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Rom, am 15.

September 2021

FEST DES HEILIGEN VINZENZ VON PAUL

An alle Mitglieder der vinzentinischen Familie

Liebe Brüder und Schwestern,

Die Gnade und der Friede Jesu seien immer mit uns!

Den September nennt man den vinzentinischen Monat, weil wir Mitglieder der
vinzentinischen Familie quer durch die Welt uns vorbereiten, gemeinsam das Fest des heiligen
Vinzenz von Paul zu feiern mit wunderbar vorbereiteten Eucharistiefeiern, Wortgottesdiensten
oder anderen Gebetsstunden, die alle Zweige der vinzentinischen Familie in einer Pfarre, einem
Dorf, einer Stadt, einer Region oder einem bestimmten Land engagieren. Wir wollen das Fest aber
auch mit konkreten Taten des leiblichen und geistlichen Dienstes an unseren Herrn und Meistern
begehen.

Ich möchte allen Zweigen der vinzentinischen Familie meinen herzlichen Dank
aussprechen und sie beglückwünschen zum unglaublichen Einfallsreichtum, zum Engagement und
zum Dienst, den sie alle seit Beginn der Pandemie bis heute bewiesen haben, um das Leid zu
lindern, das Covid-19 in der Welt verursacht hat und das, wie immer, die Ärmsten und
Schwächsten besonders hart trifft. Wir alle hoffen und beten, dass das Schlimmste der Pandemie
hinter uns liegt, auch wenn dies in einigen Ländern mehr zutrifft als in anderen. Wir leben immer
noch mit einer großen Ungewissheit, was denn als nächstes passieren könnte.

Zunehmend lernen wir, neue Mittel zu gebrauchen, um über soziale Medien, Zoom und
andere uns zur Verfügung stehende Plattformen miteinander in Kontakt zu bleiben. Das sind
hervorragende Möglichkeiten zur Förderung der Vernetzung und Zusammenarbeit. Dennoch
spüren wir mit noch größerer Dringlichkeit das Bedürfnis, die persönlichen Begegnungen, Treffen
und Zusammenkünfte wieder aufzunehmen, wie wir sie erlebt haben, ehe sich die Covid-19-
Pandemie in der Welt ausbreitete. Nach einer so langen Zeit der Isolation, der Trennung und des
Verbots von Zusammenkünften sind wir sehr daran interessiert, unsere persönlichen Begegnungen,
Versammlungen und Treffen zu intensivieren.

Während Vinzenz mehr als 30.000 Briefe schrieb, damals die wichtigste Form der
„Fernkommunikation“, waren seine Tage ausgefüllt mit Begegnungen mit Einzelpersonen und
Gruppen, und er genoss sichtlich die Gebetswiederholungen und Konferenzen, zu denen sich die
Mitbrüder und die Schwestern versammelten.

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Bezüglich der Entwicklung der Vernetzung möchte ich drei Bereiche betonen, die ich
bereits in der Vergangenheit erwähnt habe. In jedem dieser Bereiche sind große Verbesserungen
zu verzeichnen, aber es bleibt noch viel zu tun, um die Ziele zu erreichen, die wir uns gesetzt haben.
Deswegen komme ich in meinem diesjährigen Brief wieder darauf zurück, denn ich bin überzeugt,
dass, wenn es uns gelingt, die Vernetzung und Zusammenarbeit zu verstärken und die Ziele zu
erreichen, die wir uns in diesen spezifischen Bereichen gesetzt haben, die anderen fast automatisch
folgen werden und es viel einfacher sein wird, in Zukunft für jede neue Initiative mit allen 160
Zweigen Verbindung aufzunehmen.

1) Die Nationalen Räte der vinzentinischen Familie in den 162 Ländern, in denen die
vinzentinische Familie derzeit gegenwärtig ist.

Das Büro der vinzentinischen


Familie (VFO) arbeitet fleißig daran, das
Ziel zu erreichen: im Jahr 2022 sollen alle
162 Länder einen Nationalen Rat der
vinzentinischen Familie haben.

Wer sollte dem Nationalen Rat


angehören? Die Vertreter aller Zweige eines
bestimmten Landes. Kein Zweig sollte
ausgeschlossen sein, sondern alle, ob groß
oder klein, sollen sich als Teil derselben
Familie fühlen. Wenn es sich um ein großes
Land handelt, könnte es regionale Räte der
vinzentinischen Familie sowie lokale Räte in großen Städten geben, wie dies in einigen Ländern
bereits der Fall ist. Alle diese Räte sollten weiterhin miteinander vernetzt sein und vom Nationalen
Rat koordiniert werden.

Ich möchte die Zweige eines Landes, einer Region oder einer Stadt, die schon länger vor
Ort sind und mehr Erfahrung im Bereich der Organisation haben als andere Zweige, dazu aufrufen,
die verschiedenen Vertreter der Familie zusammenzurufen. Sie können die einzelnen Zweige
einladen und die Räte organisieren, an denen jeder Zweig teilnehmen soll, um während des Jahres
gemeinsam verschiedene Projekte, Initiativen und Treffen zu planen. Ich ermutige die Nationalen
Räte, ihre Treffen nicht auf ein einziges Mal im Jahr zu beschränken, sondern sie mehrmals im Jahr
abzuhalten, um die gemeinsame Arbeit und die Vernetzung zu entfalten und zu intensivieren durch
eine regelmäßige Einberufung der Familie.

Als Vinzenz die Wichtigkeit der Zusammenarbeit bei Initiativen betonte, die von anderen
ergriffen wurden und die mit dem Ziel der Kongregation der Mission übereinstimmten, stellte er
sich die Einwände vor, die seine Mitglieder e erheben könnten. „In der Genossenschaft könnte
man sagen: ‚Das ist eine gute Sache! Mein Herr, ich bin in der Welt, um den Armen das

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Evangelium zu verkünden und nun wollen Sie, dass ich in Seminaren arbeite?“1; „Mein Herr, es
ist gut, dass wir dies tun, aber aus welchem Grund sollten wir den Töchtern der christlichen Liebe
zu Diensten sein?“2; „Aber die Findelkinder, warum uns mit ihnen belasten? Haben wir nicht
genug anderes zu tun?“3 Vinzenz sagt, dass jene, die sich von solchen Diensten der
Zusammenarbeit abkehren wollten, „Leute mit einem kleinen Horizont seien, die ihren Blick und
ihre Pläne auf einen bestimmten Bereich beschränken, wo sie sich gleichsam einigeln. Sie wollen
aus ihrem Kreis nicht heraus, und weist man sie auf etwas anderes außerhalb davon hin, so
kommen sie und betrachten es, aber sie kehren alsbald zu sich selbst zurück wie die Schnecken in
ihr Gehäuse“4.

Ich lade Sie ein, alles zu tun, damit diese Begegnungen, Projekte und Initiativen nicht auf
zwei oder drei Zweige in einem Land, einer Region oder einer Stadt beschränkt bleiben, sondern
buchstäblich alle Zweige miteinbeziehen. Sobald der eine oder andere Zweig eine Initiative
vorschlägt und die anderen Zweige zur Zusammenarbeit einlädt, werden diese sicher folgen.

2) Antwort der gesamten vinzentinischen Familie auf Naturkatastrophen, Kriege


und andere Notfälle

Innerhalb der vinzentinischen Familie müssen wir ein System auf internationaler,
nationaler, regionaler und lokaler Ebene entwickeln, um so tatkräftig und so schnell wie möglich
auf Naturkatastrophen, Kriege und andere Notfälle zu reagieren, und zwar nicht als einzelner

1
Coste XII, 85; Konferenz 195 „Ziel und Zweck der Kongregation der Mission“; 6. Dezember 1658.
2
Ibid, 86.
3
Ibid, 88.
4
Ibid, 92-93.

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Zweig, sondern gemeinsam, als die gesamte vinzentinische Familie. Auf der Ebene des Exekutiv-
ausschusses der vinzentinischen Familie (VFEC) haben wir bereits begonnen, in diese Richtung zu
überlegen und zu handeln.

Im vergangenen Jahr haben wir uns als internationale Familie zusammengetan, um den von
Covid-19 Betroffenen und bei der tragischen Explosion im Hafen von Beirut zu helfen. VFEC
(=Exekutivausschuss der vinzentinischen Familie) hat gemeinsam mit der Kommission Famvin
Alliance with the Homeless (FHA) (=Famvin-Allianz für Obdachlose) unter Koordinierung seines
Nationalen Präsidenten und über den Nationalen Rat der vinzentinischen Familie im Libanon eine
Kampagne gestartet, um den Hunderttausenden von Obdachlosen in der libanesischen Hauptstadt
zu helfen.

Als Marseille im Jahr 1649 von der Pest heimgesucht wurde und Vinzenz den Tod von
Pater Brunet und seines Laienmitarbeiters, des
Ritters de la Coste, erfuhr, berichtete er über
eine rasche Antwort auf die Krise. Er schrieb an
Antoine Portail: „Die Frau Herzogin von
Aiguillon wird Ihnen 500 Livres schicken….
Sollten Sie mehr Geld brauchen, teilen Sie es
mir mit. Wir werden Ihnen sofort welches
zukommen lassen, und, falls nötig, werden wir
unsere Kreuze und Kelche verkaufen, um Ihnen
zu helfen“5.

5
Coste III, 472; L. 1125, „An Antoine Portail, in Marseille“, 6. August 1649.

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Dank der Einsetzung und Festigung der Nationalen Räte der vinzentinischen Familie in den
162 Ländern, in denen wir vertreten sind, werden wir nun Koordinierungsteams vor Ort haben, die
mit der vinzentinischen Familie auf internationaler Ebene zusammenarbeiten und zu einer Kraft
werden, auf die die Armen der Welt zählen können. Jeder Zweig, ob groß oder klein, ist ein
unschätzbarer Teil des wundervollen Mosaiks, aus dem die vinzentinische Familie besteht.

3) Famvin-Allianz mit den Obdachlosen (FHA) mit ihrer Kampagne 13 Häuser

Die FHA mit ihrer Kampagne 13 Häuser ist eine karitative Initiative, die die vinzentinische
Familie verbindet und aus diesem Grund innerhalb der vinzentinischen Familie gefördert werden
muss, um die Herzen der einzelnen Mitglieder zu bewegen, sich daran zu beteiligen.
Die FHA ist unser einziges gemeinsames Projekt. Deshalb muss sie in allen 162 Ländern,
in denen die vinzentinische Familie präsent ist, gefördert, eingeführt und ausgeweitet werden, so
dass keine Kongregation oder Vereinigung ausgeschlossen bleibt, sondern dass alle in jedem
Winkel der Welt, in dem wir leben und dienen, aktiv an der Initiative teilnehmen.

Bis zum heutigen Tag haben sich 44 Zweige der vinzentinischen Familie aktiv in die FHA
und in die Kampagne 13 Häuser eingebracht. Ab nun gibt es sie in 44 Ländern; 1.826 Häuser
wurden errichtet und 6.628 Menschen unterstützt. Wir hatten gehofft, dass sich anlässlich des
Festes des heiligen Vinzenz von Paul im Vorjahr viele andere Zweige, Kongregationen und Laien-
vereinigungen auf die eine oder andere Weise an der FHA beteiligen würden, aber dieses Ziel
wurde nicht erreicht. Es liegt noch ein langer Weg vor uns.

Leider nimmt die Zahl der Menschen, die auf der Straße leben, der vertriebenen Flüchtlinge
und der Menschen, die in Substandard-Unterkünften leben, infolge der Covid-19-Pandemie
weltweit dramatisch zu. Eine koordinierte Reaktion auf diese immensen Bedürfnisse ist mehr denn
je erforderlich.

Unsere Zeit erinnert an die Situation, mit der Vinzenz während der Fronde konfrontiert
war, als er vinzentinische und kirchliche Gruppen und Einzelpersonen mobilisierte, den
Vertriebenen zu helfen. Er schrieb an seinen Mitbruder in Polen:

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"Die geflohenen Mädchen wurden in Privathäuser gebracht, wo bis zu 800 betreut


und unterrichtet werden. Denken Sie daran, wie viel Schaden angerichtet worden
wäre, wenn sie sich irgendwo herumtreiben würden. Wir haben im Vorort Saint-
Denis in einem Haus hundert einquartiert. Wir werden auch die Ordensfrauen vom
Land, die vor den Armeen in Paris gestrandet sind und von denen einige auf dem
Bürgersteig, andere an verdächtigen Orten und wieder andere bei ihren Eltern
leben, aus dieser Gefahr herausholen; aber da alle zerstreut und in Gefahr sind,
dachte man, einen gottgefälligen Dienst zu tun, wenn man sie in einem Kloster unter
der Leitung der Töchter der heiligen Maria einschließen würde"6.

Wie ich bereits in einem Brief geschrieben habe, müssen wir rasch so weit kommen, das
Problem der Obdachlosigkeit nicht mehr individuell, von einer einzelnen Person oder von einem
Zweig in Angriff zu nehmen, sondern als Familie auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene.
Jeder Zweig trägt durch seine langjährige Erfahrung im Dienst an den Obdachlosen, seine
Erfahrung, seine Professionalität und seine Ressourcen bei, eine schlagkräftige Truppe
zusammenzustellen, die den Armen viel wirksamer helfen kann.

Zu diesem Zweck möchte ich alle


der 160 Zweige der vinzentinischen
Familie, die dies noch nicht getan haben,
einladen, aktive Mitarbeiter an der
Initiative „Famvin-Allianz mit den
Obdachlosen“ zu werden und sich an Frau
Yasmine Cajuste (fha.info@famvin.org),
Mitglied des Koordinationsausschusses der
FHA zu wenden, um Informationen und
Auskünfte zu erhalten. Sie können auch die
Website der FHA aufsuchen: vfhomelessalliance.org.

Aus Anlass des Festes des heiligen Vinzenz von Paul wünsche ich jedem Mitglied der
vinzentinischen Familie auf der ganzen Welt im weitesten Sinne eine tiefe Erfahrung der Gnade.
Mögen Unsere Liebe Frau von der Wundertätigen Medaille, der heilige Vinzenz von Paul, alle
Heiligen, Seligen und Diener Gottes der vinzentinischen Familie weiterhin für uns eintreten und
uns auf dem Weg der Globalisierung der Nächstenliebe inspirieren!

Ihr Bruder im heiligen Vinzenz

Tomaž Mavrič, CM

6
Coste IV, 406-407 ; L. 1511 „An Lambert aux Couteaux, Superior in Warschau“, 21. Juni 1652.

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