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GLASENAPP-STIFTUNG

BAND 26

FRIEDRICH WELLER
1
i
FRIEDRICH WELLER

KLEINE SCHRIFTEN

KLEINE SCHRIFTEN
1
HERAUSGEGEBEN VON
WILHELM RAU
1 . HALBBAND

1. HALBBAND

FRANZ STEINER VERLAG WIESBADEN GMBH fRANi �J EINER VERLAG WIESBADEN GMBH
STUTTGART 1987 STUTTGART 1987
Orientalistische Literaturzeitung 60. Jahrgang 1965 Nr. 1 1/12 596
37. Jahrgang, Heft 1 2
595
FORSCHUNGEN Ul\"D FORTSCHRI'ITE 369
Wesentliche scharf gefallt hcrauazuatellen. Statt dcasen S. 225, 24: na hi • • • alak,a!''"' dharmau niryötau vii [226)
niryCil<> w nirviiallalo vii ist mir nicht klar, weshalb der
findet der Leser eine achwerfällige Breite, die den
Europäer, welcher keine Zeit mehr hat, unterweilen Dual durch den Plural in der Übersetzung wiedergegeben Betrachtungen über einen Ratnakü�a-Text*>
an Goothca Spruch erinnert : „Getretner Quark / Wird wurde: „Becauee unmarked dharmaa do not go forth.
breit / Nicht atark."' Es gehört Ausdauer dazu, 80lche will not go forth, have not gone forth" (S. 170).
Von Friedrich Weller, Leipzig
Te�o� ,j==� z Es mag nicht jedes Wort dea Texte& in der ltber­
h �f.,':_".:ti.,':., Fo=:W'� rke nicht aetzung abochliellend sein beatimmt worden. Ob
anziehenden Tatbes tan dea kann man aich der Erkennt­ vidltiitaka gerade ,.worm-eaten"' bedeute (Text, S. 1 9, III Über Zeit und Raum hinaus, in denen die Wi88en­ \'"orhabert zu fördern, auch gewaltige Taten, andeIT' Lebe-
nis nicht entziehen, daß in der Prajiiipäramiti·Lite· = Überaetzung, S.. 1 1 , Z. 3 v. u.), mag dahingeatellt sehaften stehen, welche diese Welt erforschen, möchte 1\"t>SeD aus Lebensnot und -gefahr zu erretten.
ratur ein großer Versuch unternommen wird, mit dem bleiben '· Die lo'rage ist im übrigen herzlich belanglos in
ich hier von dem Untemerunen einer Gruppe von llit diesen Angaben glaube. ich auskommen zu können.
Erlebnisse des Lebens fertig zu werden und es einer diesem Zusammenhange des Text-es. aaahMambln'Ua,
Lösung zuzuführen, mit der sich zu beschäftigen für Text, S. 38, Z. 12, wird übersetzt: „they do not come Buddhistm bericht<'n, die zwar auch davon ausgingen, A
Den Gegenstand meiner usführungen soll ein ma­
die allgemeine Geschichte menschlichen Denkens lohnt., into being". Das hätte vielleicht ein aufklärcmdoa Wort \l;c sie diese 'Yelt erleht<i n, aber zu einer Lösung ka­ häyänistisches Werk abgeben. Diese Schulrichtung
unbeschadet wie man lieh dazu stelle. vertragen. Der Satz S. 45, 1 4 : tathähi vä rüpaAünyatä na men, welche nicht. von dieser Welt war. Sie waren
.a rüpayati wird S. 28, Z. 6, eo wiedergegeben: „Be­
spaltete sich vielfach auf. In ihrem Schrifttum gibt es
Ich glaube, die Grundlehre der Pallcavirp8atisähas­ trotzdem da\'un überzeugt, mit dem Erleben des Le.
rikä Prajiläpäramitä in folgende Sätze zusammen­ cauee the emptineBB of form dooa not molest." Ich eine Gruppe von rund vier Dutzend 'Verken, die unter
faasen zu dürfen : Alles, was und wie es der Mensch bin mir dessen nicht ganz sicher, ob die Begründung bens fertig zu werden, und dies ein für allemal. dem Generalnamen Mahäratnakü�a „großer Juwelen­
S. 64, Anm. 17, den Nagel auf den Kopf treffe. In den \\"endet sich der Orientalist an einen weiteren Kreis, so
folgenden gleichgerichteten Au888gcn steht: vä ve<fa.
durch seine sinnliche Erfahrung erfallt, ist unwirklich. haufe" zusammengefaßt werden. Diese Texte wurden
Es enträt einea wahren Seins, weil es nichtig, ve1·· vermag f'r nicht abzuschätzen, wieweit da die Geisteswelt bislang wenig studiert. Das hängt damit zuBBmmen,
giinglich ist. Es bleibt in Namen befangen; denen kein nälünvatä "o •ä w,dayali / vä •<n!'j„iiüünvatä no .a eines östlichen Volkes bekannt ist. So seien einige allgemeine
im wahren Sinne 80iendea Objekt entspricht. Über diea <IO'!'jini'le / lli aa'fl8kiraAünvalä na aäbhiaa,,..lcoroti / V4 daß die weitaus meiaten von ihnen nur in tibetischer
Angaben über den Buddhismus voramgeachickt.
ftjnmaoHnyatä na aä tJJjänäti /. Es kommt mir UD· und chinesischer Übersetzung auf uns kamen. Von
Der Buddhismus ent\\ickelte sich in drei grollen Stufen.
Scheinsein, welchea die landläufige Auff&BBung dea
Durchschnittamenscben für Wirklichkeit nimmt, führt wahracheinlich vor, daß der Begriffsinhalt von rll;pallfJli Sanskritoriginalen fand sich bisher nur wenig.
der Bodhisattva den unwiaaenden Menschen durch die anders ausgerichtet sei als der der restlichen Verben, ich J)eoren erste stellt das Hlnayäna, das „kleine Fahrzeug", dar.
Lehre Buddhas hinaus. Er verfährt dabei, den Un­ frage mich, ob ripoy- nicht als Denominativ von rll;pa Etwa im 1. Jh. n. Chr. bildete aich das „grolle Fahrzeug", Unter den Werken dieser Klasse nun, welehe bisher
wisaenden von seinem Irrtume zu befreien, auf die „„ f- sei: w88 die Leerheit der Gestalt ist, die ge­ das lfohäyina, heraus. Die jüngste Entwicklung macht das bearbeitet wurden, ist der Kä8yapaparivarta, das ,Ka­
Weiee, dall er so tut, als ob das Scheinsein die Wirklich­ ataltet nicht. \7ajrayina. das uDemant-Fahrzeug", aus, welches vieUeicht pitel von oder mit KiiSyapa' � der spielt im Text die
keit wäre, ohn� dall er selbst im leisesten darein ge­ Gelegentlich wäre eine wörtlichere Übersetzung der unter dem Namen „Tantrismua" bekannter ist. Rolle des Hauptgesprächspartners Buddhas - , das
abgekürzten vorzuziehen gewesen. Ich ziehe als Bei­
Difl "'örter mit einigem Gehalt zu füllen, sei angegeben,
bunden wäre oder würde, und löat auf diesem Wege
durch seine Kunat, die Menschen zu behandeln und opiel die Textstelle S. 1 0, 18-19 an: alho lcllolu bhagaviin bedeutendste, weil es gedanklich das gehaltvollste und
ihnen Buddhas Erkenntni886 zu erschließen, die Un­ punar - vä<lr1' lriaahoaramahäailaaarolo1'odlaä1au daß der Buddhilmus vom Leide immer neuen \Verdens außerdem das au888gekräftigste ist. Mit diesem Text
wissenden von ihren Verflechtungen in das Scheinsein aalluinilll iihnol>lla.... talaaminom iitmoblaäwf!' priJ:rlom erlöaen will. Dabei blieb es im H!nayäna jedem einzelnen
•padara..,ama.... S. 5, Z. 1 9 der Übersetzung finden wir
befasse ich mich hier.
der inhaltaloeen Namen zur Schau absoluter Wahrheit. überlaBBen, das Ziel für lieh zu verwirldichen. Der Mönch
So klar die Sachlage im grollen ganzen ist, begegnen dafür: 'Thereupon the Lord exhibited His own natural der höchsten Stufe erfüllte es, er erreichte das Nirväna. Aussagekräftig ist dieses Werk einmal durch seine
im einzelnen doch Stellen, die dunkel lind •. So Unmiß­ body in thia great trichiliocoam.' Ich schlüge eher vor zu Dann vollbrachte er kein neues Karman mehr. Er lebte glückliche Überlieferung. Neben dem mit verhältnis­
verständlich die Worte auch sind, man lieat bei den übersetzen : Jenachdem welchen Körper die Weaen in wohl noch eine Zeitlang weiter, bis sich die Reste des Karman mäßig geringen Verluaten erhaltenen Sanskrittext
Samädhi etwa • doch mit Hamlet nur Worte. Das der Dreitausendgrolltaueendwelt hatten, dem gleich vergangener Tage ausgeschwungen hatten, um mit seinem besitzen wir eine getreue tibetische Übersetzung der
Arapacana-Alphabet • ist ao verständlich wie das zeigte er seinen natürlichen Körper.
körperlichen Tode das Parinirvü_iA zu erreichen. Damit war
Hexeneinmaleine im Faust. Es gibt auch einzelne Stellen, wo ich nicht durch­ gesamten Schrift. Außerdem sind bis heute vier chi­
Gelegentlich werden die Meinungen der einzelnen schaue, warum 80 übersetzt wurde, wie es geschah. Ich er für alles weitere Werden erloschen. nesische Fassungen bekannt geworden. Da sich diese
Wissenschaftler auseinander gehen. Es wird beispiels­ führe als Beispiele etwa an Text S. 29, z. 7 : llGf"fJGd/oar­ ,Dem Mahäyäna dagegen lag an, alle Menschen, ja alle vom ausgehenden 2. über die Zeit so um 400 herum bis
halber nicht jeder überzeugt sein, daJl es sich beim mittäm al�niigaloF.alyul;panniinä'!' lolhägolan � m Kreatur davon zu erlösen, '\\·eiter zu werden. Der Aufgabe,
cma/Joddhvm....,.,.. Uberaetzung, S. 17, Nr. (40): to
ins letzte Viertel des 10. Jh. erstrecken, ennöglichen
,,...., i'tllaaamutplida um ein Bedingungaverhältnis handle•. die Lebenden wie sich selbst diesem Ziele zuzuführen, unter­
Mir scheint der Ablativ in den einsehlägigen Wen­ look through the Suchnesa of all dharmae, paat, zog sich der Bodhiaattva. Er wirkte für dBB Erlöoungsziel,
sie es dem Indologen, der sonst meist in einem ziem:
dungen eher für ein Kausalverhältnis zu oprechen. future and preaent'. S. 32, Z. 1 7 : •kivanamärgaaaltagalo, liehen Geschichtsbrei herumstapft, die Geschieht„· der
du nun unterschiedlich best.immt wurde. Auch Paradieaes­
Nicht jeder mag Conze 80 ohne weiteres darin bei­ 'Obersetzung. S. 18, Z. li v. u. : '&BBOCiated with the path '·orstellungen kamen auf. textlichen Entwicklung herauszuarbeiten. Darauf
pflichten wollen, daß der Buddhismus von Anfang an Of the one vehicle'; Text S. 64, Z. 64, 1 3 : k 'Pli uplip·
Der Tantrismus schließlich ist ein verwickeltes Gfifüge von gehe ich hier nicht ein1).
als der Mittlere Weg zwischen den beiden Ketzereien• .l:oWal�na .U.vanaaami.:O idh amipaUivalena vii Oiilur­
gelehrt wurde, deren eine die Auff888ung von der Ewig­ tlMiAiiräjoA:ävi.l:anäm api deviini'!' i aabhagatävai u;pa­ Kulthandlungen, das über ein ebenac verwickeltes Bezugs­ Au888gekräftig ist das Werk aber auch noch in eineni
keit, deren andere die von der Vemichtung• vertrat. pad!fG"le / Travaalrif!'länli'!' Yamlinä'!' Tulilänä'!' Nir­ system magiseher Silben, Formeln und anderer zweckdien� anderen Betracht. Es ist allgemein bekannt, daß de�
Der Mittelere Weg wird wenigstena im Mahävagga -�... Parani"'"""oorl ""° inli'!' aablaägatiipi u;pa­ lieber wortmälliger Aullerungen und gedanklicher Verbin­ Buddhismus auf dem festländischen Indien unterging.
anders bestimmt'. pad,....,. / 'Öberaetzung, 8. 36, Z. 1 3 v. u. : 'Through the dungen \\irbam gemacht wurde, den Kundigen der Unifi­
Auch dort, wo einzelne Amdrücke auf dem Tapete power Of their aki1l in meana , and n o t through tbe in­
ftuence Of the trancea, the Unlimited or the attainmank
y
catio m atica zuzuführen, in welcher das Ich in dem anderen
Der KMyapaparivarta führt nun auf die Spur der ge­
1tehen, hätte ein anderer hier und da wohl eine andere aufging. Diesea Syatem ist weder buddhistischen Uraprungs
schichtlichen Kräft„, welche das bewirkt„n. Dies aus
they ant rebcm among the Gode of the Plain of the
Deutung vorgezogen. Ich ziehe beiapielahalber das öfter
im Texte begegnende Kompolitum ....na ...- nu­ Senae-deaire.' Vielleicht lag in solchen Fällen Conze eine
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noch auf den Buddhismus beschrä t. Es entstammt den dem Text herauszuarbeiten will ich hier versuchen.

aand/,iklda· an, auf das noch ein eich wandelndes andere als die von N. Dutt gedruckte Textform vor. "'eiten Gefilden des Hinduismus und wurde dem Buddhis­ Wenn ich von Sanskritquellen sprach, so trifft das
Kompoaitionaglied folgen kann, das hier belanglos Solcher Dinge wie der eben angeführten könnte
mua angepaßt. eigentlich nicht recht zu. Wie viele andere buddhist.i­
bleibtB. Conze verdolmetscht diea „all defilamenta and• Der Buddhismus bewegt sich vielfach auf anderen Bahnen sche Werke aus nachchristlicher Zeit, ist auch der
their reaiduea". Ich bin mir d-en nicht ao gewiß, dall
ich mehr angeben. Es gehört nicht viel dazu, sie des Denkens, als sie uns geläufig sind. Es gibt keinen Gott
von zwei Gegebenheiten geaproohen werde. Mich be­ herauszustochern. Weitere Beispiele anzuführen, als Urquell der Welt, Zuflucht und Ziel dea Menschen.
Käsyapaparivarta in einer Mischsprache abgefaßt.

dünkt, die Rede gehe nur von einer: die l:l&fa, aua
Soweit ich beobachtete, gibt deren Grundlage eine
eriibrigt sich, zeigten sie doch alle nur immer Eo gibt keine Seele. Es gibt kein Sein, acndern nur eine
welchen eich die Kräfte ableiten, die &ukünftigea altindische arische Volkssprache, eine Prakritmund­
wieder, daß es sich um rechte Kleinigkeiten han­ unaufhaltsam sich weiterentwickelnde Abfolge \·on \\·erden,
Werden in oeiner Form bestimmen. An der Textstelle art, ab. Diese wurde mehr schlecht als recht ins Sans­
delt. Sie ändern alle nichts daran, daß Conzes Über­ deren einzelne Augenblicke kausal auseinander hervorgehen.
krit umgesetzt. Es gibt Stellen, die mir erhärten, daß
• Vgl. Conze, Einleitung, S. ""• lCCCVi . aetzung eine Leistung ist. Alles ruht auf einer be­ Bestimmt wird sie durch das Karman, das Gesetz, nach
• Text, S. 198ff.• Übersetzung, S. 132ff. glückenden Belesenheit in den Texten, einer t1ich­ 1\'�l�hem alles Tun eines Lebenden seine zwangsläufige Folge dies - zumindest an diesen Stellen - mechanisch in
.
• Text, S. 212, Übersetzung, S. 148. Vgl. Conze, Ein­ 1te1tigt, die ausgelebt werden muß. Was wir so land.läufig als schriftlicher Überlieferung geschah. Eine solche Stelle
tigen Sachkenntnis und einem klug abwägenden
leitung, S. xxxvi. Stoff und Geist zu unterscheiden pflegen, fällt dab<-i gleich­ bietet auch unser Werk. Der prakritische Ausdmck
• Text, S. 1 52, Z. 6 - Übersetzung, S. 90. Ich hoffe, Urteile. Wer sich Conze anvertraut, folgt einem
wertig iri die gleiche Reihe. Der alte Buddhismus hat es wurde falsch sanskrit.isiert.•) .
den Auedruck „cond.itional co-produotion" nicht miß. ebenso umsichtigen wie treuen Führer. ausschließ1ich mit dem llenscheii zu tun als dem der allein
zuveratehen.
' hereaiee9 Einleitung, S. xxxiv. 1 Mahi.vyutpatti, herauag. von Sakaki, Nr. 1 167,

de.m \Yerd�n mit seint"m Leide ein Ende zu berci n vermag,
. *) Vortrag, gehalten am 20. )färz 1963 in der Sächsischen
s Etemaliem und AnnihilationiBm. hilft an unserer Textatelle deshalb nichts, weil da auf und er bleibt seme ganze GE"Schichtc hindureh die zentrale .Akademie der Wissenschaften zu Leipzig.
7 Vinayapit.ak a. herausg. von Oldenberg, Band I, i, fliclhtiila1:a npüva.l:a als selbständiger Ausdruck folgt, die Figur des Buddhismus. 1 ) Für fachwissenschaftliche Einzelheiten verweise ich auf
6, 17, 18, Mahävyutpatti aie beide als Variantt>n deBBclben Be­ Ich nannte den Bodbi88.ttva. Darunter versteht sich die­ die Einleitungen zu F. \VELLER, Zum KäSyapaparivnrta,
• Vgl. etwa Text, S. 21, 9 = Übersetzung, S. 1 2, Z. 7 griffes verzeichnet. Nach unserer Stelle wird es fraglich, jenige Figur des Buddhismus, die sich darauf vorbereitet Heft 1 : Der mongolisch• Text ( = Abb. Sächs. Aksd. Wiss.
,·on unten ; Text, S. 225, 10 = Übenetzung, S. 1 63, a
ob die beiden Wörter ein nder ao gleichzusetzen sind, wiei und auf dem \Yege ist, ein Buddha, ein Erwachter, Erleuch­ Leipzig, Phil.-hist. Kl. Bd. 54, H. 2), Berlin 1962, und zum
l 8/J 9 ; Text, S. 233, 1 8 ; 234, 1 = Übersetzung, S.176,18. ea Edgerton, Dictionary, S. 489u, unt<'r vidhülika tut. �ter, zu werden. BodhiNttva war auch unBf'r, der geschieht. m Druck gegebenen 2. Heft : Yerdeut-schung des sanskritisch­

tibetischen Textes.
hd1r. ßnddhn. hev.or er <lRs ward. Da yoJlbraC"htf" f"r M"in
' Daa ,\-ort wurde von mir gesperrt.
2} Käi�·apapariva.rta, hrsg. v. Baron A. v. STAl!L�Hm„�TF.JN7

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:170 FORSCHUNGEN UND FORTSCHRITTE 37 . Jahrgang, Heft 12
• 37. Jahrgang, Heft 12 FORSCHUNGEN UND FORTSCHRl'ITE :111

llönche, 1lie das fertigbrachten, können nicht gerade de, die )lönche, welche seinen Begriffsinhalt nach der Xamen belegt \\ird. Es gibt meinetwegen keinen Wa­ Selbst ist, zum anderen, daß alle Gegebenheiten kein
den gebildeten Schichten des Mönchstums zugerechnet Laiensprache umwerteten, in die unteren Schichten gen als Ganzes� sonde?I nur al� eine S�e "f'On 1:eil ' Selbst enthalten"). Das Urteil schwankt also mischen
i�
werden. Im übrigen reicht schon das barbarische Kau­ des Mönchstums, nicht in die Kreise der begriffsfesten die hcrkömmlicherwe1st' als " agen bezeichnet wird ). dem der Xichtidentität und dem der ::S-ichtinhärcnz.
derwelsch der Sprache zu, l\lönche, welche sich dessen Denker. In unsere Ausdrucksweise umgesetzt, besegt dies, Im Hinaväna wird die Auffassung ,-on der Nicht­
bedienten, als den niederen Schichten der Ordensbrü­ Ganz anders steht es uni den Bodhisattva von ech­ daß die erfahrbare Welt des Durchschnittsmenschen identfüit �rt.reten, und wenn irgend etwas, gehört
der angehörig zu erweisen. Ein mittelalterlicher llönch, tem Schrot und Korn. Der führt einen Auftrag Bud­ nur aus wrgänglicben Summen besteht. Nur aus sol­ diese der buddhistischen Lehre seit der Zeit ihrer Grün­
der de ;PueUas qui für Latein hält, gehört nun einmal dhas durch. Buddha kommt nur zu dem Zweck in die chem Summierten heraus kann das Wesensgegensätz­ dung an. Später, sagen wir so rund 1000 Jahre, be­
den unteren lllönchsschichten an. Welt, um durch den Bodhisattva das Schilf der guten liclw. da• Ganzheitliche, erreicht werden. Dieses Gan­ gegnen bei Kommentatoren lünayanistischcr Quellen
Damit will ich das Formale verlassen und mich dem Lehre herbeizuführen, auf dem die Lebenden über den ze wird durch die \YcS<'nseigentümlichkeit Buddhas auch Aussagen, daß das Selbst nicht inhärent ist 17).
Inhalt des 'Verkes zuwenden. Als erstes sei da berich­ Ozean immer neuen \Verdens mit seinem Leide ans au•g.-mnd1t. Ihr strebt der Bodhisath·a zu, da führt
Irgendein Grund, warum die alte Überzeugung 'ich
tet, daß unsere Mah!i.yli.nisten ihre älteren Brüder, die jenseitige Gestade gefahren werden, wo es das nicht l'f die Lf.l>f'mlt·n hin.
J >t•r J>urd1sclmittsmcn•ch bleibt mit seiner unmittel­ aus der Lehre selbst heraus zwangsläufig in die jiingcrc
Hinayli.nisten, nicht nur über die Schulter ansehen, mehr gibt'). Der Bodhisattva führt in dieser Welt alle von der Nichtinhirenz hätte umbilden mü...,n, ist
Mlndem als unzullnglich ablehnen. Obliegenheiten Buddhas au„). hn r<•n };rfnhrung dieser Welt der Summen verhaftet,
l\irklich nicht abzusehen. Tatsächlich vollzog sich
in m•lchcr alles so unbeständig ist wie der Blitz. Nur
So wenig es unseren Mahäyänisten an Selbstgefühl Ihn, der wie ein Arzt an den Menschen handelt, nur diese Umwertung ja auch nicht im Gesamtbereich des
gebricht, spricht der Text doch eine beredte Sprache, was nicht entstand, ist um•ergänglich. Wiewohl nun
mit dem Unterschied, daß er ihnen die überweltlichen Buddhismus. So bleibt, den Vorgang zu erklären, nur
daß in ihrem eigenen Orden keineswegs alles in Ord­ der Mensch dieses Unerstandenen nur aus der Welt
Heilmittel darbringt, verehren denn auch die Götter, übrig, die Umbildung des Urteils über das Selbst
nung war. An der Wahrheit diesbezüglicher .Aussagen welche frühere Buddha sehen, nicht den Hinayli.nisten,
des Vergänglichen heraus innewird und -werden kann,
unterscheidet sich das gewonnene Ergebnis doch we­ daraus herzuleiten, daß die neue Auffassung aus der
läßt sich um so weniger zweifeln, als ihrer auch in mag der auch aus seiner Lehre heraus die Erlösung er­
senhaft. von allen Produkten dieser Welt : es ist unzer­ umgebenden Welt des Vediinta in buddhistische Texte
einem anderen Text dieser \Verkklasse vernehmlich reicht und so über den Ozean immer neuen Werdens
störbar, ewig. Da seiner innezuwerden außerhalb des eindrang, und das vollzog sich den erl<ennbaren
genug erklingen3). Unter denen, die als Bodhisattva hinaus sein. Ihn müssen auch die Menschen verehren,
Erfahrbaren dieser Welt liegt, kann es sieh dabei nur Anzeichen nach über die anfälligeren Schichten des
bezeichnet werden, wie unter den Mönchen überhaupt nicht den Tathägata, d. h. den Buddha. Ist doch der
um eine mystische Schau handeln. niederen Mönchstums, die stärker in der Geisteswelt
liefen rechte Wölfe im Schafspelz um. Sie mißbrauchten Bodhisattva der stärkere, denn aus ihm gehen ja die
Dieser Schau des ungeworden Ewigen steht die Auf­ befangen blieben, aus der sie kamen, als die Starken
das Vertrauen der Laien wie des Ordens aufs gröblich­ Buddha hervor. Er, der Bodhisattva, ist es, der das
fassung des Durchschnittsmenschen gegenüber. Sie im Geiste. In deren Köpfen vertrug sich mehr mit­
ste. Sie logen, betrogen, heuchelten schamlos. Die Geschlecht der Buddha nicht abreißen läßt').
ist dadurch bestimmt, daß er den entstandenen Sum­ einander als in denen der harten Denker. Dafür spricht ·
llönchsgelübde hielten sie nicht ein. Statt voller Hin ­
Das besegt aber nicht weniger, als daß nunmehr in men ein Eigenwesen zuerkennt, den Körper für etwas schon der Umstand, daß beide Urteile so unvergoren
gabe dem Lehrziel zuzustreben, die Erlösung nm wei­
dieser Welt der Bodhisettva. die erste Stelle einnimmt. Seiendes erachtet, Körper und Gedanken als eine Ein· und selbstverständlich nebeheinander auftreten, ohne
terem Werden für sich zu gewinnen und anderen dazu
Hier löste er den Buddha ab. Auch das war, wie die heit auffaßt, in den Gegebenheiten der Welt seiner Er­ daß diese Mönche des Unterschiedes gewahr wurden.
zu verhelfen, nutzten sie die Mönchsrobe dazu aus,
chinesischen Fassungen des Textes bekunden, im 2. Jh. fahrung ein Selbst als Inbegriff des Ewigen, Dauernden Die Urteile schließen sich ja schließlich gegenseitig aus.
materielle Vorteile für eich herauszuschlagen. Schlau
n. Chr. erreicht.
berechneten sie, wie sie in anderen den Eindruck er­ unterstellt, das Nichtewige für ewig nimmt11). Das SAipkhya-System kommt als Quelle des Einflusses
Von dieser Welt nun erlöst der Bodhieattva sich und Unsere Mahäyänisten sind überzeugt, daB dies deshalb nicht in Betracht, weil dieses eine Vielzahl
weckten, vollendete Mönche zu sein, und erfüllten zu
die anderen, sie ist aufzugeben. Indessen wird sie grundfalsch ist. Nach ihnen läßt sich in keiner Gege­ ewiger Seelen lehrt.
diesem Ende doch nur das äußere Brauchtum des
doch insoweit anerkannt und eingeräumt, als sie unab­ benheit. dieser erfahrenen 'Veit etwas Seiendes aus­
llönches. Als Wühlmäuse untergruben sie Lehre und Da nun die eingebildete Welt allein durch den Qe­
dingbar ist, vom Karman und dem •ich daraus erge­ machen, handle es sich dabei unserer üblichen Unter­ danken geschaffen wird, bleibt, sich von ihr zu be­
Onlen, indem sie sich mit fremden Lehren befaßten.
Sogar an Leute schlossen sie eich an, welche der Über­
benden immer neuen Werden befreit zu werden. Aus­ scheidung nach um solche stofflicher oder geistiger Art. freien, nur der eine Weg offen, sich des Gedankens zu
schließlich unter Wesen, welche die Perversitäten der Das gilt in besonderem Maße vom Gedanken11). entschlagen. Schaltet man den aus, dann entstehen
zeugung lebten, daß mit diesem Leben alles aus sei. •

zum Karman führenden laaterhaften Veranlagungen Wie kommt es nun aber trotzdem zustande, daß SJch über eine Reihe ..-on Zwischenstufen kein Tun und
Das ist für einen Buddhisten schon deshalb das
besitzen, kann der Bodhisettva Buddha werden7). Die dem Durchschnittsmenschen die Gegebenhi;iten dieser keine Folge des Tuns mehr, damit auch kein weiteres
Verwerflichste mit, weil diese Materialisten, wie sie
gewöhnlich bezeichnet werden, das Karman nicht an­
Saaten reifen ja auch nur aus Boden zur Frucht, der seiner Erfahrungswelt so anders darstellen ? Darauf Werden mit seinem Glück und Leid. Wo die nicht sind,
mit Unrat gedüngt ist8). Demgemäß ist diese Welt des antwortet unser lllah!i.yänist, daß dies einzig und allein da ist das Geschlecht der Edlen, das unzel'j!törbar, ewig
erkannten. Daa alles besagt aber, daß der mah!i.yäni­
Karman für alle unerläßlich, welche das Erlösungsziel durch den Gedanken bewirkt wird, indem dieser die ist'"). Für dieses Geschlecht gibt es die Welt selbst­
stische Mönchsorden innerlich verfiel, und der Zerfall
der Lehre verwirklichen wollen und sollen. Gegebenheiten der Erfahrung falsch auffaßt. Er, der geschaffener Einbildung nicht mehr, weil es dessen
muß schon recht fortgeschritten gewesen !!ein, .denn
In dieser Welt des Karman nun entsteht alles aus Gedanke, allein ist es, der die sich ständig wandelnden inneward, daß alles seiner wahren Natur nach parinir­
allem Anschein nach gab es solcher räudiger Schafe
nicht eben wenige. Dieser Zustand obwaltete nach
Grund und Ursache'), und da dies gilt, ist alles Ge­ Summen dieses ihres Charakters entkleidet und sie in viert istD). Nirrä�a und Parinirvä�a als Geschehen
wordene vergänglich. Kaum entstanden, ist es, ohne seiende Objekte umwandelt. Alles, was der Durch­ gehören damit der Welt der Yoretellung, selbstgeschalfe.
Ausweis der chinesischen Übersetzungen bereits im
2. Jh. n. Chr. Bestand in der Gegenwart erlangt zu haben, schon schnittsmensch aber so durch den Gedanken gewinnt, ner Einbildung an. Ihre Gegebenheiten deuten nur auf
Es mag dabei schon 8ein, daß, wenn in solchem Zu­
wieder ..-ergangen. Weil dem so ist, lassen sich in den ist nichts als Gedankengebilde, Vorstellung, selbst­ das N"irväna hin'°). Was aber seiner wahren Natur
Gegebenheiten dieser Welt keine Objekte als seiend geschalfene Einbildung"). Als Einbildung aber ist es
sammenhange vom Bodhisattva gesprochen wird, ein nach pa.fuirviert ist, macht die Wesenheit Buddhaa
feststellen1•). Das gilt um eo mehr, als der Buddhist leer"), d. h. leer an allem, was ein seiendes Objekt aus­ aus. In Hinsicht auf die Erfahi'ungs";elt wird es als
Höflichkeitsausdruck der Laien vorliegt. Diese be­
zeichneten eben jeden Mönch, wenn er nicht mehr
auch im erfüllten Zweck kein Ganzes erkennt, sondern macht, es geht ihr jede Wirklichkeit ab. Leerheit bezeichnet, d. h. leer an allem, was die Erfah­
nur eine Summe von Teilen, die landläufig mit einem In dieser Welt selbstgeschaffener Einbildung rollt rungswelt ausmacht. Es ist die absolute Wirklichkeit.
krasser Novize war, als Bodhisattva, als einen, welcher
alles ab, was das erlebte Leben des Durchschnitt•
der Erleuchtung nachhängt. Das mag sich etwa dem Shanghai 1926, § 6. doräntaraakhalitagav.fi ist falsch um­ 11) Vgl. T. W. Ra1·s D.<nDs, The Questions of King Mi­
schrieben aus doanntara-. Es müßte heißen dct,äntara-. Der menschen ausmacht : sein Tun, sein Werden. In dieser
vergleichen, wie wir ja auch im Gaathause jeden eini­ linda ( = Sacred books of the East, Bd. 35). S. 43 f.
Welt führt der Bodhisettva alle Obliegenheiten des
germaßen älteren Stift Ober rufen, ohne daß beide Ausdruek heißt nicht „einer, der herumschnüffelt, wo ein lZ) KP, §§ 63, Xr. 9 ; 102. §§ 134, Nr. 2; 137, Vz. 13; 154.
Buddha aus. Von ihr erlöst. er sich und die anderen ; § 95, Nr. 3. §§ 94, Xr. 7 c; 9�, Nr. 1; 97, Xr. 2; 100; 134,
anderer strauchelte und nach anderen Fehlern", sondern
mehr als den gleichen Anzug miteinander gemein hät­
Nr. 1. §§ 53-55; 94, Nr. 7 a; 100.
vielmehr „einer, der mit einem Herzen voller Haß herum­ denn außer dieser Welt selbstgeschaffener Einhildung
ten. Nur waren lllönche, die eo Ausdrücke der Laien­ schnüffelt, wo ein anderer strauchelte". drt{KJ und da,a waren
sprache in die Ordenstexte aufnahmen, doch recht an­ in der Volkssprache in do.aa zusammengefalJen. hat der Durchschnittsmensch nichts, und weil sie das "I KP, § 98.
"I KP, §§ 67, 98, 143.
fällig für Einflüsse aus der sie umgebenden Welt. Sie ') Vgl. ENsn<K. The Questione of Räiitrapäla, Zwolle o. J„ einzige ist, was er hat, muß er mit ihr und ihrem Leide
u1 .KP, § § 70; 9i. Xr. 3 ; 125; 144.
S. 17, Z. 5 v. u. - 2 1 ; S. 28, Z. 8 v. u. - :U; S. 56. fertig Wt'rden. ") KP, § 104:: a11iitmä lad gotram, nämlich iiryii'J!Üm, und
lebten nicht der Abgeschiedenheit des Mönchsordens,
'I KUyapaparivr.rta [weiterhin abgekürzt: KP], § lä:l. Zu diesen eingebildeten Vorstellungen gehört auch § N: •lliil- aarnrdAan•li(�I· Vgl. auch § 143.
eondem mischten sich unter das Volk und blieben sei­ 'I KP, § f2.
das Selbst. Bei diesem Begriff möchte ich deshalb "I A critical Päli dictionary, Bd. I, Kopenhal!"n 1924-48,
nem Leben stark verhaftet, anders, als die reehten •1 KP, § 83. S. H6 b nnter aaallo(•I·
Mönche verfuhren. Wie schon die Sprache es tat, weist 'I KP, §§ 72-75. etwas verharren, weil, was unser Text darüber aussagt,
•1 KP, § fll.
u1 KP, H 103, 10!.
dann auch die mangelnde Begriffeschärfe, mit der selbst •1 KP, §§ IK, Nr. 3; 97, Nr. 1.
nicht einheitlich ist, sondern auseinandergeht. Er­ "I KP, § 125.
ein solcher Ausdruck wie Bodhisattva verwendet wur- 1•1 KP, §§ 63, 98, 99, 102, 143.
fahren wir daraus dOt'h einmal, daß ein Et\\11S nicht '") KP, § 144.

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372 �'ORSCHUNGEN UND �'ORT8CHltl'l'l'E 37. ,Jahrgang, Heft J 2 FORSCHUNGEN UND FORTSCHRITTE 373

Ihrer innezuwcrden dient die rechte Betrachtung der an den er sich in seiner Lebensnot hätte hilfe•uchend dieses it�ntrale Anliegen erfüllbar durch die Lehre und Ein alter Bekannter ist. auch der ,.mittlere Weg'" .
Grgc\K>nhl'it"n der Erfahrungsinha lte, wie sie der wenden können, und bedenkt man, daß altiiberkom­ erfüllt; dann konnten alle Fragen wie die, was die Wie die Überlieferung vermeldet, gehört e r i n Buddha•
Durchschnitt.mcnseh erlebt, die rechte · Betrachtung mene religiöse Bindungen nicht damit abgeschnitten - Welt tihd was nach dem Xirväna ist, als gegenstandslos früheste Lehrzeit. Hier \'ersteht sich darunter der
unter der Fonn <les mittleren Weges. i;;ie besteht in und ausget.ilgt waren, daß einer sich zu Buddha be­ lluf sich beruhen bleiben. lllit anderen Worten aus­ goldene J\llt.t„lweg zwischen Sinnengenuß und dem,
ihrem Hauptteil darin, daß sie die Gegensätzlichkeit kannte - schon die lebendige Umgebung hielt ihm die, gcdril.Ckt: Buddha konnte allen solchen Fragen gegen; sich in Selbstkasteiung au.zumergeln. Er führt· hlnayil­
aufhebt, welche in dieser Welt der Erfahrung herrscht. in Indien vielleicht noch mehr als anderswo, wach, über illnen agnostischen Standpunkt beziehen. Soviel riistiilcher Lehre nach zur Erleuchtung, zum Nirväi:ia"').
:N"ichts wird da mehr als eines der beiden möglichen ganz abgesehen davon, daß die Geschichte ältere und ich sehe, ist in alten hinayänis6schen Quellen die Welt Der Begriff begegnet auch im KäSyapaparirnrta, be­
Extreme wie est und non e•t, ewig und nicht-ewig auf­ alte Glaubensvorstellungen niemals in Menschen radi­ auch nicht aus buddhistischen Gedankengängen zeichnet nun aber die rechte Bet rachtung der Gegeben­
gefaßt, sondern was Z\\isehen beiden Extremen liegt, kal auslöschte, weil sie in der Zeit einer neueren Welt­ heraus bestimmt. Da• allorgleichgültigste für den heiten als diejenige, welche zur befreienden Schau
das Gestal,tlOSP, nicht Aufzuzeigende, nicht Erschei­ auffassung lebten, wie etwa llenschen der Renaissance altert Buddhismus ist jedenfalls, wie wir uns zu führt. Auch hier wurde etwas aus dem L,•b<·n in den
nungsmäßige, das, was kein Objekt mehr für den auch dann nicht ältere Glaubensinhalte über Bord dieser lleincr Lösung st<-llen, ob \\ir sie als zureichend Brreich des Gedanken� verlagert.
Gedanken des Durehschnittsmensehen abgibt und ab­ warfen, wenn sie in und mit ihr lebten -, hält man arlcrkerilien oder als unzulänglich ablehnen . Iil diesen Strudel der Umbildung iiltercr bmldhi•ti­
geben kann, wird durch sie ersehaut11). Wenn es noch sich dies alles gegenwärtig, dann kommt es mir nicht Demgegenüber bieten die Auffassungen unserer Ma­ seher Auffassungen wurden auch die Begriffe ,.Nir­
eines Beweises bedürfte, daß es sich bei dieser rechten so abwegig vor zu fragen, ob, religionsgeschichtlich häyiihlstlm ein ganz and<•rcs Bild. Einmal wird diese vätja '' und „Parinin-äl)a" hineingezogen. Sovfo] in
Betrachtung, der Gegeben)ieiten unter der Form des gesehen, der Bodhisatt,.,. nicht als so eine Art Ersatz 'Veit gänz genau lx-stimmt, nämlich als Gedanken­ det Lehre älterer hinayanistischer Quellen aus buddl1i­
mittleren Weges um eine mystische Schau, dabei, des für den ""rlorenen Gott aus dem religiösen Sehnen der gebilde sel!.stgeschaffencr Einbildung, das auf falscher st.ischem Denken heraus zu klären auch offengelassen
Zieles innezuwerden, um ein mystisches Erlebnis han­ Laien entstand, eines rettend zupackenden Helfers Ausdeutung dureh den Gedanken beruht . Sie ist da' worden sein mag nach der Seite hin, wie der l\lenseh
delt, dann dürfte erhierdurch erbracht sein. in . anstehender Drangsal und dräuender Lebensnot mit elli absoluter Irrtum. Dem \\inl die absolilte zur Welt außer ihm stehe, so wenig diese aus buddhi­
Ich aber glaube', die vielfachen Einzelzüge dieser hoffend gewiß sein zu können. Welcher Unterschied \C\'irkllchkeit gegenübergestellt. Dieses Weltbild fällt stischem Denken heraus bestimmt worden1 sein mag,
besagten rechten Betrachtung lassen sich dahin zu­ besteht schließlich noch zwischen dem Bodhisattva, itri Kern mit dem vedäntistischen zusammen, nach sie wurde doch auch als real vorhanden nicht abge·
sammenfassen, daß dureh sie die Hülle durehstoßen welchem sich ein Buddhist, sei er Mönch oder Laie, zu­ welchem der ewige Ätman, das ewige Selbst, der kos­ stritten. Mir kommt es vor, als dürfe ich die Lage der
wird, welche Vorstellung, selbstgeschaffene Einbildung wendet, aus Seenot oder anderer Lebensgefahr errettet mischen Mäyä gegcnü\K>rsteht , nach der die Welt ein Dinge auf die Formel bringen, daß sie eben hingenom­
um die Gegebenheiten der unmittelbaren Erfahrung zu werden, und dem volkstümlichen Gott, zu dem einer Trugbild ist. men wurde, ohne sich auf diese Fragen einzulassen.
legen, um sie auf ihre Wesenheit zurückzuführen. Dem sich flüchtet, sein Gebet um Hilfe in Not zu erhören Das steht zwar nicht so im Text , aber da diese er­ Ihnen nachzugehen förderte das Ziel nicht, den Men­
Inhalt na<!h führt sie zu einem Ergebnis, das sich kaum und zu erfüllenn). Ich sehe keinen obwalten. Dann fahrene Welt durch den Gedanken gescha ffen wird und schen von immer neuem Werden mit seinem Leide zu
mehr von der 'n!dAntistischen Lehre abhebt, nach bekundeten die Jätaka den ersten großen Einbruch der Gedanke der Miiyä, einem Trugbilde, gleicht13); erlösen. Wie immer diese Fragen be.antwortct werden
der die Welt der Erseheinüng Mäyä, ein Trugbild, ist. einer reqgiösen Volksbewegung in den Buddhismus. ist der Unterschied lediglich der, daß, wozu die Vedän­ mochten, Tatsache blieb in jedem Falle, daß jedes Le­
Versuche ich die hier herausgestellten Lehren un­ Er muß einschlägigenlnschriften nach im 3. Jh. v. Chr. tisten einen großen Schritt brauchen, unsere Mahäyä­ ben immer "ieder als leidig erlebt wurde. Dieses Er­
serer Mahäylnisten als neuartig stärker ins Licht zu geschehen sein. Dieser Einbruch einer volksreligiösen n'sten derer zwei klelh�re benötigen. Im übrigen steht leben war immer wieder so da. Davon wollte Buddha
heben, indem ich sie älteren Lehren des Buddhismus Bewegung hätte dann im Mahäyäna seine dogmatische in einem anderen Text dieser Werkklasse ganz deutlich mit seiner Lehre die Menschen erlösen, und dieses Ziel
gegenüberstelle, so wohnt einem solchen Beginnen ge­ Ausprägung erfahren. zu lesen, daß Buddha diese Welt als der Mäyä, einem zu \"erwirklichen, gewährleistete nach Buddhas Über­
wiß Mißliches inne. Doch glaube ich trotzdem, folgen­ Ich wies schon darauf hin, daß über weniger geho­ Trugbilde, gleichend erkannte, als dem Wahn eines zeugung seine Lehre, und zwar so, daß der Mensch
des aussagen zu dürfen : bene Schichten des buddhistischen Mönchstums, dem Schauspiels, dem Traume gleirh"). dann für immer da,·on befreit war. Sie erlöste davon,
Gewaltig änderte sich die Stellung des Bodhisattva. Leben des Volkes enger verbunden gebliebene Kreise, Hand in Hand mit diesen Umbildungen im Großen neues Leben immer \\ieder neu zu erleben, und damit
Aus dem Vorläufer Gautama Buddhas, unseres ge­ der Vedänta der umgebenden Geisteswelt die Auf­ wurden einzelne ältere Lehraufstellungen mit neuem Ge· auch von neu werdendem Leben überhaupt, wie immer
schichtlichen Buddha, wurde über den werktätigen fasaung vom Selbst aus der der Nichtidentität in die halt erfüllt. Das !Y.-trifft. einmal den Pratityasamutpida, das sein mochte. Nin·äna und Parinirväna sind damit
Helfer in augenblicklich anstehender Not der Stell­ der Nichtinhärenz umbildete. Solcher Einfluß fonnte die sog. Kausalitätsreihe. So verschieden diese Fonnel Vorgänge, die sich in diesem Leben volliiehen, dieses
\-ertreter Buddhas in dieser Welt. Er bekleidet damit die Lehren unserer l\lahäyänisten früheren gegenüber von der '\Vissenschaft im Ganzen und einzelnen auch Leben als reales Geschehen abschließen, unbeschadet,
das Amt, welches der Dalai Lama im tibetischen Bud­ noch viel entscheidender um. mag aufgefa ßt werden, sie soll erklären, wie das Leben wie es aufzufassen sei.
dhismus innehat. Das 'ITilr im 2. Jh. n. Chr. vollzogen. Von seinen Anfangszeiten an stellt der Buddhismus des Menschen mit seinem Leide aus dem Nichtwissen, Für unseren Mahliyänisten liegen die Dinge ganz
Wie sich der Bodhisattva herausgebildet und ent­ fest, daß alles nicht Selbst ist. Daß eine Weltauffas­ d. h. hier dem Nichh\�ssen illn die buddhistischen anders. Da sind alle Gegebenheiten der unmittelbaren
"ickelt haben mag, das ist schwer nachzuweisen. Man sung eine negative Feststellung von Haus aus zu ihrem Wahrheiten, entsteht und wie weiteres "'erden zu Erfahrung des Durchschnittsmenschen ihrer wahren
kann da nur vennuten. Angelpunkt machte, wird nur dann verständlich, wenn neuem Lehen unterbunden \\ird, wenn das Nicht.wissen Natur nach parininiert. Das Parinirväi:ia bezeichnet
Wie mich bedünkt. stehen im hlnayänistischen sie gegensätzlich zu einer früheren aufkam, welche die vernichtet ist. So stehen die Dinge im Hina yana . in ihrer Lehre also die absolute Wirklichkeit. Was aber
Kanon die Jätaka seltsam da, Geschichten über die positive Überzeugung ""rtrat. Wie diese aussah, Diese Aufgabe fällt der Formel in unserem Text seiner absoluten Wirklichkeit nach parinin·iert ist, das
• früheren Lebensformen Buddhas. Da der Buddha all­ wissen wir nicht, niedergeschlagen hat sie sich in den nicht mehr zu. Hier dient sie als Teil der rechten kann gar nicht parininieren. Als Geschehen wird da,
wissend ist, ""rmag er sich ihrer zu entsinnen. Sie Upani�aden. Soviel ich erkenne, stellt der alte Bud­ Betrachtung der Gegebenheiten unter der Form des mit das Parinirväi:ia in den Bereich der \'orstellung;
berichten, daß der Bo<lliisattva, welcher damals .unser dhismus diesem Negativum in seiner Lehle kein Posi­ Mitteh\"e!§"S dazu, über die Gegensätzlichkeit der selbst.geschaffener EinbildQng des Gedankens ver­
geschichtlicher Buddha noch war, auch erstaunliche tivum gegenüber, ich glaube, es bedurfte dessen auch Erfahrungswelt hinauszukommen, '\\ie sie sich in den \\iesen, wie ihn der Durchschnittsmensch hat. Das
Taten vollbrachte, Lebewesen aus augenblicklicher nicht. Nach Buddhas und seiner Schüler Überzeugung Extremen Entstehen und Yernichtetwerden ausdrückt. Parinin·iii:ia geschieht somit nur als Vorstellung, srlbst­
Drangsal und Lebensgefahr zu erretten, um so sein Vor­ war dureh seine Lehre allem weiteren Werden ein Bezeichnenderweise wird da bei zum Xichh\issen noch gesehaffene Einbildung des Durchschnittsmenschen.
haben zu fördern, Buddha zu werden. In den eigent­ sicheres Ende ZU setzen. Alles andere war daran ge­ das '\\"'s
'i sen hinzugefügt, ein Paar ,�on Extremen zu In Wirklichkeit tun diese seine Gegebrnhriten nichts
lichen Lehrtexten weht demgegenüber eine wesent­ messen gegenstapdslos. l\lich bedünkt, der Begriff gewinnen"). Dieser Begriff des Wissens begegnet sonst weit<>r, als auf das Nirväna, d. h. auf die absolute
lich kühlere Luft. Zwar \\ird die Lehre aus Mitleid mit „Nirväna" brauche im alten Buddhismus nicht mehr in der Formel älterer hinayü.nistischcr Quellen nicht, Wirklichkeit, hinzuweisen, ;ie anzudeul<•n28). Auch hier
den Menschen ihnen ,-orgetragen und erläutert, sonst auszusagen, als daß der lllenseh, welcher es erreicht wohl aber stehen sich außerhalb des Buddhismus enh\ickelten sich die Dinge so, daß ei n Brgrilf aus dem
wird ihnen jedoch i>cine werktätige Hilfe vom Onlen hatte, für alles weitere 'Verden erloschen war. 'Var Wissen und Xichtwissen so konträr gegenüber. Dafür Leben in den Bereich des Gedankens wrlagert wurde.
her zuteil, mit dringender Not ihres Lebens fertig zu leiten unsere :llahavänisten nunnll'hr das \\'erden -
werden. Sie bleiben, \-Or allem die Laienanhäriger, auf 21) KP, §§ 54-60.
ctwai:i nn<h•re� ist l'nistnndent's Glück und Leid nicht - ") KP, § 98.
11) Vgl. etwa J. LEOGB, Record of Buddhist kingdoma, 11) Rä11trapäla.parip�cehä, S. 511 Z. 15 Ess1NK 0.,
die Hoffnung angewiesen, dermaleinst, vielleicht nach über eine Anzahl Zwischenglieder aus dem Gedanken
= a. n.
O:dord 1886, S. 112 f. der Übersetzung, Saddharm&pu1;uJart­ S. 50, Absatz 4.
Äonen, über die Lehre vom Leide neuen Werdens er­ k&, Kap. 24, 2. Aba&tz, übersetzt von E. BUBNOUJ', Le lotus und seinf'n Folgen ab, die Yernid1tung des 'Yerdens ") KP, § 62.
löst zu werden, weil sie sich zu Buddha bekannten und de la bonno loi, oder H. KERN, Sacred books of tho East, aus der l'nterdrückung des Gedankens26). \\'ie dies ") KP, § 103.
Bd. 21, gegen Divy&vadäna, ed. by COWELL and NEIL, �) Yinnynpitnka, Alaluivagga. 1 G, 1 7 = HoRXER, Tlic llook
die Anliegen seines Ordens förderten. Der Bodhisattva
Cambridge 1886, S. .410, Z. 26. Zur Frage der Aufnahme von sic·h im ßpreich <lf's Gf'drmkPns n h:'pirlt , ist mwh dir
aber hilft unmittelbar. Hält man sich vor, daß der of Uisdplin<'. U1I. 4 ( =-= �arred hooks of th1· Bmhll 1 ,tJ'I, \'ol.
Geschichten aus f..&ienkreisen siehe auch BAR.BAU, Oriens Formel dt•r Knusalitiit i-;rt>ilw nu:-:; \lem lRh<'H
. in tlrn xiv), S. 15.
Laienanhänger im Buddhismus keinen Gott mehr fand, extremus, Bd. 9, S. 7, Z. 20 !. Bereich des Gedankens wrla gert wonlen. ") KP, § 144.

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FORSCHUNGEN UND FORTSCHRITTE 37. Jahrgang, Heft 12

Die Erlöswig wurde nach der Lehre wiserer l\lahäyli­ wohl auch nur um Abwehrkämpfe, der drohenden
nisten nunmehr so ..-en•irklicht, daß die absolute Auflöswig zu begegnen. Daß sich diese großen Denker
Wirklichkeit erschaut wurde als wesensgegensätzlich gerade der Erkenntnistheorie · und Logik zuwandten,
zum Gedankengebilde selbstgeschalfener Einbildung erklärt sich ebenso zwanglos wie zwangsweise daraus,
des Durchschnittsmenschen. "·enn diese Löswig nicht
mit ihr zusammenfällt., dann steht sie der zumindest
daß die Frage, wie der Mensch zur Welt stehe, den
empfindlichst<>n und · \lm -leichtesten anzugreifenden
HARVARD SINO-INDIAN SERIES
sehr na)1e, welche in der Philosophie des Vedlinta und wunden Punkt der alten buddhistischen Lehre aus­
Sätpkhya herrscht, nach welcher die Erlösung so ge­ machte. Schon der agnostische Standpunkt Buddhas VOLU M E I I Part 1
wonnen \\ird, daß das e\\ige Selbst, der ewige At.man mußte hier anzugreifen die Gegner einladen. Xach
oder die ewigen Seelen des Sä�ya, als wesensgegen­ dieser Seite hin mußte der Buddl1ismus vor allem
•ätzlich zur Erscheinungswelt erkannt werden müssen. anderen abgeschirmt werden. Auch dieses Ehrfurd1t
So glauhc ich, auch dieser Verlagerwig der Auffassung gebietende Unternehmen solcher hervorsteclwmlcn
entnehmen zu dürfen; daß die umgebende Geisteswelt Philosophen scheit<>rte und mußte es twi. \Vas nützte
- in unserem Falle der Vedänta - sich zersetzend die ausgefeilteste Erkenntnistheorie und Logik denen,
auf die Lehren des Buddhismus auswirkte, ihn inner­ die ein religiöses Anliegen hatfon ! Auf diesen religiö­
lich aufzulösen und in den Hinduismus zurückzuführen.
Versuche ich zum Schluß die allgemeine Bewegung
zu Ußlreißen, so scheint sich mir folgendes herausge­
sen Drang der Massen antworteten die Denker nicht,
sie konnten es auch nicht mehr tun, weil sie darüber
hinaus waren. Die Mehrzahl der Mönche aber dürfte,
INDEX
stellt zu haben : zumal wenn sie eben im Grunde überholten Auffassun­
Als Seismos21) drängte ..-on unten die große Mll&!ll gen ..-erhaftet bliebe von diesen Traktaten soviel ••er­
TO THE
des Laienvolkes mit seinen religiösen · Erwartungen. standen haben, wie der durchschnittliche Mönch oder
Die wrmochte der Buddhismus nicht mehr zu erfüllen. Geistliche von Hegels Logik.
Da der Orden aber ohne die Laien nicht leben konnt-0
- fielen sie aus, dann war der Buddhismus erledigt -,
Vollends zurückgebettet in den Hinduismus wurde
der Buddhismus durch den Tantrismus ; denn der läßt INDIAN T E XT
mußten sich die Mönche irgendwie vom Sehnen der in der inneren Struktur seiner Kulthandlungen, dem
Laien angesprochen fühlen, wollten sie die Laien inneren Gefüge nach, durch das sie \\irksam gemacht
nicht verlieren wid dem Buddhismus das Grab berei­ wurden, das angestrebte Ziel zu vernirklichen, auf den OF THE
ten. Ihre Anliegen mußten aufgefangen und innerhalh letzten Gehalt zurückgeführt nur wieder das vedische
buclclhistischer Möglichkeiten befriedigt werden. Mir Opfer der Brlihmai;ia und Srautasütren - vielleicht

K Ä C YA P A P A R I V A RT A
kommt es nicht unwahrscheinlich · vor, daß · aus der noch älterer Zeit - aufleben, das über die Gestaltung
Wechsel"irkung beider Kräfte der Bodhisattva als so im Mikrokosmos durch das zweckdienliche magische
eine Art Ersatzgott - auch mit seinem späteren Wort des Kundigen die Erfüllung des Gewollten im
Kult - hervorging. l\lakrokosmos anstrebte und erreichte.
So ,-cr.;chie<len in jedem Falle J.ie Fa..auc blieb, BY
:D.i..: scr '\."V!kbA.;ligi�n Bewegung shmd der Vedäutö
innerlich -.iel näher, er war ihr verwandter als der so unterschiedlich die Nomenklatur, es hatte sich eine
eigenständigere, gegenständige Buddhismus. Es mag neue Ausprägung des Hinduismus herausgebildet, aus
eine etwas grobschlächtige Formel sein, die Lage der dem der Buddhismus entstanden, gegen den er er­ FRIEDRICH WELLER
Dinge in die Aussage einzufangen, daß derVedä.nta die wachsen war, den er trotz aller naturgegebenen
Gottgläubigkeit der alten Inder in die Philosophie geschichtlichen Bindungen überholt hatte.
erhob, philosophisch durchdachte und die von der Nach allem glaube ich, der Källyapaparivarta. stelle
Religion aufgeworfenen Fragen philoeophisch löste. ein gewichtiges Dokument dar, das einmal gestattet,
Sie darf hier, die Sachlage zu charakterisieren, einmal in die Geschichte seiner inneren Selbstauflösung hinein­
durchschlüpfen. Der Buddhismus stand gegensätzlich zuschauen und die Kräfte zu erkennen, welche dies
dazu. bewirkten. Auf dem indischen Fest.lande hatten die
Soweit sie nicht religiöS gebunden waren, sondern Mohammedaner nicht mehr 'iel '-on Buddhismus zu
philosophisch, kamen die Laien aus dieser Geisteswelt beseitigen. In clen Randgebieten buddhistischer Aus­
zum buddhistischen Mönchsorden, und wie die Inhalte strahlung blieb er erhalten. Sie waren schon durch
unseres Textes bekunden, rissen diese innerlichen Bin­ die geographische Lage gegen auflösende Einflüsse vom
dungen nicht damit ab, daß sie buddhistische Mönche indischen Festlande her abgeschirmt�r. Dort lebte er
wurden. Über die unteren Mönchsschichten, die dem fort, soweit nicht die Mohammedaner ganze Arbeit
Volksleben verhafteter blieben und anfälliger waren leisteten.
für Einflüsse aus der umgebenden Geisteswelt, drangen Könnte Buddha heute noch überschauen, wie sich sein
diese in das buddhistische Lehrgefüge ein. Auch diese \Vollen in Indien ent"·ickelte, so schlösse er sich vielleicht
Einflüsse wurden abgefangen, indem sie in ältere Lehr­ den "„orten des K�isers in Goethes ,Faust' an:
bestände eingebaut wurden. Sie wurden angepaßt, Ich hoffte Lust und Mut zu neuen Taten;
manche Einzellehren des älteren Buddhismus wurden l)()("h wer eu<"h kennt� der wird euch leicht erraten.
Ich merk es wohl : bei allt•r Schätze Flor,
entsprechend mit. neuem Gehalt gefüllt, umgebogen, zu­ PUBLISHED BY THE HARVARD-YENCHING INSTITUTE
\ne ihr gewr.Mt"n. M""id ihr nach wie ,·or.
gepaßt. So wurden auch diese Einflüsse abgefangen, dies­
mal allt>nlings nicht, ohne daß d<'r Buddhismus inner­ 20) Faust, 2. Teil. 2. Akt : Am Obeni Peneios. <ksamt­
lich zerfressen wurde und äußerlich der Orden verfiel. ausgabe des Insel-Verlag.s, Leipzig 19.\l, S. 353: Seismos in
Stellt man in diese Jahrhunderte sich vollziehender
der Tiefe brummend und polternd. · CAMBRIDGE MA-SSACHUSETfS
Einmal noch mit Kraft geaehoben,
&lbortaufliilrung cll'S Buddhismus clie überragenclt>n
)fit dt"n H<-hultf"m bnn· gt-holK"n !
)..c.•i="'tung(•n hm1«lllist.iS<"h<"r E1·krnntniMtheo�tikf'r uml & gdan,...rf'n wir n:u.·h olK"n.
Logiker, so hamlelt. t>S sieh clabl"i, gc.•schiehtlich gesehrn, \Yo uns alles wei('brn muß. 1935

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