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Kathrin Rösch

Arbeitsauftrag Sitzung 3, 8.3.21

a. Erzählungen werden mit Sacks (1992) als „große Pakete“ (big packages) verstanden. Inwiefern er-
fordert ihre Entwicklung eine Ausnahme vom regulären Turn-by-turn-Talk? (= wenn Sprecherwechsel
prinizipiell an jedem TRP (=transition relevance place) möglich ist, vgl. letzte Sitzung)

Die Problematik besteht darin, dass die Rezipienten erkennen müssen, wenn der Sprecher ein grosses
Paket einleiten möchte. Es braucht gewisse Techniken, die der Erzähler verwenden muss, um seine Er-
zählung normgemäss zu überbringen, er muss den Raum organisieren.

b. Aus welchen Abschnitten setzen sich Erzählungen nach Labov & Waletzky (1967) zusammen?

Die Erzählung wird angekündigt, es folgt eine Orientierung und die eigentliche Erzählung mit Plot und
Höhepunkt. Sie endet mit einer Evaluation, in der die eigentliche Moral der Geschichte genannt wird.
Danach geht das gewohnte turn-by-turn-talk – Gespräch weiter.

c. Was unterscheidet den konversationsanalytischen Blick auf Erzählungen vom produktorientierten


Blickwinkel von Labov & Waletzky?

Während sich die Konversationsanalyse für die Interaktionen interessiert, lag der Fokus von Labov und
Waletzky auf der Struktur und den Sequenzen der Geschichte.

d. Welche prinzipiellen Möglichkeiten zur Einleitung von Erzählungen in Interaktionen gibt es?

Grundsätzlich werden selbstinitiierte und fremdinitiierte Geschichten unterschieden. Bei den selbstini-
tiierten Geschichten ist die Einleitung mit Bezug zum aktuellen Thema häufig, also eine Erzählung, die
in den bestehenden Kontext passt. In diesen Fällen ist die Einleitung meistens unkompliziert, da die
Aufmerksamkeit und das Interesse am Thema bereits bestehen. Wenn eine selbstinitiierte Geschichte
ohne Bezug zum Thema erzählt werden will, ist eine rhetorische Frage zum Einstieg gängig. Damit kann
man die bis anhin noch nicht vorhandene Neugier der Rezipienten wecken. Versucht man, eine Ge-
schichte aus dem Nichts gegen ein laufendes Thema einzuleiten, sind häufig mehrere Versuche nötig.
Beim fremdinitiierten Erzählen befindet man sich vielfach in institutionellen Kontexten, wo die Er-
zählaufforderung begründet und beidseitig erwartet wird.

2. Schauen Sie sich die Videosequenz „Stromstunde“ und das dazugehörige Transkript aus dem ILIAS-
Ordner an. Identifizieren Sie (mit Angabe von Transkriptzeilen) die Einleitungssequenz, den Hauptteil
und die Ausleitungs-/Abschlusssequenz dieser Erzählung.

Einleitungssequenz: 02 (Eben;) → Jana bestätigt mit dieser Aussage die Vorangehenden und impliziert
gleichzeitig ihr Bedürfnis, das Ganze noch genauer zu erläutern. 03 (mir ham uns au bei der Ersten-) →
Eigentlicher Beginn der Erzählung.

Hauptteil: 03 (mir ham uns au bei der Ersten-) bis 26 ((-) des halt nomal irgendwie zu verTIEFen;) → der
Hauptteil ist insofern zu Ende, weil die folgenden Sequenzen die Geschichte nicht mehr weitererzählen,
sondern nur noch kommentieren.

Ausleitungs-/Abschlussphase: 27 (des STIMmt;) bis 40 (((lacht))) → Ab 27 beginnt die Zusammenfas-


sung und das Kommentieren, die für den Abschluss einer Erzähleinheit typisch sind. Auch das Lachen ist
in dieser Phase häufig zu beobachten.