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2.95 € · ISSN 1437-7543 · Nr. 93/2.

2007 Leben heißt handeln

magazin
ARTENSCHWUND UND KLIMAWANDEL

DER WERT DER


VIELFALT

SCHWERPUNKT: Energie
TATORTE: Zurück in die Stein(kohle)zeit
VERKEHR: Autoindustrie statt Klimaschutz
SATIRE: Unter Klon-Schafen
inhalt

Seite 6

tatorte

6 Berlin, Bremen, Mannheim: Große Kohle macht Klima kaputt


6 Hamburg: AKW Brunsbüttel sofort stilllegen!
7 Berlin: Bahn für alle
7 Frankfurt: Papier-Konsum killt Wälder
7 Hamburg: Ausstellung Papierwende

Seite 8

tatort-hintergrund

Tempo wird schwedisch 8

Seite 10

titel

10 Der Wert der Vielfalt


16 Artenvielfalt und Klimawandel
18 Lachse: Kein guter Fischzug

kleinholz
42 GEO - Tag der Artenvielfalt: Natur auf der Spur

2 Nr. 93/2.07
inhalt

satire
22 Unter Klon-Schafen

Seite 22

Seite 24
schwerpunkt

Neue Kohlekraftwerke heizen das Klima weiter auf 24


Lacoma: Ein Dorf kämpft gegen den Braunkohletagebau 28 S. 10
Asse: Ein Atommülllager säuft ab 32
Uranmüll nach Russland 34
Nebel über Olkiluoto 35
Biokraftwerke verbrennen Regenwald 36

perspektiven
Dinah Epperlein:
Wenn viele Menschen viele kleine Schritte tun … 38

Seite 40 verkehr
40 Autoindustrie statt Klimaschutz
41 Bahn unterm Hammer
41 Mobil ohne Auto
41 Tour de Natur

bücher
43 Vor uns die Sintflut
43 Ölwechsel
44 Die Einkaufsrevolution
44 Die Joghurt-Lüge

internes
45 Neuer ROBIN WOOD-Vorstand 2007
47 ROBIN WOOD- Treffpunkte

46 post
46 impressum

Nr. 93/2.07 3
editorial

Liebe Leserinnen und Leser,


das ROBIN WOOD-Magazin erscheint im neuen Gewand und Klimakiller Kohle. Auch die Atomenergie als Retter fürs Klima
ist als Premiere in einer kleinen Auflage am Kiosk erhältlich. In- zu inszenieren, ist ein Irrweg. Das Endlager Asse zeigt einmal
haltlich sind wir uns treu geblieben und berichten über aktuelle mehr, dass wir die Risiken dieser gefährlichen Technologie
Entwicklungen in den Bereichen Umweltschutz und Ökologie nicht beherrschen. So droht das ehemalige Salzbergwerk, in
und über spektakuläre Aktionen der ROBIN WOOD-Aktiven, das jahrelang Atommüll verklappt wurde, mit Wasser voll-
die sich für den Schutz der natürlichen Ressourcen einsetzen. zulaufen. Die Verantwortlichen sind ratlos und versuchen
Wir sind weiter unbequem, nennen die Mißstände und die abzuwiegeln und zu vertuschen. Dabei ist, wenn Asse absäuft,
Verantwortlichen beim Namen und zeigen konsequente Wege die Katastrophe vorprogrammiert - Radioaktivität wird über
aus der Umweltkrise auf. das Grundwasser unkontrolliert in die Umwelt gelangen. Die
betroffenen Menschen in der Region fordern, dass sie vor den
Wenn Ihnen unser neues Magazin gefällt, unterstützen Sie RO- Gefahren für Leben und Gesundheit geschützt werden und
BIN WOOD bei seinem Engagement für Natur und Umwelt und dass sie endlich an den Planungen, was mit dem Atommüll
werben Sie für unsere gemeinsame Sache in Ihrem Freundes- in Asse zu geschehen hat, beteiligt werden. Mehr dazu im
und Bekanntenkreis. Denn wir müssen mehr werden, um das Schwerpunkt dieser Ausgabe.
Klima wirksam zu schützen und für die Vielfalt unserer Tier-
und Pflanzenwelt einzutreten. Die Temperaturen steigen und der Klimawandel ist längst
Realität geworden. Aber noch ist es nicht zu spät - wenn
Die biologische Vielfalt ist in Gefahr. Während weltweit nur ein jetzt Politik, Wirtschaft und VerbraucherInnen entschlossen
Bruchteil der geschätzten 10 bis 200 Millionen Arten ent- handeln und bis 2015 weniger Treibhausgase in die Atmospäre
deckt wurden, werden täglich zwischen 70 und 100 Tier- und schicken. Bis 2050 müssten die CO2-Emissionen um 50 bis
Pflanzenarten unwiederbringlich ausgerottet. Im Titel dieser 85 Prozent reduziert werden, damit die Erderwärmung auf
Ausgabe berichten wir über den Wert der Vielfalt für Mensch beherrschbare 2 Grad begrenzt wird, so der Weltklimarat IPCC
und Umwelt und warum sie in Gefahr ist. Und Sie erfahren, in seinem Bericht 2007. Welche Schritte zu tun sind, weiß die
warum hierzulande der Kuckuck und die Frösche zu den ersten Menschheit spätestens seit dem Welt-Umweltgipfel in Rio de
Opfern der Klimaerwärmung gehören werden. Janeiro 1992. Und sie weiß auch, dass es Klimaschutz zum
Nulltarif nicht geben wird. Bleibt nur die Frage, ob wir jetzt
Und dennoch heizen die Menschen das Klima weiter an. So bereit sind, diese notwendigen Schritte auch zu unternehmen?
sollen in Deutschland in den nächsten Jahren mindestens 28
neue Kohlekraftwerke gebaut werden. Anstatt in erneuerbare Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
Energien zu investieren, setzen Politik und Industrie auf den Ihre Schwedt/Berliner Redaktion

4 Nr. 93/2.07
tatorte

Mannheim, 27. Februar 2007: Energie


aus Sonne, nicht aus Kohle!

Nr. 93/2.07 5
tatorte

Klimakiller Kohle
Die Energiekonzerne wollen in Deutschland 28 neue Kohle-
kraftwerke bauen - eine Katastrophe für das Klima!

Mannheim, 27.02.07: Die


Großkraftwerk Mannheim AG
plant den Bau eines neuen
Steinkohlekraftwerks. Dort
gibt es bereits ein großes
Kohlekraftwerk, das Strom
und Fernwärme liefert. Ein
Bündnis aus acht lokalen Um-
Berlin weltgruppen, darunter ROBIN
WOOD Rhein-Neckar startete

Fotos: Anne-Laure Fo
eine Kampagne für eine
Berlin, 18.01.07: „Vattenfall - Als Klimakiller top, im Umwelt- regenerative Energieversor-
schutz ein Flop“, ROBIN WOOD protestiert dagegen, Vattenfall gung der Region ohne neues
Chef Lars Josefsson, den Repräsentanten eines der klimaschäd- Kohlekraftwerk. Auftakt war
lichsten Unternehmen weltweit, zum Klimaschutzberater der eine gemeinsame Aktion
Mannheim
Bundesregierung zu machen. während einer Gemeinderats-
sitzung vor dem Mannheimer
Stadthaus.

Bremen, 23.02.07: Beim einem Go


in drangen 50 mit Kohlestaub ge-
schminkte UmweltaktivistInnen in die
Zentrale des Bremer Energieversorgers
swb ein, um gegen den geplanten
Neubau eines riesigen Kohlekraftwerks
in der Region zu protestieren. Auf Initi-
ative von ROBIN WOOD gründete sich
nach der Aktion das Bremer Bündnis
Bremen für Erneuerbare Energien und gegen
Kohlekraft an der Weser.

AKW Brunsbüttel
sofort stilllegen!
Hamburg, 06.03.07: ROBIN
WOOD-AktivistInnen stiegen
Vattenfall aufs Dach, um ge-
gen den Antrag des Energie-
konzerns zu protestieren, den
maroden Atommeiler Bruns-
büttel länger als im Atomge-
setz vorgesehen am Netz zu
lassen. Der längst überfällige
Atomausstieg würde damit in
noch weitere Ferne rücken.
Für die KundInnen von
Vattenfall verteilten die Ak-
tiven Flyer, in denen für den
einfachen Umstieg auf einen
Ökostromanbieter geworben Hamburg
wird.

6 Nr. 93/2.07
tatorte

Bahn für alle


Berlin, 29.03.07: Das Bündnis „Bahn für alle“
hat die Bahnbilanz von Bahnchef Hartmut
Mehdorn scharf kritisiert und eine Gegenbilanz
aufgemacht. Diese belegt, dass die Gewinne
auf Kosten der SteuerzahlerInnen, Bahn-Be-
schäftigten und des Klimaschutzes eingefahren
wurden. In Vorbereitung auf den Gang an die
Börse sind Strecken stillgelegt, das Schienen-
netz vernachlässigt, Arbeitsplätze abgebaut und
Schulden angehäuft worden. Aus Protest gegen
den Privatisierungskurs der Bahn demonstrierten
AktivistInnen von Attac, Verdi und ROBIN WOOD
am Potsdamer Platz, wo Mehdorn seine Bilanz Berlin
der Presse präsentierte.

Papier-Konsum
killt Wälder
Frankfurt, 24.01.07: Bei
der internationalen Messe
Paperworld warnte ROBIN
WOOD vor den Folgen des
viel zu hohen Papierkonsums
in den Industrieländern.
Weltweit werden 338 Milli-
arden Tonnen Papier jährlich
verbraucht, jeder zweite von
der Holzindustrie eingeschla-
gene Baum landet in der
Papierproduktion. Vor der
Messe spannten die Aktivis-
tInnen ein großes Tranparent
auf: „We have a dream:
Paperworld 100% recycled.“
ROBIN WOOD fordert einen
sparsamen Umgang mit
Papier und den konsequenten Frankfurt/Main
Umstieg auf Recyclingpapier

Ausstellung Papierwende Hamburg, 02.04.07: Was hat unser


Papierverbrauch mit der Umwelt
zu tun? Wie viel Holz braucht man,
um einen Klassensatz Schulhefte
herzustellen? Diese und viele weitere
Fragen wurden bei der Wanderaus-
stellung „Papierwende“ von ARA e.V.
beantwortet, die ROBIN WOOD vom
2. bis 20. April in Hamburg für Schü-
lerInnen präsentierte. Dort konnten
sie Schulhefte gegen Holz aufwiegen,
Papierfasern unter dem Mikroskop
betrachten und sich rund um das
Hamburg Thema Holz und Papier gründlich
Foto: ROBIN WOOD/R. Fenner informieren.

Nr. 93/2.07 7
tropenwald

Tempo wird schwedisch


Am Morgen des 12. März 2007 war es die Topmeldung der Wirtschaftsticker: Der US
Konsumgüterriese Procter&Gamble (P&G) verkauft sein Hygienepapier- und Taschen-
tuchgeschäft an den schwedischen SCA-Konzern (Svenska Cellulosa Aktiebolaget). SCA
erwirbt mit diesem Deal vor allem die Taschentuchmarke Tempo aber auch fünf Pro-
duktionsstätten von P&G, darunter das Tempo-Werk in Neuss. Zum Kaufpaket gehören
außerdem die europäischen Lizenzrechte für die Marken Charmin-Toilettenpapier und
Bounty-Küchenrollen. Erste Signale aus der Konzernführung deuten darauf hin, dass
SCA nach Übernahme des Tempo-Werks im Laufe dieses Jahres auf Zellstoff des Skandal-
Unternehmens Aracruz-Celulose aus Brasilien für die Tempo-Produktion verzichten wird.
Dies wäre aus Sicht von ROBIN WOOD ein notwendiger Schritt, damit der Konzern seine
eigenen Umweltstandards erfüllt.

R OBIN WOOD hat seit 2005


mit zahlreichen Aktionen,
Briefen und Gesprächen Druck
nicht mehr bei Aracruz-Celulose zu
kaufen. Zur P&G-Hauptversammlung ist
das Tempowerk in Neuss deshalb zwei
anderem heißt es dort, dass SCA keinen
Rohstoff aus Gebieten bezieht, in denen
es Landkonflikte mit Ureinwohnern gibt.
auf P&G ausgeübt, den Zellstoff Tage belagert worden. Hintergrund der Das kann nur zur Folge haben, dass
für die Tempo-Taschentücher Proteste von ROBIN WODD ist, dass Aracruz als Zellstofflieferant nach der
Aracruz sich in den siebziger Jahren Übernahme nicht mehr in Frage kommt.
während der brasilianischen Militärdikta- Gegenüber ROBIN WOOD hat sich SCA
tur widerrechtlich Indianerland angeeig- vage geäußert. Sein Statement lässt
net und Zehntausende Hektar Regen- aber die Vermutung zu, dass Tempo
wald zerstört hatte, um dort riesige bald ohne Zellstoff von Aracruz auf den
Eukalyptus-Monokulturen anzupflanzen. Markt kommen wird.
Bis heute verweigert Aracruz die Rück-
gabe von 11.000 Hektar Land an die
Tupinikim- und Guarani-Indianer. Auch
die afrikanischstämmigen Quilombolos
beschuldigen Aracruz des Landraubs und
wollen ihr Territorium zurück haben.

SCA muss Taten folgen lassen

Das alles soll jetzt mit dem neuen Eigen-


tümer besser werden. Der schwedische
Konzern versucht sich als besonders
verantwortungsvoller Papierproduzent zu
platzieren. Zum einen unterhält er eine
Kooperation mit der Umweltschutzor-
ganisation WWF bei der Recyclingmarke
„Danke“. Darüber hinaus finden sich
auf der SCA-Website gleich mehrere
Hinweise, dass ökologische und sozi-
ale Kriterien eine zentrale Rolle bei der
Rohstoffbeschaffung spielen. Unter

Ende 2006 besetzten die Inde-


genen den Hafen von Porto-
cell, von wo der Eukalpytus-
Zellstoff verschifft wird: Der
Protest gegen Aracruz wird
weitergehen

8 Nr. 93/2.07
tropenwald

“SCA will apply the fresh fibre sourcing


policy once we have control of the P&G
units in September. It will take some time
go through their current suppliers and if
needed phase out the ones that do not
comply with the policy.
SCA Tissue Europe is not sourcing from
Aracruz. We do not disclose the reasons
why we source or do not source from a
certain supplier as a matter of commer-
cial discretion.”

Dadurch werden Tempos noch lange


keine Ökoprodukte, aber es ist ein erster
Schritt in die richtige Richtung. Darü-
ber hinaus hat SCA noch jede Menge
Hausaufgaben zu bewältigen. Es bleibt
unklar aus welchen Quellen SCA seine
Produktion versorgt. Ebenso wie P&G
setzt SCA bei der Herstellung seiner Hy-
gienepapiere Eukalyptus-Zellstoff ein, um
die Produkte besonders flauschig zu ma- Der US-amerikanische Konzern Protcer & Gamble wird das
chen. So ergaben von ROBIN WOOD in Tempo-Werk in Neuss an den schwedischen Papierkonzern SCA
Auftrag gegebene Faseruntersuchungen, verkaufen: Ein Gewinn für die Menschen und die Umwelt?
dass in der Premium-Marke „Zewa Sof-
ties“ 55 bis 60 Prozent Eukalyptusfasern das Land, das Aracruz ihnen genommen Tupinikim-Indianer Paulo Vicente de
stecken. Auch wenn dieser Zellstoff nicht hat. Aracruz weigert sich weiterhin, die Oliveira gibt sich weiter sehr entschlos-
von Aracruz stammt, stellt sich die Frage, bereits von der Indianerbehörde FUNAI sen: „Die Kampagne von ROBIN WOOD
aus welcher Art von Plantagenwirtschaft als indigenes Territorium identifizierten hat uns bisher sehr unterstützt. Inter-
der Eukalyptus stammt. 11.000 Hektar an die Indianer zurückzu- nationale Solidarität ist enorm wichtig
geben. Der brasilianische Justizminister, bei unserem Kampf gegen Aracruz. Das
Mit der Übernahme von Tempo und Co. der die Rückgabe veranlassen könnte, Land gehört uns.“
avanciert SCA in Bereich Hygienepapie- drückt sich vor einer klaren Entscheidung
ren zum Marktführer. Daraus ergibt sich und hat am 1. März dieses Jahres den Peter Gerhardt, Hamburg,
eine hohe Verantwortung. ROBIN WOOD Vorgang an FUNAI zurückgegeben. Im tropenwald@robinwood.de
erwartet, dass SCA seinen Rohstoffbezug Dezember 2006 besetzten die Indigenen www.robinwood.de/tempo
transparent macht und noch wichtiger Portocell, den Hafen von Aracruz, von
wieder Taschentücher aus Recyclingpa- wo aus der Eukalyptuszellstoff nach
pier anbietet. Das Unternehmen hatte Europa verschifft wird.
die Produktion seiner Recycling-Taschen-
tücher der Marke „Danke“ im Sommer Die Quilombolos, die ebenfalls Land
2004 eingestellt. von Aracruz zurückfordern, blockierten
im Norden des brasilianischen Bundes-
Mit dem Verkauf seiner europäischen staates Esprito Santo vier Tage lang die
Hygienepapiersparte hat sich P&G dem Erntemaschinen von Aracruz: Aracruz
Druck von ROBIN WOOD und anderer habe ihre Flüsse trockengelegt oder
europäischer Umweltschutzorganisati- vergiftet und Tausende Hektar Regen-
onen entzogen. Gleichwohl bleibt P&G wald zerstört. Außerdem wehren die
ein wichtiger Kunde von Aracruz und Quilombolos sich gegen das Verbot, die
damit im Zentrum der Kritik. Es ist nicht Erntereste der Eukalyptusproduktion zu
nachvollziehbar, warum P&G Geschäfts- Holzkohle verarbeiten zu dürfen. Für sie
beziehungen mit Aracruz aufrechterhält. war das die einzige Möglichkeit Geld
zum Überleben zu verdienen, da sie
Kampf gegen Aracruz von Eukalyptusplantagen umgeben und
geht weiter isoliert sind. Die Quilombolos werden
auch in Zukunft für ihre Landrechte auf Paulo Vicente de
Die Tupinikim und die Guarani Indianer die Strasse gehen. Oliveira
kämpfen nach wie vor verzweifelt um

Nr. 93/2.07 9
titel

10 Nr. 93/2.07 Fotos: Jens Wieting


titel

Der Wert der Vielfalt


Hat Natur einen Wert? Und wenn ja, wie kann man ihn messen und tropischen Insektenarten zum Beispiel
wer zieht einen Nutzen aus ihm? Ist ein borealer Nadelwald mit auf eine einzige Baumart spezialisiert. Als
seinen wenigen Pflanzen- und Tierarten weniger wert als ein tro- der amerikanische Forscher Terry Erwin in
pischer Regenwald mit seiner überbordenden Vielfalt? Warum ist den 1980er Jahren das Kronendach des
der Erhalt biologischer Vielfalt ein vorrangiges Ziel internationaler tropischen Regenwaldes untersuchte,
Naturschutzpolitik? Der Mensch als Hüter von Biodiversität – kann fand er 163 Käferarten, die auf eine ein-
das gelingen? zige Baumart spezialisiert waren. Wenn
jede der 50.000 tropischen Baumarten

D ie Schreckensmeldungen über das


Sterben der Arten reißen nicht ab.
Die Ausrottung hat ein erdgeschicht-
zwangsläufig zu einem großen Anpas-
sungsdruck der Tier- und Pflanzenarten,
die nur überleben konnten, wenn sie
ebenso viele Käferarten beherbergen
würde - so begann er zu rechnen - wä-
ren dies bereits acht Millionen Käferarten
lich einmaliges Ausmaß erreicht. Die sich stark spezialisierten. Hinzu kommt, allein im Kronendach der Regenwälder.
meisten Arten werden vernichtet, ohne dass der Regenwald durch Klimaverän- Die Gesamtzahl in den Tropen lebender
je entdeckt worden zu sein. Nur etwa derungen innerhalb der Erdgeschichte Insektenarten schätzte er deshalb auf 30
1,8 Millionen der geschätzten 10 bis 200 mehrmals auf wenige Waldinseln Millionen.
Millionen Arten auf der Erde sind wissen- zurückgedrängt wurde und sich von dort
schaftlich beschrieben. Die Erfassung des erneut ausbreitete. Hält man sich den Einfluss der Zahl der
großen Rests gleicht einem Kampf gegen Pflanzenarten auf die Zahl der Tierarten
Windmühlenflügel. Experten gehen Viele Pflanzenarten – vor Augen, wird klar, warum schon die
davon aus, dass täglich zwischen 70 und noch mehr Tierarten Rodung nur weniger Hektar Regenwald
100 Tier- und Pflanzenarten ausgerottet einen hundertfachen Artentod zur
werden. Die Gesamtzahl der Arten ist im Folge haben kann. Eine weitere Ursache
Regenwald sehr hoch, die Anzahl der ist die Zerschneidung von Biotopen:
Um diese hohe Ausrottungsrate zu Individuen einer Art oder innerhalb einer Bleiben durch Zersiedelung, Infrastruk-
verstehen, ist es wichtig, den Begriff Populationen aber sehr gering. Bei vielen tur, Landwirtschaft oder Bergbau nur
der ökologischen Nische zu kennen. Ein Baumarten findet man deshalb nur alle noch Inseln von Wald zurück, kommt
Ökosystem beherbergt maximal so viele paar Hektar ein Individuum einer Art, es zum Zusammenbruch vieler Tier- und
Arten, wie es Nischen in ihm gibt. Dabei wodurch die räumliche Ausbreitung Pflanzenpopulationen, weil diese nun
darf man sich die Nische nicht als einen der Population stark begrenzt ist. So nicht mehr wie gewohnt innerhalb ihres
physischen Ort vorstellen, an dem eine verändern sich weit entfernt liegende Verbreitungsgebietes wandern und sich
Art lebt, sondern vielmehr als das Zu- Teilpopulationen von Generation zu fortpflanzen können. Außerdem setzen
sammenspiel aller Faktoren, die sie zum Generation genetisch so weit, dass Stressfaktoren wie erhöhte Sonnenein-
Leben benötigt. schließlich eine neue Art entstanden ist. strahlung, Hitze, Sturm, Wassererosion
Die so genannte Gendrift (d.h. die Ge- die Arten weiter unter Druck.
Es sind die Ökosysteme mit beson- schwindigkeit der genetischen Verände-
ders vielen ökologischen Nischen, mit rung) ist im Regenwald besonders hoch.
besonders vielen spezialisierten Arten, in Dies ist einer der Gründe für seine schier Ideeller Wert oder Geldwert?
denen das Artensterben so horrend ist. unglaubliche biologische Vielfalt – aber
In diesen empfindlichen Lebensräumen auch für seine Verwundbarkeit! Auf nur Vergleicht man einen tropischen Re-
reicht schon eine kleine Störung, die zehn Hektar unberührtem Regenwald genwald und einen mitteleuropäischen
Zerstörung eines kleinen Gebiets, um die auf der Insel Borneo zählte der Botaniker Buchenwald aus dem Blickwinkel eines
Lebensgrundlagen mehrerer Arten zu Peter Ashton 700 Baumarten – mehr als
vernichten. in ganz Europa vorkommen.

Beispiel Regenwald: Die meisten tro- Im Vergleich zur große Vielfalt der
pischen Wälder sind extrem reich an Pflanzenwelt ist die Vielfalt im Tierreich
biologischen Nischen. Die hohe Lebens- fast unvorstellbar. So sind die meisten
raum-Vielfalt ist dadurch entstanden,
dass die Ökosysteme schon sehr alt sind
und viel Zeit zur Ausdifferenzierung zur Hohe Artenvielfalt im Tro-
Verfügung stand. Das Muttergestein ist penwald: Allein die Zahl der
vielerorts so tief verwittert, dass die Bö- Insektenarten wird auf 30
den sehr nährstoffarm sind. Dies führte Millionen geschätzt

Nr. 93/2.07 11
titel

Adlers, wirkt der Regenwald biologisch sichern. Diese Völker sind sich weitge- Die kommerzielle Ausbeutung der
reich und der Buchenwald arm. Schaut hend einig: Sie geißeln ein Patent auf Natur geht auf der anderen Seite schon
man aber mit den Augen einer Ameise, Leben sowie auf geistiges Eigentum als deshalb zu Lasten der Menschen in den
wird einem schnell bewusst, dass bio- „Bio-Piraterie“. Denn sie werden nur Ursprungsländern, weil sich an vielen
logischer Reichtum sehr relativ ist. So selten am Gewinn beteiligt, und ist das Krankheiten und Patienten kaum etwas
unterschiedlich die beiden Lebensräume traditionelle Arzneipflanzen-Wissen erst verdienen lässt. Etwa 60 Prozent der
auch sind, sie haben eines gemeinsam: einmal patentiert, lassen sich die vor Ort Weltbevölkerung sind vorwiegend auf
Beide können nur fortbestehen, wenn gewonnenen traditionellen Medizin- traditionelle Arzneimittel angewiesen,
die in ihnen lebenden Arten perfekt produkte im Land selbst nur noch unter weil ihnen das Geld für teure Medika-
zusammenspielen, wenn also die Biodi- Strafe vermarkten. mente fehlt.
versität mit all ihren Wechselwirkungen
erhalten bleibt. Keine Art ist überflüssig, Die Forschung der großen Pharmafirmen
jede ausgerottete Art bedeutet ein ver- konzentriert sich indes auf Medikamente
ändertes Gleichgewicht im Ökosystem. Markt in Kolumbien: Biologische für die zahlungskräftige Kundschaft in
Vielfalt ist weltweit der Schlüs- den Industrieländern, die sich mehr mit
Diese ökologische Betrachtungsweise sel zum Überleben
macht deutlich, dass es sich beim Wert
der Vielfalt kaum um eine quantitativ
messbare Größe handelt – er ist vielmehr
von ideeller Natur. Für die Tenharim am
Amazonas bildet der artenreiche Regen-
wald das Habitat, von dem sie abhän-
gen. Die Saami in Lappland nehmen in
den artenärmeren Wäldern und Strauch-
vegetationen von Taiga und Tundra ihre
biologische Nische ein. Beide Völker
haben es gelernt, über Jahrtausende in
„ihrem“ Ökosystem zu überleben. Für
beide Völker ist die biologische Vielfalt
der Schlüssel zum Überleben – sie hat
den gleichen qualitativen Wert.

Auf der anderen Seite kann der Biodi-


versität über die Nutzung der vielfältigen
Naturprodukte durchaus ein volkswirt-
schaftlicher Wert zugeordnet werden:
Natürliche Schätze wie Patchouli, Sandel-
holz, Rattan, Pflanzenharze, Gummi, Ka-
pok, Schellack und Gewürze haben auf
dem Weltmarkt einen hohen Geldwert,
der sich bei schonender Gewinnung
ständig erneuert … ganz zu schweigen
vom unermesslichen medizinischen
Potential der „Natur-Apotheken“ auf der
ganzen Welt.

Bio-Piraterie

Gerade auf dem Feld der Medizinalpflan-


zen und ihrer Wirkstoffe ist allerdings ein
industrielles Wettrennen um Patente im
Gange, das verheerende Auswirkungen
auf die Einkommensmöglichkeiten der
lokalen Bevölkerungen hat. Einige der
wirksamsten Medikamente wurden nicht
von Pharmaunternehmen, sondern von
indigenen Völkern entwickelt, denen Foto: Jens Wieting
sie seit Jahrtausenden das Überleben

12 Nr. 93/2.07
titel
Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkran- Art an veränderte Umweltbedingungen Foto: obs/Südtiroler Apfelkonsortium
kungen als mit Darminfekten plagen anpassen kann, weil immer genügend
muss. Das Nachsehen haben die Men- widerstandsfähige Individuen vorhanden
schen in den Entwicklungsländern, vor sind.
allem in den Tropen; seit 1975 sind über
1.500 neue medizinische Wirkstoffe auf „Macht euch die Erde untertan.“ Wer
den Markt gekommen - aber nur ein das gesagt hat, muss den Nutzen dieser
gutes Dutzend von ihnen hilft gegen Empfehlung wohl studiert haben: Über-
Krankheiten wie Malaria, Dengue-Fieber leben durch Urbarmachung und Nut-
oder Wurminfektionen. zung der belebten und der unbelebten
Natur. Zu dem „natürlichen“ System
Gewinn aus Bionik der biologischen Vielfalt gesellt sich
demnach die „künstliche“ Vielfalt der
Warum Piraterie an der Natur üben, Nutztiere und –pflanzen, deren Erhalt die
wenn die bloße Anschauung reicht? Die Zukunft der bestehenden Lebensweise
Vielfalt der spezialisierten Formen und sichert.
Prinzipien der Natur, ihre „Erfindungen“,
scheinen schließlich für den Menschen Der Mensch ist jedoch dabei, durch
von unschätzbarem Wert zu sein. Viele Genmanipulation und Klonen die Vielfalt
natürliche Funktionsprinzipien dienen der Nutzpflanzen und bald vielleicht
schon heute der Technik als Vorbild: auch der Nutztiere (siehe auch „Unter
Ein weiterer wichtiger qualitativer Wert Klon-Schafen“ auf Seite 40) so stark zu
von Biodiversität. Ob Haifischhaut zur reduzieren, dass ausgerechnet die alten
Verringerung des Wasser- und Luftwider- Kulturformen verdrängt werden, von
stands, Lotusblüten-Struktur als selbstrei- denen seine traditionelle Lebensweise
nigende Oberfläche, Eisbärfell und Termi- abhing.
tenbau-Lüftung für Niedrigenergiehäuser
oder photosynthetische Farbstoffe zur Ein Beispiel: Der Apfel. Wie viele Einfalt statt Vielfalt: Allein in
Energiegewinnung – im Bauplan der verschiedene Apfelsorten existieren in Deutschland sind von den 2500
Natur schlummern enorme Potenziale Deutschland – was würden Sie schätzen? Apfelsorten nur 30 im Handel
zur Lösung von Zukunftsproblemen. Zwanzig? Fünfzig? Vielleicht hundert? zu finden
Weit gefehlt: es sind nämlich gut 2500!
Die Forschung hat dies erkannt und dem Im Handel befinden sich aber nur ganze
intelligenten und organischen Designen dreißig von ihnen. Eine fatale Entwick- Was kostet das Leben?
nach natürlichem Vorbild einen künst- lung, denn nur eine breite genetische
lichen Namen gegeben: Bionik, zusam- Ausstattung bietet einer Art eine weite Warum überleben wir in Deutschland,
mengesetzt aus Biologie und Technik. Reaktions-Bandbreite gegenüber rasch obwohl wir die ursprüngliche Natur, die
So wie wir von dem jahrtausendealten wechselnden Umwelteinflüssen (z.B. uns einst umgab, vor langer Zeit bereits
Wissen der Naturvölker lernen können, Wetterextremen), wie sie im Zuge des vernichtet haben? So provokativ wie
ohne es gleich zu patentieren, können Klimawandels immer häufiger auftreten. die Frage ist auch die Antwort: Weil wir
wir auch vom jahrmillionenalten, in der auf Kosten intakter Natur in anderen
Evolution gespeicherten Wissen profitie- Ist eine Kultursorte erst einmal ver- Regionen der Welt leben. Vier Beispiele
ren, indem wir die Lebensformen genau nichtet, braucht es Jahrhunderte, um machen dies deutlich.
analysieren, ohne sie dabei zu zerstören. sie wieder zu erschaffen. Verliert die

Künstliche Vielfalt –
genetische Armut
Landwirtschaft aber gleich Hunderte an
Variationen, sind die meisten unwie-
derbringlich verloren. Wie arm unsere
1 Die meisten Waschmittel, Kosmetika,
Margarinen und Bratfette, die wir
in Deutschland verwenden, enthalten
Landnutzung schon geworden ist, zeigt Palmöl aus Ölpalmen, die meist auf
Zur biologischen Vielfalt gehört auch die Tatsache, dass zwei Drittel der Welt- Kosten Hunderttausender Hektar Primär-
die Vielfalt der Gene, die Vielfalt der Ei- ernährung durch ganze zwölf Pflanzen- Regenwald in Plantagen, vor allem in
genschaften innerhalb der Populationen und fünf Tierarten sicher gestellt wird. Südostasien, angepflanzt werden. Seit
einer Art. Die meisten Arten weisen Un- einigen Jahren kommt noch der Boom
terarten, Teilpopulationen oder Rassen Davon haben die drei Pflanzenarten der so genannten Biokraftstoffe hinzu,
auf, die sich häufig in Größe, Gestalt, Weizen, Mais und Reis den mit Abstand der zu einer weiteren massiven Auswei-
Farbe, Stoffwechsel und ökologischen größten Anteil. Schon der Verlust nur tung der Ölpalm-Plantagen führt. Schon
Eigenschaften unterscheiden. Eine hohe einer dieser Arten durch eine Epedemie eine Million Tonnen Palmöl werden in
genetische Vielfalt innerhalb der Popula- hätte verheerende Folgen für die Ernäh- europäischen Blockheizkraftwerken
tionen ist ein Garant dafür, dass sich eine rungssicherheit. jährlich verbrannt und 270.000 Tonnen

Nr. 93/2.07 13
titel

Palmöl werden zur Zeit pro Jahr zu Bio-


diesel raffiniert. Für die Anlage der Plan-
tagen werden in den Wäldern zunächst
2005 verschwanden die letzten Tief-
land-Regenwälder der indonesischen
Insel Sumatra für den riesigen Bedarf
3 Ein Großteil der in Deutschland er-
hältlichen Tropenhölzer stammt aus
Raubbau in Naturwäldern oder aus Plan-
die wertvollsten Hölzer geschlagen und der Zellstoff- und Papierfabriken, die tagen, für die Urwald weichen musste.
verkauft und der verbliebene Wald ent- zum Teil mit deutschen Steuergeldern Fast die Hälfte des Holzes stammt aus
weder angezündet oder in Papier- und finanziert wurden. Damit wurden nicht illegalen Quellen in Schutzgebieten oder
Zellstoff-Fabriken verarbeitet. Die Firmen nur die letzten Wälder, sondern auch der Waldgebieten außerhalb von Konzes-
sind meist miteinander verbunden und Lebensraum von Orang-Utan, Nashorn sionen. Dabei könnte mit dem Verkauf
verdienen auf allen Ebenen am Geschäft und Tiger für immer vernichtet. von Nicht-Holz-Produkten wie Früchten,
mit der Vernichtung der biologischen Blättern, Ästen, Rinde und Gummi auf
Vielfalt. Bis heute gibt es kein Zertifikat Hinzu kommt, dass Produkte aus Frisch- schonende Weise ein wesentlich höherer
für Palmöl aus ökologisch und sozial fasern bei ihrer Herstellung im Vergleich und vor allem dauerhafter wirtschaft-
vertretbarem Anbau. Auch für die Palm- zu Recyclingpapieren ein Vielfaches an licher Ertrag erzielt und die Menschen
ölprodukte in Bio-Lebensmitteln mussten Energie, Wasser und Chemie verbrau- vor Ort ernährt werden.
meist Regenwälder weichen. chen und dadurch die biologische Viel-
falt wesentlich stärker beeinträchtigen. Bislang gibt es in Deutschland kein

2 Viele Papierprodukte aus frischen


Zellulosefasern, die wir im Laden
erstehen, werden zum Teil oder ganz aus
Nur das Umweltzeichen „Blauer Engel“
des Umweltbundesamtes garantiert
politisches Instrument gegen illegalen
Holzhandel bzw. gegen die Fälschung
von Nachhaltigkeits-Zertifikaten. Die
Holz gewonnen, das – legal oder illegal bislang, dass das einhundertprozentig letzte rot-grüne Bundesregierung hatte
– in Natur- bzw. Urwäldern geschlagen recycelte Papier höchste Ansprüche an zwar einen Entwurf eines Urwaldschutz-
wurde. Erst der Holzeinschlag öffnet den Beschreibbarkeit, Maschinen-Lauffähig- Gesetzes eingebracht, dieser wurde
Wald für die weitere Vernichtung. keit und Altersbeständigkeit erfüllt. jedoch nun von Schwarz-Rot mit dem
Hinweis auf eine wesentlich schwächere
und nur schleppend in Gang kommende
EU-Richtlinie namens FLEGT (Forest Law
Enforcement, Governance and Trade)
abgelehnt. Die Verantwortung für den
Erhalt der Urwälder und ihrer Tausenden
Tier- und Pflanzenarten liegt bis heute
ganz klar bei den VerbraucherInnen.
Nur das FSC-Siegel (Forest Stewardship
Council) auf Holz garantiert bislang
einigermaßen ökologisch und sozial ver-
trägliche Holzgewinnung. Und für Holz
mit diesem Zeichen muss der Kunde
meist deutlich mehr bezahlen als für
Raubbau-Holz.

4 Wir essen gerne einmal pro Wo-


che Fisch – am liebsten den lecker
panierten „Seelachs“. Weil beim Fang
von Meeresfischen aber weder auf den
Erhalt der Lebensräume und Brutstät-
ten, noch auf die Schonung geschützter
Arten wie Delfine, Wale und Albatrosse
geachtet wird, die Nachfrage nach Fisch,
Fischmehl und Fischöl immer noch rasant
steigt und die industriellen Fangschiffe
und Fischereiflotten immer größer, effi-
zienter und zerstörerischer werden, sind
die Meere schon fast leergefischt. Das
Ökosystem Meer ist so gut wie zerstört.

Lachs Nur das so genannte MSC-Siegel (Ma-


Foto: obs/Deutsche See mit MSC- rine Stewardship Council) auf Fischverpa-
Siegel ckungen garantiert bisher einigermaßen

14 Nr. 93/2.07
titel

bestandsschonenden Fang. Und für Fisch seit vier Stunden. Vor einer
mit diesem Zeichen muss der Kunde Stunde hat er die Landwirt- Foto: argus/Janke
meist deutlich mehr berappen als für schaft entdeckt, die industri-
herkömmlichen Fisch. elle Revolution begann erst
vor einer Minute. In dieser UN-Konvention über die
Hast‘ nen Taler, gehst zum einen Minute hat der Mensch
Biologische Vielfalt
Markt, kaufst ’ne Kuh… sich auf das Zehnfache ver-
mehrt, Paradiese geplündert, Auf der Konferenz zu Umwelt und Ent-
Natürlich ist unsere luxuriöse Lebens- hunderttausendfach Arten wicklung der Vereinten Nationen im Jahr
weise nur ein Teil der Antwort darauf, vernichtet und große Teile 1992 in Rio de Janeiro haben über 150
warum die Menschen in den „ent- der Erde für viele Lebewesen Staaten die Konvention über die biolo-
wickelten“ Ländern bislang auch ohne unbewohnbar gemacht. gische Vielfalt verabschiedet, die Ende
ihre ursprüngliche biologische Umwelt 1993 in Kraft getreten ist und schon von
überleben. Ein anderer Punkt ist, dass Wie viele Sekunden bleiben 168 Ländern in nationales Recht umge-
sich der Mensch mit künstlich geschaf- uns noch, um zu entscheiden, setzt wurde. Seitdem sind Pflanzen- und
fenen Agro-Ökosystemen am Leben ob wir unsere Lebensgrund- Tierarten mit ihren Erbinformationen
erhält. Auch die landwirtschaftliche lage, die biologische Vielfalt, souveränes Eigentum der Staaten, in
Biodiversität hängt jedoch von der natür- erhalten wollen und ob wir denen sie vorkommen. Die Unterzeich-
lichen Biosphäre ab: von intakten Böden, dieser Entscheidung auch ner verpflichten sich zum Schutz der Bio-
einer sauberen Atmosphäre sowie der Taten folgen lassen? diversität, dem ein ebenso großer Wert
Verfügbarkeit von Futterpflanzen und für das Leben auf der Erde beigemessen
Trinkwasser. Christian Offer ist Waldö- wird wie der Schutz des Klimas.
kologe. Er ist freiberuflich
Und dies ist ein weiterer wichtiger im Umweltbereich als Die Konvention beinhaltet ausdrücklich
Aspekt für den Wert der Vielfalt: Ob Fachautor, Seminarleiter den nachhaltigen Nutzen der biolo-
landwirtschaftliches oder natürliches und Pädagoge tätig und gischen Vielfalt und den so genannten
Ökosystem – der Erhalt der Biodiversität ehrenamtlich für ROBIN Vorteilsausgleich zwischen dem, der die
an einem Ort der Erde ist auf lange Sicht WOOD, Watch Indonesia! biologische Vielfalt nutzt (z.B. einem
vom Schutz der Natur an anderer Stelle und die Arbeitsgemein- Pharmaunternehmen) und dem, der die
abhängig. Es genügt also nicht, den schaft Regenwald und biologische Vielfalt für diese Nutzung
Kaufpreis einer Parzelle Land zu demjeni- Artenschutz (ARA) aktiv. erhält (z.B. einer indigenen Volks-
gen einer Kuh zu addieren, um den Preis ecodevelop@gmx.org gruppe). Alle zwei Jahre finden Vertrags-
des Überlebens zu ermitteln - man muss staatenkonferenzen zur Umsetzung der
auch die ökologischen Verbindung zwi- Konvention statt. Die nächste wird 2008
schen der Kuh und der Welt betrachten. Mehr Infos: in Deutschland sein. Die Vertragsstaaten
haben sich außerdem verpflichtet, regel-
1996 ließ der Schweizer Regenwald- Arbeitsgemeinschaft Regen- mäßige Nationalberichte über den Stand
schützer Bruno Manser die LeserInnen wald und Artenschutz (Hg.), ihrer biologischen Vielfalt zu verfassen.
seines Artikels ein Gedankenexperiment 2002, Der Wert der Vielfalt, In diesen Berichten können sich auch
vollziehen, das sinngemäß lautete: ARA konkret 5, 59 Seiten, Naturschutz- und andere Nichtregie-
€ 4,50, Bezug über: nolle@ rungsorganisationen zur Sache äußern.
Vergleichen wir die Entwicklung unseres araonline.de
4,6 Milliarden Jahre alten Planeten mit Vor einigen Jahren wurde der Clearing-
der eines heute 46 Jahre alten Men- ARA (Hg.), 1995, Leben und House Mechanismus (CHM) als zentrales
schen. Im Alter von sieben Jahren bilden Leben lassen, Biodiversität – Informations-, Kommunikations- und
sich die ersten Felsen. Drei Jahre später Ökonomie, Natur- und Kooperationssystem der Biodiversi-
sind in dem sich auf ihnen sammelnden Kulturschutz im Widerstreit, tätskonvention eingeführt. Mit dem
Wasser die ersten einzelligen Lebe- ökozid Jahrbuch Nr. 10, Son- CHM wollen die Vertragsstaaten die
wesen zu finden. Erst im Alter von 30 derpreis € 5,-; Bezug über: wissenschaftliche und technologische
Jahren entstehen höher entwickelte nolle@araonline.de Zusammenarbeit zwischen allen Ländern
Lebensformen wie Quallen und Weich- fördern und den Austausch sowie den
tiere. Nach 42 Jahren blühen die ersten www.biologischevielfalt.de Zugriff auf Informationen und Daten
Pflanzen. Vor einem Jahr erschienen die www.forumue.de rund um die Umsetzung der Konvention
Dinosaurier – und verschwanden nur www.panda.org/ unterstützen.
wenige Monate später. Vor acht Mona- stopoverfishing.
ten tauchten die ersten Säugetiere auf. www.bukoagrar.de/
Vor wenigen Tagen begann die erste Eis- 94.0.html.
zeit. Der moderne Mensch existiert erst www.geo.de/artenvielfalt

Nr. 93/2.07 15
titel

Artenvielfalt und Klimawandel


WissenschaftlerInnen halten bundesweit einen Verlust bis zu 30
Prozent aller Pflanzen- und Tierarten in den nächsten Jahren für
wahrscheinlich. Schließlich reißen die Meldungen der klimatischen
Superlative nicht ab: „grüne Weihnacht bei 18 Grad“, „Sommer im
April“ - die steigenden Temperaturen lassen die Vielfalt unserer
heimischen Tier- und Pflanzenwelt schrumpfen.

E nde 2006 veröffentlichte das Um-


weltbundesamt eine neue Studie
zum Umweltbewusstsein: Darin fordern
letzten Jahrzehnte im Vergleich zu de-
nen, die in den nächsten hundert Jahren
auf die Menschen zu kommen, noch als
30 Prozent aller Pflanzen- und
Tierarten in den nächsten
Jahren in der Bundesrepublik
67 Prozent der Befragten, dass Deutsch- gering ein. Trotzdem sind schon heute für wahrscheinlich. Es erwar-
land eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz die Wirkungen des Klimawandels auf die tet, dass neue Arten ein-
übernehmen müsse. Das sind deutlich Natur deutlich nachzuweisen. wandern werden – mit noch
mehr Menschen als in den Vorjahren. 95 Das BfN hält einen Verlust von fünf bis unbekannten Auswirkungen
Prozent sehen im Verlust der biolo-
gischen Vielfalt ein großes Problem und
fordern vom Staat, dass er dringend
handeln müsse!

Allerdings sind die Anstrengungen zum


Artenschutz weltweit bei der UN-Konfe-
renz zur biologischen Vielfalt im brasili-
anischen Curitiba im März 2006 erneut
gescheitert. So hatten die Delegierten
2004 in Malaysia beschlossen, dem
weltweiten Artenschwund mit einem
globalen Netzwerk aus Schutzgebieten
zu begegnen. Bei dieser Absichtserklä-
rung ist es geblieben, die USA haben
jetzt sogar angekündigt ihre Gelder für
den UN-Klima- und Artenschutzfonds zu
halbieren.

Auch notorische Skeptiker räumen jetzt


ein, dass der Mensch die Erdatmosphäre
aufheizt. So ist die durchschnittliche
bodennahe Lufttemperatur im letzten
Jahrhundert weltweit um 0,7 Grad
Celsius und in Europa sogar um 0,95
Grad angestiegen. Das Bundesamt für
Naturschutz (BfN) rechnet damit, dass
sich die bisherigen Temperaturzonen um
mehr als 100 Kilometer nach Norden
verschieben werden. Gleichzeitig sind
die Niederschlagsmengen in Nordeuropa
von 1900 bis 2000 um 10 bis 40 Prozent
gestiegen, während sie in Südeuropa um
bis zu 20 Prozent abgenommen haben.
ExpertInnen des UN-Weltklimarats IPCC
schätzen die Klimaveränderungen der
Foto: okapia/B. Roth
Der Kuckuck kommt zu spät

16 Nr. 93/2.07
titel
auf die bestehenden Ökosysteme. Wis- Frösche, Kröten und Salamander viel zu
senschaftler der Uni Göttingen haben früh aus dem Winterschlaf. Kommt es
die Literatur der vergangenen hundert dann zu Kälteeinbrüchen, sterben die
Jahre durchforstet und kommen zu dem erwachsenen Tiere und die bereits abge-
Schluss, dass schon heute bei uns die legten Eier können sich nicht entwickeln.
Pflanzen früher blühen und fruchten, Ohnehin sind die Amphibien durch den
einige Zugvögel im Winter nicht mehr Klimawandel besonders bedroht: Im
fortziehen und die Bewohner der Meere Sommer führen lange Trockenperioden
ihr Wanderungsverhalten verändert zum Austrocknen von Kleinstgewässer,
haben. die diese Arten zum Überleben brau-
chen.
So entfalten die Bäume ihre Blätter eu-
ropaweit, gemessen zwischen 1969 und Derzeit verzeichnen Experten in Europa
1980, um acht Tage früher. Und auch so etwas wie eine Völkerwanderung
die ersten Schmetterlinge werden rund der Schmetterlinge. Wie das Helmholtz- Foto: www.pixelio.de
28 Tage früher im Jahr gesichtet. Nicht Zentrum für Umweltforschung im März
weniger dramatisch ändern die Zugvögel meldete, ermöglicht der warme Winter Amphibien: erste Opfer der
ihr Verhalten: Immer mehr Mönchsgras- vor allem wärmeliebende Arten, ihr Areal Klimaerwärmung
mücken geben ihre Winterquartiere am nach Norden auszudehnen. So ist der
Mittelmeer auf und ziehen stattdessen Große Fuchs, vor 10 Jahren auf einige bei der Verschiebung von Klimazonen
Richtung Nordwesten auf die Britischen Reststandorte zurückgedrängt, wieder in neue und für sie geeignete Lebensräume
Inseln – der Weg ist für diese kleine Sing- vielen Teilen Süddeutschlands zu finden. finden können. Allerdings geht heute
vogelart kürzer. Was für eine Reihe von Arten gut zu die Reise noch in eine andere Richtung
sein scheint, ist schlecht für andere. Vor – täglich werden neue Flächen bebaut
Für Vogelarten existieren oft jahrhun- allem Schmetterlingsarten die kühlere und versiegelt, Naturräume durch den
dertelange Aufzeichnungen, die zum klimatische Bedingungen vorziehen und ungebremsten Straßenbau zerschnitten
Beispiel belegen, dass sich der Bienen- beispielsweise in Mooren und Gebirgen und Bäche und Flüsse verbaut.
fresser in wärmeren Zeiten ausbreitet. vorkommen, geraten immer mehr in
1638 kam er in Sachsen-Anhalt vor und Schwierigkeiten. Eine andere Entwick- Der Trend natürliche Ökosysteme zu
verschwand in der folgenden „kleinen lung zeigt der Admiral, der ein klas- zerstören ist weltweit ungebrochen:
Kaltzeit“ wieder. Seit 1990 ist er dort sischer Wanderfalter ist und jedes Jahr Wälder werden gerodet oder in inten-
wieder mit ungefähr 100 Brutpaaren hei- aus dem Mittelmeerraum neu bei uns siv genutzte Forsten und Plantagen
misch. Der kühlebedürftige Wasserpieper einwandert. Inzwischen sind die Winter umgewandelt, die letzten Moore werden
dagegen rückt im Schwarzwald in immer bei uns so mild, dass die Falter seit 10 bis trockengelegt und natürliche Grasländer
höhere, kühlere Regionen auf. 20 Jahren auch bei uns überwintern. für die Landwirtschaft umgepflügt. Der
Schutz der letzten verbliebenen natur-
Kuckuck und Frosch Ein weiterer Effekt mit großer Wirkung: nahen Lebensräume wäre kostengünstig
wird es zu heiß Der Klimawandel lässt neue Arten ein- und eine sehr wirksame Maßnahme um
wandern. Das kann im Fall von pflanzen- unser Klima zu retten.
Der Kuckuck macht deutlich, wie kom- fressenden Insekten oder Krankheitsü-
plex sich der Klimawandel auf das Zu- berträgern beträchtliche negative Folgen 2008 wird Deutschland Gastgeber der
sammenspiel der Arten auswirken kann. für den Menschen haben. So begünsti- UN-Konferenz zum Schutz der biolo-
Seine Wirte kehren mittlerweile immer gen die milden Winter die Ausbreitung gischen Vielfalt sein. Machen wir Druck,
früher aus ihren Winterquartieren zu- der Zecken in Richtung Norden, die im dass sich die Politik bewegt und Ernst
rück. Da der Kuckuck seine Ankunftszeit Gepäck den Überträger der Hirnhautent- macht mit dem Schutz des Klimas und
jedoch nicht angepasst hat, kommt er zündung FSME haben. In Brandenburg der Artenvielfalt weltweit.
häufig zu spät, um seine Eier in fremde ist in den letzten beiden Jahren die Zahl
Nester zu legen. Auch er weicht zuneh- der FSME-Erkrankungen stark angestie- – Horst Korn und Cordula Epple: Biologische
mend in kühlere, höhere Lagen aus – bis gen. Vielfalt – Gefahren, Chancen, Handlungsopti-
es ihm auch dort zu heiß werden wird. onen. BfN-Skript 148, 2006

Die Umweltorganisation Euronatur


hatte bereits Anfang Februar die
D er Präsident des BfN, Hartmut
Vogtmann, fordert daher einen
wirksamen Klimaschutz und den Ausbau
– BfN (2004): Klimawandel und Biologische
Vielfalt. In: Daten zur Natur 2004. Landwirt-
schaftsverlag, Münster
ersten Molche in Tümpeln vor allem in erneuerbarer Energien, „um unsere – IPCC 2002: Climate change and Biodiversity
Süddeutschland gesichtet und hält die Tier- und Pflanzenwelt nicht einem www.ufz.de
heimischen Amphibien für die ersten Experiment mit ungewissem Ausgang zu www.euronatur.de
Opfer der Klimaveränderung. Die hohen unterziehen.“ Er fordert eine Vernetzung
Temperaturen im Januar wecken Molche, von Lebensräumen, damit die Arten Christiane Weitzel, Schwedt

Nr. 93/2.07 17
titel

Kein guter Fischzug


An der kanadischen Westküste kehren Zehntausende Lachse aus
dem Pazifik in ihre Laichgründe zurück. Sie spielen eine zentrale
Rolle für die Ökosysteme Ozean und Regenwald, doch die Überle-
benschancen für ihren Nachwuchs sind ungewiss.

U nter von Moos überwucherten


Urwaldbäumen pflügen Hunderte
dunkle Fischleiber durch das Bachbett im
ist nicht einfach, denn ihr Lebenszyklus
ist ein komplexes Geschehen zwischen
Ozean, Fluss und Wald. Zwischen dem
Goldstream Provincial Park nahe Victoria, Aufbruch der Fischbrut und der Rück-
der Hauptstadt der Provinz British Co- kehr in die Ursprungsgewässer legen die
lumbia. Es ist November auf Vancouver Lachse je nach Art im Laufe mehrerer
Island und die Lachse sind aus dem Meer Jahre bis zu 4.000 Kilometer zurück. Kö-
zurückgekehrt, um ihren Laich im Kies nigslachse werden auf ihrer Wanderung
der klaren Waldbäche abzulegen und ih- rund 13 Kilogramm schwer, einzelne
ren Lebenszyklus zu beenden. So schnell Exemplare erreichen aber auch über 50
wie sie sterben, beginnt das Festmahl für Kilogramm Gewicht.
Möwen, Krähen und zahlreiche andere
Tierarten, die auf die Lachse gewartet Höhere Temperaturen und zu
haben. Schon nach der Wanderung wenig Regen bringen Lachse in
stromaufwärts über Felsen und Treibgut Not
sehen einzelne Fische halb zerfetzt aus.
Es ist ein atemberaubendes Schau- Copley sieht einen Zusammenhang
spiel von Leben und Tod, buchstäblich zwischen der Zahl der zurückkehrenden
getragen von Biomasse, die seit Jahrtau- Lachse und den höheren Durchschnitts-
senden ihren eingeschriebenen Bahnen temperaturen der letzten Jahre. 2003
folgt. Doch das Phänomen Lachszug ist etwa war ein ungewöhnlich warmes Jahr
gestört und gefährdet. in Nordamerika und anderen Erdteilen.
Auch die Meerestemperaturen vor der
„2006 spielte verrückt, das Jahr davor Westküste Kanadas waren höher als
war katastrophal,“ sagt Darren Copley, gewöhnlich mit direkten Auswirkungen
Biologe und Mitarbeiter der Parkverwal- auf die Nahrungskette im Meer. „Warme
tung. Er beobachtet seit 15 Jahren den Wasserschichten an der Meeresober-
Lachszug im Goldstream Park und ist fläche blockieren aufsteigende nähr-
besorgt. Drei Arten kommen im Gold- stoffreiche Strömungen, die für das
stream Park vor: Hundslachse, Königs- Wachstum von Plankton sorgen“, erklärt
lachse und Silberlachse. 2003 und 2004 Copley. Diese Kleinstlebewesen sind für
kehrten noch über 20.000 Hundslachse die Ernährung der Lachse unabdingbar.
und mehrere Hundert Königs- und Gleichzeitig sind die höheren Tempera-
Silberlachse nach Goldstream zurück. turen günstig für Raubfische, die es auf
2005 waren es nur gut 5.000 Hunds- die kleinen Lachse abgesehen haben. Die
lachse und nur ein Bruchteil der Silber- Meerestemperaturen 2003 könnten also
lachse früherer Jahre. Im Herbst 2006 erklären, warum 2005 nur ein Bruchteil
sind 15.000 Hundslachse, aber nur 40 der Lachse in den Goldstream Park und
Königs- und Silberlachse zurückgekehrt! andere Gewässer zurückgekehrt ist.

„Eigentlich sollten im Herbst etwa 2006 haben sich die Lachszahlen im


60.000 Lachse durch diesen Park Goldstream Park wieder normalisiert,
ziehen,“ schätzt Copley. Fischfang, doch hat der Lachszug extrem spät
Abholzung und Erosion in den Tälern
sowie die Schadstoffbelastung der Ge-
wässer bedrohen den Lachs an Kanadas Die Lachse tragen zum Wachs-
Westküste. Ein genaues Verständnis der tum der Urwaldriesen im Gold-
Ursachen für den Rückgang der Lachse stream Park bei Fotos: Jens Wieting

18 Nr. 93/2.07
titel

begonnen. „Vor 15 Jahren kamen die Lachse im


Schnitt zwei Wochen früher zurück“, erklärt Copley.
Ein seit Jahren im Park verkehrender Schwarzbär
hatte sich wie gewöhnlich Ende Oktober eingestellt,
um sich an den Lachsen gütlich zu tun. Stattdessen
habe er die alten Apfelbäume am Naturhaus ge-
plündert, so der Biologe. Genauso haben Weißkopf-
seeadler und Möwen tagelang vergeblich auf ihr
Festmahl gewartet. Bis in den Oktober dauerte die
regenarme Zeit auf Vancouver Island und viele Bä-
che führten Ende des Monates kaum noch Wasser.
Die Lachse im Ozean warten mit ihrer Herbstwan-
derung aber auf die Zunahme der Abflussmenge
in den Mündungsgebieten der Fließgewässer nach
dem Einsetzen stärkerer Niederschläge.

Die Lachse erkennen anhand des Abflusses der


Flüsse nicht nur den richtigen Zeitpunkt für die
Rückwanderung – sie können mit ihrer Nase auch
die jeweilige Wassermischung ihres Heimatgewäs-
sers erkennen und den richtigen Weg „riechen“.

Ans Ufer gespülter Lachsleich

Hundslachs

Nr.
Nr. 93/2.07
93/2.07 19
titel

Wenn der Klimawandel die


Meere weiter aufheizt, ist der von Parasiten befallen, die nur im früht, Aussagen über den Einfluss des
Zug der Lachse in Gefahr Sommer verbreitet sind. Der 1.400 Klimawandels auf den Lachs zu machen.
Kilometer lange Fraser mündet bei Er macht sich schon wesentlich länger
Vancouver ins Meer und ist belastet Sorgen um den Lachs als der Klimawan-
Offenbar wird die Lachsbrut auf ihrem durch Abwässer von Städten, Indus- del debattiert wird. „An der Küste von
Weg in das Meer mit der jeweiligen trie und Landwirtschaft. „Es ist ein British Columbia sind die Lachsbestände
unverkennbaren Geschmacks- und Desaster, das wir noch nicht verstehen. durch Eingriffe des Menschen seit 1880
Geruchsnote der Gewässer geprägt, Aber wir wissen, dass Schadstoffe das zwischen 30 und 90 Prozent zurückge-
in denen sie aus den Eiern geschlüpft Wanderverhalten der Lachse durchein- gangen,“ erklärt der wettergegerbte
sind. Nur ein kleiner Prozentsatz der ander bringen,“ sagt Ross. Biologe. „Die wichtigsten Ursachen
Fische landet in fremden Gewässern. Sie sind die Zerstörung von Laichgründen
tragen zur genetischen Variation und zur Umweltgifte machen die durch Abholzung sowie Fischerei.“ An
Neubesiedlung von Lebensräumen etwa Lachse krank der Westküste der südlich an British
nach Erdrutschen bei. Columbia grenzenden US-Bundesstaa-
Die Forschungsergebnisse des Toxi- ten Washington und Oregon seien die
Die Orientierungsleistung der Lachsnase kologen zeigen, wie sich langlebige Bestände sogar um 90 – 97 Prozent
fällt jedoch aus, wenn die Schadstoffbe- Schadstoffe in der Nahrungskette im eingebrochen, weil außerdem zahlreiche
lastung der Flüsse steigt und die Riechor- Meer und an der Küste anreichern. So Lebensräume durch Staudämme und
gane der Lachse Schaden nehmen. „Un- gehören die Schwertwale an der West- Verbauung zerstört wurden.
sere Forschungsergebnisse zeigen, dass küste Kanadas zu den Säugetieren, die
Umweltgifte die Verhaltensmuster und weltweit am stärksten mit Polychlo- Reimchen kennt sich aus mit dem Auf
das Immunsystem der Lachse beeinträch- rierten Biphenylen (PCBs) belastet sind, und Ab der Lachsbestände. Er hat durch
tigen“, erklärt Peter Ross, Toxikologe giftigen Chlorverbindungen, die Krebs seine Arbeit nachgewiesen, dass die
am Institut für Ozeanwissenschaften auslösen können. Ein Schwertwal frisst Lachse einen entscheidenden Einfluss
in Sidney, 20 Kilometer nördlich von bis zu 200 Lachse am Tag. Bei Grizzly- auf Biomasse und Artenvielfalt im Öko-
Victoria. Sein Fachgebiet sind die Folgen bären, ebenfalls Lachsliebhaber, geht system des Küstenregenwaldes nehmen.
der Schadstoffbelastung in Meerestieren, 90 Prozent der PCB-Belastung auf den In seinem Arbeitszimmer bewahrt er
insbesondere von Schwertwalen und an- Lachs zurück, weiß Ross. Gleichzeitig Hunderte von fingerdicken, etwa einen
deren Säugetieren, die sich wiederum in ist Ross besorgt, dass die Nahrungs- Meter langen Rundholzstäben auf. Es
erheblichem Maße von Lachs ernähren. pyramide, in welcher der Lachs eine sind Bohrkerne aus Urwaldriesen, und
so unübersehbar dominante Rolle Reimchen hat festgestellt, dass sich an
„Seit 1996 erstmals der Herbstzug der spielt und an deren Spitze u.a. Wale den Jahresringen der Bäume ablesen
Rotlachse im Fraser River eingebrochen und Bären stehen, in sich zusammen- lässt, wie viele Lachse jährlich durch das
ist, wissen wir, dass wir es mit einer aus- bricht, wenn die Fischbestände durch Tal gezogen sind. Reimchen will in über
gewachsenen Krise zu tun haben,“ so Umweltgifte und andere Ursachen einhundert Tälern der Westküste die
der Toxikologe. Mehrfach sind seitdem ausfallen würden. Der Toxikologie Bestandsdynamik der Pazifischen Lachse
über 90 Prozent der Lachse auf ihrer befürchtet, dass der Klimawandel in in den letzten 500 Jahren rekonstruieren.
Wanderung in den größten Fluss von Kombination mit der Schadstoffbelas-
British Columbia eingegangen, ohne tung diese Gefahr noch verschärft. Dem Biologen war aufgefallen, dass
für Nachkommen zu sorgen. Die Fische viele der größten Regenwaldbäume in
machen sich zu früh auf die Reise, sind Dr. Tom Reimchen, Biologe an der Tälern der Westküste wachsen, in denen
noch nicht geschlechtsreif und werden Universität Victoria, hält es für ver- die Lachse ihre Laichgründe haben. Im

20 Nr. 93/2.07
titel

Oktober 1993 beobachtete er in Bag Neben den Grizzly- und Schwarzbären zen und Insekten, welche die Nahrungs-
Harbour auf den Queen Charlotte-In- sind auch Marder, Weißkopfseeadler, grundlage für die Lachsbrut darstellen.
seln sechs Wochen lang eine Gruppe Möwen, Krähen und Raben am Verzehr Die Lachse brauchen den Wald ebenso
von Schwarzbären beim Lachsfang. In der Lachse und der anschließenden Ver- wie der Wald den Lachs.
diesem Zeitraum fingen die sechs Bären teilung der Nährstoffe im Wald beteiligt.
mehr als 3.000 Lachse und damit etwa Außerdem ernähren sich Fliegenlarven Im Goldstream Provincial Park auf Van-
zwei Drittel aller Fische, die durch den von den Fischkadavern, die im Frühjahr couver Island sind im Herbst 2006 mit
Bach zogen. Fast alle gefangenen Fische für die nötige Insektenvielfalt sorgen und Verspätung ausreichend Lachse zurück-
hatten bereits abgelaicht, so dass der damit den Nachwuchs der Singvögel gekehrt, damit der Schwarzbär sich eine
Beutezug der Bären keine Gefahr für die garantieren. „Lachse sorgen für Arten- Fettschicht für den Winter anfressen
Zukunft des Lachsbestandes darstellte. vielfalt im Küstenregenwald,“ erklärt kann. Wenn die Lachse eines Tages nicht
Seine Hochrechnung ergab, dass die Reimchen. „Täler, in denen Lachse mehr zurückkommen würden, wäre das
pelzigen Fischräuber bis zu vier Tonnen ziehen, weisen die doppelte Anzahl an mit verheerenden Folgen für das Ökosys-
Fisch in einen Hektar Wald tragen. Insekten- und Vogelarten auf.“ tem Regenwald an Kanadas Westküste
verbunden.
Reimchen war bekannt, dass für die Ve- Doch das System Lachs-Wald ist keine
getation verfügbarer Stickstoff im Wald Einbahnstraße. Die in der Vegetation
Mangelware ist – die Körper der Lachse, gespeicherten Nährstoffe werden wieder Jens Wieting lebt in Victoria,
die ihre Reise im Wald beenden, beste- frei, wenn Bäume absterben und umfal- Kanada und arbeitet als Wald-
hen aber zu drei Prozent aus Stickstoff. len. Die so in die Gewässer gelangenden Campaigner für den Sierra Club,
Außerdem wusste er, dass der aus dem Stickstoffverbindungen versorgen Pflan- Kontakt: jens@sierraclub.bc.ca
Ozean stammende Stickstoff sich von
den auf dem Land verbreiteten Stick-
stoffverbindungen unterscheidet. In der
Nahrungskette im Meer reichert sich
das schwerere Stickstoff-Isotop 15N an,
das ein Neutron mehr aufweist als das
weiter verbreitete, leichte 14N. Reim-
chen schickte Vegetationsproben in ein
kalifornisches Labor.

Das Ergebnis war eindeutig. In Tälern,


die mit Lachsen „gedüngt“ werden,
war 15N auffällig konzentriert in der
Vegetation nachweisbar. Lachse und
Bären versorgen den Regenwald wie ein
gut eingespieltes Team mit Stickstoff. Die
Bären schleppen die erbeuteten Fische
in den Wald, fressen aber nur etwa die
Hälfte der Fischkörper. Da sie mit dem
Lachs vor allem ihre Fettreserven für
den Winter aufbauen, werden auch die
verzehrten Stickstoffverbindungen wie-
der ausgeschieden und so ebenfalls im
Gelände verteilt. Inzwischen weiß Reim-
chen, dass in einem intakten Lachs- und
Bärenlebensraum auf diese Weise 120
Kilogramm Stickstoffverbindungen dem
Regenwald zugute kommen und dass
rund die Hälfte des von den Bäumen
genutzten Stickstoffs von den Lachsen
stammt.

Die First Nations, die kana-


dischen Ureinwohner, fischen
auf traditionelle Weise im
Goldstream Park

Nr. 93/2.07 21
satire

Unter Klon-Schafen
In einem Sommer in naher Zukunft: Ein Schaf steht auf einer großen
Weide an einem modernen Zaun und kaut vor sich hin. Ein zweites
Schaf tritt von außen hinzu.

Schaf außen: Hallo Artgenosse! Wie also bin ich sie. Und alle meine Schwe- Dolly 2: Genau dieser Druck
geht´s? stern bin ich auch! hat mich hervorgebracht.
Schaf innen: Danke, es geht. Ganz so Schaf außen: (verwirrt): Äh… wie…? Mein Hochleistungsertrag soll
wie ein Artgenosse siehst du aber nicht Dolly 2: Das ist der Vorteil des Klonens. die Preise drücken. Wenn ich
aus. Kein Vater nötig und kein aufwändiges allerdings nicht meine genaue
Schaf außen: Ich gehöre einer ande- Züchten mit langwieriger Selektion. Ein- Menge Wasser und Cerealien,
ren Rasse an und komme vom Biohof fach ein Schaf nehmen, das so ist, wie Vitamine und Mineralien,
nebenan. man es braucht, eine Zelle entnehmen, Antibiotika und Chemikalien
Schaf innen: Gehört habe ich von euch. den Zellkern daraus in eine entker- zu mir nehme, kippt mein
Aber noch nie eines gesehen. nte Eizelle einpflanzen und ab in eine Stoffwechsel um und ich
Schaf außen: Du kommst wohl nicht viel Leihmutter – fertig ist das Schaf für die funktioniere nicht mehr ren-
herum? modernen Agrarfabriken! Mit exakt dem tabel genug. Deswegen stehe
Schaf innen: Nein, meistens stehe ich in Erbgut der Mutter und allen gewünsch- ich auch nur heute draußen.
unserem modernen, vollautomatischen ten Eigenschaften. Nur Eier können wir Zufällig befindet sich das
Stall. noch nicht legen, aber daran wird bereits Wetter innerhalb zulässiger
Schaf außen: Dieses ganze moderne gearbeitet. Parameter. Der Klimawandel
Zeugs macht unserem Bauern Sorgen… Schaf außen: Ich fall um! Aber was ist, macht´s möglich.
Schaf innen: Was ist ein Bauer? wenn sich die Zeiten ändern? Wenn man Schaf außen: Ja, ja, es kann
Schaf außen: Na, der Mensch, der uns neue Eigenschaften braucht? Wo soll ganz schön warm werden
pflegt, Futter bringt, melkt, schert, man die Gene dann hernehmen? unter so einem dicken Pelz,
schlachtet… (ein leichtes Magengrum- Dolly 2: Keine Ahnung. Pech gehabt. äh…, ich meine natürlich
meln ist zu hören) Vielleicht von euch Bioschafen? Fell! (lässt die Zunge heraus
Schaf innen: Ein Mensch…?! Ich kenne Schaf außen: Das hast du dir so gedacht! hängen und fängt ein wenig
nur vollautomatische Futteranlagen, Damit wir auch irgendwann so enden an zu hecheln) Bei uns stehen
Melkmaschinen, Kotrechen… wie du?! Der wirtschaftliche Druck der die Schafe fast das ganze Jahr
Schaf außen: Das ist ein Tier auf zwei Agrarindustrie ist gewaltig genug. hindurch auf der Weide.
Beinen.
Schaf innen: Ach, das meinst du! Bei
mir kommt so eins ab und zu im weißen
Kittel mit Gummihandschuhen und
Maske und piekst mich mit Spritzen, um
Laborproben zu nehmen oder mich mit
irgendetwas vollzupumpen…
Schaf außen: Wozu denn der ganze
Aufwand?
Schaf innen: Ich bin ein Hochleistungs-
turboüberschallhastdunichtgesehen-
superschaf! Ich gebe die meiste Milch,
meine Wolle spinnt sich fast von allein,
und mein Fleischertrag hat beinahe den
eines Rindes eingeholt …
Schaf außen: (ein Speichelfaden rinnt
aus seinem Maul) Wow, da bin ich aber
platt! Aber wie geht denn das?
Schaf innen: Ich bin ein Klonschaf. Mein
Name ist Dolly 2.
Schaf außen: Du bist die berühmte
Dolly?!
Dolly 2: Das könnte man so sagen, denn
ich bin ein Klon meiner Mutter Dolly,

22 Nr. 93/2.07
satire

Dolly 2: Bei Tag und Nacht, Sonne und schon ein Vermögen verschlungen, ja einfach alles! (trottet mit hängendem
Regen, Sommer wie Winter?! Wie haltet meine Aufzucht und Pflege kosten auch Kopf zurück Richtung Wald) Ich glaube,
ihr das bloß aus?! viel Geld. Außerdem käme ich mit dem ich lass´ mich für den Zoo einfangen!
Schaf außen: Wir sind das gewohnt. wechselnden Futterangebot nicht zu- Kein Ärger mehr mit Beutefang! Oder
Unsere Rasse ist an die hiesigen Bedin- recht. Jede Schwankung führt zu Unvor- ich werde gleich Vegetarier! Alles besser
gungen angepasst. Allerdings sind wir hergesehenem, und das erhöht unseren als diese geklonten Omas hier! (heulend)
nicht so groß, leistungsfähig und - saftig Preis…und du weißt ja: Geiz ist geil! Dolly 2: (zu den anderen Klonen) Was
wie du… (mjamjamjammm!) Schaf außen: Genau diesen Weg war denn das für ein komisches Viech?
Dolly 2: Und was ist mit den ganzen gehen viele nicht mehr mit! Biologisch Ich hab’s ja gewusst: Alle da draußen
Parasiten, Bakterien und Viren?! Ich bin reichhaltige Nutzflächen werden so sind vollkommen durchgeknallt und
dagegen immun gemacht worden. Aber zu Agrarwüsten gemacht und Bauern wissen überhaupt nicht, was sie wollen!
ihr müsst euch ständig mit irgendwas werden in den Ruin getrieben. Eine Da lobe ich mir doch das planbare Leben
abplagen, oder? echte Alternative war da die biologische im schönen warmen Genlabor! Was
Schaf außen: Im Gegenteil. Das Leben Landwirtschaft. Und was ist jetzt? Wind meint ihr?
draußen stärkt die Abwehrkräfte. Unsere und Bienen übertragen die Gene von Dollies: (im Chor zustimmend)
genetische Vielfalt sorgt dafür, dass die gentechnisch veränderten Pflanzen auf MMMMMMMMMMMMMMU-
Plagegeister immer nur einzelnen Tieren traditionelle Sorten und auf Wildpflan- UUUUUUUUUUUUUH!!!
zu schaffen machen, aber nicht gleich zen. So kann die Reinheit der Biopro-
die ganze Herde dahinrafft. Aber sag’ dukte nicht mehr garantiert werden und Ralf Golz (rgolz@gmx.net) und Christian
mal, wenn du so ein Superschaf bist, niemand kann vorhersehen was das Offer (ecodevelop@gmx.de) studierten in
warum hält man Dich dann so isoliert, langfristig in der Natur auslöst. Es ist bes- den 1990er Jahren zusammen Biologie
fast völlig steril? ser, die Gentechnik vorsorglich ganz aus in Berlin. Heute ist Ralf Golz im Garten-
Dolly 2: Meine Feinde schlafen nicht. der Landwirtschaft heraushalten…damit bau tätig. In seiner Freizeit schreibt er
Sie rüsten auf, indem sie sich anpassen. ein ehrbarer Wolf auch in Zukunft noch satirische Texte und tritt in Lesungen und
Und im Zuge der Globalisierung und leckere Schafe reißen kann! an Comedian-Abenden auf.
des Klimawandels können plötzlich Dolly 2: Was ist denn das – ein Wolf?
neue Schädlinge auftauchen. So können Schaf außen (fies grinsend): ICH bin ein
überwunden geglaubte Probleme stärker Wolf…
denn je zurückkehren. Davor will man Dolly 2: Ach, das ist ja interessant! Ich
uns schützen; meine Erschaffung hat kenne nur Woll-Schafe…aber von einem
Wolf-Schaf habe ich noch nie etwas
gehört. Was ist denn bei Dir anders?
Wolf im Schafspelz: (gierig) Na, DAS
zeige ich Dir gern! Komm nur näher
heran, damit du es besser sehen kannst!
Ich muss nur noch schnell aus diesem
Fell raus…
Dolly 2: Gleich! Ich rufe nur noch schnell
meine Schwestern heran, damit sie es
auch sehen können. Dolliiiiiiies! (Über
hundert Dolly-Klone tauchen hinter
dem Laborstall auf und kommen auf die
beiden Tiere zu. Einige humpeln, andere
keuchen laut vor Anstrengung.)
Wolf im Schafspelz (schockiert): Was
ist denn mit denen los?!
Dolly 2: Das ist der Preis des Klonens.
Wir erben das Alter unserer Mutter.
Alterungsbedingte Verschleißerschei-
nungen treten bei uns viel früher auf.
Wolf: (entsetzt aufheulend) Ou-
uuuuuuuh! (zieht sich beleidigt das
Schaffell vom Leib) Igittigitt! Nur zähe Foto: Naturfoto/Willner
Tattergreise! Ekelhaft! Da vergeht einem

Nr. 93/2.07 23
Foto: argus/Dott
schwerpunkt

Foto: argus/Janke

24 Nr. 93/2.07
schwerpunkt

Neue Kohlekraft-
werke heizen das
Klima weiter auf
Während der Klimawandel die Titelseiten der Zeitungen füllt
und PolitikerInnen jeder Coleur Maßnahmen zum Schutz des
Klimas und zur Reduktion des CO2-Ausstoßes fordern, setzen
die Energieversorger in Deutschland weiter auf fossile Brenn-
stoffe und planen zahlreiche neue Kohlekraftwerke. Mitt-
lerweile sind konkrete Planungen für 28 Stein- und Braun-
kohlekraftwerke bekannt, vermutlich werden noch weitere
hinzukommen.

B is 2020 müssen in der Bundesre-


publik Deutschland Kraftwerke mit
einer installierten Leistung von insge-
28. 000 MW neu zu errichten
– einem Viertel der in Deutschland
installierten Leistung. Diese Kraft-
samt ca. 40.000 Megawatt (MW) aus werke könnten pro Jahr über 200
Altersgründen vom Netz gehen. Das Milliarden kWh Strom produzieren
entspricht etwa 36 Prozent der derzeit – das entspricht 38 Prozent der
in Deutschland insgesamt installierten derzeitigen Stromerzeugung - und
Kraftwerksleistung. bis zu 160 Millionen Tonnen CO2
pro Jahr ausstoßen. Die Bundes-
Da die Energieerzeugung in netzagentur spricht sogar von über
Deutschland mit etwa 43 Prozent 40 geplanten Kohlekraftwerken mit
den größten Anteil am CO2-Ausstoß einer Gesamtleistung von 43.000
hat, könnte ein Ersatz der Altkraft- MW und einem CO2-Ausstoß von
werke durch einen Ausbau der über 240 Millionen Tonnen CO2.
erneuerbaren Energien sowie durch
moderne Gaskraftwerke mit GuD- Kohle statt Klima?
Technik (Gas- und Dampfkraftwerke)
die CO2-Emissionen in Deutschland Aufgrund der hohen Investitionskos-
deutlich reduzieren und damit den ten sind Kohlekraftwerke auf eine
dringend notwendigen Beitrag zum Nutzungsdauer von über 40 Jahren
Klimaschutz leisten. ausgelegt. Eine Umsetzung der
Planungen würde also die Energie-
Die Energieversorger jedoch, sowohl erzeugung in Deutschland für die
die vier großen Konzerne EnBW, nächsten Jahrzehnte festschreiben
e.on, RWE und Vattenfall als auch und die notwendige massive Reduk-
zahlreiche Stadtwerke, setzen weiter tion der CO2-Emissionen blockieren.
auf fossile Brennstoffe und planen
in den nächsten Jahren zahlreiche Kohlekraftwerke sind aufgrund
neue Kohlekraftwerke. Mindestens der hohen CO2-Emissionen beson-
25 Steinkohlekraftwerke und drei ders problematisch für das Klima.
Braunkohlekraftwerke sollen bis Moderne Steinkohlekraftwerke
Die Enerigekonzerne wollen 2014 entstehen. emittieren 750 g CO2 pro kWh,
28 neue Kohlekraftwerke in Braunkohlekraftwerke sogar 950 g.
Deutschland bauen... Die Energieversorger wollen mindes- Bei Berücksichtigung des Energiever-
tens 31 Milliarden Euro investieren, brauchs durch Abbau und Transport
um Kohlekraftwerke mit insgesamt der Kohle würden diese Werte noch

Nr. 93/2.07 25
schwerpunkt
deutlich höher liegen. Moderne Gas- ziert werden, überwiegend in geringem onen eher siedlungsnah errichtet werden
kraftwerke erzeugen dagegen „nur“ Umfang. Das liegt vor allem an der als Kohlekraftwerke.
etwa 350 g CO2 pro kWh. Sie sind mit geplanten Größe der Anlagen, die zwi-
bis zu 58 Prozent Wirkungsgrad bei schen 500 MW (Düsseldorf, Steinkohle) Kohlestrom im
reiner Stromerzeugung und bis zu 85 und 2.100 MW (Neurath, Braunkohle) Emissionshandel begünstigt
Prozent bei einem Betrieb als Kraft- liegen soll.
Wärme-Kopplungsanlage wesentlich Die Energieversorger argumentieren,
effizienter als Kohlekraftwerke, die einen Bei so großen Kraftwerken ist eine Gaskraftwerke seien trotz der geringeren
elektrischen Wirkungsgrad von maximal nennenswerte Fernwärmeerzeugung Investitionskosten keine Alternative zu
45 Prozent (Steinkohle) bzw. 43 Prozent einerseits nicht effizient, andererseits Kohlekraftwerken, da Gas als Brennstoff
(Braunkohle) erreichen. fehlen im näheren Umkreis die Abneh- viel zu teuer sei. Dabei ist klar, dass auch
mer. Gaskraftwerke werden dagegen der Kohlepreis in Zukunft steigen wird.
Nur bei acht der geplanten Kohlekraft- meist als kleinere Anlagen geplant und Und auch über die künftigen Preise der
werke soll gleichzeitig Fernwärme produ- können aufgrund der geringeren Emissi- Zertifikate kann nur spekuliert werden.

... Diese Klima-


killer würden
zusammen
pro Jahr mehr
als 160 Mili-
onen Tonnen
Kohlendioxid
ausstoßen!

26 Nr. 93/2.07
schwerpunkt
Zur Zeit sind Kohlekraftwerke vor kenntnissen zum Klimaschutz ernst
allem attraktiv, weil sie bei der Aus- nimmt, muss sie die Zuteilungsre-
gabe der Emissionszertifikate im gelung entsprechend ändern.
Nationalen Allokationsplan (NAP)
bevorzugt behandelt werden. Das Anfang 2007 wurde mit dem Bau
bedeutet, dass die geplanten Koh- von zwei geplanten Kraftwerken in
lekraftwerke Zertifikate für 750 g Duisburg-Walsum (Steinkohle) und
CO2 pro kWh erhalten sollen, Gas- Neurath (Braunkohle) begonnen,
kraftwerke für 365 g CO2. Dabei ein weiteres bei Datteln (Stein-
werden 7.500 Volllaststunden im kohle) ist genehmigt. In Boxberg
Jahr zugrunde gelegt. Das ent- wurde Ende April mit dem ersten
spricht einem dauerhaften Betrieb Spatenstich der Baubeginn ein-
im Grundlastbereich. Für moderne geleitet. Bei den meisten anderen
Steinkohle- und Gaskraftwerke Kraftwerken werden in diesem Jahr
sollen also so viele Zertifikate ver- wichtige Entscheidungen fallen
geben werden, wie CO2 emittiert – bei einigen werden die Inves-
wird. Eine „Lenkung“ hin zu einer titionsentscheidungen erwartet,
klimafreundlicheren Energieversor- bei anderen soll dieses Jahr das
gung sähe anders aus. Genehmigungsverfahren durchge-
führt werden. 2007 wird also ein
Sind die Kraftwerke weniger als entscheidendes Jahr, um möglichst
7.500 Volllaststunden pro Jahr viele der geplanten Kraftwerke
(weil z.B. weniger Strom benötigt doch noch zu verhindern.
wird) in Betrieb, können die Be-
treiber sogar Zertifikate verkaufen. 2007: Kohlekraftwerke
Braunkohlekraftwerke, die größten verhindern!
CO2-Emittenten überhaupt,
erhalten zwar etwas weniger In Berlin, Bremen, Hamburg, Mainz
Verschmutzungsrechte als real und Mannheim beschäftigen sich
emittiert wird, gegen diese angeb- die ROBIN WOOD Regionalgrup-
liche „Ungleichbehandlung“ der pen mit den vor Ort geplanten
Braunkohle gab es heftige Proteste Kraftwerken. In Bremen und
der Braunkohlelobby. Nach einem Mannheim fanden bereits erste
„Kompromiss“ sollen Braunkohle- Aktionen statt, weitere werden fol-
kraftwerke nun als „Ausgleich“ gen und darauf hinweisen, dass es
Zertifikate für 8250 Volllaststunden Alternativen zum Kohlestrom gibt.
erhalten. Eine energiepolitische
Fehlentscheidung, die fatale Folgen Jede und jeder kann mit einem
für das Klima haben wird. Wechsel zu einem Ökostroman-
bieter schon jetzt den Energie-
Wenn – wie von ROBIN WOOD konzernen die Rote Karte für ihre
und anderen Umweltorganisa- rückwärtsgewandte Energiepolitik
tionen gefordert – auch Kohle- zeigen. Der Ausbau der erneu-
kraftwerke Zertifikate für maximal erbaren Energien muss weiter
365 g CO2 pro kWh erhalten, gefördert werden. Aber auch
würde sich der Preis für Kohle- Energieeinsparprogramme sind nö-
strom aufgrund des notwendigen tig – solange der Stromverbrauch
Zukaufs von Emissionszertifi- weiter steigt, kann der Umstieg auf
katen deutlich verteuern. Aber: eine Energieerzeugung mit 100
Ein Anreiz in klimaschonendere Prozent erneuerbarer Energie nicht
Techniken zu setzen, wäre getan. so bald gelingen.
Denn mehrere Energieversorger
haben betont, dass die endgültige
Entscheidung für oder gegen ein Ulrike Bielefeld, Biologin, lebt
geplantes Kohlekraftwerk auch in Oldenburg und ist bei ROBIN
von der Zuteilungsregelung für WOOD im Bereich Energie aktiv.
die Emissionszertifikate abhängt. Kontakt: ulrike.bielefeld@
Wenn es die Politik mit ihren Be- uni-oldenburg.de

Nr. 93/2.07 27
schwerpunkt

Foto: Michael Dieke

Die Lacomaer Teichlandschaft:

Lacoma So viel Natur für so wenig Kohle!

Ein Dorf kämpft gegen den Braunkohletagebau


Bereits zu DDR-Zeiten sollte das Dorf Lacoma und die ökologisch
wertvolle Teichlandschaft dem Braunkohletagebau geopfert wer-
den. Seit fast 25 Jahren kämpfen die Dorfbewohner, engagierte
Brandenburger BürgerInnen und zahlreiche Naturschutzorganisa-
tionen wie ROBIN WOOD um den Erhalt des Dorfes und der Natur.
Bisher konnte die Abbaggerung auch gegen die Interessen des
Energiekonzerns Vattenfall verhindert werden, doch der Kampf für
die Natur ist noch nicht gewonnen.

D as Dorf Lacoma und die benach-


barte Teichlandschaft befinden
sich zirka sechs Kilometer nordöst-
der Höfe wurde während dieser Zeit
abgerissen. Doch bereits zu DDR-
Zeiten regte sich erster Widerstand
Das Gebiet ist zirka 300 Hektar groß
und umfasst 60 Hektar Teiche, die
zur Karpfenzucht genutzt werden.
lich von Cottbus im Südosten des gegen die Abbaggerung des Ortes Das Land Brandenburg hat die
Landes Brandenburg. Im März 1983 und der wertvollen Landschaft. Lacomaer Teiche 2003 als beson-
wurde den 150 BewohnerInnen ders schützenswertes Fauna-Flora-
des 670 Jahre alten Ortes bekannt In dem Gebiet „Lacomaer Teiche Habitat-(FFH) Gebiet nach Brüssel
gegeben, dass das Dorf dem und Hammergraben“ leben mehr gemeldet.
Braunkohletagebau Cottbus-Nord als 170 vom Aussterben bedrohte
weichen soll. So verließ die Mehrzahl Arten, u.a. Fischotter, Rohrdommel, Unter den Lacomaer Teichen werden
der BewohnerInnen das Dorf schon Rotbauchunke und der europaweit 42 Millionen Tonnen Braunkohle ver-
in den Jahren 1987 bis 1990. Ein Teil prioritär geschützte Eremitenkäfer. mutet, die im nahe gelegenen Kraft-

28 Nr. 93/2.07
schwerpunkt

werk Jänschwalde des Energiekonzerns ter des Landes Brandenburg, Matthias


Vattenfall verstromt werden sollen. Das Platzeck, noch 1993 auf einem Dorf-
Braunkohlekraftwerk Jänschwalde ist fest in Lacoma, dass der Ort und die
der zweitgrößte Kohlendioxid-Emittent Landschaft dem Braunkohletagebau
in Deutschland und das fünft dreckigste nicht weichen müssten. Als Ministerprä-
Kraftwerk in Europa. sident hielt er sich später allerdings nicht
an sein Versprechen. So versuchte die
Die Geschichte des Dorfes Brandenburger Landesregierung unter
Lacoma Platzecks Federführung lange Zeit, die
Meldung des Gebietes als europäisches
Das sorbisch/wendische Dorf und seine FFH-Schutzgebiet zu verhindern. Erst
„Alte Poststraße“ wurden im Jahr 1337 ein durch die Umweltverbände NABU,
zum ersten Mal urkundlich erwähnt. GRÜNE LIGA und BUND initiiertes EU-
Kulturhistorisch bedeutsam ist der um Vertragsverletzungsverfahren gegen
1450 erbaute Hammergraben, der die Deutschland zwang das Land, das
Festung Peitz, das dortige Hammerwerk Gebiet als ökologisch besonders wertvoll
und die Lacomaer Teiche mit Wasser anzuerkennen und der EU als Beitrag
Foto: Steph Grella
versorgte. Bei einer Volkszählung Ende zum Natura-2000-Netzwerk zu melden.
des 30jährigen Krieges wurden bereits Protest gegen die Zerstö-
drei Familien genannt, deren Nachfahren Vattenfall AB ist ein schwedischer rung von Lacoma
bis in die heutige Zeit im Dorf Lacoma Staatskonzern und mittlerweile der
ansässig waren. fünftgrößte Stromkonzern in Europa. was den Umweltschutz angeht. Diese
Der Konzern wirbt damit, führend im eu- Hoffnung wurde aber bitter enttäuscht,
Um den Hammergraben und die Teiche ropäischen Umweltschutz zu sein. Doch denn die Bergbaupläne der DDR werden
entwickelte sich über die Jahrhunderte statt Umweltschutz betreibt Vattenfall von dem schwedischen Staatskon-
ein Gebiet, in dem sich eine seltene und Umweltzerstörung in großem Stil. zern weiter vorangetrieben und noch
wertvolle Flora und Fauna ansiedelte, so schlimmer: Vattenfall will der Braunkohle
dass das Gebiet bereits 1968 zum Land- Vattenfall übernimmt die LauBAG zu einer neuen Renaissance verhelfen,
schaftsschutzgebiet erklärt wurde. neue Braunkohlekraftwerke bauen und
Im Jahr 2000 übernahmen die im Besitz weitere Tagebaue erschließen.
1989 gingen nach der Wende der von Vattenfall AB befindliche HEW die
Strombedarf und die Kohleförderung in Lausitzer Braunkohle AG (LauBAG). Das Viele der Nutzungsverträge der letz-
der Lausitz massiv zurück, so dass sich Unternehmen wurde 2002 in „Vattenfall ten Häuser im Dorf Lacoma wurden
der vorgesehene Überbaggerungster- Mining AG“ umbenannt. Bei den Natur- bereits zum Herbst 2003 gekündigt
min um mehr als 15 Jahre verschob. In schützerInnen und in der Bevölkerung oder liefen aus. Darunter fiel auch die
der Lausitz wuchs die Hoffnung, dass der Lausitz keimte Hoffnung auf, haben Kulturscheune, die über Jahre Zentrum
der „Spuk“, der mit der Braunkohle- die Schweden doch einen guten Ruf, und Symbol des Dorflebens war. Im
verstromung verbunden war, ein für
alle mal vorbei sei. Der Tagebau und
die damit einhergehende Zerstörung Der schwedische Konzern Vattenfall will der Braunkohle
der Dörfer und Landschaften waren für zur Renaissance verhelfen
viele Menschen in der Region Anlass
gewesen, an den Montagsdemonstrati-
onen teilzunehmen.

In der Hoffnung auf einen Neuanfang


besetzen 1992 vor allem AbiturientInnen
aus der Stadt Cottbus die leer stehen-
den Gehöfte des Dorfes Lacoma und
brachten wieder Leben in das Dorf. Was
als Besetzung begann, wurde zwei Jahre
darauf durch befristete Nutzungsver-
träge durch die Stadt Cottbus legalisiert.

Die artenreiche Teichlandschaft von


Lacoma spielte in der Diskussion der
90er Jahre eine große Rolle. Und so
verkündete der damalige Umweltminis-

Foto: Michael Dieke Nr. 93/2.07 29


schwerpunkt

Sommer des Jahres 2003 organisierte Berlin, auch in Cottbus und Stockholm die Braunkohle im immer näher rücken-
sich ein gewaltfreier Widerstand gegen am Hauptsitz des Konzerns Vattenfall den Tagebau Cottbus-Nord abbauen zu
den Abriss, der ab dem 01. Oktober zu protestierte ROBIN WOOD. können, muss der Grundwasserspiegel
einer Besetzung des Gebäudes durch um insgesamt 60 Meter gesenkt werden.
zeitweise bis zu 200 AktivistInnen führte Als Vattenfall eine Genehmigung zur Durch die Rohre, die seit Oktober 2005
und durch ROBIN WOOD unterstützt Querung des Hammergrabens - mit überall in der Teichlandschaft verlegt
wurde. „Kultur statt Kohle - Lacoma damit verbundenen Baumfällungen werden und nicht zu übersehen sind,
statt Vattenfall“ stand am 7. Oktober - erhielt, besetzen AktivistInnen von pumpt Vattenfall pro Minute zwischen
auf dem Transparent, das ROBIN WOOD- ROBIN WOOD im Oktober 2005 Bäume 700 und 850 Liter Wasser aus dem
AktivistInnen nahe der Ortschaft über an eben dieser Stelle. Die Baumbeset- gesamten Gebiet und entlang des
die Bundesstraße spannten. Nach mehre- zung fand ein großes Medienecho und Hammergrabens ab. 200 Millionen Ku-
ren erfolglosen Verhandlungen mit dem das Vorhaben Vattenfalls, die Teiche dem bikmeter Wasser pro Jahr werden in die
Energieriesen Vattenfall wurde die Beset- Braunkohletagebau zu opfern, stieß Spree geleitet. Das sind unvorstellbare
zung der Kulturscheune am 16. Oktober erstmals auch öffentlich auf die Ableh- Mengen, wenn bedacht wird, dass ganz
durch die Polizei gewaltsam beendet nung einzelner Parlamentsmitglieder in Brandenburg an Wasserknappheit leidet!
und die AktivistInnen der „Freunde von der Landes- und Bundespolitik. Vattenfall
Lacoma“ von den Dächern geholt. Die zeigte sich in keiner Weise gesprächs- 2006 und 2007: Die Jahre der
Kulturscheune wurde sofort abgerissen. bereit und die Baumbesetzung wurde Entscheidung
nach 13 Tagen durch die Brandenburger
„So viel Natur für so wenig Kohle? Polizei und die Werksfeuerwehr von Um den Druck auf Schwedens Regierung
- Rettet Lacoma! Energiewende jetzt!“ Vattenfall geräumt. zu erhöhen, protestierten ROBIN WOOD-
forderten ROBIN WOOD-AktivistInnen AktivistInnen im April 2006 nochmals
vor der Berliner Vattenfall-Zentrale. Der Die Baumfällungen am Hammergraben in Stockholm bei der Vattenfall-Haupt-
Protest gegen die Abbaggerung der waren – nach Auffassung von Vattenfall versammlung. Und: Bundestagsabge-
Teichlandschaft wurde zusammen mit – notwendig geworden, um eine Brücke ordnete aller Parteien unterstützen den
den „Freunden von Lacoma“ nicht zum über den Hammergraben zu bauen, über Erhalt der Lacomaer Teichlandschaft
ersten Mal aus der Lausitz in die Bundes- die Rohre und Pumpen in der Teichland- und gehören zu den 3.000 Personen,
hauptstadt getragen. Und nicht nur in schaft eingebracht werden können. Um die eine gemeinsame Resolution der
Umweltorganisationen BUND,
GRÜNE LIGA, NABU und
Allen Protesten zum Trotz: Das Dorf Lacoma wird abgerissen ROBIN WOOD unterschrieben
haben.

Am 18. Dezember 2006 ver-


fasste das brandenburgische
Landesamt für Bergbau,
Geologie und Rohstoffe
jedoch den Planfeststellungs-
beschluss zur Beseitigung
der Lacomaer Teiche für den
Braunkohletagebau. Gegen
diesen Bescheid hat die Na-
turschutzorganisation GRÜNE
LIGA Klage beim Verwal-
tungsgericht Cottbus Klage
eingereicht. Sie wird dabei
von ROBIN WOOD, NABU,
und dem BUND unterstützt.

Die klagenden Verbände stüt-


zen sich u.a. auf die aktuelle
Rechtsprechung des Europä-
ischen Gerichtshofes, nach
der die Zerstörung von FFH-
Gebieten vor ihrer Eintragung
in die europaweite Schutz-
Foto: Michael Dieke gebietsliste nicht zulässig
ist. Denn: Das Schutzgebiet

30 Nr. 93/2.07
schwerpunkt
wurde zwar bereits 2003 gemeldet, ist
aber noch nicht auf der Liste der europä-
ischen Schutzgebiete eingetragen.

Vattenfall hatte vor Weihnachten gegen-


über dem Gericht zugesagt, bis Mitte Ja-
nuar keine Maßnahmen zur Beeinträchti-
gung des Schutzgebietes durchzuführen
- und tat es dennoch: Am 4. Januar
2007 begann Vattenfall vor Ort Tatsa-
chen zu schaffen, ungeachtet der noch
ausstehenden gerichtlichen Entschei-
dung. Obwohl Vattenfall bekannt ist,
dass die Bereiche um den Hammergra-
ben Überwinterungshabitate geschützter
Amphibien sind, beauftragten sie eine
Waldarbeitsfirma mit der Abholzung
eben dieser Flächen. Dabei wurden über
eine Strecke von 800 Metern Bäume Der Hammergraben vor ...
entlang des Hammergrabens gefällt. Wie
sich bei Untersuchungen später heraus-
stellte, war darunter auch ein Baum, der
von Eremitenkäfern bewohnt wurde. Das ... und nach der Fällung von 800
Verwaltungsgericht Cottbus stoppte die Bäumen durch Vattenfall
Arbeiten auf Antrag der Umweltschütze-
rInnen noch am gleichen Tag.

Hinzu kam, dass Vattenfall versucht


hatte, das Wasser im alten Hammergra-
ben abzulassen, um die Lacomaer Teiche
von der Wasserzufuhr abzuschneiden.
Auch hier haben die Naturschutzver-
bände im Kampf um die Lacomaer
Teichlandschaft einen ersten wichtigen
Teilerfolg errungen. Die bereits geplante
Stilllegung eines Teils des Hammergra-
ben-Altlaufs musste Vattenfall nach Auf-
forderung des Gerichts stoppen und ver-
bindlich zusichern, bis zum eigentlichen
Gerichtsentscheid keine Maßnahmen zu
dessen Trockenlegung durchzuführen. Fotos: Steph Grella

Am 28. Februar entschied das Verwal-


tungsgericht Cottbus in einem Eilverfah-
ren, dass Vattenfall bis zum Hauptsache- Vattenfall hält daran fest, das europä- Unterstützen Sie die Aktionen der
verfahren keine weiteren irreversiblen ische Schutzgebiet wegen 42 Millionen ROBIN WOOD-AktivistInnen und die
Arbeiten in der Teichlandschaft vorneh- Tonnen Kohle zu zerstören. Die kla- Klage der Umweltorganisationen zum
men darf. Der Planfeststellungsbeschluss genden Umweltorganisationen werden Erhalt der Lacomaer Teiche! Spen-
ist nach Aussage des Gerichts zum ihre Argumente vor dem Verwaltungs- denkonto: Stichwort: Lacoma retten,
gegenwärtigen Zeitpunkt rechtswidrig, gericht Cottbus vortragen und sich auch Kto.8455500, BLZ 25120510 oder
da dieser mit den zwingenden Vorgaben außerhalb des Gerichtssaals für den www.robinwood.de/spenden.
des Landschaftsschutzgebietes nicht Erhalt der Teiche einsetzen.
zu vereinbaren ist. Das Landesbergamt Kontakt und weitere Informationen:
wurde durch den Gerichtsbeschluss zu Steph Grella, littlemoon@gmx.de, ROBIN WOOD-Pressestelle
einem ergänzenden Verfahren verpflich- Daniel Häfner, 0179/6719016, Nernstweg 32
tet, in dem über die Ausgliederung der Daniel_haefner@yahoo.de, 22765 Hamburg
Teichgruppe aus dem Landschaftsschutz- Bettina Dannheim, Tel. 040 /380 892 0
gebiet entschieden werden muss. b.dannheim@nwn.de energie@robinwood.de

Nr. 93/2.07 31
schwerpunkt

Ein Atommülllager säuft ab


Was derzeit im Atommülllager ASSE II geschieht ist der GAU, der Größte anzunehmende
Unfall, der in einem Atommülllager unter Tage passieren kann: Wasser dringt ein und
wird mit dem strahlenden Müll in Verbindung kommen. Radioaktivität wird aus dem
Lager austreten. Selbst der Betreiber spricht nicht mehr davon, die Radioaktivität zu-
rückhalten zu können, sondern nur noch davon, ihren Zutritt zu verlangsamen und über
„Strömungsbarrieren“ zu lenken.

D ie Asse ist ein kleiner, beschau-


licher Höhenzug in Niedersachsen
im Landkreis Wolfenbüttel. Darunter
sich die Kraftwerksbetreiber und die
Atomforschungseinrichtungen mehr als
ein Jahrzehnt lang billig ihres radioak-
laufen. Großflächige Kontaminationen
im Grubengebäude wären die Folge und
könnten die Umsetzung der Schlie-
befindet sich ein Salzstock, aus dem seit tiven Abfalls entledigen konnten. ßungsmaßnahmen stark behindern oder
Ende des vorletzten Jahrhunderts Salz gar unmöglich machen.“
gewonnen wurde. Die Schächte ASSE I Mit der Atomgesetznovelle von 1978,
und ASSE III sowie der Schacht Hed- die erstmals ein atomrechtliches Planfest- Plötzliches Absaufen jederzeit
wigsburg, die zur Salzgewinnung in den stellungsverfahren für ein Atommüllend- möglich
Berg getrieben worden waren, sind alle lager vorschrieb, wurde das Aus für ASSE
unkontrolliert durch Wassereinbrüche II eingeläutet. Den Anforderungen eines War es über Jahrzehnte die Politik der
abgesoffen. solchen Verfahrens hätte ASSE II nie GSF alle Probleme zu ignorieren und zu
standgehalten. Sie wurde jedoch nicht verharmlosen, so geht sie inzwischen in
Ein altes Bergwerk voll mit geschlossen, sondern als Forschungs- die Offensive. Auf einer Reihe öffent-
radioaktivem Müll bergwerk bis in die 90er Jahre weiter licher Veranstaltungen werden offene
geführt, betrieben für die Grundlagen- Worte gesprochen:
Die Abtäufarbeiten im Schacht ASSE forschung für eine geplante spätere „Der Salzlösungszutritt stellt ein nicht
II begannen 1906. Von 1909 bis 1964 Einlagerung von hochaktivem Müll in kalkulierbares Risiko für die Sicherheit
wurde Salz abgebaut. 1965 kaufte die Gorleben. der Schachtanlage Asse dar. Niemand
Gesellschaft für Strahlenforschung (GSF) kann mit Sicherheit prognostizieren,
das Salzbergwerk im Auftrag des Bundes Seit 1988 tritt kontinuierlich Lauge zu, wie sich der seit 1988 beobachtete
als Forschungsbergwerk für die Lage- rund 12 Kubikmeter pro Tag. Dabei wan- Salzlösungszutritt in Zukunft entwi-
rung von Atommüll. dert die Zutrittsstelle in immer tiefere ckeln wird. Beispiele in unserer Nähe
Schichten. War sie anfangs auf der 565- – wie Vienenburg, Hedwigsburg und
Nicht nur in den Bergwerken ASSE I und Meter-Sohle, ist sie dort im März 1992 ASSE I – haben in der Vergangenheit
ASSE III, auch in ASSE II gab es immer versiegt und hat sich auf die 616-Meter- leider immer wieder gezeigt, dass ein
Probleme mit Wasser. In einem Proto- Sohle verlagert. Inzwischen ist sie auf der Salzlösungszutritt unberechenbar ist
koll der 61. Sitzung des Bundestags- 658-Meter-Sohle angekommen. und in wenigen Tagen zum Ersaufen
ausschusses für Atomkernenergie und eines Gewinnungsbergwerkes führen
Wasserwirtschaft vom 13. Mai 1965 ist Wie gefährlich ein weiteres Absinken kann, wie es bei ASSE I 100 Jahre zuvor
zu lesen: „Ein schwieriges Problem sei, der Laugen-Zutrittsstelle wäre, erläu- tatsächlich geschehen ist.“
dass der Schacht ASSE II in 300 Metern terte Dr. Gerd Hensel von der GSF auf
Tiefe einen Riss habe, durch den schon einer öffentlichen Veranstaltung am 25. Angesichts der dramatischen Situation
seit vielen Jahren Süßwasser einsickere. Mai 2005 im Dorfgemeinschaftshaus stellt sich zwingend die Frage nach der
Diesem Punkt gelte ganz besondere Auf- Remlingen: Rückholung des Atommülls. Die Bot-
merksamkeit. Sollte sich dieses Problem „Selbst wenn der Salzlösungszutritt schaft der Betreiber lautet: Eine Rück-
nicht lösen lassen, müsse ASSE II wieder über die gesamte Zeit der Rückholung holung ist technisch möglich, allerdings
abgegeben werden.“ konstant bliebe, kann nicht ausgeschlos- dauere sie zu lange und die Gefahr wäre
sen werden, dass sich die Zutrittsstelle zu groß, dass die ASSE II vorher völlig
ASSE II wurde jedoch nicht abgegeben. weiter nach unten verlagert, so wie abgesoffen sei.
Im Gegenteil, von 1967 bis 1978 wurden es bisher beobachtet wurde. Sinkt die
ca. 125.000 Gebinde mit schwach- und Zutrittsstelle bis unter das Niveau der Die Menschen vor Ort wollen diese
zirka 1300 Gebinde mit mittelradioak- 658-Meter-Sohle könnte die Salzlösung Herangehensweise nicht hinnehmen.
tivem Abfall in der ASSE II eingelagert. ungehindert in die Einlagerungskam- Gerade weil die Situation in der ASSE
Der Großversuch der „nicht-rückhol- mern eindringen, Radionuklide freiset- II so dramatisch ist, kann man nicht,
baren Endlagerung“ führte dazu, dass zen und in das übrige Grubengebäude wie die GSF es plant, das Lager fluten,

32 Nr. 93/2.07
schwerpunkt

Strömungsbarrieren einbauen, das Lager jahrlanger Verzögerung auf Grund von zu Schacht Konrad basieren auf Model-
schließen und sich anschließend aus dem Problemen beim Sicherheitsnachweis. len, die 25 Jahre alt und nicht mehr dem
Staub machen. Das Bergamt hat die Unterlagen bereits Stand von Wissenschaft und Technik
als unzureichend zurückgewiesen und entsprechen.
Einen „heilen Zustand“ ASSE wird es nie Nachlieferungen verlangt.
mehr geben. Die Radioaktivität ist da So dramatisch die Situation in ASSE II ist,
und sie wird in die Umgebung austreten. Asse II als Warnung: Endlager so muss sie als Warnung für die anderen
Deshalb muss untersucht werden wie Schacht KONRAD und Gorleben Projekte aufgefasst werden. Die Forde-
mit dem strahlenden Müll zu verfahren aufgeben! rungen des Arbeitskreises Endlager aus
ist, um die radioaktive Belastung so dem Jahr 2002, ein wissenschaftliches
gering wie möglich zu halten. Bis zum Noch vor einigen Jahren haben die Gremium, das aus Atomenergiebefür-
Ergebnis der Prüfung ist auf jeden Fall Betreiber der ASSE II behauptet, das wortern und –gegnern zusammenge-
sicher zu stellen, dass keine Baumaß- Lager sei sicher und bedauert, dass die setzt ist, müssen endlich umgesetzt und
nahmen vorgenommen werden, die Arbeiten zur Einlagerung von Atommüll mittels objektiver, wissenschaftlicher Kri-
eine Rückholung faktisch unmöglich zu Forschungszwecken in der ASSE terien nach dem bestmöglichen Umgang
machen. Und es sind die notwendigen eingestellt worden seien. Warnungen, mit dem Atommüll gesucht werden. Die
Stabilisierungsmaßnahmen im Bergwerk die es bereits in den 70er Jahren wegen Bevölkerung ist auf eine ehrliche Weise
vorzunehmen. mangelnder Standsicherheit gab, wur- mit einzubeziehen. Und eine weitere
den konsequent ignoriert. Nun zeigt Lehre muss gezogen werden: Angesichts
Bund und Land stehen auf dem juristi- sich, dass die angebliche Langzeitsicher- der riesigen Probleme mit dem Atommüll
schen Standpunkt, die ASSE II sei eine heit nicht einmal für 20 Jahre ausreicht. darf kein neuer produziert werden!
Forschungseinrichtung, deshalb müsse es Was bedeutet dies aber für die Endlager-
für ihre Schließung kein atomrechtliches projekte Schacht KONRAD und Gorle-
Planfeststellungsverfahren geben. Sie ben? Auch dort heißt es von Betreiber- Ursula Schönberger ist im Vorstand
wollen das allein nach Bergrecht regeln. seite, die Langzeitsicherheit sei gegeben. der Arbeitsgemeinschaft
Diese Position verteidigen sie seit vielen Doch welche Halbwertszeit haben diese Schacht KONRAD e.V.,
Jahren vehement, egal welche Parteien Aussagen? Die Sicherheitsberechnungen ursula.schoenberger@gmx.net
die jeweiligen Regierungen bildeten. Im
Bergrecht ist jedoch keine Öffentlich- 4. April 2007: Protest vor den Toren der Schachtanlage ASSE II,
keitsbeteiligung vorgesehen. in der radioaktiver Müll lagert. In das Salzbergwerk tritt seit
langem Wasser ein. Die UmweltschützerInnen fordern einen
Eine Überführung des Atommülllagers öffentlichen Prozess, der klärt, was mit dem radioaktive Müll
ASSE II in das Atomrecht würde zumin- geschehen soll
dest ein Verfahren unter Beteiligung
der Öffentlichkeit notwendig machen.
Die Übertragung ins Atomrecht hätte
darüber hinaus auch zur Folge, dass die
Kosten für Rückholung und sichere End-
lagerung von den Verursachern getragen
werden müssten.

2003 hat der Gesetzgebungs- und


Beratungsdienst des Niedersächsischen
Landtages in einem Gutachten die
Auffassung vertreten, dass es zur
Schließung der ASSE II sehr wohl eines
atomrechtlichen Planfeststellungsver-
fahrens bedürfe. Daraufhin erklärte sich
die Tischlermeisterin Irmela Wrede aus
Mönchevahlberg bereit, den Rechtsweg
zu beschreiten. Innerhalb kürzester Zeit
wurde ein Rechtshilfefonds gegründet,
um das Verfahren, dessen Kosten auf
40.000 Euro geschätzt werden, finanziell
abzusichern. Die GSF hat die Unterlagen
zur Genehmigung ihres Stilllegungskon-
zeptes Ende 2006 nach Bergrecht beim Foto: Thomas Erbe
Bergamt eingereicht. Übrigens nach

Foto: Bilderberg/Georg Fischer


Nr. 93/2.07 33
schwerpunkt

Proteste gegen deutschen


Atommüll in Russland

Uranmüll nach Russland


Die bundesweit einzige Urananreicherungsanlage (UAA) steht in Urenco verfünffachen, wenn sie ihren
Gronau. Der dabei anfallende strahlende Abfall wird nach Russland Atommüll in Deutschland lagern müsste.
transportiert, wo er größtenteils unter freiem Himmel lagert. Eine So bleibt Urenco auf dem Weltmarkt
billige Lösung für die Betreiber der UAA, eine tödliche Bedrohung wettbewerbsfähig, während in Russland
für die Menschen vor Ort. Russische Umweltschützer haben deshalb die strahlenden Müllberge wachsen.
Anzeige erstattet.
Mittlerweile wehren sich die Menschen

D ie Anlage wird von der multinatio-


nalen Firma Urenco Ltd. betrieben.
Die deutschen Energiekonzerne RWE
ihren radioaktiven Abfall zur Endlage-
rung: in Novouralsk, Angarsk, Seversk
und Zelenogorsk.
in Russland gegen das Geschäft mit
dem Uranmüll. Zum 20. Jahrestag von
Tschernobyl fanden im April 2006 in 12
und E.on besitzen gemeinsam 33,3 Pro- russischen Großstädten Proteste gegen
zent der Anteile dieser Firma. Statt den Offiziell finden die Transporte unter dem den Import von Atommüll statt. Im
Uranmüll an den eigenen Standorten Deckmantel der Wiederanreicherung November 2006 haben russische Um-
zu verwerten oder endzulagern, hat die statt, doch in Wirklichkeit bleiben mehr weltschützer aus Moskau, Ekaterinburg,
Urenco in den letzten zehn Jahren aus als 90 Prozent des gelieferten Urans als Tomsk und Irkutsk bei der Staatsanwalt-
Gronau mehr als 20.000 Tonnen abge- Abfall auf der offenen Wiese der Atom- schaft Münster Strafanzeige gegen die
reichertes Uran nach Russland verschickt, kombinate liegen. Greenpeace Russland Urenco gestellt, wegen des Verdachts
wo es in geheimen Atomanlagen des schätzt, dass sogar 98 Prozent des gelie- auf illegalen Müllexport nach Russland.
Militärs für wenig Geld gerne entgegen- ferten Urans in Russland verbleiben. Und „Nach russischen Gesetz ist es verboten,
genommen wird. da der Urenco-Müll beim Überschreiten Atommüll ins Land zu bringen“, erklärt
der Grenze in russisches Eigentum über- Vladimir Slivyak von der Umweltorgani-
Die geschlossenen Atomstädte Russlands geht, besteht keine Rücknahmeverpflich- sation Ecodefense. „Trotzdem nutzt die
sind ein Erbe der Sowjetunion. Sie haben tung seitens des Konzerns. Während Urenco die poststalinistsichen Strukturen
10.000 bis 300.000 Einwohner und der Gewinn aus diesem Geschäft an in den Atomstädten, um weiter ihr dre-
sind komplett mit Stacheldrahtzäunen die Urenco und wahrscheinlich auch an ckiges Geschäft zu betreiben.“
abgesperrt. Von außen kann sie niemand hochrangige Mitarbeiter von Rosatom,
ohne besondere Erlaubnis des KGB- der staatlichen Atomenergieaufsichtsbe- Heffa Schücking, urgewald
Nachfolgers FSB oder des russischen hörde geht, gefährdet der hochgiftige
Atomministeriums betreten. In vier und radioaktive Müll die Bevölkerung. Aus dem aktuellen Dossier von urgewald
dieser Orte am Ural und in Sibirien, die über die Energiepolitik von RWE mit dem
über eigene Urananreicherungsanlagen Nach unabhängigen Schätzungen Titel „Ineffizienz und Wahnwitz“.
verfügen, schickt die deutsche Urenco würden sich die Produktionskosten der www.urgewald.de

34 Nr. 93/2.07
schwerpunkt

Nebel über Olkiluoto Die beiden anderen finnischen Atom-


meiler in Loviisa sind sowjetischer Bauart
und produzieren etwa zehn Prozent des
Strombedarfs.
Erstmals seit zehn Jahren wird in Westeuropa wieder ein Atomkraft-
werk gebaut. Der Reaktor Olkiluoto 3 an der finnischen Westküste
wird als billiger Ersatz für Erdgas- und Kohlestrom gepriesen und ist
Hoffnungsträger für die ausstiegsgebeutelte Atomindustrie. ROBIN
D er European Pressurized Water Reac-
tor (EPR) ist ein neuer Reaktortyp,
der von Avera (ehemals Framatome) und
WOOD hat vor Ort etwas genauer nachgesehen. Siemens angeboten wird, Olkiluoto ist
der erste Standort, an dem er tatsächlich

H elsinki, fünf Uhr morgens. Etwa


1500 Kilometer Wasserweg seit
Rostock liegen hinter uns, noch etwa
allem das russische Erdgas soll durch
Atomstrom ersetzt werden. Atomener-
gie sei die klimafreundliche Alternative
gebaut wird. Dieser Bau ist für Siemens
und Avera nicht wirtschaftlich - 2003
sollte die deutsche Bundesregierung eine
350 Kilometer Fahrt mit dem Bus nach zu fossilen Brennstoffen, nachhaltige Hermesbürgschaft für den Bau über-
Rauma, zur Westküste kommen auf uns Formen der Energiegewinnung wie nehmen, was aufgrund des politischen
zu. An uns ziehen verschneite Land- Windenergie seien zu unberechenbar, Drucks scheiterte. Die französische
schaften vorbei, kleine rote Holzhütten passende Standorte nicht zu finden und Regierung hat Avera ohne zu zögern
stehen inmitten großer Forstgebiete. Der vor allem zu teuer. Dass der EPR-Reak- eine Bürgschaft über 610 Millionen Euro
Wald ist der wichtigste Rohstoff in Finn- tor allein im Bau 3,2 Milliarden kostet gewährt, um das Projekt zu ermögli-
land. Neben Wasserkraft und Atomen- und der Hersteller dabei noch Verluste chen. Siemens und Avera werden mit
ergie ist Biomasse aus Holz und Torf ein einfährt, wird nicht erwähnt. Ebenso dem Projekt keinen Gewinn machen, viel
bedeutender Strom- und Wärmelieferant wenig, dass der Reaktor, der 2009 ans wahrscheinlicher sind ein paar hundert
und zugleich Rohstoff für die Papierin- Netz gehen sollte, jetzt schon anderthalb Millionen Euro Verlust. Bei diesem AKW-
dustrie. In Rauma steigen wir ins Taxi, Jahre hinter seinem Zeitplan ist und sich Bau geht es aber nicht um Gewinne: Es
denn auf den letzten Kilometern zu den die Finnen und Franzosen darüber strei- handelt sich um den Versuch, mit dem
- ebenfalls rot gestrichenen - Atomreak- ten, wer für die Kosten der Verspätung Bau einer neuen Anlage endlich wieder
toren fahren keine öffentlichen Verkehrs- aufkommen soll. Es ist eine politische einen Fuß in die Tür zu bekommen,
mittel. Als wir aussteigen, können wir Entscheidung, die dem Bau des Atom- nachdem seit über zehn Jahren in West-
die beiden würfelförmigen Reaktorge- reaktors zu Grunde liegt. Und weil die europa kein AKW mehr gebaut wurde.
bäude im Nebel erkennen. Stimmung in der Regierung so positiv ist, Es ist der Kampf um die Existenzberechti-
hat die Industrie im April sogar angekün- gung der Atomindustrie.
Olkiluoto wird derzeit zu einem ato- digt, einen sechsten Reaktor bauen zu
maren Abenteuerspielplatz ausgebaut: wollen. Sebastian Vollnhals, ROBIN WOOD-
Hier soll es in naher Zukunft neben den Aktivist, und Frank Schapitz, Öko-
zwei Siedewasserreaktoren westlicher Zwei Reaktoren vom Typ Forsmark ver- löwe Leipzig, haben im Februar 2007
Bauart, die bereits in Betrieb sind, einen richten in Olkiluoto seit fast 40 Jahren ih- die Baustelle des finnischen Atom-
Druckwasserreaktor vom Typ EPR und ren Dienst. Mit einer Gesamtleistung von kraftwerks in Olkiluoto besucht.
ein Endlager für hochradioaktive Abfälle etwa 1700 Megawattstunden werden
geben. Mit zum Kraftwerk gehören hier etwa 15 Prozent des gesamten in www.olkiluoto.info
noch das Kohlekraftwerk Mari-Pori und Finnland verbrauchten Stroms erzeugt. www.luontoliitto.fi
ein Windrad. Die Betreiber geben sich
selbstbewusst. Es gibt ein Besucherzent-
rum mit interaktiver Ausstellung und
Blick auf die Atomanlagen. Eine Führung
zur Baustelle des EPR oder des zukünf-
tigen Endlagers fällt aus - kein weiterer
Kommentar.

Der Vortrag im Besucherzentrum erklärt


uns, wie der finnische Strommarkt funk-
tioniert. Möglichst billig soll der Strom
sein, denn billiger Atomstrom steht bei
Finnlands energieintensiver Holz-, Papier-
und Elektronikindustrie hoch im Kurs. Sebastian
Vollnhals und
Finnland, so sagt man uns im Atomkraft- Frank Schapitz
werk, wolle weg von der Abhängigkeit in Olkiluoto
von Strom- und Rohstoffimporten - vor

Nr. 93/2.07 35
schwerpunkt

Biokraftwerke verbrennen
Regenwald
Ein gutes Gewissen hatte bisher, wer Strom aus Kraftwerken bezog, Teil der Insel Borneo. Diese
die Pflanzenöl nutzen. Mehrere Elektrizitätswerke in Deutschland Wälder stehen im Sumpf auf
betreiben solche Blockheizkraftwerke und preisen deren Klima- meterdicken Torfschichten,
freundlichkeit. Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen entlar- die, einmal trockengelegt und
ven diese Form des „grünen“ Stroms als Selbstbetrug. angezündet, nicht verbren-
nen, sondern verkohlen, da

B efürworter von Strom aus Pflanzenöl


begründen ihre Meinung damit, dass
ausschließlich der Kohlenstoff wieder in
Werden Blockheizkraftwerke mit Palmöl
aus den Tropen betrieben, werden sie
zum echten Klimakiller. Besonders in
nur wenig Sauerstoff in sie
eindringt. Einige Torfböden in
Indonesien brennen seit fast
die Atmosphäre entlassen werde, der zu- Indonesien und Malaysia, den weltweit einhundert Jahren. Die Glut
vor von den Pflanzen gebunden wurde. mit Abstand größten Produzenten von frisst sich unterirdisch fort
Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Palmöl, wurden in den vergangenen und tritt irgendwo erneut zu
Vergessen wird, dass der Anbau, der Jahrzehnten mehrere Millionen Hektar Tage.
Transport und die Raffinerie beispiels- Regenwald vernichtet, um Ölpalm-Plan-
weise von Raps viel Energie und viele
Ressourcen kostet, was einen weiteren
Ausstoß von Treibhausgasen bewirkt.
tagen anzulegen. In den meisten Fällen
werden zunächst die wertvollsten Hölzer
im Wald geschlagen und verkauft. Der
R ita Sastrawan von der
indonesischen Natur-
schutzorganisation Borneo
Den größten Effekt hat aber der Ausstoß verbliebene Wald verschwindet häufig in Orangutan Survival Foun-
von Lachgas (N2O). den gigantischen Papierfabriken, die teil- dation (BOS) berichtet von
weise von deutschen Banken finanziert ihrer Reise durch Zentral-Ka-
Ausgerechnet von Rapsfeldern steigt und von deutschen Steuergeldern rück- limantan: „Auf meiner Fahrt
dieses Gas auf, das aus Prozessen in der versichert werden. Die zerstörten Natur- auf dem Fluss Kapuas war
Pflanze und im Boden stammt, die durch flächen werden anschließend einfach in die Waldzerstörung immer
die Düngung verstärkt werden. Lachgas Brand gesteckt, was für die Firmen, die präsent. Ständig waren Säge-
ist aber um das ca. 320fache treibhaus- nicht selten auf allen Stufen an der Aus- werke am Ufer zu sehen, und
aktiver als CO2. Die Bilanz, so rechneten beutung verdienen, den Vorteil hat, dass der beißende dicke Rauch
Forscher des Wuppertal Institut für die Feuer auf noch intakte Waldgebiete ätzte in unseren Augen und
Klima, Umwelt, Energie schon 1995 übergreifen. Geschädigter Wald aber Lungen. Manchmal konnten
vor, ist ernüchternd: Strom aus Raps ist darf in Plantagen umgewandelt werden. wir nicht weiter als 15 Meter
demnach nur um ein Prozent klima- Besonders verheerend ist das Zündeln in sehen! Die Feuer diktieren
freundlicher als Strom aus Kohle. Aber es den Tiefland-Regenwäldern, zum Bei- hier das Leben der Menschen.
kommt noch viel schlimmer. spiel in Kalimantan, dem indonesischen Sie scheinen unbesiegbar. Mit

Um Platz für Ölpalm-Plantagen zu schaffen,


wird der Tropenwald in Brand gesetzt

36 Nr. 93/2.07
schwerpunkt
Macheten und schwerem Gerät bahnen
sich die Brandbekämpfer den Weg durch
den noch verbliebenen Wald.“

Auf dem Satellitenfilm von Borneo


waren 2006 über 300 große Brandherde
zu erkennen – weit über zwei Millionen
Hektar Regenwald fielen den Flammen
zum Opfer. Die Rauchwolken nahmen
ein ebenso großes Ausmaß an wie in
der bisher schlimmsten Brandsaison
1997/98. Über den Indischen Ozean zog
sich ein dichter Rauchteppich, der bis
an die afrikanische Küste reichte. Am
schlimmsten trifft es inzwischen fast
jedes Jahr Malaysia: In den Straßen der Der Anbau von Ölpamen geht
großen Städte ist die Luft zum Schneiden häufig mit Menschenrechtsver-
dick und so gesundheitsschädlich, dass Foto: Jens Wieting letzungen einher
die Behörden Ausgangssperren verhän-
gen. Aber vor allem den Menschen auf
dem Land bleibt zum Überleben keine
andere Wahl, als ihre Felder inmitten des Im Jahr 2006 wurden in der Europä- werke Schwäbisch Hall, die von ihrem
Qualms zu bestellen. ischen Union über eine Million Tonnen ursprünglichen Plan, Palmöl aus einer
Palmöl zur Energiegewinnung verheizt. Plantage in Malaysia zu beziehen,
Ganze 15 Prozent der weltweiten Nach einer unveröffentlichten Studie nach persönlicher Visite der angeblich
Klimagas-Emissionen gehen inzwi- des Leipziger Instituts für Energetik und ökologisch nachhaltigen Anbauflächen
schen auf das Konto der indonesischen Umwelt werden allein die deutschen wieder abgerückt sind und nun eine
Waldbrände! Das ist ungefähr so viel, Blockheizkraftwerke im laufenden Jahr eigene ökologisch und sozial verträgliche
wie alle EU-Staaten gemeinsam im Jahr 2007 zusammen ca. 1,3 Mrd. Kilowatt- Plantage aufbauen wollen. Sie hatten
ausstoßen. Im Fernsehmagazin Report stunden Strom aus Palmöl produzieren sich von den vollmundigen Aussagen
vom 12. März 2007 äußerte sich der – etwa die Menge, die hierzulande pro des so genannten Runden Tisches für
Klimaforscher Florian Siegert von der Jahr aus Sonnenenergie erzeugt wird. nachhaltiges Palmöl (RSPO) täuschen
Uni München über die Untersuchungen lassen, deren Mitglied der Plantagen-
seiner Arbeitsgruppe: „Wir konnten Der Klimaschaden, den die Kraftwerks- betreiber in Malaysia ist. Axel Friedrich,
nachweisen, dass durch das Anlegen betreiber dabei in Kauf nehmen, wird Experte für nachwachsende Rohstoffe
von Plantagen, durch das Abbrennen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz beim Umweltbundesamt (UBA), stellt
der Regenwälder und der Torfgebiete ein (EEG) vom deutschen Stromverbraucher unmissverständlich klar: „Es gibt kein
Viel-Tausendfaches an CO2 freigesetzt mit zur Zeit etwa 200 Millionen Euro Zertifizierungssystem für Palmöl. Wer das
wird, als wir bei uns durch die Verbren- jährlich gefördert. Denn Ölpalmen gelten Gegenteil behauptet, sagt bewusst oder
nung von Palmöl zur Energiegewinnung nach dem EEG, genau wie Raps, als unbewusst die Unwahrheit.“
einsparen können. Damit ist die Klimabi- „nachwachsende Pflanzen aus land-
lanz desaströs.“ wirtschaftlichen Betrieben“. Bundesum- Ob aus offiziell nachhaltigen Plantagen
weltminister Siegmar Gabriel sieht oder nicht: ROBIN WOOD und Umwelt-
Als wären die Umweltschäden durch die durch den Palmöl-Boom die Wende zu und Menschenrechtsorganisationen wie
Waldzerstörung nicht schon genug, wer- erneuerbarer Energie in Gefahr: „Es ist BOS, Rettet den Regenwald oder Watch
den vor allem in Indonesien täglich Men- besorgniserregend: Wer das EEG nutzt, Indonesia sprechen sich gegen jegliche
schenrechte verletzt, die in Zusammen- denkt, er tut etwas Gutes. Aber wenn er Nutzung von Palmöl in europäischen
hang mit der Naturvernichtung stehen. dies zum Teil durch die Zerstörung von Kraftwerken aus, da sie die weltweite
Die Holz-, Papier- und Plantagenfirmen Regenwald getan hat, sind wir dabei, Nachfrage nach dem zerstörerischen
sind meist mit Lokalpolitikern und dem den Sinn des EEG in der Öffentlichkeit zu Rohstoff stützt. Axel Friedrich vom UBA
Militär verbandelt. Einschüchterungen, diskreditieren.“ sieht das ähnlich: „Wer behauptet, er
Bedrohungen, Vertreibungen der lokalen bezöge ‚nur’ Palmöl aus lang bestehen-
Bevölkerung und von Umweltschüt-
zern und Menschenrechtlern sind an
der Tagesordnung. In Fällen, in denen
D ie meisten Kraftwerksbetreiber
in Deutschland sind mittlerweile
von Rapsöl auf billigeres Palmöl als
den Plantagen, zieht Palmöl aus dem
Gesamtsystem heraus und erhöht damit
den Druck, neue Palmölplantagen zu
Kleinbauern sich freiwillig für den Anbau Brennstoff umgestiegen. Nicht alle Lasten des Urwalds anzulegen.“
von Ölpalmen entschließen, fehlt ihnen nehmen dabei ihre Verantwortung
später das Land für die Selbstversorgung. für die Umwelt so ernst wie die Stadt- Christian Offer, Berlin

Nr. 93/2.07 37
titel

Fotos: Enrico Verworner

Dinah Epperlein

Wenn viele Menschen viele


kleine Schritte tun ...
Das Motto kann nicht sein: Ich habe hier viel Holz und jetzt geht’s
los. Sondern erst mal fragen, wie viel ich eigentlich brauche, meint
Dinah Epperlein vom Energiewende- Komitee. Bürgerkraftwerke
sind Schritte in die richtige Richtung. Energieeffiziente Produkte
und Energiesparen sind noch besser.

? Frau Epperlein, Sie beschäftigen ? Gab es damals schon die Fachaus- tung und bin darüber zur Beratung
sich schon lange mit erneuerbaren richtung „erneuerbare Energien“? gekommen.
Energien. Warum?
! Nein, aber wir hatten in München
! Ich hatte das Gefühl, im Bereich ein Seminar, das sich mit alternativen ? In Göttingen waren Sie später
Erneuerbare endlich mal meine Kennt- Energiekonzepten beschäftigte. Eher Mitbegründerin des Energiewende
nisse als Physikerin praktisch anwen- eine Arbeitsgruppe, geleitet vom Komitees. Was hat es damit auf sich?
den zu können und dabei noch etwas heute sehr bekannten Prof. Hans-Pe-
Sinnvolles zu tun. Die Atomphysik ter Dürr. Ich war von Anfang an da- ! Das Göttinger Energiewende
erschien mir schon früh als der falsche bei. Das Ganze war eine unheimlich Komitee ist direkt nach dem Reak-
Weg. Aber was war die Alternative? produktive und kreative AG. Diese torunfall in Tschernobyl gegründet
Ich wollte dazu beitragen, Alternativen AG hat sicher meinen Weg geprägt. worden. Es setzte sich damals aus
zu finden, umzusetzen, weiterzuent- Ich absolvierte später an der TU ganz vielen verschiedenen ehren-
wickeln. Das gab meinem Studium Berlin ein Weiterbildungsstudium amtlichen Gruppen zusammen, und
eigentlich überhaupt erst den Sinn. Energiemanagement/Energiebera- wir entwickelten für unsere Stadt

38 Nr. 93/2.07
perspektiven

ein kleines alternatives Energiekonzept. ben, wie viel Energie ein Gerät verbrau- ? Was wünschen Sie sich von den Me-

grüne berufe
Das Energiewende Komitee lebt heute chen darf, sofern das technisch möglich dien in Bezug auf Erneuerbare?
noch, macht Aufklärungsaktionen und ist. Heute weiß man, dass ein Kühlschrank
ist politisch aktiv. die Hälfte verbrauchen könnte. Aber er ! Ich wünsche mir, die Medien stellten
verbraucht immer noch viel. Durch ein das Energieproblem und den Klimawan-
paar bessere Komponenten kann jeder del weniger als Sachfrage dar, sondern
? Was bedeutet Energiewende für Sie? Hersteller die Energieeffizient steigern, und mehr als eine Frage: Worin liegt der
Nur noch bei Kerzenschein lesen? die Mehrkosten wären marginal. Sinn, ständig Wirtschaftswachstum zu
haben? Die Medien behaupten, es ma-
! Nein, gar nicht. Aber wir müssen che Sinn, aber keiner weiß es wirklich,
uns einfach mehr Gedanken machen. ? Beim Projekt „Solarzwilling“ kommen hinterfragt es öffentlich.
Als erstes muss ich überlegen, wie viel die Verbraucher aber wieder zum Zuge...
Energie ich als Einzelner, aber auch als Es geht um die Frage: Wie wollen wir in
Gesellschaft überhaupt brauche. Ist der ! Ja, stimmt. Im Grunde ist der Solarzwil- Zukunft leben, wie soll die Welt aus-
Aufwand nötig, oder kann man das ling ein Bürgerkraftwerk, eine Solar- sehen? Das verlässt schnell den Bereich
vielleicht auch anders organisieren? Der stromanlage, in die jeder Bürger oder Technik und wird komplexer. Ich glaube,
zweite Punkt ist: Wie kann ich die benö- Bürgerin kleines Geld investieren kann. nur durch komplexe Fragen und ehrliche
tigte Energie so effizient wie möglich er- Zwilling heißt es deshalb, weil alle Er- Antworten können wir unser komplexes
zeugen? Das geht in Richtung Blockheiz- träge darauf genutzt werden, um Solar- Leben meistern.
kraftwerke, Energiesparlampe, effiziente stromprojekte der Landlosenbewegung
Kühl- oder Haushaltsgeräte. Und wenn in Brasilien zu unterstützen. Dies ist ein
ich die notwendigen Geräte dann alle ideelles Projekt. Ich glaube an die Kraft Interview Dr. Corinna Hölzer,
habe, muss ich mir überlegen, wie ich der vielen Kleinen. Wenn Menschen GreenMediaNet. Aus dem Lesekalen-
den Strom oder die Wärme erzeuge, um selber zu Energieerzeugern werden z. B. der zu den erneuerbaren Energien
sie zu betreiben. Was ist mein Brennstoff mit einer Fotovoltaikanlage oder einem „Frauenansichten 2007“, Redaktion
oder meine Energiequelle? kleinen Blockheizkraftwerk, dann haben Andrea Meyer, Bundesministerium
sie plötzlich eine ganz andere Sicht auf für Umwelt, Naturschutz und
die Dinge, ganz andere Interessen, und Reaktorsicherheit, Referat KI III 1,
? Das alles sollen sich die Verbraucher merken, wie wertvoll Energie ist. www.bmu.de.
und Verbraucherinnen jeden Tag aufs
Neue überlegen?

! Nein, das sollen sich vor allem die


Produzenten überlegen. Natürlich
kann man es nicht dem Verbraucher
überlassen, sich neben seinem Job und
seiner Familie um alles zu kümmern. Ich
denke, der Verbraucher wird da wirklich
überfordert. Es müssen alle ran. Vor
allem müssen die industriellen Produkte
endlich energieeffizienter werden! Dann
kann sich der Verbraucher immer noch Der eine solare
zwischen dem absoluten Premium und Zwilling im Göttinger
dem Guten entscheiden. Das reicht ihm Freibad erzeugt als
oder ihr dann schon. Bürgerkraftwerk
Strom aus Sonnen-
energie. Der andere
? Also ist das Verhalten der Menschen solare Zwilling er-
doch nicht so wichtig? zeugt in Brasilien auf
einem ökologischen
! Das kann man so nicht sagen. Sicher- Modellhaus Strom
lich ist ein umweltfreundliches Verhalten aus der Sonne. Dieses
wichtig. Aber ich kann trotzdem nicht Haus steht auf dem
verstehen, warum es zulässig ist, schlechte Gelände eines Müll-
Geräte zu bauen. Es gibt für die meisten recycling-Projekts der
Geräte enorme Sicherheitsvorkehrungen Caritas und der Land-
und Vorschriften, damit sie uns nicht schä- losenbewegung.
digen. Ich finde, wir sollten auch vorschrei- www.solarzwilling.de

Nr. 93/2.07 39
verkehr

Autoindustrie statt Klimaschutz


2008 wird wieder einmal ein Industrieverband an seiner Selbstver- ler. Der „Verheugen-Rabatt“ von zehn
pflichtung scheitern. Auf durchschnittlich 140 Gramm Kohlendioxid Gramm soll durch effizientere Klimaanla-
pro Kilometer versprachen die europäischen Autobauer, die Treib- gen, Reifentechnik, aber auch durch Bei-
hausgas-Emissionen ihrer Neuwagen-Flotten zu senken. Das ent- mischung von Pflanzentreibstoff erreicht
spricht einem Verbrauch von etwas mehr als sechs Litern Sprit auf werden. Das weicht den seit Mitte der
100 Kilometern. Doch nicht einmal die Hälfte des Reduktionsziels 90er Jahre von der EU angestrebten und
haben sie bisher erreicht. Die deutschen Marken Porsche, BMW, immer wieder verschobenen Grenzwert
Mercedes-Benz und VW-Tochter Audi reißen das europäische Klas- auf. Die deutschen Autohersteller gehen
senziel in den Keller. als Helden der Lobby-Arbeit aus dem
Streit hervor. Einen konkreten Gesetzes-

S o kommt die Neuwagenflotte von


BMW 2005 auf stolze 192 Gramm
Kohlendioxid pro Kilometer. War da
Genau das passiert nun. Doch die Wellen
schlugen hoch, als EU-Umweltkommissar
Stavros Dimas ankündigte, diese fast
vorschlag will die Kommission möglichst
noch in diesem Jahr Ministerrat und
Parlament vorlegen.
was mit Klimaschutzversprechen? Zwölf zehn Jahre alte Vorgabe umzusetzen.
Prozent der gesamten europäischen EU-Ratspräsidentin Angela Merkel, Im Streit um die Ausgestaltung müssen
Kohlendioxid-Emissionen verursachen angetreten mit dem Vorsatz sich als KlimaschützerInnen nun Druck gegen
Pkw und während in anderen Bereichen Klimaschützerin zu profilieren, verriss die Spritfresserfraktion machen. Und
die Werte sinken, steigen sie bei Autos das Lenkrad und kündigte an „mit aller jenseits vom Ordnungsrecht bleibt es am
weiter an und machen Erfolge im Klima- Härte“ gegen den seit 1998 auf Wieder- wirksamsten, das Auto stehen zu lassen.
schutz zunichte. vorlage gelegten Grenzwert vorzugehen. Welches Auto? Einen von den rund 450
Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sah Millionen PKW in den Industrieländern
Der Verband der europäischen Auto- gar den Sozialismus Urstände feiern. oder von den 600 Millionen Autos
bauer, ACEA, ging 1998 eine Selbst- Der deutsche EU-Kommissar Günter weltweit, die nur zehn Prozent aller
verpflichtung ein, um verbindliche Verheugen gerierte sich erfolgreich als Menschen gehören, aber für hundert
EU-Grenzwerte zu verhindern. Schon Interessenvertreter der heimischen Auto- Prozent aller Menschen Treibhausgase
damals stand das Ziel der EU fest die industrie und handelte einen Rabatt von ausdünsten.
CO2-Emissionen von Neuwagen bis zehn Gramm aus.
2012 auf 120 Gramm Kohlendioxid pro Monika Lege, 040/38089212,
Kilometer zu reduzieren. Das entspricht Die Kommission sieht nun vor, dass die verkehr@robinwood.de
einem Verbrauch von 4,5 Litern Diesel Motoren von Neuwagen bis 2012 soweit
oder fünf Litern Benzin auf 100 Kilome- verbessert sind, dass sie maximal 130 Klimasünder ausgebremst
tern. Bei einem Scheitern der Selbst- Gramm Kohlendioxid pro Kilometer
verpflichtung sollen 2008 Grenzwerte
eingeführt werden.
emittieren. Dieser Wert ist ein Durch-
schnittswert für alle Flotten aller Herstel-
D er Oberste Gerichtshof der USA
hat entschieden, dass Treibhaus-
gase als Luftverschmutzung gelten.
Das ist ein Durchbruch in der nord-
amerikanischen Klimapolitik, hinter
240 km/h Spitze und 180 dem wesentlich der Druck von Nicht-
Gramm CO2 pro Kilometer: Audi Regierungs-Organisationen steht.
rast dem Klimaschutz davon Diese hatten Klage eingereicht, weil
die US-Umweltbehörde sich weigerte,
Grenzwerte für die Treibhausgas-Emis-
sionen von Autos und LKW festzu-
legen. Dazu ist sie nun verpflichtet.
Hinfällig ist damit auch die Klage der
deutschen Autohersteller BMW, Daim-
lerChrysler, Porsche und Volkswagen,
die die Einführung von Grenzwerten
für Neuwagen in Kalifornien und
anderen Bundesstaaten verhindern
wollten. ROBIN WOOD hatte im
Frühjahr 2005 an der internationalen
Kampagne von 53 Umweltorganisati-
onen aus 14 Ländern mitgewirkt und
die deutschen Autobauer aufgefor-
dert, ihre Klage zurück zu ziehen.

40 Nr. 93/2.07
verkehr

Bahn unterm Hammer Mobil ohne Auto


D as Bündnis „Bahn für Alle“ veran-
staltete in Berlin vom 17. bis 18.
März 2007 eine große Tagung zum B ei der aktuellen Klimadebatte steht auch der Autoverkehr auf der Tagesordnung.
Gestritten wird über die Frage, wie viel Kohlendioxid pro 100 km Autos aussto-
geplanten Börsengang der Bahn. Die ßen dürfen, und ob es hierzu eine gesetzliche Regelung geben soll.
Veranstaltung fand enormen Anklang
mit über 160 TeilnehmerInnen aus ROBIN WOOD geht das nicht weit genug, deshalb haben wir uns mit vielen ande-
ganz Deutschland und sogar aus dem ren Verbänden zum Bündnis Mobil ohne Auto (MoA) zusammen geschlossen. Wir
Ausland. fordern, nach Möglichkeit auf das Auto zu verzichten und sich mit öffentlichen
Verkehrsmitteln oder zu Fuß oder mit dem Fahrrad fortzubewegen.
Am Abend stand die Filmpremiere
von „Bahn unterm Hammer“ auf Um der Forderung nach einer umweltfreundlichen und sozialen Mobilität Nachdruck
dem Programm. Alle 460 Plätze zu verleihen, findet seit Anfang der achtziger Jahre einmal im Jahr der Aktionstag
des Babylon-Kinos waren besetzt. Mobil ohne Auto statt. Dieses Jahr wird am 3. Sonntag im Juni, dem 17.6., landauf
Doch dann die Nachricht: Es habe - landab mit den unterschiedlichsten Aktionen und Veranstaltungen für eine men-
Probleme mit dem Schnittprogramm schen- und umweltverträgliche Verkehrspolitik demonstriert:
gegeben und es sei nicht klar, ob die www.mobilohneauto.de
Filmmacher rechtzeitig mit der Kopie
aus Hamburg eintreffen würden. Zur MoA-Fahrrad-Sternfahrt 2006 in Hamburg kamen über 10.000
Schließlich ein Aufatmen: Völlig Radfahrerinnen und Radfahrer. Dieses Jahr sollen es noch mehr
übernächtigt, aber mit dem Film im werden: www.fahrradsternfahrt.info, Tel.: 040/23994265
Gepäck trafen sie ein – mit der Bahn.

Der Film wurde ausschließlich mit


Spenden engagierter BürgerInnen
finanziert. Auch das ist ein Zeichen
dafür, wie wichtig die anstehende
politische Entscheidung genommen
wird. Doch große Entscheidungen
werfen lange Schatten, wie im Film
deutlich wurde. Durch Mehdorns
auf den Börsengang ausgerichtete
Konzernpolitik haben bei der Bahn
Beschäftigte und Kunden schon seit
Jahren zu leiden: Arbeitsplatzabbau,
Verspätungen und Streckenstill-
legungen sind nur einige Beispiele,
die dem Publikum gezeigt wurde.

An den zwei Tagen der Tagung wurde


den TeilnehmerInnen viel geboten, Tour de Natur
und es lag Aufbruchstimmung in der
Luft. Neben den vielen fundierten
Informationen wurde ein deutliches
D ie Tour de Natur, eine 14-tägige umwelt- und verkehrspolitische Fahrradtour,
setzt sich in diesem Jahr besonders für den Klimaschutz ein. Etwa 150 Radfah-
rerinnen und Radfahrer zwischen 5 und 85 Jahren fahren vom 29. Juli bis 11. August
Zeichen gesetzt, das von der Politik 2007 von Nürnberg über Schweinfurt, Würzburg und Darmstadt nach Offenbach,
nicht übersehen werden kann. Die
vorwiegend über Bundes- und Landesstraßen, abgesichert von der Polizei.
Fakten und die Mehrheit der Bevölke-
rung sprechen gegen den Börsengang.
„Klimafreundlich mobil ... das können wir uns leisten!“ lautet das Motto der 17.
Dies muss sich auch in der Entschei-
Tour de Natur. Die TeilnehmerInnen engagieren sich für eine sozialverträgliche
dung im Bundestag wieder finden.
Verkehrs- und Umweltpolitik und treten den Beweis an, dass sich Politik, Kultur und
Mehr zur Tagung: gemeinsame sportliche Betätigung in einer anderen Lebensweise verbinden lassen.
http://www.bahn-ist-keine-ware.de/ Und ganz nebenbei ist die Tour de Natur eine wunderbare, erholsame Möglichkeit
Mehr zur Kampagne: Urlaub zu machen, neue Menschen kennen zulernen oder mit der ganzen Familie
entspannt in die Pedale zu treten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer organisieren
http://www.deinebahn.de die Tour selbst, organisatorischer Träger ist die Grüne Liga Dresden/Oberes Elbtal.
Mehr zum Film:
http://www.bahn-unterm-hammer.de/ Mehr Infos: Organisationsbüro 0351/494 33 53 und unter www.tourdenatur.net,
werner.raithel@vcd-bayern.de, Tel: 0931/571794, christian.loos@vcd-bayern.de

Nr. 93/2.07 41
Natur auf der Spur
jugendseite

Zum 9. Mal ruft GEO zum Schülerwettbewerb „Tag der


Artenvielfalt“ auf. SchülerInnen jeden Alters können einen
Tag lang Forscher sein und ein „Stück Natur“ vor der Haustür
genauer untersuchen. Die Ergebnisse sollen anschließend
dokumentiert werden. Ob Textmappe, Installation von Fund-
stücken, Bilder, Fotos, Videos und Internet-Präsentation - der
Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.

D ie alljährliche Natur-Inventur wurde


1999 ins Leben gerufen. Seit dem
organisiert GEO jedes Jahr zusammen
und Schüler beteiligt. Bei ihnen geht es
aber nicht um Rekorde beim Erfassen
der gefundenen Arten, sondern um die
Der GEO- Tag der Artenviel-
falt findet am 9. Juni 2007
statt. Die Aktionen der
mit einem Partner den Tag der Arten- Vielfalt der Ideen, mit deren Hilfe sich Schulen können an diesem
vielfalt. Dieses Jahr findet sie am 9. Juni Natur untersuchen lässt. Tag oder an einem belie-
2007 unterstützt von der Deutschen bigen Datum in der Woche
Wildtier Stiftung statt. Parallel dazu rich- Am diesjährigen Wettbewerb können davor oder danach ausge-
ten Universitäten, Museen, Umweltäm- Gruppen von SchülerInnen jeden Alters richtet werden. Attraktive
ter, Naturschutzverbände und Gruppen teilnehmen: Klassen, Bio-AG’s, Leistungs- Preise wie eine Klassenfahrt,
naturbegeisterter Laien ihre eigenen kurse oder kleinere und größere Schü- ein Jahresabo GEOlino oder
Artenvielfalt-Tage aus. lergruppen. Sie sollten bei ihrer Arbeit Buchpakete winken den
von Lehrern oder Experten unterstützt Siegern der Schulaktionen.
Das Ziel dabei ist es innerhalb von 24 werden. Die Jury aus Vertretern der GEO vergibt aber ebenso
Stunden so viele Tier- und Pflanzenarten Deutschen Wildtier Stiftung, des Ernst einen Expertenpreis für
wie möglich aufzuspüren, um dabei Klett Verlags und von GEO wird die ide- kleinere Gruppen von zwei
authentische Informationen über den enreichsten und sorgfältigsten Arbeiten bis fünf SchülerInnen, die
Zustand der Natur in Biotopen ganz (Planung, Durchführung, Auswertung außerhalb ihrer Schulklasse
unterschiedlicher Art zu gewinnen. Von des Projekts) prämieren und die Sieger ein eigenes Projekt durch-
Anfang an waren auch Schülerinnen im Herbst 2007 vorstellen. führen. Sie können sich
intensiv mit Tieren und
Pflanzen beschäftigen,
Forschern über die Schulter
schauen und beim „Gipfel-
treffen der Experten“ dabei
sein - denn die Gewinner
werden zur Teilnahme an
der Hauptversammlung am
14. Juni 2008 eingeladen.
Alle Teilnehmer des Schü-
lerwettbewerbs müssen ihr
Projekt unter http://www.
geo.de/GEO/natur/oekolo-
gie/tag_der_artenvielfalt/
anmelden und bis zum 12.
Juni 2007 an die Redaktion
GEO senden.

Joanna Buryn-Weitzel
ist 14 Jahre alt und die
Vielfalt der Arten bei ihr zu
Hause wird von Stab- und
Gespenstheuschrecken, ei-
ner Schildkröte und einem
Foto: GEO
Hund bereichert.

42 Nr. 93/2.07
bücher

Vor uns die Sintflut


Tauendes Polareis, Landstriche, die im Wasser versinken, Naturkatastrophen von un-
geahnten Ausmaßen: Erderwärmung und Klimawandel sind schon lange keine graue
Theorie mehr. Für viele Menschen wurden sie bereits bittere Realität. Die amerika-
nische Journalistin Elizabeth Kolbert bereiste Orte, an denen die konkreten Auswir-
kungen des Klimawandels schon heute zu spüren sind – in Grönland, Alaska und
England. Inuit in Alaska, die umgesiedelt werden, weil das Eis ihre Häuser nicht mehr
trägt, Schmetterlingsforscher in England, Gletscherbeobachter in Island, zahlreiche
Klimaexperten und politische Entscheidungsträger schildern ihre Sicht der Dinge.

So entstand eine Sammlung eindrucksvoller Reportagen, in denen die Autorin


verständlich und klar die historischen, wissenschaftlichen und politischen Zusammen-
hänge des Klimawandels beschreibt. Im zweiten Teil des Buches bewertet Elizabeth
Kolbert sachlich kritisch die Reaktionen von Wirtschaft und politischen Entschei-
dungsträgern. Deutlich zeigt sie dabei den Egoismus, mit dem Verantwortliche in
den USA, Hauptverursacher von Treibhausgasen, die im Kioto-Prozess festgeschrie-
benen Gegenmaßnahmen torpedieren.

Ihre Betroffenheit zeigt sie durch die Auswahl der vorgestellten Wissenschaftler und
Themen. So berichtet sie über ein niederländisches Unternehmen, das schwimmende
Häuser herstellt – für die befürchteten großen Überflutungen. Nachdenklich macht
ein Gespräch mit dem Klimaforscher Robert Socolow: Während Laien bei wissen- Elizabeth Kolbert
schaftlichen Themen stets zur Dramatisierung neigten, sei es beim Klimawandel Vor uns die Sintflut
genau umgekehrt. Fast alle Experten würden warnen – und die Laien verharmlosen. Depesche von der Klimafront
Übersetzung Thorsten Schmidt
Sonderaktion: Das Buch kann für 4 Euro bei der Bundeszentrale für politische Berlin Verlag, 2006
Bildung, www.bpb.de/publikationen/WFWTLU.html befristet bestellt werden. 222 Seiten, 19,90 Euro
ISBN 978-3827006431

Das Ende vom Öl


Wie entsteht Erdöl und wo wird es gefördert? Ne-
ben diesen Fragen diskutieren die Autoren Förder-
statistiken und Prognosen zur zukünftigen Erdöl-
anzeige
förderung und kommen zu dem Schluss, dass das
Maximum der Förderung unmittelbar bevorsteht.
Spannend wird es bei der Analyse der verschie-
denen Akteure im Erdölsektor und ihrer Interessen.
Detailliert wird die Argumentationsweise und
Desinformationspolitik der Erdölfirmen entlarvt und
den Fakten gegenübergestellt. Die Stärke des Buchs
liegt vor allem darin, dass es nicht bei der Analyse
der Gegenwart stehen bleibt, sondern ein Szenario
der zukünftigen Wirtschafts- und Energiepolitik
entwirft. Dabei werden einerseits grundlegende Än-
derungen wie beispielsweise die Neudefinition von
Campbell,C.J., F. Liesenbor- Wirtschaftswachstum bei begrenzten Ressourcen
ghs, J. Schindler, W. Zittel gefordert. Andererseits werden die Regenerativen
Ölwechsel: Das Ende des Energieträger und ihre Entwicklung in letzter Zeit
Erdölzeitalters und die kurz beschrieben.
Weichenstellung für die Einige der verwendeten Grafiken sind unvollständig
Zukunft und damit wenig hilfreich. Alles in allem liefert das
Übersetzt von Helga Roth Buch viele aktuelle Fakten und verbale Munition für
dtv Verlag, 2007 das Engagement für eine Energiewende.
272 Seiten, 12 Euro
ISBN 978-3-423-34389-3 Alexander Schweyer, Regensburg

Nr. 93/2.07 43
bücher

Politisch handeln in der Shoppingmall


Tanja Busse glaubt fest an die Wirksamkeit kleiner Schritte und an die Macht der
Konsumenten. Und mit dieser Überzeugung gelingt es ihr, die Fakten eines globali-
sierten Konsums schonungslos darzulegen und gleichzeitig die LeserInnen zu einem
bewussten Einkaufsverhalten zu motivieren. Ob wir nun unseren morgendlichen Kaf-
fee trinken, uns ein neues, cooles T-Shirt gönnen, ein Planschbecken zum Vergnügen
unserer Kinder kaufen oder einfach nur etwas essen wollen, wir stillen damit nicht
nur unsere Bedürfnisse sondern bestimmen entscheidend die Lebensbedingungen
anderer Menschen – und die sind häufig nicht menschenwürdig. In Brasilien verkau-
fen Indigene ihr Land für einen Spottpreis an Futtermittelfirmen, in Indien schuften
Kinder in Steinbrüchen für Pflaster- und Grabsteine, in Asien nähen Frauen Kleidung
für knapp 4 Euro am Tag.

In Tanja Busses Buch kommen Wissenschaftler ebenso zu Wort wie Experten von Or-
ganisationen wie Greenpeace, Oxfam, Evangelischer Entwicklungsdienst, Kampagne
für saubere Kleidung und vor allem die Menschen, die unsere geliebten Produkte
herstellen. Außerdem hat die Autorin auch bei Firmen wie KarstadtQuelle, Adidas,
Nestlé etc, recherchiert und hartnäckig nachgefragt. Trotz der ausführlichen Fakten
ist das Buch sehr verständlich geschrieben.

Abgerundet wird das Buch durch Kapitel, die sich mit der Geschichte der Konsum-
kritik befassen und mit politischem Konsum als Thema in Wissenschaft und Medien.
Überzeugend ist auch der Anhang, der Informationsquellen auflistet (Verbraucher-, Tanja Busse
Umweltschutz- und Entwicklungshilfe-Organisationen, Bezugsquellen für faire und Die Einkaufsrevolution
ökologische Produkte) und eine ausführliche Literaturliste sowie ein Personen- und Konsumenten entdecken ihre Macht
Sachregister enthält – ein Buch, mit dem sich arbeiten lässt. Karl Blessing Verlag, 2006
320 Seiten, 14,95 Euro
Annette Littmeier, Berlin ISBN 978-3-89667-312-1

Unappetitlichen Geschäfte der Lebensmittelindustrie


Dass man Käse am Rand etwa 5 Millimeter abschneiden sollte, dass dank eines
geschickten Deals probiotischer Joghurt in Frankreich auf Rezept verkauft wird, dass
zuckerfreie Light-Produkte uns nicht wirklich schlanker werden lassen und 1000
weitere nützliche Informationen rund um künstliche Zusatz-, Konservierungs-, Farb-
und Süßstoffe in Lebensmitteln erfährt man in dem Buch die „Joghurt-Lüge“, das
eigentlich jede und jeder vorm Einkauf gelesen haben müsste.

Obwohl es auf den ersten Blick so wirkt, wir haben es hier nicht mit dem recht ober-
flächlichem skandalheischen ähnlicher Bücher zu tun, sondern mit einer ernsthaf-
ten Auseinandersetzung um die Gefahren des „Geiz ist Geil“-Konsums. Kein Blatt
vor den Mund genommen wird bei der berechtigten Kritik an der DGE (Deutsche
Gesellschaft für Ernährung), die so offensichtlich ihre Neutralität verkauft, wenn es
um Marken und den Absatz geht. Tierversuchsstudien als Grundlage für menschliche
Ernährung werden erfreulicherweise kritisiert, auch die Relativität objektiver, wissen-
schaftlicher Studien wird angesprochen.

Allerdings fehlt dem Buch das Zeug zum Kassenschlager – aus einem einfachen
Grund: Es ist keine leichte Kost, die hier vorgelegt wird. Das umfangreiche Zahlen-
material und der Fremdwortgebrauch machen das Lesen an vielen Stellen schwer.
Marita Vollborn, Vlad D. Georgescu Wunderbar recherchiert, größtenteils gut erklärt – das Buch ist eine Goldgrube für
Die Joghurt-Lüge Menschen, die zum Thema recherchieren wollen. Hier wurde das nämlich schon
Campus Verlag, 2006 messerscharf getan.
300 Seiten, 19,90 Euro
ISBN 978-3-593-37958-6 Franziska Brunn, Berlin

44 Nr. 93/2.07
internes

Neuer ROBIN WOOD-


Vorstand 2007
Ich bin Sara-Ann Sara-Ann Lampmann Ich bin Felix Kupferschmidt, 39,
Lampmann, 24, und wohne in München. Ich habe
aus Hamburg. Ich eine 10jährige Tochter und bin Ad-
studiere Psycholo- ministrator in einer Werbeagentur.
gie in Dresden. Seit Zu ROBIN WOOD kam ich 1989 in
2003 bin ich in den Mainz, das ich 1996 in Richtung
Fachgruppen Energie Oberbayern verließ. Die Themen
und Tropenwald aktiv Mobilität und Klima bringen mich
und habe einige Akti- zu ROBIN WOOD in die Verkehrs-
onen und Floßtouren fachgruppe. Im Vorstand war ich
mitgemacht. Nun schon einmal für zwei Jahre. Das
freue ich mich auf die Felix Kleinschmidt ist eine schöne und konstruktive
Arbeit im Vorstand! Arbeit im Verein.

Ich bin Juli(ane) Niklas, 29, und Juliane Niklas Ich bin Sylvie Grischkat, 31,
arbeite als Pädagogin im Koordi- aus Hessen. Seit 11 Jahren lebe
nierungszentrum Deutsch-Tsche- ich in Lüneburg und bin an der
chischer Jugendaustausch. Nach Universität tätig. Über ein Prak-
vielen Jahren als Aktivistin in tikum 2000 kam ich zu ROBIN
der Regionalgruppe Rhein-Main WOOD. Ich engagiere mich in
sowie als Mitglied der Energie- der Verkehrsgruppe, denn mein
und Verkehrsfachgruppe freue Herz hängt an einer nachhal-
ich mich jetzt, das Vereinsleben tigen Verkehrsentwicklung. Von
von einer anderen Seite erleben Sylvie Grischkat 2003 bis 2005 war ich bereits im
zu dürfen. Vorstand aktiv.

Ich bin Hanna Poddig, 21, und Janina Welsch


wohne in Berlin. Seit 2003
engagiere mich in den Fach-
gruppen Energie und Verkehr.
Während meines freiwilligen
ökologischen Jahres in der
ROBIN WOOD-Pressestelle hat
sich bei mir eine große Verbun-
denheit zum Verein entwickelt.
Ansonsten verbringe ich meine Hanna Poddig
Zeit gerne mit Jonglage.
Andreas Kleinhans
Ich bin Janina Welsch und 34 Jahre
Ich bin Markus Küffner aus Markus Küffner alt. Die schöne Bodensee-Region Ich bin Andreas Kleinhans aus
Darmstadt, 33 Jahre alt und habe ich wegen des Studiums in Mainz, 32 Jahre alt, und dort
arbeite in der ambulanten Lüneburg verlassen. Jetzt arbeite seit vielen Jahren als Fahrrad-
Jugendhilfe. Seit 1993 bin ich in Dortmund in einem EU-Pro- Einzelhändler selbstständig.
ich bei ROBIN WOOD aktiv jekt zum Mobilitätsmanagement. Seit 1993 bin ich bei ROBIN
und klettere leidenschaft- Zu ROBIN WOOD bin ich über ein WOOD aktiv und war schon
lich gerne. Meine Schwer- Praktikum in der Pressestelle ge- in der Vergangenheit im Vor-
punktthemen sind Verkehr kommen. Ich engagiere mich in der stand. Eines meiner Schwer-
und die aktuelle Tempo- Verkehrsgruppe und bin seit 2006 punkt-Themen ist der Bereich
kampagne. im Vorstand von ROBIN WOOD. Verkehr.

Nr. 93/2.07 45
post impressum

Feinstaub durch Bremsen Nummer 93/2.07

Magazin
92/1.07, Verkehr: Augenwischerei um Feinstaub“
Zeitschrift für Umweltschutz und Ökologie

S owohl in der öffentlichen Diskussion, als auch in Ihrem Artikel wird


die Feinstaubemission des Autos auf den Motor und dessen Abgase
reduziert. Ein Auto erzeugt aber noch an ganz anderen Stellen erheb-
Erscheinungsweise vierteljährlich

liche Mengen von Feinstaub. So wird bei jedem Bremsvorgang durch den Redaktion
Abrieb der Bremsbeläge an der Bremsscheibe Feinstaub produziert, der Annette Littmeier, Dr. Christiane Weitzel
Abrieb der Kupplung zwischen Motor und Getriebe erzeugt Feinstaub (V.i.S.d.P.), Christian Offer, Sabine Genz, Angelika
und nicht zuletzt der Abrieb der Reifen auf der Fahrbahn. Gibt es eigent- Krumm, Regine Richter (o. Bild)
lich Untersuchungen wie hoch der Anteil dieser Komponenten an der
Gesamtfeinstaubbelastung ist?

Wenn ein Porsche Cayenne, ein BMW, ein Mercedes oder ein vergleich-
bares Fahrzeug von 250 km/h schlagartig auf 0 km/h abbremst, so produ-
ziert es durch den Bremsvorgang mehr Feinstaub als ein Kleinwagen ohne
Katalysator in einem ganzen Jahr.

Der Abrieb von Bremsen, Kupplung und Reifen findet ja nicht nur auf der
Autobahn sondern auch in den neu geschaffenen Umweltzonen statt.
Porsche und Co haben eine grüne Umweltplakette und dürfen auch wei-
terhin innerhalb und außerhalb der Umweltzonen Feinstaub machen. Verantwortlich für Layout, Satz, Fotos und Anzei-
gen ist die Redaktion.
Heinz B. Zeller, Heidelberg
Verlag
ROBIN WOOD-Magazin
Lindenallee 32, 16303 Schwedt
anzeige Postfach 100403, 16294 Schwedt
Tel.: 03332/2520-10, Fax: -11
magazin@robinwood.de

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12,- Euro inkl. Versand

zu beziehen über:
ROBIN WOOD e.V., Geschäftsstelle
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Tel.: 0421/59828-8, Fax: -72
info@robinwood.de
www.robinwood.de

Der Bezug des ROBIN WOOD-Magazins ist im


Mitgliedsbeitrag enthalten.

Gesamtherstellung
Druckhaus Bayreuth, www.druckhaus-bayreuth.de
Rollenoffsetdruck, Auflage: 11000
Das ROBIN WOOD-Magazin erscheint auf 100%
Altpapier, das mit dem Blauen Engel ausgezeich-
net ist.

Titelbild: gettyimages/Art Wolfe

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ROBIN WOOD e.V., Postbank Hamburg
BLZ: 20010020, Konto: 1573-208

46 Nr. 93/2.07
internes

Treffpunkte

Hier erfahren Sie, wann und wo die Aktiven von ROBIN


WOOD sich treffen. Schauen Sie doch mal bei uns vorbei!

Freiburg Rhein-Main
Bei uns können sich alle Interessier- Mainz, Hintere Bleiche 3
ten aus Baden-Württemberg melden: Termine erfragen bei:
0761/61290450 oder 0172/7413995, Andreas Kleinhans: 06131/584683 (pri-
freiburg@robinwood.de vat), mainz@robinwood.de
Protest gegen neues Kohlekraft-
werk in Mannheim in luftiger Greifswald Rhein-Neckar
Höhe .... Kontakt: Birger Buhl, Tel.: 03834/ Treffen jeden 2. und 4. Dienstag um 19
513138, greifswald@robinwood.de Uhr im ASV, Beilstraße 12, Mannheim-
Jungbusch
Bayreuth Hamburg-Lüneburg Juliane Boß: 06221/589251
Kontakt: bayreuth@robinwood.de jeden 2. und 4. Mittwoch, rhein-neckar@robinwood.de
18.30 Uhr in der Pressestelle,
Berlin Nernstweg 32, 22765 Hamburg-Altona München
Donnerstags um 20 Uhr (14-tägig) AnsprechpartnerInnen: „Im Werkhaus“, Leonrodstr. 19
im „Verwaltungsgebäude“ des RAW- Jürgen Mumme: 040/38089212 jeden 2. und 4. Mittwoch, 20 Uhr
Tempels, Revaler Str. 99, 10245 Berlin- Kathrin Scherer: 04131/206160 Tel.: 089/168117
Friedrichshain, Tel.: 030/20687813 (AB), hamburg@robinwood.de, muenchen@robinwood.de
Bürozeiten: donnerstags von 12.30 bis lueneburg@robinwood.de
15.30 Uhr, berlin@robinwood.de
Kassel
Braunschweig jeden 1. Donnerstag im Monat, 17 bis
Donnerstag, 20 Uhr 19 Uhr im Umwelthaus Kassel, Infos bei
Ort bitte erfragen bei: Klaus Schotte: 0561/878384
Thomas Erbe: 0531/2505865 kassel@robinwood.de
braunschweig@robinwood.de
Köln
Bremen Montag, 20.30 Uhr
Geschäftsstelle Alte Feuerwache, Melchiorstr. 3
Dienstag, 19 Uhr koeln@robinwood.de
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