Sie sind auf Seite 1von 305

Edition Frankfurt School

Wolfgang Raab Hrsg.

Grundlagen des
Investmentfonds-
geschäftes
7. Auflage
Edition Frankfurt School
Weitere Bände in der Reihe http://www.springer.com/series/16192
Wolfgang Raab
(Hrsg.)

Grundlagen des
­Investmentfondsgeschäftes
7. Auflage
Hrsg.
Wolfgang Raab
BVI Bundesverband Investment
und Asset Management
Frankfurt am Main, Deutschland

ISSN 2524-700X ISSN 2524-7018  (electronic)


Edition Frankfurt School
ISBN 978-3-658-24154-4 ISBN 978-3-658-24155-1  (eBook)
https://doi.org/10.1007/978-3-658-24155-1
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detail­
lierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Springer Gabler
© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2015, unveränderter Nachdruck 2019
Ursprünglich erschienen im Frankfurt School Verlag, Frankfurt am Main, 2006, 2007, 2008, 2009, 2010, 2012, 2015
Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht
ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung des Verlags.
Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Bearbeitungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die
Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt
auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen-
und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden
dürften.
Der Verlag, die Autoren und die Herausgeber gehen davon aus, dass die Angaben und Informationen in
diesem Werk zum Zeitpunkt der Veröffentlichung vollständig und korrekt sind. Weder der Verlag, noch
die Autoren oder die Herausgeber übernehmen, ausdrücklich oder implizit, Gewähr für den Inhalt des
Werkes, etwaige Fehler oder Äußerungen. Der Verlag bleibt im Hinblick auf geografische Zuordnungen und
Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutionsadressen neutral.

Springer Gabler ist ein Imprint der eingetragenen Gesellschaft Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH und ist
ein Teil von Springer Nature
Die Anschrift der Gesellschaft ist: Abraham-Lincoln-Str. 46, 65189 Wiesbaden, Germany
Vorwort zur siebten, komplett über-
arbeiteten Auflage

Die neue Auflage dieses Grundlagenwerks ist auch für Besitzer früherer
Ausgaben unverzichtbar. Auch wenn ein Aktienfonds weiterhin ein Aktien-
fonds ist, das neue Grundgesetz für Fonds, das Kapitalanlagegesetzbuch
(KAGB) hat für alle die Karten neu gemischt – gewissermaßen die Big
Bang Theory für Fonds.
Neben den klassischen Investmentfonds sind nun erstmals auch geschlos-
sene Fonds gesetzlich geregelt. Sie sind ebenso als „AIFs“ (Alternative
Investmentfonds) dabei, wie auch die Fonds, die nicht von der 30-jährigen
europäischen OGAW-Richtlinie, sondern vom deutschen Investment-
gesetz erfasst wurden. Das KAGB ist infolge der Finanzmarktkrise ent-
standen, getragen von dem Gedanken des verstärkten Anlegerschutzes
durch Regulierung. Warum es dabei die Anleger auch schützt, dass eine
Kapitalanlagegesellschaft nun Kapitalverwaltungsgesellschaft und eine
Depotbank jetzt Verwahrstelle heißt, weiß sicherlich der Gesetzgeber.
Das Buch ist komplett aktualisiert (auch wenn etwa beim Steuerteil die
2014er Formulare erst nach Redaktionsschluss erschienen sind). Sie halten
nun also die Version 2.0 der „Grundlagen“ in der Hand. Die nächste
Aktualisierung wird sich dann wieder auf kleinere Punkte beschränken
können. Entsprechend tätigen Sie mit dem Kauf dieses Buchs ein gutes
Investment.
Ich bin weiterhin nicht auf Facebook zu finden, aber die bekannte Mail-
Adresse investment-raab@gmx.de gilt weiter für Ihre Anregungen und
Kritik.
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Lektüre!
Wolfgang Raab
Vorwort zur ersten Auflage
Investmentgesellschaften gibt es in Deutschland seit mehr als 50 Jahren,
ein Buch über die Grundlagen des Investmentfondsgeschäfts fehlte aber
bislang.
Das vorliegende Werk schließt diese Lücke. Es verfolgt verschiedene
Ziele:
Vorwort zur siebten, komplett überarbeiteten Auflage VI

• Zusammenfassung wesentlicher Informationen, die für eine erfolgrei-


che Ausbildung zum neu geschaffenen Beruf des/der Investmentfonds-
kaufmanns/-frau erforderlich sind.
• Vermittlung eines gleichzeitig umfassenden und übersichtlichen Ein-
blicks in die Abläufe einer Investmentgesellschaft, zum Beispiel für
neue Mitarbeiter.
• Eine leicht verdauliche Einführung in die Grundlagen des Investment-
rechts und der steuerlichen Aspekte.
Dementsprechend orientiert sich der Aufbau des Buchs an der Ausbil-
dungsordnung für den Beruf des/der Investmentfondskaufmanns/-frau, die
vom Herausgeber mit entwickelt wurde. „Orientiert“ bedeutet, dass zum
Beispiel die Bereiche nicht abgedeckt werden, die sich ausdrücklich auf
den „Ausbildungsbetrieb“ beziehen oder die „Sicherheit“ und den
„Gesundheitsschutz“ betreffen. Ansonsten f inden Sie aber auf den folgen-
den Seiten die wesentlichen Inhalte der Ausbildung und somit die Grund-
lagen des Investmentfondsgeschäfts.
Werden Sie also garantiert die Prüfung bestehen, wenn Sie dieses Buch
gelesen haben? So weit geht es dann doch nicht: Die Chancen werden sich
natürlich verbessern, aber zweieinhalb Jahre kombinierte Ausbildung in
der Berufsschule und im Betrieb kann kein Buch ersetzen, nur ergänzen.
Ist das Buch ein reines Ausbildungsbuch? Nein, es ist mehr, es will Ihnen
das Grundverständnis für die Investmentbranche vermitteln, gleich, ob Sie
frisch von der Uni in eine KAG kommen, schon ein paar Jahre Praxis in
einem Bereich haben oder Auszubildender sind.
Damit das Buch auch für jeden verständlich ist, wurden wichtige Begriffe
in einem Glossar erläutert (das zum Teil auf dem Online-Lexikon des BVI
basiert). Sie können so jederzeit während der Lektüre einzelne Stichworte
direkt nachschlagen. Und eine englische Übersetzung gibt es noch dazu.
Wenn Sie tatsächlich bis hierhin gelesen haben: Danke und schicken Sie
mir mal eine Mail: investment-raab@gmx.de. Dort können Sie auch Anre-
gungen und Fragen zum Buch loswerden. Noch bin ich optimistisch, dass
ich Ihre Mails auch beantworten kann (wenn das Buch aber in den Top-Ten
der Spiegel-Sachbuchbestseller landet, kann das anders aussehen).
Viel Vergnügen und Erfolg mit diesem Buch!
Wolfgang Raab
Inhaltsverzeichnis

Vorwort zur siebten, komplett überarbeiteten


Auflage ............................................................................... V

1 Investmentfonds in Deutschland –
eine dynamische Erfolgsgeschichte .................................. 1
1.1 Ursprünge der Investmentidee ............................................ 1
1.2 Mitarbeiter der Investmentbranche ..................................... 9
1.3 Investmentfondskaufmann/Investmentfondskauffrau ......... 10
1.3.1 Entstehung eines neuen Berufs ........................................... 10
1.3.2 Ausbildungsinhalte .............................................................. 11
1.3.3 Investment-Fachwirt und Investment-Lehrstuhl ................. 14

2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) ........................... 17


2.1 Zielsetzung und Geschäftsfelder von
Kapitalverwaltungsgesellschaften ....................................... 17
2.2 Rechtsform und Struktur des Unternehmens und
seine rechtliche und organisatorische Einbindung .............. 19
2.2.1 Rechtsformen von Unternehmen ......................................... 19
2.2.2 Rechtsformen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft .......... 22
2.2.2.1 Rechtliche Einbindung einer
Kapitalverwaltungsgesellschaft ........................................... 24
2.2.2.2 Organisatorische Einbindung einer Kapitalverwaltungs-
gesellschaft .......................................................................... 24
2.3 Bedeutung von Kooperationen in Bezug auf
Finanzdienstleistungen für die Kapitalverwaltungs-
gesellschaft .......................................................................... 26
2.4 Zusammenarbeit der Kapitalverwaltungsgesellschaft
mit Wirtschaftsorganisationen, Behörden und
Berufsvertretungen .............................................................. 29
2.5 Rechtliche Grundlagen für Kapitalverwaltungs-
gesellschaften ...................................................................... 31
2.6 Kapitalanlagegesetzbuch ..................................................... 33
2.6.1 Sondervermögen und Investmentgesellschaften ................. 35
2.6.2 Publikums- und Spezialfonds .............................................. 36
2.6.3 Offene und geschlossene Fonds .......................................... 38
Inhaltsverzeichnis VIII

2.6.4 OGAW und AIF .................................................................. 39


2.6.4.1 Investmentvermögen gemäß der OGAW-Richtlinie ........... 39
2.6.4.1.1 Erwerbbare Wertpapiere ..................................................... 39
2.6.4.1.2 Geldmarktinstrumente ......................................................... 40
2.6.4.1.3 Bankguthaben ...................................................................... 41
2.6.4.1.4 Investmentanteile ................................................................ 41
2.6.4.1.5 Derivate ............................................................................... 41
2.6.4.1.6 Sonstige Anlageinstrumente ............................................... 45
2.6.4.1.7 Portfoliotechniken ............................................................... 46
2.6.4.1.8 Anlagegrenzen .................................................................... 46
2.6.4.2 AIF ...................................................................................... 47
2.6.4.2.1 Offene AIF .......................................................................... 47
2.6.4.2.2 Geschlossene AIF ............................................................... 51
2.6.5 Kapitalverwaltungsgesellschaften ....................................... 52

3 Verwahrstelle ..................................................................... 55
3.1 Verwaltung von Anteilen .................................................... 56
3.2 Anlegerschutzfunktion ........................................................ 57

4 Fondstypen ......................................................................... 61
4.1 Aktienfonds ......................................................................... 63
4.1.1 Internationale Aktienfonds .................................................. 64
4.1.2 Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Deutschland ............. 64
4.1.3 Europäische Aktienfonds .................................................... 65
4.2 Länder- und Regionenfonds ................................................ 66
4.3 Emerging-Markets-Fonds ................................................... 66
4.4 Branchenfonds .................................................................... 67
4.5 Themenfonds, Nachhaltigkeitsfonds ................................... 67
4.6 Gemischte Fonds ................................................................. 68
4.6.1 Total Return Fonds .............................................................. 69
4.7 Rentenfonds ........................................................................ 69
4.7.1 Nationale Rentenfonds ........................................................ 70
4.7.2 Internationale Rentenfonds ................................................. 71
4.7.3 Kurzläuferfonds .................................................................. 71
4.8 Geldmarktfonds ................................................................... 72
4.9 Offene Immobilienfonds/Grundstücks-Sondervermögen .. 73
4.10 Altersvorsorge-Sondervermögen ........................................ 74
4.11 Dachfonds ........................................................................... 74
4.12 Hedgefonds ......................................................................... 75
4.13 Exchange traded Funds/ETFs ............................................. 75
4.14 Geschlossene AIF ............................................................... 75
Inhaltsverzeichnis IX

5 Marketing und Vertrieb ................................................... 77


5.1 Fondsmarkt .......................................................................... 77
5.1.1 Segmentierung und Positionierung ..................................... 79
5.1.2 Marktforschung ................................................................... 80
5.1.3 Marketingkonzeption .......................................................... 81
5.1.3.1 Marktfeldstrategien ............................................................. 81
5.1.3.2 Marktstimulierungsstrategien .............................................. 82
5.1.3.3 Marketing-Mix .................................................................... 82
5.1.3.4 Produktpolitik ...................................................................... 83
5.1.3.5 Preispolitik .......................................................................... 84
5.1.3.6 Distributionspolitik ............................................................. 85
5.1.3.7 Werbung .............................................................................. 87
5.1.3.8 Verkaufsförderung .............................................................. 88
5.1.3.9 Öffentlichkeitsarbeit ............................................................ 89
5.1.3.10 Sponsoring ........................................................................... 89

6 Fonds-Rechnungswesen .................................................... 91
6.1 Aufgaben des fondsbezogenen Rechnungswesens ............. 91
6.2 Konten der Fondsbuchhaltung ............................................ 91
6.2.1 Kontenplan .......................................................................... 91
6.2.2 Bestandskonten im fondsbezogenen Rechnungswesen ...... 93
6.2.3 Ertrags- und Aufwandskonten im fondsbezogenen
Rechnungswesen ................................................................. 93
6.2.4 Abschlusskonten im fondsbezogenen Rechnungswesen .... 94
6.3 Exemplarisches Beispiel für eine Anteilspreis-
berechnung .......................................................................... 94
6.4 Ausgewählte Geschäftsfälle aus dem fondsbezogenen
Rechnungswesen ................................................................. 97
6.4.1 Kauf und Verkauf von Anteilsscheinen .............................. 97
6.4.2 Kauf und Verkauf von Aktien ............................................. 100
6.4.3 Behandlung von Bezugsrechten im Sondervermögen ........ 101
6.4.4 Erfassung von Dividendenforderungen ............................... 105
6.4.5 Kauf und Verkauf von festverzinslichen Wertpapieren ...... 106
6.4.6 Kauf und Verkauf von Optionen/Eurex ............................. 108
6.4.7 Kauf und Verkauf eines Futures ......................................... 111
6.4.8 Kauf und Verkauf von Devisen ........................................... 112
6.5 Berechnung und Buchung der Ausschüttung am Jahresende 115
Inhaltsverzeichnis X

7 Wertentwicklungsberechnung und Performance-


Messung .............................................................................. 119
7.1 BVI-Methode ...................................................................... 120
7.2 Anteilwertberechnung ......................................................... 121
7.2.1 Wertpapierfonds .................................................................. 121
7.2.2 Offene Immobilienfonds ..................................................... 122
7.3 Standards zur Performance-Präsentation bei
Investmentfonds .................................................................. 123
7.4 Berechnungsmethoden ........................................................ 125
7.4.1 Eindimensionale Performance-Messung ............................. 126
7.4.2 Zweidimensionale Performance-Messung .......................... 129

8 Handel und Abwicklung ................................................... 131


8.1 Handel ................................................................................. 133
8.2 Abwicklung und Kontrolle .................................................. 134
8.3 Ordererfassung/Handel ....................................................... 136
8.3.1 Order ................................................................................... 136
8.3.2 Done Deal ........................................................................... 137
8.3.3 Orderkontrolle/Fondsbuchhaltung ...................................... 138
8.3.4 Rechnungswesen ................................................................. 138
8.3.5 Überwachung ...................................................................... 139
8.3.6 Verwahrung der Wertpapiere .............................................. 140

9 Depotführung .................................................................... 143


9.1 Depoteröffnung ................................................................... 143
9.2 Anforderungen des Wertpapierhandelsgesetzes ................. 146
9.2.1 Depotverfügungen ............................................................... 147
9.2.2 Besonderheiten bei VL-Verträgen ...................................... 149
9.3 Bescheinigungen ................................................................. 150
9.3.1 Steuerrechtliche Vorschriften ............................................. 151
9.3.2 Vermittlerdaten in der Depotführung .................................. 151

10 Besteuerung von Investmentfonds ................................... 153


10.1 Einkommensteuer ................................................................ 155
10.1.1 Gliederung des Einkommensteuergesetzes (EStG) ............. 156
10.1.2 Subjekt der Einkommensteuer – Wer ist steuerpflichtig? ... 156
10.1.3 Gegenstand der Einkommensteuer – Was wird besteuert? . 159
10.1.3.1 Prinzip der individuellen Leistungsfähigkeit ...................... 160
10.1.3.2 Grundsatz der Individualbesteuerung ................................. 160
10.1.3.3 Teilung der Leistungsfähigkeit ........................................... 161
10.1.3.4 Abschnittsbesteuerung ........................................................ 163
Inhaltsverzeichnis XI

10.1.4 Veranlagungsformen – Wie wird die Einkommensteuer


festgesetzt? .......................................................................... 163
10.1.5 Tarif, Ermäßigung und Abschlusszahlung – Wie viel
Einkommensteuer muss gezahlt werden? ........................... 165
10.1.6 Erhebungsformen – Wann ist die Einkommensteuer
zu zahlen? ............................................................................ 166
10.2 Einkünfte ............................................................................. 180
10.2.1 Gewinneinkünfte ................................................................. 182
10.2.2 Überschusseinkünfte ........................................................... 184
10.2.3 Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit – § 19 EStG ...... 186
10.2.4 Einkünfte aus Kapitalvermögen – § 20 EStG ..................... 187
10.2.4.1 Gewinnausschüttungen – § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG .............. 188
10.2.4.2 Zinsen – § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG ......................................... 188
10.2.4.3 Gewinne aus der Veräußerung von Aktien und
GmbH-Anteilen – § 20 Abs. 2 Nr. 1 EStG ......................... 188
10.2.4.4 Gewinne aus der Veräußerung sonstiger
Kapitalforderungen – § 20 Abs. 2 Nr. 7 EStG .................... 189
10.2.4.5 Besonderheiten bei der Besteuerung von
Kapitaleinkünften (sog. Abgeltungsteuer) .......................... 190
10.2.5 Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung ...................... 192
10.2.6 Einkunftsart „Sonstige Einkünfte“ – §§ 22, 23 EStG ......... 192
10.3 Körperschaftsteuer .............................................................. 195
10.4 Investmentsteuergesetz ....................................................... 197
10.4.1 Gemeinsame Regelungen für inländische und
ausländische Investmentfonds ............................................. 198
10.4.1.1 Anwendungsbereich – § 1 Abs. 1 InvStG ........................... 198
10.4.1.2 Besteuerung von ausgeschütteten und thesaurierten
Erträgen auf der Ebene der Anleger –
§ 1 Abs. 3, § 2, § 4 Abs. 1 InvStG ...................................... 200
10.4.1.3 Ermittlung der Erträge – § 3 InvStG ................................... 208
10.4.1.4 Anrechenbare ausländische Steuern –
§ 4 Abs. 2 bis 4 InvStG ....................................................... 211
10.4.1.5 Bekanntmachungspflicht und Pauschalbesteuerung –
§§ 5, 6 InvStG ..................................................................... 212
10.4.1.6 Kapitalertragsteuer – § 7 InvStG ......................................... 213
10.4.1.7 Aktiengewinn – § 8 InvStG ................................................. 213
10.4.1.8 Ertragsausgleichsverfahren – § 9 InvStG ............................ 215
10.4.1.9 Dach-Sondervermögen – § 10 InvStG ................................ 216
10.4.2 Regelungen nur für inländische Investmentanteile ............. 216
10.4.2.1 Keine Besteuerung auf Fondsebene – § 11 InvStG ............ 216
10.4.2.2 Ausschüttungsbeschluss – § 12 InvStG .............................. 217
10.4.2.3 Verfahrensrecht – § 13 InvStG ........................................... 217
Inhaltsverzeichnis XII

10.4.2.4 Verschmelzung inländischer Investmentfonds –


§ 14 InvStG ......................................................................... 217
10.4.2.5 Besonderheiten bei Spezial-Investmentfonds –
§ 15 InvStG ......................................................................... 218
10.4.3 Regelungen nur für ausländische Investmentanteile ........... 218
10.4.3.1 Ausländische Spezial-Investmentfonds – § 16 InvStG ....... 218
10.4.3.2 Repräsentant – § 17 InvStG ................................................ 218
10.4.3.3 Verschmelzung ausländischer Investmentfonds und
Teilen von Investmentfonds – § 17a InvStG ...................... 219
10.4.4 Anwendungs- und Übergangsvorschriften –
§§ 21 bis 23 InvStG ............................................................ 219

11 Vermögensbildung und Altersvorsorge mit


Investmentfonds ................................................................ 221
11.1 Vermögensbildung .............................................................. 221
11.1.1 VL-Sparen aus Sicht der Investmentgesellschaften ............ 223
11.2 Altersvorsorge und Fonds ................................................... 227
11.2.1 Gesetzliche Rente ................................................................ 227
11.2.2 Betriebliche Altersversorgung ............................................ 229
11.2.3 Private Altersvorsorge ......................................................... 233
11.2.3.1 Riester-Förderung ............................................................... 233
11.2.3.2 Private Vorsorge ohne Förderung ....................................... 237

12 Investmentfonds und Finanzmarktkrise ......................... 243


12.1 Absatzentwicklung im Zeichen der Krise 2008 .................. 243
12.2 Offene Immobilienfonds: Lösungsvorschläge für
das Liquiditätsmanagement ................................................. 245
12.3 Neuregelungen für offene Immobilienfonds ....................... 246
12.4 Institutionelle Anleger und Finanzkrise .............................. 248
12.5 Sieben Gründe für Investmentfonds ................................... 249
12.6 Beratungsprotokoll, Produktinformationsblatt und KID .... 251

Glossar ................................................................................ 253

Internetadressen ................................................................ 281

Kurzbiographien der Autoren ......................................... 283

Stichwortverzeichnis ......................................................... 287


Einleitung

Die Ursprünge der Investmentfonds lassen sich in das 19. Jahrhundert


zurückverfolgen. Für manche ist die am 5. März 1849 in Genf gegründete
„Société civile genevoise d’emploi de Fonds“ die „Mutter aller Fonds“.
Andere sehen den „The Foreign and Colonial Government Trust“ als
ersten Investmentfonds an. Er wurde am 19. März 1868 in London aufge-
legt und investierte 1 Million Pfund in 18 verschiedenen ausländischen
Regierungsanleihen.
Die Beschreibung der Aufgabe des Fonds laut Gründungsprospekt ent-
spricht im Wesentlichen unserer heutigen Auffassung von der Funktion
eines Investmentfonds: „to provide the investor of moderate means the
same advantage as the large capitalists in diminishing risk in foreign and
colonial stocks by spreading the investment over a number of stocks“, also
dem kleinen Sparer die gleiche Chance zu verschaffen wie den Reichen
und zugleich das Anlagerisiko zu streuen. Die Möglichkeit, sich mit einem
geringen Kapitaleinsatz an weltweiten Investments zu beteiligen, ver-
wirklicht die Idee einer „Chancengleichheit für alle Anleger an allen
Anlagemärkten“. Diese Idee ist Teil des allgemeinen Gleichheitsideals,
das seit der französischen Revolution in Westeuropa verankert ist. Propa-
giert vom langjährigen ehemaligen BVI-Hauptgeschäftsführer Dr. Manf-
red Laux, hat sie auch auf europäischer Ebene bei der europäischen Invest-
mentvereinigung EFAMA Eingang gefunden.
Trotz der ersten Ansätze im 19. Jahrhundert kam es erst im 20. Jahrhundert
zu einem öffentlichen Angebot von Investmentfonds an ein breites Publi-
kum:
• in den 20er-Jahren in den USA,
• Anfang der 30er-Jahre in England und
• zu Beginn der 50er-Jahre in Deutschland.
Mittlerweile haben sich Investmentfonds auch in Deutschland einen festen
Platz in den Anlageentscheidungen sowohl privater als auch institutionel-
ler Investoren erobert. Die Branche ist zu einem wichtigen Erfolgsfaktor
des Finanzplatzes Deutschland geworden – eine Bedeutung, die sich nicht
zuletzt darin niederschlägt, dass ein eigener Ausbildungsberuf – der/die
Investmentfondskaufmann/-frau – verordnet wurde.
1 Investmentfonds in Deutschland – eine
dynamische Erfolgsgeschichte

1.1 Ursprünge der Investmentidee

Die Geschichte der deutschen Investmentfonds begann bereits am


23. November 1949. An diesem Tag wurde in München die Allgemeine
Deutsche Investment-Gesellschaft (ADIG, nach Cominvest heute Allianz
Global Investors) gegründet. Die ersten Fonds, der gemischte Aktien- und
Rentenfonds Fondra und der reinrassige Aktienfonds Fondak, wurden im
Jahr 1950 aufgelegt. Beide Fonds existieren noch heute unter den Namen
Allianz Fondra und Fondak A-EUR. Und wer bei der Auflegung 100 DM
in diese Fonds investiert hätte, hätte Ende 2014, also 64 Jahre später ein Ver-
mögen von rund 19.000 DM (Allianz Fondra) bzw. dank des Aktienanteils
von rund 62.000 DM (Allianz Fondak A-EUR) erzielt – und das Ganze
hätte natürlich auch in Euro funktioniert.

Der Begriff „Kapitalverwaltungsgesellschaft“ ist die offizielle


Bezeichnung, die in den Gesetzestexten zu finden ist. Er ersetzt seit
dem 22. Juli 2013 den Begriff „Kapitalanlagegesellschaft“.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird von „Investmentgesellschaften“


gesprochen. Beide Begriffe sind Synonyme, es ist jedoch zu beachten, dass
im Ausland durchaus sachlich Unterschiede zwischen einer „Investment-
gesellschaft“ (SICAV) und einer Verwaltungsgesellschaft, die Fonds nach
dem Vertragstyp verwaltet (FCP), gemacht werden. Und noch ein Hinweis
zum Sprachgebrauch: Da sich eine Vielzahl von Personen an dem Invest-
mentvermögen beteiligen, spricht man auch von einer kollektiven Kapi-
tal- oder Vermögensanlage.
Zurück zur Historie: Es dauerte bis Ende 1955, bis in Deutschland die
nächsten KVGs gegründet wurden. Parallel dazu wurde ein Spezialgesetz
für die Kapitalanlagegesellschaften entwickelt. Dieses Gesetz über Kapi-
talanlagegesellschaften (KAGG) wurde am 16. April 1957 ver-
abschiedet. Es legte insbesondere die Grundsätze der Risikostreuung in
einem Fonds sowie entsprechende Anlagegrenzen fest. Das Gesetz wurde
im Laufe der Jahre immer wieder an die neuen Anforderungen angepasst,
wobei dem Anlegerschutz große Bedeutung beigemessen wurde. 2003 wurde
es unter dem Namen Investmentgesetz grundsätzlich überarbeitet. Ein ech-

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019
W. Raab (Hrsg.), Grundlagen des Investmentfondsgeschäftes, Edition
Frankfurt School, https://doi.org/10.1007/978-3-658-24155-1_1
1 Investmentfonds in Deutschland – eine dynamische Erfolgsgeschichte 2

ter Meilenstein ist das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB), das als


Umsetzung der europäischen AIFM-Richtlinie (Alternative Investment
Fund Manager Directive, AIFM-D) zum 22. Juli 2013 in Deutschland in
Kraft trat. Das KAGB regelt erstmals neben den offenen auch geschlos-
sene Investmentvermögen.

Kapitalverwaltungsgesellschaften haben laut Gesetz „im ausschließlichen


Interesse der Anleger“ zu handeln – eine einmalige Formulierung, die
die Bedeutung des Anlegerschutzes bei Investmentfonds nachhaltig unter-
streicht und bei keiner anderen Anlageform zu finden ist. Kein Wunder
also, dass KAGB bzw. der Vorgänger Investmentgesetz oft auch als Anle-
gerschutzgesetz bezeichnet werden.

Im Jahr 1959 wurden erstmals offene Immobilienfonds aufgelegt (im


Gesetz Immobilien-Sondervermögen genannt), die das Geld der Anleger
überwiegend in gewerblich genutzte Gebäude investieren. Sie ermöglichen
es, auch mit kleinen Beträgen „ein Stück Bürohaus“ zu erwerben.
Im Jahr 1966 wurde die Produktpalette um Rentenfonds erweitert. Ein
Name, der bei Briten auch schon einmal zur Übersetzung „Pension Funds“
führte.

Mit Renten sind aber festverzinsliche Wertpapiere mit regelmäßigen


Zinszahlungen („Renten“) gemeint.

Damit deckte die Angebotspalette die Wünsche der Anleger nach Lang-
frist-Engagements in Aktien und Immobilien und eher kürzeren Zeiträu-
men in festverzinslichen Wertpapieren ab. Was aber noch nicht zulässig
war, war die kurzfristige, kursstabile Anlage in Geldmarkttiteln. Mit dem
2. Finanzmarktförderungsgesetz wurde auch diese Lücke gefüllt, Geld-
marktfonds gingen am 1. September 1994 an den Start.
Ein weiterer bemerkenswerter Fondstyp, der durch das 3. Finanzmarkt-
förderungsgesetz zugelassen wurde, war das Altersvorsorge-Sonder-
vermögen, besser bekannt als AS-Fonds. Das Gesetz gab ihm Rahmen-
bedingungen für die Anlagepolitik vor, die für das Ziel einer optimalen
Altersvorsorge bestens geeignet sind – nur auf spezielle Steuervorteile
mussten AS-Fonds verzichten.
1 Investmentfonds in Deutschland – eine dynamische Erfolgsgeschichte 3

Die Entwicklung des Fondsvermögens der einzelnen Fondstypen zeigt


zugleich, dass lange Zeit die Rentenfonds in der Gunst der privaten Anleger
am höchsten standen. Erst in den 90er-Jahren rückten die Aktienfonds in
den Focus der Bundesbürger.

Fondsvermögen nach Typen1)


Jahr Aktien- Renten- Misch- Geldmarkt- Offene Im- Dach-
Wertge-
fonds fonds fonds und fonds mobilien- fonds
sonstige sicherte fonds
Invest- Invest-
ment- ment-
fonds
fonds2)

Mio. EUR Mio. EUR Mio. EUR Mio. EUR Mio. EUR Mio. EUR Mio. EUR

1950 1 – – – – –

1955 15 – – – – –

1959 1.159 – – – 7 –

1960 1.609 – – – 14 –

1965 1.603 – – – 120 –

1966 1.445 40 – – 142 –

1970 3.183 1.437 – – 301 –

1975 4.806 2.779 309 – – 1.399 –

1980 4.238 9.649 525 – – 2.258 –

1985 5.707 18.995 719 – – 4.360 –

1990 7.829 54.092 815 – – 8.390 –

1994 24.863 109.435 2.470 25.052 – 25.764 –

1995 26.168 111.925 2.783 29.809 – 29.694 –

1998 87.085 122.317 8.124 27.293 – 43.137 –

2000 233.467 106.890 35.045 31.241 – 47.919 20.840

2002 125.648 116.110 35618 58.497 – 71.165 24.988

2004 149.236 135.297 49.740 59.978 7.170 87.191 28.695

2006 247.644 170.702 93.993 77.688 17.841 75.545 50.596

2008 145.018 149.914 88.625 78.828 29.121 84.252 45.523

2010 238.006 157.819 150.932 42.169 35.330 85.781 59.328

2014 278.383 188.625 200.793 10.665 28.523 80.977 64.959


1)
inklusive ausländischer Fonds deutscher Provenienz; seit 2006 auch einschließlich ausländischer Fonds mit
Absatz in Deutschland.
2) Wertgesicherte Investmentfonds sind erst seit 2003 erfasst. Sie wurden in den vorangegangenen Jahren
den Aktien-, Renten- oder Mischfonds zugerechnet.

Abbildung 1 (Quelle: BVI, Zahlen per 31.12.2014)


1 Investmentfonds in Deutschland – eine dynamische Erfolgsgeschichte 4

Doch die Tabelle zeigt nur einen Teil des deutschen Fondsmarktes. Auch
institutionelle Anleger, also Banken, Sparkassen, Bausparkassen, Unter-
nehmen, Versicherungsgesellschaften etc. nutzen das Know-how der
Investmentprofis für die Anlage ihrer Mittel in Spezialfonds (gemäß
KAGB „inländische Spezial-AIF“).

Ein solcher Spezial-AIF wird gesetzlich definiert als Fonds, dessen


Anteile aufgrund von schriftlichen Vereinbarungen mit der KVG
ausschließlich von professionellen bzw. semi-professionellen Anle-
gern (in der Praxis sind das fast ausschließlich institutionelle
Anleger) gehalten werden.

Bis Ende 2007 war die Anzahl der institutionellen Anleger, die in einen
Spezialfonds investieren durften, auf maximal 30 begrenzt. Im Investment-
gesetz wurde diese Grenze zwar komplett aufgehoben, über § 15 des Invest-
mentsteuergesetzes faktisch aber auf 100 festgelegt.
Mittlerweile verwaltet die Investmentbranche mehr als die Hälfte des Fonds-
vermögens in Spezialfonds, wie die folgende Übersicht zeigt.
Auch ausländische Fonds, die in Deutschland verkauft werden, sind Gegen-
stand gesetzlicher Regelungen: Ende 1969 wurde der Vertrieb ausländi-
scher Fondsanteile in Deutschland durch das Auslandsinvestment-Gesetz
(AlG) reguliert. Dieses trat am 1. November 1969 in Kraft (seit 2004 sind
die dort enthaltenen Regelungen in das Investmentgesetz bzw. KAGB
integriert). 1985 folgte dann die EU-Investmentrichtlinie („OGAW“-Richt-
linie), die in den Folgejahren in den Mitgliedstaaten der EU in nationales
Recht umgesetzt wurde. Ein Meilenstein in der Behandlung europäischer
Fonds war die Harmonisierung des EU-Rechts in den 90er-Jahren, die den
europaweiten Vertrieb von Investmentfonds unter Berücksichtigung des
Anlegerschutzes regelte.
OGAW ist die Abkürzung für „Organismen für die gemeinsame Anlage in
Wertpapieren“. Da die in Deutschland sehr beliebten offenen Immobilien-
fonds primär in Gebäuden anlegen, sind sie von dieser Richtlinie nicht
erfasst. Die englische Version lautet UCITS, Undertakings for Collective
Investments in Transferable Securities.
1 Investmentfonds in Deutschland – eine dynamische Erfolgsgeschichte 5

Fondsvermögen der Publikums-/Spezialfonds


Jahr Publikums- Spezialfonds insgesamt
fonds1)

in Mio. EUR in Mio. EUR in Mio. EUR

1950 1 – 1

1955 15 – 15

1960 1.622 – 1.622

1962 1.381 3 1.384

1965 1.723 6 1.729

1970 4.920 455 5.375

1975 8.984 2.479 11.463

1980 16.671 7.320 23.991

1985 29.781 24.242 54.023

1990 71.126 57.750 128.876

1995 200.379 157.955 358.334

2000 444.564 508.412 952.976

2001 444.090 501.119 945.209

2003 462.162 516.353 1.102.042

2005 585.269 614.842 1.358.155

2007 730.973 691.622 1.698.273

2008 575.758 641.652 1.506.331

2010 710.037 813.378 1.830.484

2014 787.966 1.231.387 2.019.353


1)
inklusive ausländischer Fonds deutscher Provenienz

Abbildung 2 (Quelle: BVI, Zahlen per 31.12.2014)


1 Investmentfonds in Deutschland – eine dynamische Erfolgsgeschichte 6

Durch die OGAW-Richtlinie wurde ein europaweit standardisierter Fonds-


typ geschaffen, der unter erleichterten Bedingungen (EU-Pass) in ganz
Europa vertrieben werden konnte. Es war damit für die europäische Invest-
mentbranche möglich, z. B. Fonds mit EU-Pass in Luxemburg aufzulegen
und in Deutschland zu vertreiben. Voraussetzung für den EU-Pass ist jedoch
das Erfüllen bestimmter Anlageschutzkriterien bezüglich des Fondspro-
duktes, der Depotbank/Verwahrstelle und der Fondsgesellschaft. Auch die
OGAW-Richtlinie ist im Laufe der Jahre immer wieder überarbeitet wor-
den. OGAW IV wurde zum 30. Juni 2011 in nationales Recht umgesetzt
und OGAW V und VI werden bereits auf europäischer Ebene diskutiert.
Als Folge der Finanzkrise von 2008, die sich am deutlichsten an der Pleite
der US-Bank Lehman Brothers zeigte, waren sich die Regierungschefs der
G 20-Staaten einig, dass die alternativen Investmentfonds, Hedgefonds und
Private-Equity-Fonds reguliert werden müssten. Die Folge war die Alter-
native Investment Fund Managers Directive (AIFM-D). Sie stellte nicht
auf den Fondstypus selbst, sondern auf die Manager ab. Erreicht werden
sollte, dass kein Fondstypus mehr unreguliert ist.
Bei der Umsetzung, insbesondere in Deutschland, durch das KAGB wurde
dabei weit über dieses Ziel hinausgeschossen. Die bereits im InvG regu-
lierten Nicht-OGAW-Fonds, insbesondere Spezialfonds und offene Immo-
bilienfonds, wurden als alternative Investmentfonds (AIF) eingestuft.
Ohne den Einsatz des Fondsverbands BVI wären dabei die Spezialfonds
mit einem Marktvolumen von über einer Billion Euro beinahe komplett
abgeschafft worden.
1 Investmentfonds in Deutschland – eine dynamische Erfolgsgeschichte 7

Die 355 Paragraphen des KAGB regeln sowohl Publikumsinvestment-


vermögen gemäß der OGAW-Richtlinie als auch offene Immobilien-Son-
dervermögen sowie erstmals geschlossene Publikums-AIF. Dazu zählen
neben Immobilienfonds unter anderem auch Schiffsfonds, Flugzeugfonds
und Fonds, die in Sachwerte im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien
investieren. Den inländischen Spezial-AIF, d.h. den ehemaligen Spezial-
fonds, wird ein eigenes Kapitel im Gesetz gewidmet.
Während der Absatz von Investment-Anteilen (weitere Synonyme: Fonds-
anteile, Anteilscheine) in den ersten Jahren und Jahrzehnten eher langsam
anstieg, entwickelte die deutsche Investmentbranche insbesondere in den
90er-Jahren des letzten Jahrhunderts eine besondere Dynamik. Durch die
Finanzmarktförderungsgesetze wurden bestehende Wettbewerbsnachteile
gegenüber ausländischen Finanzplätzen in großem Umfang abgebaut. Damit
musste die Branche nicht mehr den Umweg etwa über Luxemburg gehen,
um bestimmte Produkte aufzulegen. Investmentfonds wurden von immer
mehr Deutschen entdeckt und als ein fester Bestandteil ihrer Anlage-
strategie eingesetzt. Parallel dazu führte das neu erwachte Interesse der
deutschen Privatanleger an der Aktienanlage zu erhöhten Mittelzuflüssen
in Aktienfonds. Auch die Zahl der deutschen Kapitalanlagegesellschaften
stieg seit dem Ende der 80er Jahre von 33 in 1980 über 54 in 1990 auf 82
im Jahr 2000 deutlich an.
Auch im neuen Jahrtausend setzten sich die Neugründungen fort, primär
kamen Immobilien-KVGs hinzu, die insbesondere Spezial-Immobilien-
fonds auflegen. Aber es kam auch zu Konsolidierungen, die zu Zusammenle-
gungen und Schließungen bestehender KVGs führten. Davon unabhängig
wird aber das Anlagevolumen auch künftig anwachsen. Gründe sind unter
anderem der steigende Einsatz von Investmentfonds in der betrieblichen
und privaten, staatlich geförderten Altersvorsorge, aber auch der im inter-
nationalen Vergleich des Pro-Kopf-Vermögens in Investmentfonds immer
noch vorhandene Nachholbedarf der Deutschen (siehe Grafik).
1 Investmentfonds in Deutschland – eine dynamische Erfolgsgeschichte 8

Pro-Kopf-Vermögen in Investmentfonds Ende 2014


Australien 56.130*

Schweiz 41.477

USA 41.316

Schweden 25.930
Kanada 23.049
Frankreich 22.110

Norwegen 18.124

Dänemark 17.848

Vereinigtes Königreich 15.528

Finnland 13.212

Österreich 9.830

Deutschland 9.777

Belgien 9.348

Japan 5.054

Spanien 4.844

Brasilien 4.035*

Niederlande 3.714

Italien 3.283

Südafrika 2.189*

Ungarn 1.153
Portugal 783
Tschechien 576

Polen 564
Griechenland 435
China, Volksrepublik 365*

Türkei 168

* Stand am 30. September 2014

Nur Publikumsfonds
Umrechnung zum amtlichen Devisen-Mittelkurs an der Frankfurter Börse
Stichtag: Jeweils 31. Dezember

Abbildung 3 (Quellen: BVI, EFAMA, Deutsche Bundesbank,


Statistisches Bundesamt, nationale Investmentverbände)
1 Investmentfonds in Deutschland – eine dynamische Erfolgsgeschichte 9

1.2 Mitarbeiter der Investmentbranche

Parallel zum dynamischen Wachstum der deutschen Investmentbranche in


den 90er Jahren ist auch die Anzahl der Mitarbeiter kontinuierlich gewach-
sen. Waren es im Jahr 1990 noch rund 2300 Arbeitsplätze, wuchs ihre Zahl
bis zum Jahresende 2000 auf über 9200. Dieses hohe Niveau hat sich auch
in den Folgejahren gehalten und liegt Ende 2014 bei rund 12.000. Geogra-
phischer Schwerpunkt der Fondsanbieter liegt rund um den Finanzplatz
Frankfurt. Rund drei Viertel der Mitarbeiter sind im Rhein-Main-Gebiet
beschäftigt. Die Region München folgt auf Platz 2 mit 13 %, das Rhein-
land mit 7 %.
Von den Mitarbeitern einer KVG wird eine besondere Qualifikation erwar-
tet, um die von den Anlegern geschätzten speziellen Vorteile und Qualitäten
der Investmentanlage dauerhaft bieten zu können. Bestehende Ausbildun-
gen, wie etwa Bankkaufmann oder Bürokaufmann, genügen den speziellen
Anforderungen der Investmentbranche schon lange nicht mehr. Der Grund
ist naheliegend: Beim stark vertriebsorientierten Beruf des Bankkaufmanns
dominieren heute die Aspekte Beratung und Verkauf. Unter anderem werden
Kenntnisse in den Bereichen Kasse/Schalterverkehr, Kredite/Sicherheiten,
kartenbezogene Dienstleistungen, Auslandszahlungsverkehr, Reisezah-
lungsmittel und Spareinlagen vermittelt – für Kreditinstitute sicher wichtige
Inhalte, aber für die Investmentbranche sind sie nicht relevant.
Hier stehen dezidierte Kenntnisse über sämtliche Front- und Back-Office-
Abläufe des Investmentgeschäfts im Vordergrund. Investmentfondskauf-
leute sollen eher die „Macher der Fonds“ werden; Bankkaufleute verkaufen
sie dann. Damit ergänzen sich die beiden Ausbildungsberufe, ihre Schnitt-
menge bleibt jedoch gering. Das machte die Rekrutierung qualifizierter
Mitarbeiter, die den hohen Standards der Branche gerecht werden, nicht
leichter. In den letzten Jahren wurden zum Großteil branchenfremde Bank-
und Bürokaufleute eingestellt. Zur Aneignung der speziellen Branchen-
kenntnisse sind bei ihnen Einarbeitungszeiten zwischen sechs Monaten
und einem Jahr die Regel. Vor diesem Hintergrund ist die Flexibilität der
Mitarbeiter innerhalb der Gesellschaften aufgrund des fehlenden übergrei-
fenden Investment-Know-hows bislang eher gering.
Die logische Konsequenz aus dem Fachkräfte-Mangel war, dass der BVI
mit seinen Mitgliedsgesellschaften seit 1999 an der Konzeption des neuen
Ausbildungsberufs „Investmentfondskaufmann/-frau“ arbeitete. Ziel war
und ist es, sicherzustellen, dass die Mitarbeiter dieser dynamischen Bran-
1 Investmentfonds in Deutschland – eine dynamische Erfolgsgeschichte 10

che durch eine fundierte Berufsausbildung und optimierte Weiterbildung


die immer höheren und komplexeren Anforderungen gut meistern können,
denn die Produkte selbst, die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die
Reporting-Verpflichtungen erfordern immer tiefere Kenntnisse.

1.3 Investmentfondskaufmann/Investmentfondskauffrau

1.3.1 Entstehung eines neuen Berufs

Ein staatlich anerkannter Beruf muss in Deutschland eine ganze Reihe von
Bedingungen und Formalia erfüllen. Nachdem die Grundvoraussetzungen
für den neuen Beruf festgelegt worden waren, nahm die Investmentbranche
den Kontakt mit den Sozialpartnern und Ministerien auf. In Projektgruppen
wurde mit Vertretern des Kuratoriums der deutschen Wirtschaft und der
Gewerkschaft ver.di (ehemals HBV, DAG u. a.) ein konsensfähiger Vor-
schlag für eine Ausbildungsordnung erarbeitet. Diese regelt, welche prakti-
schen Fähigkeiten und Kenntnisse der ausbildende Betrieb und die Berufs-
schule den angehenden Investmentfondskaufleuten zu vermitteln haben.
Die Ausbildungsordnung ist Bestandteil des dualen Systems der Berufsbil-
dung in Deutschland, also der Ausbildung in Betrieb und Berufsschule.
Die Themen für die Berufsschule sind in einem Rahmenlehrplan festge-
legt, die für den Betrieb im Ausbildungsrahmenplan. Durch eine Abstim-
mung der Inhalte zwischen den beiden Lehrorten ist gewährleistet, dass den
angehenden Investmentfondskaufleuten das notwendige Wissen für einen
beruflichen Erfolg vermittelt wird.
Formal begann der Weg zum neuen Ausbildungsberuf mit einem Antrags-
gespräch am 19. Juni 2002. In der Folge wurden vom BIBB, Bundesinstitut
für Berufsbildung, Bonn, Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter als Exper-
ten in den „Ausschuss der Sachverständigen des Bundes zur Neuord-
nung der Berufsausbildung zum Investmentfondskaufmann/zur Invest-
mentfondskauffrau“ berufen. Der Rahmenlehrplan wurde mithilfe der
Ständigen Konferenz der Kultusminister und -senatoren der Länder (KMK)
von den Sachverständigen der Länder unter hessischer Führung erstellt.
Parallel dazu nahm der BVI Kontakt mit Berufsschulen auf, um die Ver-
zahnung von Theorie und Praxis sicherzustellen. So hat sich mit der Frank-
furter Bethmannschule eine außerordentlich gute und fruchtbare Zusammen-
arbeit entwickelt. Auch die Industrie- und Handelskammer Frankfurt am
Main engagierte sich frühzeitig für das neue Berufsbild.
1 Investmentfonds in Deutschland – eine dynamische Erfolgsgeschichte 11

Ausbildungsrahmenplan und Rahmenlehrplan wurden in der ersten Jahres-


hälfte 2003 rechtskräftig. Die Ausbildung startete in Frankfurt am Main
gleich mit zwei Berufsschulklassen. Bemerkenswert ist, dass die Ausbil-
dungsplätze für diesen ersten Jahrgang 2003/2006 innerhalb kürzester Zeit
besetzt wurden, obwohl der neue Ausbildungsberuf in der Öffentlichkeit
gerade erst bekannt wurde. Dies zeigt, dass das Ausbildungsangebot der
Investmentbranche bei den Schülerinnen und Schülern auf großes Interesse
und hohe Akzeptanz stößt. In 2004 vergrößerte sich die Zahl der ausbilden-
den Unternehmen. Die regionale Ausdehnung folgte in 2005: Im Sommer
startete die erste Berufsschulklasse für angehende Investmentfondskauf-
leute in München.
Im Januar 2006 nahmen schließlich die ersten Investmentfondskaufleute
ihre Zeugnisse entgegen.

1.3.2 Ausbildungsinhalte

Die Schwerpunkte des neuen Ausbildungsberufes Investmentfondskauf-


mann/-frau liegen vor allem in der Fondsbuchhaltung, im Fondscontrol-
ling sowie im Depotgeschäft. Diesbezüglich werden ausgeprägte Kennt-
nisse über Wertpapiere, Settlements und Finanzmathematik vermittelt. Das
Know-how über Kapitalmärkte, Immobilien, aber auch Analyseverfahren
zur Unterstützung von Kauf- und Verkaufsentscheidungen des Fondsmana-
gers gehören ebenfalls zur Ausbildung. Natürlich stehen auch Fremdspra-
chen auf dem Ausbildungsplan.
Während in den Unternehmen die Praxis vermittelt wird, wird in den
Berufsschulen die dazugehörige Theorie anhand des speziell entwickelten
Rahmenlehrplans gelehrt. Der Auszubildende steht dabei im Mittelpunkt
des Lehrplans, seine Kenntnisse sollen spiralförmig erweitert werden. Zu
Beginn der Ausbildung erarbeitet er sich Kenntnisse im Wertpapiergeschäft
und in der Buchhaltung. Der Rahmenlehrplan berücksichtigt bereits im ersten
Ausbildungsjahr Grundlagen des Einkommensteuerrechts sowie steuer-
relevante Aspekte im Wertpapiergeschäft, diese Grundlagen werden im
zweiten Ausbildungsjahr im Rahmen der Fondsbuchhaltung und Kunden-
betreuung ausgebaut.
Die Grundkenntnisse des ersten Ausbildungsjahres werden im Verlauf
der Spirale in den folgenden Ausbildungsjahren wieder aufgegriffen und
vertieft. Ziel des Bildungsganges ist es, die Schülerinnen und Schüler
1 Investmentfonds in Deutschland – eine dynamische Erfolgsgeschichte 12

sukzessive an zunehmend komplexere Aufgabenlösungen heranzuführen.


Neben dem Erwerb von Fachkompetenz fördert die Berufsschule auch die
verantwortungsbewusste Entwicklung von Personal- und Sozialkompetenz.
Theorie und Praxis werden in der bis zu drei Jahren dauernden Ausbildung
im dualen System ideal kombiniert. Die breite Ausbildung sorgt dafür,
dass fertige Investmentfondskaufleute eine umfangreiche Palette an Tätig-
keiten ausüben können. Sie betreuen beispielsweise Depots und wickeln
Kundenaufträge ab, darüber hinaus setzen sie die Entscheidungen des
Fondsmanagements in der Fondsbuchhaltung um.
Bei Fondsanteilen wird täglich der exakte Wert ermittelt. Dazu buchen
Investmentfondskaufleute zeitnah Geschäftsvorgänge und führen täglich
Fondsabschlüsse durch. Sie berechnen auch die Inventarwerte und Anteils-
preise von Sondervermögen. Ebenfalls zum Tätigkeitsspektrum zählt das
Erstellen von Berichten und Meldungen für interne und externe Stellen wie
etwa die Deutsche Bundesbank.
Die mathematischen Fertigkeiten kommen dabei nicht nur bei der Berech-
nung von Steuern für Fonds und Depots zum Tragen, die Liebe zu Zahlen
ist eine wesentliche Voraussetzung für diesen Beruf, ebenso wie das logi-
sche Denkvermögen, das bei der Analyse der Geld-, Kapital- und Wert-
papiermärkte entscheidend für den Erfolg ist.
Kapitalverwaltungsgesellschaften legen nicht nur Aktien- und Renten-
fonds auf, sondern auch offene Immobilienfonds. Daher wird den angehen-
den Investmentfondskaufleuten auch Grundwissen in diesem Bereich,
etwa zu den Vor- und Nachteilen unterschiedlicher Immobilienstandorte,
vermittelt.
Investmentfondskaufleute bereiten die Entscheidungen des Fondsmanage-
ments vor und wickeln Handelsaufträge ab. Auch der Marketingaspekt
kommt nicht zu kurz, da unterschiedliche Vertriebskanäle betreut und gepflegt
werden müssen, zudem sind auch Werbemaßnahmen durchzuführen.
Bereits diese beispielhafte Aufzählung zeigt, dass den Investmentfonds-
kaufleuten ein gleichermaßen breites wie auch tiefes Fachwissen vermittelt
wird. So macht die Ausbildung sie zu Investmentexperten, die in den unter-
schiedlichsten Bereichen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft eingesetzt
werden können – sicher sind sie dadurch auch für Banken und Sparkassen
attraktive potenzielle Mitarbeiter für die Zukunft.
1 Investmentfonds in Deutschland – eine dynamische Erfolgsgeschichte 13

Die wesentlichen Ausbildungsinhalte des Berufes


„Investmentfondskaufmann/-frau“:
1. Der Ausbildungsbetrieb
1.1 Stellung, Rechtsform und Struktur
1.2 Berufsbildung und Personalwirtschaft
1.3 Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit
1.4 Umweltschutz
1.5 Insiderrecht; Compliance
2. Kommunikation und Kooperation
2.1 Informations- und Kommunikationssysteme/Datenschutz und
Datensicherheit
2.2 Arbeitsorganisation
2.3 Kooperation und kundenorientierte Kommunikation
2.4 Anwendung einer Fremdsprache bei Fachaufgaben
3. Marketing und Vertrieb
3.1 Absatzmärkte, Zielgruppen, Vertriebskanäle
3.2 Werbung und Verkaufsförderung
3.3 Verbraucher- und Anlegerschutz
4. Kaufmännische Steuerung und Kontrolle,
Fondsbezogenes Rechnungswesen
4.1 Betriebliches Rechnungswesen
4.2 Fondsbezogenes Rechnungswesen
4.3 Wertentwicklungsberechnung
4.4 Fondsreporting und -controlling
5. Der Investmentprozess
5.1 Analysen zur Vorbereitung von Kauf- und Verkaufsentscheidungen
5.2 Auflegung und Verwaltung von Fonds
5.3 Handel und Abwicklung
6. Depotgeschäft
6.1 Depotführung
6.2 Verwahrung und Verwaltung von Fondsanteilen; Zahlungsverkehr
6.3 Meldewesen und Statistik
1 Investmentfonds in Deutschland – eine dynamische Erfolgsgeschichte 14

1.3.3 Investment-Fachwirt und Investment-Lehrstuhl

In der Investmentbranche besteht über die Ausbildung der Investment-


fondskaufleute hinaus noch zusätzlicher Weiterbildungsbedarf. Gleicher-
maßen Mitarbeiter mit mehrjähriger Berufserfahrung sowie auch die ersten
Jahrgänge der Investmentfondskaufleute wollen sich beruflich weiterqua-
lifizieren. Hier erarbeitete der Verband mit seinen Mitgliedsgesellschaften,
Arbeitnehmervertretern und der Deutschen Industrie- und Handelskammer
sowie der Frankfurter IHK den nächsten logischen Schritt, den Invest-
ment-Fachwirt. Die Prüfung wird an der IHK abgelegt und deutschland-
weit anerkannt.
Die Inhalte stellen eine deutliche Erweiterung gegenüber der Qualifika-
tionen eines/r Investmentfondskaufmannes/-frau dar. Sie werden in Lehr-
gängen parallel zur beruflichen Tätigkeit vermittelt. Als Anbieter tritt
die Frankfurt School of Finance & Management gGmbH (ehemals Bank-
akademie und die Vereinigung für Bankberufsbildung vbb) auf.
Die Weiterbildungsinitiative nahm im Frühjahr 2006 eine wichtige Hürde,
als der Entwurf der Fortbildungsprüfung durch die Ständige Projektgruppe
Weiterbildungsprüfungen der IHK-Organisation mehrheitlich angenom-
men wurde. Der Rahmenplan Investment-Fachwirt, der die Lerninhalte
konkretisiert, wurde vom DIHK, BVI, Investmentgesellschaften und
Arbeitgebervertretern zusammen mit den Weiterbildungsanbietern Akademie
Deutscher Genossenschaften ADG und Frankfurt School of Finance &
Management im Frühsommer fertig gestellt. Die ersten zweijährigen
berufsbegleitenden Studiengänge zum Investment-Fachwirt starteten im
September 2006 in Frankfurt, 2007 folgte Trier und 2008 München. Im
Januar 2009 wurden die ersten Investment-Fachwirte verabschiedet.
Vermittelt werden grundlegende Qualifikationen aus den Bereichen KVG-
Geschäft, Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft und Recht. Ausgehend von
der bisherigen Berufslaufbahn bzw. den individuellen Neigungen ist eine
Spezialisierung in einem der drei Bereiche Portfolio-Management, Marke-
ting und Vertrieb oder Risikomanagement vorgesehen.
1 Investmentfonds in Deutschland – eine dynamische Erfolgsgeschichte 15

Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in der


Investmentbranche

Lebensabschnitt Möglichkeit Ausbildungsdauer

Realschul- Investmentfondskaufmann/ 2 1/2 Jahre


abschluss -frau

Abitur Investmentfondskaufmann/- 2 1/2 Jahre Bachelor:


frau Studium am Frankfurter 3 Jahre Master:
Investment-Lehrstuhl 3 weitere Jahre

Abschluss Investment-Fachwirt ca. 2 Jahre berufsbe-


Investmentfondska gleitendes Studium
ufmann/-frau

Mindestens fünf- Investment-Fachwirt ca. 2 Jahre berufsbe-


jährige Berufs- gleitendes Studium
erfahrung

Abbildung 4

Zulassungsvoraussetzung zur Prüfung ist insbesondere die einschlägige


Berufserfahrung, deren Dauer sich nach der Ausbildung richtet: Bei
Investmentfondskaufleuten genügen zwei weitere Jahre (die sich i.d.R.
während der zweijährigen berufsbegleitenden Weiterbildung „automatisch“
ergeben), wer komplett ohne einschlägige Ausbildung in der Investment-
branche startet, kann sich nach sechs Jahren prüfen lassen.
Nachdem der Berufsbildungsausschuss der Frankfurter IHK am 13. Novem-
ber 2006 die Rechtsvorschrift zum Investment-Fachwirt IHK/Investment-
Fachwirtin IHK beschlossen hat, steht Mitarbeitern der Investmentbranche
eine neue Möglichkeit der fachlichen Qualifikation offen – ein wichtiger
Meilenstein für den Investmentplatz.
Wer sich direkt für ein Studium entscheidet, findet an der Johann Wolfgang
Goethe-Universität, Frankfurt am Main, sogar den Investment-Lehrstuhl
unter der Leitung von Prof. Dr. Raimond Maurer, der sich schwerpunkt-
mäßig mit den Themen Investment, Portfolio-Management und Alters-
sicherung beschäftigt.
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG)

2.1 Zielsetzung und Geschäftsfelder von


Kapitalverwaltungsgesellschaften

Kapitalverwaltungsgesellschaften sind Unternehmen, deren


Geschäftsbereich darauf ausgerichtet ist, Fonds zu verwalten und
im KAGB geregelte Dienstleistungen und Nebendienstleistungen im
Zusammenhang mit dem Fondsgeschäft zu betreiben. Allgemeine
Bankgeschäfte dürfen KVGs nicht oder nur ganz eingeschränkt
betreiben. Da KVGs keine Einlagenkreditinstitute sind, dürfen sie im
Gegensatz zu Banken und Sparkassen keine Kredite geben und keine
Einlagen (z.B. auf Sparbücher) entgegennehmen oder für ihre Kun-
den das Girokonto führen.

Hauptzweck von Kapitalverwaltungsgesellschaften ist die Verwaltung von


Sondervermögen und ggf. zusätzlich die individuelle Vermögensverwal-
tung. Mit der Verwaltung von Sondervermögen ist die Fondsverwaltung
(kollektive Vermögens- oder Kapitalanlage) gemeint, also die Vermögens-
verwaltung für eine Vielzahl von Anlegern (zumindest bei Publikums-
fonds, Spezialfonds werden überwiegend nur für einen Anleger aufgelegt).
Die individuelle Vermögensverwaltung wird dagegen aufgrund der Beauf-
tragung durch einen einzelnen Anleger durchgeführt.
Anders als die individuelle Vermögensverwaltung ist die Fondsverwaltung
das Privileg der KVG. Zwar kann eine KVG ihre Aufgaben weitgehend auf
andere Gesellschaften outsourcen oder auslagern. Das „Kleid“ eines Fonds
kann jedoch nur die KVG bereitstellen und diese bleibt auch immer für die
Fondsverwaltung verantwortlich. Trotzdem verschwimmt durch Auslage-
rungen von Geschäftsteilen einerseits und durch das Ausüben von anderen
Tätigkeiten, als der Fondsverwaltung, die auch von anderen Instituten
erbracht werden dürfen, die Grenze zwischen den Unternehmenskate-
gorien. Die individuelle Vermögensverwaltung war z.B. ein originäres
Geschäft von Finanzdienstleistern, nicht von KVGs. Daneben darf eine
KVG noch andere Geschäftsfelder besetzen, die ursprünglich Banken oder
Finanzdienstleistern vorbehalten waren. Diese Entwicklung führt dazu,
dass nicht jede KVG die gleichen Geschäftsfelder besetzt.

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019
W. Raab (Hrsg.), Grundlagen des Investmentfondsgeschäftes, Edition
Frankfurt School, https://doi.org/10.1007/978-3-658-24155-1_2
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 18

Die Absicht einer KVG ist in letzter Konsequenz natürlich die Gewinn-
erzielung. In unserer marktwirtschaftlichen Ordnung herrscht bei allen
Produkten und Dienstleistungen das Prinzip von Angebot und Nachfrage.
Das bedeutet für eine KVG, dass die Produktpalette, also ihr Angebot, mit
den Bedürfnissen der Kunden übereinstimmen muss. Erste geschäftspoli-
tische Entscheidung muss daher sein, die Zielgruppe zu definieren. Welche
Kunden will ich mit meinen Produkten, meinen Fonds bedienen?
Zum Geschäftserfolg können maßgeblich die Stärken des Teams beitra-
gen: Liegen sie im direkten Kontakt mit den Kunden und der Analyse und
Befriedigung dieser Bedürfnisse? Bietet es sich daher an, Spezialfonds für
institutionelle Kunden aufzulegen, zu denen vielleicht durch die Mutter-
bank bereits gute Verbindungen bestehen? Oder ist es eher die Fähigkeit,
die Bedürfnisse der breiten Kundschaft im Privatkundenmarkt optimal
abzudecken? Dann wäre die Auflage von Publikumsfonds naheliegend.
Vielleicht ist aber auch die Kombination beider Produkte sinnvoll – recht-
lich zulässig ist es auf jeden Fall, sowohl Publikums- als auch Spezial-
fonds anzubieten.
Vielleicht kommt die Geschäftsführung aber aus dem Research-Bereich und
legt daher Aktien- oder Rentenfonds auf. Zählt sie zu den absoluten Spezia-
listen des Immobilienmarktes? Dann wird der Schwerpunkt der Geschäfts-
aktivitäten bei den Immobilien-Sondervermögen (im alten KAGG Grund-
stücks-Sondervermögen, im allgemeinen Sprachgebrauch besser bekannt als
offene Immobilienfonds) liegen. Durch das KAGB müssen auch Anbieter
ehemals ungeregelter geschlossener Fonds (Immobilien/Schiffe etc.) eine
KVG-Lizenz besitzen, um solche (AIF-)Fonds auflegen zu dürfen. Die
möglichen Geschäftsschwerpunkte sind also so vielfältig wie die Zahl der
in Deutschland aktiven KVGs.
Die BVI-Statistiken zeigen, dass sich verschiedenste Gliederungskriterien,
sowohl nach Fondsinhalten als auch nach Zielgruppen, finden lassen, um
die am Markt befindlichen KVG zu unterscheiden und das eigene Unter-
nehmen einzuordnen. Als Ordnungskriterium wird oftmals das Produkt-
angebot herangezogen: Bietet die KVG Publikumsfonds an, die von jeder-
mann erworben werden können, oder Spezialfonds für institutionelle
Anleger? Oder werden nur Fonds mit bestimmtem Anlageschwerpunkt
(Wertpapier- oder Offene Immobilienfonds) aufgelegt?
Weitere Unterscheidungskriterien: Einige KVGs unterhalten einen eigenen
Vertrieb, andere verkaufen ausschließlich über Fremdvertriebe (z.B. den
Außendienst einer Versicherungsgesellschaft), die einen führen alle Aktivi-
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 19

täten rund um die Fondsanlage soweit möglich selbst durch, die anderen
unterhalten den unbedingt erforderlichen Kernbetrieb und lagern sämtliche
zulässigen Tätigkeiten aus.

2.2 Rechtsform und Struktur des Unternehmens und seine


rechtliche und organisatorische Einbindung

2.2.1 Rechtsformen von Unternehmen

Wer als Unternehmer wirtschaftliche Tätigkeiten gewerbsmäßig ausübt, ist


ein Kaufmann. Grundsätzlich ist jeder Kaufmann frei, in welcher Rechts-
form er sein Gewerbe betreibt. Die gängigsten Rechtsformen sind der Ein-
zelkaufmann, die Personengesellschaft und die Kapitalgesellschaft.

Der Einzelkaufmann ist eine einzelne, natürliche Person, die unter-


nehmerisch tätig ist.

Diese Person schließt die erforderlichen Verträge ab (zum Beispiel Miet-


vertrag über gewerbliche Räume, Kaufvertrag über benötigte Rohstoffe,
Arbeitsverträge mit benötigten Mitarbeitern, Lieferverträgen mit Kunden
etc.). Zur Erfüllung dieser Verträge verpflichtet sich die Person selbst.

Wenn z.B. der Vermieter von dem Einzelkaufmann seine Miete einfordert,
wendet er sich direkt an ihn. KVGs dürfen nicht durch Einzelkaufleute
betrieben werden. Es muss immer eine Gesellschaft vorhanden sein.

Eine Personengesellschaft ist ein Zusammenschluss mehrerer Per-


sonen zu einem bestimmten, gemeinsamen Zweck.

Im Falle einer Unternehmensgründung besteht der Zweck der zusammen-


geschlossenen Personen darin, ein bestimmtes Unternehmen zu betreiben.
Zur Erfüllung der von einer Personengesellschaft abgeschlossenen Verträge
sind sämtliche Mitglieder der Personengesellschaft verpflichtet. Selbstver-
ständlich können die Mitglieder einer solchen Gesellschaft untereinander
vereinbaren, wer welche Verpflichtungen übernehmen soll. Gegenüber den
Vertragspartnern haften jedoch zunächst sämtliche Gesellschaftsmitglieder
uneingeschränkt für die Erfüllung der Verträge.
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 20

Der Vermieter kann in unserem Beispielfall die Miete für angemietete


Räume von jedem der Gesellschafter fordern.

Die einfache Form einer Personengesellschaft ist die Gesellschaft bürger-


lichen Rechts (GbR) oder auch BGB-Gesellschaft genannt. Zur Gründung
einer GbR genügt ein einfacher formloser Vertrag zwischen den Gesell-
schaftern, in dem ein gemeinsamer Gesellschaftszweck vereinbart wird.
Dieser Vertrag kann auch mündlich und sogar alleine durch Vereinbarung
eines bestimmten gemeinschaftlichen Zieles abgeschlossen werden.
Ebenfalls eine Personengesellschaft ist die Kommanditgesellschaft (KG).
Bei der KG gibt es zwei verschiedene Arten von Gesellschaftern. Mindes-
tens ein Gesellschafter muss sich als Komplementär an der Gesellschaft
beteiligen. Dieser Gesellschafter haftet genau wie bei der GbR uneinge-
schränkt für alle Verträge und sonstigen Verpflichtungen der Gesellschaft.
Daneben gibt es einen oder mehrere Kommanditisten, die dieser Gesell-
schaftsform ihre Bezeichnung gegeben haben. Denn die Besonderheit die-
ser Gesellschaftsform und der Stellung der Kommanditisten besteht darin,
dass diese eben nicht uneingeschränkt haften. Kommanditisten haften
gegenüber den Vertragspartnern und sonstigen Gläubigern einer KG nur
mit ihrer Einlage, d.h. mit dem Betrag, mit dem sie sich an der Gesell-
schaft beteiligen sollen.

Der Vermieter von Räumlichkeiten kann sich mit seiner Mietforderung


nicht direkt an die Kommanditisten, sondern dann nur an die KG oder den
Komplementär wenden.

Die Kapitalgesellschaft zeichnet sich gegenüber dem Einzelkauf-


mann dadurch aus, dass mit der Gründung einer solchen Gesellschaft
ein neues Rechtssubjekt geschaffen wird. In Abgrenzung zu einer
natürlichen Person spricht man hier von einer juristischen Person. Da
eine juristische Person nur als juristische Fiktion existiert, benötigt
sie zum Handeln einen oder mehrere menschliche Vertreter. Die
Geschäftsführer oder Vorstände einer juristischen Person sind also
lediglich Vertreter derselben.

In dieser Eigenschaft schließen sie Verträge mit Wirkung für und gegen die
juristische Person ab. Für die Erfüllung dieser Verträge haftet zunächst
ausschließlich die vertretene juristische Person, also weder die Geschäfts-
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 21

führer oder Vorstände noch die Gesellschafter. Nur in Ausnahmefällen haf-


ten auch diese Personen.
Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) ist die einfache
Form der Kapitalgesellschaft. Sie kann aus einer einzelnen Person bestehen
und wird durch den Abschluss eines Gesellschaftsvertrages mit einer
Zweckbestimmung gegründet. Außerdem ist mindestens ein Geschäftsfüh-
rer zu bestellen, der die GmbH nach außen vertritt und die GmbH muss in
das Handelsregister eingetragen werden. Als Stammkapital müssen min-
destens 25.000 Euro eingezahlt werden. Wenn ein Unternehmen als GmbH
gegründet wird, muss der Gesellschaftsvertrag die Geschäfte beinhalten,
die von dem Unternehmen ausgeführt werden sollen. Bei einer als GmbH
errichteten KVG ist das vor allem die Fondsverwaltung, aber auch die
zugelassenen Nebendienstleistungen.
Die Aktiengesellschaft (AG) ist eher für Großunternehmen die geeignete
Gesellschaftsform. Nicht nur ist das Grundkapital mit 50.000 Euro doppelt
so hoch wie bei der GmbH. Auch die Gesellschaft an sich ist komplexer,
denn anders als bei der GmbH muss für die AG zwingend ein Aufsichtsrat
bestellt werden. Der Aufsichtsrat hat die Aufgabe, den Vorstand zu bestel-
len und ggf. abzuberufen und ihn bei seinen Geschäftsaktivitäten zu über-
wachen. Der Vorstand ist das Pendant zum Geschäftsführer der GmbH. Er
vertritt die AG nach außen. Ein weiterer Grund dafür, dass die AG eher für
große Unternehmen in Frage kommt, ist die Möglichkeit, Kapital von
einer Vielzahl von Anteilseignern (Aktionären) einzusammeln. Die Aktio-
näre sind an der AG beteiligt, können aber ihre Unternehmensanteile
(Aktien) jederzeit wieder an andere Personen weiterverkaufen. Die AG hat
die Möglichkeit, große Kapitalmengen aufzunehmen und damit zu wirt-
schaften. Eine KVG darf in der Rechtsform der AG betrieben werden.
Das Gesellschaftskapital muss übrigens sowohl bei der GmbH als auch bei
der AG von den Gesellschaftern bzw. Aktionären aufgebracht und der
Kapitalgesellschaft zur Verfügung gestellt werden. Dadurch verlässt es das
Vermögen der Gesellschafter. Es ist dann das eigene Vermögen der Kapi-
talgesellschaft, über das allein diese (vertreten durch die Geschäftsführer
bzw. Vorstände) zu bestimmen und zu verfügen hat. Im Gegenzug dazu
haften die Gesellschafter oder Aktionäre im Grundsatz nicht mit ihrem
eigenen Vermögen, sollte die Kapitalgesellschaft insolvent werden.
Eine beliebte Kombination von Personengesellschaft und Kapitalgesell-
schaft ist die GmbH und Co. KG.
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 22

Hierbei handelt es sich um eine Kommanditgesellschaft, also um


eine Personengesellschaft mit beschränkt haftenden Kommanditisten
und mindestens einem unbeschränkt haftenden Komplementär.

Als unbeschränkt haftender Komplementär wird eine, für diesen Zweck


gegründete GmbH vorgeschoben. Für die Gläubiger bedeutet das, dass
keine natürliche Person mit ihrem Privatvermögen für die Schulden des
Unternehmens haftet. Für die Kommanditisten hat diese Konstruktion den
Vorteil, dass sie zum einen nur beschränkt für die Schulden des Unterneh-
mens haften, andererseits jedoch Gesellschafter einer Personengesellschaft
sind. Als Gesellschafter einer Personengesellschaft kann man nämlich die
Verluste der Gesellschaft unmittelbar mit sonstigen Einkünften verrechnen,
auch Anfangsverluste der Personengesellschaft sind beim Gesellschafter
steuerlich abzugsfähig (allerdings mit Einschränkungen bei dem Kom-
manditisten, siehe § 15a Einkommensteuergesetz). Als Gesellschafter einer
Kapitalgesellschaft könnte man dagegen nur zusehen, wie das Gesell-
schaftsvermögen an Wert verliert. Auch in der Rechtsform der GmbH &
Co. KG darf eine KVG betrieben werden.
Es gibt darüber hinaus weitere Rechtsformen wie die eingetragene
Genossenschaft (e.G.), die mit einer Aktiengesellschaft vergleichbar ist,
allerdings keine Aktionäre, sondern Genossen hat, und die die wirtschaft-
lichen Interessen eben dieser Genossen nach ihrer Satzung zu fördern hat.
Ferner gibt es z.B. die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA), die
eine Zwischenstellung zwischen KG und AG inne hat, eingetragene Ver-
eine (e.V.) und Stiftungen, die zwar ebenfalls Körperschaften sind, jedoch
grundsätzlich keine Handelsunternehmen mit einer Gewinnerzielungs-
absicht betreiben dürfen. Dazu kommen die öffentlich-rechtlichen Körper-
schaften, also etwa den Bund, die Länder, die Gemeinden, die Gemeinde-
verbände, die öffentlich-rechtlichen Sparkassen und Landesbanken.

2.2.2 Rechtsformen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft

Für bestimmte Unternehmen kann der Gesetzgeber vorschreiben, dass diese


nur in festgelegten Rechtsformen betrieben werden dürfen.
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 23

KVGs dürfen nur in der Rechtsform einer GmbH, AG oder GmbH &
Co. KG errichtet werden, § 18 Abs. 1 KAGB.

Die meisten KVGs sind in der Rechtsform einer GmbH errichtet, es beste-
hen jedoch auch mehrere KVGs in der Form einer AG. In welcher Rechts-
form eine KVG errichtet ist, lässt sich anhand ihres Namens leicht erken-
nen, da die Rechtsform kraft Gesetzes ein Bestandteil des Firmennamens
ist. Der Name einer KVG enthält daher immer den Zusatz „AG“, „GmbH“
oder „GmbH & Co. KG“.
Während die AG bereits nach dem Aktiengesetz (AktG) verpflichtet ist,
einen Aufsichtsrat zu bilden, wird eine KVG-GmbH durch § 18 Abs. 2
KAGB ebenfalls dazu verpflichtet. Bei KVGs in der Rechtsform der
GmbH & Co. KG muss als Kontrollgremium ein Beirat gebildet werden.
Für die Zusammensetzung und die Rechte und Pflichten des Aufsichtsrates
und des Beirates der KVG gelten die einschlägigen Vorschriften des AktG
entsprechend. Für Publikumsfonds-KVGs kommt die Sonderregel zum
unabhängigen Aufsichtsrat (§ 18 Abs. 3 KAGB) hinzu. Das bedeutet, dass
in dem Kontrollgremium Aufsichtsrat/Beirat zumindest ein Mitglied ver-
treten sein muss, das nicht zu den Gesellschaftern (z.B. Muttergesell-
schaft) und Geschäftspartnern der KVG gehört bzw. dort beschäftigt ist.
Dadurch soll zumindest eine Person im Kontrollgremium eine neutrale
Position haben.
Gegenüber den allgemeinen Vorschriften für GmbHs, Aktiengesellschaf-
ten und Kommanditgesellschaften fordert das KAGB für KVGs im Übri-
gen eine deutlich höhere Kapitalausstattung. Das Anfangskapital muss bei
mindestens 125.000 (externe KVG) bzw. 300.000 Euro (interne KVG) lie-
gen und es wird durch zusätzliche Eigenmittel ergänzt, die sich der Höhe
nach an dem verwalteten Fondsvermögen orientieren und insgesamt bei
maximal 10 Millionen Euro liegen kann (§ 25 KAGB). Zusätzliche Eigen-
kapitalanforderungen können sich auch aus dem Geschäftsmodell der KVG
ergeben, wenn sie z.B. Altersvorsorgeverträge nach dem „Riester“- oder
„Rürup“-Modell abschließt oder Garantiefonds auflegt (§ 25 Abs. 5
KAGB).
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 24

2.2.2.1 Rechtliche Einbindung einer Kapitalverwaltungsgesellschaft

Die meisten KVGs sind in einen Konzern- oder einen sonstigen Verbund
eingebunden. Die rechtliche Form dieser Einbindung ist relativ schnell
beschrieben: Es gibt Gesellschafter und Vertragspartner.
Als Kapitalgesellschaft hat jede KVG Gesellschafter, die im Fall einer
KVG-GmbH als Gesellschafter, im Fall einer KVG-AG auch als Aktio-
näre und im Fall einer KVG-GmbH & Co. KG als Kommanditisten und
Komplementäre bezeichnet werden können. Die meisten Gesellschafter
sind Banken, Versicherungen oder zu Banken oder Versicherungen gehö-
rende Holding-Gesellschaften (Holding-Gesellschaften sind nicht selbst
aktiv tätig, sondern haben alleine den Zweck, die Beteiligung an einer oder
mehreren Gesellschaften zu halten).
Die Gesellschafter üben ihre Rechte auf der Gesellschafterversammlung
bzw. Hauptversammlung der Aktionäre aus. Sie entscheiden dabei z.B. über
die strategische Ausrichtung der KVG und über die Höhe der Gewinn-
ausschüttung bzw. Dividende.
Ferner schließt die KVG Verträge mit Vertragspartnern ab, wie etwa über
den Vertrieb von Anteilen oder die Nutzung von Ressourcen. Oft sind die
Vertragspartner gleichzeitig Gesellschafter der KVG oder Mitglieder des
gleichen Konzerns oder sonstigen Verbundes. So werden die von einer
KVG verwalteten Publikumsfonds häufig über die konzern- oder verbund-
eigenen Vertriebskanäle (das können Banken oder Sparkassen oder Ver-
triebsgesellschaften mit Kontakt zu den Privatkunden sein) vertrieben.

2.2.2.2 Organisatorische Einbindung einer Kapitalverwaltungs-


gesellschaft

Es existieren verschiedene Modelle, eine KVG zu betreiben. Einerseits


besteht die Möglichkeit, alle für eine KVG zugelassenen Tätigkeiten, also
insbesondere alles, was mit der Fondsverwaltung zusammenhängt, im
eigenen Haus zu erbringen. Die meisten KVGs hatten zunächst ein breites
Leistungsspektrum vom Vertrieb zur Führung von Anteilkonten, Fonds-
buchhaltung, Steuer-Service bis zum Portfoliomanagement, Research und
Marketing. Mittlerweile haben sich arbeitsteilige Strukturen durchgesetzt.
In konzernverbundenen KVGs werden die Dienstleistungen mehr und
mehr gebündelt, so dass z.B. die IT für den gesamten Konzern arbeitet und
nicht mehr jede Gesellschaft im Konzern ihre eigene IT-Abteilung hat. Ein
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 25

besonders arbeitsteiliges Modell, eine KVG zu betreiben, nennt man


„Master-KVG“. Die Master-KVG übernimmt Kernaufgaben selbst, lagert
jedoch auch Tätigkeiten, vor allem das Portfoliomanagement, auf Dritt-
gesellschaften aus.
An die Auslagerung werden strenge Anforderungen gestellt (§ 36 KAGB).
Einerseits muss es „objektive Gründe“ für die Auslagerung geben. Ande-
rerseits muss die auslagernde KVG selbst über ausreichend Ressourcen –
also Personal, IT-Ausstattung, Räumlichkeiten etc. – verfügen. Auch wenn
die KVG Dienstleistungen auf externe Gesellschaften überträgt, muss sie
noch eine funktionierende Geschäftseinheit mit ausreichend Personal
betreiben. Sie darf nicht nur eine Adresse mit einem Briefkasten sein.
Zudem muss die Gesellschaft, auf die die Dienstleistungen übertragen
werden, dafür auch geeignet sein. Das bedeutet, dass diese Gesellschaft –
wie eine deutsche KVG – eine Zulassung der zuständigen Aufsichts-
behörde haben muss und von dieser Behörde überwacht wird, wenn sie
Portfolio- oder Risikomanagementdienstleistungen erbringen soll. Die KVG
darf auch nicht an Dienstleister aus jedem Land ihre Tätigkeiten auslagern:
Das Land, aus dem der Dienstleister kommt, muss einen vergleichbaren
Standard wie Deutschland haben. Einen solchen Standard findet man
sowohl in den anderen EU-Ländern als auch in Staaten wie USA, Kanada,
Japan, Australien. Auch wenn die KVG Aufgaben auslagert, bleiben wei-
terhin viele Pflichten bei ihr. Sie muss nicht nur das Auslagerungsunter-
nehmen genau prüfen, bevor sie den Auslagerungsvertrag abschließt. Wenn
es tätig wird, muss sie es fortlaufend überwachen. Auch die Aufsichts-
behörde BaFin überwacht die Auslagerungen. Dazu muss die KVG der
BaFin ihr Auslagerungsvorhaben im Vorfeld mitteilen. Und auch im Nach-
hinein muss die KVG der BaFin regelmäßig Bericht erstatten. Das Ziel bei
solchen Auslagerungen sind manchmal Kosteneinsparungen, häufig aber
das „Einkaufen“ von besonderen Fähigkeiten des Auslagerungspartners.
Das Auslagerungsunternehmen besitzt beispeilsweise herausragende
Expertise im Umgang mit bestimmten Wertpapierarten oder Erfahrungen
mit einem bestimmten Land oder hat besondere IT-Systeme.
Portfolioverwaltung und Risikomanagement dürfen zwar an eine dritte
Gesellschaft ausgelagert werden, nicht aber an die Verwahrstelle. Die Ver-
wahrstelle soll die KVG kontrollieren. Dieses Vier-Augen-Prinzip würde
unterlaufen, wenn sie diese Tätigkeiten von der KVG übernehmen würde.
Daher müssen Portfolioverwaltung und Risikomanagement bei der KVG
oder – wenn diese Leistungen auf Dritte ausgelagert werden – unter ihrer
Kontrolle bleiben. Die Verwahrstelle übernimmt die Gegenkontrolle.
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 26

Die Auslagerung von Tätigkeiten innerhalb eines Konzern- oder sonstigen


Verbundes bedingt zu einem gewissen Grad auch die einheitliche Steue-
rung der beteiligten KVG und sonstigen Gesellschaften. Auf diese Weise
entstehen neben den rein gesellschaftsrechtlichen Beziehungen der KVG
mit den anderen KVG und den sonstigen betroffenen Gesellschaften wei-
tere Beziehungen, die dann in entsprechenden Organigrammen erkennbar
sind und so die Abhängigkeitsstrukturen der einzelnen Abteilungen gesell-
schaftsübergreifend darstellen. Dies wird in der einschlägigen Literatur oft
mit dem englischen Begriff der „dotted reporting lines“ umschrieben.

Der Abteilungsleiter Vertrieb Privatkunden berichtet nicht nur an den für


den Vertrieb zuständigen Geschäftsführer der KVG, sondern darüber hinaus
auch dem Konzernleiter Vertrieb in der Muttergesellschaft. Im Organi-
gramm ist dann das Kästchen der Abteilung innerhalb der KVG mit einer
durchgehenden Linie zur KVG-Geschäftsführung verbunden. Zusätzlich
führt eine gestrichelte Linie zu dem fachlich zuständigen Leiter innerhalb
der Konzernmutter.

Die Gestaltungsmöglichkeiten sind ausgesprochen vielfältig, beispielsweise


gibt es Organigramme, die mindestens vier unterschiedliche Abhängigkei-
ten farblich abbilden. Jeder Mitarbeiter sollte sich daher genau mit dem
aktuellen Organigramm seiner KVG vertraut machen.

2.3 Bedeutung von Kooperationen in Bezug auf


Finanzdienstleistungen für die Kapitalverwaltungs-
gesellschaft

Eine KVG ist in unterschiedliche Abteilungen mit festgelegten Tätigkeits-


bereichen untergliedert, um die Kernaufgabe der Gesellschaft, das Mana-
gen von Kapital, optimal erfüllen zu können. Die einzelnen Abteilungen
sind dabei auf vielfältige Weise miteinander verknüpft, ebenso komplex ist
das Netz der Außenkontakte.
Ebenso viele Verknüpfungen gibt es zu externen Finanzdienstleistern,
wobei diesbezüglich bestimmte rechtliche Vorgaben nach dem KAGB zu
berücksichtigen sind. Beispielsweise muss eine Verwahrstelle (vormals
Depotbank genannt) bestimmt werden, die insbesondere die Ausgabe und
Rücknahme der Anteile übernimmt, aber auch zahlreiche Kontrollfunk-
tionen im Interesse des Anlegerschutzes ausübt (Details zur Verwahrstelle
sind im Kapitel 3 zu finden).
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 27

Andere Kooperationen ergeben sich dadurch, dass Kapitalverwaltungs-


gesellschaften meist Töchter von Banken oder Finanzdienstleistungskon-
zernen großer Versicherungsunternehmen sind. Sie können am Markt
eigenständig auftreten, kooperieren in der Regel aber sehr eng mit der
gesamten Finanzdienstleistungsbranche. Während einzelne Fondsgesell-
schaften exklusiv nur in ihrem Verbund mit einer Bankengruppe zusam-
menarbeiten, sind die Investmenttöchter von Großbanken Multichannel-
Anbieter über alle möglichen Vertriebswege. Diese lassen sich auf die fol-
genden Gruppen aufteilen:
• Retail Banking, also das Filialgeschäft mit einer oder mehreren Ban-
kengruppen,
• Freie Finanzdienstleister wie AWD, MLP oder DVAG,
• Direktvertrieb an Dachfonds, Vermögensverwalter oder Direktbanken
(für Privatkunden),
• Direktvertrieb an Endanleger im institutionellen Geschäft,
• Online-Vertrieb über eigene Internetplattformen.

Die deutschen Töchter der DEKA oder der Union-Investment-Gruppe


arbeiten jeweils mit ihrem Verbund zusammen (DEKA für die Sparkassen-
organisation, Union Investment für Volks- und Raiffeisenbanken, Sparda-
und PSD-Banken). Der alternative Aufbau einer eigenen Vertriebsorgani-
sation würde einen hohen logistischen (und auch finanziellen) Aufwand
bedeuten, könnte aber auch dann nur schwer mit einer Kooperation kon-
kurrieren. Geradezu klassisch war über viele Jahre hinweg die Rollenver-
teilung, dass sich die KVG im Besitz einer Bank befand, die die Rolle der
Verwahrstelle übernahm und zugleich an ihren Schaltern die Publikums-
fondsprodukte der KVG-Tochter verkaufte. Versicherungs-KVGs hatten
Produkte für den Versicherungsaußendienst im Angebot, sei es als direkte
Fondsanlage oder als fondsgebundenes Versicherungsprodukt.
Auch für den Kunden war dies eine gute Lösung: Jede Gesellschaft hatte
ohnehin alle Standardfonds im Angebot, von Renten national und interna-
tional über deutsche, europäische und internationale Aktienfonds bis hin
zu Geldmarkt- und Immobilienfonds. Der Kunde bekam ein Produkt, das
seine entsprechenden Bedürfnisse abdeckte. In den 90er-Jahren des ver-
gangenen Jahrhunderts wuchs aber ein neuer Anlegertyp heran, für den der
Name Yuppie (young urban professionals) erfunden wurde. Geldanlage
war für ihn nicht lästige Pflicht, sondern persönliche Ehrensache. Er (oder
sie) wusste genau, was er wollte und in welche Produkte er sein Geld
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 28

anlegen wollte. Der klassische Anlageberater konnte ihm nicht viel bieten,
denn der Yuppie wollte seine Finanzen selbst managen – und das sogar
noch nach Ende der Schalterstunden um 16.00 Uhr!
In Deutschland wurden (auch) als Reaktion darauf Direktbanken gegrün-
det. Hier konnten Orders direkt per Telefon (Internet und Sekundenhandel
waren erst einige Jahre später ein Thema) aufgegeben werden, sogar am
Abend. Dass alle Produkte ohne Beratung verkauft wurden, schien damals
kein Problem zu sein – die Kurse stiegen ohnehin. Neben Schnelligkeit,
größerer Flexibilität und günstigeren Preisen als beim herkömmlichen Ver-
trieb war ein weiterer Vorteil das Angebot an mehreren tausend Invest-
mentfonds unterschiedlicher Anbieter aus dem In- und Ausland. Der Aus-
gabeaufschlag – Entgelt für die Beratung – konnte reduziert werden, weil
eine Beratung aus Prinzip nicht stattfand. Wer sich also sein optimales
Portfolio selbst zusammenstellen konnte, sparte auch noch Geld. Aller-
dings dürfte mancher Anleger heute feststellen, dass eine gute Beratung
bei vollem Ausgabeaufschlag doch der bessere Deal gewesen wäre.
Auch in Vertriebsstellen mit Beratung wurden zunehmend Fonds Dritter in
das Angebot aufgenommen. Das neue Schlagwort dafür lautete „open
architecture“. So erhielt der Kunde bei seinem Vertriebskanal den Zugriff
auf andere Produkte als der „Hausmarke“. Da jede Gesellschaft ihre Leis-
tungsschwerpunkte hat, konnte der Kunde auch von attraktiven Produkten
anderer Anbieter profitieren, beispielsweise Fonds mit ausgefalleneren
Anlageschwerpunkten.
Für die Anbieter, die KVG selbst, bedeutet dies, dass sie ihre Produkte
nicht nur einem Vertriebspartner gegenüber anbieten. Sie sehen sich meh-
reren Partnern mit unterschiedlichen Informationsbedürfnissen gegenüber
und sie stehen gleichzeitig im Wettbewerb mit den Produkten anderer
Anbieter, die ebenfalls gerne von dem Vertriebspartner verkauft werden
wollen. Die Pflege der bestehenden Vertriebskanäle und die Gewinnung
neuer Absatzwege sind deshalb bei Publikumsfonds von großer Bedeu-
tung. Trotz der Einführung der open architecture bleiben die herkömm-
lichen Vertriebskanäle über mit der KVG gesellschaftsrechtlich verbun-
dene Gesellschaften auch heute noch dominierend.
Eine interessante Variante ist die Kooperation über mehrere Produkte hin-
weg. Beispielhaft sei hier die 3P-Kampagne der Union Privat Invest mit
den Volks- und Raiffeisenbanken und der Bausparkasse Schwäbisch Hall
genannt.
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 29

Die erweiterte Förderung der Vermögensbildung im Jahre 1999, die eine


Kombination von VL-geförderter Aktienfondsanlage, VL-gefördertem Bau-
sparen und Bausparprämie zuließ, wurde gemeinsam für die Anlage in
Union-Fonds und Bausparverträge genutzt. Außendienstmitarbeiter der Bau-
sparkasse konnten ohne wesentlichen Beratungsmehraufwand das für sie
neue Produkt Investmentfonds mit anbieten, in den Bankfilialen konnte
man den Kunden ebenfalls in einem Gespräch beide Produkte offerieren.
Das Konzept wurde bei Einführung der staatlichen Förderung der Alters-
vorsorge („Riester-Rente“) um diese Möglichkeit erweitert. Aus den drei
Prämien (3P) wurden im Jahr 2001 folglich vier, das neue Produkt hieß
nun 4P.

2.4 Zusammenarbeit der Kapitalverwaltungsgesellschaft


mit Wirtschaftsorganisationen, Behörden und
Berufsvertretungen

Während die im vorangegangenen Abschnitt beschriebene Zusammen-


arbeit mit Dritten initiativ von den Gesellschaften ausgeht, gibt es eine
Reihe von Organisationen und Behörden, zu denen eine KVG automatisch
eine Verbindung aufbaut.
Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) in Berlin ist mit der Aus-
arbeitung der für die Investmentbranche relevanten Gesetze befasst. In
dieser Funktion ist es kompetent für die Auslegung der maßgeblichen
Rechtsnormen und hat teilweise auch die Zuständigkeit zum Erlass von
Verordnungen.
KVGs unterliegen der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanz-
dienstleistungsaufsicht (BaFin). Die BaFin hat einen Dienstsitz in Bonn
und einen in Frankfurt. Der doppelte Sitz ist darauf zurückzuführen, dass
die BaFin der Zusammenschluss von drei Behörden ist, die an unterschied-
lichen Standorten angesiedelt waren. Das Bundesaufsichtsamt für das Kre-
ditwesen (BaKred), das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen
(BAV) und das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BaWe) wur-
den 2002 zu einer Behörde zusammengeführt. Die in Frankfurt ansässige
Abteilung Wertpapieraufsicht/Asset Management ist unter anderem auch
für Kapitalverwaltungsgesellschaften zuständig. Die Aufsichtsbehörde übt
eine wichtige Anlegerschutzfunktion aus. Sie überprüft, ob sich die Tätig-
keiten der KVG im Rahmen der geltenden Gesetze bewegen. Dazu über-
wacht sie einerseits die Gesellschaft und andererseits die von ihr erstellten
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 30

Fondsprodukte. Bereits bei der Gründung einer KVG (die im folgenden


Kapitel im Detail erläutert wird) entscheidet die BaFin über die Zulassung
der Gesellschaft zum Geschäftsbetrieb. Auch der laufende Geschäftsbe-
trieb wird von der BaFin überwacht. Zudem sind der BaFin die Anlage-
bedingungen für Publikumsfonds sowie deren Änderungen zur Genehmi-
gung vorzulegen, bevor sie im Verhältnis zum Anleger Wirkung entfalten
können. Auch die Anlagebedingungen für Spezialfonds und deren wesent-
liche Änderungen müssen der BaFin übermittelt werden.
Die Gesellschaften haben regelmäßig eine Reihe von Meldungen zu täti-
gen, um der BaFin die Kontrolltätigkeit zu ermöglichen.
Darüber hinaus konkretisiert die BaFin in zahlreichen Rundschreiben,
Richtlinien, Schreiben und Verordnungen die rechtlichen Anforderungen
für Kapitalverwaltungsgesellschaften, zu finden auf der BaFin-Webseite
(www.bafin.de).
Steuerrelevante Informationen werden mit den Finanzämtern ausge-
tauscht, etwa um die Kapitalertragsteuer zu überweisen oder damit – bei
Vorliegen von Freistellungsaufträgen – bestimmte Steuern gleich zurück-
erstattet werden können. Auch Prüfungsverbände im Genossenschafts-
und Sparkassenbereich benötigen spezielle Informationen von den KVGs.
Einen offiziellen Arbeitgeberverband für die Investmentbranche gibt es
nicht. Dazu sind die Mitglieder zu heterogen: Einige kommen aus dem
Bankenbereich, andere aus dem Sparkassen- oder Genossenschaftssektor,
aus der Versicherungsbranche oder sind Töchter deutscher Großkonzerne
oder ausländischer Gesellschaften. Seit 1970 existiert jedoch ein äußerst
schlagkräftiger Branchenverband, der BVI Bundesverband Investment
und Asset Management e.V. mit Hauptsitz in Frankfurt und Büros in
Berlin und Brüssel. Die Mitgliedschaft ist freiwillig, aber für die KVG und
große Asset-Management-Gesellschaften aufgrund des Leistungsspektrums
des Verbandes eine Selbstverständlichkeit. Satzungsgemäß vertritt der BVI
die Interessen seiner Mitglieder gegenüber der Politik und der breiten
Öffentlichkeit. Kein branchenrelevantes Gesetz wird verabschiedet, ohne
dass der BVI seine Stellungnahme abgibt. Bei Fragen der Besteuerung ver-
tritt er die Interessen der mehr als 50 Millionen Privatanleger in Fonds.
Das wichtige Thema der betrieblichen und privaten Altersvorsorge wird
vom BVI seit Jahren mit konstruktiven Vorschlägen begleitet. Hinzu kom-
men unzählige Informationen zur Fondsanlage.
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 31

Am bekanntesten dürften die regelmäßigen Wertentwicklungsstatistiken


nach der klassischen BVI-Methode sein. Jeder Anleger kann nachschauen,
wie die Wertentwicklung seines Fonds im Vergleich zu den anderen mit
ähnlichem Anlageschwerpunkt ist. Die dazu notwendigen Zahlen erhält
der Verband direkt von seinen Mitgliedern. Auch Fondsvermögen und
Mittelaufkommen sowohl für Publikums- als auch für Spezialfonds wer-
den dem Verband gemeldet.
Die Gesellschaften liefern aber auch qualitativen Input an den Verband.
Neue rechtliche Regelungen werden in Ausschüssen analysiert und auf ihre
Umsetzbarkeit hin geprüft, bestehende Gesetze auf Optimierungsmöglich-
keiten hin untersucht. Die praktische Umsetzung der gesetzlichen Rah-
menbedingungen wird in Expertengruppen im Verband diskutiert. Darüber
hinaus werden Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter vom BVI unter-
stützt, der neue Ausbildungsberuf Investmentfondskaufmann/-frau und die
Weiterbildungsmöglichkeit zum Investmentfachwirt wurden sogar maßgeb-
lich durch den Verband geprägt.

2.5 Rechtliche Grundlagen für Kapitalverwaltungs-


gesellschaften

Das Ziel der Regulierung des Investmentgeschäftes ist der Anlegerschutz.


Dies unterscheidet Investmentfonds von nicht gesetzlich geregelten und
staatlich beaufsichtigten Anlageformen („grauer Kapitalmarkt“). Durch
die Anlegerschutzgesetzgebung soll sichergestellt werden, dass der Anle-
ger die eingezahlten Gelder nicht durch betrügerisches Verhalten von Ver-
mögensverwaltern, Schneeballsysteme mit Geldtransfers rund um die
Welt, undurchschaubare Gebührenkalkulationen etc. verliert. Dabei war
die begriffliche Abgrenzung bis 2013 gar nicht so einfach: Auch als
„Fonds“ bezeichnete Kapitalanlageformen wie Schiffsbeteiligungsfonds,
geschlossene Immobilienfonds, Filmfonds etc. unterlagen nicht dem
Investmentrecht und waren daher von dessen Anlegerschutzregeln nicht
abgedeckt. Mit Einführung des KAGB im Sommer 2013 sind nahezu alle
Formen der gemeinschaftlichen Kapitalanlage der gesetzlichen Regulie-
rung und auch der behördlichen Beaufsichtigung unterworfen worden.
Damit hat der Gesetzgeber auf Skandale mit Schiffsbeteiligungsfonds oder
geschlossenen Immobilienfonds aus der Vergangenheit reagiert.
Bestimmte Begriffe sind geschützt und dürfen nur von KVGs oder für
Investmentfonds verwendet werden: „Kapitalverwaltungsgesellschaft“,
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 32

„Investmentfonds“ oder „Investmentgesellschaft“ sind Begriffe, die nur


von Gesellschaften verwendet werden dürfen, die Investmentfonds ver-
walten (§ 3 KAGB).
Die für Kapitalverwaltungsgesellschaften und Investmentfonds maßgeb-
lichen Vorschriften sind weitgehend im Kapitalanlagegesetzbuch zu fin-
den. Dieses Gesetz ist am 22. Juli 2013 in Kraft getreten und wurde bereits
ein Jahr später durch das so genannte „Gesetz zur Anpassung von Geset-
zen auf dem Gebiet des Finanzmarktes“ vom 15. Juli 2014 verändert. Der
Grund für die rasche Änderung waren Fehler im Ursprungsgesetz, die ein
Jahr später „repariert“ wurden. Im Vergleich zu den Vorgängerversionen
(InvG davor KAGG) hat das Investmentrecht stark an Umfang zugenom-
men. Das KAGB zählt 355 Paragrafen. Das InvG zählte bis § 148 – aller-
dings mit einigen Einschüben – und das Ende 2003 außer Kraft gesetzte
KAGG endete mit § 71.
Das Investmentrecht gliedert sich in zwei Gesetze, die den aufsichtsrecht-
lichen Bereich (Kapitalanlagegesetzbuch – KAGB) und die steuerlichen
Maßgaben (Investmentsteuergesetz – InvStG) regeln. Die Regelungen
für das Investmentgeschäft sind weitgehend im KAGB und InvStG zu
finden. Teilweise gibt es noch Verweise auf andere Gesetze, auf die im
KAGB oder InvStG hingewiesen wird. Das liest sich dann z.B. so: „Mut-
terunternehmen sind Unternehmen, die Mutterunternehmen im Sinne des
§ 290 des Handelsgesetzbuchs sind.“ (§ 1 Abs. 19 Nr. 26 KAGB). Dadurch
wird der Leser aufgefordert, bestimmte Regelungen in einem anderen
Gesetz nachzulesen.
Über derartige Verweise oder teilweise auch direkt finden sich insbeson-
dere in folgenden Gesetzen noch Regelungen, die für den Investment-
bereich gelten:
• Kreditwesengesetz (KWG),
• Wertpapierhandelsgesetz (WpHG),
• Einkommensteuergesetz (EStG),
• Körperschaftssteuergesetz (KStG),
• Aktiengesetz (AktG),
• GmbH-Gesetz (GmbHG),
• Außensteuergesetz (AstG),
• Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz (EAEG),
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 33

• Geldwäschegesetz (GwG),
• Bürgerliches Gesetzbuch (BGB).

Das Investmentsteuergesetz wird später ausführlich behandelt.

2.6 Kapitalanlagegesetzbuch

Das Kapitalanlagegesetzbuch hat seinen Ursprung in zwei europäischen


Richtlinien. Eine davon ist die AIFM-Richtlinie (englisch für „Alternative
Investment Fund Manager Directive“). Durch diese Richtlinie wurden
Vorgaben für die Fonds eingeführt, die nicht der EU-Investment-Richtlinie
(„OGAW-Richtlinie“) unterliegen. Die OGAW-Richtlinie ist die zweite
maßgebliche Grundlage für das Kapitalanlagegesetzbuch.
Die AIFM-Richtlinie regelt in erster Linie die Fondsverwaltung durch den
Manager und betrifft Publikums- und Spezialfonds. Die Regelungen dieser
Richtlinie wurden in das KAGB eingearbeitet. Nur für Publikumsfonds
gelten dagegen die Vorgaben der OGAW-Richtlinie. Diese Richtlinie exis-
tiert bereits seit 1985, ist seitdem mehrfach überarbeitet worden und in der
aktuell geltenden Form 2009 in Kraft getreten. Die Regelungen der OGAW-
Richtlinie sind ebenfalls im KAGB enthalten, sie betreffen aber nur
bestimmte Publikumsfonds. Inhalt dieser Regelungen sind nicht nur Vor-
gaben für die Vermögensgegenstände, in die diese Publikumsfonds (kurz:
OGAW genannt) investieren dürfen, sondern auch Anlage- und Risiko-
streuungsgrenzen sowie ein europäischer Pass, um diese Fonds in ganz
Europa vertreiben zu können.
Das KAGB hat daher einen umfassenden Regelungsansatz. Auf der einen
Seite enthält es die Bestimmungen für OGAW, also die damit verbundenen
Vorgaben für erwerbbare Vermögensgegenstände, Anlagegrenzen, Verkaufs-
unterlagen und Vertriebsvorschriften. Auf der anderen Seite stehen die
Regelungen, deren Ursprung in der AIFM-Richtlinie liegt. Die Investment-
vermögen, deren Ursprung die AIFM-Richtlinie ist, nennt man AIF. Je
nach Zielgruppe existieren Publikums- und Spezial-AIF.
Das KAGB regelt offene Fonds, deren Anteile von den Anlegern an die
KVG gegen Auszahlung des Anteilwertes zurückgegeben werden können,
und geschlossene Fonds, deren Anteile grundsätzlich erst am Ende der
Laufzeit von den Anlegern zurückgegeben werden können. Ebenso enthält
das KAGB Regelungen für Fonds des Vertragstyps (Sondervermögen) und
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 34

Fonds des Gesellschaftstyps (Investmentgesellschaften in Form der Invest-


ment-Aktiengesellschaft und der Investment-Kommanditgesellschaft). Dane-
ben sind wie in den Vorgängergesetzen die Anlegerschutzregelungen in Form
von Offenlegungspflichten gegenüber den Anlegern (Verkaufsprospekte
bzw. Informationsdokumente, Berichtswesen, Anteilpreisveröffentlichun-
gen etc.), Regelungen für die Verwahrstellen, Vorgaben für die Bewertung
der Investmentvermögen, Meldepflichten gegenüber der Aufsichtsbehörde,
Zulassungsbedingungen für KVGs und Maßgaben für den Vertrieb im
KAGB enthalten. Das KAGB wird durch eine EU-Verordnung (Verord-
nung (EU) Nr. 231/2013 – AIFM-Level II-Verordnung genannt) ergänzt.
Diese Verordnung wurde von der EU-Kommission erlassen und unverän-
dert in deutsches Recht übernommen. Sie enthält ergänzende Bestim-
mungen zum KAGB zu Themen wie Auslagerung von Tätigkeiten, Ver-
wahrstellen, Interessenkonflikte und Risikomanagement.
Das Investmentdreieck veranschaulicht das Zusammenspiel zwischen KVG,
Anleger und Verwahrstelle, den wesentlichen Akteuren im Investment-
geschäft.

Das Investmentdreieck

Anleger

Geld Ausgabe/Rücknahme
der Anteile

Fonds
Anlage Kontrolle
Verwaltung Verwahrung

Kapitalverwaltungs-
Verwahrstelle
gesellschaft

Abbildung 8
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 35

2.6.1 Sondervermögen und Investmentgesellschaften

Fonds können in zwei verschiedenen Rechtsformen aufgelegt werden. In


Deutschland ist die Rechtsform des Sondervermögens am häufigsten. Dabei
handelt die KVG für den Fonds und geht auch alle Verträge und Verpflich-
tungen für das Sondervermögen ein. Das Sondervermögen ist rechtlich
gesehen nur eine Vermögensmasse, die nicht selbst handlungsfähig (d.h.
rechtsfähig) ist. Die Vermögensmasse Sondervermögen muss von dem
eigenen Vermögen der KVG strikt getrennt gehalten werden – also auf
getrennten Konten und Depots. Die KVG gibt jedoch alle das Sonder-
vermögen betreffenden Rechtshandlungen ab. Dass sie dies darf, ist im
KAGB (siehe § 93 Abs. 1 KAGB) gesetzlich festgehalten, dies ist eine
Form der gesetzlichen Vollmacht.
Ein Sondervermögen existiert nur in offener Form. Das bedeutet, dass die
Anleger eines Fonds in Form des Sondervermögens ihre Fondsanteile an
die KVG zurückgeben dürfen. Ob dies börsentäglich oder nur zu bestimm-
ten Zeiten oder mit Ankündigungsfristen möglich ist, hängt von der jewei-
ligen Regelung in den Anlagebedingungen des Sondervermögens ab.
Anstelle einer KVG kann auch eine Investmentaktiengesellschaft (InvAG)
die Verwaltung von Fonds betreiben. In dem Fall ist die Investmentaktien-
gesellschaft der Fonds. Es kann aber auch eine externe KVG damit beauf-
tragt werden, eine Investmentaktiengesellschaft zu verwalten. Der Unter-
schied zum Sondervermögen liegt dann in der Rechtsform des Fonds. Die
InvAG ist – wie der Name schon sagt – eine eigene Gesellschaft und recht-
lich gesehen keine reine Vermögensmasse.
Die Investmentaktiengesellschaft benötigt wie die KVG eine Geschäfts-
erlaubnis der BaFin und darf nur die Fondsverwaltung betreiben. Ebenso
wie die KVG benötigt sie z.B. Geschäftsführer und eine Satzung. Auch
eine Verwahrstelle muss bestellt werden und Eigenkapitalanforderungen
müssen eingehalten werden.
Die Investmentaktiengesellschaft existiert in zwei Varianten: mit fixem
und mit veränderlichem Kapital. Die InvAG mit veränderlichem Kapital
entspricht dem Sondervermögen, bei dem die Fondsanteile von den Anle-
gern an die KVG zurückgegeben werden können. Bei der InvAG mit
fixem Kapital ist die Rückgabe der Aktien an die KVG vor Ende der Lauf-
zeit nicht vorgesehen. Die ersten Investmentaktiengesellschaften kamen
Ende 2004 auf den deutschen Markt. Der Start der Verbreitung dieser
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 36

Rechtsform war zunächst sehr verhalten, weil wichtige steuerrechtliche


Fragen noch offen waren. In dieser Hinsicht gibt es mittlerweile mehr
Klarheit.
Im KAGB wurde eine dritte Rechtsform für Fonds neu eingeführt, die
Investmentkommanditgesellschaft. Wie die Investmentaktiengesellschaft
kann auch die Investmentkommanditgesellschaft in offener oder in
geschlossener Form aufgelegt werden – je nachdem, ob die Anleger das
Recht zur Rückgabe ihrer Fondsanteile während der Laufzeit des Fonds
erhalten oder nicht. Und ebenso wie die Investmentaktiengesellschaft kann
mit der Verwaltung der Investmentkommanditgesellschaft eine externe
KVG beauftragt werden. Eine Kommanditgesellschaft muss persönlich
haftende Gesellschafter haben (Komplementäre) und Gesellschafter, die
nur mit dem eingezahlten Betrag haften. Anleger dürfen nur den gesell-
schaftsrechtlichen Status der beschränkt haftenden Gesellschafter, also der
Kommanditisten erhalten.
Der von der Rechtsform unabhängige Begriff ist das Investmentvermögen.
Dies ist der gesetzliche Begriff für „Fonds“.
Von der KVG verwaltete Investmentvermögen können unterschiedlich
systematisch eingeteilt werden. Während die Unterscheidung zwischen
Publikums- und Spezialfonds in erster Linie etwas über den Anlegerkreis
aussagt, gibt die Einteilung in Fondstypen Aufschluss über die für den
jeweiligen Fonds erwerbbaren Anlagegegenstände.

2.6.2 Publikums- und Spezialfonds

Wie die Vorgängergesetze unterscheidet auch das KAGB zwischen Publi-


kums- und Spezialinvestmentvermögen.
Publikumsinvestmentvermögen sind die Fonds, die für eine unbestimmte
Anzahl von Anlegern konzipiert werden. Dies sind in der Regel Privat-
anleger. Publikumsfonds unterliegen besonderer Aufsicht durch die BaFin,
um die Interessen der Anleger zu sichern. Dazu zählt insbesondere, dass
die Anlagebedingungen, in denen die Art des Fonds, dessen Anlage-
spektrum und Anlagegrenzen vereinbart werden, erst wirksam werden
können, wenn sie von der BaFin genehmigt wurden (vgl. § 162 ff. KAGB).
Auch Änderungen der Anlagebedingungen von Publikumsfonds müssen
der BaFin zur Genehmigung eingereicht werden.
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 37

Außerdem müssen für Publikumsfonds Verkaufsprospekte und „wesent-


liche Anlegerinformationen“ (in der Presse gelegentlich salopp als „Beipack-
zettel“ bezeichnet) sowie Halbjahres- und Jahresberichte (alles zusammen
„Verkaufsunterlagen“ genannt) erstellt und der Öffentlichkeit zugänglich
gemacht werden. Die Mindestinhalte dieser Verkaufsunterlagen sind gesetz-
lich festgelegt (vgl. z.B. §§ 164 ff. KAGB).
Die Anteilwerte der Fonds müssen veröffentlicht werden, so dass die
Anleger diese jederzeit nachvollziehen können. Ebenso regelt das Gesetz
Grundlagen für die Bewertung, die daher auch bei unterschiedlichen
Fonds und KVGs auf den gleichen Standards beruhen muss.
Spezial-AIF unterscheiden sich von Publikumsinvestmentvermögen dadurch,
dass sie nicht der Öffentlichkeit, sondern nur bestimmten qualifizierten
Anlegern angeboten werden. Anleger, die in einen Spezial-AIF investie-
ren, müssen entweder „professionelle Anleger“ oder „semi-professionelle“
Anleger sein.
Zu den professionellen Anlegern zählen vor allem Unternehmen, die auf
den Finanzmärkten tätig sind wie Banken, Versicherungen oder KVGs,
aber auch Großunternehmen, Regierungen oder Zentralbanken. Semi-
professioneller Anleger ist, wer sich verpflichtet, entweder mindestens
10 Millionen Euro in den Spezial-AIF zu investieren oder wer sich ver-
pflichtet, mindestens 200.00 Euro zu investieren und zusätzlich der KVG
seine Kenntnisse und seinen Sachverstand in Bezug auf die Anlagen des
Spezial-AIF und im Besonderen in Bezug auf dessen Risiken nachweist.
Diese Kenntnisse werden mittels eines Fragebogens bei den Anlegern abge-
fragt, bevor die KVG die Vertragsbeziehung zur Begründung des Spezial-
AIF eingeht. Daneben dürfen auch Anleger, die mindestens 500.000 Euro
in den Spezial-AIF investieren wollen und zudem ihre Kenntnisse und
Erfahrungen in Bezug auf die gewünschten Anlagen nachweisen, auf
Antrag als professionelle Anleger behandelt werden. Damit müssen die
Anleger eines Spezial-AIF entweder ihre Kenntnisse und Erfahrungen in
Bezug auf die mit dem Spezial-AIF verbundenen Risiken nachweisen oder
dies wird ihnen aufgrund der von ihnen betriebenen Aktivitäten unterstellt.
Aus diesen Anlegereigenschaften folgt nämlich, dass die strengen Anle-
gerschutzbestimmungen gelockert werden und auch die BaFin nur eine
sehr oberflächliche Kontrolle der Spezial-AIF ausübt. Z.B. unterliegen die
Anlagebedingungen der Spezial-AIF nicht der Genehmigung durch die
BaFin.
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 38

Die Investmentkommanditgesellschaft (siehe § 127 KAGB) und der Single-


Hedgefonds (vgl. § 283 KAGB) sind professionellen und semi-professio-
nellen Anlegern vorbehalten.
Spezial-AIF des offenen Typs sind im KAGB als allgemeiner offener
Spezial-AIF, der so gut wie keine Anlagebegrenzungen hat, und als Spe-
zial-AIF mit festen Anlagebedingungen ausgestaltet. Der Spezial-AIF mit
festen Anlagebedingungen entspricht weitgehend den Spezialfonds gem.
InvG. Die Anlagebedingungen orientieren sich an den Anlagemöglichkei-
ten für Publikumsfonds, aber mit weitreichenden Möglichkeiten, von den
Anlagegrenzen und -beschränkungen abzuweichen.
Im Vergleich zu dem Vorgängergesetz des KAGB wurde der Anleger-
schutz bei den Spezialfonds jedoch deutlich erhöht. So wurde auch für
Spezial-AIF ein Informationsdokument eingeführt. Dieses hat zwar nicht
den Umfang wie der Verkaufsprospekt der Publikumsinvestmentvermö-
gen. Doch auch in diesem Informationsdokument (vgl. § 307 KAGB)
muss das Anlagekonzept des Spezial-AIF nebst den damit verbundenen
Risiken dem Anleger dargestellt werden.
Während das Vorgängergesetz keine Vertriebsregelungen für Spezialfonds
enthielt – man ging davon aus, Spezialfonds würden nicht an breitere
Anlegerkreise vertrieben – so muss eine KVG jetzt darauf achten, ob sie
bei einem professionellen oder semi-professionellen Kunden die Schwelle
zum Vertrieb überschreitet oder nicht. In diesem Zusammenhang kommt
es darauf an, ob die Initiative für die Auflage des Spezial-AIF in der
Sphäre der KVG (dann sind grundsätzlich die Vertriebsregeln anzuwen-
den) oder des Anlegers (dann gelten die Vertriebsregeln grundsätzlich
nicht) liegt.
Für Publikumsinvestmentvermögen gelten umfangreiche Vertriebsregeln.
Diese beinhalten die Art, wie Fondsanteile angeboten werden dürfen, wel-
che Unterlagen dem Anleger vorgelegt und offengelegt werden müssen
sowie auch Vorgaben für die Werbung.

2.6.3 Offene und geschlossene Fonds

Da durch das KAGB auch die Anlageformen des „grauen“ Kapitalmarkts


reguliert werden sollen, beinhaltet das KAGB im Gegensatz zum Vorgän-
ger InvG zusätzlich zu den offenen auch geschlossene Fonds. Die Abgren-
zung zwischen offen und geschlossen ist im KAGB (§ 1 Abs. 4 KAGB)
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 39

durch Verweis auf eine EU-Verordnung geregelt. Kurz zusammengefasst,


sind alle Fonds offene Fonds, deren Anteile vor der Auflösungsphase vom
Anleger an die KVG bzw. das Investmentvermögen zurückgegeben wer-
den können. Investmentvermögen, deren Anteile vor Ende der Laufzeit
nicht zurückgegeben werden können, sind dagegen als geschlossene Fonds
bzw. geschlossene AIF zu verstehen. Deren Anteile können lediglich vom
Anleger an andere Anleger verkauft werden.
Während Sondervermögen nur in der offenen Form existieren, kommen
Investmentaktiengesellschaften und Investmentkommanditgesellschaften
sowohl in offener als auch in geschlossener Form vor.

2.6.4 OGAW und AIF

Die durch die OGAW-Richtlinie regulierten Investmentvermögen unter-


liegen den strengsten Standards der im KAGB geregelten Fondstypen.
Diese Fonds investieren grundsätzlich in Wertpapiere. AIF sind dagegen
alle anderen Fondstypen, die auch in Immobilien oder andere Anlagen
investieren dürfen.

2.6.4.1 Investmentvermögen gemäß der OGAW-Richtlinie

Der Standardtyp des Investmentvermögens wird im KAGB mit OGAW


bezeichnet. Der Name rührt daher, dass es sich bei diesem Fondstyp um
den standardisierten Investmentfonds handelt, der in der ganzen EU den
gleichen Risikostreuungs- und Anlegerschutzvorschriften unterliegt und in
jedem Mitgliedstaat unter vergleichbaren Bedingungen aufgelegt werden
darf. Außerdem dürfen in jedem Mitgliedstaat der EU in einen OGAW
grundsätzlich die gleichen Anlageinstrumente hereingekauft werden.
Für einen OGAW dürfen Wertpapiere, Geldmarktinstrumente, Bankguthaben,
Investmentanteile (Anteile anderer Fonds) und Derivate erworben werden.

2.6.4.1.1 Erwerbbare Wertpapiere

Welche Arten von Wertpapieren für einen solchen Fonds erworben wer-
den dürfen, ist gesetzlich festgelegt (siehe § 193 KAGB). Zu den Wert-
papieren zählen z.B. Aktien in- und ausländischer Aktiengesellschaften,
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 40

festverzinsliche Wertpapiere, die von staatlichen oder privaten Ausstellern


ausgegeben werden oder Schuldverschreibungen. Wenig eingeschränkt ist
der Erwerb von Wertpapieren, die in der EU oder im EWR an einer Börse
oder einem anderen Markt gelistet sind. Außerhalb der EU/des EWR gelis-
tete Papiere dürfen jedoch nur dann für einen OGAW erworben werden,
wenn der dortige Markt oder die Börse von der BaFin positiv geprüft
wurde. Die Liste der zugelassenen Märkte wird auf der Homepage der
BaFin veröffentlicht. Des Weiteren dürfen für OGAW auch Wertpapiere
aus Neu-Emissionen gekauft werden, die innerhalb eines Jahres an einer
der oben genannten Börsen oder Märkte gelistet werden. Auf EU-Ebene
einigte man sich auf Kriterien für die Einordnung eines Produkts als
Wertpapier. Dazu zählen die Abwesenheit von Nachschusspflichten, hin-
reichende Liquidität und Handelbarkeit (d.h. die Möglichkeit, das Wert-
papier wieder zu verkaufen), eine verlässliche Bewertung und über das
Wertpapier veröffentlichte Informationen (wie vor allem ein Prospekt).
Außerdem können auch geschlossene Fonds und sonstige besicherte Finanz-
instrumente unter bestimmten Bedingungen als Wertpapiere angesehen
werden. Die entsprechenden Kriterien finden sich in der EU-Richtlinie
2007/16/EG („Eligible Assets“). Auch diese Wertpapiere dürfen für OGAW
erworben werden.

2.6.4.1.2 Geldmarktinstrumente

Geldmarktinstrumente sind Wertpapiere mit kurzer Laufzeit von höchs-


tens 397 Tagen oder mit mindestens einmaliger Zinsanpassung in 397
Tagen. Die Verlängerung der Laufzeit von „weniger als einem Jahr“ auf
397 Tage war in der EU-Richtlinie vorgegeben. Welche Geldmarktinstru-
mente für OGAW erworben werden dürfen, richtet sich in erster Linie
danach, wer diese Papiere ausgibt (vgl. § 194 KAGB). Insbesondere Geld-
marktinstrumente, die von staatlichen Ausstellern (z. B. der Bundes-
republik Deutschland, der Europäischen Union oder der Europäischen
Zentralbank), Kreditinstituten oder großen Unternehmen ausgegeben wer-
den, dürfen für den OGAW erworben werden. Anders als bei den Wert-
papieren ist bei den Geldmarktinstrumenten das Erwerbskriterium, wer
das jeweilige Papier ausgibt. Bei der kurzen Laufzeit dieser Papiere ist die
Finanzkraft des Ausstellers von besonderer Bedeutung, weil die Geld-
marktinstrumente innerhalb kurzer Zeit zur Rückzahlung oder Zinszahlung
fällig sind.
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 41

2.6.4.1.3 Bankguthaben

Auch Bankguthaben bilden eine Anlagekategorie, in die diese Fonds


investieren dürfen. Die Bankguthaben müssen eine maximale Laufzeit von
einem Jahr haben – nach der Zeit also rückzahlbar sein – und auf Sperr-
konten verwahrt werden. Die Sperrkonten müssen bei Kreditinstituten
geführt werden, die entweder ihren Sitz in der EU/im EWR haben oder die
ausreichend staatlich überwacht werden (Letzteres trifft z.B. für Länder
wie die USA, die Schweiz oder Japan zu). Da der Leitzins der EZB sehr
niedrig ist, hat die Anlage in Bankguthaben in letzter Zeit stark an Bedeu-
tung verloren.

2.6.4.1.4 Investmentanteile

Investiert ein Fonds nur oder ganz überwiegend in Anteile anderer Fonds,
so wird er als „Dachfonds“ bezeichnet. Die Fondsanteile, in die ein
OGAW investiert sein darf, dürfen sowohl von ausländischen als auch
inländischen OGAW stammen. Andere Fondsanteile dürfen nur erworben
werden, wenn dadurch das Anlegerschutzniveau im Vergleich zu OGAW
nicht niedriger liegt und wenn diese Fonds in die gleichen Anlageinstru-
mente wie richtlinienkonforme Fonds investieren.
Diese so genannten Zielfonds müssen in jedem Fall Publikumsfonds sein,
die für eine Vielzahl von Anlegern aufgelegt werden. Sie dürfen selbst
nicht mehr als bis zu 10 Prozent ihres Vermögens in andere Fonds investie-
ren. Der Hintergrund für diese Einschränkung ist, dass man das Entstehen
von Schneeballsystemen vermeiden möchte, durch die dem Anleger ver-
schleiert würde, wo, in welchem Fonds und in welchem Land seine Gelder
letztendlich landen. Weil der Zielfonds im Prinzip nur direkt in andere
Fonds investieren darf, ist sichergestellt, dass die Anlagen insgesamt nur
auf zwei Ebenen stattfinden – auf der Ebene des investierenden Fonds oder
Dachfonds und auf der Ebene der Zielfonds. Das Verbot, als Fonds in
einen Dachfonds zu investieren, nennt man Kaskadenverbot.

2.6.4.1.5 Derivate

Die KVG darf für OGAW auch in Derivate investieren. Derivate sind
„abgeleitete Finanzinstrumente“. Ihre Wertentwicklung hängt von einem
anderen Finanzinstrument ab, welches den Basiswert des Derivats bildet.
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 42

Derivate existieren in drei Grundformen:


Terminkontrakte sind Vereinbarungen, bei denen der Austausch bestimm-
ter Leistungen für einen zukünftigen Zeitpunkt vereinbart wird. Beispiels-
weise können Vertragspartner vereinbaren, dass der eine (Wollie) vom
anderen (Annabel) eine festgelegte Menge Daimler-Aktien (hier: 100) zu
einem festgelegten Preis (hier: EUR 5.000) zu einem festgelegten Zeit-
punkt (hier: 25.11.2014) erwirbt. Wenn die Daimler-Aktien am 25.11.2014
mehr als EUR 5.000 kosten, hat der Käufer Wollie ein gutes Geschäft
gemacht. Er kann die erworbenen Aktien direkt mit Gewinn weiterverkau-
fen. Umgekehrt, wenn die 100 Aktien zum vereinbarten Zeitpunkt weniger
als EUR 5.000 wert sind, profitiert die Verkäuferin Annabel von dem
Geschäft, da sie Aktien liefern muss, die weniger Wert sind als die
Summe, die sie vom Käufer erhält.
Optionsgeschäfte beinhalten im Gegensatz zu Terminkontrakten für einen
der Vertragspartner ein Wahlrecht, ob er das Geschäft ausführen möchte.
Wieder vereinbaren beide Parteien ein Geschäft, das in der Zukunft abge-
schlossen werden soll. Der eine Vertragsteil darf aber entweder während
der Laufzeit des Vertrages oder nur bei Fälligkeit der Option bestimmen,
ob er die vereinbarte Leistung seines Vertragspartners entgegennehmen
will. Dafür erhält der andere Vertragspartner (Stillhalter genannt) eine
Prämie als Risikozuschlag. In unserem Beispielsfall vereinbaren Wollie
und Annabel, dass Wollie von Annabel am 25.11.2014 100 Daimler-
Aktien zum Preis von EUR 5.000 kaufen darf. Wenn die Daimler-Aktien
am 25.11.2014 mehr als EUR 5.000 kosten, wird Wollie seine Option
ausüben, da er die erworbenen Aktien direkt mit Gewinn weiterverkaufen
kann. Umgekehrt, wenn die Aktien zum vereinbarten Zeitpunkt weniger
als EUR 5.000 wert sind, wird Wollie die Option verfallen lassen. Die
Optionsprämie muss er aber bezahlen.
Die dritte Grundform der derivativen Geschäfte ist der Swap, eine Tausch-
vereinbarung. Bei einem Swap tauschen die Vertragspartner zwei Ver-
mögensgegenstände zu einem bestimmten Zeitpunkt aus. Sie können
beispielsweise festverzinsliche gegen variabel verzinsliche Wertpapiere
austauschen. Aber auch bestimmte Vermögensgegenstände (z.B. ein Kre-
ditportfolio) können gegen eine andere Verpflichtung getauscht werden.
Wer am Ende das gute Geschäft macht, hängt wiederum davon ab, wessen
Erwartungen an die Entwicklung des ausgetauschten Vermögensgegenstands
(Basiswert) erfüllt werden.
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 43

Neben klassischen Grundformen der Derivate existieren vielfältige Misch-


formen unterschiedlicher Derivat-Formen und auch strukturierte Produkte,
die aus Derivaten und Wertpapieren zusammengesetzt werden und häufig
als „Zertifikate“ gehandelt werden.
Während man mit Derivaten Risiken eingehen kann, die mit der Unvorher-
sehbarkeit der Entwicklung der Finanzmärkte und damit der Basiswerte
zusammenhängen, besteht umgekehrt auch die Möglichkeit, Risiken aus-
zugleichen. Beispielsweise kann man durch die Vereinbarung eines Ter-
minkontraktes über einen bestimmten Basiswert (z.B. Daimler-Aktien),
den man im Portfolio hat, sicherstellen, dass diese Basiswerte zu einem
bestimmten Zeitpunkt zu einem bestimmten Preis verkauft werden kön-
nen, auch wenn sie dann in Wirklichkeit weniger wert sind.
Entsprechend dürfen Derivate für OGAW sowohl zu Investitions- als auch
zu Absicherungszwecken eingesetzt werden. Allerdings darf das Markt-
risikopotenzial des Fonds durch den Einsatz von Derivaten höchstens ver-
doppelt werden. Auch dürfen keine Derivate auf Vermögensgegenstände
eingesetzt werden, die in den Anlagebedingungen des Fonds nicht als
Direktinvestment vorgesehen sind. Näheres regelt eine Verordnung der
BaFin (Verordnung über Risikomanagement und Risikomessung beim
Einsatz von Derivaten in Sondervermögen nach dem Investmentgesetz –
Derivateverordnung), in der die Risikosteuerung des Fonds beim Einsatz
von Derivaten behandelt wird.
Die Derivateverordnung (DerivateV) regelt den Derivate-Einsatz in den
Fonds. Sie gilt nicht nur für OGAW, sondern auch für andere Publikums-
fonds und Spezial-AIF mit festen Anlagebedingungen.
Die Grundaussagen zum Risikomanagement, das die Risiken des Invest-
mentvermögens fortlaufend erfasst, misst und steuert, sind nicht nur in der
DerivateV, sondern auch in den Mindestanforderungen an das Risiko-
management (InvMaRisk) zu finden.
Die DerivateV sieht den Einsatz eines einfachen bzw. qualifizierten Ansatzes
zur Ermittlung der Auslastung der Marktrisikogrenzen beim Einsatz von
Derivaten vor. Der einfache Ansatz darf angewendet werden, wenn dadurch
alle im Investmentvermögen enthaltenen Marktrisiken hinreichend genau
erfasst und bemessen werden können. Der einfache Ansatz orientiert sich
zur Ermittlung des Marktrisikos stark am Marktrisiko des Basiswertes,
von dem das Derivat abgeleitet ist. Dabei können Absicherungsgeschäfte
risikomindernd berücksichtigt werden.
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 44

Der qualifizierte Ansatz gewährt mehr Freiheit. Der Marktrisikowert wird


dann anhand aufwändiger Rechenmodelle ermittelt. Mit dem qualifizierten
Ansatz können daher auch komplexere Derivate auf das Marktrisikopoten-
zial hin untersucht werden. Wenn nicht alle im Investmentvermögen ent-
haltenen Risiken durch den einfachen Ansatz gemessen werden können
oder komplexe Strategien oder Derivate im Portfolio-Anteil enthalten
sind, muss der qualifizierte Ansatz eingesetzt werden. Nur, wenn durch
Derivate der Anrechnungsbetrag für das Marktrisiko den Wert des Invest-
mentvermögens nicht übersteigt, darf noch der einfache Ansatz eingesetzt
werden. Wenn die KVG ihren Risikomessungsansatz vom einfachen
zum qualifizierten Ansatz oder umgekehrt ändert, muss sie dies der
BaFin mitteilen.
Mittlerweile wird für die Mehrzahl der Fonds – abgesehen von den Fonds,
die nach ihrer Anlagestrategie nur untergeordnet in Derivate investieren –
nicht mehr der einfache Ansatz gemäß DerivateV angewandt, sondern der
qualifizierte Ansatz. Dieser erfordert zwar den Einsatz teurer Risikomess-
Systeme, erweitert die Anlagemöglichkeiten aber erheblich.
Schlagwortartig kann man festhalten, dass der qualifizierte Ansatz der
DerivateV die Derivate und strukturierten Produkte erlaubt, deren Risiko
die KVG messen und bewerten kann. Das bedeutet, dass sich die Anlage-
möglichkeiten in Derivaten im Einzelfall je nach KVG unterscheiden kön-
nen.
Der qualifizierte Ansatz kann in zwei Varianten genutzt werden. Die eine
ist die „absolute Value-at-Risk“-Messung, die andere sieht ein „Vergleichs-
vermögen“ vor. Dabei handelt es sich um ein derivatefreies Vermögen,
dessen Marktwert dem aktuellen Marktwert des Investmentvermögens
entspricht. Es dient als Benchmark, also als Referenz für das Risiko: Der
einem Investmentvermögen zuzuordnende potenzielle Risikobetrag für
das Marktrisiko darf zu keinem Zeitpunkt das Zweifache des potenziellen
Risikobetrags für das Marktrisiko des zugehörigen Vergleichsvermögens
übersteigen. Die Prognosegüte des verwendeten Risikomodells ist mittels
Backtesting nachzuweisen. Die KVG muss das Risiko des Derivate-Port-
folios mit einem fiktiven Vergleichsvermögen abgleichen, das keine Deri-
vate enthält. Auch an dieser Stelle kann das Anlagespektrum für den Fonds
nachjustiert werden: Es besteht durchaus Spielraum, das Vergleichsvermö-
gen so auszuwählen, dass mit Derivaten mehr oder weniger Risiken einge-
gangen werden können.
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 45

Die DerivateV sieht vor, dass die KVG für jedes Investmentvermögen, in
dem Derivate enthalten sind, Stresstests durchzuführen hat. Die DerivateV
fordert ausdrücklich, dass die Stresstests risikoadäquat sein sollen. Das
bedeutet, dass für Investmentvermögen, die Derivate im Rahmen von rei-
nen Absicherungsstrategien einsetzen, auch einfache Szenarien zur Ermitt-
lung der aktuellen Risikolage im Sondervermögen ausreichen. Die Stress-
tests sind mindestens monatlich durchzuführen.

In einem Stresstest sind mögliche außergewöhnlich große Wertver-


luste des Investmentvermögens zu ermitteln, die aufgrund von unge-
wöhnlichen Änderungen der wertbestimmenden Parameter und ihrer
Zusammenhänge entstehen können.

Klassisches Beispiel für eine solche außergewöhnliche Situation ist der


Einbruch an den Aktienmärkten nach dem 11. September 2001. Standard-
Risikofaktoren für Stresstests sind Veränderungen der Aktienkurse um
einen bestimmten Prozentsatz, Veränderungen der Zinsen/Renditen und
der Währungskurse.
Ebenfalls zu beachten sind gemäß DerivateV neben dem Marktrisiko das
Emittentenrisiko und das Kontrahentenrisiko. Zur weiteren Erklärung der
DerivateV hat die BaFin Erläuterungen („Erläuterungen zur Derivate-
verordnung in der Fassung vom 16. Juli 2013“ vom 22. Juli 2013, zu fin-
den auf der Webseite der BaFin) veröffentlicht, die die Regelungen der
Verordnung weiter ausführen.
Neben der Investition in die genannten Vermögenswerte dürfen OGAW
noch als Beimischung in „sonstige Anlageinstrumente“ (z.B. Schuldschein-
darlehen) investieren (§ 198 KAGB).

2.6.4.1.6 Sonstige Anlageinstrumente

Als Beimischung darf ein OGAW auch in sonstige Anlageinstrumente


(§ 198 KAGB) investieren. Dazu zählen nicht notierte Wertpapiere (das
können im Sinne der Eligible-Assets-Kriterien, vgl. oben 2.6.4.1.1, auch
geschlossene Fonds sein), Geldmarktinstrumente, die nicht den oben unter
2.6.4.1.2 beschriebenen Anforderungen genügen, oder bestimmte Schuld-
scheindarlehen sein.
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 46

2.6.4.1.7 Portfoliotechniken

Für OGAW wird nicht nur das Anlagespektrum reguliert, sondern auch
bestimmte Techniken, um das Portfolio zu verwalten. So kann die Aufnahme
kurzfristiger Kredite immer wieder notwendig sein, um z.B. Anteilrück-
gaben bedienen zu können. Sie ist aber auf 10 Prozent des OGAW begrenzt.
Durch die Zusatzgeschäfte Wertpapierdarlehen und Pensionsgeschäft darf
für das Investmentvermögen ein Zusatzertrag erwirtschaftet werden. Bei
Wertpapierdarlehen verleiht die KVG bzw. das Investmentvermögen im
Portfolio befindliche Wertpapiere gegen Entgelt und erhält diese zu einem
späteren Zeitpunkt zurück. In der Zwischenzeit kann der Entleiher über
diese Wertpapiere verfügen, er muss sie nur rechtzeitig wieder zurücküber-
tragen. Beim Pensionsgeschäft erhält die KVG bzw. der OGAW dagegen
Wertpapiere von einem Dritten, der im Gegenzug einen Betrag erhält. Spä-
ter gibt die KVG bzw. der OGAW diese Wertpapiere an den Dritten wieder
zurück und erhält den gezahlten Betrag nebst einem Entgelt zurück.
Wertpapierdarlehensgeschäfte sind nur noch in der unbefristeten Form
erlaubt, also wenn im Vorfeld kein bestimmter Termin für die Rücküber-
tragung der verliehenen Wertpapiere definiert ist.

2.6.4.1.8 Anlagegrenzen

OGAW müssen ihre Anlagen streuen, damit sich die Risiken aus den ein-
zelnen Anlageformen bzw. Anlageinstrumenten ausgleichen können und
kein einzelnes Risiko einen zu großen Raum einnehmen kann. OGAW
dürfen grundsätzlich nur bis zu 5 Prozent des Fondswertes in Papiere eines
Ausstellers investieren (im Einzelnen und zu den Ausnahmen siehe § 206
KAGB). Es soll verhindert werden, dass der Fondswert dadurch gleich
erheblich verringert wird, dass z.B. ein Emittent eines Papiers zahlungsun-
fähig oder die Aktie eines bestimmten Unternehmens wertlos wird. Durch
die Anlagegrenzen können derartige Risiken noch durch andere Vermö-
gensanlagen ausgeglichen werden. Bei der Berechnung der Anlagegrenzen
werden unterschiedliche Anlageinstrumente eines Ausstellers genauso
berücksichtigt wie die Konzernverbindung verschiedener Emittenten (die
dann als ein einziger Emittent gelten). Für besonders sichere Anlagen wie
Staatsanleihen sind die Anlagegrenzen lockerer.
Etwas Abweichendes gilt ebenfalls für Indexfonds. Wenn ein Index, z.B.
der DAX, in dem Fonds nachgebildet wird, gelten die genannten strengen
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 47

Anlagegrenzen nicht. Sie wären auch häufig nicht einzuhalten. So betrug


der Wert der Telekom-Aktie zeitweise mehr als 10 Prozent des DAX-
Wertes. Man geht davon aus, dass die anerkannten Indizes ohnehin eine
ausreichende Risikostreuung beinhalten.

2.6.4.2 AIF

Alle übrigen Kategorien von Investmentvermögen im KAGB sind AIF, d.h.


Alternative Investmentfonds. Dabei handelt es sich um Fondstypen, die nicht
durch die OGAW-Richtlinie standardisiert wurden (denn die AIFM-Richtlinie
reguliert nur den Manager des Fonds, nicht die Fondstypen selbst).

2.6.4.2.1 Offene AIF

Zu den offenen AIF im Sinne des KAGB zählen


• gemischte Investmentvermögen,
• sonstige Investmentvermögen,
• Dach-Hedgefonds,
• offene Immobilien-Sondervermögen,
• allgemeine Spezial-AIF,
• Hedgefonds,
• Spezial-AIF mit festen Anlagebedingungen.

Gemischte Investmentvermögen (§ 218 KAGB) dürfen in dieselben


Anlageinstrumente anlegen wie OGAW. Darüber hinaus darf ein Gemisch-
tes Investmentvermögen in Anteile eines anderen Gemischten Investment-
vermögens und in Anteile von Sonstigen Investmentvermögen investieren.
Sonstige Investmentvermögen (§ 220 KAGB) wurden als zusätzlicher
Fondstyp neu durch das Investmentänderungsgesetz 2007 eingeführt, um
eine weitere Liberalisierung der deutschen Anlagebestimmungen zu errei-
chen. Die Vorbilder für diesen Fondstyp finden sich im Ausland. In Län-
dern wie Luxemburg und der Schweiz ist schon seit Jahren neben OGAW
ein weiterer Fondstyp vorgesehen, für den es kaum Anlagebeschränkun-
gen gibt. Dies gilt sowohl für das Anlageuniversum, d.h. die Art der erwerb-
baren Vermögensgegenstände, als auch für die Anlagegrenzen. Neben den
Vermögensgegenständen, in die OGAW investieren dürfen, kann ein Sons-
tiges Sondervermögen auch in Anteile Gemischter Investmentvermögen,
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 48

anderer Sonstiger Investmentvermögen, Edelmetalle und unverbriefte


Darlehensforderungen anlegen. Damit ist das Anlagespektrum im Ver-
gleich zu den anderen Fondstypen deutlich größer. Anlagen in Immobilien
oder Beteiligungen an ÖPP-Projekten sind für Sonstige Investmentvermö-
gen allerdings nicht vorgesehen.
Die Anlagegrenzen sind lockerer als für die anderen Fondstypen. Grund-
sätzlich gelten die OGAW-Anlagegrenzen, die aber zum Teil ausgeweitet
werden. Sonstige Wertpapiere im Sinne des § 198 KAGB dürfen z.B. im
Sonstigen Investmentvermögen zu bis zu 20 Prozent des Fondswertes aus-
machen, während diese Grenze gemäß OGAW nur bei 10 Prozent liegt.
Die Grenze für die kurzfristige Kreditaufnahme liegt bei 20 Prozent statt – wie
bei OGAW – bei 10 Prozent. Auch die Regelungen für Wertpapierdarlehens-
geschäfte sind liberaler. Anders als bei OGAW dürfen für Sonstige Invest-
mentvermögen auch befristete Wertpapierdarlehensgeschäfte eingegangen
werden. Die Anlagemöglichkeit in unverbriefte Darlehensforderungen, Edel-
metalle und sonstige Anlageinstrumente i.S.v. § 198 KAGB ist auf insgesamt
30 Prozent des Sonstigen Investmentvermögens begrenzt. In unverbriefte
Darlehensforderungen von regulierten Mikrofinanzinstituten oder gegen regu-
lierte Mikrofinanzinstitute darf dagegen bis zu 95 Prozent investiert werden.
Dadurch sollen auch sogenannte Mikrofinanzfonds erlaubt werden. Da Sons-
tige Investmentvermögen auch in schwer veräußerbare Vermögensgegen-
stände investieren dürfen, darf die Rückgabemöglichkeit der Fondsanteile
deutlich eingeschränkt werden. Die KVGs müssen Anteile Sonstiger Invest-
mentvermögen mindestens einmal jährlich zurücknehmen.
Dach-Hedgefonds (§ 225 KAGB) sind AIF, die in Hedgefonds anlegen.
Daneben dürfen Dach-Hedgefonds zu 49 Prozent in Liquidität in Form
von Bankguthaben, Geldmarktinstrumente oder Fonds, die in Bankgut-
haben und/oder Geldmarktinstrumente investieren, anlegen. In nur ganz
begrenztem Umfang sind Derivate erlaubt. Dabei darf der Dach-Hedge-
fonds nicht mehr als 20 Prozent seines Wertes in einen einzelnen Ziel-
Hedgefonds investieren und in nicht mehr als zwei Zielfonds vom gleichen
Emittenten oder Fondsmanager investieren. Auch sind Dach-Hedgefonds
als Zielinvestment nicht geeignet. Bei den Zielinvestments muss darauf
geachtet werden, dass keine Investments in Ländern erfolgen, die bei der
Bekämpfung der Geldwäsche nicht hinreichend zusammenarbeiten. Die Ziel-
investments der Dach-Hedgefonds sind in ihrer Anlagepolitik grundsätzlich
kaum beschränkt und können über Leverage (Hebeln mit Derivaten) und/oder
Leerverkäufe besonders hohe Risiken eingehen. Daher müssen die Verkaufs-
unterlagen für Dach-Hedgefonds deutliche Hinweise auf die besonderen
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 49

Risiken der Dach-Hedgefonds enthalten. Die Anteile von Dach-Hedgefonds


müssen mindestens einmal im Kalender-Vierteljahr zurückgegeben werden
können. Allerdings darf die KVG bis zu 100-tägige Vorankündigungsfristen
für Anteilrückgaben verlangen und die Auszahlung des Anteilwertes bis zu
50 Kalendertage nach dem Rücknahmetermin hinauszögern.
Offene Immobilien-Sondervermögen (§ 230 KAGB) dürfen in erster
Linie in (bebaute und unbebaute) Grundstücke und entsprechende in- und
ausländische Rechte und Beteiligungen an Immobiliengesellschaften anle-
gen. Daneben dürfen sie eine hohe Liquiditätsquote halten (49%). Diese
Liquidität gilt als Kassebestand und ist deshalb notwendig, weil Immobi-
lien nicht so schnell verkauft werden können wie Wertpapiere. Geben ein-
mal besonders viele Anleger ihre Immobilienfondsanteile an die Gesell-
schaft zurück, so muss die KVG in der Lage sein, den Anlegern ihre
Anteile auszuzahlen. Das ist bei einem zu hohen Immobilienbestand im
Fonds nicht möglich. Außerdem kann der Rücknahmeturnus dieser Fonds-
anteile eingeschränkt werden (wobei aber mindestens alle zwölf Monate
ein Rücknahmetermin stattfinden muss) oder die Rückgabe von Fonds-
anteilen kann von der KVG vorübergehend ausgesetzt werden, wenn die
Liquidität nicht ausreicht. Mindesthalte- und Kündigungsfristen machen
diesen Fondstyp zukunftssicher (Details siehe im Kapitel 12).
AS-Fonds (Altersvorsorge-Sondervermögen) sind zur langfristigen Ver-
mögensanlage/Altersvorsorge gedacht und daher an die Möglichkeit (nicht
aber Pflicht) des Abschlusses eines Sparplans gekoppelt. Sie dürfen in
Wertpapiere, Fondsanteile, auch Anteile an Offenen Immobilienfonds und
Liquidität („Kasse“) investieren. Derivate dürfen zur Absicherung einge-
setzt werden. Zudem gibt es eine Mindesthaltefrist der Immobilienfonds-
anteile von 24 Monaten.
Die entsprechenden Regeln für AS-Fonds aus dem InvG wurden allerdings
nicht in das KAGB übernommen. Damit dürfen weiterhin Anteile an
bestehenden AS-Fonds verkauft werden, die Auflage neuer AS-Fonds ist
aber nicht möglich.
Allgemeine Spezial-AIF sind Fonds, in die nur professionelle oder semi-
professionelle Anleger investieren dürfen. Sie sind nach ihrer Anlagepoli-
tik kaum beschränkt, außer, dass sie den Grundsatz der Risikomischung
einhalten müssen, nur in Vermögensgegenstände investieren dürfen, deren
Verkehrswert ermittelt werden kann und keine Mehrheitsbeteiligungen an
nicht börsennotierten Unternehmen erwerben darf. Die große Freiheit bei
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 50

der Ausgestaltung dieses Fondstyps führt zu ebenso großer Unsicherheit


darüber. Daher hat sich dieser Fondstyp derzeit nicht durchgesetzt.
Ebenfalls nur professionellen und semi-professionellen Anlegern steht der
Hedgefonds (§ 283 KAGB) offen. Der Hedgefonds kann Zielinvestment
eines Dach-Hedgefonds sein und muss entweder über Leverage in beträcht-
lichem Umfang oder Leerverkauf von Vermögensgegenständen, die zum
Zeitpunkt des Geschäftsabschlusses nicht zum AIF gehören, besondere
Risiken eingehen, die für andere Fondstypen nicht offen sind. Der Hedge-
fonds darf grundsätzlich in alle Vermögensgegenstände investieren.

Bei Leerverkäufen werden Vermögensgegenstände verkauft, die gar nicht


im Fondsvermögen vorhanden sind, beispielsweise eine Automobil-Aktie X
zum Preis von 11,07 Euro. Die Aktie muss erst in der Zukunft, z.B. in drei
Monaten, geliefert werden. Der aktuelle Kurs der X-Aktie beträgt 11,20 Euro.
Während der Käufer auf mindestens stabile Kurse setzt, hofft der Hedge-
fonds-Manager, dass der Kurs – etwa wegen steigender Ölpreise – deut-
lich unter 11,07 Euro fällt. Er kann zum Liefertermin die Aktie z.B. für
10,39 Euro kaufen und er erhält dafür die vereinbarten 11,07 Euro.

Der Hedgefonds darf auch in unbegrenztem Umfang in Edelmetalle und


Warenterminkontrakte anlegen. Auch bei Hedgefonds darf die KVG die
Rücknahmebedingungen – wie bei Dach-Hedgefonds – einschränken. Der
einzige Unterschied ist, dass die Vorankündigungsfrist für Anteilrück-
gaben bei Hedgefonds nicht 100, sondern nur maximal 40 Kalendertage
betragen darf.
Anders als der Allgemeine Spezial-AIF hat der Spezial-AIF mit festen
Anlagebedingungen (§ 284 KAGB) Verbreitung gefunden. Der Spezial-
AIF mit festen Anlagebedingungen steht wie der Allgemeine Spezial-AIF
und der Hedgefonds nur professionellen und semi-professionellen Anle-
gern als Anlageobjekt offen.
Der Spezial-AIF mit festen Anlagebedingungen darf die Anlagen tätigen,
die sonstige Investmentvermögen tätigen dürfen. Dabei handelt es sich um
Wertpapiere, Geldmarktinstrumente, Derivate, Bankguthaben, Immobilien,
Beteiligungen an Immobilien-Gesellschaften, Anteile an offenen Investment-
vermögen, Beteiligungen an ÖPP-Gesellschaften, Edelmetalle, unverbriefte
Darlehensforderungen und Unternehmensbeteiligungen, wenn deren Ver-
kehrswert ermittelt werden kann. Für Spezial-AIF mit festen Anlagebedin-
gungen darf von für andere Fondstypen geltende Anlagegrenzen abge-
wichen werden, wenn die Anleger dem zustimmen.
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 51

Einige Grenzen gelten aber doch: Es dürfen für den Spezial-AIF mit festen
Anlagebedingungen keine Mehrheitsbeteiligungen an nicht börsennotier-
ten Unternehmen erworben werden. Der Einsatz von Derivaten darf nicht
zu Leverage in beträchtlichem Umfang wie bei Hedgefonds führen: Der
potenzielle Risikobetrag für das Marktrisiko darf das Zweifache des poten-
ziellen Risikobetrags für das Marktrisiko des zugehörigen Vergleichsver-
mögens bzw. 20 Prozent des Investmentvermögens (gemäß DerivateV zu
ermitteln) übersteigen. In Sonstige Anlageinstrumente, in die ein OGAW
bis 10 Prozent seines Vermögens anlegen darf, darf auch ein Spezial-AIF
mit festen Anlagebedingungen nur zu maximal 20 Prozent investieren. Die
Aufnahme kurzfristiger Kredite ist nicht wie bei OGAW auf 10 Prozent,
sondern auf 30 Prozent beschränkt – im Falle von Immobilieninvestments
ist die Belastung mit Krediten bis max. 50 Prozent des Wertes der im
Investmentvermögen befindlichen Immobilien erlaubt. Das Investment in
Unternehmensbeteiligungen ist auf 20 Prozent des Wertes des Investment-
vermögens begrenzt. Dagegen darf der Spezial-AIF mit festen Anlage-
bedingungen auch in Dach-Fonds investieren. Das für OGAW geltende
Kaskadenverbot findet hier keine Anwendung.

2.6.4.2.2 Geschlossene AIF

Geschlossene Investmentvermögen dürfen nur in Form der Investment-


aktiengesellschaft mit fixem Kapital oder als geschlossene Investment-
kommanditgesellschaft errichtet werden (vgl. § 139 KAGB). Bei geschlos-
senen Investmentvermögen haben die Anleger während der Laufzeit des
Fonds kein Recht zur Rückgabe.
Ein geschlossener Publikums-AIF darf vor allem in Sachwerte (z. B.
Immobilien inklusive Grundstücke, Schiffe, Flugzeuge, Energieanlagen,
Schienenfahrzeuge etc., Infrastruktur), Anteile oder Aktien an ÖPP-Pro-
jektgesellschaften, Unternehmensbeteiligungen, Anteile an geschlossenen
AIF sowie Liquidität (Wertpapiere, Geldmarktinstrumente, Bankguthaben)
investieren (vgl. § 261 KAGB). Der geschlossene Publikums-AIF muss
entweder in mindestens drei Werte investieren und damit zumindest mini-
mal risikogestreut sein oder nur gegen Mindesteinlage von 20.000 Euro an
semi-professionelle Anleger oder professionelle Anleger vertrieben wer-
den. Der geschlossene Publikums-AIF darf zu maximal 60 Prozent seines
Wertes Kredite aufnehmen und keine Leerverkäufe tätigen.
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 52

Geschlossene Spezial-AIF sind in ihren Anlagen wenig eingeschränkt. Sie


müssen in Vermögensgegenstände investieren, deren Verkehrswert ermit-
telt werden kann. Sofern die KVG im Rahmen dieser Investments Kon-
trolle über nicht börsennotierte Unternehmen erhält, unterliegt sie bestimm-
ten Meldepflichten.
Im KAGB sind des Weiteren Europäische Risikokapitalfonds (§ 337 KAGB)
sowie Europäische Fonds für soziales Unternehmertum (§ 338 KAGB)
vorgesehen, die in Umsetzung von EU-Richtlinien eingeführt wurden. Ob
diese praktische Relevanz erlangen werden, bleibt abzuwarten.

2.6.5 Kapitalverwaltungsgesellschaften

Die KVG ist ein eigener Typ Finanzdienstleister, der die Erlaubnis für
einen begrenzten Kreis von Geschäftstätigkeiten erhält. Das KAGB sieht
KVGs in zwei Erscheinungsformen vor: Die externe KVG ist die vom
Fonds getrennte Gesellschaft, die zur Verwaltung des Fonds bestellt ist.
Die interne KVG ist der Fonds selbst, der keine externe KVG mit ihrer
Verwaltung bestellt hat. Eine interne KVG muss eine Gesellschaft sein,
daher kommt dies bei Fonds des Vertragstyps – Sondervermögen – nicht in
Betracht. Eine KVG benötigt sowohl als externe KVG (dies ist der Regel-
fall in Deutschland) als auch als interne KVG eine aufsichtsbehördliche
Zulassung der BaFin. Die interne KVG kann eine Zulassung als Fonds
erhalten.
Die externe KVG kann neben der Fondsverwaltung bei der BaFin die
Zulassung zu folgenden Tätigkeiten beantragen:
• Finanzportfolioverwaltung und individuelle Vermögensverwaltung,
• individuelle Immobilienverwaltung (das Gleiche wie individuelle Ver-
mögensverwaltung, aber hier werden für Einzelkunden Grundstücke
verwaltet),
• Anlageberatung,
• Verwahrung und Verwaltung von Investmentanteilen (Depotgeschäft),
• Abschluss von Altersvorsorgeverträgen („Riester-Verträge“),
• Abgabe von Mindestzahlungszusagen im Zusammenhang mit „Garan-
tiefonds“,
• Vertrieb,
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 53

• Anlagevermittlung,
• sonstige im Zusammenhang damit stehende Dienstleistungen.

Einzelne dieser Aktivitäten sind noch von besonderen Voraussetzungen


abhängig. So darf eine KVG nur dann die individuelle Immobilienver-
waltung betreiben, wenn sie das notwendige Know-how bereits durch die
Verwaltung von Immobilienfonds im Hause hat. Die Anlageberatung darf
nur die KVG ausüben, die auch Finanzportfolioverwaltung und/oder indi-
viduelle Vermögensverwaltung betreibt (§ 20 KAGB).
Um die Erlaubnis von der BaFin zu erhalten, muss die KVG die
gewünschten Aktivitäten in ihrem Gesellschaftsvertrag oder der Satzung
vorsehen. In Gesellschaftsvertrag oder Satzung müssen die Aktivitäten der
KVG als Geschäftszweck beschrieben sein. Es müssen bei einer externen
KVG nicht alle der gesetzlich möglichen Tätigkeiten auch für die einzelne
Gesellschaft vorgesehen sein.
Darüber hinaus muss die KVG über mindestens zwei zuverlässige sowie
fachlich und persönlich geeignete Geschäftsführer/Vorstände verfügen.
Die Zuverlässigkeit fehlt bei Personen, die über einschlägige Vorstrafen
verfügen oder bei der BaFin bereits negativ aufgefallen sind. Ein Beispiel
für die fachlichen Eignungsvoraussetzungen ist die Notwendigkeit, dass
Geschäftsführer einer Immobilien-KVG Erfahrung im Bereich der Immo-
bilienfonds vorweisen müssen. Die frühere Tätigkeit in einer KVG, die
ausschließlich Wertpapierfonds verwaltet hat, reicht dazu nicht aus. Zudem
müssen die Geschäftsleiter über Erfahrungen in einer Leitungsposition
verfügen. Details dazu sind im BaFin-Merkblatt zum Erlaubnisverfahren
für eine AIF-KVG nach § 22 KAGB vom 22. März 2013 zu finden.
Die allgemeine Debatte über zu hohe Boni in Banken hat auch die KVG
erreicht. Daher muss eine KVG zur Beantragung einer BaFin-Erlaubnis
auch ihre Vergütungsgrundsätze einreichen. Aus diesen muss sich ergeben,
dass Gehalts-Exzesse verhindert werden und keine Anreize für einzelne Mit-
arbeiter geschaffen werden sollen, zu hohe Risiken für die KVG einzugehen.
Außerdem muss die KVG bei der BaFin genaue Angaben über den oder
die Fonds machen, die sie verwalten möchte – zu Anlagestrategien, Risiko
und Struktur. Und sie muss im Erlaubnisantrag darüber informieren, ob sie
Tätigkeiten ausgelagert hat.
Eine KVG muss notwendige Eigenmittel bereitstellen. Diese setzen sich
zusammen aus einem Anfangskapital von mindestens 300.000 Euro bei
2 Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) 54

einer internen KVG bzw. 125.000 Euro bei der externen KVG und zusätz-
lichen Eigenmitteln, die sich an der Höhe des verwalteten Fondsver-
mögens orientieren. Insgesamt darf die Summe der geforderten Gesamt-
summe des Anfangskapitals und des zusätzlichen Eigenkapitals jedoch
10 Millionen Euro nicht übersteigen (§ 25 KAGB). Daneben muss immer
mindestens ein an den internen Verwaltungskosten orientierter Mindest-
betrag vorhanden sein (ein Viertel der fixen Gemeinkosten des Vorjahres).
Im Einzelnen sind die Eigenkapitalanforderungen, die für die Erlaubnis
nachgewiesen werden müssen, davon abhängig, ob es sich um eine interne
oder externe KVG handelt und ob sie nur OGAW oder auch AIF verwaltet.
Zusätzliche Eigenkapitalanforderungen können auf eine KVG zukommen,
wenn sie die Zulassung beantragt, Altersvorsorgeverträge nach dem „Rie-
ster-“ bzw. „Rürup“-Modell abzuschließen oder Garantiefonds aufzulegen.
Es ist nicht so, dass diese Erlaubnis ein einziges Mal bei der BaFin bean-
tragt wird und – wenn sie dann vorliegt – für immer gilt. Bei Änderung der
rechtlichen Rahmenbedingungen, insbesondere aufgrund von neuen oder
geänderten EU-Richtlinien, müssen sich die KVGs neu aufstellen, den
neuen gesetzlichen Anforderungen anpassen und eine neue Erlaubnis bei
der BaFin beantragen. Dies war zuletzt mit Einführung des KAGB der
Fall. Alle bestehenden KVGs und auch einige Marktteilnehmer, die bisher
nicht reguliert waren, mussten eine Erlaubnis bei der BaFin beantragen.
An den oben beschriebenen Erlaubnisvoraussetzungen ist erkennbar, dass
dafür der BaFin umfangreiche Informationen aufbereitet und übermittelt
werden müssen.
Auch wenn nicht das komplette Investmentrecht geändert wurde, ist eine
neue Erlaubnis notwendig, wenn z.B. neue Fondstypen gesetzlich einge-
führt wurden oder die KVG Fondstypen verwalten möchte, die sie bisher
nicht verwalten durfte oder neue Tätigkeiten anbieten möchte. Für die
Erlaubnis erhebt die BaFin eine Gebühr.
Die KVG muss so organisiert sein, dass Interessenkonflikte vermieden
werden und sie die Möglichkeit hat, im ausschließlichen Anlegerinteresse
zu handeln. Damit hängt eine organisatorisch zwingende Trennung zwi-
schen KVG und Verwahrstelle zusammen. Auch wenn die KVG viele ihrer
Tätigkeiten auslagert, muss sie darauf achten, dass die Interessen der Anle-
ger dadurch nicht beeinträchtigt werden.
Weitere Regeln betreffend Organisationspflichten der KVG enthält die
VERORDNUNG (EU) Nr. 231/2013 DER KOMMISSION vom 19. Dezem-
ber 2012 („Level-II-Verordnung“).
3 Verwahrstelle

Einer der drei Player im Investmentdreieck (neben den Anlegern und der
KVG/Investmentgesellschaft) ist die Verwahrstelle, vormals Depotbank
genannt. Sie übt eine Reihe wichtiger Tätigkeiten aus und spielt eine
bedeutende Rolle beim Anlegerschutz. Das KAGB widmet ihr einen eige-
nen Abschnitt mit den Paragraphen 68 bis 90. Weitere Regeln betreffend
Verwahrstellen enthält die VERORDNUNG (EU) Nr. 231/2013 DER
KOMMISSION vom 19. Dezember 2012 („Level-II-Verordnung“).
Mit der Verwahrung des Investmentvermögens muss die KVG ein anderes
(Kredit-)Institut beauftragen. Dieser Auftrag muss in einem schriftlichen
Vertrag festgehalten werden. Die Anforderungen an die Verwahrstelle
unterscheiden sich danach, ob sie OGAW oder AIF verwahren soll. Für
OGAW-Verwahrstellen gelten teilweise strengere Anforderungen. Zur
Verwahrung von OGAW muss die Verwahrstelle ihren Sitz in Deutschland
(exakt: „im Geltungsbereich dieses Gesetzes“ – vgl. § 68 Abs. 3 KAGB)
haben. Die Verwahrstelle eines AIF kann dagegen auch ein Kreditinstitut aus
dem EU-Ausland, eine Wertpapierfirma oder bei geschlossenen AIF auch
ein Treuhänder sein (im Einzelnen siehe § 80 KAGB).
Mindestens ein Geschäftsleiter der Verwahrstelle muss über die erforder-
liche Erfahrung verfügen und die Verwahrstelle muss die erforderlichen
organisatorischen Vorkehrungen geschaffen haben. Das haftende Eigen-
kapital für eine OGAW-Verwahrstelle muss mindestens 5 Millionen Euro
betragen.
Als Ausprägung des Anlegerschutzgedankens bedarf die Auswahl, aber
auch jeder Wechsel der OGAW-Verwahrstelle sowie der Verwahrstelle für
Publikums-AIF der Genehmigung der BaFin. Die Genehmigung kann mit
Nebenbestimmungen verbunden werden. Aber auch nach Erteilen der
Genehmigung kann die BaFin der KVG bzw. der Investmentgesellschaft
jederzeit einen Wechsel auferlegen. § 69 Abs. 2 KAGB nennt als mögliche
Gründe, dass die Verwahrstelle ihre gesetzlichen oder vertraglichen Pflichten
nicht ordnungsgemäß erfüllt oder ihr haftendes Eigenkapital die vorge-
schriebene Mindesthöhe unterschreitet.
Oft gehören Verwahrstelle und KVG der gleichen Institutsgruppe an. Den-
noch müssen beide voneinander unabhängig sein. Dies regelt § 70 KAGB
für die OGAW-Verwahrstelle und § 85 KAGB für die AIF-Verwahrstelle.

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019
W. Raab (Hrsg.), Grundlagen des Investmentfondsgeschäftes, Edition
Frankfurt School, https://doi.org/10.1007/978-3-658-24155-1_3
3 Verwahrstelle 56

Bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben handelt die Verwahrstelle unab-


hängig von der KVG bzw. der Investmentgesellschaft. Auch sie ist gesetz-
lich verpflichtet, im ausschließlichen Interesse der Anleger zu handeln. Sie
hat jedoch die Weisungen der KVG bzw. der Investmentgesellschaft
auszuführen, sofern diese nicht gegen gesetzliche Bestimmungen und die
Anlagebedingungen verstoßen.
Die Unabhängigkeit von Verwahrstelle und KVG/Investmentgesellschaft
wird zusätzlich dadurch sichergestellt, dass Geschäftsleiter, Prokuristen
und die zum gesamten Geschäftsbetrieb ermächtigten Handlungsbevoll-
mächtigten der Verwahrstelle nicht gleichzeitig Angestellte der KVG sein
dürfen. Dies gilt auch umgekehrt für die KVG-Leiter.
Der Investmentfonds wird zum Sondervermögen, weil das Vermögen
gesondert vom Vermögen der KVG von der Verwahrstelle verwahrt wird.
§ 72 KAGB regelt, dass die zum OGAW gehörenden Wertpapiere und Ein-
lagenzertifikate von der Verwahrstelle in ein gesperrtes Depot zu legen
sind. Auch die Guthaben eines OGAW sind auf Sperrkonten zu verwahren.
Für AIF sind die Regelungen etwas lockerer, aber auch für AIF schreibt
§ 81 KAGB die gesonderte Verwahrung der Vermögensgegenstände vor.
Den Bestand von Immobilien und Beteiligungen an Immobilien-Gesell-
schaften sowie weitere, nicht verwahrfähige Vermögensgegenstände hat
die Verwahrstelle laufend zu überwachen. Die Verwahrstelle darf auch Unter-
verwahrer mit der Verwahrung betrauen, muss diese jedoch genau kontrol-
lieren.
Neben der Verwahrung der Vermögenswerte der Investmentvermögen hat
die OGAW-Verwahrstelle u.a. die Aufgabe, die Ausgabe und Rücknahme
von OGAW-Anteilen vorzunehmen, die Zahlung des korrekten Gegen-
wertes für Geschäfte für die Investmentvermögen abzuwickeln und zu
kontrollieren, der Aufnahme von kurzfristigen Krediten und der Anlage
von Bankguthaben bei anderen Instituten zuzustimmen sowie für die Gel-
tendmachung von Ansprüchen der Anleger gegenüber der KVG zu sorgen.
Die AIF-Verwahrstelle hat diesbezüglich nur Überwachungspflichten.

3.1 Verwaltung von Anteilen

Ein offener Investmentfonds „atmet“, d.h. Anteile werden von den Anle-
gern ge- und verkauft. Die entsprechende Ausgabe und Rücknahme von
Anteilen hat die OGAW-Verwahrstelle vorzunehmen (§ 71 KAGB) bzw.
die AIF-Verwahrstelle zu überwachen (§ 83 KAGB). Anteile darf sie nur
3 Verwahrstelle 57

gegen volle Leistung des Ausgabepreises ausgeben. Dieser (zuzüglich


eines evtl. Ausgabeaufschlags) ist an die OGAW-Verwahrstelle zu ent-
richten. Der Ausgabepreis (ohne Ausgabeaufschlag) muss wiederum
unverzüglich auf das für den Fonds eingerichtete Konto verbucht werden.
Analoges gilt für den Rücknahmepreis. Er ist (gegebenenfalls um einen in
den Anlagebedingungen festgesetzten Rücknahme-Abschlag gekürzt) von
dem Fonds-Konto an den Anleger zu zahlen.
Der Wert des Investmentvermögens wird entweder von der Verwahrstelle
(unter Mitwirkung der KVG) oder in der Regel durch die KVG selbst
ermittelt. Für AIF kann auch ein externer Bewerter bestellt werden. Die
Bewertungstermine werden in den Anlagebedingungen genannt.
Die Verwahrstelle ist gemäß § 74 bzw. 83 KAGB zuständig für das Buchen
bzw. Kontrollieren des Eingangs von Kaufpreisen aus dem Verkauf von
Vermögensgegenständen, Erträgen, Entgelten und sonstigen dem Fonds
zustehenden Geldbeträgen auf einem für das Investmentvermögen ein-
gerichteten (bei OGAW: gesperrten) Konto. Aus diesem Konto führt die
OGAW-Verwahrstelle auf Weisung der KVG die Bezahlung von Transak-
tionen (wie Erwerb von Wertpapieren oder Immobilien), Gebühren und
sonstigen Verpflichtungen durch oder lässt – als AIF-Verwahrstelle – diese
durchführen. Die OGAW-Verwahrstelle ist auch zuständig für die Liefe-
rung beim Verkauf oder darlehensweiser Übertragung von Vermögens-
gegenständen sowie für die Ausschüttung der Gewinnanteile an die Anleger.

3.2 Anlegerschutzfunktion

Ihre Anlegerschutzfunktion übt die Verwahrstelle insbesondere auf


zwei Wegen aus. Zum einen gibt es zustimmungspflichtige Geschäfte,
zum anderen obliegen ihr eine Reihe von Kontrollen.
§ 74 KAGB listet die zustimmungspflichtigen Geschäfte einer KVG für
OGAW auf:
• die Aufnahme von Krediten (die im Hinblick auf § 199 KAGB nur bis
zur Höhe von 10 Prozent des OGAW als kurzfristige Kredite zu markt-
üblichen Konditionen aufgenommen werden dürfen). Valutarische
Überziehungen sind nicht zustimmungspflichtig.
• die Anlage von Mitteln des OGAW in Bankguthaben bei anderen Kre-
ditinstituten und die Verfügung darüber.
3 Verwahrstelle 58

§ 84 KAGB listet die zustimmungspflichtigen Geschäfte einer KVG für


Publikums-AIF auf:
• die Aufnahme von Krediten (kurzfristige Kredite, Immobilienkredite
und Kredite der geschlossenen Publikums-AIF),
• die Anlage von Mitteln des AIF in Bankguthaben bei anderen Kredit-
instituten und die Verfügung darüber
• die Verfügung über die Immobilien in einem Immobilienfonds und
die Vermögensgegenstände (Sachwerte, also z.B. Immobilien, Schiffe,
Flugzeuge, Anlagen für erneuerbare Energien, Container etc.) eines
geschlossenen Publikums-AIF.

Für Immobilien-AIF gilt, dass die Verfügung über deren Immobilien


zustimmungspflichtig ist. Gleiches gilt darüber hinaus für die Belastung
und die Abtretung von Forderungen aus Rechtsverhältnissen, die sich auf
Immobilien beziehen. Auch die Verfügung über Beteiligungen an Immobi-
lien-Gesellschaften oder, wenn es sich nicht um eine Minderheitsbeteili-
gung handelt, die Verfügung über zum Vermögen dieser Gesellschaft
gehörenden Vermögensgegenstände sowie Änderungen des Gesellschafts-
vertrags oder der Satzung sind zustimmungspflichtig.
In § 76 KAGB werden der OGAW-Verwahrstelle eine Reihe von Kontroll-
funktionen übertragen. Sie hat dafür zu sorgen, dass
• die Ausgabe und Rücknahme von Anteilen und die Anteilwertberech-
nungen den Vorschriften des KAGB und den Anlagebedingungen ent-
sprechen
• bei den für gemeinschaftliche Rechnung der Anleger getätigten Geschäf-
ten der Gegenwert innerhalb der üblichen Fristen in ihre Verwahrung
gelangt
• die Erträge des OGAW gemäß den Vorschriften des KAGB und der
Anlagebedingungen verwendet werden und
• die erforderlichen Sicherheiten für Wertpapierdarlehen rechtswirksam
bestellt und jederzeit vorhanden sind.
3 Verwahrstelle 59

Die Kontrollfunktion der AIF-Verwahrstelle bezieht sich darauf, dass


• die Ausgabe und Rücknahme von Anteilen und die Anteilwertberech-
nungen den Vorschriften des KAGB und den Anlagebedingungen, der
Satzung oder dem Gesellschaftsvertrag entsprechen,
• bei den für gemeinschaftliche Rechnung der Anleger getätigten Geschäf-
ten der Gegenwert innerhalb der üblichen Fristen überwiesen wird,
• die Erträge des AIF gemäß den Vorschriften des KAGB und der Anla-
gebedingungen, der Satzung oder dem Gesellschaftsvertrag verwendet
werden und
• dass bei Publikums-AIF die erforderlichen Sicherheiten für Wert-
papierdarlehen rechtswirksam bestellt und jederzeit vorhanden sind.

Bei Beteiligungen an einer Immobilien-Gesellschaft für einen Publikums-


AIF gilt darüber hinaus, dass die Verwahrstelle
• überwacht, dass der Erwerb einer Beteiligung unter Beachtung der
anwendbaren Regeln (z.B. in Bezug auf die Befugnisse der Verwahr-
stelle, die Stimmmrechtsregeln und den Ausschluss von Nachschuss-
pflichten aufgrund der Rechtsform der Immobiliengesellschaft) erfolgt
• die Vermögensaufstellung der Immobilien-Gesellschaft zum Bewertungs-
zeitpunkt überprüft.

Schließlich hat die Verwahrstelle auch die Eintragung der Verfügungs-


beschränkung (nämlich der zustimmungspflichtigen Verfügung über Immobi-
lien, siehe oben) in das Grundbuch oder bei ausländischen Immobilien die
Sicherstellung der Wirksamkeit der dortigen Verfügungsbeschränkung zu
überwachen.
Im Falle von geschlossenen Publikums-AIF hat die Verwahrstelle die Auf-
gabe, bei Schiffen, Flugzeugen, Anlagen für erneuerbare Energien, Schie-
nenfahrzeugen etc., Elektromobilitätsfahrzeugen, Containern und in die-
sem Zusammenhang genutzter Infrastruktur die Eintragung der Verfü-
gungsbeschränkung dieser Vermögensgegenstände in ein entsprechendes
Register zu überwachen, soweit dieses für diese Art der Vermögensgegen-
stände geführt wird (z.B. Schiffsregister). Sofern für diese Gegenstände
kein Register besteht, ist die Verwahrstelle dafür zuständig, die Wirksam-
keit der Verfügungsbeschränkung anderweitig sicherzustellen.
3 Verwahrstelle 60

Eine besondere Aufgabe der Verwahrstelle gehört in der Praxis nicht zum
Tagesgeschäft: Sie ist gemäß § 78 Abs. 1 KAGB als OGAW-Verwahrstelle
und gem. § 89 Abs. 1 KAGB als AIF-Verwahrstelle berechtigt und ver-
pflichtet, im eigenen Namen Ansprüche der Anleger wegen Verletzung der
Vorschriften des KAGB oder der Anlagebedingungen gegenüber der KVG
geltend zu machen. Wenn über eine Immobilie eines Publikums-AIF ohne
Zustimmung der Verwahrstelle verfügt wurde, darf diese im eigenen
Namen gegen den Erwerber dieser Immobilie vorgehen. Das Gleiche gilt
sinngemäß auch umgekehrt für die KVG gegenüber der Verwahrstelle. Die
Anleger behalten daneben noch ihren eigenen Schadensersatzanspruch
gegen die Verwahrstelle.
Die Verwahrstelle ist zudem berechtigt und verpflichtet, in eigenem Namen
im Wege einer Klage Widerspruch zu erheben, wenn in ein Investment-
vermögen wegen eines Anspruchs vollstreckt wird, für den es nicht haftet.
Die Anleger können diesen Widerspruch nicht selbst erheben, diese Auf-
gabe obliegt der Verwahrstelle.
Die folgende Übersicht fasst noch einmal in einem gegenüber Kapitel 2.6
erweiterten Investmentdreieck die wesentlichen Player im Investment-
geschäft zusammen und bezieht auch die Kontrolleure BaFin und Wirt-
schaftsprüfer mit ein.

Das Investmentdreieck im Detail

Anleger

Wirtschaftsprüfer
BaFin
prüft
überwacht KVG und
benennt Verwahrstelle
Fonds
Kapitalverwaltungs- Verwahrstelle
gesellschaft (KVG) Vertragliche Beziehung
Verwahrung des
Intern oder Fondsvermögens
extern
Verantwortlich für Abwicklung der Zahlungen
Zentrale Verwaltung
Fondsmanagement Ausgabe und Rücknahme
Investmentmanager von Anteilscheinen
Überwachung der
Vertrieb Investment-Gesellschaft

anderes

Abbildung 9
4 Fondstypen

Die grundsätzliche Unterscheidung zwischen Publikumsfonds für jeder-


mann und Spezialfonds für institutionelle Anleger begegnet uns in diesem
Buch immer wieder. Auf den folgenden Seiten geht es aber um die unter-
schiedliche inhaltliche Ausgestaltung der Fonds, wie sie insbesondere bei
Publikumsfonds bekannt ist. Grundsätzlich gibt es diese Fondstypen mit
gleicher Ausprägung auch für Spezialfonds.
Das alte KAGG hatte seine Anlagevorschriften grundsätzlich nach den Inhal-
ten der Fonds ausgelegt. Die ganz groben Kategorien waren Wertpapier-
fonds, Geldmarktfonds, Grundstücksfonds sowie die gemischten Wertpa-
pier- und Grundstücksfonds, besonders die AS-Fonds. Innerhalb der Wert-
papierfonds gab es wiederum zwei Hauptgruppen, die Aktienfonds und die
Fonds mit festverzinslichen Wertpapieren, für die aber die gleichen Anla-
geregeln und -grenzen galten.
Das Investmentgesetz und das KAGB vertreten einen breiteren Ansatz:
Die Regeln gelten grundsätzlich für alle Sondervermögen. Schließlich fol-
gen alle Fonds der gleichen Grundidee der Risikomischung durch Streuung
und der qualifizierten Auswahl der Fondsinhalte durch die Fondsmanager.
Was speziell in einem Fonds enthalten ist – und in welche Finanz-
instrumente der Fondsmanager nicht investieren darf –, regeln die Vertrags-
bedingungen und der Verkaufsprospekt.
Das KAGB ordnet die Vorschriften nach den zugrunde liegenden euro-
päischen Richtlinien, also OGAWs, offene und geschlossene AIFs.
Gleichermaßen aus Produzenten- und Anlegersicht ist eine Kategorisie-
rung nach den Inhalten aber weiterhin notwendig. Die KVG ist bestrebt,
alle Wertpapierbereiche durch ihre Fonds abzudecken, damit der Kunde
„alles aus einer Hand“ erwerben kann. Anleger wiederum sind um eine opti-
male Asset Allocation, also Aufteilung ihres Vermögens auf verschiedene
Anlagekategorien, bemüht – oder sollten es zumindest sein.
Welches Produkt zu welchem Anleger passt, hängt von einer Vielzahl von
Kriterien ab. Auch wenn Sie gleich ein paar konkrete Hinweise zur Asset-
Mischung finden, gilt auch für dieses Buch: Allgemein gültige Aussagen
gibt es nicht, die individuelle Situation entscheidet. Und die muss der Anle-
ger (meist zusammen mit seinem Anlageberater in einem ersten, intensiven
Gespräch) analysieren. Wesentliche Punkte einer Analyse vor der konkre-
ten Anlageentscheidung sind:

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019
W. Raab (Hrsg.), Grundlagen des Investmentfondsgeschäftes, Edition
Frankfurt School, https://doi.org/10.1007/978-3-658-24155-1_4
4 Fondstypen 62

• Ziel der Anlage (wird der anzulegende Betrag beispielsweise für den
nächsten Urlaub/das neue Auto eingeplant oder soll eine Altersvorsorge
aufgebaut werden),
• Anlagehorizont (wann will der Anleger wieder über sein Geld verfü-
gen),
• Anteil des neu zu investierenden Betrags am Gesamtvermögen (sind
5.000 Euro die Hälfte des Vermögens oder gerade mal der Zinsertrag aus
einem Teil der Anlage),
• Struktur der bisherigen Vermögensanlage (liegt alles auf dem Sparbuch
oder steckt jeder Cent in Aktienfonds),
• individuelle Risikoneigung (wie viel Verlust wird maximal in einem
bestimmten Zeitraum toleriert) und
• weitere Einkommens-/Vermögensentwicklung (ist in den nächsten Jah-
ren eine Erbschaft zu erwarten, fällt ein Einkommen wegen „Familien-
pause“ weg, studiert der Nachwuchs in ein paar Jahren, steht der Ruhe-
stand vor der Tür, sind Kredite zu tilgen etc.)
Wenn diese Fragen geklärt sind, lässt sich die Aufteilung des Gesamtver-
mögens in verschiedene Asset-Klassen vornehmen. Ist die Risikoneigung
durchschnittlich ausgeprägt, kann die alte Faustregel Anwendung finden,
wonach der Aktienanteil bei „100 minus Lebensalter“ liegen sollte. Ein 20-
Jähriger hält somit 80% seines Vermögens in Aktien, ein 60-Jähriger hat
zugunsten der auch kurzfristig kursstabilen festverzinslichen Wertpapiere
seinen Aktienanteil auf 40% reduziert.
Ganz wichtig ist aber der Aspekt der Risikostreuung. Wer beispielsweise
auf die Asset-Klasse Aktien setzt, darf sein Geld nicht auf eine Karte –
genauer eine Aktie – setzen, sondern auf unterschiedlichste Papiere. Bei
einem Vermögen von einer Million Euro, das in Aktien investiert werden
soll, lässt sich dies relativ einfach umsetzen. Bei normalen Anlagesummen
hingegen ist eine kostengünstige Risikostreuung bei der Direktanlage fak-
tisch nicht möglich, mit Fonds funktioniert sie aber problemlos. Aktien-
fonds können nicht nur nach verschiedenen Aktiengesellschaften und
Branchen, sondern auch noch nach unterschiedlichen Ländern differenzie-
ren und entsprechende Papiere erwerben.
Gleiches gilt für festverzinsliche Wertpapiere. Das Zinsniveau ist von Land
zu Land, von Emittent zu Emittent unterschiedlich. Ein höherer Zins geht
meist mit einem erhöhten Bonitätsrisiko einher, also der Gefahr, am Ende
der Laufzeit das eingesetzte Kapital nicht oder nur zum Teil zurückzuerhalten,
4 Fondstypen 63

weil der Schuldner in Konkurs gegangen ist. Neben der Verteilung des
Geldes auf verschiedene Papiere ist folglich eine Analyse des einzelnen
Wertes ebenfalls unverzichtbar.
Nachdem ein Anleger für sich festgelegt hat, wie viel Prozent seines Ver-
mögens er in Aktienfonds anlegen will, muss er sich im nächsten Schritt
entscheiden, auf welche Fonds er die entsprechende Summe verteilen will.
Neben breit streuenden internationalen Aktienfonds stehen ihm die unter-
schiedlichsten Fonds mit speziellem Anlageschwerpunkt zur Verfügung,
die er – auch mit kleinen Beträgen risikogestreut – als Anlagebausteine nut-
zen kann.

Die junge Maischara will von ihrem Gesamtvermögen von 15.000 Euro
zwei Drittel, also 10.000 Euro, in Aktienfonds anlegen.
Von diesen 10.000 Euro fließen 7.000 Euro in einen internationalen Aktien-
fonds, der nur in bekannte Großunternehmen investiert. 1.000 Euro gehen
in einen Aktienfonds, der in Osteuropa anlegt, 1.000 Euro in einen Biotech-
nologiefonds und mit je 500 Euro setzt Maischara auf japanische Aktien
sowie Technologieaktien.
Die Anlegerin war bei den Aktien eher risikofreudig, deshalb verteilt sie
die restlichen 5.000 Euro auf konservativere Fondstypen: Je 1.500 Euro
fließen in einen offenen Immobilienfonds und in einen internationalen
Rentenfonds, der nur in erstklassige Papiere investiert. Die restlichen
2.000 Euro gehen in einen Geldmarktfonds. Der bietet zwar nur relativ
geringe, dafür aber konstante Wertzuwächse. Bei kurzfristigem Geldbedarf
lassen sich dessen Anteile ideal verwerten.

Das gesamte Universum der unterschiedlichen Fondstypen – allein die


BVI-Statistik nennt rund 12.000 Fonds, darunter rund 7.500 Publikums-
fonds in 76 Kategorien – wird im Folgenden mit den wichtigsten Anlage-
schwerpunkten vorgestellt.

4.1 Aktienfonds

Aktienfonds legen das Geld der Anleger grundsätzlich in erfolgverspre-


chenden Aktiengesellschaften an. Durch die gesetzlich vorgeschriebenen
Anlagegrenzen erfolgt automatisch eine Streuung des Vermögens auf meh-
rere Titel. Üblicherweise finden sich in Aktienfonds 50 bis 100 unter-
schiedliche Papiere. Der Anlageschwerpunkt eines Aktienfonds ist in den
4 Fondstypen 64

Anlagebedingungen bzw. dem Verkaufsprospekt festgelegt. Er orientiert


sich meist an geographischen Kriterien oder richtet sich nach Branchen/
Themen.

4.1.1 Internationale Aktienfonds

Die klassische Idee des Aktienfonds ist, sich weltweit die besten Aktien
herauszusuchen. Bei der Auswahl sind die jeweiligen Börsenindizes eine gute
Orientierungshilfe. Bei den größten und umsatzstärksten Unternehmen des
Landes ist die Gefahr eines Totalverlustes gering – auch wenn in der Ver-
gangenheit selbst Großunternehmen nicht vor dem Konkurs gefeit waren.
Bei der weltweiten Titelauswahl muss neben der Aktienanalyse auch ein
weiterer Faktor beachtet werden, nämlich die zu erwartende Entwicklung
des Wechselkurses. So wurde in der Vergangenheit ein Teil des Anstiegs
an der US-Börse für deutsche Anleger wieder durch den gegenüber dem
Euro schwächeren US-Dollar aufgezehrt.
Der Fondsmanager steht grundsätzlich vor der Wahl, ob er zusätzlich auf
Währungsgewinne setzen will, oder ob er durch entsprechende Geschäfte
seinen Fondsbestand gegen Wechselkursveränderungen absichert. Aller-
dings gibt es die Währungsabsicherung nicht zum Nulltarif, sie verringert
also den Wertzuwachs eines Fonds.

4.1.2 Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Deutschland

Wer nur im eigenen Land anlegt, braucht sich um Wechselkursentwicklun-


gen keine direkten Sorgen zu machen. Natürlich beeinflussen die Devisen-
kurse z.B. die Absatzchancen exportierender Unternehmen und damit mit-
telbar auch die Kurse. Wenn z. B. ein BMW 80.000 Euro kostet, sind dies
bei einem Euro /US-Dollarkurs von 1,25 immerhin 100.000 Dollar. Bekommt
man für einen Euro aber 1,15 Dollar, muss ein Käufer in den Vereinigten
Staaten nur 92.000 Dollar zahlen. Damit ist bei gleichem Euro-Erlös der
Wagen um 8.000 Dollar billiger. Entsprechend kann BMW mehr expor-
tieren, seine Gewinne steigen, die Aktie profitiert von der Dollar-Stärke.
Solche Überlegungen fließen aber in die Unternehmensanalyse ein und
somit in die generelle Kauf-/Verkaufsentscheidung des Fondsmanagers.
4 Fondstypen 65

Zudem lassen sich diese Währungseinflüsse nicht durch Finanzinstru-


mente absichern/ausschalten. Aber der Aktienkurs verliert nicht dadurch
an Wert, dass er aus einer Fremdwährung in Euro umgerechnet werden
müsste.
Also werden bei Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Deutschland (posi-
tive) Aktienkursentwicklungen nicht durch (negative) Devisenschwankun-
gen konterkariert. Ein weiterer Vorteil eines nationalen Aktienfonds: Die
Unternehmen sitzen im gleichen Land wie der Fondsmanager, die Informa-
tionsbeschaffung und die Unternehmensanalyse werden dadurch einfacher.
Hauptversammlungen lassen sich mit relativ geringem Aufwand besuchen.
Direkte One-on-One-Gespräche mit den Führungskräften sind leichter zu
realisieren. Und natürlich sind auch keine Sprachbarrieren zu überwinden.
Zusätzlich zu diesen Informationen sind nationale Aktiengesellschaften
auch für den Anleger greifbarer. Dadurch lässt sich ein Fonds besser ver-
markten, der Käufer weiß, was er kauft. Im Bereich Behavioral Finance
wurde dafür der Begriff „home bias“ geprägt.

4.1.3 Europäische Aktienfonds

Durch die Euro-Einführung am 1.1.2002 sind alle Euroländer zu Binnen-


ländern geworden. Devisenkurse sind kein Thema bei der Entscheidung für
einzelne Aktien. Für den Fondsmanager hat dies einen klaren Vorteil. Will
er in seinen Fonds ein Chemieunternehmen aufnehmen, ist er nicht mehr
auf BASF und Co. beschränkt. Er kann genauso ein spanisches oder fran-
zösisches Unternehmen in seine Auswahl einbeziehen. Natürlich bedeutet
dies auch, dass die Auswahl der Papiere komplexer geworden ist. Umso
mehr bedarf es des Profis in der Kapitalverwaltungsgesellschaft.
Europäische Aktienfonds treffen ihre Auswahl länderübergreifend. Sie suchen
sich die erfolgversprechendsten Unternehmen auf dem Kontinent aus. Einige
Fonds beziehen Europa auf die Euro-Staaten, andere sehen es als geogra-
phische Abgrenzung und zählen folglich auch Großbritannien und die
Schweiz zu ihrem Anlagehorizont – und müssen dadurch auch wieder auf
Devisenkurse achten.
4 Fondstypen 66

4.2 Länder- und Regionenfonds

Ein erfahrener Anleger wird bei der Zusammenstellung seines individuel-


len Portefeuilles auch einzelne Länder einbeziehen wollen. Die USA als
größte Wirtschaftsmacht eignet sich selbstverständlich auch als alleiniger
Anlageschwerpunkt von Fonds. Auch europäische Nachbarländer bzw.
Japan werden von Länderfonds abgedeckt.
Innerhalb der Länderfonds ist eine Beschränkung auf Größenklassen von
Unternehmen möglich. Standardfall ist die Konzentration auf große, bekannte
Unternehmen (die so genannten Blue Chips). Alternativ legen Fonds aus-
schließlich in Aktien mit mittlerer Marktkapitalisierung (Mid Caps) oder
kleinerer Gesellschaften (Small Caps) an.
In manchen Fällen ist die Beschränkung auf ein Land aber unter dem
Aspekt der Risikostreuung bzw. der Anlagemöglichkeiten nicht sinnvoll oder
erwünscht. Dann wird das Anlagespektrum auf eine bestimmte Region
ausgedehnt. Es gibt z. B. Fonds, die im asiatischen Raum investiert haben.
Einige davon haben wiederum ausdrücklich Japan als Anlageland ausge-
schlossen. Dadurch kann sich der Anleger bewusst für die „kleinen Tiger-
staaten“ entscheiden. Hält er Japan ebenfalls für attraktiv, kann er mittels
eines Länderfonds Japan seine eigene Gewichtung vornehmen.
Der Anleger muss sich darüber im Klaren sein, dass mit der Entscheidung
für ein bestimmtes Land das Risiko steigt, in gewissen Phasen nicht optimal
investiert zu haben, weil der Fonds stark von den Entwicklungen in einem
Land abhängt. So können Konjunktur oder strukturelle und politische Ver-
änderungen einen einzelnen Aktienmarkt negativ belasten, obwohl sich die
Aktienmärkte global sehr positiv entwickeln. Beispielhaft sei der rezessive
japanische Aktienmarkt in der Aufschwungphase der 90er Jahre genannt.

4.3 Emerging-Markets-Fonds

Einen speziellen Fall der Länder-/Regionenfonds stellen Emerging-Market-


Fonds dar. Insbesondere Ende der 90er Jahre, als die Kursrallye an den eta-
blierten Börsen nachließ, setzten viele auf Schwellenländer, die sich erst am
Anfang des Wirtschaftsaufschwungs befanden. Dazu zählten je nach Ein-
schätzung die Türkei, die ehemaligen Ostblockstaaten, ostasiatische Länder
oder Russland. In der Vergangenheit erzielten die russischen Aktien eine
Performance, die deutlich über der westlicher Börsen lag. Nur gibt es wohl
4 Fondstypen 67

kaum einen Privatanleger, der wenigstens die Namen von fünf russischen
Aktiengesellschaften kennt, geschweige denn, ihre Wachstumsaussichten
einschätzen kann – ein klassischer Fall für Investmentfonds. Die Manager
bedienen sich der Expertise von Analysten vor Ort, recherchieren und nut-
zen die volkswirtschaftlichen Abteilungen der Banken. Zudem investieren
sie in eine größere Zahl von Unternehmen und erhöhen damit die Chance,
in die profitabelsten Unternehmen investiert zu haben.
Aber gerade das Beispiel Russland zeigt auch angesichts der Kursrück-
gänge in 2014, dass die Anleger ihr Engagement im Auge behalten und
aktiv ihren Bestand umschichten müssen.

4.4 Branchenfonds

Hinter Branchenfonds steckt die Philosophie, dass weltweit Anteile an


Aktiengesellschaften erworben werden, die alle in dem gleichen Industrie-
zweig aktiv sind. Angesichts des regionalen Zusammenwachsens der Welt
haben sich Anleger weniger auf Länder, sondern mehr auf Branchen und
Themen konzentriert. Bekannte Beispiele sind die Telemedienfonds, die
nach dem Börsengang der Deutschen Telekom aufgelegt wurden. Etwas
weiter gefasst sind Technologiefonds, wesentlich spezieller wiederum sind
etwa Internetfonds. Zu den Klassikern zählen Fonds für Finanzwerte, die
in Bank- und Versicherungstiteln anlegen.

4.5 Themenfonds, Nachhaltigkeitsfonds

Bei manchen Fonds werden Titel ausgewählt, die weder unter die Länder-
noch die Branchenkategorie fallen. Angesichts der sich verändernden Alters-
struktur gibt es Fonds, die sich auf solche Unternehmen konzentrieren, die
ihre Gewinne mit Produkten für die ältere Generation erzielen. Auch das
Gegenteil wird angeboten: Fonds, die in Produkte mit der Zielgruppe
Jugendliche (Mc Donald‘s, Nike, Hersteller von Computerspielen oder
Zubehör etc.) investieren. Healthfonds setzen auf das steigende Gesund-
heitsbewusstsein, in den USA existieren sogar „Sündenfonds“, die aus-
drücklich in Aktien von Spielcasinos, Brauereien und anderen „unmora-
lischen“ Unternehmen anlegen. Noch gibt es solche Fonds in Deutschland
nicht, erhältlich sind dafür aber Öko- und Ethikfonds, die dem Nachhaltig-
keitsgedanken folgen. Sie wählen die Papiere nach strengen Kriterien aus,
4 Fondstypen 68

die oft über reine Umweltfreundlichkeit hinausgehen und etwa Kinder-


arbeit und Diskriminierung von Frauen oder ethnischen Gruppen ebenso
als Ausschlusskriterien heranziehen.
Eine gesetzliche Definition für Nachhaltigkeit gibt es nicht. Anleger sind
daher gefordert, sich die Auswahlkriterien genau anzusehen. Beim „Best-
in-Class“-Ansatz werden zum Beispiel die unter ökologischen Kriterien
besten Aktiengesellschaften eines Bereichs (wie etwa Mineralöl-, Auto-
mobil-, Chemieindustrie) ausgewählt. Es können auch Höchstgrenzen
definiert werden, z.B. dass maximal 10% des Umsatzes mit Waffenver-
käufen erwirtschaftet werden dürfen. Andere Auswahlkriterien versuchen,
individuelle Ehtikvorstellungen einzubeziehen. Dadurch kann unter Umstän-
den auch ein Unternehmen ausgeschlossen werden, weil es Kondome her-
stellt.
Die Ausrichtung nach Nachhaltigkeitskriterien bedeutet zwar eine Ein-
schränkung des Anlageuniversums und damit durchaus ein höheres
Risiko, nicht aber zwingend auch eine schlechtere Performance. Solche
Fonds reflektieren das wachsende Bewusstsein, dass auch die Anlage
kleinerer Summen mit Blick auf die Verantwortung gegenüber Menschen
und Umwelt erfolgen kann. Zudem schneiden diese Fonds oft besser ab als
klassische Aktienfonds.
Eine Mischung zwischen internationalen Fonds und Themenfonds sind die-
jenigen, die in die 50 besten/größten/bekanntesten Unternehmen der Welt
anlegen.
Sowohl Branchen- als auch Themenfonds sind für solche Anleger geeig-
net, die die Märkte im Auge behalten. Sie müssen erkennen, wann der im
Fonds enthaltene Wirtschaftszweig an Dynamik verliert und schwächer
wächst als der Gesamtmarkt. Entsprechend müssen sie aktiv werden und
ggf. ihre Fondsanteile umschichten.

4.6 Gemischte Fonds

Während es in der Mitte der 90er Jahre nur eine erfolgversprechende Anla-
geform, nämlich Aktien, zu geben schien, startete das neue Jahrtausend mit
den Aktien als Verlierer und festverzinslichen Wertpapieren als Gewinner.
Warum nicht Fonds auflegen, die je nach Lage auf den Finanzmärkten zwi-
schen Aktien und festverzinslichen Wertpapieren umschichten – das Beste
4 Fondstypen 69

zweier Welten in sich vereinigen? Genau das ist die Idee der gemischten
Fonds.
Natürlich werden diese Fonds mit ihrer Performance nicht die besten Ergeb-
nisse der jeweiligen „reinen“ Aktien- oder Rentenfonds erzielen können,
weil sie immer einen Teil der anderen Asset-Klasse beigemischt haben. Sie
können aber bei Abwärtsbewegungen des Aktienmarkts auf Rentenpapiere
umschwenken und bei steigenden Zinsen (und Kursrückgang der festver-
zinslichen Wertpapiere) ihr Engagement auf dem Aktienmarkt erhöhen.
Damit sind sie Baissephasen einer Wertpapiergruppe nicht zwangsweise
ausgeliefert.

4.6.1 Total Return Fonds

Total Return Fonds sind Fonds, die im Grunde zur Ursprungsidee der Invest-
mentanlage zurückkehren: Der Anleger will sein Geld ertragreich anlegen.
Für ihn ist es letztlich irrelevant, durch welche Wertpapiere der Wert-
zuwachs zustande kommt. Ähnlich ist die Anlagepolitik dieser Fonds aus-
gerichtet. Es soll in allen Börsenphasen ein positives Ergebnis erzielt wer-
den. Haussiert der Aktienmarkt, legt das Management verstärkt in Aktien
an. Sind Zinstitel erfolgversprechender, wird entsprechend umgeschichtet.
Moderne Finanzinstrumente wie Optionen und Derivate werden bewusst
in den Anlagehorizont einbezogen.

4.7 Rentenfonds

Auch bei Fonds, die in festverzinslichen Wertpapieren (den namensgeben-


den Rentenwerten) investieren, ist eine Unterscheidung nach Anlageland
möglich. Hinzu kommt die Anlagewährung sowie die Laufzeit der Papiere.
Eine Gemeinsamkeit aller Rentenfonds ist der damit verbundene Service.
Fällige Wertpapiere werden direkt wieder angelegt. Gleiches gilt für die
Zinsen. Fonds sind Privatanlegern hier in zweierlei Hinsicht überlegen:
Zum einen erfolgt die Wiederanlage unverzüglich und damit ohne Zinsver-
lust. Bei der Direktanlage kommt es hier immer wieder zu Verzögerungen
– und sei es nur, weil der Anleger bei Fälligkeit im Urlaub ist. Zum anderen
können bei Fonds auch Zinsen wieder lukrativ in Wertpapieren angelegt
werden, weil die Anlagebeträge groß genug sind. Bei der Direktanlage han-
delt es sich oft um Erträge von weniger als 50 Euro pro Papier, die wegen
4 Fondstypen 70

der Mindestanlagesummen (auch von Bundeswertpapieren) nicht wieder in


Wertpapieren angelegt werden können, sondern maximal auf dem Spar-
buch landen.
Um Missverständnisse zu vermeiden: Auch bei Aktien- und anderen Fonds
werden Dividenden, Zinsen, fällige Papiere etc. direkt wieder angelegt. Nur
sind hier die Beträge relativ kleiner, zumal Aktien „ewig“ laufen und daher
nicht zu einem festen Zeitpunkt zurückgezahlt werden. Entsprechend wären
entgangene Zinsen etc. niedriger anzusetzen.

4.7.1 Nationale Rentenfonds

Rentenfonds mit Anlageschwerpunkt Deutschland investieren in Titeln


deutscher Emittenten. Dies können gleichermaßen öffentliche Aussteller
wie der Bund sein, aber auch Papiere Dritter, etwa Unternehmensanleihen.
Hauptvorzug nationaler Papiere ist das fehlende Wechselkursrisiko. Durch
die Euro-Einführung macht eine Beschränkung auf Deutschland unter die-
sem Aspekt keinen Sinn. Folglich haben viele Rentenfonds ihren Anlage-
schwerpunkt auf die Euro-Währung ausgedehnt.
Natürlich könnte ein Anleger auch direkt in festverzinsliche Wertpapiere
anlegen. Gerade bei diesen Papieren scheint die Auswahl einfach: Ich
nehme das mit dem höchsten Zins. Aber dieser Ansatz greift zu kurz. Nie-
mand zahlt freiwillig einen höheren Zins, als beispielsweise bei Bundes-
wertpapieren geboten wird. Die höheren Zinsen sind vielmehr der Preis für
eine geringere Bonität (also die Wahrscheinlichkeit, am Ende der Laufzeit
den angelegten Betrag komplett zurückzahlen zu können). Nur dadurch
bringt man Anleger dazu, in weniger sichere Titel zu investieren.
Eine Orientierungshilfe für die Bonität ist das Rating durch die bekannten
Agenturen wie Moody‘s, Standard & Poor‘s, Fitch etc. Aber nicht alle inte-
ressanten Papiere werden geratet – auch weil ein Rating nicht umsonst zu
haben ist. So mag die Stadtverwaltung Madrid ein vom Zins her sehr attrak-
tives Papier herausgeben, das aber nicht geratet ist (oder das von den Agen-
turen unterschiedlich bewertet wird). Das Fondsmanagement bildet sich
auch zu solchen Papieren eine Meinung. Es ist dabei denkbar, dass bewusst
ein Titel mit schlechterer Bewertung zur Renditesteigerung gekauft wird.
Aufgrund der Risikomischung im Fonds würde ein (Teil-)Ausfall die
Gesamtperformance nur geringfügig beeinträchtigen – ganz im Gegensatz
zur Direktanlage. Im Bereich der internationalen Fonds gibt es sogar Fonds,
die ausdrücklich in internationale Titel mit schlechterer Bewertung anle-
4 Fondstypen 71

gen (so genannte junk bonds), weil diese entweder zu günstigeren Kursen
zu haben sind oder weil sie deutlich höhere Zinsen zahlen.
Ein weiterer Aspekt, der für die Fonds spricht, ist die zeitlich gestreute Fäl-
ligkeit der Papiere. Das Zinsniveau, zu dem das Geld dann wieder angelegt
werden kann, ist naturgemäß im Voraus nicht bekannt. Privatanleger inves-
tieren ihr Geld auf einen Schlag bzw. in Papiere mit der gleichen Fälligkeit.
Es spricht aber einiges dafür, die Papiere so auszuwählen, dass sie zu unter-
schiedlichen Zeitpunkten zurückgezahlt werden. Auf diese Weise wird das
Risiko reduziert, in einer Niedrigzinsphase das gesamte Fondsvermögen
neu investieren zu müssen. Damit lässt sich eine gewisse Ergebnisstabilität
erzielen. Auch dieser Aspekt wird durch das Fondsmanagement berück-
sichtigt. Im Fonds kann eine Laufzeitenmischung realisiert werden, in den
sich der Anleger einkauft.

4.7.2 Internationale Rentenfonds

Je weiter der Anlagehorizont eines Fonds gefasst ist, desto größer sind
die Möglichkeiten, in ein Land zu investieren, das höhere Zinsen als in
Deutschland oder Europa üblich bietet. Neben der Bonitätsbewertung
sowohl des Landes (man denke nur an das Beispiel Argentiniens, das seine
Anleihen nicht zum vollen Wert zurückzahlen konnte) als auch des Emit-
tenten spielt das Devisenkursrisiko eine wesentliche Rolle. Es wirkt sich
genauso aus, wie bei den internationalen Aktienfonds beschrieben und
kann auf gleiche Weise abgesichert werden.
Aber es gibt auch eine Besonderheit: Einige Rentenfonds werden bewusst
in Fremdwährungen aufgelegt. Insbesondere der US-Dollar wird als Anlage-
währung angeboten, aber manche Fonds notieren auch in britischen Pfund
oder Schweizer Franken. Anleger entscheiden sich hier ausdrücklich dafür,
Währungsrisiken einzugehen bzw. sehen die Chance auf Währungsgewinne.
Gerade die einstige Skepsis vor der Euro-Einführung war für manche Anle-
ger ein ausreichendes Motiv, in US-Dollar notierte Fonds zu erwerben.

4.7.3 Kurzläuferfonds

Bei festverzinslichen Wertpapieren mit langer Laufzeit (bei denen also die
angelegte Summe erst in fünf oder zehn Jahren zurückgezahlt wird) kommt
es im Zeitablauf zu Kursschwankungen. Beträgt der Zinssatz zum Beispiel
4 Fondstypen 72

5%, während neue Papiere 6% Zinsen zahlen, fällt der Kurs dieses Papiers.
Damit sinkt auch der Anteilswert eines Fonds, der solche Papiere im Por-
tefeuille hat.
Um eine höhere Anteilswertstabilität zu erreichen, legen Kurzläuferfonds
nur in solche Papiere an, die in der nahen Zukunft fällig werden. Sie sind
daher weniger anfällig für Kursschwankungen. Bis zur Einführung der
Geldmarktfonds in den 90er Jahren waren sie die einzige Alternative etwa
zum Geldmarktkonto.

4.8 Geldmarktfonds

Wer sein Geld entweder kursstabil anlegen oder es nur kurzfristig „parken“
wollte, musste lange Jahre auf Geldmarktkonten oder das klassische Spar-
buch oder Girokonto ausweichen. Geldmarktkonten hatten aber meist rela-
tiv hohe Mindestanlagesummen und waren zudem nicht täglich verfügbar.
Die Fondsbranche wollte daher auch Geldmarktfonds auflegen, um ihr Ange-
bot an Fonds für jede Situation zu komplettieren.
Es dauerte bis zum Inkrafttreten des Zweiten Finanzmarktförderungsgeset-
zes am 1. August 1994, bis Geldmarktfonds auch in Deutschland zulässig
waren. Sie dürfen bis zu 100 % ihres Fondsvermögens in Geldmarkttiteln
anlegen. Dazu zählen Termingelder bei Banken, Wertpapiere mit einer
(Rest-)Laufzeit von maximal 12 Monaten, unverzinsliche Schatzanweisun-
gen des Bundes, Depositen-Zertifikate (Certificates of Deposits, kurz
CDs), kurzfristige Schuldtitel von Banken oder Unternehmen erster Boni-
tät (Commercial Papers, CPs) sowie abgezinste Wertpapiere und variabel
verzinsliche Schuldverschreibungen (die so genannten Floating Rate Notes
oder Floater), deren Zinsanpassung mindestens einmal im Jahr erfolgt.
Die Vereinigung der europäischen Wertpapieraufsichtsbehörden ESMA
haben die Anforderungen an die Fondsbezeichnung Geldmarktfonds in
2011 näher definiert (siehe Kap. 2.6.2.1 Richtlinienkonforme Sonderver-
mögen). Ein Teil der Geldmarktfonds wird ohne Ausgabeaufschlag ange-
boten und ist daher auch für eine Anlage von nur wenigen Monaten geeig-
net. Es macht aber auch Sinn, Geldmarktfonds längerfristig für die Anlage
der Liquidität zu nutzen.
Auch bei Geldmarktfonds gibt es solche, die in Euro anlegen, und andere,
die in einer Fremdwährung investiert sind, teilweise wird der Fonds sogar
in dieser Währung notiert.
4 Fondstypen 73

4.9 Offene Immobilienfonds/Grundstücks-


Sondervermögen

Mit der Auflage von offenen Immobilienfonds lösen Kapitalverwaltungs-


gesellschaften, den Widerspruch zwischen einer zwangsläufig langfristigen
Anlage in Gebäuden und der täglichen Verfügbarkeit, aber auch zwischen
den hohen Immobilienpreisen und kleiner Anlagesummen auf.
Offene Immobilienfonds investieren überwiegend in gewerblich genutzte
Grundstücke und Gebäude. Mietwohngrundstücke spielen nur eine ver-
schwindend geringe Rolle. In einigen Fällen entstehen Großprojekte auf
Initiative der KVG. Der Fonds übernimmt dann die Rolle des Projekt-
entwicklers, für den ein attraktives Gebäude errichtet wird.
Die Risikostreuung erfolgt im Fonds durch den Erwerb mehrerer Objekte.
Bei diesen wiederum wird darauf geachtet, dass es sich um verschiedene
Nutzer und unterschiedliche geographische Standorte handelt.
Die Einnahmen eines offenen Immobilienfonds sind die Mieten. Üblich
sind indexierte Mietverträge. Sie sorgen dafür, dass sich die Miete analog
eines bestimmten Indikators entwickelt (z.B. der Preissteigerung). Diese
Verträge laufen über mehrere Jahre. Auch hier achtet das Fondsmanage-
ment darauf, dass die Verträge aller Objekte nicht zur gleichen Zeit auslau-
fen und Neuabschlüsse in unterschiedlichen Phasen des Immobilienmark-
tes erfolgen. Der Erfolg eines Fonds wird nicht nur durch die Mieteinnah-
men bestimmt, sondern auch durch die Wertsteigerungen der Immobilien.
Die Bewertung erfolgt regelmäßig durch unabhängige Sachverständige.
Teil der Managementaufgabe eines Immobilienfonds ist es auch, die Objekte
in Stand zu halten, sie an die sich verändernden Mieterbedürfnisse anzu-
passen und sich um die bestehenden Mieter zu kümmern bzw. Nachmieter
zu akquirieren.
Zu den Anlagevorschriften für offene Immobilienfonds zählt auch die Regel,
ein gewisses Maß an Liquidität vorzuhalten. Damit wird gewährleistet,
dass die Fonds die tägliche Anteilscheinrückgabe auch bei erhöhter Rück-
gabe erfüllen können, ohne gleich einzelne Objekte verkaufen zu müssen.
Notverkäufe zu ungünstigen Preisen werden damit verhindert. Mindest-
haltedauer und Kündigungsfristen bei Anteilscheinrückgaben ermöglichen
zudem eine Feinsteuerung des Liquiditätsbedarfs der Fonds. Sollte es –
4 Fondstypen 74

aus welchen Gründen auch immer – zu einer Vielzahl von Anteilschein-


rückgaben kommen, kann ein Fonds auch als letztes Mittel vor dem
Verkauf von Immobilien zu Schleuderpreisen die Rücknahme von Anteil-
scheinen aussetzen.
Mittlerweile legen offene Immobilienfonds verstärkt im Ausland an.
Einige Fonds haben sogar ausdrücklich die internationale Anlage zum Ziel
erklärt. Sie setzen auf Immobilienmärkte, die im Vergleich zu Deutschland
ein größeres Wertsteigerungspotenzial haben.

4.10 Altersvorsorge-Sondervermögen

Die Altersvorsorge-Sondervermögen, kurz AS-Fonds genannt, waren die


ersten Fonds, die nicht nur in Aktien und Renten, sondern auch in Immobi-
lien (über offene Immobilienfonds) investieren konnten. Details zu den
AS-Fonds finden Sie im Abschnitt über die Altersvorsorge.

4.11 Dachfonds

Dachfonds, im Ausland fund of funds genannt, investieren ihr Vermögen


ausschließlich in andere Investmentfonds. Sie vereinen zwei Ideen mitein-
ander. Zum einen ist es ihnen möglich, aus allen Investmentfonds die besten
herauszusuchen. Dabei sind sie nicht nur auf die Produkte der eigenen
Kapitalverwaltungsgesellschaft beschränkt. Sie können auch in Fonds
anderer Gesellschaften investieren, die z. B. in speziellen ausländischen
Märkten erfolgreich sind, die vom eigenen Haus nicht abgedeckt werden.
Statt sich kostspielig eigenes Know-how aufzubauen, wird der Drittfonds
mit der dahinter stehenden Expertise eingekauft.
Zum anderen ermöglichen Dachfonds eine fondsgebundene Vermögens-
verwaltung auch für kleinere Anlagesummen. Einige sind so konzipiert,
dass sie eine bestimmte Risikoeinstellung widerspiegeln und entsprechend
ihr Vermögen auf die Asset-Klassen Aktien-, Renten- und Geldmarktfonds
verteilen. Der Anleger trifft somit nur die Grundsatzentscheidung über das
von ihm gewollte Risiko. Die konkrete Aufteilung und Gewichtung, aber
auch die Länderausrichtung innerhalb der Asset-Klassen wird vom Fonds-
management des Dachfonds übernommen.
4 Fondstypen 75

4.12 Hedgefonds

Hedgefonds, genauer „Sondervermögen mit besonderen Risiken“, haben


einen sehr hohen Freiheitsgrad bei ihrer Anlagepolitik, dadurch aber auch
erhöhte Risiken. Details sind im Kapitel 2.6.4 nachzulesen.

4.13 Exchange traded Funds/ETFs

Exchange traded Funds, kurz ETFs, werden an der Börse gehandelt. Statt
eines Ausgabeaufschlags fallen dabei die normalen Börsengebühren an.
Bei der großen Mehrzahl handelt es sich um Indexfonds. Sie bilden den
zugrunde liegenden Index, wie etwa den DAX, nach. Ihr Ziel ist es, den
Tracking Error, also die Abweichung von der Entwicklung des Indexes,
möglichst gering zu halten.
Da die Zusammensetzung des Indexes vorgegeben ist, werden ETFs auch
als passive Fonds bezeichnet. Sie sind kostengünstig, da z.B. keine detail-
lierten Wertpapieranalysen etc. von aktiven Fondsmanagern durchgeführt
und von der Verwaltungsvergütung bezahlt werden müssen.

4.14 Geschlossene AIF

Durch das KAGB können Kapitalverwaltungsgesellschaften auch geschlos-


sene Fonds auflegen. Diese können das Geld der Anleger insbesondere in
Sachwerten anlegen. Das KAGB nennt in § 261
• Immobilien einschließlich Wald-, Forst- und Agrarland,
• Schiffe, Schiffsaufbauten und Schiffsbestand- und -ersatzteile,
• Luftfahrzeuge, Luftfahrzeugbestand- und -ersatzteile,
• Anlagen zur Erzeugung, zum Transport und zur Speicherung von Strom,
Gas oder Wärme aus erneuerbaren Energien,
• Schienenfahrzeuge, Schienenfahrzeugbestand- und -ersatzteile,
• Fahrzeuge, die im Rahmen der Elektromobilität genutzt werden,
• Container,
• für Vermögensgegenstände im Sinne der Nummern 2 bis 6 genutzte
Infrastruktur.
4 Fondstypen 76

Damit eine KVG solche Fonds auflegen darf, benötigt sie die entspre-
chende Zulassung durch die BaFin. Der Zulassungsprozess ist zeitintensiv,
daher ist die Zahl der neu aufgelegten geschlossenen AIFs derzeit noch
sehr überschaubar.
5 Marketing und Vertrieb

„Investmentfonds werden nicht gekauft, Investmentfonds müssen verkauft


werden!“
Wie bei jedem erwerbswirtschaftlichen Unternehmen bieten die KVGs ein
Produkt an, das sie selbst herstellen, und dieses Produkt müssen sie ver-
kaufen. Während das Fondsmanagement zur Fondsbuchhaltung und damit
zur „Produktion“ gerechnet werden kann, zählen Marketing und Vertrieb
zum „Verkauf“.

Unter dem Begriff Marketing wird die konsequente Ausrichtung des


Unternehmens am Kunden verstanden.

Dies bestätigt auch das populäre Motto vieler Firmen „Der Kunde ist
König“, das den Stellenwert des Kunden eindeutig hervorhebt. Letztend-
lich entscheidet dieser über den Erfolg oder Misserfolg einer Firma. Denn
nur wenn es dieser gelingt, die Bedürfnisse des Kunden zu befriedigen und
ihm Angebote zu einem angemessenen Preis-Leistungs-Verhältnis zu bie-
ten, kann sich ein Unternehmen erfolgreich im Wettbewerb durchsetzen
und am Markt platzieren. Dies gilt im Grunde für alle Arten von Unterneh-
men, bei denen es um die Vermarktung eines bestimmten Produkts bzw.
einer Produktlinie geht. Insofern unterscheidet sich ein Finanzdienstleister
nicht von einem Konsumgüterhersteller.

5.1 Fondsmarkt

Der Fondsmarkt ist ebenso wie viele andere Märkte ein Käufermarkt, d.h.
nicht das Angebot an Investmentfonds, sondern die Nachfrage nach Asset-
Management-Produkten bestimmt das Geschehen. Deshalb kommt auch
der Kundenbetreuung eine immense Bedeutung zu.
Bei einer etwas genaueren Betrachtung wird offensichtlich, dass der Fonds-
markt keineswegs homogen ist. Vielmehr lässt er sich gemäß der maßgeb-
lichen Kundengruppen in die beiden großen Blöcke Institutioneller Markt
und Retailmarkt aufspalten. Diese Trennung ist notwendig, weil sich
Kenntnisstand, Bedürfnisse und regulatorischer Hintergrund dieser beiden

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019
W. Raab (Hrsg.), Grundlagen des Investmentfondsgeschäftes, Edition
Frankfurt School, https://doi.org/10.1007/978-3-658-24155-1_5
5 Marketing und Vertrieb 78

Gruppen deutlich voneinander unterscheiden und daraus jeweils andere


Strategien für die Marktbearbeitung resultieren.
Privatanleger unterliegen bei ihrer Geldanlage keinen rechtlichen Restriktio-
nen. Sie können ihr Vermögen weitestgehend frei anlegen. Dagegen müs-
sen viele institutionelle Anleger bei ihrer Vermögensdisposition gesetzliche
Anlagegrenzen beachten und stehen unter staatlicher Aufsicht. Beispiels-
weise unterliegen Versicherungsgesellschaften und Pensionskassen als
Hauptkundengruppe im Spezialfondsmarkt der Anlageverordnung zum
Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG). Dieses reglementiert die Vermö-
gensanlage. Ferner werden Versicherungsunternehmen von der Bundes-
anstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beaufsichtigt. Andere Ein-
schränkungen müssen Stiftungen (Stiftungsgesetz), Kommunen (Gemeinde-
haushaltsverordnungen der Bundesländer), Banken (Kreditwesengesetz/
KWG) oder Sozialversicherungsträger (Sozialgesetzbuch) beachten. Die
Anbieter von Spezialfonds bzw. Asset-Management-Lösungen für institu-
tionelle Kunden (z.B. Publikumsfonds für institutionelle Kunden) müssen
die korrespondierenden Anlagerestriktionen im Asset-Management und in
der Marktbearbeitung berücksichtigen. Beispielsweise gilt es, im Rahmen
der Produktentwicklung darauf zu achten, dass das Produkt nicht den
Anlagebeschränkungen der Zielgruppe zuwiderläuft.
Während die Publikumsfonds täglich in den Medien präsent sind, führen
die Spezialfonds in der öffentlichen Wahrnehmung ein Schattendasein.
Diese unterschiedliche Präsenz sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass
der Spezialfondsmarkt deutlich größer ist als der Publikumsfondsmarkt.
Der Publikumsfondsmarkt ist dabei seitens der Anbieter weniger stark
fragmentiert als der Spezialfondsmarkt. Rund 70 Prozent des Publikums-
fondsvermögens vereinigen die vier großen Investmentgesellschaften
DWS, DEKA, Union Investment und AGI auf sich. Eine deutlich gerin-
gere Konzentration weist der Spezialfondsmarkt auf. Die vier größten
Anbieter (AGI, Universal-Investment, HSBC Trinkaus & Burkhardt,
Helaba Invest) verwalten rund 50 Prozent des Wertpapierspezialfondsver-
mögens, wenngleich eine zunehmende Konzentration durch
Fusionen/Übernahmen von KVGs erkennbar ist. Gleichwohl herrscht auf
beiden Märkten ein ausgeprägter Wettbewerb. Der Publikumsfondsmarkt
ist ein Massenmarkt mit Millionen Fondssparern, wohingegen die
Menge der institutionellen Anleger relativ überschaubar ist.
Für eine Analyse der Wettbewerbsintensität eines Marktes reicht der Blick
auf die Konkurrenten und die Nachfrage bei weitem nicht aus. Vielmehr
5 Marketing und Vertrieb 79

müssen auch potenzielle Konkurrenten (z.B. ausländische Fondsgesell-


schaften, die bislang den deutschen Markt noch nicht erschlossen haben),
Substitute (z.B. Investmentzertifikate, Versicherungen oder Bausparpläne)
ebenso Berücksichtigung finden wie die Absatzmittler selbst (z.B. Ban-
ken, Versicherungsvertreter oder Strukturvertriebe). Darüber hinaus spie-
len Beratungsunternehmen (z.B. Rating-Agenturen oder Investment-Con-
sultants) ebenfalls eine wichtige Rolle. Da es für die Vermögensanlage
neben der Fondsanlage zahlreiche attraktive Ersatzmöglichkeiten gibt – zu
nennen wären beispielsweise Kapitallebensversicherungen, Rentenversi-
cherungen, Bausparverträge, Banksparpläne, die Direktanlage in Aktien
und Renten oder Investmentzertifikate – ist die Wettberwerbssituation
noch schärfer, denn um das Geld der Anleger konkurrieren nicht nur die
Fondsgesellschaften untereinander, sondern zusätzlich noch Banken, Ver-
sicherungen, Bausparkassen und andere.
Im Retailmarkt nehmen die Absatzmittler eine besondere Position ein,
denn deren Kundenpflege und -kontakte entscheiden über den Erfolg der
Investmentgesellschaften bei Publikumsfonds. Spezialfonds werden dage-
gen meist direkt vertrieben, sodass Absatzmittler eine weniger wichtige
Rolle einnehmen.

5.1.1 Segmentierung und Positionierung

Bei dem inhomogenen Fondsmarkt ist also eine differenzierte Marktbear-


beitung nötig. Die Ressourcen einer Investmentgesellschaft reichen nor-
malerweise nicht aus, jeden einzelnen Kunden individuell zu betreuen.
Deswegen erfolgt die Ermittlung einer überschaubaren Anzahl von
Abnehmergruppen, die in sich möglichst homogen, verglichen mit anderen
Kundengruppen jedoch möglichst heterogen sind. Diese Vorgehensweise
wird als Segmentierung bezeichnet. Während früher häufig soziodemogra-
phische Kriterien, wie Alter, Geschlecht oder Familienstand sowie ökono-
mische Kriterien, z.B. Einkommen oder Vermögen, für die Segmentierung
herangezogen wurden, rücken heute bevorzugt psychologische Kriterien,
z.B. Motive, Einstellungen oder Werte, und auf das Kaufverhalten bezo-
gene Kriterien, wie beispielsweise Verwendungsintensität, Markentreue,
Mediennutzung in den Vordergrund. Soziodemographische Kriterien sind
zwar leicht zu erheben, sagen jedoch wenig über die Präferenzen der
Investoren oder deren Verhalten aus. Dasselbe gilt für die ökonomischen
Kriterien.
5 Marketing und Vertrieb 80

Ein wohlhabender Bäckermeister hat beispielsweise trotz seines größeren


Vermögens wahrscheinlich nur eine geringe Börsenaffinität. Hingegen ver-
fügt ein relativ mittelloser BWL-Student oder eine angehende Investment-
fondskauffrau nur über geringe Ersparnisse, aber ein großes Interesse und
Wissen rund um die Geldanlage. Ein Berater sollte also dem Bäcker-
meister eher einfach verständliche Produkte anbieten, während kom-
plexere Fonds eher den Geschmack des BWL-Studenten träfen. Eine Klas-
sifizierung nach Vermögensumfang würde hingegen eher eine konträre
Vorgehensweise erfordern.
Im institutionellen Markt bieten sich korrespondierende Segmentierungs-
arten an. Zum einen ist denkbar, die Anleger nach Branchen oder regula-
torischem Rahmenbedingungen zu untergliedern (Versicherungen/VAG,
Kreditinstitute/KWG, Sozialversicherungsträger/SGB etc.), ähnlich wie
bei dem soziodemographischen Verfahren. Zum anderen bietet sich eine
Segmentierung nach Kaufverhalten an. Schließlich spielt auch bei institu-
tionellen Kunden das Geschäftspotenzial des Kunden eine Rolle.
Aufgrund der gesammelten Daten erfolgt dann eine Auswahl der zu bear-
beitenden Zielgruppe(n) und die sogenannte Positionierung, d.h. eine auf
die Zielgruppen abgestimmte Marktbearbeitung mit einem konsistenten
Marketing-Mix.

5.1.2 Marktforschung

Die Marktforschung dient der Erkenntnisgewinnung über Kunden, Märkte


und Konkurrenten. Sie ist die Basis für Segmentierung, Zielgruppenanaly-
sen, Produktentwicklung und vieles mehr. Ausgangspunkt der Marktfor-
schung ist die Sammlung bzw. Gewinnung relevanter Informationen.
Unterschieden wird dabei zwischen der Primärforschung, bei der die
Daten neu erhoben werden, und der Sekundärforschung, bei der auf vor-
handene Datenquellen (z.B. BVI-Statistiken, Kapitalmarktstatistiken der
Deutschen Bundesbank oder Studien von Universitäten bzw. Forschungs-
instituten) zurückgegriffen wird.
Primärstudien werden häufig in Zusammenarbeit mit externen Markt-
forschungsinstituten erstellt. Übliche Marktforschungstechniken sind die
Befragung, die Beobachtung und das Experiment, wobei insbesondere die
Befragung eine wichtige Rolle spielt. Die gewonnenen Informationen wer-
den sodann verdichtet und analysiert.
5 Marketing und Vertrieb 81

5.1.3 Marketingkonzeption

Konsistentes Marketing setzt aufeinander abgestimmte Entscheidungen


auf drei Ebenen voraus: Zunächst werden die Ziele festgelegt. Darauf auf-
bauend gilt es, die zielführende Strategie abzuleiten. Diese determiniert
wiederum die operative Umsetzung in Form des Marketing-Mix.
Das Ziel entspricht dem Wunschort. Wenn das Ziel unbekannt ist, sind alle
Wege richtig – oder auch falsch. Die Strategie bedeutet in diesem Zusam-
menhang die Festlegung der Route, und die operative Umsetzung umfasst
die Wahl des Beförderungsmittels.
Die Marketingziele (z.B. Marktanteil, Kundenzufriedenheit, Image) bauen
dabei auf den generellen Unternehmenszielen (z.B. profitables Wachstum)
auf, die wiederum auf der Unternehmensvision (z.B. Marktführer zu wer-
den) basieren.
Im Rahmen der Marketingstrategie wird sichergestellt, dass die Marke-
tingziele stringent in operative Maßnahmen umgesetzt werden und alle
dazu nötigen Instrumente synergiebringend eingesetzt werden. Ziel und
Strategie sind stets langfristig ausgerichtet. Dagegen kann sich das opera-
tive Handeln nur auf einen kurzen Zeithorizont erstrecken und Maßnahmen
können hier schneller wechseln. In einer Marketingstrategie wird typischer-
weise festgelegt, welche Märkte mit welchen Produkten bearbeitet werden
sollen. Dabei lassen sich folgende Strategievarianten unterscheiden:

5.1.3.1 Marktfeldstrategien

Marktfeldstrategien stellen auf die Kombination von Märkten und Produk-


ten ab:
• Marktdurchdringung: Vermarktung bestehender Produkte in beste-
henden Märkten. Dies geschieht in der Regel durch eine Erhöhung des
Kaufs bei bestehenden Kunden (z.B. durch Mengenrabatte beim Aus-
gabeaufschlag ab gewisser Anlagesummen) oder die Gewinnung von
Kunden der Konkurrenz.
• Marktentwicklung: Mit bestehender Produktpalette werden neue
Märkte angegangen, beispielsweise, indem neue Verwendungszwecke
gefunden werden (z.B. Publikumsfonds für „Riester-Rente“) oder indem
neue Zielgruppen erschlossen werden (z.B. Verkauf von Publikums-
fonds an institutionelle Anleger).
5 Marketing und Vertrieb 82

• Produktentwicklung: Entwicklung neuer Produkte für die bestehende


Kundschaft (z.B. Garantiefonds als Reaktion auf Aktienbaisse), wobei
sich mehrere Produktformen unterscheiden lassen:
− echte Innovationen, also Produkte die es in dieser Form noch nicht
gab
− quasi neue Produkte, die neuartig sind, aber an bestehenden Pro-
dukten anknüpfen
− Me-Too-Produkte, die an Konkurrenzprodukte anknüpfen und nur
für den Anbieter neu sind.
• Diversifikation: Erschließung neuer Absatzmärkte mit neuen Produk-
ten. Diese Strategievariante ist mit der größten Misserfolgswahrschein-
lichkeit behaftet und daher mit Vorsicht zu genießen.

5.1.3.2 Marktstimulierungsstrategien

Marktstimulierungsstrategien fokussieren die Art der Marktbearbeitung.


• Präferenzstrategie: Es werden Präferenzen für ein Produkt bzw. einen
Anbieter geschaffen. Wichtiges Instrument ist im Rahmen der Kom-
munikationspolitik die Markenbildung. Zielkunden sind häufig die
Premium- bzw. gehobenen Käufersegmente. Beispiele finden sich bei
angelsächsischen Fondsanbietern und den Kapitalverwaltungsgesell-
schaften der kleinen, feinen Privatbanken.
• Preis-Mengen-Strategie: Mittels günstiger Preis-Leistungsverhältnisse
soll der breite Markt erschlossen werden. Beispiele bieten Exchange Tra-
ded Funds (ETFs) oder Geldmarktfonds ohne Ausgabeaufschlag.

5.1.3.3 Marketing-Mix

Auf Grundlage der Marketingstrategie soll eine einheitliche, Synergie-


effekte bewirkende Umsetzung der Unternehmensziele im Tagesgeschäft
bewerkstelligt werden. Üblicherweise wird in diesem Zusammenhang
vom Marketing-Mix gesprochen, der sich aus den Elementen Produkt-,
Preis-, Distributions- und Kommunikationspolitik zusammensetzt.
5 Marketing und Vertrieb 83

5.1.3.4 Produktpolitik

Das Produkt bzw. die Dienstleistung steht im Mittelpunkt des aktiven Ein-
wirkens eines Unternehmens auf den Absatzmarkt, denn ohne Produkt
werden die anderen Teilelemente des Marketing-Mix nicht wirksam.
Bei der Produktpolitik steht der Kunde im Mittelpunkt aller Überlegungen.
Die Produkte sollten so beschaffen sein, dass sie vom Konsumenten für
tauglich befunden werden, seine spezifischen Erwartungen zu erfüllen.
Bei Investmentfonds besteht das Grundbedürfnis in der Vermögensanlage.
Weiter aufgespaltet ergeben sich typischerweise die Bedürfnisse nach
Rentabilität, Sicherheit und Liquidität in unterschiedlichen Ausprägungen
und Gewichtungen. Insofern muss im Rahmen des Fondsangebots die
Frage der Ertragserwartungen, Risikobereitschaft und des Anlagehorizonts
der jeweiligen Zielgruppe beantwortet werden.
Bei institutionellen Kunden kommt wegen der gesetzlichen Anlagerestrik-
tionen auch noch die Frage nach dem Anlageuniversum auf. Außerdem
spielen bei institutionellen Kunden bilanzielle Fragen (z.B. Bildung bzw.
Auflösung stiller Reserven, Abschreibungen etc.) eine Rolle.
Die Investmentgesellschaft entscheidet in der Regel nicht nur über ein ein-
zelnes Produkt, sondern ein komplettes Produktprogramm. Sie befindet
darüber, welche Fonds in welchen Ausführungen angeboten werden. Im
Fondsmarkt gibt es neben den Universalanbietern (z.B. DWS, DEKA,
Union Investment), die für jede Asset-Klasse (Aktien, Renten, Immobi-
lien) in den verschiedensten Ausführungen (Growth, Value; aktiv, passiv;
fundamental, quantitativ etc.) mindestens einen Fonds in der Angebots-
palette haben, auch Spezialisten, die sich auf eine Asset-Klasse (insbeson-
dere KVGs für offene Immobilienfonds) oder ein Asset-Management-Stil
(z.B. Quoniam mit quantitativ-strukturierten Strategien) oder eine Pro-
duktgruppe (z.B. IVG Institutional Funds GmbH mit Immobilienspezial-
fonds) konzentrieren oder als Master-KVG positionieren (z.B. Universal).
Neben dem eigentlichen Investmentfonds ist der Service von großem Inte-
resse, denn dadurch kann die Kapitalverwaltungsgesellschaft sich gut von
den Wettbewerbern abheben und Präferenzen schaffen. Zudem können
relativ homogene Produkte durch Serviceleistungen differenziert werden.
Besonders wichtig sind in der Fondsbranche die Beratung und Schulung
der Absatzmittler sowie die Vermarktungsunterstützung, während im Spe-
zialfondsmarkt z.B. das Eingehen auf spezielle Reportingwünsche des
Anlegers mitunter eine wichtige Serviceleistung ist.
5 Marketing und Vertrieb 84

5.1.3.5 Preispolitik

Die Preispolitik umfasst die Festlegung der Preise für das Angebot. Der
Plural deutet darauf hin, dass es in der Fondsbranche nicht den einen Preis
gibt. Vielmehr existieren nebeneinander Verwaltungsvergütung, Ausgabe-
aufschlag, ggf. auch performanceabhängige Gebühr und Rücknahmeab-
schlag. Deren Höhe beeinflusst unmittelbar das Preis-Leistungs-Verhält-
nis. Daher stellt der Preis keine isolierte Entscheidung dar, sondern ist in
engem Zusammenhang mit dem Produkt zu sehen. Je besser das Preis-
Leistungs-Verhältnis ist, desto höher ist normalerweise auch die Nachfrage
nach einem Produkt. Institutionelle Anleger sind in der Regel wesentlich
preissensibler als Privatanleger. Im Spezialfondsmarkt liegen die Verwal-
tungsvergütungen üblicherweise unter denen des Publikumsfondsmarktes.
Zudem werden für Spezialfonds keine Ausgabeauf- oder Rückgabeab-
schläge verlangt. Die Nachfragereaktion der Kunden auf Preisänderungen
(sogenannte Preiselastizitäten) sind im Fondsmarkt gegenwärtig insgesamt
gesehen relativ gering.
Neben der Preissetzung muss auch die Verteilung der Vergütungen auf
KVG, Verwahrstelle und gegebenenfalls Absatzmittler festgelegt werden.
Im Retailmarkt fließt ein Großteil des Ausgabeaufschlags an den Vermitt-
ler. Dieser erhält in manchen Fällen auch einen Teil der Verwaltungsvergü-
tung als Bestandsprovision. Mittels Höhe und Staffelung der Provisionen
kann die Investmentgesellschaft die Absatzmittler eng an sich binden.
Die Preisausrichtung korrespondiert eng mit der Zielgruppenauswahl und
der Marktbearbeitungsstrategie. Zielt die Fondsgesellschaft auf das geho-
bene bzw. Premiumkundensegment ab, kann sie vergleichsweise hohe
Preise verlangen. Für das breite Massengeschäft eignen sich eher niedrige
Preise.
Zur Preisbestimmung existieren verschiedene Verfahren:
• Kostenorientierung: Auf Basis der Kosten (Voll- oder Teilkosten),
zuzüglich einer Gewinnspanne, werden Preise festgelegt. Diese Vor-
gehensweise ist relativ einfach. Bei zu hohem Kostenniveau bzw. zu
hohen Gewinnspannen besteht allerdings die Gefahr, dass sich das
Unternehmen aus dem Markt kalkuliert, weil seine Produkte dem
Kunden zu teuer sind. Auf der anderen Seite vergeben die Anbieter
Gewinnchancen, wenn es nicht gelingt, die Preisbereitschaft gut abzu-
schöpfen, weil die Preise zu gering angesetzt sind.
5 Marketing und Vertrieb 85

• Nachfrageorientierung: Dieses Verfahren bezieht sich auf die Preis-


reaktion der Kunden. Idealerweise werden die Preisbereitschaften der
Zielkunden und deren Nachfragereaktion auf Preisänderungen (Preis-
elastizitäten) erfasst und auf dieser Grundlage ein Preis gesetzt, der das
Unternehmens- bzw. Marketingziel (Umsatz, Absatz, Marktanteil oder
Gewinn) maximiert. Die Reaktion der Nachfragenden auf die Preise
hängt eng mit deren Wertvorstellung gegenüber dem Fonds zusammen.
Je höher der subjektiv wahrgenommene Wert des Investmentfonds
ist, desto mehr werden die Anleger auch bereit sein, dafür zu zahlen.
Die nachfrageorientierte Preissetzung wird dem Marketinggedanken
am besten gerecht und ermöglicht die Maximierung des Marketing-
ziels. Allerdings dürfen die Kosten nicht gänzlich außer Acht gelassen
werden, sonst läuft die Kapitalverwaltungsgesellschaft Gefahr, Verlust
zu machen. Zudem sind Preisbereitschaften und -elastizitäten in der
Praxis schwierig zu ermitteln.
• Konkurrenzorientierung: Hier dient die Orientierung an den Preisen
der Wettbewerber der eigenen Preissetzung. Dieses Verfahren birgt die
Gefahr eines ruinösen Preiswettbewerbs, wenn die Gesellschaften
anfangen sich gegenseitig zu unterbieten, wie beispielsweise in der
Luftfahrtbranche. In diesem Fall setzen sich die Anbieter mit dem läng-
sten Atem durch, während die anderen aus dem Markt gedrängt wer-
den. Da die Preiselastizitäten im Fondsmarkt momentan aber relativ
gering sind, ist ein solcher Preiskampf gegenwärtig nicht zu befürch-
ten.

5.1.3.6 Distributionspolitik

Die Distributionspolitik befasst sich mit der Wahl und Bearbeitung der
Absatzwege. Während im institutionellen Geschäft der Direktvertrieb, d.h.
der unmittelbare Absatz der Spezialfonds von der Kapitalverwaltungs-
gesellschaft an den institutionellen Anleger, eindeutig dominiert, werden
Publikumsfonds überwiegend über Absatzmittler vertrieben. Beim direk-
ten Vertrieb hat die Fondsgesellschaft eine gute Kontrolle über den
Absatzweg und unmittelbaren Kundenzugang. Die Bearbeitung des Mas-
senmarktes im Retailgeschäft ist im Direktvertrieb nur schwer zu bewerk-
stelligen, da hierfür enorme Ressourcen bei der Fondsgesellschaft aufge-
baut werden müssten. Insofern kommt ein Direktvertrieb für Publikums-
fonds nur für solche Gesellschaften in Betracht, die sich auf eine relativ
kleine, übersichtliche Zielgruppe konzentrieren.
5 Marketing und Vertrieb 86

Wichtigster Vertriebspartner im Publikumsfondsgeschäft sind Banken und


Sparkassen. Weitere Absatzkanäle sind freie Vertriebe (Strukturvertriebe
etc.), Versicherungen, Direktbanken und auch die Investmentgesellschaf-
ten selbst.
Allerdings unterscheidet sich die Bedeutung der einzelnen Vermittlergrup-
pen je nach Fondsgesellschaft. Die inländischen KVGs sind in der Regel
nicht selbstständig, sondern gehören meistens Banken oder Versicherungs-
gesellschaften. Dementsprechend setzen viele Versicherungs-KVGs auch
auf den Vertrieb ihrer Fonds durch die Versicherungsmakler, die auch die
Versicherungsprodukte vertreiben. Allerdings führen die gängigen Provi-
sionsschemata dazu, dass der Versicherungsvertreter üblicherweise sehr
viel stärker am Vertrieb von Lebens- und Rentenversicherungen interes-
siert ist als am Verkauf von Investmentfonds. Daher wird er auch bevor-
zugt die Mittel seiner Kunden in Versicherungsverträge lenken. Daneben
spielen die Fonds, die im Rahmen fondsgebundener Kapitalversicherun-
gen eingesetzt werden, eine gewisse Rolle.
Die Fondsgesellschaften der Banken setzen hingegen stark auf die Filialen
der Muttergesellschaften bzw. die Banken, die dem eigenen Verbund ange-
hören. Die DEKA beispielsweise vertreibt ihre Publikumsfonds ausschließ-
lich über die Sparkassen, während sich die Union Investment auf den
genossenschaftlichen Finanzverbund beschränkt. Die Töchter der großen
Geschäftsbanken (DWS, Pioneer) sowie die ausländischen Anbieter haben
sich vielfach einem Multi-Kanal-Vertrieb verschrieben, d.h. sie verkaufen
ihre Fonds über verschiedene Banken, Direktbanken, Fondssupermärkte
im Internet, Makler und Strukturvertriebe. Entscheidend für den Absatz-
erfolg ist der Zugang des Absatzmittlers zu den Endkunden. Weitere Krite-
rien für die Partnerwahl sind die Beratungsqualität des Absatzmittlers und
die Exklusivität.
Seit Kurzem existieren auch börsengehandelte Investmentfonds (Exchange
Traded Funds/ETFs). Die ehemalige IndExchange (jetzt BlackRock Asset
Management Deutschland AG) hat sich als deutsche KVG auf diese bör-
sengehandelten Fonds spezialisiert. Auch eine Reihe anderer Fondsgesell-
schaften bieten mittlerweile Fonds an. Statt eines Ausgabeaufschlags auf
den Anteilwert entrichtet der Anleger den jeweiligen Börsenkurs sowie die
Bankspesen für das Börsengeschäft. Charakteristisch ist für ETFs, dass sie
zum aktuellen Börsenkurs als Ergebnis von Angebot und Nachfrage
gehandelt werden, während für normale Publikumsfonds nur einmal täg-
lich der Anteilwert berechnet wird.
5 Marketing und Vertrieb 87

Kommunikationspolitik
Wichtiges Instrument für die Profilierung der Fondsgesellschaften respek-
tive der Fonds ist neben deren Ausrichtung und Anlageerfolg insbesondere
auch die Markenbildung. Typischerweise steht hier die Fondsgesellschaft
im Vordergrund. Die Wahl des Markentyps beruht auf einer strategischen
Entscheidung. Einige Gesellschaften verfolgen Dachmarkenstrategien, andere
wiederum eine Einmarkenstrategie. Schließlich existieren auch Mehrmarken-
strategien. Die Marke ist ein wichtiger Ansatzpunkt, um Märkte zu beein-
flussen und das Angebot eindeutig zu positionieren. Eine gelungene Kom-
munikationspolitik trägt ferner zu hoher Bekanntheit und der Imagebil-
dung bei.
Die Kommunikationspolitik umfasst mehrere Spielarten, die einzeln oder
in Kombination für die genannten Zwecke eingesetzt werden:
• Werbung,
• Verkaufsförderung,
• Öffentlichkeitsarbeit,
• Sponsoring.

5.1.3.7 Werbung

Die Werbung dient der gezielten kommunikativen Beeinflussung der Abneh-


mer oder der Absatzmittler. Gemäß dem AIDA-Modell (Attention – Inte-
rest – Desire – Action) soll zunächst durch die Werbung Aufmerksamkeit
erlangt werden. Dies scheitert oftmals an der hohen Reizschwelle der Kon-
sumenten, die tagtäglich mit mehreren hundert Werbeeindrücken über-
flutet werden, sodass bewusst nur ein geringer Prozentsatz aufgenommen
wird. Neben der Überwindung der Reizschwelle gilt es, den Absender
deutlich herauszustellen, damit der potenzielle Kunde die Werbung zuord-
nen kann. Aufgrund der häufig anzutreffenden Beliebigkeit und Austausch-
barkeit in der Werbung ist dieses Problem in der Praxis keineswegs zu
unterschätzen.
5 Marketing und Vertrieb 88

Zweites Anliegen laut AIDA-Modell ist die Schaffung von (Kauf)Inte-


resse. Selbst wenn es gelungen ist, die Reizschwelle zu überwinden, ist
noch lange nicht gesagt, dass hierdurch eine positive Grundstimmung für
den Anbieter erzeugt wird. Es kann sogar das Gegenteil der Fall sein, denn
wenn sich ein Unternehmen, mit der Absicht, die Reizschwelle zu über-
winden, einer emotional sehr aufgeladenen Werbung bedient, kann diese
bei den Konsumenten auf Ablehnung stoßen und den Absatzerfolg gefähr-
den. Nach Schaffung des (Kauf)Interesses soll ein Verlangen (Desire) nach
der Ware ausgelöst werden, das wiederum im Kauf (Action) mündet.
Im Rahmen der Werbeplanung gilt es zunächst festzulegen, welche Produkte
bei welchen Zielgruppen beworben werden sollen und welche Werbeziele
(z.B. Bekanntheit, Image etc.) verfolgt werden. Auf Basis dieser Festle-
gungen erfolgt die Auswahl der geeigneten Werbeträger (Mediaselektion)
und der Werbebotschaft. Bei der Mediaselektion kommt es vor allem darauf
an, wie gut die Zielgruppe durch das Medium erreicht werden kann und
wie gut sich die Werbebotschaft in diesem Medium vermitteln lässt. Auch
muss das Medium der angestrebten Positionierung entsprechen.
Zudem spielen die Kosten eine entscheidende Rolle, denn das Werbe-
budget setzt den finanziellen Rahmen. Ökonomischer Maßstab bei der
Mediaselektion ist der Tausender-Kontakt-Preis, der angibt, was es kostet,
tausend Kontakte (z.B. Leser einer Zeitschrift) zu erreichen. Wichtig ist in
diesem Zusammenhang, die Streuverluste in Grenzen zu halten, da sonst
für Personen/Kontakte gezahlt werden muss, die das beworbene Produkt
gar nicht interessiert. Will die KVG Personen erreichen, die am Wirtschafts-
geschehen teilnehmen, bieten sich Fachzeitschriften (Wirtschaftswoche,
Börse Online, Capital etc.), Fachzeitungen (z.B. Handelsblatt, Börsen-Zei-
tung) oder Börsensendungen im Fernsehen an. Jedoch setzen sich Fonds-
käufer nicht nur aus am Börsen- und Wirtschaftsgeschehen interessierten
Menschen zusammen. Daher finden sich Werbungen von Fondsgesell-
schaften auch in TV-Zeitschriften oder der Boulevard-Presse.

5.1.3.8 Verkaufsförderung

Die Verkaufsförderung ist klar absatzbezogen. In der Regel umfasst sie zeit-
lich befristete Aktionen, wie stark beworbene Sonderpreise (z.B. halbierter
Ausgabeaufschlag), Verbundaktionen (z.B. Banksparplan mit relativ hohen
Zinsen plus Kauf von Investmentfondsanteilen) oder Gewinnspiele bzw.
Preisausschreiben. Nicht nur der Endkunde steht bei Verkaufsaktionen im
5 Marketing und Vertrieb 89

Fokus, es existieren ebenso Verkäufer-Promotions (z.B. finanzielle Anreize,


Sachprämien), mit deren Hilfe Verkäufer zu besseren Absatzzahlen ani-
miert werden sollen.

5.1.3.9 Öffentlichkeitsarbeit

Die Öffentlichkeitsarbeit (Public Relations) dient insbesondere dazu, das


Unternehmen in der breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen und ein
bestimmtes Image aufzubauen. Kunden, Mitarbeiter, Eigentümer, Vertriebs-
partner, Konkurrenten und Gesellschaft sind Adressaten für die Öffentlich-
keitsarbeit. Es soll ein möglichst einheitliches, positives Bild des Unter-
nehmens gezeichnet und bewahrt werden. Mittel sind:
• Informationen der Medien (Pressekonferenzen, Pressemitteilungen),
• Unternehmensbroschüren,
• Persönlicher Dialog mit Medienvertretern und Multiplikatoren,
• Tag der offenen Tür,
• Ausstellungen,
• Seminare, Fachtagungen, Vorträge,
• Jubiläumsveranstaltungen,
• Fachartikel, Interviews.
Mittels kostenloser Berichterstattung in den Medien erhofft man sich eine
Breitenwirkung, die gegenüber der Werbung kostengünstiger und glaub-
hafter ist. Allerdings lassen sich Journalisten nicht so einfach steuern und
der Einfluss des Unternehmens auf die Berichterstattung ist nur mittelbar.

5.1.3.10 Sponsoring

Unter Sponsoring versteht man die Bereitstellung von Geld oder Sach-
mitteln durch ein Unternehmen für Personen oder Institutionen mit sport-
lichem, kulturellem, sozialem oder ökologischem Hintergrund. Vom Gespon-
sorten werden konkrete Gegenleistungen erwartet, z.B. indem diese den
Sponsor gebührend erwähnen oder dessen Logo tragen. Am verbreitetsten
ist das Sport-Sponsoring.
5 Marketing und Vertrieb 90

Eine Sonderform ist das Programm-Sponsoring im Fernsehen. Die Union


Investment präsentierte z.B. im ZDF die Wettervorhersage. Ob die Ankün-
digung von Regen oder Sonnenschein durch den „Wetterfrosch“ den Fonds-
absatz beeinflusst, mag bis dato noch niemand sagen.
In die Kategorie Sponsoring fallen auch Events. Dies sind erlebnisorien-
tierte Inszenierungen unternehmens- oder produktbezogener Ereignisse.
Vorteile dieser Form der Kommunikation ist die ausgeprägte Dialogfähig-
keit mit dem (potenziellen) Kunden. Im institutionellen Geschäft haben
Events, insbesondere im Rahmen der Kundenbindung, einen hohen Stel-
lenwert.
6 Fonds-Rechnungswesen

6.1 Aufgaben des fondsbezogenen Rechnungswesens

Die wesentlichste Aufgabe des fondsbezogenen Rechnungswesens ist es,


die Bewegungen im Sondervermögen eines jeden Fonds zu erfassen. Dazu
zählen insbesondere
• Buchung und Kontrolle der Anteilscheinbewegungen,
• Buchung und Kontrolle aller Wertpapiertransaktionen,
• Berechnung und Kontrolle der Zins- und Dividendenforderungen.

In Zusammenarbeit mit der Verwahrstelle (früher Depotbank) muss die Fonds-


buchhaltung die Berechnung und Kontrolle der Fondspreise vornehmen
und veröffentlichen, Im Anschluss daran, meistens am späten Nachmittag
müssen die Preise für die Dachfonds ermittelt werden, auch diese Preis-
berechnungen werden in Abstimmung mit der Verwahrstelle vorgenom-
men und veröffentlicht. Es ergeben sich weitere Aufgaben aus der Ermitt-
lung des sogenannten Aktiengewinns (für betriebliche Anleger) und des
Zwischengewinns, der auch täglich veröffentlicht werden muss.

6.2 Konten der Fondsbuchhaltung

6.2.1 Kontenplan

Im Jahr 2013 hat die ZPA Köln den Prüfungskatalog für die Abschluss-
prüfung zum Investmentfondskaufmann/-frau überarbeitet und in diesem
Zusammenhang auch einen überarbeiteten Kontenplan für die Fondsbuch-
haltung herausgegeben:

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019
W. Raab (Hrsg.), Grundlagen des Investmentfondsgeschäftes, Edition
Frankfurt School, https://doi.org/10.1007/978-3-658-24155-1_6
6 Fonds-Rechnungswesen 92

Klasse 1 Klasse 2
Aktive Bestandskonten Passive Bestandskonten

1101 Anlagekonto 2101 Mittelaufkommen


1110 Festgeld-Tagesgeldkonto 2110 Verbindlichkeiten Finanzamt
1120 Effektenkonto/Effektenskontro 2120 Verbindlichkeiten für diverse Aufwendungen
1130 Bezugsrechte
1140 Devisen
1150 Devisentermingeschäfte
1160 Initial Margin
1170 Variation Margin
1180 Dividendenforderungen
1190 Zinsforderungen

Klasse 3 Klasse 4
Ordentliche Aufwendungen Außerordentliche Aufwendungen

3101 Zinsaufwendungen Kontokorrent 4101 Effektenkursverluste


3110 Spesen aus Terminkontrakten/Futures 4110 Kursverluste aus Optionen
3120 Depotgebühren 4120 Kursverluste aus Bezugsrechten
3130 Depotbankaufwendungen 4130 Kursverluste aus Terminkontrakten/Futures
3140 Verwaltungsgebühren 4140 Kursverluste aus Devisen
3150 Veröffentlichungskosten 4150 Kursverluste aus Devisentermingeschäften
3160 Performancegebühren
3170 Sonstige Aufwendungen
3180 Aufwandsausgleich

Klasse 5 Klasse 6
Ordentliche Erträge Außerordentliche Erträge

5101 Dividendenerträge 6101 Effektenkursgewinne


5110 Zinserträge aus Wertpapieren 6120 Kursgewinne aus Optionen
5120 Zinserträge aus Kontokorrent 6130 Kursgewinne aus Terminkontrakten/Futures
5130 Zinserträge aus Festgeld/Tagesgeld 6140 Kursgewinne aus Devisen
5140 Zinserträge aus Wertpapierleihe 6150 Kursgewinne aus Devisentermingeschäften
5150 Sonstige Erträge 6160 Bezugsrechtserlöse
5160 Ordentlicher Ertragsausgleich 6170 Außerordentlicher Ertragsausgleich

Klasse 7
Abschlusskonten

7120 Sammelkonto ordentliche Erträge


7130 Sammelkonto außerordentliche Erträge
7140 Ausschüttungen ordentliche Erträge
7150 Ausschüttungen außerordentliche Erträge
7160 Wiederanlage
7170 Vortragskonto ordentliche Erträge
7180 Vortragskonto außerordentliche Erträge
6 Fonds-Rechnungswesen 93

6.2.2 Bestandskonten im fondsbezogenen Rechnungswesen

Wie auch in der Finanzbuchhaltung einer Kapitalverwaltungsgesellschaft


wird zwischen aktiven und passiven Bestandskonten unterschieden und
auch entsprechend gebucht. Auf aktiven Bestandskonten werden Zugänge
im Soll und Abgänge im Haben gebucht, entsprechend umgekehrt werden
auf den passiven Bestandskonten Zugänge im Haben und Abgänge im Soll
gebucht. Im fondsbezogenen Rechnungswesen werden diese Bestandskon-
ten jedoch nicht am Jahresende bewertet und abgeschlossen, so wie das in
der „normalen“ Finanzbuchhaltung üblich ist. Die Bewertungsproblematik
wird im Sondervermögen durch die tägliche Bewertung der Wertpapiere,
Forderungen und Verbindlichkeiten bei der Fondspreisermittlung gelöst.
An jedem Börsentag werden alle im Bestand befindlichen Wertpapiere mit
ihren aktuellen Preisen bewertet. Die Summe aller Wertpapiere und der
Forderungen abzüglich der Verbindlichkeiten ergibt den Gesamtwert des
Sondervermögens. Die Mitarbeiter der Kapitalverwaltungsgesellschaften
erstellen täglich eine Bilanz des Sondervermögens.

6.2.3 Ertrags- und Aufwandskonten im fondsbezogenen


Rechnungswesen

Aus den im Bestand befindlichen Wertpapieren ergeben sich täglich zuflie-


ßende Erträge wie z.B. Dividenden, Zinsen usw. Diese Zahlungen werden
auf dem Bankkonto (Anlagekonto/Kasse) bei der Verwahrstelle gutgeschrie-
ben und müssen dann in der Fondsbuchhaltung auf den entsprechenden
Ertragskonten erfasst werden. Diese Erträge werden in der Fondsbuch-
haltung ordentliche Erträge genannt. Im Gegensatz dazu unterscheidet die
Fondsbuchhaltung noch außerordentliche Erträge, dies sind im Wesent-
lichen Erträge aus dem Verkauf von Wertpapieren bzw. Aufwendungen,
die in diesem Zusammenhang entstanden sind. Die Begriffe ordentliche/
außerordentliche Erträge und Aufwendungen sind gemäß Definition daher
nicht identisch mit ordentlichen und außerordentlichen Erträgen, wie sie
üblicherweise in der Finanzbuchhaltung definiert werden. Genauere Anga-
ben über die einzelnen Konten ergeben sich im Kapitel 6.4. bei der exem-
plarischen Darstellung von Geschäftsfällen in der Fondsbuchhaltung.
6 Fonds-Rechnungswesen 94

6.2.4 Abschlusskonten im fondsbezogenen Rechnungswesen

Wie aus dem oben angeführten Kontenplan ersichtlich, hat das Sonder-
vermögen auch Abschlusskonten. Im fondsbezogenen Rechnungswesen
werden die ordentlichen und außerordentlichen Erträge und Aufwendun-
gen über zwei separate Konten abgeschlossen. Das ist zum einen das
Sammelkonto ordentliche Erträge und das Sammelkonto außerordentliche
Erträge. Diese zwei Abschlusskonten entsprechen dem „Gewinn- und Ver-
lustkonto“ aus der „Finanzbuchhaltung“. Warum die Unterscheidung in
ordentliche und außerordentliche Erträge und Aufwendungen? Am Geschäfts-
jahresende werden in der Regel (je nach Beschluss) die ordentlichen
Erträge an die Anleger ausgeschüttet, wohingegen die Kursgewinne oder
auch Kursverluste im Fondsvermögen bleiben und auf sogenannten Vor-
tragskonten abgeschlossen werden.
Die ordentlichen und die außerordentlichen Erträge werden im Fonds
steuerlich unterschiedlich behandelt, deswegen ist es ebenfalls sinnvoll,
zwei unterschiedliche Sammelkonten zu verwenden.

6.3 Exemplarisches Beispiel für eine


Anteilspreisberechnung

Im Folgenden wird exemplarisch eine Anteilspreisberechnung/Fondspreis


für ein beliebiges Sondervermögen dargestellt. Die Wertpapierkennnum-
mern sind beliebig gewählt worden, ebenso die Wertpapiere.
6 Fonds-Rechnungswesen 95

Fondsbestände
Fondswährung: €
Bewertung des Fonds per: 05.10.20...

ISIN Bezeichnung Nom/Stücke Kupon Kurs Währung Inventarpreis

114120 5,75% Bund 1.000.000,00 € 16.03. Hj. 99,83% 998.300,00 €

159968 6,25% NRW 2.000.000,00 € 15.05. Gj. 100,65% 2.013.000,00 €

281010 5,00% WestLB 5.000.000,00 € 01.01. Hj. 97,45% 4.872.500,00 €

449123 5,375% US 1.500.000,00 USD 20.02. Hj. 99% 1.485.000,00 1.649.816,69 €


Treas.

449234 0,00% Nullkupon 4.000.000,00 € 88,75% 3.550.000,00 €

710000 Daimler Chrysler 2.000,00 60,65 € 121.300,00 €

723610 Siemens 1.000,00 176,50 € 176.500,00 €

716460 SAP 4.000,00 218,20 € 872.800,00 €

850133 Air Liquide 3.000,00 135,00 € 405.000,00 €

851399 IBM 2.500,00 USD 129,00 322.500,00 358.293,52 €

850471 Boeing 1.000,00 USD 54,125 54.125,00 60.132,21 €

858185 Aegon 9.000,00 44,25 € 398.250,00 €

USD Kurs 0,9001 Wertpapiere 15.475.892,42 EUR


6 Fonds-Rechnungswesen 96

Fondsbestände (Fortsetzung)
Zinsberechnung

Kupon Tage % USD EURO

114120 16.09. 20 5,75 3.150,68 €

159968 15.05. 144 6,25 49.315,07 €

281010 01.07. 97 5 66.438,36 €

449123 20.08. 47 5,375 10.381,85 11.534,11 €

449234 130.438,22 € 130.438,22 €

Derivate

Bezeichnung Basis Menge Kurs €

Daimler Call 70 5 Kontrakte 1,30 €


Long

Siemens Put 165 10 Kontrake 7,20 €


short

Dax Future 7400 5 Kontrakte 7412


short

Euro Bund 99 10 Kontrakte


short

Future

Berechnung Derivate

Bezeichnung Kontrakte KG Kurs Kurswert in


Euro

Daimler Call 5 100 1,30 € 650,00 €

Siemens Put 10 100 7,20 € –7.200,00 €

Summe –6.550,00 € –6.550,00 €


Optionen

Futures

Bezeichnung Kontrakte KG Eröff- Bewer- GuV


nungs- tungskurs
kurs

Dax Future –5 25 7.400,00 7.412,00 –1.500,00 €

Euro Bund –10 1.000 99,00 98,50 5.000,00 €

Summe 3.500,00 € 3.500,00 €


Future

Sonstiges: Tage Zins-


forderung

Festgeld: 5.000.000,00 € 184 83.253,42 Festgeld 5.000.000,00 €

Laufzeit: 02.04.bis Zins- 83.055,55 €


05.10.20… forderung

Zinssatz: 3,25%
6 Fonds-Rechnungswesen 97

Fondsbestände (Fortsetzung)
Devisentermingeschäfte: 1.500.000 USD

Laufzeit: 02.09. Bis 20.11.20...

Vereinbarter Kurs: 0.9200

Aktueller Terminkurs 0,8975

Abrechnung

Betrag Vereinbarter Bewertungs- Differenz in USD Differenz in EUR


Kurs kurs

1.500.000,00 0,92000 0,8975

1.630.434,78 € 1.671.309,19 € –40.874,41 € DTG –40.874,41 €

Kasse:

EUR: 20.517,92 € Kasse 20.517,92 €

USD 6.023,560 USD 0,9001 Devisen 6.692,10 €

Fondsvermögen 20.672.671,80 €

umlaufende Anteile 500.000

Fondspreis 41,3453

41,34

Wichtig ist zu erkennen, dass es eine tägliche Anteilspreisberechnung für


das jeweilige Sondervermögen gibt. Die Bestandskonten liefern das
mengenmäßige Gerüst für alle Wertpapiere, Forderungen und Verbindlich-
keiten sowie die liquiden Geldvermögen, die auf den Konten der Verwahr-
stellen liegen.

6.4 Ausgewählte Geschäftsfälle aus dem fondsbezogenen


Rechnungswesen

6.4.1 Kauf und Verkauf von Anteilsscheinen

In das Sondervermögen einer Kapitalverwaltungsgesellschaft fließen immer


dann Mittel zu, wenn Kunden Investmentfondsanteile kaufen. Um dem
Anlegerschutz Rechnung zu tragen, werden die Bankkonten des jewei-
ligen Fonds als Treuhandsperrkonten bei der Verwahrstelle geführt. Das
Bankkonto des Fonds wird Anlagekonto genannt, bei einigen Kapital-
anlagegesellschaften wird es auch Kasse genannt. Dies bringt zum Aus-
druck, dass alle Zahlungsströme des Sondervermögens über das Bank-
6 Fonds-Rechnungswesen 98

konto laufen und somit die Liquidität des Fonds widerspiegelt. Ein soge-
nannter Mittelzufluss von zum Beispiel 10.000,00 Euro wird im Fonds fol-
gendermaßen erfasst:
„Anlagekonto an Mittelbeschaffung 10.000,00 Euro“
Das Konto Mittelbeschaffung ist ein passives Bestandskonto und spiegelt
den jeweiligen Mittelzufluss bzw. Mittelabfluss des Fonds wider, wohin-
gegen das Anlagekonto ein aktives Bestandskonto des Fonds ist, vergleichbar
mit dem Bankkonto in der Finanzbuchhaltung eines Industriebetriebes.
Im Zusammenhang mit dem Kauf und Verkauf von Anteilsscheinen müs-
sen die Fondsbuchhalter den sogenannten Ertragsausgleich ermitteln.
Durch Anteilscheinkäufe bzw. Anteilscheinverkäufe fließen dem Fonds
Mittel zu, ohne dass sich die Ertragslage ändert. Deswegen müssen Anteils-
eigner, die neue Anteile kaufen, den Ertrag, der bis zu diesem Zeitpunkt
im Fonds entstanden ist, abzüglich entstandener Aufwendungen bezahlen
(ähnlich der Stückzinsen bei festverzinslichen Wertpapieren), da der zuge-
flossene Ertrag Bestandteil des Fondsvermögens geworden ist.
Der Ertragsausgleich dient also dazu, Schwankungen der Erträge im Ver-
hältnis zum Fondsvermögen auszugleichen. Das Ertragsausgleichsverfah-
ren ermöglicht es, dass der Ausschüttungsbetrag je Anteil nicht durch die
Veränderung des Anteilumlaufs beeinflusst wird.

Der Super Alpha – Fonds verkauft am 4.2.20… 1.000 neue Anteile an


verschiedene Investmentfondsanleger und nimmt gleichzeitig 400 Anteile
zurück, der Fondspreis beläuft sich auf 125,00 Euro, im Fondsvermögen
befinden sich 500.000,00 Euro angefallene Erträge. Damit am Geschäfts-
jahresende jeder Anleger die gleiche Ausschüttung erhalten kann, zahlt
der neue Anleger anteilmäßig die eingenommenen Erträge. Die dazugehö-
rigen Buchungen für den Ertragsausgleich lauten folgendermaßen:
6 Fonds-Rechnungswesen 99

Dem Fonds fließen 125.000,00 neue Mittel zu:


a) Buchungssatz: „Anlagekonto an Mittelaufkommen 125.000,00 Euro“
Gleichzeitig hat der Fonds einen Mittelabfluss von 50.000,00 Euro
b) Buchungssatz: Mittelaufkommen an Anlagekonto 50.000,00 Euro

Pro ausgengegebenem Anteil ist zu diesem Zeitpunkt ein Ertragsausgleich


von 0,25 Euro zu verrechnen, unterstellt dass 2.000.000 Fondsanteile im
Umlauf sind.
c) Buchungssatz für den Verkauf von 1.000 Anteilen:
„Mittelaufkommen an Ertragsausgleich 250,00 Euro“
d) Umgekehrt wird für die zurückgenommenen Anteile wie folgt der Er-
tragsausgleich gebucht:
„Ertragsausgleich an Mittelaufkommen 100,00 Euro“

Diese Buchungen können noch präzisiert werden, wenn nach ordentlichen


Erträgen, außerordentlichen Erträgen und Aufwendungen unterschieden
wird.
6 Fonds-Rechnungswesen 100

6.4.2 Kauf und Verkauf von Aktien

Der Kauf bzw. Verkauf von Aktien soll exemplarisch an den folgenden
Abrechnungen erläutert werden:

Aktienabrechnung und -buchung


Der Fondsmanager Müller will für das Sondervermögen des XY-Fonds von der Firma ASD AG die folgenden
Aktien erwerben:

Abrechnung Kauf

Währung EUR

Wertpapierbezeichnung ASD AG

Börsenplatz Frankfurt/Main

Stücke 8.000

Kurs 13,756 EUR

Kurswert 110.048,00 EUR

Provision 0,18% 198,09 EUR

ausmachender Betrag 110.246,09 EUR

Merke:
Die Ankaufspreise von Aktien setzen sich zusammen aus dem Kurs der jeweiligen Aktie plus entstandenen
Provisionen und eventuell angefallenen Gebühren.

Buchungssatz
Effektenskontro an Anlagekonto 110.246,09 EUR

Abrechnung Verkauf

Währung EUR

Wertpapierbezeichnung ASD AG

Börsenplatz Frankfurt/Main

Stücke 4.500

Kurs 15,623 EUR

Kurswert 70.303,50 EUR

Provision –0,18% –126,55 EUR

ausmachender Betrag 70.176,95 EUR

Mit dem Verkauf hat der Fondsmanager einen Kursgewinn von 1,867 EUR
pro Aktie realisiert. Folgende Buchungen müssen in der Fondsbuch-
haltung vorgenommen werden.

Buchungssatz
Anlagekonto 70.176,95 EUR an Effektenskontro 70.176,95 EUR
Effektenskontro an Kursgewinnen 8.401,50 EUR
6 Fonds-Rechnungswesen 101

6.4.3 Behandlung von Bezugsrechten im Sondervermögen

Hat ein Sondervermögen Aktien im Bestand, deren Gesellschaft eine


Kapitalerhöhung durchführt, so gibt es mehrere Möglichkeiten wie der
Fondsmanager darauf reagieren kann.
Die erste Möglichkeit ist, er erwirbt die jungen Aktien der Gesellschaft
und muss dafür seine Bezugsrechte abgeben.
Wenn er von der durchgeführten Kapitalerhöhung nicht überzeugt ist, wird
der Fondsmanager seine Bezugsrechte an der Börse veräußern und sich
somit nicht an der Kapitalerhöhung beteiligen. Bei der dritten Variante
veräußert er die Bezugsrechte zu einem höheren Preis als dem rechne-
rischen Bezugspreis und erzielt einen Kursgewinn. Ist der Fondsmanager
von der Kapitalerhöhung mehr als überzeugt, wird er noch weitere
Bezugsrechte hinzukaufen, dies ist unten als vierte Möglichkeit darge-
stellt. Eine letzte und damit fünfte Variante ist der Verkauf der Aktien der
jeweiligen Gesellschaft, die die Kapitalerhöhung durchführt.
Die Kapitalverwaltungsgesellschaften buchen die Bezugsrechte nicht alle
zwangsläufig, sondern halten ihre Rechte in einer Nebenbuchhaltung fest.
Zur Veranschaulichung sind die fünf Möglichkeiten in Form von Buchungs-
sätzen dargestellt.

Ausgangslage: Kapitalerhöhung der XY-Aktiengesellschaft


Die Aktiengesellschaft XY nimmt eine Kapitalerhöhung von 600 Mio. EUR auf 800 Mio. EUR vor. Im Fondsver-
mögen befinden sich 30.000 Stück Aktien der XY-Gesellschaft. Kurs der Aktie: 320 EUR Bezugspreis der jungen
Aktie 200 EUR
Buchung des Bezugsrechtswertes am ex Tag

Bezugsverhältnis 3 zu 1
Rechnerischer Wert des Bezugsrechtes: 30,00 EUR

Buchungssatz
1. Bezugsrechte XY an Effektenskontro 900.000,00 EUR

Soll Bezugsrechte XY Haben Soll Effektenskontro XY Haben

1. 900.000,00 EUR 3. 900.000,00 EUR AB 6.100.000,00 EUR 1. 900.000,00 EUR


2. 2.002.000,00 EUR
3. 900.000,00 EUR

Soll Anlagekonto Haben

AB 4.000.000,00 EUR 2. 2.002.000,00 EUR


6 Fonds-Rechnungswesen 102

1. Möglichkeit: Die jungen Aktien werden zum Kurs von 200,00 EUR bezogen.
Abrechnung: junge Aktien 10.000
Kurs 200,00 EUR
Kurswert 2.000.000,00 EUR
Provision 0,10% 2.000,00 EUR
ausmachen. Betr. 2.002.000,00 EUR

Berechnung des neuen MEP:

Bestand Wertveränderung MEP

30.000 6.100.000,00 EUR 203,333

Bezugsrechte –900.000,00 EUR

5.200.000,00 EUR 173,333

junge Aktien 10.000 2.002.000,00 EUR

40.000 7.202.000,00 EUR 180,050

Der MEP verändert sich. Bei der Einbuchung der Bezugsrechte wird das Effektenskontro um
900.000 EUR gemindert, da diese BZR später verkauft werden und somit keine Einstands-
wertumbuchung auf dem Effektenskontro stattfindet, sinkt der MEP für die 30.000 Aktien um
900.000 EUR. Somit ergibt sich ein neuer MEP von 173,333 EUR/Aktie ((6.100.000 EUR –
900.000 EUR = 5.200.000 EUR)/30.000 Stk.)

Notwendige Buchung für den Bezug der jungen Aktien:


2. Effektenskontro XY an Anlagekonto 2.002.000,00 EUR
3. Effektenskontro XY an Bezugsrechte XY 900.000,00 EUR
6 Fonds-Rechnungswesen 103

2. Möglichkeit: Wir veräußern die Bezugsrechte zum Preis von 29,00 EUR.
Provision 0,10%
Abrechnung: Stück Kurswert Kurswert
Bez.rechte 30.000 29,00 EUR 870.000,00 EUR
Provision –0,10% –870,00 EUR
ausm.Betrag 869.130,00 EUR

Soll Bezugsrechte XY Haben Soll Effektenskontro XY Haben

1. 900.000,00 EUR 2. 869.130,00 EUR AB 6.100.000,00 EUR 1. 900.000,00 EUR


3. 30.870,00 EUR

900.000,00 EUR 900.000,00 EUR

Soll Anlagekonto Haben Soll Kursverluste Haben

1. 869.130,00 EUR 3. 118.980,00 EUR 1. 30.870,00 EUR

2. Anlagekonto an Bezugsrechte XY 869.130,00 EUR


3. Kursverluste an Bezugsrechte XY 30.870,00 EUR

3. Möglichkeit: Wir veräußern die Bezugsrechte zum Preis von 34,00 EUR.
Provision 0,10%
Abrechnung: Stück Kurswert Kurswert
Bez.rechte 30.000 34,00 EUR 1.020.000,00 EUR
Provision –0,10% –1.020,00 EUR
ausm.Betrag 1.018.980,00 EUR

Soll Bezugsrechte XY Haben Soll Effektenskontro XY Haben

1. 900.000,00 EUR 2. 1.018.980,00 EUR AB 6.100.000,00 EUR 1. 900.000,00 EUR


3. 118.980,00 EUR

1.018.980,00 EUR 1.018.980,00 EUR

Soll Anlagekonto Haben Soll Kursgewinne Haben

2. 1.018.980,00 EUR 3. 118.980,00 EUR

2. Anlagekonto an Bezugsrechte 1.018.980,00 EUR


3. Bezugsrechte an Kursgewinne 118.980,00 EUR
6 Fonds-Rechnungswesen 104

4. Möglichkeit: Wir kaufen Bezugsrechte zum Preis von 34,00 EUR hinzu.
Provision 0,10%
D.h. wenn wir 15.000 Stück junge Aktien beziehen wollen, aber nur Bezugsrechte für 10.000 junge
Aktien besitzen, müssen wir 15.000 Bezugsrechte hinzukaufen.

Abrechnung:
junge Aktien 15.000 Bezugsrechte 15000
Kurs 200,00 EUR Kurs 34,00 EUR
Kurswert 3.000.000,00 EUR Kurswert 510.000,00 EUR
Provision 0,10% 3.000,00 EUR Provision 0,10% 510,00 EUR
ausmach. Betr. 3.003.000,00 EUR ausm. Betrag 510.510,00 EUR

Bestand Wert MEP

30.000 5.200.000,00 EUR 173,333

15.000 3.513.510,00 EUR

Wert eigener BR 10.000 900.000,00 EUR

45.000 9.613.510,00 EUR 213,63 EUR

Abrechnung: Stück Kurswert Kurswert

Bez.rechte 15.000 34,00 EUR 510.000,00 EUR

Provision 0,10% 510,00 EUR

ausm.Betrag 510.510,00 EUR

Soll Bezugsrechte XY Haben Soll Effektenskontro XY Haben

1. 900.000,00 EUR 4. 1.410.510,00 EUR AB 6.100.000,00 EUR 1. 900.000,00 EUR


2. 510.510,00 EUR 3. 3.003.000,00 EUR 6. 2.637.360,00 EUR
1.410.510,00 EUR 1.410.510,00 EUR 4. 1.410.510,00 EUR
7. 299.436,00 EUR

Soll Anlagekonto Haben Soll Kursgewinne Haben

6. 2.637.360,00 EUR 2. 510.510,00 EUR 7. 299.436,00 EUR


3. 3.003.000,00 EUR

1. Bezugsrechte an Effektenskontro XY 900.000,00 EUR


2. Bezugsrechte an Anlagekonto 510.510,00 EUR
3. Effektenskontro XY an Anlagekonto 3.003.000,00 EUR

Es müssen die ausgeübten Bezugsrechte ausgebucht werden!

4. Effektenskontro an Bezugsrechte 1.410.510,00 EUR


6 Fonds-Rechnungswesen 105

5. Wir veräußern 12.000 XY-Aktien zum Preis von 220,00 EUR.


Prov. 0,10%
Abrechnung: junge 12.000 Berechnung des letzte MEP Bewertung des
Aktien Kursgewinns Bestandes

Kurs 220,00 EUR 12.000 Stück 193,634 2.337.924,00 EUR

Kurswert 2.640.000,00 EUR 12.000 Verkaufskurs/ –2.637.360,00 EUR


ausmachender
Provision –2.640,00 EUR Betrag
0,10%

ausmach. 2.637.360,00 EUR


Betr.

Kursgewinn 299.436,00 EUR

6. Anlagekonto an Effektenskontro XY 2.637.360,00 EUR

7. Effektenskontro an Kursgewinne 299.436,00 EUR

6.4.4 Erfassung von Dividendenforderungen

Im XY-Fonds sind 50.000 Stück BVB Aktien. Die Hauptversammlung hat


am 5.5.20... eine Dividende von 1,10 EUR pro Stückaktie beschlossen.
Da der Fonds über eine sogenannte NV-Bescheinigung verfügt, erhält er
die Dividende gemäß Hauptversammlungsbeschluss ohne Abzug von
Kapitalertragsteuer. Eventuelle Abführung von Kapitalertragsteuern erfolgt
beim Kapitalanleger, also bei der depotführenden Stelle.
Buchung am exTag
Dividendenforderungen an Dividendenerträge 55.000,00 EUR
Bei Eingang der Zahlung auf dem Anlagekonto
Anlagekonto an Dividendenforderungen 55.000,00 EUR
Das Konto Dividendenerträge zählt zu den sogenannten ordentlichen Erträgen
und wird am Jahresende über das Sammelkonto o.E. abgeschlossen.
Dividendenerträge an Sammelkonto o.E. 55.000,0 EUR
Da in Deutschland die Zahlung der Dividende am Tag nach der Hauptver-
sammlung geschieht, müsste das Konto „Dividendenforderungen“ nicht
unbedingt eingeschaltet werden. Für die ausländischen Dividenden, bei
denen es Tage dauern kann, bis die Zahlung tatsächlich erfolgt ist, muss im
Sondervermögen die Dividendenforderung eingebucht werden.
6 Fonds-Rechnungswesen 106

6.4.5 Kauf und Verkauf von festverzinslichen Wertpapieren

Im Folgenden werden verschiedene Abrechnungen eines festverzinslichen


Wertpapiers dargestellt.

Kauf bzw. Verkauf einer Anleihe


Geschäftsfälle: Zinsmethode act/act. börslich

1. Kauf Volkswagen- Zins- Fällig- Handelstag Kurs Abrechnung Kurs ohne


anleihe termin keit Stückzinsen

nom. 150.000,00 € 3,50% 3.1. 2008/18 20.02. 99,98%

0,35% 524,90 € 524,90 €

Fremde Spesen 30,00 € 30,00 €

Kurswert 149.970,00 € 149.970,00 € 149.970,00 €

Stückzinsen 50 719,18 €

ausmachender Betrag 151.244,08 € 150.524,90 €

2. Kauf 100.000,00 € 3,50% 3.1. 2008/18 24.02. 98,00%

0,35% 343,00 € 343,00 €

Fremde Spesen 30,00 € 30,00 €

Kurswert 98.000,00 € 98.000,00 €

Stückzinsen 54 517,81 €

ausmachender Betrag 98.890,81 € 98.373,00 €

3. Verkauf 50.000,00 € 3,50% 3.1. 2008/18 27.2 101,00%

0,35% –176,75 € –176,75 €

Fremde Spesen –30,00 € –30,00 €

Kurswert 50.500,00 € 50.500,00 €

Stückzinsen 57 273,29 €

ausmachender Betrag 50.566,54 € 50.293,25 €

4. Verkauf 40.000,00 € 3,50% 3.1. 2008/18 28.2 99,00%

0,35% –138,60 € –138,60 €

Fremde Spesen –30,00 € –30,00 €

Kurswert 39.600,00 € 39.600,00 €

Stückzinsen 58 222,47 €

ausmachender Betrag 39.653,87 € 39.431,40 €

5. Kuponzahlung am 3.1.20.. Bestand ZINS Betrag

160.000,00 € 3,50% 5.600,00 €


6 Fonds-Rechnungswesen 107

Für diese fünf Geschäftsfälle ergeben sich in der Fondsbuchhaltung die


folgenden Buchungen:

Zu Fall 1: Kauf 150.000,00 Volkswagenanleihe zum Kurs von 99,98%


Buchungssätze:
Effektenskontro „Volkswagen“ an Anlagekonto 151.244,08 EUR
Zinserträge an Effektenskontro „Volkswagen“ 719,18 EUR

Durch diese Buchung sind die Stückzinsen des Kaufs aus dem Effekten-
skontro herausgebucht, angefallene Provisionen erhöhen den Einstand-
spreis.

Zu Fall 2: Kauf 100.000,00 Volkswagenanleihe zum Kurs von 98,00%


Buchungssätze:
Effektenskontro „Volkswagen“ an Anlagekonto 98.890,81 EUR
Zinserträge an Effektenskontro „Volkswagen“ 517,81 EUR

Eine Besonderheit in der Fondsbuchhaltung ist die tägliche Buchung des


Stückzinsanspruches. Diese Buchung lautet:
Zinsforderungen an Zinserträge – täglich ermittelter Stückzinsanspruch.
Diese Buchung ist erforderlich, um die anwachsenden Stückzinsen – Forde-
rungen gegenüber den Emittenten – in die Fondspreisermittlung einfließen
zu lassen.
Entsprechend muss im Fall 5 bei Zahlung des Kupons folgendermaßen
gebucht werden:
Anlagekonto an Zinsforderungen 5.600,00 EUR

Durch die tägliche Buchung des Stückzinsanspruches sind auf dem Zins-
ertragskonto bereits alle Zinserträge erfasst.
6 Fonds-Rechnungswesen 108

Zu Fall 3: Verkauf von 50.000,00 „Volkswagenanleihe“ zum Kurs von


101,00%
Buchungssätze:
Anlagekonto an Effektenskontro „Volkswagen“ 50.566,54 EUR
Effektenskontro „Volkswagen“ an Zinsforderungen 222,47 EUR
Effektenskontro an Kursgewinnen 625,00 EUR

Zu Fall 4: Verkauf von 40.000,00 „Volkswagenanleihe“ zum Kurs von


99,00%
Buchungssätze:
Anlagekonto an Effektenskontro „Volkswagen“ 39.623,87 EUR
Effektenskontro „Volkswagen“ an Zinsforderungen 222,47 EUR
Kursverluste an Effektenskontro „Volkswagen“ 304,00 EUR

6.4.6 Kauf und Verkauf von Optionen/Eurex

Anhand von vier Beispielen soll im Folgenden dargestellt werden, wie


Optionen im Fonds abgerechnet und gebucht werden.
Jeweils unter der Abrechnung findet sich die entsprechende Buchung.
6 Fonds-Rechnungswesen 109

Beispiel 1
Verkauf von Optionen Opening
Datum 20.03.20..
Kontraktzahl 1.557 (10 Einheiten je Kontrakt)
Wertpapierbezeichnung Dow Jones Euro Stoxx50 Index-Call
Fälligkeit 4.2004
Basispreis pro Stück 2.500,00
Wertpapierkenn Nr. 965239/64
Optionspreis 16,00 EUR
Börse Eurex
Letzter Handelstag 17.04.20..
1. Anlagekonto an Optionen Dow Jones Euro Stoxx 50 247.384,30 EUR
Nebenrechnung 249.120,00 EUR
–1.245,60 EUR
–23,00 EUR
–467,10 EUR
247.384,30 EUR

Beispiel 2
Verkauf von Optionen Opening
Datum 17.09.20..
Kontraktzahl 2.000 (10 Einheiten je Kontrakt)
Wertpapierbezeichnung Münchner Rückversicherung
Fälligkeit Dezember
Basispreis pro Stück 85,00
Wertpapierkenn Nr. 843002/72
Optionspreis 2,78 EUR
Börse Eurex
Letzter Handelstag 17.12.20..
3. Anlagekonto an Optionen Münchner Rück 53.438,00 EUR
Nebenrechnung 55.600,00 EUR
–139,00 EUR
–23,00 EUR
–2.000,00 EUR
53.438,00 EUR
6 Fonds-Rechnungswesen 110

Beispiel 3
Kauf von Optionen Closing
Datum 02.12.20..
Kontraktzahl 2.000 (10 Einheiten je Kontrakt)
Wertpapierbezeichnung Münchner Rückversicherung
Fälligkeit Dezember
Basispreis pro Stück 85,00
Wertpapierkenn Nr. 843002/72
Optionspreis 3,60 EUR
Börse Eurex
Letzter Handelstag 17.12.20..
3. Optionen Münchner Rück an Anlagekonto 74.203,00 EUR
Nebenrechnung 72.000,00 EUR
180,00 EUR
23,00 EUR
2.000,00 EUR
74.203,00 EUR
3a. Kursverluste an Optionen Münchner Rück 20.765,00 EUR

Beispiel 4
Kauf von Optionen Closing
Datum 11.04.20..
Kontraktzahl 1.557 (10 Einheiten je Kontrakt)
Wertpapierbezeichnung Dow Jones Euro Stoxx50 Index-Call
Fälligkeit 4.2004
Basispreis pro Stück 2.500,00
Wertpapierkenn Nr. 965239/64
Optionspreis 18,00 EUR
Börse Eurex
Letzter Handelstag 17.04.20..
4. Optionen Dow Jones Euro Stoxx 50 an Anlagekonto 281.995,70 EUR
Nebenrechnung 280.260,00 EUR
1.245,60 EUR
23,00 EUR
467,10 EUR
281.995,70 EUR
4a. Kursverlust an Optionen Dow Jones 34.611,40 EUR
6 Fonds-Rechnungswesen 111

6.4.7 Kauf und Verkauf eines Futures

Wenn im Fondsmanagement der Kauf eines Futures veranlasst wird, so


ergeben sich die folgenden Abrechnungen und Buchungen:
Zunächst wird „nur“ eine Gebühr gegenüber der EUREX fällig. Als Sicher-
heitsleistung zahlt jeder Geschäftspartner des Futures die sogenannte
Initial Margin. Diese kann entweder „cash“ erfolgen oder in Form von hin-
terlegten erstklassigen Wertpapieren (zum Beispiel Bundeswertpapiere).
Während der Laufzeit des Futures wird tägliche eine sogenannte Variation
Margin fällig. Die Höhe dieser Margin berechnet sich aus dem Vergleich
des Kurses Vortrag mit dem heutigen Kurs des DAX multipliziert mit der
Anzahl der Kontrakte und der Kontraktgröße. Es wird also unterstellt, dass
der Gewinn oder Verlust aus einer Wertänderung des DAX sofort realisiert
und gezahlt wird.
Bei Verkauf des Futures – Glattstellung – fallen zunächst wieder Spesen
an, die entsprechend gebucht werden. Der Gewinn bzw. Verlust aus dem
Future muss gebucht werden und die Initial Margin wird dem Anlagekonto
wieder gutgeschrieben bzw. die übertragenen Wertpapiere müssen wieder
freigegeben werden.

Beispiel 1:
Kauf Opening
Future Dax-Index Futures
Handelstag 11.10.20..
Anzahl Kontrakte 200
Kontraktgröße 25,000
Kurs 4.030,00 EUR
Spesen 1.100,00 EUR

Buchung am 12.10.20..
1. Spesen FTK an Anlagekonto 1.100,00 EUR
2. Initial Margin an Anlagekonto 1.800.000,00 EUR
Abrechnungspreis am 12.10. 4.025,00 EUR
3. Variation Margin an Anlagekonto 25.000,00 EUR
(–5 * 25 * 200)
Abrechnungspreis am 13.10.20.. 4.031,00 EUR
4. Anlagekonto an Variation Margin 30.000,00 EUR
Abrechnungspreis am 14.10.20.. 4.034,00 EUR
5. Anlagekonto an Variation Margin 15.000,00 EUR
6 Fonds-Rechnungswesen 112

Beispiel 2:
Verkauf Closing
Future Dax-Index Futures
Handelstag 15.10.
Anzahl Kontrakte 200
Kontraktgröße 25,000
Kurs 4.041,00 EUR
Spesen 1.100,00 EUR

6. Anlagekonto an Variation Margin 35.000,00 EUR

Glattstellung der Variation Margin


7. Variation Margin an Anlagekonto 55.000,00 EUR

Opening –4030,00 EUR


Closing 4041,00 EUR
11 55.000,00 EUR

8. Anlagekonto an Gewinn/Verlust Futures 55.000,00 EUR

9. Spesen FTK an Anlagekonto 1.100,00 EUR

10. Gewinn/Verluste Futures an Spesen FTK 2.200,00 EUR

11. Anlagekonto an Initial-Margin 1.800.000,00 EUR

6.4.8 Kauf und Verkauf von Devisen

Devisen – ausländisches Buchgeld – werden „rund um die Uhr“ gehandelt.


Die Kurse verändern sich laufend. Deshalb ist es sinnvoll, Devisen-Refe-
renzkurse zu ermitteln und zu veröffentlichen, um für die unterschied-
lichen Kunden der Kreditinstitute einheitliche Abrechnungsgrundlagen zu
haben.
6 Fonds-Rechnungswesen 113

Devisen-Referenzkurse werden zurzeit für folgende acht Währungen


ermittelt:
• US-Dollar
• Japanische Yen
• Britisches Pfund
• Schweizer Franken
• Kanadischer Dollar
• Schwedische Krone
• Norwegische Krone
• Dänische Krone

Die an der Feststellung der Referenzkurse beteiligten Kreditinstitute


melden ihre Mittelkurse ab 13.00 Uhr an den elektronischen Nachrichten-
dienstleister „Reuters“. Der Mittelkurs ist das arithmetische Mittel zwi-
schen dem Geld- und dem Briefkurs.
Es sind die Mengennotierungen der acht Währungen mit vier Stellen nach
dem Komma anzugeben. Für die Kursfixierung bleiben die beiden höchsten
und die beiden niedrigsten gemeldeten Kurse unberücksichtigt. Aus den
verbleibenden elf Werten wird anschließend als arithmetisches Mittel der
jeweilige Referenzkurs als Mittelkurs errechnet.
Wenn die Kapitalverwaltungsgesellschaften für ihre Investmentfonds
Devisen bei der Verwahrstelle kaufen, wird zum doppelt gespannten Geld-
kurs abgerechnet, umgekehrt, wenn Kapitalanlagegesellschaften Devisen
verkaufen, wird zum doppelt gespannten Briefkurs abgerechnet.
In den folgenden Beispielen wird unterstellt, dass die Devisen für Fonds
gekauft bzw. verkauft werden, deren Berichtswährung Euro ist.
6 Fonds-Rechnungswesen 114

Ausl. Betrag in Euro Kurs


Währung

am 24.4.

1. Kaufabrechnung CHF 250.000,00 171.679,71 EUR 1,4562

BS: Devisen CHF an Anlagekonto 171.679,71 EUR

Valuta: 26.4.

am 25.4.

2. Verkaufsabrechnung USD 120.000,00 111.503,44 EUR 1,0762

BS: Anlagekonto an Devisen USD 111.503,44 EUR

Valuta: 27.4.

am 23.4.

3. Kaufabrechnung NOK 150.000,00 20.766,13 EUR 7,2233

BS: Devisen NOK an Anlagekonto 20.766,13 EUR

Valuta: 25.4.

am 26.4.

4. Verkaufsabrechnung GBP 500.200,00 797.639,93 EUR 0,6271

BS: Anlagekonto an Devisen GBP 797.639,93 EUR

val. 28.4.

Genau wie beim Verkauf von Aktien, festverzinslichen Wertpapieren müs-


sen auch bei Devisen die Mischeinstandspreise festgestellt werden und die
entsprechenden Gewinne bzw. Verluste gebucht werden.
6 Fonds-Rechnungswesen 115

6.5 Berechnung und Buchung der Ausschüttung


am Jahresende

Der Jahresabschluss für das Fondsvermögen ist im Investmentsteuergesetz


2014 neu geregelt. Im Gegensatz zur vorherigen Regelung sind die Wer-
bungskosten (Aufwendungen im Fonds) jetzt aufzuteilen, und zwar:
Im ersten Schritt nach der Art des Fondsvermögens, z.B. Aktienvermögen,
Rentenvermögen und Immobilienvermögen.
Im zweiten Schritt werden dann die Werbungskosten aufgeteilt nach
ordentlichen Erträgen und außerordentlichen Erträgen.
In unserem exemplarischen Beispiel unterstellen wir einen in Deutschland
aufgelegten Fonds. Dieser Fonds hat nur deutsche Dividenden, Zinserträge
und Mieterträge generiert.

Annahme: Es liegt ein durchschnittliches Fondsvermögen des Vorjahres


von 100.000.000,00 EUR vor und es sind insgesamt 200.000,00 EUR all-
gemeine Werbungskosten angefallen.
Dann werden in einem ersten Schritt diese Werbungskosten auf die Arten
des Fondsvermögens aufgeteilt:
• Aktienvermögen Inland 60.000.000,00 EUR, entsprechend 150.000,00
EUR Werbungskosten
• Rentenvermögen Inland 20.000.000,00 EUR, entsprechend 50.000,00
EUR Werbungskosten

In einem weiteren Schritt müssen die jeweiligen Werbungskosten der


Vermögensart aufgeteilt werden nach ordentlichen bzw. außerordentlichen
Erträgen. Die prozentuale Aufteilung der Werbungskosten orientiert sich
an den anteilig erwirtschafteten Erträgen des Vorjahres.
Für unseren Fonds soll folgende Annahme gelten:
Im Vorjahr hat der Fonds mit Aktienvermögen 40% ordentliche Erträge
und 60% außerordentliche Erträge und mit Rentenvermögen 70% ordent-
liche Erträge und 30% außerordentliche Erträge erwirtschaftet.
6 Fonds-Rechnungswesen 116

Damit ergibt sich folgende Aufteilung der Werbungskosten:

In Prozent Werbungskosten Werbungskosten Werbungs-


% bezogen auf die bezogen auf die kosten
ordentlichen außerordent- insgesamt
Erträge lichen Erträge

Aktienvermögen 40/60 60.000,00 EUR 90.000,00 EUR 150.000,00 EUR

Rentenvermögen 70/30 35.000,00 EUR 15.000,00 EUR 50.000,00 EUR

95.000,00 EUR 105.000,00 EUR 200.000,00 EUR

Für die Ermittlung des ausschüttenden Betrages in unserem Fonds gehen


wir von folgender Situation aus:
Mit dem vorhandenen Aktienvermögen wurden insgesamt 10.000.000,00
EUR Erträge erwirtschaftet. (4.000.000,00 EUR ordentliche Erträge /
6.000.000 EUR außerordentliche Erträge).
Das Rentenvermögen erwirtschaftete insgesamt 5.000.000,00 EUR Erträge
(3.500.000,00 EUR ordentliche Erträge/1.500.000 EUR außerordentliche
Erträge).
Bei diesem Fonds sind 10.500.400 Anteile im Umlauf.

In unserem Beispiel gehen wir davon aus, dass nur die ordentlichen
Erträge an die Anleger ausgeschüttet werden.
Berechnung der handelsrechtlichen Ausschüttung:

1. Dividenden 4.000.000,00 EUR


– anteilige Werbungskosten 60.000,00 EUR
2. Zinserträge 3.500.000,00 EUR
– anteilige Werbungskosten 35.000,00 EUR
3. Ordentlicher Nettoertrag 7.405.000,00 EUR
4. Ordentlicher Nettoertrag pro Anteil: 7.405.000,00 EUR/
10.500.400 Anteile
= 0,705 EUR pro Anteil
an Ausschüttung
6 Fonds-Rechnungswesen 117

Für die außerordentlichen Erträge ergibt sich folgende Berechnung:

1. Kursgewinne aus Aktienvermögen 6.000.000,00 EUR


– anteilige Werbungskosten –90.000,00 EUR
2. Kursgewinne aus Rentenvermögen 1.500.000,00 EUR
– anteilige Werbungskosten –15.000,00 EUR
3. Kursgewinn insgesamt 7.395.000,00 EUR
4. Kursgewinn pro Anteil 7.395.000,00 EUR/
10.500.400 Anteile
= 0,704 EUR pro Anteil

Im Fonds werden keine Kapitalertragssteuern abgeführt. Dies erfolgt auf


der Anlegerseite bei der jeweiligen depotführenden Stelle. Der Ausschüt-
tungsbetrag wird an die Verwahrstelle (ehemals Depotbank) abgeführt.
Daraus ergeben sich im Fonds folgende Buchungssätze:

1. Sammelkonto ordentliche Erträge an


Ausschüttung 7.405.000,00 EUR
2. Ausschüttung an Anlagekonto 7.405.000,00 EUR
3. Sammelkonto außerordentliche Erträge an
Vorträge a.o. Erträge 7.395.000,00 EUR

Der Ausschüttungsbetrag von 0,705 EUR ist maßgeblich für die Berech-
nung der Kapitalertragsteuer beim Anleger.
Der Kursgewinn von 0,704 EUR pro Anteil wird beim Anleger erst ver-
steuert, wenn er den Fondsanteil verkauft, entstandene Kursverluste wer-
den natürlich dagegen gerechnet.
7 Wertentwicklungsberechnung und
Performance-Messung

Was ist aus meinem Geld geworden? Das dürfte wohl die klassische Frage
eines jeden Anlegers sein, egal ob es sich um den institutionellen Anleger
oder den Privatmenschen handelt. Die Antwort ist scheinbar einfach: Ich
schaue mir an, wie viel ich angelegt hatte und was bis heute daraus gewor-
den ist. Tatsächlich ist das auch das Grundprinzip der Wertentwicklungs-
berechnung (engl.: „performance“, ein Begriff, der sich mittlerweile auch
in Deutschland durchsetzt).
Wer beispielsweise sein Geld festverzinslich in Bundesschatzbriefe mit jähr-
licher, steigender Zinszahlung angelegt hat, erhält am Ende genau den
eingezahlten Betrag zurück. Wo bleibt da die Wertsteigerung? Sie wurde in
Form von Zinsen einmal im Jahr ausgezahlt. Bei einem Anlagebetrag von
1.000 Euro und 3% Zinsen im ersten Jahr waren das gerade mal 30 Euro.
Dieser Betrag animiert nicht direkt zur Wiederanlage, sondern eher zu einem
Kinoabend zu zweit. Im nächsten Jahr waren es schon 3,5% und der Betrag
ist vielleicht auf das Sparbuch gewandert (mit 1,5% Zinsen, also werden
zusätzlich Zinsen auf die Zinsen erwirtschaftet).

Auch die Erträge auf die Zinsen müssen natürlich bei der Wertentwick-
lungsberechnung einbezogen werden. Aber warum eine Wiederanlage zu
nur 1,5% tätigen und nicht zu einem höheren Zinssatz, aber welchem?
Und schon besteht die Gefahr von Willkür bei der Performance-Berech-
nung. Damit wären die errechneten Ergebnisse nicht mehr mit der Per-
formance, die ein Dritter für eine andere Anlageform berechnet hat, ver-
gleichbar.
Es muss also eine einheitliche Methode zugrunde gelegt werden können.
Dies gilt für „offizielle“ Zahlen aus der Finanzbranche noch weit mehr als
bei der privaten Berechnung individueller Anlageerfolge. Schließlich wer-
den Performance-Daten oft als Verkaufsargument für bestimmte Anlage-
formen herangezogen, wobei natürlich nicht Äpfel mit Birnen verglichen
werden dürfen.

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019
W. Raab (Hrsg.), Grundlagen des Investmentfondsgeschäftes, Edition
Frankfurt School, https://doi.org/10.1007/978-3-658-24155-1_7
7 Wertentwicklungsberechnung und Performance-Messung 120

7.1 BVI-Methode

Der Klassiker zur Wertentwicklungsberechnung schlechthin ist die so


genannte BVI-Methode. Sie bietet ein sehr einfaches und exaktes Verfah-
ren zur Berechnung der zeitgewichteten Wertentwicklung. Verglichen wer-
den die Anteilwerte der Fonds zum Beginn und zum Ende des Berech-
nungszeitraums unter Berücksichtigung der Wiederanlage der ausgeschüt-
teten Erträge (im Eingangsbeispiel waren das unsere Zinsen). Die während
des Berechnungszeitraums erfolgten Ausschüttungen werden am Tag der
Ausschüttung stets als zum Anteilwert wiederangelegt betrachtet, wie es
bei einem Investmentkonto in der Regel der Fall ist. Da deutschen Invest-
mentfonds in der Vergangenheit die auf inländische Dividendenerträge
erhobene Körperschaftsteuer erstattet wurde und der Anleger darüber eine
Steuergutschrift erhielt, fließt diese in die Wiederanlage ebenso ein wie der
Kapitalertragsteuer-(Zinsabschlagsteuer-)Betrag und der Solidaritätszu-
schlag. Von der Wiederanlage der Ausschüttung muss auch deshalb ausge-
gangen werden, weil anderenfalls die Wertentwicklung von ausschütten-
den und thesaurierenden Fonds (bei denen Erträge wie Zinsen und Divi-
denden im Fonds verbleiben) nicht miteinander vergleichbar ist. Die
innerhalb des Fonds anfallenden Kosten (Managementgebühr etc.) sind
eingerechnet, da sie direkt vom Fondsvermögen abgezogen werden.
Lediglich der Ausgabeaufschlag sowie eventuell anfallende Depotgebüh-
ren werden nicht berücksichtigt. Mit dieser Methode wird somit die reine
Managementleistung verglichen.
Gekauft wurden am 30. September 2008 10 Anteile eines gemischten
Fonds, in dem sich sowohl Aktien als auch festverzinsliche Wertpapiere
befinden. Der Anteilwert war 100,00 Euro. Am 30. Juni 2009 wurden
Erträge (Zinsen und Dividenden) in Höhe von 2,47 Euro ausgeschüttet,
der Anteilwert lag (auch aufgrund von Kursrückgängen) bei 98,80 Euro.
Am 30. September 2009 betrug der Anteilwert 99,72 Euro. Eine reine
Betrachtung „99,72 minus 100,00“ würde als Wertentwicklung einen Ver-
lust von 0,28 Cent pro Anteil, also mal 10 Anteilen 2,80 Euro ergeben,
aber dabei die Ausschüttung nicht einbeziehen. Sie einfach hinzuzuaddie-
ren, also 99,72 + 2,47 – 100,00 = 2,19, käme der Sache schon näher,
würde aber die Frage offen lassen, wie die Ausschüttung wieder angelegt
wird. Die BVI-Methode berücksichtigt sie in der Berechnung als zum
Anteilwert wieder angelegt:
7 Wertentwicklungsberechnung und Performance-Messung 121

Für die Ausschüttung von 2,47 Euro erwirbt man zum Anteilwert am
30. Juni von 99,72 Euro insgesamt 2,47 / 98,80 = 0,025 Anteile. Damit
besitzt der Anleger insgesamt 1,025 Anteile – Bruchanteile werden auf
dem Investmentkonto problemlos verbucht. Nun lautet der Vergleich:

30.9.08 10 Anteile zu 100,00 EUR = 1.000,00 EUR


30.6.09 Ausschüttung von 2,47 EUR pro Anteil
Wiederanlage zum Anteilswert 98,80 EUR = 0,025 neue
Anteile Bestand damit 10 x 1,025 Anteile = 10,250 Anteile
30.9.09 10,250 Anteile zu 99,72 EUR = 1.022,13 EUR Endbestand
1,022,13 EUR – 1.000,00 EUR = 22,13 EUR Wertsteigerung,
pro Anteil 2,213 EUR oder 2,213%.

Damit wäre die Performance von 2,213% grundsätzlich auch mit anderen
Fonds vergleichbar. Der BVI gibt hierzu regelmäßig Wertentwicklungssta-
tistiken für die Publikumsfonds seiner Mitglieder heraus, die im Internet
(www.bvi.de) abrufbar sind. Dabei wird neben der Einmalanlage nach dem
gleichen Prinzip auch die Performance von Sparplänen berechnet.

7.2 Anteilwertberechnung

7.2.1 Wertpapierfonds

Wie aber wird der Wert eines Investmentanteils berechnet? Das Wichtigste
vorweg: Angebot und Nachfrage haben keinen Einfluss auf den Anteil-
wert. Ob bei einem Fonds am Bewertungstag Anteile verkauft werden
oder zurückgegeben, ist irrelevant. Der Anteilwert berechnet sich vielmehr
aus den einzelnen Vermögensgegenständen des Sondervermögens, die mit
ihrem aktuellen Wert (Börsenkurs o.Ä.) angesetzt werden. Die Beträge
werden aufaddiert und durch die Anzahl der umlaufenden Anteile divi-
diert. Jeder Anleger erhält also genau das, was ihm auch anteilig zusteht.
Hierzu ein Beispiel zu einem Aktienfonds:
7 Wertentwicklungsberechnung und Performance-Messung 122

Im Fonds enthaltene Vermögensgegenstände:

Gewinn-AG 500 Aktien, Kurs 90,00 Euro = 4.500,00 Euro


Auweia-AG 500 Aktien, Kurs 0,10 Euro = 50,00 Euro
Super-Anleihe 10 Stück, Kurs 30,00 Euro = 300,00 Euro
Kasse 150,00 Euro 150,00 Euro
Summe 5.000,00 Euro

Anzahl der Anteile: 500, Anteilwert daher 5.000,00 Euro / 500 = 10,00 Euro
Würden nun 10 weitere Anteile gekauft, kämen dafür 10 x 10,00 Euro, also
100,00 Euro in die Kasse. Bei ansonsten gleichen Vermögenswerten würde
die Summe des Fondsvermögens 5.100,00 Euro sein. Dividiert durch die
neue Anzahl an Anteilen, nämlich 510, ergibt sich wieder 10,00 Euro als
Anteilwert.

7.2.2 Offene Immobilienfonds

Bei offenen Immobilienfonds erfolgt die Anteilwertermittlung nach dem


gleichen Prinzip. Dazu werden die Grundstücke und Gebäude mit ihrem
aktuellen Verkehrswert angesetzt. Allerdings liegt hierfür kein Börsenkurs
zugrunde. Stattdessen wird der Wert der Immobilien von Sachverständigen
ermittelt.
Das KAGB schreibt in § 249 vor, dass die KVG die Vermögensgegen-
stände im Sinne des § 231 Abs. 1, also die Immobilien, von zwei externen,
voneinander unabhängigen (und auch unabhängig voneinander bewerten-
den) Bewertern bewertet werden.
Diese Sachverständigen dürfen für eine AIF-KVG nur maximal drei Jahre
lang tätig sein. Zudem dürfen die Einnahmen des externen Bewerters aus
seiner Tätigkeit für die KVG pro Jahr 30% seiner Gesamteinnahmen nicht
überschreiten. Damit ist gewährleistet, dass die Bewertungen objektiv
bleiben und nicht aus einer wirtschaftlichen Abhängigkeit heraus getroffen
werden. Die Bewertung hat vor dem Erwerb einer Immobilie und danach
mindestens einmal jährlich zu erfolgen. Das Ergebnis wird entsprechend
zur Ermittlung des Anteilwerts bei offenen Immobilienfonds verwendet,
der wiederum die Grundlage für die Wertentwicklungsberechnung bildet.
7 Wertentwicklungsberechnung und Performance-Messung 123

Auch für institutionelle Anleger ist die Information, wie sich der Wert einer
Anlage entwickelt hat bzw. inwieweit die Anlageziele erfüllt worden sind,
ein wichtiges Kriterium für eine Anlageentscheidung und ein wichtiger
Bestandteil des Portfolio-Managements. Es stellt sich also auch hier die
Frage, welche Performance erzielt wurde. Der englische Begriff „Perfor-
mance“ hat sich mittlerweile auch hierzulande als Bezeichnung für die
Wertentwicklung eines Investmentfonds oder eines Einzeldepots eingebür-
gert. Ausgehend von den USA und Großbritannien haben die Kundenfor-
derungen nach detailliertem Reporting und klaren Analysen bereits zur
Entstehung einer neuen, eigenständigen Dienstleistungsbranche, der Per-
formance-Measurement-Unternehmen, geführt.

7.3 Standards zur Performance-Präsentation bei


Investmentfonds

Die Angabe von Performance-Daten, die immer vergangenheitsbezogen


sind, liefern den Anlegern einen ersten Hinweis über die bis zu einem
bestimmten Stichtag erzielten Erfolge eines Investmentfonds. Vor allem
im Geschäft mit institutionellen Kunden erfolgt die Gewinnung von Neu-
kunden, aber auch die Aufrechterhaltung bestehender Kundenverhältnisse
unter anderem über die Darstellung von Leistungsdaten der Vergangen-
heit. Neukunden haben jedoch faktisch keine Möglichkeit, die Berechnung
von Performance-Daten und deren Glaubwürdigkeit zu überprüfen. Diese
Situation sollen Standards für die Präsentation von Performance-Daten
verändern, die Regeln zur Datenbasis, zur Berechnungsmethodik und zur
Darstellung der Ergebnisse enthalten.
Die amerikanische Aufsichtsbehörde (SEC) hatte Ende der 80er Jahre die
amerikanische Investmentindustrie aufgefordert, in dieser Richtung tätig
zu werden. Zum 1. Januar 1993 traten die von der Association for Invest-
ment Management and Research entwickelten so genannten AIMR-
Standards zur Performance Presentation in Kraft und werden seither stän-
dig weiter entwickelt. Die Schweizerische Bankiersvereinigung übernahm
1996 die AIMR-Standards weitestgehend. Es stellte sich jedoch heraus,
dass eine Eins-Zu-Eins-Übertragung der von amerikanischer Seite ein-
geführten Standards auf den schweizerischen Markt nicht ohne weiteres
möglich war. Die schweizerische Erfahrung und die Erkenntnis, dass die
Fixierung nationaler Regelungen ohne internationale Integration den Wett-
bewerb erheblich stören würde, sowie die anhaltende Tendenz zum
Zusammenwachsen der Märkte und die Vielfalt der Anlagemöglichkeiten
7 Wertentwicklungsberechnung und Performance-Messung 124

führten zur Einsetzung eines Komitees zur Schaffung von Globalen


Investment Performance Standards (GIPS), dem Vertreter der wich-
tigsten Märkte angehören. Die von diesem Komitee erarbeitete erste Fas-
sung der Global Investment Performance Standards trat am 1. Januar 2000
in Kraft. In fünfjährigen Abständen wurden die Standards mit dem Ziel
überarbeitet, sie weiterzuentwickeln und zusätzliche Anforderungen zu
berücksichtigen. Seit Januar 2011 ist die zweite Überarbeitung, GIPS
2010, in Kraft. Die Standards sollen jetzt nur noch bei Bedarf angepasst
werden. Das Regelwerk setzt sich aus den eigentlichen Standards und
zusätzlichen sogenannten Guidance Statements zu einzelnen Themen und
einem Katalog von Q&As zusammen. Um GIPS-compliant und zertifiziert
zu werden, muss das komplette Regelwerk erfüllt sein.
Die GIPS definieren Mindeststandards für den Umgang und die Verwen-
dung von Performanceberechnungen.
Ziele der Standards sind:
• ethische Richtlinien für den deutschen Kapitalmarkt, die die Trans-
parenz von Wertentwicklungsergebnissen in der Vermögensverwaltung
vereinheitlichen, vorzugeben,
• eine faire und vergleichbare Darstellung der Ergebnisse bei vollständi-
ger Offenlegung der entscheidungsrelevanten Informationen zu fördern,
• die internationale Akzeptanz durch Berücksichtigung der Vorschriften
der GIPS als Mindeststandards zu gewährleisten.
Das German Asset Management Standard Committee (GAMSC) ist seit
2007 der deutsche GIPS-Sponsor und vom Executive Committee, dem
obersten internationalen GIPS-Gremium, anerkannt. Das GAMSC ist ein
Verbund bestehend aus Vertretern des BVI Bundesverband Investment und
Asset Management e.V., der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse
und Asset Management (DVFA) und CFA Society Germany, der Ende
2004 entstand. Es soll die deutschen Interessen im Zusammenhang mit den
globalen Performance-Standards gemeinsam vertreten und ihnen damit
international ein stärkeres Gewicht geben.
Die Akzeptanz der Performance Presentation Standards wie auch die Zer-
tifizierung durch unabhängige Dritte erfolgt auf freiwilliger Basis. Ende
2014 sind bezogen auf das Fondsvermögen knapp 60 Prozent des deut-
schen Marktes GIPS-zertifiziert bzw. -compliant.
7 Wertentwicklungsberechnung und Performance-Messung 125

Ein wesentliches Grundprinzip der Global Investment Performance Stan-


dards ist die Bildung so genannter Composites. Hierbei handelt es sich um
die Zusammenfassung von Portfolios oder Portfolio-Bestandteilen, bei
denen vergleichbare Anlageziele verfolgt oder die vergleichbaren Anlage-
strategien unterliegen. Auf diese Weise wird eine Anonymisierung der
zugrunde liegenden Portfolios erreicht, die die Präsentation von Ergeb-
nissen vor potenziellen Kunden erlaubt. Eine Einheit kann nur GIPS-
compliant und -zertifiziert sein, wenn das gesamte Vermögen dieser Ein-
heit in Composites aufgeteilt ist. Dies muss bei Präsentationen entspre-
chend dargestellt werden. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass es
zu verzerrten Performance-Darstellungen etwa durch die Präsentation aus-
gewählter und besonders erfolgreicher Portfolios bzw. Zeiträume und zur
Gegenüberstellung ungeeigneter Vergleichsgrößen kommt. Eine genaue
Dokumentation, wie in den Standards gefordert, soll darüber hinaus die
Nachvollziehbarkeit von Veränderungen ermöglichen.
Neben den Richtlinien und Empfehlungen zur Datenbasis, zur Berech-
nungsmethodik und zur Darstellung der Ergebnisse sehen die Standards
auch die Vereinheitlichung der der Wertentwicklung zugrunde gelegten
Zeiträume vor. Ziel ist es, jeweils mindestens eine zehnjährige Historie
verfügbar zu haben. Für Composites, die aufgrund ihrer Gründung nur
kürzer existieren, ist die gesamte Historie auszuweisen.

7.4 Berechnungsmethoden

Es gibt verschiedene Methoden, die Performance von Investmentfonds zu


berechnen. Dabei wird zwischen eindimensionaler und zweidimensionaler
Performance-Messung unterschieden. Eindimensional heißt, dass aus-
schließlich der Anlageerfolg berechnet wird. Bei der zweidimensionalen
Berechnung wird die Volatilität, d.h. das Risiko eines Investmentfonds
mit einbezogen.
Grundsätzlich stellen Wertentwicklungsberechnungen immer nur eine Ver-
gangenheitsbetrachtung dar, die nur bedingt einen Aussagewert für die
Zukunft besitzt. Darüber hinaus gilt, dass nur eine Berechnungsmethode
systematisch unangreifbar ist, die keine Ermessensspielräume zulässt.
7 Wertentwicklungsberechnung und Performance-Messung 126

7.4.1 Eindimensionale Performance-Messung

Wertgewichtete Berechnung (Capital Weighted Rate of Return oder


Return on Investment, kurz RoI-Methode)
Das Verfahren der wertgewichteten Performance-Messung ist aus der
internen Zinsfußmethode der Investitionsrechnung abgeleitet. Der interne
Zinsfuß liefert eine Maßgröße für die Beurteilung des gesamten Invest-
ments, d.h. Zahlungshöhe und Zahlungszeitpunkt sind dabei die wesent-
lichen Leistungsgrößen.
Zeitgewichtete Berechnung (Time Weighted Rate of Return)
Bei der zeitgewichteten Berechnung spielt die Leistungshöhe keine Rolle.
Diese Berechnung ermittelt die Wertentwicklung über bestimmte Zeit-
räume und bietet damit die Möglichkeit, die Leistung des Fondsmanage-
ments eines Fonds mit anderen zu vergleichen.
Die bereits erläuterte BVI-Methode bietet ein sehr einfaches und exaktes
Verfahren zur Berechnung der zeitgewichteten Wertentwicklung. Vergli-
chen werden die Anteilwerte der Fonds zum Beginn und zum Ende des
Berechnungszeitraums unter Berücksichtigung der Wiederanlage der aus-
geschütteten Erträge zum Anteilwert.
Bei einem so gearteten Vergleich der Managementleistung muss darauf
geachtet werden, dass Fonds mit in etwa gleichen Anlageobjekten und
vergleichbarer Anlagestrategie über einen längeren Zeitraum hinweg (z.B.
5 oder 10 Jahre) einander gegenübergestellt werden.
Der von der Europäischen Investmentvereinigung EFAMA 1990
akzeptierte Standard entspricht weitgehend der vom BVI verwendeten
Wertentwicklungsberechnung mit dem Unterschied, dass auf europäischer
Ebene aufgrund sehr unterschiedlicher steuerlicher Gegebenheiten die
Wiederanlage der Ausschüttung ohne Steuergutschriften erfolgt.
Die bisher beschriebenen Methoden dienen lediglich zur Ermittlung der
Gesamtperformance eines Fonds (zeitgewichtete Methode) bzw. der Ren-
dite des eingesetzten Kapitals (wertgewichtete Methode). Rückschlüsse
darauf, welche Teilbereiche eines Fonds-Portefeuilles in welchem Maße
zur Gesamtperformance beigetragen haben, lassen sie nicht zu. Diese
Erkenntnisse sind jedoch für die Anlageentscheidungen und -empfehlun-
gen des Fondsmanagements und die Überprüfung des Erfolgs der Anlage-
strategie sowie der Überprüfung der Erfüllung der Anlageziele notwendig.
7 Wertentwicklungsberechnung und Performance-Messung 127

Um ein Portfolio detaillierter zu analysieren, wird auf Schätz- bzw. Nähe-


rungsmethoden, wie zum Beispiel auf die modifizierte Dietz-Methode
zurückgegriffen. Auf diese Methoden bezieht man sich, da bei einem
Fonds jeweils zum Zeitpunkt eines Betragsflusses im Portfolio eine
Bewertung durchzuführen und ein Return zu berechnen ist. Betrachtet man
verschiedene Segmente in größeren Portfolios, so finden solche Flüsse
sehr häufig statt. In einigen Fonds wären dementsprechend fast täglich
Segmentreturns zu berechnen. Es werden stattdessen feste Perioden, meist
der Monatszeitraum, definiert, für die dann die Berechnungen mithilfe der
Näherungsmethoden durchgeführt werden.
Der Ablauf einer Performance-Messung für Fonds, die zu einer schritt-
weisen Zerlegung des Fondsertrags und zur Offenlegung der Quellen des
Fondsertrags (Attribution) führt, erfolgt über mehrere hierarchische
Stufen.
Im Zuge des Zerlegungsprozesses werden für den Gesamtfonds und seine
Anlagesegmente die Erträge berechnet. Diese können geeigneten Kapital-
marktindizes gegenübergestellt werden. Das heißt aber, dass Fondskom-
ponenten und (objektiv feststellbare) Kapitalmarktgrößen in Relation
zueinander gesetzt werden. So wird zum Beispiel die Entwicklung eines
Segments japanischer Aktien mit einem Index für den japanischen Aktien-
markt verglichen. Für den Gesamtfonds gilt, dass er mit einer geeigneten
Indexkombination – der Benchmark – verglichen wird. Das Analyse-
prinzip der Performance-Messung ermöglicht somit eine Beurteilung des
Fonds relativ zur Benchmark unter Berücksichtigung der eingegangenen
Anlagerisiken.
Indizes bzw. Benchmarks erleichtern darüber hinaus, Anlageziele ein-
deutig und umfassend zu definieren. Sie liefern dem Portfolio-Manager
ein klar definiertes Korsett für seine Anlageentscheidungen und geben
dem Anleger einen Erwartungshorizont vor. Für Benchmarks gilt, dass sie
• als neutraler Maßstab objektiv messbar sein,
• dauerhaft konsistent bleiben,
• kontinuierlich verfügbar sein und
• die langfristigen Anlageziele eines Investors widerspiegeln
müssen. Bei Spezialfonds sind Benchmarks Zielgrößen im Sinne der Ren-
ditevorstellung und Risikotoleranz.
7 Wertentwicklungsberechnung und Performance-Messung 128

Am Anfang der Performance-Analyse steht eine Ist-Bestandsaufnahme


des gesamten Fonds. Es werden zunächst die Fondsstrukturen zu Beginn
und zum Ende der Betrachtungsperiode erfasst, die sich aus den Investi-
tionsgraden des Fonds in seinen Anlagesegmenten ergeben. Die Bestim-
mung der Investitionsgrade erfolgt zum einen absolut auf Basis von
Marktpreisen und zum anderen relativ in Bezug zum Gesamtfondsvolu-
men. Weiterhin werden je Anlagesegment und für den Gesamtfonds die
saldierten Zu- bzw. Abflüsse, die Kapitalgewinne bzw. -verluste sowie die
aggregierten Zuflüsse aus Zins- und Dividendenzahlungen erfasst.
Der zweite Schritt untersucht die Entwicklung der einzelnen Segmente.
Je Anlagekomponente wird ein Ertrag ermittelt. Dieses Segmentergebnis
quantifiziert genau den Gewinn bzw. Verlust, der erzielt worden wäre,
wenn der Fonds zu 100% nur in diesem Segment investiert hätte.
Diese Informationen allein geben schon einen schnellen, allgemeinen
Überblick über die Ergebnisse im Fonds. Da den einzelnen Investment-
segmenten geeignete Marktindizes gegenübergestellt werden, ergibt sich
hier ein erster, allerdings grober Eindruck davon, wie der Fondsmanager
auf bestimmten Märkten gegenüber Vergleichsgrößen abgeschnitten hat.
Hierbei muss berücksichtigt werden, dass aufgrund gesetzlicher Beschrän-
kungen es häufig nicht möglich ist, in einem Fonds einen Index voll nach-
zubilden. Außerdem ist in Indizes die Barreserve nicht berücksichtigt. Bei
Indexveränderungen muss dies nachvollzogen werden, die dafür notwen-
digen Transaktionskosten sind im Index nicht berücksichtigt.
An die Berechnung der Segmenterträge schließt sich in einem dritten
Schritt die Bestimmung der Ertragsteile aus den Anlagesegmenten zum
Gesamtertrag an. Diese Ergebnisbeiträge geben in Prozentpunkten an,
welchen Anteil jede Anlagekategorie zum Gesamtertrag beigesteuert hat;
die Gesamt-Performance wird hier als Summe der Returnbeiträge der ein-
zelnen Anlagesegmente dargestellt.
Im vierten Schritt erfolgt eine Zerlegung des Segmentreturns. Diese Auf-
gliederung liefert eine Datenbasis zur Beurteilung der grundsätzlichen
Fondsmanager-Qualitäten, worunter hier
• die Fähigkeit, Märkte einzuschätzen,
• die Fähigkeit, Währungen einzuschätzen und
• die Selektionsfähigkeit innerhalb von Märkten
verstanden werden sollen.
7 Wertentwicklungsberechnung und Performance-Messung 129

Diese Beiträge je Entscheidungsqualität und je Anlagesegment lassen sich


nun wieder auf die Gesamtfondsebene hochrechnen. Damit kann also auch
für das Gesamtergebnis des Fonds bestimmt werden, wie viele Prozent-
punkte jeweils über Währungsveränderungen, über lokale Marktentwick-
lungen und über Titelauswahl erzielt wurden.
Ein Performance-Messungssystem kann Management-Informationen darüber
liefern,
• ob die mit der Anlage vorgegebene Zielsetzung erreicht wurde,
• wie die Strategie zur Erreichung des Ziels zu beurteilen ist,
• wie die Qualität der Strategie-Umsetzung aussieht,
• wie sich Strategie und Umsetzung im Vergleich zur Konkurrenz bzw.
zu vergleichbaren Marktgrößen verhalten,
• welche Gründe bei der Abweichung von Zielgrößen vorlagen.

7.4.2 Zweidimensionale Performance-Messung

Neben der Wertentwicklung bietet die Volatilität dem Anleger zusätzliche


Erkenntnisse über das Risiko einer Anlage. In Diagrammen kann jeder
Fonds oder jedes Composite durch die Wertentwicklung, ausgewiesen als
durchschnittliche jährliche Wertsteigerung in Prozent, und die Volatilität,
ausgedrückt als jährlicher durchschnittlicher Schwankungsgrad der Wert-
entwicklung, eindeutig positioniert werden. Es ist dann leicht festzustel-
len, ob eine bestimmte Wertentwicklung mit großen oder geringen Wert-
schwankungen erzielt wurde.
Zur Berechnung der Volatilität wird aus den unterschiedlichen Teilwerten
ein Mittelwert gebildet und die Abweichung der einzelnen Teilwerte von
diesem Mittelwert gemessen. Ein verbreitetes Maß zur Volatilitätsdarstel-
lung ist die durch die Standardabweichung ausgewiesene durchschnitt-
liche jährliche Abweichung in Prozent.
7 Wertentwicklungsberechnung und Performance-Messung 130

Werden nun Fonds mit vergleichbaren Anlagezielen betrachtet, so gilt


grundsätzlich Folgendes:
• Bei gleicher Wertentwicklung und unterschiedlicher Volatilität wird ein
Anleger eher den Fonds mit geringerer Volatilität wählen.
• Weisen zwei Fonds die gleiche Volatilität, jedoch unterschiedliche
Wertentwicklungen auf, so wäre grundsätzlich der mit der höheren
Wertentwicklung vorzuziehen.
• Sind sowohl Wertentwicklung als auch Volatilität unterschiedlich, so
hängt die Präferenz von der jeweiligen Anlegersituation und -mentali-
tät ab.
Es zeigt sich, dass sich höhere Anlageergebnisse in der Regel nur erzielen
lassen, wenn auch eine höhere Volatilität in Kauf genommen wird.
Mit diesen verschiedenen Performance-Daten werden insbesondere Spe-
zialfondsanlegern wichtige Instrumente an die Hand gegeben, eine Anla-
geentscheidung zu überprüfen bzw. sich für die Vergabe von Mandaten an
Kapitalanlagegesellschaften zu entscheiden.
8 Handel und Abwicklung

Nachdem eine Kauf- oder Verkaufsentscheidung durch das Fondsmanage-


ment getroffen wurde, muss das Geschäft ordnungsgemäß ausgeführt wer-
den. Bei einem Kauf ist der erste, interne Schritt die Prüfung, ob der Erwerb zu
einer Verletzung der gesetzlichen oder vertraglichen Anlagegrenzen führt.
Das KAGB sieht in § 206 vor, dass in einem Sondervermögen maximal 5%
(bzw. 10%, falls in den Vertragsbedingungen vorgesehen) in Wertpapieren
und Geldmarktinstrumenten desselben Ausstellers angelegt werden dür-
fen. Aber auch eine Betrachtung über alle Sondervermögen einer KVG
hinweg ist vorgesehen: Die KVG darf gemäß § 210 KAGB für alle von ihr
verwalteten Sondervermögen Aktien desselben Ausstellers (also desselben
Unternehmens) nur insoweit erwerben, als die entsprechenden Stimmrechte
10% der gesamten Stimmrechte dieser AG nicht übersteigen. Hat ein EU-
Staat hier niedrigere Grenzen festgelegt, gelten diese beim Erwerb von
Aktien eines Ausstellers aus diesem EU-Staat. Etwa bei Kapitalerhöhun-
gen ist eine (kurzfristige) Überschreitung dieser Grenzen zulässig, ebenso
in den ersten sechs Monaten seit Errichtung eines Sondervermögens – in
diesem Fall muss aber weiterhin der Grundsatz der Risikomischung beach-
tet werden.
Bei einem Verkauf muss auch berücksichtigt werden, ob dadurch eventuell
Höchstgrenzen für die Liquidität überschritten werden.
Nach diesem Check geht die Order in den Handel, wird an der Börse aus-
geführt und entsprechend verbucht. Bei dieser Orderabwicklung sind immer
wieder Prüfvorgänge vorgesehen.
Die Wertpapier-, Geld- und Devisenaufträge werden auf Vollständigkeit
geprüft (Ist z.B. die Zahl der zu erwerbenden Aktien vorgegeben? Ist klar,
ob es sich um normale oder Vorzugsaktien handelt?) und bearbeitet. Glei-
ches gilt bei Aufträgen über den Kauf und Verkauf von Finanzinstrumen-
ten.
Zur Ausführung müssen die Aufträge bestimmten Märkten/Börsenplätzen
zugeordnet werden (Kassa-, Terminmarkt, amtlicher Handel (Präsenzhan-
del, Computerhandel), organisierte und nicht organisierte Märkte – OTC,
Over the Counter, aber auch Inland/Ausland).
Zu entscheiden ist auch, in welcher Form die Aufträge auszuführen sind:
Wird die Order auf einmal ausgeführt oder ist es im Interesse des Fonds

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019
W. Raab (Hrsg.), Grundlagen des Investmentfondsgeschäftes, Edition
Frankfurt School, https://doi.org/10.1007/978-3-658-24155-1_8
8 Handel und Abwicklung 132

bzw. der Anleger, die Order in mehreren Teilen auszuführen? Sollen


beispielsweise von einem DAX-Unternehmen 500 Aktien im Wert von
100 Euro, insgesamt also 50.000 Euro erworben werden, ist das nur eine
von vielen Orders, die – wenn überhaupt – den Kurs nur im Cent-Bereich
beeinflussen wird. Die Tagesumsätze der 30 DAX-Unternehmen bewegen
sich üblicherweise im zwei- oder dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.
Schon bei den 50 Werten des M-DAX liegen die Umsätze oft im einstelli-
gen Millionen-Euro-Bereich, im nachfolgenden S-DAX mit 50 kleineren
Aktiengesellschaften schaffen nur die „most active“ Aktien die Millionen-
Umsätze im Tagesverlauf. Eine Einzelorder über 50.000 Euro kann dann
den Kurs um einiges mehr nach oben beeinflussen. Hier muss die Ent-
scheidung getroffen werden, ob es nicht zu günstigeren Einstandskursen
führt, wenn die Order in zwei oder drei Einzelaufträge aufgeteilt wird.
Die Auftragsausführung selbst wird ebenfalls überwacht. Orderbestätigun-
gen/Ausführungsanzeigen werden mit dem Orderbuch abgeglichen, Fehler
gemeldet und ggf. Zinsforderungen gestellt.
Der gesamte Orderprozess wird dokumentiert.
Bei Handel und Lieferung müssen auch operationelle Risiken berücksich-
tigt werden. Dazu zählen
• Kontrahentenrisiko (Broker) und
• Erfüllungsrisiko (Käufer/Verkäufer).
Ist die KVG bei der Wertpapierleihe aktiv, müssen weitere Besonderheiten
beachtet werden.
Nach diesem groben Überblick nun eine detailliertere Beschreibung von
Handel und Abwicklung. Oberster Grundsatz für den Arbeitsablauf im
Bereich der Handelstätigkeit ist die klare funktionale Trennung von
• Handel,
• Abwicklung und Kontrolle,
• Rechnungswesen und Überwachung.
Zumindest der Handel ist von den anderen Bereichen auch organisatorisch
zu trennen. Die funktionale und organisatorische Trennung des Handels
von den anderen Bereichen ist bis einschließlich der Ebene der Geschäfts-
leitung zu gewährleisten.
8 Handel und Abwicklung 133

Auch innerhalb der jeweiligen Funktionsbereiche muss gewährleistet sein,


dass bei der Bearbeitung von Geschäftsvorfällen miteinander unvereinbare
Tätigkeiten durch verschiedene Personen ausgeführt werden.

Straight Through Prozess

Middle Office
Front Office Handelsunterstützung Back Office
Pre-trade Compliance Compliance Verwahrung
Handelsausführung Risikomanagement Fondsbuchhaltung
Vorgehensweise Kontenabstimmung Fondsverwaltung
Pre-trade Entscheidung Portfolio-Management Depotkonten-
Research Performance- buchhaltung
Berechnung

Straight Through Prozess

Abbildung 10

Ist eine Funktionstrennung aus Gründen der Betriebsgröße nicht möglich


oder wegen des geringen Umfangs der Handelsaktivitäten nicht verhältnis-
mäßig, so muss die ordnungsgemäße Abwicklung der Geschäfte durch die
unmittelbare Einschaltung der Geschäftsleitung (im Verhinderungsfall durch
von dieser beauftragte Personen) gewährleistet sein.
Beim Einsatz von DV-Anlagen ist die Funktionstrennung durch entsprechende
Verfahren und Schutzmaßnahmen sicherzustellen. Die Zugriffsmöglich-
keiten für die Ausübung bestimmter Funktionen sind im Einzelnen festzu-
legen. Sämtliche programmtechnischen Vorgaben für die im Handel oder
zur Risikosteuerung genutzten DV-Systeme sind durch eine vom Handel,
Abwicklung/Kontrolle, Rechnungswesen und Überwachung unabhängige
Stelle einzugeben. Jede Veränderung ist systemseitig zu dokumentieren.

8.1 Handel

Jedes Geschäft ist gemäß InVMaRisk sofort nach Geschäftsabschluss mit


allen maßgebenden Abschlussdaten (u.a. Geschäftsart, Volumen, Kondi-
tionen, Fälligkeit, Kontrahent, Datum, Uhrzeit, Händler, fortlaufende Num-
8 Handel und Abwicklung 134

mer, Nebenabreden) zu erfassen und anschließend unverzüglich mit allen


Unterlagen an die Abwicklung weiterzuleiten. Für Geschäfte, die über ein
Abwicklungssystem einer Börse oder ein anderes Abwicklungssystem
abgerechnet werden, ist eine andere Form der Dokumentation zulässig.
Jedes Geschäft ist sofort zur Ermittlung der jeweiligen Position im Handel
zu erfassen (Fortschreibung der Bestände).
Bei Direkterfassung in der Datenverarbeitung muss sichergestellt sein,
dass ein Händler nur unter seiner eigenen Händleridentifikation Geschäfte
eingeben kann. Handelstag, Uhrzeit und fortlaufende Geschäftsnummer
müssen automatisch vorgegeben werden und dürfen vom Händler nicht
veränderbar sein. Weicht der Händler bei der Eingabe des Geschäftes von
vorgegebenen Standards ab, so bedürfen diese Abweichungen der geson-
derten Freigabe durch eine andere vom Handel getrennte Einheit.
Geschäfte, die nach Erfassungsschluss der Abwicklung abgeschlossen wer-
den (Spätgeschäfte), sind als solche zu kennzeichnen und bei den Positio-
nen des Abschlusstages (einschließlich der Nacherfassung) zu berücksich-
tigen. Händlerzettel über Spätgeschäfte sind unverzüglich einer Stelle außer-
halb des Handels zuzuleiten.
Geschäftsabschlüsse außerhalb der Geschäftsräume sind nur im Rahmen
einer ausdrücklichen Regelung der Geschäftsleitung zulässig. Der Rahmen
für diese Geschäfte (Berechtigte, Zweck, Umfang, Erfassung, Bestätigung,
Information des zuständigen Geschäftsleiters) ist schriftlich zu fixieren und
von der Geschäftsleitung zu genehmigen. Für solche Geschäfte ist vom
Kontrahenten eine sofortige fernschriftliche Bestätigung zu verlangen. Die
Geschäfte sind vom Händler unverzüglich in geeigneter Form (Telefon,
Telefax u.Ä.) dem eigenen Institut anzuzeigen, sie sind ebenfalls beson-
ders zu kennzeichnen und dem zuständigen Geschäftsleiter bzw. einer von
ihm autorisierten Stelle zur Kenntnis zu bringen.

8.2 Abwicklung und Kontrolle

Die Abwicklung hat anhand der vom Handel erhaltenen Geschäftsunter-


lagen die Geschäftsbestätigungen bzw. die Abrechnungen auszufertigen
sowie die weitere Abwicklung (z.B. Terminüberwachung, Zahlung) vor-
zunehmen.
8 Handel und Abwicklung 135

Die Geschäfte sind einer laufenden Kontrolle zu unterziehen. Dabei ist ins-
besondere zu kontrollieren, ob
a) die Geschäftsunterlagen vollständig und zeitnah vorliegen,
b) die Angaben der Händler richtig und vollständig sind und – soweit
vorhanden – mit den Angaben auf Maklerbestätigungen, Ausdrucken
aus Handelssystemen o.Ä. übereinstimmen,
c) die Abschlüsse sich hinsichtlich Art und Größenordnung im Rahmen
der üblichen Geschäftstätigkeit und der festgesetzten Limite bewegen,
d) marktgerechte Bedingungen vereinbart sind,
e) Abweichungen von vorgegebenen Standards (Stammdaten, Anschaf-
fungswege, Zahlungswege u.Ä.) vereinbart sind.
Die Kontrollen sind zu dokumentieren, Unstimmigkeiten sind umgehend
zu klären. Soweit sie nicht auf offensichtlichen Irrtümern beruhen, ist eine
von der Geschäftsleitung ermächtigte Stelle außerhalb des Handels einzu-
schalten. Auch die Klärung der Unstimmigkeiten ist in angemessener Weise
zu dokumentieren, schließlich muss auch später noch nachvollziehbar
sein, wie mit einem solchen Ereignis umgegangen wurde.
Grundsätzlich ist jedes Geschäft unverzüglich schriftlich oder in gleich-
wertiger Form zu bestätigen. Die Bestätigung muss sämtliche Geschäfts-
angaben einschließlich Abschlussdatum enthalten. Erfolgen die Geschäfte
über Makler, sollen diese benannt werden. Der fristgerechte Eingang der
Gegenbestätigungen ist zu überwachen, wobei sichergestellt sein muss, dass
die eingehenden Gegenbestätigungen nicht in den Handel gelangen. Feh-
lende bzw. unvollständige Gegenbestätigungen sind unverzüglich zu rekla-
mieren, es sei denn, es handelt sich um ein Kassageschäft, das in allen Tei-
len ordnungsgemäß erfüllt ist. Auch hier sind Abweichungen festzuhalten
und unverzüglich zu klären.
Für Geschäfte, die über ein Abwicklungssystem einer Börse oder ein ande-
res Abwicklungssystem abgerechnet werden, ist eine andere als die im
vorangegangenen Absatz beschriebene Form der Bestätigung zulässig.
Geschäftsabschlüsse sind auch beim Vorliegen von Nettingvereinbarungen,
also das Verrechnen von gegenläufigen Zahlungsansprüchen, einzeln zu doku-
mentieren und im Rechnungswesen zu erfassen. Sie sind im Geschäftsgang
wie ein Einzelgeschäft zu behandeln. Es ist jedoch erlaubt, die in den Büchern
des Instituts erfassten Einzelgeschäfte mit ihren Kursen und mit ihrem Saldo
8 Handel und Abwicklung 136

in Form einer Sammelbestätigung mit dem Geschäftspartner abzustim-


men. Ebenso ist es zulässig, dass bei der Zahlung nur der Saldo (Spitzen-
ausgleichsbetrag) zwischen den Geschäftspartnern ausgeglichen wird.
Auch bei Einsatz von Erfassungs- und Abwicklungssystemen ist sicherzu-
stellen, dass die vorstehend genannten Kontrollen sinngemäß erfolgen,
insbesondere muss durch automatische Dokumentationsfunktionen jeder-
zeit nachvollzogen werden können, welcher Anwender zu welchem Zeit-
punkt welche Funktionen ausgeübt hat.

8.3 Ordererfassung/Handel

Bei den Handelsaktivitäten werden generell zwei Formen unterschieden:


1. Die Order wird nach der Anlageentscheidung im Fondsmanagement im
Trading System eingegeben und nachfolgend zum Trading Desk gesen-
det. Dort wird die Order bearbeitet, das Geschäft wird mit dem Kontra-
henten abgeschlossen und zum Accounting gesendet (Order).
2. Das Geschäft wird nach der Anlageentscheidung vom Fondsmana-
ger selbst über Telefon oder andere zur Verfügung stehende Kom-
munikationsmittel, wie etwa dem „Bloomberg-Message-System“, mit
dem Kontrahenten/Broker abgeschlossen („Done Deal“) und die Aus-
führung wurde direkt zugesagt.

8.3.1 Order

Zur Ordererfassung öffnet der Fondsmanager die Ordererfassungsmaske


in seinem Trading System und wählt den Transaction Type, also Art der
Transaktion, aus. Nach Auswahl des entsprechenden Wertpapiers gibt der
Fondsmanager die relevanten Daten (Fonds, Price, Trade Date, Settlement
Date, Broker etc.) für die Order ein. Neu erfasste Orders werden „Manager-
Orders“ genannt. Diese bleiben Manager-Orders, bis sie an den Trading
Desk weitergeleitet werden.
Die nächste Aktion ist die Ausführung der Pre-Trade-Compliance. Hier
wird nach Abschluss des Geschäfts geprüft, ob nicht gegen die festgelegten
Richtlinien (z.B. marktgerechten Preisen, Ausführungsdauer des Geschäfts
etc.) verstoßen wird. Zeigt das Handelssystem „Compliance erfüllt“ an,
ändert sich der Status der Order automatisch auf „Compliance OK“.
8 Handel und Abwicklung 137

Aber natürlich gibt es auch den Fall „Compliance nicht erfüllt“. Für Orders,
die eine oder mehrere Compliance-Regeln verletzt haben, wird ein eindeu-
tiger Status gesetzt bzw. bei Annäherung an die Regel mit einem Hinweis
versehen. Orders, die in Ordnung sind bzw. ein Warnhinweis beinhalten,
können weiter bearbeitet werden.
Orders, die nicht die Compliance erfüllen, müssen mit einer Begründung
im System zur Weiterverarbeitung versehen werden. Sie benötigen einen
Eingriff (Änderung der Orderdetails oder Autorisierung, die Order trotz
der Verletzung weiter zu bearbeiten). Nach Abschluss werden die gewünsch-
ten Orders nachfolgend vom Fondsmanager ausgewählt und an den Tra-
ding Desk weitergeleitet.
Der Trader, der die Order an sich nimmt, muss sich mit ihren relevanten
Details bekannt machen, z.B. Fonds, Stückzahl, Preis, Trader-Instructions.
Nachfolgend wird die Order mit einem Broker am Markt platziert. Steht
der entsprechende Kontrahent fest, wird der Name des Ansprechpartners
beim Broker festgehalten. Im nächsten Schritt werden die Einzelheiten des
gehandelten Geschäftes in der Order vermerkt.
Wurde die Zuordnung der erworbenen Wertpapiere auf die Fonds durchge-
führt, werden im unteren Teil die ausgeführten Bestände für jedes Portfolio
angezeigt. Danach muss die Order zur Orderkontrolle und zur Fondsbuch-
haltung gesendet werden („Send to Accounting“).

8.3.2 Done Deal

Die „DONE-DEAL“-Funktionalität erlaubt den Fondsmanagern, die Order


selbst an die Orderkontrolle zu senden. Das Trading Desk wird bei dieser
Vorgehensweise nicht genutzt. Voraussetzung hierfür ist, dass das Geschäft
vorher zwischen dem Fondsmanager und dem Kontrahenten abgeschlos-
sen wird. Dazu muss der Fondsmanager folgende Informationen in sein
System eingeben:
• Broker-Ausführungspreis,
• ausgeführte Stückzahl,
• Fondsnummer.
8 Handel und Abwicklung 138

Nach Ausführung der Transaktion wird der Pre-Trade-Compliance-Pro-


zess ausgeführt. Die Transaktion wird an die Orderkontrolle bzw. Fonds-
buchhaltung versendet. Nach Bestätigung zum Versenden bekommt die
Order den Status „ACCT“ für accepted, akzeptiert.
Die weiteren Schritte sind für Order und Transaktionen identisch, so dass
ab hier nur noch der Begriff „Order“ verwendet wird.

8.3.3 Orderkontrolle/Fondsbuchhaltung

Nachdem die Order an die Orderkontrolle bzw. Fondsbuchhaltung versen-


det wurde und sich im Status „ACCT“ befindet, ist sie für die Buchhaltung
freigeschaltet, muss aber für die Überprüfung der Eingaben in das Han-
delssystem mit den Informationen der Broker verglichen werden. Die zustän-
dige Abteilung für diese Überprüfung ist die Orderkontrolle. Verläuft die
Kontrolle erfolgreich, wird die Order im Fondsbuchhaltungssystem durch
die Fondsbuchhaltung verbucht.

8.3.4 Rechnungswesen

Sämtliche Geschäfte sind – ungeachtet ihrer endgültigen Buchung – unver-


züglich im Rechnungswesen zu erfassen. Nebenabreden zu Geschäften,
die nicht Handelsgeschäfte sind, aber zu Handelspositionen führen, sind
im Rechnungswesen ebenfalls zu erfassen und bei den jeweiligen Positio-
nen zu berücksichtigen.
Schwebende Geschäfte sind grundsätzlich im Zeitpunkt des Abschlusses
in Nebenbüchern (z.B. auf Vormerkkonten) festzuhalten; sie sind bei Erfül-
lung auf den Haupt- und Einzelkonten zu buchen (valutagerechte Buchung).
Aus den Buchungsunterlagen müssen die für den Abschluss des jeweiligen
Handelsgeschäfts relevanten Daten hervorgehen. Die Unterlagen des Rech-
nungswesens müssen jederzeit die einzelnen schwebenden Geschäfte –
getrennt nach unterschiedlichen Geschäftsarten, nach Fälligkeiten und nach
Kontrahenten – erkennen lassen. Dies gilt auch im Falle von Netting-
vereinbarungen. Die Positionen je Währung und Geschäftsart sowie die
Handelsergebnisse sind regelmäßig mit den vom Handel ermittelten Wer-
ten abzustimmen.
8 Handel und Abwicklung 139

Änderungen und Stornierungen sind einer Kontrolle durch eine vom Han-
del unabhängige Stelle zu unterwerfen.
Bei DV-Verfahren ist die Funktionstrennung gewährleistet, wenn die Kon-
tierungsregeln bzw. die Buchungssystematik und die entsprechenden Pro-
gramme in der Verantwortung einer von Handel und Abwicklung unab-
hängigen Stelle liegen.

8.3.5 Überwachung

Dem Risikomanagement kommt bei Handelsgeschäften große Bedeutung


zu. Deshalb ist deren Risikogehalt zeitnah zu überwachen. Damit ist ein
Mitglied der Geschäftsleitung zu betrauen oder eine von dieser Stelle auto-
risierte Person, die keine unmittelbare Verantwortung für das Tagesgeschäft
im Handel tragen darf. Die nachfolgenden Aufgaben sind nicht delegier-
bar:
• Der zuständige Geschäftsleiter ist nachweislich täglich über die Risiko-
positionen und die Handelsergebnisse schriftlich oder in anderer geeig-
neter Form zum Geschäftsschluss zu unterrichten. Die mit den Han-
delsbereichen abgestimmte Meldung ist von einer vom Handel unab-
hängigen Stelle zu erstatten.
• Die Risikopositionen sind in verständlicher Form darzustellen und
müssen die Positionen nach Geschäfts- oder Risikoart oder Organisa-
tionseinheiten oder Portfolios, das jeweils festgesetzte Limit sowie des-
sen Ausnutzungsgrad erkennen lassen. Dabei ist darauf zu achten, dass
Spätgeschäfte bei den Positionen des Abschlusstages berücksichtigt
werden.
• Überschreitungen von Kontrahentenlimiten sind ab einer von der
Geschäftsleitung festzulegenden Grenze dem zuständigen Mitglied der
Geschäftsleitung täglich schriftlich anzuzeigen. Bei der Mitteilung der
Handelsergebnisse ist getrennt nach Handelsbereichen das Tagesergeb-
nis sowie das kumulierte Monats- bzw. Jahresergebnis darzustellen.
• Der zuständige Geschäftsleiter ist über die schwebenden Termingeschäfte
(einschließlich Options- und Pensionsgeschäfte und nicht unverzüglich
abgerechnete Geschäfte) mit den bedeutenden Kontrahenten mindes-
tens monatlich zu unterrichten. Die Geschäfte sind pro Kontrahent
betragsmäßig zusammenzufassen und dem jeweils eingeräumten Kon-
trahentenlimit gegenüberzustellen.
8 Handel und Abwicklung 140

• Der zuständige Geschäftsleiter hat die anderen Mitglieder der Geschäfts-


leitung mindestens monatlich über die Entwicklung der Risiko- und
Ertragslage in den einzelnen Handelsbereichen zu unterrichten und die
Ergebnisse zu erläutern. Er hat dabei auf besondere Risiken, auf nen-
nenswerte Limitüberschreitungen, auf Besonderheiten bei der Ertrags-
entwicklung sowie auf außergewöhnliche Abschlüsse hinsichtlich
Geschäftspartner, Volumen, Konditionen o.Ä. und deren geschäftliche
Hintergründe hinzuweisen; dies ist zu dokumentieren.
• Der zuständige Geschäftsleiter ist unverzüglich zu unterrichten, wenn
wiederholte oder gravierende Verletzungen dieser Anforderungen oder
der internen Anweisungen, nicht marktgerechte Bedingungen sowie unüb-
liches Geschäftsgebaren festgestellt werden oder Verdacht auf unkor-
rektes Handeln eines Marktteilnehmers besteht.

8.3.6 Verwahrung der Wertpapiere

Die erworbenen Wertpapiere werden nicht bei der KVG selbst verwahrt,
sondern bei der Verwahrstelle. Grundsätzlich gibt es drei Verwahrarten
• Sonder-/Streifbandverwahrung
• (Giro-)Sammelverwahrung und
• Wertpapierrechnung (Auslandsverwahrung).
Diese Verwahrarten sind im Depotgesetz geregelt. Die erste Verwahrart,
die Sonderverwahrung, ist die klassische Verwahrart der Vergangenheit.
Für den Kunden wurde beispielsweise die von ihm erworbene Aktie zu
seinen bereits gekauften gelegt und mit einer Papierbanderole gebündelt,
dem namensgebenden Streifband. Der Kunde hatte ein Sondereigentum an
denselben Stücken, die er gekauft oder eingeliefert hatte. Bei einem Ver-
kauf musste tatsächlich im Tresor des lagernden Kreditinstituts genau die
spezielle Aktie herausgesucht und verkauft werden – eine zeitaufwändige
und teure Angelegenheit! Es dürfte daher kaum überraschen, dass diese
Verwahrart heute die Ausnahme ist.
Bei der (Giro-)Sammelverwahrung hat der Kunde – gleich ob KVG oder
Privatanleger – ein Miteigentum am Sammelbestand. Ihm gehört damit
z.B. irgendeine Aktie der Deutschen Bank AG, nicht aber genau die
ursprünglich gekaufte mit dem kleinen Riss rechts oben in der Ecke.
8 Handel und Abwicklung 141

Diese Art der Verwahrung erlaubt eine Zentralisierung und damit eine
hohe (Kosten-)Effizienz bei der Verwahrung. Der Zentralverwahrer für
Deutschland ist Clearstream. Die Wertpapiere („Stücke“) bleiben bei Käu-
fen, Verkäufen und Übertragungen am gleichen Ort, die Veränderungen
werden lediglich von einem Sammeldepot ins andere verbucht. Weil „Giro“
den Buchungskreislauf bezeichnet, kommt daher auch die Bezeichnung
Giro-Sammelverwahrung.
Im Ausland gekaufte Wertpapiere werden üblicherweise nicht durch Clear-
stream verwahrt. Sie werden von einer ausländischen Stelle als Verwahrer/
Unterverwahrer treuhänderisch gehalten. Damit stehen dem Kunden zwar
alle Rechte aus dem Wertpapier zu, er ist aber nicht dessen Eigentümer im
juristischen Sinne. Bei der Verwahrart Wertpapierrechnung wird der
Kunde aufgrund der entsprechenden Anforderungen des Depotgesetzes
auch über das jeweilige Lagerland informiert.
Die Identifikation eines Wertpapiers erfolgte in Deutschland früher über
die sechsstellige Wertpapierkennnummer (WKN). Mittlerweile hat aber
auch hier zu Lande die International Securities Identification Number, kurz
ISIN, Einzug gehalten. Sie setzt sich zusammen aus einem zweistelligen Län-
dercode (für Deutschland DE), maximal neun Stellen für das Wertpapier sowie
an 12. Stelle die Prüfziffer. Weitere Informationen zu dem Wertpapier, z.B.
Dividenden, werden in den Stammdaten zusammengefasst. Lieferant dieser
Stammdaten für Deutschland sind die WM Wertpapiermitteilungen, Frankfurt.
9 Depotführung

Vor vielen Jahren war es noch möglich, dass man sich die unterschiedlich-
sten Wertpapiere bei seinem Kreditinstitut kaufte und sie tatsächlich mit
nach Hause nehmen oder im gemieteten Bankschließfach deponieren
konnte. Diese „effektiven Stücke“ gingen in die „Eigenverwahrung“. Bei
Aktien oder festverzinslichen Wertpapieren gab es einen „Bogen“, der
Coupons enthielt. Sie wurden abgeschnitten und bei Fälligkeit im Kredit-
institut vorgelegt, um Zinsen, Dividenden oder Ausschüttungen bei Fonds
zu erhalten. Naturgemäß war dies eine personal- und kostenintensive Vor-
gehensweise, die man zunehmend aufgab.
Heute werden für Fonds überwiegend Globalurkunden aufgelegt. Auf die
Ausgabe effektiver Stücke wird nahezu komplett verzichtet. Wer sich
heute Anteile an Investmentfonds zulegen will, eröffnet daher ein Depot,
entweder bei seiner Hausbank, einem anderen Kreditinstitut oder direkt
bei der KVG. Dort wird der überwiesene oder per Lastschrifteinzug verein-
nahmte Betrag erst einmal dem Treuhandkonto der KVG gutgebracht und
dann dem jeweiligen Anlagekonto zugeordnet. Parallel hierzu erfolgt die
Buchung der Wertpapiere. Die tägliche Abstimmung des Treuhandkontos
sowie die Abstimmung der Wertpapiergattungen in den Lagerstellen ist
hierbei oberste Pflicht und wird zusammen mit der Verwahrstelle wahrge-
nommen (siehe auch Kapitel 3 „Die Verwahrstelle“). Aber nicht immer
muss Geld fließen; Ein- und Auslieferungen, Überträge, der Tausch von
Fondsanteilen oder aber die automatische Wiederanlage von Ausschüttun-
gen sind selbstverständlich auch möglich.
Wie ein Kauf von Fondsanteilen aus der Sicht der KVG abläuft, ist auf den
nächsten Seiten nachzulesen.

9.1 Depoteröffnung

Die Depoteröffnung ist mittlerweile eine Wissenschaft für sich. Diverse


Anforderungen im Hinblick auf die Geldwäscheproblematik sowie die
Reform des Wertpapierhandels mit der Umsetzung der EU-Richtlinie
MiFID (Markets in Financial Instruments Directive) in nationales Recht
zum November 2007 fordern ihren Tribut. Zentrale Themen sind hier die
Harmonisierung der Finanzinstrumente sowie die Stärkung des Anleger-

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019
W. Raab (Hrsg.), Grundlagen des Investmentfondsgeschäftes, Edition
Frankfurt School, https://doi.org/10.1007/978-3-658-24155-1_9
9 Depotführung 144

schutzes. Ebenso werden den Banken aufgrund diverser Steuergesetzände-


rungen wie z. B. die Einführung einer Abgeltungsteuer zum 1. Januar 2009
immer wieder beträchtliche Ressourcen abverlangt.
So ist es nicht verwunderlich, dass die Allgemeinen Geschäftsbedingun-
gen und Sonderbedingungen etc. für den Kunden von Jahr zu Jahr umfang-
reicher werden. Recht zeitaufwändig muss er sich auch durch viel Klein-
gedrucktes seiner Bank und/oder der KVG durcharbeiten, bevor er seine
Unterschrift auf dem Depoteröffnungsantrag leistet und damit alle Bedin-
gungen anerkennt.
Hierzu gehören u. a. die Ausführungsgrundsätze der Bank zu Festpreisge-
schäften, Kommissionsgeschäften und Geschäften außerhalb organisierter
Märkte ebenso wie die Sonderbedingungen für Wertpapiergeschäfte und
Informationen über den Umgang der Bank mit möglichen Interessenkon-
flikten.
Die Bedingungen bzw. Sonderbedingungen der KVG bei einer Depoteröff-
nung haben es so richtig in sich: So muss sich der Kunde nicht wundern,
wenn er auf Informationen zum Fernabsatz gem. § 1 BGB-InfoV (Infor-
mationspflichten-Verordnung) trifft oder auf einen Präsenznachweis zum
Ausschluss von Fernabsatzgeschäften. Er muss sich mittlerweile auch ver-
pflichten, der KVG mitzuteilen, ob er zu dem Kreis der politisch exponier-
ten Personen (PEP) gehört etc. Er wird staunen, dass die Bank ihn und
seine Vermögensverhältnisse noch besser kennen lernen muss. Der eng-
lische Ausdruck „Know your Customer“ (KYC) beschreibt treffend ein
grundlegendes Prinzip beim Verkauf von Fondsanteilen an Anleger. Der
folgende Abschnitt zum Wertpapierhandelsgesetz geht hier noch ins Detail.
So viel sei aber schon verraten: Ob der Fonds zum Kunden passt, wird
mittlerweile noch genauer unter die Lupe genommen. Die Risikofreudig-
keit des Kunden wird sogar ins Verhältnis zu seinem Monatseinkommen
gesetzt und selbstverständlich umfangreich dokumentiert.
Aber das ist noch nicht alles. Die KVG darf nicht vergessen, die Gesamt-
kostenquote TER (= Total Expense Ratio) des Fonds im Verkaufsprospekt
und im Jahresbericht anzugeben. Im Halbjahres-/Jahresbericht ist darüber
hinaus der Betrag auszuweisen, der auf Ausgabeaufschläge, Rücknahme-
abschläge und die Vergütung für im Fonds gehaltene gruppeneigene Fonds-
anteile entfällt. Und auch ein absolutes Muss ist die Beschreibung im
ausführlichen Verkaufsprospekt, ob Kick-Backs (Rückvergütungen) von
Depotbanken/Dritten oder Aufwandserstattungen der KVG zufließen oder
Abschlussfolgeprovisionen an Vermittler gezahlt werden.
9 Depotführung 145

Wenn diese Hürden genommen sind und keine Kundenfrage mehr offen
ist, folgt die Legitimationsprüfung. Denn wer Bankgeschäfte tätigt, muss
sich identifizieren und angeben, ob er für eigene Rechnung handelt oder
im Namen Dritter agiert. Ein Konto kann zwar bereits vor Abschluss der
Legitimationsprüfung eingerichtet werden, Verfügungen sind jedoch erst
danach zulässig. Die Legitimationsprüfung aller über das Depot Verfügungs-
berechtigter ist gesetzlich vorgeschrieben (siehe § 154 Abgabenordnung
AO und Gesetz über das Aufspüren von Gewinnen aus schweren Straf-
taten Geldwäschegesetz GwG). Ausgangspunkt war die Geldwäsche-
problematik. Es sollte sichergestellt werden, dass keine Gelder aus ille-
galen Geschäften wie Drogenhandel o. Ä. auf ein Konto eingezahlt und
danach legal etwa ins Ausland überwiesen wurden. Durch den interna-
tionalen Terrorismus rückte das Thema verstärkt in den Blickpunkt. Mitt-
lerweile gibt es in Kreditinstituten Geldwäschebeauftragte, die natürlich
genau das Gegenteil von ihrer Bezeichnung erreichen sollen: nicht Geld zu
waschen, sondern Geldwäsche zu verhindern.
Es gibt eine Reihe von Indizien dafür, dass Geldwäsche vorliegen kann,
deren sich jeder Mitarbeiter bewusst sein sollte. Am offensichtlichsten
sind Einzahlungen in einer Höhe, die nicht zu dem Lebenshintergrund des
Einzahlenden passen. Ein Student oder Rentner, der mehrere zehntausend
Euro bar einzahlt, zählt auf jeden Fall dazu. Natürlich kann es auch hier
harmlose Erklärungen geben, sei es eine Erbschaft beim Studenten oder
die Anlage einer fälligen Lebensversicherung beim Rentner. Es ist aber
nicht Aufgabe des Instituts, diese Erklärungen einzufordern.
Ebenfalls auffällig können regelmäßige Einzahlungen Dritter auf ein
Investmentdepot sein, die immer knapp unter der Meldeschwelle von
15.000 Euro liegen. Ab diesem Betrag muss nämlich der Einzahlende
zwingend identifiziert werden.
Sobald solche Anhaltspunkte beobachtet werden, sind sie dem Geldwäsche-
beauftragten (bzw. letztlich den Behörden) zu melden. Zwar ist die Mehr-
zahl der Geldwäsche-Verdachtsfälle nicht bei der KVG, sondern bei den
Kreditinstituten zu erwarten. Dennoch müssen auch KVG-Mitarbeiter
hierfür sensibilisiert sein, denn § 11 des GwG verpflichtet Kreditinstitute,
beim Verdacht auf Geldwäsche eine Verdachtsanzeige zu erstatten. Der
Anzeigeerstatter ist dabei von jeglicher Haftung befreit, es sei denn, die
Anzeige erfolgt grob fahrlässig oder vorsätzlich unwahr (§ 12 GwG). Eine
Verdachtsanzeige muss auch dann erstattet werden, wenn der Verdacht auf
die Finanzierung einer terroristischen Vereinigung besteht.
9 Depotführung 146

Aufgepasst heißt es in diesem Zusammenhang auch für die Bank- bzw.


KVG-Mitarbeiter bei Zahlungen aus bzw. an so genannte Embargo-Län-
der, gegen die internationale Handelsbeschränkungen verhängt wurden und
die keine ausreichenden Maßnahmen zur Verhinderung von Geldwäsche
getroffen haben. Hierzu gehören zurzeit u.a. der Iran und Irak, aber auch
z. B. Montenegro und Serbien (Inzwischen gibt es sogar auch personen-
bezogene, länderunabhängige Embargos.) Ohne Zustimmung des Geld-
wäschebeauftragten findet hier grundsätzlich kein Geldtransfer statt.
Die Legitimationsprüfung erfolgt bei natürlichen Personen am einfach-
sten dadurch, dass der Kunde im Kreditinstitut seinen gültigen Personal-
ausweis oder Reisepass vorzeigt, also seine Identität mit amtlichen
Ausweispapieren belegt. Sie kann aber auch durch andere „zuverlässige
Dritte“ erfolgen. Dazu zählt auch der PostIdent Service der Deutschen Post
AG.
Nicht nur für natürliche Personen, sondern auch für Firmen, Vereine etc.
werden Depots eröffnet. In diesen Fällen ist zu überprüfen, wer ein Depot
eröffnen darf, also für den jeweiligen Depotinhaber handlungsbefugt ist.
Die Berechtigung hängt von der Rechtsform des Depotinhabers ab. Hier
ist – neben der persönlichen Legitimation des Antragstellers – der Hinweis
auf ein amtliches Register (z. B. Handelsregister) unter Angabe der
Registernummer oder Bezugnahme auf eine amtliche Veröffentlichung,
z. B. ein Gesetz oder eine Verordnung erforderlich.
Im Antrag kann auch ein Bevollmächtigter zu Lebzeiten (und über den
Tod hinaus) oder nur für den Todesfall angegeben werden. Der Abschluss
eines Vertrages zugunsten Dritter ist ebenfalls möglich. Depots können
zugunsten Minderjähriger eröffnet werden. Dazu muss jedoch die Zustim-
mung der Erziehungsberechtigten vorliegen. Selbstverständlich gibt es
auch Depots für Eigenanlagen der Banken, Mündelgelder und für Notare,
Rechtsanwälte etc.

9.2 Anforderungen des Wertpapierhandelsgesetzes

Wie bereits erwähnt, hat im Vorfeld zum Verkauf von Anteilscheinen eines
Fonds die Risikoeinstufung des Kunden zu erfolgen – das eigentliche
„Know your Customer“. Das Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) verpflich-
tet in § 32 Wertpapierdienstleistungsunternehmen, von ihren Kunden
Angaben über ihre Erfahrungen oder Kenntnisse bei der Geldanlage, ihre
Anlageziele sowie über ihre finanziellen Verhältnisse zu verlangen. Sie
9 Depotführung 147

müssen auch ihren Kunden alle zweckdienlichen Informationen mitteilen,


soweit dies zur Wahrung der Interessen der Kunden und im Hinblick auf
Art und Umfang der beabsichtigten Geschäfte erforderlich ist.
Zur Befragung über die Anlageziele gehört auch der Umfang der Risiko-
bereitschaft. Die Begriffe Anlageziel und Risikobereitschaft sind jedoch
nicht deckungsgleich. Die Befragung des Kunden nur nach der Risiko-
bereitschaft genügt daher nicht. Die Einholung von Kundenangaben muss
sich vielmehr sowohl auf die Anlageziele im Sinne des verfolgten Zwecks
(z. B. Altersvorsorge, Ausbildung der Kinder, kurzfristige spekulative
Anlage) als auch auf die Frage beziehen, welches Risiko der Kunde zur
Erreichung dieses Ziels einzugehen bereit ist. Es ist dabei sicherzustellen,
dass ihm nur solche Fonds verkauft werden, die zu ihm „passen“. Wer bei-
spielsweise Geld anlegen will, mit dem er in zwei Jahren seinen Immobi-
lienkredit zurückzahlen will, ist kein Kunde für einen Emerging-Markets-
Aktienfonds. Diese Risikoeinstufung erfolgt im Verkaufs- bzw. Beratungs-
gespräch, ist also in dem Moment, in dem die KVG das Depot eröffnet,
bereits erfolgt.
Bei Geschäften über Fondsanteile gehört zu den zweckdienlichen Informa-
tionen nach Auffassung der BaFin auch die Information über die Auftrags-
und Abrechnungspraxis. Eine Ordererteilung z. B. am 27. Februar bis
9.00 Uhr bewirkt die Abrechnung zum Anteilwert, der am 27. Februar
nachmittags ermittelt wird, Ordereingänge nach 9.00 Uhr werden zum
Anteilwert 28. Februar abgerechnet.

9.2.1 Depotverfügungen

Wenn das Depot nach erfolgreicher Legitimationsprüfung eröffnet wurde,


muss auch klar sein, wer darüber verfügen darf. Bei natürlichen Personen
sind unterschiedliche Varianten neben der „Nur-ich-Version“ denkbar. Bei
Ehepaaren ist es üblich, dass beide unabhängig voneinander über das
Depot verfügen können („Oder-Konten“). Wenn das Depot beispielsweise
für die eigenen minderjährigen Kinder errichtet wurde, muss der gesetz-
liche Vertreter (üblicherweise beide Elternteile) die Zustimmung geben.
Der Depotinhaber kann zudem Vollmachten erteilen. Von großer Bedeu-
tung sind diejenigen, die „über den Tod hinaus“ gelten. Damit kann der
Bevollmächtigte auch bei Tod des Depotinhabers über das Depot verfügen.
9 Depotführung 148

Durch den Tod eines Familienmitgliedes werden die Erben zu Rechtsnach-


folgern des Verstorbenen. Allerdings bleiben Aufträge, die der Verstorbene
zu Lebzeiten erteilt hat, rechtlich wirksam, beispielsweise der regelmäßige
Erwerb von Fondsanteilen per Dauerauftrag. Legitimierte Erben haben
aber die Möglichkeit, diese Aufträge zu widerrufen.
Sobald die Depot führende Stelle vom Todesfall eines Ihrer Kunden durch
persönliche Mitteilung der Hinterbliebenen oder durch die Todesanzeige
in der Zeitung erfährt, werden die Konten umgehend mit „Nachlass“ ver-
sehen.
Die Depot führende Stelle ist dazu verpflichtet, innerhalb von vier Wochen
nach Bekanntwerden des Todesfalls eine Meldung an das zuständige
Finanzamt abzugeben, wenn die Vermögenswerte des Verstorbenen am
Todestag oder am Tag vor dem Tod 1.200 Euro übersteigen.
Diese Meldung erfolgt gleichfalls für Konten, für die ein Vertrag zugunsten
Dritter (bei dem ein Dritter das Recht erwirbt, die vertraglich vereinbarte
Leistung zu fordern, etwa ein Depot, das für ein Patenkind angelegt
wurde) abgeschlossen wurde. Bei Gemeinschaftskonten wird das Gesamt-
guthaben, bei Wertpapierdepots der Kurswert zur Berechnung der Gut-
haben herangezogen.
Um sich als Erbe gegenüber der Bank legitimieren zu können, benötigt
man einen Erbschein des zuständigen Nachlassgerichtes oder ein Testa-
ment mit Eröffnungsprotokoll. Die Verwaltung der Nachlasswerte steht
den Erben nach dem Gesetz prinzipiell nur gemeinschaftlich zu.
Ohne entsprechende Legitimation sind Verfügungen über die Konten
lediglich zum Zweck der Begleichung von Beerdigungskosten zulässig.
Bei einer „Vollmacht für den Todesfall“ darf der Bevollmächtigte erst nach
erfolgter Legitimation und unter Vorlage einer Sterbeurkunde über die
Konten verfügen. Die Erben haben aber die Möglichkeit, diese Vollmach-
ten schriftlich zu widerrufen. Selbst der Widerspruch eines Erben einer
Erbengemeinschaft reicht hierzu aus.
Depots können auch ver- oder gepfändet werden. Die Depot führende
Stelle muss dann eine entsprechende Verfügungsbeschränkung vermerken
und beachten.
Nach der Klärung der rechtlichen Nachfolge und / oder der Verfügungs-
berechtigung werden die Depots entsprechend umgeschrieben, die Fonds-
anteile übertragen oder die Gegenwerte ausgezahlt.
9 Depotführung 149

9.2.2 Besonderheiten bei VL-Verträgen

Bei VL-Konten, auf die vermögenswirksame Leistungen eingehen, ist ein


Sperrvermerk einzutragen. Über vermögenswirksame Leistungen darf der
Sparer nach § 4 des 5. Vermögensbildungsgesetzes (VermBG) nur dann
sparzulagenunschädlich verfügen, wenn:
• der Arbeitnehmer oder sein von ihm nicht dauernd getrennt lebender
Ehegatte nach Vertragsabschluss gestorben oder völlig erwerbsunfähig
geworden ist,
• der Arbeitnehmer nach Vertragsabschluss, aber vor der vorzeitigen
Verfügung geheiratet hat und zum Zeitpunkt der vorzeitigen Verfügung
mindestens zwei Jahre seit Beginn der Sperrfrist vergangen sind,
• der Arbeitnehmer nach Vertragsabschluss arbeitslos geworden ist und
die Arbeitslosigkeit mindestens ein Jahr lang ununterbrochen bestan-
den hat und zum Zeitpunkt der vorzeitigen Verfügung noch besteht,
• der Arbeitnehmer den Erlös innerhalb der folgenden drei Monate
unmittelbar für die eigene Weiterbildung oder für die seines von ihm
nicht dauernd getrennt lebenden Ehegatten einsetzt und die Maßnahme
außerhalb des Betriebes, dem er oder der Ehegatte angehört, durchge-
führt wird und Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt werden, die dem
beruflichen Fortkommen dienen und über arbeitsplatzbezogene Anpas-
sungsfortbildungen hinausgehen.
• der Arbeitnehmer nach Vertragsabschluss unter Aufgabe der nicht-
selbstständigen Arbeit eine Erwerbstätigkeit, die nach § 138 Abs. 1 der
Abgabenordnung der Gemeinde mitzuteilen ist, aufgenommen hat oder
• festgelegte Wertpapiere veräußert werden und der Erlös bis zum Ablauf
des Kalendermonats, der dem Kalendermonat der Veräußerung folgt, zum
Erwerb von in Absatz 1 des VermBG als zulässig bezeichneten Wert-
papieren (z.B. Anteile an einem anderen Aktienfonds) wiederverwen-
det wird; der bis zum Ablauf des der Veräußerung folgenden Kalender-
monats nicht wiederverwendete Erlös gilt als rechtzeitig wiederver-
wendet, wenn er am Ende eines Kalendermonats insgesamt 150 Euro
nicht übersteigt.
9 Depotführung 150

Bei einer vorzeitigen, zulagenschädlichen Verfügung muss die Depot füh-


rende Stelle die Zentrale Stelle in Berlin darüber informieren. Da der
Kunde grundsätzlich auch über VL-Konten jederzeit verfügen kann, wird
die KVG ihm üblicherweise auf die Folgen einer vorzeitigen zulagen-
schädlichen Verfügung hinweisen. Sie kann ihm aber die Auszahlung nicht
grundsätzlich verweigern.
Beim normalen Verlauf eines VL-Vertrags erhält der Sparer eine Beschei-
nigung (gemäß amtlichem Muster) über die in einem Kalenderjahr gezahl-
ten vermögenswirksamen Leistungen. Diese Bescheinigung muss gemäß
5. VermBG nur „auf Verlangen“ des Anlegers erstellt werden. Sie wird
aber üblicherweise automatisch, meist mit dem Jahresdepotauszug, ver-
schickt.

9.3 Bescheinigungen

Die Depot führende Stelle muss einer Reihe von Bescheinigungspflichten


nachkommen. So regelt das Depotgesetz, dass dem Kunden ein Nachweis
über die Beschaffung des Miteigentums an einem Wertpapiersammelbe-
stand unverzüglich mitzuteilen ist.
Eine Erleichterung ergibt sich aus § 24 Abs. 3 des Depotgesetzes: Dem-
nach braucht die Verschaffung des Miteigentums dem Kunden erst inner-
halb von 13 Monaten mitgeteilt werden, sofern das Miteigentum jeweils
aufgrund einer vertraglich vereinbarten gleich bleibenden monatlichen,
zweimonatlichen oder vierteljährlichen Zahlung erworben wird und diese
Zahlungen jährlich das Dreifache des nach dem Vermögensbildungsgeset-
zes förderfähigen Betrags ausmachen. Aktuell sind dies 3 x 470,00 Euro,
also 1.410,00 Euro per annum oder 117,50 Euro pro Monat. Damit genügt
es bei Sparplänen über diese Summe (also auch länger laufende, die
seinerzeit über einen Betrag von 200 DM abgeschlossen wurden) einmal
jährlich eine Mitteilung zu versenden.
Verpflichtend ist auch der Versand eines jährlichen Depotauszugs. Er
informiert den Kunden über die im Kalenderjahr gebuchten Umsätze und
den aktuellen Bestand auf seinem Depot zum 31.12. des Jahres.
9 Depotführung 151

9.3.1 Steuerrechtliche Vorschriften

Bei der Depotführung sind auch steuerrechtliche Vorschriften anzuwenden.


Falls kein Freistellungsauftrag bzw. keine Nichtveranlagungs-Bescheini-
gung vorliegt, ist von den zinsabschlagsteuerpflichtigen Erträgen Zins-
abschlagsteuer einzubehalten. Hat der Anleger einen Freistellungsauftrag
erteilt, muss dieser entsprechend beachtet werden. Seit dem 1. Januar 2009
wurden Sparerfreibetrag und Werbungskostenpauschbetrag zum Sparer-
Pauschbetrag von 801 Euro für Alleinstehende bzw. 1.602 Euro für
Zusammenveranlagte zusammengeführt. Sind die steuerpflichtigen Erträge
höher, ist auf den Überschreitungsbetrag Abgeltungsteuer abzuführen.
Der Anleger als Steuerzahler weiß die automatisch zugesandten Erträgnis-
aufstellungen bzw. Steuerbescheinigungen sehr zu schätzen. Die Erträgnis-
aufstellung fällt bei kompletter Freistellung an; bei Abzug von Abgeltung-
steuer, Kapitalertragsteuer und/oder Körperschaftsteuer erhält er mit der
Steuerbescheinigung detailliert alle steuerlich relevanten Daten pro Fonds-
anteil. Das Ausfüllen der persönlichen Einkommensteuererklärung – falls
dies trotz Abgeltungsteuer nötig sein sollte – ist dann zumindest für diesen
Bereich nicht mehr die große Herausforderung (siehe auch Kapitel 10
„Besteuerung von Investmentfonds“).

9.3.2 Vermittlerdaten in der Depotführung

Die Depotführung ist nicht nur für die Beziehung Anleger/KVG zuständig.
Sie pflegt auch die Vermittlerdaten. Wesentliches Element dabei ist die
Provisionszahlung, also das Entgelt für die Vermittlungsleistung. Diese
finanziert sich aus dem Ausgabeaufschlag. Wie genau die Aufteilung des
Ausgabeaufschlags zwischen KVG und Vermittler erfolgt, ist von KVG zu
KVG unterschiedlich.
In einigen Fällen erhalten die Vermittler regelmäßig weitere Zahlungen,
die als Abschlussfolgeprovisionen zu sehen sind. Auch hier obliegt der
Depot führenden Stelle die Abrechnung.
Derartige Vertriebsvergütungen aus dem Kommissionsgeschäft unterliegen
heutzutage immer strengeren Regeln. Sie sind für die Vermittler als Zuwen-
dungen zu kennzeichnen. Der Gesetzgeber will hiermit sicherstellen, dass
diese Zahlungen in einen Zusammenhang mit den Beratungsleistungen
und Aufwendungen daraus gestellt werden (können).
10 Besteuerung von Investmentfonds

Mit dem Investmentmodernisierungsgesetz wurde zwar zum 1.1.2004 aus-


drücklich auch ein Investmentsteuergesetz geschaffen, dennoch ist die
Besteuerung von Investmentfonds nicht umfassend in diesem einen Gesetz
allein geregelt. Vielmehr ist ein Geflecht aus mehreren Gesetzen vorhan-
den, das die Besteuerung regelt. Daher werden im Folgenden zunächst
gezielt allgemeine Grundlagen dargestellt, um letztlich auf die Spezial-
regelungen für Investmentfonds einzugehen.
Warum werden überhaupt Steuern erhoben? Bund, Länder und Gemeinden
haben vielfältige Aufgaben zu erfüllen, insbesondere in den Bereichen
• Verwaltung,
• Verteidigung,
• Öffentliche Sicherheit,
• Soziale Sicherung,
• Bildung, Wissenschaft, Forschung,
• Verkehrswesen.
Die Finanzierung dieser Aufgaben erfolgt im Wesentlichen durch öffent-
lich-rechtliche Abgaben. Dazu zählen:
• Steuern,
• Gebühren,
• Beiträge,
• Steuerliche Nebenleistungen.
Dabei stellen Steuern die wichtigste Einnahmequelle dar.

Steuern sind Geldleistungen, die nicht eine Gegenleistung für eine


besondere Leistung darstellen und von einem öffentlich-rechtlichen
Gemeinwesen zur Erzielung von Einnahmen allen auferlegt werden,
bei denen der Tatbestand zutrifft, an den das Gesetz die Leistungs-
pflicht knüpft; die Erzielung von Einnahmen kann Nebenzweck sein;
§ 3 Abs. 1 Abgabenordnung (AO).

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019
W. Raab (Hrsg.), Grundlagen des Investmentfondsgeschäftes, Edition
Frankfurt School, https://doi.org/10.1007/978-3-658-24155-1_10
10 Besteuerung von Investmentfonds 154

Entsprechend wird beispielsweise die Mineralölsteuer nicht dazu erhoben,


um davon gezielt neue Straßen zu bauen. Die Einnahmen fließen vielmehr
in den großen „Steuertopf“, aus dem die unterschiedlichen staatlichen Auf-
gaben finanziert werden. Dagegen stehen Gebühren und Beiträge stets im
Zusammenhang mit Gegenleistungen (z.B. Kanalbenutzungsgebühren,
Passgebühren, Sozialversicherungsbeiträge).
Steuerliche Nebenleistungen (z.B. Verspätungszuschläge, die zu zahlen
sind, wenn die Steuererklärung zu spät abgegeben wird) sind selbst keine
Steuern, sie können jedoch im Zusammenhang mit der Besteuerung und
der Steuererhebung auftreten. Für den öffentlichen Haushalt stellen die
Einkommensteuer und die Umsatzsteuer (im allgemeinen Sprachgebrauch
Mehrwertsteuer genannt) die bedeutendsten Steuerarten dar.
Die verschiedenen Steuerarten lassen sich nach unterschiedlichen Merk-
malen einteilen, u.a.
• nach der Ertragshoheit,
• nach der Überwälzbarkeit,
• nach dem Gegenstand der Besteuerung,
• nach dem Erhebungsverfahren.
Nach der Ertragshoheit („Wer bekommt das Geld?“) ist zu unterscheiden
zwischen
• Bundessteuern (z.B. Mineralölsteuer, Tabaksteuer, Branntweinsteuer),
• Landessteuern (z.B. Biersteuer, KFZ-Steuer),
• Gemeindesteuern (z.B. Gewerbesteuer, Grundsteuer),
• Gemeinschaftsteuern (z.B. Einkommensteuer inkl. Lohnsteuer und Kapi-
talertragsteuer, Körperschaftsteuer, Umsatzsteuer).
Die Gemeinschaftsteuern sind nach einem festen Prozentschlüssel zwi-
schen Bund, Ländern und Gemeinden aufzuteilen.
Nach der Überwälzbarkeit ist zu unterscheiden zwischen direkten Steuern
und indirekten Steuern. Bei den direkten Steuern ist der Steuerschuldner
zugleich derjenige, der wirtschaftlich belastet wird (z.B. hat jeder Ein-
kommensteuerpflichtige seine persönliche Einkommensteuer auch selbst
zu zahlen). Dagegen ist bei indirekten Steuern der Steuerschuldner nicht
10 Besteuerung von Investmentfonds 155

derjenige, der auch wirtschaftlich belastet ist (so wird die Umsatzsteuer zwar
vom leistenden Unternehmer an das Finanzamt abgeführt, allerdings zahlt
der Verbraucher diese Steuer in seinem Preis mit an den leistenden Unter-
nehmer).
Zu den direkten Steuern zählen daher insbesondere die Einkommensteuer
und die Körperschaftsteuer, zu den indirekten Steuern insbesondere die
Umsatzsteuer.
Nach dem Gegenstand der Besteuerung ist zwischen Besitz- und Verkehrs-
steuern einerseits und Zöllen und Verbrauchssteuern andererseits zu unter-
scheiden. Besitzsteuern sind Steuern, deren Gegenstand Besitzwerte (Ein-
kommen, Vermögen) sind. Sie werden wiederum unterteilt in Personen-
steuern (z.B. Einkommensteuer und Körperschaftsteuer), die an persönliche
Verhältnisse (etwa den Familienstand) und Leistungsfähigkeit (z.B. Ein-
kommen) einer Person anknüpfen, und Realsteuern (z.B. die Gewerbe-
steuer), die an ein Objekt (z.B. an einen Gewerbebetrieb) anknüpfen. Ver-
kehrssteuern (z.B. die Umsatzsteuer) sind Steuern, die an rechtliche bzw.
wirtschaftliche Vorgänge wie etwa einen Kaufvertrag gebunden sind.
Nach dem Erhebungsverfahren ist zu unterscheiden zwischen Veranla-
gungssteuern (z. B. Einkommensteuer, Körperschaftsteuer), bei denen
eine Steuererklärung abzugeben ist und dem ein Steuerbescheid folgt, und
Abzugssteuern (z.B. Lohnsteuer, Kapitalertragsteuer), die aus Gründen
der Vereinfachung an der Quelle erhoben werden. So wird beispielsweise
die Lohnsteuer vom Arbeitgeber einbehalten und abgeführt.

10.1 Einkommensteuer

Rechtsgrundlagen der Einkommensteuer sind im Wesentlichen das Ein-


kommensteuergesetz (EStG) und die Lohn- und Einkommensteuerdurch-
führungsverordnungen (LStDV und EStDV). Die Finanzverwaltung ist bei
der Auslegung dieser Gesetze an Einkommensteuerrichtlinien (EStR) gebun-
den. Urteile der Finanzgerichte binden die Verwaltung nur im entschiede-
nen Einzelfall. Werden Urteile des Bundesfinanzhofes (BFH) ohne gleich-
zeitigen Nichtanwendungserlass im Bundessteuerblatt (BStBl.) veröffent-
licht, so erkennen die obersten Finanzbehörden diese Rechtsprechung
allgemein an.
10 Besteuerung von Investmentfonds 156

10.1.1 Gliederung des Einkommensteuergesetzes (EStG)

Das Inhaltsverzeichnis des EStG zeigt bereits eine grobe Gliederung des
Gesetzes:

Abschnitt I Persönliche Steuerpflicht Wer ?


Abschnitt II Sachliche Steuerpflicht Was ?
(Bemessungsgrundlage)
Abschnitt III Veranlagung (Steuerfestsetzung) Wie ?
Abschnitt IV und V Tarif, Steuerermäßigung (Höhe der ESt) Wie viel ?
Abschnitt VI Fälligkeit und Tilgung (Erhebung) Wann ?

10.1.2 Subjekt der Einkommensteuer – Wer ist steuerpflichtig?

Die persönliche Steuerpflicht erfasst nach § 1 Abs. 1 EStG natürliche Per-


sonen (d.h. Menschen von der Geburt bis zum Tod), grundsätzlich ohne
Rücksicht auf die Staatsangehörigkeit. Da auch nicht natürliche Gebilde
eine Steuer auf den Ertrag (nach den Vorgaben des Körperschaftsteuer-
gesetzes (KStG)) abführen, ergibt sich durch eine Zusammenschau von § 1
EStG und § 1 KStG nachfolgende Struktur:

Steuerpflicht

Natürliche
ESt-Subjekt
Personen

Personenvereinigungen und
Vermögensmassen, die unter
§§ 1 und 2 KStG fallen; z.B. KSt-Subjekt
GmbH, AG, Stiftung

Personenvereinigungen, die
nicht unter §§ 1 und 2 KStG Weder noch
fallen; z.B. GbR, OHG, KG

Abbildung 11
10 Besteuerung von Investmentfonds 157

Natürliche Personen unterliegen also der Einkommensteuer, insbesondere


Kapitalgesellschaften der Körperschaftsteuer.
Personengesellschaften unterliegen weder der Einkommensteuer noch der
Körperschaftsteuer.
Vielmehr sind die Einkünfte der Personengesellschaft auf der Ebene der an
der Personengesellschaft beteiligten Gesellschafter zu versteuern.
Herr Bullie und Herr Härbig betreiben gemeinsam in der Rechtsform einer
OHG eine Bäckerei, die auf Käsesahne spezialisiert ist. Die Einkünfte der
Bäckerei werden auf der Ebene der OHG ermittelt und den Gesellschaf-
tern Bullie und Härbig entsprechend ihrer Beteiligung zugerechnet. Damit
versteuern Bullie und Härbig im Rahmen ihrer Einkommensteuerveranla-
gung anteilig die Einkünfte der OHG.
Bei der persönlichen Steuerpflicht wird unterschieden zwischen der unbe-
schränkten und der beschränkten Steuerpflicht.

§ 1 EStG [Steuerpflicht] – Auszug


(1) Natürliche Personen, die im Inland einen Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen
Aufenthalt haben, sind unbeschränkt einkommensteuerpflichtig.
(...)
(4) Natürliche Personen, die im Inland weder einen Wohnsitz noch ihren gewöhn-
lichen Aufenthalt haben, sind (…) beschränkt einkommensteuerpflichtig, wenn
sie inländische Einkünfte im Sinne des § 49 haben.
§ 8 AO [Wohnsitz]
Einen Wohnsitz hat jemand dort, wo er eine Wohnung unter Umständen inne-
hat, die darauf schließen lassen, dass er die Wohnung beibehalten und benutzen
wird.
§ 9 AO [Gewöhnlicher Aufenthalt]
Den gewöhnlichen Aufenthalt hat jemand dort, wo er sich unter Umständen
aufhält, die erkennen lassen, dass er an diesem Ort oder in diesem Gebiet nicht
nur vorübergehend verweilt. Als gewöhnlicher Aufenthalt im Geltungsbereich
dieses Gesetzes ist stets und von Beginn an ein zeitlich zusammenhängender
Aufenthalt von mehr als sechs Monaten Dauer anzusehen; kurzfristige Unter-
brechungen bleiben unberücksichtigt. Satz 2 gilt nicht, wenn der Aufenthalt
ausschließlich zu Besuchs-, Erholungs-, Kur- oder ähnlichen privaten Zwecken
genommen wird und nicht länger als ein Jahr dauert.
10 Besteuerung von Investmentfonds 158

Die unbeschränkte ESt-Pflicht erstreckt sich auf sämtliche Einkünfte.


Daraus leitet man das Welteinkommensprinzip oder Prinzip der Global-
besteuerung ab.

§ 2 EStG [Umfang der Besteuerung, Begriffsbestimmungen] – Auszug


(1) Der Einkommensteuer unterliegen
1. Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft,
2. Einkünfte aus Gewerbebetrieb,
3. Einkünfte aus selbstständiger Arbeit,
4. Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit,
5. Einkünfte aus Kapitalvermögen,
6. Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung,
7. Sonstige Einkünfte im Sinne des § 22,
die der Steuerpflichtige während seiner unbeschränkten Einkommensteuerpflicht
oder als inländische Einkünfte während seiner beschränkten Einkommensteuer-
pflicht erzielt.

Beschränkt steuerpflichtig sind natürliche Personen, die im Inland weder


einen Wohnsitz noch ihren gewöhnlichen Aufenthalt, aber inländische
Einkünfte i.S. des § 49 EStG haben. Die Steuerpflicht beschränkt sich auf
die in § 49 EStG aufgeführten Einkünfte.
Doktor Ievel, ein Arzt, der in Südafrika seinen einzigen Wohnsitz und sei-
nen ständigen Aufenthalt hat, besitzt ein privates Mietshaus in Kiel. Mit
den Mieteinkünften aus dem Kieler Haus wird er zur deutschen ESt heran-
gezogen. Seine deutsche Steuerpflicht ist auf diese Einkünfte beschränkt.
Sie erfasst nicht die Einkünfte aus der Arztpraxis. Seine Staatsangehörig-
keit ist dabei gleichgültig.
Da eine natürliche Person bei Einkünften aus mehreren Staaten von meh-
reren Fisken in Anspruch genommen wird, entsteht das Problem der
Doppelbesteuerung. Um sie zu vermeiden, gibt es entsprechende Doppel-
besteuerungsabkommen (DBA), die zwischen den Staaten abgeschlossen
wurden, oder einzelstaatliche Regelungen.
Der Rechtsanwalt Tilzian, der in Deutschland seinen einzigen Wohnsitz
und seinen ständigen Aufenthalt hat, besitzt ein vermietetes Wohnhaus in
Frankreich. Mit den Mieteinkünften wird er zur französischen Einkom-
mensteuer herangezogen. Grundsätzlich hätte er diese Einkünfte auch in
Deutschland zu versteuern (Welteinkommensprinzip). Deutschland und
10 Besteuerung von Investmentfonds 159

Frankreich haben sich jedoch im Rahmen eines Doppelbesteuerungs-


abkommens (DBA) darauf verständigt, dass nur Frankreich das Besteue-
rungsrecht hat und Deutschland diese Einkünfte steuerfrei zu stellen hat
(sog. DBA-Freistellungsmethode). In Deutschland hat der Rechtsanwalt
diese Einkünfte somit nicht zu versteuern.
Diese Lösung (Freistellung der Mieterträge im Belegenheitsstaat der Immo-
bilie und Freistellung der Mieterträge im Wohnsitzstaat) ist für Einkünfte
aus unbeweglichem Vermögen typisch.

10.1.3 Gegenstand der Einkommensteuer – Was wird besteuert?

Die Antwort auf diese Frage behandeln Vorschriften zur sachlichen Steuer-
pflicht. Ihr Ziel ist die Ermittlung des „zu versteuernden Einkommens“.
Das zu versteuernde Einkommen (z.v.E.) wird folgendermaßen ermittelt:
1 Summe der Einkünfte aus den Einkunftsarten
2 = Summe der Einkünfte
3 – Altersentlastungsbetrag (§ 24a EStG)
4 – Entlastungsbetrag für Alleinerziehende (§ 24b EStG)
5 – …
6 + …
7 = Gesamtbetrag der Einkünfte (§ 2 Abs. 3 EStG)
8 – Verlustabzug nach § 10d EStG
9 – Sonderausgaben (§§ 10, 10a, 10b, 10c EStG)
10 – außergewöhnliche Belastungen (§§ 33 bis 33b EStG)
11 – …
12 + …
13 + …
14 = Einkommen (§ 2 Abs. 4 EStG)
15 – Freibeträge für Kinder (§§ 31, 32 Abs. 6 EStG)
16 – …
17 = z.v.E. (§ 2 Abs. 5 EStG)
10 Besteuerung von Investmentfonds 160

Kapitalerträge sind grundsätzlich jedoch nicht in diesem Schema enthalten


(eine geschlossene Darstellung der Besteuerung von Einkünften aus Kapi-
talvermögen im Rahmen der ab 2009 geltenden sog. Abgeltungsteuer erfolgt
unter 10.2.4).
Das vorstehende Schema ist in § 2 EStG angelegt. Aus dieser Vorschrift
ergeben sich auch die aus der Verfassung ableitbaren und in der Grund-
struktur des EStG verankerten maßgeblichen Leitprinzipien:

10.1.3.1 Prinzip der individuellen Leistungsfähigkeit

Das Prinzip der individuellen Leistungsfähigkeit besagt, dass jeder Bürger


entsprechend seiner persönlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit
Steuern zahlen muss. Es ist aus dem allgemeinen Gleichbehandlungs-
grundsatz des Art. 3 GG abgeleitet.

Art. 3 GG [Gleichheit vor dem Gesetz]


(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche
Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf
die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse,
seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen
oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand
darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Das Prinzip der individuellen Leistungsfähigkeit ist ein Konglomerat


mehrerer Prinzipien:

10.1.3.2 Grundsatz der Individualbesteuerung

Aus dem Grundsatz der Individualbesteuerung ergibt sich die Regel, dass
die steuerlichen Verhältnisse eines Steuerpflichtigen nicht mit den steuer-
lichen Verhältnissen eines anderen gekoppelt werden dürfen.
10 Besteuerung von Investmentfonds 161

Vater Somer Himson und Sohn Hart erzielen Verluste aus einem Miets-
haus, das ihnen je zur Hälfte gehört. Der Vater hat freiberufliche positive
Einkünfte (Gewinne), die die dem Vater zugewiesenen Verluste überstei-
gen. Sohn Hart hat keine weiteren Einkünfte. Die Verluste des Sohnes darf
der Vater nicht geltend machen.
In Sonderfällen wie der Ehegattenveranlagung wird der Grundsatz der Indivi-
dualbesteuerung in seiner strengen Ausgestaltung nicht durchgehalten.
Das Ehepaar Vihdora und Schregg erzielt Verluste aus einem Mietshaus,
das ihnen je zur Hälfte gehört. Der Ehemann Schregg hat freiberufliche
positive Einkünfte (Gewinne), die die dem Ehemann zugewiesenen Ver-
luste übersteigen. Die Ehefrau Vihdora hat keine weiteren Einkünfte. Die
Verluste seiner Frau darf Schregg bei der Ermittlung seiner steuerlichen
Bemessungsgrundlage im Fall einer Zusammenveranlagung (regelmäßig)
geltend machen.

§ 26b EStG [Zusammenveranlagung von Ehegatten]


Bei der Zusammenveranlagung von Ehegatten werden die Einkünfte, die die
Ehegatten erzielt haben, zusammengerechnet, den Ehegatten gemeinsam zuge-
rechnet und, soweit nichts anderes vorgeschrieben ist, die Ehegatten sodann
gemeinsam als Steuerpflichtiger behandelt.

10.1.3.3 Teilung der Leistungsfähigkeit

Nach der Vorgabe des am Rechtsstaatsprinzip (Art. 20 GG) ausgerichteten


Leistungsfähigkeitsprinzips darf nur das disponible Einkommen ver-
steuert werden.

Art. 20 GG [Verfassungsgrundsätze; Widerstandsrecht]


(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bun-
desstaat.
(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und
Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehen-
den Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.
(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende
Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.
(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle
Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.
10 Besteuerung von Investmentfonds 162

Danach müssen die für einen Steuerpflichtigen nicht vermeidbaren Ausga-


ben immer zum Abzug zugelassen werden.
Das Einkommensteuersystem trennt die Leistungsfähigkeit in eine objek-
tive und subjektive Leistungsfähigkeit.
Die objektive Leistungsfähigkeit wird auch als Ebene der Einkünfte-
erzielung verstanden.
Herr Daff und Herr Veider sind Nachbarn; sie sind als Arbeitnehmer bei
dem gleichen Unternehmen beschäftigt. Herr Daff verdient als Abteilungs-
leiter doppelt so viel wie sein Nachbar, der Botengänge verrichtet. Herr
Daff ist objektiv leistungsfähiger als Herr Veider und muss daher grund-
sätzlich auch mehr Einkommensteuer bezahlen.
Die subjektive Leistungsfähigkeit wird grundsätzlich in der Ebene der
Einkünfteverwendung dargestellt. Sie bildet die sozialstaatliche Kompo-
nente der Einkommensteuer. Ausgaben, die dem eigenen Existenzminimum
und dem Familienexistenzminimum dienen, werden zum Abzug zugelas-
sen. Das Existenzminimum umfasst insbesondere Essen und Trinken,
Wohnen und einen kulturellen Mindeststandard.
Frau Emmie Nem und Frau Petra Hilltonn sind Nachbarn; sie sind als
Arbeitnehmerinnen bei dem gleichen Unternehmen beschäftigt. Ihr Gehalt
ist gleich hoch. Während Emmie Nem Single ist und keine Kinder hat, ist
Frau Hilltonn verheiratet. Petra Hilltonn versorgt mit ihrem Gehalt die
ganze Familie, zudem unterstützt sie ihre Mutter, die selbst mittellos ist.
Emmie Nem ist im Vergleich zu Frau Hilltonn subjektiv leistungsfähiger,
daher muss sie auch mehr Einkommensteuer bezahlen.
Das Existenzminimum wird teilweise in Form von Sonderausgaben,
außergewöhnlichen Belastungen, Kinderfreibeträgen bei der Bemessungs-
grundlage und bei dem folgenden Tarif in Gestalt eines Tariffreibetrages
außerhalb der Bemessungsgrundlage berücksichtigt.
Bei der Besteuerung von Kapitalerträgen gilt das Leistungsfähigkeitsprin-
zip nur eingeschränkt (s. 10.2.4).
10 Besteuerung von Investmentfonds 163

10.1.3.4 Abschnittsbesteuerung

Das Leistungsfähigkeitsprinzip ist ideal an einer Totalperiodenbesteuerung


ausgerichtet. Das wäre die Betrachtung von Soll und Haben am Lebens-
ende einer natürlichen Person. Aber keine Volkswirtschaft kann so lange
auf Einnahmen verzichten. Daher ist real die Ausrichtung an dem Einzel-
periodenprinzip = Abschnittsbesteuerung geboten. Allerdings stören sich
das Leistungsfähigkeitsprinzip und das Prinzip der Abschnittsbesteuerung.
Solche Störungen sind sachgerecht aufzufangen. Die Bereiche, die einen
sachgerechten Ausgleich zwischen beiden Prinzipien schaffen sollen, sind
einmal, dass sich Investitionen in abnutzbare Wirtschaftsgüter (WG) nur
im Wege der Absetzung für Abnutzung (AfA) steuermindernd im Erzie-
lungsbereich auswirken und zum anderen die interperiodische Übertra-
gungsmöglichkeit von Verlusten. Verluste entstehen durch höhere Erzie-
lungsausgaben als Einnahmen. Da man aber mit hohen Ausgaben nicht nur
Einkünfte einer, sondern mehrerer Perioden erzielen will, ist der Verlust-
abzug ein Gebot der Leistungsfähigkeit, der sachgerecht das Perioden-
prinzip durchbricht.
Der Arbeitnehmer Thomas Kruhs erwirbt im Jahr 01 einen Laptop für
1.000 EUR, den er rein für berufliche Zwecke verwendet. Die Ausgabe ist
nicht komplett in 01 geltend zu machen, sondern auf 01 bis 03 zu verteilen.
Tony Hock hat im Jahr 02 Verluste aus dem kurzfristigen An- und Verkauf
von Goldbarren erwirtschaftet, die er nicht mit anderen Einkünften ver-
rechnen darf. In 03 entstehen Gewinne aus dem kurzfristigen An- und Ver-
kauf von Goldbarren. Die Verluste aus 02 können mit den Gewinnen aus
03 verrechnet werden.

10.1.4 Veranlagungsformen – Wie wird die Einkommensteuer


festgesetzt?

Die Beantwortung der Frage, wie die Einkommensteuer festgesetzt wird,


stellt klar, welche Veranlagungsform gewählt werden darf. Man unter-
scheidet die beiden Veranlagungsformen der Einzelveranlagung und der
Ehegattenveranlagung.
Die unterschiedlichen Veranlagungsformen sind entscheidend für die tarif-
liche Belastung. Die Veranlagungsform hat auch Auswirkung auf die Höhe
von Freibeträgen. So wird der Sparer-Pauschbetrag gem. § 20 Abs. 9 EStG
bei Ehegatten, die zusammenveranlagt werden, verdoppelt.
10 Besteuerung von Investmentfonds 164

§ 20 EStG [Kapitalvermögen] – Auszug


(...)
(9) Bei der Ermittlung der Einkünfte aus Kapitalvermögen ist als Werbungs-
kosten ein Betrag von 801 Euro abzuziehen (Sparer-Pauschbetrag); der Abzug
der tatsächlichen Werbungskosten ist ausgeschlossen. Bei Ehegatten, die
zusammen veranlagt werden, wird ein gemeinsamer Sparer-Pauschbetrag von
1.602 Euro gewährt. …

§ 25 EStG [Veranlagungszeitraum, Steuererklärungspflicht]


(1) Die Einkommensteuer wird nach Ablauf des Kalenderjahres (Veranlagungs-
zeitraum) nach dem Einkommen veranlagt, das der Steuerpflichtige in diesem
Veranlagungszeitraum bezogen hat, soweit nicht nach § 43 Abs. 5 und § 46 eine
Veranlagung unterbleibt.
(2) (weggefallen)
(3) Die steuerpflichtige Person hat für den Veranlagungszeitraum eine eigen-
händig unterschriebene Einkommensteuererklärung abzugeben. Wählen Ehe-
gatten die Zusammenveranlagung (§ 26b), haben sie eine gemeinsame Steuer-
erklärung abzugeben, die von beiden eigenhändig zu unterschreiben ist.

Einzeln veranlagt werden insbesondere ledige Steuerpflichtige.


Ehegatten können, sofern die Voraussetzungen des § 26 Abs. 1 Satz 1 EStG
erfüllt sind, zusammen veranlagt werden.

§ 26 EStG [Veranlagung von Ehegatten] – Auszug


Ehegatten können zwischen der Einzelveranlagung (§ 26a) und der Zusammen-
veranlagung (§ 26b) wählen, wenn
1. beide unbeschränkt einkommensteuerpflichtig im Sinne des § 1 Absatz 1
oder 2 oder des § 1a sind,
2. sie nicht dauernd getrennt leben und
3. bei ihnen die Voraussetzungen aus den Nummern 1 und 2 zu Beginn des Ver-
anlagungszeitraums vorgelegen haben oder im Laufe des Veranlagungszeit-
raums eingetreten sind.
10 Besteuerung von Investmentfonds 165

10.1.5 Tarif, Ermäßigung und Abschlusszahlung – Wie viel


Einkommensteuer muss gezahlt werden?

Die Höhe der Einkommensteuer findet man in den Tarif- und Steuerermäßi-
gungsvorschriften. Wichtig ist dabei die Frage, ob der Splitting- oder der
Grundtarif anzuwenden ist. Die Antwort hängt ab von der Frage, welche
Veranlagungsform zur Anwendung kommt. Bei der Zusammenveranlagung
ist es der Splittingtarif, bei der Einzelveranlagung ist es der Grundtarif.

§ 32a EStG [Einkommensteuertarif] – Auszug


(1) Die tarifliche Einkommensteuer in den Veranlagungszeiträumen ab 2014
bemisst sich nach dem zu versteuernden Einkommen. Sie beträgt vorbehaltlich
der §§ 32b, 32d, 34, 34a, 34b und 34c jeweils in Euro für zu versteuernde Ein-
kommen
1. bis 8.354 Euro (Grundfreibetrag): 0;
2. von 8.355 Euro bis 13.469 Euro: (974,58 · y + 1.400) · y;
3. von 13.470 Euro bis 52.881 Euro: (228,74 · z + 2.397) · z + 971;
4. von 52.882 Euro bis 250.730 Euro: 0,42 · x – 8.239;
5. von 250.731 Euro an: 0,45 · x – 15.761.
„y“ ist ein Zehntausendstel des den Grundfreibetrag übersteigenden Teils des auf
einen vollen Euro-Betrag abgerundeten zu versteuernden Einkommens. „z“ ist
ein Zehntausendstel des 13.469 Euro übersteigenden Teils des auf einen vollen
Euro-Betrag abgerundeten zu versteuernden Einkommens. „x“ ist das auf einen
vollen Euro-Betrag abgerundete zu versteuernde Einkommen. Der sich erge-
bende Steuerbetrag ist auf den nächsten vollen Euro-Betrag abzurunden.
(2) (weggefallen)
(3) (weggefallen)
(4) (weggefallen)
(5) Bei Ehegatten, die nach den §§ 26, 26b zusammen zur Einkommensteuer
veranlagt werden, beträgt die tarifliche Einkommensteuer vorbehaltlich der
§§ 32b, 32d, 34, 34a, 34b und 34c das Zweifache des Steuerbetrags, der sich
für die Hälfte ihres gemeinsam zu versteuernden Einkommens nach Absatz 1
ergibt (Splitting-Verfahren).
10 Besteuerung von Investmentfonds 166

Aus der Formel in § 32a EStG wird nur die „tarifliche Einkommensteuer“
ermittelt. Danach werden noch eine Reihe von Steuerermäßigungen gewährt
und ausländische Quellensteuer angerechnet, was zur „festzusetzenden
Einkommensteuer“ (§ 2 Abs. 6 EStG) führt.
Auf die festzusetzende Einkommensteuer werden angerechnet:
• Einkommensteuervorauszahlungen (§ 36 Abs. 2 Nr. 1 EStG)
• Steuerabzugsbeträge (§ 36 Abs. 2 Nr. 2 EStG)
Daraus ergibt sich die zu entrichtende Einkommensteuer (Abschlusszahlung/
Erstattung).

10.1.6 Erhebungsformen – Wann ist die Einkommensteuer zu


zahlen?

Die Frage, wann die Steuer zu zahlen ist, beschäftigt sich mit der Fälligkeit
und Tilgung und dem Steuerabzug, d.h. mit den Erhebungsformen. Dabei
ist zwischen endgültigen und vorläufigen Maßnahmen zu unterscheiden.
Endgültig ist die Veranlagung, die zum Ergebnis den Jahressteuerbescheid
hat. Vorläufig ist insbesondere der Steuerabzug an der Quelle in Form der
Kapitalertragsteuer und der Lohnsteuer.
Zusammenfassendes Beispiel
Veranlagungszeitraum 2013:
Herr Stefan Weber, geboren am 30.6.1970, wohnhaft in der Rittergasse 11,
65428 Rüsselsheim, ist ledig. Er arbeitet als Angestellter in einer Bank.
Seine Lohnsteuerkarte enthält folgende Daten:
Steuerklasse I
Bruttolohn 30.000,00 EUR
Lohnsteuer 4.005,00 EUR
Solidaritäts-Zuschlag 220,27 EUR
Kirchensteuer 9% 360,45 EUR
10 Besteuerung von Investmentfonds 167

Krankenversicherung: Arbeitnehmerbeitrag 2.370,00 EUR/Arbeitgeber-


beitrag 2.100,00 EUR
Rentenversicherung: Arbeitnehmerbeitrag 2.835,00 EUR/Arbeitgeberbei-
trag 2.835,00 EUR
Arbeitslosenversicherung: Arbeitnehmerbeitrag 450,00 EUR/Arbeitgeber-
beitrag 450,00 EUR
Pflegeversicherung: Arbeitnehmerbeitrag 382,50 EUR/Arbeitgeberbeitrag
307,50 EUR
Die einfache Entfernung zu seiner Arbeitsstätte beträgt 30 km.
Sonstige Werbungskosten hat er nicht.
Ansonsten hat er lediglich Einnahmen aus einem Luxemburger Rentenfonds
i. H. v. 2.000 EUR erzielt. In diesem Zusammenhang stehen Werbungs-
kosten i.H.v. 100 EUR. Die Fondsanteile werden in einem ausländischen
Depot verwahrt – daher wurde keine Kapitalertragsteuer einbehalten.
10 Besteuerung von Investmentfonds 168

Mantelbogen, Seite 1

Antrag auf Festsetzung der Eingangsstempel


1 X Einkommensteuererklärung X Arbeitnehmer-Sparzulage
Erklärung zur Festsetzung der Erklärung zur Feststellung des
2 X Kirchensteuer auf X verbleibenden Verlustvortrags
Kapitalerträge

3 Steuernummer 02100067890
201300301201

An das Finanzamt
4 Groß-Gerau
Bei Wohnsitzwechsel: bisheriges Finanzamt
5

Allgemeine Angaben Telefonische Rückfragen tagsüber unter Nr.


6
Steuerpflichtige Person (stpfl. Person), nur bei Zusammenveranlagung: Ehemann / Lebenspartner(in) A *) *) Bitte Anleitung beachten.
Identifikationsnummer (IdNr.)
7 00 123 456 789
Name Geburtsdatum
8 Weber TTMMJJJJ
30.06.1970
Vorname
9 Stefan Religionsschlüssel:
Evangelisch = EV
Titel, akademischer Grad Römisch-Katholisch = RK
10 nicht kirchensteuerpflichtig = VD
Weitere siehe Anleitung
Straße (derzeitige Adresse)
11 Rittergasse Religion RK
Hausnummer Hausnummerzusatz Adressergänzung
12 11
Postleitzahl Wohnort
13 65428 Rüsselsheim
Ausgeübter Beruf
14 Bankangestellter
Verheiratet / Lebenspartnerschaft Geschieden / Lebenspartnerschaft
begründet seit dem Verwitwet seit dem aufgehoben seit dem Dauernd getrennt lebend seit dem

15 TTMMJJJJ TTMMJJJJ TTMMJJJJ

Nur bei Zusammenveranlagung: Ehefrau / Lebenspartner(in) B


IdNr.
16
Name Geburtsdatum
17
Vorname
18 Religionsschlüssel:
Evangelisch = EV
Titel, akademischer Grad Römisch-Katholisch = RK
19 nicht kirchensteuerpflichtig = VD
Weitere siehe Anleitung
Straße (falls von Zeile 11 abweichend)
20 Religion
Hausnummer Hausnummerzusatz Adressergänzung
21
Postleitzahl Wohnort (falls von Zeile 13 abweichend)
22
Ausgeübter Beruf
23

Nur von Ehegatten / Lebenspartnern auszufüllen


Einzelveranlagung von Ehegatten / X Wir haben Gütergemeinschaft vereinbart
24 X Zusammenveranlagung X Lebenspartnern
Bankverbindung - Bitte stets angeben -
IBAN
25 0000999000
BIC
26 123456789
Geldinstitut und Ort
27 Neue Bank AG
Kontoinhaber Name (im Fall der Abtretung bitte amtlichen Abtretungsvordruck beifügen)
lt. Zeile 17
28 X lt. Zeile 8 und 9 X und 18 oder:

2 0 1 3 E S t1 A 0 1 1 N E T – Aug. 2013 – 2 0 13 E S t 1A 0 1 1N E T
034037_13

Abbildung 12
10 Besteuerung von Investmentfonds 169

Mantelbogen, Seite 2
Steuernummer
02100067890
Der Steuerbescheid soll nicht mir / uns zugesandt werden, sondern:
Name
31
Vorname
32
Straße
33
Hausnummer Hausnummerzusatz

201300301202
34
Postfach
35
Postleitzahl Wohnort
36

Sonderausgaben 52
Gezahlte Versorgungsleistungen tatsächlich gezahlt
abziehbar EUR
Rechtsgrund, Datum des Vertrags
37 Renten 102 % 101 ,-
Rechtsgrund, Datum des Vertrags
Dauernde
38 Lasten 100 ,-
Rechtsgrund, Datum der erstmaligen Zahlung
Ausgleichszahlungen im Rahmen des 121 ,-
39 schuldrechtlichen Versorgungsausgleichs

Unterhaltsleistungen lt. Anlage U an den


– geschiedenen Ehegatten, Lebenspartner einer
aufgehobenen Lebenspartnerschaft IdNr. der unterstützten Person
40 – dauernd getrennt lebenden Ehegatten / 1 17 1 16 ,-
Lebenspartner
In Zeile 40 enthaltene Beiträge (abzgl. EUR Davon entfallen auf Kranken-
Erstattungen und Zuschüsse) zur Basis- versicherungsbeiträge mit
41 Kranken- und gesetzlichen Pflegeversicherung 118 ,- Anspruch auf Krankengeld 119 ,-
2013 gezahlt 2013 erstattet
EUR EUR
Kirchensteuer (soweit diese nicht als Zuschlag zur Abgeltung-
42 steuer einbehalten oder gezahlt wurde) 103 361 ,- 104 ,-
Aufwendungen für die eigene Berufsausbildung: stpfl. Person / Ehemann / Lebenspartner(in) A
Bezeichnung der Ausbildung, Art und Höhe der Aufwendungen EUR

43 200 ,-
Aufwendungen für die eigene Berufsausbildung: Ehefrau / Lebenspartner(in) B
Bezeichnung der Ausbildung, Art und Höhe der Aufwendungen

44 201 ,-
Spenden und Mitgliedsbeiträge (ohne Beträge in den lt. beigef. Bestätigungen lt. Nachweis Betriebsfinanzamt
Zeilen 49 bis 56) EUR EUR

45 – zur Förderung steuerbegünstigter Zwecke 123 ,- 124 ,-


in Zeile 45 enthaltene Zuwendungen an Empfänger
46 im EU- / EWR-Ausland 125 ,- 126 ,-
47 – an politische Parteien (§§ 34g, 10b EStG) 127 ,- 128 ,-
48 – an unabhängige Wählervereinigungen (§ 34g EStG) 129 ,- 130 ,-
Spenden und Mitgliedsbeiträge, bei denen die Daten
elektronisch an die Finanzverwaltung übermittelt wurden stpfl. Person / Ehemann / Ehefrau /
(ohne Beträge in den Zeilen 45 bis 48 und 52 bis 56) Lebenspartner(in) A Lebenspartner(in) B
EUR EUR

49 – zur Förderung steuerbegünstigter Zwecke 202 ,- 203 ,-


50 – an politische Parteien (§§ 34g, 10b EStG) 204 ,- 205 ,-
51 – an unabhängige Wählervereinigungen (§ 34g EStG) 206 ,- 207 ,-
Spenden in das zu erhaltende Vermögen (Vermögens-
stock) einer Stiftung
52 2013 geleistete Spenden (lt. beigefügten Bestätigungen / 208
lt. Nachweis Betriebsfinanzamt)
,- 209 ,-
2013 geleistete Spenden, bei denen die Daten elektro-
53 nisch an die Finanzverwaltung übermittelt wurden (ohne 210 ,- 211 ,-
Beträge in Zeile 52)
in Zeile 52 enthaltene Spenden an Empfänger
54 im EU- / EWR-Ausland 218 ,- 219 ,-
Von den Spenden in Zeile 52 und 53 sollen 2013
55 berücksichtigt werden 212 ,- 213 ,-
2013 zu berücksichtigende Spenden aus Vorjahren in
das zu erhaltende Vermögen (Vermögensstock) einer
56 Stiftung, die bisher noch nicht berücksichtigt wurden 214 ,- 215 ,-
2 0 1 3 E S t1 A 0 1 2 N E T 2 0 13 E S t 1A 0 1 2N E T

Abbildung 13
10 Besteuerung von Investmentfonds 170

Mantelbogen, Seite 3
Steuernummer
02100067890
Außergewöhnliche Belastungen 53
Behinderte Menschen und Hinterbliebene Erstmalige Beantragung /
Ausweis / Rentenbescheid / Bescheinigung unbefristet Grad der Änderung (Nachweis ist
stpfl. Person / ausge stellt am gültig vo n b is gültig Behinderung einzureichen)
Ehemann /
61 Lebens- TT M M J JJJ 12 M M JJ 14 M M JJ 18 1=Ja 56 X
partner(in) A
blind / geh- und
62 hinterblieben 16 1 = Ja ständig hilflos 20 1 = Ja stehbehindert 22 1 = Ja
Erstmalige Beantragung /
201300301203

Ausweis / Rentenbescheid / Bescheinigung unbefristet Grad der Änderung (Nachweis ist


ausge stellt am gültig vo n b is gültig Behinderung einzureichen)
Ehefrau /
63 Lebens- TT M M J JJJ 13 M M JJ 15 M M JJ 19 1=Ja 57 X
partner(in) B
blind / geh- und
64 hinterblieben 17 1 = Ja ständig hilflos 21 1 = Ja stehbehindert 23 1 = Ja

Pflege-Pauschbetrag wegen unentgeltlicher persönlicher Pflege einer ständig hilflosen Person Erstmalige Beantragung /
in ihrer oder in meiner Wohnung
X Änderung (Nachweis ist einzureichen)
65
Name, Anschrift und Verwandtschaftsverhältnis der hilflosen Person(en) Name anderer Pflegeperson(en)

66

Andere außergewöhnliche Belastungen Erhaltene / Anspruch auf zu erwartende


(z. B. Fahrtkosten behinderter Menschen, Krankheitskosten, Kurkosten, Pflegekosten) Versicherungsleistungen, Beihilfen, Unter-
Aufwendungen stützungen; Wert des Nachlasses usw.
EUR EUR
Art der Belastung

67 ,- ,-
68 + ,- + ,-

69 Summe der Zeilen 67 und 68 63 0 ,- 64 0 ,-

Für die - wegen Abzugs der zumutbaren Belastung - nicht abziehbaren Pflegeleistungen wird die Steuer-
70 ermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen beantragt. Die in den Zeilen 67 und 68 enthaltenen Auf- 77 ,-
wendungen für haushaltsnahe Pflegeleistungen betragen (Aufwendungen abzüglich Erstattungen)

Haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, Dienstleistungen und Handwerkerleistungen 18


Steuerermäßigung bei Aufwendungen für
Aufwendungen
– geringfügige Beschäftigungen im Privathaushalt – sog. Minijobs – (abzüglich Erstattungen)
Art der Tätigkeit EUR

71 202 ,-
– sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen im Privathaushalt
Art der Tätigkeit

72 207 ,-
– haushaltsnahe Dienstleistungen, Hilfe im eigenen Haushalt
Art der Aufwendungen
73 210 ,-
– Pflege- und Betreuungsleistungen im Haushalt, in Heimunterbringungskosten enthaltene Aufwendungen
für Dienstleistungen, die denen einer Haushaltshilfe vergleichbar sind (soweit nicht bereits in den
Zeilen 67 und 68 berücksichtigt)
Art der Aufwendungen
74 213 ,-
– Handwerkerleistungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen im eigenen
Haushalt (ohne öffentlich geförderte Maßnahmen, für die zinsverbilligte Darlehen oder steuerfreie
Zuschüsse in Anspruch genommen werden, z. B. KfW-Bank, landeseigener Förderbanken oder Gemeinden)
Art der Aufwendungen
75 214 ,-
Nur bei Alleinstehenden und Eintragungen in den Name, Vorname, Geburtsdatum

76 Zeilen 71 bis 75: Es bestand ganzjährig ein gemein-


samer Haushalt mit einer anderen alleinstehenden Person

Laut einzureichendem gemeinsamen Antrag sind die Höchstbeträge für die Aufwendungen lt. den Zeilen
77 71 bis 75 in einem anderen Verhältnis als je zur Hälfte aufzuteilen. Der bei mir zu berücksichtigende Anteil beträgt 221 %

Ehemann / Ehefrau /
Nur in Fällen der Zusammenveranlagung und Eintragungen in den Zeilen 71 bis 75: Lebenspartner(in) A Lebenspartner(in) B
Es wurde 2013 ein gemeinsamer Haushalt begründet oder aufgelöst und für einen Teil
78 des Kalenderjahres ein Einzelhaushalt geführt 219 1=Ja 220 1=Ja

Steuerermäßigung bei Belastung mit Erbschaftsteuer


79 X Ich beantrage eine Steuerermäßigung, weil in dieser Steuererklärung Einkünfte erklärt worden sind, die als Erwerb von Todes wegen
ab 2009 der Erbschaftsteuer unterlegen haben (Erläuterungen bitte auf besonderem Blatt).

Steuerbegünstigung für schutzwürdige Kulturgüter Abzugsbetrag


EUR

Steuerbegünstigung nach § 10g EStG für schutzwürdige Kulturgüter, die weder zur Einkunfts- ,-
80 erzielung noch zu eigenen Wohnzwecken genutzt werden 151

2 0 1 3 E S t1 A 0 1 3 N E T 2 0 13 E S t 1A 0 1 3N E T

Abbildung 14
10 Besteuerung von Investmentfonds 171

Mantelbogen, Seite 4
Steuernummer
02100067890
Sonstige Angaben und Anträge
Gesellschaften / Gemeinschaften / ähnliche Modelle i. S. d. § 2b EStG (Erläuterungen auf besonderem Blatt)
91

Es wurde ein verbleibender Verlustvortrag nach § 10d EStG / stpfl. Person / Ehemann / Ehefrau /
92 Spendenvortrag nach § 10b EStG zum 31.12.2012 festgestellt für X Lebenspartner(in) A X Lebenspartner(in) B
Antrag auf Beschränkung des Verlustrücktrags nach 2012 EU R EU R
93 Von den nicht ausgeglichenen negativen Einkünften 2013 soll folgender ,- ,-
Gesamtbetrag nach 2012 zurückgetragen werden

201300301204
stpfl. Person / Ehemann / Ehefrau /
Einkommensersatzleistungen, die dem Progressions-
Lebenspartner(in) A Lebenspartner(in) B 18
EUR EUR
vorbehalt unterliegen, z. B. Krankengeld, Elterngeld, Mutterschafts-
94 geld (soweit nicht in Zeile 27 bis 29 der Anlage N eingetragen) 120 ,- 121 ,-

Nur bei Einzelveranlagung von Ehegatten / Lebenspartnern:


Laut übereinstimmendem Antrag sind die Sonderausgaben, außergewöhnlichen Belastungen sowie die
Steuerermäßigung für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, Dienstleistungen und Handwerker-
leistungen je zur Hälfte aufzuteilen (Der Antrag auf Aufteilung des Freibetrages zur Abgeltung eines
Sonderbedarfs bei Berufsausbildung eines volljährigen Kindes ist in Zeile 52 der Anlage Kind, der Antrag
95 auf Aufteilung bei Übertragung des Behinderten- oder Hinterbliebenen-Pauschbetrags in Zeile 66 der 222 1=Ja
Anlage Kind zu stellen.).

Nur bei zeitweiser unbeschränkter Steuerpflicht im Kalenderjahr 2013: vo m bis

Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt im Inland stpfl. Person / Ehemann /


96 Lebenspartner(in) A TTMM TTMM
Ehefrau /
97 Lebenspartner(in) B TTMM TTMM
EUR
Ausländische Einkünfte, die außerhalb der in den Zeilen 96 und / oder 97 genannten Zeiträume
98 bezogen wurden und nicht der deutschen Einkommensteuer unterlegen haben (Bitte Nachweise 122 ,-
über die Art und Höhe dieser Einkünfte beifügen.)
99 In Zeile 98 enthaltene außerordentliche Einkünfte i. S. d. §§ 34, 34b EStG 177 ,-
Nur bei Personen ohne Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Inland, die beantragen, als unbeschränkt steuerpflichtig
behandelt zu werden: 1 = stpfl. Person / Ehemann /
Es wird für die Anwendung personen- und familienbezogener Steuerver- Lebenspartner(in) A
Antragsteller: 130 2 = Ehefrau /
100 günstigungen beantragt, als unbeschränkt steuerpflichtig behandelt zu werden.
Lebenspartner(in) B
3 = beide Ehegatten /
Lebenspartner
101 X Die ,,Bescheinigung EU / EWR" ist beigefügt. X Die ,,Bescheinigung außerhalb EU / EWR" ist beigefügt.
stpfl. Person / Ehemann / Ehefrau /
Lebenspartner(in) A Lebenspartner(in) B
EUR EUR
Summe der nicht der deutschen Einkommensteuer unter-
102 liegenden Einkünfte (ggf. ,,0") 124 ,- 129 ,-
In Zeile 102 enthaltene Kapitalerträge, die der Abgeltungsteuer
103 unterliegen oder - im Fall von ausländischen Kapitalerträgen - 131 ,- 133 ,-
unterliegen würden
stpfl. Person / Ehegatten /
Lebenspartner
EUR

104 In Zeile 102 enthaltene außerordentliche Einkünfte i. S. d. §§ 34, 34b EStG 177 ,-
Nur bei im EU- / EWR-Ausland oder in der Schweiz lebenden Ehegatten / Lebenspartnern:
Ich beantrage als Staatsangehöriger eines EU- / EWR-Staates die Anwendung familienbezogener Steuervergünstigungen.
105 X Nachweis ist beigefügt (z. B. ,,Bescheinigung EU / EWR").
Die nicht der deutschen Besteuerung unterliegenden Einkünfte beider Ehegatten / Lebenspartner sind in Zeile 102 enthalten.

Nur bei Angehörigen des deutschen öffentlichen Dienstes ohne Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Inland,
die im dienstlichen Auftrag außerhalb der EU oder des EWR tätig sind:

106 X Ich beantrage die Anwendung familienbezogener Steuervergünstigungen. Die ,,Bescheinigung EU / EWR" ist beigefügt.

Weiterer Wohnsitz in Belgien (abweichend von den Zeilen 11 bis 13) bei Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit und Renten

107

stpfl. Person / Ehemann / Ehefrau /


Lebenspartner(in) A Lebenspartner(in) B
Unterhalten Sie auf Dauer angelegte Geschäftsbeziehungen zu Finanzinstituten im 1=Ja 1=Ja
108 Ausland? 116 1 2=Nein 117
2=Nein
Unterschrift
Die mit der Steuererklärung / dem Antrag angeforderten Daten werden aufgrund der §§ 149, 150, 181 Abs. 2 der Abgabenordnung,
der §§ 25, 46 und § 51a Abs. 2d des Einkommensteuergesetzes sowie § 14 Abs. 4 des Vermögensbildungsgesetzes erhoben.
Bei der Anfertigung dieser Steuererklärung hat mitgewirkt:

109
Datum, Unterschrift(en) Steuererklärungen sind eigenhändig - bei Ehegatten / Lebens-
partnern von beiden - zu unterschreiben.

2 0 1 3 E S t1 A 0 1 4 N E T 2 0 13 E S t 1A 0 1 4N E T

Abbildung 15
10 Besteuerung von Investmentfonds 172

Anlage Vorsorgeaufwand, Seite 1

Name
1 Weber Anlage
Vorname Vorsorgeaufwand
2 Stefan

3 Steuernummer 02100067890
201300324201

Angaben zu Vorsorgeaufwendungen 52
Beiträge zur Altersvorsorge stpfl. Person / Ehemann / Ehefrau /
Lebenspartner(in) A Lebenspartner(in) B
Beiträge EUR EUR

4 – lt. Nr. 23 a/b der Lohnsteuerbescheinigung (Arbeitnehmeranteil) 3 00 2.835 , – 40 0


,–
– zu landwirtschaftlichen Alterskassen sowie zu berufsständischen
Versorgungseinrichtungen, die den gesetzlichen Rentenversicherungen
5 vergleichbare Leistungen erbringen
– ohne Beiträge, die in Zeile 4 geltend gemacht werden –
3 01
,– 40 1
,–
– zu gesetzlichen Rentenversicherungen
6
– ohne Beiträge, die in Zeile 4 geltend gemacht werden –
3 02
,– 40 2
,–
– zu zertifizierten Basisrentenverträgen (sog. Rürup-Verträge) mit Lauf-
7 zeitbeginn nach dem 31.12.2004
– ohne Altersvorsorgebeiträge, die in der Anlage AV geltend gemacht werden –
3 03
,– 40 3
,–
8 Arbeitgeberanteil lt. Nr. 22 a/b der Lohnsteuerbescheinigung 3 04 2.835 , – 40 4
,–
Steuerfreie Arbeitgeberanteile an berufsständische Versorgungseinrichtungen,
9 soweit nicht in Nr. 22 b der Lohnsteuerbescheinigung enthalten 3 05
,– 40 5
,–
Arbeitgeberanteil zu gesetzlichen Rentenversicherungen im Rahmen einer
10 pauschal besteuerten geringfügigen Beschäftigung (bitte Anleitung beachten) 3 06
,– 40 6
,–
Eine Eintragung ist stets vorzunehmen; bei Zusammenveranlagung von jedem Ehegatten / Lebenspartner:
Haben Sie zu Ihrer Krankenversicherung oder Ihren Krankheitskosten Anspruch auf
– steuerfreie Zuschüsse (z. B. Rentner aus der gesetzlichen Rentenversicherung) oder
– steuerfreie Arbeitgeberbeiträge (z. B. sozialversicherungspfl. Arbeitnehmer) oder 1 = Ja 1 = Ja
11 307 1 2 = Nein 407
– steuerfreie Beihilfen (z. B. Beamte oder Versorgungsempfänger und deren Ehegatten / Lebenspartner) ? 2 = Nein

Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung


Arbeitnehmerbeiträge zu Krankenversicherungen lt. Nr. 25 der Lohnsteuer-
12 bescheinigung 3 20 2.370 , – 42 0
,–
Beiträge zu Krankenversicherungen, die als Zusatzbeitrag geleistet
13 wurden 3 21
,– 42 1
,–
In Zeile 12 enthaltene Beiträge, aus denen sich kein Anspruch
14 auf Krankengeld ergibt 3 22
,– 42 2
,–
Arbeitnehmerbeiträge zu sozialen Pflegeversicherungen lt. Nr. 26 der Lohn-
15 steuerbescheinigung 3 23 383 , – 42 3
,–
Zu den Zeilen 12 bis 15:
16 Von der Kranken- und / oder sozialen Pflegeversicherung erstattete Beiträge 324
,– 42 4
,–
In Zeile 16 enthaltene Beiträge zur Krankenversicherung, aus denen sich
17 kein Anspruch auf Krankengeld ergibt, und zur sozialen Pflegeversicherung 325 ,– 42 5
,–
Beiträge zu Krankenversicherungen – ohne Beiträge, die in Zeile 12 geltend gemacht
18 werden –(z. B. bei Rentnern und freiwillig gesetzlich versicherten Selbstzahlern) 326 ,– 42 6
,–
19 Beiträge zu Krankenversicherungen, die als Zusatzbeitrag geleistet wurden 3 27
,– 42 7
,–
In Zeile 18 enthaltene Beiträge zur Krankenversicherung, aus
20 denen sich ein Anspruch auf Krankengeld ergibt 3 28
,– 42 8
,–
Beiträge zu sozialen Pflegeversicherungen – ohne Beiträge, die in Zeile 15 geltend
21 gemacht werden – (z. B. bei Rentnern und freiwillig gesetzlich versicherten Selbstzahlern)
3 29
,– 42 9
,–
Zu den Zeilen 18 bis 21:
22 Von der Kranken- und / oder sozialen Pflegeversicherung erstattete Beiträge 330
,– 43 0
,–
In Zeile 22 enthaltene Beiträge zur Krankenversicherung, aus denen sich
23 ein Anspruch auf Krankengeld ergibt 3 31
,– 43 1
,–
Zuschuss zu den Beiträgen lt. Zeile 18 und / oder 21 - ohne Beträge
24 lt. Zeile 37 und 39 - (z. B. von der Deutschen Rentenversicherung) 3 32
,– 43 2
,–
Beiträge (abzüglich steuerfreier Zuschüsse – ohne Beträge lt. Zeile 37 –)
zu einer ausländischen Krankenversicherung, die mit einer
25 inländischen gesetzlichen Krankenversicherung vergleichbar ist 3 33
,– 43 3
,–
In Zeile 25 enthaltene Beiträge zur Krankenversicherung, aus denen sich
26 kein Anspruch auf Krankengeld ergibt 3 34
,– 43 4
,–
Beiträge (abzüglich steuerfreier Zuschüsse – ohne Beträge lt. Zeile 39 –)
zu einer ausländischen sozialen Pflegeversicherung, die mit einer
27 inländischen gesetzlichen Pflegeversicherung vergleichbar ist 3 35
,– 43 5
,–
Zu den Zeilen 25 bis 27:
Von der ausländischen Kranken- und / oder sozialen Pflegeversicherung
28 erstattete Beiträge 3 36
,– 43 6
,–
In Zeile 28 enthaltene Beiträge zur Krankenversicherung, aus denen sich
29 kein Anspruch auf Krankengeld ergibt, und zur sozialen Pflegeversicherung 337 ,– 43 7
,–
Über die Basisabsicherung hinausgehende Beiträge zu Krankenversiche-
rungen (z. B. für Wahlleistungen, Zusatzversicherung) abzüglich erstatteter
30
Beiträge
3 38
,– 43 8
,–
2 0 1 3 A n lV o r 2 4 1 N E T – Aug. 2013 – 2 0 1 3 A n lV o r 2 4 1 N E T
034098_13

Abbildung 16
10 Besteuerung von Investmentfonds 173

Anlage Vorsorgeaufwand, Seite 2


Steuernummer
02100067890
Beiträge zur privaten Kranken- und Pflegeversicherung stpfl. Person / Ehemann / Ehefrau /
– Füllen Sie die Zeilen 31 bis 35 und 42 bis 45 nur aus, wenn Lebenspartner(in) A Lebenspartner(in) B
Sie der Datenübermittlung nicht widersprochen haben. - EUR EUR
Beiträge zu Krankenversicherungen (nur Basisabsicherung, keine Wahl-
31 leistungen) 3 50
,– 45 0
,–
32 Beiträge zu Pflege-Pflichtversicherungen 3 51
,– 45 1
,–
Zu den Zeilen 31 und 32:
Von der privaten Kranken- und / oder Pflege-Pflichtversicherung erstattete
,– ,–

201300324202
33 Beiträge 3 52 45 2
Zuschuss von dritter Seite zu den Beiträgen lt. Zeile 31 und / oder 32
34 (z. B. von der Deutschen Rentenversicherung) 3 53
,– 45 3
,–
Über die Basisabsicherung hinausgehende Beiträge zu Krankenversiche-
rungen (z. B. für Wahlleistungen, Zusatzversicherung) abzüglich erstatteter
35
Beiträge
3 54
,– 45 4
,–
Beiträge (abzüglich erstatteter Beiträge) zu zusätzlichen Pflege-
36 versicherungen (ohne Pflege-Pflichtversicherung) 3 55
,– 45 5
,–
Steuerfreie Arbeitgeberzuschüsse
Steuerfreie Arbeitgeberzuschüsse zur
37 – gesetzlichen Krankenversicherung lt. Nr. 24 a der Lohnsteuerbescheinigung360 2.100 , – 46 0
,–
38 – privaten Krankenversicherung lt. Nr. 24 b der Lohnsteuerbescheinigung 3 61
,– 46 1
,–
39 – gesetzlichen Pflegeversicherung lt. Nr. 24 c der Lohnsteuerbescheinigung 362 307 , – 46 2
,–
Als Versicherungsnehmer für andere Personen übernommene Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge
IdNr. der mitversicherten Person „Andere Personen“ sind z. B. Kinder, für die kein Anspruch auf Kindergeld /
40 600 Kinderfreibetrag besteht (bei Anspruch auf Kindergeld / Kinderfreibetrag sind die
Eintragungen in den Zeilen 31 bis 37 der Anlage Kind vorzunehmen).
Name, Vorname, Geburtsdatum der mitversicherten Person
41 stpfl. Person / Ehegatten /
Lebenspartner
EUR
Beiträge (abzüglich steuerfreier Zuschüsse) zu privaten Krankenversicherungen
42 (nur Basisabsicherung, keine Wahlleistungen) 601
,–
43 Beiträge (abzüglich steuerfreier Zuschüsse) zu Pflege-Pflichtversicherungen 602
,–
Zu den Zeilen 42 bis 43:
44 Von der privaten Kranken- und / oder Pflege-Pflichtversicherung erstattete Beiträge 603
,–
Beiträge (abzüglich erstatteter Beiträge) zu privaten Kranken- und / oder Pflegeversicherungen
45 (ohne Basisabsicherung, z. B. für Wahlleistungen, Zusatzversicherung) 604
,–
Weitere sonstige Vorsorgeaufwendungen stpfl. Person / Ehemann / Ehefrau /
Lebenspartner(in) A Lebenspartner(in) B
EUR EUR
Arbeitnehmerbeiträge zur Arbeitslosenversicherung lt. Nr. 27 der Lohn-
46 steuerbescheinigung 3 70 450 , – 47 0
,–
Beiträge (abzüglich steuerfreier Zuschüsse und erstatteter Beiträge) zu
– Kranken- und Pflegeversicherungen (Gesamtbetrag)
(nur einzutragen, wenn Sie der Datenübermittlung widersprochen haben; Einträge zu zusätzlichen
47 Pflegeversicherungen sind nur in Zeile 36 vorzunehmen)
3 71
,– 47 1
,–
stpfl. Person / Ehegatten /
Lebenspartner
EUR

48 – Versicherungen gegen Arbeitslosigkeit – ohne Beiträge, die in Zeile 46 geltend gemacht werden – 500
,–
49 – freiwilligen eigenständigen Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsversicherungen 501
,–
– Unfall- und Haftpflichtversicherungen sowie Risikoversicherungen, die nur für den Todesfall eine
50 Leistung vorsehen
502
,–
– Rentenversicherungen mit Kapitalwahlrecht und / oder Kapitallebensversicherungen mit einer Laufzeit
51 von mindestens 12 Jahren sowie einem Laufzeitbeginn und der ersten Beitragszahlung vor dem 1.1.2005 503
,–
– Rentenversicherungen ohne Kapitalwahlrecht mit Laufzeitbeginn und erster Beitragszahlung vor dem
52
1.1.2005 (auch steuerpflichtige Beiträge zu Versorgungs- und Pensionskassen)
– ohne Altersvorsorgebeiträge, die in der Anlage AV geltend gemacht werden –
504
,–
Ergänzende Angaben zu Vorsorgeaufwendungen
Es bestand 2013 keine gesetzliche Rentenversicherungspflicht aus dem aktiven stpfl. Person / Ehemann / Ehefrau /
Dienstverhältnis / aus der Tätigkeit Lebenspartner(in) A Lebenspartner(in) B

53 – als Beamter / Beamtin 380 1 = Ja 480 1 = Ja

54 – als Vorstandsmitglied / GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer/in 381 1 = Ja 481 1 = Ja


– als (z. B. Praktikant/in, Student/in im Praktikum)
Bezeichnung
55 382 1 = Ja 482 1 = Ja

Aufgrund des genannten Dienstverhältnisses / der Tätigkeit bestand hingegen 1 = Ja 1 = Ja


56 eine Anwartschaft auf Altersversorgung 383 2 = Nein 483 2 = Nein
Die Anwartschaft auf Altersversorgung wurde ganz oder teilweise ohne eigene
Beitragsleistungen erworben (Bei Vorstandsmitgliedern / GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführern: 1 = Ja 1 = Ja
57 Falls nein, bitte geeignete Unterlagen beifügen.)
384 2 = Nein 484 2 = Nein
Es wurde Arbeitslohn aus einem nicht aktiven Dienstverhältnis - insbesondere
Betriebsrente / Werkspension - bezogen, bei dem es sich nicht um steuer-
58 begünstigte Versorgungsbezüge (Zeilen 11 bis 16 der Anlage N) handelt. 385 1 = Ja 485 1 = Ja
Bei Altersteilzeit ist hier keine Eintragung vorzunehmen.
2 0 1 3 A n lV o r 2 4 2 N E T 2 0 1 3 A n lV o r 2 4 2 N E T

Abbildung 17
10 Besteuerung von Investmentfonds 174

Anlage N, Seite 1

Name
1 Weber
Anlage N
Jeder Ehegatte / Lebenspartner
Vorname mit Einkünften aus nichtselbständ-
2 Stefan diger Arbeit hat eine eigene
Anlage N abzugeben.

3 Steuernummer 02100067890 stpfl. Person /


Ehemann / Lebens-
partner(in) A
201300303201

eTIN lt. Lohnsteuerbescheinigung(en), sofern vorhanden eTIN lt. weiterer Lohnsteuerbescheinigung(en), sofern vorhanden
4
W B R E S T F N 7 0 F 3 0 W Ehefrau / Lebens-
partner(in) B

Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit 4


Angaben zum Arbeitslohn Lohnsteuerbescheinigung(en) Steuerklasse 1 - 5 Lohnsteuerbescheinigung(en) Steuerklasse 6
oder einer Urlaubskasse
5 Steuerklasse 168 1
EU R Ct EU R Ct

6 Bruttoarbeitslohn 110 30.000 , ––– 111 , –––


7 Lohnsteuer 140 4.005,00 141

8 Solidaritätszuschlag 150 220,27 151

9 Kirchensteuer des Arbeitnehmers 142 360,45 143


Nur bei konfessionsverschiedener Ehe:
10 Kirchensteuer für den Ehegatten 144 145

1 . V e rs o r g u n g s b e z u g 2 . V e rs o r g u n g s b e z u g
Steuerbegünstigte Versorgungsbezüge
11 (in Zeile 6 enthalten) 200
, ––– 210 , –––
Bemessungsgrundlage für den Versorgungsfreibetrag
12 lt. Nr. 29 der Lohnsteuerbescheinigung 201 , ––– 211 , –––
Maßgebendes Kalenderjahr des Versorgungsbeginns
13 lt. Nr. 30 der Lohnsteuerbescheinigung 20 6 JJJ J 21 6 JJJ J
Bei unterjähriger Zahlung: Monat Monat Monat Monat
Erster und letzter Monat, für den Versorgungsbezüge
14 gezahlt wurden, lt. Nr. 31 der Lohnsteuerbescheinigung 202 MM – 2 03 MM 21 2 MM – 213 MM
Sterbegeld, Kapitalauszahlungen / Abfindungen
und Nachzahlungen von Versorgungsbezügen
15 lt. Nr. 32 der Lohnsteuerbescheinigung
204 , ––– 214 , –––
(in den Zeilen 6 und 11 enthalten)
Ermäßigt zu besteuernde Versorgungsbezüge
16 fürmehrere Jahre lt. Nr. 9 der
Lohnsteuerbescheinigung
205 , ––– 215 , –––
17 Entschädigungen (Bitte Vertragsunterlagen beifügen) /Arbeitslohn für mehrere Jahre 166 , –––
Steuerabzugs- Solidaritäts-
18 Lohnsteuer 1 46 zuschlag 1 52
beträge zu
den Zeilen 16 K i r c h e n s te u e r K irc h e n s te u er
19 und 17 A r b e i tn e h m e r 1 48 E h e g a t te 1 49

Steuerpflichtiger Arbeitslohn, von dem kein Steuerabzug vorgenommen worden ist


20 (soweit nicht in der Lohnsteuerbescheinigung enthalten) 115 , –––
Steuerfreier Arbeitslohn nach Doppelbesteuerungsabkommen / sonstigen zwischenstaatlichen
21 Übereinkommen (Übertrag aus den Zeilen 52, 70 und / oder 81 der ersten Anlage N-AUS) 139 , –––
Steuerfreier Arbeitslohn nach Auslandstätigkeitserlass
22 (Übertrag aus Zeile 66 der ersten Anlage N-AUS) 136 , –––
Steuerfreie Einkünfte (Besondere Lohnbestandteile) nach Doppelbesteuerungsabkommen /
23 sonstigen zwischenstaatlichen Übereinkommen / Auslandstätigkeitserlass (Übertrag aus
Zeile 80 der ersten Anlage N-AUS)
178 , –––
Anzahl

24 Beigefügte Anlage(n) N-AUS

Grenzgänger nach (Be schäftig ung sla nd) A r b e it s lo h n i n a u s lä n d is c h e r W ä h r u n g S c h w e i z e r i s c h e A b z u g s t e u e r in S F r

25 116 , –– 135

Steuerfrei erhaltene aus der Tätigkeit als EUR


Aufwandsentschädi-
26 gungen / Einnahmen 118
, –––
Kurzarbeitergeld, Zuschuss zum Mutterschaftsgeld, Verdienstausfallentschädigung
27 nach dem Infektionsschutzgesetz, Aufstockungsbeträge nach dem Altersteilzeitgesetz, 119
Altersteilzeitzuschläge nach Besoldungsgesetzen (lt. Nr. 15 der Lohnsteuerbescheinigung) , –––
28 Insolvenzgeld 121 , –––
Andere Lohn- / Entgeltersatzleistungen
(z. B. Arbeitslosengeld, Elterngeld, Krankengeld, Mutterschaftsgeld und vergleichbare
29 Leistungen aus einem EU- / EWR-Staat oder der Schweiz) 120 , –––
Angaben über Zeiten und Gründe der Nichtbeschäftigung (Bitte Nachweise beifügen)
30

2013AnlN031NET – Aug. 2013 – 2013AnlN031NET


034027_13

Abbildung 18
10 Besteuerung von Investmentfonds 175

Anlage N, Seite 2
Steuernummer, Name und Vorname
02100067890, Weber Stefan
Werbungskosten Wege zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte (Entfernungspauschale) 8
Regelmäßige Arbeitsstätte in (PLZ, Ort und Straße) Arbeitstage Urlaubs- und
je Woche Krankheitstage

31 XY Bank 5 30
32

33

201300303202
34
davon mit öffentl. Ver-
kehrsmitteln, Motorrad, Aufwendungen für
davon mit Fahrrad o. Ä., als Fuß- Fahrten mit öffentlichen Behinderungsgrad
Arbeits- davon mit eigenem oder Sammelbeförderung gänger, als Mitfahrer Verkehrsmitteln (ohne mind. 70 oder
stätte aufgesucht an einfache zur Nutzung überlassenem des Arbeitgebers einer Fahrgemein- Flug- und Fährkosten) mind. 50 und
lt. Zeile Tagen Entfernung Pkw zurückgelegt zurückgelegt schaft zurückgelegt EUR Merkzeichen „G“

35 31 110 220 11 1 30 km 112 30 km 113 0 km 0 km 114 ,– 115 1 = Ja

36 130 13 1 0 km 132 0 km 133 0 km 0 km 134


,– 135 1 = Ja

37 150 15 1 0 km 152 0 km 153 0 km 0 km 154


,– 155 1 = Ja

38 170 17 1 0 km 172 0 km 173 0 km 0 km 174 ,– 175 1 = Ja

EUR
Arbeitgeberleistungen lt. Nr. 17 und 18 der
Lohnsteuerbescheinigung und von der Agentur steuerfrei pauschal
39
für Arbeit gezahlte Fahrtkostenzuschüsse ersetzt 29 0 , ––– besteuert 295 , –––
Beiträge zu Berufsverbänden (Bezeichnung der Verbände)
40 310 , –––
Aufwendungen für Arbeitsmittel – soweit nicht steuerfrei ersetzt –
(Art der Arbeitsmittel bitte einzeln angeben.) EUR

41 , –––
42 + , ––– 320 0 , –––
Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer
43 325 , –––
Fortbildungskosten – soweit nicht steuerfrei ersetzt –
44 330 , –––
Weitere Werbungskosten – soweit nicht steuerfrei ersetzt –
Flug- und Fährkosten bei Wegen zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte
45 , –––
Sonstiges (z. B. Bewerbungskosten, Kontoführungsgebühren)
46 + , –––
47 + , –––
48 + , ––– 380 0 , –––

Reisekosten bei beruflich veranlassten Auswärtstätigkeiten


Die Fahrten wurden ganz oder teilweise mit einem Firmenwagen oder im Rahmen einer unentgeltlichen 1 = Ja
49 Sammelbeförderung des Arbeitgebers durchgeführt 401 2 = Nein
– Falls „Ja“: Für die Fahrten mit Firmenwagen oder Sammelbeförderung dürfen mangels Aufwands
keine Eintragungen zu Fahrtkosten in Zeile 50 vorgenommen werden. –
Fahrt- und Übernachtungskosten, Reisenebenkosten
50 410 , –––
51
Pauschbeträge für Mehraufwendungen für Verpflegung
Vom Arbeitgeber steuerfrei ersetzt 420 , –––
Bei einer Auswärtstätigkeit im Inland: A n zahl der T age EUR

52 Abwesenheit von mindestens 8 Std. × 6 € = 0 , –––


Anzahl der Tage

53 Abwesenheit von mindestens 14 Std. × 12 € = + 0 , –––


Anzahl der Tage

54 Abwesenheit von 24 Std. × 24 € = + 0 , –––


Bei einer Auswärtstätigkeit im Ausland
55 (Berechnung bitte auf besonderem Blatt): + , ––– 480 0 , –––

56 Vom Arbeitgeber steuerfrei ersetzt 490


, –––
2013AnlN032NET 2013AnlN032NET

Abbildung 19
10 Besteuerung von Investmentfonds 176

Anlage N, Seite 3
Steuernummer, Name und Vorname

Mehraufwendungen für doppelte Haushaltsführung


Allgemeine Angaben am

61 Der doppelte Haushalt wurde aus beruflichem Anlass begründet 501 TTMMJJJJ
Grund
62
bis

63 Der doppelte Haushalt hat seitdem ununterbrochen bestanden 502 TTMM 2013
Beschäftigungsort (PLZ, Ort, Staat, falls im Ausland)
201300303203

64

Es liegt ein eigener Hausstand am Lebensmittelpunkt vor 1 = Ja


65 503
Falls ja, in 2 = Nein
seit
(PLZ, Ort)
504 TTMMJJJJ
Der Begründung des doppelten Haushalts ist eine Auswärtstätigkeit am selben Beschäftigungsort
66 unmittelbar vorausgegangen oder es handelt sich um einen sog. Wegverlegungsfall 505 1 = Ja

Anstelle der Mehraufwendungen für doppelte Haushaltsführung werden in den Zeilen 31 bis 39
67 Fahrtkosten für mehr als eine Heimfahrt wöchentlich geltend gemacht 506 1 = Ja
– Wird die Zeile 67 mit „Ja“ beantwortet, sind Eintragungen in den Zeilen 68 bis 83 nicht vorzunehmen. –

Fahrtkosten
Die Fahrten wurden insgesamt mit einem Firmenwagen oder im Rahmen einer unentgeltlichen 1 = Ja
68 Sammelbeförderung des Arbeitgebers durchgeführt 510 2 = Nein
– Soweit die Zeile 68 mit „Ja“ beantwortet wird, sind Eintragungen in den Zeilen 69, 70, 72 und 74 nicht vorzunehmen. –
Erste Fahrt zum Beschäftigungsort und letzte Fahrt zum eigenen Hausstand
gefahrene km Kilometersatz bei Einzel- EUR Ct

511 nachweis (Berechnung bitte


69 mit privatem Kfz
auf besonderem Blatt) 512
gefahrene km Kilometersatz bei Einzel- EUR Ct
mit privatem Motorrad /
522 nachweis (Berechnung bitte
70 Motorroller 0 auf besonderem Blatt) 523
EUR

71 mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder entgeltlicher Sammelbeförderung (lt. Nachweis) 513 , –––
Wöchentliche Heimfahrten
km Anzahl
einfache Entfernung
72 (ohne Flugstrecken) 514 515
EUR

73 Kosten für öffentliche Verkehrsmittel (lt. Nachweis – ohne Flug- und Fährkosten) 516 0 , –––
Nur bei Behinderungsgrad von mindestens 70 oder mindestens 50 und Merkzeichen „G“
einfache Entfernung km davon mit km Anzahl Kilometersatz bei Einzelnach- EUR Ct
(ohne Flug- privatem 517 518 weis (Berechnung bitte
74 strecken) 524 0 Kfz zurück- 0 auf besonderem Blatt) 519
gelegt EUR

75 Kosten für öffentliche Verkehrsmittel (lt. Nachweis – ohne Flug- und Fährkosten) 520 , –––
Flug- und Fährkosten (zu den Zeilen 72 bis 75) oder Kosten für entgeltliche Sammelbeförderung
76 für Heimfahrten (lt. Nachweis) 521 , –––
Kosten der Unterkunft am Beschäftigungsort
77 Aufwendungen (lt. Nachweis) 530 , –––
78 Größe der Zweitwohnung 531 m2
Pauschbeträge für Mehraufwendungen für Verpflegung
Die Verpflegungsmehraufwendungen lt. Zeilen 79 bis 82 können nur für einen Zeitraum von 3 Monaten nach Bezug der Unterkunft am
Beschäftigungsort geltend gemacht werden; geht der doppelten Haushaltsführung eine Auswärtstätigkeit voraus, ist dieser Zeitraum auf
den Dreimonatszeitraum anzurechnen. In sog. Wegverlegungsfällen ist der vorangegangene Aufenthalt am Beschäftigungsort auf den
Dreimonatszeitraum anzurechnen.
Bei einer doppelten Haushaltsführung im Inland:
79 Abwesenheit von mindestens 8 Std. 540 Anzahl der Tage

80 Abwesenheit von mindestens 14 Std. 541 Anzahl der Tage

81 Abwesenheit von 24 Std. 542 Anzahl der Tage


EUR

82 Bei einer doppelten Haushaltsführung im Ausland (Berechnung bitte auf besonderem Blatt) 543 , –––
Sonstige Aufwendungen
83 550 , –––
Summe der Mehraufwendungen für weitere doppelte Haushaltsführungen
84 (Berechnung bitte auf besonderem Blatt) 551 , –––
85 Vom Arbeitgeber / von der Agentur für Arbeit insgesamt steuerfrei ersetzt 590 , –––
2013AnlN033NET 2013AnlN033NET

Abbildung 20
10 Besteuerung von Investmentfonds 177

Anlage KAP, Seite 1

1
Name
Weber
Anlage KAP
X zur
Vorname Einkommensteuererklärung
2 Stefan zur Erklärung zur
X Festsetzung der Kirchen-
steuer auf Kapitalerträge
3 Steuernummer 0210067890 escheinigun
g(en )
Bitte Steuerbinal beifügen! stpfl. Person / Ehemann /
im Orig X
201300305201

Lebenspartner(in) A
Ehefrau /
Einkünfte aus Kapitalvermögen, Anrechnung von Steuern X Lebenspartner(in) B

Anträge 54
Ich beantrage die Günstigerprüfung für sämtliche Kapitalerträge.
4 (Bei Zusammenveranlagung: Die Anlage KAP meines Ehegatten / Lebenspartners ist beigefügt.)
01 1=Ja

5 Ich beantrage eine Überprüfung des Steuereinbehalts für bestimmte Kapitalerträge. 02 1=Ja

Erklärung zur Kirchensteuerpflicht


Ich bin kirchensteuerpflichtig und habe Kapitalerträge erzielt, von denen Kapitalertragsteuer
6 aber keine Kirchensteuer einbehalten wurde. 03 1 1=Ja

Kapitalerträge, die dem inländischen Steuerabzug unterlegen haben


Beträge korrigierte Beträge
lt. Steuerbescheinigung(en) (Erläuterungen auf besonderem Blatt)
EU R EU R

7 Kapitalerträge 10 ,- 20 ,-
In Zeile 7 enthaltene Gewinne aus Kapitalerträgen
8 i. S. d. § 20 Abs. 2 EStG 11 ,- 21 ,-
In Zeile 8 enthaltene Gewinne aus Aktienveräuße-
9 rungen i. S. d. § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG 12 ,- 22 ,-
In Zeile 7 enthaltene Stillhalterprämien
10 i. S. d. § 20 Abs. 1 Nr. 11 EStG 13 ,- 23 ,-
Ersatzbemessungsgrundlage i. S. d. § 43a Abs. 2
11 Satz 7, 10, 13 und 14 EStG (enthalten in Zeile 7) 14 ,- 24 ,-
Nicht ausgeglichene Verluste ohne Verluste aus
12 der Veräußerung von Aktien 15 ,- 25 ,-
Nicht ausgeglichene Verluste aus der Veräußerung
13 von Aktien i. S. d. § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG 16 ,- 26 ,-
Sparer-Pauschbetrag
In Anspruch genommener Sparer-Pauschbetrag, der auf die in
14 den Zeilen 7 bis 13 erklärten Kapitalerträge entfällt (ggf. „0“) 17 ,-
Bei Eintragungen in den Zeilen 7 bis 13, 16 bis 24 und 32 bis 47:
In Anspruch genommener Sparer-Pauschbetrag, der auf die in
15 der Anlage KAP nicht erklärten Kapitalerträge entfällt (ggf. „0“) 18 ,-
Kapitalerträge, die nicht dem inländischen Steuerabzug unterlegen haben
16 Inländische Kapitalerträge (ohne Betrag in Zeile 23) 30 ,-
17 Ausländische Kapitalerträge 34 2.000 ,-
In den Zeilen 16 und 17 enthaltene Gewinne aus der Veräußerung von Kapitalanlagen
18 i. S. d. § 20 Abs. 2 EStG 31 ,-
In Zeile 18 enthaltene Gewinne aus Aktienveräußerungen
19 i. S. d. § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG 32 ,-
20 In den Zeilen 16 und 17 enthaltene Verluste ohne Verluste aus der Veräußerung von Aktien 35 ,-
In den Zeilen 16 und 17 enthaltene Verluste aus der Veräußerung von Aktien
21 i. S. d. § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG 36 ,-
22 In den Zeilen 16 und 17 enthaltene Stillhalterprämien i. S. d. § 20 Abs. 1 Nr. 11 EStG 33 ,-
23 Zinsen, die vom Finanzamt für Steuererstattungen gezahlt wurden 60 ,-
Kapitalerträge, die der tariflichen Einkommensteuer unterliegen
(nicht in den Zeilen 7, 16, 17, 32 und 39 enthalten)
24 Hinzurechnungsbetrag nach § 10 AStG 75 ,-
Laufende Einkünfte aus sonstigen Kapitalforderungen jeder Art, aus stiller Gesellschaft und
25 partiarischen Darlehen 70 ,-
26 Gewinn aus der Veräußerung oder Einlösung von Kapitalanlagen lt. Zeile 25 71 ,-
27 Ich beantrage für die Einkünfte lt. Zeile 28 die Anwendung der tariflichen Einkommensteuer 1=Ja
– bitte Anleitung beachten –

Laufende Einkünfte aus einer unternehmerischen Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft


Gesellschaft, Finanzamt und Steuernummer
28 72 ,-
2 0 1 3 A n lK A P 0 51 N E T – Aug. 2013 – 2 0 1 3 A n lK A P 0 51 N E T
034024_13

Abbildung 21
10 Besteuerung von Investmentfonds 178

Anlage KAP, Seite 2


Steuernummer, Name und Vorname
0210067890, Weber Stefan
Erträge aus Beteiligungen
1. Beteiligung 2. Beteiligung
Gemeinschaft, Finanzamt und Steuernummer Gemeinschaft, Finanzamt und Steuernummer
31

– mit inländischem Steuerabzug EUR

32 Kapitalerträge 40 ,-
33 In Zeile 32 enthaltene Gewinne aus Kapitalerträgen i. S. d. § 20 Abs. 2 EStG 41 ,-

201300305202
34 In Zeile 33 enthaltene Gewinne aus Aktienveräußerungen i. S. d. § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG 42 ,-
35 In Zeile 32 enthaltene Stillhalterprämien i. S. d. § 20 Abs. 1 Nr. 11 EStG 43 ,-
Ersatzbemessungsgrundlage i. S. d. § 43a Abs. 2 Satz 7, 10, 13 und 14 EStG
36 (enthalten in Zeile 32) 44 ,-
37 Nicht ausgeglichene Verluste ohne Verluste aus der Veräußerung von Aktien 45 ,-
Nicht ausgeglichene Verluste aus der Veräußerung von Aktien
38 i. S. d. § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG 46 ,-
– ohne inländischen Steuerabzug
39 Kapitalerträge (ohne Betrag in Zeile 45) 50 ,-
In Zeile 39 enthaltene Gewinne aus der Veräußerung von Kapitalanlagen
40 i. S. d. § 20 Abs. 2 EStG 51 ,-
In Zeile 40 enthaltene Gewinne aus Aktienveräußerungen
41 i. S. d. § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG 52 ,-
42 In Zeile 39 enthaltene Verluste ohne Verluste aus der Veräußerung von Aktien 55 ,-
In Zeile 39 enthaltene Verluste aus der Veräußerung von Aktien
43 i. S. d. § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG 56 ,-
44 In Zeile 39 enthaltene Stillhalterprämien i. S. d. § 20 Abs. 1 Nr. 11 EStG 53 ,-
Gewinn aus der Veräußerung anteiliger Wirtschaftsgüter bei Veräußerung einer unmittelbaren
45 oder mittelbaren Beteiligung an einer Personengesellschaft 61 ,-
46 In Zeile 45 enthaltene Gewinne / Verluste aus Aktienveräußerungen 62 ,-
– die der tariflichen Einkommensteuer unterliegen
47 Hinzurechnungsbetrag nach § 10 AStG 76 ,-
Laufende Einkünfte aus sonstigen Kapitalforderungen jeder Art, aus stiller Gesellschaft und
48 partiarischen Darlehen 73 ,-
49 Gewinn aus der Veräußerung oder Einlösung von Kapitalanlagen lt. Zeile 48 74 ,-
Steuerabzugsbeträge zu Erträgen in den Zeilen 7 bis 22 und zu Beteiligungen in den Zeilen 31 bis 46
lt. beigefügter Bescheinigung(en) a u s B e t e i li g u n g e n
EU R Ct EUR Ct

50 Kapitalertragsteuer 80 90

51 Solidaritätszuschlag 81 91

52 Kirchensteuer zur Kapitalertragsteuer 82 92

53 Angerechnete ausländische Steuern 83 93


Anrechenbare noch nicht angerechnete
54 ausländische Steuern 84 94
Fiktive ausländische Quellensteuern
55 (nicht in den Zeilen 53 und 54 enthalten) 85 95

Anzurechnende Steuern zu Erträgen in den Zeilen 25 bis 28, 48 und 49 und aus anderen Einkunftsarten
EU R Ct EUR Ct

56 Kapitalertragsteuer 86 96

57 Solidaritätszuschlag 87 97

58 Kirchensteuer zur Kapitalertragsteuer 88 98


Nach der Zinsinformationsverordnung (ZIV) anzurechnende Quellensteuern
59 Summe der anzurechnenden Quellensteuern nach der ZIV (lt. beigefügter Bescheinigung) 99

Verrechnung von Altverlusten


60 Ich beantrage die Verrechnung von Verlusten nach § 23 EStG nach der bis zum 31.12.2008 geltenden Rechtslage. 04 1=Ja
Ich beantrage die Verrechnung von Verlusten nach § 22 Nr. 3 EStG nach der bis zum 31.12.2008 geltenden
61 Rechtslage. 05 1=Ja

Steuerstundungsmodelle
Einkünfte aus Gesellschaften / Gemeinschaften / ähnlichen Modellen i. S. d. § 15b EStG
(Erläuterungen auf besonderem Blatt)

62 ,-
2 0 1 3 A n lK A P 0 52 N E T 2 0 1 3 A n lK A P 0 52 N E T

Abbildung 22
10 Besteuerung von Investmentfonds 179

Steuerberechnung und Erläuterungen


Berechnung des zu versteuernden Einkommens EUR EUR
Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit:
Arbeitslohn lt. Anlage N Seite 1 30.000,00
ab Werbungskosten 1.980,00
Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit 28.020,00 28.020,00

Summe der Einkünfte = Gesamtbetrag der Einkünfte 28.020,00

Sonderausgaben:
gezahlte Kirchensteuer 361,00
Vorsorgeaufwendungen 2.271,00

Einkommen = zu versteuerndes Einkommen: 25.388,00

Berechnung der Einkommensteuer


Ergibt eine festzusetzende Einkommensteuer nach Grundtabelle 4.195,00

Berechnung des Solidaritätszuschlages


Bemessungsgrundlage ist die festzusetzende Einkommensteuer 4.195,00
Darauf 5,5% Solidaritätszuschlag 230,72

Berechnung der Kirchensteuer


Bemessungsgrundlage ist die festzusetzende Einkommensteuer 4.195,00
Darauf 9% Kirchensteuer 377,55

Einkünfte aus Kapitalvermögen die nach § 32d Abs. 1 EStG besteuert werden:
Kapitalerträge 2.000,00
ab Sparerpauschbetrag 801,00
Kapitalerträge i.S.d. § 32d Abs. 1 EStG 1.199,00
Abgeltungsteuer 293,15
Solidaritätszuschlag auf Abgeltungsteuer 16,12
Kirchensteuer auf Abgeltungsteuer 26,38

Steuerabrechnung für 2013:


Einkommensteuer Solidaritätszuschlag Kirchensteuer
EUR EUR EUR
Festzusetzende Steuer 4.195,00 230,72 377,55
Steuer nach § 32d EStG 293,15 16,12 26,38
ab Steuerabzug vom Lohn 4.005,00 220,27 360,45
Nachzahlung 483,15 26,57 43,48
Abbildung 23
10 Besteuerung von Investmentfonds 180

10.2 Einkünfte

Steuerpflichtig ist nur das Einkommen, das sich aus den sieben Einkunfts-
arten ergibt, die in § 2 Abs. 1 EStG aufgeführt sind (vgl. die Ausführungen
zur Steuerpflicht am Anfang dieses Kapitels). Nur wenn Einkünfte in eine
der sieben Einkunftsarten einzureihen sind und sie nicht ausdrücklich
steuerfrei gestellt sind, unterliegen sie der Einkommensteuer. Ob Einkünfte
aus einer der sieben Einkunftsarten vorliegen, entscheidet sich nach den
§§ 13–24 EStG. Es ist also stets zu prüfen, ob Einkünfte i.S.d. §§ 13–24
EStG vorliegen.
Dabei ist zu beachten, dass die Einkunftsart „Sonstige Einkünfte“ i.S.d.
§ 22 keine Auffangeinkunftsart ist. Auch diese Vorschrift regelt abschlie-
ßend, dass ausschließlich Einkünfte aus
• wiederkehrenden Bezügen
• Spekulationsgeschäften
• Leistungen (z.B. gelegentliche Vermittlungen; Vermietung beweglicher
Gegenstände) und
• Tätigkeiten als Mandatsträger (als Abgeordneter des Bundes oder der
EG)
einkommensteuerpflichtig sind.
Unterschieden wird auch zwischen Haupteinkunftsarten und Nebeneinkunfts-
arten. Bei einer Konkurrenz zwischen einer Haupt- und einer Nebenein-
kunftsart geht die Zuordnung zu der Haupteinkunftsart vor.
Ausgeschüttete Erträge aus Investmentanteilen, die im Privatvermögen
gehalten werden, gehören zu Einnahmen der Einkunftsart § 20 EStG.
Dagegen gehören ausgeschüttete Erträge aus Investmentanteilen, die im
Betriebsvermögen eines Kaufmannes gehalten werden, zu Einnahmen der
Einkunftsart § 15 EStG. Das ergibt sich aus § 20 Abs. 8 EStG. Ein wesent-
licher Unterschied bei den beiden Einkunftsarten besteht hinsichtlich der
Behandlung von Aufwendungen im Zusammenhang mit den Einnahmen.
Während im Rahmen des § 20 EStG tatsächliche Aufwendungen nicht
steuerlich berücksichtigt werden können, anstelle der tatsächlichen Auf-
wendungen jedoch der Sparer-Pauschbetrag (§ 20 Abs. 9 EStG) gewährt
wird, sind entsprechende Aufwendungen im Rahmen des § 15 EStG als
Betriebsausgaben zu berücksichtigen, nicht aber der Sparer-Pauschbetrag.
10 Besteuerung von Investmentfonds 181

Innerhalb der Nebeneinkunftsarten hat § 21 die Vorrangstellung. Das lässt


sich wiederum aus § 20 Abs. 8 EStG ableiten.
Der Steuerpflichtige P. Parka hat einen Bausparvertrag in der Anspar-
phase. Die Zinsen sind grundsätzlich gem. § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG als Ein-
nahmen aus Kapitalvermögen zu versteuern. In diesem Fall ist der Sparer-
Pauschbetrag gem. § 20 Abs. 9 EStG zu gewähren. Wenn jedoch feststeht,
dass Parka diesen Bausparvertrag zur Erweiterung, Sanierung etc. für
sein vermietetes Haus einsetzt, gehören die Zinseinnahmen zu der Ein-
kunftsart Vermietung und Verpachtung gem. § 21 EStG. Der Sparer-Pausch-
betrag gem. § 20 Abs. 9 EStG ist nicht zu gewähren.
Aus § 2 Abs. 2 EStG ergibt sich der sog. Einkünftedualismus mit der
Unterscheidung Gewinneinkünfte und Überschusseinkünfte. Dieser Dua-
lismus ist ein Spiegelbild der historischen „Reinvermögenszugangstheo-
rie“ und der „Quellentheorie“, wobei ein Streit darüber entstand, was unter
Einkommen zu verstehen ist. Das aktuelle Steuerrecht ist eine Kompro-
misslösung eingegangen. Die wichtigste wirtschaftliche Auswirkung ist die
Bildung von steuerverhaftetem Betriebsvermögen, d.h. sämtliche Wert-
veränderungen unterliegen der Besteuerung. Dagegen ist Privatvermögen
grundsätzlich nicht steuerverhaftet. Dies gilt jedoch seit der Einführung
der sog. Abgeltungsteuer nicht mehr für Wertveränderungen von Aktien,
Renten und Investmentanteilen. Wurden diese nach dem 31. Dezember 2008
angeschafft, sind die Wertveränderungen stets steuerverhaftet.
Von den Einkunftsarten werden nur Tätigkeiten und Zuflüsse aus Vorgän-
gen erfasst, die darauf abzielen, positive Einkünfte i.S.d. § 2 Abs. 1 EStG
zu erzielen (= Einkünfteerzielungsabsicht).
Zu den Einkünften gehören auch (§ 24 EStG)
• Entschädigungen (keine Einkünfteerzielung),
• nachträgliche Einkünfte (keine aktive werbende Tätigkeit).
In keine Einkunftsart eingeordnet werden können
• Einmalige Vermögensanfälle (z.B. Lotto),
• steuerfreie Vermögensmehrungen (§ 3 EStG, DBA),
• Mehrung u. Minderung des Privatvermögens außerhalb §§ 17, 23 EStG,
• Verluste aus Liebhaberei.
10 Besteuerung von Investmentfonds 182

Struktur der sieben Einkunftsarten


1 2 3 4 5 6 7
§§ 13 ff. §§ 15 ff. § 18 §§ 19 f. § 20 § 21 §§ 22, 23
Land- und Gewerbe- Selbst- Nicht- Kapital- Vermie- Sonstige
Forstwirt- betrieb ständige selbst- vermögen tung und
schaft Arbeit ständige Verpach-
Arbeit tung

Konkur-
renz:
Vier Haupteinkunftsarten Drei Nebeneinkunftsarten

Ermittlung:
Betriebsvermögen: Privatvermögen:
Gewinn/Verlust Überschuss der Einnahmen über die
Werbungskosten
Abbildung 24

10.2.1 Gewinneinkünfte

Die Gewinneinkünfte haben folgende aus § 15 Abs. 2 EStG ableitbare


gemeinsame Merkmale:
• selbstständig (= Unternehmerrisiko und Unternehmerinitiative)
• nachhaltig (= Wiederholungsabsicht)
• mit Gewinnerzielungsabsicht (ansonsten spricht man von Liebhaberei)
• unter Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr
(= Auftreten am Markt)
• nicht als Vermögensverwaltung (= Fruchtziehung aus der Substanz)
Jede Gewinneinkunftsart hat über diese Merkmale hinaus ihre eigenen
Charakteristika, die sie gegenüber den anderen Gewinneinkunftsarten abgren-
zen. Diese Abgrenzung ist gesetzlich vorgesehen. Gemäß § 15 Abs. 2
EStG liegt ein Gewerbebetrieb z. B. nur dann vor, wenn die Betätigung
weder als Ausübung von Land- und Forstwirtschaft (insbesondere aus dem
Betrieb von Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Weinbau, Gartenbau, Obst-
bau, Gemüsebau, Baumschulen und aus allen Betrieben, die Pflanzen und
Pflanzenteile mit Hilfe der Naturkräfte gewinnen) noch als Ausübung
eines freien Berufs noch als andere selbstständige Tätigkeit (Ausbildung
10 Besteuerung von Investmentfonds 183

auf höherem Niveau und dementsprechend eigene geistige Leistung, über-


wiegend handelt es sich um akademische Berufe; z.B. Ärzte, Rechtsanwälte,
Steuerberater) anzusehen ist.
Die wichtigste steuerliche Auswirkung ist die Gewerbesteuerpflicht, weil
nur der Gewerbetreibende, nicht aber der Freiberufler und der Land- und
Forstwirt gemäß § 2 GewStG gewerbesteuerpflichtig ist. Eine weitere
Bedeutung ergibt sich für die Frage, welche Art von Gewinnermittlung der
Steuerpflichtige zugrunde legen darf.
Aus Vereinfachungsgründen wird nur die Gewinnermittlung durch Betriebs-
vermögensvergleich erläutert. Diese ist für Kaufleute, die nach dem HGB
zur Buchführung verpflichtet sind, zwingend.
Betriebsvermögensvergleich:
Betriebsvermögen am Schluss des Wirtschaftsjahres
./. Betriebsvermögen am Schluss des vorangegangenen Wirtschaftsjahres
+ Entnahmen
./. Einlagen
= Gewinn/Verlust

Als Betriebsvermögen sind die Aktiva abzüglich der Verbindlichkeiten zu


verstehen.

HB/StB 31.12.01 TEUR HB/StB 31.12.02


Maschine 100 Kapital 30 Maschine 90 Kapital 50
Forde- Verbind- Forde- Verbind-
rungen 20 lichkeiten 170 rungen 30 lichkeiten 120
Bank 80 Bank 50
Summe 200 Summe 200 Summe 170 Summe 170

Es hat weder Entnahmen noch Einlagen gegeben.


10 Besteuerung von Investmentfonds 184

Gewinn 02 nach Betriebsvermögensvergleich:


Betriebsvermögen 02 (90+30+50–120) 50
./. Betriebsvermögen 01 (100+20+80–170) 30
= Gewinn 20

10.2.2 Überschusseinkünfte

Die Überschusseinkunftsarten sind historisch an dem Konzept der Quel-


lentheorie ausgerichtet. Daher sind Zuwächse beim Vermögensstamm
grundsätzlich (Ausnahmen bestehen insbesondere bei den Einkünften aus
Kapitalvermögen) nicht steuerverhaftet.
Abgesehen von der Einkunftsart „nichtselbstständige Arbeit“ (§ 19 EStG)
sind die Überschusseinkunftsarten untergeordnet.
Mieteinnahmen eines Mietwohngrundstücks, das sich im Betriebsvermö-
gen befindet, gehören zu Einkünften aus Gewerbebetrieb oder zu Einkünf-
ten aus selbstständiger Arbeit.
Dividenden für Aktien im Betriebsvermögen führen nicht zu Einkünften
aus Kapitalvermögen (§ 20 Abs. 8 EStG).
Zinsen für einen anzusparenden Bausparvertrag, dessen Zwischenfinan-
zierungsdarlehen für den Bau eines vermieteten Wohnhauses eingesetzt
wurde, gehören nicht zu den Einnahmen aus Kapitalvermögen, sondern zu
den Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung.
Die von der Versicherungsanstalt für Arbeitnehmer gezahlten Leibrenten
werden den sonstigen Einkünften gem. § 22 Nr. 1 S. 3a) EStG zugeordnet.
Sofern die Leibrente eine betriebliche Zusatzrente ist, gehört sie zu den
Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit.
Der Überschuss ist grundsätzlich durch Gegenüberstellung von Einnah-
men und Werbungskosten zu ermitteln.
10 Besteuerung von Investmentfonds 185

§ 2 EStG [Umfang der Besteuerung, Begriffsbestimmungen] – Auszug


(1) Der Einkommensteuer unterliegen (...) (die bereits genannten sieben Ein-
kunftsarten)
(...) die der Steuerpflichtige während seiner unbeschränkten Einkommensteuer-
pflicht oder als inländische Einkünfte während seiner beschränkten Einkom-
mensteuerpflicht erzielt. Zu welcher Einkunftsart die Einkünfte im einzelnen
Fall gehören, bestimmt sich nach den §§ 13 bis 24.
(2) Einkünfte sind
1. bei Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb und selbstständiger Arbeit
der Gewinn (§§ 4 bis 7k),
2. bei den anderen Einkunftsarten der Überschuss der Einnahmen über die
Werbungskosten (§§ 8 bis 9a).
Bei Einkünften aus Kapitalvermögen tritt § 20 Abs. 9 vorbehaltlich der Rege-
lung in § 32d Abs. 2 an die Stelle der §§ 9 und 9a. (…)

Einnahmen sind alle Güter in Geld oder Geldeswert.

§ 8 EStG [Einnahmen] – Auszug


(1) Einnahmen sind alle Güter, die in Geld oder Geldeswert bestehen und dem
Steuerpflichtigen im Rahmen einer der Einkunftsarten des § 2 Abs. 1 Satz 1
Nr. 4 bis 7 zufließen.

Steuern vom Einkommen mindern die Einnahmen nicht, d.h. insbesondere


Lohnsteuerbeträge und Kapitalertragsteuerbeträge mindern nicht die Ein-
nahmen. (...)

§ 12 EStG [Nicht abzugsfähige Ausgaben] – Auszug


Soweit in § 10 Abs. 1 Nr. 1, 2 bis 5, 7 und 9, den §§ 10a, 10b und den §§ 33 bis
33b nichts anderes bestimmt ist, dürfen weder bei den einzelnen Einkunftsarten
noch vom Gesamtbetrag der Einkünfte abgezogen werden
(…)
3. die Steuern vom Einkommen und sonstige Personensteuern sowie die
Umsatzsteuer für Umsätze, die Entnahmen sind, und die Vorsteuerbeträge auf
Aufwendungen, für die das Abzugsverbot der Nummer 1 oder des § 4 Abs. 5
Satz 1 Nr. 1 bis 5, 7 oder Abs. 7 gilt; das gilt auch für die auf diese Steuern ent-
fallenden Nebenleistungen; (…)
10 Besteuerung von Investmentfonds 186

Werbungskosten sind Aufwendungen, die in einem wirtschaftlichen


Zusammenhang mit den Einnahmen stehen.

§ 9 EStG [Werbungskosten] – Auszug


(1) Werbungskosten sind Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhal-
tung der Einnahmen. Sie sind bei der Einkunftsart abzuziehen, bei der sie
erwachsen sind. (…)

In zeitlicher Hinsicht gilt das Zufluss-/Abfluss-Prinzip, d.h. Einnahmen


sind dann zu erfassen, wenn sie zugeflossen sind (i.d.R. bei Gutschrift auf
dem Bankkonto) und Werbungskosten sind dann zu berücksichtigen, wenn
sie abgeflossen sind (i.d.R. mit Belastung des Bankkontos).

§ 11 EStG [Vereinnahmung und Verausgabung] – Auszug


(1) Einnahmen sind innerhalb des Kalenderjahres bezogen, in dem sie dem
Steuerpflichtigen zugeflossen sind. (…)
(2) Ausgaben sind für das Kalenderjahr abzusetzen, in dem sie geleistet worden
sind. (…)

10.2.3 Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit – § 19 EStG

Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit gemäß § 19 EStG beziehen nur


Arbeitnehmer. Arbeitnehmer sind gemäß § 1 Abs. 1 LStDV Personen, die
Arbeitslohn beziehen
• aus einem gegenwärtigen Dienstverhältnis
• aus einem früheren Dienstverhältnis (Pensionen)
• als Rechtsnachfolger aus dem früheren Dienstverhältnis des Rechtsvor-
gängers (Witwenpension).
Arbeitslohn ist alles, was der Arbeitnehmer aus Anlass oder als Ausfluss
des Dienstverhältnisses erhält.
10 Besteuerung von Investmentfonds 187

Die Einkünfte aus § 19 EStG sind wie folgt zu ermitteln:


Steuerpflichtiger Bruttoarbeitslohn = Einnahmen
./. tatsächliche Werbungskosten,
mind. Arbeitnehmer-Pauschbetrag (§ 9a Nr. 1a EStG) = 1.000 EUR
= Einkünfte gemäß § 19 EStG

10.2.4 Einkünfte aus Kapitalvermögen – § 20 EStG

Einkünfte aus Kapitalvermögen sind alle Entgelte aus der Nutzungsüber-


lassung von Geld bzw. Kapital, d.h. die Früchte der Kapitalnutzung. In
§ 20 EStG ist geregelt, welche Erträge zu entsprechenden Einkünften füh-
ren. Dazu gehören insbesondere:
• Gewinnanteile (Dividenden) und
• Zinsen
Zusätzlich gehören Gewinne aus der Veräußerung des Kapitalstamms
(z.B. Aktien, Renten, Investmentanteile) zu den Einkünften aus Kapital-
vermögen.
Die Einkünfte aus § 20 EStG sind wie folgt zu ermitteln (Besonderheiten
bei zusammenveranlagten Ehegatten werden nicht dargestellt):

Dividenden, Zinsen, ausgeschüttete und ausschüttungsgleiche Erträge


aus Investmentfonds = Einnahmen gem. § 20 Abs. 1 EStG
+ Gewinne aus der Veräußerung des Kapitalstamms = Einnahmen gem.
§ 20 Abs. 2 EStG
./. Sparer-Pauschbetrag (§ 20 Abs. 9 EStG) = 801 EUR
= Einkünfte gemäß § 20 EStG
10 Besteuerung von Investmentfonds 188

10.2.4.1 Gewinnausschüttungen – § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG

Gewinnanteile sind u.a. Einkünfte aus Beteiligungen an Kapitalgesellschaf-


ten in Form von Aktien oder GmbH-Anteilen. Dabei kann der Gewinn
eines oder mehrerer Jahre offen oder verdeckt ausgeschüttet werden. Wird
beschlossen, Gewinn auszuschütten und erfolgt dementsprechend die Aus-
zahlung, ist die Kapitalgesellschaft oder (bei girosammelverwahrten Aktien)
die auszahlende Bank verpflichtet, Kapitalertragsteuer in Höhe von 25% des
Kapitalertrags für Rechnung des Gläubigers des Kapitalertrags einzube-
halten und bis zum 10. des auf den Einbehalt folgenden Monats an das
Finanzamt abzuführen
Unter § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG fallen auch ausgeschüttete und ausschüt-
tungsgleiche Erträge aus Investmentvermögen (s.u.).

10.2.4.2 Zinsen – § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG

Unter § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG fallen insbesondere Zinsen aus Spareinlagen


und aus festverzinslichen Wertpapieren. Inländische depotführende Stellen
sind verpflichtet, Kapitalertragsteuer von 25 % des Kapitalertrags für
Rechnung des Gläubigers des Kapitalertrags einzubehalten und bis zum
10. des auf den Einbehalt folgenden Monats an das Finanzamt abzuführen.
Beim Ankauf festverzinslicher Wertpapiere sind die sogenannten Stück-
zinsen zu beachten. Der Käufer hat zusätzlich zu dem Kurs des festver-
zinslichen Wertpapiers die Zinsen für den Zeitraum seit dem letzten Zins-
zahlungstermin bis zum Kaufdatum zu bezahlen. Diese Zinsen werden als
Stückzinsen bezeichnet und sind als negative Zinsen nach § 20 Abs. 1
Nr. 7 EStG zu behandeln. Erhaltene Stückzinsen gehören jedoch zum Ver-
äußerungsgewinn i.S.d. § 20 Abs. 2 Nr. 7 EStG.

10.2.4.3 Gewinne aus der Veräußerung von Aktien und GmbH-Anteilen


– § 20 Abs. 2 Nr. 1 EStG

Zu den Einkünften aus Kapitalvermögen gehören auch Gewinne aus der


Veräußerung von Aktien und GmbH-Anteilen.
Wie der Gewinn zu ermitteln ist, ist in § 20 Abs. 4 EStG geregelt.
10 Besteuerung von Investmentfonds 189

§ 20 EStG [Kapitalvermögen] – Auszug


(…)
(4) Gewinn im Sinne des Absatzes 2 ist der Unterschied zwischen den Einnah-
men aus der Veräußerung nach Abzug der Aufwendungen, die im unmittelbaren
sachlichen Zusammenhang mit dem Veräußerungsgeschäft stehen, und den
Anschaffungskosten; bei nicht in Euro getätigten Geschäften sind die Einnah-
men im Zeitpunkt der Veräußerung und die Anschaffungskosten im Zeitpunkt
der Anschaffung in Euro umzurechnen. In den Fällen der verdeckten Einlage
tritt an die Stelle der Einnahmen aus der Veräußerung der Wirtschaftsgüter ihr
gemeiner Wert; der Gewinn ist für das Kalenderjahr der verdeckten Einlage
anzusetzen. Ist ein Wirtschaftsgut im Sinne des Absatzes 2 in das Privatvermö-
gen durch Entnahme oder Betriebsaufgabe überführt worden, tritt an die Stelle
der Anschaffungskosten der nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 oder § 16 Abs. 3 angesetzte
Wert. In den Fällen des Absatzes 2 Satz 1 Nr. 6 gelten die entrichteten Beiträge
im Sinne des Absatzes 1 Nr. 6 Satz 1 als Anschaffungskosten; ist ein entgelt-
licher Erwerb vorausgegangen, gelten auch die nach dem Erwerb entrichteten
Beiträge als Anschaffungskosten. Gewinn bei einem Termingeschäft ist der
Differenzausgleich oder der durch den Wert einer veränderlichen Bezugsgröße
bestimmte Geldbetrag oder Vorteil abzüglich der Aufwendungen, die im unmit-
telbaren sachlichen Zusammenhang mit dem Termingeschäft stehen. Bei unent-
geltlichem Erwerb sind dem Einzelrechtsnachfolger für Zwecke dieser Vor-
schrift die Anschaffung, die Überführung des Wirtschaftsguts in das Privat-
vermögen, der Erwerb eines Rechts aus Termingeschäften oder die Beiträge im
Sinne des Absatzes 1 Nr. 6 Satz 1 durch den Rechtsvorgänger zuzurechnen. Bei
vertretbaren Wertpapieren, die einem Verwahrer zur Sammelverwahrung im
Sinne des § 5 des Depotgesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom
11. Januar 1995 (BGBl. I S. 34), das zuletzt durch Artikel 4 des Gesetzes vom
5. April 2004 (BGBl. I S. 502) geändert worden ist, in der jeweils geltenden
Fassung anvertraut worden sind, ist zu unterstellen, dass die zuerst angeschaff-
ten Wertpapiere zuerst veräußert wurden. (…)

Auch Gewinne aus der Rückgabe oder Veräußerung von Investmentantei-


len sind gem. § 20 Abs. 2 Nr. 1 EStG zu erfassen (s.u.).

10.2.4.4 Gewinne aus der Veräußerung sonstiger Kapitalforderungen –


§ 20 Abs. 2 Nr. 7 EStG

Zu den Gewinnen aus der Veräußerung sonstiger Kapitalforderungen, die


nach § 20 Abs. 2 Nr. 7 zu erfassen sind, zählen insbesondere Gewinne aus
dem Verkauf von Rentenpapieren. Die Ermittlung des Gewinns erfolgt
10 Besteuerung von Investmentfonds 190

gem. § 20 Abs. 4 EStG (s.o.). Erhaltene Stückzinsen (s.o.) gehören zum


Veräußerungspreis und erhöhen somit einen Veräußerungsgewinn.

10.2.4.5 Besonderheiten bei der Besteuerung von Kapitaleinkünften


(sog. Abgeltungsteuer)

Mit dem Unternehmensteuerreformgesetz 2008 wurde die sogenannte


„Abgeltungsteuer“ eingeführt. Die Neuregelungen, die seit 2009 gelten,
haben erhebliche Auswirkungen auf die Besteuerung von Kapitalerträgen
und Veräußerungsgewinnen.
Für Einkünfte aus Kapitalvermögen gilt ein besonderer Steuertarif.
Die Einkommensteuer für (im Privatvermögen erzielte) Einkünfte aus
Kapitalvermögen beträgt 25% (§ 32d Abs. 1 Satz 1 EStG). Damit unterlie-
gen diese Einkünfte nicht der progressiven Besteuerung (§ 2 Abs. 5b EStG).
Anrechenbare ausländische Quellensteuern (§ 32d Abs. 5 EStG) und die
Kirchensteuer, soweit sie auf die Einkünfte aus Kapitalvermögen entfällt,
mindern den Satz von 25% (§ 32d Abs. 1 Sätze 2 und 3 EStG).
Zur Ermittlung der Einkommensteuer unter Berücksichtigung von anre-
chenbaren ausländischen Steuern und der Kirchensteuer, die auf die Ein-
künfte aus Kapitalvermögen entfällt, wird folgende Formel verwendet:
e – 4q
Einkommensteuer = --------------
4+k
mit e = die nach § 20 EStG n.F. ermittelten Einkünfte, q = anrechenbare
ausländische Quellensteuer und k = Kirchensteuersatz.
Beispiele:
1. Die Einkünfte nach § 20 EStG. betragen 100 EUR; es gibt keine anrechen-
bare Quellensteuer und keine Kirchensteuer
100 EUR
Einkommensteuer = ---------------------- = 25 EUR
4
2. Die Einkünfte nach § 20 EStG. betragen 100 EUR; im Ausland wurden
Quellensteuern von 15 EUR einbehalten, die anrechenbar sind; Kirchen-
steuer ist nicht angefallen
100 EUR – 4 ⋅ 15 EUR
Einkommensteuer = ------------------------------------------------------ = 10 EUR
4
10 Besteuerung von Investmentfonds 191

3. Die Einkünfte nach § 20 EStG betragen 100 EUR; im Ausland wurden


Quellensteuern von 15 EUR einbehalten, die anrechenbar sind; der Kirchen-
steuersatz beträgt 8%
100 EUR – 4 ⋅ 15 EUR
Einkommensteuer = ------------------------------------------------------ = 9,80 EUR;
4+8%
Kirchensteuer = 9,80 EUR · 8% = 0,78 EUR
Der Einkommensteuersatz entspricht dem Kapitalertragsteuersatz von 25%,
der auch auf Zinsen anzuwenden ist (§ 43a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG).
Auch bei der Erhebung der Kapitalertragsteuer sind die Kirchensteuer
• § 43a Abs. 1 Satz 2 EStG) und anrechenbare ausländische Steuern
• § 43a Abs. 3 i.V.m. 32d Abs. 5 EStG bereits zu berücksichtigen.
Aufgrund dieses Gleichlaufs bei der Ermittlung der Kapitalertragsteuer
und der Einkommensteuer regelt § 43 Abs. 5 EStG, dass die Einkommen-
steuer grundsätzlich mit dem Steuerabzug abgegolten ist. Da tatsächliche
Werbungskosten den depotführenden Stellen nicht bekannt sein können,
hat der Gesetzgeber zur Vermeidung von Veranlagungsfällen angeordnet,
dass diese nicht mehr abzugsfähig sind. Stattdessen wird der Sparer-
Pauschbetrag von 801 Euro gewährt (§ 20 Abs. 9 EStG).

§ 20 EStG [Kapitalvermögen] – Auszug


(…)
(9) Bei der Ermittlung der Einkünfte aus Kapitalvermögen ist als Werbungs-
kosten ein Betrag von 801 Euro abzuziehen (Sparer-Pauschbetrag); der Abzug
der tatsächlichen Werbungskosten ist ausgeschlossen. Ehegatten, die zusammen-
veranlagt werden, wird ein gemeinsamer Sparer-Pauschbetrag von 1.602 Euro
gewährt. Der gemeinsame Sparer-Pauschbetrag ist bei der Einkunftsermittlung
bei jedem Ehegatten je zur Hälfte abzuziehen; sind die Kapitalerträge eines
Ehegatten niedriger als 801 Euro, so ist der anteilige Sparer-Pauschbetrag inso-
weit, als er die Kapitalerträge dieses Ehegatten übersteigt, bei dem anderen
Ehegatten abzuziehen. Der Sparer-Pauschbetrag und der gemeinsame Sparer-
Pauschbetrag dürfen nicht höher sein als die nach Maßgabe des Absatzes 6 ver-
rechneten Kapitalerträge.

Das Leistungsfähigkeitsprinzip wird insoweit verletzt, weil gegen das


objektive Nettoprinzip verstoßen wird, da tatsächliche Werbungskosten
nicht mehr geltend gemacht werden können.
10 Besteuerung von Investmentfonds 192

Zumindest wird aber eine Schlechterstellung von Geringverdienern dadurch


vermieden, dass diese die Einkünfte aus Kapitalvermögen weiterhin in der
Einkommensteuererklärung angeben können und diese dann nur dem per-
sönlichen (Grenz-)Steuersatz unterliegen, sofern dieser 25% unterschreitet
(sog. Günstigerprüfung; § 32d Abs. 6 EStG). In diesem Fall sind die Ein-
künfte aus Kapitalvermögen in das vorgestellte Schema (s. 10.1.3) zur
Ermittlung des z.v.E. einzubeziehen.

10.2.5 Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung

Zu den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung (VuV) gehören die


Einkünfte aus VuV von unbeweglichem Vermögen, von Sachinbegriffen,
aus zeitlich begrenzter Überlassung von Rechten, aus der Veräußerung von
Miet- und Pachtzinsforderungen (§ 21 Abs. 1 EStG). Die Zahlung muss
sich nach ihrem wirtschaftlichen Gehalt als Gegenleistung für die Überlas-
sung des Gebrauchs oder der Nutzung, nicht der Veräußerung des Gegen-
stands darstellen.

10.2.6 Einkunftsart „Sonstige Einkünfte“ – §§ 22, 23 EStG

Sonstige Einkünfte sind:


a) Einkünfte aus wiederkehrenden Bezügen; dazu gehören z. B. Zeit-
renten, Leibrenten und Einkünfte aus Zuschüssen und sonstigen
Vorteilen, die als wiederkehrende Bezüge gewährt werden (§ 22 Nr. 1
EStG); hierzu gehören vor allem auch solche Leistungen, die beim
Geber als dauernde Lasten (§ 10 Abs. 1 Nr. 1a EStG) zu behandeln
sind,
b) Einkünfte aus Unterhaltsleistungen, soweit sie beim Geber als Son-
derausgaben abzugsfähig sind (§ 22 Nr. 1a EStG),
c) Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften (§ 22 Nr. 2, § 23
EStG),
d) Einkünfte aus Leistungen (§ 22 Nr. 3 EStG),
e) Abgeordnetenbezüge (§ 22 Nr. 4 EStG),
f) Leistungen aus Altersvorsorgeverträgen, Pensionsfonds, Pensions-
kassen und Direktversicherungen.
10 Besteuerung von Investmentfonds 193

§ 22 EStG zählt (abschließend) die „sonstigen Einkünfte“ auf. Diese gehö-


ren in diese Einkunftsart nur, wenn sie nicht in eine der sechs anderen Ein-
kunftsarten einzureihen sind.
Vor allem wiederkehrende Bezüge, d. h. Bezüge, die für eine gewisse
Dauer in gewissen Zeitabständen regelmäßig fließen, fallen unter § 22
Nr. 1 Satz 1 EStG nur, wenn sie nicht zu den Einkunftsarten i.S. des § 2
Abs. 1 Nr. 1–6 EStG gehören und wenn sie sich bei wirtschaftlicher
Betrachtung nicht als Kapitalrückzahlungen (Kaufpreisraten) darstellen.
Beamtenpensionen sind wiederkehrende Leistungen, diese sind aber nicht
nach § 22 Nr. 1 EStG steuerpflichtig, sondern als Arbeitslohn aus einem
früheren Dienstverhältnis nach § 19 Abs. 1 Nr. 2 EStG. Folge: Volle Ver-
steuerung nach Abzug eines Versorgungsfreibetrages gem. § 19 Abs. 2
EStG.
Bei Leibrenten (BFA bzw. LVA) ist nur der Ertragsanteil steuerpflichtig,
da diese nur von § 22 Nr. 1 EStG erfasst werden können.
Die „sonstigen Einkünfte“ werden als Überschuss der Einnahmen über die
Werbungskosten ermittelt. Ein Werbungskosten-Pauschbetrag besteht nur
bei den wiederkehrenden Bezügen i.S. des § 22 Nr. 1 EStG und den Unter-
haltsleistungen i.S. des § 22 Nr. 1a EStG. Wenn nicht höhere Werbungs-
kosten nachgewiesen werden, können 102 Euro abgezogen werden; der
Pauschbetrag darf aber nicht höher sein als die Einnahmen (§ 9a EStG).
Die „sonstigen Einkünfte“, auch die Renten aus der Sozialversicherung,
werden ausschließlich im Wege der Veranlagung besteuert, nicht durch
Steuerabzug.
Gewinne aus dem An- und Verkauf von Immobilien fallen unter § 23 Abs. 1
Satz 1 Nr. 1 EStG, wenn zwischen An- und Verkauf ein Zeitraum von
höchstens 10 Jahren liegt.
10 Besteuerung von Investmentfonds 194

§ 23 EStG [Private Veräußerungsgeschäfte] – Auszug


(1) Private Veräußerungsgeschäfte (§ 22 Nr. 2) sind
1. Veräußerungsgeschäfte bei Grundstücken und Rechten, die den Vorschriften
des bürgerlichen Rechts über Grundstücke unterliegen (z. B. Erbbaurecht,
Mineralgewinnungsrecht), bei denen der Zeitraum zwischen Anschaffung und
Veräußerung nicht mehr als zehn Jahre beträgt. Gebäude und Außenanlagen
sind einzubeziehen, soweit sie innerhalb dieses Zeitraums errichtet, ausgebaut
oder erweitert werden; dies gilt entsprechend für Gebäudeteile, die selbst-
ständige unbewegliche Wirtschaftsgüter sind, sowie für Eigentumswohnungen
und im Teileigentum stehende Räume. Ausgenommen sind Wirtschaftsgüter,
die im Zeitraum zwischen Anschaffung oder Fertigstellung und Veräußerung
ausschließlich zu eigenen Wohnzwecken oder im Jahr der Veräußerung und in
den beiden vorangegangenen Jahren zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurden;
2. Veräußerungsgeschäfte bei anderen Wirtschaftsgütern, bei denen der Zeit-
raum zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als ein Jahr beträgt.
Bei Wirtschaftsgütern im Sinne von Nummer 2 Satz 1, aus deren Nutzung als
Einkunftsquelle zumindest in einem Kalenderjahr Einkünfte erzielt werden,
erhöht sich der Zeitraum auf zehn Jahre.
(…)
(2) Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften der in Absatz 1 bezeichne-
ten Art sind den Einkünften aus anderen Einkunftsarten zuzurechnen, soweit sie
zu diesen gehören.
(3) Gewinn oder Verlust aus Veräußerungsgeschäften nach Absatz 1 ist der
Unterschied zwischen Veräußerungspreis einerseits und den Anschaffungs-
oder Herstellungskosten und den Werbungskosten andererseits. (…). Gewinne
bleiben steuerfrei, wenn der aus den privaten Veräußerungsgeschäften erzielte
Gesamtgewinn im Kalenderjahr weniger als 600 Euro betragen hat. (…) Ver-
luste dürfen nur bis zur Höhe des Gewinns, den der Steuerpflichtige im gleichen
Kalenderjahr aus privaten Veräußerungsgeschäften erzielt hat, ausgeglichen
werden; sie dürfen nicht nach § 10d abgezogen werden. (…)

D. Dack hat im Januar 2006 ein Grundstück erworben und dafür 50.000 EUR
gezahlt. Im Juni 2014 entschließt sich Dack, das Grundstück wieder zu
veräußern. Nach Abzug der Transaktionskosten werden ihm 60.000 EUR
gutgeschrieben. Es ist nunmehr ein Spekulationsgewinn in Höhe von
10.000 EUR zu versteuern.
Gewinne bleiben steuerfrei, wenn der aus den privaten Veräußerungs-
geschäften erzielte Gesamtgewinn im Kalenderjahr weniger als 600 EUR
betragen hat; § 23 Abs. 3 Satz 5 EStG.
10 Besteuerung von Investmentfonds 195

Hierbei handelt es sich um eine Freigrenze und nicht um einen Freibetrag,


d.h. wurde ein Gesamtgewinn von genau 600 EUR erzielt, ist dieser in
voller Höhe zu versteuern.

10.3 Körperschaftsteuer

Kapitalgesellschaften und sonstige steuerpflichtige Personenvereinigun-


gen und Vermögensmassen i.S.v. § 1 KStG unterliegen mit ihren Einkünf-
ten gemäß § 1 KStG dem Körperschaftsteuerrecht. Gemäß § 1 Abs. 1 KStG
ist für eine unbeschränkte Körperschaftsteuerpflicht zwingende Voraus-
setzung, dass entweder der Ort der Geschäftsleitung i. S. v. § 10 AO
(= Ort, an dem die bedeutenden Entscheidungen im Tagesgeschäft getrof-
fen werden) oder der gesellschaftsrechtliche Sitz i.S.v. § 11 AO (lt. Gesell-
schaftsvertrag) sich im Inland befindet.

§ 1 KStG [Unbeschränkte Steuerpflicht] – Auszug


(1) Unbeschränkt körperschaftsteuerpflichtig sind die folgenden Körperschaf-
ten, Personenvereinigungen und Vermögensmassen, die ihre Geschäftsleitung
oder ihren Sitz im Inland haben:
1. Kapitalgesellschaften (insbes. Europäische Gesellschaften, Aktiengesellschaften,
Kommanditgesellschaften auf Aktien, Gesellschaften mit beschränkter Haftung);
2. Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften;
3. Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit;
4. sonstige juristische Personen des privaten Rechts;
5. nichtrechtsfähige Vereine, Anstalten, Stiftungen und andere Zweckvermögen
des privaten Rechts;
6. Betriebe gewerblicher Art von juristischen Personen des öffentlichen Rechts.
(2) Die unbeschränkte Körperschaftsteuerpflicht erstreckt sich auf sämtliche
Einkünfte.
(…)

Gemäß § 8 Abs. 2 KStG sind alle Einkünfte, die eine handelsrechtlich


buchführungspflichtige Körperschaft (z.B. eine GmbH gemäß § 6 Abs. 1
HGB i.V.m. § 13 Abs. 3 GmbHG) erzielt, als Einkünfte aus Gewerbe-
betrieb zu behandeln. Für Körperschaften, die nicht nach dem HGB buch-
führungspflichtig sind, kommt das Beziehen sämtlicher Einkunftsarten
(§ 2 Abs. 1 EStG) mit Ausnahme der Einkünfte aus nichtselbstständiger
10 Besteuerung von Investmentfonds 196

Arbeit in Betracht. Was als Einkommen gilt und wie das Einkommen zu
ermitteln ist, bestimmt sich nach den Vorschriften des EStG und den
besonderen Vorschriften des KStG.
Gemäß § 7 Abs. 3 KStG ist die Körperschaftsteuer eine Jahressteuer. Ver-
anlagungszeitraum ist regelmäßig das Kalenderjahr, bilanzierende Körper-
schaften können hiervon abweichend ihren Gewinn nach einem Wirt-
schaftsjahr ermitteln. Der Körperschaftsteuersatz beträgt 15%.
Die Kapitalgesellschaft (als Hauptanwendungsfall des § 1 KStG) und ihr
Anteilseigner sind steuerlich jeweils eigenständige Steuersubjekte. Daher
stehen sich die Anteilseigner und die Kapitalgesellschaft wie fremde Dritte
gegenüber, man spricht insoweit von dem Trennungsprinzip. Als Konse-
quenz daraus erzielt der Anteilseigner, wenn er eine
• natürliche Person ist, Einkünfte gemäß § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG
• andere Körperschaft ist, Einkünfte gemäß § 8 Abs. 2 KStG i.V.m. § 15
EStG.
Da die ausschüttende Gesellschaft ihrerseits nur aus versteuerten Gewinnen
ausschütten kann, kommt es zwangsläufig zu einer Doppelbesteuerung
(Kaskadeneffekt).
Betrachtet man die Gewinnausschüttung der Körperschaft, so ist diese bereits
mit einer definitiven Körperschaftsteuer gemäß § 23 Abs. 1 KStG bei der
ausschüttenden Körperschaft in Höhe von 15% vorbelastet.
Ist der Anteilseigner eine andere Körperschaft, bleiben gemäß § 8b Abs. 1
KStG Bezüge i.S des § 20 Abs. Nr. 1 EStG bei der Ermittlung des Ein-
kommens außer Ansatz. Da die ausschüttende Körperschaft bereits eine
definitive Steuer in Höhe von 15% entrichtet hat und das Einkommen der
empfangenden Körperschaft ebenfalls mit einer definitiven Steuer belastet
wäre, käme es in einem mehrgliedrigen Konzern zu einer mehrfachen
Besteuerung. Diesen Kaskadeneffekt will § 8b KStG verhindern. Daher
wird in einer Beteiligungskette, die nur aus Körperschaften besteht, die
Ausschüttung innerhalb der Beteiligungskette steuerfrei gestellt. Die Frei-
stellung gilt allerdings nur dann, wenn die andere Körperschaft zu min-
destens 10% an der ausschüttenden Körperschaft beteiligt ist.
Ist der Anteilseigner eine natürliche Person, die ihre Beteiligung im Betriebs-
vermögen hält, werden gemäß § 3 Nr. 40 EStG 60% der Einkünfte (sog.
Teileinkünfteverfahren) mit dem durchschnittlichen Steuersatz besteuert.
10 Besteuerung von Investmentfonds 197

Die Entenpreis-GmbH hat einen Gewinn lt. Steuerbilanz i.H.v. 100.000 EUR
vor Steuern erzielt. Die Gewerbesteuer und der Solidaritätszuschlag blei-
ben aus Vereinfachungsgründen unberücksichtigt.
Die Entenpreis-GmbH hat 15% von 100.000 EUR = 15.000 EUR an Kör-
perschaftsteuer zu zahlen.
Die verbleibenden 85.000 EUR schüttet sie an John-Luc Picant, der 100%
der Anteile an der GmbH in seinem Betriebsvermögen hält, aus.
Bei Picant gehört die Ausschüttung zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb
gem. § 15 Abs. 1 EStG. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Einnahme
i.H.v. 40% = 34.000 EUR steuerfrei gem. § 3 Nr. 40 EStG ist.
Ist der Anteilseigner eine natürliche Person, die ihre Anteile im Privat-
vermögen hält, erfolgt die Besteuerung der Ausschüttung im Rahmen der
Abgeltungsteuer.

10.4 Investmentsteuergesetz

Das Investmentsteuergesetz (InvStG) ist zum 1.1.2004 in Kraft getreten.


Es wurde zuletzt wesentlich durch das Gesetz zur Anpassung des Invest-
mentsteuergesetzes und anderer Gesetze an das AIFM-Umsetzungsgesetz
(AIFM-Steuer-Anpassungsgesetz – AIFM-StAnpG) vom 18.12.2013 (BGBl I
2013, S. 4318) geändert.
Das InvStG ist in 5 Abschnitte gegliedert. Der 1. Abschnitt enthält gemein-
same Regelungen für inländische und ausländische Investmentfonds. Der
2. Abschnitt enthält ausschließlich Regelungen nur für inländische Invest-
mentfonds, während im 3. Abschnitt nur Regelungen für ausländische
Investmentfonds behandelt werden. Im 5. Abschnitt geht es um Anwen-
dungs- und Übergangsregelungen.
10 Besteuerung von Investmentfonds 198

10.4.1 Gemeinsame Regelungen für inländische und


ausländische Investmentfonds

10.4.1.1 Anwendungsbereich – § 1 Abs. 1 InvStG

Das InvStG ist gem. § 1 Abs. 1 InvStG auf OGAW und AIF anzuwenden.

§ 1 InvStG [Anwendungsbereich und Begriffsbestimmungen] – Auszug


(1) Dieses Gesetz ist anzuwenden auf Organismen für gemeinsame Anlagen in
Wertpapieren (OGAW) im Sinne des § 1 Absatz 2 des Kapitalanlagegesetzbuchs
und Alternative Investmentfonds (AIF) im Sinne des § 1 Absatz 3 des Kapital-
anlagegesetzbuchs sowie auf Anteile an OGAW oder AIF. 2 Teilsondervermö-
gen im Sinne des § 96 Absatz 2 Satz 1 des Kapitalanlagegesetzbuchs, Teil-
gesellschaftsvermögen im Sinne des § 117 oder des § 132 des Kapitalanlage-
gesetzbuchs oder vergleichbare rechtlich getrennte Einheiten eines ausländischen
OGAW oder AIF (Teilfonds) gelten für die Zwecke dieses Gesetzes selbst als
OGAW oder AIF.
(…)
Ein OGAW oder ein AIF muss die in § 1 Abs. 1b Satz 2 InvStG genannten
Bedingungen erfüllen oder nach § 22 Abs. 2 InvStG befristet bestandsgeschützt
sein, um als Investmentfonds zu qualifizieren und den nachfolgend geschilder-
ten Besteuerungsregelungen zu unterliegen.

§ 1 InvStG [Anwendungsbereich und Begriffsbestimmungen] – Auszug


(…)
(1b) Die Abschnitte 1 bis 3 und 5 sind auf Investmentfonds und Anteile an
Investmentfonds anzuwenden. Ein Investmentfonds ist ein OGAW oder ein
AIF, der die folgenden Anlagebestimmungen erfüllt:
1. Der OGAW, der AIF oder der Verwalter des AIF ist in seinem Sitzstaat einer
Aufsicht über Vermögen zur gemeinschaftlichen Kapitalanlage unterstellt.
Diese Bestimmung gilt in den Fällen des § 2 Absatz 3 des Kapitalanlage-
gesetzbuchs als erfüllt.
2. Die Anleger können mindestens einmal pro Jahr das Recht zur Rückgabe
oder Kündigung ihrer Anteile, Aktien oder Beteiligung ausüben. Dies gilt
als erfüllt, wenn der OGAW oder der AIF an einer Börse im Sinne des § 2
Absatz 1 des Börsengesetzes oder einer vergleichbaren ausländischen Börse
gehandelt wird.
10 Besteuerung von Investmentfonds 199

3. Der objektive Geschäftszweck ist auf die Anlage und Verwaltung seiner
Mittel für gemeinschaftliche Rechnung der Anteils- oder Aktieninhaber
beschränkt und eine aktive unternehmerische Bewirtschaftung der Vermö-
gensgegenstände ist ausgeschlossen. Eine aktive unternehmerische Bewirt-
schaftung ist bei Beteiligungen an Immobilien-Gesellschaften im Sinne des
§ 1 Absatz 19 Nummer 22 des Kapitalanlagegesetzbuchs nicht schädlich.
4. Das Vermögen wird nach dem Grundsatz der Risikomischung angelegt.
Eine Risikomischung liegt regelmäßig vor, wenn das Vermögen in mehr als
drei Vermögensgegenstände mit unterschiedlichen Anlagerisiken angelegt
ist. Der Grundsatz der Risikomischung gilt als gewahrt, wenn der OGAW
oder der AIF in nicht nur unerheblichem Umfang Anteile an einem oder
mehreren anderen Vermögen hält und diese anderen Vermögen unmittelbar
oder mittelbar nach dem Grundsatz der Risikomischung angelegt sind.
5. Die Vermögensanlage erfolgt zu mindestens 90 Prozent des Wertes des
OGAW oder des AIF in die folgenden Vermögensgegenstände:
a) Wertpapiere,
b) Geldmarktinstrumente,
c) Derivate,
d) Bankguthaben,
e) Grundstücke, grundstücksgleiche Rechte und vergleichbare Rechte nach
m Recht anderer Staaten,
f) Beteiligungen an Immobilien-Gesellschaften im Sinne des § 1 Absatz 19
Nummer 22 des Kapitalanlagegesetzbuchs,
g) Betriebsvorrichtungen und andere Bewirtschaftungsgegenstände im Sinne
des § 231 Absatz 3 des Kapitalanlagegesetzbuchs,
h) Anteile oder Aktien an inländischen und ausländischen Investment-
fonds,
i) Beteiligungen an ÖPP-Projektgesellschaften im Sinne des § 1 Absatz 19
Nummer 28 des Kapitalanlagegesetzbuchs, wenn der Verkehrswert die-
ser Beteiligungen ermittelt werden kann und
j) Edelmetalle, unverbriefte Darlehensforderungen und Beteiligungen an
Kapitalgesellschaften, wenn der Verkehrswert dieser Beteiligungen ermit-
telt werden kann.
10 Besteuerung von Investmentfonds 200

6. Höchstens 20 Prozent seines Wertes werden in Beteiligungen an Kapital-


gesellschaften investiert, die weder zum Handel an einer Börse zugelassen
noch in einem anderen organisierten Markt zugelassen oder in diesen einbe-
zogen sind. OGAW oder AIF, die nach ihren Anlagebedingungen das bei
ihnen eingelegte Geld in Immobilien anlegen, dürfen bis zu 100 Prozent
ihres Wertes in Immobilien-Gesellschaften investieren. Innerhalb der Gren-
zen des Satzes 1 dürfen auch Unternehmensbeteiligungen gehalten werden,
die vor dem 28. November 2013 erworben wurden.
7. Die Höhe der Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft liegt unter 10 Prozent
des Kapitals der Kapitalgesellschaft. Dies gilt nicht für Beteiligungen eines
OGAW oder eines AIF an
a) Immobilien-Gesellschaften,
b) ÖPP-Projektgesellschaften und
c) Gesellschaften, deren Unternehmensgegenstand auf die Erzeugung
erneuerbarer Energien im Sinne des § 3 Nummer 3 des Gesetzes über
den Vorrang erneuerbarer Energien gerichtet ist.
8. Ein Kredit darf nur kurzfristig und nur bis zur Höhe von 30 Prozent des
Wertes des OGAW oder des AIF aufgenommen werden. AIF, die nach den
Anlagebedingungen das bei ihnen eingelegte Geld in Immobilien anlegen,
dürfen kurzfristige Kredite bis zu einer Höhe von 30 Prozent des Wertes des
Investmentfonds und im Übrigen Kredite bis zu einer Höhe von 50 Prozent
des Verkehrswertes der im AIF unmittelbar oder mittelbar gehaltenen
Immobilien aufnehmen.
9. Die vorstehenden Anlagebestimmungen oder die für OGAW geltenden
Anlagebestimmungen des Kapitalanlagegesetzbuchs gehen aus seinen Anlage-
bedingungen hervor.
(…)

10.4.1.2 Besteuerung von ausgeschütteten und thesaurierten Erträgen


auf der Ebene der Anleger – § 1 Abs. 3, § 2, § 4 Abs. 1 InvStG

System

Auf der Ebene des Investmentfonds kommt es zu keiner Belastung mit


inländischen Ertragssteuern (s.u.). Die steuerlichen Auswirkungen werden
auf der Ebene der Anleger gezogen. Hierbei ist zwischen verschiedenen
Anlegergruppen zu unterscheiden – insbesondere zwischen natürlichen
Personen, die ihre Anteile im Privatvermögen halten, natürlichen Perso-
nen, die ihre Anteile im Betriebsvermögen halten und Kapitalgesellschaf-
10 Besteuerung von Investmentfonds 201

ten. Für diese drei Gruppen soll nachfolgend exemplarisch dargestellt wer-
den, welche Auswirkungen typische Sachverhalte haben, d.h. wie sich auf
Fondsebene erzielte Dividenden, Zinsen, Mieten etc. auf Anlegerebene
auswirken und zwar entweder im Falle der Thesaurierung oder im Falle
der Ausschüttung.
Die Steuerbarkeit und die zeitliche Zurechnung ist dabei jeweils nach
§§ 2 Abs. 1 und 1 Abs. 3 InvStG zu beurteilen.
Bei der zeitlichen Zurechnung ist zwischen thesaurierten Erträgen und
ausgeschütteten Erträgen zu unterscheiden.
Ausgeschüttete Erträge sind beim Anleger zu erfassen; §§ 1 Abs. 3 Satz 2,
2 Abs. 1 Satz 1 InvStG.

§ 1 InvStG [Anwendungsbereich und Begriffsbestimmungen] – Auszug


(…)
(3) (…) Ausgeschüttete Erträge sind die von einem Investmentvermögen zur
Ausschüttung verwendeten Kapitalerträge, Erträge aus der Vermietung und
Verpachtung von Grundstücken und grundstücksgleichen Rechten, sonstige
Erträge und Gewinne aus Veräußerungsgeschäften. (…).

§ 2 InvStG [Erträge aus Investmentanteilen] – Auszug


(1) Die auf Investmentanteile ausgeschütteten sowie die ausschüttungsgleichen
Erträge und der Zwischengewinn gehören zu den Einkünften aus Kapital-
vermögen im Sinne des § 20 Abs. 1 Nr. 1 des Einkommensteuergesetzes, wenn
sie nicht Betriebseinnahmen des Anlegers, Leistungen nach § 22 Nr. 1 Satz 3
Buchstabe a Doppelbuchstabe aa des Einkommensteuergesetzes in Verbindung
mit § 10 Abs. 1 Nr. 2 Buchstabe b des Einkommensteuergesetzes oder Leis-
tungen im Sinne des § 22 Nr. 5 des Einkommensteuergesetzes sind; § 3 Nr. 40
des Einkommensteuergesetzes und § 8b Abs. 1 des Körperschaftsteuergesetzes
sind außer in den Fällen des Absatzes 2 nicht anzuwenden. (…)

Zusätzlich gelten die in § 1 Abs. 3 Satz 3 InvStG aufgezählten thesaurier-


ten Erträge (ausschüttungsgleiche Erträge) im Falle der Vollthesaurierung
mit Ablauf des Fonds-Geschäftsjahres, in dem sie vereinnahmt worden
sind, als beim Anleger zugeflossen.
10 Besteuerung von Investmentfonds 202

§ 1 InvStG [Anwendungsbereich und Begriffsbestimmungen] – Auszug


(…)
(3) (…) Ausschüttungsgleiche Erträge sind die von einem Investmentvermögen
nach Abzug der abziehbaren Werbungskosten nicht zur Ausschüttung verwen-
deten
1. Kapitalerträge mit Ausnahme der Erträge aus Stillhalterprämien im Sinne des
§ 20 Abs. 1 Nr. 11 des Einkommensteuergesetzes, der Gewinne im Sinne des
§ 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 des Einkommensteuergesetzes, der Gewinne im Sinne
des § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 des Einkommensteuergesetzes und der Gewinne
im Sinne des § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 des Einkommensteuergesetzes, soweit sie
nicht auf vereinnahmte Stückzinsen entfallen und wenn es sich um sonstige
Kapitalforderungen handelt,
a) die eine Emissionsrendite haben,
b) bei denen das Entgelt für die Kapitalüberlassung ausschließlich nach einem
festen oder variablen Bruchteil des Kapitals bemessen und die Rückzahlung des
Kapitals in derselben Höhe zugesagt oder gewährt wird, in der es überlassen
wurde. Ein Emissionsdisagio oder Emissionsdiskont zur Feinabstimmung des
Zinses bleibt dabei unberücksichtigt,
c) bei denen weder eine auch nur teilweise Rückzahlung des Kapitalvermögens
noch ein gesondertes Entgelt für die Überlassung des Kapitalvermögens zur
Nutzung zugesagt oder gewährt wird und die Rückzahlung des Kapitals sich
nach der Wertentwicklung einer einzelnen Aktie oder eines veröffentlichten
Index für eine Mehrzahl von Aktien richtet und diese Wertentwicklung in glei-
chem Umfang nachgebildet wird,
d) die solche im Sinne des Buchstaben b sind, bei denen der Inhaber neben der
festen Verzinsung ein Recht auf Umtausch in Gesellschaftsanteile hat, oder bei
denen der Inhaber zusätzlich bei Endfälligkeit das Wahlrecht besitzt, vom Emit-
tenten entweder die Kapitalrückzahlung oder die Lieferung einer vorher festge-
legten Anzahl von Aktien eines Unternehmens zu verlangen, oder bei denen der
Emittent zusätzlich das Recht besitzt, bei Fälligkeit dem Inhaber an Stelle der
Rückzahlung des Nominalbetrags eine vorher festgelegte Anzahl von Aktien
anzudienen,
e) die Gewinnobligationen oder Genussrechte im Sinne des § 43 Abs. 1 Satz 1
Nr. 2 des Einkommensteuergesetzes sind,
f) bei denen die Anschaffungskosten teilweise auf abtrennbare Optionsscheine
und eine separat handelbare Anleihe entfallen,
2. Erträge aus der Vermietung und Verpachtung von Grundstücken und grund-
stücksgleichen Rechten, sonstige Erträge und Gewinne aus privaten Veräuße-
rungsgeschäften im Sinne des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, Abs. 2 und 3 des Ein-
kommensteuergesetzes.
10 Besteuerung von Investmentfonds 203

Zu den ausgeschütteten und ausschüttungsgleichen Erträgen im Sinne der Sätze


2 und 3 gehören auch nach § 3 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 abgegrenzte Erträge. Fasst
die Investmentgesellschaft nicht spätestens vier Monate nach Ablauf des
Geschäftsjahres einen Beschluss über die Verwendung der Erträge des abge-
laufenen Geschäftsjahres, gelten diese als nicht zur Ausschüttung verwendet.
(…).
§ 2 InvStG [Erträge aus Investmentanteilen] – Auszug
(1) Die auf Investmentanteile ausgeschütteten sowie die ausschüttungsgleichen
Erträge und der Zwischengewinn gehören zu den Einkünften aus Kapital-
vermögen im Sinne des § 20 Abs. 1 Nr. 1 des Einkommensteuergesetzes, wenn
sie nicht Betriebseinnahmen des Anlegers, Leistungen nach § 22 Nr. 1 Satz 3
Buchstabe a Doppelbuchstabe aa des Einkommensteuergesetzes in Verbindung
mit
§ 10 Abs. 1 Nr. 2 Buchstabe b des Einkommensteuergesetzes oder Leistungen
im Sinne des § 22 Nr. 5 des Einkommensteuergesetzes sind; § 3 Nr. 40 des Ein-
kommensteuergesetzes und § 8b Abs. 1 des Körperschaftsteuergesetzes sind
außer in den Fällen des Absatzes 2 nicht anzuwenden. Die ausschüttungs-
gleichen Erträge gelten außer in den Fällen des § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchstabe a
Doppelbuchstabe aa des Einkommensteuergesetzes in Verbindung mit § 10
Abs. 1 Nr. 2 Buchstabe b des Einkommensteuergesetzes oder des § 22 Nr. 5 des
Einkommensteuergesetzes mit dem Ablauf des Geschäftsjahres, in dem sie ver-
einnahmt worden sind, als zugeflossen. Bei Teilausschüttung der in § 1 Abs. 3
genannten Erträge sind die ausschüttungsgleichen Erträge dem Anteilschein-
inhaber im Zeitpunkt der Teilausschüttung zuzurechnen. Reicht im Falle der
Teilausschüttung die Ausschüttung nicht aus, um die Kapitalertragsteuer einzu-
behalten, so gilt die Teilausschüttung als ausschüttungsgleicher Ertrag. (…).

Aus der Steuerbarkeit folgt auch die Steuerpflicht, sofern keine Steuer-
befreiungsvorschriften einschlägig sind. Steuerbefreiungen können sich erge-
ben aus § 2 Abs. 2, § 2 Abs. 3 oder aus § 4 Abs. 1 InvStG.
Dabei überträgt § 2 Abs. 2 InvStG das Teileinkünfteverfahren auf ausge-
schüttete und ausschüttungsgleiche Erträge, soweit Dividenden zur Aus-
schüttung verwendet werden.
§ 2 Abs. 3 InvStG gewährt Steuerbefreiungen für ausgeschüttete Erträge
an Privatanleger, soweit diese aus Gewinnen aus der Veräußerung von
Immobilien außerhalb der 10-Jahresfrist (entspricht § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1
EStG beim Direktanleger) finanziert werden.
§ 4 Abs. 1 InvStG gewährt den Anlegern das DBA-Freistellungsverfahren
für Mieterträge des Investmentvermögens, die an die Anleger ausgeschüt-
tet werden bzw. als zugeflossen gelten.
10 Besteuerung von Investmentfonds 204

Anleger ist eine natürliche Person mit Anteilen im Privatvermögen

− Inländische und ausländische Dividenden


thesauriert: gelten als zugeflossen; voll steuerpflichtig;
ausgeschüttet: voll steuerpflichtig
− Inländische und ausländische Zinsen
thesauriert: gelten als zugeflossen; voll steuerpflichtig
ausgeschüttet: voll steuerpflichtig
− Inländische Mieten
thesauriert: gelten als zugeflossen; voll steuerpflichtig
ausgeschüttet: voll steuerpflichtig
− Ausländische Mieten (DBA mit Freistellungsmethode)
thesauriert: gelten als zugeflossen; steuerfrei
ausgeschüttet: steuerfrei
− Veräußerungsgewinne aus Wertpapieren und Bezugsrechten
thesauriert: gelten grundsätzlich (Ausnahme: Gewinne
aus der Veräußerung sonstiger Kapitalfor-
derungen, die nicht unter § 1 Abs. 3 Satz 3
Nr. 1a bis f InvStG fallen) nicht als zuge-
flossen
ausgeschüttet: voll steuerpflichtig
− Veräußerungsgewinne aus inländischen Grundstücken
thesauriert: gelten als nicht als zugeflossen, wenn die
Veräußerung außerhalb der 10-Jahresfrist
stattgefunden hat
ausgeschüttet: steuerfrei, wenn die Veräußerung außerhalb
der 10-Jahresfrist stattgefunden hat
10 Besteuerung von Investmentfonds 205

− Veräußerungsgewinne aus ausländischen Grundstücken (DBA mit


Freistellungsmethode)
thesauriert: steuerfrei
ausgeschüttet: steuerfrei

Anleger ist eine natürliche Person mit Anteilen im


Betriebsvermögen

− Inländische und ausländische Dividenden


thesauriert: gelten als zugeflossen; steuerpflichtig; Teil-
einkünfteverfahren
ausgeschüttet: steuerpflichtig; Teileinkünfteverfahren
− Inländische und ausländische Zinsen
thesauriert: gelten als zugeflossen; voll steuerpflichtig
ausgeschüttet: voll steuerpflichtig
− Inländische Mieten
thesauriert: gelten als zugeflossen; voll steuerpflichtig
ausgeschüttet: voll steuerpflichtig
− Ausländische Mieten (DBA mit Freistellungsmethode)
thesauriert: gelten als zugeflossen; steuerfrei ggf. mit
Progressionsvorbehalt
ausgeschüttet: steuerfrei ggf. mit Progressionsvorbehalt
− Veräußerungsgewinne aus Wertpapieren und Bezugsrechten
thesauriert: gelten grundsätzlich (Ausnahme: Gewinne
aus Veräußerung sonstiger Kapitalforderun-
gen, die nicht unter § 1 Abs. 3 Satz 3 Nr. 1a
bis f InvStG fallen) nicht als zugeflossen
ausgeschüttet: voll steuerpflichtig; ggf. Teileinkünftever-
fahren
10 Besteuerung von Investmentfonds 206

− Veräußerungsgewinne aus inländischen Grundstücken


thesauriert: gelten als zugeflossen, wenn die Veräuße-
rung innerhalb der 10-Jahresfrist stattge-
funden hat; voll steuerpflichtig
ausgeschüttet: voll steuerpflichtig
Veräußerungsgeschäfte aus ausländischen Grundstücken (DBA mit Frei-
stellungsmethode)
thesauriert: gelten als zugeflossen, wenn die Veräußerung
innerhalb der 10-Jahresfrist stattgefunden
hat; steuerfrei ggf. mit Progressionsvorbe-
halt
ausgeschüttet: steuerfrei ggf. mit Progressionsvorbehalt

Anleger ist eine Kapitalgesellschaft

− Inländische und ausländische Dividenden


thesauriert: gelten als zugeflossen;
grundsätzlich steuerpflichtig (ggf. bei Spe-
zialfonds steuerfrei, wenn der Spezialfonds
oder der Anleger eine 10%ige Beteiligung an
der ausschüttenden Kapitalgesellschaft hält)
ausgeschüttet: grundsätzlich steuerpflichtig (ggf. bei Spe-
zialfonds steuerfrei, wenn der Spezialfonds
oder der Anleger eine 10%ige Beteiligung an
der ausschüttenden Kapitalgesellschaft hält)
− Inländische und ausländische Zinsen
thesauriert: gelten als zugeflossen; voll steuerpflichtig
ausgeschüttet: voll steuerpflichtig
− Inländische Mieten
thesauriert: gelten als zugeflossen; voll steuerpflichtig
ausgeschüttet: voll steuerpflichtig
10 Besteuerung von Investmentfonds 207

− Ausländische Mieten (DBA mit Freistellungsmethode)


thesauriert: gelten als zugeflossen; steuerfrei
ausgeschüttet: steuerfrei
− Veräußerungsgewinne aus Wertpapieren und Bezugsrechten
thesauriert: gelten grundsätzlich (Ausnahme: Gewinne
aus Veräußerung sonstiger Kapitalforderun-
gen, die nicht unter § 1 Abs. 3 Satz 3 Nr. 1a
bis f InvStG fallen) nicht als zugeflossen
ausgeschüttet: steuerfrei, hinsichtlich der Veräußerungsge-
winne aus Aktien und GmbH-Anteilen (bei
Anteilen an Investmentfonds ist der Aktien-
gewinn zu berücksichtigen; s.u.), ansonsten
voll steuerpflichtig
− Veräußerungsgewinne aus inländischen Grundstücken
thesauriert: gelten als zugeflossen, wenn die Veräuße-
rung innerhalb der 10-Jahresfrist erfolgt ist;
voll steuerpflichtig
ausgeschüttet: voll steuerpflichtig
− Veräußerungsgeschäfte aus ausländischen Grundstücken (DBA mit
Freistellungsmethode)
thesauriert: gelten als zugeflossen, wenn die Veräuße-
rung innerhalb der 10-Jahresfrist erfolgt ist;
steuerfrei
ausgeschüttet: steuerfrei
10 Besteuerung von Investmentfonds 208

10.4.1.3 Ermittlung der Erträge – § 3 InvStG

§ 3 InvStG [Ermittlung der Erträge]


(1) Bei der Ermittlung der Erträge des Investmentfonds ist § 2 Absatz 2 Satz 1
Nummer 2 des Einkommensteuergesetzes sinngemäß anzuwenden.
(1a) Wird ein Zinsschein oder eine Zinsforderung vom Stammrecht abgetrennt,
gilt dies als Veräußerung der Schuldverschreibung und als Anschaffung der
durch die Trennung entstandenen Wirtschaftsgüter. Eine Trennung gilt als voll-
zogen, wenn dem Inhaber der Schuldverschreibung die Wertpapierkennnum-
mern für die durch die Trennung entstandenen Wirtschaftsgüter zugehen. Als
Veräußerungserlös der Schuldverschreibung gilt deren gemeiner Wert zum Zeit-
punkt der Trennung. Für die Ermittlung der Anschaffungskosten der neuen Wirt-
schaftsgüter ist der Wert nach Satz 3 entsprechend dem gemeinen Wert der neuen
Wirtschaftsgüter aufzuteilen. Die Erträge des Stammrechts sind in sinngemäßer
Anwendung des Absatzes 2 Satz 1 Nummer 2 periodengerecht abzugrenzen.
(2) § 11 des Einkommensteuergesetzes ist mit folgenden Maßgaben anzuwen-
den:
1. Dividenden gelten bereits am Tag des Dividendenabschlags als zugeflossen;
2. Zinsen, angewachsene Ansprüche aus einem Emissions-Agio oder -Disagio
mit Ausnahme des Feinabstimmungsabschlags nach § 1 Abs. 3 Satz 3 Nr. 1
Buchstabe b Satz 2 einer sonstigen Kapitalforderung im Sinne des § 20 Abs. 1
Nr. 7 des Einkommensteuergesetzes, die eine Emissionsrendite hat, und
Mieten sind periodengerecht abzugrenzen; die angewachsenen Ansprüche
sind mit der Emissionsrendite anzusetzen, sofern diese leicht und eindeutig
ermittelbar ist; anderenfalls ist der Unterschiedsbetrag zwischen dem Markt-
wert zum Ende des Geschäftsjahres und dem Marktwert zu Beginn des
Geschäftsjahres oder im Falle des Erwerbs innerhalb des Geschäftsjahres
der Unterschiedsbetrag zwischen dem Marktwert zum Ende des Geschäfts-
jahres und den Anschaffungskosten als Zins (Marktrendite) anzusetzen; die
abgegrenzten Zinsen und Mieten gelten als zugeflossen.Bei sonstigen Kapi-
talforderungen im Sinne des § 1 Absatz 3 Satz 3 Nummer 1 Buchstabe f ist
Satz 1 nur auf die Zinsen und nicht auch auf angewachsene Ansprüche anzu-
wenden;
Soweit die Einnahmen schon vor dem Zufluss erfasst werden, ist ein Abzug der
ausländischen Steuern gemäß § 4 Abs. 4 bereits in dem Geschäftsjahr zulässig,
in dem die Einnahmen zugerechnet werden.
(3) Werbungskosten des Investmentfonds, die in einem unmittelbaren wirt-
schaftlichen Zusammenhang mit Einnahmen stehen, sind bei den jeweiligen
Einnahmen abzuziehen. Zu den unmittelbaren Werbungskosten gehören auch
Absetzungen für Abnutzung oder Substanzverringerung, soweit diese die nach
§ 7 des Einkommensteuergesetzes zulässigen Beträge nicht übersteigen.
10 Besteuerung von Investmentfonds 209

Die nach Satz 1 verbleibenden, in einem mittelbaren wirtschaftlichen Zusam-


menhang mit Einnahmen der in § 1 Absatz 3 Satz 3 Nummer 1 und 2 genannten
Art (laufende Einnahmen) sowie mit sonstigen Gewinnen und Verlusten aus
Veräußerungsgeschäften stehenden Werbungskosten sind ausschließlich nach
den nachfolgenden Maßgaben abziehbar:
1. Den ausländischen laufenden Einnahmen oder sonstigen ausländischen
Gewinnen und Verlusten aus Veräußerungsgeschäften, für die der Bundes-
republik Deutschland auf Grund eines Abkommens zur Vermeidung der
Doppelbesteuerung kein Besteuerungsrecht zusteht, sind Werbungskosten
im Verhältnis des durchschnittlichen Vermögens des vorangegangenen
Geschäftsjahres, das Quelle dieser laufenden Einnahmen und dieser
sonstigen Gewinne und Verluste aus Veräußerungsgeschäften ist, zu dem
durchschnittlichen Gesamtvermögen des vorangegangenen Geschäftsjahres
zuzuordnen. Zur Berechnung des durchschnittlichen Vermögens sind die
monatlichen Endwerte des vorangegangenen Geschäftsjahres zugrunde zu
legen.
2. Bei der Ermittlung der Erträge, auf die beim Anleger
a) § 3 Nummer 40 des Einkommensteuergesetzes anwendbar ist, sind die
nach Anwendung der Nummer 1 verbleibenden abziehbaren Werbungs-
kosten den laufenden Einnahmen, die auch § 3 Nummer 40 des Ein-
kommensteuergesetzes unterfallen, sowie den sonstigen Gewinnen
im Sinne des § 3 Nummer 40 des Einkommensteuergesetzes und den
sonstigen Gewinnminderungen im Sinne des § 3c Absatz 2 des Ein-
kommensteuergesetzes des laufenden Geschäftsjahres im Verhältnis des
durchschnittlichen Vermögens des vorangegangenen Geschäftsjahres,
das Quelle dieser Einnahmen ist, zu dem durchschnittlichen Gesamt-
vermögen des vorangegangenen Geschäftsjahres zuzuordnen, das um
das Vermögen im Sinne der Nummer 1 vermindert ist. Nummer 1 Satz 2
gilt entsprechend;
b) § 8b Absatz 1 des Körperschaftsteuergesetzes anwendbar ist oder, unge-
achtet des § 8b Absatz 4 des Körperschaftsteuergesetzes in Verbindung
mit § 15 Absatz 1a dieses Gesetzes, anwendbar wäre, sind die nach
Anwendung der Nummer 1 verbleibenden abziehbaren Werbungskosten
den laufenden Einnahmen im Sinne des § 15 Absatz 1a dieses Gesetzes
in Verbindung mit § 8b Absatz 1 des Körperschaftsteuergesetzes, den
laufenden Einnahmen im Sinne des § 2 Absatz 2 Satz 1 dieses Gesetzes
sowie den sonstigen Gewinnen und Verlusten aus Veräußerungsgeschäften
im Sinne des § 8b Absatz 2 und 3 des Körperschaftsteuergesetzes des
laufenden Geschäftsjahres im Verhältnis des vorangegangenen Geschäfts-
jahres, das Quelle dieser Einnahmen ist, zu dem durchschnittlichen
Gesamtvermögen des vorangegangenen Geschäftsjahres zuzuordnen, das
um das Vermögen im Sinne der Nummer 1 vermindert ist. Nummer 1
Satz 2 gilt entsprechend.
10 Besteuerung von Investmentfonds 210

3. Die abziehbaren Werbungskosten, die nach Anwendung der Sätze 1 und 3


Nummer 1 und 2 noch nicht zugeordnet wurden, sind von den verbleiben-
den laufenden Einnahmen sowie den verbleibenden sonstigen Gewinnen
und Verlusten aus Veräußerungsgeschäften des laufenden Geschäftsjahres
abzuziehen.
Die nach Satz 3 zuzuordnenden Werbungskosten sind innerhalb der jeweiligen
Nummern 1 bis 3 den jeweiligen laufenden Einnahmen oder den sonstigen
Gewinnen und Verlusten aus Veräußerungsgeschäften nach dem Verhältnis der
positiven Salden der laufenden Einnahmen des vorangegangenen Geschäftsjah-
res einerseits und der positiven Salden der sonstigen Gewinne und Verluste aus
Veräußerungsgeschäften des vorangegangenen Geschäftsjahres andererseits
zuzuordnen. Hierbei bleiben Gewinn- und Verlustvorträge unberücksichtigt.
Nach Zuordnung der Werbungskosten nach den Sätzen 1 bis 5 erfolgt eine wei-
tere Zuordnung der Werbungskosten in dem Verhältnis der positiven laufenden
Einnahmen des vorangegangenen Geschäftsjahres zueinander auf die jeweili-
gen laufenden Einnahmen. Den laufenden Einnahmen nach Satz 3 Nummer 2
Buchstabe b sind die Werbungskosten nach dem Verhältnis des positiven Saldos
der laufenden Einnahmen im Sinne des § 15 Absatz 1a dieses Gesetzes in Ver-
bindung mit § 8b Absatz 1 des Körperschaftsteuergesetzes des vorangegange-
nen Geschäftsjahres einerseits und des positiven Saldos der laufenden Einnah-
men im Sinne des § 2 Absatz 2 Satz 1 dieses Gesetzes des vorangegangenen
Geschäftsjahres andererseits zuzuordnen; Satz 6 gilt entsprechend. Satz 6 ist
auf die sonstigen Gewinne und Verluste aus Veräußerungsgeschäften entspre-
chend anzuwenden. Bei Fehlen positiver Salden auf beiden Seiten erfolgt die
Zuordnung der Werbungskosten jeweils hälftig zu den laufenden Einnahmen
sowie zu den sonstigen Gewinnen und Verlusten aus Veräußerungsgeschäften.
(4) Negative Erträge des Investmentfonds sind bis zur Höhe der positiven
Erträge gleicher Art mit diesen zu verrechnen. Nicht ausgeglichene negative
Erträge sind in den folgenden Geschäftsjahren auszugleichen.
(5) Erträge aus Gewinnanteilen des Investmentfonds an einer Personengesell-
schaft gehören zu den Erträgen des Geschäftsjahres, in dem das Wirtschaftsjahr
der Personengesellschaft endet.

Steuerlich sind die Einkünfte des Investmentvermögens nach den Grund-


sätzen, die für die Überschusseinkünfte gelten, zu ermitteln; § 3 Abs. 1
InvStG.
Das für die Überschuss-Einkünfte geltende Zufluss-Abfluss-Prinzip ist mit
den in § 3 Abs. 2 InvStG genannten Modifikationen auch bei der steuer-
lichen Ergebnisrechnung maßgebend.
10 Besteuerung von Investmentfonds 211

Die Werbungskostenaufteilung ist nach § 3 Abs. 3 InvStG im Kern folgen-


dermaßen geregelt:
1. Direkte Zuordnung zu bestimmten Einnahmen, soweit möglich
(z.B. Transaktionsgebühren, Darlehenszinsen zu beliehenen Wert-
papieren oder Grundstücken).
2. Die Werbungskosten, die nicht direkt zugeordnet werden können,
sind
a) im Verhältnis des durchschnittlichen Auslandsimmobilienver-
mögens (soweit das DBA die Freistellung von Mieterträgen oder
Immobilienveräußerungsgewinnen vorsieht) zu dem durchschnitt-
lichen Gesamtvermögen auf Vorjahresbasis den DBA-freigestell-
ten Mieterträgen und DBA-freigestellten Immobilienveräuße-
rungsgewinnen zuzuordnen.
b) im Verhältnis des durchschnittlichen Aktienvermögens zu dem
durchschnittlichen Gesamtvermögen auf Vorjahresbasis den Divi-
denden und Aktienveräußerungsgewinnen zuzuordnen und
c) soweit diese nicht bereits nach a) und b) zugeordnet sind, den ver-
bleibenden Einnahmen und sonstigen Gewinnen und Verlusten
aus Veräußerungsgeschäften zuzuordnen.

Innerhalb dieser 3 Gruppen (a–c) sind die Werbungskosten jeweils den


laufenden Einnahmen und den sonstigen Gewinnen und Verlusten nach dem
Verhältnis der positiven Salden der laufenden Einnahmen des vorangegan-
genen Geschäftsjahres zu den positiven Salden der sonstigen Gewinne und
Verluste aus Veräußerungsgeschäften des vorangegangenen Geschäftsjah-
res zuzuordnen.

10.4.1.4 Anrechenbare ausländische Steuern – § 4 Abs. 2 bis 4 InvStG

Insbesondere auf Zinsen und Dividenden wird von ausländischen Staaten


häufig eine Quellensteuer erhoben. Diese Quellensteuer kann in Deutsch-
land als Steuerguthaben betrachtet werden, d.h. der Anleger kann die aus-
ländischen Steuern auf seine deutsche Einkommensteuer anrechnen. Sie
kann auch auf Fondsebene wie Werbungskosten abgezogen werden.
10 Besteuerung von Investmentfonds 212

10.4.1.5 Bekanntmachungspflicht und Pauschalbesteuerung –


§§ 5, 6 InvStG

Die Investmentgesellschaft hat den Anlegern einen Katalog von Angaben


bei jeder Ausschüttung bezogen auf einen Investmentanteil bekannt zu
machen; § 5 Abs. 1 InvStG.
Insbesondere ist bekannt zu machen:
• der Betrag der Ausschüttung; § 5 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1a InvStG
• der Betrag der ausgeschütteten Erträge;
§ 5 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1b InvStG
• die in den ausgeschütteten Erträgen enthaltenen (insbes. steuerfreien)
Teile;
§ 5 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1c InvStG
• Bemessungsgrundlagen der Kapitalertragsteuer;
§ 5 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1d InvStG
• Betrag der anrechenbaren ausländischen Quellensteuer;
§ 5 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1f InvStG
• Höhe der AfA; § 5 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1g InvStG
Eine Verletzung der Bekanntmachungspflicht, soweit die Verletzung nicht
im Hinblick auf Angaben erfolgt, die für den Anleger günstig wirken, führt
zur Pauschalbesteuerung; §§ 6 Satz 1 i.V.m. 5 Abs. 1 Satz 2 InvStG.
Die Pauschalbesteuerung sieht vor, dass beim Anleger die Ausschüttungen
und 70% der Wertsteigerung des Kalenderjahres anzusetzen sind, wobei
mindestens jedoch 6% des letzten im Kalenderjahr festgesetzten Rück-
nahmepreises anzusetzen sind.

§ 6 InvStG [Besteuerung bei fehlender Bekanntmachung]


Sind die Voraussetzungen des § 5 Abs. 1 nicht erfüllt, sind beim Anleger die Aus-
schüttungen auf Investmentanteile, der Zwischengewinn sowie 70 Prozent des
Mehrbetrags anzusetzen, der sich zwischen dem ersten im Kalenderjahr fest-
gesetzten Rücknahmepreis und dem letzten im Kalenderjahr festgesetzten
Rücknahmepreis eines Investmentanteils ergibt; mindestens sind 6 Prozent des
letzten im Kalenderjahr festgesetzten Rücknahmepreises anzusetzen. Wird ein
Rücknahmepreis nicht festgesetzt, so tritt an seine Stelle der Börsen- oder
Marktpreis. Der nach Satz 1 anzusetzende Teil des Mehrbetrags gilt mit Ablauf
des jeweiligen Kalenderjahres als ausgeschüttet und zugeflossen.
10 Besteuerung von Investmentfonds 213

10.4.1.6 Kapitalertragsteuer – § 7 InvStG

Einem Kapitalertragsteuerabzug von 25% unterliegen alle bei den Anle-


gern zu erfassenden Erträge (wie z.B. ausgeschüttete inländische Dividen-
den oder thesaurierte Zinsen). Die Kapitalertragsteuer ist entweder direkt
aus dem Fondsvermögen zu entnehmen oder von der depotführenden
Stelle abzuführen. Die Erhebung der Kapitalertragsteuer hat für Privat-
anleger grundsätzlich abgeltende Wirkung (Abgeltungsteuer).

10.4.1.7 Aktiengewinn – § 8 InvStG

§ 8 InvStG [Veräußerung von Investmentanteilen; Vermögensminderung]


– Auszug
(1) Auf die Einnahmen aus der Rückgabe, Veräußerung oder Entnahme von
Investmentanteilen sind § 3 Nummer 40 des Einkommensteuergesetzes, § 4
Absatz 1 dieses Gesetzes sowie § 19 des REIT-Gesetzes anzuwenden, soweit
sie dort genannte, dem Anleger noch nicht zugeflossene oder als zugeflossen
geltende Einnahmen enthalten oder auf bereits realisierte oder noch nicht reali-
sierte Gewinne aus der Beteiligung des Investmentfonds an Körperschaften,
Personenvereinigungen oder Vermögensmassen entfallen, deren Leistungen
beim Empfänger zu den Einnahmen im Sinne des § 20 Absatz 1 Nummer 1 des
Einkommensteuergesetzes gehören (positiver Aktiengewinn). Auf die Einnah-
men aus der Rückgabe, Veräußerung oder Entnahme von Investmentanteilen im
Betriebsvermögen sind § 8b des Körperschaftsteuergesetzes sowie § 19 des
REIT-Gesetzes anzuwenden, soweit sie auf bereits realisierte oder noch nicht
realisierte Gewinne aus der Beteiligung des Investmentfonds an Körperschaf-
ten, Personenvereinigungen oder Vermögensmassen entfallen, deren Leistun-
gen beim Empfänger zu den Einnahmen im Sinne des § 20 Absatz 1 Nummer 1
des Einkommensteuergesetzes gehören. § 15 Absatz 1a und § 16 Absatz 3 blei-
ben unberührt. Bei Beteiligungen des Investmentvermögens sind die Sätze 1 bis
3 entsprechend anzuwenden. Bei dem Ansatz des in § 6 Absatz 1 Nummer 2
Satz 3 des Einkommensteuergesetzes bezeichneten Wertes sind die Sätze 1 bis
4 entsprechend anzuwenden.

Anleger, die ihre Anteile im Betriebsvermögen halten, sollen so gestellt


werden, als hätten sie die im Fonds enthaltenen Wirtschaftsgüter erworben.
Insbesondere im Falle der Veräußerung der Anteile wird damit erreicht,
dass Wertsteigerungen, soweit sie auf die im Fonds enthaltenen Aktien
entfallen, beim Anleger teilweise oder in voller Höhe steuerfrei bleiben.
10 Besteuerung von Investmentfonds 214

Um dies in die Praxis umzusetzen, ermittelt die Kapitalverwaltungsgesell-


schaft den Aktiengewinn und teilt den Anlegern mit, in welchem Umfang
der Preis eines Anteils begünstigt ist.
Eine Kapitalgesellschaft erwirbt einen Wertpapierfondsanteil für 100 EUR.
Der Aktiengewinn beträgt 10%. Bei der Veräußerung zu 120 EUR beträgt
der Aktiengewinn 30%.
Somit hat die Kapitalgesellschaft einen handelsrechtlichen Gewinn von 20
erzielt.
Steuerlich hat sie einen Verlust von
120 EUR – 100 EUR – (120 EUR · 30% – 100 EUR · 10%) = 6 EUR erzielt.
Die Korrektur (Kürzung des Gewinns laut Handelsbilanz/Steuerbilanz von
20 EUR um 26 EUR) ist außerbilanziell, d.h. im Rahmen der Steuererklä-
rung vorzunehmen.
Das gleiche Prinzip gilt auch für Wertsteigerungen von Anteilen an Offe-
nen Immobilienfonds (sog. „Immobiliengewinn“): Soweit die Wertsteige-
rung insbesondere auf Wertzuwächse ausländischer Immobilien zurückzu-
führen ist, bei deren Veräußerung Deutschland nach DBA kein Besteue-
rungsrecht hätte, ist diese Wertsteigerung beim Anleger steuerlich nicht zu
erfassen. Umgekehrt sind Teilwertabschreibungen und realisierte Verluste
auf Fondsanteile entsprechend steuerlich nicht zu berücksichtigen; § 8 Abs. 2
InvStG.

§ 5 InvStG [Besteuerungsgrundlagen] – Auszug


(…)
(2) § 8 Absatz 1 bis 4 ist nur anzuwenden, wenn die Investmentgesellschaft
bewertungstäglich den positiven oder negativen Prozentsatz des Wertes des
Investmentanteils ermittelt, der auf die in den Einnahmen aus der Veräußerung
enthaltenen Bestandteile im Sinne des § 8 entfällt (Aktiengewinn) und mit dem
Rücknahmepreis veröffentlicht. (…).
10 Besteuerung von Investmentfonds 215

10.4.1.8 Ertragsausgleichsverfahren – § 9 InvStG

§ 9 InvStG [Ertragsausgleich]
Den in den ausgeschütteten und ausschüttungsgleichen Erträgen enthaltenen
einzelnen Beträgen im Sinne der §§ 2 und 4 sowie der anrechenbaren oder
abziehbaren ausländischen Quellensteuer stehen die hierauf entfallenden
Teile des Ausgabepreises für ausgegebene Anteilscheine gleich. Die Ein-
nahmen und Zwischengewinne im Sinne des § 1 Absatz 4 sind bei Anwendung
des Ertragsausgleichsverfahrens um die hierauf entfallenden Teile des Aus-
gabepreises für ausgegebene Anteile zu erhöhen.

Der Ertragsausgleich dient dazu, die ausschüttungsfähigen Einkünfte des


Investmentvermögens bei zunehmender oder abnehmender Anlegerzahl
konstant zu halten. Um diesen Effekt zu erreichen, wird ein Teil des Prei-
ses für Anteilscheine auf Fondsebene ertragswirksam verbucht.
Mit dem Ertragsausgleich wird bei Fonds sichergestellt, dass es zum Bei-
spiel bei der Ausgabe weiterer Anteilscheine etwa im Gegensatz zu einer
Kapitalerhöhung bei einer AG nicht zu einer Verwässerung für bestehende
Anteilscheininhaber kommt. Bei einer AG, die 100.000 Aktien emittiert
und für die nächste Dividendenzahlung 200.000 Euro zur Verfügung hat,
würde durch die Ausgabe weiterer 100.000 Aktien für die nächste Aus-
schüttung nur noch 1 Euro statt zuvor 2 Euro zur Verfügung stehen –
Altaktionäre würden somit eine Dividendenminderung hinnehmen müs-
sen.
In einem Beispielsfonds stehen 560 Euro Dividendenerträge zur Ausschüt-
tung an 560 Anteile zur Verfügung, also 1 Euro pro Anteil. Was passiert
nun, wenn ein Anleger zehn Anteilscheine zum Preis von 56 Euro erwirbt?
Würden die 560 Euro nun auf 570 Anteile verteilt, würde sich die Aus-
schüttung auf 0,98 Euro reduzieren. Genau das soll aber durch den Ertrags-
ausgleich vermieden werden: Von dem eingenommenen Anteilspreis wird
der bisherige rechnerische Ausschüttungsanteil (1 Euro) abgezogen und
den Dividendenerträgen „zugeführt“, für die erworbenen 10 Anteile also
10 Euro. Damit stehen für die Ausschüttung an die jetzt 570 Anteile
570 Euro zur Verfügung – oder wie gehabt 1 Euro pro Anteilschein.
Eine gesetzliche Pflicht zur Berechnung des Ertragsausgleichs besteht nicht.
Ob ein Ertragsausgleichsverfahren durchgeführt wird, ist in den „Besonde-
ren Vertragsbedingungen“ geregelt. In der Praxis wird bei ausschüttenden
Publikumsfonds regelmäßig ein Ertragsausgleich gerechnet.
10 Besteuerung von Investmentfonds 216

Steuerlich teilt der Ertragsausgleich voll umfänglich das Schicksal der


Beträge, auf die er entfällt, insbesondere ist er steuerpflichtig, soweit er auf
steuerpflichtige Beträge entfällt, und steuerfrei, soweit er auf steuerfreie
Beträge entfällt.
Im Beispielfall würden die 10 Euro Ertragsausgleich somit steuerlich wie
Dividenden behandelt.

10.4.1.9 Dach-Sondervermögen – § 10 InvStG

Dach-Sondervermögen sind Sondervermögen, die in andere Sondervermö-


gen (sog. Zielfonds) investieren.
Steuerlich sind auf der Ebene der Anleger Ausschüttungen und Thesaurie-
rungen so zu behandeln, als wären sie direkt an den Zielfonds beteiligt;
§ 10 InvStG.

10.4.2 Regelungen nur für inländische Investmentanteile

10.4.2.1 Keine Besteuerung auf Fondsebene – § 11 InvStG

Das inländische Sondervermögen gilt als Zweckvermögen i.S.d. § 1 Abs. 1


Nr. 5 KStG; § 11 Abs. 1 Satz 1 InvStG.
Auf der Ebene des inländischen Sondervermögens und der Investment-
aktiengesellschaft wird keine Körperschaftsteuer oder Gewerbesteuer
erhoben; § 11 Abs. 1 Satz 2 und 3 InvStG.
Auf Fondsebene kommen alle Erträge ohne Vorbelastung mit inländischer
Kapitalertragsteuer an; § 11 Abs. 2 InvStG.

§ 11 [Zweckvermögen; Steuerbefreiung; Außenprüfung] – Auszug


(1) Das inländische Sondervermögen gilt als Zweckvermögen im Sinne des § 1
Abs. 1 Nr. 5 des Körperschaftsteuergesetzes und als sonstige juristische Person
des privaten Rechts im Sinne des § 2 Absatz 3 des Gewerbesteuergesetzes. Ein
inländischer Investmentfonds in der Rechtsform eines Sondervermögens oder
einer Investmentaktiengesellschaft mit veränderlichem Kapital ist von der Kör-
perschaftsteuer und der Gewerbesteuer befreit.
(…)
10 Besteuerung von Investmentfonds 217

10.4.2.2 Ausschüttungsbeschluss – § 12 InvStG

Die Investmentgesellschaft hat über die Verwendung der steuerlich zur Ver-
fügung stehenden Einkünfte des Fonds einen schriftlichen Ausschüttungs-
beschluss zu fassen, aus dem sich die Zusammensetzung der Ausschüttung
ergibt; § 12 Satz 1 und 2 InvStG.

10.4.2.3 Verfahrensrecht – § 13 InvStG

Das Verfahrensrecht ist stark an das Verfahrensrecht für Personengesell-


schaften angenähert, d.h. die Einkünfte werden auf der Fondsebene pro
Anteil ermittelt und die Besteuerung wird auf der Ebene des Anlegers vor-
genommen.
Allerdings bestehen Besonderheiten. Insbesondere soll es bei Publikums-
fonds, bei denen Fehler für die Vergangenheit festgestellt werden, eine
Korrektur bei der nächsten Ausschüttung geben. Damit wird der faktischen
Unmöglichkeit, die Einkommensteuerbescheide der Vielzahl der Anleger
zu korrigieren, Rechnung getragen.
Somit lösen Fehler, die in der Vergangenheit verursacht wurden, keine
Änderungen der Steuerbescheide der Anleger für die Vergangenheit aus.
Die Abwicklung wird vielmehr in die Zukunft verlagert.
Für die Durchführung einer Außenprüfung auf Fondsebene durch das
Finanzamt wurde eine eigene Rechtsgrundlage in § 11 Abs. 3 InvStG
geschaffen.

10.4.2.4 Verschmelzung inländischer Investmentfonds – § 14 InvStG

Die steuerlichen Folgen der Verschmelzung inländischer Investmentfonds


und Teilen von Investmentfonds ist in § 14 InvStG geregelt.
Insbesondere kommt es durch Verschmelzungen von Investmentfonds zu
keiner Realisation stiller Reserven auf der Ebene der Anleger, die an dem
übertragenden Sondervermögen beteiligt waren; § 14 Abs. 4 InvStG.
10 Besteuerung von Investmentfonds 218

10.4.2.5 Besonderheiten bei Spezial-Investmentfonds – § 15 InvStG

Nach § 15 Abs. 1 InvStG gelten bei Spezial-Investmentfonds, d.h. Sonder-


vermögen oder Investmentaktiengesellschaften mit veränderlichem Kapi-
tal mit bis zu 100 nicht natürlichen Personen als Anleger, abweichende
Regelungen.
Insbesondere besteht kein Wahlrecht, ausländische anrechenbare Steuern
auf Fondsebene als Werbungskosten abzuziehen. Zudem kommen die
Bekanntmachungspflichten und die Pauschalbesteuerung nicht zum Tragen.
Beim Spezialfonds sind der Kapitalverwaltungsgesellschaft die Anleger
bekannt. Daher sind im Gegensatz zum Publikumsfonds Korrekturen von
Fehlern der Vergangenheit auf Fondsebene auf Anlegerebene mit Wirkung
für die Vergangenheit durchzuführen.
Damit ist das Verfahrensrecht bei der Besteuerung von Spezialfonds in
einem weiteren Umfang dem Verfahrensrecht der Personengesellschaften
angenähert.

10.4.3 Regelungen nur für ausländische Investmentanteile

10.4.3.1 Ausländische Spezial-Investmentfonds – § 16 InvStG

Nach § 16 gelten bei ausländischen Spezial-Investmentfonds, deren Anteile


satzungsgemäß von nicht mehr als 100 Anlegern, die nicht natürliche Per-
sonen sind, gehalten werden, Besonderheiten, die vergleichbar sind mit
denen der inländischen Spezial-Investmentfonds, also: kein Wahlrecht
zum Abzug ausländischer Quellensteuer auf Fondsebene, eingeschränkte
Bekanntmachungspflichten, keine Pauschalbesteuerung und Fehlerkorrek-
tur auf der Ebene der Anleger mit Wirkung für die Vergangenheit.

10.4.3.2 Repräsentant – § 17 InvStG

Der Repräsentant einer ausländischen Investmentgesellschaft gilt nicht als


ständiger Vertreter i.S.d. § 49 Abs. 1 Nr. 2a EStG und des § 13 AO, d.h. es
wird insoweit eine sog. „Vertreterbetriebsstätte“ ausgeschlossen und damit
verhindert, dass ein ausländischer Fonds allein wegen seines Repräsentan-
ten in Deutschland beschränkt steuerpflichtig wird.
10 Besteuerung von Investmentfonds 219

10.4.3.3 Verschmelzung ausländischer Investmentfonds und Teilen von


Investmentfonds – § 17a InvStG

Auch die Verschmelzung ausländischer Investmentfonds führt auf Anle-


gerebene nicht zur Aufdeckung stiller Reserven, wenn die dort genannten
Voraussetzungen erfüllt sind.

10.4.4 Anwendungs- und Übergangsvorschriften – §§ 21 bis 23


InvStG

Das InvStG ist erstmals auf das Geschäftsjahr des Investmentvermögens


anzuwenden, welches nach dem 31.12.2003 beginnt, sowie auf Erträge,
die dem Investmentvermögen in diesem Geschäftsjahr zufließen. Die
Abgeltungsteuerregelungen gelten erstmals für Erträge aus Investment-
vermögen, die Privatanlegern nach 31. Dezember 2008 zufließen bzw. als
zugeflossen gelten, sowie grundsätzlich für Gewinne aus der Veräußerung
von nach dem 31. Dezember 2008 erworbenen Investmentanteilen; § 18
Abs. 1 und 2 InvStG. Bis zum 23. Dezember 2013 aufgelegte Fonds
müssen die Anforderungen an einen Investmentfonds (§ 1 Abs. 1b Satz 2
InvStG) erst mit Beginn des ersten Geschäftsjahres, das nach dem 22. Juli
2016 beginnt, erfüllen.
11 Vermögensbildung und Altersvorsorge
mit Investmentfonds

11.1 Vermögensbildung

Bereits in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts war es erklärtes Ziel
der Regierung, „die Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand“ zu fördern.
Durch die Vermögensbildungsgesetze der Jahre 1961 bis 1970 sollte durch
eine Pauschalsteuer von 8% und Sozialabgabenfreiheit ein Anreiz geschaffen
werden, Teile des Arbeitslohns zu sparen.
Seit Anfang der 70er Jahre wurde die Anlage vermögenswirksamer
Leistungen von Arbeitnehmern mit Sparprämien gefördert. Angelegt wer-
den konnten maximal 624 DM pro Jahr, der Sparvertrag war während der
Vertragslaufzeit gesperrt. Zulässige Anlageformen waren Spar-, Bauspar-
und Kapitallebensversicherungsverträge. Aufgrund diverser Tarifverträge
nutzten Ende 1971 rund 14,5 Millionen Arbeitnehmer die VL-Anlage.
In den 80er Jahren hatte sich die Zielsetzung geändert: Es sollte nicht mehr
pauschal das allgemeine Sparen gefördert werden. Die Arbeitnehmer soll-
ten am Produktivkapital beteiligt werden. Galt dies zuerst nur für die
Anlage in Aktien, kam durch das 5. Vermögensbildungsgesetz die risiko-
gestreute Anlage in Aktienfonds hinzu. Um die Anlage in Produktivkapital
attraktiver zu gestalten, wurde mit dem (mehrfach modifizierten) 5. Ver-
mögensbildungsgesetz die Anlage in Vermögensbeteiligungen inkl. Aktien-
fonds erst mit einem doppelt so hohen Fördersatz wie für das Bausparen
gefördert, dann aber galt für beide Anlageformen der gleiche Zulagensatz
von 10%.
Mit dem 3. Vermögensbeteiligungsgesetz wurde per 1. Januar 1999 eine
entscheidende Verbesserung erzielt: Die Anlage in Aktienfonds erhielt
wieder eine höhere Arbeitnehmer-Sparzulage von 20%, wobei Anleger
mit Wohnsitz in den neuen Bundesländern sogar bis zum Jahr 2004 eine
erhöhte Zulage von 25% bzw. in 2004 22% erhielten. Während bislang der
geförderte VL-Beitrag von 936 DM alternativ für eine der beiden Anlage-
formen zu verwenden war, sah nun das Gesetz vor, dass die Anleger
sowohl 800 DM im Produktivkapital (408 Euro) mit einer Zulage von
20%, als auch noch 936 DM (480 Euro) in einen Bausparvertrag mit einer
Zulage von 10% anlegen konnten. Diese doppelte Förderung führte dazu,
dass das VL-Sparen einen enormen Aufschwung nahm. Seit 2009 wird das

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019
W. Raab (Hrsg.), Grundlagen des Investmentfondsgeschäftes, Edition
Frankfurt School, https://doi.org/10.1007/978-3-658-24155-1_11
11 Vermögensbildung und Altersvorsorge mit Investmentfonds 222

Aktienfondssparen bis 400 Euro mit 20% gefördert, beim Bausparen sind
es 9% auf 470 Euro.
Nach dem aktuellen Gesetzesstand sind folgende Voraussetzungen zu
erfüllen, um die Arbeitnehmer-Sparzulage zu erhalten:
1. Der Sparer muss Arbeitnehmer sein, Selbstständige werden nicht geför-
dert. Entsprechend sieht das Gesetz vor, dass der Arbeitnehmer einen Ver-
trag über vermögenswirksame Leistungen mit einem Anlageinstitut, also
einer Investmentgesellschaft, abschließt und diesen an seinen Arbeitgeber
weiterreicht. Der Arbeitgeber überweist von dem Gehalt des Arbeitneh-
mers den entsprechenden VL-Betrag direkt an das Anlageinstitut.
2. Eine Förderung wird nur für bestimmte Anlageformen gewährt. Zwar ist
auch die direkte Anlage in Aktien möglich, in der Praxis werden aber ver-
mögenswirksame Leistungen in Aktienfonds angelegt. Die 20-prozentige
Sparzulage wird nur dann gewährt, wenn der Aktienfonds mindestens
60 Prozent seines Vermögens in Aktien investiert hat. Die Betrachtung
erfolgt dabei stichtagsbezogen. Maßgeblich ist jeweils der Jahresbericht
für das vorletzte Geschäftsjahr, das dem Kalenderjahr des Vertrags-
abschlusses vorausgeht.
Bei Vertragsabschluss im Januar 2015 und Geschäftsjahresende 31.12. wäre
das der Rechenschaftsbericht für das Jahr 2013. Eine sinnvolle Lösung, weil
der Abschluss für 2014, dem letzten Geschäftsjahr vor Vertragsabschluss,
Anfang Januar 2015 noch nicht vorliegt.
Die 60-Prozent-Bedingung muss nicht während der gesamten Laufzeit des
Vertrages erfüllt werden. Erfolgen beispielsweise plötzliche, unvorherge-
sehene Kurseinbrüche an den Aktienmärkten, durch die die 60-Prozent-
Quote unterschritten wird, hat dies somit keine negativen Auswirkungen
auf die Förderfähigkeit des VL-Vertrags. In der Regel erfüllen aber die
Aktienfonds, die für das vermögenswirksame Sparen aktiv angeboten wer-
den, während der gesamten Laufzeit die 60-Prozent-Bedingung.
3. Es gibt Förderhöchstbeträge von 400 EUR für die Anlage im Produktiv-
vermögen (20% Zulage) und 470 EUR für die Anlage in einen Bausparver-
trag (9% Zulage). Beide Förderungen können zusammen genutzt werden.
4. VL-Verträge haben eine Laufzeit von sieben Jahren. Der Arbeitnehmer
verpflichtet sich, über sechs Jahre hinweg regelmäßig vermögenswirk-
same Leistungen einzuzahlen. Im siebten Jahr ruht der Vertrag, ohne dass
Zahlungen geleistet werden müssen (wobei Einzahlungen auf einen Folge-
vertrag bereits erfolgen können). Vertragsende ist jeweils das Kalenderjahr.
11 Vermögensbildung und Altersvorsorge mit Investmentfonds 223

Wer also beispielsweise im Dezember 2010 seinen VL-Vertrag abgeschlos-


sen hat, zahlt bis einschließlich Dezember 2015 ein. Im Jahr 2016 erfolgen
keine Zahlungen. Ab dem 1. Januar 2017 kann der Anleger auf sein VL-
Vermögen zugreifen.
Vorzeitige Verfügungen sind gemäß Gesetz nur unter bestimmten Bedin-
gungen zulässig. Dazu zählen Erwerbsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit seit
einem Jahr, Eheschließung, Weiterbildungsmaßnahmen und Tod des VL-
Sparers. Greift ein Anleger auf sein angespartes Vermögen zu, ohne dass
die Bedingungen erfüllt sind, muss er die bis dahin erhaltene Sparzulage
zurückzahlen.
5. Für die Förderung gibt es Einkommensgrenzen. Diese unterscheiden
sich nach dem Familienstand. Ein Lediger erhält die Förderung nur dann,
wenn sein jährliches zu versteuerndes Einkommen 20.000 EUR nicht
übersteigt. Bei Verheirateten, die zusammenveranlagt werden, ist die
Grenze doppelt so hoch, also 40.000 EUR. Da in beiden Fällen nicht das
Bruttoeinkommen, sondern das zu versteuernde Einkommen des Kalen-
derjahres, in dem die vermögenswirksamen Leistungen angelegt worden
sind, zu Grunde gelegt wird, kann das tatsächliche Einkommen – insbe-
sondere bei Familien mit Kindern – deutlich höher liegen.
Aus Anlegersicht ist auch zu beachten, dass die tarifvertraglich festgeleg-
ten vermögenswirksamen Leistungen nur dann gezahlt werden, wenn ein
VL-Vertrag abgeschlossen wird. Selbst wer also über den Einkommens-
grenzen liegt, sollte einen VL-Vertrag abschließen, um nicht auf diese
Leistungen seines Arbeitgebers verzichten zu müssen.
Die Anlage vermögenswirksamer Leistungen ist grundsätzlich in jeden
Investmentfonds möglich, die 60-Prozent-Aktienquote ist nur für die Zulage
zu beachten. Wer keine Förderung erhält, kann also seinen Sparvertrag
auch über einen Rentenfonds, einen Geldmarktfonds, einen offenen Immo-
bilienfonds oder einen AS-Fonds abschließen.

11.1.1 VL-Sparen aus Sicht der Investmentgesellschaften

In-VL-Sparverträge werden monatlich geringe Beiträge eingezahlt. Einige


Tarifverträge sehen beispielsweise monatliche Beträge von rund 7 Euro
vor. Allein die Kosten für das Buchen dieser Beträge sind höher als die
Einnahmen. Die deutschen KVGs haben daher aus ihrem umfangreichen
Fondsangebot einige Fonds ausgewählt, die sie aktiv anbieten. Aktiv
11 Vermögensbildung und Altersvorsorge mit Investmentfonds 224

bedeutet dabei, dass ein VL-Vertrag jeweils direkt bei der Investment-
gesellschaft abgeschlossen werden kann. Die Gesellschaften melden diese
Fonds dem BVI, der sie in einer Liste zusammenfasst. Die Liste wird
regelmäßig aktualisiert und ist im Internet abrufbar.
Damit ein Fonds förderfähig ist, muss er lediglich die gesetzlichen Bedin-
gungen erfüllen. Eine Genehmigung bzw. zentrale Registrierung, etwa
beim Bundesministerium der Finanzen, ist nicht erforderlich.
Die KVG schließt mit dem Anleger einen vermögenswirksamen Sparver-
trag ab. Darin verpflichtet sich der Anleger, regelmäßig vermögenswirk-
same Leistungen in einen von ihm ausgewählten Fonds einzuzahlen. Die
KVG stellt ihm einmal jährlich eine Bescheinigung über vermögenswirk-
same Leistungen auf einem amtlichen Vordruck aus. Um die Arbeitneh-
mer-Sparzulage zu erhalten, fügt der Anleger die Bescheinigung seiner
Steuererklärung bei.
Die Arbeitnehmer-Sparzulage wird für jedes Jahr gesondert gewährt. Ein
Überschreiten der Einkommensgrenzen während der Vertragslaufzeit wirkt
sich folglich nicht auf die gesamte Zulage, sondern nur auf die Zulage für
das entsprechende Jahr aus. Die gesamte festgesetzte Zulage wird vom
Finanzamt am Ende der Laufzeit auf das Konto des Anlegers bei der
Investmentgesellschaft überwiesen. Üblicherweise werden VL-Verträge
ohne Abschluss eines neuen Vertrags automatisch nach Ablauf der sechs
Jahre Einzahlung als neu weitergeführt, ohne dass der Arbeitnehmer
erneut aktiv werden muss. Es genügt, wenn der Arbeitgeber die vermö-
genswirksamen Leistungen weiter überweist.
Die Frage, ob sich die VL-Anlage überhaupt lohnt, beantworten die BVI-
Zahlen zur Wertentwicklung mit einem eindeutigen „Ja“. Die Anlage ver-
mögenswirksamer Leistungen in Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt
Deutschland hat über alle Sieben-Jahres-Perioden von 1962-1968 bis
2007-2014 im Durchschnitt eine Wertsteigerung von 7,50% pro Jahr erge-
ben – und dabei ist der Ausgabeaufschlag bereits berücksichtigt! Unter
Einbezug der Sparzulage lag die Wertsteigerung sogar bei 10,44%. Und
noch eine interessante Überlegung: Wer 20 Jahre in deutsche Aktienfonds-
Sparpläne einzahlte, verfügte durchschnittlich über ein Vermögen von
rund 26.150 Euro bei einer Einzahlung von monatlich 40 Euro oder ins-
gesamt 9.600 Euro. Wer nach der sechsjährigen Einzahlungsdauer weitere
vier Jahre in einen neuen VL-Vertrag einzahlte, erreichte im Schnitt rund
7.800 Euro, nach 15 Jahren hatte sich sein Vermögen mehr als verdoppelt.
Die genauen Werte finden Sie in der folgenden Tabelle.
11 Vermögensbildung und Altersvorsorge mit Investmentfonds 225

Entwicklung vermögenswirksamer Anlagen


Periode (sieben Jahre) am Ende der Periode zur jährliche Wertentwicklung nach
Verfügung stehender siebenjähriger Vertragsdauer in Prozent
Betrag1) in EUR ohne Berücksichti- bei Hinzurechnung
gung der Sparzulage der Sparzulage2)
1962-1968 4.031 8,40 10,98
1963-1969 4.206 9,47 11,95
1964-1970 3.190 2,54 5,71
1965-1971 3.413 4,22 7,21
1966-1972 3.673 6,06 8,86
1967-1973 2.831 -0,42 3,10
1968-1974 2.633 -2,21 1,55
1969-1975 3.541 5,14 8,03
1970-1976 3.329 3,60 6,65
1971-1977 3.499 4,84 7,76
1972-1978 3.570 5,35 8,21
1973-1979 3.298 3,36 6,45
1974-1980 3.291 3,31 6,40
1975-1981 3.191 2,54 5,71
1976-1982 3.528 5,05 7,95
1977-1983 4.470 11,02 13,37
1978-1984 4.664 12,10 14,36
1979-1985 7.028 22,70 24,27
1980-1986 6.908 22,25 23,84
1981-1987 4.199 9,43 11,92
1982-1988 4.599 11,74 14,03
1983-1989 5.258 15,16 17,20
1984-1990 3.905 7,60 10,25
1985-1991 3.360 3,83 6,86
1986-1992 2.954 0,63 4,03
1987-1993 4.026 8,37 10,95
1988-1994 3.607 5,60 8,45
1989-1995 3.409 4,19 7,18
1990-1996 4.062 8,59 11,15
1991-1997 5.446 16,06 18,04
1992-1998 5.111 14,44 16,52
1993-1999 6.706 21,47 23,1
1994-2000 5.520 16,41 18,36
1995-2001 3.695 6,21 8,99
1996-2002 1.848 -10,85 -5,75
1997-2003 2.299 -5,54 -1,31
1998-2004 2.594 -2,58 -1,23
1999-2005 3.369 3,90 6,92
2000-2006 4.097 8,81 10,78
2001-2007 4.831 12,99 15,19
2002-2008 2.729 -1,33 2,31
2003-2009 3.187 2,51 6,02
2004-2010 3.277 3,21 6,63
2005-2011 2.783 -0,85 3,10
2006-2012 3.322 3,55 6,93
2007-2013 4.135 9,04 11,83
2008-2014 4.233 9,63 12,36
Durchschnitt aller Perioden 3.891 7,50 10,443)
1) Im Durchschnitt aller Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Deutschland. Berechnungsgrundlage: monatliche Einzahlung
40,– Euro, Einzahlungsdauer sechs Jahre, Gesamteinzahlung 2.880,– Euro, Wartefrist ein Jahr. Berechnungsmethode:
Erwerb zum Ausgabepreis, Bewertung zum Rücknahmepreis, Wiederanlage der Erträge zum Anteilwert.
2) Ab 1. April 2009 jährlich 20 Prozent auf maximal 400,– Euro kaufmännisch gerundet auf volle Euro (sechs Jahre lang;
6 × 80,– Euro = 480,– Euro), werden am Ende der Vertragsdauer (sieben Jahre) dem Anlageergebnis hinzugerechnet.
Die jährliche Wertentwicklung bezieht sich auf den so errechneten Betrag.
3) Errechnet sich aus dem zur Verfügung stehenden Betrag von 3.891,– Euro + 480,– Euro = 4.371,– Euro.

Abbildung 26 BVI
11 Vermögensbildung und Altersvorsorge mit Investmentfonds 226

Entwicklung vermögenswirksamer Anlagen


Anlageergebnis eines Sparplans1) in Euro, der zum jeweiligen
Periodenbeginn startete bei einer Laufzeit von
Periodenbeginn 01.01. 10 Jahren 15 Jahren 20 Jahren
1962 7.282 12.729 20.790
1963 6.388 13.407 25.967
1964 6.387 13.775 27.298
1965 8.283 12.565 42.572
1966 7.379 12.199 42.678
1967 7.568 13.248 28.045
1968 7.885 16.699 22.589
1969 7.277 17.635 27.474
1970 7.303 26.727 36.332
1971 7.240 25.156 29.312
1972 8.063 17.305 26.904
1973 9.755 14.432 23.534
1974 9.995 17.253 29.188
1975 14.292 21.943 25.867
1976 14.221 17.089 25.003
1977 9.692 16.338 28.753
1978 7.792 13.982 36.390
1979 9.202 17.203 37.928
1980 11.219 14.785 46.026
1981 8.520 13.917 42.410
1982 7.726 15.448 29.336
1983 6.297 18.834 15.285
1984 7.645 19.047 18.034
1985 6.456 22.736 17.520
1986 6.310 21.266 20.686
1987 7.383 15.056 23.769
1988 9.575 8.064 25.254
1989 9.785 9.953 13.444
1990 12.151 10.303 16.106
1991 10.660 11.972 17.968
1992 7.468 13.458 13.617
1993 3.977 14.454 16.107
1994 5.143 7.561 18.668
1995 5.133 9.086 18.149
1996 5.972 10.257
1997 6.666 7.851
1998 7.225 9.512
1999 4.050 11.423
2000 5.199 11.529
2001 6.395
2002 5.258
2003 6.338
2004 7.128
2005 6.803
7.784 14.774 26.147
1)
Im Durchschnitt aller Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Deutschland. Berechnungsgrundlage: monatliche Einzahlung 40,– Eu-
ro, Einzahlungsdauer 10, 15 bzw. 20 Jahre. Berechnungsmethode: Erwerb zum Ausgabepreis, Bewertung zum Rücknahmepreis,
Wiederanlage der Erträge zum Anteilwert.

Abbildung 27 BVI
11 Vermögensbildung und Altersvorsorge mit Investmentfonds 227

11.2 Altersvorsorge und Fonds

11.2.1 Gesetzliche Rente

Die Altersvorsorge beruht in Deutschland auf dem sogenannten Drei-Säu-


len-Prinzip:

1. die gesetzliche Rente


2. die betriebliche Altersversorgung
3. die private Altersvorsorge.

Die gesetzliche Rente ist eine Pflichtversicherung für Arbeitnehmer.


Bestimmte Berufsgruppen (z.B. Rechtsanwälte) sind davon befreit und
zahlen in ein berufsspezifisches Versorgungswerk ein. Selbstständige müs-
sen bzw. dürfen sich selbst um ihre Altersvorsorge kümmern.
Für die meisten Bundesbürger ist die staatliche Altersversorgung Standard.
Sie wird nach dem Umlageverfahren finanziert. Wer heute Beiträge ein-
zahlt, füllt damit nicht etwa sein eigenes Rentenkonto auf – auch wenn das
viele noch glauben –, er finanziert vielmehr die Zahlungen an die momen-
tanen Rentenempfänger. Die Einnahmen werden also auf die Empfänger
umgelegt. Aber bereits hier gibt es Einschränkungen. Für die Beiträge zur
Rentenversicherung – ein bestimmter Prozentsatz des Einkommens, der je
zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu zahlen ist und der in 2015
bei 18,7% liegt – gibt es eine Höchstgrenze, die Beitragsbemessungs-
grenze (in 2015 72.600 Euro für die alten, 62.400 Euro für die neuen Bun-
desländer). Wer mehr verdient, braucht dafür keine Beiträge zu zahlen. Die
Kehrseite: Bei der Berechnung der Rente ist dann auch bei 72.600 Euro
Schluss.
Die Rentenhöhe ergibt sich aus der Höhe und der Dauer der Einzahlungen.
Ein Durchschnittsverdiener muss dabei über 28 Jahre einzahlen, bis seine
Rente das Niveau der Grundsicherung erreicht.
Und wie viel bekäme ein Arbeitnehmer, der gleich zum Berufsbeginn ein
Gehalt in Höhe der Beitragsbemessungsgrenze erhält und 45 Jahre lang
einzahlt? Seine Rente berechnet sich nach einem Steigerungsfaktor (1,8
bei Einzahlung des Höchstbetrags), der Länge der Einzahlungen, hier also
45 Jahre, und dem Rentenwert, der ab dem 1. Juli 2014 für die alten Bun-
desländer bei 28,61 Euro lag. Also ergibt sich für unser Beispiel:
11 Vermögensbildung und Altersvorsorge mit Investmentfonds 228

1,8 (Steigerungsfaktor) × 45 Jahre × 28,61 Euro = 2.317,41 Euro


Davon gehen noch die Beiträge für die Krankenversicherung und ggf.
Steuern ab. Aber selbst dieses optimistische Maximalergebnis einer Alters-
rente ist alles andere als beruhigend.
So sind die Prämissen bereits unrealistisch: Wer verdient schon im Alter
von 20 Jahren 72.600 Euro jährlich? Und wer arbeitet nach dem Studium
etc. tatsächlich 45 Jahre? Das durchschnittliche Renteneintrittsalter liegt
eher bei 63 als bei 65 oder 67 Jahren. Also wird die Rente in der Regel
deutlich unter 2.000 Euro liegen. Der Rentenversicherungsbericht der
Bundesregierung 2014 weist zum Stichtag 1. Juli 2013 für Männer einen
durchschnittlichen monatlichen „Rentenzahlbetrag wegen Alters“ (so die
offizielle Formulierung) von 994 Euro aus. Spätestens mit diesen Zahlen
dürfte klar sein: Die gesetzliche Rente reicht zum Überleben aus. Wer aber
im Alter „leben“ will, also seinen gewohnten Lebensstandard möglichst
halten will, ist auf ein zusätzliches Einkommen angewiesen.
Die Aussage des ehemaligen Arbeitsministers Blüm: „Die Renten sind
sicher“, gilt zwar weiterhin, muss allerdings um den Satz ergänzt werden
„....aber ihre Höhe nicht“. Die Folgen der demografischen Entwicklung
(nicht nur) in Deutschland sind mittlerweile auch vielen Bundesbürgern
bewusst geworden: Die Zahl der Rentenempfänger steigt, die der jungen
Menschen, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, sinkt.
Diese Aussage ist eine der wenigen Prognosen, die sich nicht aus unsiche-
ren Mutmaßungen speisen, sondern auf bekannten Daten basieren. Wir wis-
sen beispielsweise heute genau, wie viele 5-jährige Kinder es in Deutsch-
land gibt. Das ist zugleich die maximale Zahl derer, die in 20 Jahren einen
Beruf ausüben und folglich Beiträge zur Rentenversicherung zahlen. Und
die heute 47-Jährigen werden wiederum in 20 Jahren in Rente gehen. Die
für jeden von uns erfreuliche Steigerung der Lebenserwartung bedeutet
zugleich, dass Renten länger gezahlt werden müssen. Also werden immer
weniger Beitragszahler für immer mehr Rentner aufkommen müssen, die
zugleich länger Rente beziehen. Noch einmal: Wer seinen Lebensstandard
im Alter halten will, ist auf eine zusätzliche Einkommensquelle angewiesen.
Das Alterseinkünftegesetz hat seit 2005 die Möglichkeit geschaffen, Bei-
träge bis zu 20.000 EUR (einschließlich denen zur gesetzlichen Renten-
versicherung) als Sonderausgaben von der Steuer abzusetzen. Die abzugs-
fähige Höhe steigt von 60 % im Jahr 2005 auf 100 % im Jahr 2025.
Korrespondierend steigt die Besteuerung der Alterseinkünfte bis 2040
(Vollbesteuerung) an. In diesem Zusammenhang ist die „Rürup-Rente“
11 Vermögensbildung und Altersvorsorge mit Investmentfonds 229

entstanden. Beiträge können demnach als Sonderausgaben abgezogen


werden, wenn das Produkt Folgendes gewährleistet:
• einen lebenslangen Rentenbezug
• auszahlbar frühestens ab dem 60. Lebensjahr bzw. bei Verträgen, die ab
2012 abgeschlossen wurden, ab dem 62. Lebensjahr
• keine Vererbbarkeit
• keine Übertragbarkeit
• keine Beleihbarkeit
• keine Veräußerungsmöglichkeit und
• keine Kapitalisierbarkeit.
Produktanbieter waren zunächst im Wesentlichen Versicherungsunterneh-
men. Mit dem Jahressteuergesetz 2007 konnte erreicht werden, dass der
Anbieterkreis auf die Anbieter der „Riester-Rente“ erweitert wurde und
somit wettbewerbsneutral gefasst wurde. Damit können alle umfassend
regulierten und überwachten Finanzdienstleistungsunternehmen, die nach
Wertung des Gesetzgebers geeignet sind, Alterssicherungsprodukte anzu-
bieten, auch in diesem Bereich tätig werden. Diese Definition umfasst
auch Investmentgesellschaften.
Zum 1. Januar 2015 wurde die Förderung der Rürup-Rente angehoben,
indem der abzugsfähige Betrag an den Höchstbetrag der knappschaftlichen
Förderung gekoppelt wurde. Damit ist ab diesem Zeitpunkt ein Maximal-
betrag von 22.172 Euro abzugsfähig.

11.2.2 Betriebliche Altersversorgung

Als zweite Säule gilt die betriebliche Altersversorgung. Entsprechende


Leistungen des Arbeitgebers sind freiwillig, so lange es dazu keine tarif-
vertraglichen Regelungen gibt.
Das Gesetz zur Verbesserung der betrieblichen Altersversorgung –
BetrAVG, kurz Betriebsrentengesetz genannt, nennt die „Durchführungs-
wege“ der zweiten Säule, nämlich
1. Direktzusage
2. Pensionskasse
3. Pensionsfonds
11 Vermögensbildung und Altersvorsorge mit Investmentfonds 230

4. Direktversicherung
5. Unterstützungskasse
Allen ist gemeinsam, dass sie mindestens ein sogenanntes biometrisches
Risiko abdecken, nämlich Invalidität, Hinterbliebenenversorgung im Todes-
fall oder das sogenannte „Langlebigkeitsrisiko“. Dieses „Risiko“ besteht
nur für den Versorgungsträger bzw. den Arbeitgeber, der eine Direktzusage
gegeben hat, und zwar dann, wenn der Empfänger einer lebenslangen Rente
länger lebt, als es bei der Kalkulation der Auszahlungen vorhersehbar war.
Wären einem Rentenempfänger aus einem Anfangsvermögen von 12.000
Euro ab Alter 65 regelmäßig monatlich 50 Euro ausgezahlt worden, wäre
nach 20 Jahren das Kapital aufgebraucht (anfallende Erträge dienten der
Kostendeckung). Der Versorgungsträger muss aber auch dann zahlen,
wenn der Kunde ungeplant älter als 85 Jahre wird. Umgekehrt: Stirbt der
Kunde nach 10 Jahren, erhalten seine Hinterbliebenen nicht etwa das
Restkapital von 6.000 Euro. Es verfällt zugunsten der Versicherungs-
gemeinschaft, also bei den bei ihr Versicherten.
Bei der Direktzusage sagt ein Unternehmen dem Arbeitnehmer direkt
(ohne den Weg über eine externe Institution) eine Altersrente in bestimm-
ter Höhe zu (z.B. 10% des letzten Gehalts). Im anglo-amerikanischen
Raum heißt diese Form der Zusage „Defined Benefit“, zu Deutsch Leis-
tungszusage, weil sich der Arbeitgeber zu einer bestimmten zukünftigen
Leistung verpflichtet. Wie diese Zusage finanziert wird, ist Sache des
Unternehmens. Für die Zusage werden Rückstellungen gebildet, die sich
gewinnmindernd auswirken – und damit spart das Unternehmen Steuern.
In der Vergangenheit wurde dieser Weg deshalb gerne genutzt. Allerdings
treten viele Unternehmen nun in die Phase ein, in der sie mehr Pensionäre
als aktuell Beschäftigte haben. Die Kosten für die Rentenzahlungen stei-
gen und werden immer mehr zur Belastung. Bei Unternehmensanalysen
von Aktiengesellschaften sehen Analysten die Pensionsverpflichtungen
zunehmend kritisch, weil sie künftige Gewinne der AG schmälern. Unter-
nehmen sind auch daher eher zurückhaltender, neuen Mitarbeitern gegen-
über weitere Pensionszusagen zu machen.
Eine Alternative zur Leistungszusage ist die Beitragszusage, englisch
„Defined Contribution“. Hier wird dem Arbeitnehmer nur ein bestimmter
Beitrag in der Einzahlungsphase zugesagt („Sie erhalten jeden Monat
100 Euro für Ihre Altersvorsorge“), nicht aber eine konkrete Auszahlung
bei Rentenbezug. In Deutschland sind reine Defined-Contribution-Modelle,
11 Vermögensbildung und Altersvorsorge mit Investmentfonds 231

also solche Modelle, bei denen das komplette Kapitalanlagerisiko beim


Arbeitnehmer liegt, im Betriebsrentengesetz nicht vorgesehen.
Bei den weiteren Möglichkeiten Pensionskasse und Unterstützungs-
kasse werden Dritte in den Prozess der Altersversorgung mit eingebunden.
Das Unternehmen zahlt an diese Beiträge, um die Pensionsverpflichtungen
zu finanzieren.
Neu durch das Altersvermögensgesetz (AVmG) eingeführt wurden Pen-
sionsfonds. Sie sind im Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) geregelt.
Hervorzuhebende Merkmale sind insbesondere (§ 112 VAG):
Ein Pensionsfonds ist eine rechtsfähige Versorgungseinrichtung, die
1. im Wege des Kapitaldeckungsverfahrens Leistungen der betriebli-
chen Altersversorgung für einen oder mehrere Arbeitgeber zugun-
sten von Arbeitnehmern erbringt,
2. die Höhe der Leistungen oder die Höhe der für diese Leistungen zu
entrichtenden künftigen Beiträge nicht für alle vorgesehenen Lei-
stungsfälle durch versicherungsförmige Garantien zusagen darf,
3. den Arbeitnehmern einen eigenen Anspruch auf Leistung gegen den
Pensionsfonds einräumt und
4. verpflichtet ist, die Altersversorgungsleistung als lebenslange Zah-
lung oder als Einmalkapitalzahlung zu erbringen. Eine lebenslange
Zahlung kann mit einem teilweisen oder vollständigen Kapitalwahl-
recht verbunden werden.
Der letzte Durchführungsweg ist die Direktversicherung. § 40b des Ein-
kommensteuergesetzes (EStG) erlaubt für Verträge, die bis Ende 2004
abgeschlossen wurden, dass die Lohnsteuer für Beiträge für eine Direkt-
versicherung bis zu einer bestimmten Höhe pauschal mit 20% erhoben
wird. Die Versicherung darf allerdings im Erlebensfall nicht vor dem 60.
Lebensjahr ausgezahlt werden. Wenn sich also ein Arbeitnehmer vor 2005
für eine Direktversicherung entschied, konnte er dadurch (Lohn-)Steuer
sparen. Bei der Auszahlung in Form einer Rente ist nur der Ertragsanteil
zu versteuern, während Kapitalauszahlungen unter bestimmten Bedingun-
gen steuerfrei sein können. Die derzeit gültige Regelung in § 3 Nr. 63
EStG sieht vor, dass die Beiträge der Arbeitnehmer steuer- und sozial-
versicherungsfrei in eine betriebliche Altersversorgung (Pensionskasse,
Pensionsfonds, Direktversicherung) angelegt werden können, soweit die
Beiträge im Kalenderjahr 4% der Beitragsbemessungsgrenze in der all-
11 Vermögensbildung und Altersvorsorge mit Investmentfonds 232

gemeinen Rentenversicherung nicht übersteigen. Nach Ausschöpfung dieser


Grenze können zusätzlich bis zu 1.800 Euro steuer-(aber nicht sozialabga-
ben)frei gespart werden, wenn noch keine Förderung nach § 40b EStG (Pau-
schalbesteuerung) besteht und es sich um eine Zusage auf betrieblicher
Altersversorgung handelt, die nach dem 31.12.2004 erteilt wurde. Die spätere
Betriebsrente unterliegt dem vollen persönlichen Einkommensteuersatz.
Auch bei der Direktversicherung haftet der Arbeitgeber für die von ihm
zugesagten Leistungen im Alter.
Betriebliche Altersversorgung wurde bislang im Wesentlichen auf freiwil-
liger Basis vom Unternehmen angeboten. Angesichts der zu erwartenden
rückläufigen Renten hat die Bundesregierung zum 1. Januar 2002 mit dem
Altersvermögensgesetz (AVmG) das freiwillige Sparen für das Alter
besonders gefördert. Bekannt sind die Regelungen für den privaten
Bereich unter dem Namen des damaligen Arbeitsministers als Riester-
Rente. Durch eine Änderung des Betriebsrentengesetzes hat nun jeder
Arbeitnehmer das Recht, vom Arbeitgeber zu verlangen, dass von seinen
künftigen Entgeltansprüchen bis zu 4% der jeweiligen Beitragsbemes-
sungsgrenze (in 2015 also 4% von 72.600 Euro, somit 2.904 Euro) durch
Entgeltumwandlung für seine betriebliche Altersversorgung verwendet
werden. Konkret: Ich kann verlangen, dass mir künftig 2.904 Euro im Jahr
oder 242 Euro pro Monat nicht als Gehalt ausbezahlt werden, sondern für
meine Altersvorsorge eingezahlt werden. Wenn der Arbeitgeber dies über
einen Pensionsfonds oder eine Pensionskasse abwickeln will, kann er das
als Durchführungsweg festlegen. Andernfalls kann der Arbeitnehmer ver-
langen, dass der Arbeitgeber für ihn eine Direktversicherung abschließt.
Durch die Neuregelungen hat die zweite Säule etwas an Gewicht gewon-
nen, auch wenn ihr Beitrag zum Alterseinkommen immer noch vergleichs-
weise gering ist.
Zwar können Investmentgesellschaften Pensionsfonds nicht direkt aufle-
gen, aber einem Pensionsfonds steht es frei, seine Gelder von den Profis
aus der Investmentbranche verwalten zu lassen. Diese Möglichkeit wird in
der Praxis auch genutzt.
Ein wesentlicher Teil der in Deutschland für die betriebliche Altersversor-
gung eingesammelten Pensionsgelder wird seit vielen Jahren erfolgreich in
Spezialfonds gemanagt. Damit tragen Investmentfonds auf indirektem
Weg wesentlich zur betrieblichen Altersversorgung bei.
11 Vermögensbildung und Altersvorsorge mit Investmentfonds 233

11.2.3 Private Altersvorsorge

11.2.3.1 Riester-Förderung

Die dritte Säule der Altersvorsorge ist die Eigeninitiative, also Sparen für
die Zusatzrente. Bislang wurde entsprechendes Engagement der Anleger
nicht besonders staatlich gefördert. Angesichts der zu erwartenden rück-
läufigen Renten hat die Bundesregierung dies zum 1.1.2002 mit dem
Altersvermögensgesetz (AVmG) geändert.
Vereinfacht gesagt wird die private Altersvorsorge durch staatliche Zuschüsse
bzw. steuerliche Vergünstigungen gefördert. Die „Grundzulage“ beträgt
gemäß § 84 EStG seit 2008 jährlich 154 Euro. Für Zulagenberechtigte, die
das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, wird die Grundzulage ein-
malig um 200 Euro erhöht, dem sogenannten Berufseinsteigerbonus. Damit
soll die Motivation, einen Altersvorsorgevertrag möglichst frühzeitig
abzuschließen, erhöht werden.
Die Kinderzulage beträgt pro Kind 185 Euro. Für Kinder die nach dem
31.12.2007 geboren wurden, erhalten Eltern eine Zulage von 300 Euro.
Um die volle Förderung zu erhalten, sind Mindesteigenbeiträge in Höhe
von 4% des Einkommens zu zahlen, die aber maximal bei 2.100 Euro jähr-
lich liegen. Als Minimum ist ein Sockelbeitrag definiert, der seit 2005
einheitlich 60 Euro beträgt. Im Rahmen der Steuererklärung wird gemäß
§ 10a EStG automatisch vom Finanzamt geprüft, ob für den Anleger noch
mehr herauskommt, wenn er seine Beiträge als Sonderausgaben von der
Steuer abzieht.
Anleger Rüstig hat ein Einkommen von 70.000 Euro und zahlt davon den
Maximalbeitrag von 2.100 Euro (4% wären 2.800 Euro) ein. Sein Steuer-
satz liegt bei 40%. Wenn die 2.100 Euro nicht zu versteuern sind, zahlt er
840 Euro weniger an Steuern. Da die Zulage nur 154 Euro beträgt, wird
ihm die Differenz zu 840 Euro von seiner Steuerlast abgezogen, letztlich
also auf sein Konto überwiesen. In der Auszahlungsphase sind alle Zah-
lungen zu versteuern (sogenannte nachgelagerte Besteuerung). Sollte –
wie in der Regel der Fall – sein persönlicher Steuersatz im Ruhestand sin-
ken, so kann sich Herr Rüstig dadurch eine spürbare Verringerung seiner
Steuerlast verschaffen.
11 Vermögensbildung und Altersvorsorge mit Investmentfonds 234

Die Zulagen und die Möglichkeit des Sonderausgabenabzugs erhalten


Sparer nur, wenn sie in Produkte anlegen, die die Kriterien des Altersvor-
sorgeverträge-Zertifizierungsgesetzes (AltZertG) erfüllen und offiziell
zertifiziert sind. Im Gesetz wird ausführlich definiert, was ein Altersvor-
sorgevertrag ist.
Dazu zählen insbesondere:
1. Die Auszahlungsphase darf erst bei Vollendung des 60./62. Lebensjah-
res oder dem Beginn einer Altersrente aus der gesetzlichen Rentenver-
sicherung beginnen. Eine ergänzende Hinterbliebenenabsicherung kann
vorgesehen werden.
2. Der Anbieter (also die Investmentgesellschaft, Versicherung oder das
Kreditinstitut) muss zusagen, dass zu Beginn der Auszahlungsphase
zumindest die eingezahlten Altersvorsorgebeiträge zur Verfügung ste-
hen (Kapitalerhalt). Werden Beitragsanteile zur Absicherung vermin-
derter Erwerbsfähigkeit verwendet, sind in diesem Zusammenhang bis
zu 20% der Beiträge nicht zu berücksichtigen.
3. Die Auszahlung muss entweder als lebenslange gleich bleibende oder
steigende monatliche Leibrente erfolgen oder als Auszahlungsplan (wie
er bei Investmentfonds üblich ist) bis zum 85. Lebensjahr mit unmit-
telbar anschließender lebenslanger Teilkapitalverrentung.
4. Abschluss- und Vertriebskosten müssen gleichmäßig mindestens auf
die ersten fünf Jahre verteilt werden, soweit sie nicht als Vomhundert-
satz von den Altersvorsorgebeiträgen abgezogen werden (wie es beim
Ausgabeaufschlag von Investmentfonds der Fall ist).
5. Während der Ansparphase muss es möglich sein,
− den Vertrag ruhen zu lassen,
− ihn mit einer Frist von drei Monaten zum Ende eines Kalendervier-
teljahres oder zum Beginn der Auszahlungsphase zu kündigen, um
das gebildete Kapital auf einen anderen Altersvorsorgevertrag zu
übertragen (Eine wichtige Regelung, wenn man mit den Ergebnissen
seines Vertrags nicht zufrieden ist und wechseln will. Die Kapitaler-
haltzusage gilt allerdings nur zum Ende der Laufzeit. Anderenfalls
könnten Anleger höchst riskante Anlageformen wählen und gegen
den Anbieter spekulieren: Bei hohen Gewinnen würde das Geld
abgezogen, bei Verlusten müsste der Anbieter die eingezahlten Bei-
träge auszahlen) oder
11 Vermögensbildung und Altersvorsorge mit Investmentfonds 235

− mit einer Frist von drei Monaten zum Ende eines Kalenderviertel-
jahres eine Auszahlung des gebildeten Kapitals für eine Verwendung
im Sinne des § 92a EStG zu verlangen (damit wird es ermöglicht,
das angesparte Kapital für den Erwerb oder die Entschuldung einer
selbst genutzten Wohnung zu verwenden, die sogenannte „Wohn-
riester-Entnahme“).

Hinzu kommen noch umfassende vertragsbegleitende Informationspflich-


ten durch den Anbieter. Das Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz vom
24. Juni 2013 soll die Transparenz und Vergleichbarkeit weiter erhöhen.
Hierzu wird ein Produktinformationsblatt für zertifizierte Altersvorsorge-
und Basisrentenverträge eingeführt.
Grundsätzlich ist es sinnvoll, dass die Anleger sich bei Abschluss eines
Vertrages darauf verlassen können, dass sie bei Renteneintritt tatsächlich
eine „Zusatzrente“ erhalten. Schließlich lässt sich eine falsche Produktaus-
wahl dann nicht mehr korrigieren. Daher auch als zweites Kriterium die
Zusage des Kapitalerhalts. Kosten, die von den Einzahlungen abgezogen
werden, müssen dabei am Ende auch erstattet werden.
Eine weitere Zertifizierungs-Voraussetzung lautet „Auszahlung frühestens bei
Renteneintritt bzw. Alter 60 (62 bei ab 2012 abgeschlossenen Verträgen)“,
ansonsten ist die staatliche Förderung zurückzuzahlen. Verständlich, denn
schließlich soll das angesammelte Vermögen für die ergänzende Alters-
vorsorge verwendet werden und nicht für Konsumzwecke vor Renteneintritt.
Allerdings ist eine Rückzahlung wegen des Todes des Anlegers vor Ren-
teneintritt gemäß § 93 EStG ebenfalls eine „schädliche Verwendung“. Die
Zulagen sind nur dann nicht zurückzuzahlen, wenn das angesparte Alters-
vorsorgevermögen auf einen auf den Namen des Ehegatten lautenden
Altersvorsorgevertrag übertragen wird.
Spätestens in der Auszahlungsphase wird der Anleger in ein enges Korsett
gezwängt. Er darf keineswegs sein eingezahltes Geld verwenden, wie er es
für richtig und vernünftig hält. Ausnahme ist die sogenannte „Wohnriester-
Entnahme“. Er hat ansonsten nur die Wahl zwischen einer Verrentung oder
– insbesondere bei Investmentfonds – einem Auszahlungsplan kombiniert
mit einer Zwangsverrentung ab Alter 85.
Konkret sieht die Variante Auszahlungsplan so aus, dass der Fondsanleger
aus dem angesammelten Kapital regelmäßige, bis zum Alter 85 der Höhe
nach fest zugesagte monatliche Auszahlungen erhält. Bei Eintritt in die
Auszahlphase muss zugleich eine Versicherung abgeschlossen werden.
11 Vermögensbildung und Altersvorsorge mit Investmentfonds 236

Diese muss ab Alter 85 bis zum Lebensende regelmäßige Zahlungen min-


destens in Höhe der letzten zugesagten regelmäßigen Auszahlung aus dem
angesammelten Kapital garantieren. Damit soll verhindert werden, dass
bis zum Alter 85 alles Geld ausgegeben wurde und dem Rentner die
zusätzlichen Zahlungen fehlen.
Allerdings darf sich der Anleger bis zu 30% des angesammelten Kapitals
zu Beginn der Auszahlungsphase auf einmal auszahlen lassen. Damit ist
also die Verwendung von 70% des Kapitals gesetzlich vorgeschrieben. Ein
weiterer Vorteil des Auszahlungsplans: Im Todesfall des Rentners vor
Vollendung des 85. Lebensjahres wird das Restvermögen vererbt (auf die-
sen Teil ist allerdings die staatliche Förderung zurückzuzahlen), während
es bei der Verrentung ab Renteneintritt verfällt.
Die Zulagen selbst erhält der Anleger nur auf Antrag (§ 89 EStG). Leider
wurde dabei nicht der einfache Weg über die Steuererklärung gewählt (der
bei der VL-Zulage seit vielen Jahren reibungslos funktioniert). Vielmehr
wurde den Anlageinstituten, KVG, Banken, Bausparkassen und Versiche-
rungen, auferlegt, die Anträge (mit den bekannten Daten bereits eingetra-
gen) an die Anleger zu schicken, diese dann wieder entgegenzunehmen
und an die zentrale Stelle weiterzuleiten. Als kleine Erleichterung muss
der Antrag nicht mehr jedes Jahr erneut eingereicht werden, sondern kann
als Dauerzulagenantrag gestellt werden.
Allen komplizierten Regelungen zum Trotz bieten viele KVGs und Ver-
sicherungen Riester-Produkte an. Der Werbeaufwand war zum Teil enorm,
die Resonanz bei den Anlegern dagegen zu Beginn enttäuschend. Viele
Bundesbürger wurden durch das komplizierte Verfahren abgeschreckt.
Andere wollten sich nicht bei der Anlage eigener Gelder vorschreiben las-
sen, wie sie das angesparte Vermögen im Alter zu verwenden haben. Zum
Ende des „Jahres 1“, also 2002, meldeten die Investmentgesellschaften
lediglich rund 210.000 Verträge, ein Jahr später waren es 284.000, zum
Jahresende 2004 rund 360.000. Im Jahr 2005 ist die Anzahl der abge-
schlossenen Verträge kräftig auf rund 575.000 gestiegen. Die dynamische
Entwicklung der Riester-Fondssparpläne hielt in den Folgejahren an. Ende
2014 verwaltete die Investmentbranche mehr als 3 Millionen Verträge.
Das entspricht einem Marktanteil bei der Riesterrente von rund 20%!
11 Vermögensbildung und Altersvorsorge mit Investmentfonds 237

11.2.3.2 Private Vorsorge ohne Förderung

Alternativ kann (und sollte) jeder auch ohne spezielle staatliche Förderung
privat für das Alter vorsorgen. Dabei muss man sich nicht gleich auf das
Ziel „Altersvorsorge“ festlegen. Investmentfonds sind bestens für den
Vermögensaufbau geeignet: Auf ein Investmentkonto können problemlos
regelmäßige Beträge eingezahlt werden (Fondssparplan). Der Rhythmus
bleibt dabei dem Anleger überlassen. Monatliche Einzugsaufträge sind
ebenso möglich wie quartalsweise Einzahlungen und auch Einmal-Zah-
lungen, beispielsweise ein Teil des Weihnachts- oder Urlaubsgeldes, auf
das Konto sind jederzeit möglich. Auch Unterbrechungen der Einzah-
lungen sind problemlos zulässig. Darüber hinaus kennen die angelegten
Gelder keine Sperrfrist. Bei unvorhergesehenem Geldbedarf lassen sich
jederzeit Anteilscheine zurückgeben. Zu dieser Flexibilität kommen die
grundsätzlichen Vorteile der Fondsanlage wie Risikostreuung und profes-
sionelles Management.
Es stellt sich aber die Frage, mit welchem Fondstyp man am besten für das
Alter vorsorgen kann. Hierfür entscheidend sind eine Reihe von objektiven
und subjektiven Komponenten: Gleichberechtigt neben den Renditeerwar-
tungen unterschiedlicher Fondsarten und der Volatilität dieser Fonds ste-
hen die persönliche Risikoeinstellung des Sparers, sein bereits vorhande-
nes Vermögen und der zeitliche Horizont bis zum Rentenbeginn.
Allgemein empfiehlt sich unter Renditeaspekten eine Anlagestrategie, die
Aktien – der Risikostreuung wegen über Aktienfonds – einbezieht. Aller-
dings ist nicht immer der gleiche Aktienanteil sinnvoll. Er hängt vielmehr
vom Lebensalter ab. Eine Faustregel dafür lautet:

100 minus Lebensalter = Aktienanteil am Gesamtvermögen.

Damit setzt ein 25-Jähriger zu 75% auf Aktien, ein 40-Jähriger nur noch
zu 60%. Diese sich verändernde Vermögensaufteilung wird in „Lebens-
zyklusmodellen“ abgebildet.
In der Sparphase gilt grundsätzlich „Rendite (und damit einhergehend höheres
Risiko) vor Sicherheit“, während für die Auszahlungsphase „Sicherheit vor
Rendite“ geht. Welcher Ertrag kann aber bei einer Aktienfondsanlage erwar-
tet werden?
11 Vermögensbildung und Altersvorsorge mit Investmentfonds 238

Hierzu liegen empirische Ergebnisse des BVI vor. Dort wurde nachgerech-
net, zu welchen Ergebnissen die regelmäßigen Einzahlungen in Aktien-
fonds führten. Einbezogen wurden alle deutschen Aktienfonds mit Anla-
geschwerpunkt Deutschland, die zum jeweiligen Stichtag (Quartalsende)
mindestens 35 Jahre existierten (insgesamt sieben verschiedene Fonds).
Berücksichtigt wurden alle Kosten, auch der Ausgabeaufschlag. Untersucht
wurden alle 35-Jahres-Perioden seit I/1952 – I/1987. Die letzte zugrunde
gelegte Periode war die von IV/1964 – IV/1999. In diesen Perioden sind
gleichermaßen die 70er Jahre enthalten, in denen der deutsche Aktien-
markt nur wenig stieg, die Ölkrise, der Crash von 1987 und der Golfkrieg.
Unterstellt wurde die regelmäßige monatliche Anlage von 100 DM (ein
Umrechnen in Euro erübrigt sich: Die Währungsbezeichnung DM ist an
dieser Stelle einfach durch Euro zu ersetzen!). Insgesamt wurden also
42.000 DM/Euro eingezahlt. Das Ergebnis ist verblüffend: In jedem Fall
wurden mindestens 180.000 DM/Euro Vermögen erreicht, die große Mehr-
zahl der Ergebnisse lag bei weit über 250.000 DM/Euro. Aber selbst bei
Fortschreibung der Ergebnisse unter Berücksichtigung der zurückliegen-
den drei schlechten Börsenjahre zu Beginn dieses Jahrzehnts mit einem
absoluten Tiefstwert des Vermögens von 127.000 bis 188.000 DM/Euro
(erstes Quartal 2003) ergab sich im Schnitt eine jährliche Wertsteigerung von
6,54%. Und da das angesammelte Vermögen nicht auf einmal aus dem
Aktienfonds abgezogen werden muss, nimmt es an der Aufwärtsbewegung
der Börse weiter teil: Ende Dezember 2004 lag die Bandbreite der Ergeb-
nisse bereits wieder zwischen 200.00 und 275.000 DM/Euro, Ende 2005
zwischen 230.000 und 330.000 DM/Euro. Und selbst zum 30. September
2011 mit den dramatischen Kurseinbrüchen des Jahres 2008 und der aktu-
ellen Euro-Schuldenkrise lag der Durchschnitt bei Aktienfonds mit Anla-
geschwerpunkt Deutschland bei rund 155.000 DM/Euro. Auch hier zeigt
sich: Langfristig führt die Altersvorsorge über Aktien zu hervorragenden
Ergebnissen.
Bereits in den 90er Jahren entwickelte die Investmentbranche einen spe-
ziellen Investmentfondstyp, der besonders für die Altersvorsorge geeignet
ist, das Altersvorsorge-Sondervermögen. Natürlich ist ein solcher Name
nicht gerade einprägsam, weshalb die Abkürzung AS-Fonds (übrigens
kreiert vom Herausgeber dieses Buchs) in der Öffentlichkeit verwendet
wurde. Die Konzeption fand von wissenschaftlicher Seite Unterstützung
durch den britischen Pensionsfonds-Experten Professor David Blake, Lei-
ter des Londoner Pensions Institute.
11 Vermögensbildung und Altersvorsorge mit Investmentfonds 239

Ausgangspunkt der Überlegungen war die Anlagepolitik international erfolg-


reicher Pensionsfonds. Sie setzten überwiegend auf Aktien, bezogen aber
auch Rentenwerte und Immobilien in ihr Portefeuille ein. Entsprechend
sehen auch die Anlagegrenzen der AS-Fonds aus, die durch das 3. Finanz-
marktförderungsgesetz (das zum 1. April 1998 in Kraft trat) vorgegeben
wurden:
• AS-Fonds müssen überwiegend, also mindestens zu 51% in Sachwer-
ten (Aktien und offene Immobilienfonds) investieren,
• müssen zwischen 21 und 75% in Aktien anlegen,
• können bis zu 30% in offene Immobilienfonds investieren,
• bis 10% in stille Beteiligungen,
• Finanzinstrumente dürfen nur zur Absicherung verwendet werden,
• das ungesicherte Währungsrisiko darf maximal 30% betragen
• und Erträge müssen thesauriert werden.
Zusätzlich muss gemäß § 90 InvG ein Altersvorsorge-Sparplan angebo-
ten werden. Er hat eine Laufzeit von mindestens 18 Jahren oder bis zum
60. Lebensjahr. Zugleich gibt er dem Anleger das Recht zum kostenlosen
Umtausch in andere Fonds der KVG nach drei viertel der Laufzeit des
Sparplans. Die dahinter stehende Idee des Gesetzgebers ist, dass auf diese
Weise angefallene Wertsteigerungen aufgrund von Kursgewinnen gesi-
chert werden können: Man lässt sich sein angespartes Vermögen ganz oder
teilweise auszahlen und schichtet es in auch kurzfristig stabile Fondstypen
wie national anlegende Rentenfonds, Offene Immobilienfonds oder Geld-
marktfonds um.
Ebenfalls anzubieten ist ein Auszahlungsplan mit oder ohne Kapital-
erhalt. Es werden also nur die Erträge oder auch über einen festgelegten
Zeitraum hinweg Erträge und Kapital ausgezahlt. Gegen die Variante der
Auszahlung wurde argumentiert, dass bei schlechterer Wertentwicklung
des Fonds am Ende der vereinbarten Auszahlungsperiode weniger oder gar
kein Kapital mehr da ist, somit das erwartete Zusatzeinkommen komplett
wegfällt. Eine ebenso einfache wie funktionierende Alternative hierzu ist:
Ab Rentenbeginn mit Alter 65 wird bis zum Alter 85 die gleichmäßige
Rückgabe von Anteilscheinen vereinbart. Optional kann eine Verrentung
ab dem Alter 85 mit einbezogen werden.
11 Vermögensbildung und Altersvorsorge mit Investmentfonds 240

Diese Rückgabe funktioniert dann so: Das angesparte Vermögen von


240.000 Euro besteht aus 2.400 Anteilen eines Rentenfonds oder Offenen
Immobilienfonds mit einem Wert von je 100 Euro. Bei der Laufzeit von
20 Jahren oder 240 Monaten werden jeden Monat zehn Anteile zurück-
gegeben. Auf diese Weise erhält der Anleger im ersten Monat ein Zusatz-
einkommen von 1.000 Euro. Da das restliche Vermögen weiterhin Erträge
erwirtschaftet (Zins- bzw. Mieteinnahmen und Wertsteigerungen der Wert-
papiere oder Immobilien), steigt auch der Wert pro Anteil unter leichten
Schwankungen im Zeitablauf an. Damit erhöhen sich auch die monat-
lichen Auszahlungen – ein eingebauter Inflationsschutz.
Die ersten AS-Fonds wurden im Oktober 1998 angeboten. Sie erlebten
nach einem gelungenen Start (durchschnittliche Wertsteigerung Ende 1998
bis Ende 1999: 42,2%, der DAX legte in diesem Zeitraum „nur“ 39,1%
zu) durch die folgenden Kursrückgänge ihren Härtetest. Vom 31.12. 2000
bis zum 31.12. 2001 verloren sie im Schnitt 11,3%. Was wie ein misera-
bles Ergebnis klingt, kann sich aber beim Vergleich mit der reinen Aktien-
anlage, gemessen am DAX, sehen lassen. Der verlor im gleichen Zeitraum
nämlich 19,8%. Die Beimischung der stabilisierenden Elemente festver-
zinsliche Wertpapiere und Offene Immobilienfonds hatte ihre Aufgabe
erfüllt und die Kursverluste gedämpft. Und im Drei-Jahres-Durchschnitt
lagen AS-Fonds mit 26,1% im Plus (entspricht 8,0% p.a.). Auch aktuell
sorgte die Mischung aus Aktien, Renten und Anteilen an Offenen Immobi-
lienfonds dafür, dass die Wertverluste durch die Finanzkrise gedämpft
wurden.
Wesentliches Element der AS-Fonds ist die Freiwilligkeit. Altersvorsorge-
Sparpläne müssen die Anleger ebenso wenig abschließen wie sie Auszah-
lungspläne vereinbaren müssen. Das Kapital kann von ihnen bei Renten-
beginn nach eigenen Vorstellungen verwendet werden. Natürlich kann es
auch ohne Abzug vererbt werden.
Altersvorsorge-Sondervermögen waren die ersten Zielfonds im KAGG.
Zuvor wurden Fonds nach ihren Inhalten benannt, etwa Wertpapier- oder
Grundstücks-Sondervermögen. Der Gesetzgeber wollte damit folgendes
Signal setzen: Dies sind die Fonds für die private Altersvorsorge. Nur zu
dem entscheidenden Schritt, um die AS-Fonds auch in Bezug auf den Ver-
trieb aufzuwerten, konnte man sich nicht durchringen. Sie erhielten keine
spezielle Förderung, weder steuerlicher Art noch als direkte Zulage. Aller-
dings finden sich AS-Fonds in Riester-Angeboten und als fondsgebundene
Lebensversicherung wieder, denn diese Förderung steht auch ihnen offen.
11 Vermögensbildung und Altersvorsorge mit Investmentfonds 241

Im KAGB gibt es keine Regeln mehr für AS-Fonds. Auf bestehende Fonds
hat dies keine Auswirkungen, neue AS-Fonds können allerdings nicht
mehr aufgelegt werden.
12 Investmentfonds und Finanzmarktkrise

12.1 Absatzentwicklung im Zeichen der Krise 2008

Die dramatische Verschärfung der US-Subprime-Krise zur globalen Finanz-


marktkrise im Jahr 2008 hatte zu einer Neubewertung der verschiedenen
Finanzmarktinstrumente geführt. Waren in den Jahren zuvor Worte wie
Emittenten- und Kontrahentenrisiko aus dem Bewusstsein der meisten Anle-
ger verbannt bzw. auf kleine, unbekannte Unternehmen reduziert worden,
änderte sich dies in 2008 von Grund auf. Die vorher nur am Rande wahr-
genommene Treuhandfunktion der Investmentgesellschaften gewann ebenso
an Bedeutung wie die Konkurssicherheit dank Sondervermögenskonstruk-
tion. Auch wenn Anleger mit Investmentfonds ebenfalls Wertverluste erlit-
ten haben, wurden die Vorteile des Investmentfonds gegenüber anderen
Anlageprodukten deutlich.
In 2008 erlebten die Anlageklassen auf breiter Front zum Teil drastische
Verluste. Die Wertverluste setzten teilweise bereits zu Jahresbeginn ein und
beschleunigten sich dramatisch nach dem 15. September. Anleger konnten
aber auch in 2008 mit Investmentfonds Geld verdienen – vor allem mit
konservativen Fondskategorien: Rentenfonds mit Schwerpunkt auf Staats-
anleihen hoher Bonität und Offenen Immobilienfonds.
Auch konservativ ausgerichtete Euro-Geldmarktfonds erzielten im Durch-
schnitt 1,05% Wertzuwachs. Geldmarktfonds mit offensiverem Chance-
Risiko-Profil, die in der Vergangenheit regelmäßig Zusatzerträge erzielen
konnten, mussten dagegen zum Teil deutliche Werteinbußen hinnehmen.
Dasselbe gilt für Rentenfonds mit Unternehmensanleihen. Einbrüche von
historischem Ausmaß erlebten die Aktienmärkte und dementsprechend
Aktienfonds und – etwas abgemildert – Mischfonds.
Die Absatzentwicklung des Jahres 2008 verdient ebenfalls eine differen-
zierte Betrachtung: Das Gesamtergebnis bei den Publikumsfonds war stark
geprägt durch hohe Abflüsse bei Geldmarkt- und geldmarktnahen Fonds.
Zuflüsse verzeichneten dagegen wertgesicherte Fonds, Mischfonds und
Dachfonds, zum Jahresende auch Aktienfonds. Somit gab es durchaus
Impulse durch die Übergangsregelung bei der Abgeltungsteuer, aber bei
weitem nicht im erhofften Ausmaß.

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019
W. Raab (Hrsg.), Grundlagen des Investmentfondsgeschäftes, Edition
Frankfurt School, https://doi.org/10.1007/978-3-658-24155-1_12
12 Investmentfonds und Finanzmarktkrise 244

Die eigentliche Dramatik des Jahres 2008 zeigt sich bei einer Betrachtung
des Jahresverlaufs. Lange Zeit lag das Neugeschäft in einem normalen
Rahmen. Noch Ende August 2008 verbuchte die Investmentbranche Netto-
Zuflüsse von fast 24 Mrd. Euro, und der Ausblick war durchaus nicht nega-
tiv. Das änderte sich ab Mitte September, als im Gefolge der Lehman-Pleite
eine Vertrauenskrise einsetzte. Speziell für die Fondsbranche wurde diese
Krise – unnötigerweise – weiter zugespitzt durch die Art und Weise, wie
politische Maßnahmen angekündigt wurden.
Es begann Ende September damit, dass die Besteuerung von steueropti-
mierten Geldmarktfonds verschärft werden sollte. Diese Ankündigung
musste von vielen Anlegern und Anlageberatern so verstanden werden,
dass möglicherweise kein Bestandsschutz gelten würde (den es dann am
Ende doch gab!). Die Folge: Bei den betroffenen Produkten wurden allein
im Oktober Anteile im Wert von knapp 16 Mrd. Euro zurückgegeben.
Noch härter traf die Investmentgesellschaften am 5. Oktober 2008 die Garan-
tieerklärung der Bundesregierung für Bankeinlagen als Reflex auf die
Insolvenz der Lehman-Bank. Durch den expliziten Hinweis, dass das für
Investmentfonds nicht gelte (was weder gefordert war noch erforderlich
gewesen wäre), gerieten ohnehin verunsicherte Fondssparer in Panik.
Für den durchschnittlichen Anleger folgte aus dem Ausschluss der Fonds:
Mein Geld ist dort nicht sicher/garantiert. Dabei war und ist das Gegenteil
der Fall: Gerade durch die Konstruktion der Fonds als Sondervermögen ist
deren Konkursfestigkeit qua System gegeben. Selbst wenn eine Invest-
mentgesellschaft in Konkurs gegangen wäre (was zu keinem Zeitpunkt zu
erwarten war), wäre den Anlegern ihr ganzes in Fonds angelegtes Geld
erhalten geblieben.
In der folgenden Woche flossen allein bei Geldmarktprodukten gut 20 Mrd.
Euro zurück, um im Wesentlichen in Bankeinlagen umgeschichtet zu wer-
den. Insgesamt summierten sich die Rückgaben im Monat Oktober allein
bei Geldmarktfonds und geldmarktnahen Fonds auf 29 Mrd. Euro.
Die Zahlen weisen darauf hin, dass der politische „Doppelschlag“ hier
erheblich verschärfend gewirkt hat. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Rück-
flüsse wäre vermeidbar gewesen, wenn mit mehr Sensibilität kommuniziert
worden wäre. Anzuerkennen ist, dass der Mitte Oktober aufgespannte
staatliche Rettungsschirm wieder zur Beruhigung beigetragen hat, wie
auch die intensive Aufklärungsarbeit des BVI und der Mitglieder. Das zeig-
ten bereits die Zahlen im November und Dezember 2008. Zuflüsse von
12 Investmentfonds und Finanzmarktkrise 245

rund 33 Mrd. Euro im gesamten Jahr 2009 in Publikums- und Spezialfonds


(davon 14,6 Mrd. Euro in Publikums-Aktienfonds) belegen den Zuspruch
der Fondsanleger.
Die weiteren Aussichten für die Fondsbranche bleiben positiv: Hinter den
Rückflüssen steht keine anhaltende Erosion von Anlegern. Die meisten
Monate des Jahres 2008 wiesen positive Zuflüsse aus. Entscheidend für
das Gesamtresultat war letztlich ein einziger Monat mit panikartigen Rück-
gaben. Seither ist eine Stabilisierung eingetreten, obwohl die Marktlage
unverändert schwierig ist.
Die Rekord-Rückflüsse 2008 bei den Publikumsfonds machten 3,8 % des
Fondsvermögens zu Jahresbeginn aus (Publikums- und Spezialfonds zusam-
mengenommen sogar nur 0,6 %) – das ist ein schwerer Schlag, aber keine
Existenz bedrohende Größenordnung. Andere kapitalmarktorientierte Anla-
geprodukte – beispielsweise Hedgefonds – mussten und müssen sehr viel
höhere Rückflussquoten verkraften. Auch gemessen am gesamten EU-Markt
war der Rückfluss bei der deutschen Fondsbranche sogar leicht unter-
durchschnittlich – trotz schwarzem Oktober.
Richtet man den Blick auf einen längeren Zeitraum und betrachtet den
monatlichen Zufluss in Prozent vom Fondsvermögen Monat für Monat seit
2000, zeigen sich kontinuierliche Zuflüsse, die mäßigen Schwankungen
unterworfenen waren – außer dem Oktober 2008. Positiv stimmt auch,
dass Investmentgesellschaften ihre Position bei Sparplänen und in der geför-
derten Altersvorsorge selbst im Krisenjahr 2008 ausbauen konnte. Die
Zahl der Riester-Verträge hatte um rund 464.000 auf 2,4 Mio. Sparpläne
Ende 2008 zugenommen – wobei es sich um Nettozahlen handelt, das
heißt, aufgelöste Sparpläne sind hier schon berücksichtigt.

12.2 Offene Immobilienfonds: Lösungsvorschläge für das


Liquiditätsmanagement

Bei den offenen Immobilienfonds kam es in 2008 zu einer paradoxen Situa-


tion: Sie erwirtschafteten einerseits weiterhin trotz des schwierigen Umfelds
positive Ergebnisse. Andererseits gaben nicht zuletzt größere Anleger und
Vermögensverwalter, die ihre Vermögensstrukturen anpassen mussten oder
sich einfach Liquidität beschaffen mussten, gerade wegen der positiven
Performance ihre Anteile an offenen Immobilienfonds zurück, statt bei
anderen Finanzinstrumenten Buchverluste zu realisieren. Diese sehr geballt
12 Investmentfonds und Finanzmarktkrise 246

einsetzenden Rückflüsse im Oktober 2008 (von 5,0 Mrd. Euro nach Zuflüs-
sen von 5,5 Mrd. Euro in den ersten neun Monaten 2008) führten dazu,
dass eine Reihe von offenen Immobilienfonds zum Schutze der Anleger
die Rücknahme von Anteilen aussetzen musste. Gleichwohl flossen bereits
im Dezember 2008 wieder netto Mittel zu – insgesamt 861 Mio. Euro,
davon den eingefrorenen Fonds 337 Mio. Euro. Im Januar 2009 kamen
weitere 0,8 Mrd. Euro hinzu, insgesamt flossen den offenen Immobilien-
fonds in den zwölf Monaten des Jahres 2009 rund 3,2 Mrd. Euro zu. Dies
belegt das grundsätzliche Vertrauen der Anleger in diese Fondskategorie
trotz Rücknahmeaussetzung.

12.3 Neuregelungen für offene Immobilienfonds

Mit dem am 8. April 2011 in Kraft getretenen Gesetz zur Stärkung des
Anlegerschutzes und Verbesserung der Funktionsfähigkeit des Kapital-
markts (AnSFuG) kam es auch zu Neuregelungen für offene Immobilien-
fonds. Demnach sind pro Anleger weiterhin Anteilrückgaben bis zur Höhe
von 30.000 Euro pro Kalenderhalbjahr möglich. Übersteigen sie diesen
Betrag, ist die Rückgabe erst nach Ablauf einer Mindesthaltefrist von
24 Monaten möglich. Zudem muss der Anleger die Anteilrückgaben unter
Einhaltung einer Rückgabefrist von zwölf Monaten durch eine unwider-
rufliche Rückgabeerklärung gegenüber der Kapitalverwaltungsgesellschaft
erklären.
Die Frist zur Rücknahmeaussetzung bei nicht ausreichender Liquidität des
Fonds wurde von maximal 24 auf 30 Monate verlängert. Reicht diese Frist
nicht, erlischt das Recht der Kapitalverwaltungsgesellschaft, den Fonds zu
verwalten (§ 81 Abs. 2 bis 4 InvG).
Reichen 12 Monate nach der Aussetzung der Rücknahme die liquiden Mit-
tel des Fonds nicht aus, darf der Veräußerungserlös (abweichend von
§ 82 Absatz 1 Satz 1 InvG) den vom Sachverständigenausschuss ermittel-
ten Wert um bis zu 10 Prozent unterschreiten, nach 24 Monaten um bis zu
20 Prozent.
Mit diesem Maßnahmenbündel wurde den Bedürfnissen der Privatanleger
Rechnung getragen. Sie konnten weiterhin auch ohne Kündigung bis zu
60.000 Euro pro Kalenderjahr aus ihren Fonds abziehen. Wie dies im Detail
funktioniert, hat der Investmentverband beispielhaft dargestellt:
12 Investmentfonds und Finanzmarktkrise 247

Rückgaberegelungen für offene ImmobiIienfonds


Erwerb vor dem 22. Juli 2013
12 Monate Kündigungsfrist für Bestands- und Neuanleger
24 Monate Ersthaltefrist für Neuanleger
Freibetrag von 30.000 Euro pro Kalender-Halbjahr, unabhängig von allen Fristen

Erwerb ab dem 22. Juli 2013


Für Neuanlagen gelten die gleichen Ersthalte- und Kündigungsfristen,
aber der Freibetrag entfällt.

Beispiel für Altbestand vor dem 22. Juli 2013


Bestandsanleger: Entnahmebeispiel für eine angenommene
Anlagesumme von 100.000 Euro

1. Januar – 1. Juli – 1. Januar – 1. Juli –


Beispiel 30. Juni 2013 31. Dezember 2013 30. Juni 2014 31. Dezember 2014

Kündigung im Januar 2013, Auszahlung


Kündigungsfrist 12 Monate € 40.000
im
Auszahlung Auszahlung
Januar 2014
max. € 30.000 max. € 30.000

Neuanleger: Entnahmebeispiele für eine angenommene


Anlagesumme von 100.000 Euro
Erhaltefrist nach Kauf: 24 Monate
1. Januar – 1. Juli – 1. Januar – 1. Juli –
Beispiel 1 30. Juni 2013 31. Dezember 2013 30. Juni 2014 31. Dezember 2014

Auszahlung Auszahlung Auszahlung Auszahlung


max. € 30.000 max. € 30.000 max. € 300.00 max. € 30.000

Erhaltefrist nach Kauf: 24 Monate


1. Januar – 1. Juli – 1. Januar – 1. Juli –
Beispiel 2 30. Juni 2013 31. Dezember 2013 30. Juni 2014 31. Dezember 2014

Auszahlung Auszahlung Auszahlung Auszahlung


max. € 30.000 max. € 30.000 max. € 30.000 max. € 30.000

Kündigung im Januar 2014, Auszahlung


Kündigungsfrist 12 Monate € 40.000
im
Auszahlung Auszahlung
Januar 2015
max. € 30.000 max. € 30.000

Abbildung 54 (Quelle: BVI)

Allerdings setzte das KAGB einen wesentlichen Punkt wieder außer Kraft,
ohne entsprechende Praxiserfahrungen abzuwarten: Für ab dem 22. Juli 2013
erworbene Fondsanteile gibt es keine Freibeträge mehr. Für sie besteht
durch die Kündigungsregeln eine Mindesthaltedauer von zwei Jahren. Der
Freibetrag von 30.000 Euro pro Halbjahr hat aber weiterhin Bestand für
Anteile, die vor dem 22. Juli 2013 erworben wurden.
12 Investmentfonds und Finanzmarktkrise 248

12.4 Institutionelle Anleger und Finanzkrise

Das stärkste Standbein des Jahres 2008 war das Geschäft mit institutionel-
len Kunden. Die Zuflüsse in Spezialfonds in Höhe von 19,9 Mrd. Euro sind
erfreulich. Vergleichsweise gelassen haben Spezialfondsanleger auch im
Oktober reagiert. Sie gaben unter dem Strich Fondsanteile im Wert von
4,9 Mrd. Euro zurück, vor allem zur Liquiditätsbeschaffung.
Die stärksten Zuflüsse kamen 2008 von Versicherungen und Altersvorsor-
geeinrichtungen – es handelt sich bei Letzteren um die versicherungsförmi-
gen Durchführungswege in der betrieblichen Altersversorgung. Kreditinsti-
tute gaben netto Spezialfondsanteile zurück, bedingt durch den erhöhten
eigenen Liquiditätsbedarf.
Die größten Anleger in Spezialfonds mit einem Bestand von etwa 270 Mrd.
Euro sind weiterhin Versicherungsunternehmen, die nicht unbeträchtliche
Teile ihrer Kapitalanlagen von Investmentgesellschaften managen lassen.
Zweitgrößte Kundengruppe sind Kreditinstitute mit knapp 130 Mrd. Euro.
Es folgen sonstige Unternehmen, Altersvorsorgeeinrichtungen sowie Stif-
tungen und Vereine.
Die spezifische Stärke des deutschen Spezialfonds ist die Verbindung von
individueller Ausrichtung und hoher Effizienz. Viele Anbieter haben sich
in den vergangenen Jahren spezialisiert und Geschäftsprozesse auf den
Prüfstand gestellt, um sich im Wettbewerb zu behaupten. Ein bemerkens-
wertes Ergebnis ist deshalb, dass – trotz des Vermögenswachstums – die
Zahl der Wertpapier-Spezialfonds in den vorangegangenen drei Jahren um
rund 700 Fonds auf unter 3.900 Fonds abgenommen hat. Gleichzeitig wächst
die Bedeutung der so genannten segmentierten Spezialfonds. Ende 2008 ent-
fielen 55 % des gesamten Spezialfonds-Vermögens (jeweils ohne Immobi-
lien-Spezialfonds) auf segmentierte Spezialfonds.
Dazu ein Beispiel: Wenn bislang ein Anleger beispielsweise einen Aktien-
und einen Renten-Spezialfonds bei unterschiedlichen KVGs hatte, so führt
er diese beiden Spezialfonds bei einer KVG nun zusammen, die für Repor-
ting und Administration verantwortlich zeichnet. Der Anleger belässt aber
seinen Spezialfonds in zwei (oder mehreren) Segmenten, um dann die
Portfolioverantwortung z. B. weiter bei den vorherigen Managern zu
belassen.
12 Investmentfonds und Finanzmarktkrise 249

Gerade beim institutionellen Management zeigt sich ganz generell der


Trend, dass Portfoliomanagement und Administration verschiedenen Anbie-
tern zugewiesen sind. Gut 40 % des Spezialfondsvolumens liegt inzwi-
schen bei den Master-KVGs, die sich auf Administrationsaufgaben spezia-
lisieren.
Besonders dynamisch haben sich in der vergangenen Dekade die Immobi-
lien-Spezialfonds entwickelt. Von 1998 bis Ende 2008 hat sich deren
Fondsvermögen mehr als versiebenfacht. Die diversifizierte und gemanagte
Immobilienanlage hat bei vielen Institutionellen weiter großes Potenzial.

12.5 Sieben Gründe für Investmentfonds

Als Teil der Aufklärungsarbeit im Zusammenhang mit der Finanzmarkt-


krise hat der Investmentverband „Sieben gute Gründe, warum Investment-
fonds in jedes Depot gehören“, zusammengetragen, die die vor der Krise
zum Teil ausgeblendeten Aspekte gut zusammenfassen:
1. Einzigartige Konkurssicherheit
Investmentfonds haben den Vorteil, dass sie als so genanntes Sonderver-
mögen absolut konkurssicher sind. Selbst im theoretischen Fall einer Insol-
venz der Investmentgesellschaft oder der Depotbank geht das Fondsver-
mögen nicht in die Konkursmasse ein, sondern bleibt eigenständig erhalten.
Für andere Anlagen gilt: Wird der Emittent insolvent, geht der Anleger leer
aus oder er bekommt nur einen Teil seines eingesetzten Kapitals aus der
Konkursmasse zurück.
2. Weitreichender Anlegerschutz
Investmentfonds basieren auf eindeutigen rechtlichen Grundlagen und wer-
den durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)
überwacht. In Verbindung mit den Kontroll- und Überwachungsfunktionen
der Depotbank sowie den Halbjahres- und Jahresberichten der Fonds, die
von Wirtschaftsprüfern zu testieren sind, ist der Anlegerschutz auf höchst-
möglichem Niveau sichergestellt. Zudem ist bei keinem anderen Anlage-
produkt der Anbieter in vergleichbarer Form auf das Anlegerinteresse ver-
pflichtet.
12 Investmentfonds und Finanzmarktkrise 250

3. Umfassende Transparenz
Investmentgesellschaften geben den Anlegern in Berichten und monat-
lichen Übersichten ein umfassendes Bild über die Situation und die Wert-
entwicklung eines Fonds. Alles, was Fondsmanager für Investmentfonds
kaufen oder verkaufen, wird im Jahresbericht veröffentlicht. Dabei werden
alle Wertpapiere sowie weitere Informationen zu Branchen, Regionen und
Emittenten detailliert aufgeführt.
4. Klare Kostenstruktur
Die Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio/TER) gibt Aufschluss darü-
ber, welche Kosten bei einem Investmentfonds jährlich anfallen. Berück-
sichtigt werden alle Kosten, die in der Ertrags- und Aufwandsrechnung
detailliert aufgeführt werden. Die Gesamtkostenquote wird in allen nach
Abschluss des Geschäftsjahres veröffentlichten Verkaufsunterlagen und
Werbeinformationen ausgewiesen. Anders bei Zertifikaten: Durch die Auf-
legung und den Abverkauf kann der Emittent Einnahmen erzielen, die für
den Normalanleger nicht als Kosten erkennbar sind.
5. Verteiltes Risiko
Nur wer das Anlageprodukt versteht, kann auch die Risiken und Chancen
selbst richtig einschätzen. Bei Investmentfonds ist die breite Risikostreu-
ung auf eine Vielzahl von Emittenten, Wertpapieren oder Immobilien gesetz-
lich geregelt. Um Funktionsweise, Anlageziele und -risiken von Invest-
mentfonds zu verstehen, muss man kein Finanzwissenschaftler sein. Diese
Verständlichkeit ist im Normalfall bei Zertifikaten nicht gegeben.
6. Faire Preisermittlung
Ausgabe- und Rücknahmepreise von Investmentfonds werden nach objek-
tiven und nachprüfbaren Berechnungen ermittelt. Der Rücknahmepreis eines
Investmentfonds resultiert aus dem Inventarwert des Fondsvermögens.
Anzahl und Umfang der täglichen Ausgaben und Rücknahmen von Antei-
len haben hingegen keinen Einfluss auf die Anteilpreise. Bei Zertifikaten
fehlt es häufig an klaren Vorgaben für die Preisbildung. In der Regel
bestimmt der Emittent die Geld- und Briefkurse allein.
7. Hohe Vergleichbarkeit
Für Investmentfonds gibt es zahlreiche Wertentwicklungsvergleiche sowie
Ratings und Rankings mit teilweise mehrere Jahrzehnte zurückreichender
Historie. Auch die Absatzzahlen und Volumina der Fonds werden von der
12 Investmentfonds und Finanzmarktkrise 251

Investmentbranche monatlich bekannt gegeben. Damit kann sich der Anle-


ger jederzeit über die Angebote informieren und Vergleiche anstellen.
Das Fazit des BVI
Der hohe Anlegerschutz und die Transparenz von Fondsprodukten erstre-
cken sich von der Preisberechnung über die Dividenden, die den Fonds und
damit den Anlegern ausnahmslos zufließen, bis zur Überwachung und
Beaufsichtigung der Fondsmanager durch neutrale Stellen wie Wirtschafts-
prüfer und Aufsichtsamt. Ausgabe- und Rücknahmepreis werden objektiv
nachprüfbar ermittelt. Damit sind Investmentfonds in der Summe ihrer
Eigenschaften das überlegene Instrument und insbesondere für den lang-
fristig ausgerichteten Anleger unverzichtbar.

12.6 Beratungsprotokoll, Produktinformationsblatt und KID

Mit dem „Gesetz zur Neuregelung der Rechtsverhältnisse bei Schuldver-


schreibungen aus Gesamtemissionen und zur verbesserten Durchsetzbar-
keit von Ansprüchen von Anlegern aus Falschberatung“ vom 3. Juli 2009
wurde ein verpflichtendes Beratungsprotokoll (seit 2010) eingeführt. Dem-
nach müssen nach § 34 Abs. 2a Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) Wert-
papierdienstleistungsunternehmen über jede Anlageberatung bei einem
Privatkunden ein schriftliches Protokoll anfertigen. Das Protokoll muss vom
Anlageberater unterzeichnet und dem Kunden ausgehändigt werden. Die
Protokollpflicht erstreckt sich nur auf Geschäfte mit Wertpapieren, nicht
auf die Vermittlung anderer Anlageformen wie Tagesgeld oder Festgeld
und ebenso wenig auf den Verkauf geschlossener Beteiligungen. Bei Invest-
mentfonds, die von Vermittlern ohne Beratung vermittelt werden (execu-
tion only) findet sie ebenso keine Anwendung.
Nach § 14 Abs. 6 Wertpapierdienstleistungs-Verhaltens- und Organisations-
verordnung (WpDVerOV) muss das Beratungsprotokoll vollständige Anga-
ben über folgende Punkte enthalten:
• den Anlass der Anlageberatung,
• die Dauer des Beratungsgespräches,
• die für die Beratung maßgeblichen Informationen über die persönliche
Situation des Kunden,
• Informationen über die Finanzinstrumente und Dienstleistungen, die
Gegenstand der Beratung sind,
12 Investmentfonds und Finanzmarktkrise 252

• die wesentlichen Anliegen des Kunden und deren Gewichtung,


• die im Gespräch erteilten Empfehlungen und die wesentlichen Gründe
für diese Empfehlungen.

Das Gesetz zur „Stärkung des Anlegerschutzes und Verbesserung der


Funktionsfähigkeit des Kapitalmarktes“ (AnSFuG) verlangt seit dem
1. Juli 2011 ein Dokument, in dem die wesentlichen Informationen, Chan-
cen und Risiken über ein Finanzinstrument in „übersichtlicher und leicht
verständlicher Weise“ dargestellt werden. Das Produktinformationsblatt (in
der Presse auch „Beipackzettel“ genannt) soll den Verbrauchern ermögli-
chen, die wesentlichen Eigenschaften des Finanzprodukts schnell zu erfas-
sen und verschiedene Anlageprodukte miteinander leichter zu vergleichen.
Für Investmentfonds gibt es bereits eine entsprechende europäische Rege-
lung, wonach zu Fonds die „Wesentlichen Anlegerinformationen“ nach
vorgegebenen Kriterien darzustellen sind. Dieses „Key-Investor-Informa-
tion-Document“ (KIID oder auch KID) ersetzt den vereinfachten Verkaufs-
prospekt. Alle deutschen Publikumsfonds mit Ausnahme von Offenen
Immobilienfonds und Hedgefonds müssen in ihren Wesentlichen Anleger-
informationen einen sog. synthetischen Risikoindikator (SRRI) angeben.
Der SRRI leitet sich im Regelfall aus der Volatilität des Anteilpreises in
den letzten fünf Jahren ab. Er ist in einem Balken mit Zahlen von 1 bis 7
darzustellen. Je höher die Zahl, desto höher die historische Volatilität des
Anteilpreises.
Der SRRI ist von der Kapitalverwaltungsgesellschaft kontinuierlich zu
überwachen, der historische Betrachtungszeitraum ist rollierend mindestens
monatlich zu aktualisieren. Falls sich dabei eine Änderung des SRRI
ergibt, müssen die Wesentlichen Anlegerinformationen angepasst werden.
Kritisch zu sehen ist die Vorgabe zur Berechnung des Risikoindikators.
Neben methodischen Bedenken wird in der Wahrnehmung der Öffentlich-
keit die Zahl oftmals auf eine „Risikokennziffer“ reduziert, ohne dabei den
notwendigen Zusammenhang mit der höheren Renditechance zu sehen.
Glossar

Abgeltungsteuer (flate rate withholding tax)


Steuer auf sämtliche Einkünfte aus Kapitalvermögen (auch auf aus Invest-
mentfonds ausgeschüttete Zinsen, Dividenden und Stillhalterprämien sowie
auf Gewinne aus dem Verkauf von Fondsanteilen), die regelmäßig bereits
durch eine depotführende inländische Bank oder Kapitalanlagegesell-
schaft erhoben wird. Die Abgeltungsteuer wird auf alle Kapitalerträge
oberhalb des → Sparerpauschbetrags von 801,– Euro für Alleinstehende
und 1.602,– Euro für zusammen veranlagte Ehepaare erhoben.
Einkünfte aus Kapitalvermögen müssen regelmäßig nicht mehr in der Ein-
kommensteuererklärung angegeben werden, weil der Steuerabzug Abgel-
tungswirkung (Abgeltungsteuer) hat.

AIF
Siehe → Alternative Investmentfonds.

Aktie (equity)
Wertpapier, in dem das Anteilsrecht an einer Aktiengesellschaft (AG) ver-
brieft ist. Der Inhaber einer Aktie (Aktionär) ist Miteigentümer an den Ver-
mögenswerten des Unternehmens und am Gewinn (Dividende) beteiligt,
aber auch an Kursrückschlägen. Langfristig gesehen übertrifft die Rendite
von Aktien im Durchschnitt erfahrungsgemäß die anderer Vermögensanla-
gen.

Aktienfonds (equity fund)


→ Investmentfonds, der überwiegend in Aktien anlegt. Aktienfonds sind
für Sparer mit dem primären Ziel Wertsteigerung interessant. Sie tragen
zwar ein etwas größeres Risiko, haben dafür aber auch größere Chancen
auf Wertsteigerungen. Aufgrund der breiten Anlagestreuung eines Aktien-
fonds ist die Fondsanlage weniger risikoreich als eine Direktanlage.
Außerdem kann der Anleger seinen Aufwand an Fachwissen, Zeit und ent-
sprechendem Vermögen im Vergleich zur Direktanlage geringer halten.
Bei Aktienfonds kann man eine Reihe von verschiedenen Anlageschwer-
punkten unterscheiden, so zum Beispiel Fonds, die nur Aktien einer
bestimmten Branche, eines bestimmten Landes, bestimmter Regionen
oder Aktien eines bestimmten → Indexes erwerben.

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019
W. Raab (Hrsg.), Grundlagen des Investmentfondsgeschäftes, Edition
Frankfurt School, https://doi.org/10.1007/978-3-658-24155-1
Glossar 254

Aktiengesellschaft (AG) (incorporated – inc. [US]/


public limited company – plc [UK])
Kapitalgesellschaft, deren Gesellschafter über (den Kauf von) Aktien am
Grundkapital beteiligt sind. Für Verbindlichkeiten des Unternehmens haf-
ten die Gesellschafter bis zur Höhe ihrer Beteiligung. Mit seinem Stimm-
recht in der Hauptversammlung der AG hat der Aktionär die Möglichkeit,
auf Unternehmensentscheidungen in begrenztem Umfang einzuwirken.
Auf Hauptversammlungen wird u.a. über die Mitgliedschaft im Aufsichts-
rat, die Verwendung des Bilanzgewinns und die Entlastung von Vorstand
und Aufsichtsrat entschieden.

Aktienkurs (share/stock price)


Preis einer Aktie, der sich nach Angebot und Nachfrage richtet und sich
dementsprechend börsentäglich ändern kann. Angebot und Nachfrage wer-
den durch die gesamtwirtschaftliche Situation beeinflusst, die Branchen-
perspektive, die Gewinn- und Zukunftsaussichten der Aktiengesellschaft,
aber auch durch Währungsschwankungen u.v.m.

Alternative Investmentfonds (AIF) (alternative investment funds)


Das → KAGB definiert AIFs als alle Investmentvermögen, die keine
→ OGAW sind. Erfasst sind damit insbesondere die bereits im alten →
InvG geregelten → Spezialfonds und offenen Immobilienfonds sowie die
seit 2013 erstmals geregelten → geschlossenen Fonds.

Altersvorsorge-Sondervermögen (AS-Fonds)
(pension investment fund)
→ Investmentfonds, die sich besonders zur Altersvorsorge eignen. AS-
Fonds zielen auf überdurchschnittliche Wertsteigerung bei vertretbarem
Risiko und legen die Gelder der Investmentsparer überwiegend in Aktien
und → offenen Immobilienfonds an. Sie bieten Sparpläne über eine Lauf-
zeit von mindestens 18 Jahren oder bis zum 60. Lebensjahr an sowie Aus-
zahlpläne, mit denen der Anleger sich quasi eine „zweite Rente“ schafft.
Im → KAGB finden sich keine speziellen Regeln mehr für AS-Fonds,
bereits aufgelegte Fonds bestehen aber weiter.

Anlage KAP (tax form KAP)


In der Anlage KAP werden im Rahmen der Steuererklärung die Einkünfte
aus Kapitalvermögen, also auch aus Investmentfonds, aufgeführt.
Glossar 255

Anlageberater (investment advisor/consultant)


Personen, die Anlegern gewerbsmäßig Empfehlungen zum Kauf, zum Halten
oder zum Verkauf bestimmter Kapitalanlagen geben.

Anlagegrundsätze (investment policy)


Siehe → Anlagepolitik.

Anlagekonto (assets account)


Konto, das ausschließlich für den Erwerb und die Verwahrung von → Fonds-
anteilen bestimmt ist und dem Anleger ermöglicht, durch Einzahlungen in
beliebiger Höhe und in beliebigen Zeitabständen Investmentanteile zu erwer-
ben. Merkmale: stückweise Kontoführung, Gutschrift auch von Anteils-
bruchteilen, kostenlose oder kostengünstige Wiederanlage der Gesamt-
ausschüttung.

Anlagepolitik (investment policy)


Die Anlagepolitik bestimmt die Details der Anlage – entsprechend den
Anlagezielen (hohe Ausschüttungen, hohe Kurschancen etc.) und dem
Fondstyp (→ Aktien-, → Rentenfonds u.a.). Sie umfasst u.a.
• die Auswahl der Wertpapiere (nach Wertpapierarten, Ländern, Bran-
chen)
• die Festlegung der Kauf- und Verkaufszeitpunkte
• die Bestimmung des Anteils einzelner Wertpapiere am Fondsvermögen
• die Bestimmung der liquiden Mittel.

Anlegerschutz (protection of investor)


Grundgedanke des → Kapitalanlagegesetzbuchs (KAGB), um den Anle-
ger vor Vermögensverlusten oder nicht kalkulierbaren Risiken so weit wie
möglich zu schützen.

Anteil (Fondsanteil) (unit)


Kleinster Teil des → Fondsvermögens, über den ein → Anteilschein aus-
gestellt ist. Zum Wert des Anteils siehe → Anteilwert.
Glossar 256

Anteilschein (unit)
Wertpapier, in dem die Ansprüche des Anteilinhabers gegenüber der Kapi-
talverwaltungsgesellschaft verbrieft sind. Die Anteilscheine lauten über
einen oder mehrere Anteile.
Für alle Wertpapierarten gilt heute, dass eine Verbriefung in „effektiven
Stücken“ nur noch in seltenen Ausnahmefällen stattfindet. Die Handha-
bung von effektiven Stücken ist sehr kostenintensiv. Daher werden Wert-
papieremissionen üblicherweise in sogenannten Globalurkunden verbrieft.
Eine Globalurkunde verbrieft sämtliche Wertpapiere einer Emission und
wird zentral hinterlegt. Die einzelnen Wertpapiere können nur noch elek-
tronisch von einem Depot zum anderen verschoben werden. Den korrekten
und sicheren Ablauf der Wertpapiertransaktionen regelt das Depotgesetz.

Anteilwert (value of a unit)


Der Wert eines → Anteils errechnet sich aus dem Wert des → Fondsver-
mögens dividiert durch die Gesamtzahl der ausgegebenen Anteile. Er ist
unter anderem abhängig vom Börsenkurs der zum Fondsvermögen gehö-
renden Wertpapiere. Der Anteilwert wird börsentäglich veröffentlicht, er
entspricht dem Preis, den der Anleger bei Rücknahme seiner Anteile erhal-
ten würde (Rücknahmepreis). Anteilwert plus → Ausgabeaufschlag erge-
ben den Ausgabepreis, der ebenfalls börsentäglich veröffentlicht wird.
Eine KAG kann auch Rücknahmeabschläge vorsehen. Diese beeinflussen
den veröffentlichten Rücknahmepreis jedoch nicht.

Arbeitnehmer-Sparzulage (state premium on employees savings)


Jeder Arbeitnehmer kann unabhängig von der Höhe seines Einkommens
vermögenswirksam anlegen (siehe → Vermögenswirksame Leistungen,
auch VL abgekürzt). Beträgt das zu versteuernde Einkommen maximal
20.000 Euro bei Ledigen bzw. 40.000 Euro bei zusammenveranlagten
Ehegatten, so erhält der Anleger in der Regel für vermögenswirksame Leis-
tungen eine Arbeitnehmer-Sparzulage. Die Arbeitnehmer-Sparzulage auf
vermögenswirksame Leistungen (VL) ist im Rahmen der Steuererklärung
zu beantragen. Die → Investmentgesellschaften erstellen ihren VL-Anle-
gern eine Bescheinigung über die eingezahlten vermögenswirksamen Bei-
träge, die der Erklärung beizufügen ist. Die festgesetzten Zulagen werden
komplett mit Ablauf der Sperrfrist an die Investmentgesellschaft oder das
Kreditinstitut, das die VL-Konten führt, überwiesen.
Glossar 257

AS-Fonds (pension investment fund)


Kurzfassung für → Altersvorsorge-Sondervermögen.

Ausgabeaufschlag (front end load)


Gebühr, die für den Anleger beim Kauf von → Fondsanteilen anfällt und
zur Deckung der Beratungs- und Vertriebskosten dient.

Ausländische Quellensteuer (foreign withholding tax)


In verschiedenen Ländern unterliegen die Erträge von Wertpapieren einer
→ Quellensteuer. Investmentfonds, die solche Papiere in ihrem Porte-
feuille halten, erhalten die Erträge um diese Quellensteuer gemindert. Der
Fonds kann die im jeweiligen Ausschüttungsland einbehaltene Quellen-
steuer nicht anrechnen. Die ausländische Quellensteuer wird in der Erträg-
nisaufstellung bzw. Steuerbescheinigung ausgewiesen. Die Anleger kön-
nen sich damit im Rahmen ihrer Steuerveranlagung die auf die → auslän-
dischen Bruttoerträge einbehaltene Quellensteuer wahlweise anrechnen
bzw. bei der Ermittlung des Gesamtbetrags ihrer Einkünfte als Werbungs-
kosten auf Wunsch abziehen lassen. Eine Erstattung aufgrund eines →
Freistellungsauftrages oder einer Nichtveranlagungs-Bescheinigung ist
nicht möglich.

Ausländischer Bruttoertrag (foreign gross yield)


Ausländische Bruttoerträge sind Erträge, die → Investmentfonds aus aus-
ländischen Anlagen beziehen. Diese unterliegen – sofern sie nicht von
inländischen Steuern freigestellt sind – ebenfalls der Besteuerung.
Wurde auf diese Erträge bereits eine → ausländische Quellensteuer einbe-
halten, kann diese bei deutschen Fonds auf Antrag wahlweise auf die Ein-
kommensteuer angerechnet werden bzw. bei Ermittlung der Gesamtein-
künfte als Werbungskosten abgezogen werden.

Ausschüttung (distribution)
Meist werden bei Fonds die ordentlichen und ggf. außerordentlichen
Erträge einmal jährlich vom Fondsverwalter an den Anleger in Form einer
Ausschüttung weitergegeben. Ordentliche Erträge setzen sich je nach Fonds
aus Dividenden, Zinsen oder Mieten zusammen, außerordentliche Erträge
enthalten Gewinne aus der Veräußerung von Wertpapieren oder Grund-
stücken. Genau wie bei Aktien bewirkt eine Ausschüttung einen Rückgang
Glossar 258

des Fondspreises. Und zwar wird am Tag der Ausschüttung (Ex-Tag) der
Ausschüttungsbetrag dem → Fondsvermögen entnommen, wodurch sich
bei einer gleich bleibenden Anzahl von Anteilen ein niedrigerer → Fonds-
preis errechnet. Handelt es sich dagegen um einen → thesaurierenden
Fonds, dann werden die Erträge nicht direkt an den Anleger ausgeschüttet.
In diesem Fall werden die Erträge automatisch in den Fonds des Anlegers
neu investiert. Die Ausschüttung eines → Investmentfonds setzt sich aus
einem zinsabschlagsteuerpflichtigen Anteil und sonstigen Erträgen zusam-
men.

Auszahlplan (redemption plan)


Auch Entnahmeplan genannt. Bei einem Auszahlplan erhält der Anleger
aus seinem Investmentvermögen regelmäßige Zahlungen. Der auszuzah-
lende Betrag wird durch Verkauf der entsprechenden Anzahl von Anteilen
finanziert. Die Anleger lassen sich entweder ihr Kapital plus Erträge über
einen festgesetzten Zeitraum auszahlen (Auszahlplan mit Kapitalverzehr)
oder sie entnehmen ausschließlich die Kapitalerträge auf unbegrenzte Zeit
(Auszahlplan mit Kapitalerhalt). Auszahlpläne sind besonders als zusätz-
liche Altersversorgung geeignet. Zuzahlungen, zusätzliche Auszahlungen
oder die Auflösung des Investmentdepots sind jederzeit möglich.

BaFin (German supervisory authority)


Siehe → Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), früher
BAKred.

Baisse (bear market)


Anhaltendes Fallen der Wertpapierkurse.

Börse (stock exchange)


Handelsplatz für Waren und Wertpapiere. In Deutschland gibt es Börsen in
Berlin, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Hamburg, Hannover, Mün-
chen und Stuttgart.

Börsengehandelte Indexfonds (exchange traded funds)


Siehe → Exchange Traded Funds (ETF).
Glossar 259

Branchenfonds (special branches fund)


Wertpapierfonds, der nur in Wertpapiere einer bestimmten Industriebran-
che investiert.

Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)


(German supervisory authority)
Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (früher „BAK“ oder „BAKred“
abgekürzt) wurde mit dem Bundesaufsichtsamt für das Versicherungs-
wesen („BAV“) und dem Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel
(BAWe) in die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)
verschmolzen.
Die BaFin vereint die Geschäftsbereiche des BAKred (jetzt: Sektor Ban-
kenaufsicht), des BAV (jetzt: Sektor Versicherungsaufsicht) sowie des
BAWe (jetzt: Sektor Wertpapieraufsicht/Asset Management) in sich und
führt diese weiter. Banken- und Versicherungsaufsicht haben ihren Sitz in
Bonn, der Wertpapierhandel in Frankfurt.
→ Investmentgesellschaften unterlagen der Aufsicht des BAKred.
Nach der Fusion der Aufsichtsbehörden wurden sie jedoch dem Sektor
Wertpapieraufsicht/Asset-Management, also dem früheren BAWe zuge-
ordnet. Die BaFin erteilt den Kreditinstituten und den KVGs die Erlaubnis
zum Geschäftsbetrieb. Sie hat u.a. darüber zu wachen, dass die KVGs die
Vorschriften des → KAGB einhalten.

BVI Bundesverband Investment und Asset Management e.V.


(German Investment Association)
Gegründet am 25. März 1970 in Frankfurt. Im BVI sind nahezu alle deut-
schen Investmentgesellschaften zusammengeschlossen. Seit 2001 wurde
der potenzielle Mitgliederkreis des BVI u.a. um deutsche Vermögensver-
waltungs-Gesellschaften erweitert.
Die Hauptziele des BVI sind: Die Forderung des Investmentgedankens
und die Wahrung der gemeinsamen Belange seiner Mitglieder. Dazu veröf-
fentlicht der BVI zahlreiche (Grundlagen-)Informationen und Statistiken,
allen voran die Wertentwicklungsstatistiken für Einmalanlage und für die
regelmäßige Anlage (Sparplan). Die Informationen sind im Internet unter
www.bvi.de zu finden.
Glossar 260

BVI-Methode (BVI-method)
Siehe → Wertentwicklung.

Compliance
Der Begriff bezeichnet das Einhalten von Gesetzen und Richtlinien in
Unternehmen, insbesondere die zum Insiderhandel und zur Geldwäsche.

Cost-Average-Effect
Auch Durchschnittskosten-Methode. Bei einer gleich bleibenden Sparrate
werden, je nach Entwicklung des → Fondspreises, bei höheren Kursen
weniger und bei niedrigeren Kursen mehr Anteile erworben.

Dachfonds (Investmentfondsanteil-Sondervermögen, fund of funds)


→ Wertpapierfonds, dessen → Fondsvermögen wiederum in andere →
Fonds investiert wird. Die Auswahl der entsprechenden Fonds trifft das
Fondsmanagement.

Defined Benefit
Beim traditionellen System der betrieblichen Altersvorsorge sagt das Unter-
nehmen seinen Mitarbeitern eine bestimmte Leistung (defined benefit) im
Rentenalter zu. Zur Finanzierung werden überwiegend Pensionsrückstel-
lungen gebildet. Weitere Durchführungswege sind Pensions- und Unter-
stützungskassen sowie die Direktversicherung. Das Risiko der ausreichen-
den Finanzierung trägt grundsätzlich der Arbeitgeber, Alternative: defined
contribution.

Defined Contribution
Bei dem Altersvorsorgemodell „defined contribution“ ist nur die jeweilige
Zahlung (contribution) des Unternehmens für den Arbeitnehmer in der
Ansparphase festgelegt. In diesem Fall entfällt für den Arbeitgeber das
wirtschaftliche Risiko einer festen Pensionszusage (→ Defined Benefit).
Glossar 261

Depot (deposit)
Sammelstelle für Wertpapiere, auch für Investmentanteile. Es ist zu unter-
scheiden zwischen einem
a) Wertpapierdepot bei einem Kreditinstitut, das nicht nur sichere Auf-
bewahrung garantiert, sondern dem Anleger auch die Verwaltung
seiner Anteile abnimmt, so die Einziehung, Abrechnung und Gut-
schrift der Erträge und einem
b) Depot in Form eines → Investmentkontos bei einer → Investment-
gesellschaft.

Depotbank (depository bank)


Der Begriff Depotbank wurde im → KAGB durch → Verwahrstelle
ersetzt.

Depotbankgebühr (depository bank fee)


Siehe → Verwahrstelle.

EFAMA
European Fund and Asset Management Association, Europäische Invest-
mentvereinigung, Dachverband der europäischen Investment-Verbände mit
Sitz in Brüssel.

Einkommensteuer (income tax)


Dem Anleger deutscher → Investmentfonds fließen die Erträge der Fonds,
bestehend aus Dividenden, Zinsen, Bezugsrechtserlösen, Gewinnen aus
kurz laufenden Termingeschäften und/oder Mieteinnahmen etc. jährlich in
Form der → Ausschüttung/ → Thesaurierung zu. Die Erträge sind – unab-
hängig davon, ob sie vereinnahmt oder thesauriert werden – entsprechend
dem persönlichen Einkommensteuersatz beim privaten Anleger als „Ein-
künfte aus Kapitalvermögen“ zu versteuern. Allerdings ist nicht die
gesamte Ausschüttung zu versteuern. Gewinne aus der Veräußerung von
Wertpapieren – unabhängig von der Besitzdauer im Fonds – sowie
Bezugsrechtserlöse, die vom Fonds ausgeschüttet werden, sind steuerfrei.
Glossar 262

Einmalanlage (single investment)


Die einmalige Einzahlung eines größeren Betrages für den Kauf von
Investmentanteilen. Die Herausforderung und zugleich die Hauptschwie-
rigkeit bei der Einmalanlage liegt darin, einen günstigen Anlagezeitpunkt
zu wählen, denn davon hängt der Anlageerfolg stärker ab als beim konti-
nuierlichen → Investmentsparen. Bei → Aktienfonds ist ein günstiger
Anlagezeitpunkt gegeben, wenn die Kurse niedrig sind. In → Rentenfonds
sollte man idealerweise investieren, wenn die Zinsen am Kapitalmarkt
hoch und die Kurse der festverzinslichen Wertpapiere niedrig sind.

Entnahmeplan (redemption plan)


Siehe → Auszahlplan.

Ertrag (profit/revenue/yield)
Ist abhängig von den im → Fonds befindlichen Vermögensgegenständen.
Zur Ausschüttung können die im Laufe eines Geschäftsjahres dem Fonds
zugeflossenen ordentlichen und außerordentlichen Erträge gelangen. Außer-
ordentliche Erträge entstehen aus Veräußerungsgewinnen. Der Teil der
→ Ausschüttung, der aus außerordentlichen Erträgen besteht, kann steuer-
frei vereinnahmt werden. Ordentliche Erträge sind steuerpflichtige Zuflüsse
aus Zins-, Dividenden-, Mieteinnahmen sowie Gewinne aus kurz laufen-
den Termingeschäften einschließlich der anrechenbaren Steuern.

Exchange Traded Funds (ETF)


Spezielle Fonds, die die Anleger zusätzlich auch fortlaufend über die
Börse kaufen oder verkaufen können. Bei diesem Erwerb über die Börse
entfällt dann der Ausgabeaufschlag. Dafür fallen zum einen Transaktions-
gebühren für den Broker oder die Bank und zum anderem für jede Trans-
aktion ein sogenannter Spread (Differenz zwischen An- und Verkaufskurs)
an.
Daneben können diese Fonds, wie alle anderen offenen Investmentfonds
auch, börsentäglich über die Gesellschaft gehandelt werden. Die Mehrzahl
der ETFs sind → Indexfonds. Sie bilden sowohl Aktien- als auch Ren-
tenindizes mit minimalem → Tracking Error ab.
Glossar 263

FCP
Französische Abkürzung für „Fonds Commun de Placement“, d.h. Gemein-
samer Anlage-Fonds. Damit ist ein Fonds des Vertragstypus gemeint, der
dem deutschen → Sondervermögen entspricht und das Gegenstück der
→ SICAV darstellt. FCPs gibt es zum Beispiel in Frankreich, Belgien und
Luxemburg.

Fondsanteil (unit of a fund)


Siehe → Anteil.

Fondsarten (types of fund)


Fondsarten können zum Beispiel unterschieden werden nach
a) der Art der Ertragsverwaltung:
− → Thesaurierende Fonds und
− Ausschüttende Fonds
b) der Art der Anlagewerte:
− → Wertpapierfonds,
− → Geldmarktfonds,
− → AS-Fonds und
− → Offene Immobilienfonds
c) der Zielgruppe
− → Publikumsfonds (sind für jedermann zugänglich).
− → Spezialfonds (haben einen begrenzten Kreis von (semi)profes-
sionellen Anlegern. Es handelt sich etwa um Versicherungen,
Altersvorsorgeinstitutionen oder Industrieunternehmen, die Teile
ihrer Gelder extern verwalten lassen).

Fondsgesellschaft (investment company)


Siehe → Investmentgesellschaft.

Fondsmanagement (fund management)


Das Fondsmanagement trifft die Anlageentscheidung für das Sonder-
vermögen eines Fonds. Dabei müssen die gesetzlichen Anlagegrenzen des
Glossar 264

→ KAGB und die vertraglichen Restriktionen eingehalten werden. Das


Fondsmanagement beobachtet und analysiert die Finanzmärkte und legt
das Geld der Kunden entsprechend der → Anlagepolitik und der jewei-
ligen Marktsituation so an, dass sich die Anlagen im → Fondsvermögen
hinsichtlich Ertragschancen und möglicher Risiken ergänzen und der
Anleger von guten Erträgen bei möglichst hoher Sicherheit profitiert.

Fondspreis (unit price)


Siehe → Anteilwert.

Fondsvermögen (fund assets)


Die Gesamtheit der Vermögenswerte des Fonds.

Freistellungsauftrag (instruction not to withhold taxes/


exemption order for capital gains)
Um den → Sparerfreibetrag unverzüglich und nicht erst im Rahmen der
Einkommensteuererklärung auszuschöpfen, kann jeder Anleger gegenüber
seiner → Investmentgesellschaft, Bank oder Sparkasse einen Freistellungs-
auftrag erteilen. Bei rechtzeitiger Vorlage werden bei Depotverwahrung
der → Anteilscheine die steuerpflichtigen Teile der Ausschüttungen des
Fonds bis zur Höhe des Freistellungsauftrags ohne Abzug ausgezahlt bzw.
bei thesaurierenden Fonds die Kapitalertragsteuer den Anlegern erstattet.
Bei Eigenverwahrung der Anteile ist eine Berücksichtigung der einbehal-
tenen Kapitalertragsteuer nur im Rahmen der Einkommensteuererklärung
möglich.

Garantiefonds (guaranteed fund)


Investmentfonds, für die eine bestimmte Garantie gegeben wird. Dabei
kann es sich um reinen Kapitalerhalt („money back“) oder um die Garantie
eines Mindest-Rücknahmepreises am Ende der Fonds-Laufzeit handeln.

Geldmarktfonds (money market fund)


Geldmarktfonds investieren zu 100% in Geldmarktinstrumente (z.B. Fest-
gelder, kurz laufende, festverzinsliche Wertpapiere). Geldmarktfonds eignen
sich besonders zur kurzfristigen Anlage und unterliegen kaum Kursschwan-
kungen.
Glossar 265

Gemischte Fonds (balanced fund)


Gemischte Fonds können sowohl in Aktien als auch in Rentenpapiere
investieren, sie kombinieren Wachstumschancen der Aktienengagements
mit Renditen aus festverzinslichen Wertpapieren. Dies gibt dem Fonds-
manager einen größeren Anlagespielraum. Bei stagnierenden oder fallen-
den Aktienkursen kann er zu festverzinslichen Wertpapieren wechseln, bei
positiver Tendenz am Aktienmarkt kann er den Schwerpunkt wieder auf
die Aktienanlage verlagern.

Geschlossene Fonds (closed-end fund)


Das → KAGB definiert geschlossene Fonds als alle → AIF, die keine
offenen sind. Sie investieren in Sachwerte. Neben Immobilienfonds han-
delt es sich dabei auch um Schiffsfonds, Flugzeugfonds und Fonds, die in
Anlagen zur Erzeugung von Strom, Gas oder Wärme aus erneuerbaren
Energien investieren.

Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften


(Spekulationsbesteuerung) (taxation of speculation gains)
Seit Einführung der → Abgeltungsteuer sind Gewinne aus privaten Veräu-
ßerungsgeschäften grundsätzlich steuerpflichtig. Für vor dem 1. Januar 2009
erworbene Wertpapiere gilt:
Da der Zeitraum zwischen Erwerb und Verkauf von Investmentanteilen im
Privatvermögen mehr als 12 Monate beträgt, ist ein Gewinn aus dem Ver-
kauf als Gewinn aus einem privaten Veräußerungsgeschäft steuerfrei.
Der Gewinn errechnet sich bei Investmentfonds wie folgt: Rücknahmepreis
abzüglich Kaufpreis (inkl. Ausgabeaufschlag) abzüglich steuerpflichtigem
Zwischengewinn.
Spekulationsverluste können nur mit Spekulationsgewinnen verrechnet
werden. Eine Verrechnung mit anderen positiven Einkünften (z.B. aus
nichtselbstständiger Arbeit) ist nicht möglich.

Hausse (bull market)


Länger anhaltendes Steigen der Börsenkurse.
Glossar 266

Hedgefonds (hedge funds)


Der Begriff Hedgefonds ist entstanden, weil diese Investmentfonds
Absicherungsinstrumente, engl. „hedging instruments“, einsetzen. Hedge-
fonds benutzten Derivate nicht unbedingt zur Absicherung gegen Markt-
risiken, sondern aus spekulativen Gründen. Hedgefonds können Leerver-
käufe tätigen und über Leverage den Investitionsgrad des Investmentver-
mögens z.B. durch Kreditaufnahme in beträchtlichem Umfang erhöhen.

Index (index)
Errechneter Durchschnitt ausgewählter Kurse eines Wertpapiermarktes.
Am deutschen Aktienmarkt spiegelt der Deutsche-Aktien-Index (DAX)
die Kursentwicklung der 30 umsatzstärksten/meistgehandelten deutschen
Aktientitel wider, weshalb er hierzulande das bekannteste Marktbarometer
ist.
Ein Index soll die Entwicklung eines ganzen Marktsegments auf einen
Blick nachvollziehbar machen. Ohne DAX müssten die Anleger mehrere
Dutzend Aktienkurse beobachten, um feststellen zu können, in welcher
Richtung sich der Aktienmarkt in Deutschland bewegt.
Die bekanntesten internationalen Aktien-Indizes sind: Dow Jones, Euro-
Stoxx, CAC40, FTSE, S&P.
Rentenindizes sind z.B.: REX, REX-P, MSCI. Darüber hinaus gibt es Bran-
chen-Indizes wie z.B. den Pharma-Stoxx.
Bei den Aktien-Indizes gibt es zum einen „Kurs-Indizes“ und zum anderen
„Performance-Indizes“. Bei einem Performance-Index werden Dividenden
wieder angelegt, d.h. er erhöht die Anzahl der entsprechenden Aktien um
den Wert der ausgeschütteten Dividenden. Langfristig steigt der Perfor-
mance-Index also stärker als der Kurs-Index, der Dividendenzahlungen
nicht berücksichtigt. Bekannte Kurs-Indizes sind der Dow-Jones-Index
und der F.A.Z.-Index, der DAX ist ein Performance-Index.

Indexfonds (index fund)


→ Fonds, die die Zusammensetzung eines bestimmten → Indexes voll-
ständig nachbilden oder in hoher Übereinstimmung mit der Index-Zusam-
mensetzung danach streben, dass die Wertentwicklung des Anteilpreises
mit der Wertentwicklung des Indexes möglichst identisch ist. Meist wer-
den diese Fonds als → Exchange-Traded-Funds auch an der Börse gehan-
delt.
Glossar 267

Investmentanteil (unit of a fund)


Siehe → Anteilschein.

Investmentfonds (investment fund/mutual fund [US]/


unit trust [UK])
Als Begriffsdefinition nach deutschem Recht „Sondervermögen“. Das
→ Sondervermögen wird von einer → Kapitalverwaltungsgesellschaft
verwaltet und von einer von ihr unabhängigen → Verwahrstelle verwahrt.
Der Begriff Sondervermögen besagt, dass es streng getrennt vom eigenen
Vermögen der Investmentgesellschaft zu halten ist. Das mit einem einzel-
nen Wertpapier verbundene Risiko wird dadurch vermindert, dass viele
verschiedene Wertpapiere gekauft werden.

Investmentgesellschaft (auch Kapitalverwaltungsgesellschaft/KVG)


(investment company)
Investmentgesellschaften/Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVG) sind
Unternehmen, deren Geschäftsbereich darauf ausgerichtet ist, bei ihnen
eingelegtes Geld im eigenen Namen für gemeinschaftliche Rechnung der
Einleger nach dem Grundsatz der Risikomischung in Wertpapiere oder
Grundstücke gesondert von dem eigenen Vermögen anzulegen und über
die hieraus sich ergebenden Rechte der Einleger (Anteilinhaber) Urkunden
(Anteilscheine) auszustellen.

Investmentkonto (investment account)


Siehe → Anlagekonto.

Investmentsparen (saving in funds)


Geldanlage in Investmentfonds.

Investment-Zertifikat (unit)
Siehe → Anteilschein.

InvG
Investmentgesetz, gesetzliche Grundlage für deutsche → Investmentfonds
bis zu seiner Ablösung durch das → KAGB in 2013.
Glossar 268

InvStG
Investmentsteuergesetz, regelt die Besteuerung von Investmentfonds.

Jahresbericht (yearly statement of accounts)


Deutsche → Investmentgesellschaften sind gesetzlich verpflichtet, für ihre
Fonds jährlich einmal einen Jahresbericht und nach 6 Monaten einen Halb-
jahresbericht zur Information ihrer Anleger herauszugeben. Der Jahres-
bericht umfasst unter anderem
1. die Vermögensaufstellung
2. die Aufwands- und Ertragsrechnung
3. die Höhe der eventuellen Ausschüttung
4. Informationen zur Geschäfts- und Fondsentwicklung

KAG
Abkürzung für Kapitalanlagegesellschaft, veraltete Bezeichnung für
→ Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG).

KAGB
Das KAGB regelt sowohl offene als auch geschlossene Investmentvermö-
gen. Es dient primär dem → Anlegerschutz. Es regelt u.a. die Rechtsform
der → Investmentgesellschaften als Kreditinstitute, die der Aufsicht der
→ BaFin unterliegen, die Rechtsverhältnisse zwischen Investmentgesell-
schaft, Anlegern und Investmentfonds, die Einschaltung einer Verwahr-
stelle, den Mindestinhalt der Vertragsbedingungen, die Bildung eines Auf-
sichtsrats, die Prüfungs- und Veröffentlichungsvorschriften. Die steuer-
lichen Fragen sind in einem eigenen Gesetz, dem → Investmentsteuergesetz
(InvStG) geregelt.

Kapitalverwaltungsgesellschaft (investment company)


Offizielle Bezeichnung für Investmentgesellschaften im KAGB, siehe auch
→ Investmentgesellschaft.
Glossar 269

KWG
Kreditwesengesetz bzw. Gesetz über das Kreditwesen. Es regelt die Voraus-
setzungen für die Gründung eines Kreditinstituts, die Anforderungen an
das haftende Eigenkapital von Kreditinstituten, die Befugnis der Auf-
sichtsbehörden und vieles mehr.

Länderfonds (country funds)


→ Aktienfonds, die in ihrem Anlagerahmen ausschließlich ein bestimmtes
Land bzw. mehrere unter bestimmten Gesichtspunkten zusammenfügbare
Staaten berücksichtigen, wie z.B. Frankreich-, Großbritannien- oder Süd-
ostasien-Fonds.

Laufzeit (duration)
Bei festverzinslichen Wertpapieren, Anleihen und Krediten die Zeit von
der Entstehung bis zum Verfall bzw. zur Rückzahlung.

Laufzeitfonds (limited duration fund)


Diese → Fonds sind im Gegensatz zu den gängigen Fondsarten mit einer
Endfälligkeit ausgestattet. Die Gelder der Anleger werden meist in fest-
verzinslichen Wertpapieren mit festen Fälligkeiten für ein zukünftiges
Datum (meist Endfälligkeit des Fonds) angelegt.

Mischfonds (balanced fund)


Siehe → Gemischte Fonds.

Mutual Funds
Amerikanische Bezeichnung für offene Wertpapier-Investmentfonds. Ob es
sich dabei um einen Fonds des Vertragstyps (→ Sondervermögen) oder um
einen Fonds des Gesellschaftstyps (→ SICAV) handelt, ist nicht eindeutig
auszumachen, denn der Begriff Mutual Fund deutet mehr auf ein Sonder-
vermögen und die Regelung desselben im Investment Company Act (Invest-
mentgesellschaft-Gesetz) mehr auf den Gesellschaftstyp. Weitere Informa-
tionen sind beim ICI (Investment Company Institute) zu bekommen unter:
www.ici.org
Glossar 270

Nichtveranlagungs-Bescheinigung (non-assessment certificate)


Die Nichtveranlagungs-Bescheinigung verhindert den Abzug der Abgel-
tungsteuer auf Kapitalerträge. Ein Antrag auf Nichtveranlagungs-Beschei-
nigung beim Wohnsitzfinanzamt kommt für denjenigen Anleger in Betracht,
der voraussichtlich nicht zur Einkommensteuer veranlagt wird und Kapital-
erträge über dem → Sparerfreibetrag und → Werbungskostenpauschbetrag
bezieht.

No Load Funds
→ Fonds, die nach ihren Vertragsbedingungen ohne → Ausgabeaufschlag
verkauft werden. Diese Fonds sind interessant für Anleger, die häufiger
zwischen Fonds wechseln (daher werden sie oft auch „Trading-Fonds“
genannt) oder ihr Geld kurz parken möchten. Für Anleger mit längerem
Anlagehorizont eignen sich diese Fonds jedoch weniger, da die Verwal-
tungskosten bei diesen Fonds meist höher sind als bei solchen mit Aus-
gabeaufgeld.

OICS oder OEICs


Abkürzung für Open Ended Investment Companies, engl. für → SICAV.
Ende der 90er Jahre führten die Briten diesen gesellschaftsrechtlichen
Fondstyp per Gesetz ein. Ein Grund hierfür war das komplizierte Recht der
Unit Trusts. Diese gibt es seit Jahrhunderten und deren Regelungen sind
durch unzählige Gerichtsurteile (die nach dem angelsächsischen Konzept
des Case law für alle folgenden Fälle genauso verbindlich sind wie ein
Gesetz) völlig unübersichtlich geworden. Durch die OEICs wollte man
auch ausländischen Investoren ein leichter verständliches Anlageinstrument
in Großbritannien zur Verfügung stellen.

Offene Fonds (open ended funds)


Ein Fonds ist „offen“, wenn der Anleger die Möglichkeit hat, seine Anteil-
scheine zurückzugeben oder zu veräußern und als Gegenleistung den tat-
sächlichen Wert der Anteilscheine, den sogenannten Nettoinventarwert, zu
erhalten.
Die offenen Fonds sind verpflichtet, die Anteilscheine täglich und ohne
Verlust auf den Nettoinventarwert zurückzunehmen. Es kann lediglich ein
gewisser Rücknahmeabschlag abgezogen werden, der allerdings in den
Vertragsbedingungen des Fonds ausdrücklich vorgesehen sein muss.
Glossar 271

Für → offene Immobilienfonds gelten besondere Rückgaberegeln, die bei


Neuanlagen zu einer faktischen Mindesthaltedauer von zwei Jahren füh-
ren.

Offene Immobilienfonds (open ended real estate funds)


→ Investmentfonds, die ihre Gelder überwiegend in Büro- und Geschäfts-
grundstücke anlegen, wobei die Anzahl der ausgegebenen Anteile – im
Gegensatz zu geschlossenen Immobilienfonds – nicht begrenzt ist.
Offene Immobilienfonds investieren vor allem in Haus- und Grundbesitz
mit dem Ziel, eine möglichst hohe Wertsteigerung der Objekte und hohe
Mieten zu erwirtschaften. Deshalb werden gewerblich genutzte Mietimmo-
bilien bevorzugt. Immobilienfonds sind für Anleger ohne großes Kapital
oft die einzige Möglichkeit des Immobilieninvestments. Das → Fondsver-
mögen ist nach Größe, Lage und Nutzungsart der einzelnen Objekte
gestreut, und zwar je nach Anlagepolitik des einzelnen Fonds entweder
bundesweit, europaweit, weltweit oder in bestimmten, in den Vertragsbe-
dingungen näher definierten Märkten. Für die Bewertung der Immobilien
sind ausschließlich unabhängige externe Bewerter zuständig.

OGAW (UCITS)
Abkürzung für Organismus für die gemeinsame Anlage in Wertpapieren,
Oberbegriff für verschiedene rechtliche Strukturen von Investmentfonds.
OGAW umfasst zum einen den Fonds des Vertragstyps (→ Sondervermö-
gen, → FCP) einschließlich des britischen → Unit Trust sowie den Fonds
des Gesellschaftstyps (→ SICAV, → OICS). Die englische Übersetzung
UCITS (Undertaking for the Collective Investment in Transferable Securi-
ties) wird in der Praxis ebenfalls häufig als Synonym für Investmentfonds
gebraucht. Der Begriff wurde geschaffen, um in der → OGAW-Richtlinie
85/611/EWG von 1985 einen Oberbegriff für alle zu jenem Zeitpunkt in
der Europäischen Gemeinschaft vorhandenen rechtlichen Strukturen von
Investmentfonds benutzen zu können.

OGAW-Richtlinie 85/611/EWG
Die europäische Richtlinie zur Harmonisierung und Liberalisierung von
Investmentfonds betrifft ausschließlich solche Wertpapier-Investmentfonds,
die an das breite Publikum veräußert werden und deren Anteilscheine
jederzeit (oder zumindest häufig und regelmäßig) zum Nettoinventarwert
(oder zumindest nur mit einem geringfügigen Abschlag) zurückgegeben
Glossar 272

werden können. Zum einen stellt die Richtlinie bestimmte Mindestanfor-


derungen für derartige Fonds auf (z.B. das Depotbankprinzip, die Risiko-