenn eine nähere örtliche bestimmung mit prä-
meine Minna geht vorüber?
meine Minna kennt mich nicht? pos. hinzutritt: im vorübergehn am kirchhofe
Schiller 1, 307 G. Fouqué gefühle, bilder (1819) 1, 30; im vorüber-
[Bd. 26, Sp. 1818] gehen an der gaststube Fontane I 5, 216. —
in freier, bildlicher und verblaszter anwendung: mir der alte im vorüber gehen in ein ohr sagte
(dinge,) von denen ein deutscher mentor zu sei- Moscherosch gesichte (1650) 1, 126; dasz den
nem züglinge sagen würde: wir gehn vorüber heiligen gott man nimmer könne sehn als von
Herder 3, 453 S.; was die orgel betrifft, so geht rückwarts, und doch nur im vorübergehn
der genius welscher tonkunst schweigend an Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 750; nur im vor-
ihr vorüber Schubart ästhetik d. tonkunst übergehen läszt er einen matten, sterbenden
(1806) 59; mit stillschweigen kann ich nicht vor- blick auf den marquis fallen Schiller 5, 1, 374
übergehen das blatt vom Samaritaner Göthe G.; jahrmärkte, wo man neue waaren im vor-
49, 1, 304 W.; alle (gelehrten) sind an einem übergehen beurtheilt Wackenroder herzenserg.
codex vorübergegangen, der ... J. Grimm kl. schr. (1797) 158; berichtete von den städten, wo er
2, 2; frau v. Sevigné geht nie mit der feder an sich aufgehalten, so wie von jenen, die er nur
seinem namen vorüber, ohne ein freundlich bei- im vorübergehen gesehen Holtei erz. (1861) 18,
wort Laube (1875) 5, 210; er konnte an unab- 42; rasch und gleichsam im vorübergehen auf-
weislichen thatsachen der wirklichkeit ... vor- schauend Laube (1875) 1, 331;
übergehen Treitschke hist. u. polit. aufsätze du drückst mir im vorübergehn die hände
(1886) 1, 20; Schiller 5, 1, 59 G.;
soll man den leuten zu willen wo ich seh blumen stehn,
der warheit mit stillen darf pflücken im vorübergehn
vor uber gehen Rückert (1867) 2, 558.
Voigtländer oden u. lieder (1642) 98; freier:
dasz ein mann nicht wie das leichte volk rosenwangichter mäd-
an ihrer eignen schwer erkämpften tugend chen ist,
vorüberging die gedankenlos blühn, nur in vorübergehn
Schiller 5, 1, 161 G. von der natur, und in scherz gemacht
kühnere wendung: sein auge ging an den grösz- Klopstock oden 1, 49 M.-P.
ten schönheiten, die ihn umringten, vorüber verblaszt: was ich hierbey nur im vorübergehen
Stifter (1904) 4, 233. erinnere Schwabe belust. (1741) 2, 399; doch
l) der infinitiv substantiviert; auszerordentlich diese beschreibung im vorübergehen Möser
häufig ist die verbindung im vorübergehen, die (1842) 1, 155; es ist der mühe werth, im vor-
zunächst im eigentlichen örtlichen sinne (vgl. übergehen einen blick auf die jetzige verfassung
oben d ff.) gebraucht wird, aber auch mit der des chinesischen handels zu werfen G. Forster
sinnesfärbung, dasz man sich gar nicht aufhält (1843) 4, 87; Christi erdenwandel wird nur im
vorübergehen berührt Göthe 41, 1, 175 W.; vgl. uns wie ungewürzte kost, wie ein gericht nusz-
7, 212; 28, 49; 49, 27. — part. präs. in gleichem schalen vorüber Herder 22, 96 S. — der kelch
sinne: (wir schalten einige der) äuszerungen hier geht vorüber, den kelch vorübergehen lassen
vorübergehend ein Göthe 25, 269 W. — beim mit beziehung auf Matth. 26, 42, dann formel-
vorübergehen immer im eigentlichen sinne: haft: wem aber der kelch bisher vorübergegan-
(der hirte) läuft zu, um beym vorübergehn gen, der wird sich doch eben nicht denken kön-
an deinem ansehn sich zu weiden
nen, was ich gelitten Gaudy (1844) 4, 146.
Stoppe Parnasz (1735) 3; mein vater! wenn es möglich ist!
sie glaubet beym vorübergehen lasz diesen kelch vorüber gehn
stets ein gespenst darinn zu sehen
Pietsch geb. schr. (1740) 340;
Pfeffel poet. versuche (1812) 1, 16. doch heut ist noch nicht die gelegenheit,
m) bezogen auf die bewegung von leblosem: heut laszt ihr noch den kelch vorübergehn
der, wie das schiff vorübergeht, H. v. Kleist 1, 330 E. Schm.
es wohl zu fahren heiszt
von geschossen:
Göthe 1, 95 W.; dasz alles tödtliche geschosz
aus der natur: der vorübergegangene sturm den weg vorübergeht
Heinse 3, 125 Sch.; dasz die flecken nicht von Klopstock oden 1, 78 M.-P.;
der sonne getrennt sind, nicht gleich planeten und die kugeln sind leise singend vorübergegan-
gen
vor ihr vorübergehen F. Th. v. Schubert verm.
B. v. Münchhausen ball. u. ritterl. lieder
schr. (1823) 3, 65; drauszen aber ging
[Bd. 26, Sp. 1819] 178.
der herrlichste sommermorgen funkelnd an scheinbare bewegung: wir packten auf, wälder,
allen fenstern des palastes vorüber berge gingen an uns vorüber Stifter (1904) 2,
Eichendorff (1864) 3, 159; 139. — in besonderer wendung: wollen sie das
nur ein nächtlicher westwind manuscript vor meinen augen vorübergehen
ging von den wipflichten haynen bei ihm still-
lassen (es mich durchsehen lassen) Göthe IV 29,
rauschend vorüber
14 W.
Wieland 1, 152 akad.-ausg.;
n) bei der allgemeinen übertragenen anwendung
allein sein blödes auge liesz, ohne sie zu sehn,
die wandelnden gestirne der nacht vorüber gehn treten wiederum zwei seiten der bedeutung her-
Dusch verm. w. (1754) 12; vor, indem entweder der ursprüngliche sinn
und wo sie (die sonne) nur vorübergeht, zugrunde liegt, oder indem das nicht verharren,
da huldigt strauch und pflanze das vermeiden betont wird (s. oben k); allerdings
Blumauer ged. (1782) 64; lassen sich beide bedeutungen nicht immer schei-
wenn der ost vorübergeht,
den; besonders häufig vorübergehen lassen: wel-
bleibt er schwebend hangen
chen spott er doch, als verstände ers nicht, vor-
Rückert (1867) 1, 449;
übergehen liesz Buchholtz Herkuliskus (1665)
speisen, getränke gehen vorüber, sie vorüberge-
13; ach herr, gib selber das gedeyen (zur
hen lassen: nachdem eine tasse tee glücklich
andacht), damit kein wort vorüber geht
an ihm vorübergegangen war Fontane I 1, 120;
Schmolcke trost- u. geistr. schr. (1740) 2, 45; so
im bilde: sonst geht alles, was sie uns auftragen,
manches auch diese zeit her an mir vorüber-
gangen und in mir vorgegangen ist Göthe IV vorüber, ohne auf ihn eindruck zu machen
10, 306 W.; überhaupt musz ich ... alles polemi- Ranke (1867) 3, 62; (die niederlagen) waren an
sche an mir vorübergehen lassen IV 41, 30; alle den Italikern ohne nachhaltigen eindruck vor-
krankheiten waren an ihm vorübergegangen J. übergegangen Mommsen röm. gesch. (1854) 2,
Grimm kl. schr. 1, 165; Goethe hat auch nur 177.
seinem wohlbehagen all die philosopheme q) rein innerer vorgang: alle möglichkeiten gin-
angepaszt, die an ihm vorübergegangen sind gen vor mir vorüber Leisewitz Julius v. Tarent
Laube (1875) 8, 48; 7 dt. lit.-dkm.; einiges (mag) dunkel und trübe,
ich warte meines glücks in still, ein anderes klar und deutlich ihm vor der seele
gehts bey mir vorüber,
vorübergegangen sein Göthe 25, 210 W.; an
dennoch ich viel lieber
Lewins seele waren inzwischen unruhige
die gute dürne bleiben will
träume vorübergegangen Fontane I 1, 22;
Voigtländer oden u. lieder (1642) 101;
mein ganzes leben ging, vergangenes
des ruhmes windige freuden begehre nicht,
und künftiges, in diesem augenblick
wie winde gehn sie vorüber
an meinem inneren gesicht vorüber
Herder 27, 176 S.;
Schiller Wallensteins tod 2, 3.
warum musz denn meinen augen
stets der schlaf vorübergehn? r) von der zeit und ihren abschnitten, auszeror-
Hoffmann v. Fallersleben (1890) 1, 218. dentlich häufig: vorübergehen der zeit Göthe
besondere wendung: mit einem kalten, matten 48, 229 W. — die zeiten der priesterherrschaft
lobe geht das vortrefliche ... werk (bei Klotz) gingen mit der wachsenden cultur vorüber Her-
vorüber Herder 3, 452 S. der 13, 390 S.; als seine glanzzeit vorüberge-
o) gelegenheit geht vorüber, die gelegenheit gangen G. Keller (1889) 4, 13;
ganze lange jahrhunderte sind vorübergegangen
vorübergehen lassen: hier liesz sich die herrin
Klopstock oden 2, 91 M.-P.;
keine gelegenheit vorübergehen, muth und
dieses jahr ist mir wie ein traum vorüberge-
praktische umsicht zu zeigen Gutzkow (1872)
3, 51; (gelegenheiten,) deren manche früher gangen Göthe IV 8, 284 W.;
es giengen vorüber achthalbent jahr Endinger
schon ungenützt vorübergegangen waren Stif-
judenspiel 102 ndr.;
ter (1904) 3, 232.
der winter geht mir ganz thätig vorüber Göthe
p) etwas geht glücklich, ohne schaden, spurlos,
IV 36, 235 W.; es sind ungefähr vier wochen
ohne wirkung u. ä. vorüber, natürlich auch in
vorübergegangen O. Ludwig (1891) 2, 41. —
zeitlichem sinne, die räumliche vorstellung wird
mancher tag vorüber gehet, das sie sein nit mit
dabei angedeutet durch einen zusatz mit an:
ainem a b c ... gedencken Nas antipap. eins u.
explosion, die so glücklich an ihm vorüberge-
hundert (1567) 1, 95a; Jean Pauls hundertjähriger
gangen
[Bd. 26, Sp. 1820] geburtstag ist ohne sang und klang in Deutsch-
Göthe IV 27, 300 W.; mit der hoffnung, dasz die land vorübergegangen Hebbel w. 12, 353 W. —
reden des oheims ohne gefährliche wirkung an die nacht ging allen schlaflos und sorgenvoll
ihm vorübergegangen wären Klinger (1809) 8, vorüber Göthe 23, 298 W.;
59; so ging die auffassung Luthers an Zwingli die nacht vorüber und im osten
hellstrahlend auf die sonne geht wenige tage, so stirbt die rose. vorübergegangen
Lenau 472 Barthel. ist sie

die poststunde ist ... schon vorübergegangen Herder 26, 11 S.


Bismarck br. an s. braut u. gattin 36. — kein das entschwinden aus der gegenwart beruhigend,
augenblick geht leer vorüber Caroline 1, 92 tröstend: (nichts) als ein kleiner schwindel, wel-
Waitz; ein moment, der sehr rasch vorüberging cher vorübergehen wird Lessing 2, 312 M.; diese
Ranke (1867) 1, 118. — dabei kann doch durch kleinen narrheiten gehn
[Bd. 26, Sp. 1821]
einen zusatz mit an die eigentliche räumliche
bey den mägdchens bald wieder vorüber samm-
vorstellung angedeutet werden; man beachte die
lung v. schauspielen (1764) 1, 43; (ich) beschäff-
verse Flemings: unwillen, dasz ein so himmli-
tige mich und so gehts vorüber Göthe III 1,
scher augenblick an stumpfen seelen vorüber-
226 W.; was fehlt ihnen ...? fragte sie leise. es
gehe Immermann 3, 42 B.;
wird vorüber gehen, erwiederte Anton Freytag
was tun doch wir, dasz wir die süszen jahre,
der jugend lenz, so lassen fusz für fusz (1886) 4, 98; trösten sie sich — wird auch vor-
vorüber gehn übergehn Bauernfeld (1871) 1, 15;
Fleming dt. ged. 1, 91 L.; verblendet ist das volk, ein wahn betäubt es,
da weinte Christus mit gebrochnem munde: doch dieser taumel wird vorübergehn
herr, ist es möglich, so lasz diese stunde Schiller jungfrau v. Orleans 1, 5.
an mir vorübergehn t) besonders wird das part. präs. in dieser eben
A. v. Droste-Hülshoff 3 (1879) 211. dargelegten prägnanten bedeutung gebraucht
s) allgemein vom verlauf in der zeit; der sinn und dem haftenden, dauernden gegenübergestellt.
kann dabei ganz neutral sein, sehr oft aber liegt α) auf sinnliches bezogen: ein vorübergehender
der ton darauf, dasz etwas aus der gegenwart platzregen Lessing 16, 430 Petersen; der mensch
entschwindet, womit je nach dem zusammen- als ein sinnliches, vorübergehendes, unvoll-
hange verschiedene vorstellungen sich verbinden; kommenes geschöpf Herder 5, 298 S.; durch
es kann das vergängliche betont werden, es kann einen vorübergehenden sonnenblick erheitert
das entschwinden aus der gegenwart aber auch G. Forster (1843) 1, 425; ich will Rom sehen,
beruhigend, tröstlich sein: der sogenannte min- das bestehnde, nicht das mit jedem jahrzehend
negesang war hofgeschmack; er ging vorüber vorübergehende Göthe IV 8, 109 W.; Napoleon
Herder 17, 292 S.; wenn er (der paroxismus) war eine vorübergehende erscheinung, Frank-
nur nicht so schnell vorübergeht maler Mül- reich blieb Moltke ges. schr. u. denkw. (1892)
ler (1811) 2, 27; ein solches fest gehe selten 2, 220. — im bilde: nur eine vorübergehende
vorüber, ohne dasz ... Göthe 25, 57 W.; wolke, die sich auf die stirn der beiden damen
also geht des opfers feier
gelagert hatte Gutzkow ritter v. geiste (1850) 1,
ihr vorüber ohn gebet
43.
Brentano (1852) 3, 368.
β) unendlich oft aber von unsinnlichem: diese
kannst du sagen: das ist! da alles vorübergeht?
vorübergehenden launen Lavater physiogn.
Göthe 19, 75 W.; den gewaltigen wechsel des
fragm. (1775) 1, 262; toleranz sollte eigentlich
lebens und sein unaufhaltsames vorübergehen
nur eine vorübergehende gesinnung sein: sie
G. Keller (1889) 2, 72;
musz zur anerkennung führen Göthe 42, 2, 221 gehend angeflogen Eichendorff (1864) 3, 126;
W.; vorübergehende unfälle abgerechnet Hal- (hatten) sich vorübergehend in Bethlehem auf-
ler restaur. d. staatswiss. (1816) 1, 243; eine vor- gehalten D. Fr. Strausz (1876) 4, 19; sehr vor-
übergehende mode Immermann 2, 123 B.; wegen übergehend, nur andeutend reden (hören) O.
vorübergehender geldverlegenheiten Dahl- Ludwig (1891) 5, 347; was selten und vorüber-
mann gesch. d. franz. revol. (1845) 99; von vor- gehend der fall war Bismarck ged. u. erinn. 2,
übergehender bedeutung Mommsen röm. gesch. 58 volksausg.; vorübergehend anwesend,
(1854) 2, 366; ob er ihm eine dauernde oder geschlossen u. ä.
nur eine vorübergehende beziehung zur schö- u) das part. prät. wird natürlich in der allge-
nen frau zuschreiben sollte Fontane I 6, 17; meinen zeitlichen anwendung gebraucht: dieses
ach hier ist kein gewöhnlich miszverständnisz, unglückliche schnell vorübergegangene
keine
abenteuer Göthe 23, 67 W.; spuren der vor-
vorübergehende empfindlichkeit
übergegangenen liebe Novalis 4, 176 Minor; die
Schiller Piccolomini 2, 2.
derzeit unbeachtet vorübergegangene unterhal-
gesteigert: nicht den vorübergehendsten ein-
tung Storm (1899) 6, 57. — diese epoche histo-
druck machte er ... auf die junge dame Raabe
risch, als schon vorübergegangen zu betrachten
d. leute aus d. walde 1, 76.
Göthe IV 21, 395 W. — das n.: abends briefe
γ) ebenso prädikativ: ihre traurigkeit ist vor-
geschrieben. wiederholung des vorübergegan-
übergehend Thümmel reise (1791) 8, 211; (da)
genen III 6, 238; das in der zeit vorübergegan-
diese (die materielle welt) aber vorübergehend
gene
und flüchtig ist Schiller 1, 84 G.; (weil) der [Bd. 26, Sp. 1822]
genusz nur vorübergehend ist Göthe 22, 192 H. Meyer gesch. d. bild. künste (1824) 3, 317.
W. — von verstorbenen: die ähnlichkeit mancher
δ) das n. des part.: soll die kunst nichts vorüber- längst vorübergegangenen mit lebendigen ...
gehendes zu ihrem anblicke wählen, so verliert menschen Göthe 24, 116 W.; aus den aufge-
sie ihr leben Herder 3, 4 S.; sich mit vorüber- lösten gebeinen der vorübergegangenen
gehendem (beschäftigen) Göthe 25, 200 W.; das geschlechter G. Keller (1889) 1, 11. — beach-
wichtige vom unwichtigen zu unterscheiden, tenswert ist beziehung auf bestimmte personen
das dauernde vom vorübergehenden Laube bei Göthe: die leider schon vorübergegangene
(1875) 3, 136. mutter 33, 199 W.; wir machen vorläufig auf-
ε) sehr häufig als adv., ganz verblaszt: kaum vor- merksam auf einen schon vorübergegangenen
übergehend legt er (Homer) sie (mythologie) sei- mann dieser art 42, 1, 97; wenn der vorüber-
nen göttern oder helden in den mund Herder gegangene (Byron) sich selbst schon ein herr-
18, 431 S.; obgleich solche betrachtungen mich liches geistiges monument gestiftet IV 41, 5.
vorübergehend ergötzten Steffens was ich v) ganz vereinzelt in dem verblaszten sinne von
erlebte (1840) 1, 258; wirkungen, bald vorüber- 'geschehen, vorgehen': was mit der gräffin vor-
gehend, bald bleibend hervorgerufen A. v. Hum- übergegangen, weisz ich nicht zu berichten
boldt Kosmos (1845) 1, 52; es wurde ihm nur Rebhu weltkucker 2, 73.
immer deutlicher, was ihn vorher nur vorüber- vorübergeleiten, verb. Campe: den köstlichen
talisman, der mich mit heiler haut und ganzer als das bild vorüberglitt
an der mauer grauen gründen
wolle an galgen und rad vorübergeleitet Schil-
A. v. Droste-Hülshoff 3 (1879) 204;
ler 1, 200 G.; eigentümlich mit weg als objekt:
schatten vorübergleiten
darum hast du meinen weg bei seiner verfal-
und fassen mein gewand
lenen behausung vorüber geleitet Holtei erz. Arent, Conradi, Henckell mod. dichter-
schr. (1861) 18, 184. — -gischen, verb. , schäu- charakt. (1885) 71.
mend vorüberflieszen: wie sie so sasz und der scheinbare bewegung: (er) liesz wieder die
bach an ihr vorübergischte Anzengruber (1890) dunklen stämme der tannen an sich vorüber-
1, 216. — -gleiten, verb. Campe; im gegensatze zu gleiten Spielhagen (1877) 1, 1; langsam glitten
schreitender bewegung, z. b. von schiffen, flöszen die uferländer vorüber und zögernder noch die
und den darauf fahrenden: rückte mit einem zug bewaldeten hügelzüge Kolbenheyer Paracelsus
den flosz links oder rechts, so dasz er ohne (1926) 3, 191. — dann in freier und übertragener
gefahr vorüberglitt Hauff (1890) 4, 229; unzäh- anwendung, auch von inneren vorgängen: die
lige gondeln glitten aneinander vorüber späsze der jungen leute liesz der Patriotencas-
Eichendorff (1864) 2, 313; so glitt denn auch par ruhig und ohne erwiderung an sich vor-
eine ganze flotille von spreekähnen an ihnen übergleiten Immermann 4, 14 B.; so ... glitt das
vorüber Fontane I 5, 203. — vom auf dem was- gespräch belebt und anregend vorüber Gutz-
ser fahrenden: (hügelzug,) an dem er schon kow (1872) 3, 101; es liegt die gefahr nahe, dasz
abends in der dämmerung ... vorüberglitt Rit- diese kurzen perioden an dem modernen ohr
ter erdkde (1822) 11, 671. — vom wasser: vorübergleiten W. H. Riehl musikal. charakter-
siehe die wellen vorübergleiten
köpfe (1899) 2, 81;
Rückert (1867) 5, 309.
allein vergebens musz an Walthers sinn
im bilde: das wohlbedachte wort vorübergleiten
da sieht der blick den strom (der zeit) vorüber glei-
A. v. Droste-Hülshoff 2 (1878) 255.
ten,
vom blick:
sieht, wie das küstenland verhüllter ewigkeiten
kalt wird sonst
am fernen horizonte sich erhebt
sein fürstenblick
Tiedge (1823) 1, 102.
über dich vorübergleiten
mit entsprechendem sinne in allgemeiner anwen- Göthe 2, 69 W.
dung: wie einen vorübergleitenden strahl Her- von der zeit, begebenheiten in der zeit, innern
der 18, 455 S.; (pfeile des todes,) welche gleich- vorgängen: er liesz ... die begebenheiten ...
sam mit unsicherer hand abgeschossen nur als lächelnd an sich vorübergleiten
warnungszeichen vor uns vorübergleiten [Bd. 26, Sp. 1823]

Schleiermacher (1834) II 4, 166; wo der fahle E. M. Arndt (1892) 1, 77; der kalte fröstling, den
schimmer vorübergleitet O. Ludwig (1891) 2, nichts erwärmt, an dessen seele wird auch das
101; die (sonnen-)finsternis glitt vorüber Watz- weib unbemerkt vorübergleiten Görres ges. br.
lik d. pfarrer v. Dornloh (1930) 280; (1858) 1, 57; dasz ihm die sekunden ... schnell
unter welchen seeligkeiten und lieblich vorüberglitten Raabe Abu Telfan
sah ich dich (den mond) vorübergleiten
(1870) 2, 129;
Miller ged. (1783) 272;
laszt flüchtige bilder vergangener zeiten bin ich denn todt, dasz unbegrüszt die horen
an eurem blick vorübergleiten im tanz an mir vorüber glühn?
Gaudy (1844) 4, 26; Seume ged. (1804) 188.
nicht halten kann er das, und dieses fest nicht — -greifen, mit dem griff verfehlen; in der fol-
fassen,
genden stelle absichtlich und übertragen, nicht
vorübergleiten musz er eins ums andre lassen
berühren, von etwas nicht sprechen: dar ick vor-
Rückert (1867) 8, 90.
overgripen wille, unde vorswigen is dat best dt.
part. präs.: eine politische that in Paris, wie
städtechron. 16, 311 (Braunschweig). — -grinsen,
leicht, ... wie vorübergleitend entsteht sie Laube
gewagte verbindung, grinsend vorübergehen Ben-
(1875) 4, 181. — auch von menschen, unmerk-
zel-Sternau bei Campe. — -haben, nicht mehr
lichen, leisen gang bezeichnend; oder auch von
haben, an etwas schon vorübergekommen sein,
schattenhaft vorübergehenden gestalten: sagte
zeitlich: (eine tochter,) die noch nicht ihr trau-
jemand im raschen vorübergleiten Fouqué alt-
erjahr um ihre mutter vorüber hatte Gutzkow
sächs. bilders. (1818) 2, 607; das hingeworfene
d. zauberer v. Rom (1858) 6, 66;
wort des vorübergleitenden Immermann 18, 88
hat einer dreiszig jahr vorüber,
B.; (die) vorhänge schatteten wieder vorüber- so ist er schon so gut wie tot
gleitende figuren ab Holtei erz. schr. (1861) 8, Göthe Faust 6787.
105; der prinz, der noch eben an meiner nach- nachdrücklicher: sie hat es vorüber (hat den
barin vorübergeglitten war L. v. François d. todeskampf überstanden), murmelte der alte
letzte Reckenburgerin (1871) 1, 233; Watzlik d. pfarrer v. Dornloh (1930) 241. —
mir wars, als hätt ich die geliebten schwestern,
-hallen, von bald schwindendem laut: und auf
Margot und Louison, gleich einem traum
diese weise erhält sich ihr (der sprache) flüch-
an mir vorüber gleiten sehen
tiges vorüberhallen nur in werken, welche das
Schiller d. jungfrau v. Orleans 4, 9;
der jüngling sieht ein lockend weib gedächtnis oder die schrift aufbewahrt W. v.
an ihm vorübergleiten Humboldt 5, 14 akad.-ausg.; jedes wort, das
Lenau 109 Barthel. auch nur von ungefähr vorüberhalle, zu hören
charakteristisch dagegen vom schlittschuhläufer: W. v. Scholz erz. (1924) 234. — -hasten, eilig
wenn ich vorüberglitt an hellbeblütheten ulmen; vorübergehen, vorbeiziehen: (wenn man) von ihr
(schnee war die blume;)
(der gegenwart) nicht fortgerissen wird, so has-
Klopstock oden 2, 138 M.-P.; tet alles in unruhe, in begehren und in leiden-
Grillparzer bildet ein schwaches prät.: (gestal- schaft vorüber Stifter (1904) 4, 1, 107. — -hel-
ten der bühne) gleiteten an meinem trunkenen fen, jemanden behülflich sein, an etwas vorüber-
auge vorüber jahrb. d. Grillparzerges. 3, 128. — zukommen Campe. — -hetzen, zu eiligem vor-
mit dem akk. verbunden (vgl. 2 b): überlaufen treiben Campe; frei: eine vorüberge-
wenn der fluch der unschuld und die bitte
hetzte jagd von lebensscenen (in einem drama)
der jammernden natur ihr ohr vorüberglitte
Hebbel w. 10, 359 W.;
Gotter (1787) 2, 13.
aber der kalte,
niedriger als vorübergleiten ist
finstere treiber
vorüberglitschen, das Campe verzeichnet. — kennt nicht erbarmen,
-glühen, gewagte verbindung: hetzt ihn vorüber,
den weinenden (1904) 5, 1, 342; an ihren (der felsen) bleichglän-
O. Ludwig (1891) 1, 14. zenden flächen huschen die schatten gespenstig
[Bd. 26, Sp. 1824]
vorüber H. v. Barth Kalkalpen (1874) 457;
— -hinken Campe; von der zeit, spöttisch:
ha, das geisterschiff! vorüber
mag wohl auf euren bänken
huscht es wie ein dunstger streifen
euch träg genug beim lombrespiel
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 184.
und dudeldum und federkiel
die zeit vorüber hinken von menschen: sah er eine weibliche gestalt
Schiller 1, 255 G. einem im zweiten stock befindlichen fenster
— -holen, an etwas vorbeischaffen Campe. — - vorüberhuschen Hebbel w. 8, 29 W.; erklärte er
hopsen Campe, s.hopsen teil 4, 2, sp. 1800: weil uns stets im vorüberhuschen den grund seines
gerade Zapfenwirths Davidl vorüber hopste wohlbehagens Laube (1875) 1, 401. — frei: (doch
Rosegger I 11, 3. — -hören, gelegenheitsbildung: sieht man) manches lebendige athmen in der
(der) stumm und mit bewuszter teilnahmslosig- nacht an uns vorüberhuschen Gutzkow (1872)
keit an der geläufigen rede des humanisten vor- 7, 347. — -hutschen Campe, s.hutschen teil 4,
überhörte (nichts davon aufnahm) Kolbenheyer 2, sp. 1993.
Paracelsus (1922) 2, 51. — -humpeln Campe, von vorüberjagen Campe.
lahmen: eine alte frau ..., die in der nähe vor- a) transitiv: eine ausgebreitete bekanntschafft
über humpelte G. Hauptmann Emanuel Quint ... jagt mir einen tag nach dem andern vorüber
257. — -hüpfen Campe: Göthe IV 1, 250 W.; wenn der seltene zufall mir
wenn ein knapp vorüber hüpft, schneller die bilder vor den augen vorüberjagte
so malt sich an die wand der lange schatten Brentano Godwi (1801) 1, 89; leider haben
A. v. Droste-Hülshoff 2 (1878) 247. stürme das schiff hier vorübergejagt Ritter
von tieren: das scherzen der vorüberhüpfenden erdkde (1822) 4, 778. — das orchesterspiel über-
rudel, der brausende auerhahn Gerstenberg hetzen: (dirigenten, die) eine fatale vorliebe für
Ugolino 231 dt. nat.-bibl. — von den wellen: die das herunter- und vorüberjagen haben R. Wag-
wellen hüpften so lustig an ihm vorüber Mesz- ner ges. schr. u. dicht. (1897) 8, 276. — refl.:
ner ausgew. w. 7, 236 in: bibl. dt. schriftst. aus dasz gestalten auf gestalten
Böhmen. — von der zeit: die zeit hüpft ganz leise leuchtend sich vorüberjagten

vorüber Bonstetten br. an Matthisson (1827) G. Keller (1889) 10, 204.


6. — mit dem dat. verbunden, s. oben 2 a: b) intransitiv; von lebenden wesen: wie die (tan-
wenn auf des Helikons höhen zenden) mädchen vorüberjagten mit dem wil-
Aganippen ich nicht vorüberhüpfe allg. dt. bibl., den wangenfeuer Stifter (1904) 1, 84; der Ber-
anh. zu bd. 25-36, 3359. ber, wenn er auf seinem schnellen rosse vor-
— -huschen Campe, unmerklich, geräuschlos sich überjagte 3, 8;
schnell vorüberbewegen: die vorüberhuschende wüstentiere jagen aufgeschreckt vorüber

weisze schlange Grabbe 4, 208 Bl.; stille huschte Freiligrath ges. dicht. (1870) 1, 153.
der kauz an meinem gesichte vorüber G. Keller von leblosem: vor vier jahren war der kaiser-
(1889) 3, 129. — schatten: als husche der schatten liche extrazug ... vorübergejagt G. Hauptmann
des braunen mädchens an ihm vorüber Stifter bahnwärter Thiel (1892) 9;
ein wandersmann sah ihn (den postzug) vorüber am bergesfusz,
jagen wo bang vorüberklagt des baches welle
Pfeffel poet. versuche (1812) 10, 184; Lenau 104 Barthel.
noch heute, diesen morgen, sah ich hier — -kleppern: was das für ein vermummtes
ein schiff, von geistern voll, vorüberjagen
gespenst gewesen sein mag, das mir (s. oben 2
Gries Bojardos verl. Roland (1835) 4, 362; a) die nacht vorüberklepperte Cremeri alles in
der mond zwischen vorüberjagendem gewölk schuh u. strümpfen (1783) 70; vgl.kläppern vom
Eichendorff (1864) 3, 453. — innerer vorgang: trabenden pferde teil 5, sp. 975. — -klettern: das
(bilder,) die in furchtbare aufsteigen und vorüberklettern an
[Bd. 26, Sp. 1825]
abgründen voll todesschauern Ritter erdkde
stürmender eile an seiner seele vorüberjagten
(1822) 3, 506. — -klingeln, übertragen: wie alle
Immermann 5, 158 B.
lust und herrlichkeit der welt so rasch vorüber-
c) mit dem akk. dessen, an dem etwas vorüberjagt
klingelt Böhme gesch. d. tanzes (1886) 315. — -
(vgl. 2 b): die gewaltige strömung, die aus dem
klingen:
indischen ocean die küste Natal vorüberjagt
doch das lied, es hat ja schwingen,
Ritter erdkde (1822) 1, 120. — -jubeln Campe:
pilgert über land und meer,
wenn die feldmusik des feindes vorüberjubelt wird auch dir vorüberklingen
Jean Paul 45/47, 109 H.; während seine küh- Fr. Bach ged. (1900) 71 bibl. dt. schriftst.
nen waidmannsklänge an uns vorüberjubeln aus Böhmen.
Fouqué reiseerinn. (1823) 2, 112. — -kehren: — -knixen, im vorübergehen das knie beugen:
praetereo ... ich gehe oder ker fürüber, weitter (dasz) die vorüberknixenden ... für solcher bie-
Er. Alberus (1540) x 2 a; fürüberkehren fehlt derleute seelen viel andächtige paternoster
teil 4, 1, 1, sp. 926. — -keichen, s.-keuchen. — - beten Veit Weber holzschnitte (1793) 135. — -
keifen: an den fenstern keiften arbeiterweiber kollern: kollerten schon goldgelbe ahornblätter
vorüber Rosegger III 9, 48. — -keuchen Campe: an uns vorüber Bogumil Goltz ein jugendle-
(sträucher,) bei denen ich später einige nach- ben (1852) 2, 322.
folgende flüchtlinge athemlos vorüberkeuchen vorüberkommen Campe. zunächst in neutralem
hörte Holtei erz. schr. (1861) 5, 174; örtlichen sinne; mit dem akk., vgl. oben 2 b: jetzt
an diesem gitter (der fürstengruft) weile nicht der
kamen wir die alte kayserliche burg vorüber
Deutsche,
Zachariä poet. schriften (1763) 2, 200; nun kam
der siech vorüberkeucht
ich einen gefüllten backofen vorüber Möser
Schubart ged. (1825) 2, 69;
(1842) 2, 39. — wenn ihr vorüberkommt, da, wo
in der form -keichen (mhd. kîchen), s. teil 5, sp.
Hyperion schläft Hölderlin 2, 118 Litzmann;
434:
als des heeres wildes toben dasz er auf seinem rappen nicht schnell genug
mitternachts vorüberkeichte vorüberkommen konnte Hauff (1890) 4, 200. —
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 215. meist mit an verbunden: er kam an einer menge
— -klagen: am Eurotas, der in rettungsloser inseln vorüber G. Forster (1843) 4, 15; wenn
schmach an Lacedämons schutt vorüberklagt sie oben auf der höhe zusammentrafen und an
Hölderlin 2, 167 Litzmann; einander vorüberkamen G. Keller (1889) 4, 15;
an der mühle vorüberkommend Fontane I 1, Palm; (wir) können doch gleich wohl nicht vor-
295. — mit bei: das niedrige eiland, bei dem wir über, dessen erwehnung zu thun Chemnitz
auf dieser fahrt vorüber gekommen G. Forster schwed. krieg 1 (1648) 36. — -kräuseln: alles das
(1842) 2, 222. — seltener ist vor: da er nun vor (eindrücke) kräuselte sich im fluge vorüber, wie
einer mühle vorüber kam br. Grimm dt. sagen der lufthauch auf dem glanze eines wasserspie-
(1891) 2, 49; als wir vor einer bank vorüberka- gels G. Keller (1889) 2, 205. — -kriechen Campe:
men Spielhagen (1877) 1, 280. — älter vor mit als ein chamäleon vorüberkroch

dem akkus.: wan man vor dieses element vor- Pfeffel poet. versuche (1812) 6, 194.
überkommen ist, entfähet einen eine angeneme von langsamem, quälendem verlauf der zeit: die
musik A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) tage flatterten oder krochen vorüber Laube
3, 876. — im vorübergehen aufsuchen: in einer (1875) 8, 138. — -kriegen, mit anstrengung an
stunde musz es (ein gutachten) fertig sein, ich etwas vorbeischaffen Campe. — -lächeln,
komme vorüber, es mir abzuholen Laube (1875) lächelnd an etwas vorübergehen; mit dem akk.,
4, 159. — von der strasze: weil die Leipziger han- s. oben 2 b:
aber der weise
delsstrasze hier vorüber kam Lampe Berlin u. d.
betet für sie, und für sich, und lächelt die gräber
mark Brandenburg (1909) 150. — prägnant mit
vorüber
der vorstellung der schwierigkeit: die hilfe der Klopstock Messias 6, 425.
musik herbeizuziehen, um an der sandbank der übertragen: vorüberlächelnde sonnenblauheit R.
gelegenheitspoesie vorüberzukommen Immer- H. Bartsch zwölf aus d. Steiermark (1916) 333.
mann 19, 112 B.; so oft in übertragener anwen- — -lachen, sieh das vorhergehende wort: (sie)
dung: ich kann an einem bedenken nicht vor- sahen zu, wie die weiber und die paare vor-
überkommen überlachten Laube (1875) 8, 283. — -lagern, sich:
[Bd. 26, Sp. 1826]
wo er (der landstrich) ... nirgends unter 5 bis 6
u. ä. — -können, zunächst mit ergänzung eines
stunden breit sich längs dem fusze der vorket-
verbums der bewegung: vor dem hause ist ein
solches gedränge, dasz man nicht vorüberkann ten vorüberlagert Ritter erdkde (1822) 3, 1029.
— -lärmen, lärmend vorbeiziehen Campe. — -las-
Campe. — übertragen: ich kann an diesem zwei-
sen, vorüber lassen, ich lasse vorüber, praeter-
fel nicht vorüber u. ä.; nicht vorüber können
mitto Steinbach 1, 984; Campe; fürüberlassen
wird in älterer sprache wie nicht umhin können
teil 4, 1, 1, sp. 926 nur lexikalisch belegt; zunächst
gebraucht; vgl. fürüber 3 a teil 4, 1, 1, sp. 925; zu
im eigentlichen, örtlichen sinne: (knabe, der) von
der einen dort angeführten stelle vgl. noch: nun
seiner arbeit nicht aufsah und ihn unbemerkt
kundte d. Faustus nit fürüber ..., sie zu fragen
vorüberliesz Göthe 24, 256 W.; aber ohne
volksb. v. dr. Faust 49 ndr.; der vater kont nicht
kampf läszt der trupp der verschwornen seinen
vorüber, must, wolt er anders die tochter mit
feind nicht vorüber Heinse 3, 366 Sch.; bestürzt
ehren unter die haube bringen, auff raht guter
stand er still, liesz den wagen vorüber br.
freunde eilen und hochzeit machen Zader bräu-
Grimm dt. sagen (1891) 1, 187; sie wollte mutter
tigams ehrenkranz (1606) 93; könten wier nit
T. nicht unangesprochen vorüberlassen W. v.
vorüber, bestendigster maszen darwieder zu
Polenz Grabenhäger (1897) 2, 205. — freier: das
bedingen verh. d. schles. fürsten u. stände 1, 36
wetter vorüber lassen Steinbach a. a. o.; lieszen unserm schiffe verüber lauffen J. A. v. Man-
keine erndte ... vorüber, wo nicht geweissagt delslo morgenländ. reisebeschreib. (1696) 111
wurde Hippel lebensläufe (1778) 1, 73; liesz den Olearius. — vom schiffe: indessen lief das schiff
heftigsten anfall des schmerzens vorüber vor Kous und Knidus vorüber Bürger 255a
Göthe 21, 134 W.; organe des aufnehmens, die Bohtz. — übertragen auf die strasze: weil sein
nicht ein atom unverzehrt vorüberlassen Laube weg da vorüber lieff Chemnitz schwed. krieg 1
(1875) 1, 216. — auf zeitvorstellungen bezogen: (1648) 230. — im bilde und übertragen, auch von
dann ist die zeit von der art, dasz ich sie immer der zeit und verlauf in der zeit: ehe 24 stund
erst gern eine weile vorüberlasse Göthe IV 21, nach dem fall vorüber lauffen Grimmelshausen
415 W.; ich kann unseres töchterchens geburts- 3, 338 Keller; wir laufen jetzt nur vorüber, und
tag doch nicht vorüberlassen, ohne ... Bismarck durch die welt her; schatten auf erden Herder
br. an s. braut u. gattin 503. — Senden läszt 5, 478 S.; der menschen leben läuft wie der wol-
keine gelegenheit vorüber Freytag (1886) 3, 73. kenzug im sturm vorüber Gerstenberg hamb.
— in älterer sprache unbeachtet lassen, überge- nat.-zeitung 8 dt. lit.-dkm.; (das subjekt) als den
hen: ich hab aber für nothwendig geacht, diesen festen punkt, an welchem die zeit mit allen vor-
theil nicht unbetrachtet fürüber zu lassen stellungen vorüberläuft Schopenhauer 4, 124
Xylander Polybius (1547) 118; doch können wir Gr.;
es nicht ganz unangemercket vorüber lassen, doch ach, es läuft die zeit vorüber

dasz es gantz ungegründet sey d. vern. tadle- Göthe 9, 27 W.


rinnen (1725) 1, 405; ähnlich: die trilogie der in besonderer anwendung: so lange, bis die flut
leidenschaft werden sie nicht ohne theilnahme fürüber lieffe (sich verlaufen würde) Binhardus
vorüber lassen Göthe IV 42, 197 W. — unge- thür. chron. (1613) 155. — verlaufen in übertra-
wöhnlich im sinne von zulassen, hingehen lassen: genem sinne: also befrageten ifg sie, ... wie die
unsere historische gewohnheit läszt das ohne sachen zwischen Heillungen und mir vorüber-
weiteres vorüber Laube (1875) 4, 71. — -laufen; gelaufen Schweinichen denkw. 94 Ö. — -leben,
fürüberlaufen ist teil 4, 1, 1, sp. 926 nur lexika- während des lebens übersehen, unbeachtet, unbe-
lisch aus Weismann belegt; supercurro fürüber nutzt lassen: dasz hier eine dichtungsfülle ganz
lauffen Calepinus dict. XI ling. (1598) 1421b; ungewöhnlicher art vorübergelebt war, ... vor-
vorüber gelaufen, ich laufe vorüber Steinbach übergelebt in dem schlechten gefäsze eines hai-
1, 998; vorüberlaufen Campe; im eigentlichen debauerweibes Stifter (1904) 1, 182. — -legen,
sinne von laufen: die ander und dritte maus fur- vorüber im sinne von vornüber, s. oben 7: fest
über lieffen Agricola 750 t. sprichw. (1534) j saszen die reiter, vorübergelegt Fouqué d. zau-
6b; im vorüberlauffen haw mit kurtzer schnei- berring (1812) 1, 187. — -leiern, sehr langsam
den ein zornhaw Sutorius fechtbuch vorüberfahren Campe, vgl. leiern 4 c teil 6, sp.
[Bd. 26, Sp. 1827] 687. — -leiten Campe. — -lenken:
(1612) 12; hierauf muszten zwei wehrlose kna- wenn sie nicht dort vorüberlenken,
ben als flüchtige an der festung vorüberlaufen so wird das schiff zerschmettert an der fluh

Platen 3, 65 R. — ungewöhnlich von fischen: Schiller Wilh. Tell 4, 1.


wir sahen heute viel fische, porcos genant, bey im bilde: ewigbellende und widerbellende ver-
nunft, biformis Scylla, ... meinen schwachen berg d. heilig brotkorb (1584) 51; die nichts
kahn lenke ich an dir vorüber Herder 22, 336 ungetadelt oder ungeschumffieret vorüber pas-
S. — -leuchten: als dicht bei ihm vier glühende sieren lassen Kirchhof milit. disciplina (1602)
augen vorüberleuchteten Holtei erz. schr. )( 3b; (in dem buche) gebrauchen, was ihnen
(1861) 10, 92. — -locken Campe. — -marschieren: dienstlich ist, das ander, so sie besser wissen,
den achten und neunden weinmonat marchir- gütlich füruberpassiren lassen Ayrer hist. proc.
ten beyde armeen ... nahe an der stadtmaure juris (1600) )( 4b. — -pflügen, an jemandem: (als)
vorüber Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 250; das liebliche windeswehen eben wieder den
von einem einzelnen: er marschirte stolz an der kappenzipfel
[Bd. 26, Sp. 1828]
trabantenstube vorüber Laube (1875) 15, 149.
des mannes zurückwarf, pflügte auf der ande-
— -müssen Campe, ein verb. der bewegung ist
ren seite der nachbar vorüber, mit dem zipfel
wie bei -können, -wollen zu ergänzen: vorbey-
nach vorn G. Keller (1889) 4, 83. — -pilgern
oder vorübermüssen Kramer t.-ital. dict. 2
Campe; in uneigentlichem sinne, scherzhaft:
(1702) 84c; nachdem ich noch vorher hart an
(Amerika, das) bürgerlich eine pfeife anzündet
einem gemordeten Schweizer vorüber muszte J.
und in hemdsärmel den jungen vicomte bei sich
Kerner bilderb. (1849) 66. — -passieren; fürüber-
vorüberpilgern sieht Gutzkow (1872) 9, 50. — -
passieren fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926, in allgemeinem
plätschern: indes das wasser vorüberplätscherte
sinne mehr in älterer sprache, wenn es in neuerer
Platen tageb. 2, 560. — -poltern: der vater ist an
sprache überhaupt gebraucht wird, dann eher
mir vorübergepoltert, ohne auf meinen guten
entsprechend dem eingeengten sinne von passie-
morgen zu hören Raimund 1, 238 Glossy-Sauer.
ren mit der vorstellung des erlaubtseins, doch s.
— -preschen Campe; in schnellster gangart vor-
das zitat aus Hebbel: erwartet also ihrer im
überreiten, dann auch vom fuszgänger
füruberpassieren Amadis 346 lit. ver.; so wollten
(vgl.preschen teil 7, sp. 2102). in gleichem sinne
sie ifg die pässe neben der stadt Metz eröffnen,
-pritschen, vgl. pritschen 2 teil 7, sp. 2136: da
und sollten ifg sicher vorüber passiren Schwei-
pritschet ein reuter fürüber eilend Bütner epi-
nichen denkw. 86 Ö.; inmittelst begab sich, das
tome hist. (1596) 495b. — -prunken:
eine trouppe reuter ... vorüber passirte Chem-
der da mit sklaven- und klientenschwärmen
nitz schwed. krieg 2 (1653) 206; er passirte nie
vorüberprunkt
bey keiner wacht vorüber, ohne ... Grimmels- Hamerling 3, 13.
hausen Simpl. 3, 209 Kurz; dasz von der thor- — -quellen:
wache ein soldat fortritt, nachdem sie vorüber doch leicht nur will die blühnde ranke scherzen
passirt, das bemerkten sie nicht Laube (1875) und neckt den quell, der ihr vorüber quillt
15, 368. — ob nicht etwa etliche schiffe vorüber E. Schulze d. bezaub. rose (1848) 94.
passiret weren Abelin hist. antip. (1631) 462. — -radeln, auf dem rad vorüberfahren: sah
— die eisgänge der letzten jahre ... sind ohne gerade vor dem fenster W. vorüberradeln Fede-
schaden an uns vorüberpassirt Hebbel w. 10, rer berge u. menschen (1911) 223. — -rascheln :
273 W. — übertragen: aber solche frage mag für höre ich durch die halb schlummernde stille im
uber passiren, bleibe unberücksichtigt Eysen- nahen gesträuch etwas vorüberrascheln Wie-
land I 3, 65 akad.-ausg. — -rasen: als wäre das rauscht der alte fluszgott mahnend mir vorüber
wilde heer vorübergeraset W. Alexis d. hosen Hölderlin 2, 163 Litzmann.
d. herrn v. Bredow (1846) 1, 105; b) in allgemeinerer anwendung mit festgehalte-
bis der feind vorübergeraset nem gehörseindruck; vom sturm, gewitter u. ä.:
Immermann 11, 194 B. bisz dieses unversehene, schwere ungewitter
vom sturm: mit dem vorüberrasenden orkan (übertragen) vorüber rauschete Chemnitz
Herder 13, 383 W.; vom wasser: (flusz,) der 20 schwed. krieg 1 (1648) 12;
fusz unter ihr (einer seilbrücke) tobend vorüber jetzt rauschts wie ein gewitterton vorüber
raset Ritter erdkde (1822) 3, 767. — eisenbahn- Göthe 37, 31 W.;
zug: die eilzüge, die wir an unserem heim vor- mit dem sturm, der dumpf vorüber rauscht

überrasen sehen Rosegger II 11, 138. — -rasseln: Hebbel w. 1, 404 W.


die dragoner rasselten vorüber A. Ruge briefw. aprilschauer waren vorübergerauscht Cl. Vie-
u. tageb. (1886) 2, 104; sahen wir im galopp big d. schlafende heer (1904) 2, 408. — flügelrau-
kanonen ... an uns vorüberrasseln Laube (1875) schen:
wohl ist, als du auszogst, von kampflust berauscht,
16, 146;
kein vogel dir rechtsher vorübergerauscht
wo gallioten,
wie vieh an karren gespannt, Leuthold ged. (1894) 260.
mit ketten vorüberrasseln von schiffen: da rauschte plötzlich ein kahn ...
Schubart ged. (1825) 2, 253. vorüber Eichendorff (1864) 2, 315; eines der
— -raufen: denen stiesze Forestus auff, und vielen vorüberrauschenden
[Bd. 26, Sp. 1829]
mochte anders nicht; denn er räuffet sich mit
dampfboote Gutzkow d. zauberer v. Rom (1858)
ihnen furüber (erkämpfte sich das vorüberkom-
3, 106. freier von auf schiffen fahrenden: als wir
men) Megiser annales Carinth. (1612) 286; zum
an Pöchlarn vorüberrauschten Bauernfeld im
umlaut vgl. raufen teil 8, sp. 258.
jahrb. d. Grillparzerges. 5, 34.
vorüberrauschen Campe, fürüberrauschen fehlt
c) wenn das verb. auf personen bezogen wird,
teil 4, 1, 1, sp. 926; es ist beachtenswert, dasz
kann bei frauen der gehörseindruck vorwiegen:
das verb. schon in älterer sprache in verblasz-
so rauschte sie an Anton vorüber Freytag
ter und übertragener bedeutung gebraucht wird,
(1886) 4, 146;
z. t. in kühnerer anwendung als später.
(wenn) das wildere mädchen
a) in eigentlicher bedeutung vom hörbaren vor-
feuervoller vorüberrauscht
überflieszen des wassers: ausz dem fürüberrau- Klopstock oden 1, 80 M.-P.
schenden wasser Lehman floril. polit. (1662) 4, doch wird es ebenso von männern und überhaupt
63; das flüszchen Eger ... rauscht an der alten freier gebraucht, wobei die vorstellung des
reichsfestung vorüber Laube (1875) 14, 1; geräusches auch ganz aufgegeben werden kann:
der Inopus rauschte vorüber
die schöne sylphide, die uns so gelegen vorüber
Göthe 4, 321 W.;
rauschet Herder 3, 94 S.; die mannichfachsten
leise rauscht ein bach vorüber
gestalten ..., die wie grüszend vorüberrauschen
Tiedge (1823) 3, 230.
Tieck (1828) 18, 288; die zurückgehenden trup-
freier: wenn ich nach mitternacht erwache,
pen rauschten in einiger entfernung vorüber
Häuszer dt. gesch. (1854) 4, 510; die eile, mit der sie vorüberrauschen, ihren
hier (auf dem lande) wird kein stolzer thor bey effekt verfehlen Göthe IV 13, 58 W.; schmach
dir vorüber rauschen
ihrer vorüberrauschenden entzückungen Fr. H.
Cronegk (1766) 2, 91; Jacobi (1812) 1, 17; der ruhm schnell vorüber-
als der Pelid und sie auf seiner ferse
rauschender virtuosenleistungen O. Jahn
den winden gleich an mir vorüberrauschten
Mozart (1856) 4, 3;
H. v. Kleist 2, 64 E. Schm.
wie schnell das glück
vgl. unten g.
vorüberrauscht
d) vom ton: (eine musik) rauscht noch einmal Grabbe 1, 338 Bl.
an unsern ohren vorüber O. Jahn Mozart (1856) aber ganz neutral: verharre ein weil unter mei-
3, 120. — flüchtigkeit des eindrucks beim wort: nem obdach, bisz das unglück fürüber rauschet
drumb müssen wirs (das wort) nicht so schlecht Huberinus d. christl. ritter (1558) h 4b. — vor-
lassen fürüber rauschen Artomedes erklerung übergehen, ohne zu wirken:
d. catechismus (1605) 177; (die musik benutzt die wohl ist des dichters seele stumm verbunden
texte,) um ihnen den tiefen nachdruck zu geben, mit mächten, die am volk vorüberrauschen
den das vorüberrauschende wort nicht hat Ger- Eichendorff (1864) 1, 558.
vinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 2, 269. — das doch ebenso auch mit der vorstellung des ein-
vorüberrauschende gespräch Göthe 45, 248 W. drucks, der wirkung: eindrücke rauschen an
e) verblaszt von der zeit, doch kann durch bild ihnen vorüber, der mensch sieht menschen,
oder sonstwie auf die sinnliche bedeutung hinge- berge, thäler, städte, theater Stifter (1904) 14,
wiesen werden: dann die edle, gute zeit rauschet 207;
fürüber wie das flieszende wasser Huberinus immer rauschte der ruhm des helden, und immer
der adel
spiegel d. haustzucht (1553) 45b; die vorüberge-
seines geschlechts ihr noch dem seelenauge vor-
rauschte glückliche ... jahre neue schauspiele
über
(1771) 2, 4, 14; es waren schöne tage ..., aber (multa viri virtus animo multusque recursat gen-
sie rauschten vorüber Gotthelf ges. schr. tis honos Verg. Aen. 4, 4)
(1855) 17, 150; Bürger 244a Bohtz;
hörbar rauscht die zeit vorüber im bilde: momente, wo die poesie wie eine taube
an des mädchens einsamkeit
mit schwirrendem flügelschlag an seinem geiste
Lenau 6 Barthel. vorüberrauscht S. Brunner erz. u. schr. (1864) 1,
das vorüberrauschende leben Hebbel tageb. 2, 331.
336 W. [Bd. 26, Sp. 1830]

f) so allgemein von abstrakten, meist mit beto- g) in älterer sprache, an etwas vorübereilen, ohne
nung des schnell vorübergehenden, flüchtigen: es zu beachten, ohne darauf einzugehen u. ä.: (sie)
eine vorüberrauschende empfindlichkeit rauschen für uber (an einem satze des Paulus),
Archenholz England u. Italien (1785) 2, 90; sie als brennet yhn der kopff, das yhn der schweis
liebt ... nicht nach vorüberrauschenden sinnli- ausbricht Luther 26, 577 W.; wenn auch ein
chen eindrücken Schubart leben u. gesinn. schwerer punkt fürkommen, hat er darum nicht
(1791) 1, 103; glückliche situationen, die durch bald fürübergerauschet, sondern mit seinen
hofpredigern darvon sich unterredet Grund- gondel von ihr vorüberreiszet Jean Paul 1, 340
mann geschichtschule (1655) 74. H. — -reiten, passare davanti à cavallo füruber
h) ebenfalls in älterer sprache, vorüberrauschen reiten Hulsius (1618) 2, 283a; vorüberreiten,
lassen, etwas nicht beachten, sich um etwas nicht transire, transgredi equo Stieler 1604; Kramer
kümmern, oder es hingehen lassen: so findet man t.-ital. dict. 2 (1702) 329c; Steinbach 2, 273;
auch viel sattsame und verdrossene plapper- Campe: bei seinem flüchtigen vorüberreiten
christen, die lassen solche fundamentalia und Ritter erdkde (1822) 1, 872; im vorüberreiten
doctrinalia fürüber rauschen Pollio v. ewigen Eichendorff (1864) 3, 222; Fontane I 1, 515;
leben (1583) 184b; (dasz der könig) die unbillig- auf dem steckenpferde vorüberreitend Bren-
keiten, so ihm und seiner cron vom keyser tano (1852) 5, 250; sie grüszte ihn, der knecht
begegnet, vorüberrauschen liesze Chemnitz ritt vorüber br. Grimm dt. sagen (1891) 2, 136;
schwed. krieg 1 (1648) 18. — -reisen, fürüberrei- und segnet sich bey zeiten
mit kreuzen rundumher, bisz sie vorüber reiten
sen fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926; vor- ò fürüberreisen,
Dusch verm. w. (1754) 186.
passare per viaggio Kramer t.-ital. dict. 2 (1702)
an etwas: sie ritten an einem lustwalde vorüber
317c; vorüberreisen Campe: dieweil d. Faustus
Klinger (1809) 3, 183. — seltener mit vor ver-
auch fürüber wolte reysen volksb. v. dr. Faust
bunden: als er vor einem andern galgen vorüber
65 Petsch; da er wuste, dasz der metzler füru-
ritte Zinkgref apophthegmata (1628) 1, 377; (als
ber reysen würde Nigrinus v. zäuberern, hexen
er) mit seinem gefolge vor Wolfenbüttel vor-
(1592) 214; der im sommer vorm wasser vor-
überritt Ranke (1867) 4, 81. — mit dem dat. (s.
über reiset Lehman floril. polit. (1662) 2, 723;
oben 2 a):
den vorüberreisenden fremden Rabener (1777)
seit dreien tagen reit ich ihrem fenster
2, 75; im flüchtigen vorüberreisen Ritter erdkde
vorüber
(1822) 9, 554. — häufig ist das subst. part. präs.: Bauernfeld (1871) 1, 174.
von den vorüberreisenden Prätorius anthro- — -rennen; fürüberrennen fehlt teil 4, 1, 1, sp.
pod. pluton. (1666) 2, 243; Ritter a. a. o. 1, 374. 926; vorbey- ò vorüberrennen, passare correndo
— von zugvögeln: den in der nacht vorüberrei- ò di tutto corso Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 332c;
senden Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 2, Campe: rannte er unaufhaltsam ... übers feld an
1, 385. — von der sonne: den letzten häusern vorüber Eichendorff
dasz feld und wiesen, feucht und feist,
(1864) 3, 993. mit betonung, dasz man sich nicht
mit bächlein vil zerspalten,
die sonn, wan sie vorüber reist bei etwas aufhält: obgleich in diesem vorüber-
mit ihrer schön auffhalten rennen (an bildern) wenig genusz ist Göthe III
Spee trutznachtigall (1649) 122. 1, 302 W.; dieses vorüberrennen der feinsten
übertragen: da würden die leser künftig ... bei und geistreichsten fremden und besuchsamei-
der erdkunde vorüberreisen Fr. L. Jahn 2, 337 E. sen, die in drei tagen vergessen sind Jean Paul
— -reiszen: (tiere,) welche die erbarmungslosen 7/10, 320 H. zu pferde: er hielt sich steiff und
naturgewalten wie im taumel dort vorüberris- versetzt dem ersten im vorüberrennen ein sol-
sen Storm (1899) 5, 143. frei: der die hereinhän- chen streich, dasz ... Amadis 238 K. — dem blick
gende freude abbricht, weil ihn seine fliehende des fahrenden gleiten die gegenstände scheinbar
vorüber: grüne gefilde rannten am schnell rol- aus einer vorüberrollenden kutsche Tieck
lenden wagen vorüber Laube (1875) 8, 137; (1828) 17, 205; dann rollte einmal wieder eine
[Bd. 26, Sp. 1831]
vierspännige extrapost rasselnd vorüber Gaudy
doch so gänzlich, still und stumm
(1844) 3, 142. — mit dem akk., s. oben 2 b: öffent-
rennt es mir vorüber (erscheinungen der natur)
liche fuhrwerke aller art rollten unablässig
Göthe 3, 55 W.
unsere wohnung vorüber Johanna
übertragen: dasz er wie spiegelquecksilber alles,
Schopenhauer reise durch England u.
was vor ihm vorüberrennt, fremde charaktere
Frankreich (1818) 2, 97;
und eigne meinungen abfärbend, abschatte Jean
sie sieht nicht, wie vorüberrollt, als von der luft
Paul 1, 229 H.;
getragen,
das glücke musz mich wohl nicht kennen,
im sonnenschein der freudenzug der königlichen
sonst würd es ja nicht neben mir
wagen
wie auf der post vorüber rennen
G. Keller (1889) 10, 47.
Stoppe Parnasz (1735) 231.
rad: mädchen und frauen, an denen das rad vor-
von rinnen entlehntes st. prät., s. teil 8, sp. 808:
über rollte Böhme gesch. d. tanzes (1886) 161. —
dasz, wenns (das glück) einmal vorüberrann,
mans noch von hinten fassen kann von dem im wagen fahrenden: auch sie (frauen)
Rückert (1867) 3, 51. rollen zum theil vorüber in prächtigen karossen
— -rieseln Campe mit beleg: wie sanft rieselst (ohne sich um elend zu kümmern) Abbt verm. w.
du vorüber, kleine quelle Geszner schr. (1777) (1768) 6, 2, 36; an der Fantaisie ... vorüberrollend
1, 108. — -rinnen, im gegensatz zum vorherge- Immermann 20, 51 B. — im freien, bildlichen und
henden verb. vom stillen flieszen eines kleineren übertragenen gebrauch: (gewitter, mit bezug auf
gewässers; für- ò vorüberrinnen, passare calando den donner,) das mit fürchterlichen blitzen und
ò scorrendo Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 362c: wetterschlägen schnell vorüberrollt Heinse 5,
ein mühlbach, der an solchem garten vorüber- 119 Sch. — sterne:
des nachts, wenn über meinem haupt
rinnt Tieck (1828) 4, 80;
die hohen sterne gehn,
(weide,) wo der bach vorüber rinnt
und welt auf welt vorüberrollt,
Hölderlin 1, 141 Litzmann.
ruf ich: du groszes ding!
im bilde und übertragen: jener gewaltige hof- Schiller 1, 348 G.
und prachtstrom (einzug der Marie Antoinette gewässer: er schöpfte ... aus einem vorüberrol-
in Straszburg) war nunmehr vorübergeronnen lenden bache etwas wasser Tieck (1828) 4, 25;
Göthe 27, 244 W.; im bilde: die tollen wellen des academischen
wie mit jedem schlag der wellen
lebens rollen an mir wie an einem felsblock vor-
zeit und glück vorüberrann
über Hebbel br. 1, 71 W. — weiter übertragen:
Lenau 168 Barthel.
und uns rollte nun schon das neunte der jahre an
Gabrielle ... läszt die zeit still an sich vorüber-
dieser
rinnen Wilhelm u. Caroline v. Humboldt br. stelle vorüber (περιτροπέων ἐνιαυτὸς Il. 2, 295)
(1913) 6, 14. — s. auch -rennen. — -rollen Campe, Bürger 198a Bohtz;
trans. (ein fasz vorüberrollen), gewöhnlich aber so nah gerückt sollt es vorüberrollen,
intrans., sehr oft von gefährten aller art: gespräch ein glück, das dann wohl immer sich verliert
Göthe 16, 322 W. von sausen (s. teil 8, sp. 1930) entsprechend von
in besonderer wendung: dasz aber das römische einer mit zischendem geräusch verbundenen, sehr
volk so gewandt gewesen sein sollte, um der- raschen bewegung, dann aber mit aufgabe dieser
lei dunkle andeutungen im vorüberrollen der vorstellung von sehr rascher bewegung
rede zu verstehen, bleibt mir immer rätselhaft überhaupt: der wind ..., wenn er vorübersaust
Grillparzer 16, 97 Cotta. — -rücken, trans. und Novalis 4, 31 Minor; im bilde:
intrans. Campe; intrans. entsprechend dem mili- der hofwind ist vorübergesauset. neid
und rachgier sind verstummet
tärischen sinne von rücken: (sie) lieszen die trup-
Herder 27, 96 S.
pen im parademarsch vorüberrücken Kürnber-
(himmel,) an welchem schwere wolken vor-
ger novellen (1862) 3, 165. — von einem reisen-
übersausten Gaudy (1844) 14, 43. — oft von
den: ich rückte nun an berg um berg, an thal
raschfahrenden wagen und den drin sitzenden,
um thal vorüber
[Bd. 26, Sp. 1832] von reitenden und laufenden: als die kutsche bei
Stifter (1904) 4, 1, 106. — scheinbare bewegung: ihm vorübersausete Holtei erz. schr. (1861) 16,
die vorüberrückenden berge, die vorbeistürzen- 109; mit raschen ... pferden vorübersausend 3,
den bäume, die wegrinnenden felder Jean Paul 88. — eisenbahnzug: ein expresstrain, der ... mit
7/10, 415 H.; rasender geschwindigkeit vorübersauste
seh die bäume hinter bäumen, Fontane I 6, 150. — im schiffe fahrender, zum
wie sie schnell vorüberrücken
dat. vgl. oben 2 a:
Göthe Faust 3877. schrägen masts vorübersause jenen schauerlichen
freier: noch immer ausgemahlte bilder (in einer orten
übersetzung), wo sie schnell vorüber rücken Freiligrath ges. dicht. (1870) 1, 157.
sollten Herder 5, 222 S. — -rudern Campe: geister, gespenster: Faust fühlte den geist an sich
sind nun deine gefährten bei diesen (den sirenen) vorüber sausen Klinger (1809) 3, 161. — über-
vorüber gerudert (παρεξελάσωσιν). tragen von der zeit:
Voss Od. 12, 55 B. (gesetze,) welche kein
— -rumpeln Campe, s.rumpeln teil 8, sp. 1489; vorübersausendes jahrtausend ausweht

von einem gebrechlichen wagen oder einem Grabbe 1, 103 Bl.


wagen auf schlechtem pflaster: ein fiaker rum- — -schaffen, 'machen, dasz etwas vorüberge-
pelte vorüber Spielhagen (1877) 6, 5. — -rut- bracht werde, vorüber komme' Campe: erst in der
schen, s. teil 8, sp. 1568; von einem schlitten: (ich) folgenden abtheilung wird jedoch die gröszte
schaute dem blitzschnell vorüberrutschenden masse aufgehäuft vorübergeschafft (im tri-
zeug eine weile nach Rosegger III 2, 78. frei: umphzuge des Mantegna) Göthe 49, 1, 261 W.
und wie die nasen (sich zweimal küssender) sich — -schäkern, mit lockendem scherz vorbeigehen:
zweimal vorüberrutschten A. Ruge (1847) 7, (leichte nymphen,) die in Hamburg an der Alster
113. — -säuseln: bei den laternen vorüberschäkern Laube (1875)
so seys ein zeichen mir, dasz sie 9, 40. — -schallen, ohne dasz der schall gehört
als geist vorübersäuselt wird, oder dasz er haften bleibt: wie ein vor-
Hebbel tageb. 1, 268 W. übergeschalltes wort werdet ihr einst weg seyn
— -sausen Campe; der ursprünglichen bedeutung
Herder 9, 30 S.; doch wem sag ich das? es 15, 714. — von schnellem lauf, schneller fahrt:
schallt an euren ohren vorüber Schiller d. räu- (der friedliche sämann) springt auf die seite,
ber 3, 2; an Friedrichs brust schallte die neuig- wenn wild der zerstörer (der feind) vorüber
keit ziemlich gleichgültig vorüber Eichendorff schieszt maler Müller (1811) 1, 363; der
(1864) 2, 287. — -schauen, nicht hinsehen: sie inspektor W. ist soeben so verwirrt an mir vor-
schaut an ihm vorüber u. ä. — -schauern : übergeschossen Nestroy (1890) 7, 20; dem
unbekümmert um den todten laden Klingelpeters ... schieszt er vorüber (zum
wird der wind vorüberschauern
dat. vgl. oben 2 a) Gutzkow d. zauberer v. Rom
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 194. (1858) 3, 173. — von raschem fahren: (dasz er) so
— -scherzen Campe; trans.: wüthig zufuhr im vorüberschieszen vor hotels,
ich sehe mit vergnügtem herzen
vor landhäusern, vor prozessionen ... Jean Paul
dich so beglückt, so sorgenfrey,
des lebens gram vorüberscherzen (1826) 10, 167; das leidenschaftliche thier schosz
Pfeffel poet. vers. (1812) 1, 177. vorüber Laube (1875) 2, 9. — vogelflug: schwal-
— -schicken Campe. — -schieben, trans. u. ben ... im zickzack vorüberschieszend Fontane
intrans. Campe: die gestalten schoben sich wie I 4, 239. — bewegung in der unbelebten natur:
schatten aneinander vorüber Fontane I 4, 222. eine hohe bergluft, von einer vorüberschieszen-
— von lässigem schleifendem gange: (schiffs- den wolke herzuschlagend Jean Paul (1826) 10,
junge,) der eben in seiner lässigen weise vor- 174;
blitzen gleich, die schnell vorüberschieszen
überschieben wollte Storm (1899) 6, 9. — frei
[Bd. 26, Sp. 1833] und plötzlich von der nacht verschlungen sind

übertragen: das gelächter, das zuweilen aus den Schiller 14, 40 G.


winkeln seines gesichts vorüberschob Laube übertragen: seine ideen und worte mit den vor-
(1875) 8, 179. — -schieszen Campe, fürüber- überschieszenden ideen und worten andrer
schieszen fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926; in mannig- leute zu amalgamiren Jean Paul 1, 219 H.; dasz
faltiger weise schnellste bewegung bezeichnend. sein wirken und seine schriften nur ein vor-
vom wasser: (der Ganges, der) ... nicht zu wild überschieszender glanz ... seien Tieck (1828) 18,
vorüberschieszt Ritter erdkde (1822) 3, 928; wo 158.
der Inn mit raschen wellen in engem bette an vorüberschiffen, fürüberschiffen ist teil 4, 1, 1,
ihm vorüberschosz C. F. Meyer Jürg Jenatsch sp. 926 nur aus zwei wörterbüchern belegt; lego
(1901) 25; das vorüberschieszen der Lomnitz vel praeterlego littus ich schiff fürüber Er. Albe-
Fontane I 6, 44. — schwimmende tiere: ob er rus (1540) z 3b; fürüber schiffen, praeternavi-
(der delphin) gleich für über scheuszt Eppen- gare insulam Dentzler clavis ling. lat. (1716)
dorff Plinius (1543) 104; 119b; vorübergeschifft, ich schiffe vorüber
da schosz in froher eil Steinbach 2, 412; vorüberschiffen Campe.
die launige forelle a) meist intrans., auf dem schiff vorüberfahren:
vorüber wie ein pfeil
sie haben auch in disem fürüberschiffen etliche
Schubart ged. (1825) 2, 113. stett mit gwalt eingenommen Xylander Poly-
schiffe: (gaffende barbaren,) an denen die schiffe bius (1574) 75; bei deme (schlosz) die vorüber-
reiszend vorüberschossen Ritter erdkde (1822) schiffente einen gewissen zoll müssen erlegen
Uffenbach atlas minor (1609) 449; (mit) gro- angesprochen werden will: die bettler schleichen
szer gefahr der fürüberschiffenden Sperling bey der hartherzigen stadt vorüber Caroline 1,
Nicodemus quaerens 2 (1719) 74; (nachdem er) 81 Waitz; schlich es auf einmal leise an ihnen
an manchen kleinen inseln vorübergeschifft vorüber, dasz sie beide vor schreck zusammen-
war Ranke (1867) 35/36, 353; fuhren Brentano (1852) 5, 282; er schlich so
süsz, sirene, auf der hüfte scheu an mir vorüber Freytag (1886) 3, 105. —
wiegst du dich am felsenriff,
(von einem tier, das versucht,) neben dem jäger
selig wer vorüberschiffte,
vorüberzuschleichen Brehm tierleben 1, 535
wen der zauber nicht ergriff
Pechuel-Lösche. — von einem träge flieszenden
Brentano (1852) 2, 219.
gewässer: (flüszchen,) das unten vorüberschlei-
mit dem dativ, s. oben 2 a: der kluge kaufmann
chet K. J. Weber Deutschland (1828) 4, 343. — oft
schifft der küste vorüber, die zu arm zum
auf zeitvorstellungen oder den verlauf in der zeit
tauschhandel ist Spielhagen (1877) 1, 50. in
bezogen, meist in ungünstigem sinne, auch mit
übertragenem sinne: auf irgend etwas auch nur
vergleich sinnlicher bewegung: so lange schlich
mehr acht zu geben, als nur im vorüber schiffen
die zeit, wie der höllenflusz, trüb und stumm, in
Bettine d. Günderode (1840) 1, 304. — übertra-
ödem müsziggange, vorüber Hölderlin 2, 153
gen auf das schwimmen des schwans:
ein schwan schifft jetzt vorüber Litzmann; drei tage schlichen mit ihren langen
Ramler fabellese (1783) 3, 182. nächten am krankenlager vorüber Holtei erz.
b) transitiv, auf dem schiffe vorbeibefördern: schr. (1861) 14, 217; (als) woche auf woche vor-
andere güter, so etliche Franckfurter ... vorüber- überschlich wie eine graue schnecke Laube
schiffen wolten Micrälius altes Pommerland (1875) 1, 267;
indesz mit trägem gange
(1640) 589.
die zeit vorüberschleicht
vorüberschimmern: sanfte, vorüberschim-
Gotter ged. (1787) 2, 4;
mernde sonnentage Hirschfeld theorie d. gar-
wo trüb und stumm und bange
tenkunst (1779) 5, 61. — -schlagen, schlagen im der tag vorüber schleicht
vorüberschiffen: Schubart ged. (1825) 2, 84;
ward euch (seejungfrauen) ahnend eine kunde und heimlich hinter unsern (der weintässer) bäu-
im korallenhage, chen
dasz ein warmes herz zur stunde musz dir die zeit vorüberschleichen
euch vorüberschlage?
Lenau 74 Barthel.
Lenau 92 Barthel. doch vgl.: es schleicht ein tag nach dem andern
[Bd. 26, Sp. 1834]
so anmuthig vorüber Bettine d. Günderode
— -schleichen; fürüberschleichen ist teil 4, 1, 1,
(1840) 1, 38. — in wunderlichem, dem sinne von
sp. 926 nur aus Weismann belegt; für- ò vorüber-
schleichen widersprechendem vergleiche:
schleichen, passare segretamente qualche luogo
lern, leser, hier, wie dasz gleich einem augenblick
Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 567c; vorüberschlei-
dein leben und als wie ein schusz vorüberschlei-
chen Campe. — von langsamem, leisem gange; che
besonders auch mit der vorstellung, dasz man S. v. Birken ostländ. lorbeerhäyn (1657) 25.
nicht bemerkt oder mindestens nicht angehalten, sich im lauf der zeit zutragen:
und zu diesem gar viel wunderzeichen Klopstock oden 1, 95 M.-P.
heuffig alle tag fürüberschleichen
unbemerkt:
Ringwaldt evang. (1581) b 4b. (Kirke) leicht uns vorüberschlüpfend (ῥεῖα
in prägnanter anwendung, mit der vorstellung παρεξελθοῦσα). denn welches sterblichen auge
verbunden, dasz eine schwierigkeit zu überwin- mag des unsterblichen gang, der sich verhüllet,
den oder zu umgehen ist: ich bin begierig darauf, entdecken?
wie sie an einem gewissen scheidewege vor- Voss Od. 10, 573 B.
[Bd. 26, Sp. 1835]
überschleichen werden Klinger (1809) 9, 65;
von einem tier: (das reh) das leiseste geschöpf,
daher sie (die philosophen) mit einem scheuen
das wie der wind vorüberschlüpft Herder 8,
blick daran vorüberschleichen Schopenhauer
654 S. — übertragen: diese zu schnell vorüber-
3, 58 Gr. — -schleifen, 'schleifend vorüber zie-
schlüpfenden augenblicke Gleim briefw. 1, 417
hen, wie auch auf der schleife vorüberschaffen'
Körte; so liesz ich ... die gelegenheit nicht vor-
Campe; intrans., vom tanze: tanzende schleiften
überschlüpfen Gentz schr. 2, 293 Schlesier. —
in wechselndem glanze an den fenstern vorüber
weil die malerei nicht so schnell wie ein ton
Eichendorff (1864) 3, 221. — von einem schlit-
ten: als der schlitten vorüberschliff Rosegger I vorüberschlüpft J. J. Engel 4, 337;
ach, wie jede
15, 37; zur flexion vgl. teil 9, sp. 590. — übertra-
kleinste der freuden vorüberschlüpfet
gen: Herder 27, 315 S.
doch will kein mensch dran sich kern,
mit dem dat. (s. oben 2 a): (schönheiten, die) desto
man lests fürüber schleifen
unschätzbarer sind, je unmerklicher den meis-
Höck schönes blumenfeld 95 ndr.
ten sie vorüberschlüpfen Gerstenberg Hamb.
— -schlendern, lässig vorübergehen Campe: das
nat.-zt. 221 dt. lit.-denkm. — -schmettern, von
allerliebste sängerkind ..., das an uns vorüber-
einem eisenbahnzuge: dessen eiserne räder über
schlenderte Eichendorff (1864) 4, 283; ein vor-
die schienen ... vorüberschmetterten G. Haupt-
überschlendernder pilger Steub drei sommer in
mann Em. Quint (1910) 435. — -schnauben
Tirol (1895) 1, 344. — -schleppen Campe; refl.
Campe:
übertragen auf den langsamen verlauf der zeit:
braust dem zug (der eisenbahn) dein segen zu
(stunden,) die sich noch vorüberschleppen wer-
wenns vorüberschnaubt?
den Lenau br. (1906) 386 Castle. — -schlüpfen, Lenau 200 Barthel.
leicht, schnell sich vorüberbewegen Campe: — -schnaufen: wilde schweine schnauften vor-
(Ossians) gestalten ... schlüpfen wie lüfte vor- über Gotthelf (1855) 8, 121. — -schnurren
über Herder 18, 455 S.; dann sprach sie mit Campe; fürüberschnurren fehlt teil 4, 1, 1, sp.
ihren freyern vorüberschlüpfend Heinse 5, 276 926; bei der übertragung auf menschen, die schon
Sch.; beim vorüberschlüpfen Gutzkow d. ritter alt ist, vgl. schnurren 4, teil 9, sp. 1418, tritt
v. geiste (1850) 3, 316; ja manchmal kam es mir die vorstellung des geräusches zurück, die der
vor, als schlüpfte eine lange dunkle gestalt ... raschen bewegung bleibt: die auff den gassen vor
vorüber Eichendorff (1864) 3, 43; guten bekannten, auch getrewen freunden füru-
dasz ich, wenn sie vor mir eilend vorüber schlüpft,
berschnurren, als sehen sie nicht Guarinonius
stamml und schweig
grewel d. verwüstung (1610) 316; der mann ...
sagte kurz und schnauzig: kannitverstan, und nebenher in kürze: bemerken wir im vorüber-
schnurrte vorüber Hebel 2, 121 Behaghel. über- schreiten, dasz ... Ranke (1867) 4, 20. — mit dem
tragen: das wöllen die jüden nit sehen, schnur- dativ, s. oben 2 a: genau in dem maas schreiten
ren fürüber, als ob nichts an diesen worten gele- sie (die bilder auf Achills schilde) uns vorüber,
gen sei Wild postill (1554) 1, 130a. — vom als unsre phantasie sie fassen ... kann Herder
geräusch vorbeifahrender wagen: die herrenwä- 22, 274 S.; er schritt mir ganz still vorüber
gen, die zuweilen vorüberschnurren Rosegger Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 2, 341;
II 5, 198. — vom schwirren des vogelfluges: der kein schäfer bald, der mir (dem baume) vorüber-
schreitet,
rotspecht, der vorüberschnurrt Löns Mümmel-
den nicht ein ast streift
mann (1914) 42. — -schreien, in besonderer
Rückert (1867) 3, 105.
anwendung, etwas im vorüberziehen ausrufen:
— -schulen, gelegenheitsbildung, ein pferd in
wann eine bäurin milch etc. vorüber- ò vor-
schulung vorüberreiten:
beyschreyet, so ruf sie an Kramer t.-ital. dict. 2
und dasz er tag für tag, nicht ohne dank,
(1702) 669c. — -schreiten Campe; gegenüber vor- sein rosz an ihrem haus vorüberschule
übergehen zunächst das gemessene des ganges Uhland ged. 1, 369 E. Schm.-H.
bezeichnend, was auch bei übertragener anwen- [Bd. 26, Sp. 1836]

dung festgehalten wird: (der geist von Hamlets — -schwanken Campe: lautlos schwankte er
vater) wenn er an der wache vorüberschreiten vorüber Seidel vorstadtgesch. (1907) 162. — mit
... wollte Göthe 41, 2, 257 W.; ein strausz und dem akk., s. oben 2 b:
er schwankt des tages zehenmal
ein casuar ... schritten bedächtig an ihm vor-
mein haus vorüber
über Holtei erz. schr. (1861) 10, 198;
Miller ged. (1783) 216.
glänzend in reihen voran, würdiger sah ich sie nie,
schreiten menschen der vorzeit stattlich und freu- — -schwatzen, mit dem akk., s. oben 2 b:
dig vorüber wir schwatzen oft die mitternacht
des wächters horn zum troz vorüber
Hegner ges. schr. 5, 162.
Gökingk ged. (1780) 1, 131.
alles erhabne und auszerordentliche zeigt sich
vorüberschweben Campe; in mannigfaltiger,
nur einmal in der natur, feyerlich vorüber-
besonders in freier und übertragener bedeutung.
schreitend Heinse 6, 4 Sch. — auch im allgemei-
zunächst entsprechend der eigentlichen bed. von
nen gebrauch wird das wort meist als gewählter
schweben; so von wesen oder personifikationen:
empfunden: ich wollte vorüberschreiten gebühr-
ich (die tonkunst) ... schwebe wie ein harmo-
lich Rückert (1867) 11, 437; er schritt gerade
nisches lüftchen bei ihnen vorüber Herder 15,
so zerstreut wie Friedrich an herrn Kurzmichel
228 S.; vgl. 16, 388; die strafgöttin der antiqua-
vorüber M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 14, 55;
denn vorüber schritt (came wandering by) rischen briefe war nicht spurlos
ein schatte wie ein engel Shakespeare Richard vorübergeschwebt Voss antisymb. 2 (1826) 115;
ferne
III. 1, 4.
schwebt die sorge mir nur in leichten wölkchen
übertragen: wie jene heiligen, die blind an der
vorüber
welt vorüberschreiten Watzlik d. pfarrer v. Göthe 1, 298 W.;
Dornloh (1930) 287. — im vorüberschreiten, ein pfand schon warfst du (glück), im vorüber-
schweben, es schwebten berg und thürme vorüber mit dem
aus deinem füllhorn lächelnd mir herab strand
H. v. Kleist 3, 44 E. Schm. W. Müller ged. 195 Hatfield.
das wort wird dann auf den gang übertragen, übertragen in mannigfaltiger anwendung; von
wenn er leicht, gefällig gleitend, nicht in seiner der zeit: ein vorüberschwebender moment Fr.
mechanik deutlich ist, so von tanzenden, dann Schlegel (1846) 6, 69;
überhaupt vom anmuthigen gange der frauen: wie hab ich manche liebe zeit
vorüber lassen schweben
jünglinge und mädchen schweben in reihentän-
Chr. Weise d. grünend. jugend überfl. ged.
zen vorüber E. T. A. Hoffmann 1, 38 Gr.; bunte
38 ndr.
schatten (tanzender) schwebten an den erleuch-
am ohr vorüberschweben; besonders in dem
teten fenstern des vorderhauses vorüber Frey-
sinne des nicht aufgenommen werdens: meine
tag (1886) 4, 70. — (gestalten von frauen,) die
warnung schwebt an deinem ohre vorüber
uns an diesem abend vorüberschwebten G.
Gotter (1787) 3, 435. — vor dem auge des geis-
Forster (1843) 3, 8; ohne eine antwort abzu-
tes, vor der phantasie, im traume u. ä.: der vor-
warten, war sie vorübergeschwebt W. Alexis
ruhe ist d. erste bürgerpflicht (1852) 1, 47; überschwebende gedanke, ihr die hand zu bie-
knüpft ein flüchtiges vorüberschweben ten Göthe 24, 285 W.; wie ein schatten
der empfindung ewig festes band? schwebte die gestalt Corneliens an seiner seele
Schiller 4, 20 G.; vorüber Immermann 6, 42 B.; was nur ... als ent-
hat sies dir denn angethan fernte möglichkeit an ihm vorüberschwebte M.
im vorüberschweben
Meyr erz. aus d. Ries (1868) 3, 190;
Hebbel w. 6, 285 W. da regte phantasie mir manches bild,
auf dem eise: die schätze der erinnrung sichtend, auf,
magisch sich vorüberschweben, und wohlgefällig schwebten sie vorüber
fliehn sich und sich wiederfinden Göthe 10, 346 W.;
Platen 1, 33 R. vorüber schwebten, wie silbern gewölk,
scherzhaft: wenn er, die verschiedenen theater am liebenden auge dir
die geschlechter alle
besuchend, an der verächtlichen boutique vor-
Hölderlin 1, 93 Litzmann.
überschwebte, die man kasse nennt Holtei erz.
[Bd. 26, Sp. 1837]
schr. (1861) 25, 15. — freier, im gegensatze zu in besonderer wendung: in der erzählung walten
ernster bemühung: und schweben an uns ... nur dritte personen
alle menschen seh ich leben,
vorüber J. Grimm kl. schr. 3, 292. — verbindung
viele leicht vorüber schweben,
wenig mühsam vorwärts streben mit dem akk., vgl. oben 2 b:
langsamer schwebt er des tempels
Novalis 1, 173 Minor.
zinne vorüber
vorübergleitende bilder auf der fahrt: von der
Klopstock Messias 9, 2 (vgl. 20, 317; oden
andern seite schwebten wiesen, felder und
1, 189 M.-P.);
hecken leise wechselnd vorüber Eichendorff
(was) unbestimmt, in sich verflieszend,
(1864) 3, 377; meine stirn vorüberschwebt
ich sasz auf hohem maste, schaut über meer und
Grillparzer 4, 50 Cotta.
land,
vorüberschweifen: wenn einzelne versprengte Uhland ged. 2, 272 E. Schm.-H.
räuber hier vorüberschweiften Eichendorff — -schwirren Campe; in eigentlichem sinne laut-
(1864) 3, 346; manchmal blitzte eine brandfackel malend vom fluge, vögeln, insekten, pfeilen: jede
vorüberschweifend durch die fenster 3, 329. frei: fliege, die an ihm vorüberschwirrt Hebbel br.
wie denn manches zufällige, was vielen ... vor- 7, 219 W.;
überschweift, einen tief rührt Bettine Goethes vöglein schnell vorüberschwirrend

briefw. m. einem kinde (1835) 3, 147; (wo) die- Brentano (1852) 1, 467.
ser (Niebuhr) das geistige auge an unsrer es war mir, als ob schon damals ein unsichtba-
geschichte ... nur vorüberschweifen läszt J. rer racheengel vorüberschwirrte erinn. aus Paris
Grimm kl. schr. 3, 191. — -schwellen: (1851) 73; freier dann von schneller bewegung:
(flusz,) des gelbe wellen wie die figuren durch die fenster eines ballsaals
wüst und wild vorüberschwellen auf einen moment nur sich zeigen wollten und
Gregorovius ged. (1892) 13. schnell vorüberschwirrten Brentano (1852) 5,
— -schwimmen, transnatare Reyher thesaurus 365; diese tausende, die in wägen, auf rossen
(1686) o 3b; Campe. im eigentlichen sinne, durch und noch stolzeren füszen da an ihm vorüber-
eigene kraft: ein groszer wallfisch, desgleichen schwirrten Gutzkow (1872) 4, 121. — übertra-
ein hayfisch schwammen bei dem schiffe vor- gen: er hatte den moment vorüberschwirren las-
über G. Forster (1843) 1, 65. — vom flieszenden sen Spielhagen (1877) 6, 481. — (zeichnungen,)
wasser mitgenommen werden: vorüberschwim- auf welchen so viel schönheit und talent vor-
mender leichnam Ritter erdkde (1822) 4, 566. überschwirrte G. Keller (1889) 2, 153. —
— vom winde getrieben: (wasser,) auf dem inseln -segeln, am ufer oder küste her-, hin-, ò für-
goldgelben laubes im hauch des frischen windes übersegeln (fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926) Kramer t.-
vorüberschwammen W. Weigand d. gärten got- ital. aict. 2 (1702) 734b; vorübersegeln Campe;
tes (1930) 380. — übertragen: alle kraftäuszerung zunächst von segelschiffen: japanische junken
ist instantant — vorüberschwimmend Novalis segelten vorüber Ritter erdkde (1822) 4, 612;
2, 195 Minor. — -schwinden, wobei das adv. den (wir sahen) die ganze türkische flotte ... am
sinn des verbums verstärkt: bedauern vergang- Serail vorübersegeln Zschokke (1824) 40, 327.
ner zeit, vorübergeschwundner zustände und — wunderlich daher: das rauschen des vorüber-
empfindungen Göthe 24, 306 W.; (in) jeder vor- segelnden dampfers (auf dem Rhein) Gutzkow
überschwindenden laune Tieck (1828) 19, 451; (1872) 11, 61. — von den auf den schiffen fahren-
(arm- und handbewegungen) nur schnell vor- den: wir segelten ziemlich weit von der küste
überschwindend, schattenhaft Grabbe 4, 218 vorüber G. Forster (1843) 2, 188; so nehm ich
Bl.; dafür im vorübersegeln von eurem strande, was
alles mahnet sie des glückes,
mir gefällt Fouqué d. zauberring (1812) 1, 123.
das uns hier vorüberschwand
— mit dem akk., s. oben 2 b:
Miller ged. (1783) 191.
wie schiffende fühlen,
— -schwingen Campe; refl.: wenn sie das vorgebirge der hofnung vorüberge-
und der reigen schwingt segelt
leicht sich vorüber
Zachariä poet. schr. (1763) 7, 19.
[Bd. 26, Sp. 1838]
war noch nicht vorüber Riemer d. polit.
wolken im vergleich mit schiffen: (wenn ich) gro- maulaffe (1679) 45; mittag war vorüber Göthe
sze wolken wie majestätische schiffe vorüber- 24, 61 W.; sieben jahre waren vorüber Storm
segeln sah Brentano (1852) 5, 269. — beson- (1899) 1, 8;
dere anwendung: (fremdartig gebildete fische) die vorigen tage
tauchten mit dem kopf unter und segelten vor- sind vorüber, du hast das gestern nicht mehr
über Gaudy (1844) 14, 57. Herder 26, 62 S.;
vorübersein, fürüber seyn, abire, elabi, effluere ein peinlich langer monat ist vorüber

Dentzler clavis ling. lat. (1716) 119b; vgl. teil 4, Schiller Maria Stuart 1, 2;
vorüber ist der irdische tag
1, 1, sp. 926; vorübersein ('niedrig, aber deswegen
und du bist wieder mein
noch nicht verwerflich') Campe. — das voraus-
Novalis 1, 12 Minor.
gestellte vorüber wird in der schrift fast niemals
bei unbestimmterem gebrauch kann besonders
mit der verbalform verbunden: sobald die reuter
auf veränderte verhältnisse hingewiesen werden:
vor ihm vorüberwaren Bucholtz Herkuliskus
die zeit ist vorüber, wo man abenteuerlich in
(1665) 173. — das verb. kann in nebensätzen feh-
die weite welt rannte Göthe 25, 188 W.; lange
len: wie disz vorüber, muste ich wieder auffwar-
war die zeit vorüber, wo ein allwaltender wille
ten Grimmelshausen Simpl. 86 ndr.; nachdem
unsre allgemeinen angelegenheiten leitete
der gottesdienst vorüber W. v. Polenz Büttner-
Ranke (1867) 1, v. — mit beziehung auf die uhr:
bauer 1, 5. — bei der räumlichen anwendung wird
es war kaum fünf uhr morgens vorüber Stifter
sehr oft vorgestellt, dasz die bewegung fortgesetzt
(1904) 1, 128; 2 uhr nachmittags war vorüber
wird: indessen war der ganze zug vor uns vor-
H. v. Barth Kalkalpen (1874) 318. — in uner-
über Göthe 25, 109 W.; hier ein wagen, aber
schöpflicher mannigfaltigkeit vom verlauf in der
er ist schon voll, und schon ist er vorüber O.
zeit: der maulbeerbaum schlägt nicht aus, die
Ludwig (1891) 2, 15; die sonne war schon an
kält sey dan vorüber Lehman floril. polit. (1662)
seinem fenster vorüber Fontane I 4, 358;
2, 778; wenn nur der erste empfang vorüber
als nun der zug vorüber war,
zerraufte sie ihr rabenhaar wäre Lessing 2, 165 M.; nachdem die äuszere
Bürger 13b Bohtz; ceremonie vorüber war Klinger (1809) 3, 221;
ich warte hier, sprach er, bis du vorüber bist als der kaffee vorüber war Storm (1899) 1, 83;
Pfeffel poet. vers. (1812) 6, 177. kaum war die hochzeit vorüber G. Keller
mit dem akk., vgl. oben 2 b: kaum da ich sie (die (1889) 2, 72;
hüter) vorüber war, fand ich, den meine seele ihr geistlich fall vorüber ist,
der leiblich kommt in kurzer frist
liebt Göthe 37, 304 W. (da ich ein wenig fur
Opel-Cohn d. dreiszigj. krieg 317;
uber kam hohesl. 3, 4). — bei der beziehung auf
wenn doch vorüber wäre
zeitvorstellungen kann entweder die eben verstri-
die wasserfahrt!
chene gemeint sein oder aber auch weiter zurück- Schubart ged. (1825) 2, 121.
liegende hingewiesen werden: wenn das kleine es ist vorüber, in prägnantem sinne, es ist abge-
stündgen würde vorüber seyn Chr. Weise d. tan oder auch es ist überstanden u. ä.: hernach
polit. redner (1677) 284; die hälffte von der nacht ist es auch vorüber, und ich denke nicht mehr
dran J. E. Schlegel (1761) 2, 304; beruhigt euch! gen Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 894a; vorüber-
es ist vorüber Klinger (1809) 1, 37; und dann springen Campe: ein schöner hirsch sprang an
war es vorüber und vergessen Stifter (1904) mir vorüber G. Keller (1889) 3, 130; ungewöhn-
3, 8; damit (mit der glänzenden stellung) war lich von vögeln:
es nach der aufhebung des regimentes vorüber die vöglein wil (ich) auch laden dar,
wan die fürüber springen
Ranke (1867) 1, 123;
es ist vorüber, ist bestanden Spee güld. tugendb. (1649) 311.
A. v. Droste-Hülshoff (1878) 2, 34. — -sprudeln: (bach) an steinblöcken vorüber
Jean Paul braucht vorübersein im sinne von sprudelnd W. Alexis d. hosen d. herrn v. Bre-
gestorben sein: mich in meinem schönen Mai- dow (1846) 1, 3. — -stapfen, von schwerfälligem
enthal zu lassen, wenn ich vorüber bin (1826) gange: wenn der bauer mit seinen langen bei-
8, 176; vgl. 10, 29. nen an dir vorüberstapft Frenssen Jörn Uhl
[Bd. 26, Sp. 1839] (1902) 348; Campe hat daneben noch vorüber-
vorübersenken, vorüber im sinne von vornüber, stapeln. — -stehen, in seltener anwendung, doch
s. oben 7: mit der mündung (der muskete) etwas wohl in dem sinne von gegenüberstehen:
vorüber gesenckt H. v. Fleming d. vollk. t. sol- dieses sei
dat (1726) 244. — -spazieren, fürüberspatzieren, beweis für meinen glauben gegen jenen,
der mir vorübersteht
passare, far passeggio con passi gravi Kramer
Herder 28, 245 S.
t.-ital. dict. 2 (1702) 853c: (stein,) der mit seiner
deutlich in folgender stelle: ich zweifle nicht,
bequemligkeit vorüber spazierende sich nieder-
dasz das vorüberstehende profil (auf die abbil-
zusetzen einlude P. Fleming dt. ged. 1, 77 L.;
dung hinweisend) jedem gesunden auge nicht
so kriegte ich eine von den hünern, die eben
sogleich einen mann von der äuszersten sanft-
bey mir vorüber spatzierten Grimmelshausen
muth ... darstellen werde Lavater physiogn.
Simpl. 3, 378 Keller. — mit dem dat., s. oben 2 a:
spazier ein stündchen lang dem spiegelglas vor- fragm. (1773) 1, 214. — -stehlen, sich, 'sich heim-
über lich und unbemerkt vorüberbewegen' Campe:
Göthe Faust 2887. wenn alles mit dir lebt und fühlet,
sich sympathienvoll dein fusz
— -sprengen, in scharfer gangart vorüberreiten;
am tausendfusz vorüber stiehlet
vorüber- ò fürübersprengen Kramer t.-ital. dict.
Thümmel reise 2, 145.
2 (1702) 888c; vorübersprengen Campe: Leontin
— -steigen: träum ich nur und steigen in meiner
sei bei dem zuge, ohne ihn zu bemerken, an ihm
erhitzten phantasie diese bilder vorüber maler
vorübergesprengt Eichendorff (1864) 2, 335;
Müller (1811) 2, 90; von Campe als 'niedrig, aber
im augenblicke des vorübersprengens Laube
deswegen noch nicht verwerflich' bezeichnet. —
(1875) 8, 27. — mit dem dativ, vgl. oben 2 a:
-stelzen, von steifem gange:
sprengt in raschen galopp bald diesen, bald jenen
so stelzte stolz und stumm der krongardist
vorüber
an mir vorüber
(jamque hos cursu, jam praeterit illos Verg. Aen. 4,
157) D. v. Liliencron (1896) 9, 201.
Bürger 246b Bohtz. — -sterben, kühne bildung für hinwegsterben:
das alles vorübersterbe,
— -springen, vorbey- ò fürbey, it. fürübersprin-
ist alt und allbekannt vom schiff und den darauf fahrenden: wir seynd
Lenau 248 Barthel. bey dem capo von St. Vincenz fürübergestri-
— -steuern Campe: nachdem wir bei einigen ... chen Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1005c;
kriegsschiffen vorübergesteuert waren Smidt (ein schiff,) das gleich darauf vorüberstrich
mittheil. aus d. tageb. eines nord. seemannes Triller poet. betracht. (1750) 2, 76.
(1830) 81. — mit dem akk., s. oben 2 b: sie steuer- von den landschaftsbildern, die an den fahrenden
ten ihn (den hafen) nun muthvoll vorüber Rit- vorübergleiten: die hier sehr schönen Donauufer
ter erdkde (1822) 5, 644. — auf das land über- ... strichen an uns vorüber Nicolai reise (1783)
tragen: der muszte mit aller macht und vorsicht 2, 434. — flieszen des wassers: (Oder,) so vor der
an der thüre vorübersteuern Rank erinn. (1896) stadt vorüberstreichet Chemnitz schwed. krieg
189 bibl. d. schriftst. aus Böhmen. — -stolpern, 1 (1648) 59. — vom winde: dasz fön und nord-
ungeschickt, halb fallend sich vorüberbewegen; wind neben einander vorüberstrichen Laistner
freier: als läszt man (in der darstellung der wolfs- nebelsagen (1879) 301. — sehr oft aber auch vom
schlucht) ungeheure drachen, charakteristisch gange des menschen, wobei die vorstellung des
vollgestopft von sie tragenden bengeln, oder gleitens, des unmerklichen oder des fast berüh-
prächtige malereien vorüberstolpern Grabbe 4, rens meist aufgegeben ist, dagegen ist immer ein
208 Bl. — -strahlen: nahes vorübergehen gemeint: bey eines hause
und doch leuchtets oft in diesem raum, etc. heimlich oder geschwind fürüberstreichen
als ob götterglanz vorüberstrahle
Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1005b; sonsten er
Tiedge (1823) 1, 21. den gesellen wol wirde unberufen vorüberstrei-
übertragen: wenn er anfing zu arbeiten, so chen lassen Moscherosch ges. (1650) 1, 81;
strahlten ideen seiner seele vorüber Jung-Stil- beim flüchtigen vorüberstreichen an einem ...
ling (1835) 1, 484. spiegel Gutzkow d. ritter v. geiste (1850) 4, 61;
[Bd. 26, Sp. 1840]
er strich, so oft er durfte, bei ihren fenstern
vorüberstreichen, für- ò vorüberstreichen, tra-
vorüber Freytag (1886) 5, 92; hinwegzusehen
passare strisciando ò sguizzando Kramer t.-ital.
und still an ihr vorüberzustreichen Winnig
dict. 2 (1702) 1005b; vorüberstreichen Campe;
frührot (1926) 322;
fürüberstreichen fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926; in man-
siehst du die dirne schlank und leicht,
nigfaltigster anwendung. intrans. in der eigent-
die flüchtig dort vorüberstreicht?
lichen bed. von streichen: das messer streicht Schiller 11, 216 G.;
bei seiner bewegung an wetzsteinen vorüber und wies behend an ihr vorüberstreicht,
Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 5, 102; da hat am arme sie gewandt und leicht
(bretter,) an denen die vorüberstreichende lufft das lautaufschreiende geschöpf gehalten

sich stoszen ... musz Schönberg ausführl. ber- A. v. Droste-Hülshoff (1878) 2, 243.
ginformation (1693) 2, 109. — vom gleitenden in freiem gebrauch, auch auf abstrakta bezogen;
flug der vögel: (ortolan,) der hier oftmals vor- im bilde: der neid ist ein starcker wind, der nur
überstreicht Zachariä poet. schr. (1763) 1, 345; die hohe bäum umbwirft, bey stauden und
ein schwälblein strich vorüber hecken streicht er vorüber Lehman floril. polit.
Brentano (1852) 2, 102. (1662) 2, 564;
was ist leben?
ein schatten, der vorüberstreicht ichs gleich geacht't, ob du am zaun vorüber-
Schiller 13, 149 G. streifst, oder ob sich ein hund dran reibt Anzen-
von der zeit und dem in der zeit verlaufenden: gruber (1890) 1, 201. — gewöhnlich, aber unbe-
(da) etwas zeit vorübergestrichen sei verh. d. stimmter wie vorüberstreichen, doch ist hier das
schles. fürsten u. stände 6, 183 Palm; (ich fürchte,) nahe vorübergehen noch mehr betont: als sie nun
dasz unsere lebenstage früher vorüberstreichen bei ihm ganz nahe vorüberstreifte E. T. A. Hoff-
briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Ger- mann 6, 181 Gr.; freier: wenn leises huschen
vinus 1, 383; nachdem so viel zeit vorüberge- dienender mägde an seiner thür vorüberstreife
strichen ist Gutzkow (1872) 8, 65; Scheffel (1907) 1, 180. — im flüchtigen vor-
lasz mit gedult die zeit vorüber streichen
überstreifen Tieck (1828) 6, 109; im vorüber-
Grob dicht. versuchgabe (1678) 119. streifen Fouqué d. zauberring (1812) 2, 79; W.
ungeduld über das niebesessene, miszlungene v. Scholz erz. (1924) 364. — gestalten in der
und vorübergestrichene Göthe 27, 26 W. — vor- erzählung: eine person, die im beginne unsrer
überstreichen lassen, ohne zu beachten, zu erzählung flüchtig vorüberstreifte Immermann
benutzen u. ä.: den ihnen gesetzten terminum 6, 105 B.; (die helden) streifen an blutschänderei
vorüberstreichen lassen Chemnitz schwed. nur kaum so vorüber Gervinus gesch. d. dt.
krieg 1 (1648) 198; dasz er einen tag ungezeuget dicht. (1853) 5, 14. vgl.: er ist am gefängnis vor-
hingehen und fürüber streichen lassen Lehman übergestreift, beinahe ins gefängnis gekommen.
floril. polit. (1662) 3, 313; läszt mich dann oft — winde und wolken: kühl streifte er (der wind)
kostbare augenblicke ... ungenutzt vorüberstrei- an uns vorüber G. Forster (1843) 3, 403. vor-
chen Meinecke leben d. generalf. v. Boyen 1, 129. überstreifende wolken, blau dazwischen G.
— freier: lasz er meinen väterlichen rath nicht Büchner nachgel. schr. (1850) 208. — sterne,
vorüber streichen Chr. Weise d. drey klügsten sternschnuppen: einige fallsterne, wie sie in
leute (1675) 73; der fürst liesz an seinem dezem- schöner, klarer nacht vorüberstreifen Göthe IV
bergesicht die warmen lobreden ohne aufzu- 37, 165 W.; berührung: da die leuchtende
schauen vorüberstreichen Jean Paul (1826) 22, schleppe des sterns (eines kometen) an die erde
98; Hohenheim liesz das gerede seines beglei- vorüberstreifen sollte Watzlik d. alp (1923) 336.
ters vorüberstreichen Kolbenheyer Paracelsus — in übertragenem gebrauch, wobei das flüch-
(1922) 2, 294. — mit dem dativ, vgl. oben 2 a: tige betont werden kann: als vorüberstreifender
endlich streicht er mir vorüber
genusz Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz
Brentano (1852) 2, 453.
[Bd. 26, Sp. 1841]
(1844) 156.
des blickes vorüberstreifen,
mit dem akk., s. oben 2 b: die grosze waldichte
des seligen moments ergreifen
Amazonnenniederung vorüberstreichend Fall-
Gaudy (1844) 4, 40;
merayer fragm. aus d. Orient (1845) 1, 37.
wohin ein blick der liebe
vorüberstreifen Campe; in ähnlicher verwendung vorüberstreifend traf
wie das vorhergehende wort; bei der beziehung Rückert (1867) 7, 284.
auf den vorübergang kann die eigentliche bedeu- trotz der vier jahrhunderte, welche daran (an
tung von streifen durchschimmern: bisher hab einem bilde) vorüberstreiften Matthisson
erinn. (1815) 4, 63; einige gute wünsche streiften vorüberstürzenden L. v. François d. letzte
an den rollenden rädern (des königs) vorüber Reckenburgerin (1871) 2, 119. — lebloses:
Dahlmann gesch. d. franz. revol. (1845) 375; die und nah und näher stürzt vorüber
das alles überschwemmende gewässer
griechische krone streifte nahe an dem haupte
Göthe 16, 366 W.
seines ältesten sohnes vorüber Gutzkow (1872)
[Bd. 26, Sp. 1842]
9, 15. — wieder mit der vorstellung der berührung scheinbare bewegung: ziehende berge, denen
und reibung: durch die an einander vorüber- hügel nachflattern, stürzen vorüber vor dir Jean
streifenden interessen ... wird man nur zu leicht Paul 7/10, 357 H. — übertragen: im gewühle
verletzt ebda 12, 379. — mit dem akk., s. oben 2 vorüberstürzender ereignisse Zschokke (1824)
b: 1, 151. — -summen Campe, der auch vorüber-
streift gleich der eherne tod
sumsen verzeichnet; von insekten: kleine hum-
öfters die heldenbrust schadlos vorüber
meln summten vorüber Rosegger II 10, 78. —
Mastalier ged. (1774) 65.
eine kugel summte vorüber. — -surren, wie das
vorüberströmen, vorbey- ò fürüberströmen
vorhergehende lautmalend: ein schwarm von
Kramer t.-it. dict. 2 (1702) 1015a; vorüberströ-
men Campe; im eigentlichen sinne: während fliegen surrte an ihr vorüber Anzengruber
(1890) 1, 154. — sie (die radfahrer) surrten an
seine augen dem unaufhaltsamen vorüberströ-
ihm vorüber Ulitz narrenkarosse 15. — -tanzen
men des wassers folgten Storm (1899) 1, 317.
Campe; zunächst in eigentlichem sinne, dann
— auf die luft bezogen: unter dem aussteigen
freier von ähnlicher bewegung: (er) schnitt den
strömte vor meinem gesicht eine ätherische
vorübertanzenden frauenzimmern lächerliche
morgenluft vorüber Jean Paul 1, 17 H. — -stru-
gesichter Eichendorff (1864) 2, 361; eben
deln Campe: der Teverone strudelt im bogen
tanzte Apollonius vorüber O. Ludwig (1891) 1,
vorüber Gaudy (1844) 9, 143. — -stürmen, von
182. — von einer phantasievorstellung in gesuch-
gehenden und reitenden Campe: damit gab er tief
ter wendung:
aufseufzend einen wink und stürmte wild vor-
ein leichenzug ohne trommel und klang unauf-
über Gaudy (1844) 14, 60; während zu seiner
haltsam
linken und rechten die reitermassen ... vorüber- und langsam in meiner seele vorübertanzt
stürmten Laube (1875) 14, 56. — auf einem bilde: Stefan George Baudelaire 101.
in dem raume rechts, den die vorüberstürmen- von bildern, die an dem fahrenden vorüberglei-
den soeben offen lassen Göthe 49, 1, 362 W. ten: die bäume und hecken an der wegseite, die
— übertragen: (ich lasse) krieg und schicksal an an dem fenster (des wagens) vorübertanzten
meinem Spessart vorüberstürmen Heinse 10, Spielhagen (1877) 1, 189. — übertragen: die vor-
331 Sch.; ereignisz auf ereignisz ... stürmte an übertanzenden mythen der homerischen welt
uns vorüber A. Ruge briefw. u. tageb. (1888) 2, Nietzsche (1895) 1, 75;
249. — -stürzen Campe; von heftigster bewegung: vor meinen augen tanzen sie vorüber,
endlich stürzte der student ... unter meinem die frohen tage mit den heitern stunden

baume vorüber, dasz ihm die rockschösze weit Ad. Pichler neue marksteine (1890) 96.
im winde nachflogen Eichendorff (1864) 3, 61; — -tappen, ungeschickt tretend vorübergehen,
ich las sie (eine nachricht) in den mienen der vgl. tappen teil 11, 1, 1, sp. 140: und liesz den
Gorgias vorübertappen Becker weltgesch. jetzt noch gebräuchlich, s. teil 11, 1, 1, sp. 962,
(1801) 3, 106. — -taumeln Campe; frei, in beson- und besonders in älterer sprache üblich, wobei
derer wendung: alles andre ist mückenwerk, das vorübertraben freieren und übertragenen
an einer ehernen säule vorübertaumelt Lenau gebrauch entwickelt; vorübertraben ist 'nicht
briefw. 375 Castle. — -toben Campe: trotz den halt machen' in mannigfacher sinnesfärbung:
stürmen, die an ihm (einem bauwerk) vorüber- hast nit mehr gelt, für uber trab

tobten Johanna Schopenhauer reise durch d. B. Waldis Esopus 1, 232 Kurz;


der todt nimpt weder gifft noch gab,
südliche Frankreich (1824) 1, 2; Tobias sah sie
das er fürm reichen uber trab
(die bahnzüge) jedesmal mit offenem munde
Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 1, 3a;
vorübertoben G. Hauptmann bahnwärter Thiel
Cupido mit dem pfeil und glut
(1892) 43; der musz fein vor ihm ubertraben
sieh, meine muse sitzt am fischerherde
Rist musa teuton. (1634) h 4a.
und läszt den grausen sturm vorübertoben [Bd. 26, Sp. 1843]
W. Müller ged. 273 Hatfield. vorübertraben lassen, nicht beachten:
— -tönen, tönend sich vorüber bewegen: ein rei- wiltu etwas newes haben,
her tönt durch die finstere nacht vorüber lasz disz büchlein nit vorüber draben

Göthe 41, 1, 287 W.; einsame schritte tönten Hutten 4, 265 B.


hallend auf dem steinpflaster vorüber H. Seidel von tieren: es sey glückhafftig, wann ein hirsch
vorstadtgesch. 111. — -torkeln Campe, s. 2torkeln auff der rechten, ein fuchs auf der lincken sei-
teil 11, 1, 1, sp. 892: (frau,) die an dem felsen vor- ten furübertrabe Nigrinus v. zäuberern, hexen
übertorkelt Rosegger I 4, 224. — -tosen: (wenn (1592) 139; da trabten blökende heerden vor-
die feinde) vorübertosen, senden wir ihnen alle über schr. d. Goetheges. 7, 183 (journal v. Tiefurt).
bolzen ... in die linke seite Fouqué altsächs. bil- — von zeitabschnitten: so heiszet er den winter
dersaal (1818) 2, 459; fur uber draben, ... heiszet die sonne widder
so tost furchtbar vorüber die zeit auffsteigen Agricola sprichw. (1534) a 6b. — -
über sterblichem haupt tragen Campe; fürübertragen fehlt teil 4, 1, 1:
Hölderlin 1, 207 Litzmann. praeterferor ... füruber tragen werden Calepinus
— -traben; fürübertraben fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926; dict. XI ling. (1598) 1144b; im eigentlichen sinne
im eigentlichen sinne von reitern: als ein reiter in von tragen: da man das hochwürdige sacrament
groszer eile vorübertrabte Tieck (1828) 7, 243; fürüber trug Reutter v. Speir kriegsordn. (1594)
beide reiter trabten ... lachend an mir vorüber 40; im palankin vorübergetragen Ritter erdkde
Holtei erz. schr. (1861) 38, 46. zugleich auch (1822) 3, 242; wenn ein glas dampfenden
auf fuszgänger bezogen: bis dasz der Goldstein punsches vorübergetragen wurde Fontane I 1,
langst dem wirtshaus mit seinem volk voruber 375;
trabte Mechtel Limb. chron. 205 Knetsch; dann du wurdest ja so ernst, da sie die leiche
stand ich still, liesz an mir noch fuszvolk und vorübertrugen

reiter vorübertraben Rosegger I 2, 311. — diese Klopstock oden 2, 18 M.-P.


anwendung auf schnelleres laufen, dann über- freie und übertragene anwendung: als uns der
haupt auf das vorübergehen, ist bei traben auch steig ... an einer einöde oder einem isolirten
hause vorübertrug Jean Paul 1, 336 H. beson- einer verbindung durch präpos.: unterdessen
dere wendungen: die gestrige nacht trug wieder (während) einige pferde und ander vieh des
ihren leuchtenden regen, sein brennendes herz feindes lager vorübertreiben v. Fleming d. vollk.
und Emanuels schatten vorüber 7/10, 99 H.; t. soldat (1726) 273; (wenn) die Rhone ihre grün-
und ich hör der engel lieder wieder, lichen gewässer in heftiger wellenjagd die stadt
die das leben mir vorübertrugen
vorübertreibt Ranke (1867) 7, 128, vgl. oben 2
Brentano (1852) 1, 448. b. — ungewöhnlich ist sich vorübertreiben:
— -trappen, stampfend vorübergehen Campe jeder treibt
(daneben -trappeln ), vgl. teil 11, 1, 1, sp. 1264 sich an dem andern rasch und fremd vorüber
u. 1258: beladene maultiere trappen vorüber G. Schiller Wilh. Tell 4, 3.
Hauptmann griech. frühling (1908) 157. — -träu- in intrans. gebrauch zunächst von dem, was vom
men, trans. mit objekt: wasser (ohne menschliche tätigkeit) vorüberge-
schnell werden sich vier tag in nächte tauchen, tragen wird: am folgenden morgen trieb ein gro-
vier nächte schnell die zeit vorüberträumen
szer haufen seegras bei dem schiffe vorüber G.
(four nights will quickly dream away the time som-
Forster (1843) 1, 110; im bilde:
mernachtstr. 1, 1)
das wirf entschlossen in der irdschen dinge flusz.
Eschenburg Shakespeare (1775) 1, 127.
dich tröst es, dasz im flusz es wird vorübertreiben
— -treiben, praeteragere Stieler 2322; Campe; Rückert (1867) 8, 623.
vorbey- ò fürübertreiben Kramer t.-ital. dict. 2 freiere anwendung: (sehnsucht,) in welcher stun-
(1702) 1129c; im eigentlichen sinne von treiben: den, tage und wochen wie auch die menschen
wenn er seine gefleckten kühe und die hüp- ohne zu haften an ihr
fenden kälber hier vorübertreibt Geszner schr. [Bd. 26, Sp. 1844]

(1777) 1, 85; bauern ackerten, hirten trieben ihre vorübertrieben W. v. Scholz erz. (1924) 160. — -
heerden vorüber Eichendorff (1864) 2, 11. — treten: aus dem Urosee ... tritt links der Urob-
das objekt ist zu ergänzen: ach am groszen kosakendorfe Uro vorüber zum
da treib ich vorüber, Barqusin Ritter erdkde (1822) 3, 61. — -trinken,
dann blick ich hinüber
gelegenheitsbildung: ich bin ein so ehrlicher ...
zur laube der hirtin hinein
gesell als dieser, warum trinkt er mich vorüber,
Tiedge (1823) 5, 216;
warum übergeht er mich beim zutrinken? br.
und als er (der schäfer) nun mit stillem weh
in jeder früh vorübertrieb Grimm dt. sagen (1891) 1, 59; zum akk. vgl. oben
Uhland ged. 1, 143 E. Schm.-H. 2 b. — -trippeln Campe, mit kleinen, zierlichen
wind, sturm: am folgenden morgen trieb er (der schritten vorübergehen: wie die kleinen scheu
sturm) uns beim cap Stephens vorüber G. Fors- und jüngferlich vorübertrippeln Grillparzer
ter (1843) 2, 342; 10, 238 Cotta; als ein nettes, feines mädchen
treibt der wind von ihrer pforte an mir vorübertrippelte Gaudy (1844) 2, 98. —
wolken staubs behend vorüber freier, schwächliches wesen bezeichnend:
Göthe 6, 26 W. wo rüstig heldenleben längst auf beschwörung
das flieszende wasser als subjekt: um zu sehen, lauscht,
da trippelt man vorüber und schauert, wenn es
was die wasserstrasze eben vorübertreibt S.
rauscht
Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 27. — akkus. statt
Uhland ged. 1, 279 E. Schm.-H. mit dem dat., vgl. oben 2 a:
— -trollen, sich: ein fettes schweinchen, das sich jeder dämmernde hain ist ihm ein heiliger
tempel, wo ihm sein gott näher vorüberwallt
lebensfroh vorübertrollt Steub drei sommer in
Hölty ged. 113 Halm;
Tirol (1895) 1, 107. — -tropfen, übertragen: die
dahin wallte sie in leide
zeit ist ein stetes vorübertropfen von augenbli-
mir vorüber jeden tag
cken Jean Paul 48, 142 H. — -trotten Campe; Mörike 1, 170 Göschen.
eigentlich von reitern, doch auch von gehenden: freier: wie ein silbern wölkchen, wallt der
als sie nun traurig beim letzten und gröszten schüchterne mond am hellen tage vorüber Höl-
haus vorübertrotten Blunck sprung über d. derlin 2, 104 Litzmann; wie die wolkenschleier
schwelle (1931) 207. — -wackeln Campe: zwei an dem monde vorüberwallten Spielhagen
dicke frauen wackeln vorüber Castelli (1844) (1877) 1, 7;
10, 188. — -wagen, sich, 'es wagen, vorüberzu- mitleidig siehst du (mond) meine pein,
gehen' Campe. — -wallen Campe, der es der wallst trauriger vorüber
'höheren schreibart' zuweist; eigentlich von pil- Miller ged. (1783) 28;
gern: bis die erd aus der azurnen ferne
wöchnerinnen steh ich bei, wie ein nebelstreif vorüberwallt
pilgern, die vorüber wallen J. D. Falk satiren (1800) 2, 55.
Castelli (1844) 13, 274; übertragen: lasz es (das wort) ungehemmt wie
die pilger mit ihren wirren und buschigen häup- das wetter vorüberwallen Valvasor d. ehre d.
tern
herzogth. Crain (1689) 1, 43; dem das leben zwi-
bei ihrem vorüberwallen werden beschaut
schen arbeit und ruhe ... in einer ungestörten
von mystischen weilern und frommen dörfern
einförmigkeit vorüberwallet Hirschfeld land-
Stefan George übersetz. 1, 108.
leben (1776) 188;
dann in allgemeiner anwendung als wort der
da schreiten die stunden so leise
gehobenen sprache: im lichtstrome walleten
wohl in der nacht,
erhabene gestalten vor ihm vorüber Jean Paul verhüllen auf finsterer reise
3, 52 H.; (er) sah gleichgültigen blickes den zug mit ernstem bedacht
der kirchgänger vorüberwallen M. v. Ebner- in dunkeln falten
die regen gestalten,
Eschenbach (1893) 5, 44;
an denen sie sinnend vorüber wallten
dasz von männern, die vorüberwallen,
nicht die worte in die gruft erschallen Brentano (1852) 5, 272.
[Bd. 26, Sp. 1845]
Hölderlin 1, 56 Litzmann;
— -walten, gelegenheitsbildung, beim vorüberge-
lasz Platons geist vorüberwallen
mit seinem tiefen zaubergrusz hen wirken: wenn er dasjenige, was wir vor-
Lenau 490 Barthel; getragen haben und zunächst mittheilen, in
wie du rings dir im vorüberwallen gemüth und gedanke vorüber walten läszt
pflücktest blätter nach gefallen Göthe 32, 190 W. — -walzen: als die vorüber-
Rückert (1867) 2, 449; walzte, und dem hübschen kinde fast auf den
indes die orgel nun verhallt,
fusz trat Alexis d. Roland v. Berlin (1840) 1, 386.
die sängerin vorüberwallt
— -wälzen: (wogen,) die ihn dürren felsenmau-
Mörike 1, 55 Göschen.
ern vorüberwälzten Tieck (1828) 8, 72, zum dat. kerkerrauch vorüber?

vgl. 2 a; refl.: der zeitstrom wälze sich indesz mit Schubart ged. (1825) 1, 116;
es wandelt der mond
tagen, minuten, sekunden vorüber Schubart
mit den stillen sternen vorüber
br. 2, 158 Strausz; dicker pulverdampf wälzte
E. M. Arndt 3, 19 Rösch-Meisner;
sich zuweilen zusammengeballt vorüber Laube
im windhauch, der die stillen gräser
(1875) 8, 30. — übertragen: wenn alle diese vorüberwandelnd neigt
widersprüche ... sich meinem blicke in gedräng- Mörike 3, 122 Göschen.
ter folge vorüberwälzten Immermann 19, 34 B.; scheinbare bewegung: die sommergefilde wan-
also wälzten sich mir die eilenden jahre vorüber
delten vor ihm vorüber Jean Paul 7/10 H. —
Göthe 50, 279 W. in freier übertragung: zu solchem ... zweck läszt
— -wandeln, als wort der 'höheren schreibart' bei das epos gestalten vorüberwandeln Herder 24,
Campe; das verb. wird jedoch auch, besonders im 237 S.; (das genie) ist eine gegenwärtige oder
eigentlichen sinne, ganz farblos gebraucht; im schnell vorüberwandelnde gottheit Lavater in:
eigentlichen sinne: bei seinem dritten vorüber- schr. d. Goetheges. 16, 130; wenn man die gro-
wandeln (an einem fenster) Tieck (1828) 17, 176; sze weltwirksamkeit ... des freien und tapfern
im vorüberwandeln Eichendorff (1864) 3, 310; volkes seinem geist vorüberwandeln läszt E. M.
dasz er (ein vogel) oft den vorüberwandelnden Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen (1845) 1,
so nahe um den kopf fliegt Naumann natur- 469;
gesch. d. vögel (1822) 6, 153; gelobt sei Jesus jedweder tag, den ich vorüber wandlen seh,
Christus! riefen sie, bei mir vorüberwandelnd bezeichnet mein geschick mit einem neuen weh
E. T. A. Hoffmann 2, 42 Gr.; er liesz sie unge- samml. v. schauspielen (1764) 2, 39;
sehen vorüberwandeln G. Keller (1889) 6, 383; hundert monde sind vorübergewandelt
silberrein, unversiegt, dem vorüberwandelnden Klopstock Messias 16, 213.
fremdling vorüberwandelnd, prägnant, flüchtig, bald ver-
sprudelt aus wallendem kies unten am berge der
gehend: (augen, die durch) einen vorüberwan-
quell
delnden zug von leide nicht weniger anziehend
Voss s. ged. (1802) 6, 306;
wurden Storm (1899) 2, 147. — -wandern
der könig wandelt vorüber
an seiner väter gruft Campe; zunächst von solchen, die sich auf einer
Hebbel w. 7, 152 W. fuszreise (wanderung) befinden, dann aber als
mit dem akk., s. oben 2 b: aber der gröszte theil gehobener ausdruck einfach von vorübergehen-
wandelt mit einem unbegreiflich stumpfen sinn den: du wanderst vor einen bach vorüber
... die groszen schönheiten vorüber Johanna Schupp schr. (1663) 232; nicht wie einheimische,
Schopenhauer Fernows leben (1810) 276. — von sondern wie vorüberwandernde Göthe 25, 69
tieren: W.; in der ferne sah ich ... meinen vater vor-
ein hochgeweihetes hirschheer überwandern mit seinem schweren felleisen auf
wandelt langsam vorüber dem rücken G. Keller (1889) 3, 122;
Hölderlin 1, 45 Litzmann. besuchende freundin, so bitt ich,
unbelebtes in wirklicher bewegung: wandre vorüber
wann wandelt unter mir Herder 26, 183 S.;
so erblickt ich auch dich, vorüberwandernd, ... an mir vorüberwehte Storm (1899) 1, 279.
Mykenä von ihr vergessen
E. M. Arndt 6, 61 Rösch-Meisner. wie ein vorüber gewehter windhauch
[Bd. 26, Sp. 1846]
Lenz ged. 127 Weinhold.
ungewöhnlich: in unwillen und bestürzung sah in freier anwendung: es kam ihnen ... oft mit
das volk sie (die österreichischen truppen) vor- erschrecken vor, als wehe der klingende flug
überwandern Zschokke (1824) 9, 140. — mit abgeschiedener seelen vorüber Jean Paul (1826)
dem dativ, vgl. oben 2 a: jetzt wandert mir ein 21, 187; ein goldner falter weht vorüber Stif-
freundlicher pilger vorüber Hölderlin 2, 60 ter (1904) 1, 102;
Litzmann. — übertragen: die schaumkronen der wenn sonnen sich um axen drehn
wogen, die ununterbrochen vorüberwanderten und an der erd vorüberwehn
Vesper d. harte geschlecht 240. — -wanken Schiller 1, 29 G.
Campe; müde, schwankend vorüber gehen: wäh- — -weiden: betrachte die heerde, die an dir vor-
rend die reihen (des heeres) in gespenstischer überweidet Nietzsche (1895) 1, 283;
stille an den sterbenden kameraden vorüber- wo fromm das reh an dir vorüberweidet

wankten Droysen gesch. Alexanders d. Gr. Mörike 1, 136 Göschen.


(1838) 474; da erblickte er (Karl d. Gr.) seine — -weinen:
hört davor (vor der hütte) die linde schauern
tochter unter ihrer schweren last vorüberwan-
und den bach vorüberweinen
ken br. Grimm dt. sagen (1891) 2, 74. — übertra-
Lenau 98 Barthel.
gen: vorüberwankende (flüchtige) erscheinung
— -weisen, 'bei etwas vorüber zu gehen weisen'
Hegel (1832) 16, 205. — -weben, leise vorüber-
Campe. — -welken:
ziehen:
ohne dich wäre mein leben in trägen weiblichen
da webt der letzte schein
freuden
verwaist, verweht vorüber,
ruhmlos vorübergewelkt
nun musz es dunkel sein
Wieland I 3, 124 ak.-ausg.
O. Ludwig (1891) 1, 91.
— -wenden, in der folgenden stelle intrans.:
refl., übertragen: krankheit, kummer, elend und
dasz ich sie so verkannt und sah nicht
not, alles ... webte sich an mir vorüber D. v. immer auch noch im vorüberwenden
Liliencron zehn novellen 151. — -wechseln, aus der liebe thräne
der jägersprache übertragen: wohl aber hast du Herder 29, 507 S.
dich in den regimentern umzuschauen, die da — -wettern:
vorüberwechseln Laube (1875) 14, 125. — - sehn getrost im sichern winkel,
wie der trosz vorüberwettert
wehen Campe; zunächst vom winde, dann freier,
Hepp Gerald (1892) 117.
trans. und intrans.: (im bilde:) dasz der himmel
— -wiegen: ein frischer ostwind wiege dich an
das ungewitter aus Teutschland bald möchte
der pommerschen küste vorüber Kotzebue
lassen vorüberwehen Bucholtz Herkuliskus
dram. w. (1827) 6, 3. — -winden, sich: windet
(1665) 794; eben wehte ein lüftchen vorüber
sich dieser flusz ... an dem sitze des hohen pries-
Herder 21, 339 S.; (wiesen,) aus denen der wind
ters vorüber Ritter erdkde (1822) 2, 529. — -wir-
das geläute weidender herden vorüberwehte
beln, mit festhalten der vorstellung des sich dre-
Eichendorff (1864) 2, 4; wenn der nachtwind
hens auf tanzende bezogen: wo die paare ... 1525) akten u. br. zur kirchenpolitik Georgs v.
immer schneller vorüberwirbelten C. F. Meyer Sachsen 2, 499. — -zerren Campe: als ihn V. an
Jürg Jenatsch (1902) 349. — ohne diese vorstel- einer gruppe vorüberzerrte Laube (1875) 15,
lung: (individuen,) die da zu tausenden an mir 156.
(in Afrika) vorüberwirbelten Johst so gehen sie vorüberziehen; fürüberziehen fehlt teil 4, 1, 1,
hin (1930) 135. — von leblosem: finstere schnee- sp. 926; vor- ò fürüberziehen Kramer t.-ital. dict.
staubwolken wirbelten an den fenstern vorüber 2 (1702) 1460c; vorüberziehen Campe.
Rosegger I 1, 25. — Campe verzeichnet nur trans. a) trans. 'ziehend vorüberschaffen' Campe;
gebrauch. — -wischen; fürüberwischen fehlt teil gewöhnlich nur im eigentlichen sinne, Campe
4, 1, 1, sp. 926; hastig vorbeieilen: auf diese rede belegt übertragenen gebrauch durch eine stelle
wischt er vor mir vorüber Bäuerle kom. aus Jean Paul; refl.: sie zogen sich daher auf
[Bd. 26, Sp. 1847]
den leeren gängen des gartens an den spazie-
theater (1820) 5, 30. — auf die zeit bezogen: ideo rengehenden vorüber Eichendorff (1864) 2, 71.
(du) lest den tag fur uber wischen Luther 20, b) reich ist dagegen der intrans. gebrauch entwi-
472 W.; ckelt.
bis das die stund fürüber wischt
α) im eigentlichen räumlichen sinne besonders
Fischart dicht. 1, 147 Kurz.
von einer durch gemeinsamen zweck oder ziel
— -wogen Campe (als wort der 'höheren
geschlossenen menge, so von truppen oder deren
schreibart'); zunächst vom wasser: der flusz
führer: dasz die Hussiten für Leipzig fürüber
wogte breit glänzend und zufrieden vorüber G.
gezogen Binhardus thür. chron. (1613) 303; (es
Keller (1889) 1, 373. — dann übertragen, mit der
trägt sich zu,) dasz ein heer nahe bey einer
vorstellung einer in dauernder, wirrer bewegung
besatzung des feindes vorüberziehen musz v.
befindlichen masse: immer bunter und bunter
Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 166; der zapfen-
und bunter wogt die masse der spaziergänger
streich zog vorüber Brentano Godwi (1801) 1,
bei mir vorüber E. T. A. Hoffmann 1, 11 Gr.;
197; wenn das kriegsvolk so an ihr vorüberzog
das treiben, das (auf der strasze) vorüberwogte
Fouqué gefühle, bilder (1819) 1, 10; schweigend
Fontane I 4, 426. — in besonderer anwendung,
und schlagfertig zog das republikanische heer
den flug der taube charakterisierend: eine vorbei-
an dem russischen vorüber Moltke ges. schr.
kreuzende schwalbe und eine vorüberwogende
u. denkw. (1892) 2, 130;
taube Jean Paul 15/18, 97 H. — -wollen Campe:
(er) liesz
er (ein hund) will vorüber, nein, er stellt sich,
sein edles heldenheer vorüber ziehn
knurrt
E. v. Kleist bei
A. v. Droste-Hülshoff 2 (1878) 114.
Lessing 8, 36 M.;
— -wünschen, trans. , wünschen, dasz etwas vor-
und weiter im lande zu ernten,
übergeht, zeitlich: ich kenne keinen monat, den zieht, vom frevel erhitzt, mit der beute der Perse
man so rasch vorüberwünscht, wie den mai W. vorüber
Jensen in dt. dichtung 11, 1b. — -wuschen (d. Hölderlin 1, 221 Litzmann.
h. wüschen), wie -wischen: aber was wider das geisterzüge: in den dunklen wolkenlagern schie-
fleisch ist, das lassen wir voruberwuschen (von nen heerzüge verschwundener geschlechter
vorüberzuziehen G. Keller (1889) 1, 400; gleich wie ein wandersman thut im fürüber ziehn
das wütend heer also genant Opitz poeterei 34 ndr.;
nach fasenacht sich do lasz sehen, zieh nicht so schnell vorüber
für uber zieh mit groszem heer, an dieser stillen haide
sam obs ein könig und keyser wer Lenau 48 Barthel.
Eyering proverb. copia (1601) 1, 784. im schiff fahrender:
β) dann im allgemeinen gebrauch auf plurale der schiffer, der vorüberzieht
oder kollektiva oder andere zusammenfassende Schenkendorf ged. (1815) 188.
ausdrücke bezogen: da sie aber fur Mysian uber- δ) ebenso von tieren: da die helffanten hauffen
zogen ap.-gesch. 16, 8; da sind andere leut für weise pflegen füruber z ziehen Heyden Plinius
uber gezogen Agricola sprichw. (1534) 3a; alle (1565) 97; so irgents eyn wolff für uber gezogen
vorüberziehenden ritter sollen zu diesem ste- ist Sebiz feldbau (1579) 629; gemelte herbstzeit
chen ersucht werden Bucholtz Herkuliskus der strichvogel ohne das bey uns vorüber zie-
(1665) 92; (aus dem) palaste lauschte er den vor- het Aitinger jagd- u. weidbüchl. (1681) )( 4a;
überziehenden schnittern R. Wagner ges. schr. ein mit kohlensäcken vorüberziehender esel
u. dicht. (1897) 3, 249; stellte sich zur seite, um Gaudy (1844) 2, 75;
die glänzenden leute vorüberziehen zu lassen G. und über dem theater hin
sieht man in schwärzlichtem gewimmel
Keller (1889) 5, 193. — die ihre kleine tyrannei
ein kranichheer vorüberziehn
ungeahndet an den vorüberziehenden ausüben
Schiller 11, 246 G.;
G. Forster (1843) 3, 355. — solange das chor
der sybarit (ein reiher)
der mädchen vorüberzog Bürger 257b Bohtz; sah zwanzig hechte, karpfen, schleyen
eine vorüberziehende karavane Klinger (1809) vorüber ziehn
7, 218. freier: alles elend der menschheit Pfeffel poet. vers. (1812) 3, 147.
[Bd. 26, Sp. 1848]
ε) in allgemeinem gebrauch mit der festgehal-
zog in schrecklichen gestalten vorüber Sturz tenen vorstellung einer bewegung, einzelne
schr. (1779) 1, 136; in solchen und ähnlichen anwendungen gern in bildern:
typen zog ... das polnische volksleben an ihm von dir, o Laura, fern, betracht ich weinend
vorüber Meinecke leben d. generalf. v. Boyen den mond, der dort vorüber zieht
(1896) 1, 56. Miller ged. (1783) 22;
γ) von einem einzelnen: keiner, so allhie fürüber vorüberziehende wolken Bettine d. Günderode
gezogen Amadis 120 lit. ver.; (pilger,) der jenseit (1840) 1, 152; bittet er eine vorüberziehende
des flusses vorübergezogen war Fouqué d. zau- wolke A. v. Humboldt kosmos (1845) 2, 117;
berring (1812) 1, 4; (trompeten) begrüszten den die wölklein ziehen über mir
wie lämmlein still vorüber
truchsesz, der eben an dem musikchor vorüber-
Schubart ged. (1825) 3, 48;
zog Hauff (1890) 1, 49; um mit einem vorüber-
die wolke zieht in majestät vorüber ohne laut
ziehenden reiter einige worte zu sprechen
Strachwitz ged. (1850) 121.
Waiblinger d. Britten in Rom 88 Zoller;
frei: sah in die nacht hinaus, die mit stürmi-
(Eulenspiegel) stund ins selbig loch darnoch,
als der hertzog für über zoch schen wolken über den mond und die sterne
Fischart 2, 131 Hauffen; vorüber zog H. v. Kleist 3, 326 E. Schm. — im
bilde: solche kleine wolken zogen bald vorüber, vorüber H. v. Barth Kalkalpen (1874) 251.
und wir lebten in der stille fort Knigge roman ζ) von allem, was das auge oder das ohr nach
m. lebens (1781) 4, 51; (sie) erkannte sie (launen) und nach aufnimmt: als wäre ein schattenspiel
als das, was sie waren, als vorüberziehende wol- vor ihm vorübergezogen G. Büchner nachgel.
ken W. v. Polenz Grabenhäger (1897) 1, 318. — schr. (1850) 202; es zieht dann ein stück der
von wetter, gewitter, sturm: man sahe die gewit- leidensgeschichte mit bewegung und rede an
ter vorüberziehen, und auf ihnen den herrn der uns vorüber Steub drei sommer in Tirol (1895)
gewitter Herder 12, 313 S. — im bilde: bis dieses 1, 55. — Dresdens herrlichkeiten, die ... wie ein
lermen still wird, bis dis wetter fürüber zeucht zaubermärchen an ihm vorübergezogen waren
Faber thesaur. (1587) 759b; (könig Heinrich) Justi Winckelmann (1866) 1, 185. — prägnant:
theilt die vorüber ziehenden wetter aus einan- der in den pausen ruhig sein brot asz und die
der maler Müller (1811) 1, 192; da ich merkte, gespräche an sich vorüberziehen liesz Winnig
dasz sie händel suchten, trat ich bei einem apo- frührot (1926) 257.
theker ein und liesz den sturm vorüberziehen η) von der zeit und dem verlauf in der zeit: er
Göthe 43, 225 W. — duft, geruch: (dasz) der vertraute der lindernden, vorüberziehenden zeit
geruch einer bürgerlichen küche spurlos an den Göthe 20, 381 W.; der mittag war unterdesz
miszbrauchten nasen vorüberzieht Brunner durch die kühlen waldschluften fast unver-
erz. u. schr. (1864) 1, 293. — vom wasser: an merkt vorübergezogen Eichendorff (1864) 2,
dem schönen flusse, der eine halbe stunde von 12;
Seldwyl vorüberzieht G. Keller (1889) 4, 74; im wenn sie vorüberzögen
geräuschlos meine tage
bilde:
tugendhafte — die den strom der laster Schubart leben u. gesinn. (1791) 1, 280.
fürchterlich vorüberziehen sehn mein leben ist wie ein gewitter schön und
Schubart leben u. gesinn. (1791) 2, 103. schrecklich vorübergezogen Eichendorff
strom und strasze: auch an der basilika sanct (1864) 3, 291. — in besonderer anwendung: vor
Paul sollte statt der schönen, breiten stromflä- jahren wäre solch ein buch noch ohne sang und
che ... nur eine staubige landstrasze vorüber- klang vorübergezogen briefw. zw. J. u. W.
ziehen? Gregorovius wanderjahre in Italien 2 Grimm, Dahlmann u. Gervinus 2, 266.
(1904) 164. — oft von schiffen: aber die θ) innerer vorgang: die gedanken kommen und
[Bd. 26, Sp. 1849]
gehen, sie ziehen wie zugvögel vorüber Herder
segel zogen wie stumme schwäne vorüber 23, 240 S.; (ich) sah nun, wahrhaft gerührt, mich
Eichendorff (1864) 3, 230; (sie) blickte einem vor mir selbst, in einer langen reihe von vor-
vorüberziehenden dampfschiffe nach Storm sätzen, gefühlen, gesinnungen und thätigkeiten,
(1899) 1, 42; dann und wann ziehn ein paar gro- flieszend, vorüberziehen Göthe IV 34, 188 W.;
sze spreekähne vorüber Fontane I 5, 196. — liesz unter behaglichen träumen alles an sich
wagen: die heimkehrenden gespanne zogen an vorüberziehen, was der tag gebracht hatte Fon-
ihm vorüber Freytag (1886) 4, 335. — scheinbare tane I 6, 36;
bewegung: die beiden pyramiden der Mädelega- wie leichte wolken vor der sonne,
bel ... zogen langsam an meiner rechten seite so zieht mir vor der seele leichte sorge
und bangigkeit vorüber [Bd. 26, Sp. 1850]

Göthe 10, 70 W.; dann freier: vor einem fernen kometen ... zuck-
grabgedanken ten wir vorüber Jean Paul (1826) 56, 148; das
zogen schwarz in mir vorüber spielende verweilen und vorüberzucken der rot-
Müllner dram. w. (1828) 2, 12. betupften fischlein zu beobachten W. Weigand
ι) mit besonderer betonung des flüchtigen: (den) d. löffelstelze (1919) 68. — -zücken, sprachwid-
plötzlich aufsteigenden und schnell vorüberzie- rig intrans. gebraucht:
henden thorheiten G. Forster (1843) 6, 63; das sie wird mit sehnsuchtsblicken
seye nur krankheit und vorüberziehender an euch wie maies wehen
so süsz vorüberzücken
wahnwitz bei ihm Fouqué altsächs. bildersaal
Brentano (1852) 2, 241.
(1818) 2, 82.
— -zwicken, von hasen, schnell vorüberjagen: wie
κ) einzelnes; in älterer sprache nicht beachten
erfahrene jäger weithin auf vorüberzwickende
vom schriftsteller: welcher die stück ... verblü-
hasen schieszen Gotthelf ges. schr. (1855) 7,
met, glosiert und verkert, oder gar stillschwei-
116.
gend fürüberzeucht, als ob er nichts davon
wisse Vergerius des babsts kindbet (1560) b 2b. 9) zusammenfassung; mit dem dat. in örtlicher
anschauung (s. oben 2 a) verbinden sich vorüber-
— mit dem dat. verbunden in örtlichem sinne,
eilen, -fliegen, -fliehen, -hüpfen, -huschen,
vgl. oben 2 a: (da) Kain der Thirza, der er gemal,
-kleppern, -quellen, -rauschen, -reiten, -sausen,
liebling und bruder erschlagen, vorüberzeucht
-schiffen, -spazieren, -sprengen, -streichen,
Herder 6, 169 S. — übertragen:
die wölln armut fliehen, -wallen, -wälzen, -wandern, -ziehen, mit dem
dem kummer wöln fürüber ziehen, akkus. in gleichem sinne (vgl. oben 2 b) vorüber-
verlieren dadurch die freiheit holdt eilen, -fahren, -fliegen, -fliehen, -gleiten, -jagen,
B. Waldis Esopus 1, 82 Kurz. -kommen, -lächeln, -rollen, -schwanken,
vorüberzittern Campe: -schweben, -segeln, -sein, -streichen, -streifen,
lausch ich des hügels leisem quell,
-treiben, -trinken, -wandeln. — als kühnere
der, dunkel hier, dort silberhell,
zusammensetzungen sind zu beachten vorüber-
wie der west die zweig erschüttert,
rasch ins thal vorüberzittert blühen, -denken, -glühen, -grinsen, -hören,
Voss ged. (1802) 6, 217. -jubeln, -keifen, -klagen, -klingeln, -klingen,
— -zucken, zunächst von schärfster, blitzartiger -knixen, -lächeln, -lachen, -leben, -leuchten,
bewegung: ein glühender blitz zuckte vorüber -quellen, -raufen, -schimmern, -schlagen,
Gotthelf ges. schr. (1855) 3, 48; als ob ein jäher -schmettern, -schreien, -schwellen, -sterben,
feuerschein wie eine stichflamme an den -tönen, -träumen, -weinen, -welken, -wettern,
beschlagenen fenstern vorüberzuckte W. Wei- -zittern. — zu 7 (vorüber im sinne von vorn-
gand d. rote flut (1935) 24; im bilde: über, vgl. vorüberlegen, -senken.
denn warum riefen die allmächtigen 10) vorüber als erstes glied in zusammensetzun-
aus ihren tiefen einen strahl wie diesen, gen mit einem subst. (s. vorübergänglich); vor-
so er vorüberzuckend hinter sich
überfahrt, f. Campe: wenn denn gar selten so
nur nacht und öde lassen sollte?
viel dünste und dämpfe bei währender trajec-
Immermann 19, 207 B.
tion (oder vorüberfahrt) zusammenstoszen, rohe sculpturen von hohem alter, wenn auch
dasz so viel kometenkerne daraus formirt wer- nur im vorüberfluge, gesehen zu haben Ritter
den möchten Er. Francisci d. eröffnete lusthaus erdkde (1822) 9, 968; es hätte nicht viel gefehlt,
(1676) 1226; vorüberfahrt an Timbuctu (auf dem so hätte ich sie im vorüberflug an mein herz
Niger) Ritter erdkde (1822) 1, 1075; während gezogen Gutzkow d. ritter v. geiste (1850) 6,
der vorüberfahrt des zuges Lueger lex. d. ges. 357; nicht flüchtig und im schnellen vorüber-
technik (1894) 7, 901; fluge hat er (Görres) land und leute betrach-
ich habe doch genug des schönen aller art tet bei Görres (1854) 5, 346;
auf dieser eiligen vorüberfahrt gewahrt als auf seinem kühnen zuge
Rückert (1867) 8, 633. er (Ferdinand) aus Böhmen brach hervor,
— -flug, m. , im eigentlichen sinne: auf den vor- streift er im vorüberfluge
bis an seines Braunschweigs thor
überflug der vögel achten Campe; nur ein finke,
Rückert (1867) 1, 83.
wie in eiligem vorüberfluge, schlug nahe an
[Bd. 26, Sp. 1851]
unserem wege seine vollen töne an G. H. v. dann verblassend: nichts ist so nützlich, das im
Schubert selbstbiographie 2 (1855) 266; vorüberfluge nutzen gäbe Bode Montaigne
sanft, wie vom vorüberfluge
(1793) 6, 369; durch eine an mehrern stellen im
eines engels, weht die luft
vorüberfluge angedeutete und durchschim-
Tiedge (1823) 4, 79;
mernde vergleichung Fr. Schlegel (1846) 3,
in kühner übertragung: sie hatte solche weder
126; dienste, welche nur im vorüberfluge den
dem vorüberflug ihrer funkelnden augen, noch
leistenden vortheile abwerfen Gutzkow (1872)
den gleich vergänglichen tönen ihres mundes
9, 115. — -flusz, m. , ungewöhnlich, als vorgang:
zu verdanken Thümmel reise 10 (1805) 395. —
(der strom nimmt) an seinem vorüberflusz bei
am häufigsten wohl in der verbindung im vor-
Ooch an breite bis 800 schritt zu Ritter erdkde
überfluge, womit ein augenblick des vorüberei-
(1822) 7, 40.
lens bezeichnet wird, entweder mit festhaltung
vorübergang, m. Campe; vgl. fürübergang teil
einer räumlichen anschauung oder freier ohne
4, 1, 1, sp. 926 (nur ein beleg aus Schupp); ent-
diese; nahe der eigentlichen vorstellung: blitze,
sprechend dem eigentlichen sinne von 'gehen':
welche durch die finsternis fuhren und im vor-
sein beinkleidchen und sein röckchen und alles
überflug eine theure gegend erleuchteten Gutz-
salzte die weiber im hause blosz durch den vor-
kow (1872) 6, 292;
es ist ein land voll träumerischem trug, übergang (des trägers) zu Lothischen salzsäulen
auf das die freiheit im vorüberflug ein Jean Paul I 6, 86 akad.-ausg.; (ein gaun-
bezaubernd ihren schatten fallen läszt erzeichen) zeigt den vorübergang und die zahl
Lenau 80 Barthel. der vorübergezogenen genossen an Avé-Lalle-
auffallend von einer schwimmenden meermu- mant (1858) 2, 63; gott grüsz dich, krämerin,
schel: sprach sie im vorübergang br. Grimm dt. sagen
gliedmaszen blieben ihm frei immer noch genug,
(1891) 2, 115; (der) die arme ausbreitete, um ihr
zu haschen einen raub auch im vorüberflug
den vorübergang zu wehren W. Weigand d.
Rückert (1867) 8, 429.
ewige scholle (1927) 406;
von menschen: (er behauptet,) an felswänden
hüpfen möcht ich vor freuden, gedenk ich der bli-
cke voll anmuth, (1824) 30, 163. — hiervon abgeleitet vorübergän-
wenn im vorübergang mich zärtlich vom fenster
ger, m., der vorübergehende, fürübergänger fehlt
sie grüszt
teil 4, 1, 1, sp. 926: damit es (ein tier) die fürüber-
Hegner ges. schr. 5, 250.
gänger anlokket und nachmals ertapfet Neuhof
freier dann von bewegung aller art: bei dem vor-
d. gesantschaft (1666) 27b; dasz die vorübergän-
übergange der cometen vor einem sterne A. v.
ger genöhtiget werden, stille zu stehen Zesen
Humboldt kosmos (1845) 1, 110; (rollbrücken,)
beschr. d. stadt Amsterdam (1664) 235; als in der
welche ... beim vorübergange des gestelles in
nähe der ersten stadthäuser vorübergänger ihn
den schachtstosz hineingedrückt werden Kar-
scharf ansahen Hans Grimm volk ohne raum
marsch-Heeren techn. wb. (1876) 1, 408;
(1928) 1, 176. — vorübergänglich, adv. , im vor-
(dasz) ein gestirne dem andern
ruf im vorübergange: da liegt er gestürzt, der übergange, nebenher: unsere hofdamen ...
empörer erzählten davon, doch nur vorübergänglich
Klopstock Messias 5, 28. Göthe IV 42, 71 W. — dagegen im sinne von
besondere wendung: (eine frau) habe beim vor- 'für eine zeitlang, vergänglich':
übergange der leiche die worte gesungen ... wenn diesem nicht die götter, wie sie öfter tun,
für wenige zeit nur wundernswürdige gestalt,
Brentano (1852) 5, 67. — die verbindung im vor-
erhabnen anstand, liebenswerte gegenwart
übergang übergehend in die übertragene bedeu-
vorübergänglich liehen, wird ihm jedesmal,
tung: was er beginnt, gelingen Faust 9185.
und wenn ich glühend weinte,
— -geher, m. :
verzweiflung mich zu singen zwang,
wo manche störung und beschwerde
da lobten mich die freunde
ihm schufen die vorübergeher
hohnlächelnd im vorübergang
Rückert (1867) 2, 173.
Brentano (1852) 1, 486.
[Bd. 26, Sp. 1852]
übertragen zur bezeichnung geringer beachtung — -gehung, f. , übertragen, wie sonst überge-
oder im sinne von nebenher: von welcher (der hung: mit vorübergehung der eignen sage bei
römischen verfassung) wir nicht schlechtlich, Fr. Schlegel dt. museum 4, 374; mit vorüber-
noch wie in einem fürübergang reden Xylan- gehung der regierung das volk in den gemein-
der Polybius (1574) 49; und musz ich solches den aufzustiften Zschokke (1824) 1, 170. —
im vorübergang erinnern, damit ichs hernach -haster, m. , eilig vorübergehender:
nicht vergesse Widerhold beschr. d. sechs rei- dein sonnenschirm trifft ab und zu das pflaster,
sen (1681) 1, 269b. — von der zeit und dem ver- ein klang im lärme der vorüberhaster
lauf in der zeit: D. v. Liliencron (1896) 8, 77.
merkt den vorübergang der theuren stunden nicht — -groszvater, m. , urgroszvater: so wisse, dasz
Dusch verm. w. (1754) 349. mein vorübergroszvater ein vornehmer bürger
wie verwundungen in der starrsucht erst nach in Kronstadt gewesen quellen zur gesch. d. stadt
dem vorübergang der letztern schmerzen Jean Kronstadt 5, 626. — -lauf, m. (fürüberlauf fehlt
Paul 3, 62 H.; den glücklichen vorübergang der teil 4, 1, 1, sp. 926), ein rasches vorübergehen,
operation Brentano (1852) 8, 285; (sie) erwar- auch übertragen: trascorso, passato durchgang,
teten nur vorübergang der gefahr Zschokke füruberlauff Hulsius (1618) 2, 418b; sie haben
das nur im fürüberlauff (obenhin, beiläuffig) Stör geistl. schimpf u. ernst (1602) b 6.
gemeldet Aler dict. (1727) 1, 814a; — -wanderer, m. : auf den platz, wo ein erschla-
nichts achtet es der baum, fest umwurzelt, tief gener gefunden wurde, warf jeder vorüberwan-
gegründet,
derer einen stein Fr. L. Jahn 1, 328 E. — -zug,
wan ein reglein sich anfindet
m.; fürüberzug fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926; im ört-
und ein kleiner wind herweht: jenes frischet ihn
nur auf, lichen sinne: beim vorüberzug hält der falsche
dis ist ein vorüberlauf Demetrius an Schiller in: schr. d. Goetheges.
Schottel vor 9, 201; (er) vermied bei seinem vorüberzuge ...
J. v. Glasenapp evang. weinberg (1651). die stadt, weil die pest darin wüthete Ritter
— -läufer, m. , schnell vorbeieilender: für den erdkde (1822) 8, 528;
unverständigen vorüberläufer ward sie (die par- jetzt ein verrätherischer strand,
wo im vorüberzug die kaufmannsschiffe weilen
thische schrift) ohne das nicht in den palast
Schiller 6, 348 G.
gesetzt Herder 24, 469 S. — -passierung, f. ,
dunkle oder lichte schatten, die im vorüberzuge
in der folgenden stelle zeitlich: welcher mensch
etwas wie eine absicht des dunklen gottes
langsam und mit fürüberpassierung (fehlt teil
offenbarten W. Weigand d. gärten gottes (1930)
4, 1, 1, sp. 926) eines tags nach dem andern zu
366. — von tieren: an der dorffrüde bellen des
willen ist, der thuts nit von hertzen Lehman
wolffs füruberzug zu erkennen Sebiz feldbau
floril. polit. (1662) 4, 160. — -reise, f. : (stelle,)
(1579) 629. — in freier anwendung: Walt heftete
von der auch Eli Smith bei seiner vorüberreise
das von dem vorüberzuge unsers malenden und
als einer vulkanischen sprechen gehört Ritter
gemalten lebens gerührte seelenauge auf den
erdkde (1822) 15, 890; aufforderung, einen alten
wetterscheidenden berg Jean Paul 20/23, 250
kriegskameraden bei dessen vorüberreise einen
H.
augenblick zu sprechen Laube (1875) 14, 212. —
-ritt, m. : der einzige reisende, der ... diese orte
im flüchtigen vorüberritte besucht hat Ritter
erdkde (1822) 15, 893. — -schiffung, f. , fürüber-
schiffung, praeternavigatio Stieler 1792; im
transitiven sinne von vorüberschiffen:
gravamina ... wegen der vorüberschiffung und
niederlage des herings Micrälius altes Pommer-
land (1640) 587; dagegen intrans.: bei unser vor-
überschiffung von Hali Ritter erdkde (1822) 12,
192. — -seglung, f. : wo man seit 1816 kein ande-
res europäisches schiff wieder gesehen hatte,
seine vorüberseglung ... aber noch in frischem
andenken war Ritter a. a. o. 4, 544. — -trab, m. ,
vorüberzug:
sobald er den vorübertrab
Christi und seines volcks vernam