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flas WÍederer\Machern

der EnternaÉionafle

Rede
gehalten am internationalen Massenmeeting
vom 8. Februar 1916 im Volkshaus in Bern
von
Dr. C.$RACOVSKY, Bukarest
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Preis 20 Rappen
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Zu beziehen
durch die Internationale sozialistische Kommission in Bern

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vor\üort.
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Aus Anlass der Sitzung der erweiterten Internatio-

.{# nalen Sozialistischen Kommission zu Bern fand am


8. Februar 191ó im Heim der bernischen Arbeiterschaft,
im neuen Volkshaus, eine internationale Massenkund'
gebung statt. Von der Arbeiterunion und der sozial-

#N #-E# demokratischen Partei der Schweiz einberufen, hörte


die Versammlung Reden der Genossen Modígliani aus
Livorno, N. Lenín aus Russland, Dr. med. Racovsky aus
R 4eB Bukarest und Robert Arimm aus Bern an, die von der
Cenossin Dr. Angelíca Balabanoff übersetzt wurden.
Auf vielfach geäusserten !(/unsch geben wir hiermit
die Rede Dr. Racovskys, die durch ihre Beleuchtung
der internationalen Situation wie durch ihr tiefes Be-
kenntnis zum proletarischen Internationalismus einen be-
sonders nachhaltigen Eindruck hervorgerufen hat, wieder.
Möge das Schriftchen beitragen afi Verbreitung des
internationalen Gedankens und zur Stärkung der ein-
zigen Kraft, die den Völkern die Befreiung vom Mili-
tarismus und Kriege, von der Ausbeutung und Unter-
jochung bringt, der Kraft des internationalen, revolu'
tionären Sozialismus.
Bern, im Februar 1916.
Inlernalionale Eozialiilisßhe lhnmittion,
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Bürger! Genossen!
I i; Unser Genosse Modigliani hatte unrecht, in unserm
Namen zu sagen, dass wir besser französisch sprechen
würden als er. Wenn man zwei Grenzen überschreitet
und aufeinanderfolgend zwei Leibesvisitationen erträgt,
lässt man in den Händen der Zöllner nicht nur seine
1i

Papiere, sondern auch viel von dem Französisch zurück,


das man gelernt hat.
Es ist nicht das erste Mal, dass ich seit Beginn
,
des Krieges nach Bern komme, ich war schon letztes
j Jahr um diese Zeit hier. Aber welcher Unterschied !
Damals machte die Internationale eine tiefe moralische
I

'r Krise durch. Es war der Augenblick, wo der Burg-


¡
friede und die "heilíge Einigkeít" sich auf dem Höhe-
,1
punkt ihrer Kraft befanden und in den Reihen unserer
1
'I Partei die Niedergeschlagenheit und der Pessimismus
1
vorherrschten. Es war die Zeit, wo man sich erröten
i
:t fühlte bei dem Gedanken, der sozialistischen Partei
:'
I
anzugehören. Und als ich vorhin im Hintergrund un-
seres Podiums die Büste Bebels betrachtete, kreuzte
1
meinen Geist eine wahnsinnige und absurde Idee: Ja, er
!
,I tat gut daran, zu sterben, habe ich mir gesagt, dieser
I alte und vornehme Kämpfer der grossen revolutionären
,
Richtung, um nicht dem moralischen Sturz seiner Partei
,i beizuwohnen. (Bewegung) Aber heute können wir in
3
t.'1,
die Zukunft sehen, den Kopf hoch und voller Ver'
.i
,|
trauen zu uns selber. Das Erwachen des sozíalistíschen
Oewissens und der Arbeítermassen geschieht überall,
schwerer in dem einen, leichter in dem andern Lande.
Das zweifache Joch des ausgesprochenen Chauvinis-
ii
.ti I

:1;

1
6- 7--
mus sowie fremder Invasionen abschüttelnd, ist dieses ihr in gleicher Entfernung von den beiden Gegnern
Erwachen ein allgemeines, reell und unbestreitbar, und geblieben, ihr habt die rote Fahne weder auf die eine
wir können, ohne ein Dementi zu befürchten, sagen, noch auf die andere Seite des Sozialismus der krieg-
dass der internationale Sozialismus seinên Weg nach führenden Länder gesenkt. Seit Beginn des Krieges
vorwärts wieder gefunden hat. sagtet ihr zu denen, die der Internationalen treu geblieben
Und ihr, Sozialisten und Proletarier der Schwqiz, sind, døss d.ieser Kries nicht unser lSiee íst. (Lebhafter,
erlaubt mk zu sagen, dass ein Teil des Clanzes wieder- ønhøltender ÊeifaL) Und ihr hattet recht.
kommt in dem Werk der sozialistischen \üi/ieder- In der Tat ! Was hat man uns bei Beginn des
erneuerung, in diesem Werk der sozialistischen Cesun' Krieges gesagt?
dung, mit welchem der Name Z ímmerwøld eng verknüpft , u Marschiert mit uns, u sagten die einen, u wir ver-
ist. (BeíÍall) Jawohl, Zimmerwald, das ihr und wir stolz treten die Freiheit, die Demokratie, die Zivilisation, die
auszusprechen das Recht haben, denn es gilt nicht intellektuelle Kultur gegenüber dem absolutistischen
mehr bloss als ein geographischer Name, sondern als und barbarischen Russland. Unser Sieg bedeutet die
ein Symbol des ínternatíonølen Sozialismus, um morgen Befreiung 'Polens, die Wiederherstellung der Ukraine,
ein Banner zu sein, um das sich die Arbeiterbataillone die Emanzipation der Juden.,
Europas und der sozialistischen Menschheit schaaren u Marschiert mit uns, u wiederholten die andern,

werden. (Anl¿altender BeíÍall) < wir vertreten das Prinzip der Nationalität, wir ver-

Und nun, mein lieber Grimm, erdulden Sie es, dass treten den Respekt vor den internationalen Verträgen,
ich mich an Sie wende und lhnen persönlich und wir vertreten die verletzte Neutralität Belgiens, wir sind
öffentlich die Anerkennung ausspreche für das Ver- die Menschlichkeit und das Recht ! u
dienst, das lhnen in diesem Rettungswerk fi.ir den Und nun sind es bald 20 Monate, dass die ver-
Sozialismus zukommt. (Be¿fatt) Nicht aus Schmeicheiei einigten Mächte unter diesen Vorwänden auf allen
sage ich dies, sondeÍn um den Weg abzustecken, den Schlachtfeldern verbluten und die Menschheit entehren.
wir seít einem Jøhre darchlaufen haben und um die Provinzen und ganze Länder sind zerstampft, ganze
Pflicht, die uns allen obliegt, lhr Werk fortzusetzen, Völker dezimiert worden. Welches ist das Resultat des
zu betonen. (Sehr gat) Krieges ? Wie steht es mit der Befreiung der Völker,
Bürger ! Genossen ! mit dem Triumph der Freiheit, mit dem Prinzip der
Ich weiss nicht, ob eure politische Neutralität noch Nationalität, mit dem Respekt vor den Verträgen ? \Mas
intakt ist, ich glaube es. Aber es ist eine andere Neu- ist aus der Befreiung Polens geworden? Und ich spreche
tralität,.von der ich sprechen will und welche ihr sozia- nicht von den Verwüstungen, deren Cegenstand es
listischen Proletarier der Schweiz aufrechtzuerhalten war, ich spreche nicht von den unzählbaren Opfern,
wusstet bis zur heutigen Stunde. Ich spreche von der mit denen es die einander folgenden Invasionen der
sozí.alistischen Neutralitöt. (Beifall) Von Anfang an seid Armeen bezahlte. Ich spreche nicht von seinen Ver-
8- 9-
lusten und Schäden, die jahrelang nicht wieder gut- minte und Beute der grossen werden. (BeiÍatt) Nein,
gemacht werden können. Aber ich willvon der Zukunft das wäre ein historischer Widerspruch, wenn man
Polens sprechen. Wissl ihr was davon? rù(/isst ihr nicht, sagen wollte, dass ein solches Volk unterlegen oder
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dass das unglückliche Polen øm Vorabend einer vierten verstümmelt worden sei, weil der Kriegsgott ihm nicht
:!
Teilung steht? (BeiÍall. RuÍe: Sehr ríchtig!) 'Ë gelächelt habe.
Eine Stimm¿; Aber wer trägt die Schuld? 1
Ich komme aus einem Lande, das lhnen den besten
Racovski: Der Krieg. { Beweis für das, was ich sage, liefert. Sie wissen, was
Und Serbien.2 Oibt es eine grössere Tragödie? sich in RumdnÌ¿n während des Krieges 1877/78 er-
Kennt man in der Geschichte, seitdem die Menschheit eignet hat. Rumänien war der Verbündete Russlands,
existiert, ein Beispiel grösserer moralischer und phy- es hat mit dem Blut seiner Soldaten zu der Niederlage
sischer Leiden als die des serbischen Volkes während Osman Paschas in Plewna beigetragen. Das hinderte
dieser letzten drei Monate? Es ist nicht eine Armee, nicht, dass Russland seinem Freund und Alliierten Rumä-
die vernichtet wurde, nein, es ist ein ganzes Volk, das nien Bessarabien wegnahm, das Europa uns nach dem
die Hälfte der Seinigen verloren hat, das Zehntausende Krimkriege wiedergegeben hatte. Und jetzt frage ich
von Frauen, Kindern und Greisen während des Rück- Sie an jenem Tische, von dem aus sich Sympatihen
zuges in den albanischen Alpen liess und sie dem für den Vierverband vernehmen liessen, sind Sie sicher,
Hunger, der Kälte, den Krankheiten und den feindlichen dass ein siegreiches Russland nícht mit Deutschland
Kugeln opfern musste. Dennoch rechneten die un- und Oesterreich sich versöhnen könnte, u¡n mit d.iesen
glücklichen Serben auf die Beihilfe von vier Cross- Staaten ein neues Bündnis für eíne abermølige teílweise
mächten Europas. Bis zum letzten Augenblick waren oder gdnzliche Aufteilung des Bølkøns zu schlíessen?
die Fenster von Nisch für den Triumphzug der alliierten Eine Stímme.' Jawohl, das ist möglich!
Armeen mit den Farben Frankreichs, Englands, Russ- Racovskí: Nun, dann sagen Sie wenigstens nicht,
lands und Italiens geschmücl<t. An Stelle der Franzosen dass die Niederlage des Vierverbandes die Ursache des
und Engländer waren es die Bulgaren und Deutschen, Unglückes sei, das über das belgische und serbische
die sich näherten und die sich schon unter den Mauern Volk gekommen ist. Wir kennen das Scheinwesen ver-
*
der zweiten Hauptstadt Serbiens befanden. meintlicher Aufstiege sehr wohl. \rVir, die wir im Balkan
;F.
Eíne Stimm¿.' Das beweist, dass wir uns schlecht die Ereignisse besser beobachten konnten als Sie, haben
geschlagen haben ! rI dem schwindligen Aufschwung Serbiens beigewohnt,
Røcovski: Sagen Sie das nicht ! Es gibt Verhältnisse, .r haben es sein Gebiet verdoppeln sehen; wir hörten die
die stärker sind als die Kräfte der Armeen. Es gibt Schmeicheleien und Lobreden, die man ihm in diesem
Gesetze der Notwendigkeit, die aus den ökonomischen Moment in der Ententepresse reichlich spendete, aber
Zuständen hervorgehen, and die køpitalistische Not- man brauchte nicht ein grosser Prophet zu sein. um
wendigkeit führt dazu, døss díe hleinen Staaten Instru- zu verstehen, dass dies alles unbeständig sei. Wir, die
10 -: 11

Balkansozialisten, können das Verdienst beanspruchen, dem, was ich geschrieben habe. Das, was wir heute
die Balkanvölker vor der Katastrophe gewarnt zu haben, behaupten, .das haben wir gestern behauptet, werden
die sie erwarte für den Fall, dass sie sich nicht zu wir immer behaupten. !Øas auch das Resultat des
einem Werk der Demokratie, des Friedens und des Krieges sein möge, wer auch der Sieger sei, die Be-
Fortschrittes zusammenschliessen, einem !üerk, das siegten werden immer auf der Seite der kleinen Völker
nichts anderes sein kann als die republikanísche Ver- stehen, die zur Zeit des Frtedensschlusses als kleine
einigung des Bølkans. Und als der Vertrag von Bukarest t
Wechselmünze auf dem Mørkte der Diplomatie díenen
unterzeichnet war, als Serbien, Griechenland und Ru- ì

müssen und dienen werden. Das, was wir behaupten,


mänien, die Siegreichen, dem besiegten Bulgarien das i
was wir immer behaupteten, ist, dass die kleínen Völker,
Messer an den Hals setzten und in ihren Friedens- :
die íhr Schícksal den Hdnden der Orossmdchte an-
bedingungen ihm einen Teil seines ûebietes entrissen, vertrauen, stets unglücklich sind. Ihre Grösse von heute
haben wir ihnen zugerufen: Seht íhr Wahnsinntgen
i
"i besteht nur um den Preis ihrer Vernichtung und Auf-
denn nicht, døss íhr euch selber in einen Abgrund teilung von morgen. Von dieser Regel wird auch
stürzt? Seht ihr denn nicht, dass ihr nur für ihrenVorteil Bulgarien keine Ausnahme machen, das heute von
arbeitet? Wer kann leugnen, dass das offizielle Serbien,
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i
L
neuem den Traum seiner Grösse zur Wahrheit werden
trotz der militärischen Diktatur des berüchtigten Narod- glaubt. Aber selbst wenn es seine territorialen Er-
na Odbrana, nicht eine Probe von grosser Klugheit j
oberungen beibehalten sollte, wird es morgen, obschon
und von grosser Mässigkeit gegeben haben würde, ì
j vergrössert, nichts anderes als ein Vasølle des kapitøli-
j
wenn es nicht die russische Diplomatie hinter sich I
,
stischen Deutschland sein. (BeiÍall) Das, was wir be-
gehabt hätte? Man weiss, dass Russland die ganze i
haupten, ist eine Verheissung auch an dich, kleines
i..
!íelt haben will, weiss, dass Russland Konstantinopel I

Schweizervolk, an uns kleine Balkanvölker, ist eine


mit den Meerengen möchte, für welches ihm die Balkan- 1"
!

1,, Verheissung an alle kleinen Völker Europas und Asiens,


die Befreiung aller unterdrückten Klassen. Es gibt da
i
völker die Eroberungen sichern müssten. t
I
Eine Stimm¿.' Aber Sie haben ja selbst geschrieben, 1

ri.
nur ein einziges Mittel, einen einzigen Weg, eine ein-
dass die Verantwortlichkeiten für den Krieg nicht gleich- zige Politik: Der Steg des Sozialismas. (Lang' anhal-
I
nrässig verteilt seien. (HeÍtiee Proteste erheben sich l
'i
tender Beifall)
überall int ganzen Saale gegen die Zwíschenrafer, and j

J Wenn wir euch, Bürger und Oenossen, sagen, ihr


es herrscht einige Mínuten grlsse Unrulte)
t

I
1
sollt weder zu Sir Grey noch zu Bethmann-Hollweg,
Racovski: Bürger! Genossen! Es sind alte Freunde, +
'i weder zu Delcassé noch zu Berthold, weder zu Burian
die unterbrechen. Ich bitte Sie, hindern Sie sie nicht I

noch zu Sasonoff Vertrauen haben, so nicht deshalb,


daran, ihre Bemerkungen zu machen, ich werde darauf i wie ihr sehr gut wisst, weil wir mit falscher Stimme
antworten. )
I
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versuchen, eure Sympathien für die monarchistische
Das, was ich jetzt sage, widerspricht keineswegs J

I
Koalition, die künftighin dem orientalischen Europa
:

I
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t2 13

diktiert wird, zu gewinnen. Nein, wir sagen es, weil und Professoren wachen, die Kriege mit ihren ökono-
wir den Völkern die neuen Anstrengungen, gefolgt mischen, ethnographischen und strategischen Grenzen,
von neuem Unheil und neuen Enttäuschungen, zu er- die sie schufen, haben zu solchen Komplikationen
sparen wtinschen, und es geschieht vor allem aus geführt und zu einem
deshalb, weil wir dem Proletariøt den Oløuben an - verzeiht den Ausdruck -
solchen mazedonischen Salat, bei dem sich niemand
seine eigene Sache zurückgeben wollen. (Lang ønhøltender mehr auskennt. Aber der Krieg der Menschen und
und wiederltolter Beifall) der Maschinen ist noch nicht beendet. Es erheben
Dir, allein diç Proletariat ganz Europas, pro- ì
sich am fernen Horizont schon wieder neue Gewitter-
letariat der beiden Welten, gehört die Aufgabe deiner l

I
wolken, Signale eines neuen, unheilvollen Krieges, des
eigenen Befreiung und der Befreiung der ganzen Mensch- I
I
ökonomischen l(rieges. (RaÍe : Sehr wahr ! Beífall.)
i r.
heit. (Anhøltender Beiføll) Und wenn die sozialistischen l Deutschland will einen Zollverein mit chinesischen
ì
Parteien, wenn ihre Ceneralstäbe die ihnen zugewiesene f
: Mauern für alle Völker vom Aermelkanal bis zum
Aufgabe nicht erfüllen, so ist es die Geschichte selbst, 1*
J

persischen Golf, einen Zollverein, der ein Mittel, eine


i
die sich damit belastet an Stelle der versagenden 'l furchtbare gegen die Feinde Deutschlands gerichtete
Führer. Jetzt zeigt es sich den Augen aller Völker J. Waffe bilden würde. Die hohe englische Justiz ihrer-
klar, dass die Bourgeoisie, der Kapitalismus, dass das ¡

., seits fällt l-lrteile, durch welche die vor dem Kriege


Regime der Desorganisation und der ökonomischen i1
abgeschlossenen Verträge auch für die Zeit nach dem
Anarchie, das Regime der einander widersprechenden
1a

t
Kriege ungültig erklärt werden, weil, wie es in dem
Klasseninteressen unfähig sind, ein einziges Problem t
Urteil der englischen Richter heisst, dem gegenwärtigen
.t.
zu lösen, das sich ihnen stellt. ,t Kriege der ökonomische Krieg folgen müsse. Und wenn
Nach 20 Monaten des Krieges, nach Hunderttau- i
1.
eine soziale Ordnung, nachdem sie der Menschheit
sênden und Millionen von Opfern, nach der Ver- ï Opfer auferlegt hat, wie sie die vernichtendsten Kriege
schwendung von Milliarden, hat der Krieg nur dazu I der Geschichte nie kannten, in eine solche Sackgasse
I
geführt, díe Probleme zu verwirren, sie unentwirrbar .ì
führt, so erklären sie dadurch den eigenen und voll-
zu machen. So befinden wir uns im Balkan, nachdem r ständigen Bankrott, Nie hat der Sozialismus eine rei-
:
wir in drei aufeinanderfolgenden Kriegen einen Tribut I
'1 :. chere Ernte einzuheimsen gehabt. Allerdings es ist eine
I
bezahlt, der schwerer ist, als ihn eine türkische Herrschaft tragische Ernte, eine Ernte, die eingeheimst werden
von weitern fünf Jahrhunderten gebracht hätte, keines- I muss auf den Schlachtfeldern, inmitten der Leichen
l
wegs vor der Lösung des nationalen Problems, die I und Strömen von Blut. Aber das ist nicht unser Fehler.
das scheinbareZiel des Krieges war, sondern wir treten Nicht wir, sondern die Bourgeoisíe ist es, die das
wollte. Es ist der l(apítalismus, der es verschuldet
I

in eine Període von noch viel gefdhrlicheren l{risen und I

ri

natíonøIen KrimpÍen ein. Die verschiedenen internatio- iI hat, dass der menschliche Fortschritt um diesen Preis
über qeren
nalen KonfeÍenzen,, uDer Ausgang qte
deren l\usgang die Drp
Diplomateír I
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erkauft werde. (Lebl¿after, anhaltender Bei,fall) An uns
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ist es, zu zeigen und zu beweisen, dass dieser Fortschritt Feuer der furchtbaren Heimsuchung, die über die
nur durch die sozíøle Revolution sich vollziehen lässt. Menschen gekommen ist. Er revidiert aber diesntal im
Aber Sie werden sich fragen: $Øoher kommt es, revolutiondren Sinne. Auf den Ruinen der bürgerlichen
dass im gleichen Augenblick, da die historischen Be- Ideologie erhebt sich mit neuer Kraft die ldeologie des
dingungen für eine energische nnd. geschlossene Ak- Sozialismus.
tion die denkbar günstigsten waren, wo in einem Bürger ! Genossen !
Moment, da der Kapitalismus sich als der unversöhn- Der l(rieg zwingt uns eine Reihe neuer Aufgaben
lichste Feind der Zivilisation und der Menschlichkeit auf. Den Gefühlen, die bei uns schon in der Vergan-
gezeigt hat, die sozialistischen Parteien ihre Pflicht genheit lebendig waren, îügen sich neue !íünsche und
nicht erfüllt haben? Das kommt daher, dass sie für neue Hoffnungen bei. Vor einem Augenblick noch, als
diese Aufgabe nícht vorbereitet waren. Die vorwärts- ich die heutige Nummer der tuerre sociale von Hervé
strebenden Kräfte des Sozialismus waren schon vor las, die jetzt, weil ihr Redakteur Patriot geworden ist,
dem Kriege gehemmt. Die gegenwärtigen Verhältnisse :
unter dem Titel La Victoire erscheint, sah ich darin
haben lediglich einen Fehler festgestellt, d.er schon t
1' eine symbolische Zeichnung. Auf einem mit Leichen
vorher existierte. Der Sozialisntus høt vergessen, døss j.

übersäten Schlachtfelde erscheint Frankreich als die


die KraÍt seíner þewegung wie die l(røft des antiþen 4,
Verkörperung der Menschlichkeit und ruft mit ausge-
Helden in dem Íortwtihrenden Kontakte mit der ihn
:T

breiteten Armen den Toten zui Ihr werdet gerächt


gebdrenden Ursacfie, mit der Arbeiterklasse, besteht. ii <<

werden ! u Auch wir, wir alle sind von diesen Gefühlen


Der Opportunismus mit seinem unvermeidlichen Zu- a.r!,

'l' beherrscht, auch wir sagen uns, dass sie gerächt


sammengehen mit den übrigen Klassen, hat schon die
revolutionäre Energie des Proletariats gelähmt. Nur t',- werden, alle die Toten, die auf den Schlachtfeldern
Europas und Asiens fielen, die oben in den Cletscher-
'1
wenn wir nicht wollen, dass die gegenwärtige tödliche x,,.' bergen ruhen und in den Tiefen der Meere und des
Krise, in der sich die kapitalistische Ordnung befindet, 4.
f., Ozeans, sie werden gerächt werden, sie und ihre Waisen.
für die Menschheit unnütz vorübergehe, so wie häufig ir' Ich sah noch in der letzten \Woche die serbischen
im Sommer Gewitterwolken über unsere Köpfe hin- \ü/aisen in den Strassen herumirren und betteln, elternlos
wegeilen, ohne sich zu entladen, nur wenn wir nicht î und ohne Schutz, und ich hörte die Stimmen von
ti.
wollen, dass alle die unerhörten Leiden nur der Vor- :i. .
andern tausenden von Waisen, die aus der Ferne
1.:'
bereitung anderer dienen und als Resultate neue Kriege kamen, heimatlos, aus Kleinasien. Tausende von Waisen
hervorrufen, nur dânn wird der Sozialismus seine glor- i, jenes unglücklichen Volkes, des unglücklichsten der
reiche Tradition des revolutionären Klassenkampfe's Erde, des armenischen Volkes, wurden in der Heimat
wieder erlangen. (BeiÍall) l selbst vernichtet oder nach Mesopotamien verschickt in
I
Diese Arbeit ist bereits in Vorbereitung. Der Sozia- grossen Karawanen, von denen die Hälfte auf der Strasse
Iismus schmiedet bereits seine Kampfwaffen in dem ,l liegen blieb. Jøwohl, sie werden alle gerdcht werden,
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ohne (Jnterschied der Nationen und der Rassen, alle


unsere Brüder, die der Kapitalísmus seinen Interessen
und seinem Bestreben geopfert høL Jawohl, das drohende
Urteil der Geschichte wird sein Vy'erk erfüllen, aber
ich kann es hier mit euch allen bestätigen, mit allen
wahrhaft internationalen Sozialisten, dass dieses Werk
der Vergeltung sich erfüllen wird, nicht auf den Schlacht-
feldern der Nationen, sondern auf dem Schtachtfetde
des l(lassenkømpfes. (LebhaÍter Beifall)
O, dass ich sagen könntg dass diese Vergeltung
nicht in der Unterdrückung der einen Nation durch
die andere, eines Systems der Sklaverei duróh das
andere bestehen werde, sondern in der Aufrichtung
der ganzen Menschheit. (Minutentaneer BeiÍatt)